Erscheint täglich. Haupt=Expedition: Bastionsstraße 14. o Preis: durch die Boten M. 2, durch die Post M. 2,20 per Quartal, monatlich 67 Pfennig. Anzeigen: Petitzeile oder Raum 15 Pfg. Minimum 2 Zeilen. Reklamen 50 Pfg. Fernsprechanschluß Nr.1028. Mit der illustrierten Beilage„Düsseldorfer Sonntagsblatt“. Chefredakteur Dr. Ed. Hüsgen. Verantw. Redakteur: Ludw. Weber in Düsseldorf. Druck und Verlag des Düsseld. Volksblattes, Gesellschaft m. b. H. in Düsseldorf. Filial=Expeditionen: Marktstr. 5, Schadowstr. 35, Neußerstr.50, Friedrichstr.42, Schützenstr. 1, Kölnerstr. 299, Oststr. 76, Friedrichsplatz 6. Agenturen: Annoncen=Bureaus in allen größeren Städten. Nr. 129. Donnerstag, 17. Mai 1894(Bruno). 28. Die Untersuchung über die Not der Landwirtschaft. Der preußische Minister für Landwirtschaft hat 33 „Männer der Wissenschaft und Praxis" zu einer Konferenz eingeladen, welche einzelne landwirtschaftliche Fragen, vorzugsweise aus dem Gebiete des Erbrechts und des Kreditwesens, erörtern soll. Der Einladung sind beigefügt: 1. das Beratungs=Programm für diese Konferenz, 2. das Arbeits=Programm für das Ministerium. Das erstere greift ans dem letzteren ein Teil heraus, nämlich die Maßregeln gegen die Ueberschuldung des ländlichen Grundbesitzes. Das„Arbeitsprogramm zur Klärung verschiedener Agrarfragen" umfaßt dagegen alle Punkte, welche bei der Vorarbeit für die Gesetzgebung zum Heile der Landwirtschaft in Betracht kommen. Von freisinniger Seite ist gegen die Konferenz alsbald spöttisch eingewendet worden, daß ihr Programm viel zu weitgreifend sei; nächstens werde man wohl noch eine ähnliche Konferenz„zur Lösung der socialen Frage" einberufen. Der Vorwurf ist nicht gerechtfertigt. Das„Arbeitsprogramm" umspannt allerdings die ganze riesige Agrarfrage, aber das geht in seiner Gesamtheit nur das Ministerium an. Für die Konferenz ist allein die Verschuldungsfrage auf die Tagesordnung gesetzt worden, und zwar in den zwei Hauptzweigen: 1) Wie lassen sich die fortwirkenden Ursachen der Verschuldung bekämpfen? 2) Wie läßt sich die gegenwärtig vorhandene Ueberschuldung beseitigen? Dieses Thema umfaßt freilich das Erbrecht und das Kreditwesen und bietet also sehr viel Stoff und sehr schwierigen Stoff. Aber eine weitere Teilung wäre unzweckmäßig, da man die Reform des Kreditwesens nicht erörtern kann, ohne die verschiedenen Arten des Kreditbedürfnisses(Erbteilungen, Ausstattungen, Kaufgelderreste, Meliorationen, Unglücksfälle) in Betracht zu ziehen. Anderen Kritikern geht wieder das Beratungsprogramm nicht weit genug. Sie wollen eine allgemeine Enquete nach Art der Börsen=Enquete, mit Vernehmung einer Schar von Sachverständigen. Die Börsen=Enquete hat freilich eine Unmasse schätzbaren Materials aufgehäuft, aber gesetzgeberische Früchte der großen Arbeit sehen wir noch nicht. Von einer ähnlichen Behandlung der ganzen großen Agrarfrage würden wir uns auch erst praktische Wirkungen für das nächste Jahrhundert versprechen können. Eine allgemeine Enquete auf dem landwirtschaftlichen Gebiete ist nur insofern zweckmäßig, als sie statistisches Material über die gegenwärtige Lage des landwirtschaftlichen Gewerbes zur Stelle schafft. Diese umfassende Statistik ist ja auch nämlich im Reichstage verlangt worden, zunächst vom Abg. Bachem. Sie gehört zum ersten Punkte des ministeriellen Arbeitsprogramms:„Die landwirtschaftliche Krisis in ihren Haupterscheinungsformen." Die folgenden Punkte(Ursachen der Krisis, Schäden und Gefahren derselben, Mittel zur Abhülfe), welche die logische und gesetzgeberische Verarbeitung des gegebenen Materials anstreben, können besfer gruppenweise, als in einer einzigen übermäßigen Kraftanstrengung bewältigt werden. Nach der Fassung des„Arbeitsprogramms" scheint das landwirtschaftliche Ministerium auf die Statistik verzichten zu wollen und sich betreffs der„Erscheinungsformen" mit den vorhandenen Materialstücken und mit der communis opinio(allgemeine Ansicht) begnügen zu wollen. Wir würden das bedauern. Es bleibt abzuwarten, ob nicht schon diese Verschuldungskonferenz die Notwendigkeit weiterer statistischen Erhebungen ergiebt. Was die Auswahl der„Männer der Wissenschaft und Praxis" betrifft, so stimmen wir nicht in die Forderung ein, daß bei der Einladung die politischen Parteien gleichmäßig berücksichtigt werden müßten. Es handelt sich um Sachverständige auf dem landwirtschaftlichen Gebiete, und da versteht es sich von selbst, daß diejenigen Parteien, die ihrer Natur nach mehr auf die Städte und die Industrie oder-den Handel gravitieren, weniger vertreten sind. 8 Die Tochter des Sozialisten. 38 Detektivroman von L. Lynch. 31. Kapitel. Schwere Zeiten. Als Moina La Croix an dem Morgen nach Lords verhängnisvoller Gesellschaft zu ihrem Vater kam, fand sie ihn ernstlich erkrankt und schickte trotz seiner Einwendungen sogleich nach dem Arzte. Schon öfter hatte sie ihn bei ähnlichen plötzlichen Krankheitsansällen mit aller Hingebung und echt weiblicher Fürsorge gepflegt. Ihr starker Wille half ihr in solchen Zeiten jede Schwierigkeit zu besiegen und allein das Wohl des Kranken zu berücksichtigen. Bei den früheren Anlässen war es stets irgend eine geistige Aufregung, eine quälende Sorge oder ein plötzlicher Schreck gewesen, was die Fiebererscheinungen hervorrief. Auch diesmal vermutete sie eine solche Ursache, und der Arzt, welcher ihre Ansicht teilte, empfahl die äußerste Ruhe und Schonung für den Kranken. Er schärfte Moina noch besonders ein, ihn vor jeder Erregung zu hüten, auch Geschäfte und Besucher, die ihn verdrießen könnten, von ihm fern zu halten. Die Mittel des Arztes wirkten beruhigend und bal lag ihr Vater in festem Schlummer. Nachdem im Krai kenzimmer alles geordnet war, öffnete Moina die Thi zum Nebengemach, von wo aus sie jede Bewegung de Kranken beobachten konnte. Dort ging sie mit geräusch losen Tritten lange ruhelos auf und ab; eine namenlo Angst hatte sich ihrer bemächtigt. Was konnte in jener Sitzung am vergangenen Aben geschehen sein, zu der Crashaw ihren Vater so unerwart mitgenommen hatte? Früher ging er nie aus, ohne e ihr zu sagen; sie hatte stets um alles gewußt, er wa ihr guter Kamerad und was ihn beschäftigte, vertraute ihr an. Nun war das alles anders. Diese Sendung naAmerika, von der sie so viel gehofft, hatte ihr nur endlo e U. Sorgen gebracht. Wie streng die Befeh des Ordens waren, wußte sie, aber bisher hatten sie nu em Dier er Gerechtigkeit und Menschlichkeit gegolter für welchen kein Opfer zu groß erschien. Ein Briefchen von Madeline unterbrach sie in ihre Gedanken. Es war der erste Schachzug, den diese tha Frau Ralston sei nach der gestrigen Gesellschaft erkrank hieß es darin, Madeline müsse sich ganz ihrer Pflege wit men und daher den beabsichtigten Besuch noch einige Tag aufschieben. Die Konferenz hat ja auch nur Vorschläge zu machen, die erst noch im Ministerium nachgeprüft und verarbeitet werden sollen und dann noch im Landtage die politische Probe zu bestehen haben. Dagegen entspricht es dem Zweck einer solchen Konferenz, daß alle Landesteile und alle Klassen des landwirtschaftlichen Betriebes angemessen vertreten sind. Deshalb hätten wir gewünscht, daß der Westen des preußischen Staates bei der Auswahl der Berater stärker berücksichtigt worden wäre. Und ferner müssen wir der„Nat. Ztg." beistimmen, wenn sie die volle Ausschließung des Bauernstandes beklagt. Allerdings ist Frhr. v. Schorlemer=Alst berufen worden, der wohl als Vertreter der westfälischen Bauern gelten kann. Aber es giebt auch anderswo einen gewichtigen Bauernstand und es hätte der Würde der Versammlung wahrlich keinen Eintrag gethan, wenn neben den Professoren, Rittergutsbesitzern und Präsidenten auch noch einige tüchtige Bauern Platz genommen und von den Bedürfnissen und Wünschen ihres Standes unmittelbares Zeugnis abgelegt hätten. Der Landwirtschaftsminister sollte erwägen, ob sich die Berufung einiger Vertreter der mittleren und kleineren Landwirtschaft aus Holstein, Hannover, Westfalen, Rheinland und Hessen=Nassau nicht noch nachholen läßt. Deutsches Reich. Berlin, 16. Mai. * Der internationale Bergarbeiterkongreß ist am Dienstag mit der Berichterstattung längst nicht fertig geworden. In der Nachmittagssitzung erstattete der englische Delegierte Wilson namens der Minderheit, die sich aus den Bergarbeitern der nördlichen Grafschaften Northumberland und Durham zusammensetzt, einen Sonderbericht. Der tschechische Delegierte Czinger berichtete in gebrochenem Deutsch über die Verhältnisse in Oesterreich. Nachdem noch Rondet über die französischen Verhältnisse berichtet hatte, wurde die Fortsetzung der Berichterstattung auf heute vertagt. Die heutige Sitzung begann mit einem bösen Krach, der die Verhandlungen anderthalb Stunden aufhielt. Es war wieder die Eifersucht auf die ruhigen, nüchternen und überlegenen Engländer, die dazu Anlaß Anlaß gab. Die Engländer wählten zum Vorsitzenden für heute Wilson, die Franzosen den Generalsekretär des Syndikats der Bergarbeiter vom Pas de Dalais Lamendin, die Deutschen Struntz(Zwickau). Lamendin weigerte sich nun, die Verhandlungen zu leiten, worauf Wilfon den Vorsitz übernehmen wollte. Dagegen erhoben die Deutschen lärmenden Einspruch, weil die Engländer schon gestern und vorgestern präsidiert hätten. Bunte(Dortmund) rief: „Wir verlangen, daß geschäftsordnungsmäßig abgestimmt wird". Wilson glaubte sich trotzdem berechtigt, den Vorsitz zu übernehmen, wogegen die Deutschen lebhaft protestierten. Die Franzosen stimmten den Deutschen bei und ergriffen ohne weiteres zu Zwischenbemerkungen und Einwendungen das Wort. Nun gerieten auch der Dolmetsch Ledebour und Wilson aneinander. Wi son untersagte dem Dolmetsch, seine Ausführungen zu interpretieren, dies müsse er sich als Vorsitzender selbst vorbehalten. Ledebour protestierte gegen diese Beschuldigung und erklärte, sofort sein Amt niederzulegen. Das rief den Widerspruch der Deutschen und großen Tumult hervor. Ledebour verließ das Podium und Liebknecht erschien, um die Gemüter zu beruhigen. Die Deutschen verlangten aber, daß Wilson seine Beschuldigungen zurücknehme und Ledebour sein Amt wieder antrete. Plötzlich rief der Delegierte Wallstein aus Oberschlesien mit dröhnender Stimme:„Ich protestiere gegen die socialdemokratische Einmischung auf dem Kongreß. Wir Bergleute Oberschlesiens halten treu zu Kaiser und Papst. Wir wollen unsere Forderungen auf ordentlichem Wege erreichen. Wir stimmen mit den Engländern überein." Wallstein hatte eine Resolution eingebracht, in der er sich gegen die Unter den abwaltenden Umständen konnte das für Moina nur erwünscht sein. Der Tag verfloß ihr ohne Störung; gegen Abend stellte sich jedoch Crashaw ein, der ihren Vater zu sehen verlangte und sich durch die Dienerin nicht abweisen lassen wollte. So sah sich denn Moina genötigt, zu ihm in das Atelier hinunter zu gehen. Die Hand, welche er ihr zum Willkommen entgegenstreckte, schien sie nicht zu bemerken. „Mein Vater ist krank und der Arzt hat alle Besuche streng untersagt, erklärte sie mit Bestimmtheit. „Aber mich muß er doch empfangen, ich habe eine wichtige Botschaft für ihn. Er selbst braucht nicht zu sprechen, ich will ihm nur ein Wort sagen", er näherte sich der Thür, aber Moina vertrat ihm den Weg. „Nein, Herr Crashaw," sagte sie kalt,„niemand darf meines Vaters Zimmer betreten. Seine Gesundheit und sein Leben sind zu kostbare Güter, ich darf nicht zugeben, daß sie geschädigt werden“ „Nur mit Mühe habe ich mich losgemacht, um hierher zu kommen und kann meine Zeit nicht nutzlos verschwenden", entgegnete er.„Einen Augenblick muß ich Ihren Vater sprechen." „Sie irren, das wird nicht geschehen; hier bin ich Herrin im Hause." Ihr Gesicht war bleich und sie zog hastig die Glocke. „Damit Sie keinen unnützen Gang wieder thun, ersuche ich Sie, sich nicht mehr herzubemühen, bis ich Sie wissen lasse, daß mein Vater wohl genug ist, Sie zu empfangen. — Oeffne dem Herrn die Hausthür, Margot," befahl sie, als das Mädchen erschien und verließ das Zimmer, ohne Crashaw noch eines Blickes zu würdigen. Daß sie ihn sich zum Feinde gemacht habe und von jetzt ab mit ihm auf dem Kriegsfuß stehen würde, wußie sie wohl und da sie fürchtete, es werde ihr allein nicht gelingen, den lästigen Störer von dem Kranken fern zu halten, bat sie den Arzt, der noch vor der Nacht kam, um nach dem Patienten zu sehen, für einen kräftigen zuverlässigen Wärter zu sorgen, der ihr bei der Pflege behülflich sein könne. Crashaw wiederholte jedoch seinen Besuch nicht, sondern sandte am nächsten Tage nur Jules Passof mit einer Empfehlung an Fräulein La Croix, um sich nach dem Befinden ihres Vaters zu erkundigen. Auch René Savorin kam zu dem gleichen Zweck und ward von Moina mit Freuden begrüßt. „Ich muß mit Ihnen über meinen Vater sprechen," sagte sie, nachdem sie ihn gebeten, Platz zu nehmen. Socialdemokratie wandte, und die die belgischen Radikalen in gutem Glauben unterschrieben hatten. Als sie heute den Text in französischer Sprache zu Gesicht bekamen, zogen sie entsetzt ihre Unterschrift zurück. Wallstein überreichte bei der genannten, laut gerufenen Erklärung einen gedruckten Bericht christlicher Arbeiter als einzig wahren Bericht. Großer Lärm und Hohngelächter entstand; Rufe: Halt die Schnauze! Verschiedene deutsche Delegierte dringen auf Wallstein ein, um ihn zum Schweigen zu bringen, und drängen ihn hinaus.— Dazwischen erheben wieder die Franzosen laute Beschwerde, daß ihnen nicht das Wort erteilt werde, rufen die Engländer immer„Ordnung! Ordnung!", obwohl von ihnen nicht minder gelärmt wird, werden Wilson allerhand wenig schmeichelhafte Namen entgegengerufen.„Geht doch hinaus," antworten die Engländer.„Wir verlangen Abstimmung, Sie konservativer Mucker," rufen die Deutschen. Wallstein beschwerte sich nochmals, daß man ihm in der Besprechung der Deutschen ein Mißtrauensvotum erteilt hatte, als er sich für den friedlichen Weg gegenüber den anarchistischen Tendenzen aussprach. Liebknecht suchte in dem allgemeinen Tumult alles für ein Mißverständnis zu erklären; die Engländer hätten andere parlamentarische Gewohnheiten, als die Deutschen. Wilson gab zu, daß ein Mißverständnis vorliege, hob die Sitzung für 10 Minuten auf und zog sich mit den englischen Delegierten zurück, um sich mit ihnen über die Auslegung der Geschäftsordnung zu einigen. Währenddes gingen Liebknecht und Singer herum und suchten zu besänftigen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erklärte Wilson(wobei Liebknecht als Uebersetzer für die Deutschen fungierte), die Engländer seien hergekommen, beseelt von brüderlichen Gefühlen. Es habe nicht in ihrer Absicht gelegen, andere Nationen zurückzusetzen, deren Organisation weniger weit vorgeschritten sei, da sie die Gleichberechtigung aller Menschen anerkännten. Deshalb seien sie zu dem Vorschlage gekommen, daß aus der Mitte des Kongresses der Tagespräsident bestimmt werde. Sie hofften, daß der Geist des Friedens, der sie bei ihrem Beschluß beherrscht habe, nunmehr auch maßgebend sein werde für die weiteren Verhandlungen.(Allgemeine Zustimmung.) Von den Deutschen und Franzosen wurde sodann Lamendin zum Präsidenten vorgeschlagen und gewählt, Wilson nahm seinen Vorwurf gegen Ledebour zurück und bat ihn, sein Amt wieder anzunehmen, was dieser auch that. Dann wurde in der Berichterstattung fortgefahren. Zunächst berichtete Abraham über die Verhältnisse in Wales, worauf eine Mittagspause eintrat. Im Sale waren nur wenig Zuhörer anwesend. * Eine Sonderausgabe des„Militär= Wochenblattes" bringt heute eine große Anzahl Veränderungen in den höheren Kommandostelten: 3 Generallieutenants, 12 Generalmajore, 5 Regimentskommandeure, außerdem ein Oberst von den Ingenieuren sind teils in Genehmigung ihres Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt, teils haben sie den Abschied erhalten. * Der dem Abgeordnetenhause zugegangene Gesetzentwurf zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes hat folgenden Inhalt: Die Provinzialverbände(Kommunalverbände) können beschließen, daß nach Feststellung des Ausbruchs der Lungenseuche in einem Rindviehbestande alle der Ansteckung ausgesetzten Tiere geimpft werden sollen. Als der Ansteckung ausgesetzt gelten außer dem Rindvieh auf dem Seuchenhofe auch solche Rindviehbestände, von denen zu vermuten ist, daß sie während der letzten 6 Monate mit dem Rindvieh des Seuchengehöftes in unmittelbare oder mittelbare Berührung gekommen sind. Die Landespolizeibehörde entscheidet endgültig, welche Viehbestände als der Ansteckung ausgesetzt zu erachten sind. Sie hat die Ausführung der Schutzimpfung, die von beamteten Tierärzten oder unter deren Aufsicht erfolgt, anzuordnen. Die Entschädigung, welche nach dem Reichsgesetz für die infolae der polizeilich angeordneten Impfung einge„Waren Sie am vorletzten Abend mit ihm zusammen?" „Vorletzten Abend— nein, da hielt ich eine Ansprache in einer Versammlung." „Aehnlich der, welche ich damals mit Ihnen besuchte?" „Ja, nur noch schmutziger, unwissender, widerwärtiger," sagte er in wegwerfendem Tone.„Ihr Vater war mit Crashaw und einigen Amerikanern bei einer Sitzung, so viel ich weiß." „Es muß dort etwas geschehen sein, was ihn furchtbar erschüttert und aufgeregt hat. Bereitet ihm vielleicht überhaupt die Sendung, die er hier übernommen hat, zu viel Sorge und Unruhe— kann dies die Ursache sein? Sagen Sie mir, gefällt Ihnen dieser amerikanische Socialismus oder sind Sie enttäuscht wie ich?" „Was haben Sie denn daran zu tadeln?" fragte René ausweichend. „Er hat meinen Vater krank gemacht— ist das nicht schlimm genug? Mein Vater war glücklich in der alten Welt, befriedigt in seinem Wirken und voll Begeisterung. Aber seit wir hier sind, liegt beständig ein Zwang und Druck auf ihm. Er ist ernster, trüber gestimmt, mehr in Gedanken als sonst, häufig aufgeregt und beunruhigt in seinem Gemüt. Woher kommt das? Sind die Leiden der Bedrückten hier so viel größer als in Rußland, England und Deutschland? Ist die Arbeit schwerer?— Erklären Sie es mir." „Nicht schwerer, aber anders; auch die Stellung Ihres Vaters hier ist eine andere, verantwortlichere. Er ist jetzt kein bloßer Arbeiter mehr, sondern ein Führer und Befehlshaber. Wir alle, Crashaw, ich, Passof, sind nur seine Beamten, und wenn die amerikanischen Genossenschaften sich mit uns vereinigen, wird er auch deren Oberhaupt sein“ Moina war totenbleich geworden.„Wollen Sie damit sagen, daß er alle Anordnungen zu treffen hat?—“ René nickte. „Auch über die Streiks, die Boykotts und wie die Maßregeln alle heißen— daß, wenn ein Mann— ein Feind des Bundes— gewarnt, bestraft werden soll— mein Vater es ist, der seine Zustimmung, den Befehl dazu erteilen muß?" „Ja— er, als der Führer." Moina schwieg lange.„Ich danke Ihnen," sagte sie endlich, und die Hand, welche sie ihm reichte, war eisig kalt.„Sprechen wie nie wieder davon. Ich hätte Sie vielleicht nicht danach fragen sollen, da mein Vater mich bisher absichtlich im Dunkeln gelassen hat. Jetzt muß ich gangenen Tiere zu gewähren ist, sowie die Kosten der Erhebung und Verwaltung der Beiträge und der Schätzung werden innerhalb des Verbandes nach Maßgabe des vorhandenen Rindviehbestandes von sämtlichen Rindviehbesitzern aufgebracht. Zur Bestreitung der Entschädigungen können auch die zu Entschädigungen für die wegen Lungenseuche getöteten Rinder angesammelten Fonds verwendet werden. Die näheren Vorschriften über die Schätzung, Ermittelung und Auszahlung der Entschädigung, sowie über die Erhebung und Verwendung der Beiträge werden von der Vertretung der Verbände durch Reglements festgestellt, welche der Genehmigung der Minister des Innern und der Landwirtschaft bedürfen.— Der Vorlage sind statistische Uebersichten über die Verbreitung der Lungenseuche in den einzelnen Provinzen und in den Regierungsbezirken der Provinz Sachsen seit dem Jahre 1877 beigegeben. * Einen leichtfertigen Streik haben die Berliner Böttcher angezettelt. Verschiedentlich hatten die Gesellen zum 1. Mai den Brauereibesitzern erklärt, daß sie feiern würden. Die Brauereibesitzer entgegneten, dann würden sie ebenfalls acht Tage feiern lassen und jeden, der am 1. Mai nicht zur Arbeit komme, erst nach acht Tagen wieder beschäftigen. Nun trieben die Anführer zu einem allgemeinen Streik der Gesellen, wobei höhere Löhne verlangt wurden. Gegen eine Brauerei, die sich besonders „übermütig" gegen die streiklustigen Gesellen benommen hatte, wurde überdies der Boykott verhängt. Die Brauereien aber thaten sich zusammen und erklärten: wenn der Boykott nicht bis zum 15. Mai zurückgenommen ist, schränken wir den Betrieb um ein Fünftel ein und entlassen eine entsprechende Anzahl von Arbeitern, in erster Linie die Schreier. Das Gewerkschaftskartell der Böttcher aber drohte dagegen, wenn die Forderungen der Böttcher nicht bis zum 19. Mai bewilligt seien, mit weiteren Beschlüssen,„die unter Umständen bis 1. Mai 1895 ausgedehnt werden". Inzwischen haben aber die Brauereien heute die angekündigten Arbeiterentlassungen ins Werk gesetzt. Sie werden allem Anschein nach nicht diejenigen sein, die in diesem Kampfe unterliegen. Die Böttchergesellen verdienen durchschnittlich 27 Mark wöchentlich und „Bier so viel sie trinken wollen". Jetzt verlangen sie 30 Mark. Der„Vorwärts" hat in der ganzen Angelegenheit, wie gewöhnlich, eine sehr zweideutige Stellung eingenommen. Er sieht offenbar recht gut ein, daß die Böttcher sich durch die Agitatoren zu Dummheiten und Uebereilungen haben hinreißen lassen. Aber er sagt ihnen das nicht rund heraus, sondern hilft auf die Brauereien schimpfen. * Der Kanzler Leist, der bereits in Berlin sein sollte, ist anscheinend noch gar nicht angelangt. Mit dem am 10. Mai in Hamburg eingetroffenen Dampfer der Wörmann=Linie ist er nicht gekommen. Der Voss. Ztg. zufolge war er, als der Befehl zur Rückkehr in Kamerun eintraf, dort nicht anwesend, sondern in Viktoria; er erhielt daher den Befehl nicht rechtzeitig genug, um mit dem Dampfer fahren zu können. Wenn er nun nicht mit einem englischen Dampfer die Rückreise antritt, würde er erst anfangs Juni in Deutschland anlangen können. Ausland. * Der anläßlich der Verwaltung der Kirchenvermögen zwischen der französischen Regierung und dem Klerus entstandene Konflikt scheint in Bälde beigelegt werden zu sollen. Der Erzbischof von Lyon hat einige Tage in Paris zugebracht und mit dem Kardinal Richard und dem apostolischen Nuntius konferiert, welch letztere vom Papste beauftragt waren, einen Ausweg aus dem Konflikte mit dem Ministerium zu suchen. Dem Gaulois zufolge waren die Unterhandlungen erfolgreich; die Regierung würde die wider Willen, aus parlamentarischer Taktik angeordneten Repressalien wieder zurücknehmen. Sollte sich das bestätigen, dann wäre es abermals die kluge Politik des hl. Stuhles, welche in Frankreich einen glänzenden Triumph davonträgt. zu ihm. Leben Sie wohl, aber nicht wahr, Sie besuchen mich wieder— kommen Sie recht ost." Langsam erhob sie sich; doch als René sich entfernt hatte, begab sie sich nicht sogleich zu ihrem Vater. Wie vernichtet sank sie auf den Stuhl zurück und barg ihr Gesicht in den Händen. „O!" stöhnte sie,„das ist schlimmer, weit schlimmer als ich ahnte. Es ist entsetzlich— fürchterlich!—“ Der Arzt hatte gehofft, den Kranken in wenigen Tagen wieder herzustellen, allein sein Zustand erwies sich als weit bedenklicher, als man vorausgesehen. Miles La Croix war nur selten bei Bewußtsein, und das Fieber nahm an Heftigkeit zu. Es mochte wohl eine Woche seit Beginn der Krankheit verflossen sein, als Passof, der seine täglichen Erkundigungen fortgesetzt hatte, gegen abend zum zweiten Mal erschien und einen Brief für Moina brachte, den er beauftragt war, ihr persönlich zu übergeben. Der Inhalt desselben sei von solcher Wichtigkeit für ihres Vaters Wohlfahrt, sagte er, daß sie ihm die größte Aufmerksamkeit schenken möge. Er werde auf ihre Antwort warten. Der Ton, in welchem Crashaws Bote sprach, verfehlte seinen Eindruck auf Moina nicht. Sie öffnete das Billet auf der Stelle und las: Fräulein La Croix! Wie Passof berichtet, liegt Ihr Vater in hitzigem Fieber. Er könnte in seinen Phantasieen von Dingen reden, die nicht für das Ohr eines Fremden passen. Seien Sie sowohl um seinet= und Ihretwillen, als um der Sache wegen, welcher er dient, auf Ihrer Hut. Die äußerste Vorsicht ist geboten, und Ihr Vater darf nur von Leuten umgeben sein, die zu uns gehören. Der Krankenwärter, den Sie angestellt haben, muß daher entlassen werden, und ich will Ihnen statt seiner einen sichern Vertrauensmann schicken. Halten Sie dies nicht für unwichtig; Ihres Vaters Leben und Sicherheit hängt davon ab. Crashaw. „Der Brief muß vernichtet werden," sagte Passof, als Moina zu Ende gelesen hatte. Sie reichte ihm schweigend das Blatt, ohne noch einen Blick darauf zu werfen. „Darf ich um Ihre Antwort bitten?" „Sagen Sie Herrn Crashaw, daß ich ihn verstehe. Ich werde nichts thun, um meines Vaters Sicherheit, Gesundheit oder Leben zu gefährden; er kann sich darauf verlassen." Forts. folgt. * Von dem Senator Dupont interpelliert, welche Maßregeln die belgische Regierung angesichts der zahlreichen, im Lande stattfindenden Dynamit= Attentate zu ergreifen beabsichtige, erwiderte Minister De Bruyn, daß er bereits eine Kommission ernannt habe behufs Ausarbeitung eines strengeren Reglements betreffend die Herstellung, den Verkauf und den Gebrauch des Dynamites. Justizminister Van Begerem kündigte dem Senate an, daß er in den nächsten Tagen einen Kredit behufs Reorganisation der politischen Geheimpolizei, die ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen sei, verlangen wird. A Die Rechtspflege. „Justitia fundamentum regnorum“—„Gerechtigkeit ist die Grundlage jedes Staatswesens", also lautet ein bekanntes lateinisches Sprichwort, dem man aber zur Ergänzung ein anderes lateinisches Sprichwort hinzufügen muß:„Quid leges sine moribus“. Was nützen die Gesetze, wenn sie nicht zur Sitte und Gewohnheit werden? Das erste Sprichwort bezeichnet das Ideal, das zweite greift in das volle Menschenleben hinein.„Grau Freund ist alle Theorie, doch grün des Lebens goldner Baum",— auch für die Herren von der Rechtspflege in all ihren verschiedenen Berufszweigen. Die Gesetze sind ja schließlich nicht allein für das gewöhnliche Publikum geschrieben, sondern auch zur Nachachtung für die an der Rechtspflege beteiligten Personen. Auf die Civilrechtspflege wollen wir hier nicht näher eingehen, obschon auch in dieser Beziehung nicht alles so ist, wie es wohl sein könnte und sein sollte. Jedenfalls hat schon seit den alten Römern, von denen noch ein Teil unserer Civilgesetzgebung herrührt, die Civilrechtspflege größere Fortschritte gemacht, als die Staatsrechtspflege. Ein sofort in die Augen springender Unterschied ist schon der Umstand, daß man wegen eines Streitobjekts von 5 Pfg. im Civilprozeß Berufung einlegen kann, während es gegen ein auf 5 Jahre Gefängnis lautendes Urteil der Strafkammer als erste Instanz keine Berufung giebt. Daher das fortwährende dringliche Verlangen auch des Reichstags nach Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen gegen die erstinstanzlichen Urteile der Landgerichts Strafkammern. Daß die Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen nicht länger mehr hinausgeschoben werden darf, hat eine Gerichtsverhandlung gezeigt, die zur Aburteilung einer Anzahl von Zeitungsredakteuren in Berlin wegen angeblich beleidigender Kritik der Polizeibeamten nach der Versammlung der Arbeitslosen vom 18. Januar d. J. unter dem Vorsitze des Landgerichtsdirektors Brausewetter in den letzten Tagen in Berlin stattfand. Es ist bisher noch nicht aufgeklärt, weshalb in diesem Prozesse nur gegen freisinnige und socialdemokratische Blätter Anklage erhoben worden ist, obschon das Vorgehen der Berliner Polizei nach der Arbeitslosen=Versammlung in nationalliberalen, konservativen und anderen Berliner Blättern genau ebenso geschildert und noch viel schärfer kritisiert wurde, abgesehen davon, daß auswärtige Blätter von Anklagen ganz verschont blieben. Das Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft zeigt ich hier in seiner Gegenseite, und so trägt auch dieser Punkt dazu bei, dem Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft nicht nur an sich, sondern auch in seinen Konsequenzen eine sehr bedenkliche Seite abzugewinnen.„Gleiches Recht für alle." Der dritte Redakteur, welcher bei seiner Kritik des Vorgehens der Berliner Polizei auch„kein Blatt vor den Mund genommen hat", geht straffrei aus, während sein Berliner Kollege mit verschiedenen Monaten Gefängnis eine vielleicht noch viel milder abgefaßte Kritik büßen muß. Aber wie die preußische Theorie nach dem Grundsatze„gleiches Recht für alle" vorzugehen vorgiebt, gewinnt das Vorgehen der staatsanwaltlichen Praxis hin und wieder den Anschein, als ov politische Prozesse in der Rechtspflege doch mitunter eine eigenartige Rolle spielen. Aus den Zeiten des unseligen Kulturkampfes können manche Redakteure der Centrumspresse und auch andere Personen davon„ein Lied singen", während beispielsweise die Presse des Bundes der Landwirte bei aller ihrer scharfen und schärferen Opposition gegen die Regierung die Melodie aus den Schreibstuben der Staatsanwaltschaft noch nicht gehört hat— vom Prozeß Thüngen=Memminger allenfalls abgesehen. Der Umstand, daß es keine Berufuna in Strafsachen gegen die Urteile der Landgerichtsstrafkammern in 1. Instanz giebt, tritt naturgemäß gerade dann am meisten als ein beklagenswerter Mangel hervor, wenn Urteile gefällt werden, die nicht nur in der„öffentlichen Meinung", „Alt=Antwerpen" auf der Antwerpeuer Ausstellung. II. 1 Antwerpen. 15. Mai. Im wohlthuenden Gegensatze zu dem in den verschiedenen„orientalischen Vierteln" der Ausstellung sich breit machenden wirklichen und moralischen Schmutze umfängt den Besucher von Alt=Antwerpen sofort der Eindruck niederländischer Sauberkeit, Gediegenheit und Gemütlichkeit. Wer in Begleitung von Frau oder Kind die Ausstellung besucht, der darf unter keinen Umständen das arabische, algerische, tunesische oder marokkanische Viertel besichtigen; aber auch wer als Mann allein zur Ausstellung kommt, der wird gut oaran thun, wenn er den ganzen orientalischen Kram von Anfang an„links liegen läßt" und dafür desto mehr Zeit auf den Besuch von Alt=Antwerpen verwendet. Wer diesen Rat befolgt, der wird nichts verlieren und sehr viel gewinnen. Man macht sich gar keinen Begriff von der ungeheuren Anziehungskraft, welche dieses Alt=Antwerpen auf jedermann ausübt, der ein Auge für künstlerische Schönheit, Geschmack und Verständnis für historische Ueberlieferung und Sinn für echte, unverfälschte Gemütlichkeit besitzt. Einer von unseren Bekannten war zu viertägigem Besuch der Ausstellung aus Deutschland nach Antwerpen gekommen. Als wir ihn am Abende des vierten Tages trafen und ihn fragten, was er alles gesehen, rief er aus:„Ich bin in der ganzen Zeit nicht aus Alt=Antwerpen herausgekommen, und wenn ich noch acht Tage hier bleiben könnte, so würde ich sie auch noch auf Alt=Antwerpen verwenden!" Was ist denn eigentlich dieses Alt=Antwerpen? hören wir da erstaunt den einen und anderen Leser fragen. Wir wollen versuchen, diese sehr natürliche und naheliegende Frage so kurz und so treffend als möglich zu beantworten: Alt=Antwerpen ist die von dem Baumeister Frans van Kuyck entworfene und unter seiner Oberleitung ausgeführte, getreue Nachbildung eines Antwerpener Stadtviertels aus dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Nicht eine Nachbildung„en miniature“, wie man sie schon öfters gesehen hat, sondern in natürlicher Größe, mit wirklichen, bewohnbaren Häusern, mehreren Straßen und Gassen, einem großem Rathausplatze, und einigen hundert Einwohnern in der Tracht des 16. Jahrhunderts. Der Leser wird höchlichst erstaunt sein, wenn wir ihm mitteilen, daß dieses ganze Stadtviertel innerhalb weniger Monate mit einem Kostenaufwande von nur 300000 Frs. erbaut wurde. Wer das nicht weiß, und zum ersten Male durch die wunderbar gelungene Nachbildung des im Jahre 1515 erbauten Kipdorfthores Alt=Antwerpen betritt, der wird sicher glauben, sich in einer wirklichen, durch irgend ein Zauberwerk unverändert erhalten gebliebenen, mittelalterlichen Hort zu befinden. Das Mauerwerk der Häuser sondern auch in der Juristenwelt ein allgemeines„Schütteln des Kopfes" erregen, sei es, daß man eine Verurteilung überhaupt nicht für gerechtfertigt hielt, sei es, daß die erkannte Strafe als ein zu hartes, drakonisches Urteil erscheint. Die Oeffentlichkeit des Gerichtsverfahrens, die heutzutage bei der Anwendung der Stenographie seitens der Berichterstatter eine vollständige ist, ermöglicht es dem öffentlichen Rechtsbewutztsein, an der Handhabung der Strafrechtspflege Kontrolle und Kritik zu üben. Was ist denn eine Rechtspflege, welche der öffentlichen Kontrolle und Kritik nicht Stand zu halten vermag? Nur die polle Oeffentlichkeit, die dem ganzen Volke gestattet, sich ein Urteil über die thatsächlichen Verhältnisse zu bilden, kann das Vertrauen des Volkes in die Rechtspflege aufrechterhalten und kann, wenn Mißstände hervortreten, die Uebel aufdecken, die dann, wenn man sie kennt, geheilt werden. Es ist kein ungerechtfertigtes Mißtrauen gegen den Richterstand, wenn man verlangt, daß die Rechtpflege sich in demselben Lichte der Oeffentlichkeit abspielt, wie die Verhandlungen der gesetzgebenden Körperschaften im Reichstag und im Landtag. Ein Richter, welcher die Handhabung der Rechtspflege nicht als Ausfluß des Absolutismus betrachtet, und das Urteil über Ehre und Freiheit der Bürger nicht nach Art der Despoten=Willkür gehandhabt wissen will, wird zugeben müssen, daß auch der berufsgelehrte Richter nicht unfehlbar in seinen Urteilen ist und daß er in seiner richterlichen Thätigkeit nicht allein einem menschlichen Irrtum, sondern auch menschlichen Schwächen unterworfen ist. Je mehr aber die richterliche Thätigkeit im Lichte der Oeffentlichkeit sich abspielt, desto mehr wird der Richter Bedacht darauf nehmen müssen, daß das Urteil, welches er fällt, und daß auch sein Verhalten in den öffentlichen Verhandlungen vor der öffentlichen Kritik bestehen kann. Der bereits erwähnte Prozeß gegen die Berliner Redakteure hat auf die Rechtspflege eine Reihe von Streiflichtern geworfen, welche dieselbe nicht überall im günstigsten Lichte erscheinen lassen. Wir sehen daraus, daß mit dem Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft schwere Bedenken verbunden sind, und daß es dringend notwendig ist, die Berufung in Strafsachen wiedereinzuführen. Demgegenüber tritt der Segen der Oeffentlichkeit in der Strafrechtspflege hier deutlich entgegen, und die Notwendigkeit, die Oeffentlichkeit in vollem Umfange aufrechtzuerhalten gegenüber vielfach hervorgetretenen Gelüsten, dieselben noch weiter einzuschränken. Der„Fall Brausewetter“ wird doch sein Gutes haben, da er die öffentliche Meinung stark herausgefordert und für die Handhabung der Rechtspflege wieder besonderes Interesse hervorgerufen hat. Die Justizverwaltung wird mit der„öffentlichen Meinung" mehr rechnen müssen, als Herr Landgerichtsdirektor Brausewetter, der dieselbe nicht anerkennen will, um so mehr, als die öffentliche Meinung hier ohne Unterschied der Partei in der Beurteilung vollständig einmütig ist. Es ist erklärlich, daß die Berliner Anwaltskammer und die Berliner Schriftsteller=Genossenschaft als die zunächst beteiligten Korporationen dem„Fall Brausewetter“ näher treten, wahrscheinlich ist es auch, daß das preußische Abgeordnetenhaus in Form einer Petition diesen Fall zur Erörterung bringt. Die Kontrolle der Rechtspflege gehört doch sicher zu den höchsten Aufgaben der Volksvertretung: Jnstitia fundamentum regnorum! Lokales und Provinzielles. Düsseldorf, 17. Mal. *Herr Stoffers entlarvt! In der vorigen Woche hatten wir in unseren Bemerkungen über den zwischen Herrn Stoffers und den Socialdemokraten ausgebrochenen Bruderzwist den Satz ausgesprochen, der demokratische Verein habe früher seine Versammlungen zu dem Zwecke einberusen, um den Socialdemokraten ihre Verhandlungen in der Tonhalle zu ermöglichen. Herr Stoffers geriet durch diese Bemerkungen in die äußerste Wut, obschon wir bloß ausge prochen hatten, was in Düsseldorf die Spatzen von den Dächern pfiffen. Herr Stoffers erklärte in seinem bekannten Brustton: „Das ist niemals geschehen, dem demokratischen Verein sind seine Verhandlungen stets Selbstzweck gewesen, und an dieser Thatsache wird die Kunst jedes Denunclanten scheitern." Die Redakteure des„Volksblattes" werden der Lüge geziehen und da sie nichts zurücknehmen, werden über ihnen als Lügnern in Nr. 111 der„Bürgerzeitung" vom 16. Mai „die Akten geschlossen." Soweit hatte Herr Stoffers das Wort. Nun aber kommen die Socialdemokraten. In der Dienstags=Nummer der„Niederrheinischen Volkstribüne“ finden sich über den Fall folgende hochinteressante Bemerkungen: Herr Stoffers„erklärt dem„Düsseldorser Volksblatt" gegenüber, daß es ihm nie in den Sinn gekommen sei, uns Socialdemokraten die Redefreiheit in der Tohnhalle zu ersieht aus, als habe es schon seit hundert Jahren den Unbilden der nordischen Witterung Trotz geboten. Die äußeren Holzverkleidungen scheinen von jahrzehntelangem Wechsel von Sonnenschein und Regen ihre wetterbraune Farbe erhalten zu haben, Thüren, Fenstergitter, Hausschilder und innere Einrichtung der Häuser passen bis in die kleinsten Einzelheiten zum Ganzen. Erst wenn man mit dem Stock gegen das alte Gemäuer klopft, merkt man an dem hohlen Tone, daß es nicht echt, sondern aus Stoff, einer besonderen Art von Hartgyps, hergestellt ist. Die Täuschung wurde aber eine so vollkommene, weil man durch Abgüsse von wirklichem, altem Gemäuer Formen herstellte, aus denen die zu den Bauten verwendeten Blöcke gegossen wurden, auch die an den Bauwerken zur Verwendung gekommene Bildhauerarbeit wurde auf gleiche Weise hergestellt, und durch geschickte Uebermalung wußte man den Anschein hohen Alters hervorzubringen. Wenn man zum Kipdorperthor hereinkommt, dann führt geradeaus eine Straße zum Rat hausplatz, während sich links eine engere, überaus malerische Gasse zur alten Börse hinzieht. Zum Rathausplatz gehend, kommen wir am Hospiz vorbei, welches durch den Begynhof von der Kirche getrennt ist, einem Meisterwerke altgotischer Baukunst, in deren Innerem sich u. a. ein herrlicher, holzgeschnitzter Altar und eine äußerst wertvolle Orgel sich befinden; Gottesdienst darf in der Kirche nicht abgehalten werden. Der Chor der Kirche, an dessen Außenseite nach damaliger Sitte ein Kalvarienberg angemalt ist, grenzt an den Rathausplatz, zu dessen hervorragendsten Gebäulichkeiten das alte Rathaus, ein von 4 Ecktürmchen überragter, schloßartiger Bau, ferner das mit verschwenderischer Pracht gebaute und eingerichtete Schöffenhaus, die alte Schrannenhalle und das Theater mit seiner nach dem Platze hin offenen Bühne gehören. Die übrigen Gebäude sind Patrizier= und Bürgerhäuser, alle genau nach alten Plänen der Gemälde wieder aufgebaut. In den Erdgeschossen der Häuser von Alt=Antwerpen befinden sich Läden, Werkstätten, Wirtschaften usw., während die Stockwerke an reiche Antwerpener Familien vermietet sind. In den Wirtschaften trinkt man aus wunderlich geformten Thonkrügen ein nach mittelalterlicher Art gebrautes Bier, auch kann man daselbst viel sonderbar zubereitete Speisen und Wurstwaren essen, die dem Gaste auf riesigen Zinnschüsseln vorgesetzt werden. So streng ist die historische Treue durchgeführt, daß man in keiner einzigen Wirtschaft Streichhölzchen findet, sondern überall auf den Tischen brennende Wachskerzen zum Anzünden der Thonpfeifen. Auf dem großen Theater werden zweimal wöchentlich, in dem unter der Schranne befindlichen Marionettentheater täglich Vorstellungen gegeben. Großartige Kostümfeste, Turniere, Einzüge von Rhetorikerkammern usw. werden mehrmals im Lauf des Sommers mit besonderem Prunk in Alt=Antwerpen abgehalten werden. möglichen. Wir hätten keinen Grund gehabt, dem„Volksblatt", unserm verbissensten Gegner, diese Thatsache zu bekräftigen. Indessen der Herr Stoffers ist in einer so gehässigen, persönlichen Weise gegen die an der Spitze stehenden Genossen vorgegangen, daß wir jede Rücksicht fallen lassen müssen, um die Wahrheitsliebe des Mannes zu charatterisieren, der jeden andern, der nicht seines Sinnes ist, als Lügner bezeichnet. Gelegentlich der letzten Wahlkampagne kam Herr Stoffers zu einem Mitgliede des Wahlkomitees und erklärte, daß er bereit sei, eine Versammlung in der Tonhalle einzuberufen, weil er darüber empört set, daß uns Socialdemokraten seitens der Stadtverordneten die Tonhalle verschlossen werde. Allerdings seien die Demokraten nicht in der Lage, die damit verknüpften Unkosten auf sich zu nehmen, sondern wir Socialdemokraten müßten als Kompensation eine Anzahl Karten übernehmen und das Geld hierfür im Voraus bezahlen.— Was auch geschah.— Es betrug die Summe von 70 M. Zu dieser Versammlung waren unserseits als Redner ausersehen Wesch und Helbing. Ihnen sollte die meiste Zeit zur Entwickelung ihres Programms freibleiben. Durch hier nebensächliche Umstände wurde Genosse Wesch verhindert, zu erscheinen. Dies der Hergang der Sache. Des weiteren haben nicht wir, sondern hat Herr Stoffers immer versucht, mit uns Socialdemokraten Fühlung zu bekommen. Er hat uns eingeladen, in die Sitzungen des demokratischen Vereins zu kommen; er ist zu verschiedenen Malen mit dem jeweiligen Verleger persönlich in Verbindung getreten und hat sich nicht nur einmal darüber beschwert, daß man ihm von unserer Seite mit einem durch nichts begründeten Mißtrauen entgegentreten würde. Er hat sich ferner, namentlich beim Hiersein auswärtiger Genossen, den Anschein gegeben, als ob er ebenfalls ein Anhänger unserer Partei sei und sich stets mit Vorliebe auf seine Beziehungen zu Dr. AronsBerlin etwas zugute gethan. Am 1. Mai äußerte er sich noch in diesem Sinne und sagle zum Schreiber dieses in Gegenwart von Dr. Lütgenau, daß er doch gewiß am hiesigen Platze viel für die Socialdemokratie gethan habe, namentlich in Kreisen, wo wir selbst nicht hineinzudringen vermöchten. Also den Socialdemokraten gegenüber spielte er die Rolle eines Anhängers, oder doch eines Mannes, der uns sehr nahe stehe in seinen Ueberzeugungen. Inmitten des demokratischen Vereins hingegen war er ein Gegner vom reinsten Wasser, der namentlich auf dem im vorigen Herbst hinter verschlossenen Thüren stattgefundenen Parteitag der rheinisch=westfälischen Demokraten durch sein Sprachrohr Herrn Hartmann erklären ließ, daß hier in Düsseldorf die Stätte sei, wo die Demokratie an Macht und Ausdehnung gewinnen könne, indem man einerseits dem Centrum die unsicheren Elemente abspenstig zu machen habe, während anderseits und hauptsächlich alle diejenigen Anhänger unserer Partei, welche noch nicht sicher an den Zukunftsstaat des Herrn Bebel glaubten, um die Bürgerzeitung zu scharen seien, um später einmal offen für eine demokratische Reichstagskandidatur am Orte einzutreten, wobei im erstrn Wahlgange der Sieg errungen werden müsse. Einem am Orte populär gewordenen Manne(!) müsse die Kandidatur übertragen werden. Das sind die Pläne des Herrn Stoffers, die wir allerdings längst durchschauten und welchen Umstand Herr Stoffers als Grund der„schärferen Tonart" betrachten möge— und auch als vollgewichtigen Anlaß, daß die Scheidung der Geister dringend von Nöten war." Was sagt Herr Stoffers nun? Wo steckt nun der Lügner? An demselben Tage, da Herr Stoffers die Akten schloß, haben diese sich von selber wieder aufgethan, um gar merkwürdige Dinge an das Tageslicht zu befördern. Soviel für heute! Mit dem zukünftigen verschämt soctaldemokratischen Reichstagskandidaten für Düsseldorf werden wir noch weiter abzurechnen haben. *„Ludwigskirche in Berlin." Der in dieser Nummer enthaltene Aufruf der Centrumsvereinigung des St. Bonisatius=Vereins zu gunsten der„Ludwigskirche" in Berlin wird überall, wo Katholiken wohnen, nicht ungehört verhallen. Denn unvergeßlich bleibt die Erinnerung an unseren großen Windthopst, und da die des Weiterbaues harrende Kirche dem hl. Ludwig, Windthorsts Namenspatron, geweiyt und ein kostbares Denkmal katholischer Dankbarkeit werden soll, werden viele mit Freuden die Gelegenheit ergreifen, in der erbetenen Weise ihre Dankbarkeit zu bethätigen. * Die Nachbarschaft der Beyerschen Metallgießerei am Sandweg zu Frankfurt hatte sich gegen die Dampfpfeife der Fabrik beschwert, weil die schrillen Signale die Gesundheit nervöser Personen schädigen. Das Polizelpräsidium gab der Beschwerde nach und verbot den Gebrauch der Dampfpfeise; der Wiesbadener Bezirksausschuß hob das Verbot auf und erklärte, eine Gesundheitsschädigung liege nicht vor. Das Polizeipräsidium stützte indes seine Verfügung auf§ 10, Titel 17, 2. Teil, des Allgemeinen Landrechts und legte Berufung beim Oberverwaltungsgericht ein, dessen 3. Senat das Polizeiverbot bestätigte, da die betreffende Dampfpfeife wohl geeignet sei, die Gesundheit nervenschwacher Nachbarn zu schädigen. * Wegen Kanalbau=Arbeiten wird die Kreuzstraße von der Bismarck= bis zur Marienstraße vom 18. ds. Mts. ab bis auf Weiteres für den Reit= und Fuhrverkehr gesperrt. Einem Wirte in der Friedrichstadt wurden eine goldene Taschenuhr nebst Kette im Werte von 20 Mark, sowie eine Spieluhr gestohlen. Die Sachen fanden sich bei einem Althändler wieder, wo sie die Diebin, eine Nachbarin des Wirtes, verkauft hat. Die Diebin wurde verhaftet, gestand auch den Diebstahl ein. Bei ihr wurde eine ebenfalls gestohlene dunkelblaue gestreifte Hose gefunden. Eine diebische Magd, die ihren Dienstherrn, einen Bäcker in der Düsselthalerstraße, bestohlen hat, wurde verhastet. Ein fremder Mensch wollte gestern einen Ziehkarren verkaufen, allein, da er sich über den redlichen Besitz nicht ausweisen konnte, so nahm sich seiner die Polizei an. Der Bursche gestand dann ein, er habe den Karren in Steele gestohlen und sei damit nach Düsseldorf gefahren, um ihn zu verkaufen. Da habe er nun für seine ausdauernde Arbeit schlechten Lohn erhalten. Vom Hofe einer Wirtschaft zu Oberbilk an der Kölnerstraße wurde ein Fahrrad gestohlen. [ Ein Schreinermeister begegnete gestern auf der Kölnerstraße einem seiner früheren Gesellen, ging auf ihn zu und gab ihm kräftige Ohrfeigen, ohne jeden Anlaß, wie der Geselle sagt, der Strafantrag stellte. Bei einem Diebe wurde ein rotes Taschenetui gefunden, enthaltend eine Bartbüste, einen Spiegel, Zahnstocher und andere Gegenstände. Der Eigentümer hole sich das Ding auf dem Kriminalbureau wieder. I Sitzung des Schöffengerichts vom 16. Mai. Zwei Handlanger stiegen an der Florastraße über eine Mauer in den Garten und stahlen Blumen. 5 Mark Strafe müssen sie bezahlen.— 3 Wochen muß Rudolf P. aus Ratingen sitzen, weil er sich in Düsseldorf den Beamten widersetzt hat. — Karl Sch., ein vagabundierender Metzgergeselle, kam nach 9jähriger Buße am 12. April aus dem Zuchthause und kam nach Düsseldorf. Am 2. Mai gab er bereits in der Herberge ur Heimat wieder Proben seiner Geschicklichkeit im Kümmellättchen, zwei Bäckergesellen aus Rheda opferten ihm ihre Reisegelder. Sch. wurde gleich nachher verhaftet und heute für seine Geschicklichkeit mit einem Jahre Gefängnis bestraft. — Johann Sch., Fuhrknecht aus Wittlich, stahl, wie wir mitteilten, am 4. Mai in der Markthalle einer Frau das Portemonnaie mit 7 Mark aus dem Marktkorbe. Der Diebstahl kostete ihm 5 Monate Gefängnis.— Mehrere Knaben haben Eisenabfall gestøhlen und dem Händler N. verkauft. Letzterer erhielt wegen Hehlerei 1 Woche Gefängnis, ein Knabe 3 Tage Gefängnis, die anderen kamen mit einem Verweise davon.— Die Näherin Henriette K. hat dem Fräulein Sophie Stahl die goldene Uhr im Werte von 80 Mark gestohlen. Sie war heute des Diebstahls geständig und wurde zu der milden Strafe von 1 Woche Gefängnis verurteilt.— Wilhelm H. hat gefischt, ohne seinen Erlaubnisschein in der Tasche zu haben. Diese Vergeßlichkeit muß er mit 20 Mark büßen.— Die Karoline E. hat Schenkwirtschaft ohne Konzession betrieben, sie wurde deshalb mit 62 Mark bestraft.— Eine Woche Gefängnis erhielt der Wilhelm v. K., der in Kaiserswerth Petroleumfässer gestohlen hat. * Essen, 16. Mai. Gestern erfolgte die feierliche Einführung des neuen Herrn Rektors Bornewasser an der St. Josephskirche. Gegen 9 Uhr Vormittags hatten die Geistlichkeit, die Vorstände und Fahnendeputationen der katholischen Vereine am Limbeckerplatz Aufstellung genommen, wo die erste Begrüßung des Herrn Rektors erfolgte. Nachdem zwei weißgekleidete Schulmädchen ein Gedicht vorgetragen und Blumensträuße überreicht hatten, wurde der Zug zur St. Josephskirche angetreten, in welcher Herr Rektor Bornewasser ein feierliches Hochamt celebrierte und nach Beendigung desselben freundliche Worte der Begrüßung an seine neue Gemeinde richtete, indem er versprach, den Kindern ein warmherziger Freund, den Vätern und Müttern ein wohlmeinender Berater, den Arbeitern ein teilnehmender Seelsorger, den Notleidenden und Armen ein opferwilliger Helfer sein zu wollen. Der gottesdienstlichen Feier folgte nach 11 Uhr im Rohdeschen Saale in der Frohnhauserstraße die Begrüßung durch die Vereine, Lehrer und Lehrerinnen des Bezirks. Den Schluß der Begrüßungsfeierlichkeiten bildete abends eine Festversammlung im Rohdeschen Saale, welcher bis auf den letzten Platz besetzt war. * Köln, 16. Mai. Der Deutsche Freidenkerbund hielt an den Pfingsttagen hier im Restaurant„Karl der Große“ seine 12. Hauptversammlung ab. Die meisten Eröterungen und Vorträge waren von zwei vom Freidenkerbund aufgestellten Grundsätzen beherrscht: 1. Der Freidenkerbund steht weder innerlich noch äußerlich mit der Sozialdemokratie irgendwie im Zusammenhang. 2. Die sozialen Verhältnisse bedürfen einer Verbesserung; aber erst müssen die Menschen besser werden, dann werden auch die sozialen Verhältnisse besser. Dieser letztere Satz wurde namentlich gegenüber der Sozialdemokratie verfochten, die behauptet, daß erst die sozialen Verhältnisse gebessert werden müssen und dann erst die Menschen besser werden können. In der Hauptversammlung am Pfingstmontag bestritt Professor Dr. L. Büchner=Darmstadt in entschiedener Weise, daß der Freidenkerbund irgendwie mit der Sozialdemokratie zusammenfalle. Büchner erklärte, daß er, wenn er von dem geringsten Anzelchen eines derartigen Zusammenhangs überzeugt wäre, aus dem Freidenkerbund ausscheiden würde. Dr. Rüdt=Heidelberg, der bekannte Christentöter und sozialdemokratischer Wanderredner, behandelte das Freidenkertum in den letzten Jahrzehnten und suchte nachzuweisen, daß Friedrich der Große keinesfalls zu den Freidenkern, wie sie der Deutsche Freidenkerbund annehme, zu rechnen set. Die Kritik, die Herr Rüdt an der Person des großen preußischen Monarchen übte, war in den schärfsten Ausdrücken gehalten. Am Pfingstmontag nachmittag hielten in einer öffentlichen Versammlung Dr. BüchnerDarmstadt, Dr. Hause=Meeran, Dr Rüdt=Heidelberg und Dr. Wille=Friedrichshagen Vorträge. Dazu waren die Mitglieder des Kölner Freidenkerbundes und einige hundert Sozialdemokraten erschienen. )( Köln, 17. Mai. Der Wasserstand des Rheins ist wiederum gestiegen und gestattet in seiner jetzigen Höhe eine unbehinderte Schiffahrt bis zum Oberrhein. Der Schiffsverkehr ist angesichts dieses günstigen Wasserstandes denn auch ein sehr reger, namentlich passieren große Schleppzüge vom Ruhrgebiet unsere Stadt. * Bonn, 16. Mai. In der Untersuchung gegen den Raubmörder Lethen wurde auch eine Anzahl hiesiger Bewohner vor dem Untersuchungsrichter vernommen. Lethen war am vergangenen Freitag hier in der Stadt und hat Einkäufe mancherlei Art gemacht. Er engagierte sich gleich einen Dienstmann, dem er nobel 3 M. behändigte und der die eingekauften Sachen zu tragen hatte. Es muß dieses also bald nach Berübung des Mordes gewesen sein, indes hat Letben keinerlei auffälliges Wesen gezeigt. Ungeachtet der immer mehr sich häufenden Schuldbeweise bleibt Lethen bei seinem hartnäckigen Lengnen. * Steele, 16. Mai. Auf der Kirmes vor acht Tagen ließ ein anständig gekleideter, etwa 40jähriger Mann ein schulpflichtiges Mädchen namens Knigge auf dem Karussell fahren, ihm auch ein Schinkenbrot geben. Unter dem Vorwande, ihm noch mehr zu schenken, veranlaßte der Mann das Kind, mit ihm zu gehen. Beide schlugen den Weg nach Kray ein, wo ihnen der Lehrer des Mädchens begegnete, der den Mann, da das Kind harmlos planderte, für einen Anverwandten hielt. Seit jener Zeit ist das Kind spurlos verschwunden. Die Nachforschungen haben noch nicht zu einem Ergebnis geführt. * Gelsenkirchen, 15. Mat. Die Klagen der Bergleute über zu niedrige, kaum für die allernötigsten Bedürfnisse ausreichende Löhne und die Erbitterung gegen das Syndikat wächst von Zahltag zu Zahltag und kaum dürften vor 1889, vor dem großen Bergarbeiterstreik heftigere Reden in Bergarbeiterversammlungen gehalten worden sein, wie gegenwärtig. Dazu kommt noch die Erbitterung gegen den Knappschaftsvorstand, der Millionen als Reserve anhäuft und den Bitten der Vergleute um höhere Bezüge oder Wegfall der Beiträge zur Invaliditäts= und Altersversicherung gegenüber taub bleibt. Uebrigens hat vor einigen Tagen die„Rhein.Westf. Ztg." ohne Umschweife zugegeben, daß nicht ungünstige Marktverhältnisse, sondern lediglich das Bestreben des Syndikats, höhere Kohlenpreise zu erzielen, die Arbeiterentlassungen und Feierschichten bedingt. * Münster, 15. Mai. Im hohen Dome werden durch den hochw. Herrn Bischof am nächsten Donnerstag 32 Alumnen des hiesigen Priesterseminars die niedern Weihen erhalten und am darauffolgenden Samstage 23 Diakonen die hl. Priesterweihe. Unter denselben befinden sich verschiedene Söhne der niederrheinischen Heimat. Der nach der schweren Kulturkampfzeit so unliebsam bemerkte Priestermangel hat sich bei der erfrenlichen Zunahme der Theologie=Studierenden in der hiesigen Diöcese mehr und mehr vermindert; in absehbarer Zeit werden auch diejenigen Stellen sämtlich besetzt sein, die man seither in Rücksicht auf dringendere Bedürfnisse noch unberücksichtigt gelassen hat. Der Impfgegner. Organ der deutschen Impfzwanggegner=Vereine. Preis jährlich 2 Mark. Für Mitglieder von Impfgegner= und Naturheilvereinen 1,50 M.— Die soeben erschienene Nummer 5 hat folgenden Inhalt: Unsere Petitionen(5241!) im Reichstage.— Das Jennersche Experiment(Schluß).— Ein sehr wichtiger, oft übersehener Grund gegen die Impferei. Von Dr. med. Mayntzer.— 125 Todesfälle infolge der Impfung(Fortsetzung).— Ein Märtyrer des Impfgesetzes.— Vermischtes: Ketzergericht über einen Impfgegner. Wie man in Amerika über die Impfung denkt. Impfschädigungen in Cincinnati. Impfung und Diphtheritis. Impfwut an Tieren in Afrika.— Zur impfgegnerischen Bewegung: Nordhausen, Roßwein, Frankenstein in Schlesien.— An unsere Leser.— An die Subskribenten auf Martini, Kommentar zum Impfgesetz.— Litterarisches. Probenummern versendet unentgeltlich und postfrei die Geschäftsstelle: Dresden, Marschallstraße 39. Vermischtes. * Mannheim, 11. Mai. Der Partikulier=Schifferverband Jus et Justitia hatte wiederholt das Ersuchen an die Regierungen von Bayern, Baden und Elsaß=Lothringen gerichtet, die Schiffbarmachung des Oberrheins von Mannheim bis Straßburg so bald wie möglich in Angriff zu nehmen. Nach einer Mitteilung des badischen Ministeriums des Innern an den Vorstand des genannten Vereins ist nunmehr zwischen den badischen und bayerischen Regierungen eine Verständigung dahin erzielt worden, daß zunächst versuchsweise auf der Strecke zwischen Mannheim und Maxan zum Zwecke der Verbesserung der Schiffahrtsstraße Arbeiten zur Auflockerung und Baggerung festgelagerter Kiesbänke vorgenommen werden sollen. * Stuttgart, 15. Mai. Die Bottwarthalbahn" die erste Eisenbahn in Württemberg mit einer Spurenweite von 0,75 Meter, ist dem öffentlichen Verkehr übergeben worden, nachdem Tags zuvor eine Festfahrt stattgefunden, an welcher die Minister Freiherr v. Mittnacht, Dr. v. Riecke und v. Pischeck teilnahmen. Die neue Schmalspurbahn führt von Marbach von Süd nach Nord zunächst im Murrthal bis Steinheim, dann durch das stark bevölkerte, fruchtbare und schöne Bottwarthal bis Beilstein. Die Fortführung bis Heilbronn ist in Aussicht genommen. * München, 15. Mai. Eine furchtbare Volksjustiz ereignete sich vorgestern im oberbay erischen Städt chen Weilheim. Gelegentlich eines Aussluges zweier Verein nach Peißenberg wurde ein Bäckergehülfe durch übermäßigen Getränkekonsum rabiat und stieß dem abmahnenden Her ergsvater ein Messer in die Brust. Der Mörder floh, wurde eingefangen und abends nach Weilheim gebracht. Bei der Auswaggonierung stürzten etwa 500 Männer auf den Mörder, der mit Steinen und Holzscheiten niedergeschlagen und so zugerichtet wurde, daß sein Aufkommen zweifelhaft ist. Fünf Gendarmen wehrten die Angreifer mit blanker Waffe ab, sonst ware der Mörder buchstäblich in Stücke zerrissen worden. Mehrere Gendarmen und zahlreiche Leute wurden verletzt. Die Aufregung in der ganzen Gegend ist unbeschreiblich. * Vom Bodensee. Seit einiger Zeit fahren, wie die „Thurg. Ztg." berichtet, auf dem Bodensee Schiffe einer neuen Art, nämlich solche mit Motorenbetrieb, und zwar nicht bloß leichtere, sogenannte Vergnügungsschiffe, sondern große Lastschiffe, die mit einer Schnelligkeit fortbewegt werden wie früher die hölzernen Dampfschiffe und bei starkem Gegenwinde wie völliger Windstille nach jeder Richtung in 30 bis 45 Minuten eine Wegstunde zurücklegen können. Dem Segelschiff wird nämlich ein Petroleummotor eingesetzt, der eine Schraube treibt und entweder allein oder in Gemeinschaft mit dem Segel arbeitet. Der Motor ist 4 bis 5 Pserdekräfte stark, kostet etwa 3000 Francs und verbraucht täglich höchstens für 4 Francs Petroleum. Während bisher die Segelschiffe bei Windstille oder Gegenwind mehrere Tage, ja Wochen lang gezwungen waren, unthätig, geladen oder leer, wo sie gerade waren, liegen zu bleiben, dampft nun ein solches Motoren=Segelschiff gemütlich ab und befördert 4 bis 5 Schiffsladungen in derselben Zeit, in der die gewöhnlichen Segelschiffe nur eine Ladung fortbringen. * Mährisch=Ostrau, 15. Mai. Baron Mundy studierte hier an den Verwundeten die Wirkungen der Mannlicher=Geschosse und erklärte nach genauer Besichtigung der Verletzungen, daß noch fünf bis sechs verwundete Bergleute ihren Wunden erliegen dürften. Die Art der Knochenzersplitterungen, besonders die Lostrennung der ganz zerfransten Geschoßmäntel, habe, wie auch der preußische Generalstabsarzt Coler auf dem römischen Aerztekongreß erklärte, neuerlich bewiesen, daß die modernen Präzisionswaffen nichts weniger als human seien. * Wien, 16. Mai. Der akademische Maler Franz Kolarz und dessen drei Schwestern vergifteten sich in dem unweit von Wien gelegenen Wallfahrtsorte Maria=Lanzendorf gemeinschaftlich. In einem hinterlassenen Briefe teilten die vier Geschwister mit, daß niemand von ihnen das andere überleben wolle, weshalb sie gemeinschaftlich sterben. Alle waren bereits in vorgerückten Jahren. )(Antwerven, 17. Mai.(Telegr.) Während des Besuches des Königs in der Ausstellung näherte sich ihm die Tochter der inhaftierten Frau Joniaux, welche demselben eine Bittschrift überreichte, worin dieselbe die provisorische Infreiheitsetzung ihrer Mutter verlangt. Obgleich dem Könige bis zur Verurteilung kein Begnadigungsrecht zusteht, nahm er die Bittschrift entgegen. ( Brüssel, 17. Mai.(Telegr.) Der gegen ein hiesiges Blatt wegen eines Artikels gegen den Schah von Persien angestrengte Prozeß endigte heute mit der Freisprechung des Angeklagten, nachdem dessen Verteidiger in sarkastischer Weise die Grundlosigkeit der Anklage bewiesen. Der Schah konnte durch den betreffenden Zeitungsartikel nicht beleidigt werden, da er ihn nicht kannte. * Paris, 17. Mai.(T.) Die gestern nachmittag erfolgte Verhaftung des Direktors des Kredit général von Paris hat in Finanzkreisen großes Aufsehen erregt, derselbe ist verschiedentlich des Vertrauensbruchs usw. angeklagt. Das Bankgeschäft besteht indes weiter. * London, 16. Mai. Das„Bur. Reuter" meldet aus New-York vom heutigen Tage: Nach einer aus San Salvador über Panama eingegangenen Drahtnachricht sollen bei einer Eisenbahnzugentgleisung gegen 300 Personen ums Leben gekommen sein; unter den Reisenden habe sich auch der Präsident Ezeta befunden, der jedoch unverletzt geblieben sei. * Die Sonne befindet sich gegenwärtig im Stadium ihrer größten Flecken=Entwicklung. Fast ununterbrochen bilden sich große Flecken und Gruppen von kleinen Flecken, manche der bedeutendsten konnten in den letzten Monaten sogar mit bloßem Auge wahrgenommen werden, besonders wenn die Sonne nahe am Horizont ist und ihr Glanz deshalb bedeutend gemildert war. Daß es sich bei diesen Fleckenbildungen um gewaltige Revolutionen im Innern des glühenden Sonnenballes handelt, daß also letzterer gegenwärtig in einem Zustand ungewöhnlicher Erregung sich befindet, wird durch das Auftreten bedeutender Protuberanzen erwiesen. Letztere sind bekanntlich ungeheure glühende Gasströme, hauptsächlich aus Wasserstoff bestehend, die mit großer Geschwindigkeit springbrunnförmig von der Sonnenoberfläche emporsteigen. Der Astronom der Sternwarte zu Kalocsa in Ungarn, I. Fenyl, der sich besonders mit der Untersuchung der Sonnenoberfläche beschäftigt, berichtet soeben über zwei Protuberanzen, die sich bis zu 360000 bis 500000 Kilometer über die Sonne emporerstreckten und somit die höchsten sind, die man bis jetzt beobachtet hat. Die erste wurde an: 19. Sept. v. J. gesehen, sie stieg mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometer in der Sekunde empor, und zwar, wie schon erwähnt, bis zu 360000 Kilometer Höhe. Diese ungeheure glühende Gasmasse bestand aus einzelnen glänzenden Banden oder Strähnen, doch hatte sie keinen langen Bestand. Zur größten Ueberraschung des Beobachters bildete sich am folgenden Tage morgens, wenige Minuten vor neun Uhr, eine neue große Protuberanz an einem Punkte der Sonnenoberfläche, welcher dem vorher erwähnten fast genau diametral gegenüberstand. Der Beobachter sah unmittelbar die glühenden Gasmassen sich von der Sonnenoberfläche erheben und mit einer Geschwindigkeit von 255 Kilometer in der Sekunde emporsteigen. Diese Protuberanz war derjenigen des vorherigen Tages äußerlich völlig ähnlich und sie nahm rasch eine ungeheure Größe an, indem sie in weniger als 20 Minuten bis zur Höhe von 500000 Kilometer emporgeschossen war. Eine solche ungeheure Geschwindigkeit des Emporsteigens ist als mechanische Bewegung schwer erklärlich, dagegen giebt die Theorie von Brester eine einfache Deutung, indem sie annimmt, daß es sich bei dem Vorgange um eine Entzündung der gasförmigen Umhüllung der Sonne handelt. Höchst merkwürdig und bis jetzt unerklärlich ist es aber, daß solche Vorgänge innerhalb eines Zeitraumes von kaum einem Tage an zwei einander antipodisch gegenüberstehenden Puntten der Sonne auftraten. Aehnliches hat man auch früher schon beobachtet, so besonders am 26. Juni 1885, so daß es sich also nicht um ein zufälliges Zusammentreffen handelt. Eine Erklärung ist dafür zur Zeit noch nicht zu geben. * Die Wiener„Deutsche Ztg." erzählt: Gigerl spaziert des Abends über Ringstraße. Gigerl hat Rauchbedürfnis, zieht elegante Tabatiere, entnimmt Havannah. Will Cigarre anbrennen, hat kein Feuer. Späht in die Nacht, ob nirgends glimmende Cigarre sichtbar. Dort kommt Mann im Arbeitskittel, raucht„Kurze". Gigerl brennt an, dankt und wirft „Kurze" in weitem Bogen auf die Straße. Arbeiter will auffahren, Gigerl aber entnimmt Tabatiere Havannah und reicht sie ihm. Arbeiter besänftigt, bittet Gigerl jetzt um Feuer. Gigerl reicht ihm Cigarre. Arbeiter brennt an, wirft dann die Cigarre in weitem Bogen auf Straße, zieht aus Rocktasche„Kurze" und giebt sie mit Verbeugung Gigerl! Eine Höflichkeit ist die andere wert! * Der gute Frühling. Dichterling:„Ach, wie oft habe ich schon den Frühling besungen!"— Freund:„Und er kommt doch alle Jahre wieder!" des Düsseld. Berlin, Donnerstag, 17, Mai. Wie offiziös mitgeteilt wird, wird sich an den demnächstigen Konferenzen des Landwirtschafts=Ministerium auch der Finanzminister Dr. Miquel beteiligen. Lüttich, Donnerstag, 17. Mai. Nach den von dem verhafteten Anarchisten Müller gemachten Geständnissen ist es der Polizei gelungen, die Mitschuldigen bei dem letzten Dynamit=Attentate zu verhaften. Besonders kompromittiert erschlenen zwei junge Leute, Söhne guter Familie, aus Lüttich. Dieselben sollen mit Müller und einem in Amsterdam verhafteten russischen Baron die letzten Attentate verübt haben. K Lissabon, Donnerstag, 17. Mai. Die Nachricht, daß die beiden Kommandanten des„Alberquerque" und des „Mindello“ wegen Aufnahme von brasilianischen Insurgenten vor ein Kriegsgericht gestellt werden, hat hier an verschiedenen Stellen peinlich berührt, da man glaubt, die beiden Kapitäne haben aus Menschlichkeit gehandelt und die Insurgenten vor dem Tode, zu welchem sie durch Peixoto verurteilt waren, retten wollen. Man hofft nicht, daß der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Krieg führen werde, da die brasilianische Regierung unmöglich jetzt eine Aktion einleiten kann. * Newyork, Donnerstag, 17. Mai. Die Coxeyisten haben sich mehrerer Güterzüge mit Waren von bedeutendem Wert bemächtigt. Der Polizei ist es nicht gelungen, ihnen dieselben wieder abzunehmen. Vandels= und Börsen=Nachrichten. Neuß, 17. Mal.(Telegr.) Weizen, 1. Qual. kleiner 14,50, 1. Qual. engl. Aussaat 14,00, 2. Qual. 13,50. Roggen, 1. O. 12,00, 2. Qual. 11,00. Hafer 15,20. Raps 1. Qnal. 00,00, 2• Qual. 00,00. Aveel(Rübsen) 00,00, Kartosseln 4,00 per 100 Ko. Heu 52,—. Roggenstroh 21,00, Weizenstroh 00,00 per 500 Ko. Rüböl per 100 Ko. 44,50 Rilböl faßweise 46,00, Preßkuchen, 1000 Ko. 102,00. Kleien per 50 Kilo. 5,00 Köln, 16. Mai. Wetzen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig hiesiger alter M. 15,00—16,00 B., letztjähriger 14,00—14,25 B., fremder 15,50—17,00 B. Roggen ohne Sack die 100 Kllo vorrätig hiesiger M. 12,25—13,00 B., fremder 14,00—16,00 B. Hafer ohne Sack die 100 Kilo hiesiger M. 15,25—16,00 B., fremder 14,75—16,00 B. Landmarkt. Weizen M. 13,75, Roggen 11,40, Gerste 00,00, Hafer 00,00. Zufuhr: 4 Sack Weizen, 6 Sack Roggen, 00 Sack Gerste, 00 Sack Hafer. Heü M. 10,00—12,00 Roggenstroh 5,00, Weizenstroh 4,50 die 100 Kilo. Aachen Mastrichter Dortmund Enschede Gotthardbahn It. Mittelmeer=Bahn Lüttich=Limburg Lübeck=Büchen Mainz=Ludwigshafen Marienburg=Mlawka Aachener Diskonto Barmer Bankverein Verg.=Märk. Bank Berliner Handels=Ges. Berliner Intern. Bank Darmstädter Bank Deutsche Bank Diskonto=Gesellschaft Dresdener Bank Berlin, den 16. Mai. Eisenbahn=Aktien. 62,25 121,75 169,10 77,60 36,50 147,00 113,70 Oesterr. Staatsbahn 132,25 Oesterr. Südbahn— Ostpreuß. Südbahn 88,75 Prince Henri 73,25 Russ. Südwestba n 79,70 Schweizer Centralbahn 132,10 Warschau=Wiener 239,30 83,50 Werra=Bahn 57,00 Bank=Aktien. Essener Kredit 131,50 Köln. Wechsler=Bank 97,30 116,60 115,50 133,75 134 40 134,40 158,30 186,75 141.00 Industrie=Papiere. Arenberger Bergwerk 427,00 Herbrand Waggon 16200 Nationalbk. f. Deutschl. 110,25 Norddeutsche Bank 121,30 Preuß. Bodenkred.=Bk. 13180 Oesterr. Kredit 212,75 Reichsbank 155,00 Russ. Bank f. H. Schaaffhausen. Baukv. 120 06 Allgem. Elektr.=Werke Berzelius 122,60 Bochumer Guß 133,70 Concordia=Bergwerk 8225 Dannenbaum 91,25 Dortmunder Union 60,50 Düsseldorfer Chamotte 60.00 Düsseldorfer Draht 51,25 Düsseldorfer Waggon 135.50 Düsseld. Höfelbrauerei 137,00 Gschweiler Bergwerk 84,50 Eelsenkirchen Bergwerk 145,75 Gerresheimer Glashütte 116,0° Harpener Bergbau 129,90 Deutsche Fonds. 112.00 übernia Be gwerk 117,40 Hugo 137,00 Kölner Bergwerk 140,% Königs- u. Laucahütte 127,10 König Wilhelm St. P. 170,60 Phönix A 118,90 Rhein Nassau Bergw. 67.00 Ravensb. Spinnerel 135,00 Rhein. Westf. Industrie 95,60 Stollb. Zink Aktien 33,80 Stollb. Zink=Akt St. P. 103.50 Trust Dynamit 141,50 Westfälischer Draht 119,75 Wurmrevire 92,50 4% Reichsanleihe 107,90 3½% Reichsanliehe 191,60 3% Reichsanleihe 38,20 4% Deutsche R A. neue— 4% Consols preuß. 107,70 3½% Preuß 3% 3½ Konsols 101.75 Preuß. Konsols— Consols neue— Düsseldorf, 17. Mai. Rheinst. 1,83+ 0,03. Wind NO Therm.+ 15. Barom. 28—2. Mannh., 16. Mai. 3,52— 0,00 Mainz, 16. Mai. 1,04— 0,01 Bingen, 16. Mai. 1,67+ 0,01 Laub, 16. Mai. 1,86— 0,00 Coblenz, 16. Mal. 2,0 7+ 0,02 Trier, 16. Mai. 0,72+ 0,12 Köln, 16. Mal. 1,90+ 0,08 Ruhrort, 16. Mal. 1,24+ 0,01 Bekanntmachung. Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß in dem Hause Himmelgeisterstraße 1, Ecke der Suitbertusstraße eine öffentliche elektrische Feuermeldestelle eingerichtet worden ist und von dem Publikum benutzt werden kann. Düsseldorf, den 13. Mai 1894. Der Oberbürgermeister J. V.: Dr. Wülffing. Die diesjährigen Zinsen des Jubelstiftungsfonds der v. Heister'schen Stiftung„Nationaldank“ und anderer Stiftungen für verdiente Krieger, bezw. würdige und bedürftige Kriegsinvaliden hiesiger Stadt im Gesamtbetrage von 382,59 M. sind zu vergeben. Berechtigte Bewerber wollen sich unter genauer Angabe ihrer Verhältnisse bis zum 22. ds. Mts. schriftlich melden. Düffeldorf, den 9. Mai 1894. Der Oberbürgermeister. I. V.: Greve. 1 Von der Reise zurück.— Dr. med. Pfeiffer, prakt. Arzt etc. Duisburgerstraße 61. aletetesesel Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Gerbers und Lederhändlers Ewald Stock früher hier jetzt ohne bekannten Aufenthaltsort wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. Ratingen, den 9. Mat 1894. Königliches Amtsgericht. Pianist, perfekt vom Blatt, empfiehlt sich zu allen Gelegenheiten. Auch wird Klavier= u. Geigenunterricht erteilt. Für gewissenhafte Ausbildung wird garantiert. Schriftliche Offerten an C. Schrock, Thalstr. 85, 3. Et. Ein auswärtiges Mädchen msensieht Sele für Küche und Hausarbeit in einem besseren Hause. Näheres Steinstraße 13a, 1. Etage. 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Theodor, S. d. Kommis Theodor Brakel, Parkstr. Den 11. Karl Theodor, S. d. Maur. Karl Lemm, Thalstr. Den 10. Math. Hub., T. d. Gärtn. Joh. Butenberg, Oberbilker Allee. Den 12 Mar Wilh., S. d. Sattl. Max Freund, Neußerstr. Den 6. Frdr. Jul. Gerh., S. d. Fabrikaxb. Hrch. Schrub, Ellerstr. Den 12. Peter Wilh., S. d. Brieftr. Wilh. Adams, Kölnerstr. Den 7. Anna Elsa, T. d. Sattl. Frdr. Scheele, Marienstr. Den 12. Maria, T. d. Fabrikarb. Rudolf Prause, Rethelstr. Gestorbene. Den 11. Mai. Mich. Theis, Schreinermstr., 47 J., Ehem., Nordstr. Den 12. Maria Berngen, 7 M., Volmerswertherstr. Maria Leven, geb. Hackenberg, 41 J., Ehefr., Corneliusstr. Heuriette Staudt, geb. eil, 64 I., Ehefr., Thalstr. Den 11. Hrch. Gilberg, 1 M., Ackerstr. Den 12. Josephine Bauer, o. G., 53 I., led., Flingerstr. Maria Meusburger, geb. Christ, 33 J., Ehefr., Bandelstr. Elisabeth Spieker, geb. Brausen, 34 J., Ehefr., Ellerstr. Agnes Schmitz, geb. Heuser, 65 I, Ehefr., Golzheim. Jos. Schulze, 1 J. 10 M., Hafenwall. Heiraten. Den 7. Mai. Sekretär bei der General=Kommission Bruno Macicjewski u. Christina Borgs, b. h. Chemiker Dr. phil. Robert Jansen u. Maria Hillebrecht, e. Manchester, l. h. Den 8. Schrein. Wilh. Borgard u. Kath. Schillings, b. h. Bäcker Wilh. Chatelain u. Elis. Gerrresheim, b. h. Heizer Peter Geis n. Amalie Krichel, b. h. Fabrikarb. Fran, Gerhards u. Elis. Oesterschmidt, b. h. Schreiner Hrch. Groen u. Gertr. Petrasch, b. h. Schlosser Hubert Hallen u. Maria Korbmacher, b. h. Barbier Ed. Junker u. Josephina Fischer, b. h. Tagel. Peter Portmann u Helene Bremer, b. h. Schlosser Karl Herlitschka u. Maria Printzen, b. h. Commis Anton Hornfeck u. Anna Selter, e. Benrath, l. h. Klempner Reinh. Huhn u. Anna Grözinger, beide hier. Dreher Wilh. Jäger u. Cornelia Straßburger, b. h. Klempn. Jos. Raspel u. Maria Esch, b. h. Steinhauer Rudolf Rübsam, u. Anna Niesen, b. h. Fabrikarb. Konrad Schmitz u. Maria Evertz, b. h. Fabrikarb. Engelb. Dreßen u. Maria Michaelis, b. h. Schutzm. Ed. Drinkmann u. Emilie Oberheide, b. h. Sandformer Hrch. Elberding u. Gertr. Grünen, e. Flehe, l. h. Eisendr. Frdr. Jokisch u. Christ. Raschen, b. h. Schlosser Paul Köhler u. Maria Gottschall, b. h. Fbkarb. Frdr. Leininger u. Albert. Reiferscheid, b. h. Ibkarb. Karl Rüttgers u. Adelh. Ferrier, b. h. Fbkarb. Frdr. Dombrowsky u. Karol. Pillmeyer, b. h. Buchh. Wilh. Kleesiek u. Agnes Quoi. b. h. Gerber Wilh. Kürten u. Agnes Dahmen, e. Ratiigen, l. h. Leichenbitter Julius Laube u. Elis. Kläsgen, b. h. Schlosser Edm. Lorenz u. Marg. Ott, b. h. Kaufm. Frdr. Berg u. Alwine Reinhardt, b. h. Fbkarb. Peter Wendt u. Anna Graf, b. h. Stuckat. Moritz Breuer u. Gertr. Baum, b. h. Fbkarb. Alb. Burmann u. Johanna Hollmeyer, b. h. Tagel. Herm. Dilly u. Elis. Wagner, b. h. Fabrikarb. Hrch. Holl u. Anna Hein, b. h. Schneider b. h. Schneider Ant. Kaspareck u. Fanziska Spieker, b. h. Fbkarb. Nikol. Klaßen u. Agnes Mentzen, b. h. Ingenieur Ernst vom Kothen u. Elis. Niemänd, b. h. Pferdebahn=Kondukteur Jos. Mäkem u. Ther. Haberhausen, b. h. Fabrikarb. Theod. Meuter u. Sophie Abel, b. h. Schmied Albert Neukirchen u. Ida Strüning, b. h. Den 9. Mai. Maurer Joh. Reichert u. Bertha Liedmann, b. h. Stellmacher Herm. Riel, u. Johanna Reithage, b. h. Post=Unterbeamter Stephan Schaaf u. Elis. Vervost, b. h. Fabrikarb. Franz Schmitz u. Joseph. Sommer, b. h. Schlosser Franz Stang u. Marg. Maake, b. h. Zimmerm. Gust. Vogt u. Anna Buscher, b. h. Gärtn. Karl Zilgens u. Hel.= Bender, b. h. Musikalienhdl. Franz Lamprecht u. Josephine Schäfer, e. Aachen, l. h. Den 10. Fabrikarb. Wilh. Becker u. Charl. Schmidt, e. h. l. Kirchlengern. Anstr. Hrch. Beckers u. Theodora Teloo, b. h. Fabrikarb. Theod. Ginsberg u. Helene Steven, b. h. Kelln. Alex. Grebel u. Anna Siegner, b. Golzheim. Gewerbl. Wilh Huschka u. Luise Wesser, b. h. Fabrikarb. Wilh. Lohmar u. Maria Beyer, b. h. Fabrikarb. Ernst Marr u. Elise Klein, b. h. Tagel. Peter Schmitz u. Maria Voßen, b. h. Schlosser Phil. Schöffler, u. Emma Rühmann, e. Grafenberg, l. Ludenberg. Privat=Sekretär Wilh. Wehrmann u. Agnes Österwind, e. h., l. Ratingen. Den 11. Post=Assist. Peter Bauer u. Getrud Biggemann, b. h. Hülfsbahnwärter Mich. Blumenkamp u. Elis. Körten, e. Rath, l. Mörsenbroich. Porzellanm. Herm. Droste u. Anna Heinrich, e. Gevelsberg, l. h. Kohlenhdl. Jos. Dünker u. Anna Albert, b. h. Backofenbauer Hrch. Koppmann u. Barb. Schlick, b. h. Tagel. Kaspar Schönenborn u. Dorothea Finke, e. h., l. Hamm. Kaufm. Jul. Vogt u. Margareta Krausen, b. h. Lehrer Gust. Morjan u. Margareta Sander, b. h. Fabrikarb. Ludw. Gutmann u. Barb. Wilhelm, e. h., l. Burbach. Den 12. Schrein. Frdr. Boldt u. Kath. Maaßen, b. h. Geschäftsf. Ed. Hülsmann u. Friederike Königshausen e. Andernach, l. h. Schlosser Landgräber u. Gertr. Holtger, e. h., l. Fürstenberg. Fbkarb. Matth. Michels u. Maria Lahmert, e. Styrum, l. h. Commis Karl Rothheimer u. Joseph. Ernst, e. Duisburg, l. h. Fabrik=Direktor u. Charl. Schuster, b. h. Buchh. Peter Zimmermann u. Wilhelm. 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In der Teilungssache der Witwe und Kinder des hierselbst verlebten Kaufmannes Joseph Pieper wird der unterzeichnete Notar am Dienstag, den 22. Mai 1894, 4 Uhr, in dem Lokale des Restaurateurs August Blüm, Alleestraße Nr. 33, hierselbst, das zur Teilungsmasse gehörige, zu Düsseldorf, Gemeinde gleichen Namens, an der Neustraße gelegene Grundstück Flur I, Parzellen=Nr. 2239/735 p. p. zur Größe von 78 Meter, nebst aufstehendem, mit der Nr. 39 bezeichneten Wohnhause mit Anbau und allem An= und Zubehör, taxiert zu 36,000 Mark, öffentlich zum Verkaufe ausstellen und zu jedem Gebote, auch unter der Taxe definitiv zuschlagen. Die Bedingungen sind auf der Amtsstube des Unterzeichneten zu erfahren. Düsseldorf. Justizrat I. Kehren, Notar. Medicinal-Cognac, Marke: Excelsior per Fl. M. 3,—, ½ Fl. 1,60 fortwährend unter amtl. Kontrolle des Städtischen Nahrungsmitteluntersuchungs= Amtes hierselbst, empfiehlt als ein hervorragendes Stärkungs= und Genußmittel, sowohl für Kranke und Rekonvalescenten wie auch für Gesunde Weingroßhandlung, Klosterstraße 22, Fernsprecher 830. Dieser vorzügliche Cognac ist laut amtlicher Analyse ein reines Weindestillat. Die Extraktstoffe sind minimal und stark gerbsäurehaltig, entgegen der meisten im Handel befindlichen Cognacs, welche durch Zuckerzusatz ec. vollmundig und mild gemacht sind. Um Täuschungen vorzubeugen, trägt jede Flasche auf der Etiquette und Kapsel meine volle Firma, außerdem ist jeder Flasche der diesbezügliche Analysenbefund beigefügt. Niederlagen zu Originalpreisen bei den Herren: Anton Hilgers, Schadowstr. 88, Telephon Nr. 1021. Wilhelm Heffening, Thurmstr. 5, Telephon Nr. 642. Gust. Dönneweg, Öststr. 109, Telephon Nr. 425. Aug. Musche, Skernstr. 20. 977 Düsseldorfer 834 Louisenstr. 33 3(Thorweg). Geöffnet an Wochentagen morgens10-12, nachmittags 4-6Uhr, an Sonntagen morgens 10-12 Uhr. Rhein=Bäder. Die Eröffnung meiner in schönster Strömung gelegenen Bade=Anstalt zeige hiermit ergebenst an und bitte um geneigten Saisonkarte Mark 15,00. 10 Karten„ 3,00. Eluzelbad„ 0,50. Die in der vorigen Saison gelösten Zehnkarten haven auch für diese Saison noch Gültigkeit. Hochachtungsvoll Karl Schwarz. Hehrere Hundert Burschenanzüge passend für Knaben und Jünglinge im Alter von 12—18 Jahren, werden zu Spottpreisen abgegeben im Total- Ausverkauf wegen gänzlicher Aufgabe des Geschäfts bei 44 straße27. Theodor Schneider. Capigmergass. Tafelgetränk Sr. Durchl. des Fürsten Bismarck Käuflich in Mineralwasserhandlung., Apoth, Hôtels etc. Höchste Auszeichnung Chicago 1893. Bestes Talciwasser. Altbewährte Heilquelle.(9 Hauptniederlage: Chr. Unkelbach, Flingerstrasse 24, Düsseldorf. Die Centrumsfraktion des Abgeordnetenhauses hatte, in Anbetracht der in Berlin herrschenden Kirchennot, im Jahre 1887 eine Einigung des St. Bonifacius=Vereins behufs Errichtung einer Missionsstelle im Süden der Stadt begründet. Nachdem es ihr gelungen, einen regelmäßigen Gottesdienst in der Bonifacius=Kapelle einzurichten und letztere jetzt zu einer selbstständigen Pfarrei erhoben ist, hat die Fraktion beschlossen, zum Andenken an ihren unvergeßlichen Führer Dr. Ludwig Windthorst und auf dem Schauplatz seines ruhmvollen Wirkens Beiträge zur Gründung einer neuen Missionsstelle, diesmal im Westen der Stadt, zu sammeln. Diese„Ludwigskirche“ soll auf dem Straßburger Platze errichtet werden, wo der Baugrund seitens der Eigentümer eigens zum Bau einer katholischen Kirche geschenkt worden ist. Die Fundamente zu der Kirche sind bereits gelegt, jedoch fehlen die Mittel zum Weiterbau. Angesichts dieser ebenso dringenden wie erhabenen, aber für die materiellen Mittel einer parlamentarischen Partei doch zu weit reichenden Aufgabe, erfüllt uns die Erwägung mit Zuversicht, das Windthorst nicht nur der Führer unserer Fraktion, sondern der Führer des ganzen katholischen Volkes gewesen, dessen Treue und Begeisterung nicht nur seiner Person, sondern weit mehr noch seinem Streben und seinen Zielen gegolten hat. Ihm, der im Leben jede Bethätigung der Dankbarkeit auf den Bau der Marienkirche in Hannover verwies, wüßten wir kein schöneres seinem Geiste entsprechenderes Denkmal zu setzen, als eine in der Berliner Diaspora zu errichtende und seinem Schutzheiligen zu widmende Kirche. Wir wenden uns vertrauensvoll an alle unsere Konfessionsgenossen und Freunde im Lande mit der dringenden Bitte, die Centrumseinigung auch hier zu unterstützen, menschliche Dankbarkeit zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen zu bekhätigen. Die Gaben wolle man an den mitunterzeichneten Kassierer, dem Abg. Landgerichtsrat Schmidt, Berlin W. Bülowstraße Nr. 5, oder an die Expedition des Blattes, welches diesen Aufruf abdruckt, einsenden Die Centrumseinigung des St. Bonifacius-Vereins. Jahnel, bischöfl. Delegat, Ehrenpräsident. Franz Prinz von Arenberg, Peter Paul Caheusly, Reichs und Landtagsabgeordneter. Landtagsabgeordneter, Vorsitzender. Stellvertretender Vorsitzender. Otto Schmidt, Reichs= und Landtagsabgeordneter, Kassierer. Karl Padberg, Bankgeschäft, 2 Königsplatz 2, an der Josephinenstr. An- und Verkauf von Effekten, Kuxen etc., Verwahr und Verwaltung derselben. Koupon- Einlösung. Verzinsung provisionsfreier Depositen bis zu 4% Check-Konto und Wechsel-Inkasso. Vermögens-Verwaltung. Zu Auskünften etc. bin ich gern bereit. Kassa geöfinet von 9—12 und von 3—6 Uhr. Zahn-Arzt Keberlet, 38 Oststr. 38 Düsseldorf, a. d.Tonhalle. 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Cie., Dampfschiffahrts=Gesellschaft mit beschränkter Haftung.