ro. Mittwoch den 16. April. 1834. Preußen. Seine Majestät der König haben Allergnädigst zu ernennen geruht: den seitherigen Vicepräsidenten der Regierung zu Stralsund, Kammerherrn Grafen von Arnim, zum Präsidenten der Regierung zu Achen, den seitherigen Landrath des Landshuter Kreises, Ober= sten Grafen Anton zu Stolberg=Wernigerode, zum Präsidenten der Regierung zu Düsseldorf, und den seitherigen Landrath des Kreises Paderborn, Freiherrn von Spiegel-Borninghausen, zum Vicepräsidenten der Regierung zu Koblenz. *In Nro. 80 des Hamburger Korrespondenten findet sich ein Schreiben aus Berlin, das einem Steckbriefe gleichet, wie ein Ei dem andern. Wie sehr wir es nun auch beloben müssen, daß der Briefsteller das Signalement der ungebetenen Gäste in der Residenz nicht hat veröffentlichen wollen, so wenig können wir es billigen, daß es die Hardiesse dieser Champions gewesen ist, welche ihn veranlaßt hat, sich über die Stufe der Bildung, Gesittung und Gesinnung ihrer Landsleute zu verbreiten.— Daß eine rheinländische Weinstube(wir gehen dem Briefsteller nach) um eine Stufe höher stehe, als eine Berliner Bierschenke, wird selbst ein Weinwirth an der Mosel nicht behaupten; der Mann aber, der in der Mark mühsam den Acker bestellt, wird in den ständigen Biergästen die Repräsentanten seiner Gesinnung so wenig gehalten wissen wollen, als der Rheinländer in wandernden Schöppchenstrinkern.— Die Tripartition der preußischen Rheinlande ist ohne historischen Grund. Die letzte Eintheilung ist zwiefältig. 1) Jülich, Cleve, Berg, 2) Niederrhein. Der Geist aber ist einer. Im Volke ist kein Mainzer, kein Trierer, kein Kölner, kein Jülicher, kein Berger; es ist kein Streit mehr zwischen Bauern und Edelleuten, Städten und Bischöfen, Synoden und Konsistorien; ja selbst, man komme und sehe, wie brüderlich Evangelische und Katholische mit einander leben. Daß hiemit jede kleine Reibung verleugnet werden soll, können wir nicht gemeint seyn behauptet zu haben. Wo aber Streit ist, ist es ein rein persönlicher. Das Volk hat keinen Theil daran. Es streitet ein Rechtsgelehrter mit dem andern über Gesetzgebung, das Volk aber schwört auf des Königs Gerechtigkeit; es streitet ein Baron mit einem Kaufmann über Vorurtheil des Ständeunterschiedes, aber keiner macht dem andern streitig, daß der Beste dem Könige der nächste sey; es streitet ein Evangelischer mit einem Katholischen über Bekenntnißschriften und beide vereinigen sich darin, daß der König den wahren Glauben habe. Wozu denn diese Herausforderung der Provinz, wenn auch ein Zudringlicher, wie es in dem Schreiben heißt, sich eine verdiente Zurechtweisung zugezogen hat; wozu die Verwechselung der Leute, die Jedermann kennt, mit dem Volke das von ihnen nichts wissen will. Was die Geschäftigen, die alle Bureaux durchlaufen, von Mund zu Munde tragen, bis sie an dem Oberlicht eines Präsidenten=Hotels sich die Nase stoßen, das darf nicht als aus Auftrag des Volks angenommen werden. Es bleibt noch übrig, des Buches zu erwähnen, das der Briefsteller im Korrespondenten für eine Art Kriegsmanifest von der Rheinprovinz genommen hat, des Buches nämlich: Frankreich und Preußen, staatswirthschaftlich und politisch unter vorzüglicher Berücksichtigung der Rheinprovinz. Der Verleger mag sagen, in welcher Provinz er den meisten Absatz gehabt hat; so viel aber behaupten wir, daß auf die Wenigen mit Fingern gewiesen wird, welche hier zu Lande sich hätten verleiten lassen, aus diesem Zahlenchaos auf Saturnische Zeiten zu schließen, wenn die Nägelspitzen des, in seinem Herzen sich selbst verwundenden Frankreichs in Köln und Koblenz noch eingeklammert wären. Wozu denn diese Andichtung! wozu der böse Unterschied von alten Provinzen und neuen Provinzen; daß Sachsen fügsamer gewesen als die Rheinlande; was soll die Parallele zwischen Posen und der Rheinprovinz, eben so unhistorisch als unnatürlich! Der Kronprinz hat den Unterschied nicht gefunden, wie hätte er sonst so zutraulich fragen, so herzlich antworten, und so beglückt von seinem Aufenthalt schreiben können? Unser Wetteifer ist nach der Einheit, die im Könige ist, Sein Auge sieht uns Alle, Sein Herz liebt uns Alle, Sein Schwert schützet uns Alle, Sein Zepter segnet uns Alle, Sachsen, Posen, Westphalen und die Rheinlande mit eingeschlossen. Der König ist unser Vaterland. — In einem Schreiben aus Berlin liest man: Die Freude in Ost= und Westpreußen ist über die Nachricht sehr groß, daß Se. k. Hoh. der Kronprinz mit Sr. Durchl. Gemahlin im Juli auf seiner Reise nach St. Petersburg sich einige Zeit in diesen Provinzen aufhalten werden. Der General Graf v. d. Gröben, ein Östpreuße, wird den Prinzen begleiten. Rußland. St. Petersburg, vom 2. April. Se. Majestät haben unterm 26. Februar folgendes Allerhöchstes Reskript an den Generalfeldmarschall Fursten von Warschau, Grafen Paskewitsch=Eriwanski, erlassen:„Fürst Iwan Fedorowitsch! Der Mir von Ihnen vorgelegte Bericht für das Jahr 1833, über die Civilverwaltung des Königreichs Polen, ist ein Beweis Ihrer unausgesetzten und unermüdeten Bemühungen, Meine das Wohl des Mir unterworfenen Volkes bezweckenden Absichten zu erreichen. Die von einigen Wenigen gemachten verbrecherischen Anschläge sind durch Handhabung einer strengen Gerechtigkeit unterdrückt, und denen, welche durch unvorhergesehene Umstände gelitten, ist jede nur irgend mögliche Unterstützung gereicht worden. Alle in den verschiedenen Theilen der Verwaltung vorge nommene Verbesserungen endlich sichern die Dauer der gewünschten Ordnung und Ruhe.— Diese Ihre weisen Anordnungen machen es Mir zur angenehmen Pflicht, Sie Meiner aufrichtigen Dankbarkeit für Ihre rastlose Sorge um das Wohl des Ihrer Verwaltung anvertrauten Landes zu versichern.— Ich verbleibe Ihnen stets wohlgewogen. (gez.) Nikolaus." Schweiz. Zürich, vom 9. April. Ueber dem Ergebnisse der Besprechungen unsrer zurückgekehrten Gesandten mit den Berner Staatslenkern ruht noch dichtes amtliches Geheimniß. Es gewährt dieß den Vermuthungen breites Feld; die mindest gewagte darunter ist wohl die, daß even kein Ergebniß hinsichtlich der Polensache bei den Verhandlungen herauskam, daß der Vorort und die 20½/ Stände Recht behalten, aber Bern auf seinem Kopfe beharrt. Deutschland Frankfurt, vom 10. April. Der hiesige Senat hat sich nunmehr zum Anschluß an den allgemeinen deutschen Zollverein entschieden, und beschlossen: es solle die k. baierische Regierung durch eine nach München abzusendende Deputation um besondere Verwendung zu baldiger Erreichung dieser Absicht gebeten werden. Man glaubt, der Senat hoffe durch die Verwendung Baierns bei der preußischen Regierung unter annehmlichen Bedingungen in den Zollverein aufgenommen zu werden.(Schw. M.) München, vom 10. April. Die Verhandlungen des Kassationshofes, als Revisionsgerichts in der Untersuchungssache der ersten 38 Unterzeichner der Protestation gegen den Bundestagsbeschluß vom 28. Juni 1832, sind noch nicht zum Schlusse gekommen, obwohl sie heute Vormittag und Nachmittag fortgesetzt wurden. Die Vertheidigungsrede des Anwalds Golsen für die Angeklagten nahm diesen Nachmittag drei Stunden in Anspruch; worauf der Staatsprokurator noch einige Fragen stellte, und sodann der Präsident die Sitzung auf morgen vertagte. — Seit einiger Zeit verbreiten sich mehrere, in mancher Hinsicht beunruhigende Gerüchte über den Zustand von Griechenland. Die Bewegungen für die des Hochverraths angeklagten Häuptlinge, sagt man, dauerten fort, Adressen für sie gingen ein, Versuche sie zu befreien würden gemacht, auf ein Mitglied der Regentschaft, welches die Gerichte unter sich hat, sey geschossen worden. Mehrere der Gefangenen, namentlich Kolokotroni, seyen in der höchsten Aufregung, er habe die Wärter erwürgen wollen, sey darum in Ketten gelegt, und da er auch dann nicht Ruhe gehalten, sey er geschlagen worden, und darauf in gänzliche Apathie und Verzweiflung versunken.(Ein in englischen Blättern enthaltener Brief aus Nauplia vom 11. Febr. sagt sogar, er sey im Gefängnisse gestorben.) Die Sicherheit werde durch die Gendarmen nur mit Mühe aufrecht gehalten, und eine Armee von 20,000 Mann werde organisirt und erfordert, um sie zu schützen. Dazu bestehe unter den Gliedern der Regentschaft Zwietracht, und die ersten zwei Drittheile des Anlehens seyen fast erschöpft, während Rußland mit seiner Gewähr für die dritte zögere, und erkläre, diese nur dem König Otto geben zu wollen, weil die Regentschaft ihm keine Bürgschaft einer dem Wohle des Landes zuträglichen Verwendung gewähre. Wir stellen diese Sagen hier zusammen, weil sie schon großen Theils thren Weg in die öffentlichen Blätter gefunden haben, und thun es in der Absicht, sie in so weit es geschehen kann, zu beleuchten, und auf ihren wahren Gehalt zurückzuführen. Vergeblich haben wir nach einer sichern Quelle geforscht. Sie scheinen aus zerstreuten Erzählungen der Zurückgekehrten und wenig begründeten brieflichen Mittheilungen zusammengeflossen, und dienen statt bestimmten Nachrichten, die seit einiger Zeit sehr sparsam ankommen, die unter uns natürlich sehr rege Neugierde mit solchen Dingen zu unterhalten. Die Briefe gehen nicht über die Mitte des Februars, und enthalten durchaus nichts was auf Unruhen, oder Gefahren hindeutete, wenn auch mehrere derselben der Schwierigkeiten, die aus der Lage der Dinge und aus den verschiedenen Ansichten im Schooße der Regentschaft wie des Ministeriums hervorgehen, im Einzelnen gedenken. Das Jahresfest des Einzuges Sr. Maj. des Königs Otto in Nauplia war am 7. Februar mit großer Freude begangen worden. Das war eine Gelegenheit, bei welcher jeder seine Beschwerde, seine Furcht oder seinen Haß vergaß, bei welcher sich alle Herzen eröffneten, und die Bewegung stieg zum lautesten Enthusiasmus, als der junge Monarch die vor den Thoren zum Feste versammelten Behörden, von Militär und Civil die Deputationen aus den Provinzen und das Volk griechisch anredete, und seine Hoffnungen und Gesinnungen in der Landessprache seinem Volk laut und weithin vernehmlich darlegte. Die Freude, die Musik, die Tänze, und dann die Beleuchtung dauerten bis tief in die Nacht hinein. Frankreich. Paris, vom 10. April. Die Frage, wie das Ministerium Persil das neue Gesetz wider die Associationen in Ausführung bringen würde, ist heute beantwortet worden. Das Journal des Debats hat es übernommen, die Absicht der Regierung zu erkennen zu geben. So lange die Pairskammer das Gesetz noch nicht sanktionirt hatte, konnte man sich den Protestationen der republikanischen Associationen nicht widersetzen. Allein sobald die Promulgation des Gesetzes im Moniteur erschienen ist, wird nicht allein gegen diejenigen, welche neue Protestationen unterzeichnen, sondern auch gegen die gerichtlich verfahren werden, welche Protestationen unterzeichnet haben. Man ist nicht ohne Besorgnisse über die Folgen eines solchen Verfahrens, wenn auch die republikanische Partei in Frankreich zu sehr in Minorität ist, um in einem Kampfe, der die Existenz der Regierung in Frage stellen würde, die Oberhand zu erhalten.— Wir erfahren, daß neue Truppen Befehl erhalten haben, sich in Eilmärschen nach Lyon zu begeben, um die dortige Garnison zu verstärken. Man nennt unter andern das 15. leichte Regiment in Bourg, von wo dasselbe gestern abgehen sollte. Vom 11. Die Regierung erhielt diesen Morgen per Staffette einen umständlichen Bericht über die Vorfälle zu Lyon am Mittwoch den 9. d. Derselbe bietet das betrübendste Gemälde dar, weil das französische Blut floß; allein er gibt zugleich die bestimmtesten Versicherungen von dem Triumphe der Ordnung und der Gesetze. Seit mehreren Tagen war die Behörde benachrichtigt worden, und erwartete irgend ein Ereigniß. Alles ließ durchblicken, daß die Aufwiegler, auf die Hoffnung verzichtend, in der Hauptstadt die von der Nationalgarde und der Besatzung unterstützte öffentliche Macht zu besiegen, darauf sannen, in der Provinz eine Anstrengung zu machen. Die unglückliche Stadt Lyon, die Hauptstadt unsers Gewerbfleißes, erhielt von ihnen den beklagenswerthen Vorzug. Die Mutuellisten schienen wenig geneigt, in diesen Plan einzugehen, und es ist bis jetzt beinahe erwiesen, daß nur die zu politischen Gesellschaften gehörigen Arbeiter sich mit den Anarchisten vereinigten. Schon Tags vorher hatte der tapfere General Aimard seine Anordnungen getroffen. Der Saal des Gerichtshofs war gut bewacht; von der Umgegend herbeigerufene Verstärkungen waren in Lyon eingerückt, oder kamen unablässig dort an. Der Präfekt hatte sich auf den St. Johannesplatz begeben, um den Zustand der Dinge zu beurtheilen und sich mit den Chefs der bewaffneten Macht zu besprechen. Obwohl das Gericht Sitzung hielt, war der Platz ganz leer von Menschen, und diese Oede ließ leicht vorhersehen, daß die Anarchisten in Masse dort ankommen wollten. In der That erschienen sie gegen 11 Uhr. Ein Mensch verlas eine aufrührerische Proklamation, und einige Minuten nachher begann man Barrikaden zu errichten. Der Präfekt gab sofort das Zeichen zur Unerdrückung, und der Marschall de Camp Buchet, welcher besonders das Departement der Rhone unter den Befehlen des Generallieutenants Aimard kommandirt, führte sogleich die Truppen vorwärts. Die Gensdarmerie, unter Anführung des tapfern Obristen Canuet, und die Infanterie marschirten mit dem größten Eifer gegen die Barrikaden an und nahmen dieselben unter einem ziemlich lebhaften Feuer. Der Präfekt, welcher die Truppen nicht verließ, war bei dem Gefecht zugegen. Allenthalben wurden die Barrikaden genommen, so wie sie nur gebildet waren; jedoch gab es Todte und viele Verwundete. Nicht auf Seite der Truppen fand der größte Verlust statt. Das lebhafteste Gefecht fiel auf dem Präfekturplatze vor. Die Anarchisten hatten sich in dem neuen einstweiligen Saale hinter den neuen Bauten fest verschanzt. Man mußte die Pallisaden mit Kanonenschüssen forciren; sie wurden bald zertrümmert, und die, welche sie vertheidigten, in die Flucht getrieben. Der Platz wurde besetzt. Es entspann sich sodann ein lange anhaltendes Tirailleurfeuer zwischen den Truppen und den Insurgenten, welche in der sogenannten Gallerie de l’Orgue standen. Die Kanonen wurden von neuem gebraucht. Man forcirte die Gallerie der Allee, und drang hinein. Ein Haus voller Tirailleure wurde mittelst Petarden geöffnet. Man machte eine große Anzahl Gefangene, die Einen verwundet, die Andern noch ganz schwarz von Pulver. Allenthalben blieben die Truppen im Vortheil. Verschiedene Gefechte fanden auf den Brücken, auf dem Platz des Terreaux und zu Croix=Rousse statt. Das Kanonen= und Musketenfeuer erscholl mehrere Stunden hindurch mitten in dieser gewerbfleißigen Stadt, wo man nie ein anderes Geräusch als das der Webstühle gehört haben würde, wenn die Aufrührer nicht versucht hätten, sie in Verwirrung zu Die Truppen zeigten während eines 5stündigen Kampfes eine Festigkeit, welche die verbrecherischen Hoffnungen derjenigen täuschen muß, die, wie man sagt, auf ihren Beistand gezählt hatten. Die Militär= und Civilbehörden wetteiferten in Thätigkeit und Ergebenheit. Um 4 Uhr Mittwochs war der Kampf zu Ende, und es ertönten nur noch hier und da in den kleinen Straßen im Mittelpunkt der Stadt einige Gewehrschüsse; die Truppen Die Regierung hat keine fernere telegraphische Depesche seit der von gestern Morgen erhalten, welche meldete, daß der General Aimard Herr aller Stellungen geblieben war; man konnte heute nicht über Semur hinaus kommuniciren. Von allen umliegenden Landestheilen abgegangene Depeschen melden, daß zu St. Etienne, Macon und Dijon Alles vollkommen ruhig war.(Ministerielle Blätter.) Man schlägt die Zahl der Arbeiter, welche an der Empörung Theil genommen, zu 7 bis 8000 Mann an. Ihr Verlust war beträchtlich. Der Gebrauch der Artillerie nöthigte sie, sich in die engen Straßen im Mittelpunkt der Stadt zu flüchten, wo es schwerer ward, sie zu besiegen. Die Depeschen geben die Zahl der Todten und Verwundeten nicht an; allein man versichert, ein von einem Handelshause erhaltenes Schreiben enthalte folgende Stelle: „Wir haben heute ein großes Resultat erlangt; aber es wurde sehr theuer erkauft." Diesen Abend spricht man von der Abreise des Marschalls Gerard nach Lyon. Belgien. Antwerven, vom 13. April. Wir vernehmen aus Köln, daß die Eisenbahn von jener Stadt bis zur belgischen Gränze nicht nur beschlossen ist, sondern daß auch die Mittel zur Ausführung derselben schon realisirt sind. (J. d'Anvers.) Brüssel, vom 13. April. Der General Buzen ist durch königl. Beschluß zum Militärgouverneur der Stadt Brüssel ernannt worden. — Man liest im Moniteur: Die Regierung glaubte unter den gegenwärtigen Umständen den Art. 7 des Gesetzes vom 28. Vendemiäre des Jahres VI. auf einige Fremde anwenden zu müssen, die notorisch dafür bekannt, daß sie zum Umsturz der durch die Revolution begründeten Institutionen auffordern, und sie hat denselben befohlen, das Königreich sofort zu verlassen. Die meisten dieser Fremden sind Unterzeichner der Subscriptionslisten zum Wiederkauf der Pferde des Prinzen von Oranien. — Der Stadtrath versammelte sich gestern Mittag ausserordentlich, um in der Sache der Plünderungen eine Entscheidung zu fassen. — Die Behörde wurde gestern in Kenntniß gesetzt, daß Freitag auf dem Barrikadenplatze eine Vertheilung von Patronen an Leute vom Volk stattgefunden hätte; daß neue Scenen der Unordnung, Plünderung und Verheerung wo nicht gestern Samstag des Abends doch wenigstens in der Nacht von Samstag auf den Sonntag statt finden, und daß die Urheber dieser Verheerungen sich vor Allem nach dem Arresthause der Petits=Carmes begeben sollten, um ihre Mitschuldigen zu befreien. Es wurden Maßregeln ergriffen, um ihnen vorzubeugen. Alle Corpschef erhielten Befehl, die Truppen unter den Waffen zu halten und in allen Richtungen, namentlich nach dem Arrestbaus hin, zahlreiche Patrouillen machen zu lassen. Die Bürgergarde blieb ihrerseits auch nicht unthätig; eine große Anzahl Garden entsprach der von Seite des Ministers des Innern so wie des Bürgermeisters an sie ergangenen Aufforderung, und sie besetzten verschiedene Punkte. Die Polizei ließ gleichfalls die ganze Nacht hindurch von ihren Agenten Runden machen. 800 Mann Truppen waren beim Rathhause aufgestellt, etwa 500 auf dem kleinen Sablon; der Posten des Gefängnisses, so wie der des Amigo waren verbre facht; kurz, alle Maßregeln waren ergriffen, und strenge Befehle gegeben. Alles ging in der vollkommensten Ruhe her. Keine Verhaftung fand statt, nicht einmal eines einzigen Nachtschwärmers. Bis diesen Augenblick(halb 11 Uhr Morgens) herrscht fortdauernd die größte Ruhe. — Seit drei Tagen verbreitete man zu Brüssel eine große Anzahl Schriften, welche eine„Erklärung der Rechte des Menschen" enthalten. — Das zu 30,000 Fr. geschätzte Halsband der Baronin v. Vinck wurde der Eigenthümerin wieder zugestellt. Die schöne Bildsäule, welche man Canova zuschrieb, die aber von einem andern Meister ist, wurde unverletzt unter Trümmern gefunden. — Der Herzog von Ursel ist in diesem Augenblick am Ausziehen, so wie auch der Marquis v. Aßche; man versichert, daß sie nach Holland abreisen werden. — Der oben erwähnte Aufruf des Ministers des Innern an die Bürgergarde von Brüssel lautete: „Bürgergarden! Die verwegenen Demonstrationen einer ohnmächtigen Faktion riefen vor Kurzem eine traurige Rückwirkung hervor; die Volksrache setzte sich über die Gesetze hinaus, und Scenen der Zerstörung, eines civilisirten Volkes unwürdig, brachten Verheerung in den Schooß der Hauptstadt. „Solche Exzesse können nicht gerechtfertigt werden; die der Nationalsache ergebenen Herzen verwerfen sie. Ihre Wiederholung muß um jeden Preis verhindert werden. „Bürgergarden! Die Hauptstadt des Königreichs, das ganze Land hat die Augen auf euch gerichtet. Wenn, was Gott verhüten wolle, die Stadt von neuen Unordnungen bedroht würde, welche auch die Aufforderer dazu seyn möchten, erinnert euch, daß das Gesetz euch die Bewahrung der öffentlichen Ruhe und des Eigenthums anvertraut. „Auf das erste Zeichen eurer Chefs seyd gegen die Ruhestörer zu handeln bereit; die Sache der Ordnung finde in euch ihre festesten Vertheidiger, und die Regierung wird in eurer patriotischen Mitwirkung eine neue Kraft schöpfen, um die Ehre des belgischen Namens, den öffentlichen Kredit, die Wohlfahrt der Hauptstadt und die Sicherheit der Familien vor jeder Verletzung zu bewahren." Der Aufruf des Bürgermeisters war in demselben Sinne abgefaßt. — Hr. Nothomb ist, wie der Courrier belge melder, gestern mit einer besondern Sendung für das Kabinet der Tuilerien nach Paris abgereist. Lüttich, vom 14. April. Hier ist Alles vollkommen ruhig; die Bürgergarde, die städtische Verwaltung und die Militärbehörde erfüllen mit demselben Eifer ihre Pflichten. — Ein Gerücht, dem wir keinen Glauben schenken, ist hier in Umlauf. Gestern und diesen Morgen sprach man von einem Attentat gegen das Leben des Königs. Alles läßt uns glauben, daß die Sache ganz falsch ist. Es bleibt uns nur zu wünschen übrig, daß dieses Gerücht nicht in strafbaren Absichten verbreitet worden ist. Dänemark. Kopenhagen, vom 5. April. Die Anordnung wegen der berathenden Stände sowohl im Königreiche, als in den Herzogthümern, und des Oberappellationsgerichtes für die Letzteren ist jetzt im Druck begriffen. — Die dießjährige Ausstellung der Kunstakademie ist besonders reich und zeichnet sich durch eine Menge der Meisterwerke Thorwaldsens aus. Es sind jetzt gerade 50 Jahre, seit dieser berühmte Künstler als armer Knabe in die erste Klasse der Akademie aufgenommen wurde, wo er seine erste Künstlerbildung erhielt und zu weiterer Ausbildung unterstützt wurde. Nun wird in dem Lokale der Akademie, dem Schlosse Charlottenburg, ein eigener passender Saal für seine Meisterwerke eingerichtet, von denen jetzt Dänemark die größte Sammlung besitzt. Redakteur: L. Stahl. Anzeigen. Ankündigung. In Gefolge der Verfügung einer Königlichen Hochlöblichen Regierung vom 17. März c, soll vom mir im Zustand des Herrn Over=Wegebau=Inspektors König der Verding von StraßenbauMaterial für die Jahre 1834 bis incl. 1839 und zwar die Lieferung und Anfuhr 1. des Basalts für die Holländ.-Westphäl. und Münstersche Straße. 2. der Grube Lauswerth für dieselben Straßen. 3.„„ Stockumer Höfe für die Holländ Straße. 4.„„ Heiderthor für die Münstersche Straße. 5.„» Unterkalberschen für die Hildener Straße. Demgemäß bestimme ich hierdurch den Termin dieses Verdings auf Samstag den 26 April c. Vormittags 10 Uhr, auf dem hiesigen Rathhause, und lade Unternehmungslustige, welche jedoch, in so ferne sie nicht als binreichend angesessen bekannt sind, am Tage des Verdings sich darüber hinreichend zu legitimiren haben. Die Versteigerungs=Bedingnisse und andere auf den Verding Bezug habende Nachweisungen sind täglich bei dem Unterzeichneten und dem Herrn Ober=Wegebau=Inspektor König einzusehen. Düsseldorf den 14. April 1834. Der Landrath, (gez) von Lasberg. Schließlicher Verkauf. Kraft Erkenntnisses des hiesigen Königlichen Landgerichts vom 28. Januar laufenden Jahrs, und auf Ersuchen 1. des Johann Wessel, Ackersmann zu Mörsenbroich, Gemeinde Derendorf, für sich und als Vormund der mit seiner verlebten Ehefrau Anna Catharina geborne Roeder gezeugten noch minderjährigen Kinder a. Gertrud, b. Jobann, c. Wilhelm— 2. dessen großjährigen Sohnes Andreas Wessel, Ackersknecht in Rath, werden die denselben zugehörigen, im gesagten Mörsenbroich liegenden Immobilien zum Ankauf öffentlich ausgestellt und schließlich zugeschlagen werden. 1. Wohnbaus zum Schein genannt, mit Stall, Höfchen und gemeinschaftlichem Brunnen, neben Eishauer und Borgs geschätzt 100 Thlr.— 2. Garten 48½ Rutbe, langseitig Eishauer und Weber, vorhäuptig Gemeindeweg und Zuggraben, geschätzt 20 Thlr.— 3. Ackerland 2 Morgen 30 R., langs. Weber und Eisbauer, vorhder Gemeindeweg und Borgs, Gebot 155 Thlr.— 4. Ackerland 1 M. 148 R, langs. Eisbauer und Borgs, vorh. der Gemeindeweg und Graben, Gebot 100 Thlr.— 5. Ackerland 1 M. 312 R. langs. Eisbauer und Zuggraben, vorh. Borgs und der Gemeindegraben Gebot 41 Thlr.— 6. Ackerland 992 R. langs. Eisbauer und Weber, vorh. Borgs und der Zuggraben Gebot 39 Thlr. Der Verkauf geschieht in Beiseyn des Gegenvormundes Andregs Roeder, Ackerer zu Rath, am Mittwoch den 16 April, Nachmittags von 3 bis 5 Uhr, beim Wirthe Habrichs zu Derendorf der Kirche gegenüber. Die Bedingungen sind bei mir einzusehen. Düsseldorf den 4. April 1834. Euler, Notar. Auf Anstehen der Eigenthümer wird der unterzeichnete Notar das in der Honschaft Obschwarzbach gelegene Gut Großschrammenhaus, am Donnerstag den 26. Juni d. J., Nachmittags 3 Uhr, bei dem Wirthe Wilhelm Beckershof an der Bibelskirche öffentlich an den Meistbietenden zum Verkaufe ausstellen. Das Gut besteht in Wohnhaus, Scheune, Stallung, Baumbof, Wiesen, Büschen und Ackerland, im Ganzen 56 Morgen 117 Ruthen 20 Fuß preuß. Maaß haltend, und kann im Mai 1835 mit der Sommersaat angetreten werden. Nähere Auskunft ertheilt Degreck, Notar. Mettmann den 10. April 1834 Freiwilliger Verkauf. Am Donnerstag den 17. d. M., Nachmittags 2 Uhr, sollen zu Derendorf bei dem Drechsler Lamprecht durch den unterzeichneten Gerichtsvollzieher allerhand Hausgeräthe, als: Tische, Stüble, Kasten, Schreibpult, eiserne Töpfe, Waschkübel, ferner ein vollständiger Spezereiladen mit 18 Schubladen, ein Glaskasten und Untergestell mit 5 Gefächern rc. öffentlich dem Meistbietenden gegen gleich baare Zahlung verkauft werden. Düsseldorf den 12. April 1834. Heinrich Bloos. Oeffentliche Versteigerung. Aus Auftrag des von hier verziehenden Herrn General=Lieutenants von Reckow, wird der Unterzeichnete Montag den 21. April und folgende Tage, jedesmal Nachmittags von 3 bis 7 Uhr, in dem Hause Nr. 1347 der obern Bilkerstraße, mehrere schöne und moderne Mobilien und Utensilien, Sophas, Sessel, Stühle, Spiegel, Konsolen, Tische, Schränke, Komoden, Bettstellen rc., ferner einen Reisewagen und mehreres Sattelzeug, den Meistbietenden gegen baare Zahlung zum öffentlichen Verkauf ausstellen lassen. Düsseldorf den 13. April 1834. I. F. Wilbelmi. Fluß=Versicherung. Am 9. März l. J. entzündete sich auf dem Rheine bei Uerdingen eine mir zugebörige Ladung Kalk, welche von der Allgemeinen Assekuranz=Gesellschaft in Paris versichert war. Genannte Gesellschaft ließ mir den durch den Brand am Kalk entstandenen bedeutenden Schaden durch ihren Haupt=Agenten Herrn Franz Vogts hier prompt auszahlen, welches ich hiermit dem Handelsstande zur Empfehlung oviger Gesellschaft für Versicherungen anzeige. Düsseldorf den 14. April 1834. W. Wanders von Elten. Wöchentliche Rhein= und Waal=Schnellschiffahrt. Schiffer H. Kamps wird zur Fahrt nach Rotterdam und Amsterdam Freitag Abend den 18. d, Schiffer I. D. Breynck H. Z. zur direkten Fahrt nach Arnheim und den Zwischenorten an selbigem Tage Nachmittags, so wie Schiffer E. Coesen nach Cöln und dem Oberrheine am 19. d. Abends die Ladung schließen. Düsseldorf den 15. April 1834. J. H. Breynck jun. et Comp. Ratingerstraße Nr. 103 ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. Düsseldorf, gedruckt in der Stahl'schen Wohnungsveränderung. Die Verlegung meiner Wohnung von der Neustraße nach dem Karlsplatz Nr. 1038 zeige ich mit dem Bemerken an, daß ich mein Waarenlager mit allen Gattungen Reitsättel für Herren und Damen, Pferdegeschirr und sonst mit aller Sattlerarbeit assortirt habe. Düsseldorf den 10. April 1834. Theod. Kühling, Sattlermeister. Stoff bei A. Wertheim. Mehrere eichene und tannene Kleiderkasten, Bettladen und Küchenkasten stehen zu verkaufen in der Altestadt bei Schreinermeister I B. Robertz. 201] Am Abend des 8. d. M. ist ein Sévigné, Mosaik einen Blumenkorb vorstellend auf schwarzem Grund mit blauem Rande, goldener Einfassung mit Nadel verloren gegangen; wer solches in der Expedition dieses Blattes wiederbringt, erhält einen Thaler Belohnung In einer benachbarten in gutem Rufe stehenden Apotbeke wird unter annebmbaren Bedingnissen ein Gehülfe und ein Lehrling, welche gleich eintreten können, gesucht. Das Nähere ist in frankirten Briefen zu erfahren bei Wilbelm Nierstras in Düsseldorf. (2001 Ein Magnet, welcher 4 à 5 Pfund trägk, wird zu kaufen gesucht. Von wem, sagt die Expedition d. Bt (203) Wegen Mangels an Raum zu verkaufen: ein schöner runder mit Mahagonyholz eingelegter Ausziehe=Patenttisch, für 12 Personen, der aber vermittelst eichener Einlage=Bretter für 50 Personen passend gemacht werden kann. Die Expedition dieses Blattes sagt wi Drei erfahrene Gehülfen können gleich Beschäftigung ervalten. G. Gartenfeld, Kleidermacher. [202] Ein Mädchen, welches die Küche versteht und in der übrigen Hausarbeit erfahren ist, wird gegen guten Lohn gesucht. Von wem, sagt die Expedition d. Bl. [190) Ein junger Mensch wünscht eine Stelle als Kutscher bei einer guten Herrschaft in oder außer der Stadt; derselbe ist mit guten Zeugnissen versehen. Zu erfragen in der Expedition d. Bl. 194) Es wird ein Bäckergesell und ein starker Lehrling in Dienst gesucht. Bei der Expedition d. Bl. zu erfragen wo. 172) Es wird ein Kutscher und eine Kochin gesucht. Vonwem, sagt die Expedition d. Bl. (189) Von wem eine erfahrene Ladenjungfer gesucht wird, sagt die Expedition d. Bl. [204) Es wird ein Kinderwägelchen zu kaufen gesucht. Von wem, sagt die Expedition d. Bl. (2051 Es wird eine brave und fleißige Hausmagd gesucht. Von wem, sagt die Expedition d. Bl Eine angenehme Wohnung von 5 bis 6 Theilen nebst Keller und Speicher zu vermiethen bei J. P. Franken, Bergerstraße Nr 838. Bei Reitz in der Bergerstraße Nr. 850 ist ein möblirtes Quartier zu vermiethen und bis den 1. Mai zu beziehen. Gravenstraße Nr. 1071 ist eine möblirte Wohnung, bestehend aus 6 Zimmern und einer eingerichteten Küche, zu vermietben. Das auf der Bergerstraße Nro. 853 vom Weinwirthe Herrn Cürten bewohnte Unterhaus steht zu vermiethen. Kurzestraße Nr. 534 steht ein möblirtes Zimmer nebst Alkove auf dem ersten Stock zu vermiethen. Theater=Anzeige. Mittwoch den 16. April: Die weiße Frau. Oper in 3 Akten von Boieldieu. Herr Schrader vom Cölner Theater, Georg Braun als Gast. WECHSEL-COURSE zu Elberfela, den 14. April 1834. Buchdruckerei, Grabenstraße Nr. 1156 D.