Erscheint täglich. Preis: durch die Boten M. 2, durch die Post M. 2,20 per Quartal, monatlich 67 Pfennig. Anzeigen: Petitzeile oder Raum 15 Pfg. Minimum 2 Zeilen. Reklamen 50 Pfg. Fernsprechanschluß Nr.1028. Mit der illustrierten Beilage„Jusseldorfer Sonntagsblatt“. Chefredakteur Dr. Ed. Hüsgen. Verantw. Redakteur: Ludw. Weber in Düsseldorf. Druck und Verlag des Düsseld. Volksblattes, Gesellschaft m. b. H. in Düsseldorf. Haupt=Expedition: Bastionsstraße 14. Filial=Expeditionen: Marktstr. 5, Schadowstr. 35, Neußerstr.50, Friedrichstr.42, Schützenstr. 1, Kölnerstr. 299, Oststr. 76, Friedrichsplatz 6. Agenturen: Annoncen=Bureaus in allen größeren Städten. Nr. 148. Mittwoch, 6. Juni 1894(Norbert). 28. Jahrg. 7 Auch Italien hat nun zum Ueberflusse noch eine Ministerkrisis. Dieses Regierungsfieber scheint ansteckend zu sein. Das Crispische Kabinett ist durch einen„Pyrrhussieg" in der Kammer ins Wanken gekommen. Der schlaue Crispi hatte aus den zahllosen Reden über die Finanzreform seines Kollegen Sonnino richtig erkannt, daß eine sofortige Abstimmung für die Regierung äußerst gefährlich sein würde. Er machte also den überraschenden Schachzug, zunächst die Einsetzung einer Kommission zu beantragen, die sich der Vereinfachung des Verwaltungsapparates und der Aufspürung von Spargelegenheiten widmen sollte. Er hoffte, für diesen Antrag auch manche Abgeordneten zu gewinnen, die sich zur Zustimmung zu dem Finanzplane noch nicht hatten entschließen können; in der Zwischenzeit hätten sich die schwankenden Elemente noch weiter bearbeiten lassen, und auch die Sisyphus=Arbeit in der Kommission würde voraussichtlich dazu beigetragen haben, die Notwendigkeit der neuen Steuern dringender hervortreten u lassen. Daß die Kommission ihre eigentliche Aufgabe ösen könne, hatte Crispi gewiß nicht im Auge. Er hatte ja selbst ein Vollmachtsgesetz eingebracht, das der Regierung die Abschaffung der überflüssigen Beamtenstellen ec. übertragen sollte, weil das Parlament überhaupt nicht fähig erschien, den heillos verzwickten Knoten der Kirchturms- und persönlicher Interessen zu durchhauen. Crispi's Schachzug hatte nun insofern Erfolg, als die Kammer wirklich den Antrag auf Einsetzung der unfruchtbären Verschleppungskommission annahm. Aber es ergab sich eine so schwache Mehrheit(225 gegen 114 Stimmen), daß der Sieg den Charakter einer Niederlage annahm. Es zeigte sich, daß das Ministerium von der Laune eines halben Dutzend Deputierten abhing, und man sagte mit Recht, daß für die Finanzreform selbst gewiß keine Mehrheit vorhanden sei, wenn sich dieser Zwischenantrag ur Geschäftsordnung nur mit so knapper Not durchdrücken ieße. Als die Minister auf dn„Lorbeeren" dieser Abstimmung sich zur Beratschlagung niederließen, kam alsbald die richtige Ansicht zum Durchbruch, daß es so nicht weiter gehe. Entweder Kammerauflösung oder Ministerkrisis. Crispi soll, wie die„Nat.=Ztg." sich telegraphieren läßt, den Plan einer Kammerauflösung energisch bekämpft haben, was sich wohl begreifen läßt. In bezug auf die Ministerkrisis sollen einige für eine partielle, andere für eine allgemeine Demission sich ausgesprochen haben; zwei römische Blätter wollen wissen, sämtliche Minister hätten Crispi ihre Portefeuilles zur Verfügung gestellt und ihm ihr vollstes Vertrauen bekundet. Ist letztere Nachricht richtig, so spielt Crispi die Rolle eines Vizekönigs. Man nimmt auch allgemein an, daß Crispi mit der Neubildung des Ministeriums beauftragt werden soll. In dieser Hinsicht gereicht ihm sein Schachzug wieder zum Vorteil. Wäre die Regierung bei der sachlichen Entscheidung über den Finanzplan in der Minderheit geblieben, so hätte Crispi nur für den Fall der Auflösung des Parlaments Ministerpräsident bleiben können. Der jetzige Pyrrhussieg ermöglicht ihm, unter Aufopferung des einen oder andern Kollegen auch weiterhin mit dieser Kammer sein Heil zu versuchen. Wenn Crispi nur einen neuen Finanzminister finden kann, der ihm die Durchdrückung der Steuern zu erleichtern scheint, wird Sonnino jedenfalls daran glauben müssen. Also voraussichtlich bleibt es bei dem alten Rock mit einem neuen Flicken. Aehnlich wie in Ungarn, wo die sog. Krisis auf die Rückkehr Wekerles mit zwei gleichgesinnten, aber etwas höflicheren Ersatzmännern für Szilagyi und Csaky hinauszulaufen scheint. Der Unterschied ist freilich der, daß in Ungarn eine festgeschlossene, rücksichtslose Parlamentsmehrheit der Krone das Ministerium ihrer Wahl aufzwingt, während in Italien das Parlament so zerfahren und an brauchbaren Staatsmännern so arm ist, daß der König gar keinen Nachfolger, der sich sehen lassen kann, für Crispi aufzufinden vermag. In der Clique der Blinden hat der Einäugige die Herrschaft. Der Schachzug Crispis und die Charakterlosigkeit der Kammer führen zu einer weiteren Verschleppung der dringend notwendigen Finanz= und Verwaltungsreform. Von den Reformmaßregeln, die zur Abstellung der schrecklichen kommunalen, wirtschaftlichen und socialen Mißstände in Sicilien und manchen andern Landesteilen erforderlich sind, ist inzwischen alles still geworden. Man begnügt sich damit, über die angeblichen Anstifter der Revolutionen drakonische Strafen zu verhängen; die Ursachen der Verzweiflung des Volks bestehen ruhig fort. Die neueren Vorfälle bestätigen nur die alte, traurige Ueberzeugung, daß im Staate Italien nicht bloß viel, sondern alles faul und die herrschende Clique durchaus unfähig ist. Es ist an keine Heilung des kranken Staatskörpers zu denken, so lange nicht aus den christlich-konservativen Kräften des Landes ihm neues, gesundes Blut zugeführt wird, und das kann erst geschehen, wenn der Staat sich mit der Kirche versöhnt. Darin muß der Anfang aller wirklichen Reform bestehen. Deutsches = Berlin, 5. Juni. Der Reichskanzler Graf Caprivi wird der„Post" zufolge seinen Urlaub erst im späteren Verlauf des Sommers antreten und vielleicht auch in diesem Jahre auf einige Wochen nach Karlsbad gehen. Seine Gesundheit ist so gut) daß er auf einen Kurgebrauch verzichten könnte, doch ist ihm solcher in den letzten Jahren sehr heilsam gewesen.— Der Adjutant des General=Reichskanzlers, Major Ebmeyer, ist in den Adelstand erhoben worden. * Furst Bismarck hat den Empfang von Deputationen aus Posen, Westpreußen, Westfalen usw. abgelehnt, weil der von seiner letzten Krankheit herrührende Schwächezustand nicht gehoben sei. Der Fürst soll auch wieder an neuralgischen Schmerzen leiden. * Geh. Rat Pindter, der Chefredakteur der„Nordd. Allg. Ztg.", wird, wie die„Post" zuverlässig erfahren haben will, in allernächster Zeit von der Redaktion der „Norddeutschen" zurücktreten. Wahrscheinlich wird er sich ganz zur Ruhe setzen, denn„seine Mittel erlauben ihm das". Sein Gehalt als Leiter des Blattes und der Buchdruckerei soll sich jährlich über 30000 M. belaufen haben. Die politische Leitung der„Nordd. Allg. Ztg." wird Dr. M. Griesmann übernehmen, früher Redakteur der„Konservativen Korrespondenz" und als solcher ein Helldorffianer und Kartellmensch, die Direktion der Buchdruckerei soll Herr O. v. Ehrenberg erhalten. * Die Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft wird morgen im Treptower Park bei Berlin durch den Prinzen Heinrich eröffnet werden. Dieselbe soll bis zum 11. Juni dauern und wird an Größe alle bisherigen Veranstaltungen der Gesellschaft übertreffen.— Die Berliner Herbstmesse soll nach den gestern gefaßten Beschlüssen der„1893er Vereinigung" in den Tagen vom 20. bis 30. August abgehalten werden. Der Messepalast ist immer noch nicht da; man beschäftigt sich aber jetzt wieder mit der Platzfrage. Der frühere Kultusminister Graf von ZedlitzTrütschler bildet jetzt in der liberalen Presse den Gegenstand lebhafter Erörterungen. So hat neuerdings auch die„Magdeb. Ztg." sich mit ihm beschäftigt und anerkannt, daß er ein tüchtiger Verwaltungsbeamter sei, aber — Graf Zedlitz sei zu sehr„Kreuzzeitungsmann". Dem konservativen„Reichsboten" kommt diese liberale Aufmerksamkeit etwas verdächtig vor, er meint, daß die Furcht dabei eine große Rolle spiele und bemerkt dann:„Wir haben übrigens guten Grund zu der Annahme, daß der liberale„ansturm gegen den Grafen Zedlitz zu spät kommt und daß er eine Klärung der Mißverständnisse, welche etwa vom Fall des Schulgesetzes an maßgebender Stelle zurückgeblieben sein sollten, nicht mehr zu verzögern oder gar zu verhindern vermag. Es ist aber für die liberale Agitation bezeichnend, daß sie selbst in solche zarte Vorgänge wie in die Wiederverständigung eines Herrschers mit einem allseitig als charaktervoll und bedeutend anerkannten Staatsdiener mit solchen öffentlichen Pressionen einzugreifen versucht und nicht einmal derartige diskrete und persönliche Dinge den dabei Beteiligten vor allem der freien Initiative der Krone überläßt. Woher hat übrigens das liberale Blatt solche intimen„zufälligen" Kenntnisse, wie daß Graf Zedlitz von seinem Posten zurücktrat, obgleich wie uns zufällig bekannt ist, der Ministerrat mit allen gegen eine Stimme sich dahin aussprach, daß eine Veranlassung zu diesem Rücktritt nicht vorliege?— Ob nicht diese eine Stimme diejenige des Finanzministers Miquel gewesen sein mag? Hatte er doch selbst sein Entlassungsgesuch eingereicht, und nur der Sturz des Grafen Zedlitz und das gleichzeitige Fallenlassen des Volksschulgesetzes ermöglichten Herrn Miquel das Verbleiben im Amte. Im Uebrigen bestätigen die Ausführungen des„Reichsboten" daß der Wiedereintritt des Grafen Zedlitz in den Staatsdienst thatsächlich in Erwägung gezogen wird. * Der polizeilichen Auflösung verfiel am Montag eine Volksversammlung in Rixdorf, die sich mit dem Bierboykott beschäftigte. Es sollte die Sperre über einen Saalbesitzer verhängt werden, der nicht nur geboykottetes Bier verzapft, sondern auch die übrigen Rixdorfer Gastwirte aufgefordert haben soll, ihre Säle zu den Arbeiterversammlungen zu verweigern. In der Debatte wurden viele Wirte namhaft gemacht, die sich„den Beschlüssen der Arbeiterschaft nicht gefügt" haben. Kurz vor der Abstimmung kam es zu einem unbedeutenden Tumult, infolge dessen die Versammlung aufgelöst wurde. Ueber die Lage des Boykotts ist schwer Klarheit zu bekommen. Beide Teile prahlen stets mit ihrem baldigen Siege. Wenn Nervosität und Hast verdächtig sind, so steht die Sache der Arbeiter am schwächsten. Sie machen sehr viel Lärm, müssen zu den unerhörtesten Tyrannisierungen und Frechheiten gegenüber den Wirten ec. greifen und eine ausgedehnte Kontrolle üben, damit die Beschlüsse der„Arbeiterschaft"„respektiert" werden, und klagen doch immer, daß der Boykott von Wirten und Arbeitern nicht beachtet werde. Die„Brauereiprotzen" benehmen sich bedeutend ruhiger. Jedenfalls haben sie auch sehr scharfe Waffen. Gestern sollen sie beschlossen haben, unter keinen Umständen nachzugeben und den Streikenden das Ultimatum zu stellen daß, wenn bis zum 15. d. Mts. der Boykott nicht aufgehoben sei, weitere 25 Prozent der Arbeiter entlassen werden sollen. So werden die Folgen des frivolen Boykotts wieder auf die Arbeiter fallen. Die Schreier und die Herren von der„Kommission", die alles anordnet, werden natürlich den Betrogenen einzureden suchen, die Drohung sei ein Zeichen des baldigen Sieges, da die„Brauereiprotzen" ihre Produktion infolge der Wirkung des Boykotts einschränken müßten. * Eine Polemik über das Verhältnis der Adligen und Bürgerlichen in Ansehung der Besetzung höherer Verwaltungsstellen hat der„Köln. Ztg." Veranlassung gegeben, das neueste Staatshandbuch zu Rate zu ziehen. Sie stellt daraus folgendes fest: Von 10 Ministern sind 5, von den Unterstaatssekretären 6, von den 20 Ministerialdirektoren 19, von den vortragenden 183 Räten aller Ministerien, einschließlich des Staatsministeriums und des Auswärtigen Amts, nicht weniger denn 148 bürgerlicher Herkunft. Von den 12 Oberpräsidenten stammen die Hälfte, von den 12 Oberpräsidialräten 5, von den 35 Regierungspräsidenten 16, von den 59 Oberregierungsräten 18, von den 575 Regierungsräten 506 aus dem Bürgerstande. Unter den Landratsämtern ist nahezu die Hälfte(227) mit Bürgerlichen besetzt, denen 249 Adlige, alle die eingeschlossen, die in den letzten Jahren geadelt wurden, gegenüberstehen. Dieses Verhältnis ist um so auffälliger, weil zu Landräten, wo irgend thunlich, vorzugsweise gern im Kreise selbst Angesessene genommen werden, und weil doch in vielen Provinzen, namentlich in der Mark, Pommern, Schlesien, die Zahl adligen Gutsbesitzer überwiegt. Bei den 10 von 34 Regierungen ist überhaupt kein einziger adliger Ober=Regierungsrat und bei 8 Regierungen kein einziger adliger Regierungsrat vorhanden. * Zur Durchführung der am 1. April 1895 eintretenden Neuordnung der Staatseisenbahnverwaltung sollen, wie der „Reichsanzeiger" mitteilt, neue Königl. Eisenbahndirektionen errichtet werden in Königsberg i. Pr., Danzig, Stettin, Posen, Kattowitz, Halle, Kassel, Münster, Essen, Saarbrücken. Hiernach wird vom 1. April 1895 die Betriebsverwaltung der Staatseisenbahnen unter unmittelbarer Leitung des Arbeitsministers von 20 Direktoren geführt. * Wegen der bekannten Reichsgerichtsentscheiduna über die auf einer Jahrhunderte alten„Ordnung" beruhende Kirchenbaupflicht der Stadt Berlin hatte die Berliner Gemeindebehörde beim Kultusminister und Finanzminister beantragt, die Aufhebung der KonsistorialOrdnung von 1573 auf dem Wege der Gesetzgebung herbeiführen zu wollen. Etwa 60 kurbrandenburgische Städte hatten sich dem Antrage angeschlossen. Die Minister haben jetzt geantwortet, daß sie mit dem Oberkirchenrat Unterhandlungen über die Sache angeknüpft haben. Wie von anderer Seite gemeldet wird, verlangt man von der Stadt Berlin nicht weniger als 20 Millionen Mark für protestantische Kirchen= 2c. Bauten. Ausland. Die ungarische Kabinettskrisis ist noch nicht gelöst. Nachdem Graf Khuen seinen Auftrag in die Hände des Kaisers zurückgegeben, empfing derselbe gestern Nachmittag Koloman Tisza, woraus hervorgeht, daß der Kaiser nicht beabsichtigt, ohne weitere Versuche auf Dr. Wekerle wieder zurückzugreifen. * Leo XIII. und der Zar. Die polnische Ausgabe der Petersburger Zeitung, der Kraj, veröffentlicht den vollstän digen Text der Encyklika des hl. Vaters an die Polen. Die russische Regierung soll außerdem, wie versichert wird, dieses Schriftstück sämtlichen katholischen Bischöfen Rußlands zugestellt haben. Ein solch unerwartetes Ereignis würde die Bestätigung dessen sein, was in jüngster Zeit über die ehrfurchtsvolle Gesinnung des Zaren gegenüber der Person Leos XIII. gesagt wurde. Alexander III ist eine schweig same Natur, und da er niemals fragt, so wagt es Niemand, ihm die Dinge zu berichten, von denen man weiß, daß sie ihm unangenehm sind. So soll die Niedermetzelung der Katholiken in der Kirche von Kroze ihm bis zu dem Augen blicke vollständig unbekannt gewesen sein, wo ihm der Papst einen eigenhändigen Brief anläßlich dieses blutigen Ereignisses schrieb. Einen ebenso tiefen Eindruck wie die Darstellung dieser Vorgänge sollen auf den Zaren die maß vollen, besäuftigenden Worte der Encyklika an die Polen gemacht haben. Sollte diese gewaltige Stimme, die bis zu den Grenzen der Erde dringt, auch auf moskowitischen Fanatismus einen besänftigenden Einfluß hervorgebracht haben? Sollte es ihr gelungen sein, ein klein wenig Gewissensfreiheit zu erlangen für die unglücklichen Katholiken in Polen? * Auch Italien bereitet uns von Zeit zu Zeit eine Ueberraschung. Gestern meldete der Teleg aph aus Rom, daß Crispi mit seinem gesamten Kabinett dem König seine Entlassung eingereicht habe. Crispi begann am Samstag den Bogen straffer zu spannen, bis er zerbrach. An diesem Tage war eine der merkwürdigsten Kammersitzungen, die seit Crispis Regierungsantritt erlebt worden, und zeitweise war die Stimmung so erregt, daß man sich schon darauf gefaßt machte, das Aufeinanderplatzen der Leidenschaften plötzlich mit einer Krisis endigen zu sehen. Den Anlaß zu dem Sturm gab folgender Antrag, den Crispi im Namen der Regierung ganz unerwartet während der Fortsetzung der Finanzberatung einbrachte: Die Kammer, in der Absicht, vorläufig festzusetzen, wie hoch sich die Verbesserungen belaufen können, die aus Herabsetzung der Ausgaben zu erreichen sind, giebt einer von den ständigen Ausschüssen zu ernennenden Achtzehner=Kommission 8 Die Tochter des Sozialisten. 54 Detektivroman von L. Lynch. Wie sehr sich auch Madeline freute, Moina wieder zu begrüßen, so fand sie doch in ihrem Wesen eine große Veränderung, man sah ihr an, sie hatte viel gelitten und war durch die Trübsal gereift und gestählt worden. So offen wie früher konnten die Freundinnen freilich nicht miteinander verkehren, aber doch war das Wiedersehen von beiden Seiten ein herzliches. Moina sprach von ihren Erlebnissen, erwähnte auch den russischen Gast, der jetzt bei ihnen im Hause wohnte; als die Rede auf ihres Vaters Krankheit kam, zeigte ihr Madeline die größte Teilnahme und äußerte den Wunsch, Herrn La Croix einen Augenblick zu sehen. Moina ließ ihren Papa zu sich herüberbitten; er kam, konnte aber nur wenige Minuten bleiben, weil er, wie wir wissen, Besuch im Atelier hatte; doch fand Madeline Gelegenheit, sich zu überzeugen, welche völlige Umwandlung mit ihm vorgegangen war und fühlte sich auf das schmerzlichste davon berührt. Als Madeline Lebewohl gesagt hatte und die Treppe hinunterging, öffnete sich unten eine Thür und sie hörte eine wohlklingende Männerstimme sich von den Gästen verabschieden. Einen Augenblick stand Madeline lauschend und verwundert still, dann eilte sie hinab und schritt grüßend an La Croix und seinen Besuchern vorüber, welche eben aus dem Atelier traten.„Ich habe eine Entdeckung gemacht," murmelte sie, als sie im Wagen saß und sich in die Kissen zurücklehnte. Zu Hause angekommen, verfaßte sie sofort den Bericht, um welchen Drexel sie gebeten hatte. „Moina La Croix," schrieb sie,„sieht unruhig und sorgenvoll aus, aber die traurige Veränderung, die mit ihrem Vater vorgegangen ist, bietet dafür eine genügende Erklärung. Er ist geistig und körperlich wie gebrochen, ein völlig verwandelter Mann. Der freundliche, höfliche, geistvolle alte Herr, den wir an Bord des Dampfers trafen, ist nicht wieder zu erkennen; der beste Teil seines Wesens scheint zerstört oder abgestorben zu sein." Bevor Madeline weiter berichtete, ließ sie die Feder ruhen und lächelte vor sich hin.„Ich muß mich wohl stellen, als sei ich blind und taub gewesen," sagte sie und fügte ihrem Briefe noch folgende Worte hinzu:„Die La Croixs haben einen Gast, der bei ihnen im Hause wohnt, die Fürstin hat ihn heute dort aufgesucht, er soll ein Russe sein." Gegen Abend desselben Tages verließ eine Dame in einfacher, dunkler Kleidung, tief verschleiert, das Hotel Oriental und eilte die Straße hinunter. Nachdem sie eine Strecke weit gegangen war, erschien plötzlich ein kleiner Mann an ihrer Seite, der sie schweigend durch die dichte Menge geleitete. Jetzt hatten sie eine weniger belebte Straße erreicht und gingen langsamer weiter. „Nun, Disset, wie steht es?" fragte Sascha Orloff, denn sie war es. „Ich habe viel zu berichten," erwiderte jener leise und ehrerbietig.„Sharlaw hat mir geschrieben. Ihm macht die Sache viele Bedenken. Daß jener Lugos hier eine so hohe Stellung erhalten hat, überrascht ihn sehr. Er hat dazu keinen Befehl erteilt und wird weitere Ermittelungen anstellen lassen. Wenn der Mann gefährlich ist und Ihre Angaben sich als richtig erweisen, so giebt es nur ein Mittel. Und das soll in Ihre Hand gelegt werden." „In meine Hand?" „Ja, von Ihnen der Befehl, durch mich die Ausführung! Für alle Fälle sendet er Ihnen den Talisman— hier ist er." Aus seiner inneren Brusttasche zog Sharlaws Vertrauter ein kleines Päckchen hervor und reichte es Sascha, welche zusammenschauderte, als sie es zagend in Empfang nahm. „Schon?" sagte sie. „Es giebt kein anderes Mittel. Ohne dieses ist er mächtiger als Sie; so aber—“ „Kann ich den Kampf aufnehmen? Haben Sie mir sonst noch etwas mitzuteilen?" „Ihre Anwesenheit hier macht jenen Menschen viel Kopfzerbrechen—“ „Das weiß ich." „Sie haben sich sogar schon nach Europa gewendet und um Auskunft gebeten, unter dem Vorwand, daß sie fürchten, Sie ständen im Dienst der russischen Geheimpolizei." „Was würden sie erst glauben, wenn sie wüßten, daß Sie hier sind, Disset?" „Zum Glück haben sie keine Ahnung davon und wähnen, ich säße ruhig am Schreibpult in der Themsestraße.“ Sie gingen eine Weile schweigend weiter.„Ist das alles, was Sie von drüben gehört haben, Disset?" fragte sie dann. „Nein, noch etwas. Man hat mit Verwunderung erfahren, daß Crashaw, der als Führer der Gruppe hierher gesandt wurde, diese Stellung an La Croix abgetreten hat, der nur als zweiter auf dem Register steht. Man vermutet einen tiefen Plan dahinter. Es sind Dinge zu Tage gekommen, von denen wir seiner Zeit Nachricht erhalten werden. Crashaw hat die Gelder unter sich, die hier für den Bund gesammelt wexden wie Sie wissen; man macht Nachforschungen in dieser Richtung—“ Die Mitteilung schien die Fürstin wenig zu interessieren. „Sagen Sie, Disset," unterbrach sie ihn plötzlich,„kennen Sie einen früheren Offizier, der Fernand Makofski heißt und bald nach dem Tode des Zaren in die Verbanbung geschickt wurde?" „Dem Namen nach, ja." „Er soll entkommen sein und sich in La Croix's Hause verbergen. Ich muß ihn sehen und wollte Sie bitten mir als Bote zu dienen. Geben Sie diesen Brief dort ab; die Antwort können Sie mir ohne Gefahr zustellen lassen auf welche Weise Sie wollen." „Sie haben nur zu befehlen." „Besten Dank; jetzt müssen wir uns trennen; ich bin hier ganz nahe an meinem Hotel. Wo treffen wir uns das nächste Mal?" „Am besten bei Tage. Auf diese Karte habe ich den Ort geschrieben. Wir werden ganz sicher sein." „Daß wir uns zu bestimmten Zeiten und niemals am selben Platz treffen wollten, war ein guter Gedanke." „Wir dürfen keine Vorsicht außer Acht lassen." „Nun leben Sie wohl." Sie sagte es zögernd, als hätte sie noch etwas auf dem Herzen; dann trat sie dicht zu ihm heran.„Ich habe einen leisen Hoffnungsschimmer, Disset," flüsterte sie,„bald werde ich vielleicht Nachricht erhalten." „Das gebe Gott," erwiderte er und faßte teilnehmend die Hand, welche sie ihm reichte. Im nächsten Augenblick sah er sie mit dem Strom der Vorübergehenden davoneilen. „Ein kühnes, entschlossenes Weib," murmelte er, während er seines Weges ging;„aber, wie wird es alles enden? Ja, wer das wüßte!“ 31. Kapitel. Sie entdeckt ihr Herz. Hauptmann Fernand saß gerade bei Miles La Croix im Studierzimmer, als ihm Saschas Brief gebracht wurde. Er las ihn ohne eine Miene zu verziehen und bat um Erlaubnis ihn gleich am Schreibtisch seines Wirtes beantworten zu dürfen. Dies war schnell geschehen, denn das Billet, welches er Margot für den Boten einhändigte, enthielt weder Datum, Adresse noch Unterschrift, sondern nur das einzige Wort:„ja!" in großen lateinischen Buchstaben. Schweigend schob Makofski darauf den Brief der Fürstin seinem Wirte hin. La Croix nahm ihn zur Hand und las: „Die Fürstin Orloff kann sich an der neulichen Zusammenkunft mit Hauptmann Makofski durchaus nicht genügen lassen. Es ist ein zu seltenes Vergnügen, in Amerika einem Landsmann zu begegnen, der nicht nur ihre Vaterstadt, sondern auch Leute aus ihrer Bekanntschaft kennt. Sie wünscht noch viel von ihm zu erfahren, da er ohne Zweifel manches Interessante mitzuteilen hat. Deshalb bittet sie ihn, sie sobald als möglich zu besuchen und er darf es ihr nicht verweigern. In ihrer Heimat würde sie nur zu befehlen haben, sie nimmt daher an, sie sei in Rußland und befiehlt, daß Hauptmann Makofski sich am morgenden Abend um acht Uhr in ihrem Empfangssalon einzufinden hat. Der Bote wird die Antwort zurückbringen, sie braucht nur ein Wort zu enthaltes„ja", oder„nein"." La Croixs Stirn umwölkte sich.„Was werden Sie thun?" fragte er, den Brief auf den Tisch legend. „Ich werde dem Befehl gehorchen." „Aber, soviel ich weiß, ist dies die Frau, welche Sie für Ihre Feindin halten." „Ja, ich habe allen Grund sie zu fürchten." „Und doch wollen Sie zu ihr gehen?" „Ich halte es für das Klügste und Sicherste. Der Brief hat noch eine versteckte Bedeutung; es wäre gefährlich, wollte ich mich widersetzen. Und doch war meine Zusage übereilt, denn, hat mein Besuch schlimme Folgen, so könnten auch für Sie leicht Belästigungen entstehen. Ich hätte es erst mit Ihnen bereden sollen.„ Er war aufgestanden und schritt erregt im Zimmer hin und her. „Gehen Sie nicht," sagte La Croix mit Bestimmtheit. den Auftrag, bis zum 30. Juni einen Gesegentwurf über die Reform der öffentlichen Verwaltungszweige vorzulegen, mit der Absicht, dieselben zu vereinfachen und in das Staatsbudget die größtmöglichen Ersparnisse einzuführen; zugleich vertagt die Kammer bis dahin jede Beratung über die Finanzmaßregeln. Wenn im Sitzungssaale von Montecitorio eine Bombe geplatzt wäre, hätte die Aufregung nicht größer sein können, als die, welche dem Antrag des Ministerpräsidenten folgte. Die Opposition wütete förmlich und schleuderte die heftigsten Vorwürfe gegen die Regierung, der Lärm wuchs derart, daß die Sitzung für eine Viertelstunde unterbrochen werden mußte. Die Opposition begriff ganz richtig, daß ihr die Möglichkeit genommen werden sollte, bei Beratung der Finanzmaßregeln die Regierung aufs Haupt schlagen zu können. Crispis Antrag wurde am Montag beraten. Dabei gab der Antragsteller einen historischen Ueberblick über die Frage der Verwaltungsreform und erklärte, er hätte die Reform realisiert, wenn die Kammer die Vorlage über unbeschränkte Vollmachten genehmigt hätte. Die Kommission hätte aber die Regierungsvorlage derartig geändert, daß die Regierung sie nicht annehmen konnte, und deshalb sei der Antrag vom Samstag eingebracht. Er würde der Kommission alle Vorarbeiten der Regierung für die Verwaltungsreform zur Verfügung stellen, damit sie ihre Arbeiten beenden könne. Crispi protestierte schließlich gegen die Anschuldigung, daß die Regierung die Verantwortung von sich abwälzen und die Kammer täuschen wolle. Niemand könne seine(Crispis) Loyalität bezweifeln, auch habe er niemand getänscht. Hierauf wurde in namentlicher Abstimmung der Antrag Trispis mit nur 225 gegen 214 Stimmen angenommen. 6 Abgeordneten enthielten sich der Abstimmung, so daß die Majorität eigentlich nur 5 Stimmen betrug, und es begreift sich daher, daß nach Verkündigung dieses Resultates die Opposition in unbändigen Jubel ausbrach und den „Sieg“ Crispis einen Pyrrhussieg nannte. Da mit einer so geringen Mehrheit das Regieren fast eine Unmöglichkeit ist, hat Crispi die Vertrauensfrage an die Krone gestellt. Eine entsprechende Erklärung wurde gestern in der Kam mer und im Senat gegeben. Der König hat zwar noch keinen Entschluß gefaßt, doch ist die Annahme allgemein, daß Crispi abermals mit der Neubildung eines Kabinetts beauftragt würde. * Dem Sultan von Marokko ist das Glück nicht beschieden, Frieden mit seinen„Unterthanen" zu schließen. Kaum hat er den einen aufrührerischen Stamm notdürftig zur Ruhe gebracht, revoltiert wieder ein anderer. Noch nicht lange erfreut er sich der Segnungen des Friedensschlusses mit Spanien, das ihm die unruhigen Rifkabylen an den Hals gehetzt hatten, und schon wieder muß er seine Waffen gegen den inneren Feind wenden. So haben jüngst die Truppen des Sultans in Stärke von 10000 Mann bei einem Aufstande in der Provinz Msab durch 1400 aufständische Reitertruppen(Kaids) eine große Niederlage erlitten, und zwar hauptsächlich infolge des Umstandes, weil erstere mit alten Gewehren versehen waren, während letztere Winchester= Repetiergewehre zur Verfügung standen. Man glaubt, daß der belgische Vertreter diese schlechten Gewehre seinerzeit dem verstorbenen Kriegsminister Hadschi Mohamed Bargashe, einem Erzgauner, mit beiderseitigem Profit aufgehängt habe. Trotz der dem Sultan bevorstehenden Hülfe der Kabylen ist ein weiteres Vordringen der Kaids, welche in ihrer Rache die herrlichsten Kornfelder vernichten und anzünden, uicht ausgeschlossen. Einen großen Teil der Schuld an dem Waffenschmuggel schiebt man auf marokkanische Juden, die unter europäischem Schutz stehen und sich zum Teil durch hohe Bestechungssummen in den Besitz von Konsulatsstellen gesetzt haben. Die auf Marokko spekulierenden europäischen Staaten werden erst klug, wenn es ihren dort wohnenden Unterthanen an den Kragen geht. Aus Marrakesch meldet man bereits, daß der Sultan sich persönlich an die Spitze des Feldzuges gestellt hat, um zunächst gegen die aufständischen Völkerstämme vorzugehen. Auch will er ein Armeecorps gegen die Rifkabylen bilden, welche sich ihrerseits schon eifrig mit Waffen versehen, als ob sie gewillt seien, der Ausführung des marokkanisch-spanischen Vertrages mit Gewalt Widerstand zu leisten. Privatdepeschen des Düsseld. Volksblattes. )( Danzig, Mittwoch, 6. Juni. Bei einem unter Symptomen der Cholera erkrankten Flößer, welcher in den Cholerabaracken untergebracht ist, wurde gestern im hiesigen bakteriologischen Institut asiatische Cholera festgestellt. 131 Paris, Mittwoch, 6. Inni. In der gestrigen Kammersitzung interpellierte der sozialistische Abgeordnete Groussah die Regierung zum zweiten Male über die vom„Figaro“ veröffentlichten angeblichen Erklärungen eines Generals über die Abrüstung. Nachdem Groussah den General Gallifet als den in Rede stehenden General bezeichnet, brach ein derartiger Tumult los, daß er die Tribüne verlassen mußte, und die Kammer nahm mit 408 gegen 37 Stimmen eine der Regierung günstige Tages=Ordnung an. )( Rom, Mittwoch 6. Juni. In politischen Kreisen glaubt man, die Entlassung des Ministeriums werde vom König nicht angenommen werden. Nur Sonnino würde sich zurückziehen und durch Zarnadeni oder Vacechelli ersetzt werden. Crispi würde dann das Finanzministerium selbst übernehmen. ** London, Mittwoch 6. Juni. Nächsten Montag wird jegen den Anarchisten Meunier wegen dessen Auslieferung an Frankreich vor dem Gericht verhandelt werden. + Madrid, Mittwoch, 6. Juni. Großes Aufsehen erregte ein in den hiesigen Blätteru veröffentlichter Brief des Republikaners Zorilla, in welchem derselbe dem republikanischen Abgeordneten Stamero vollständigen Beifall ausspricht, weil er am Empfang in der päpstlichen Nuntiatur teilgenommen habe. Die kalholische Religion, sagt Zorilla, habe in Spanien tiefe Wurzeln geschlagen und die Republikaner können mit der Kirche im besten Einvernehmen leben. und Provinzielles. Düsseldorf, 6. Juni. * Wie wir hören, ist das Sekretariat der hiesigen Han delskammer in der Lage, den nach Rumänien arbeitenden Firmen über die Geschästslage in diesem Lande sehr genaue Auskunft zu geben, welche gewiß für viele Handelstreibenden in unserem Bezirke von großem Interesse sein wird. Desgleichen können auf dem Sekretariate der Handelskammer wertvolle Mitteilungen über die weitere Ausnutzung des Schweizerisch=Französischen Zollkrieges durch deutsche Gewerbetreibende eingesehen werden. * Die erneute obermilitärärztliche Untersuchung der sämtlichen bis ult. Oktober 1894 anerkannten Temporär=Inva liden findet in diesem Jahre am 11., 12. und 13. Juni cr. vormittags 8 Uhr im Aushebungslokale(Restauration Kreisinger, Kaiserstraße 21) statt. Die vorbezeichneten Invaliden haben sich also an den betr. Tagen in genanntem Lokale zur ärztlichen Untersuchung zu gestellen. * Noch ein Wort zur hiesigen Knabenhandarbeitsschule. Am 27., 28. und 29. Mai ds. Is. fand hier eine Ausstellung von Schülerarbeiten der hiesigen Handfertigkeitsschule statt. Dem Publikum sollte Gelegenheit geboten werden, das Wesen des Handfertigkeitsunterrichts kennen zu lernen. Bisher stand man der Sache ziemlich teilnahmlos gegenüber. Viele Eltern erkennen die Bedeutung dieses Unterrichts an, glauben aber ihre Söhne nicht daran teilnehmen lassen zu dürfen, weil dieselben allzusehr mit geistiger Lernarbeit überhäuft sind, und ihre freie Zeit dürfe deshalb nicht verkürzt werden. Hierzu ist zu bemerken, daß gerade dieser Unterricht dazu da ist, den geistig ermüdeten Schüler zu erfrischen und für neue geistige Arbeit zu stärken. Ist der Schüler zu müde, sich geistig noch zu beschäftigen und greift zur praktischen Arbeit, so spürt er keine Ermüdung und kann sich stundenlang diesen Beschäftigungen hingeben, Nur muß diese Beschäftigung richtig geleitet werden. Gleich wie das Turnen den Körper stärken soll, so auch der Handfertigkeitsunterricht, nur, daß dieser auch die äußeren Sinnesorgane, namentlich Auge und Hand bildet, wie dieses durch keinen anderen Unterrichtsgegenstand auch nur annähernd erreicht werden kann. Der Handfertigkeitsunterricht hilft Körper und Geist gleichmäßig ausbilden und verhütet einseitige Geistesbildung. Unsere Zeit uamentlich erfordert praktische Menschen. Diese Forderung kann aber nur dadurch erreicht werden, daß der Jugend Gelegenheit gegeben wird, praktisch thätig zu sein. Wie sehr steht in dieser Richtung der Schüler dem Mädchen nach. Dasselbe muß in der Haushaltung schon früh mit thätig sein, nebenher verschiedene Handarbeiten lernen und üben, deren es später nur wenige braucht, nur um es recht geschickt und anstellig zu machen. Und wie steht es mit dem Knaben? Er muß nur recht viele geistige Kenntnisse ansammeln, auf praktische Bildung kommt es nicht an. Kann es da wundern, wenn es so viele unpraktische Menschen giebt, die oft nicht einmal im stande sind, einen Nagel in die Wand zu schlagen?— Entgegne man nicht: Mein Sohn braucht diese Arbeiten nicht zu können; dafür sind die Handwerker. Braucht z. B. der Arzt wie der Gelehrte überhaupt nicht auch eine praktische Hand, wie der Kaufmann und jeder gewöhnliche Arbeiter. Und kommt die praktische Bildung dem Handwerker nicht auch zugute, indem die Arbeit der Hand mehr Achtung erhält? Ist es nicht Tradition, daß die preuß. Prinzen ein Handwerk lernen.— Viele werden den Wert der Arbeit besser würdigen, und dem Handwerker nicht abdingen bei der Lieferung gefertigter Sachen, eben weil das richtige Verständnis vorwaltet.— Besonders erwähnt sei noch, daß durch den Handfertigkeitsunterricht keine Handwerker gebildet werden sollen, und auch kein Handwerk geschädigt wird, die Ausstellung hat das bewiesen. Wohl kann der Unterricht manchen Schüler die Erkenntnis erschließen, daß er sich besser für einen praktischen Beruf eigene wie für das Studium. Jedem Vater, dem wirklich etwas daran gelegen ist, seinen Sohn allseitig heran zu bilden, so daß Körper und Geist sich harmonisch entwickeln, dem möchten wir dringend raten, ihn an den Kursen für Knabenhandarbeiten teilnehmen zu lassen. Die Bedeutung des Turnunterrichts wurde früher auch sehr verkannt, bis er sich endlich Bahn brach. Begegnete man heute noch einem Gegner des Turnens, so würde man den Kopf schütteln.— Möchten doch auch hier dem Handfertigkeitsunterrichte Vereine, Freunde und Gönner erstehen, welche die Sache stützen und zur Blüte verhelfen. In Köln, wo man 1 Jahr früher begonnen als hier, hat man bereits 14 Werkstätten; Elberfeld, Barmen und viele andere Orte eifern ebenso. Möge der Wahlspruch der Leipziger Schülerwerkstätten allseitige Beherzigung finden und in die That übersetzt werden: Bilde das Auge, Uebe die Hand, Fest wird der Wille, Scharf der Verstand! Herr Lehrer Ferd. Körholz nimmt noch im Laufe der Woche Anmeldungen neuer Schüler(von 10 Jahren aufwärts) für Kurse in Papparbeiten und Kerbschnitt an. Diese sind entweder in dessen Wohnung, Thalstraße 82 oder Kreuzstraße 62 in der Schule zu machen. Wöchentlich wird einmal 2½ Std. Unterricht erteilt. Werkzeug und Material liefert die Werkstatt. Nach beendetem Kursus werden die Arbeiten Eigentum der Schüler. * Hans Stick's Sommertheater wird endgültig und unwiderruflich seine Vorstellungen am Samstaa den 9. d. M. eroffnen, nicht morgen, wie in der gestrigen Nummer infolge eines Versehens mitgeteilt worden ist, Herr Direktor Stick hatte eine Reihe lokaler Schwierigkeiten zu beseltigen, die ihm erst nach seinem Eintreffen am hiesigen Platze offenkundig wurden und die die Schuld an der Verzögerung der Eröffnung tragen. Nunmehr war aber auch die Direktion in der Lage, alles aufs beste und zweckdienlichste einzurichten, um auch strengeren Anforderungen wie sie nur an großstädtische Sommertheater gestellt werden dürfen, vollkommen zu entsprechen. Da sich hierorts ein fühlbarer Mangel betreffs eines Sommertheaters geltend macht, so ist das Unternehmen des Herrn Direktors Stick um so freudiger zu begrüßen, vielleicht bildet noch die Stick'sche Sommerbühne den Ausgangspunkt für ein ständiges Sommertheater in hiesiger Stadt. Hoffen wir, daß die Bemühungen des Herrn Stick von Erfolg gekrönt sind. * Der vor ca. 14 Tagen in Haft genommene Bauunternehmer F. jr. ist gestern aus der Haft wieder entlassen worden, da sich dessen völlige Schuldlosigkeit mittlerweile herausgestellt hat, und die Verhaftung offenbar auf Grund einer Denunziation erfolgt ist, die ein gerichtliches Nachspiel haben wird. :I Seit Samstag ist eine 19 Jahre alte Fabrikarbeiterin verschwunden, die einige Tage vorher schon von ihrer Entfernung sprach. Man glaubt, sie habe sich ein Leid angethan. Gestern abend gegen 9 Uhr fuhr ein Radfahrer in der Königsallee auf dem Reitwege eine Dame um. Diese fiel mit dem Kopfe auf den Bandstein und schien erheblich verletzt zu sein. ): Ein Dieb schlich gestern abend in ein Haus an der Grabenstraße, gelangte in ein offenes Zimmer und nahm vom Tische ein hölzernes Kästchen, welches ebenfalls unverschlossen war. In demselben fand er 90 Mark und eine alte Taschennhr. Nachdem er den Inhalt an sich genommen hatte, stellte er das Kästchen draußen auf die Fensterbank. :( Ein müder Kutscher setzte sich am Montag Abend in die Thürnische eines Hauses an der Dreieckstraße und schlief ein. Während des Schlafes stahl ihm ein Dieb die Taschenuhr. 1:( Ein Maurer aus Crefeld, der vom Amtsgerichte in Neuß wegen Betrugs steckbrieflich verfolgt wurde, fiel gestern der hiesigen Polizei in die Hände. Er wurde nach Neuß gebracht. :] Während des Kirmesballes bei einem Wirte an der Himmelgeisterstraße brachen Diebe dessen Schlafzimmer auf und stahlen eine Summe Geld und für 100 M. Goldsachen. [ Ein Kellner aus Elberfeld hatte sich seiner Zeit an der Militäraushebung im dritten Jahre vorbeigedrückt, man konnte ihn nicht wiederfinden und er wurde wegen Entziehung der Militärpflicht zu 160 M. event. 16 Tagen Gefängnis verurteilt. Jetzt, nachdem er bereits 6 Jahre verheiratet ist, machte die Behörde die Entdeckung daß er wohlgemut in Düsseldorf wohnt. Er muß jetzt seine Strafe leisten und Soldat werden. ( Sitzung der Strafkammer vom 5. Juni. Die Witwe Stoetz, Mathilde und Martha Heßling in Düsseldorf haben das verächtliche Gewerbe der Kuppelei betrieben. Die Witwe muß 5 Monate sitzen, die beiden andern kamen auf 14 Tage ins Gefängnis.— Der vorbestrafte Tagelöhner Ferdinand S. zu Düsseldorf hatte im Hause mit den andern Einwohnern häufig Streit, und am 26. März schlug er die Fran Michael Klassen mit einem Knüppel zu Boden. Für diese Mißhandlung wurde S. nach dem Antrage des Herrn Staatsanwalts zu 6 Monaten Gefängnis verurtellt.— Hubert B., Schlossergeselle zu Düsseldorf, wurde von seinem Meister in den Breidenbacher Hof geschickt, ein Thürschloß zu reparieren. Er benutzte sein Handwerkszeug dazu, auf dem Zimmer einen Koffer zu öffnen und daraus einen Geldbetrag von 60 M., 3 goldene Ringe und eine Brustnadel zu stehlen. Er gestand den Diebstahl ein und wurde bei Annahme mildernder Umstände zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt.— Tagelöhner Johann P. aus Düsseldorf wurde mit 6 Monaten Gefängnis wegen Betrugs und Urkundenfälschung bestraft. Franz B. und Wilhelm V. waren am 15. Januar in einer Wirtschaft und tranken Schnäpse und Cognak, wollten aber nicht bezahlen. Sie wurden wiederholt aus dem Lokal gewiesen, kamen aber wieder hinein und mißhandelten den Wirt Karl Bergmann und dessen Schwester. Der Angeklagte B. stach mit einem Messer los und brachte dem Bergmann einen Stich in den Kopf bei. Dieser Mißhändlung waren die beiden heute angeklagt. Die Strafkammer verurteilte den B. zu 1 Jahre Gefängnis und nahm ihn gleich in Haft, V. kam mit 6 Monaten Gefängnis davon.— Die Gertrud E. ist fünfmal wegen Diebstahl vorbestraft, verbüßt gegenwärtig noch 1 Jahr Gefängnis und war heute angeklagt, am 11. Januar der Frau Rührup einen Mantel gestohlen zu haben. Sie gestand den Diebstahl und erhielt eine Gesamtstrafe von 13 Monaten Gefängnis.— Der Tagelöhner Anton U., Kaslerer eines Gesangvereins zu Torfbroich, hat zum Nachteile des Vereins 303 Mark unterschlagen und war dessen heute angeklagt, auch geständig und bat um eine milde Strafe. Die Strafkammer verurteilte ihn zu 5 Monaten Gefängnis. [) Gerresheim, 4. Junj. Auszeichnung. Auf der vom 27. bis 29. Mai veranstalteten Geflügel=Ausstellung zu Aachen, erhielt Herr J. Volkmann, Gerresheime Geflügelzucht. vereins, für ein Paar Hamburger schwarzlack den I Preis und die silberne Ehrenmedaille der Stadt Aachen, für einen Stamm schwarze Minorka den II. Preis, eine Auszeichnung, die um so wertvoller erscheint, da die erwähnten Stämme aus eigener Zucht hervorgegangen sind. Caub a. Rh., 5. Iuni. General=Oberst Frhr. v. Los ist mit der Vertretung des Kaisers bei der Enthüllung des Blücherdenkmals(am 18. Juni, dem Tage der Schlacht von Waterloo beauftragt worden. Vermischtes. * In ganz Deutschland ist die Not des Landwirtes im allgemeinen bekannt. Größer noch gestaltet sich dieselbe bei dem Bauernstande des Untermains, Spessarts und Odenwaldes, wenn derselbe teilweise oder auch ganz um das Erträgnis seines Obstes, worin bei dem größeren Teile fast die einzige Baareinnahme im Jahre besteht, durch das herzlose Vorgehen der Makler und Unterhändler gebracht wird. Um dies zu verhüten und den Landwirten ein möglichst hohes Erträgnis aus ihrem Obste zu erzielen, wurde zu gunsten derselben im Bezirke Obernburg ein gemeinnütziges Unternehmen:„Die Obstverwertungs=Genossenschaft Oberubura a. M.“ vor 4 Jahren von einem katholischen Geistlichen, Herrn Benefiziat Benkert, ins Leben gerufen. Dieselbe hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen; nur die Reinheit und Güte ihrer Produkte haben ihr einen Weg durch einen großen Teil von Deutschland bereits gebahnt. Wie wir uns selbst überzeugt haben, liefert genannte Genossenschaft Aepfelwein, als auch Aepfelwein- und Traubenwein=Champagner in ganz vorzüglicher Qualität zu verhältnismäßig sehr wohlfeilen Preisen.— Zweck dieser Zeilen ist nun, unsere verehrten Leser im Interesse des z. Z. mehr als je gedrückten Bauernstandes am Untermain, im Spessart und Odenwald zu ersuchen, bei Bedarf von Aepfelwein und Aepfelwein=, sowie Traubenwein=Champagner genannte Genossenschaft zu berücksichtigen. Man erhält eine durchaus reelle wohlfeile Ware und unterstützt dadurch noch eine gute Sache. Preisverzeichnisse und Anweisungen zur Verwendung des Apfelweins werden von oben genannter Adresse gratts und franko versandt.— Schließlich möge hier noch Platz finden die Empfehlung des Herrn Pfarrers Kneipp, welcher schreibt: Der Apfelwein der Obstverwertungs=Genossenschaft Obernburg a. M. wird in meinem Priester= Kurhause als Tischwein verwendet und kann ich denselben, wie den daraus bereiteten Schaumwein, als der Gesundheit zuträglich empfehlen. *Kiel, 1. Juni. Peinliches Aufsehen erregt ein Vorgang im evangelischen Anschar=Krankenhause. Den leitenden Arzt dieses Krankenhauses, Professor Dr. Ferdinand Petersen, hatte die Oberin Frl. W. Gräff in seiner Privatund Berufsehre durch eine Behauptung angegriffen, die zugleich andere Aerzte verunglimpfte. Sofort berief Prof. Petersen ein Ehrengericht aus den angesehensten seiner Universitätskollegen und wies die völlige Grundlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen nach. Da es ihm nicht ferner möglich war, gedeihlich mit einer Dame zusammenzuwirken, die ihn ohne jeden Anlaß beschimpft hatte, forderte er die Entlassung der Oberin, widrigenfalls er sein Amt niederlegen wolle. Der Vorstand des Krankenhauses, an dessen Spitze die Oberhofmeisterin der Prinzessin Heinrich, Freifrau v. Seckendorf, steht, enschied jedoch, daß eine Entlassung der Oberin nicht geboten erscheine, sondern eine Abbitte genüge. Hierauf legte Prof. Petersen sein Amt als Oberarzt des Anschar=Krankenhauses nieder, ebenso der zweite Arzt des Krankenhauses samt elf der bewährtesten und ältesten Schwestern. In seinem Kolleg gab Prof. Petersen seinen Schülern Aufkllärung über die Amtsniederlegung, und diese brachten ihrem Lehrer am Montag im Berein mit 400 anderen Studenten einen Fackelzug dar. Als der Krankenhausvorstand den erwähnten Mehrheitsbeschluß faßte, traten die Professoren Bockendahl und Quincke aus dem Vorstande aus. Der Kieler Aerzteverein machte die Sache des Prof. Petersen zu der seinigen und ließ demselben durch seinen Vorstand seine herzlichen Sympathieen ausdrücken. Ferner haben die Aerzte, welche Patienten= dem Anschar=Krankenhause zu überweisen pflegen, beschlossen, dies nicht meyr zu thun. Herrn Petersen, der sich in medicinischen und alademischen Kreisen ebenso wie in der Kieler Bürgerschaft großer Sympathieen erfreut, wurde auch noch von der Kieler Liedertafel ein Ständchen dargebracht. * Braunschweia, 2. Juni. Ein schreckliches Ereignis hat zwei Familien in große Trauer versetzt. In Langeleben im Elm waren seit dem 23. Mai zwei Kinder, ein Mädchen von 2 Jahren und ein Knabe von 3 Jahren spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen in dem Elmwalde und Umgebung blieben vergebens, und man nahm schon an— auch die Behörde—, daß die Kinder geraubt seien. Endlich, nach 6 Tagen, fand man die Kleinen etwa eine Stunde von ihrem Heimatsorte in einem zerfahrenen Hohlwege im Walde als Leichen. Die armen Kinder haben sich in dem Walde verirrt und sind dann elendiglich verhungert. * Weimar, 4. Inni. In der Strafsache gegen die angeklagten früheren Vorstandsmitglieder des hiesigen„Borschuß- und Sparvereins“ wurde heute Mittag das Urteil publiziert. Es erhielt: 1. Aufsichtsratsvorsitzender Neisen 7 Jahre Gefängnis und 7500 Mark Geldstrafe, sowie 5 Jahre Ehrverlust. 2. Direktor Gerlach 7½ Jahre Gefängnis und 7500 Mark Geldstrafe. 3. Kassierer Hofmann 6 Jahre Gefängnis und 4500 Mark Geldstrafe. 4. Aufsichtsratsmitglied Bär 4 Jahre Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. 5. Kontrolleur Rudolph 900 Mark Geldstrafe. * Würzbura, 2. Juni. Ueber das Schmerzgefühl bei Mißhandlung von Soldaten durch Vorgesetzte haben bekanntlich die Herren Militär=Geschworenen oft sonderbare Ansichten. Heute bekundeten sie dies laut„Frankf. Zeitung" aufs neue. Der Unteroffizier Konrad Bayerlein vom 6. Infanterie=Regiment in Amberg versetzte auf dem Exerzierplatze einem Gemeinen, der beim Antreten die linke Hand nicht recht anlegte und auch den Zuruf des Abrichters darüber nicht beachtete, mehrere Schläge mit dem blanken Seitengewehr. Die Geschworenen glaubten nicht, daß hierdurch„Schmerzgefühl" verursacht worden. Urteil: 44 Tage Gefängnis.— Schöpfen die Herren Geschworenen ihren Glauben aus eigener Erfahrung? )(San Francisco, 5. Juni. Zwischen zwei chinesischen Dampfern fand in der Nähe von Pecking ein furchtbarer Zusammenstoß statt. Ein Dampfer, auf welchem sich 50 Personen befanden, ist gesunken. * Billroth als Kritiker. Im Januar 1887 schrieb Billroth an Hanslick:„Es ist ein Glück, daß ich kein Kritiker geworden bin. Ich könnte dem Reiz nicht widerstehen, von meinem Talent, durch jedes Wort Tausende von Menschen tötlich zu beleidigen, den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Es liegt doch etwas von einem Löwen oder Tiger in mir, der sich im Blute wohl und stark fühlt. Entsetzlich war die Klavierspielerin; sie besaß alle Untugenden einer jungen Klavierspielerin im höchsten Maße: unmusikalisch, werkelartige Technik, widerwärtigen, harten Anschlag, Unfähigkeit, die Töne zu binden. Das Des-dur-Noturno war das letzte Stück, das ich von Wilhelmine Clauß in Göttingen hörte; es ist mir unvergeßlich. Freilich war ich damals jung und grün, jetzt alt, grau. Das Stück von Saint=Saëns hätte der selige Kalkbrenner besser komponiert. Und die sogenannte Tarantella von Liszt. Abscheuliche Hundemusik! Und so von einem Berberfüllen gespielt! Es ist gut, daß ich keine kritischen Feuilletons zu schreiben habe. Wenn mir aber dieses Fräuein P. in die Nähe kommt, amputiere ich ihr beide Hände, venn sie sich auch daran verbluten sollte. Unsere Polizei ist doch miserabel, daß sie solche Mörderinnen frei umherlaufen läßt." * Komische Namen berümter Männer. Calderon de la Barca dünkt uns ein prächtiger Name, und doch lautet die wörtliche Uebersetzung„Kessel vom Kahne", Torquato Tasso bedeutet einen„angeketteten Dachs", Dante heißt „Hirschfell", Giovanni Boccaccio„Hans Großmaul", Bramante, der berühmte Baumeister, erscheint trotz des volltönenden Namens als ein„Winselnder" und Max Piccolomini dürfte in gutem Deutsch„Zwerglein" heißen. Leute, die Ochs und Schaf im Deutschen heißen, können sich also auf die Namen berühmter Leute berufen, deren Klang gerade auch nicht der schönste war. *Einamerikanischer Kunstmäcen. Mr. Tabor, Senator von Colorado, hat in seiner Vaterstadt Denver auf eigene Kosten ein prachtvolles Theater errichten lassen. Maler hatte in einem Medaillon des Bühnenvorhangs das Portrait von Shakespeare angebracht.„Wer ist das?“ fragte Mr. Tabor den Maler.—„Das ist Shakespeare", war die Antwort.—„So, den kenne ich nicht. Wer war er denn? was hat er denn gemacht?"—„Er... er... hat Stücke geschrieben... er war ein Dichter," war die verblüffte Antwort.—„So! na und was hat er denn für Denver gethan, daßer hierher kommt?" war die weitere Frage, auf die der Maler wahrheitsgetreu antworten mußte, daß Shakespeare allerdings für Denver nichts gethan habe, ja nichts habe thun können, da Denver damals noch gar nicht existiert habe.„Na, da sehen Sie also,“ war infolge dessen die Antwort,„wischen Sie ihn nur weg und— wissen Sie was, malen Sie mein Porträt hinein, dann weiß man wenigstens, weshalb!" Und so geschah es und Mr. Tabors Antlitz schmückt nun den Vorhang des Theaters von Denver. * Stilblüten aus deutschen Aufsätzen bei Aufnahmeprüfungen werden der„Deutschen Verkehrszeitung“ von einem Rechnungsrat mitgeteilt. Besonders scheint die Prüfltnge das dankbare Thema„Mohamed und die Araber" angeregt zu haben. Elner, der als Jünger der Handelswissenschaften vorgebildet war, schrieb über den Stifter des Islam: „Mohamed besuchte in seiner Jugend die Handelsschuke zu Mekka. In seiner freien Zeit dachte er dann über die Gründung einer neuen Religion nach.“ Feiner war ein junger Kopf, der das weibliche Element berücksichtigte.„Mohamed,“ so schrieb er,„heiratete eine reiche Witwe und hatte infolge dessen Zeit, über die verschiedenen Religionen nachzudenken." Noch mehr Philosoph aber ist ein dritter, der sich zu folgender Betrachtung erhob:„Mohamed verbot seinen Arabern das Schweinefleisch. Als Ersatz gestattete er ihnen die Bielweiberei, die freilich dem Volke auch keinen großen Segen brachte." * Mit und onne e. Aus Philologenkreisen war unlängst darauf hingewiesen worden, daß die deutsche Sprache zu viel e enthielte. Dazu macht der„Ulk“ jetzt folgende Glossen: Mit lauter e's. Jeden Menschen schreckt es jetzt. Federhelden zetern Weh! Setzer, Leser steh'n entsetzt Wegen jener Menge e, Welche jedes Werk bedecken, Selbst Gelehrte Kenner necken.— Jeder Text steht verhext, Jedes Heftchen e verklext. Wer kennt Reden, denen's fehlt? Wer den Versfex, der's verhehlt? Welche Regeln, welche Lehren Werden jenen Krempel wehren? Schnell ersteh' der edle Retter, Welcher vehement zerschmetter" Jene schlecht verwendete, Mehr denn je verschwendete, Kecke, welsch=vermessene, Besser jetzt vergessene, Streng verfehmte Letter?! Ohne jegliches e. Uns dünkt nur schön und anmutsvoll, Sobald aus Dichtung Wohllaut quoll. Du, Jüngling, so Du bangsam zirpst Nach Bräut'gams=Glück, trag's klangvoll vor. Das ssttsam' Kind, das Du umwirbst, Hält dann mit Lust Dir hin ihr Ohr. Schlägst Du das Wort harmonisch an, Das Glut und Kosung kund thun muß,— Das sittsam' Kind hält huldvoll dann Auch Mund und Wang' Dir hin zum Kuß. Und dann nur noch:„Maid, willst Du mich?“ Sprichst Du zur Jungfrau mild und warm,— Das sittsam' Kind nickt züchtiglich, Schamrot wird's und Du hast's im Arm! * — Bis dahin ging's ja gut und glatt, Und doch zum Abfall kam's noch schmählich. O, Philolog, acht' auf das Blatt: Das Brautpaar ward zum Schluß doch— e'lich! der Stadtverordneten-Bersammlung vom 5. Juni. Als Stellvertreter des Oberbürgermeisters Lindemann eröffnet Herr Beig. Feistel die heutige Sitzung, zu welcher die Herren Stadtverordneten Borgs, Erbslöh, Günther, Lehnemann und Lueg nicht erschienen sind. Zunächst wird debattelos die Weiterführung des dritten Hauptwasserrohres durch die Nord= und Münsterstraße von der Duisburger= bis zur Blücherstraße beschlossen. Die diesbezüglichen Kosten belaufen sich auf 13000 M. Die Beratung des zweiten Gegenstandes der Tagesordnung, die Erneuerung der Grenzmauer an dem früheren Pferdebahndepot nach dem sog. Steuergäßchen, wird auf Anregung der Stadtv. Gehlen und Fusbahn auf eine der nächsten Sitzungen vertagt. Da die Heizvorrichtungen des alten Rathauses nach Aussage des Technikers Wallraf ungenügend und mangelhaft sind, so wird die Aufstellung von Gasheizöfen im Gesamtbetrage von 700 M. in einigen Räumen daselbst ebenfalls genehmigt. Nach dem Referat des Herrn Beig. Feistel ist die Errichtung eines Neubaues für die Sparkasse dringend notwendig geworden. Das Publikum ist infolge des beschränkten Raumes im jetzigen Gebäude gezwungen, zur Erledigung seiner Geschäfte stundenlang auf dem Flure zu warten; augenblicklich bietet sich nun eine günstige Gelegenheit, vom Eisenbahnfiskus ein Grundstück in der Bahnstraße in guter Lage für 12000 M. pro Ar zu erwerben, insgesamt wird dasselbe bei einer Größe von 5 Ar 48 Qnadratmeter 65000 M. kosten. Stadtv. Holl empfiehlt warm diesen Vorschlag in Anbetracht der schlechten Zustände. Die lokalen Verhältnisse seien derart, daß es beinahe ein Skandal genannt werden könnte. Das alte Lagerhaus, wohin man anfangs die Sparkasse zu verlegen gedacht habe, sei wenig hierzu geeignet. Die Stadtverordneten=Versammlung hat nichts dagegen einzuwenden. Hieran schließt sich die Abnahme verschiedener Rechnungen. Die Rheinwerftkasse hatte 92/93 eine Einnahme von 169 217 M. und eine Ausgabe von 123 841 M. zu verzeichnen, mithin blieb ein Bestand von 45 375 M. Die Volksschule wies 92/93 eine Einnahme von 85 929 M. auf, die Ausgabe bezifferte sich auf 648 965 M., der Zuschuß betrug also 563 035 M. Die Kunsthalle schloß mit einer Einnahme von 22447 M. ab, welcher eine Ausgabe von 18593 M. gegenübersteht, so daß ein Bestand von 3854 M. ich ergab. Von dem für Instandsetzung der Erkratherstraße bewilligten Kredit von 3300 M. sind 1185,97 M. erspart worden. Des weiteren stand die Genehmigung der über verschiedene Lagerplätze in dem neuen Rheinhafen abgeschloffenen Pachtverträge und die Ermächtigung der Hafen=Kommission, die verbleibenden Restflächen zu bestimmten Preisen zu vermieten, zur Beratung. Herr Beigeordn. Marx hob in längerer Rede hervor, es ei zur Thatsache geworden, daß sich in allen Teilen des Hafengebietes Plätze vermieten ließen, bei aller Verschiedenheit der Plätze nach ihrer Lage seien dieselben geeignet, Anlagen jeglicher Art aufzunehmen. Der Preis der Plätze beträgt mit einigen Ausnahmen(z. B. gleich hinter der Quaimauer) 0,80—1,50 M. pro Om. Dieser Preis sei ein angemessener hinsichtlich der Pacht, welche der Eisenbahnfiskus erhebe. Je intensiver die Ausnutzung des vorhandenen Raumes sei, desto vollkommener würde der Zweck des Hasens erreicht, auf die Größe des gepachteten Terrains komme es dabei für die Pächter hinsichtlich des Ertrages nicht an. Im ganzen sind 19 Pachtverträge eingegangen, mit 7 Interessenten schweben noch Verhandlungen. Bislang sind 6 Hektar mit 80 000 M. vermietet, 12 Hektar sind noch zu vermieten. Wenn alles ermietet sei, würden an Pacht allein 210000 M. eingehen, damit wären 6 Millionen zu 3½ pCt. verzinst. Die Zinsen für die übrigen 4 Millionen Mark könnten zur Genüge aus den Gebühren, welche man für Benutzung der Krahnen, des Lagerhauses und des Rheinwerft erhebe, gedeckt werden. Anfangs würde man allerdings noch erhebliche Zuchüsse zu leisten haben, bei der weiteren Vermietung der Plätze und der Entwickelung des Betriebes würden sich jedoch die Zuschüsse immer meyhr vermindern und ganz unerheblich sein. Der Herr Oberbürgermeister habe ja des öfteren darauf hingewiesen, daß ein Fonds für Zuvorhanden sei. Die bewilligten Mittel würden zur Bollendung der Hafenanlagen ausreichen. Deshalb möchten die Bürger der Stadt Vertrauen fassen und den bisher teilweise eingenommenen Standpunkt, mit Mißtrauen der Angelegenheit gegenüberzustehen, endgültig fahren lassen. Der größte Teil des Hafens würde noch in diesem Sommer resp. Herbste benutzt werden können. Zum nächsten Frühjahr würde dann der Zollbetrieb nach dem neuen Hafen überführt werden. Er sei überzeugt, daß nach Bollendung des Hafenbaues sich mancher Mißmut und manche Unzufriedenheit heben werde. Die Stadtverordneten=Versammlung genehmigte die bisherigen Verpachtungen und ermächtigte die Werft= und Hafenkommission sodann bis auf weiteres Lagerplätze im neuen Rheinhafen unter den geneh migten Bedingungen und zu nachstehenden Preisen zu verpachten: a. die Plätze hinter der Quaimauer in einer Tiefe von 15 Meter zum Preise von 5 Mark pro Quadrat=Meter und Jahr, b. die übrigen Plätze hinter der Quaimauer, sowie die Plätze hinter der schrägen Böschung im großen Bassin und un Petroleumhafen zum Preise von 1.50 Mark pro QuadratMeter und Jahr, c. die Plätze hinter den Stirnseiten der beiden hinteren Becken zu 80 Pfg. pro Quadrat=Meter und Jahr, d. alle übrigen Plätze zum Preise von 1 M. pro QuadratMeter und Jahr. Ferner wurde an der Grenzmaner zwischen dem städtischen Grundstück an der Flora und dem Grundstück Bilkerallee Nr. 342(Adolf Kohnen) für 165 M. das Miteigentumsrecht zu erwerben, sowie ein stäbtisches Grundstück an der Rethelstraße an Herrn Dekorationsmaler W. Nobis für 60 M. pro Jahr zu verpachten beschlossen. Gegen die Aufstellung von Telegraphenstangen auf der Ulmenstraße und dem anstoßenden Kommunalwege wurde kein Widerspruch erhoben. Auch der Ankauf eines Grundstückes an der Ecke Kölner=, Klosterund Worringerstraße vom Eisenbahnsiskus zum Bau einer Brause=Badeanstalt für 30000 M. wurde debattelos genehmigt. Die Uebergabe des Grundstücks wird am 1. Oktober erfolgen. Nachdem dann noch die Einwilligung zum Erwerb einiger Grundstücksabsplisse vom Eisenbahnfiskus zur Offenlegung des Mühlenweges erteilt war, wurde die öffentliche Sitzung um 7 Uhr geschlossen. Neuß, 6. Juni.(Telegr.) Weizen, 1. Qual. kleiner 13,90, 1. Qual. engl. Aussaat 13,40, 2. Qnal. 12,90. Roggen, 1. O. 11,30, 2. Qual. 10,30. Hafer 15,00. Raps 1. Qual. 00,00, 2° Qual. 00,00. Aveel(Rübsen) 00,00, Kartosseln 4,00 per 100 Ko. Heu 50,—. Roggenstroh 21,00, Weizenstroh 00,00 per 500 Ko. Rüböl per 100 Ko. 44,00, Rilböl faßweise 45,50, Preßkuchen, 1000 Ko. 98,00. Kleien per 50 Kilo. 4,40 Köln, 5. Juni. Weizen ohne Sack die 100 Kllo vorrätig hiesiger M. 14,50—15,00 B., fremder 14,00—16,00 B. Roggen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig hiesiger M 12,00—13,00 B., freinder 13,00—14,00 B. Hafer ohne Sack die 100 Kilo hiesiger M. 14,50 B., fremder 14,00—15,50 B. Landmarkt. Keine Zusuhr. Heu M. 8,00—10,00, Roggenstroh 4,50, Weizenstroh 4,00 die 100 Kil. Köln, 5. Juni. Schlachtviehmarkt. Aufgetrieben: 450 Ochsen, verkauft 1. Sorte zu M. 72, 2. Sorte 68, 3. Sorte 62; 410 Kühe und Rinder, verkauft 1. Sorte zu M. 64, 2. 60, 3. 55; 40 Stiere, verkauft 1. Sorte zu M. 60, 2. 56, 3. 52; 500 Schweine, verkauft 1. Sorte zu M. 56, 2. 54, 3. 52 die 50 Kil. Schlachtgewicht. Geschäft ziemlich; Markt langsam geräumt. Dinslaken, 5. Juni. Amtlicher Marktbericht. Zugetrieben waren zum diesmaligen Markte 800 Stück Großvieh, 1 Fohlen und 725 Schweine. Der Handel war lebhaft, es wurden für Ia Milchvieh hohe Preise erzielt, doch auch geringe Ware bei weniger Nachfrage gut bezahlt. Fette Schweine gingen für 50—51 Mark pro Centner Schlachtgewicht, Sangschweine für 3,50—4 Mark, Faselschweine für 2,50 bis 3 M. pro Alterswoche vom Markte. Nächster Markt am 19. Juni. Düsseldorf, 6. Juni. Rheinst. 2,37— 0,10. Wind S Therm.+ 14. Barom. 27—10. Manuh., 5. Juni. 4,25— 0,06 Mainz, 5. Juni. 1,54— 0,04 Bingen, 5. Juni. 2,06—0,04 Caub, 5. Juni. 2,33— 0,07 Coblenz, 5. Juni. 2,50— 0,08 Trier, 5. Juni. 0,65+ 0,18 Köln, 5. Juni. 2,52— 0,09 0,06 Köln, 5. Juni. 2,52 art, 5. Juni. 2,00Ruhrort, Kasernenstr. 4 G.K6, Sternefeld'sches Haus. Sternefeld’sches Haus. Betten und Bettwaaren in grösster Auswahl. Braut-Ausstattungen, Einrichtungen für Hotels und Pensionen etc. Rosshaare, Rosshaar-Matratzen, Springfeder-Rahmen, Seegras, Seegras-Matratzen, Matratzen-Drelle, Barchent, Daunen-Köper, Siamosen. 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Behörden Düsseldorf's, als auch Privaten von hier, Herrn Bauunternehmer und Architekt Eitel, Eafé Central, Konditorei und Café Dierdorf, Esser, Stadtbrückchen und hunderte andere. Clemens Schön, geprüfter Kammerjäger, Bahnstr. 10. Bestellungen und Anfragen schriftlich. 603 Civilstand der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. Geborene. Den 31. Mat. Franz, S. d. Tagel. Jak. Schmitz, Dreieckstr. Den 1. Juni. Paul Gust, S. d. Maur. Hilarius Thron, Martinstr. Den 4. Elis. Antonie, T. d. Fabrikarb. Jak. Pinn, Ulmenstr. Den 1. Maria Theresia, T. d. Commis Lambert Kochs, Corneliusstr. Den 3. Paul Georg Wilh., S. d. Lademeisters August Pürschel, Derendorferstr. Den 31. Mai. Otto Felix, S. d. Lackirers Adolf Losse, Ellerstr. Den 2. Juni. Martha, T. d. Tagel. Wilh. Liedtke, Kirchstr. Den 3. Joh. Ludw., S. d. Tagel. Joh. Hönges, Flingerstr. Den 1. Jos. Maria, S. d. Kfm. Jos. Goertz, Neußerstr. Den 2. Matth. Jak., S. d. Handelsm. Jak. Mühlens, Oberbilker Allee. Den 4. Wilh. Jos., S. d. 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Düsseld Pfg., isseldorfer Volksblatt. Wechsel-Formulare sind vorrätig und zu haben in der Expedition dieses Blattes Bastionsstraße 14. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am heutigen Tage, vormittags 11 Uhr, meine liebe Frau Mathilde Hoffmann, geb. Pitzler, im Alter von 63 Jahren, nach langem, schwerem, mit Ergebung getragenem Leiden, mehrmals gestärkt mit den hl. Sterbesakramenten der röm.kath. Kirche, zu sich in die Ewigkeit abzuberufen, was ich Verwandten und Bekannten tiefbetrübt hierdurch anzeige. Um stille Teilnahme bittet Der trauernde Gatte: Caspar Hoffmann Düsseldorf, den 5. Juni 1894. 6 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Juni d. J., nachmittags 5 Uhr, vom Sterbehause Hunsrückenstrasse 45 aus statt; die feierl. Exequien werden an demselben Tage, morgens 9½ Uhr in der Pfarrkirche zum hl. Andreas gehalten, wozu Verwandte und Bekannte, welchen aus Versehen keine besondere Einladung zugegangen sein sollte, freundlichst eingeladen sind. Katholischer Bürger-Verein„Erholung“. Die hl. Seelenmesse für unser verstorbenes Mitglied Karl Joh. Kaufmann findet am Donnerstag, den 7. Juni, morgens 8 Uhr, in der St. Marien=Kirche, Kaiser Wilhelmstraße, statt. Vorstand. Bekanntmachung. In unser Firmen=Register wurde heute unter Nr. 3116, woselbst vermerki steht, die Firma„Martin Feiter“ hierselbst, folgendes eingetragen. „Das Handels=Geschäft ist, nachdem der seitherige Inhaber Kaufmann Martin Feiter am 19. Oktober 1892 gestorben, ducch Vertrag zwischen dessen Ehefrau und Erben mit dem 1. Mat 1894 auf den Kaufmann Friedrich Holtschneider zu Düsseldorf übergegangen, welcher dasselbe unter der Firma„Friedrich Holtschneider vorm. Martin Feiter“ fortsetzt“ Diese Firma wurde heute unter Nr. 3402 des Firmen=Registers eingetragen. Düsseldorf, den 2. Juni 1894. Königl. Amtsgericht. Bekanntmachung. Unter Nr. 3401 unseres FirmenRegisters wurde heute eingetragen die Firma„Emil Woker" mit dem Sitze in Düsseldorf und als deren Inhaber der Architekt Emil Woker hierselbst. Düsseldorf, den 2. Juni 1894. Königl. Amtsgericht. Bekanntmachung. In unser Prokuren= Register wurde heute unter Nr. 1118 eingetragen die von der Aktien=Gesellschaft in Firma„DeutschAmerikanische Petroleum=Gesellschaft mit dem Sitze der Hauptniederlassung in Bremen und einer Zweigniederlassung in Düsseldorf den Kaufleuten AdolphBrunckow u. Wilhelm Heinrich Christoph Marquardt in Hamburg sowie Gustav Albrecht Schütte und Carl Conrad Wilhelm Blome in Bremen in der Weise erteilte Kollektiv-Prokura, daß je zwei derselben zusammen die Firma zeichnen. Düsseldorf, den 2. Juni 1894. Königl. Amtsgericht. Bekanntmachung. In unser Gesellschafts=Register wurde heute unter Nr. 1722 eingetragen die Kommandit= Gesellschaft in Firma„Gebr. Eckstein“ mit dem Sitze in Düsseldorf. Persönlich haftende Gesellschafter sind: 1. Emil Eckstein, Maler in Düsseldorf, 2. Christian Eckstein, Lithograph in Düsseldorf, 3. Max Eckstein, Kaufmann, z. Zt. in Annen bei Dortmund wohnend, welcher jedoch im Laufe dieses dorf verlegen wird. Jeder derselben ist zur Vertretung der Gesellschaft berechtigt. Der Gesellschaft, welche am 1. Juni 1894 begonnen hat, gehört ein Kommanditist an. Düsseldorf, den 2. Juni 1894. Königl. Amtsgericht. Wädchen v. Lande sucht Stelleaufs Land, Acker=, Arbeitsknechte, Hausburschen, Schweizer, Kutscher s. sof. Stelle. Beckers Bur.Neustr.44. Ein kath. properes 666 Dienstmädchen, nicht unter 18 Jahren, welches auch etwas nähen kann, gesucht. Offerten unter N. A. 745 die Expedition dieses Blattes. an Junges Mädchen, th., nicht unter 16 Jahren, für nachttags zu einem Kinde gesucht. Näh. Wehrhahn 46, 1. Etage, rmittags. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, Montag Morgen unseren innigstgeliebten Vater, Großvater u. Schwiegervater, Schwager und Onkel, den wohlachtbaren Herrn Johann im Alter von 78 Jahren, nach langem Leiden, gestärkt durch die Heilsmittel der römisch-katholischen Kirche, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen." Wittlaer(Froschenteich), Rheinheim und Rahm, den 4. Juni 1894. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. Juni, morgens 9 Uhr, vom Sterbehause Wittlaer(Froschenteich) aus statt und gleich darauf die feierlichen Exe quien in der Pfarrkirche zu Wittlaer. Verwandten und Bekannten, denen aus Versehen keine besondere Einladung zugegangen sein sollte, werden hierdurch freundlichst eingeladen. I Dem Gebieter über Leben und Tod hat es gefallen, heute Morgen 7 Uhr mein liebes Töchterchen Helene, im zarten Alter von 3 Jahren, infolge einer Lungenentzündung, zu sich zu nehmen. Um stilles Beileid bittet Konrad Hilden. Wandershof bei Grafenberg, den 5. Juni 1894. 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Juni er., nachmittags 4 Uhr, in der Wirtschaft von Peter Büssen zu Bockum, die zur Teilungsmasse gehörigen, in den Gemeinden Bockum und Wittlaer, Bürgermeisterei Kaiserswerth, Landkreis Düsseldorf und Nierst, Bürgermeisterei Lank, Landkreis Crefeld gelegenen und wie folgt katastrierten Immobilien, in den nachstehenden Abteilungen, unter Zugrundelegung der dabei angegebenen Taxen bei brennendem Lichte öffentlich versteigern und bei erreichter Taxe definitiv zuschlagen als: A. Gemeinde Bockum, Art. 219 u. 56. 1. Abteilung: Flur 2, Nr 55%, p. p., Dörgelsberg, Hofraum und Hausgarten, 17 Are, nebst aufstehendem Wohnhause, bezw. mit Nr. 42, Stallung, Scheune und Backhaus, begrenzt von Joseph Kremer, und Schulfondsland, taxiert zu...... M.2700,00. 2. Abteilung: Flur 2, Nr. 31, Hafenköttel, Acker, 26 Are 04 Mtr., begrenzt von Gebrüdern Steuten und Heesen, taxiert zu..... M. 450 3. Abteilung: Flur 2, Nr. 80, unterm Viehberg, Acker, 14 Are 79 Mtr., begrenzt von Grafen von Spee und Heinrich Hümbs, taxiert zu..... M. 400,00 4. Abteilung: Flur 3, Nr. 239, Kiewitten, Acker, 21 Are, 06 Mtr., begrenzt von Haniel und Peter Holzschneider, taxiert zu.... M. 180,00. 5. Abteilung: Flur 2, Nr. 78, unterm Viehberg, Acker, 13 Are 76 Mtr., begrenzt von Heesen, Grafen von Spee, einem Wege und Haniel, taxiert zu.. M. 400,00. 6. Abteilung: Flur 3, Nr. 280, auf'm Viehberg, Ader, 40 Are 98 Mtr., begrenzt von 3 Wegen, Joseph Brand, Altgassen und I. Franzen, taxiert zu. M. 700,00. 7. Abteilung, umfassend folgende Parzellen in Flur 3: a. Nr. 469, hinter die Sahl, Acker, 5 Are 43 Mtr., Nr. 564, Sahl, Wasserstück, 2 Are 73 Mtr. nnd Nr. 566 am Schmitzdurchgang, Acker, 28 Are 92 Mtr., begrenzt diese Parzellen von Th. Brors und Witwe Rösel, zusammen taxiert zu.. M. 450.00. B. Gemeinde Wittlaer, Art. 28. 8. Abteilung: Flur 1, Nr. 171, an der Schiedskuhl, Acker, 81 Are 05 Mtr. und Nr. 172, daselbst Weide, 14 Are 89 Mtr. vorstehende Parzellen begrenzt von der Pastorat Schmitz, Kirche und Fürst von Hatzfeldt, zusammen taxiert zu......M. 1100,00. C. Gemeinde Nierst, Art. 204. 9. Abteilung: Flur II, Nr 208/168, auf der Spey, Wiese, 2. Klasse 24 Are 44 Mtr. und 3. Klasse 12 Are 23 Mtr., begrenzt von Fr. Karl Fiegen und H. Schrielz, taxiert zu...... M.1350,00. Die Vorakten und das Heft der Verkaufsbedingungen liegen auf der Amtsstube des unterzeichneten Notars zur Einsicht offen. 351 Kaiserswerth, den 22. Mai 1894. Burghartz, Notar. Weine, eig nes Wachstun 4 Klosterstrasse Düsseldorf. Düsseldorf. Ausschank: Restaurant„Jägerhof“ Jägerhofstr. 12. Weingut: Bingen am Rhein. Vertreter gesucht für Düsseldorf und Umgegend. Aktien-Gesellschaft, Breitestrasse 7. An- und Verkauf von Wertpapieren zu günstigsten Bedingungen. Konsols und Reichsanleihe sind stets vorrätig. 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Donnerstag, den 7. Juni 1894: Gastspiel des Waldhorn=Quartetts der Königl. Kammermusiker, der Herren: Richter, Klöpfel, Ehrhardt und Unger, unter Mitwirkung des PistonVirtuosen Königl Kammermusikers Herrn Rammelt aus Hannover: KONZIRT des Städt. Orchesters, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn R. Zerbe. PROGRAMM 1. R. Zerve: Kaiser WilhelmMarsch. 2. Hektor Berlioz: Ouverture„Die Vehmrichter". 3. a) P. Mascagny: Intermezzo aus der Oper„Freund Fritz". b) Joachim Raff: Cavatine. 4. Kempter: Jagdstücke für Waldhörner, I. Ständchen, II. Morgenruf. 5. Franz Liszt: Zweite Polonaise(E dur) 6. Th. Hoch: Große Phantasie für Cornet à piston.— Pause.— 7. E. Lassen: Fest=Ouverture. 8. R. Unger: Liederperlen(Waldhornquartett). 9. Joh. Strauß: Klänge aus dem Ortent" Walzer. 10. John Hartmann:„Arbucklenian". Konzertpolka für Piston. 11. A. Schreiner: Phantasie aus I. Verdi's Oper„La Traviata". Anfang 7½ Uhr. Eintrittspreis M. 0,60. Zehnkarten à 4 M. und JahresAbonnement an der Kasse. Zoologischer Garten, Düsseldorf. Täglich Vorstellungen der Mittwoch, den 6. Inni 1894, nachmittags 3½ Uhr: Konzert. Floragarten. Donnerstag, 7. Inni 1894, abends 8 Uhr: Grosses Militär-Konzert. Verlegte meine Wohnung nach Ecke der Acker- und Hermannstrasse, gegenüber der Apotheke. Dr. med. J. Meller, prakt. Arzt etc., früher langjähriger Assistenzarzt am Städtischen Krankenhause in Wiesbaden. 501 Nach längerer Thätigkeit an der Martin’schen Frauenklinik zu Berlin und am St. Josephs-Hospital zu Elberfeld habe ich mich in Düsseldorf-Bilk als prakt. Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer niedergelassen. Sprechst.: 8—10, 12—1, 3—5 Uhr. Sonntags nur vormittags. Dr. med. LudwigRausch, Benzenbergstrasse, Bilker Allee-Ecke, hinter der neuen Kirche. 635 Wein-Handlung Aug. Ford. Ising, 51 Hohestrasse 51, Garantiert reine Portweine, Sherry Madeira, Malaya, Tokayer, griech. u. italien. Weine, Bordeaux, Rhein- u. Moselweine in billiger Preislage. Deutschen u. französischen Champagner. Direkter Bezug. 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Oesterreichisch Polen oder Galizien zählt gegenwärtig 7 Millionen Einwohner, darunter 3 Millionen katholische Polen, 3 Millionen katholische Ruthenen, etwa 100000 Schismatiker und Protestanten und nahezu 1 Million Juden. Die Bistümer Tarnow und Przemysl unterstehen dem Erzbistum Lemberg und bilden mit diesem eine kirchliche Provinz; das Bistum Krakau untersteht unmittelbar dem hl. Stuhle. Außerdem giebt es noch drei griechisch=ruthenische Bischofssitze in Stanislaw, Przemysl und Lemberg, die ebenfalls eine dem ruthenischen Erzbischof von Lemberg unterstehende kirchliche Provinz bilden. Die Katholiken beider Riten erfreuen sich in Galizien einer gewissen Freiheit, denn die Bischöfe, Chorherren und selbst die Rektoren und Professoren der geistlichen Seminarien werden vom Kaiser ernannt; in der Regel zwar verständigt sich die Regierung betreffs solcher Ernennungen vorher mit dem hl. Stuhle. Die Kirchengüter werden unter der Vormundschaft der Regierung verwaltet. Es ist diese Einrichtung noch ein Ueberrest des Josephinismus, der glücklicherweise allmählich verschwindet; so wurde im Jahre 1850 das Placetum regium aufgehoben, welches den kirchlichen Behörden den direkten Verkehr mit Rom untersagte. Seit dieser Zeit dürfen auch die religiösen Orden direkt mit ihren Generaloberen verkehren. Die Orden sind fast alle von der Regierung gutgeheißen und können neue Niederlassungen gründen. Die Heranbildung des Klerus ist vollständig in den Händen der Bischöfe, aber die Verwaltung aller kirchlichen Anstalten erfolgt durch die Regierung, welche die Kosten aus den Zinsen der beschlagnahmten Kirchenfonds und aus den dem Klerus auferlegten Taxen bestreitet. Der römisch-katholische Säkularklerus besteht aus 2000 Priestern, der griechisch-katholische aus 2500. Die Einkünfte des Pfarrklerus sind sehr bescheiden; die Kapläne bekommen jährlich 300 bis 400 Gulden, die Pfarrer 500 bis 1000 Gulden. Auf 2000 Gläubige kommt 1 Priester. Die Beziehungen zwischen dem Klerus und dem Staate sind ziemlich gut, wozu auch viel beiträgt, daß die Beamten in Galizien fast durchgängig Polen und gute Katholiken oder Söhne von ruthenischen Priestern sind. Seit 30 Jahren erfreut sich Galizien, gleich den übrigen Provinzen der österreichischen Krone, einer vollständigen Autonomie. Es hat seinen eigenen Landtag, seine Provinzial= und Bezirksausschüsse, seinen Schulrat in Lemberg, und außerdem ist die Preß= und Redefreiheit sowie das Vereinigungsrecht gewährleistet. Freilich bringt diese Autonomie auch ihre schwere Lasten mit sich, so zwar, daß die Provinzialsteuern von Galizien 41 Prozent der Gesamtsteuern des Reiches ausmachen. Krakau, die ehemalige Hauptstadt und Residenz der Polenkönige, besitzt eine polnische Akademie der Wissenschaften, deren Rektor Graf Tarnowski und Sekretär Professor Smolka zwei ausgezeichnete Katholiken sind. Die Universität wird von 1000 Studenten besucht, und die Professoren sind ebenfalls zum größten Teil gute Katholiken. Galizien besitzt etwa 50 Gymnasien und Mittelschulen und etwa 3000 Volksschulen. Die Presse ist mit Ausnahme des einen oder des anderen Blattes gemäßigt und respektvoll gegen die Religion. Die ruthenische Presse, die sich nach den drei sich beständig bekämpfenden ruthenischen Parteien: der nationalen Regierungspartei, der Partei von Ukraine und der slavenfreundlichen Partei, in drei feindliche Lager spaltet, ist im allgemeinen der Kirche nicht günstig gesinnt. Das religiöse und geistige Leben in Galizien hat in den 30 Jahren, seit die Polen ihre Selbständigkeit erlangten, einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die Einwohner Galiziens sind gute Katholiken, und wenn man im Jahre 1848 ernste Unruhen zu beklagen hatte, so war das hauptsächlich die Schuld der absoluten Regierung, die durch ihre Systeme divide et impera den Kampf zwischen Polen und Ruthenen entfacht hatte, um sie alle beide zu schwächen. Inzwischen fangen diese Kämpfe zu verschwinden an, und der ruthentische Episkopat ist im Einvernehmen mit der Regierung bestrebt, die Einigkeit zwischen den beiden Völkern wiederherzustellen. Der polnische Adel wird von Jahr zu Jahr schwächer. Zu den wenigen alten Familien, die ihren Besitz zu erhalten verstanden, gehören die Potocki, Lukomirski, Czartoryski, Tarnowski und Zamoyski; neben diesen giebt es noch etwa 100 adelige Familien, die sich eines gewissen Wohlstandes erfreuen, aber weitaus der größte Teil des Adels ist verarmt und herabgekommen. Ein Bürgerstand existiert in Galizien nicht, oder er wird vielmehr von den in der Provinz zerstreuten Iuden gebildet. Wohin man kommt, trifft man den Juden an. In Krakau sind von 75000 Einwohnern 30000 Juden, in Lemberg von 100000 Einwohnern 35000 Juden. In Tarnow, Tarnopolis, Przemysl und anderen Städten bil den sie die Majorität der Einwohnerschaft, und einige Städte wie Brody und Christinopel sind nur von Juden bewohnt. Die Juden haben sich des Handels, der Industrie, der Bank bemächtigt und beherrschen durch ihr Geld die Bevölkerung. Die kleine Anzahl polnischer Bürger, verarmt und ausgesogen von den Juden, besteht aus ehrlichen, fleißigen und frommen Handwerkern. Das Volk arbeitet, und die Anarchie kann bei ihm nicht Wurzel fassen. Die Emissäre von London, Berlin und Genf haben vergeblich versucht, den Socialismus in Galizien einzupflanzen; in Krakau, Sandey und Lemberg existieren zwar einige socialistische Gesellschaften, aber sie können sich, dank dem Einflusse des Klerus und dem Glauben des Volkes, nicht entwickeln. Der polnische und ruthenische Bauer lebt äußerst genügsam; er fertigt sich selbst seine Kleider an, und begnügt sich mit einer ziemlich primitiven Wohnung. Die Regierung ist bestrebt, den Bauern durch Volksschulen, Vereine, Lesezimmern und Asyle auf eine höhere Kulturstufe zu erheben, und hat auf diesem Gebiete schon erfreuliche Erfolge erzielt. Die Finanzlage Galiziens ist ungünstig, denn die österreichischen Regierungen von 1773 bis 1866 haben nichts gethan für diese Provinz, die sie durch Deutsche oder Tschechen regieren ließen. Erst seit 30 Jahren beginnt das Volk sich zu heben, aber einstweilen gehen die Fortschritte noch recht langsam vor sich. § Achtung! der rote Hausierer kommt! „Wie fangen wir die Bauern?" Diese Frage macht den roten Weltverbesserer noch immer viel Kopfzerbrechen. Bei jeder Gelegenheit reden sie von dem„Feldzug auf das Land"; allein zu ihrem Aerger müssen sie selbst zugestehen, daß sie bei dem katholischen Landvolke bisher wenig oder gar nichts ausgerichtet haben. Der Bauersmann liest wohl mal die Flugblätter, die mitunter von unbekannten Leuten im Dorfe verteilt werden und die von Mitleid mit dem„hartgeplagten Landmanne" triefen; allein er merkt auch den roten Pferdefuß und macht zu den schönen Redensarten ein ungläubiges Gesicht. Da haben denn die Weltbeglücker in jüngster Zeit ein neues Mittel ausgeklügelt, um den Bauer„aufzuklären." Ein„Genosse", welcher sich bei der letzten Reichstagswahl als Kandidat hatte aufstellen lassen, aber elendig durchgefallen war, verschwand bald darauf mehrere Monate lang.„Er ist in die Fremde gegangen, um sich Arbeit zu suchen", so hieß es. Andere wollten es besser wissen und sagten:„er ist nach Berlin und Leipzig, wird dort auf Kosten der Partei im Papier= und Buchhandel ausgebildet". Einerlei, wer Recht hatte; thatsächlich kam der Reichstagskandidat nach mehreren Monaten zurück und suchte sofort einen Gewerbeschein zum Hausieren mit Papier und Druckschriften nach. Offenbar haben wir es hier mit einem neuen Versuche sozialdemokratischer Landagitation zu thun und sicherlich nicht mit einem ganz ungeschickten; derselbe verdient vielmehr alle Beachtung. Denn daß der Hausierer nicht Marienkalender noch Handpostillen oder Heiligenlegenden kolportieren wird, dürfte doch wohl klar sein. Auch wird derselbe wohl recht vorsichtig zu Werke gehen, um vor der Hand bei dem gläubigen Landvolke nicht anzustoßen. Erst ird er das Terrain studieren. Zu diesem Zwecke bietet er ganz unverdächtige Sachen an: Schreibpapier, Briefbogen, Kouverts ec., natürlich viel billiger als es im Dorfe zu haben ist. Warum soll man sich also nicht mit ihm einlassen und ihm eine„Kleinigkeit" abkaufen? Dabei kann er ja immerhin ein Wort fallen lassen über schlechte Zeiten, und daß es auch noch nicht so bald besser werden wird. Denn die Leute,„welche es gut mit einem armen Manne meinen, sind in den Städten zwar zahlreich, aber auf dem Lande ist man noch weit zurück". Allenfalls kann man das Papier ja„rot" einwickeln, entweder in ein Flugblatt oder in eine sozialdemokratische Zeitung und so im Vorübergehen mit einem Worte darauf aufmerksam machen. Am Ende liest es der„fürwitzige" Bauer doch, wenn der Hausierer fort ist. Dieser kommt bald und besucht seine„Kundschaft" wieder. Natürlich hat er„für den Winter" auch etwas zum Lesen;„Volksschriften" von Leuten, die wissen, wo den armen Mann der Schuh drückt. Da ist: Der wahre Jakob, Die zehn Gebote, Die Geschichte der Kommune, Die hl. Inquisition, Der neue Weltkalender usw. Billig sind die Sachen, nur ein Paar Pfennige kosten sie: Aber dem Pastor dürft ihr sie nicht zeigen; denn die Herren haben nicht gern, daß die Bauern zu klug werden," so spricht der Hausierer und freundlich lächelnd verabschiedet er sich„bis über einen Monat". Kommt er dann wieder, so merkt er bald, wie es aussieht, ob er noch mehr„Volksschriften" absetzen wird oder ob der Bauer noch„zu große Hörner" hat und für die Aufklärung noch nicht reif ist. Nötigenfalls greift er etwas tiefer in seinen Kasten. Dort liegen noch„extrafeine" Sachen; selbstverständlich überläßt der Hausierer diese nicht jedem, wie er versichert; nur aus Gefälligkeit will er sie ablassen; dafür hält er sich aber auch ausdrücklich aus, daß der„Pastor nichts davon gewahr werde". Da kommen denn zum Vorscheine: der Pfaffenspiegel, die Bibel Papst Alexander VI. und wie die verlogenen Schund= und Schandbroschüren alle heißen mögen. In einem anderen Hause liest man gern Romane, Räuber= oder Liebesgeschichtchen Auch solchem Bedürfnisse kann der rote Hausierer genügen. Allerdings wimmeln die Romane von unzüchtigen Dingen, von Spott und Hohn gegen Glaube und Religion, von wüsten Gotteslästerungen. Allein sie sind doch„spannend" geschrieben, vielleicht gar „einer wahren Begebenheit" nacherzählt, wie oben drüber steht. Angesichts dieser neuen Art von Bauernfängerei sei Allen, die es angeht, und besonders dem katholischen Landvolke zugerufen:„Aufgepaßt auf den roten Hausierer"! Wenn er sich irgendwo zeigt, laß dich nicht mit ihm ein! Will er schlau sein, so beweise ihm, daß du auch nicht von Stroh bist. Und kommst du zu deinem Nachbarn, so mach' auch dem klar, weß Geistes Kind der katzenfreundliche Mann aus der Stadt ist! Kannst du ihn nicht los werden, so gibt's dafür ein einfaches Mittel: verbiete ihm ein= für alle Male den Eintritt in dein Haus: Dann aber noch zwei gutgemeinte Rat schläge zum Schlusse: 1. Kauf' dein Papier in einem reellen Geschäfte! Hast du größeren Bedarf, magst du es dir gelegentlich aus der Stadt mitbringen. Sonst aber kauf's in deinem Dorfe! Warum klagt auf dem Lande oft alles über schlechte Zeiten und Geschäfte? Weil alles in die Stadt geht und dort beim Juden oder im Ramschgeschäfte billig und schlecht kauft. Auch im Dorfe gilt das Sprichwort:„Eine Hand muß die andere waschen." 2. Willst du Bücher haben, gute Bücher, so wende dich durch den Pfarrgeistlichen an den Borromäus=Verein. Dort bist du nicht bloß sicher, gute Büicher zu bekommen; du erhältst sie auch billig. Denn der Borromäus=Verein liefert sämtliche in seinem Verzeichnisse aufgeführten Bücher um ein ganzes Drittej billiger als der Ladenpreis ist. Provinzielles. * Essen, 4. Juni. Heute fand das 25jährige Dienstjubiläum des Direktors der Taubstummenschule, Ochs, unter großer Beteiligung im Anstaltsgebäude statt. Glückwünsche sandten die Direktoren der Provinzialanstalten und der Landesdirektor Dr. Klein. Der Jubilar war früher in Köln und ist seit 14 Jahren hier erfolgreich thätig. * Köln, 3. Juni. Endlich scheint auch in die Raubmordaffaire Licht zu kommen, welche gerade vor einem Jahre am Fronleichnamstage die Bürgerschaft Kölns in Aufregung versetzte. An jenem Tage wurde Fräulein Anna Müller, die Schwester des Kaplaus Müller, als dieser der Prozession beiwohnte, in ihrer Wohnung am Gereonsdriesch Nr. 6 von einem robusten Menschen überfallen, beraubt und durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Der Verbrecher entkam und die eifrigsten Nachforschungen der Kriminalpolizei und selbst die vom Staatsanwalt ausgesetzte Belohnung von 300 Mark vermochten nicht, die Spur des Thäters zu entdecken. Da das Signalement des jüngst in Crefeld verhafteten Verbrechers Gerhard Schnock, der sich bei seiner Festnahme zu töten versuchte, der Beschreibung des Raubmörders vom Gereonsdriesch ziemlich ähnlich ist, hat sich das 4. hiesige Kriminalburean die Photographie des Schnock beschafft und diese der Fräulein Müller, die inzwischen wieder genesen ist, vorgezeigt. Diese bezeichnete mit ziemlicher Bestimmtheit das Bild als dasjenige des Mannes, der den Raubmordversuch gegen sie verübt hat. Auch die übrigen in der Angelegenheit vernommenen Zeugen bestätigen den Verdacht und erkennen in dem Bilde den Verbrecher an. Die Köchin des Pastors von Maria im Kapitol, wo der Raubmörder auch Einlaß begehrte, sagte auf den ersten Blick auf die Photographie, dies sei der betreffende Mann. Schuock wird, sobald sich sein Zustand wieder gebessert hat, behufs Konfrontation nach Köln geschafft werden. * Aachen, 4. Juni. Eine Aachener Zuschrift der„Köln. Ztg." entrüstet sich gewaltig über die Mitteilung eines„ultramontanen Blattes", nämlich des„Echo der Gegenw.", wonach die Einladung an die Aachener Lehrer, an der Fronlelchnamsprozession teilzunehmen, von dem königl. Kreisschulinspektor ausgegangen ist. Dem Verfasser der Zuschrift scheint bereits der„umgekehrte Kulturkampf“ zu beginnen. Während der Ultramontanismus noch die Rolle des verfolgten Lammes spiele, habe er in Wirklichkeit an vielen Orten unserer westlichen Provinzen in Schule und Gemeinde die Zügel an sich gerissen und besetze alle wichtigen Stellen, so daß man sich fast fragen möchte, ob wir denn im Kirchenstaate leben. Es folgt dann einiges Gefasel über das Paritätsverlangen der Katholiken und ein Spezimen des Verständnisses, das der Schreiber von dem Wesen der Fronleichnamsfeier hat, eines Verständnisses, das mit der bekannten Kenntnis katholischer Dinge in der„Köln. Ztg." auf der gleichen niedrigen Stufe steht; vermag er doch in der Verehrung des Heilandes im allerheiligsten Sakramente bei der Fronleichnamsprozession nichts anderes zu erblicken als eine „Vemonstration der römisch katholischen Kirche gegen jede andere Weltanschauung". Zum Schlusse seines nach allen Richtungen hin sich als Jammerartikel charakterisierenden Geschreibsels bezweifelt der Verfasser, ob es angängig sei, daß ein Schulaufsichtsbeamter eines paritätischen Staates eine offizielle Beteiligung der Schule an solcher Kundgebung, nämlich der Fronleichnamsprozession,„vorschreibe". Diese Wendung kennzeichnet sich zunächst, so bemerkt das„Echo d. G.", als eine Verdrehung des Thatbestandes; der Einsender hatte offenbar vergessen, daß er selbst im Eingange seiner Klage von einer„Einladung" an die Lehrer gesprochen hatte. Wenn ihm eine solche gleichbedeutend ist mit„Vorschrift", dann ist das eben seine rein persönliche Ansicht; die katholischen Lehrer Aachens teilen sie jedenfalls nicht. Sollte einer eine Ausnahme bilden, dann wäre er wohl auch identisch mit dem Verfassers des Artikels in der„Köln. Ztg."— falls dieser nicht etwa eigene Arbeit der Redaktion ist. Dann hätte der Verfasser aber auch schon durch seine Auffassung der Fronleichnamsprozession bewiesen, wie weit er noch katholisch ist, und weiterhin bewiese er es dadurch, daß er— nun, sagen wir: unwissend genug ist, den althergebrachten katholischen Gruß„Gelobt sei Jesus Christus" für das„neue Schiboleth des Ultramontanismus" zu halten. Katholische Lehrer werden mit Freuden an der Fronleichnamsprozession teilnehmen und an zahlreichen Orten unseres deutschen Vaterlandes thun sie das seit undenklichen Zeiten in amtlicher Eigenschaft überall da, wo die Schulen in hergebrachter Weise an der Prozession mitwirken. Wer sich als Lehrer innerlich durch diese Teiluahme bedrückt fühlt, thut besser, diesem Gefühle offen Ausdruck zu geben. Katholische Schulgemeinden wüßten dann (*) Die Tyrannis der Socialdemokratie. Die Geschichte der Tyrannis ist ein gutes Stück Weltgeschichte. Man kann an ihr die Entwicklung der Freiheit studieren. Politisch ist die Tyrannis nicht ein Widerspruch der Freiheit, sondern ihre Verneinung für alle mit Ausnahme des einen Tyrannen. Das ist der Begriff des rohesten politischen Absolutismus. Es ist also eigentlich der erste Anfang der Freiheit. Wenigstens einer ist frei im Staate, alle anderen sind unfrei. Dieses Verhältnis ist immer noch besser, als das der Anarchie, wo alle unfrei sind, denn der göttliche Funke der Freiheit lebt oder kann doch wenigstens beim Absolutismus in einem Einzigen leben. Diese Möglichkeit ist vorhanden, ob sie überall Wirklichkeit wird, ist für die Frage an sich gleichgültig. Selbst die Möglichkeit der Freiheit wird in der Weltgeschichte nur durch Verdienste errungen. Wer da weiß, daß in jeder Gewalt, sofern sie sich zu behaupten vermag, auch ein Kern von Recht ruhen muß(denn nur dadurch vermag sie sich zu behaupten), der wird auch dem Absolutismus sein Verdienst nicht absprechen können. Dieses Verdienst ist der sociale Besitz und die politische Gewalt. Er verspricht, uns frei und glücklich zu machen, wenn wir nur erst unsere Habe und unsere Person ihm ausgeliefert und ihm die Macht gegeben haben, zu schalten und walten, wie er will. Das ist der Sirenengesang des Absolutismus. Er wäre die idealste Staatsform, wenn der Tyrann nicht ein Mensch, sondern— Gott wäre. Da das aber nun einmal nicht der Fall ist, so brachte die historische Entwicklung immer ausgedehntere Entfaltungen der Freiheit, indem immer mehr Menschen an ihr teilnehmen wollten. Das Fünkchen wurde zum wärmenden Feuer der Menschheit. Die Möglichkeit der Freiheit wurde für viele, ja für alle eröffnet. Immer mehr Leute erhielten Anteil an dem Besitz und an der politischen Gewalt. Und nun ereignet sich fast mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes ein merkwürdiges Spiel der socialpolitischen Oekonomie. Alle neuen Formen treten zunächst auf unter der Form der Tyrannis Es entsteht die Tyrannis der Parteien. Das alte Lied, das schon vor 6000 Jahren die ägyptischen Priester gesungen haben, ertönt aufs Neue. Die Priester sagten: Wir sind im Besitz der Weisheit, Freiheit und Glückseligkeit. Die Ritter sagten: Wir, die Kriegerkaste, wir sind alles; alle übrigen sind„Kanaille". Der dritte Stand der Neuzeit sagte: Pfaffen und Junker müssen gehängt werden. Es giebt keinen persönlichen Gott. Es giebt nur eine Harmonie der wirtschaftlichen Naturkräfte im Dienste der Menschhen.„Sirbung und Besitz", das ist die Erlösungsformel für alles Uebel. Aber während die Welt noch unter dem Druck der Tyrannis dieser Partei vor dem Götzen der Humanität auf den Knieen liegt, klopft schon ein anderer, ein neuer Tyrann, heiser brüllend, an die Portale der bürgerlichen Weltordnung und ihre granitenen Säulen erzittern unter den Sommationen(Zwangsaufforderungen) des Dynamits. „Es giebt keinen Gott und keine Kirche. Es giebt keinen Adel und keine Ritter. Es giebt keinen Bürger und keinen Besitz.— Esßgiebt nur noch ein abstraktes Individuum, alles andere muß vernichtet werden." Der Proletarier wird der Demiurg der Welt. Eine entsetzlichere, radikalere Tyrannis und Intoleranz ist undenkbar, als die des vierten Standes und insbesondere des darin zur Zeit herrschenden Dogmas des Juden Karl Marx. Demgegenüber ist alles das, was Priester, Ritter und Bürger zusammengenommen, an Intoleranz geleistet haben — Kinderspiel. Der klassische und der orientalische Geist ist nie vom Absolutismus zur wahren Freiheit durchgedrungen; er kann nur Unterdrücker oder Sklave sein. Erst das Christentum brachte der Welt den geläuferten Begriff der Freiheit. Indem es die Tyrannis des Priestertums in sich selbst glorreich überwand und die Kirche die Lehre von den beiden Schwertern, dem geistlichen und weltlichen, verkündete, ebnete sich der Weg zu der modernen Erkenntnis, daß älle drei Stände, obwohl sie gesonderte Interessen haben, dennoch zusammenwirken müssen, ja als Produkte eines historischen Zusammenhangs einer im andern immanent seien. Dies würde noch deut icher hervortreten, wenn der jetzt herrschende dritte Stand nicht, im Besitze der politischen und socialen Macht, diese selbst— wie es übrigens alle Parteien im Besitz der Macht gethan haben— mißbrauchte. Dagegen kennt Marx von der historischen Entwicklung immer nur das letzte Glied und nur die materielle Seite. Der Kern seiner Lehre ist der gevundene(nicht der freie) abstrakte Mensch, der seinen Willen für den der Welt ausgiebt bezw. der Welt aufzwingen will. Sein Kollektivgedanke erdrückt das Individuum. Auf die Gesellschaft lagert sich ein sogenannter allgemeiner und abstrakter Wille als lebendiger Ausdruck der„vergesellschafteten Mensch heit", der nur aus seinem Füllhorn Glück und Segen über die Menschen ausgießt. Da aber dieser„allgemeine Wille“ zur Kundgebung und Vollstreckung seiner Befehle Organe d. h. Menschen gebraucht, so schafft er notwendig einen Zwang, der jede Freiheit schon in der Geburt erwürgt. Die Rollen sind vertauscht. Gott ist gestürzt und an seine Stelle tritt der abstrakte Mensch. Einen schlimmern Mystizismus kann man sich nicht denken. Der vierte Stand brauchte ein Dogma. Dieses hat Marx geliefert. Einst betete man nur zu Gott, jetzt wirft man sich vor jenem Menschentum auf die Knie, das seinen Willen durch den Mund der Diktatur für den einzig richtigen ausgiebt und jeden niederschmettert, der sich aufzulehnen wagt. Und diese radikale Tyrannei sollen wir als Freiheit bewundern? Wie viel besser verstand Broudhon die sociale Aufgabe, wenn er auf die Tollheiten der Revolutionszeit zurückblickend sagt:„Sie redeten von der Freiheit und träumten von nichts als von der Diktatur.“ Und niemand hat die Tyrannis des vierten Standes so trefflich erkannt als derselbe Schriftsteller wenn er ausruft:„Wie! Ihr wollt die Menschen freier, weiser, schöner und stärker machen, und Ihr fordert von ihnen, als Vorbedingung des Glückes, welches Ihr ihnen versprecht, daß sie Euch ihren Körper, ihre Seele, ihre Intelligenz, ihre Traditionen, ihre Güter überlassen, und in Eure Hände ihr ganzes Wesen abschwören? Wer seid Ihr denn, daß Ihr Eure erst seit einer Stunde erlangte Weisheit an die Stelle der ewigen universellen Vernunft setzen wollt?" Er hätte hinzufügen können: Das ist der Lockruf der Tyrannen zu allen Zeiten gewesen und zwar der Tyrannis, die nicht zur Freiheit, sondern zur Knechtschaft führt. * Was ist Amerika? Ein Schweizer Journalist beantwortet diese Frage in folgender knapper Form:„Amerika ist ein Land, mit dem verglichen Europa nur eine kleine Halbinsel ist; die Vereinigten Staaten bedeuten ein Staatswesen, mit dem verglichen die europäischen Reiche als Kleinstaaterei anzusehen sind. Amerika ist das Land der ungemessenen Räume und Dimensionen, das Land des Dollas und der Elektrizität, das Land, wo die Ebenen ausgedehnter, die Flüsse mächtiger, die Wasserfälle tiefer, die Brücken länger, die Blitzzüge schneller, die Katastrophen schauerlicher sind, als in irgend einem anderen Lande der Erde— das Land, wo bei einem einzigen Eisenbahnunfall alle Tage mehr Menschen umkommen, als in ganz Europa in einem vollen Jahre; das Land, wo die Häuser höher, die Spitzbuben zahlreicher, die Reichen reicher, die Armen ärmer, die Millionen größer, die Diebe frecher, die Mörder ungenierter, die Gebildeten seltener; das Land, wo die Zähne falscher, die Korsets enger, die Krankheiten tödtlicher, die Korruption allgemeiner, der Spleen raffinierter, die Verrücktheit systematischer, der Sommer heißer und der Winter kälter, das Feuer wärmer und das Eis gefrorener, die Zeit kostbarer und die Menschen gehetzter sind, als in unserem schäferhaften Europa; das Land, wo die Greise jünger und die Jünglinge greisenhafter, die Mohren schwärzer und die Weißen gelber sind als sonst irgendwo; das Land der unermeßlichen Naturreichtümer und der großartigsten Raubsucht der Menschen. Kurz nnd gut; das Land der außerordentlichen Gegensätze, der fabelhaftesten Extreme, der wahnwitzigsten Ueberhebung, der rücksichtslosesten Dollarjagd und unsinnigsten Erwerbswut, das Land des Kolossalen und Pyramidalen— natürlich nach den Begriffen des Amerikaners. *Winke für Frühlingsdichter. Ein Bostoner Blat“ veröffentlicht Winke für Poeten, die den Frühling besingen wollen. Wir teilen dieselben nachstehend mit, da ihre Befolgung nicht nur in Boston praktisch erscheint: Man schreibe so deutlich wie möglich, aber nur auf eine Seite des Papiers; man lese das Gedicht schließlich noch einmal aufmerksam durch und bewundere es; dann schreibe man selbst unten daneben die Worte:„Dankend abgelehnt", endlich werfe man das Ganze ins Feuer. wenigstens, daß sie den Bock zum Gärtner gesetzt haben. Beschwert sich aber ein Nichtkatholik über die Teilnahme ketholischer Lehrer und die Einladung dazu, dann fragen wir ihn: Was geht das alles Dich an? In dem„paritätischen" Staate, auf den der Artikel hinweist, doch sicherlich nichts. * Andernach. 4. Juni. Gestern morgen machte ein Lieutenant der hiesigen Artillerieabteilung einen Spazierritt nach Meisenheim. Hierbei ist der Offizier mit dem Pferde gestürzt und hat sich schwere Verletzungen am Kopfe zugezogen. Auch das Pferd war zu Schaden gekommen. Landleute fanden später den Offizier bewußtlos am Boden liegen. * Mainz, 3. Juni. Der vor neun Jahren bei einem hiesigen Wettrennen gestürzte Rittmeister v. Chelius vom badischen 22. Dragoner=Regiment ist am Mittwoch infolge dieses Sturzes in Heidelberg gestorben. Bei dem Sturz zog sich v. Chelius eine Erschütterung des Rückenmarks zu, an welchem Leiden er hinsiechte. * Vom Rhein, 3. Juni. Dieser Tage spielte sich auf dem Rheine bei Mainz ein aufregender Vorgang ab. Der Steuermann Wagner wollte das Schleppboot„Haniel VI. zur Führung besteigen. Dieses hatte nur ein Boot im Schlepptan und fuhr gegen die Vorschrift mit sehr großer Schnelligkeit. Der Steuermann konnte infolge dessen das Fangtan nicht fassen, und so kam sein Nachen dem Räderwerk zu nahe. Den Tod vor Augen sehend, sprang er in voller Kleidung in den Strom; er wurde gerettet, da ihm der Schiffer Silz zu Hülfe eilte und ihn auf das Mainketteboot„Präsident" brachte. Hier erholte sich Wagner bald von seinem Schrecken und konnte, nachdem er andere Kleider angelegte hatte, den Heimweg antreten. „Du sollst töten!" So wird das fünfte Gebot im Dekalog unserer modernen Salon=Moralisten heißen müssen. Der junge Mensch, welcher die Universität besucht, hat ein solches Quantum Ehre in seinem Leibe, daß dieselbe schon gänzlich ins Schwanken kommt, wenn er nur von jemandem schief angesehen, geschweige denn, wenn ihm seine jugendliche Unreife in schonender Weise zu Gemüte geführt wird. Diese in Schwankung geratene Ehre will nicht eher zur Ruhe kommen, als bis entweder mittelst des Rappiers bezw. Krummsäbels der Beleidigte oder der Beleidiger eine Schmarre erhalten hat oder mehr oder minder zum Krüppel gemacht ist, oder aber, als bis vermittelst der Schußwaffe die vorgeschriebene Anzahl Löcher in die Luft geschossen sind oder der eine der Duellanten verwundet oder tot ist. Wie der Ausgang bei solchen„Ehrenhändeln" ist, ob ein unbedeutender„Blutiger" oder eine Leiche, das ist für solche Fälle ganz egal, die zahlungsfähige Salon=Moral lehrt in solchen Fällen:„Du sollst töten!" Das einzige, was unter allen Umständen dabei verlangt wird, ist, daß es„kommentmäßig", d. h. nach allen Regeln der Kunst geschehe. In deutschen Offizierskreisen herrscht ein ähnlicher„Ehrenkodex", wer sich demselben nicht unterwirft, muß den Abschied erbitten oder wird mit„schlichtem Abschiede" entlassen. Besondere„Ehrengerichte" beraten offiziell und feierlich darüber, ob das Gebot„Du sollst töten“ anwendbar ist, nachdem die vielfach sehr der Form halber angestellten„Versöhnungsversuche" fruchtlos geblieben sind. „Meine Söhne müssen als Studenten in ein Corps eintreten," erklärte vor einigen Jahren ein höherer Beamter, „das bin ich ihnen schuldig!" Es geschah auch, und alsbald lief die Meldung durch die Blätter, daß einer derselben einen anderen jungen Mann im Zweikampfe um eines ganz lumpigen Grundes halber erschossen habe. Ob derselbe Herr noch jetzt meint, daß er das gethan, was er seinen Söhnen schuldig war, bleibe dahingestellt; nach unserer Salon=Moral ist aber der junge Mann ein„Ehrenmann" nach wie vor, wiewohl er das Blut eines Mitmenschen, das Leben jemandes, der ihm eigentlich nichts Nennenswertes zu Leide gethan, auf dem Gewissen hat, falls er noch ein solches besitzt. Für die That geht er einige Monate auf die Festung und läßt es sich dort wohl sein, damit ist auch nach dem Strafkodex das zum Himmel schreiende Blut zum Stillschweigen gebracht. Wenn dagegen„nicht satisfaktionsfähige" Menschen mit dem Messer aufeinander gehen und sich Verwundungen beibringen oder gar töten, dann entsetzt man sich in den Kreisen der zahlungsfähigen modernen Moral auf das Aergste über diese entsetzliche Verrohung— und mit vollem Recht —, der Thäter kommt vor die Strafkammer und wird vielleicht von solchen Richtern auf Grund des Gebotes Gottes„Du sollst nicht töten" zu langjähriger Gefängnisoder Zuchthausstrafe verurteilt, welche für sich das moderne Gebot„Du sollst töten" als bindend erachten. Das Urteil ist gerecht und angebracht; gerade gegen Messerhelden und Raufbolde wird noch vielfach gar zu milde verfahren, solchen könnte sogar die sagenhafte rawitscher Prügelmaschine unter Umständen nicht schaden, aber was wir betouen, ist der doppelte Maßstav, mit dem gewisse Kreise— und leider auch das Gesetz— messen, als ob das Gebot Gottes für„Satisfaktionsfähige" anders sei, als für solche, die es nicht bis zur„Satisfaktionsfähigkeit" gebracht haben. Tritt man solchen Anschauungen entgegen, so ist man, wenn Katholik, ein„bornierter Klerikaler“, wenn Protestant, ein „finsterer Mucker“. Daß von der Bühre aus der Selbstmord seit der Heidenzeit als selbstverständlich und ehrenvoll verkündet und in Beispielen vorgeführt wird, bedarf keiner weiteren Betonung; in der modernen Romanlitteratur begegnet man aber kaum noch einem Machwerk„geistvoller" Skribenten, in dem nicht dasselbe in noch viel ärgerer Weise geschähe. Die Feuilletons vieler liberalen Blätter, und ganz speziell die der„parteilosen" behandeln den Selbstmord jahraus jahrein als etwas hoch Ehrenhaftes, Heldenmütiges, und das liest nicht bloß die Salondame auf der Causeuse, sondern ebensowohl die Köchin mit dem Schaumlöffel auf dem Küchenstuhle oder am Heerde. Verletzte Ehre wird als besonders empfehlenswerter Grund zum Selbstmorde verherrlicht, und nicht ohne Erfolg, dafür liefern den Beweis die zahlreichen Meldungen in den Blättern von Selbstmorden, die dann natürlich der Sensation zu Liebe möglichst„pikant" aufgeputzt und mit allen möglichen Einzelheiten vorgeführt werden. Vor kurzem wurde in gewissen Blättern des Langen und Breiten berichtet, wie zwei Schulkinder sich in die Donau gestürzt hatten, weil sie— schlechte Schulzeugnisse erhalten. Es war ein Doppelselbstmord nach allen Regeln des modernen Ehrenkodex, sie hatten nämlich vorher, wenn auch in mangelhafter Rechtschreibung, ihren Entschluß schriftlich mit der Begründung niedergelegt. Ihre Handlungsweise war ganz genau so, wie sie als durchaus ehrenhaft und pflichtgemäß Tag für Tag in den Romanen der„aufgeklärten" Zeitungen dargestellt wird; darf also die satisfaktionsfähige Moral dagegen etwas anführen, als höchstens das Alter des Selbstmörder=Paares?— Unglückliche Liebe wird noch viel intensiver in derselben Litteratur als passendstes Mord= und Selbmord=Motiv ausgedeutet und ausgebeutet, und was in den Romanen gefeiert, tritt in der That als schauerliche Tragödie nur zu oft zutage. Haben wir ein Recht, gegen die praktische Bethätigung der Salon=Moral:„Du sollst töten!" uns mit dem Brusttone der sittlichen Entrüstung aufzulehnen, so lange die Theorie ungescheut gelehrt wird und das Festhalten am fünften Gottesgebote als Finsternis und Muckertum gilt? Oder haben diejenigen, welche diese Moral für sich und Ihresgleichen als verbindlich erachten und hinstellen, ein Recht, die blutige Rohheit anderer Kreise in vollem Ernste zu verurteilen? Wenn auch zugegeben werden müßte, daß die Staatsgewalt gegen die Selbstmord=Verherrlichung in der Litteratur wirksame Maßregeln nicht ergreifen könnte, so lange dieselbe nicht vom Publikum selbst abgelehnt wird, so stünde doch nichts im Wege, das fünfte Gebot Gottes wieder in sein Recht einzusetzen und entweder aus den Strafgesetzbüchern die Paragraphen über die Duelle zu streichen oder die Aufforderung zum Duell bezw. das Duell selbst als Mordversuch oder Mord zu charakterisieren und die betreffenden Paragraphen darauf anzuwenden. Die zunehmende Verrohung weist gebieterisch darauf hin, daß es dringend notwendig und erste Pflicht ist, mit Entschiedenheit gegen die Salon=Moral aufzutreten, welche ungeschent den„Ehren"=Grundsatz aufstellt: „Du sollst töten!" * Ueber den auf der Elefantenjagd verunglückten Afrikareisenden Prinzen Engenio Ruspoli, den Sohn des früheren Sindaco von Rom, haben die in Aden eingetroffenen Teilnehmer der Expedition noch folgende nähere Angaben gemacht: Die Karawane befand sich in Gubalegenda, drei Tagemärsche vom Stephanie=See entfernt. Der mit einem Vetterli=Gewehr bewaffnete Fürst hatte am 3. Dezember v. J. in der Nähe des Lagers ganz allein vier Elefanten getötet; ermutigt durch diesen Erfolg verließ er auch am folgenden Tage gegen 3 Uhr nachmittags das Lager, um wiederum auf die Jagd zu gehen. Diesmal war er nur mit einem doppelläufigen Gewehr ausgerüstet; Soldaten wollte er nicht mitnehmen, sondern hatte als einzigen Begleiter einen gewissen Mohamed el=Tawil, der in einiger Entfernung das gesattelte Pferd Ruspolis nachführie. Etwa fünfhundert Meter vom Lager entfernt erblickte man einen gewaltigen Elefanten, der an den Fluß Sagan trinken ging. Der Fürst ging auf das Tier zu und gab, als er ihm bis auf etwa vierzig Meter nahe gekommen, einen Schuß auf dasselbe ab. Der ins rechte Vorderbein getroffene Koloß sprang brüllend gegen den Jäger, welcher auf zwanzig Meter Distanz einen zweiten Schuß abfeuerte, jedoch, wie es schien, ohne diesmal getroffen zu haben, denn der Elefant setzte seinen Lauf, ohne einzuhalten, fort. Ruspoli erwartete ihn stehenden Fußes und lud inzwischen sein Gewehr von neuem, doch kam er nicht mehr zum Schusse, denn der Elefant war ganz an ihn herangekommen, packte ihn mit seinen gewaltigen Stoßzähnen in der Mitte des Leibes, schleuderte ihn in die Höhe und trat, als Ruspoli wieder zu Boden gefallen, mit dem Fuß auf dessen Brust. Nachdem er auf diese Weise sich gerächt, floh der Elefant unter großem Gebrüll. Etwa zehn Soldaten des Fürsten, welche in einer Entfernung von ungefähr 200 Metern die Maulesel und das Vieh bewachten, hatten den Vorgang mit angesehen; sie gingen jedoch nicht näher hinzu, da ihnen dies von Ruspoli verboten war. Erst als der Fürst am Boden lag, gaben sie das Alarmsignal nach dem Lager und eilten auf die Unglücksstätte. Die Kleider des Fürsten waren zerrissen, und man bemerkte auf den ersten Blick keine Wunde an ihm; nur aus dem Munde trat ihm das Blut. Er verschied nach wenigen Augenblicken. Vom Lager waren Dr. Riva und Herr Lucca herbeigesprungen: man legte die Leiche auf eine Tragbahre und brachte sie nach dem Lager. Der Sultan Guio, der den jungen Forschungsreisenden sehr lieb gewonnen, räumte für die Beisetzung der Leiche einen Platz neben dem Grabe seines Vaters in Amara Bugi ein. Die europäischen Begleiter des Fürsten mußten darauf verzichten, die sterbliche Hülle ihres Führers in die Heimat zurückzubringen, so gern sie dies gethan hätten, und empfahlen sie der Pietät des Sultans Guio. Sie legten eine versiegelte Flasche in das in den Felsen gehauene Grab, welche auf einem Blatt Papier die Erzählung des traurigen Ereignisses enthielt, und nahmen dann den Marsch nach der Küste auf. *„Der elektrische Mensch", das ist die neueste amerikanische Excentrizität. Durch die Straßen von New-York marschiert seit einiger Zeit eine nugefähr 2 Meter hohe Figur, die sich mittels der Elektrizität vorwärts bewegt und englische Lieder und Stücke aus italienischen Opern anstimmt. Der elektrische Mensch bewegt die Beine, die Arme und den Kopf, als wenn er durch den Lebenshauch beseelt wäre. Die elektrische Puppe, welche die allgemeine Aufmerksamkeit in ungewöhnlicher Weise fesselt, stammt in direkter Linie von dem„Dampfmaschinenmenschen" her, den Professor Georg Moore erfunden hat. Moores Geschöpf ging durch die Straßen, indem es eine Cigarre rauchte und ein Fuhrwerk zog, auf welchem Waren aus mehreren Geschäften lagen. Es war eine Art Lokomotive, welche ging, anstatt sich auf Rädern fortzubewegen. Der Körper schloß einen Kessel ein, der mit Gasäther gespeist wurde; oberhalb dieses Kessels befand sich ein Miniatur=Motor, der trotz seiner kleinen Dimensionen doch eine treibende Gewalt von einer halben Pferdekraft erreichte. Der von dem Dampfmaschinenmenschen gezogene oder gestoßene Wagen diente ihm als Stützpunkt. Die Puppe marschierte mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 8 Kilometer in der Stunde. Dagegen kann der junge von Harick erfundene elektrische Automat 18 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Der elektrische Mensch trägt einen Frack und eine weiße Halsbinde, seine Stiefel sind aus Eisen und ruhen auf einer Sohle aus sehr starkem, widerstandsfähigem Leder. Die Bewegung der Arme und der Beine vollzieht sich mit großer Regelmäßigkeit, deshalb verliert auch die Figur, obwohl sie energisch vorwärts schreitet, niemals das Gleichgewicht. Wenn sie singt, öffnet und schließt sie den Mund, als wenn sie wirkliche Töne ausstoßen würde. Der Erfinder scheint das Ziel im Auge zu haben, die großen Gastwirtschaften und Caféhäusern mit mechanischen Bedienten zu versehen. Wir werden es sicherlich noch erleben, daß die Amerikaner die elektrische Puppe als Reklameträger verwenden, und anstatt im Kopfe einen Phonographen mit musikalischen Stücken zu tragen, wird der elektrische Mensch die Vorzüge irgendeiner Wundersalbe, Seife oder Stiefelwichse aufweisen. Es würde durchaus nichts merkwürdiges sein, wenn eines schönen Tages der elektrische Herr in dem Volksmeeting erschiene und große Reden hielte. Besteht doch bereits die Absicht, die hervorragendsten Fußgänger der Welt zu einem Distanzmarsche mit ihren elektrischen Kollegen herauszufordern. * Im Fleischerladen. Knabe: Ein halbes Pfund Rindfleisch, aber recht zähes!— Fleischer: Zäh? Warum, mein Sohn?— Knabe: Ja, wenn es weich ist, dann ißt es der Vater allein! Für Jedermann! Wie wird polierten MöHebermann: beln der Glanz und das neue Aussehen erhalten, und wenn sie es verloren, wie wird es ihnen wiedergegeben? Das sind Fragen, an deren Lösung sich schon tausende erfolglos versucht haden. Tausende von Politurpräparaten sind schon erfunden worden, viele werden noch immer angepriesen und gekauft mit dem einzigen Erfolg daß der Käufer sein Geld los wird. Nunmehr aber werden alle Klagen verstummen, denn die Politurfrage ist vollkommen gelöst seit der Erfindung von Schaufs Möbel=Glanzpolitur. Dieselbe giebt tropfenweife aufgetragen und mit einem leinenem Lappen leicht verrieben, den abgeblaßtesten polierten Flächen einen neuen, hochfeinen und höchst dauerhaften Glanz wieder, und hindert, vermöge ihrer eigenartigen Zusammensetzung das Eindringen des Holzwurms und der Motten in Polstermöbel. Wer sich einmal von den eminenten Vorzügen von Schauf's Möbel=Glanzpolitur durch den Gebrauch und ihre überraschenden Erfolge überzeugt hat, wird nie mehr auf irgend ein anderes Präparat zurückgreifen. Schon viele Kenner und Fachleute haben sich mit höchster Anerkennung über die neue Erfindung ausgesprochen. Schauf's Möbel=Glanzpolitur ist ist allen größeren Drogerien, Material= und Farbwaren=Handlungen zu haben. Kaiserstraße 6 Laden=Lokal mit auch ohne Wohnung zu vermieten. 80 Per 1. August 194 Eckladen-Lokal nebst Wohnung Flingerstraße 2 zu vermieten. Näheres Klosterstraße 83, 1. Etage. 651 Rentable Schenkwirtschaft von einem tücht. Wirte zu mieten ges. Off. u. M. H. 744 an die Exp. d. 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Juni 1894, nachmittags 3 Uhr, in der Wohnung des Wirtes Herrn Peter Esser zu Hamm an der Kapelle: a. 17 Nummern Gras= und Kleeaufwuchs an der vor dern Aderweide, jede Nummer groß 20 Are, b. 5 Nummern Grasaufwuchs an der Draaper Spitze, jede Nummer groß 20 Are, c. 5 Nummern Grasaufwuchs am hohen Weg, jede Num mer groß 20 Are, d. 22 Nummern Grasaufwuchs im großen Plutsch jede Nummer groß 20 Are, zur diesjährigen Benutzung öffentlich gegen Bürgschaft und Zahlungsausstand zur Verpachtung ausstellen. Herr Wiesenaufseher Peter Wiertz zu Hamm weist anf Ver langen die Parzellen an. Düsseldorf. 561 Conen, Notar. Immobilar=Verkauf zu Hamm. Unmittelbar nach vorstehender Verpachtung lassen die Erben Witwe Franz Heckhausen: 16 Are 68 O.=Mtr. Ackerland in der Gemeinde Unterbilk am Holterweg Flur 17 Nr. 80, gegen Zahlungsausstand und Bürgschaft öffentlich zum Verkaufe ausstellen. Die Bedingungen sind bei dem Unterzeichneten zu erfahren. Düsseldorf. 562 Conen, Notar. Carl Padberg, Bankgeschäft, 2 Königsplatz 2, an der Josephinenstr. An- und Verkauf von Effekten, Kuxen etc., Verwahr und Verwaltung derselben. Koupon- Einlösung. Verzinsung provisionsfreier Depositen bis zu 4%. Check-Konto und Wechsel-Inkasso. Vermögens-Verwaltung. Zu Auskünften etc. bin ich gern bereit. Kassa geöffnet von 9—12 und von 3—6 Uhr. 981 werden in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß in unserer nr eine Mutzpfeife enthalten ist und jedes Paket aus unserer Fabrik diese Schutzmarke enthalten muß. Henric'Ulebtt senior& Cie. aus Amsterdam, seit 1838 in Rees am Rhein, Tabak= und Cigarren=Fabriken. 259 Allein=Vertreter für Düsseldorf und Umgegend Josenh Worring, Königs-Allee 25. Auf Grund des§ 137 des Landesverwaltungs=Gesetzes vom 30. Juli 1883 und der§§ 11 und 12 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850(G.=S. von 1850 S. 265) wird vorbehaltlich der nachträglichen Zustimmung des Bezirks=Ausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks Düsseldorf folgende PolizeiVerordnung erlassen. § 1. Die durch die§§ 9 und 25 des Regulativs für das sanitätspolizeiliche Verfahren gegen ansteckende Krankheiten vom 8. August 1835(G.=S. S. 240) welche lauten: § 9. Alle Familienhäupter, Haus= und Gastwirte und Medizinalpersonen sind schuldig, von den in ihrer Familie, ihrem Hause und ihrer Praxis vorkommenden Fällen wichtiger und dem Gemeinwesen Gefahr drohender ansteckender Krankheiten nach Maßgabe der sub II enthaltenen näheren Bestimmungen, sowie von plötzlich eingetretenen verdächtigen Erkankungs= oder Todesfällen der Polizeibehörde ungesäumt schriftlich oder mündlich Anzeige zu machen. Bei verdächtigen Todesfällen darf die Beerdigung jedenfalls nur nach erhaltener Erlaubnis der Polizeibehörde stattfinden. Dieselben Verpflichtungen zur Anzeige usw. liegen auch den Geistlichen ob, sobald sie von dergleichen Fällen Kenntnis erlangen. § 25. Jeder Cholera=Erkrankungsfall ist(nach§ 9) der Polizeibehörde anzuzeigen, vorgeschriebene Anzeigepflicht von ansteckenden Krankheiten wird hiermit für den Umfang des Regierungsbezirkes Düsseldorf dahin ausgedehnt, daß etwaige Erkrankungs= oder Todesfälle an Cholera nicht nur der zuständigen Orts-Polizeibehörde, songleichzeitig auch direkt dem Kreisphysikus des betreffenden Kreises anzuzeigen sind und das sich diese Anzeigepflicht auch auf alle der Cholera verdächtigen Fälle(also auch auf heftige Brechdurchfälle aus unbekannter Ursache mit Ausnahme der Brechdurchfälle bei Kindern bis zum Alter von 2 Jahren) zu erstrecken hat. § 2. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Vorschrift werden mit einer Geldstrafe von 6 bis 15 Mark geahndet, insofern der zur Anzeige Verpflichtete von dem Vorhandensein der Krankheit unterrichtet war. § 3. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. Düsseldorf, den 31. Juli 1892. Der Regierungs=Präsident. I. V.: Scheffer. Plakate aller Art, vorrätig in der Expedition dieses Blattes.