Preis: durch die Boten M. 2, durch die Post M. 2,20 per Quartal, monatlich 67 Pfennig. Anzeigen: Petitzeile oder Raum 15 Pfg. Minimum 2 Zeilen. Reklamen 50 Pfg. Fernsprechanschluß Nr.1028. Mit der illustrierten Beilage„Jusselborfer Sonntagsblatt“. Chefredakteur Dr. Ed. Hüsgen. Verantw. Redakteur: Ludw. Weber in Düsseldorf. Druck und Verlag des Düsseld. Volksblattes, Gesellschaft m. b. H. in Düsseldorf. Nr. 294. Dienstag, 30. Oktober 1894(Marzellus). Agenturen: Annoncen-Bureaus in allen größeren Städten. 28. Jahrg. R Fürst Clodwig zu HohenloheSchillingsfürst, Prinz von Ratibor und Corvey, der bisherige Statthalter von Elsaß=Lothringen, über den Laufbahn wir gestern nur das Notwendigste berichteten, ist der erste katholsche Kanzler des neuen deutschen Reiches, aber nicht der erste katholische Ministerpräsident in Preußen, da im Jahre 1858 Fürst Karl Anton von Hohenzollern mit der Leitung des preußischen Staatsministeriums betraut war. Fürst Hohenlohe ist aber auch nicht der erste preußische Ministerpräsident dieses Namens, denn 1862 stand Fürst Adolf zu Hohenlohe aus der protestantischen Linie Ingelfingen als erster Ratgeber dem Könige Wilhelm I. zur Seite. Sehr sympathisch wird es gewiß die Süddeutschen berührt haben, daß ein Mann aus ihrer Heimat die Geschicke der ersten Macht Europas zu leiten haben wird. Der neue Reichskanzler ist nicht der Sohn eines Edelmannes aus dem Kleinadel, wie dies bei Bismarck und Caprivi, die ihre Fürsten= und Grafenwürde sich selbst durch ihre Thaten verdienten, der Fall war; seine Wiege stand in dem Schlosse eines Fürstengeschlechts, das im alten deutschen Reiche vollständige Souveränität besaß, 1806 durch die Rheinbundakte mediatisiert wurde, aber auf dem Wiener Kongreß 1815 ebenso wie die anderen rheinbundfreundlichen Fürstenfamilien das Recht der Ebenbürtigkeit mit den regierenden Häusern zugesichert erhielt. Die erste protestantische Hauptlinie Neuenstein, deren Besitzungen meistens in Württemberg liegen, teilt sich wieder in die Speziallinien Langenburg und Oehringen(oder Ingelfingen), letztere besitzt außerdem in der preußischen Provinz Schlesien das Herzogtum Ujest und noch andere Herrschaften, währenddie zweite katholische Waldenburgische Linie in die Nebenlinien Bartenstein, Waldenburg und Schillingsfürst zerfällt, deren Güter sich auf Württemberg, Bayern, Oesterreich und preußisch Schlesien erstrecken(Herzogtum Ratibor). Nachdem der am 31. März 1819 zu Rothenburg an der Fulda geborene Prinz Clodwig nach seinen Universitätsstudien einige Zeit im preußischen Justizdienste thätig gewesen war, übernahm er 1845 die Verwaltung der ihm von seinem älteren Bruder Victor sder von seinem Onkel dem Landgrafen von Hessen= Rothenburg das Herzogtum Ratibor und das Fürstentum Corvey geerbt hatte] abgetretenen Majorats= und Standesherrschaft Schillingsfürst. Als Vertreter einer der ersten aristokratischen Familien seines Landes wurde er, nach Erlangung der Staatsratsund erblichen Reichsratswürde zum Großkämmerer der Krone Bayern ernannt. In der Kammer der Reichsräte bekämpfte er die„österreichisch ultramontane" Politik der Minister Schrenk und v. d. Pforten. Nach dem Kriege von 1866 forderte er offenen Anschluß Bayerns an Preußen, und wurde am 1. Januar 1867 zum Ministerpräsidenten und Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Gegen den Widerstand der katholischen„patriotischen“ Partei setzte er die Zolleinigung der 4 süddeutschen Staaten mit Preußen durch, die zur Konstituierung des Zollparlaments führte, dessen 2. Vorsitzender er wurde. Im Jahre 1869 erließ Hohenlohe die vielgenannte Cirkular=Depesche an die europäischen Mächte, in der er dieselben zu gemeinsamen Vorgehen gegen die Verkündigung des Unfehlbarkeits=Dogma's aufforderte, das angeblich nicht nur in das geistliche, sondern auch in das rein weltliche Gebiet des Staatswesens eingreife. Dieser Plan machte aber glänzendes Fiasko, und wir werden noch später ausführlich über diesen Vorgang, sowie über das spätere kirchenpolitische Verhalten des Fürsten berichten. Im Jahre 1870 wurde von der katholischen Kammermajorität seiner Politik ein Mißtrauensvotum erteilt und er trat infolgedessen von seinem Ministerposten zurück. Als bayrischer Reichsrat stimmte er für Eintritt Bayerns in das deutsche Reich. 1871 ließ er sich für den Wahlkreis Forchheim in Oberfranken in den deutschen Reichstag wählen, der ihn zu seinem 1. Vizepräsidenten wählte, nachdem er sich der Fraktion der„Liberalen Reichspartei"(linker Flügel der Freikonservativen) angeschlossen hatte. Den Vize präsidentenposten mußte er aber 1874 aufgeben, da er in den diplomatischen Reichsdienst als deutscher Botschafter nach Paris berufen wurde, indes blieb er bis 1881 Mitglied des Reichstages und beteiligte sich nur noch an den wichtigsten Abstimmungen. Nach kurzer Anwesenheit in der französischen Hauptstadt setzte er den Fürsten Bismarck von dem Fehlen wichtiger diplomatischer Aktenstücke im Botschaftsarchive, welche sein Vorgänger Graf Arnim an sich genommen hatte, in Kenntnis, worauf bald der bekannte Arnim Prozeß eingeleitet wurde. Durch sein taktvolles und gewandtes Benehmen verschaffte er sich bei den französischen Staatsmännern die größte Achtung und nicht wenig hat Fürst Hohenlohe in den Jahren 1875 und 77 für die Niederdrückung kriegerischer Pläne seitens der Franzosen beigetragen. Auf dem Berliner Kongreß von 1878 zur Regelung der orientalischen Frage war er dritter Bevollmächtigter des deutschen Reichs. Nach dem Tode des Ministers v. Bülow verwaltete er 1880 interimistisch das Staatssekretariat des Auswärtigen. In dieser Eigenschaft richtete er an den Prinzen Reuß in Wien die bekannte Depesche, in der es hieß, eine Verständigung in betreff des Kulturkampfs könne der Regierung nichts nutzen, falls der Papst auf die Centrumsfraktion in rein politischen Fragen keinen Einfluß ausüben und sie von den„republikanischen Freisinnigen" trennen könne. Natürlich sprachen sich nicht nur die Abgeordneten Windthorst und v. Schorlemer=Alst erregt über diese Depesche im Landtage aus, sondern auch die freisinnigen Parteiführer zeigten sich über die ihnen vorgeworfene„republikanische Gesinnung" nicht wenig entrüstet. Nach dem Tode des Feldmarschalls Frhrn. v. Manteuffel, dessen Verwaltung der Reichslande von Elsatz=Lothringen nach Ansicht des Reichskanzlers zu milde und zu wenig erfolgreich gewesen war, glaubte man in Hohenlohe einen Mann gefunden zu haben, der durch strengere Maßnamen die franzosenfreundliche Stimmung des Landes niederzuhalten geeignet schien. Am 5. November 1885 hielt Fürst Hohenlohe seinen Einzug als Statthalter in Straßburg. Als solcher richtete er im Februar 1887 nach Verwerfung der Militärvorlage durch den Reichstag eine Aufforderung an die Bewohner des Landes, in der er auf die Schädigung von Handel und Gewerbe hinwies, die entstehen würde, weun durch die Wahl von Protestlern der Friede gefährdet bleibe. Als ihm die elsaß lothring. Wähler aber auf seine Mahnung die Antwort durch Wahl von 15 Protestlern gaben, ließ der Fürst=Statthalter eine teilweise Auflösung der französischen Vereine vornehmen. Auch wurden gegen Gemeinderäte und Privatpersonen strengere Maßregeln ergriffen. Als man indes an maßgebender Stelle in Berlin die früheren Zustände, nämlich das vom Reichskanzleramte abhängige Oberpräsidium wieder einführen wollte, trat Hohenlohe entschieden dagegen auf und drang mit seiner Meinung beim Kaiser durch. Verschiedene Hochund Landesratsprozesse gegen Elsaß=Lothringer und vermehrte Anzeichen von Schürung des Hasses gegen das Deutschtum in Frankreich gaben dann zu der Paßverfügung im Mai 1888 Veranlassung, wonach allen von Frankreich nach Deutschland fahrenden Personen nur durch einen von der deutschen Botschaft in Paris visierten Paß der Zutritt auf deutsches Gebiet gestattet wurde. Nachdem aber bei der Reichstagswahl von 1890 die protestlerischen Stimmen und Mandate um mehr als die Hälfte zurückgingen, entschloß sich endlich die Regierung,— wie man annimmt auf Veranlassung des Fürsten Hohenlohe,— im Oktober 1891 diese harte Maßregel fallen zu slassen. Ueberhaupt darf man dem bisherigen Statthalter das Zeugnis nicht versagen, daß er im Ganzen und Großen von seinen weitgehenden Befugnissen einen mäßigen, milden und versöhnenden Gebrauch gemacht hat. Wir erinnern u. a. an die Vorgänge bei Vorlegung des Gemeindegesetzes, wo der Statthalter dem drohenden Konflikt zwischen Regierung und Landesvertretung durch Vorlage eines neuen Entwurfes vorbeugte, in welchem die Wünsche der Landesvertretung wenigstens zum größeren Teile berücksichtigt waren. Hohenlohe ist schon öfter als künftiger„leitender" Staatsmann bezeichnet worden, so bei den Kanzlerkrisen 1877, 80 und 92. Von bedeutenden Orden besitzt er den preußischen Schwarzen Adler=Orden, das Großkreuz des österreichischen Stephan=Ordens, des souveränen Malteser=Ordens und zahlreiche bayerische und päpstliche Orden. Sein verstorbener älterer Bruder, Herzog Viktor von Ratibor, war Präsident des preußischen Herrenhauses, ein anderer Bruder ist Kardinalpriester in Rom, während sein jüngster Bruder das Amt eines Obersthofmeisters beim Kaiser von Oesterreich bekleidet. Außer seinen bayerischen Besitzungen hat der neue Fürst=Reichskanzler Güter in Posen. Seine Gemahlin, geborene Prinzessin Maria von Sayn=Wittgenstein=Perleburg, mit der er seit 1847 vermählt ist und die ihm 4 Kinder schenkte, erbte von ihrem 1887 verstorbenen Bruder, der russischer General war, die 207 Quadratmeilen großen in Rußland gelegenen Besitzungen. Da nach einem russischen Gesetz nur russische Staatsangehörige Grundbesitz in Rußland haben dürfen, so sollte einer der Hohenloheschen Söhne russischer Unterthan werden, um die Bewirtschaftung dieser Güter übernehmen zu können. Die dieserhalb an den Zaren gerichtete Bitte wurde jedoch ab geschlagen, und Alexander III. war nur dahin zu bewegen, der Fürstin eine längere Verkaufsfrist zu gewähren, welche erst in einigen Jahren ablaufen soll. Jüngst verlautete noch, daß die Herrschaft Werki der Familie verbleiben dürfe. Sehr wahrscheinlich dürfte durch die Berufung des Fürsten Hohenlohe auf den obersten Posten im deutschen Reich die Forderung des Verkaufes der übrigen Güter nicht aufrecht erhalten werden, so daß wenigstens teil weise der Verlust abgewendet werden dürfte. Die Nachfolger. Seit Freitag ist keine„Ueberraschung" mehr erfolgt. Der„Reichs= u. Staats=Anz." teilt heute in der gewöhnlichen Form für Personalveränderungen erst die Entlassung der beiden Gefallenen und dann im selben Atem die Ernennung Hohenlohes zum Reichskanzler, Ministerpräsidenten und Minister der auswärtigen Angelegenheiten, sowie Köllers zum Minister des Innern mit. Ein Dankschreiben scheint Graf Caprivi nicht erhalten zu haben; aber die Entlassung ist„unter Verleihung des hohen Ordens vom Schwarzen Adler mit Brillanten" erfolgt, während Graf Eulenburg Kreuz und Stern der Großkomthure des königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Brillanten bekommt. Mit den Nachrufen in der nicht=amtlichen Presse kann Graf Caprivi sehr zufrieden sein; für den Grafen Eulenburg hält bezeichnenderweise fast die ganze Presse einen Nachruf nicht für nötig. Sollte er gemäß dem sprichwörtlichen Glück der Eulenburgs bei seinem„Fall“ auf den Statthaltersessel in Straßburg geraten, so wird schwerlich jemand die Elsaß=Lothringer beneiden. Fürst Hohenlohe bringt ein Opfer, indem er den schönen und sicheren Posten in Straßburg mit dem dornigen und wackligen Kanzlerstuhl vertauscht. Er sollte sich das elsaß-lothringische„Altenteil" in Reserve halten, damit er mit Ruhe dem Augenblick entgegensehen kann, wo Herr v. Lucanus auch ihm den kritischen Besuch abstatten wird. Die Vereinigung der beiden obersten Aemter in der Hand Hohenlohes wird vielfach als ein epochemachendes Ereignis verwertet und als Heilmittel gegen Dualismus und Krisen gepriesen, wobei man dann die Trennung der beiden Aemter von 1892 als den Grund aller seitherigen Wirren im hohen Rate hinstellt. Die Vereinigung ist freilich das Normale; aber man darf doch die Formen an sich nicht zu hoch schätzen. Ein Reichskanzler und ein Ministerpräsident brauchen sich nicht immer zu zanken, und ein Inhaber beider Aemter ist nicht geschützt vor Reibungen mit seinen Kollegen im Ministerium Wäre Graf Eulenburg nicht Präsident, sondern bloß Minister des Innern gewesen, so hätte er den„Umsturz" auch aufs Tapet bringen können, und wenn Graf Caprivi noch den Titel des preußischen Ministerpräsidenten gehabt hätte, würde er die zweideutige Haltung Miquels bei den Handelsverträgen und die daran sich knüpfenden Aergernisse auch wohl nicht haben abwenden können. Die Unsicherheit und Verwirrung wurzeln freilich in der Katastraphe von 1892; die Trennung der Aemter ist aber nicht die eigentliche Ursache, sondern eine Begleiterscheinung. Aus der überraschenden Preisgabe des Schulgesetzes und seiner Vertreter gegenüber der lärmenden Rütli=Mehrheit wurden von unseren Realpolitikern zwei Nutzanwendungen gezogen: 1) Es giebt keinen Minister, der ausschließlich und zweifellos der Vertrauensmann der Krone ist; 2) das leidenschaftliche Auftreten einer Minderheit vermag unter Umständen eine Wendung des eingeschlagenen Kurses herbeizuführen. Auf dieser Erkenntnis fußte der Ansturm der konservativen Minderheit gegen die Handels= und Wirtschaftspolitik und der jüngste Ansturm der Mittelparteiler gegen die Politik in der socialen Frage, die 1890 vom Kaiser begründet war. Werden künftig durch die bloße Thatsache, daß der Reichskanzler auch noch Ministerpräsident ist, die Unzufriedenen und Herrschsüchtigen sich abhalten lassen, die bewährten Mittel der lärmenden Agitation und der zähen Intrigue anzuwenden? Fürst Hohenlohe wird in dieser Hinsicht erst dann besser gestellt sein, als sein Vorgänger, wenn das wahr und offenkundig wird, was in dem kritischen Artikel der„Caprivi Offiziösen" Anstoß erregt haben soll: daß der Kaiser stets hinter dem Kanzler steht, d. h. die Politik des leitenden Ministers stets als Verwirklichung des festen Willens der Krone gilt. Bei seinem hohen Alter und bei dem nichtpreußischen Charakter seiner innerpolitischen Erfahrungen wird Fürst Hohenlohe schwerlich in die Einzelheiten der preußischen Angelegenheiten sich einlassen. Trotzdem braucht seine Ministerpräsidentschäft nicht eine bloß ornamentale Bedeutung zu haben. Es kommt darauf an, ob alle Mitglieder des Kollegiums die Ueberzeugung gewinnen: Wenn du mit der Gesamtrichtung der Politik des Kanzler=Präsidenten nicht harmonierst, so hast du den Einklang mit dem Willen des Monarchen verloren, und es bleibt dir nur übrig, das Entlassungsgesuch einzureichen. Diese Ueberzeugung war es, die den Fürsten Bismarck zum wirklichen Haupt der Regierung machte, nicht der Titel des Präsidenten. Der Manael an dieser Ueberzeugung seit 1892 führte zu den verschiedenen Formen des„Dualismus" und der Unsicherheit. Graf Caprivi fiel, weil er wieder etwas Ganzes sein wollte. Es wäre eine neue Ueberraschung, wenn sein Nachfolger die Stellung erlangen sollte, * Zwei Herzoginnen. 4 Novelle. Frei nach dem Englischen von C. B. „Ich bin über diesen Besuch sehr verdrießlich," wandte die Gräfin sich an Ira.„Das ist aber die Folge einer solchen Mesalliance. Das ganze Schloß wird noch von Helenens Verwandten angefüllt werden. Warum wartet sie mit solchen Einladungen nicht bis nach meinem Tode? Sie kann wohl nicht abwarten, bis sie die Herrin im Schlosse ist." „Aber der Onkel hat ihn doch eingeladen," versetzte Ira. „Dein Onkel hat keinen Takt." „Ist denn der junge Mann so unleidlich? Da er zu Helenens Familie gehört, ist er sicherlich geistreich und fein gebildet." „Er ist ein entsetzlicher Mensch. Ich halte ihn für einen gefährlichen socialistischen Agitator, da er beständig das Volk gegen die Aristokraten aufwiegelt. Dessen ungeachtet freute er sich doch, daß seine Schwester einen Grafen heiratete! Ich verabscheue diesen Menschen." „Was hat er denn gethan?" Gräfin Vernon sah ihre Nichte erstaunt an. Sie fand es offenbar schwer, diese Frage zu beantworten.„Was gethan hat?" wiederholte sie langsam.„Nun er schreibt für eine radikale Zeitung— für Geld natürlich. Er sieht mit Verachtung auf den Adel unseres Landes herab." Ira freute sich, daß die Gräfin den Gegenstand fallen ließ, indem sie nach einer Pause sagte:„Ich habe für Dich ein neues Gesellschaftskleid aus London kommen lassen und bin sehr zufrieden damit. Du weißt, es hängt viel vom ersten Eindruck ab. Du sollst aber heute glänzen!" iltr es denn gerade heult, Eindruck zu machen," lachte „Ich erwarte Lord Tranor," entgegnete die Gräfin, heneiche N reicsten Edelleute der Grafschaft. Er hat eine nte. Fed. uncund igtausend Pfund jährliche Einrunfte. Ira, mache Dein Glück!" eih din bröhren pöte der Toilette ihres Lieblings chte sie dabei: Diester Sichmuc eis otedu 9. Mutterl" Schmuck gehörte früher Deiner „Meiner Mutter?“ Als sie uns verließ, gab mein Vater mir alle ihre Juwelen, die sie zurückgelassen hatte. Aber ich besaß Forn denrag e t.attier des Hauses Vernon. ee tick davon, sondern verwahrte die sorgfältig. Wer nun von euch beiden Schwestern standesgemäß heiratet, bekommt diese Juwelen von mir als Hochzeitsgeschenk.“ Es war spät, als die Gräfin mit Ira das Gesellschaftszimmer betrat. Oie Gäste waren bereits versammelt. Ira kannte alle, nur Lord Tranor noch nicht und Edmund Herzog, die in eifrigem Gespräch am Feuer standen. O! wie bedauerte jetzt Ira die junge Gräfin! Konnte sie mit aller schwesterlicher Liebe und Hingabe wohl Gefallen an diesem Menschen finden? Es schien als hätten Laster und Trunksucht ihre Zeichen auf seine Stirn gedrückt. Ira wandte mit Abscheu ihren Blick von ihm ab. Lord Tranor hingegen erschien ihr als das Ideal aristokratischer Würde und Hoheit. Er war groß, stattlich und von angenehmem Aeußern. Aus seinen, seelenvollen Augen leuchteten Wohlwollen und Güte. Seine Stimme klang weich und Vertrauen erweckend. Aber— o weh! Ein Stich ging durch Iras Herz, die Gräfin jetzt die Herren vorstellte und sie ihren Irrtum erkannte. Diese entsetzliche, von der Natur so arg vernachlässigte Gestalt war— der unermeßliche reiche Lord Tranor; der andere hingegen, der Gentleman vom Kopfe bis zur Sohle, war Edmund Herzog. Kein Wunder, daß er einen günstigen Eindruck auf Ira machte, als er sich vor ihr tief verbeugte." Die Gäste begaben sich in den Speisesaal. Gräfin Vernon am Arm des mißgestalteten Lord Tranor eröffnete den Zug: Ira war glücklich, von Helenens Bruder geführt zu werden. Das Mahl dauerte sehr lange; die Unterhaltung war lebhaft. Ira hatte noch keinen Abend so angenehm wie heute verlebt: sie hörte von Mr. Herzog weder Schmeicheleien noch Komplimente; er sprach weder von Gesellschaften noch Tagesneuigkeiten, doch viel von fremden Sitten, Ländern und Völkern: ein Thema, welches für Ira stets ein besonderes Interesse hatte. Kurz vor Beendigung des Mahles fragte Mr. Herzog:„Bleiben Sie lange in Sussex, Miß Netherton?" Ira errötete; sie gedachte des Versprechens, welches sie ihrer Tante gegeben hatte. Heute war es ihr zum ersten Male bis jetzt gänzlich entschwunden gewesen. „Ich weiß es nicht," entgegnete sie ausweichend. Das hängt von Umständen ab." In diesem Augenblick gab die Gräfin das Zeichen zum Aufbruch. Die Damen begaben sich in heiterer Stimmung in das Gesellschaftszimmer; doch Ira erschrak über den erzürnten Blick, den die Tante im Vorübergehen ihr zuwarf. Sie glaubte darin deutlich die Worte zu lesen;„ch bin mit Dir unzufrieden, Ira!" Still setzte sie sich in eine Ecke und beobachtete jede Be wegung der gefürchteten Tante; doch sogleich setzte sich Helene zu ihr. „Ich bin Dir von Herzen dankbar, Ira,“ rief sie ihr entgegen.„Du warst gegen Edmund so gut und freundlich. Nur wenige Leute verstehen ihn und wissen seine Talente zu würdigen. Ich fürchtete schon, er würde auch von Dir verkannt werden.“ Doch Ira konnte ihre heitere Stimmung nicht wieder gewinnen. Sie war zerstreut und einsilbig und dachte nur daran, was sie thun sollte, um die Gunst ihrer Tante wieder zu erlangen. Kaum hatten die letzten Gäste sich entfernt, da flüchtete Ira schnell in ihr Ankleidezimmer. Doch Gräfin Vernon folgte ihr. Sie sah das geängstigte finster an. „Ira!" begann sie streng. Hast Du Dein Versprechen vergessen? Warum hast Du mich getäuscht? Warum versuchtest Du gar nicht Lord Tranors Aufmerksamkeit zu fesseln?" Iras Augen flammten.„ch halte Lord Tranor einfach für unausstehlich; er ist ja ganz entsetzlich!" entgegnete sie. „Sind seine reichen Besitzungen, seine vierzigtausend Pfund Einkünfte auch so abschreckend? Ira, was ist aus Deiner klugen Verrechnung geworden? Wo ist denn Dein Stolz geblieben?" Ira errötete, doch sie schwieg. „Bedenke," fuhr die Gräfin fort,„Edmund Herzog ist nur ein armer Schriftsteller. Es steht ihm kein Heller mehr zur Verfügung, als den er sich selbst verdient." Seine zukünftige Frau wird an seiner Seite kein anderes Leben erwarten dürfen, als wie Deine Stiefmutter es führt." Ich warne Dich daher bei Zeiten, Ira!“ „Es bedarf Deiner Warnung nicht," sagte das junge Mädchen entschlossen.„Keine Macht der Welt soll mich bewegen, einen armen Mann zu heiraten. Aber ich konnte doch nicht kalt und zurückstoßend gegen Mr. Herzog sein, weil er arm ist? Ich will durchaus nicht seine Gattin werden, selbst wenn er es vielleicht wünschen sollte.“ Gräfin Vernon atmete erleichtert auf.„Gut", sagte sie;„wenn Du mir das versprichst, so will ich vergessen, daß Du so thöricht warst, Hoffnungen in ihm zu erwecken. Lord Tranor ist eine sehr gute Partie für Dich. Vierzigtausend Pfund, eine reiche Besitzung und gar keine Verwandte.“ „Ist das auch ein Vorzug." „Gewiß! Eine Mutter steht selten gut mit der Gattin ihres Sohnes. Sie liebt gewöhnlich die Frau nicht, die später ihre eigene Stellung einnehmen soll. Du bist so wie so nicht der Liebling älterer Damen.“ „Nein, das ist gewöhnlich Glen. Aeltliche Damen zeichnen sie meistens aus." „Ich spreche gar nicht von Glen. Höre mich an. Wenn Lord Tranor um Deine Hand bittet, so weißt Du, daß ich diese Verbindung billige, ja, ich wünsche sie sogar." „Lord Tranor hat nicht ein Mal mit mir gesprochen," versetzte Ira „Er hat aber keinen Blick von Dir gewandt. Er sagte zu mir, er habe noch nie ein so schönes Mädchen gesehen, wie Du bist. Er giebt Dir ein Nadelgeld, wie es eine Herzogin nur wünschen kann, dazu ist er wirklich ein guter, edeler Mann. Ich gebe zu, er kann auf Schönheit keinen Anspruch machen, aber bedenke, Ira, ein armes Mädchen wie Du darf nicht alles verlangen. Du bist ja vernünftig! Du hast mir selbst gesagt, daß Du nur um Geld, nicht aus Liebe heiraten willst, überlaß Glendowra solchen sentimentalen Unsinn. Du bist zu gut dazu!" Nach diesen Worten verließ die Gräfin das Zimmer, und Ira begab sich zur Ruhe. Doch ihre müden Augen wollten sich nicht zum Schlafe schließen, und sie weinte lange und bitterlich bei dem Gedanken an Lord Tranor. Paul Netherton hatte, wie gesagt, noch nicht die Hoffnung aufgegeben, eines Tages sein Glück zu machen. Es waren ihm viele großartige Pläne mißglückt; doch das entmutigte den Künstler nicht. Nach jeder Enttäuschung machte er neue Versuche. Seine zahlreiche Familie geriet dabei immer tiefer in Not und Elend. Seit sechs Monaten hatte er nichts verdient. „Der Vater ist so strebsam und geschickt," sagte die arme Mary, als sie eines Tages mit Glen bei der Arbeit saß.„Wenn er sich nur mit Landschaftsmalerei oder mit dem Auffrischen alter Porträte begnügen wollte, so könnte er leicht genug Geld verdienen. Aber alltäglich entwirft er neue Kompositionen und ebenso oft verwirft er sie." „Warum ermutigst Du ihn nicht zur Ausführung solcher Arbeiten, Mary?" sagte Glen. „Das ist mir nicht möglich!" Vor einigen Jahren wurde ihm das glänzende Anerbieten gemacht, die Wandmalereien im Bankett=Saal eines reichen Edelmannes zu übernehmen. Er sollte im Schlosse wohnen und 500 Pfund für seine Arbeit erhalten.“ „Glen's Augen öffneten sich weit.„Du willst doch nicht sagen, daß er ein solches Anerbieten ausgeschlagen hat?" „Natürlich; er weigerte sich. Er sei kein Dekorationsmaler, sagte er. Er behauptete, der Edelmann hätte viel Geld, aber kein Verständnis für Kunst.(Forts. folgt.) die der„anstößige" Zeitungsartikel für den Reichskanzler forderte. Das politische Barometer bleibt also noch auf„Verän derlich". Die Betrachtungen über die politische Vergangenheit der beiden Ernannten haben keinen großen Wert; denn erstens gilt bis auf weiteres mehr als je der Satz, daß der Kaiser selbst der leitende Minister ist, und zweitens können die Ernannten, wenn sie wollen, die Einrede der Verjährung erheben, sowohl Fürst Hohenlohe betreffs seiner bayerischen Ministerpräsidentschaft mit Einschluß der unseligen Konzilsdepesche, als Herr v. Köller wegen seines Neulingseifers im Parlament. Wir warten die Thaten der neuen Minister in Ruhe ab, doch verhehlen wir uns nicht, daß die Schwärmer für die Kartellmehrheit und für die Zwangspolitik jetzt mehr Aussichten zu haben glauben, als nach der vorletzten Wendung zu Gunsten Caprivis. Die Mittelpartei'er sagen, die neue Regierung werde im Reichstag leichter Erfalg haben, als die alte gehabt hätte. Das möchten wir noch nicht unterschreiben, auch in bezug auf die sog. Ordnungsvorlage nicht. Das Verbleiben Caprivis im Amt hätte vielen Abgeordneten die erwünschte Sicherheit gegen Mißbrauch dieser Waffen und gegen Ueberspannung der Abwehrpolitik gegeben. Wird für diese Ga rantie kein Ersatz gegeben, so ist erhöhte Vorsicht geboten. Deutsches Reich. Berlin, 29. Okt. Die Regierungs=Krisis ist beendet. Der„Reichsanz." vom Montag meldet, daß der Kaiser dem Reichskanzler Grafen Caprivi unter Verleihung des hohen Ordens vom Schwarzen Adler mit Brillanten und dem Ministerpräsidenten und Minister des Innern unter Belassung von Titel und Rang eines Staatsministers und Verleihung des Kreuzes und Sterns der Großkomthure des kgl. Hausordens von Hohenzollern mit Brillanten die nachgesuchte Entlassung aus ihren Aemtern erteilt und den bisherigen Staathalter in Elsaß=Lothringen, Fürsten zu Hohenlohe=Schillingsfürst zum Reichskanzler, Ministerpräsidenten und Minister der auswärtigen Angelegenheiten und den Unterstaatssekretär im Ministerium für Elsaß=Lothringen v. Köller zum Minister des Innern ernannt hat. Ueber den Nachfolger des Fürsten Hohenlohe als Statthalter von Elsaß=Lothringen ist noch keine Entscheidung getroffen. An Vermutungen dafür fehlt es in der Presse natürlich nicht; u. a. werden genannt General v. Los, Graf Waldersee, der bisherige Ministerpräsident Graf Eulenburg. Wie ein parlamenta rischer Berichterstatter behauptet, war auf heute nachmittag 2 Uhr eine Sitzung des Staatministeriums anberaumt, die aber im letzten Augenblick noch abbestellt wurde. Daraus könnte man beinahe folgern, daß die Veränderungen im preußischen Ministerium noch nicht avaeschlossen seien. Die„ Germ.“ giebt unter Vorbehalt eine ihr zugegangene Milteilung, daß Herr Miquel wahrscheinlich sein Entlassungsgesuch einreichen werde. Ein anderes Blatt spricht von dem bevorstehenden Rücktritt der Minister Miquel, v. Schelling und v. Bötticher. Die Kreuzztg. erklärt, diese Meldungen, sowie diejenigen von dem bevorstehenden Abschied zweier Staatssekretäre(in erster Linie wohl des Frhrn. v. Marschall) beruhten nur auf Vermutungen, daß diese Vermutungen grundlos seien, sagt das konservative Blatt nicht. Jedenfalls sind dieselben ein Zeichen dafür, daß man die innere Lage nach wie vor als kritisch ansieht und kein Vertrauen zu der Beständigkeit des Kurses hat. Weitere Ueberraschungen sind wohl kaum als ausgeschlossen zu betrachten. Die Kreuzztg. erklärt, die konservative Partei werde auch gegenüber dem neuen Kanzler nicht das Geringste von den berechtigten Forderungen„der schaffenden Berufsstände, insbesondere der schwer leidenden Landwirtschaft" ablassen. Die„Post" bringt in auffallender Schrift eine„Rich tigstellung" freisinniger Artikel über die Geschichte der Entlassung Caprivis. Offenbar auf Veranlassung des Grafen Enlenburg selbst schreibt das freikonservative Blatt, dieser sei in der Ministerialsitzung vom 19. ds. „keineswegs isoliert, vielmehr mit den übrigen Ministern bemüht gewesen, eine Einigung herbeizuführen, welche auch gelang" sdoch nicht in seinem Sinne!] Ferner habe die ostpreußische Deputation die Audienz bereits vor dem 19. d. M. bewilligt erhalten, drittens sei Graf Eulenburg zur Jagd in Liebenberg nicht eingeladen gewesen, sondern er habe sich dahin erst an Mittwoch früh auf telsgraphischen Befehl des Kaisers lejeben. Viertens habe er sich bei dem Kaiser über die Haltung der„Caprivi Offiziösen" nicht beschwert, insbesondere nicht über den bekannten Artikel der„Kölnischen Zeitung", von dem er überhaupt erst nach seiner Rückkehr von Liebenberg, Don nerstag spät Abends, Kenntnis erhalten habe. Diese Darlegung soll offenbar den Grafen Eulenburg vor dem Vorwurf. intrigniert zu haben, schützen. Es wird nahegelegt zu glauben, daß der Kaiser selbst ohne jedes Zuthun des Ministerpräsidenten den Artikel der„Köln. Ztg." getadelt Knust und Leben. o-o Stadttheater. Düsseldorf, 23. Oktober. Bon Militäts=Rücksichten ausgehend, erscheint es nicht geboten, auf die beiden neuen italienischen Opern, die sich im vergangenen Jahre vielleicht noch als Zugstücke erwiesen, wiederholt zurückzugehen. In ganz anderem und entschieden besseren Sie erwies sich heute„Martha“ als echte Sonntagsoper, sir die das Haus zu klein war und die es unausgesetzt in eine Stimmung erhielt, die dem Sonntag mehr angemessen ist. Beide Paare, die Lady und Lyonel, sowie die Nancy und Plumkett wurden von Fräulein Stolzenberg und Herrn Szirovatka und Fräulein Schwarz und Herrn George, trefflich unterstützt von Herrn Reinecke als Lord, in prächtigem Ensemble gegeben. Hervorragendes Interesse durch ihre schöne Darbietungen beanspruchte besonders Fräulein Stolzenberg, welche den richtigen, innezuhaltenden Ton angebend die Striche für den wohlgelungenen Abend vorzeichnete. Herr Szirovatka durfte sich nach Seiten der feinen Grenzen die Partnerin wohl zum Vorbild nehmen und es geschah das mit vielem Erfolg. Seine echt lyrische Arie„Ach so fromm" brachte ihm warmen Beifall ein, der nach der Wiederholung eigentlich noch mehr berechtigt war. In dem sich anschließenden Finale ging der strebsame Sänger so völlig auf, daß er die gesamte Situation durchaus beherrschte. An den vielen schönen Einzelheiten, allen Opernfreunden vom eigenen Studium lieb und wert, der Jägerin=Arie, dem Porterlied und anderer hatten die Anwesenden ihre stille Freude, auch der Chor trug das Seinige zu den Genüssen reichlich bei, den Frauenstimmen soll es nicht angerechnet werden, daß ihr erster Einsatz nicht wünschenswert bestimmt war und einige sonstige Kleinigkeiten können gegenüber der wohlthuenden Abrundung der Gesamtvorstellung nicht in Betracht kommen. Hoffentlich wird hiernach mehrfach Gelegenheit geboten werden, sich an den innigen Weisen Flotows zu erfreuen. * In der gestrigen Aufführung von Leoncavallos„Bajazzo“ sang die Titelpartie Herr Moers, und bot gesanglich wie darstellerisch eine brillante und packende Leistung. Die übrigen Rollen waren in der bekannten vortrefflichen Weise besetzt. — Der Oper vorher gingen zwei Lustspiele, A. Wilbrandts „Jugendliebe" und der mit vielem Beifall aufgenommene Schwank„In Civil“. Beide wurden mit Frische und Lebenswahrheit zur Darstellung gebracht. Im letzteren zeichnete sich neben den bekannteren Darstellern Herr Bauer in der Rolle des Oberst v. Harten aus; er charakterisirte den alten derben dabei gutmütigen Ofsizier ganz vortrefflich. Das Haus war trotz des schlechten Wetters gut besetzt und von dem Gebotenen sehr befriedigt. habe. Indessen gab es ja noch andere Eulenburge in Liebenberg * Der Staatsanwalt in Potsdam hat die Anweisung erhalten, die Berufung gegen das Urteil im Prozesse Leist einzulegen. Privatnachrichten besagen, daß Gouverneur Schele von seinem Zuge gegen die Wahehes resultatlos zurückgekehrt sei, weil ihm der Proviant ausgegangen sei. * Die außerordentliche Generalsynode trat am Samstag im Herrenhause zusammen. In dem Bericht des Generalvorstandes über seine Wirksamkeit in der Zeit vom 4. Dezember 1891 bis 1. Oktober 1894 wird u. a. mitgeteilt, daß der Generalfynodalvorstand, entsprechend einem Beschlusse der sächsischen Provinzialsynode, wodurch der evangelische Oberkirchenrat und der Generalsynodalvorstand als berufene Wahrer des Evangeliums und Schützer des religiösen Friedens unseres Volkes angerufen werden, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Gefahr der Wiederzulassung des Jesuitenordens abzuwenden, nach Erörterung mit dem evangeschen Oberkirchenrat zu dem Beschlusse gekommen ist, gemeinsam an den Kaiser die Bitte zu richten, daß der Wiederzulassung der Jesuiten im Interesse der evangelischen Kirche nicht stattgegeben werde. * Die Besserung im Zustande des Zaren hat nicht lange angehalten; heute wird wieder eine Verschlimmerung gemeldet. Solche Wendungen entsprechen dem Charakter der Krankheit, an derem tötlichen Verlauf leider kein Zweifel ist. * Wie die offiziösen Organe des italienischen Bismarck ankündigen, sollen nicht nur socialdemokratiiche Vereine der Auflösung verfallen, sondern die Maßregel auch auf die katholischen Vereine ausgedehnt werden. Die Erregung darüber ist ungeheuer. * Aus Brüssel wird uns von unserm H.=Korresponden ten berichtet: Die Provinzialwahlen haben das Geschick des Liberalismus besiegelt. In den sechs Provinzen, in denen seit Jahren die Katholiken über die Mehrheit der Provinzialstände verfügten, in Antwerpen, Limburg, Ost= und Westflandern, Namur und Luxemburg ist dieses Uebergewicht erhalten geblieben. In den drei anderen Provinzen, welche von jeher der Erbsitz des Liberalismus waren, in Brabant(mit Brüssel), im Hennegan, in der Provinz Lüttich hat der Liberalismus so schwere Schläge erhalten, daß er kaum noch auf seinen Fortbestand hoffen darf. In Brabant zumal hängt sein Los von dem Ergebnis der Stichwahlen in zwei Brüsseler Vorstädten ab, wo Katholiken und Liberale sich im zweiten Wahlgange bekämpfen müssen. Neben den Erfolgen der katholischen Partei in den drei genannten urliberalen Provinzen sind die Erfolge des So zialismus ebendaselbst zu verzeichnen. Da die neuen Pro vinzialstände 26 Senatoren zu ernennen haben(und zwar vor der Kammereröffnung d. h. vor dem 13. November), so ist jetzt schon entschieden, daß mindestens 17 von diesen 26 der katholischen Partei angehören werden. Sollte die Stichwahl der Brüsseler Vorstädte den Katholiken günstig sein, so würden gar 20 kath. Senatoren von den Provinz räten ernannt werden. Ganz bestimmt wird der Minister präsident de Burlet für eines der fälligen Mandate kandi dieren.— Es scheint die Einrichtung eines achten Ministe riums, das der Arbeiten beschlossen zu sein. Dasselbe hätte außer den öffentlichen Arbeiten ganz speziell die Ausführung der Arbeiterschutzmaßregeln und die damit verbundene Verwaltung zu übernehmen. Wahrscheinlich wirdder neue Minister der Löwener Abg. Universitätsprofessor Nyssen sein, der Urheber des Pluralstimmensystems. Beernaert wird keinesfalls in der nächsten Zeit in das Ministerium eintreten. Lokales und Provinzielles. Düsseldorf, 30. Oktober. * Zu den Stadtverordnetenwahlen. Gestern abend 7 bezw. 8 Uhr fanden seitens der Centrumspartei im Katho lischen Vereinshaus zwei Wahlversammlungen für die Wähler des I. und III. Wahlbezirks statt. Als Kandidat für den I. Wahlbezirk wurde mit großer Mehrheit Herr Kaufmann Karl Schwarz aufgestellt, als solcher für den III Wahl bezirk Herr F. A. Crux ebenfalls mit großer Mehrheit. + Das Rauchen auf dem Friedhofe. In der neuen Begräbnisordnung für die Friedhöfe der Stadt Düsseldorf findet sich unter C.„Allgemeine Ordnungsvorchriften§ 7 die Verordnung:„Das Rauchen auf den Friedhöfen ist dem Publikum untersagt." Wenn eine Verordnung am Platze und auch notwendig war, dann war es diese. Der Friedhof ist für alle, welche daselbst An gehörige ruhen haben, ein Ort trauriger, wehmütiger Erin detungen, die sich ja vielfach zu herbem Schmerze steigern und in Thränen sich äußern. Für die Katholiken ist er zudem eine Stätte liebevollen Gebetes für die Verstorbenen Dieser Eigenschaft des Friedhofes ist stets Rücksicht zu tra gen von seiten aller, welche hingehen, um in Gegenwart anderer Gräber zu besuchen; ganz besonders aber in den Tagen von Allerheiligen und Allerseelen. Gewiß geht mancher hin in solchen Tagen, der ernsten Gedanken fremd, den Weg dahin und den Aufenthalt daselbst nur zu einem Spaziergang benutzt, um die Menschen und den Schmuck der Gräber zu sehen. Das mag ihm nicht verwehrt werden, aber mit vollem Recht kann von einem solchen verlangt werden, daß er sich aller Ausgelassenheit enthalte und daß er in seinem Aeußern ein Benehmen an den Tag lege, das die Anders gesinnten nicht verletzt. Wir haben es deshalb mit Freuden begrüßt, als wir die Verordnung fanden:„Das Publikum hat auf dem Friedhofe ein der Würde des Ortes angemessenes Verhalten zu beobachten" und daß das Rauchen daselbst verboten sei. Möge es nun auch in Zukunft von den Besuchern ausnahmslos so gehalten werden; die städtische Behörde aber möchten wir bitten, daß sie schon in den kommenden Tagen den Aufstehern strenge Aufsicht auferlege, damit gerade das Rauchen gänzlich unterbleibe; es würde sich auch empfehlen, dieses Verbot in großer Schrift an den Eingängen anzubringen, wie dies in mehreren anderen Städten der Fall ist. Wer nicht gewillt ist, ein der Würde des Ortes angemessenes Benehmen zu beobachten, der bleibe vom Friedhofe weg, zumal bei tiefernsten Handlungen, und gehe dahin, wo er seinem Hange nach Vergnügen freieren Lauf geben kann. * Das 28. Stiftungsfest der katholischen Bürgergesellschaft Constantia wurde am Sonntag durch ein der Feier entsprechendes Chorlied eingeleitet, dann hielt der Präses Herr Kaplan Unkel eine Ansprache und sagte, wie aus dem Wickelkinde Constantia eine achtbare 28jährige Jungfrau geworden sei; die Constantia sei immer fest und beständig für Wahrheit und Recht eingetreten, sie habe gegen den Liberalismus, der eine falsche Freiheit auf seiner Fahne geschrieben, gekämpft; aus der Mitte der Constantia sei stets die größte Zahl der Vertrauensmänner bei den Wahlen hervorgegangen. In das auf den Verein ausgebrachte Hoch stimmten die Anwesenden begeistert ein; hierauf wurde das Constantialied gemeinschaftlich gesungen. Herr Religionslehrer Neumann überbrachte als Präses des Arbeitervereins die Glückwünsche zum Stiftungsfest und betonte, daß beide Vereine gleiche Ziele verfolgten, die Constantia bekämpfe den Liberalismus, und der Arbeiterverein das Kind des Liberalismus, den Socialismus. Beide Vereine hätten sich bis jetzt bewährt und sollten auch später immer zusammen gehen und streiten für Wahrheit, Freiheit und Recht. In lganz kurzer Zeit trete wiederum diese Pflicht an sie heran, bei den Stadtratswahlen, da heißt es:„Alle Mann an Deck!“ Für die Constantia bange ihm nicht, eine Gesellschaft, die einen so rührigen Präses und so wackere Vorstandsmitglieder habe, sei immer an ihrem Platz, er schloß mit einem Hoch auf Präses und Vorstand der Constantia. Hieran schließend wurde das Lied gesungen:„Dem Präses". Herr Kaplan Göbels gedachte der beiden höchsten Gewalten, Ppst Leo XIII. und Kaiser Wilhelm II. und schilderte, wie beide, Se. Heiligkeit durch die hochwichtigen Encykliken und Kaiser Wilhelm durch die berühmten Februar=Erlasse, sich der Arbeiter angenommen und schloß mit einem Hoch auf Papst und Kaiser. Fräulein Koppmann sang sehr schön das „Ave Maria", welches mit vielem Beifall aufgenommen wurde. Dann wurde das Theaterstück Eigensinn gegeben. Sämtliche Darsteller hatten ihre Rollen gut eingespielt und waren ganz bei der Sache.— Trotz der vielen anderweitigen Veranstaltungee am Sonntag Abend war der Saal bis auf und führte sich der neue Oekonom Gesellschaft, Herr I. Innig an diesem Abend sehr gut ein. folgter Buchbaenegelicht zu Gandersheim steckbrieflich veruchhändler aus Stegutz wurde gestern hier verhaftet. Er hat noch eine Strafe zu verbützen, was ihm nicht 1 In einer Wirtschaft an der Zollstraße gerieten am Sonntag abend zwei Gäste, ein Handelsmann von Köln und ein Kesselschmied von hier in Streit. Jener drohte mit einen Messer, der Kesselschmied aber schlug den Handelsmann mit einem Bierglase auf den Kopf, daß derselbe bedeutend verletzt wurde. ( Diebe stiegen gestern Nacht durch ein offenes Fenster bei einem Likörfabrikanten an der Florastraße und versuchten den Geldschrank zu öffnen. Dieser widerstand jedoch jeder Verlockung zur Untreue und so begnügten sich die Diebe mit einigen Flaschen Likör als Beute. In der Landskrone wurde gestern morgen eine männliche Leiche gefunden, die gut gekleidet, und anscheinend noch nicht lange im Wasser gelegen hatte. Die Leiche wurde nach dem Leichenhause gebracht. Die Anlage des Volksgartens bei Oberbilk ist im Laufe des Sommers rasch vorgeschritten, auch wird jetzt noch fleißig daran gearbeitet. Ueber die Hälfte des Terrains ist bereits mit Baum- und Gebüschgruppen bepflanzt, große Rasenplätze sind angelegt, auch die Teichanlage ist fertig mit Inseln und Felsengrotten. Gegenwärtig ist man mit Herstellung der Terrasse beschäftigt, welche im nördlichen Teile des Gartens, nahe der Düssel angelegt wird. Auf einem Rasenplatze im Hofgarten wurde heute Morgen ein alter Mann, total betrunken, ganz durchnäßt, anscheinend dem Tode nahe, gefunden. Derselbe wurde nach der Polizeiwache gebracht und in eine warme Zelle gebettet. Ein Geschworener, Herr E. aus Düsseldorf, wurde wegen unentschuldigtem Ausbleiben in eine Geldstrafe von 100 M. genommen. Der Herr Staatsanwalt hatte 500 M. beantragt. Sitzung des Schwurgerichts vom 29. Oktober. (Fortsetzung.) Der Gerichtshof in der Verhandlung gegen den des Mordes und des Notzuchtsversuchs angeklagten Stockdick war zusammengesetzt aus den Herren Landgerichtsrat Kaulen als Vorsitzenden, Landgerichtsräte Dr. Springmühl und Jerusalem, Ersatzrichter Assessor Pauli, die Staatsanwaltschaft ist vertreten durch die Herren Staatsanwalt Schlösser und Assessor Dr. Müller; als Geschworene wurden ausgelost die Herren: Jakob Jores, Theodor Blumberg, Heinrich Wenzel, Matthias Deutges, Wilhelm Gerber, Johann Ritterskamp, Julius Eylert, Heinrich Wilmesmeyer, Johann Schmelzeisen, Fritz Flunkert, Gustav Seydt, Hermann Caasmann, als Ergänzungsgeschworene die Herren Gustav Fisch und Hubert Hülsebusch. Auf heute waren 13 Zeugen und 2 Sachverständige geladen. Nach Beeidigung der Herren Geschworenen fand die Vernehmung des Angeklagten statt. Er gab zunächst Auskunft über seine Familienverhältnisse, seine Vorstrafen und sein Vorleben. Demnach ist er 29mal beim Militär, 9mal im Civil bestraft und zwar vegen Mißhandlung, Diebstahl, Widerstandsleistung 2c. Die höchste Strafe war ein Jahr Gefängnis. Nach Verbüßung seiner letzten Strafe im Gefängnisse zu Paderborn am 8. September 1893 ging er nach Münster und blieb dort, verzehrte 20 Mark, die er mit aus dem Gefängnisse gebracht hatte und geriet am 16. September 1893 in der Wirtschaft Brinkmann mit einem Karl Niehaus in Streit, dem er die Nase blutig schlug. Wenn, sagt Stockdick, später Blut in seinem Aermel gefunden worden sei, dann rühre dieses von jenem Streite her. Nachdem er nun am 18. September Münster verlassen habe, habe er zunächst am DortmundEmskanal gearbeitet bis zum 30. September, dann habe er die Arbeit wegen seiner Krankheit wieder aufgeben müssen. Er sei dann, um Arbeit zu suchen, in der Gegend umhergereist und am 7. Oktober nachmittags nach Dortmund gekommen. Ueber seinen Aufenthalt in Dortmund haben wir bereits berichtet. Stockdick bestritt heute ausdrücklich, an dem Abende auf dem Bahnhofe zu Dortmund gewesen zu sein, gab zu ein Paketchen Schuhe, in ein rotes Taschentuch gebunden, bei sich gehabt zu haben. Die Schuhe habe er, weil schlecht, weggeworfen. Seine Reise über Hörde, Witten, Bochum, Steele beschrieb Stockdick, wie wir bereits mitteilten. Folgende von ihm angegebene Einzelheiten tragen wir noch nach. Sie seien scharf ausgeschritten und hätten in einem Neuban am Wege sich ausgeruht, in den sie durch ein Fenster eingestiegen seien. Aus diesem Neubau habe er eine Mütze mitgenommen, die bei ihm, als er verhaftet wurde, man auch fand. In Bochum habe er in einem Metzgerladen Wurst gekauft. Des“ weiteren beschrieb er die Reise, wie bereits mitgeteilt, auch die Geschichte mit dem Feldhuhn, und er bleibt dabei, er habe das Huhn in Freisenbruch nachmittags verkauft. Er fügt nur noch bei, das Huhn sei zweimal vergeblich angeboten und schließlich von ihm, Stockdick, an den Wirt Kirchmeyer zu Freisenbruch verkauft worden, während Geuerts weiter gewandert sei. Um den Stockdick in demselben Aeußeren vorführen zu können, war ihm der Bart auf die Länge geschnitten worden, wie dieser am 8. Oktober 1893 war. Die Kirmes in Steele beschrieb Stockdick, wie bereits mitgeteilt; auf seiner Reise mit dem Untersuchungsrichter konnte er von Steele aus den Weg nach Essen nicht finden, er sagte heute, deshalb nicht, weil die Kirmes so voller Leute gewesen sei, daß er sich den Weg nicht habe merken können. Er wurde in Steele in einen Wagen gesetzt, der Wagen verhängt und auf den Weg nach Steele gebracht. Auf diesem Wege fand sich Stockdick gleich wieder zurecht, und er fand sich wieder an einem besonderen Merkmale, nämlich an einem einsamen Hause, an welchem an der Giebelmauer ein weißer Streifen war. Entgegen seiner Aussage in der Voruntersuchung gab Stock dick heute an, er und Geuerts hätten in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober 1893 in einem Neubau zwischen Steele und Essen genächtigt, Geuerts hat dasselbe gesagt. Die weitere Beschreibung der Reise des Stockdick bot nur noch das Bemerkenswerte, daß in Heissen das Haus abgebrannt war, was er heute wieder mit näheren Umständen beschrieb, des weiteren sein Zusammentreffen mit Marx und Steins im Duisburger Walde, dann ihre gemeinschaftliche Reise über Duisburg, Creseld, Gladbach, wo er sich von den drei andern trennte und seinen Weg über Neuß nahm. Er sagte, er habe sich mit seinen Begleitern verfeindet, weil Marx die Schuhe des Stockdick hätte haben wollen, weshalb er sich von ihnen getrennt habe. Den Weg auf der linken Rheinseite wußte der Angeklagte ebenso genau zu beschreiben, wie den Weg von Dortmund über Hörde, Witten, Bochum, Steele. Die Nacht vom 10. zum 11. Oktober schlief er in einem Neubau jenseits Neuß und am selben Tage kam er über die Eisenbahnbrücke bei Hamm, ging von Hamm nach Düsseldorf und von hier auf Elberfeld zu, wo er verhaftet wurde. Der Angeklagte erzählte ganz ruhig die von ihm gemachte Reise. Er wurde am 14. Oktober zuerst in Neuß vom Amtsgerichtsrat Strauven vernommen, man hielt ihm vor, er solle sich in den letzten 14 Tagen als Landstreicher obdachlos ohne Mittel umhergetrieben haben. In dieser Vernehmung hat er gleich die Reise von Dortmund, Hörde, Witten, Bochum 2c. erwähnt. Bei dieser Vernehmung war in dem Bureau anwesend die bei Hamm überfallene Karollne Neumann, um sich den Stockdick anzusehen. Registriert in den Akten war, daß Stockdick während des Verhöres stark geschwitzt habe, und er erklärte, das sei auch der Fall gewesen. Er habe die letzten Tage auch nachts nur im Freien zugebracht, deshalb sei ihm die Temperatur in dem Verhörzimmer zu warm gewesen. Stockdick wurde am Ende seiner Vernehmung nochmals gefragt, ob er sich der Verbrechen schuldig bekenne; er blieb aber dabei, daß er an den genannten Tagen in hiesiger Gegend nicht gewesen sei. Es wurden dann die 13 geladenen Zeugen und Sachverständigen vernommen, nämlich die, welche die getötete kleine Naß in der Laube fanden, die Aerzte und die Karoline Neumann, die bei Hamm überfallen wurde. Wir haben bereits gestern ausführlich darüber berichtet, tragen hier nur noch einige Einzelheiten nach. Man hielt den Angeklagten Stockdick anfangs in Neuß für einen Juden und dem Kreisphysikus Dr. Schruff wurde aufgegeben, an der Wunde der Maria Naß zu konstatieren, ob der Schnitt ein sogenannter Schächterschnitt sei und ob die Wunde geeignet sei, Blut zu Heilzwecken oder abergläubischen Mitteln aufzufangen. Beides wurde verneint. Im übrigen sagt der Herr Sachverständige, sei die Wunde mit einem scharfen Instrumente und mit großer Gewalt beigebracht, und daraus lasse sich auf die Absicht, das Kind zu töten, schließen. Der Thäter müsse sich bei der That sehr mit Blut beschmutzt haben, fügk Dr. Schneider hinzu. Die Karoline Neumann schilderte die Art ihres Ueberfalles und fügt noch bei, etwa 3 Wochen vor dem Ueberfalle sei ein Mann in Hamm an das Haus ihres Dienstherrn gokommen und habe Mittagsessen verlangt, welches sie ihm gegeben. Als nun am 8. Oktober 1893 ein Mann morgens hinter ihr her gegangen sei, habe sie in demselben gleich den wiedererkannt, dem sie 3 Wochen vorher das Mittagessen gereicht habe. Dieser Mann sei Stockdick. Derselbe habe einen schwarzen Hut getragen, Stockdick aber hatte bei seiner Verhaftung einen grauen Hut auf, den er auch heute trug. Die Neumann sagte, der Mann habe den Neußer Dialekt gesprochen, Stockdick aber spricht den unverfälschten westfälischen Dialekt. Die Verhandlung wurde um 2½ Uhr abgebrochen. Fortsetzung Dienstag morgen ½9 Uhr. I Sitzung der Strafkammer vom 29. Oktober. Gegen den zu Düsseldorf wohnenden Friedrich B. wurde mit Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt und derselbe wegen Verbrehen gegen§ 176 Nr. 3 des Strafgesetzbuches zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt.— Der 17 Jahre alte Waldemar W. zu Düsseldorf, der mehrfach gestohlen hat, wurde mit 6 Monaten Gefängnis bestraft und gleiche Strafe erhielt die bereits vorbestrafte Mathilde M. wegen verschiedener Diebstähle.— Der Zimmermann Bernhard G. aus Dortmund, aus der Haft vorgeführt, hat am Abende des 24. Sept. auf der Nordstraße zu Düsseldorf den Wilhelm Sch. durch einen Messerstich in die Seite sehr schwer verleßt. Für diese Mißhandlung wurde er mit 3 Jahren Gefängnis bedacht.— Wilhelm A. aus M.= Gladbach, ebenfalls der Mißhandlung angeklagt, wurde in Haft genommen, die Verhandlung zur Ladung von andern Zeugen vertagt.— Der Agent Engelbert H. aus Düsseldorf, vielfach vorbestraft, nahm nach seinen letzten Entlassung aus dem Zuchthause Wohnung in Rath und ging wieder auf Betrügereien aus. Er schwindelte einem Ehepaar eine Erbschaft von 30 000 M. vor und veranlaßte dadurch, daß er mehrere Geldvorschüsse erhielt und in Lieblar wußte er einem Wixte mehrere Gelddeträge zu entlocken, indem er diesem vorlog, er habe einen guten Käufer für die Wirtschaft. H. wurde wegen Betrugs im Rückfalle zu 3 Jahren Zuchthaus und 500 M. Geldstrafe event. weitere 50 Tage Zuchthaus verurteilt. E Essen, 29. Okt. Bei der heute eröffneten konstitulerenden Versammlung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter für den Oberbergamtsbezirk Dortmund waren u. a. als Ehrengäste anwesend: Lic. Pfarrer Weber=M.=Gladbach, Kaplan Dr. Oberdörffer=Köln, Berghauptmann Täglichsbeck=Dortmund, Knappschafts=Direktor GersteinBochum. Die beiden letzteren erklärten, nicht von Amts wegen, sondern nur zur ihrer persönlichen Information erschienen zu sein. Anwesend waren 285 Delegierte von 157 Vereinen. Das Statut wurde einer Revision unterworfen und schließlich definitiv angenommen. Der§ 2 des Statuts lautet nach dem Antrage des Herrn Lic. Pfarrer Weber: „Der Zweck des Gewerkvereins ist die Hebung der moralischen und socialen Lage der Bergarbeiter auf christlicher und gesetzlicher Grundlage zur Anbahnung und Erhaltung einer friedlichen Uebereinkunft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Zugleich verpflichten die Statuten zur Bekämpfung der Socialdemokratie. Der Vorstand ist so zu wählen, daß die beiden christlichen Konfessionen je zur Hälfte vertreten sind. Insbesondere gilt das für das Amt des ersten und zweten Vorsitzenden. Herr Kaplan Dr. Oberdörffer verwahrte sich in einer längeren Rede gegen die Angriffe seitens der liberalen Presse. Diese habe besonders Anstoß nehmen zu sollen geglaubt, weil er in der letzten Delegierten=Versammlung vor Schimpfereien über die Sozialdemokratie gewarnt und in Aussicht gestellt habe, daß Zeiten kommen könnten, wo alle Bergarbeitervereinigungen zur Verteidigung ihrer materiellen Interessen zusammengehen müßten Er habe lediglich von einem eventuellen Zusammengehen mit der Sozialdemokratie in rein materiellen Dingen in einzelnen Fällen gesprochen. Alle politischen und konfessionellen Parteiangelegenheiten sollten beiseite gelassen werden, nur das Eine müsse der neue Verband im Auge haben die Hebung der materiellen Lage der Bergarbeiter auf christlicher und gesetzlicher Grundlage. Mit Gottes Beistand werde sich der Verband bald mächtig entwickeln, und die Staatsregierung werde mt Achtung und Wohlwollen auf ihn herabblicken und selbst die Arbeitgeber über das Wor freuen; das sie hente noch mit mißtranischen Augen ansähen. * Köln, 29. Okt. Herrn Weihbischof Dr. Schmitz ist das Komthurkreuz des Ordens zum h. Grabe verliehen worden. Der hochwürdigste Herr wurde zum Offizialatsrat Sr. Eminenz ernannt. Privatdepeschen des Düsseld. Volksblattes. †† Berlin, Dienstag, 30. Okt. Fürst Hohenlohe stattete dem Grafen Caprivi einen Besuch ab. ** Wien, Dienstag, 30. Oktober. Die gestern hier in den verschiedenen Stadtbezirken abgehaltenen Volksversammkungen zugunsten des allgemeinen Wahlrechts waren massenhaft besucht, sind aber ruhig verlaufen, da die Führer von jeder Demonstration abrieten. Ein Arbeiterführer kündigte, falls in dieser Parlamentssession nicht das allgemeine direkte Wahlrecht zugestanden würde, einen Massenstreik an. Die Polizei verhaftete in der Redaktion der„Volkstribüne" den Arbeiterführer Schuhmaier. (*) Mons, Dienstag, 30. Okt. Auf Ankündigung einer Lohnverminderung in verschiedenen Kohlenbergwerken haben eine große Anzahl Arbeiter beschlossen, am nächsten Montag den Ausstand zu erklären. ** Paris, Dienstag 30 Okt. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen aus Livadia die günstigsten Nachrichten über den Zustand des Zaren. Die Analysen über die Flüssigkeiten aus dem Oedem haben ein ausgezeichnetes Resultat ergeben, so daß die Aerzte an eine Resorption glauben.— Das Instizpolizelgericht in Nimes hat gestern das Urteil in Sachen der Stiergefechte vom 14. Oktober gesprochen. Der veranstaltende Direktor Fayot wurde zu 3 Fr. Geldbuße verurteilt, wegen Zuwiderhandlung gegen die Beschlüsse des Präfekten. Die Matadoren wurden sämtlich freigesprochen. )( Madrid, Dienstag, 30. Oktbr. Aus offiziöser Quelle wird mitgeteilt, daß Ministerpräsident Sagasta nicht daran denke, vor dem Zusammentritt der Cortes eine Neubildung des Kabinetts vorzunehmen. Das Ministerium hat sich über das Regierungsprogramm geeinigt und hofft man, daß alle Gruppen der Mehrheit demselben beitreten werden. * Rom, 30. Okt. Wie versichert wird, sollen an alle Präfekten von der Regierung aus die strengsten Befehle zur Aufrechterhaltung der Ordnung ergangen sein. Nötigenfalls sollen die socialistischen Abgeordneten, welche zu sehr Propaganda für die Liga zum Schutz der Freiheit machen, verhaftet werden. Briefkasten der Redaktion. Herrn Jos. R., Kölnerstr. Zur Frage 1) betr. Zimmerdecken Antwort: Nein. Zur Frage 2) gleichfalls: Nein. Sie sind zu nichts mehr verpflichtet, zumal Ihr Anerbieten zurückgewiesen wurde. Inwieweit Sie wirklich ersatzpflichtig sind, darüber belehrt ausführlich und korrekt das„Düsseldorfer Mietrecht" von Kollmann, Verlag von Bagel, Seite 21§ 3 Neuß, 30. Okt.(Telegr.) Weizen, neuer kleiner, Winter 12,70, Weizen neuer engl. Aussaat 11,70, 2. Qual. 10,90. Neuer Roggen, 1. O. 10,80, 2. Qual. 9,80. per 100 Ko. 1. O. 14, 2. O. 13. Hafer 10,50—11,50, Raps 1. Qual. 19,75, 2. Qual. 18,75. Aveel(Rübsen) 00.00, Kartoffeln 6,00 per 100 Ko. Hen 30,—, Roggenstroh 16,00, Weizenstroh 00,00 per 500 Ko. Rüböl per 100 Ko. 45,00, Rüböl faßweise 46,50, Preßkuchen, 1000 Ko. 86,00. Kleien ver 50 Kilo. 4,00 Köln, 29. Okt. Weizen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig hiesiger M. 12,00—13,00 B., fremder 13,00—15,00 B. Roggen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig hiesiger M. 11,00—12,00 B., fremder 12,50—13,50 B. Hafer ohne Sack die 100 Kilo hiesiger M. 12,50—13,50 B., fremder 13,00—14,00 B. Landmarkt: Keine Zufuhr. Düsseldorf, 30. Okt. Rheinst. 4,44+ 0,10. Wind SW Therm.+ 7. Barom. 27—11. Mannh., 29. Okt. 5,19+ 0,12 Coblenz, 29. Okt. 4,13+ Mainz, 29. Okt. 2 70+ 0,02 Bingen, 28. Okt. 3,05+ 0,31 Caub, 29. Okt. 3,66+ 0,10 Trier, 29. Okt. 1,78— 0,34 Köln, 29. Okt. 4,61+ 0,31 Ruhrort, 29. Okt. 4,04+ 0,26 1 Verein der Centrumspartei. Zweiter Wahlbezirk. Dienstag, den 30. Oktober 1894. avends 8 Uhr: der Wähler 3. Klasse der Centrumspartei, im Saale des St. Panlus=Hauses, Louisenstraße. Zum zweiten Wahlbezirk gehören folgende Straßen: Arminstr., Bachstr., Bandelstr., Benzenbergstr., Bilker Allee, Brunnenstr., Kölnerstr. 295—Schluß, 268—Schluß, Corneliusstr., Dreieckstr., Elisabethstr., Ellerstr., Färberstr., Florastr., Flügelstr., Friedensstr. 67- Schluß, 52— Schluß, Friedrichstr., Fruchtstr., Fürstenwall 19—Schluß, 72—Schluß, Graf Adolfstr., Herzogsstr., Himmelgeisterstraße, Hüttenstr., Industriestr., Kirchfeldstr., Kirchstr., Kronenstr., Kronprinzenstr. 105—Schluß, 104—Schluß, Lessingstr., Linienstr., Louisenstr, Merkurstr., Niederstr., Oberbilker Allee, Oberstr., Palmenstr., Reichsstr, Schmiedestr., Sedansir., Ständehaus, Stoffelerstr., Stoffelerweg, Stoffeln, Sonnenstr., Suitbertusstr., Thalackerstr., Thalstr., Thurmstr., Verbindungsstr., Weberstr., Zimmerstr. Vierter Wahlbezirk. den 30. Okt. 1894, abends 8½ Uhr: Wähler-Versammlung der Wähler 3. Klasse der Centrumspartei, im Saale der Restauration Taubach„zum weißen Engel“ Derendorferstraße. Zum vierten Wahlbezirk gehören folgende Straßen: Ackerstr., Adlerstr., Ahnfeldstr., Ankerstr., Annastr., Arndtstr., Arnoldstr., Augustastr., Austr., Becherstr., Bleichstr., Blücherstr., Bongardtstr., Bruchstr. excl. 280 bis 318, Brüderstr., Buscherstr., Capellstr., Collenbachstr., Degerstr., Derendorferstr., Dorotheenstr., Düsselthalerstr., Duisburgerstr., Ehrenstr., Engerstr., Feldstr., Fischerstr. Flurstr, Franklinstr., Freiligrathstr., Gartenstr., Geistenstr., Glockenstr., Gneisenaustr., Goethestr., Goltsteinstr., Golzheim, Golzheimerstr., Grasenberg, Grafenberg=Hohenzollern, Grafenberger=Chaussee, Grafenbergerstr., Herderstr., Hermannstr., Hoffeldstr., Hofgartenstr., Hohenzollernweg, Hospitalstr., Humboldtstr., Jacobistr., Jacobigasse, Jägerhofstr., Inselstr., Kaiserstr., Kaiserswertherstr., Lindenstr., Marschallstr., Mendelssohnstr., Mörsenbroich, Moltkestr., Mozartstr., Münsterstr., Neanderstr., Nordstr., Parkstr., Pempelforterstr., Prinz=Georgstr., Ratherstr., Rethelstr., Rochussti., Rosenstr., Roßstr., Rottstr., Rubensstr., Sandstr., Schäferstr., Scheibenstr., Schillerstr., Schinkelstr., Schirmerstr., Schloßstr., Schützenstr. 1 bis 41, 2 bis 44, Schumannstr., Schwelmerstr., Sternstr., Stockkampstr., Tannenstr., Taubenstr., Thiergartenstr., Uhlandstr., Ulmenstr., Victoriastr., Wetterstr., Wielandstr., Winkelsfelderstr. Tages-Ordnung: Besprechung der Stadtrats wahlen und der Agitation, Aufstellung je eines Kandidaten der 3. Klasse für die betreffenden Wahl-Bezirke. Alle Wähler der Centrumspartei, welche zur 3. Wählerklasse gehören, werden auf das dringendste eingeladen, in der Versammlung ihres Wahlbezirks zu erscheinen. Von der Mitwirkung Aller hängt unser Erfolg ab. Wer nicht mitarbeitet, schadet unserer Sache. Das Präsidium des Vereins der Centrumspartei: Dr. Hüsgen. Redakteur, Vorsitzender; Dr. Becker, stellvertr. Vorsitzender; Anton Eitel, Schriftführer; C. A. Krux, Kassierer. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, Montag Morgen 8¼ Uhr unsere liebe Mutter, Schwieger- und Grossmutter, die Frau Wwe. Johann Beyer, geb. Margaretha Vanghan, im 68, Lebensjahre, in ein besseres Jenseits abzuberufen. Sie starb nach fünfwöchentlichem Krankenlager, infolge wiederholten Schlaganfalles, mehrmals gestärkt mit den Heilsmitteln der römisch-katholischen Kirche. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Düsseldorf, den 29. Oktober 1894. Die Beerdigung findet statt Mittwoch, den 31. Oktober, nachmittags 4½ Uhr vom Sterbehause Oststrasse 84. Die Seelenmessen finden statt von Mittwoch an 8 Tage lang, morgens 6 Uhr in der Marienkirche Kaiser Wilhelmstrasse. Alle, denen aus Versehen keine besondere Einladung zugegangen ist, werden hierdurch freundlichst eingeladen. Gebrüder Hartoch, Volkerstr. 17/19, 20, Volkerstr. 17/19, 20, empfehlen in solider Ausführung zu bekannt billigen Preisen — größte Auswahl— komplette Betten und Anssteuern von einfachsten bis hochelegantesten. 942 Linderbettstellen... 1.50 Eisenbettstellen" 156„ Bettfedern, Dannen, Flocken, Hasenspitzen und Pflanzendannen. Generalverkauf W. Klein& Cie., Düsseldorf. Jackets, speziell in dem so sehr beliebten uni braun und schwarz, ganz anschliessende Façons, empfiehlt à 12, 1, 20. 26 Mark und höher in anerkannt grösster Auswahl und zu unerreicht billigen Preisen. 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Der Oberbürgermeister. J. V.: gez. Feistel. Bekanntmachung. Behufs Vornahme einer Ergänzungswahl an Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Mitgliedes der Stadtverordnetenversammlung Herrn H.Schmitz für den Rest seiner Amtsperiode bis Ende 1897 werden die in der Liste der stimmfähigen Bürger verzeichneten Wähler der 2. Abteilung auf Dienstag. den 27. November cr., vormittags von 11—1 Uhr, zur mündlichen Abgabe ihrer Stimmen vor dem Wahlvorstande im Gasthof„zur Krone" bel F. Jersch hierselbst ergebenst eingeladen. Gerresheim, den 26. Okt. 1894. Der Bürgermeister: Bender. Dünger-Verkauf. Am Freitag, den 2. Novbr., nachmittags 4 Uhr, wird auf dem nördlichen und südlichen Stallhofe der Neustädter Kaserne eine mit Gips durchsetzte Partie Pferde=Dünger öffentlich meistbietend gegen Barzahlung verkauft werden. Düsseldorf, den 29. Okt. 1894. Kgl. 2. Westf. Hus.=Reg. Nr. 11. Junger Mann, 19 J., gel. Schrein., s. wegen Arbeitsm. andere St. als Hausb. od. gleichv. welche. Off. u. A. 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