-1• NVIFA Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. 9 * S Allgemeiner Kreisanzeiger uepreis: Durch unsere Boten zugestellt für den Monat bsmark.— Einzelpreis 10 Reichspfennig.— Die Schwelmer Zeitung 4 44g4— Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Geschäftsstelle Nr. 6.— Telegr.=Anschrift: Zeitung Schwelm. für den Ennepe-Ruhr-Kreis ascheint tiglich mit2 Schwehm Uenstraße Ferumf Dr. 2lk. Fernruf Nr. 2018.— Hostscheckkonto Hannover 76913.— Für unverlaugt gesandte Mannstripte wird keine Verbindlichkeit Abernommen. Vewriebostbrungen oder Streiks rochtfertigen keinerlei Ersatzansprüche. Schibeimer Andiangeiger Mit den Beilagen: Tweigengreir In Anzeigentell für 1 um Botz(6 8 Reichspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10? in Retlametel(id um braich 90 Prh. be(36 mm breich zspfennig, außerhalb des Verbreitungsbezirkes 10 Reichopfennig: elameteil(75 mm breit) 30 Reichspfennig. Bei Wiederholung Rabatt, der jedoch bei gerichtlicher Beitreibung und im Falle einer Geschäftsaufsicht oder eines Konkurses fortfällt. Die Anfnahme von Anzeigen an bestimmten Cagen oder Stellen wird nicht gewäheleistet Schluß der Anzeigenannahme: Vormittags 10 Uhr. Auf roter Erde— Blätter für Unterhaltung— Modebericht— Auf heimischer Scholle. Lummer 1 Erstes Blatt Samstag, den 2. Januar 1932 103 Jahegaung Die eenfahrermsing Feim Velgepenseren..... Hindenburg sagt, in der Frage der Abrüstung kann es in Zukunft kein verschiedenes Recht für die Völker geben— Kommunisten stören Hindenburgs Kundfuntrede in gemeinster Weise Die Ausprachen * Berlin, 1. Jan, Anläßlich des Neujahrstages beim Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt, die um 10.45 Uhr durch das Aufziehen der Wache eingeleitet wurden, deren Meldung der Reichsprädent an der Tür seines Hauses entgegennahm. Die Chefs der beim Reich beglaubigten fremden diplomatischen Vertretungen versammelten sich im Großen Saal des Reichspräsidentenhauses. Die Kundfunkrede des Reichspräsidenten Dem deutschen Volk gebührt aufrichtigster Dank und Anerkennung * * Empfang der Diplomaten Um 12 Uhr trat der Reichspräsident mit seiner Begleitung ein. Der apostolische Nuntius Monsionore Orsenigo brachte als Doyen des diplomatischen Korps dessen Glückwünsche in einer Ansprache zum Ausdruck, in der er u. a. sagte: Herr Reichspräsident! Das Jahr, das soeben abgelaufen ist, war zweisellos eines der schwierigsten und härtesten für alle Bölker, aber in ganz besonderem Maße für Ihr deutsches Volk. Die Vorsehung hat der Welt mit tragischer Eindringlichkeit geoffenbart, wie eng und unlösbar die wirtschaftlichen Bande sind, welche die Bölker miteinander verknüpften. Belehrt und aufgerüttekt durch die Größe solcher Gefahren haben endlich alle Völker die Notwenbigkeit einer aufrichtigen und allseitigen Verständigung zu begreisen begonnen und rufen nach ihr mit lauter Stimme. Mit einer aufs höchste gesteigerten Sehnsucht schanen alle diesem neuen ### Jahr entgegen, und manch einer sieht darin be#reits den Anbruch einer neuen Kuliuraerk, in #. der der Fortschritt der Völkersitten alle kriegerischen Rültungen entbehrlich macht. Sollen alle ## schönen Erwartungen nochmals enttäuscht werden? Herr Reichspräsident! Unseren Wünschen, die der Wohlfahrt aller Nationen gelten, fügen wir freudig einen besonderen Wunsch für Ihre : g e l i e b t e N a t i o n h i n z u. D e u t s c h l a n d w u r d e s c h w e r von der großen Weltkrise betroffen. Aber all das hat nicht vermocht, ihm seine Willensstärke zu rauben, noch seinen Mut zu lähmen. Wir wünschen ihm, daß seine harten Anstreugungen Hald von Erfolg gekrönt werden. Zägleich mit diesen unseren Wünschen wollen Sie, Herr Reichspräsident, auch die innigsten Sesenswünsche entgegennehmen, die wir an diesem Tage— auch im Namen unserer Staatsoberhäupter— Ihrer verehrungswürdigen Person widmen. Der Reichspräsident antwortete hierauf u. a.: Es ist auch mir eine große Freude, heute zu Beginn des neuen Jahres aus Ihrem Munde wieder die Wünsche des Diplomatischen Korps für die Zukunft des deutschen Volkes entgegennehmen zu können. Für diese in so warmherziger Form ausgesprochenen Wünsche, und auch für die meiner Person gewidmeten freundlichen Worte danke ich Ihnen auf das aufrichtigste. Eine beispiellose Krise hat die gesamte Weltwirtschaft erschüttert und hat Deutschland auf das schwerste betroffen. Alle Zweige unserer Wirtschaft liegen darnieder. Millionen arbeitstüchtiger und arbeitswilliger Volksgenossen sehen sich ihrer Daseinsgrundlage beraubt. Auch die nicht der Arbeitslosigkeit versallenen Teile der Bevölkerung stehen unter stärkstem materiellem und seelischem Druck. Mit dankbarer Gennatnung kann ich Ihre Worte bestätigen. in denen Sie das von sprachen, daß die bittere Not nicht vermocht hat, dem deutschen Volk seine Willensstärke und seinen Mut zu nehmen. Deutschlchand hat zu ungewöhnlichen, tief einschneidenden Maßnahmen Ven PP.)“vianters rben gar uuerschterlig ten Opser, anserlegen, In nnerschütterlichen vaterländischem Bewußtsein hat das ganze Volk diese Opfer auf sich genommen. Die größten Austrengungen des einzelnen Volkes reichen jedoch allein nicht aus, der kritie schen Lage Herr zu werden. In verständnisvollem Zusammenwirken müssen von den Regiernngen Lösungen gefunden werden, die der unerbittlichen Wirklichkeit Rechnung tragen und so die Gesundung von Wirtschaft und Binanzen in der Welt ermöglichen. Kein Volk kann das Ende der kriegerischen Rüstungen anfrichtiger und fürker herbeiwünschen als das deutsche Volk. Es würe füer die Welt verhängnisvoll und es darf deshalb nicht sein, dat Lie Erraertungen in der Frage der Abekstna) Kochmals enttänsch, werden. Auch auf diesem=Gebiete kann in Inkuust, kein gerschteye: nec Recht füe die einzelnen Völker gelten, wenn * Berlin. 31. Dezbr. Die Rundfunkausprache des Reichspräsidenten am Silvesterabend lautete: Deutsche Männer und deutsche Frauen! Aus meinem Amt als Reichspräsident und aus dei Tatsache, daß ich als hochbeiragter Maxn einen verhältnismäßig großen Abschnitt deutscher Geschichte miterlebt habe, folgere ich die Berechtigung, heute als dem Abschluß eines schicksals: schweren Jahres wenige aber treugemeinte Worte an Sie zu richten, um Ihnen zu helfen, die Not der Zeit zu tragen, Ich bin mir vollbewußt, welche gewaltigen Opsei von jedem von uns verlangt werden, damit wir es versuchen können, durch eigene Kraft die gegenwärtige Notzeit zu überwinden. Dem deutschen Volke gebührt aufrichtigster Dank und hohe Anerkennung für die bisher bewiesene Opferbereitschaft und für die Geduld, mit der es in Erkenntnis der harten Notwendigkeit alle Leiden und alle Lasten getragen hat. Das sei hier zuerst Aber die Größe dieser Opfer, die wir bringen, berechtigt uns dem Auslande gegenüber gleichzeitig zu der Forderung, sich unserer Gesundung nicht durch Zumutung unmöglicher Leistungen entgegenzustellen. Auch in der Abrüstungsfrage darf Deutschland sein gutes Recht nicht vorenthalten werden. Unser Anspruch auf gleiche Sicherheit ist so klar, daß er nicht bestritten werden kann. Unwillkürlich denke ich zurück an Tannenberg. Unsere Lage war damals gleichfalls schwierig. Sehr gewagte Entschlüsse mußten gefaßt und hohe Anforderungen an die Truppe gestellt werden, um des Erfolges nach Möglichkeit gewiß zu sein. Da mag mancher innerlich Bedenken gehegt haben, aber das Band gegenseitigen Vertrauens, treuer Kameradschaft, inniger Vaterlandsliebe und der Glaube an uns selbst hielten uns fest zusammen, so daß die Entscheidung nach mehrtätigem heißen Ringen zu unseren Gunsten ausfiel. Auch heute rufe ich abermals in ernster Zeit, und zwar ganz Deutschland auf, zu gleicher treuer schicksalverbundener Einigkeit. Lassen Sie uns Hand in Hand unverzagt der Zukunft mit ihren sorgenschweren Entscheidungen entgegengehen. Möge keiner dem Kleiumut unterliegen, sondern jeder unerschütterlichen Glauben an des Vaterlaudes Zukunft behalten. Gott hat Deutschland schon ost aus tiefer Not errettet; er wird uns auch jetzt nicht verlassen! Und nun wünsche ich dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit und jedem einzelnen Deutschen aus vollem ireuen Herzen ein gesegnetes neues Jahr! Nach der Rede des Reichspräsidenten spielte die Musik das Deutschlandlied. Tieser Eindruck der Kundfunlrede Hindenburgs in Dänemark * Kopenhagen, 1. Jan. Die gesamte Kopenhagener Presse gibt die Rundfunkansprache des Reichspräsidenten von Hindenburg an auffallender Stelle wieder. Die meisten Blätter bringen gleichzeitig auch Bilder des Reichspräsidenten. Einmütig stellt die Presse fest, daß die Ansprache Hindenburgs auf die dänischen Hörer einen tiefen Eindruck gemacht habe.„Berlingske Tidende“ erwähnt auch die Störungsversuche der Kommunisten und erklärt, daß die Störungen, die für die dänischen Hörer wirkungslos blieben, den Eindruck der Rede eher noch vertieft als geschädigt hätten. Klarer Empfang der hindenburgrede in Amerika * Newyork, 31. Dez. Die Neujahrsansprache des Reichspräsidenten von Hindenburg im Rundsunk wurde hier in voller Klarheit gehört. Die Rede hinterließ bei den vielen Millionen Zuhörern im ganzen Lande einen tiefen Eindruck. Der deutsche Generalkonsul in Newyork, Kiep, vermittelte den Amerikanern die englische Uebersetzung. Reichspräsident von Hindenburg am Mikrophon K das Vertrauen, die Grundlage aller VölkerbeMöhte das neue Jahr in allen diesen SchichSescg gi####i######e bringen! salsfragen endlich * befreiende Taten Möchte es den Rezierungen gelingen, sich in vertrauensvoller und gerechter Solidarität zusammenfinden, um die Bölker aus dem Dunkel der Gegenwart einer lichteren Zukunft entgegenzuführen und der Welt die endgültige Befriedigung geben. Nach dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrswünsche. Um 12,30 Uhr fand der Enplang der Reicheregerung statt. Als Vertreter des beurlaubten Reichskanzlers begrüßte Reichspostminister Dr. Schätzel namens der Reichsminister und Staatssekretäre des Reiches den Reichspräsidenten mit einer Ansprache, in der er die Glückwünsche der Reichsregierung übermittelte. Auf ein schweres Jahr, so fuhr er fort, voll ernster Sorgen und Gefahren, blickt das deutsche Volk zurück. Die Worte, die Sie, Herr Reichspräsident, gestern am Abschiedstage des alten Jahres, mahnend und aufrichtend dem deutschen Volke zuriefen, werden neue Zuversicht und Hoffnung in jedes deutsche Herz tragen. Das neue Jahr soll nun die entscheidenden Verhandlungen bringen und die Reichsregierung hofft, daß es der Einsicht aller gelingt, zu einer Regelung zu kommen, welche die Wirtschaft wieder heilt und den schwergeprüften, von der Geißel der Arbeitslosigkeit gepeinigten Völkern neuen Lebensmut einhaucht. An diese schwere Arbeit des neuen Jahres geht die Reichsregierung von dem festen Willen beseelt, unserem Volk und Baterland die notwendigen Erleichterungen zu schaffen. Sie findet hierbei Stütze und Stärke in dem leuchten Vorbild, das Sie, Herr Reichspräsident, in einem an Arbeit und Erfolgen reich gesegneten und langem Leben uns allen geben. Ihre Pflichttreue, Ihr Gerechtigkeitssinn, Ihre unerschütierliche Zuversicht und Ihr Glaube an Deutschland bilden in unserem politischen Leben ein unersetzliches Gut, das Gottes Gnade unserem Vaterlande noch lange erhalten möchte. Der Reichspräsiden! erwiderte darauf u. Für die Glückwünsche, die Sie mir namens der Reichsregierung auszusprechen die Freundlichkeit hatten. sage ich Ihnen meinen auffrichtigen Dank. Ein an Arbeit und schweren Eutschlüssen reiches Jahr liegt hinter Ihnen. Ich erkenne dankbar an, daß der Herr Reichskanzler und Sie mit hingebender und pflichttrenester Arbeit alles getan haben, um Deutschlands Finauzen und Wirtschaft den veränderten Verhältnissen anzupassen und den uns ganz besonders bedrohenden Sturm der Weltwirtschaftskrise zu bestehen. Unter dem Zwange der Notwendigkeit mußten dem deutschen Volke harte Lasten auferlegt und Eingriffe in die Rechtssphäre des einzelnen vorgenommen werden. Die in ernsten Tagen immer bewährte hohe moralische Kraft des deutschen Volkes, sein stets bewiesener Wille zur Selbstbehauptung und sein stark ausgeprägter Ordnungssinn haben Deutschland befähigt, diese Opfer zu tragen und stand zu halten. Ich bin im Innersten überzeugt, daß Deutschland auch in Zukunft alle Gefahren überstehen wird, wenn es nur einig ist und tren. So begrüße ich es, daß die Reichsregierung, von dem festen Willen beseelt, dem deutschen Volke die notwendigen Erleichterungen zu schaffen, in das neue Jahr eintritt. Möge die Arbeit der Reichsregierung und möge Ihrer aller persönliches Wirken von Erfolg begleitet sein! Der Reichspräsident begrüßte darauf die einzelnen Reichsminister und Staatssekretäre. Um 12,.50 Uhr empfing der Reichspräsident den Reichstagspräsidenten Loebe und den Reichstagsvizepräsidenten von Kardorff zur Entgegennahme der Glückwünsche des Reichstages. Es folgte der Empfang einer Abordnung des Reichsrates, der preußischen Staatsregierung, der Wehrmacht, der Reichsbank und der Reichsbahn. Prosessor Strauch gesiorben * Berlin. 31. Dez. Der bekannte Berliner Gerichtsarzt Medizinalrat Professor Dr. Curt Strauch ist heute früh an den Folgen einer Operation gestorben, der er sich vor einigen Tagen unterzogen hatte. Professor Strauch, selbst Sohn eines Arztes. stammt aus Frankfurt an der Oder und ist 68 Fahre alt geworden. Neben seiner Tätigkeit als gerichtlicher Sachverständiger in vielen großen Mordprozessen war er auch Universitätsprofsessor. ui us 8 N. — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Kurze Tagesnenigkeiten Eillv Außem schwer erkrankt * München, 1. Jan. Die bekannte Tennismeisterin Cilly Außem erkrankte am Freitag auf der Fahrt von Hamburg nach dem Süden plötzlich an Blinddarmentzündung und mußte in München sofort ärztlicher Behandlung zugeführt werden. Wie verlautet, soll eine Operation nicht mehr zu umgehen sein. Beim Schifahren tödlich verunglückt * München, 1. Jan. Wie die„Burgwacht" mitteilt, stürzten am Donnerstag zwei Schifahrer am Kitzbücheler Horn ab und fanden dabei den Tod. Es handelt sich um einen Touristen aus Graz namens Oehler und um einen Traunsteiner Hilfslehrer namens Schneid. „Paris Soir“ über die Hindenburg=Rede * Paris, 1. Jan. Zu der Rundfunkrede des Reichspräsidenten betont„Paris Soir“, daß der außergewöhnlich entschlossene Ton dieser Ausführungen um so bemerkenswerter sei, als man am Vorabend von zwei wichtigen Konferenzen stehe. Noch niemals habe Deutschland mit solcher Sicherheit erklärt, daß es sich endgültig von den Verpflichtungen befreien wolle, die man ihm seit 1919 auserlegt habe. Die entschlossene Haltung des Reiches und die Ermutigungen, die es vom Auslande erhalte, müßten in Frankreich mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Erkrankung des französischen Kriegsministers * Paris, 1. Jan. Der französische Kriegsminister Maginot wurde in eine Klinik übergeführt. Der Minister. der seit einigen Tagen an einer tbphusartigen Darminfektion leidet hat eine so schlechte Nacht verbracht, daß die Aerzte es für angebracht gehalten haben, seine Ueberführung in eine Klinik anzuordnen. Das Fieber betrug in der letzten Nacht 39.5. Straßenbahnentgleisung in Lüttich— Ein Toter, 38 Verletzte * Lüttich, 1. Jan. Ein Straßenbahnwagen geriet gestern ins Gleiten, fuhr mit voller Geschwindigkeit eine abschüssige Straße hinunter und stürzte in einer Kurve um. 38 Personen wurden verletzt, ein Verletzter starb im Krankenhaus. Blutige Zusammenstöße in Spanien * Madrid, 1. Jan. In verschiedenen Ortschaften der Provinz Badajoz ist es zu Zusammenstößen gekommen. Drei Polizisten wurden getötet. Wolfsjagden in Nordspanien * Santander, 1. Jan. In ganz Nordspanien sind starke Schneefälle zu verzeichnen, die stellenweise zwei Meter Höhe erreicht haben. Der Verkehr ist fast überall lahmgelegt. In mehreren Ortschaften sind Rudel von Wölfen aufgetaucht, denen bereits viel Vieh zum Opfer gefallen ist. Die Bauern veranstalten regelrechte Wolfsjagden. Wirbelsturm in den Vereinigten Staaten— Fünf Tote * Jackson(Missouri), 1. Jan. Durch einen Wirbelsturm und eine darauffolgende Ueberschwemmung wurden fünf Personen getötet und 50 schwer verletzt, von denen drei im Sterben liegen. Der Schaden ist bedeutend. Ausführungsbestimmungen zur Weleselieee Berlin, 31. Dez. Die Ausführungsbestimmungen über die Pensionskürzungsvorschriften der dritten Notverordnung vom 6. Oktober 1931 werden nunmehr bekannt. Als Anrechnungseinkommen kommen danach nur eigene Einkünfte des Ruhegehaltsempfängers in Betracht, die als Gewinn aus selbständiger Erwerbs= und Berufstätigkeit und als Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit von der Einkommensteuer erfaßt werden. nicht aber Einkünfte, die ohne Arbeit oder nur auf Grund einer begrenzten Verwaltungstätigkeit erzielt werden. Als Kinderzuschläge gelten auch die in gesetzlich nicht geregelten Fällen etwa bewilligten Kinderbeihilfen. Da der Steuerbescheid erst nach Ablauf des ihm zugrunde liegenden Steuerabschnitts erteilt wird, kann auch die Kürzung des Ruhegehalts endgültig erst nachträglich vorgenommen werden. Bis zum Ergehen dieses Steuerbescheides ist die Kürzung vorläufig auf der Grundlage des vorhergegangenen Steuerbescheides vorzunehmen, es sei denn, daß der Betreffende den Nachweis einer seitdem eingetretenen Aenderung erbringt. Die für die Feststellung des Anrechnungseinkommens zuständigen Behörden stellen den Versorgungsberechtigten sogleich ein Merkblatt zu. Bestehen über die Höhe des Anrechnungseinkommens Zweifel, so übersendet die Regelungsbehörde die Anzeige an das zuständige Finanzamt mit der Bitte um Ermittlung und Mitteilung des Anrechnungseinkommens. Geht der Regelungsbehörde eine Anzeige des Ruhegeldempfängers über eine Aenderung seines Einkommens zu, so ist in gleicher Weise zu verfahren. Von einer vorläufigen Regelung ist abzusehen, wenn sich das Anrechnungseinkommen so verändert hat, daß sich gegenüber dem der letzten endgültigen oder erstmaligen vorläufigen Regelung zugrunde gelegten Jahresbetrag voraussichtlich nur eine Erhöhung von weniger als 1200 Mark ergibt. Die Pensionskürzungsvorschriften sind mit Wirkung vom 1. Januar 1932 anwendbar. Ein Aufruf Groeners zum neuen Jahre Reichswehrminister Groener zugleich beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers des Innern Das Schicksal Deutschlands liegt in unserer Hand. Die Wendung, die wir erhoffen, wird nicht durch irgendwelche Wunder herbeigeführt werden. Nur dem Menschen, der in wachem Glauben gestaltend an seinem Leben arbeitet, geschieht das Wunder der Erneuerung seiner inneren Lebenskraft. Nur dem Volke, das im Glauben an die eigene Kraft bereit ist, in stetiger, verantwortungsbewußter Arbeit um Ehre, Freiheit und das Wohl aller seiner Glieden zu ringen, geschieht im Wechsel der Generationen das Wunder der stetigen Erneuerung seines Lebenswillens. Für die Anwendung der uns gegebenen Kräfte tragen wir allein die Verantwortung. An der Schwelle des neuen Jahres sei sich jeder der besonderen Bedeutung dieser Verantwortung bewußt. Denn die großen Entscheidungen, die in diesem Jahre über Deutschlands Zukunft fallen werden, hängen in höchstem Maße davon ab, ob sich das deutsche Volk Illusionen hingibt oder den nüchternen Sinn für das Notwendige und Erreichbare behält. Vor zwei Illustonen möchte ichvor allem warnen: Es gibt keine Patentlösung, die uns von der Not der Gegenwart befreien könnte. Keine Regierung, von welcher Seite sie auch kommen sollte, kann dem einzelnen die Sorge um seine wirtschaftliche Existenz abnehmen. Es gibt auch keine Lösung der unendlich schwierigen außenpolitischen Fragen, die nicht auf der eigenen Kraft Deutschlands beruht. Wer Hilfe und Rettung vom Ausland erwartet, die wir uns nicht selbst errungen haben, gibt sich ebenso Illusionen hin, wie der, der glaubt, man könne das deutsche Volk vom Weltgeschehen abschließen. Es kommt darauf an, dem vom Reichskanzler Brüning mit der ganzen Kraft und dem Verantwortungsbewußtsein seinen Persönlichkeit eingeleiteten Kampf um die Neugestaltung der wirtschaftlichen Freiheit Deutschlands und um das unverzichtbare Recht der Wehrfreiheit durch stetige, mühsame Arbeit die innere Kraft zu geben. Sie darf nicht gebrochen werden durch Enttäuschungen über unerfüllte Wünsche, die den Boden der Wirklichkeit verlassen haben. Vom neuen Jahre erhoffen Millionen Deutsche die Erfüllung der Wünsche, die sie mit dem Begriff des„Dritten Reichs“ verbinden. Es ist den Kündern dieses Zieles nicht gelungen, dem Traum einer politischen Erneuerung eine greifbare Gestalt zu geben. Hoffnungen und Pläne aller Art umweben das sagenhafte Ziel und nähren die Illusion, daß die Not, die auf dem deutschen Volke lastet, mit seiner Erreichung beseitigt wäre. Ich habe Verständnis dafür, daß aufstrebende Kräfte sich ein Fernziel bilden und mit dem Mythos einer neuen Geschichtsepoche verklären. Wer aber gestaltend in die Geschicke des deutschen Volkes eingreifen will, darf sich nicht Träumen der Romantik hingeben. Er muß sich jederzeit und ohne jeden Vorbehalt darüber klar sein, daß allein der Weg, den Verfassung und Gesetz weisen, die Rechtmäßigkeit seines Handelns begründen kann. Der Weg, den das deutsche Volk im neuen Jahre geht, darf kein Weg der Illusionen sein. Dazu gehört in erster Linie die Erkenntnis daß jeder Plan und jede Handlung nur ihre Verwirklichung finden können, wenn sie mit der uneingeschränkten Anerkennung der Autorität des Staates verbunden sind. Es gibt, weit über Parteiwünschen und=zielen stehend, den absoluten Begriff des Staates. Symbol dieses Begriffes zu sein ist die vornehmste Aufgabe der Wehrmacht. Sie hat im vergangenen Jahre diese Aufgabe erfüllt. Vom höchsten Offizier bis zum jüngsten Rekruten sei sie sich auch im neuen Jahre bewußt, daß in der Haltung jedes einzelnen der Dienst an Staat und Volk Ausdruck finden muß. Das ist ihre Pflicht und Ehre zugleich. Im gleichen Sinne muß die Beamteuschaft im Begriff des Staatsdienertums ihre Aufgabe suchen. In einer Zeit, in der die verschiedensten Kräfte an die Führung im Staate drängen, ist mehr denn je die Autorität des Staates von der Autorität seiner Beamtenschaft abhängig. Sie steht und fällt aber damit, daß der Beamte dem Staat und nicht einer Partei oder Privatinteressen dient. Die Pflicht der Regierung, Ruhe und Ordnung im Innern zu sichern, hat zu weitgehenden Einschränkungen der freien politischen Betätigung geführt. Solche Verordnungen müssen, wenn sie ihren Zweck erreichen sollen, mit Ernst und Strenge gegen jeden angewandt werden, der sich gegen das Recht auflehnt. Ueber ihre Anwendung muß aber das oberste Gesetz der Staatsführung, die Gerechtigkeit, stehen. Man hat— manchmal nicht ohne Grund— im vergangenen Jahre darüber Klage geführt, daß diesem Gesichtspunkt nicht immer voll Rechnung getragen worden ist. Aus einer mit dem Herrn Reichspräsidenten um die Jahreswende geführten Unterredung kann ich versichern, daß er entschlossen ist, seinem Willen, die gerechte und unparteiische Anwendung der von ihm erlafsenen Notverordnungen sicherzustellen, mit allem Nachdruck Geltung zu verschaffen. Der Wehrmacht, der Polizei und der Beamtenschaft fällt im neuen Jahre die besondere Aufgabe zu, den inneren Bestand des Staates so zu sichern, daß sich die Kräfte, die für die schweren außenpolitischen Entscheidungen eingesetzt werden müssen, frei entfalten können. Zu dieser Entfaltung der Kräfte gehört aber vor allem auch der Wille, nicht in alle Gebiete, auf denen wir zusammenarbeiten, müssen, parteipolitische Gegensätze hineinzutragen. Politik gehört nicht in die Schule, auf den Sportplatz oder in die Stätten, die der religiösen Erhebung und kulturellen Weiterentwicklung des Volkes dienen sollen. Wir brauchen in Deutschland Menschen, die ihre Kräfte nicht in innerem Parteistreit verbrauchen, sondern sie voll für die großen Schicksalsfragen der Nation einsetzen können. Wenn ich für das deutsche Volk an dieser Jahreswende einen Wunsch habe, dann ist es der, daß es die Ausdauer besitze, den Kampf um seine Freiheit durchzuhalten, dessen Sieg auf Arbeit und Opfern beruht. In diesem Sinne wende ich mich zum neuen Jahre auch an die Jugend. Gegenüber der werbenden Kraft begeisternder Ideale muß der Staat Euch immer wieder mahnen den Sinn für die ernste Wirklichkeit nicht zu verlieren. Das ist in Zeiten der Not die undankbare Aufgabe. Aber wer von der Verantwortung um Deutschlands Zukunft erfüllt ist, weiß, daß es nicht in erster Linie die Aufgabe des Staates ist, zu werben, sondern zu erziehen. Erziehung zur Ehrsurcht vor Gott, zur Achtung vor der selbstlosen Arbeit ander Nation, zum Gehorsam gegenüber Führern und Gesetzen, zur Liebe zum Vaterlande. Erziehung zu harten Kämpfern im täglichen Leben und in den Schicksalsstunden des Vaterlandes. In diesem Sinne rufe ich allen Deutschen zu: Glückauf ins neue Jahr! Der Reichstag im Jahre 1932 Längerer Tagungsabschnitt bevorstehend * Berlin, 31. Dez. Der Aeltestenrat des Reichstages tritt am 11. oder 12. Januar zusammen, um darüber zu entscheiden, ob der Reichstag, wie ursprünglich beabsichtigt, erst am 28. Feöruar oder bereits vorher zusammentreten soll. Man nimmt an, daß der kommende Tagungsabschnitt von längerer Dauer sein wird, da umfangreiche Beratungsgegenstände vorliegen. Der Reichshaushaltsplan für 1932 soll unmittelbar im Anschluß an die Tributverhandlungen aufgestellt und den gesetzgebenden Körperschaften zugeleitet werden. Das neue Haushaltsjahr beginnt diesmal erst am 1. Juli, da infolge des Hoover=Moratoriums das laufende Haushaltsjahr durch Notverordnung bis zum 30. Juni verlängert wurde. Dem Reichstag wird also zur Beratung des neuen Haushaltes genügend Zeit zur Verfügung stehen. Im übrigen harren für die nächste Reichstagstagung zahlreiche Gesetzgebungswerke der Erledigung, so u. a. die Strafrechtsreform, das Zugabewesen, das Beamtendisziplinarrecht, das Pensionskürzungsgesetz, das Reichswasserstraßengesetz, dessen Entwurf bis dahin fertiggestellt sein dürfte, und die Verwaltungsreform in der Sozialversicherung. Die Ausschußarbeiten werden im Reichstag bereits in der ersten Januarhälfte wieder ausgenommen. Am 12. Januar tritt der Strafrechtsausschuß zu einer mehrwöchigen Tagung zusammen, um die Vorberatung der Strafrechtsreform abzuschließen. Auch der Haushaltsausschuß, der Volkswirtschaftliche Ausschuß, der Wohnungsausschuß und andere Reichstagsausschüsse haben für die nächsten Wochen neue Tagungen anberaumt. Die Verständigung zwischen Aerzten und Krankenkassen * Berlin, 31, Dez. Ueber die Verordnung des Reichsarbeitsministers über die Neuordnung des kassenärztlichen Dienstes wird nunmehr eine offizielle Verlautbarung ausgegeben. Die Verordnung, so heißt es darin, beendigt den Kampf zwischen Aerzten und Krankenkassen und beurkundet den Frieden zwischen den Parteien. In der Geschichte der Krankenversicherung war der Dezember schon immer ein Schicksalsmonat: Am 1. Dezember 1884 begann die Krankenversicherung und damit das Rechtsverhältnis zwischen Aerzten und Krankenkassen. Im Dezember 1911 wurde der drohende Bruch zwischen Aerzten und Krankenkassen durch das Berliner Abkommen zur Not abgewendet. Die Unruhen im Dezember 1923 endigten mit der Begründung einer Arbeitsgemeinschaft im Reichsausschuß für Aerzte und Krankenkassen. Der Dezember 1923 bringt den Frieden, der Dauer verspricht. Für den kassenärztlichen Dienst sind die Mantel= und Gesamtverträge maßgebend. Kommen solche Verträge nicht zustande, so bestimmt ihren Inhalt ein paritätisch zusammngesetztes Schiedsamt unter dem Vorsitz eines Unparteiischen. Der Einzelvertrag kommt kadurch zustande, daß der Arzt durch eine schriftliche Erklärung dem Gesamtvertrag beitritt. Die Verträge regeln Art und Umfang der kassenärztlichen Leistungen. Für die ärztliche Versorgung der Kassenmtiglieder und ihrer Angehörigen wird eine gegen 1930 ermäßigte Gesamtvergütung gewährt. Die kassenärztliche Vereinigung verteilt die Gesamtvergütung unter ihre Mitglieder nach Art und Umfang der von diesen bewirkten Leistungen. Es ist nicht etwa so, daß die Vereinigung die kassenärztliche Versorgung in Regie übernimmt. Den Aerzten steht sozusagen der Wettbewerb um die Patienten frei. Die Frucht seiner Arbeit erntet der Kassenarzt in dem Anteil an der Gesamtvergütung, der seiner Arbeit entspricht. Das versönliche Verhältnis zwischen dem Arzt und den Kranken wird hiernach durch die Freiheit des Arztes und sein wirtschaftliches Interesse geschützt. Die Vereinigung übernimmt zudem die Gewähr für eine ausreichende und zweckmäßige kassenärzt= liche Behandlung der Kranken und für die wirtschaftliche Verordnung von Arznei= und Heilmitteln. Die Verordnung löst zugleich ein wichtiges sozial=ärztliches Problem: die Jungarztfrage. Nach der bisherigen Regelung kam erst auf 1000 Versicherte ein Krankenarzt. Zugunsten der Jungärzte wird diese Verhältniszahl in der Weise verbessert, daß schon auf 600 Versicherte ein Kassenarzt zugelassen wird. Dadurch verkürzt sich gegen früher die Wartezeit der meist gut ausgebildeten Jungärzte. Das ist für die Krankenversicherung eher ein Gewinn als ein Nachteil: Die Gesamtvergütung richtet sich nicht mehr nach der Zahl der Kassenärzte auch nicht nach der Zahl der Krankheitsfälle; für die Gesamtvergütung ist maßgebend ein aus der Erfahrung gewonnenes Kopfpauschale und die durchschnittliche Zahl der Kassenmitglieder. Die Verordnung entspricht in ihrem wesentlichen Inhalt dem Willen der Aerzte und Krankenkassen, sic erwartet, daß das Gleichgewicht zwischen Aerzten und Krankenkassen auf die Dauer gewahrt bleibt. Unerhörte kommunistische Störungen bei der nede des ReichsPrastdelten * Berlin, 31. Dez. Die Ansprache, die Reichspräsident von Hindenburg am Silvesterabend im Rundfunk hielt, und die auf sämtliche nordamerikanischen und dänischen Sender übertragen wurde, ist von einem fremden Sender aus, dessen Identität zurzeit noch nicht bekannt ist, gestört worden. Als der Reichspräsident am Schluß seiner Rede ausführte:„Auch heute rufe ich...“. begannen die Störungsversuche mit den Worten:„Achtung, Achtung! Deutschland steht im Zeichen von Rot Front!..." Der kommunistische Propagandasprecher, der alsdann noch von der Einheitsfront des Proletariats sprach und gegen Diktatur und Notverordnung aufrief, konnte dann wieder von der Welle verdrängt werden, so daß die letzten Worte des Reichspräsidenten wieder deutlich zu hören waren. Die sich anschließende Uebertragung ins Englische ging ohne weitere Störungen vor sich. Empörung über den Zwischenfall * Berlin, 31. Dez. In verschiedenen Gegenden Deutschlands ist die Ansprache des Reichspräsidenten nur höchst unvollständig vernommen worden. Zahlreiche telegraphische und telephonische Anfragen beweisen, daß auch im Auslande die Störungen wahrgenommen worden sind. So ist beispielsweise in den Randstaaten der kommunistische Redner deutlich gehört worden. Die Erregung in weiten Kreisen des In= und Auslandes über die kommunistische Unverschämtheit ist außerordentlich stark. Wichtige Ermitlungen über die kommunistische Rundfunkstörung * Berlin, 1. Jan. Die bisherigen Ermittlungen in der Angelegenheit der kommunistischen Rundfunkstörung bei der Rede des Reichspräsidenten haben ergeben, daß das Leitungskabel nach Königswusterhausen hinter dem Krankenhaus Neukölln angeschnitten worden ist. Die Störungsstelle liegt in einem sogen. Kabelbrunnen. Die Täter haben es fertig gebracht, unter den vielen einzelnen Kabeladern, die in einem großen Bündel zusammenlaufen, gerade die Ader herauszusuchen, über die der Reichspräsident sprach. Es gehört dazu eine genaue Sachkenntnis und unter Umständen auch eine längere Vorbereitung der Tat. Hat man erst einmal die richtige Ader gefunden, so ist das Zwischensprechen mit ganz geringen technischen Mitteln ohne weiteres möglich. Auf jeden geht daraus hervor, daß hier Leute am Werk gewesen sind, die nicht nur mit Telephonie und Funkerei, sondern vor allem auch mit den örtlichen Verhältnissen wie der Lage des Kabels unter der Erde genau Bescheid wissen. Man kann annehmen, daß es Leute gewesen sind, die seinerzeit bei der Anlegung oder bei der Reparatur des Kabels beschäftigt waren. Damit sind die Nachforschungen auf einen ganz bestimmten Personenkreis beschränkt, und die Arbeit der politischen Polizei scheint in dieser Richtung schon weit fortgeschritten elfen. Vor einem nezen Religionskampf : in Mexiko: * Mexiko=Stadt, 31. Dez. Erzbischof Pasoual Diaz erließ eine Verordnung. in der die Priester und die Bevölkerung zu friedlichem Widerstand gegen das neue Gesetz aufgefordert werden, wonach die Zahl der Priester so herabgesetzt werden soll, daß auf 50000 Seelen ein Geistlicher kommt. In Mexiko=Stadt müßten dementsprechend 219 von 244 Kirchen schließen. Es wird befürchtet, daß hierdurch der Religionskampf und der Bürgerkrieg erneut aufflammen. Jetzt braucht Beine Familie den Schutz Weltler=Ervensberacherung ine Levensverücherung üichert Beiner Frau und Beinen Kindern Brot und Peim. Kleidung und das Kotwendigste zum Leben. Ranntt Du es vor Weinem Gewillen verantworten. Beiner Familie dielen Schutz wieder kortzunehmen? Erhalte Beine Lebensverüicherung in Kraft! Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Vor einer grundlegenden Reuordnung de Verscherunggnesens * Berlin, 31. Dezbr. Von Seiten des Reichsarbeitsministeriums wird nunmehr bestätigt, daß für Ende Februar eine grundlegende Neuordnung des Versicherungswesens zu erwarten ist. Die Notverordnung habe nicht alle Folgerungen aus der Deflation gezogen. Die Knappschafts= und Invalidenversicherung haben zwar eine Erleichterung erfahren, sind aber nicht erneuert worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich aus einer Neuordnung dieser beiden Versicherungszweige auch Folgerungen für die Angestelltenversicherung ergeben. Besonders wichtig sind die organisatorischen Veränderungen. Man überlegt sich, ob z. B. 7500 Krankenkassen oder die große Zahl der anderen Versicherungskassen noch notwendig sind, ohne daß dabei die Versicherungsträger als solche von einer Neuordnung berührt werden sollten. Man ist auch der Ueberzeugung, daß die Versicherungsträger als solche von einer Neuordnung berührt werden sollten. Man ist auch der Ueberzeugung, daß die Versicherungsämter die allgemeinen Erwartungen, die die Reichsversicherungsordnung in sie gesetzt hat, nicht allgemein erfüllt haben. Zwar haben die großen Angestellten wie Berlin, Hamburg. München und die anderer Städte den Erwartungen entsprochen, einzelne Stellen jedoch, insbesondere dort, wo die Aufgaben des Versicherungswesens den Landräten oblagen, die unmöglich Fachmänner auch auf dem Gebiet des Versicherungswesens sein können. nicht. Es ist geplant, in einer durchgängigen Organisation nunmehr alle Versicherungsaufgaben fachmännisch geschulten Kräften zu übergeben. In Bayern. Sachsen und Baden bestehen eigene Landesversicherungsämter. Von den Verhandlungen mit diesen Ländern wird es abhängen, ob diese Versicherungsämter noch bestehen bleiben sollen oder nicht. Ruvland füre Aushebung des Altoholverbots * Helsingfors. 31. Dez. Obwohl heute erst die Zissern für ein Achtel des Landes vorliegen, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß das finnische Volk sich gegen das Alkoholverbot entschieden hat. Die letzten Ziffern ergeben folgendes Bild: 82 300 Stimmen für Freigabe von Weinen sowohl wie Spirituosen, 20 000 für Beibehaltung des Alkohol= verbotes und 950 für die teilweise Aufhebung des Verbotes. d. h. für die Freigabe von leichten Weinen. Wenn es auch möglich ist, daß das Verhältnis zwischen den Befürwortern und Gegnern des Alkoholverbotes sich noch ändert, so gilt doch als sicher, daß eine erdrückende Mehrheit für die Aufhebung des Verbotes zustandekommt und daß die Regierung diesem Ausdruck des Volkswillens Rechnung tragen muß. Carnegie=Hüistung und Goelhe-Feier * Newyork, 31. Dez. Auf Veranlassung des Präsidenten Nikolaus Murray Butler haben die Carnegie=Stiftung für den internationalen Frieden und die Bibliothek der Columbia University in Newyork beschlossen, als Patrone je 500 Mark für die geplante fünfzigbändige Goethe=Ausgabe der Stadt Mainz zu zeichnen. Die Antwort des Vizekönigs an Gandhi * Bombay, 31. Dez. Der Wortlaut der Erniderung des Vizekönigs auf das Gesuch Gandhis um eine Unterredung ist nicht bekanntgegeben worden. Nachdem die Mitglieder des Ausschusses des Allindischen Kongresses die Antwort geprüft hatten, gingen sie mit ernsten Mienen auseinander. Zwei Gandhi sehr nahestehende Persönlichkeiten erklärten die Lage sei äußerst ernst, und man solle für den Krieg vorbereitet sein. Gandhi selbst formuliert die Antwort des Ausschuffes an den Vizekönig. * Kalkutta, 31. Dez. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, soll die Antwort des Vizekönigs an Gandhi besagen, daß er bereit sei, mit Gaudhi über Verfassungsfragen, die sich aus der Konferenz am Runden Tisch ergaben, zu sprechen; er werde ihm aber für keinen Fall gestatten, auf die Frage der letzten Verordnungen einzugehen. Sollte der Kongreß die Wiederaufnahme des„Ungehorsamfeldzuges" befehlen, so sei die Regierung gerüstet. Rlarek-Prozeß * Berlin, 31. Dez. In der heutigen Verhandlung im Sklarek=Prozeß hielt der Vorsitzende dem Angeklagten, Stadtbankdirektor Hoffmann, vor, daß der Vorsteher der Wechselkontrollabteilung, Direktor Tauschel, Bedenken gegen die Wechsel geäußert habe, die die Sklareks der Stadtbank zur Diskontierung als angebliche Warenwechsel gaben. Hoffmann enklärte, daß es sich lediglich um Bedenken formaler Natur gehandelt, und daß Tauschel nicht die Sicherheit der Akzepte bezweifelt habe. Er verteidigte sich dann weiter dagegen, daß er für die Qualität der Revisoren verantwortlich gemacht werde, und betonte, daß diese Personalangelegenheit zum Ressort des geschäftsführenden Direktors Schmitt gehört habe. Der Angeklagte Schmitt erklärte hierauf, daß er den Revisor Schröder immer als sehr zuverlässigen Beamten kennen gelernt habe. Auch er betonte, daß die Sklarekschen Wechsel nur als Nebendeckung hereingenommen wurden, daß aber die Stadtbank das Geschäft sofort gelöst hätte, wenn sie erfahren hätte, daß es sich um Kellerwechsel haudelte.— Der Vorsitzende hielt dann Stadtbankdirektor Hoffmann vor, daß man sich bei der Stadtbank eigentlich nie darüber klar geworden sei, welche Geschäfte den angeblichen Warenwechseln der Sklareks zugrundelägen. Hoffmann:„Das Wechselgeschäft hat doch für uns nun sekundäre Bedeutung gehabt.“ Vors.:„Ist Ihnen nicht auch aufgefallen, daß Leute, die angeblich Millionenaufträge an das Ausland haben— diese Scheingeschäfte sollten angeblich mit den Randstaaten und Rußland getätigt werden— sich unmöglich die Hacken ablaufen können, um einen Kredit von 300000 Mark zu bekommen und dafür ihr ganzes Lager verpfänden, wie es doch die Sklareks getan haben?“— Hoffmann:„Die Sklareks galten doch immen als Anhängsel der Stadt. Da sind wir ihnen nicht so gegenübergetreten, wie anderen Kunden.“— Vörs.“„Dadurch, daß die Sklareks mit der Stadt arbeiteten, waren sie doch noch keine städtische Stelle.“ Der Vertreten des als Nebenkläger zugelassenen Vereins gegen das Bestechungsunwesen, Dr. Kessel, machte Stadtbankdirektor Hoffmann dann darauf aufmerksam, daß ja überhaupt mit Rußland wegen des dort herrschenden Handelsmonopols gar keine Geschäfte in Textilwaren gemacht worden seien, und daß die Finanzierung mit Sowjetrußland überhaupt nur durch Sowjetwechsel, nicht aber durch private Akzepte erfolgte. Hoffmann erklärte aber, daß er das nicht gewußt habe, und es entspann sich eine längere Erörterung, ob diese Behauptung für ihn als Stadtbankdirektor im Bereich der Möglichkeit liegen könnte. Der Vorsitzende wies dann darauf hin, daß die Stadtbank für die von den Sklareks hereinzunehmenden Wechsel eine Grenze mit 200000 Mark festsetzte. Trotzdem wurden im Laufe der Zeit rund 600000 Mark an Gefälligkeitswechseln hereingenommen. — Der Vorsitzen de verlas dann ein Schreiben, das der Leiter der Wechsel=Kontrollabteilung im Juni 1927 von Reichsbankrat Rohde bekam, in dem es heißt: Damit die Kaufmannschaft nicht unberechtigt in den Staub gezogen wird, weisen wir darauf hin, daß die Firma Sklarek keine Warenwechsel, sondern nur Kellerwechsel ausstellt. Hoffmann erklärte, auf dieses Schreiben hin habe er Schröder und Tauschel mit einer Revision beauftragt, die ergeben habe, daß den Wechseln wirklich Warengeschäfte zugrundelagen. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß, um diese Revision zu ermöglichen, die primitivsten Fälschungen der Bücher genügten. Er frage Hoffmann: Konnte denn durch eine so oberFlächliche Prüfung ein so schwerer Verdacht ausgeräumt werden? Hoffmann erklärte, er sei von dem Bericht befriedigt gewesen. Im weiteren Verlauf machte R.=A. Pindar auf eine Auskunft der Auskunftei Schimmelpfennig aufmerksam, in der es heißt, die Firma Gloczweski— die den Sklareks die Gefälligkeitsakzepte gab— habe ein Vermögen von 100 000 RM. sei aben nur für 4000 RM. kreditwürdig. Der Vorsitzende fügte hinzu: Und, das war die Firma, deren Wechsel bis zu 10 Millionen ausmachten. R.=A. Pindar hielt Direktor Hoffmann weiter vor: Wenn Sie hören, daß Kellerwechsel gegeben sein sollen, dann ist doch eine solche Auskunft nur dazu angetan, Ihren Verdacht zu verstärken. Die Verhandlung wurde dann auf Montag vertagt. Alle Bruchleidenden werden auf das heutige Inserat des SpezialBandagisten Ruffing aufmerksam gemacht. Ein neues Todesopfer in Lübeck Das Gutachten von Professor Hans Much " Lübeck, 31. Dez. Im Calmette=Prozeß erstattete am Donnerstag Professor Hans Much (Hamburg) sein Gutachten. Der Sachverständige kam dabei auf die Versuche Dr. Deyckes mit den BÖG.=Kulturen zu sprechen und erklärte, es liege kein Fehler Deyckes vor. Dr. Deycke habe damals an die Unschädlichkeit glauben können. Die ganze Lübecker Atmosphäre sei mit Unschädlichkeitsgedanken geschwängert gewesen. Er nehme nicht an, daß die BEG.=Kulturen von vornherein virulent gewesen seien. Die Identität des Kieler Stammes mit dem Drüsenbefund Grieses sei nicht stichhaltig erwiesen. Zum Schluß erklärte Much. ein verantwortlicher Staatsbeamter, der ein so kompliziertes Verfahren zur Einführung genehmigte, hätte mindestens von Zeit zu Zeit Erkundigungen über den Verlauf der von ihm für gut gehaltenen Impfung einziehen müssen. Auf die Frage des Staatsanwalts, ob sich diese Aeußerung auf Dr. Altstaedt beziehe, erwiderte Much, sie beziehe sich auch auf die vorgesetzten Behörden Altstaedts und auf die Stellen, die für die Einführung des Calmette=Verfahrens besonders verantwortlich seien. Rechtsanwalt Dr. Frey beantragte im weiteren Verlauf der Verhandlung, Professor Dr. Kleinschmidt zu beauftragen, noch heute nachmittag das Kind Jutta Hinz zu untersuchen, das an Magen= und Darmtuberkulose leide und im Sterben liege. Das im Dezember 1928 geborene Kind sei im Dezember 1929 wegen einer Erkrankung in ein Kinder= und Säuglingsheim eingeliefert worden. Von dort sei es am 5. Januar 1930 mit der Reaktionserscheinung nach der CalmetteFütterung in ein Säuglingshospital überwiesen worden. Inzwischen sei bekanntgeworden, daß die Pflegerin Martha Schulz das Kind im Dezember 1929 heimlich mit dem BCG. gefüttert habe. Der Oberstaatsanwalt widersprach dem Antrag, da der Fall bereits zum Generalstaatsanwalst gelangt und dort das Ermittlungsverfahren abgelehnt worden sei. Rechtsanwalt Frey wies darauf hin, daß die Pflegerin Martha Schulz noch nicht vernommen worden sei, und darauf komme es an. Die Verteidiger stimmten dem Autrage zu. Rechtsanwalt Dr. Frey beantragte dann, die Leiche der inzwischen verstorbenen Jutta Hinz zu beschlagnahmen und durch Professor Dr. Schürmann öffnen zu lassen. Das Gericht beschloß, die Pflegerin Martha Schulz als Zeugin zu hören und Professor Dr. Schürmann zu beauftragen, sestzustellen, ob das Kind Jutta Hinz an Tuberkulose verstorben ist, die auf jene Fütterung mit dem Lübecker Impfstoff zurückgeführt werden kann. Die Leichenöffnung des Kindes soll im Beisein von Dr. Schürmann erfolgen. Professor Dr. Kleinschmidt kommt in seinem Gutachten zum Falle Griese zu dem Schluß. daß man an eine Fütterungstuberkulose in diesem Falle nicht denken könnte. Die Möglichkeit, daß durch Tierversuche das Lübecker Unglück hätte vermieden werden können, verneint er. Er glaubt nicht, daß durch theraveutische Mittel der Eintritt des Todes hätte hinausgeschoben oder eine bestehende Krankheit hätte beseitigt werden können. Die Verhandlung wird dann auf Montag vertagt. Der neue Verwaltungsrat der Reichsbahn * Berlin, 31. Dez. Die Reichsregierung hat den neuen Verwaltungsrat der Reichsbahn ernannt. Die Herren Bergmann, v. Batocki und v. Siemens sind wieder ernannt worden. An Stelle der Herren Grund, Jeidels und v. Miller sind die Herren Staatssekretär z. D. Gutbrod und Ministerial= direktor Schulze vom preußischen Handelsministerium ernannt worden. Die Ernennung eines Vertreters der Beamtenschaft der Reichsbahn steht noch aus. Was wird in Schwelm geboten? Die Neujahrsfeier des Schwelmer Schützenvereins beginnt morgen. Sonntag abend um 6 Uhr auf der Wilhelmshöhe für die Mitglieder des Vereins, deren Angehörige und eingeführte Gäste. Diese Neujahrsfeier wird traditionell am ersten Sonntag nach Neujahr abgehalten und erfreute sich stets eines regen Besuches. Wie immer ist auch diesmal der Saal prächtig geschmückt, die Vergnügungskomission hat alles getan, um den Schützen einen genußreichen Abend zu verschaffen. Also, auf zur Wilhelmshöhe. * Eine große Neujahrsfeier veranstaltei der Verein ehem. 17er heute, Samstag abend, um 7 Uhr im Viktoriasaal. Der Festausschuß hat ein reichhaltiges Programm zusammengestellt, das die Besucher sicherlich erfreuen wird. Es ist deshalb mit einem starken Besuch zu rechnen. * Das Moderne Theater übt mit seinem Neujahrsprogramm große Anziehungskraft aus. Die Filme„Einbrecher“, eine musikalische Ehekomödie, und„Schicksalswürfel“ ein interessanter Film aus den indischen Dschungeln, sind sehenswert. Der Besuch ist deshalb zu empfehlen. Schwelm, 2. Januar. (=) Ein prachtvolles Winterwetter herrschte an den drei letzten Tagen. Silvester und Neujahr sind die Wintersportfreunde für die Enttäuschung der Weihnachtstage entschädigt worden. Tiefer Schneefall und 5—6 Grad Kälte— Besseres konnte man sich kaum wünschen. So war denn auch die neueröffnete Rodelbahn an der Waldlust der Anziehungspunkt vieler Rodellustiger nicht nur aus Schwelm, sondern auch aus dem Wuppertal. Der neue Start, wirklich eine Sehenswürdigkeit, bewährt sich gut, auch war die Bahn tadellos„im Schuß“, es herrschte, besonders gestern, ein reger Rodelverkehr. Aber auch viele Schaulustige hatten sich eingefunden, die an der Kurve und am Start dem regen Leben und Treiben mit Interesse zusahen. Hoffentlich beschert uns der Wettergott noch mehr Schnee. (=) Wieder Glatteis. Zum dritten Mal bescherte uns das Winterwetter gefährliches Glatteis. Während noch gestern abend eine Kälte von 5 Grad herrschte und der Boden durchfroren war, schlug das Wetter in der Nacht um: die Temperatur stieg über 0 Grad und der leichte Regen, den in den frühen Morgenstunden niederging, gefror auf dem kalten Boden zu Eis. Damit wurde der Frühverkehr fast lahmgelegt. Der Autobus der Wipverfürth=Schwelm=Linie rutschte in der Winterbergerstraße in den Straßengraben und konnte erst nach längerer Zeit wieder flottgemacht werden. Der Autobus soll leicht beschädigt worden sein. Einen besonders schweren Stand hatten die Milchfuhrwerke der Landwirte von der Schwelmer Höhe, die unsere Stadt mit Milch versorgen. Am Winterberg kippte ein mit Milchkannen beladener Schlitten um, dabei verfing sich der Fahrer im Zügel seines Pferdes, er kam ohne schweren Schaden davon. Die Milch wurde zum Teil verschüttet. Allgemein konnte man heute morgen ein großes Reinemachen der Bürgersteige beobachten. (=) Die Wintersportzüge fahren wegen des eingetretenen Tauwetters nicht. * Aus der kath. Gemeinde. Im Jahre 1931 wurden 85 Kinder getauft. 46 Eheschließungen fanden statt und 36 Todesfälle waren zu verzeichnen. Die Zahl der ausgeteilten hl. Kommunionen betrug rund 32 500. Wer fängr's an.. vor— gurgie trochen :: Rückgang der Lebenshaltungsrichtzahl im Dezember. Die Reichsrichtzahl für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„sonstiger Bedarf“) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Dezember auf 130,4 gegenüber 181/9 im Vormonat. Der Rückgang beträgt somit 1,1 v. H. An dem Rückgang sind hauptsächlich die Bedarfsgruppen Ernährung und Bekleidung beteiligt. Sprockhövel, 2. Januar. * Die Maul= und Klauenseuche ist nach Feststellung des beamteten Tierarztes unter dem KlauenNeue Ladehveikdunsprene fürvenikerzizeugmte Persll das selbsttätige Waschmittel 68 Persil das selbsttätige Waschmittel.. 36 Henke Henkel’s Wasch- und Bleich-Soda 13 Henkel’s Aufwasch-, Spül- und Reinigungsmittel.... 20 S1 Henkel'’s Bleichmittel 17 Ats Henkel’s Scheuerpulver(sein) 18 At Henkel’s Scheuerpulver(grob) 13 Dixin Henkel’'s Seifenpulver 23 Gutso Henkel’s Schnitzelseifenpulver 17 Pfennig das Doppelpaket Pfennig das Normalpaket Pfennig das Paket Pfennig das Paket Pfennig das Paket Pfennig die Streuflasche Plennig den Peliel Pfennig das Paket Pfennig das Paket Die verstehanden Preise gelten auch für Packungen, die noch mit dem früheren Preisaufdruck im Handel sind. Sämtliche Henkel-Erzeugnisse nach wie vor in unveränderter Güte und Vollkommenheit! P 305 Henkel 8 Cie. A.-G., Düsseldert Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. K— viehbestand des Landwirts Ludwig Thielmann in Obersprockhövel ausgebrochen. Die nötigen Sperrmaßnahmen sind getroffen. Hattingen, 2. Januar. * Starke Senkung der Beiträge bei der Allg. Ortskrankenkasse. Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den früheren Kreis Hattingen hat durch Ausschußbeschsluß die Beiträge für die Krankenversicherung von 5,7 auf 5 Prozent gesenkt und zwar mit Wirkung ab 1. 1. 1932 ab, angesichts der starken sozialen Belastung eine sehr begrüßenswerte Tat10ce. Westfalen, Rheinland und Nachbargreiete * Kamen, 31. Dez.(Vandalengelage in einer Verkaufsstelle.) Einbrecher drangen nach Zertrümmerung einer Hoftür in die Filiale der Firma B. in Rünthe ein und veranstalteten ein wüstes Gelage. Sämtliche Räume wurden durcheinandergeworfen, Schränke und Behältnisse waren geöffnet, und der Inhalt lag verstreut am Boden. Angebissene Würste lagen neben aufgebrochenen Konservenbüchsen, und diese wiederum paarten sich mit zerbrochenen und entleerten Bierflaschen. Die Butter war mit Malzkaffee bestreut. Schubfächer lagen am Boden, und der Inhalt der Schubladen war zu einem fürchterlichen Brei gemengt. Ein großer Teil der Waren, vor allen Dingen Schokolade, Seife und Tabakwaren, wurden gestohlen und die Kasse des gesamten Bargeldes beraubt. Die Täter sind noch unbekannt. * Bottrop, 1. Jan.(56 500 Reichsmark aus einem Bahnpostwagen geraubt.) Zwei maskierte Räuber drangen am Silvesterabend in einen Bahnpostwagen ein, der auf dem hiesigen Bahnhof zur Abfahrt nach Essen bereitstand. Während einer von ihnen, in jeder Hand einen Revolver, die Postbeamten in Schach hielt, raubte der Zweite einen 40 kg schweren Geldbeutel mit 56 500 Mark. Die Täter sprangen dann vom Bahnsteig über einen Zaun und bestiegen ein bereitstehendes viersitziges Auto, das wahrscheinlich in Richtung Essen abfuhr. Die Verfolgung blieb bisher ergebnislos. Die Post hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 500 Mark und aaußerdem von fünf v. H. des wiederherbeigeschafften Geldes ausgesetzt. * Herne, 31. Dez.(Bankraub.) Am 31. Dezember, mittags gegen 12,30 Uhr, drangen drei Personen unter Vorhaltung von Pistolen in die Commerz= und Privatbank in der hiesigen Bahnhofstraße ein. Aus der Bankkasse wurden über 1500 Mark in Scheinen zu 100, 50 und 20 Mark sowie eine Handvoll Silbergeld(Fünfmarkstücke) geraubt. Zwei der Täter führten braunlederne Aktentaschen bei sich. Die Räuber, die alle drei zugleich von der Straße in die Bank gingen, hatten einen Zeitpunkt abgewartet, zu dem außer den drei Bankbeamten niemand anwesend war. Nach Ausführung der Tat flüchteten die Täter eiligst und mischten sich unter die Straßenpassanten. Die Räuber müssen sich vor der Tat über die Verhältnisse der Bank, die zurzeit im Umzug begriffen ist, eingehend informiert haben. Die alarmierte Schnellhilfe und die Kriminalpolizei nahmen sofort die Ermittlungen auf. doch gelang es nicht, der Täter habhaft zu werK den. Es handelt sich um junge Burschen im Alter von 17 bis 25 Jahren. * Osnabrück, 1. Jan.(Verwegener Raubüberfall auf eine Postagentur.) In der Postagentur in Hasbergen erschien am Mittwoch nachmittag ein Mann und verlangte Briefund Invalidenmarken. Als der am Schalter sitzende Postagent Wilhelm Lührmann sich über eine Schublade beugte, griff der Fremde in die Tasche und warf dann dem Postbeamten eine Handvoll Pfeffer ins Gesicht. Im gleichen Augenblick griff der Täter auch schon durch das Schalterfenster in die Lade und entwendete daraus einen mehrere hundert Mark betragenden Geldbetrag. Auf die Hilferufe des Agenten, der Schwerkriegsbeschädigter ist, eilte seine Frau herbei die die Passanten anrief:„Haltet den Mann!“. In der Nähe der Osnabrücker Heil= und Pflegeanstalt wurde der Räuber gefaßt. Unter dem Druck der Beweise gestand er die Tat. In seinen Taschen fand man 300 Mark Bargeld. Bei genauer Untersuchung des Fluchtweges wurden weitere 500—600 Mark gefunden. Bei dem Täter handelt es sich um den 47jährigen Hermann Marquardt aus Lengerich in Westfalen. * Düsseldorf, 31. Dez.(Falsche 10 MarkReichsbanknoten.) Seit etwa vier Wochen tauchen in Düsseldorf falsche Reichsbanknoten zu 10 Mark auf, deren Hersteller und Verbreiter bisher nicht ermittelt werden konnten. Die Falschscheine, welche durch Handzeichnung hergestellt sind, tragen alle die Nummer O 12212 441 und sind an der schlechten Ausführung gut zu erkennen. Das Reichsbankdirektorium in Berlin sichert denjenigen Privatpersonen, welche zur Aufdeckung eines Münzverbrechens und zur Feststellung des Täters beigetragen haben, eine Belohnung bis zu 3000 M. zu. * Köln, 1. Jan.(Raubüberfälle in der Silvesternacht.) In der Silvesternacht hat Kölns Verbrecherwelt eine„rege" Tätigkeit entfaltet. Abgesehen von den üblichen Schaufenstereinbrüchen wird ein schwerer Wohnungseinbruch gemeldet, bei dem den Tätern Gold und Schmucksachen im Werte von 25= bis 30000 Mark in die Hände sielen, außerdem ein größerer Posten Wäsche und Bekleidungsstücke sowie 3500 Mark bar. In Köln=Proll drangen Donnerstag abend kurz vor Ladenschluß um 20 Uhr zwei mit schwarzen Gesichtsmasken versehene Räuber in eine Konsumzweigstelle ein. Während einer der Burschen das Verkaufspersonal mit vorgehaltenem Revolver in Schach hielt, raubte der andere die Ladenkasse, in der sich zwischen 2000 bis 3000 Mark befanden, aus. Die Burschen konnten unerkannt entkommen. Die Frau des Gastwirts vom Handelshof am Waidmarkt wurde kurz nach der Polizeistunde von einem Manne auf der Haustreppe überfallen und niedergeschlagen. Der Täter raubte der Frau einen Geldbeutel mit 1200 bis 1300 Mark, den die Ueberfallene unter dem Kleiderrock trug. Der Räuber konnte entkommen. Die Frau, die stark herzleidend ist, hat sich über den Vorfall so erregt, daß sie bisher noch nicht vernehmungsfähig ist. * Köln, 31. Dez.(Eine wandernde Fischgräte.) Ueber eine merkwürdige Wanderung im menschlichen Körper berichtet Dr. Bauer vom Krankenhaus in Köln=Lindenthal. Ein 62jähriger Lagerarbeiter wird ins Krankenhaus gebracht, er klagt über Beschwerden in der Leistengegend. Es zeigt sich dann auch eine Schwellung mit geringer Rötung der Haut; es wird ein Netzbruch angeDer durch Beschluß des Präsidiums des Landgerichts in Hagen vom 20. November 1931 an Stelle des Kleinschmieds Theodor Berninghaus in Schweflinghausen für den Schiedsmannsbezirk Schweflinghausen auf eine Amtsdauer von drei Jahren vom 2. Dezember 1931 ab bestätigte Schiedsmann Lehrer Fritz Altenhenne in Rüggeberg ist am 2. Dezember 1931 eidlich verpflichtet worden. Milspe, den 31. Dezember 1931. Der Bürgermeister. Unbedingt sicherer Kühlerrostschutz durch Glysantin Eine Füllung im Kühlwasser reieht für den ganzen Winter Rudolf Wienand, Schwelm i/W. Untermauerstraße 12 Ruf 2179 Wie gestaltet sich Ihre Zukunft? Montag, den 4. Januar und Dienstag, den 5. Januar sind in Schwelm, Bahnhofs=Hotel Eckardt Schulstraße Sprechstunden für experimentale Psychologie, also das heißt kein Wahrsagen sondern das Berechnen kosmischer Einflüsse und Erkennen aus Hand und Schrift, von Charakter und Schicksal, wie Umstellungen, Orts=, Stellen=, Berufswechsel, Herzens=, Familien=, Prozeß=Angelegenheiten usw. aus Vergangenheit und Zukunft auf nur streng wissenschaftlicher Basis. Wer also Bluff, Kartenlegen und Wahrsagen vermutet, der bleibe den Sprechstunden fern. Hanny Fortmann, Sprechstunden von 10—1 und von 2—8 Uhr. Achtung! Achtung! Krafkahrseug Bienser! Ab 1. Januar ds. Is. habe ich die bisher von Herrn Josef Kleis gemietete Aule Kepuratar Werkstall selbst übernommen. 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Beide Gegner liegen punktegleich an der Spitze der Tabelle und jeder wird eine besondere Ehre darin suchen, aus dem Kampfe als Sieger hervorzugehen, um auch weiter zu den führenden Vereinen der Gruppe 3 zu gehören. Schwelm mußte sich beim ersten Treffen auf eigenem Platze geschlagen bekennen, besand sich aber damals nicht in besonderer Form. Es dürfte daher verkehrt sein, ohne weiteres auf einen Sieg der Barmer zu tippen. Der Ausgang des Kampfes kann vielmehr als durchaus offen bezeichnet werden. Anfang 2,30 Uhr nachmittags auf Mallack. Handball D. T. Tad. Schwelm 1— Tad. Barmen 1 Am morgigen Sonntag tritt auch die 1. Handballmannschaft der Turngemeinde Schwelm wieder in Aktion. Als Gegner wird sich ihr die gleiche Elf der Barmer Turngemeinde stellen. Beide Mannschaften gehören der obersten Klasse an, es dürfte daher den Schwelmer Handballfreunden Gelegenheit geboten werden, einen vöraussichtlich interessanten sportlichen Wettkampf zu sehen. Spielbeginn: 10,30 Uhr auf dem Sportplatz an der Rennbahn. Nächstebreck 1— Rote Erde 1 Dieses mit Spannung erwartete Spiel findet morgen um 10,30 Uhr auf dem Platze an der Jahnhalle statt. Beide Mannschaften werden hart um den Sieg kämpfen. Würde Nächstebreck dieses Spiel verlieren, so wäre es das erste Meisterschaftsspiel der diesjährigen Spielreihe. Anderseits wird Rote Erde alles versuchen, die vorsonntägliche Schlappe wieder gut zu machen. Wenn jeder Einzelne seine ganze Kraft hergibt, kann es zu einem Siege reichen. Wenn man beide Mannschaften gegenüberstellt, so hat Rote Erde ein kleines Plus. Nächstebreck erreichte in zehn Spielen 47:19 Tore, während Rote Erde bei neun Spielen 58:9 erreichte. Nächstebreck wird Sonntag mit einem ganz ausgezeichneten Sturm antreten, wirkt doch wieder der alte Kämpe und Wuppertals größter Sprinter Friedel Söhnchen mit— warf dieser doch am letzten Sonntag in der 2. Mannschaft allein 10 Tore. Rote Erdes Sturm wird Sonntag wieder komplett und verstärkt antreten. Leider muß die Mannschaft Sonntag auf ihren ausgezeichneten Mittelläufer verzichten. Für die Verteidigung mußte man ebenfalls Ersatz einstellen, P Ihe Srach P wird immer größer, wenn Sie ein schlechtsitzendes und lästiges Bruchband tragen. Durch solche Bänder verschlimmert sich das Leiden und kann zur Todesursache werden.(Es entsteht Brucheinklemmung, die operiert werden muß und den Tod zur Folge haben kann.) Fragen Sie Ihren Arzt. Hat dieser eine Bandage verordnet, dann muß es in Ihrem Interesse liegen, sich meine äußerst bequeme, unverwüstliche Spezial=Bandage anfertigen zu lassen. Durch Tag= und Nachttragen meiner Bandagen haben sich nachweislich Bruchleidende selbst geheilt. Werkmstr. A. B. schreibt u. a.:„Mein schwerer Leistenbruch ist geheilt. Ich bin wieder in meinem 66. Lebensjahre ein ganzer und glücklicher Mensch!“ Landwirt Fr. St. schreibt u. a.:„Ich sehe mich genötigt, Ihnen nach 2 Jahren meinen innigen Dank auszusprechen... wurde ich ganz befreit von meinem Leiden.“ Bandagen von Mk. 15.— an. Für Bruch= und Vorfall=Leidende kostenlos zu sprechen in: Elberfeld, 5. Januar von 2—6 Uhr im Hotel Deutsches Haus, am Mäuerchen 8. Pafß!: nach Maß in garantiert unHußerden SSEIOöINGeN übertroliener Ausführung K. Rufting. Spezialbandagist. Köln, Richard-Wagnerstr. 16 Ur. für. Unis Benling Treuhänder 5712 Fernspr. 2926 Schweim, Ostenstr. 26 Kaufm. u. steuerrechtl. Beratung, Durchführung von Sanierungen jeder Art, Bilanzierungen und BetriebsorganisaAogen mit Regal u. Theke Licht und Heizung günstig zu vermieten. Schriftl. Angeb. unt. 10 bef. die Geschäftsst. ds. Ztg. 2—3 Zimmerwohnung von ält. alleinsteh. Dame in besserem Haus gesucht. Schriftl. Angebote unt. 4 bef. die Geschäftsst. ds. Ztg. Aituther zu vermieten Potthoffstraße 26. Abgeschl. Wohnung 3 Räume, Küche, Bad u. Nebengelaß zum 1.4.32 gesucht. Schriftl. 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Nach dem Seitenwechsel gibt es verschiedentlich heikle Situationen vor beiden Toren, doch die Hüter waren auf dem Posten. In der 18. Minute war der Bann gebrochen. Durch Unfairnis im Strafraum bekommt Schwelm einen Strafwurf zugesprochen, der glatt verwandelt wurde: 2:0 für Schwelm. Ungefähr zehn Minuten waren noch zu spielen, doch wurde ganz unverhofft das Spiel abgeflötet, weil dem Schiedsrichter ein Irrtum unterlaufen war. Die Spieler des Gastgebers verließen den Platz. Nach Reklamation der Torrichter pfiff der Schiedsrichter wieder an. Zwei Spieler von Langerfeld verließen hierauf das Spielfeld, so daß Spiel nicht zu Ende geführt werden konnte. zur Veröffntlichung unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die Berautw-tung im Sinne des Preßgesetzes, während dem Publikun enenüber jede Berantwortung adgelednt wird. Die vor einigen Tagen veröffentlichte Polizeiverordnung betr. Rodeln auf öffentlichen Straßen scheint sich nicht auf die gefährlichste, weil steilste Straße unserer Stadt zu beziehen. Die Bülowstraße wurde in den Tagen, als es der Schnee zuließ, eifrig berodelt, ohne daß sich irgendwie die Polizei darum kümmerte. Auch heute ist behördlicherseits noch nichts unternommen, um die Bülowstraße, die jetzt zu einer eifrig benutzten Straße geworden ist, einigermaßen gehbar zu halten. Weder ist Asche gestreut, noch sonstwie der Schnee beseitigt. In den letzten Jahren wurde zeitig dafür gesorgt, daß ober= und unterhalb der Bülowstraße genügend Asche bereit lag, so daß bei Glätte kurzerhand zum Teil durch die Anlieger, zum Teil durch die Behörde gestreut werden konnte. Soweit mir bekannt, sind die Anlieger der Bülowstraße für das Streuen verantwortlich und haben in Schadenfällen das Nachsehen. Die kürzlich veröffentlichte neue Polizeiverordnung weist hierauf ausdrücklich hin. Also Polizei und Anlieger mit vereinten Kräften an die Mülleimer und Asche gestreut. Ein täglicher Benntzer der Bülowstraße. Verantwortlich für die Schriftleitung: Pau Scherz, für den Anzeigenteil: Hans Scherz Druck und Verlag von M. Scherz: sämtlich in Schwelm. Radlische Bahnen Wapperial Vorverkauf in Schwelm: Zigarrengeschäft Eckardt, Neustraße Barmen Samstag, 2. Januar, 4 bis 6 Uhr: Das Christsternlein. Märchenspiel von Vicki Baum. Preise 0.50, 1,00, 1,50 und 2 M. Sonntag, 3. Januar, 4 bis 6 Uhr: Das Christsternlein. Preise 0,50, 1,00, 1,50 und 2 M. 7,30 bis 10,45 Uhr: Carmen. Oper von Bizet. Preise 2. Dienstag, 5. Jan., 8 bis nach 10,30 Uhr: Der Zigennerbaron. Operette von Strauß. Abonnement A, 15. Vorstellung. Preise 2. Mittwoch, 6. Jan., 3.30 bis 5,30 Uhr: Das Christelflein. Märchenspiel von Vicki Baum. Preise 0,50, 1,00, 1,50 und 2 M. Donnerstag, 7. Januar, 7,30 bis nach 10,30 Uhr: Othello. Oper von Verdi. Abonnment D, 7. Vorstellung. Preise 3. Samstag, 9. Jan., 8 bis 10,45 Uhr: Außer Abonnement. Zum letzten Male: Das Dreimäderl= haus. Musik nach Franz Schubert. Preise 1. Sonntag, 10. Jan., 7,45 bis 11 Uhr: Aida. Oper von Verdi. Preise 2. Sonntag, 3. Januar, 3 bis 5,45 Uhr: Das Dreimäderlhaus. Singspiel nach Franz Schubert. Preise 1. Elberfeld 7,30 bis 10 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Preise 1. Dienstag, 5. Jan., 8 bis 10,15 Uhr: Reifeprüfung. Schauspiel von Max Dreyer. Abonnement B. 15. Vorstellung. Preise 2. Mittwoch, 6. Jan., 8 bis 11 Uhr: Die Czardasfürstin. Operette von Kalman. Abonnement F. 8. Vorstellung. Preise 2. Donnerstag, 7. Jan., 8 bis nach 10 Uhr: Zum ersten Male: Letzte Fahrt des„U=Boots 116“. Schauspiel von Lerbs. Abonnement C, 14. Vorstellung. Preise 2. Freitag, 8. Jan., 8.30 bis 10 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Kein Kartenverkauf. Samstag, 9. Jan., 8 bis 10 Uhr: Vorstellung für den Bühnenvolksbund Gruppe A, Ortsgruppe Elberfeld. Kartenausgabe durch den Geschäftsführer(Tel. 25631): Nina, der Filmstar. Komödie von Bruno Frank. Preise 2. Sonntag, 10. Jan., 3.45 bis 6,45 Uhr: Fremdenvorstellung: Die Czardasfürstin. Operette von Kalman. Preise 2. 7,45 bis nach 9.45 Uhr: Weekend im Paradies. Schwank von Arnold und Bach. Preise 1 ite! K Cin P — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Zweites Ban Zummer 1 Samslag, 2. Januar 1932 Werweig Aunden! Von Ernst von Wolzogen. Dem nachdenklichen Betrachter der gegenwärtigen internationalen Wirtschaftsnöte mit ihrem schrecklichen Gefolge von Arbeitslosigkeit, Verzweiflung und Haß von Volk zu Volk, von Bruder zu Bruder muß sich die Frage aufdrängen, ob es überhaupt noch einen Ausweg aus diesem furchtbaren Wirrwarr gebe oder ob wir bereits dem Ende zutreiben. Es sieht ganz so aus, als ob wir vor einem großen Zusammenbruch der Zivilisation stünden. Ist das überhaupt möglich, gibt es eine Grenze für die technische Entwicklung, gibt es einen Abgrund, über den wir ins Nichts stürzen müssen? Wozu ist denn die Erde rund? Wozu ist denn die Kraft der Anziehung vorhanden, die es uns unmöglich macht, von diesem Ball weg ins Bodenlose zu stürzen? Die Ewigkeit des Menschengeschlechts kann doch— sollte man meinen— nur abhängig sein von der Ewigkeit der Erde, mit deren Lebensbedingungen und Möglichkeiten sie unlöslich verknüpft ist. Es ist also vernünftigerweise nicht anzunehmen, daß wir jetzt bereits schon zum Untergang bestimmt seien; aber es sieht ganz so aus, als ob wir im Begriff wären, uns selber umzubringen. Zum mindesten stehen alle Völker, welche Träger der gegenwärtigen technischen Zivilisation sind, heute bereits vor einem Abgrund, vor einer Mauer in den sie hinunterstürzen, an der sie sich die Köpfe einrennen müssen, falls es ihnen nicht gelingt, der Raketenkraft des Fortschrittstempos, das sie vorwärts schnellt. im letzten Augenblick Herr zu werden und eine Kehrtschwenkung zu vollziehen. Die Maschine hat Millionen und Abermillionen von Menschenhänden überflüssig macht. Die Maschine im Verein mit der Finanztechnik hat Riesenmengen von Waren erzeugt. Sie hat auch zur Ware gemacht, was ehedem unveräußerlicher Besitz des geistigen Urhebers war. Sie hat mit ihrem Warenüberfluß die ganze Erde überschwemmt; sie ist im Begriff, die Menschheit auch mit dem Kulturgut, das sie massenhaft industriell vervielfacht, zu überfüttern. Aber die Verelendung der Massen durch die Arbeitslosigkeit hat selbst dem Markte der notwendigsten Lebensgüter Scharen von Käufern entzogen. Und die Verarmung des Mittelstandes hat diesen gezwungen, auf seine höheren Kulturbedürfnisse zu verzichten. In Kanada heizt man die Lokomotiven mit Weizen, während in andern, selbst hochkultivierten Ländern die Menschen kein Brot zu essen haben. Auf einen Milliardär mögen Millionen Hungerleider und Stempelgänger kommen. Sollte das wirklich die unausbleibliche Folge aller Zivilisation sein? Wer weiß eine Antwort auf alle diese fürchterlichen Fragen? Der Fortschrittphilister, der noch vor wenigen Jahrzehnten jeden Lobredner der guten alten Zeit mit Hohngelächter abfertigen konnte, jener guten alten Zeit, in der auf dem Lande alle Lebensbedürfnisse dem eigenen Boden entnommen und mit eignen Händen angefertigt wurden, wo in den Städten das Handwerk in stolz zufriedener Schafsensfreudigkeit blühte, wo den großen Herren die selbstverständliche Pflicht oblag, für Sättigung und Sicherheit ihrer Untertanen aufzukommen, und wo der Krieg, jener letzte unvermeidliche Ausweg aus unlösbaren Verwicklungen, doch wenigstens noch ein richtiges Manneswerk war, eine Kraft=, Mut= und Charakterprobe. Heute dürfte dieser selbe Fortschrittsphilister schon einigermaßen verlegen beiseite schauen, wenn man ihn zu einem Vergleich zwischen alter Kultur und moderner Zivilisation herausforderte. Er wird höchstens mit ein paar pazifistischen Paragraphen aufwarten. Der Krieg müsse eben geächtet, unter zivilisierten Völkern unmöglich gemacht werden. Sehr schön. Daß der moderne Krieg mit Giftgasen, Pestbazillen und Mordmaschinen nicht menschenwürdig sei, darf jedermann gerne zugeben. Aber wie wir ihn aus der Welt schaffen wollen, das weiß vorläufig noch niemand. Und auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation— ich sage mit Bedacht Annehmlichkeiten und nicht Segnungen— möchte wohl auch niemand von uns gerne verzichten. Sollen wir auf alle modernen Verkehrsmittel verzichten, alle Maschinen zerschlagen, alle Fabriken dem Erdboden gleichmachen, um Bedürfnislosigkeit zu erzwingen? Das hieße zugeben daß wir bereits am Ende angelangt wären und die einzige Rettung in der Rückkehr zu unseren Anfängen bestünde. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß aus der Verzweiflung der Entwurzelten, Enterbten, Entrechteten ein Weltbrand angefacht werde, dem nicht nur die Zivilisation des Kapitalismus, sondern auch die Kultur der Menschheit zum Opfer fiele. Dann wären wir in der Tat gezwungen, ganz von vorne anzufangen. Aber würde die Entwicklung dann anders verlaufen? Schwerlich. Die Erinnerung an die eben erst untergegangene Zivilisation und Kultur würde im überlebenden Geschlecht doch noch so frisch sein, daß der neue Aufbau ein sehr schnelles Tempo haben müßte. Das untergegangene Lemurien hat offenbar schon eine bewundernswerte Kultur besessen, die untergegangene Atlantis vermutlich eine noch höhere. Das war, wie man heute annimmt, 85000 bezw. 20 000 Jahre vor Christi Geburt. Es bedurfte damals vieler Jahrtausende, bis die babylonische, die ägyptische, die griechische Kultur auf ihren Höhepunkt gelangten. Heute könnte vielleicht schon ein Jahrhundert genügen zum Wiederaufbau einer neuen Zivilisation und Kultur, die der zerstörten mindestens sehr ähnlich sein würde. Wem also wäre mit einem Gewaltstreich blinder Zerstörungswut gedient? Oder wer möchte seine Hoffnung auf eine bolschewistische Renaissance setzen? Es gehört schon ein handfester Gottesglaube dazu, um angesichts der Fragen, die sich vor uns Heutigen babylonisch türmen, nicht an aller Vernunft des Weltgeschehens, am Bestand einer sittlichen Weltordnung zu zweifeln. Nur wenn wir unseren Glauben und unsere Zuversicht aus der Versenkung in die Natur schöpfen, in der alles Sterben nur ein Uebergang zu neuem Leben und der scheinbar grausamste Vernichtungswille nur das Gegenstück zu einer verschwenderischen Schöpferlust ist— nur dann dürfen wir uns der Hoffnung getrösten, daß es auch aus der gegenwärtigen heillosen Verwicklung einen Ausweg geben müsse. Es bleibt undenkbar für den Gottesgläubigen, daß gerade das einzige vernunftbegabte Geschöpf hilflos, führerlos, dem Selbstmorde durch seine eigene Verblendung ausgeliefert sein sollte. Es ist immer meine Ueberzeugung gewesen, daß die Schöpfung des Menschen und seine Ausstattung mit Geistesgaben, die alle übrige Kreatur so weit übertrumpfen, als Einfall einer ironischen Laune Gottes zu betrachten seien und daß einzig den wenigen gut geglückten Menschenexemplaren zuliebe, die alle in sie gelegten Möglichkeiten voll auszubilden und sich bis in die Nähe der Gottähnlichkeit emporzuheben wußten, das untermenschliche und widergöttliche Gezücht geduldet wurde. Dürfen wir etwa nimmer darauf pochen und zugunsten der gesamten unglückseligen Menschheit in die Waage werfen, daß wir auch heute noch und vielleicht mehr denn je stolz sein dürfen auf das Vorhaudensein von Edelmenschen göttlicher Prägung, von erleuchteten Köpfen, von Helden und Heiligen aller Art, hat nicht auch die neueste Entwicklungsstufe unserer schöpferischen Begabung neben den fragwürdigen bedeutungsvolle Kulturwerte geschaffen? Steht nicht dem entfesselten Triebleben irregeleiteter Massen, der wüsten Gottesleugnung barbarischer Millionen eine tiese Verinnerlichung des religiösen Bedürfnisses bei andern Millionen gegenüber? Sind die unleugbaren Fortschritte, die wir auf dem Gebiete der vernünftigen Lebens. führung, der körperlichen und geistegen Ertüchtigung, mit einem Wort: der Eugenik gemacht haben, für nichts zu achten? Wenn schon der alltestamentliche Jehova bereit war, um einiger Gerechten willen Sodoms und Gomorrhas zu schonen, sollte da Allvater gerade heute die Geduld mit uns armen Menschenkindern verlieren, weil wir es wieder einmal absonderlich töricht und toll getrieben haben? Ich meine, das wäre ein geradezu gotteslästerlicher Gedanke. Und in dieser Ueberzeugung finden wir Trost auch für die Zukunft. Der Winter ist kein harter Mann Heilende Wirkungen des winterlichen Klimas im Hochgebirge.— Wie tief dringen die ultravioletten Sonnenstrahlen? Von Dr. L. H. Kramer. In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten haben die Winterkuren im Hochgebirge einen überraschenden Aufschwung genommen, vor allem dank der ausgiebigen Besonnung, so daß man geradezu von einem Strahlenklima spricht. Von der Strahlungsenergie des Tagesgestirns erreicht nur etwa die Hälfte die Meeresoberfläche, jedoch gelangen noch etwa drei Viertel auf einem Berggipfel von 2000 Meter Höhe an. Auf der Spitze des Schwarz= wälder Feldberges ist die Gesamthelligkeit im Winter sechsmal so groß wie an der Nordsee, im Sommer immerhin noch zweimal größer. Der Schnee wirft 64 bis 89 v. H. der Strahlen zurück, die sommerliche Wiese nur 6 v. H. Die besonders für den jugendlichen wachsenden Körper so vorteilhaften, ultravioletten Strahlen wirken im Hochgebirge dreimal stärker als in der Ebene. Daher kommt es auch, daß man in diesen Höhen so selten Rachitis antrifft. Der beste Zeitpunkt für kürzere Kuren liegt in den Monaten Januar bis März, da dann die besten Aussichten auf beständiges sonniges Wetter und für eine gute Schneelage bestehen. Dem von Inflation und Deflation erschöpften Deutschen pflegt es an Zeit und Geld für einen längeren Erholungsaufenthalt zu mangeln. Ein Trost ist es für ihn, daß er nicht unbedingt über die Reichsgrenze zu fahren braucht, um der heilenden Wirkungen und der sportlichen Freuden des Hochgebirges teilhaftig zu werden. Aehnlich gute Erfolge wie die hochberühmten ausländischen Kurorte verbürgen die subalpinen, vom Klima begünstigten und nebelfreien Gebiete des deutschen Mittelgebirges, so daß thüringische Oberhof(800 bis 1000 Meter), der Schwarzwald— St. Blasien, der Titisee und Todtmoos liegen beispielsweise ebenfalls in 860 bis 1000 Meter Höhe—, ferner das bayrische Alpenland, darinnen vor allem GarmischPartenkirchen, Fischeralm, Oberstdorf, Scheidegg und Obersalzberg sich gleich günstiger Lage rühmen dürfen. Unter den Kranken die im winterlichen Hochgebirge Heilung oder doch zum mindesten Linderung ihres Leidens finden, sind es besonders die Tuberkulosen, bei denen vor allem in den schlesischen Berge Erfolge erzielt wurden. Die asthmatische Bronchitis heilt nirgends so gut wie im Hochgebirge, wenn diese Kur auch meist längere Zeit in Anspruch nimmt. Menschen mit schwächlicher Konstitution, schlaffen, ermüdbaren Naturen mit zarten Muskeln und schmalem Brustkorbe ist dei Aufenthalt im winterlichen Hochgebirge ganz besonders zuträglich. Das vergrößerte Atemvolumen kräftigt und erweitert den Brustkorb. Die vermehrte Herztätigkeit stärkt auch dieses vielfach zu wenig in Anspruch genommene Organ. Der erhöhte Stoffwechsel steigert die Eßlust und führt zur Neubildung des Blutes. Natürlich sind auch die winterlichen Freuden mit weiser Mäßigung zu genießen. Sich nach der Ankunft des Zuges sofort in den ersehnten Wintersport zu stürzen ist ebenso verkehrt, als wenn man sich an dem nächsten warmen Plätzchen gleich sämtliche Kleider vom Leibe reißen wollte. Solche Kraftmeierei rächt sich unweigerlich durch vorschnelle Ermüdung. Wer sich jedoch von solcher Uebertreibung fern hält, der wird im winterlichen Hochgebirge nicht nur ein besseres Zusammenarbeiten aller seiner Organe, eine Ausspannung seiner Nerven und eine wohltätige Vertiefung des Schlafes, sondern auch eine erfrischende Wirkung auf die Stimmung und ein wesentlich gesteigertes Lebensgefühl empfinden. Nein, dort ist der Winter kein harter Mann. Wird sich der Staat bestechen lassen? Bestechungen einzelner Personen— augenblicklich sitzt ein ehemaliger Minister um ihretwillen im Gesängnis— sind auch in den Vereinigten Staaten keine Seltenheit mehr. Aber daß ein ganzer Staat sich überlegt, ob er sich bestechen lassen soll, ist doch auch im Lande der ungeahnten Möglichkeiten noch nicht vorgekommen. Vor etwa einem Jahr wurde auf die Hauptbank in Lincoln(Nebraska) ein Raubüberfall ausgeführt. Die Verbrecher gingen mit ungewöhnlicher Umsicht und Waghalsigkeit vor und erbeuteten neun Millionen Mark. Die Bank brach zusammen, und das Wirtschaftsleben des gesamten Staates erlitt einen schweren Schlag. Nach Monaten konnte die Polizei zwei der Täter verhaften. Vom Geld fand man nicht einen roten Cent und die 25 Jahre Zuchthaus, die man den Festgenommenen aufbrummte, waren ein schwacher Trost für den Verlust. Kürzlich aber nahm die Polizei einen gewissen Gus Winkler fest, der ihrer Ansicht nach der Anführer beim Bankraub war. Der Mann schlägt nun dem Staat ein Geschäft vor: Er will ihm zweieinhalb Millionen Mark beschafsen, wenn die Behörden sich feierlich verpflichten, keinerlei Strafverfolgung gegen ihn einzuleiten und ihn sofort nach Erhalt des Geldes auf freien Fuß zu setzen. Der Staat befindet sich nun in der Klemme: Nimmt er das Geld, so hat er sich ohne jeden Zweifel zu einer ungesetzlichen Handlung verleiten lassen. Ordnet er aber gegen Gus Winkler die Strafverfolgung an, so läuft er Gefahr, daß den Mann, gegen den keine überzeugenden Beweise vorliegen, freigesprochen wird. Was tun? Der Gouverneur des States kann sich noch nicht entscheiden. Inzwischen laufen bei ihm Tausende von Briefen ein, in denen er teils flehentlich gebeten wird, im Interesse des Staates das schöne Angebot anzunehmen, teils beschworen wird, dem Gesetz nicht Gewalt anzutun. Wohin ist Demosthenes gereist? Den Kampf mit der Zerstreutheit eines Professors hat kürzlich die Tüchtigkeit der Post siegreich bestanden. Hatte da ein Pariser Gelehrter aus Versehen in den Briefkasten einen Umschlag geworfen, der gar nicht zum Versand bestimmt war, sondern Notizen für eine Arbeit enthielt und auf dessen Außenseite sich der Name Demosthenes befand. Aber Mariannes Kinder sind helle. Ein Postbeamter vervollständigte die„Anschrift" durch den Zusatz„Athen“. So ging der Brief auf die Reise. Die dauerte zehn Tage. Dann traf der Umschlag wieder an der Seine ein. Diesmal wies er den Vermerk auf:„Verreist, ohne Adresse zu hinterlassen.“ Der Kuckuck mag schließlich wissen, ob dieser redselige alte Heide, der sich vor zwei Jahrtausenden vergiftete, nun in einer Selbstmörderecke der Unterwelt Quartier gefunden hat oder ob ihn die Himmlischen wegen seiner Vaterlandsliebe zu sich in die elysäeischen Gefilde genommen haben. Roman von MAX NEAL, 1 Das Doppelte Gesicht Semour wies erregt darauf hin, daß dieser Ränkeschmied, wie er sich ausdrückte, im Lande umhergefahren sei und versucht habe, die deutschen Fürsten gegen den Kaiser aufzuwiegeln. Selbst sein schweres Leiden habe ihn nicht gehindert, mit allen Mitteln den von Napoleon gewünschten Rheinbund zu hintertreiben, um schließlich, als seine Konspirationen fehlschlugen und Napoleon seine Verhaftung befahl, rechtzeitig gewarnt, mit Frau und Kind über die russische Grenze zu fliehen. Natürlich habe Rußland die Auslieferung dieses Staatsverbrechers abgelehnt, wie es ja als einziges Land wage, dem Kaiser Widerstand zu leisten.„So mußte man den Grafen in contumaciam zum Tode verurteilen und sein Vermögen und seine Güter einziehen. Und mit der Tochter dieses Mannes, dieses ausgesprochenen Feindes seines allergnädigsten Herrn tritt der Herzog in nähere Beziehung, schenkt ihr seine Freundschaft... ja sogar seine Liebe!" Poisson suchte seinen in höchstem Grad aufgebrachten Chef zu beruhigen. Der Vicomte beherrschte sich auch sofort. Seine Züge glätteten sich, er hatte wieder seine gewohnte, undurchdringliche Diplomatenmiene aufgesetzt. Der gute Hofmarschall besaß diese Geschicklichkeit nicht. Der Zornausbruch des Vicomte hatte ihn einigermaßen beunruhigt. Es dämmerte ihm allmählich auf, daß er eine Dummheit gemacht hatte.„Du lieber Gott... ich bitte, Vicomte... die Frau Gräfin und erst recht die Komtesse sind doch an alledem völlig unschuldig.“ suchte er seinen Fehler zu verbessern.„Da ist es doch nichts Unrechtes gewesen, daß unser hochverehrter Herzog der Gräfin seinen Schutz angedeihen ließ. als sie nach dem erst vor kurzem erfolgten Tod ihres Gatten in großer Bedrängnis mit ihrer Tochter nach Deutschland zurückkehrte.“ „So, glauben Sie?“ entgegnete Gemour mit einem gefährlichen Schillern in den Augenwinkeln.„Majestät wird anderer Meinung sein, wenn er es erfährt.“ Jetzt wurde dem Hofmarschall doch ernstlich bang. Er blickte verzweifelt auf den Gesandten. Nun mengte sich Poisson wieder in das Gespräch. In seinem Hirn war blitzschnell der Gedanke aufgetaucht, daß zwischen der Komtesse und der Spionage Zusammenhänge bestehen könnten. „So unschuldig, wie Herr Hofmarschall annehmen, scheinen die Damen nicht zu sein. Nach dem, was wir eben gehört haben, kann man kaum im Zweifel sein, wer jene Person aus der nächsten Umgebung des Herzogs ist, die Spionage zugunsten Rußlands treibt.“ Der Baron war fassungslos. Es war ihm, als sähe er ein Gespenst. Eiskalt rieselte es ihm den Rücken hinunter. Er schnappte nach Luft.„Um Gotteswillen... Sie... wollen doch nicht behaupten, daß die Komtesse...“ stotterte er Poisson erhob ein wenig die Schultern. „Warum nicht: der Vater ein Gegner Napoleons, Emigrant in Rußland. Die Tochter verdreht dem Herzog den Kopf und in Rußland erfährt man alle Pläne Napoleons. Voilà!“ Semour war im ersten Augenblick selbst überrascht über die kühne Kombination seines Geheimsekretärs, aber er erkannte sofort, daß ihre Wahrscheinlichkeit sehr groß war. „Aber dafür haben Sie doch nicht den geringsten Beweis,“ jammerte der Baron. „Der wird nicht allzuschwer zu beschaffen sein. Und dann soll die für uns und den Herrn Herzog gefährliche Spionin ihr verdientes Schicksal finden,“ erwiderte der Vicomte. Der Hofmarschall wollte weitere Bedenken äußern, als im Arbeitskabinett des Herzogs heftig geklingelt wurde. Der Baron fuhr nervös zusammen.„Der Kabinettsrat ist beendet. Versprechen Sie mir, Vicomte, so lange zu schweigen, bis Sie wirklich den Beweis in Händen haben, daß die Komtesse in Frage kommt. Es wäre doch sehr bedenklich, wollten Sie gegen eine Frau, die der Herzog liebt, einen so furchtbaren Verdacht aussprechen, und schließlich stellt es sich dann heraus, daß Sie sich geirrt haben.“ „Da bin ich ganz Ihrer Meinung, Baron,“ gab der Gesandte zurück.„Und darum werde ich selbstverständlich vorläufig schweigen. Aber daß wir uns irren, glaube ich bestimmt nicht.“ „Das wäre ein schwerer Schlag für Hoheit.“ Und kopfschüttelnd eilte der Hofmarschall in das Kabinett des Herzogs. Der Vicomte nickte seinem Geheimsekretär wohlwollend zu und meinte:„Der Kaiser wird mit uns zufrieden sein.“ Zweites Kapitel. Johann Georg III., Herzog von Isenburg= Birstein, saß an dem wuchtigen Tisch seines Arbeitszimmers. Er beugte das volle, runde Gesicht mit den blauen, scharfblickenden Augen über die vor ihm liegenden Schriftstücke. Das noch dichte, blonde Haar, das nur an den Schläfen angegraut war, und der rosige Teint, wie ihn viele blonde Menschen ausweisen, verliehen ihm, obwohl er schon Ende der Vierzig stand, eine gewisse Frische, eine überraschende Jugendlichkeit, die etwas Anziehendes hatte. Jetzt griff er zur Kielfeder und schrieb mit großen, steilen Buchstaben seinen Namen unter die zahlreichen Verfügungen und Erlasse, die er dann den ihm gegenübersitzenden Ministern zuschob. Man vernahm keinen Laut in dem mit rotem Damast ausgeschlagenen Zimmer. Nur das Kritzeln und Knarren der Feder auf dem Papier war zu hören. Der Finanzminister von Schwaz, dessen feingeschnittene, aristokratische Züge ein dichter Kranz schlohweißer Haare umrahmte, warf, ohne mit der Wimper zu zucken, dem Kriegsminister von Reuker einen bedeutsamen Blick zu, den dieser erwiderte. Reuker war groß und schlank, durch und durch Soldat. Die etwas vorgebaute hohe Stirne, die buschigen, gesträubten Augenbrauen und die leichtgebogene Hakennase gaben ihm etwas Hartes, Entschlossenes. Der Herzog warf jetzt die Feder auf den Tisch, griff zur Glocke und läutete, dann lehnte er sich ächzend in den Stuhl zurück. Sein breitschulteriger Körper, der einen leichten Ansatz zum Starkwerden zeigte, hatte etwas Wuchtiges fast Derbes, als ob Bauernblut in ihm fließe. Alle seine Bewegungen waren schwerfällig. Wie Johann Georg so in seinem Stuhl saß mit einer gewissen Gelassenheit, konnte man ihn für einen Menschen von ruhiger, sanftmütiger und leicht lenkbarer Gemütsart halten. Aber dieser vermeintlichen Sanftheit, diesem äußerlichen Anschein von Gutmütigkeit war durchaus nicht zu trauen. Wenn sein cholerisches Temperament zum Durchbruch kam, sein Jähzorn erwachte, dann war er wie verwandelt: die Adern an seiner Stirne schwollen an, seine Augen wurden grauschwarz wie der Spiegel eines Sees, wenn dunkle Gewitterwolken darüber hinziehen, und sein breiter Mund bekam in solchen Augenblicken etwas Verzerrtes, fast Raubtierartiges. Dann kam der kleine und kleinliche Despot zum Vorschein. Johann Georg, der selten und nur wenn es unumgänglich war, in Uniform erschien und in seinem Aeußeren von großer Einfachheit war, blickte jetzt nach der Tür. durch die eben der Hofmarschall eingetreten war.„Ich lasse den französischen Gesandten bitten.“ Der Hofmarschall verneigte sich und verließ das Kabinett. Die Faust des Herzogs fiel schwer auf den Tisch.„Semour wird sicher wieder einen Sack lieblicher Ueberraschungen für uns aus Paris mitgebracht haben.“ Die beiden Minister nickten ernst und besorgt. Gleich darauf betraten Semour und sein Geheimsekretär das Kabinett. Der Herzog und die Minister hatten sich erhoben. „Glücklich wieder aus Paris zurück?“ fragte Johann Georg. „Seit gestern abend, Hoheit.“ „Schön, Schön. Seien Sie mir willkommen,“ erwiderte der Herzog, aber man merkte deutlich, daß ihm dieses Willkommenheißen nicht von Herzen kam. Er machte eine Geste nach den Stühlen. Die Herren setzten sich.„Was macht der Kaiser?" Der Vicomte lächelte sein übliches, liebenswürdiges Diplomatenlächeln.„Majestät ist mit Regierungssorgen überlastet.“ Auf dem Gesicht des Herzogs erschien ein spöttischer Zug.„Die hat er sich selbst auf den Hals geladen.— Und nun, Vicomte, was bringen Sie?“ Semour zögerte einen Augenblick mit der Antwort, als suche er die beste Wendung zu finden für das, was er zu sagen hatte.„Ich habe eine wichtige Botschaft unseres erhabenen Kaisers zu übermitteln. Diese Botschaft muß aber strengstes Staatsgeheimnis bleiben,“ sagte er mit einer Betonung, die den Herzog aufschauen ließ. Auch die beiden Minister hoben unwillkürlich die Köpfe. folgt.) — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Was kostel die Zeitung? Nur 7 Pfg. täglich! Nachdem die Schwelmer Zeitung ab 1. Januar, der allgemeinen Preissenkungstendenz folgend, ihren Bezugspreis um 10 Prozent ermäßigt hat, ist hier und da die Meinung laut geworden, der Bezugspreis dürfe eigentlich nicht höher sein als vor dem Kriege oder müsse wenigstens noch weiter gesenkt werden. Wer so urteilt, vergißt völlig, daß die Zeitung von früher nicht mit der von heute verglichen werden kann. Eine andere Ware bedingt aber auch einen anderen Preis! Vor dem Kriege brachte die Schwelmer Zeitung bei kleinerem Format für gewöhnlich 3 Seiten und an Samstagen 5 Seiten Lesestoff, heute erhält der Leser bei wesentlich größerem Format mehr als das Doppelte. Die heutige Zeitung ist aber nicht nur in der reinen Papiermenge kostspieliger, ihr Inhalt ist viel aktueller, großzügiger in der Aufmachung, erfordert ganz unvergleichlich höhere Kosten gegenüber der geruhsamen Vorkriegszeit. Mitarbeiter, Löhne, Fernsprechgebühren, Korrespondenzen in stark erweiterter Zahl erfordern einen ganz anderen Aufwand als vor dem Kriege. Dabei wird die Zeitung wie alle anderen durch die Wirtschaftskrise besonders schwer getroffen. Am ernstesten wirkt sich der Rückgang der Anzeigen aus! Viele Firmen, die vor dem Kriege stetig und mit gutem Erfolge Reklamefeldzüge durchführten, sind völlig verschwunden, andere schränken sich— sehr zu ihrem Schaden, aber unter dem eisernen Zwang der Not— aufs äußerste ein. Dieser Ausfall an Anzeigen ist für viele Zeitungen geradezu lebensgefährlich! Denn den Inseratenteil— nicht das Bezugsgeld— ist das wirtschaftliche Rückgrat der Presse! Die durch Notverordnung am 1. Januar durchgeführte Lohnsenkung macht für den einzelnen Bezieher etwa 5 Pfg. aus, die zum größten Teil durch die erhöhte Umsatzsteuer wieder aufgehoben wird. Wenn trotzdem der Preis um 20 Pfg. gesenkt wurde, stellt dieses ein erhebliches Opfer dar. Dabei kostet die Schwelmer Zeitung, die in den mehr als hundert Jahren ihres Bestehens manchen Sturm überstanden hat und zuversichtlich hofft, sich auch durch diese kritischste aller Zeiten durchzuschlagen, täglich noch nicht soviel wie zwei Zigaretten oder ein halbes Gläschen Bier. Jeder Leser, der wirtschaftlich denken kann, wird zugeben, daß für wesentlich gesteigerte Leistung bei erheblich über dem Vorkriegsstande liegenden Unkostenfaktoren ein anderer Gegenwert für das fertige Produkt gefordert werden muß als in früheren Zeiten. An Umfang und Wert der Zeitung gemessen ist der Bezugspreis heute sogar geringer als früher. Und da soll die Zeitung noch billiger werden? Das könnte nur geschehen, wenn sie sich in finanzielle Abhängigkeit von Mächten begeben würde, die nicht genannt zu werden brauchen. Den Nachteil hätte die Bevölkerung selbst. Sie sollte Wert darauf legen, sich ihre Ortspresse zu erhalten, die ihre Interessen vertritt und frei ihre Meinung zu äußern vermag.... 9 Den Postbeziehern sei mitgeteilt, oaß die Bezugspreissenkung aus posttechnischen Gründen erst ab 1. Februar in Kraft treten kann. Der Verlag. Die Liebe der Baronesse Ein phantastischer Roman aus der Wirklichkeit In Budapest hat sich ein Vorfall zugetragen, der wie ein phantastisches Kapitel aus einem romantischen Liebesroman sich anhört. Die zweiundzwanzigjährige Baronesse Aglaja von S. hat sich im Gefängnis mit dem Italiener Amadeus Trieri trauen lassen. Die Vorgeschichte dieser dramatischen Eheschlietung ist eine Mischung von Kriminal= und Liebesfilm aus der Wirklichkeit. Der junge Italiener, der ungarischer Offizier war und aus Fiume stammt, trat als Sekretär in die Dienste des rons Wolfgang von S., auf dessen prächtigen ungarischen Herrensitz. Die Familie von S. besitzt auch große Güter in Oberösterreich. Dank seiner Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit wußte sich Triert bald eine einflußreiche Stellung zu erobern. Ihm siel nicht nur das Vertrauen des alten Barons, sondern auch gleichzeitig das Herz seiner bildhübschen Tochter Aglaja zu. Die beiden jungen Leute schworen sich Treue. Als die Familie S. das Geheimnis entdeckte, kam es zu stürmischen Szenen. Der alte Baron bedeutete dem Italiener, den Aglaja heiraten wollte, daß seine Ansprüche angeblich bei weitem das Maß des Zulässigen überschritten. Die Baronesse Aglaja war trotzdem entschlossen, den Geliebten nicht auszugeben und ihn gegen den Willen der Familie zu heiraten. Eine geheimnisvolle Affäre verdunkelte nun den lachenden Himmel dieses immerhin ungewöhnlichen Liebesromans. Baron von S. erstattete plötzlich Anzeige, daß aus seinem Tresor 60 000 Schilling verschwunden seien. Der Verdacht lenkte sich auf den Sekretär Trieri. Er mußte das Schloß verlassen und wurde bald darauf in Budapest unter dem Verdacht, die Geldsumme an sich genommen zu haben, verhaftet. Als die schöne Baronesse Aglaja von der Festnahme ihres Verlobten erfuhr, reiste sie nach Budapest und unternahm alles, um den Geliebten, der übrigens jede Schuld bestritt, aus der Haft zu befreien. Da die Baronesse volljährig war, konnte sie sich ohne die Einwilligung ihrer Eltern zu dem sensationellen Schritt, der jetzt die österreichische und ungarische Aristokratie in Aufregung versetzte, entschließen. Sie erwirkte vom ungarischen Justizministerium die Erlaubnis, sich in der Gefängnis= zelle mit Trieri trauen zu lassen. Mit zwei Zeugen erschien sie in der Anstalt, und der Standesbeamte vollzog ohne viel Umschweife die Zeremo„ O Danach eilte die Baronesse auf oas Postamt und setzte ihre in Oesterreich weilenden Eltern telegraphisch von dem erfreulichen Eneignis in Kenntnis. Der alte Baron raste zunächst vor Wut und Empörung, sah dann aber ein, daß man ihn vor vollendete Tatsachen gestellt hatte. Baron von S. zog den Strafantrag gegen seinen einstigen Sekretär und jetzigen Schwiegersohn zurück und entschuldigte sich damit, daß es sich bei der Anzeige um einen Irrtum gehandelt habe. Die Liebe öffnet auch Gefängnispforten. Amadeus Trieri wurde sofort Schmeling nach Amerika unterwegs Max Schmeling ist nach Amerika gefahren, um sich auf den Weltmeisterschaftskampf mit Mickey Walker vorzubereiten. Es steht allerdings noch nicht absolut fest, ob und wo dieser Kampf stattfindet. Unsere Aufnahme zeigt den Weltboxmeister bei der Abfahrt in Berlin. Mit ihm reisen die beiden deutschen Tennisgrößen Hans Nüßlein(rechts im grauen Mantel) und Najuch(neben Schmeling). Im Fenster die schwedische Kammersängerin Jongborn, links unten der Kopf des Amerikaners Mickey Walker. Frauenverhaftungen in Indien. Solange der indische Freiheitsführer Gandhi in London bei der sogenannten„Konferenz am runden Tisch“ weilte, um England zur Berücksichtigung der indischen Unabhängigkeitswünsche zu bewegen, blieb es in Indien ruhig. Nun. nach dem Scheitern der Konferenz und nach der Rückkehr Gandhis sind die Unruhen in Indien von neuem aufgeflammt, besonders in der Hauptstadt Bombay. Unsere Aufnahme zeigt die Verhaftung einer indischen Freiheitskämpferin in den Straßen von Bombay durch englische Polizei. nach Empfang der Nachricht aus der Hast entlassen. Das junge Ehepaar belegte zwei Plätze im nächsten Schlafwagen, und an der schönen blauen Riviera spielt jetzt der Epilog dieser romantischen Liebesgeschichte aus der Wirklichkeit mit aller Süße ungestörter Flitterwochen sich ab. Wenn der Keiler Hochzeit hält Liebe in Eis und Schnee.— Für das Karnickel ist das ganze Jahr Mai.— Die kalte Wiege des Krenzschnabels. „Die Liebe bleibt sich allenthalben gleich,“ singt ein Volkslied, und das ist richtig, aber die Zeiten der Liebe sind nicht immer dieselben. Den lyrischen Dichtern spukt die Liebe zum Schrecken der Schriftleiter aller Zeitungen anscheinend nur im Mai im Blute umher. Schon der alte Jägersmann soll darin anderer Meinung sein, wenn er„überreift und überschneit den Stein zum Bett gemacht“ hat und dennoch„die Liebe spürt, Ganz ähnlich denkt der Ritter vom schwarzen Kittel. Der grimme Basse mit den handlangen Hauern macht sich nichts aus Grog und Feuer, denn es brennt gerade bei Frost und Winterskälte hellauf unter seiner borstigen Schwarte. Der Jäger hört dann im finsteren Tann das tiefe Grunzen und Knören, mit dem der Keiler seiner struppigen Schönen in seiner ungestümen Weise rauh aber herzlich den Hof macht. Und wenn der wilde Nordost sich für eine Weile hinter den dunklen Bergen zur Ruhe gelegt hat, so ist das Wetter auch dem Edelmarder gerade recht. Mit viel Gekäcker und Fauchen„folgt er errötend ihren Spuren“ durch das gefrorene Fallaub, die rissigen Eichenstämme herauf, durch die Wipfel der ernsten Fichten, daß der Schnee stiebt und die Zweige brechen. Dann feiert der Edelmarder seine Hochzeit. Auch seinem großen Vetter, dem Fischotter, wird es unter seinem Balg warm. Der spürt keinen Frost und kümmert sich nicht um Kälte, kein Wunder, wenn man das ganze Jahr protzenhaft in „Echtotter“ umherläuft. Ist der Januar nicht allzu hart, dann begibt sich der Otter auf Freiersfüßen. Das platscht dann im eiskalten Wasser, rutscht über die Eisfläche des Teiches, plumpst wieder in den eisfreien Bach, daß die Kopfweiden aus dem Schlaf erwachen und unwillig ihre ehrwürdigen Häupter schütteln. Zu gleicher Zeit ist es auch auf den überschneiten Feldern lebendig. Aus dem Moor bellt ein Fuchsrüde wehmütig und klagend, ein zweiter gibt vom Heidehügel laut, da werden die Läufe der Fähe die an der Strohdieme auf Mäuse pirschte, flink, denn sie kennt die wenig sanften Manieren ihrer Liebhaber. Wie ein roter Strich flüchtete sie über das silbern schimmernde Schneefeld, aber schon ist der fast schwarze Moorrüde auf ihrer Fährte, der Rostrote aus der Heide fährt von links heran, und nach wenigen Minuten saust der starke Eisgraue aus den Bergen hinterdrein. Vier Striche hetzen über die weiße Fläche, wälzen sich unter wütendem Knurren im weichen Schnee, verbeißen sich in höchster Wut und folgen wieder der flüchtigen Maid, bis der stärkste Rüde als Sieger allein zurückbleibt und süßer Minne Sold einheimst. Auch Meister Lampe wird es zu Ende eines milden Januars oder sonst spätestens gegen Mitte Februar ganz anders zumute. Die aus dem Schnee gescharrte Wintersaat und die so bekömmliche Obstraumrinde sind ihm mit einem Male längst nicht mehr so interessant wie das, was da im grauen Balg auf hohen Läufen und mit langen Löffeln über dem Grenzgraben setzt. Hut, ist der alte Rammler hinterher, aber Jungfer Lämpchen zeigt sich spröde, und es setzt Ohrfeigen. nichts, Liebe will erobert werden. So schnell geht das nicht, es sind noch andere Bewerber da. Der „furchtsame“ Hase wird zum feurigen Fechter. Der Schnee stiebt, das Dürrgras wird zertrampelt, und wenn am anderen Morgen der Jagdhüter durchs Revier geht und die in den Schnee getretenen Kreise und die Wollpflöckchen am kahlen Schwarz= dorn hängen sieht, so sagt er nichts, aber er schmunzelt und denkt:„Aha!“„ Auch unter dem Federkleid rührt es sich. Im Dezember und Januar, wenn alles unter dicker Schneedecke vergraben liegt, hört der einsame Wanderer im schweigenden Kiefernwald mit einem Male dünne, zirpende Stimmchen aus luftiger Höhe. Verwundert schaut er hinauf und sieht in der Astgabel Kreuzschnabels Kinderwiege hängen, darin drei, vier ganz kleine Kreuzschnabelkinder, trotz zehn Grad Kälte quietschvergnügt und puppenlustig. Es geht wirklich nirgends wunderlicher her als auf der Welt. Allen Dichtern zum Trotz hat die Liebe das ganze Jahr hindurch ihre hohe Zeit, das weiß am besten das Wildkaninchen und sagt sich:„Warum denn nur einmal lieben im Mai?“ So sieht man von Februar bis tief in den Oktober kleine Wildkaninchen wie lustige graue Wollbällchen umherhuschen, und„das macht die Liebe so ganz allein“. Der Spardiktator. „Ich höre, ihr habt jetzt in eurem Geschäft einen Cpardiktator, wie ist's denn mit dem?“ „Großartig. Er war ein solcher Erfolg, daß wir Angestellten ihn für eine Woche engagiert haben. „Wieso ihr denn?“ „Von dem konnte man viel lernen. Er zeigte uns, wie man zu spät kommen kann und wie man sich am besten von der Arbeit drückt.“ Ein Gemütsmensch. „Sie haben große Verluste gehabt?“ „Leider. 100000 Mark verloren, und das Unangenehmste, 1000 Mark davon waren mein Eigentum!" Was bringt der Rundfunk? Sonntag, den 3. Jannar 7,00—830 Bremer Hasenkonzert aus dem Bremer Freihafen. 8,30—8,55 Esperanto. 9,00—9,05 Uebertragung des Geläutes aus der Prinitatiskirche, Köln. 9,05—10,00 Evangelische Morgenfeier. 10,15—10,35 Besuch am Krankenbett. 11,00—11,25 Lebende Dichter. 11,30—11,55 Von der Flöte zur Panke(6). 12,05—12,25 Meine Heimat. 12,30—12,55 Erdölgebiete in Deutschland. 13,00—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Peusis. 1. Ouverture zur Operette„Die schöne Galatbee“ von Suppé. 2. Dorfkinder, Walzer von Kalman. 3. Fantasie aus der Oper„Andrea Chénier von 1 Giordano. 4. a) Nur wer die Sehnsucht kennt v. Tschaikowsky, b) Ständchen von Strauß. 5. Gebet und Tempeltanz von Grieg. 6. Kaukasische Suite von Ippolitow. 7. Buddhas Liebesfeier v. Kronberger u. Mariot. 8. Potpourri aus der Operette„Frasquita“ von Lehar. 14,30—14,50 Fertigkeitsprüfung für Kurzschriftter. 14,50—15,10 Streit im Asyl. 15.25—15,45 Musikalische Arbeitsgemeinschaft. 16,05—16,30 Meister des Reiseberichtes. 16,30—18,00 Uebertragung vom Südwestfunk, Frankfurt: Besperkonzert des Städtischen Kurorchesters Wiesbaden, Leitung: Hermann Irmer. Ballettmusik und Tänze. 1. Ball=Ouverture v. Sullivan. 2. Neu=Wien, Walzer von Straud. 6. Ballettmusik aus der Oper„Die Königin von Saba“ von Gounod. 4. Espana, Walzer von Waldteufel. 5. Ballettmusik aus der Oper„Die Camisarden“ von Langert. 6. Willst du mein Liebsten sein, Mazurka von Millöcker. 7. Drei spanische Tänze von Moszkowsky. 8. Ballettmusik aus„Coppeila“ von Delibes. 9. Militärfanfare, Galopp von Ascher. 18,05—18,30 Der westfälische Lebensraum. 18,35—19,00 Meister der Naturschilderung. 19,05—19,45 Die Welt auf der Schallplatte. 19,45 Sportvorbericht. 20,00 Volkskonzert. Das Orchester des Westdeutschen Rundfunks, Leitung: Kühn. 1. Fest=Ouverture über ein thüringisches Volkslied von Lassen. 2. Szenen aus der Oper„Die Bohème“ von Puccini. 3. Vorspiel zum zweiten„Aufzug der Oper„Der Kuhreigen“ von Kienzi. 4. LagunenWalzer von Strauß. 5. Ungarische Rhapsodie Nr. 6(Pesther Karneval) von Liszt.— Intermezzo: Des Knaben Wunderhorn(8).— 6. Ouverture zur Operette„Der Opernball“ von Heuberger. 7. Liebestraum nach dem Ball von Czibulka. 8. Intermezzo aus der Operette„1001 Nacht“ von Joh. Strauß. 9. Melodien aus der Operette„Ein Walzertraum“ v. Oscan Strauß. 10. Dorsschwalben aus Oesterreich, Walzer von Jos. Strauß. 11. Perpetuum mobile von Joh. Strauß. 22,10 Letzte Meldungen, Bericht über das zeistige Leben, Sportbericht. Etwa 22,30—24,00: Nachtmusik und Tanz, Leitung: Pensis. Montag, den 4. Januar 6.45—7,00 Leibesübungen. 7,00 Uhr Wettervorbersage und Zeitangabe 7,05—8,00 Morgenkonzert. 8,00 Wiederholung der Wettervorhersage, Zeitangabe und Wasserstandsmeldungen. 9,45 Gymnastik für Frauen. 10,00 Erste Meldungen und Zeitangabe. 10,15—11,15 Mensch und Welt. Gemeinschaftsompfang für Arbeitslose. 11,20—12,35 Schallplattenkonzert. 12,85 Funkwerbung mit Schallplatten. 12,50 Wetterbericht. 12,55 Nauener Zeitzeichen, Mittagsmeldungen und Zeitangabe. 13,05—14,30 Mittagskonzert, Leitung: Pensis. 1. Freiheitsadler, Marsch von Zeh. 2. Gold und Silber, Walzer von Lehar. 3. Ouverture zur Oper„Der Improvisator“ von d'Albert. 4. In Adams Paradies, Potpourri von Urbach. 5. a) Baumgarten von Schwelb, b) Wiener Intermezzi von Schwelb. 6. Suite aus dem Ballett „Der Schwanensee“ von Tschaikowsky. 7. Langsamer Walzer von van den Berg. 8. Baskische Rhapsodie von Pierné. 14,30 Schlachtviehmarktberichte. 15,30 Wirtschaftsmeldungen und Zeitangabe. 15,50—16,20 Kinderstunde. 16,20—17,00 Jugendfunk. 17,00—18,00 Vesperkonzert, Leitung: Wolf, Solistin: Anita Greve=Hamburg(Alt). 1.„Turandot“, Ouverture von Lachner. 2. Aus der Ballettmusik zur Oper„Der Cid“ von Massenet. 3. Melodien aus der Open„Der Trompeter von Säkkingen“ von Neßler. 4. Lieder für Alt. 5. Alt=Wien, Walzer von Ziehrer. 6. Wolgaklänge, Potpourri von Lindemann. 18.15—1835 Frauenstunde. 18,.40—19,00 Elternstunde. 19,00—19,15 Wetterbericht, Zeitangabe, Wirtschafts. meldungen und Sportvorbericht. 19,15—19,25 Vom Tage. 19,30—19,55 Rechtsmittel gegen Finanzamtsbe= scheide. 19,.55 Erste Abendmeldungen. 20,00 Uebertragung aus dem Kleinen Haus der Städtischen Bühnen, Düsseldorf: Collegium Musicum(4). Das Düsseldorfer Kammerorchester. Leitung: Dr. Alfred Fröhlich. Solisten: Hildegard Thienen(Violine), Joseph Elkan(Bariton). Slawische Melodien. Anschließend: Letzte Meldungen, Bericht über das geistige Leben, Sportbericht. Anschließend bis 23,00: Nachtmusik, Leitung: Wolf. 23,00—24,00 Konzertübertragung aus dem Café Europa, Bielefeld, Kapelle: Mario Iseglio. Bürhergeternige Donnerstag, den 7. Januar 1931: Schwelm, Kreisgesundheitsamt, Barmordr. 12, 4 bis 6 Uhr: Sprechstunde der Tuberkulosefürsorgestelle. Freitag, den 8. Januar 1931: Gevelsberg. Rathaus, 11 bis 12 Uhr: Sorechstunde des Kreiskommunalarztes. Milspe, Turnhalle, 4 bis 6 Uhr: Sprechstunde der Tuberkulosekürsorgestelle. Samstag, den 9. Januar 1931: Schwelm, Kreisgesundheitsamt, Barmerstr. 19, 9 bis 12 Uhr: Sprechstunde des Kreiskommunalarztes. — Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Warum Joffre Kapoleon verurteilen mußte Geschäft unter Ehrenmännern— Emile Zola als Negerrechtsanwalt Der kluge Richter von Puerto Plata. Von Harris Brackett Zu den idyllischen Fleckchen Erde, die noch keine solche Sorgen wie Weltwirtschaftskrisen kennen, gehört auch die Insel Haiti. Die Osthälfte bildet das Gebiet der Dominikanischen Republik, und die glücklichen Neger und Mulatten, aus denen die Bevölkerung sich zusammensetzt, leben in den Tag hinein. Da haben sie denn Zeit, sich schöne Namen auszusuchen, weil ihnen vielleicht die in der Taufe gegebenen nicht gefallen. Der Staat bat gegen den Tausch nicht das Geringste einzuwenden. Der betreffende Dominikaner braucht seinen neuen Namen nur mit entsprechender Bemerkung in die Zeitung zu setzen, und alles ist erledigt. Nur so konnte es kommen, daß kürzlich die Träger dreier weltberühmter Namen sich vor dem Gericht in Puerto Plata trafen. Da war Napoleon Bonaparte als Angeklagter, Cäsar Hannibal Jofsre als Richter und Emile Zola als Verteidiger. Napoleon Bonaparte konnte sich nämlich nicht mit dem Gedanken abfinden, daß er als Trager eines so großen Namens in seinem Vaterland überhaupt beine Rolle spielen sollte. Auf friedliche Weise— das sah er ein— brachte er es zu nichts. Also brütete er finstere Gedanken. Eines Abends schritt er zur Tat. Er suchte den Oberbesehlshaber der Garnison seiner Heimatstadt auf, einen goldbetreßten Oberst, der mit seiner gesamten Macht— vier Soldaten— in der Wachtstube saß und sich langweilte. Napoleon brachte drei Liter Rum mit. Man unterhielt sich sehr gut. Der Oberst war so menschlich, seinen vierten Mann, der gerade au Posten stand, von dieser lästigen Pflicht zu befreien und der Rum schmeckte vorzüglich. Schließlich war die bewaffnete Macht in dem Stadium der Begeisterung angelangt, wo der Mensch jeden anderen für seinen Bruder hält und ihm am liebsten um den Hals fallen würde. Das geschah denn auch hier in der Wachtstube, und der biedere, rauhbeinige Krieger mit den dicken Goldtressen und den riesigen Epauletten fühlte das dringende Bedürfnis, sich dem lieben Bruder Napoleon für den schönen Abend erkenntlich zu erweisen. Deshalb war er auch sofort einverstanden, als ihm der Namensvetter des großen Korsen ein kleines Geschäft vorschlug:„Lieber Bruder, was brauchst Du in so friedlichen Zeiten noch die gefährlichen und schwer zu tragenden Gewehre Deiner Leute? Ich bin ein begeisterter Waffensammler, und die Flinten, die Du da hast, gefallen mir außerordentlich. Ich will Dir für das Stück einen Dollar geben.“: Der Oberst mochte nicht Nein sagen, und so wurde das Geschäft abgeschlossen. Napoleon Bonaparte zückte vier Dollar und erhielt dafür die gesamten Waffen der Garnison ausgeliefert. Er nahm gerührten Abschied von seinem neuen Freunde, und der Oberst besaß noch die Liebenswürdigkeit, ihm einen Mann zum Tragen der Knarren mitzugeben. Anverweilt versuchte Napoleon Bonaparte mit den vier Gewehren den geplanten Staatsstreich auszuführen und die Regierung zu stürzen. Duch seine Truppen wurden geschlagen, und er kam ins Gefäugnis. Nun stand er vor seinem Richter, vor Cäsar=Hannibal Joffre. Napoleon bekannte sich des versuchten Staatsstreichs für schuldig, beklagte sich aber darüber, daß er bei dem Geschäft mit dem Oberst schändlich betrogen worden war, weil die Gewehre— nicht losgingen. Hier sprang der Verteidiger Emile Zola ein, um die Gemeinheit des Staates zu unterstreichen, der so schlechte Gewehre liefere. Er benutzte den sichtbaren Eindruck, den sein Angriff machte, dazu, um dem Richter einen Vergleich vorzuschlagen: Napoleon Bonaparte wollte die Gewehre zurückliefern, wenn er den Kaufpreis und zwei Dollar für den entgangenen Gewinn erhielt. Der kluge Richter erklärte sich nach reiflicher Ueberlegung mit dem freundlichen Angebot einverstanden. Die vier Gewehre wurden berbei geschleppt, der Oberst und Rumliebhaber, dessen Freundschaft mit Napoleon Bonaparte leider in die Brüche gegangen war, nahm sie in Empfang und zahlte sechs Dollar. Der Putschist wollte damit abziehen, doch der Richter machte ihm einen Strich durch die Rechnung und verurteilte ihn wege des Versuchs einen Staatsstreich auszuführen zu einer Geldstrafe von sechs Dollars. Napoleon Bonaparte zahlte wütend, und Cäsar=Hannibal Joffre steckte das Geld freundlich lächelnd in seine eigene Tasche. Sicher wird demnächst in der Volksvertretung die Forderung erhoben werden: Man gebe dem Militär Gewehre, die auch schießen! Aber ebenso sicher wird die Regierung diese Forderung mit dem Hinweis auf den glücklichen Ausgang des vereitelten Putsches von Puerto Plata ablehnen. Große männer und schlechte Zähne Ein ungewöhnliches Thema für eine Doktorarbeit Hexenglaube und schlechte Verdauung.— Warum unsere Vorfahren Steine schluckten. Von G. W. Beyer Ein deutscher Student erhielt kürzlich folgendes Thema für seine Doktorarbeit gestellt: Goethes Zahnleiden und seine Zahnärzte. Die Aufgabe, vor die der junge Mann sich gestellt sieht, ist sicher etwas ungewöhnlich. Zähne hatten bis heute in der Goethe=Literatur keine Rolle gespielt... M1—1 ∆ Das war entschieden ein Manger. Denn wir wissen heute recht wohl, welchen Einfluß schlechte Zähne und Zahnschmerzen auf das ganze Wirken des Menschen haben können, und es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß Goethe in seinen späteren Jahren häufig unter diesem Uebel litt, daß sein Gebiß noch mehr als schlecht war. So wird der Doktorand sicher zu dem Ergebnis kommen, daß Goethes an sich unerreichte Leistungen noch größer gewesen wären, hätten ihn nicht Zahnschmerzen und eine vom schlechten Gebiß herrührende mangelhafte Verdauung oft behindert. Wir wollen aber dem Studenten nicht vorgreifen und uns über den Fall Goethe nicht weiter auslassen. Es gibt in der Geschichte Beispiele genug, die von der modernen Zahnheilkunde angeführt werden können, um die große Bedeutung gesunder Zähne darzulegen. Aus Bildern und aus Schilderungen wissen wir zur Genüge, daß unsere Vorfahren besonders im Mittelalter alles andere besaßen als ein gutes gesundes Gebiß. Eine ausgesprochene Zahnheilkunde kannte man a auch damals nicht, und mancher kaute lieber ganz vorsichtig auf einem hohlen Zahn herum, als daß er zum Bader gegangen wäre, um sich den Störenfried unter fürchterlichen Schmerzen mit einer vorsintflutlichen Kneifzange ausziehen zu lassen. Die Folge davon war in Verbindung mit der gewohnheitsmäßigen Ueberladung des Magens eine schlechte Verdauung. Wenn wir uns heute Apotheken aus der damaligen Zeit ansehen, wie sie in verschiedenen Museen gezeigt werden, so fällt sofort die große Zahl der Abführmittel auf. Diese spielten ohne Zweifel die erste Rolle und waren oft recht merkwürdiger Natur. So kannte die Arzneilehre von damals Abführsteine, runde geschliffene Marmorstückchen, die dem Kranken eingegeben wurden, damit sie dank ihrer Schwere den zähen Darminhalt durchbrachen und Luft schafften. Diese wunderliche Arznei war ziemlich teuer, aus welchem Grunde sie nach ihrem Wiedererscheinen sorgfältig aufgelesen gesäubert und zu weiterer Verwendung aufgehoben wurde. Aber alle diese Mittel glichen die üblen Auswirkungen schlechter Zähne noch längst nicht aus. Die Menschheit litt an Verstopfung, die den ganzen Körper und zuletzt auch den Geist vergiftete, ungesunde Ideen gebar und zweifellos ein gut Teil der Schuld am unsinnigen Hexenaberglauben trug. Die schlechte Verdauung führender Männer hat zweifellos manches Mal Einfluß auf den Verlau der Geschichte gehabt. Sie braucht nicht Auswirkung schlechter Zähne zu sein, sondern kann auch durch die ungenügende Betätigung eines gesunden Gebisses verschuldet werden. So dürfte ohne Zweifel festgestellt sein, daß die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts einen anderen Verlauf genommen haben würde, hätte sich Napoleon vor Waterloo Zeit und Mühe gegeben sein Essen richtig zu kauen. Sein eigener Leibkoch hat später von ihm gesagt:„Er verstand nicht zu essen. Er schlang alles hinunter, ohne zu wissen, was er aß, ohne zu kauen.“ Die Folge dieser üblen Angewohnheit war eine ausgesprochen schlechte Verdauung, die sich unter anderem durch Hämorrhoiden bemerkbar machte, und gerade am Morgen der Schlacht bei Waterloo, die über sein Schicksal entscheiden sollte, waren die Schmerzen so groß, daß Napoleon sich kaum im Sattel halten konnte. Seine körperliche Behinderung wirkte sich natürlich auch auf seine Entschlußfähigkeit aus. N Ein lenkbarer Ballon wurde auf dem Flugplatz Neu=Phaleron bei Athen vorgeführt. Der Ballon kann nur einen Passagier tragen, dem es möglich sein soll, den Ballon zu lenken. Im Land der bärtigen Frauen. Das Land der bärtigen Frauen liegt nicht irgendwo in einem fremden Weltteil, sondern viel näher, nämlich im südlichen Frankreich. Im Departement Lot=et=Garonne, unweit Bordeaux, findet sich die immerhin ungewohnte Erscheinung, daß die Weiblichkeit, wenn nicht sämtlich, so doch in der überwiegenden Mehrzahl richtige Bärte trägt. Daß es sich um keinen Scherz handelt, geht daraus hervor, daß die Pariser Akademie der Medizin kürzlich eine Studienkommission in die fragliche Gegend sandte, welche die interessante Erscheinung wissenschaftlich prüfen soll. Eine hinreichende Erklärung für den Bartwuchs des weiblichen Geschlechts, der sich besonders in den Dörfern Dolayrac und Colayrac schon bei jungen Mädchen ausgeprägt findet, vermag bislang noch niemand zu geben, doch glaubt man, daß ein gewisser Zusammenhang zwischen dem Bartwuchs der Frauen und der in jener Gegend häufigen Zuckerkranheit besteht. Am wahrscheinlichsten dürfte der eigenartige weibliche Bartwuchs auf das Trink= und Waschwasser der genannten Gegend zurückzuführen sein, denn die erwähnte Kommission fand im Wasser von Colayrac gewisse chemische Stoffe, die das Haarwachstum ungemein fördern. Ob die Annahme zutrifft, werden erst weitere Untersuchungen zweifelsfrei nachweisen müssen. 8 1682. Dies Blüschen ist aus dünnster hellblauer Wolle in einer zarten spitzenartigen Technik gehäkelt. Der Rock dazu, R 388, ist gendarmenblau, aus derber Sportwolle gestrickt. Rechts: K 5225. Die neueste Form des Strickkleides: Es knöpft wie ein Mantel übereinander und wird mit einem Ledergürtel in der Taille gehalten. Sehr einfache Stricktechnik. Ganz rechts: S 1355. Ein handgestricktes Kostüm aus schwarzer Golfwolle. Die Jacke ist kragenlos und wird mit einem schönen Ledergürtel über einem starkfarbigen Blüschen getragen. Wickelrock. Der Hut oben in der Mitte, V 2477, ist gehäkelt, der Rand über einer festen Einlage, die nach dem Kopf gebogen wird. SETUNNTET □) Tit der Vorliebe für Wollstoffe, D X Cinsbesondere für Jersey, ist eine wahre Leidenschaft für handgearbeitete Wollsachen erwacht. Ist es schon sehr schick, ein Blüschen zu tragen, das so aussieht, als ob es mit der Hand gestrickt ist, so ist es noch viel schicker, wenn es wirklich mit der Hand gestrickt oder gehäkelt ist. Das Bestechende an der neuen Strickmode ist das: sie hat nicht mehr den leisesten Anklang an das Kunstgewerbe, sie ist rein modisch. Wie ein Stoff zugeschnitten wird, ebenso wird das handgestrickte Material genau auf den Schnitt zurecht gemacht, bekommt Abnäher zum besseren Sitz, Gurtband, Knöpfe, kurz— wird ganz und gar wie Stoff behandelt. Daß man das kann, liegt an der neuen Technik, die leicht, locker, man möchte sagen„beschwingt“ ist. Dadurch entsteht im Verein mit dünnster, feinster Wolle ein gewichtloses, weiches, anschmiegsames Gewebe, das dem leichtesten Stoff Konkurrenz macht. Besonders reizvoll sind kleine Blüschen mit kurzen Armelchen und kleinen Volants um den Hals. Sie wirken durch eine luftige, löcherige Technik wie eine Spitze. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn man sie in einer ganz zarten Pastellfarbe hält. An Kleidern sieht man manchmal Passen und Krägelchen in dieser Spitzentechnik gearbeitet, eine sehr moderne kleidsame und duftige Garnitur. H. H. allen CNodellen(Ulistein-Ochnittmuster unter den hi er angegebenen Ilur Mimern in großen Jaufh Gusern : 2) MFA Mikrotilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. Die Stimme Des Schiafats 44 Roman von G. Schätzler=Perasini Rachdruck verboten 22. Fortsetzung Nachdruck verboten „Vielleicht. Aber es wird ihm nicht so leicht gelingen.“ „Leicht oder nicht, Anny! Der Doktor ist frei!“ „Frei?!“ Anny Bolten schrie es förmlich hinaus.„Das ist ja ganz unmöglich!“ „Ich habe ihn selbst vor einer halben Stunde gesehen. Er verließ das Polizeigebäude und wir erkannten uns beide.“ „Frei geworden— und hier? Wie ist das denkbar?" stammelte die junge Frau. „Ein Mensch wie der Doktor läßt sich nicht so leicht ununterkriegen. Ja, ich fürchte sogar, sein Besuch im Polizeigebäude hängt mit einem Streiche zusammen, den er gegen Sie führt!" „Was könnte er noch Schlimmeres gegen mich spinnen, als er schon tat!“ erwiderte Anny erregt.„Und nun lassen Sie mich die Zeitungsnotiz lesen. Ich bin auf alles gefaßt. Franz Burner zog das Blatt aus der Tasche, streifte es glatt und bezeichnete der jungen Frau die betreffende Stelle. Anny las in steigender Erregung: „Die Doppelgängerin. Ein sensationeller Vorfall beschäftigt gegenwärtig die hiesige Kriminalpolizei. Vor einiger Zeit starb in der Nähe der Millionär und Kommerzienrat W. In seinem Testament war das bedeutende Vermögen, abzüglich einiger Stiftungen und Legate der Adoptivtochter des Verstorbenen vermacht. Nur eine geringe Summe wurde einer gewissen Fanny Ehlers ausgesetzt, einer Persönlichkeit, welche niemand weiter zu kennen schien. Diese 30,000 Mark sollten ohne jede Erklärung oder Bedingung an Fanny Ehlers ausbezahlt werden. Aber dieses Mädchen war anfänglich verschwunden. Wie der verstorbene Millionär dazu kam, gerade dieser Persönlichkeit 30,000 Mark zu schenken, ist vorläufig noch ein interessantes Rätsel. Plötzlich wurde diese Fanny Ehlers von der Pariser Polizei in einem berüchtigten Hause der Seinestadt entdeckt und zunächst festgenommen. Von dem auf ihr lastenden Verdacht eines Diebstahls vermochte sie sich zu reinigen, aber nun trat sie mit einer Behauptung auf, welche zu sensationellen Verwicklungen führen dürfte und alles hinter sich im Schatten läßt, was an ähnlichen Kriminalfällen existiert. Sie bestreitet, Fanny Ehlers zu heißen, trotzdem man gültige Papiere dieses Namens bei ihr fand. Sie behauptet, Anny B..... zu sein, eben jene Adoptivtochter des Millionärs. Mit einem Ingenieur verheiratet, Mutter eines kleinen Kindes, habe sie ein Arzt, der wahrscheinlich auch den Millionär W. ermordete, nach Paris gelockt, um sie dort verschwinden zu lassen. Nur durch einen Zufall wäre sie gerettet worden. Sie blieb mit aller Bestimmtheit dabei und als dieser von ihr eines Verbrechens beschuldigte Arzt im Polizeibüro erschien, um sie, seine Geliebte, welche ihm entlief, wieder zurückzuholen, brachte sie es durch ihre festen Behauptungen so weit, daß der Arzt in Paris verhaftet wurde. Mit Hilfe der deutschen Botschaft ist es der Fanny Ehlers dann gelungen, hierher zu reisen. Sie fand bei einem alten Diener des verstorbenen Millionärs Aufnahme. Was das Unbegreifliche ist, dieser Mann, heute ein kleiner Rentner, glaubt ebenfalls an die Echtheit der Person. Es ist dies vielleicht einigermaßen erklärlich, wenn man die Tatsache in Betracht zieht, daß Fanny Ehlers wirklich das vollkommene Ebenbild der Erbin des Millionärs sein soll. Natürlich nur ein seltenes Naturspiel. Sie hat die 30,000 Mark abgelehnt und tritt offen gegen die eigentliche Erbin auf, indem sie dieselbe eines furchtbaren Betruges bezichtigt. Es haben auf der Polizei bereits wiederholte Vernehmungen stattgefunden. Das Wunderbare ist nämlich, daß die heutige Erbin, welche ihrer Heirat wegen mit dem Vater eine Zeitlang erzürnt war, in der Sterbenacht geholt wurde, eben von jenem Arzte, der von Fanny Ehlers des Mordes bezichtigt wird und von dem sterbenden Millionär volle Verzeihung erlangte. Auch ihr Gatte traf ein und lebt seitdem als Leiter des großen bekannten Unternehmens mit seiner Gemahlin. Beide sollen nicht wenig überrascht gewesen sein, als sich plößzlich eine Doppelgängerin meldete, welche den Ingenieur für sich beanspruchte, ebenso das Kind der beiden und die Stellung im Hause. Sie wohnt gegenwärtig noch bei dem ehemaligen Diener, von welchem sie wahrscheinlich eine Reihe von Begebnissen herauslockte, welche sich früher im Hause des Millionärs abspielten. Die Erhebungen und Untersuchungen sind in vollem Gange, nachdem sich der sensationelle Vorfall auf privatem Wege nicht mehr erledigen ließ. Er erhält noch einen pikanten Beigeschmack dadurch, daß Fanny Ehlers in früheren Jahren, ehe der heutige Leiter des Hüttenwerkes seine jetzige Frau kennen lernte, vorübergehend mit dem damaligen Ingenieur ein Liebesverhältnis unterhielt, das aber rasch gelöst wurde. Die junge und, wie es heißt, schöne Person scheint aber doch nicht den Gedanken an den Besitz dieses Mannes aufgegeben zu haben, wie die Tatsache zeigt. Nur wählte sie ein gefährliches Mittel. Es sollen morgen Gegenüberstellungen stattfinden, auf deren Ergebnis man gespannt sein darf. Inzwischen können wir noch melden, daß der in Paris verhaftete Arzt seine Freiheit wieder erlangte und nun ohne Rücksicht gegen die Person vorgehen will, welche ihn mit einem so schweren Verdacht belastete. Wir müssen uns nur über eines wundern: wie es möglich ist, daß man eine derartig verwegen auftretende Person bis dahin in völliger Freiheit beläßt.“ Anny Bolten ließ da. Blatt sinken. Sie hatte zu Ende gelesen, den Kelch bis zur Reige geleert. Erschüttert starrte sie vor sich hin. „Ein Skandalblatt, das nur vom Gifte lebt!“ rief Franz zornig. Sie tun am besten, sich gar nicht weiter darum zu kümmern. Dem Doktor traue ich zwar alles zu, jedes Verbrechen, nachdem ich diesen Nachmittag in sein höhnisches Gesicht sah. Wenn der könnte, wie er wollte, würde er auch vor einem Morde nicht zurückschrecken. Dann hätten sie erreicht, was sie bezwecken, es wäre niemand mehr da, der ihnen den Rang streitig machte!“ „Glaubt Ihr, daß die Betrügerin auf Ruhland auch jetzt noch mit Dr. Curtius in Verbindung steht?“ „Davon bin ich fest überzeugt,“ versetzte Franz,„Sie ist doch keine andere als selber jene Fanny Ehlers, von der er immer erzählt und zu der er Sie machen will. Die Person war seine Geliebte und die zwei spielen unter einer Decke.“ Anny blickte ganz entsetzt den Alten an. „Ihr habt ja eine fürchterliche Phantasie, rief sie. „Ich habe nur einen offenen Verstand, das ist alles. Eine Schuld zieht die andere nach sich, das ist immer so gewesen und auch ganz natürlich. Bedenken Sie doch nur, wenn Bolten eines Tages bereute, daß er Sie verleugnete, wenn er alles verraten wollte! In diesem Moment gebietet es geradezu die Notwendigkeit den beiden, daß er gar nicht zum Reden kommt!" „Mein Gott!“ fuhr die junge Frau auf.„Was kommt mir in den Sinn! Seine plötzliche Krankheit— gerade vor seiner Vernehmung! Was sagt man denn von seiner Krankheit?“ „Ich habe nur weniges erfahren können. Fast nichts weiter, als daß Erwin Bolten nicht vernehmungsfähig ist!" Die junge Frau blickte schwer atmend auf das Zeitungsblatt, welches vor ihr lag. Plötzlich blieben ihre Augen an einer kleinen Notiz haften, die unter der Rubrik„Letzte Meldungen“ stand. „Blitzschlag,“ las sie. Und dann, obwohl es in der Stube schon ziemlich dunkel war und die Buchstaben ihr vor dem Gesicht zu tanzen begannen, entzifferte sie weiter: „In verflossener Nacht hat der Blitz im Park des Warrenschen Hüttenwerkes eingeschlagen und großes Unheil angerichtet. Eine alte Eiche wurde getroffen und total zersplittert. Die abstürzenden schweren Aeste trafen leider den jetzigen Besitzer der Villa und des Werkes, Erwin Bolten, so unglücklich, daß er bewußtlos liegen blieb., Anny hatte bis hierher gelesen. Nun entrang sich ihrem Munde ein Aufschrei. Das Blatt ergreifend, stürzte sie nach dem Fenster, wo es heller war. Franz hatte sich gleichfalls erhoben. „Was gibt es denn? Was ist geschohen?“ rief er verwirrt. Sie antwortete nicht sofort In fliegender Eile las sie weiter. „Es ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt, wie Bolten in der stürmischen Nacht und zu so später Stunde in den entfernten Teil des Parkes gelangte, wo die alte Eiche stand. Er wurde von seiner jungen Gattin und der Dienerschaft unter dem zersplitterten Baum gefunden. Seine Verletzungen sind leider derart, daß keinerlei Aufschluß darüber zu erlangen ist, wie sich die Sache zutrug. Die Aerzte haben keine Hoffnung, das Leben des Schwerverletzten zu retten.“ Die junge Frau ließ die Hand mit dem Blatt sinken. „Er liegt im Sterben!“ Es war ein wilder, aus tiefster Brust komneender Aufschrei. Die Hände vor das Gesicht schlagend, sank die Unglückliche gegen die Wand. Ein Schauer lief über ihren Körper. Franz Burner hatte das Zeitungsblatt rasch ergriffen und fand auch ebenso schnell die Notiz. Das war allerdings ein harter Schlag! Wenn Erwin Bolten starb, hatten die Betrüger den Sieg in Händen. Da ließ Anny die Hände sinken. Ihr Gesicht war ganz verändert. In den Blicken brannte ein fieberhaftes Licht. „Ich muß fort—!“ stieß sie hervor und raffte den Hut an sich. „Fort? Wohin wollen Sie denn, Anny?“ rief Franz, von einer schlimmen Ahnung befallen. „Nach Ruhland!“" „Unmöglich! Sie sind von Sinnen!" „Hören Sie nicht, daß Erwin im Sterben liegt! Die Fremde soll nicht um ihn sein!“ Mit heiserer Stimme kamen die Worte über ihre Lippen. So konnte nur ein Weib sprechen, das die Angst um das Leben des geliebten Mannes erbeben macht. „Anny!“ rief der Alte.„Sie lieben Bolten auch jetzt noch mit der alten Stärke, trotzdem er Sie verrät und verleugnet? Wie ist dies möglich?“ „Ja— ja— ich tue es!“ rang es sich wild von ihren Lippen.„Gott helfe mir! Ich kann nicht anders! Es ist dieselbe, alles vergessende Liebe, welche mich einst das Vaterhaus verlassen und ihm folgen hieß— in Elend und Not!“ Der alte Mann hatte ihr förmlich den Weg verstellt. „Sie sind von Sinnen, Anny! Bedenken Sie doch, wie man Ihnen in Ruhland begegnet! Man läßt Sie gar nicht vor!“ „Ich werfe mich vor die Türen, ich rufe so lange, bis er selber mich hört! Er darf nicht sterben! Aber er wird jetzt, wo er dem Tode ins Antlitz sieht, nur in mir sein angetrautes Weib erkennen und die Fremde von sich stoßen!“ „Bleiben Sie, Anny, und lassen Sie mich nach Ruhland eilen! Es gibt sonst ein Unglück!“ „Kann es ein größeres geben, als schon geschehen ist? Ich muß fort!“ Er wollte den Weg nicht freigeben, aber sie schob ihn förmlich beiseite. Ihr Atem flog keuchend aus der Brust. Doch noch ehe sie die Tür erreichte, blieb sie betroffen stehen. Die Stimmen zweier Männer schlugen an ihr Ohr. Dicht vor der Tür, auf dem Flur draußen, ertönten sie. „Man kommt— zu uns!“ stieß sie hervor. Franz war auf die Seite getreten. Es klopfte. „Herein!“ antwortete der Alte. Anny stand in der Nähe eines Stuhles, die Hand auf die Lehne gelegt. Eine plötzliche Angst schnürte ihr die Brust zusammen. Ueber die Schwelle traten zwei Herren in Zivil. Während der eine an der Tür stehen blieb, näherte sich der andere Anny.„ „Sind Sie Fanny Ehlers?“ fragte er. Die junge Frau erhob den Kopf.„ „Ich bin Anny Bolten, mein Herr!“ sagte sie ruhig. Der Mann nickte. „— oder Anny Bolten! Wie Sie wollen! Ich habe den Befehl, Sie im Namen des Gesetzes zu verhaften und und in das Untersuchungsgefängnis abzuführen!" „Das— ist doch ein Irrtum!“ stotterte sie. Der Mann lächelte kalt. „Durchaus kein Irrtum. Ich bin Kriminalkommissar Braun. Hier der Verhaftbefehl! Machen Sie keine Umstände. Ich habe den Wagen unten halten lassen und die Dämmerung gewählt, um unnützes Aufsehen zu vermeiden. Folgen Sie mir!“ Die junge Frau war auf den Stuhl gesunken. Jetzt fuhr sie in die Höhe und eine wahnsinnige Verzweiflung klang durch ihre keuchend hervorgestoßenen Worte: „Ich muß nach Ruhland! Mein Gatte liegt im Sterben! Haben Sie Mitleid, Barmherzigkeit! Eine Fremde ist um ihn, die seinen Tod beschleunigt! Sie wollen ihn töten, zu ewigem Schweigen zwingen! Verhindern sie dieses Verbrechen und lassen sie mich nur dieses eine Mal noch frei! Morgen früh stelle ich mich selbst der Polizei!“ Sie streckte die Arme flehend aus, um den Ausgang der Tür zu gewinnen. Der Kommissar trat aber mit gerunzelter Stirn dazwischen. „Lassen Sie mir gegenüber diese Komödie! Bringen Sie vor dem Untersuchungsrichter an, was sie zu sagen haben. Um den Kranken in Ruhland brauchen Sie sich nicht zu sorgen. Er wird hinreichende Pflege haben— durch seine Gattin!" Anny wußte, daß sie nun verloren war. Man glaubte ihr nicht. Franz Burner hatte bis dahin erschüttert geschwiegen, hier half kein Dazwischentreten. Jetzt näherte er sich der jungen Frau. Mit tränenerstickter Stimme sagte er:„Fügen Sie sich, Anny! Der Polizei gegenüber sind wir machtlos. Vergessen Sie nicht, daß in mir Ihnen noch ein Freund bleibt, der an Sie glaubt und alles aufbieten wird, Ihnen zu Ihrem Recht zu verhelfen!“ Der Kommissar warf einen Blick auf den Allen. „Ich möchte Ihnen den wohlgemeinten Rat geben, sich nicht in diese gefährliche Sache zu mengen,“ sagte er ironisch.„Sie sind ein alter Mann. Da läßt man sich leicht etwas vorspiegeln. Es könnte für Sie eines Tages unangenehme Folgen haben!“ Der ehemalige Diener sah den Beamten furchtlos an. „Herr Kommissar,“ erwiderte er,„ich bin in Ehren alt und grau geworden. Aber wenn Sie auch mich eines Tages verhaften wollten wie die arme Anny Bolten hier, meine Ueberzeugung von der Wahrheit ihrer Angaben wird mir doch niemand nehmen. Alt bin ich wohl, aber ich sehe klarer wie mancher jüngere!“ „Unnütze Worte!“ schnitt der Kommissar kurz ab.„Kommen Sie!“ Franz Burner küßte Annys Hände. „Leben Sie wohl! Verlieren Sie den Mut nicht! Es gibt noch einen gerechten Gott im Himmel, davon bin ich fest überzeugt, wir werden nicht bis zuletzt unterliegen.“ Die junge Frau nickte nur. Sie vermochte nicht zu sprechen. Der Boden wankte unter ihr und über die Trep##e mußte sie der Schutzmann in Zivil am Arm führen. Ihre wunden Gedanken waren auf Ruhland bei dem todkranken Gatten, der im Sterben lag. Oben in der kleinen Wohnung saß der alte Franz und begrub den Kopf in beiden Händen. „Schlag um Schlag fällt!“ ächzte er.„Das ist zu viel, um es noch lange ertragen zu können! Als Betrügerin und Hochstaplerin vor Gericht gestellt und verurteilt— das wäre das Ende, der Lohn für alle Liebe und Treue, für den Kampf um die Wahrheit!“ Tiefe Schatten fielen in den Raum. Es wurde Nacht, der Alte achtete nicht darauf. Er faltete die alten Hände. „Herr gib uns das Recht!" betete er. 19. Zwei Stunden von der Stadt entfernt, in einer waldigen Gegend, welche noch nicht von dem Rauch der Riesenschornsteine umliegender Fabriken an ihrem frischen Reize verloren hatte, lag die staatliche Heil= und Pflegeanstalt Freienwaldau. In einen flachen Talkessel gebettet, umfaßte es einen bedeutenden Flächenraum. Eine hohe starke Mauer umgab den ganzen Komplex, meist von dem üppig emporwuchernden Grün der Büsche maskiert. Dahinter lag der Park, allen modernen Anforderungen entsprechend. Ein prächtiger alter Schlag Eichen und Buchen stand hier. 2(Fortsetzung folgt.)