Erscheint täglich. Preis: durch die Boten M. 2, durch die Post M. 2,20 per Quartal, monatlich 67 Pfennig. Anzeigen: Petitzeile oder Raum 15 Pfg. Minimum 2 Zeilen. Reklamen 50 Pfg. Fernsprechanschluß Nr.1028. Chefredakteur Dr. Ed. Hüsgen. Verantw. Redakteur: Ludw. Weber in Düsseldorf. Druck und Verlag der Aktien=Gesellschaft Düsseld. Volksblatt in Düsseldorf. Haupt=Expedition: Bastionsstraße 14. Filial=Expeditionen: Marktstr. 5, Schadowstr. 35, Neußerstr.50, Friedrichstr.42, Schützenstr. 1, Kölnerstr. 299, Nordstr. 25, Oststr. 76, Friedrichsplatz 6. Agenturen: Annoncen=Bureaus in allen größeren Städten. Nr. 88. (Erstes Blatt). Mittwoch, 4. April 1894(Isidor). 28. Jahrg. Ein Gesetz über das Sparkassenwesen kündigte sich in der Dienstagssitzung des Abgeordnetenhauses an. Abg. Eckels hatte nichts weiter beantragt, als eine kleine Aenderung oder vielmehr eine„authentische Deklaration" der Vormundschaftsordnung in dem Sinne, daß die dauernde Belegung von Mündelgeldern bei den Sparkassen kommunaler Korporationen zulässig ist. Eine Sparkasse, für welche ein Kommunalverband mit seiner Steuerkraft garantiert, bietet doch gewiß„pupillarische Sicherheit" und für kleine Vermögen, die von Leuten ohne Börsenkunde und ohne feuer- und diebessicheren Geldschrank verwaltet werden, ist die Anlage auf ein Sparkassenbuch zweifellos zweckmäßiger, als in Inhaberpapieren. Der kleine Zinsunterschied kann gegenüber der größeren Sicherheit nicht ins Gewicht fallen. Der Justizminister hat auch seinerseits keine Bedenken gegen die Regelung dieses Einzelvunktes. Der Finanzminister fürchtet aber, daß den Staatspapieren einige Kundschaft entzogen werden könnte, und will nun nicht den Einzelpunkt für sich allein regeln, sondern die Frage zu einer allgemeinen Reform des Sparkassenwesens ausdehnen. Neuerdings zeigt sich häufiger das Bestreben, Einzelreformen zu verschieben, bis etwas Großes, Allgemeines zu Stande kommt. In Angelegenheiten des bürgerlichen Rechtes wirkt bekanntlich schon seit Jahren die Verweisung auf den künftigen bürgerlichen Gesetzentwurf geradezu obstruierend, wie ein Hemmschuh. Der Finanzminister will offenbar das allgemeine Sparkassengesetz benutzen, um einen gewissen Zwang zum Ankaufe von Staats= und Reichspapieren einzuführen. Er spricht sich zwar gegen die französische Centralisation der Sparkassengelder aus und will die deutsche Selbstverwaltung auch auf diesem Gebiete„im Allgemeinen" gelten lassen. Aber wenn er auch nicht so weit gehen will, wie die französische Gesetzgebung, die alle Sparkassengelder in Staatsrente anzulegen zwingt, so weist er doch auf die Notwendigkeit hin, einen angemessenen Teil der Gelder in „flüssigen" Werten anzulegen, d. h. in Papieren, die jeden Augenblick nach Bedarf verkauft werden können, also in börsengängigen Werten, namentlich in Reichs= und StaatsAnleihen. Es ist uns kein Fall erinnerlich, daß eine Sparkasse wegen Mangels an flüssigen Anlagewerten in ernstliche Verlegenheit oder Gefahr gekommen wären. Aber grundsätzlich läßt sich nichts einwenden gegen die Ansicht, daß die Kassen auch auf einen außerordentlichen Ansturm der Einleger gefaßt sein müssen. Die größte Gefahr in dieser Richtung führen kriegerische Verwickelungen herbei. Wenn nun im Augenblick einer Mobilmachung die Sparkassen große Bestände von Reichs= und Staatspapieren an den Markt bringen, so wird der ohnehin gedrückte Kurs dieser Papiere noch mehr geworfen, zum Schaden des Staatskredits, der in solchen Zeitpunkten besonders nötig ist, und zum Schaden der Verkäufer, also auch der Sparkassen. Es ist also sehr bedenklich, den Sparkassen große Mengen von Reichsund Staatspapieren aufzuhängen; eher dürften sich Pfandbriefe und ähnliche von der Kriegspanik weniger bedrohte Werte empfehlen. Herr Miquel will aber gerade den Kurs der Reichs= und Staatsanlehnen stützen, und muß deshalb in der„Reform“ den Zwang anstreben, einen gewissen Teil der Sparkassengelder in staatlichen Schuldverschreibungen anzulegen. Der Entwurf über Postsparkassen, der auf eine arge Centralisation der Gelder hinausging, ist vor zehn Jahren zum Glück gescheitert. Wir wollen die gemäßigteren Centralisations Versuche, die man jetzt ankündigt, in Ruhe ab warten und unbefangen prüfen. Aber Vorsicht halten wir im höchsten Grade für geboten. Das landesübliche System, welches die Sparkassengelder in der Ursprungsgegend beläßt und der Verwaltung freien Spielraum gönnt, hat sich im allgemeinen trefflich bewährt. Das Verschleppen von Geldern erscheint gerade jetzt, wo man den Kredit des Mittelstandes zu fördern sucht, besonders unzweckmäßig. Mit der künstlichen Hebung des Kurses der Reichs= und Staatspapiere ist es auch eine eigene Sache, ebenso wie mit der Herabsetzung des Zinsfußes für diese Anleihen. Die Gesetzgebung darf solche Fragen nicht bloß vom Standpunkt des fiskalischen Profits betrachten, sondern muß die ganzen wirtschaftlichen und socialen Gesichtspunkte in Betracht ziehen. Ein hoher Kurs in Friedenszeiten ist keineswegs ein ungemischtes Glück. Wenn ein mäßiger Kurs und die darauf folgende bessere Verzinsung uns die Papiere der Schwindel und Bankerottierstaaten vom Leibe hält und das unkundige Publikum vor den Netzen der Gründer bewahrt, so ist er Segen für das Gemeinwohl— wenn auch die Finanzminister bei neuen Anleihen etwas weniger erhalten, als sie haben möchten. Jedenfalls hat das künstliche Stützen oder Heben des Kurses den Nachteil, daß in dem Augenblick einer Krise die Krücken brechen und dann der Fall noch ärger wird, als er bei einem freien Spiel der Kräfte geworden wäre. Also nur keine einseitige, kurzsichtige Fiskalität. Der Antrag Eckels ist angenommen in der Form, daß die Regierung die angeregte Einzelfrage der Vormundschaftsordnung erwägen soll. Vielleicht entscheidet sie sich doch noch dahin, diese Kleinigkeit vorweg zu erledigen. Denn bei näherem Eingehen wird sich wohl ergeben, daß ein allgemeines Sparkassengesetz eine Menge schwieriger Fragen anfrührt, die zu ihrer Lösung geraume Zeit und umständliche Verhandlungen erfordern. dem Landtage. CPG. Berlin, 3. April. Das Abgeordnetenhaus hat am Dienstag seine durch die Österferien unterbrochenen Arbeiten wieder aufgenommen. Die erste Sitzung war der Erledigung kleiner Vorlagen, sowie Anträgen aus dem Hause und Petitionen gewidmet. Zunächst kam zur Verhandlung der Gesetzentwurf betr. Aufhebung der im Geltungsbereiche des rheinischen Rechts bestehenden Vorschriften über die in die Geburtsregister einzutragenden Vornamen. Der Gesetzentwurf will im Geltungsbereich des Code Napoléon die Möglichkeit schaffen, auch solche Vornamen in die Standesregister eintragen zu lassen, die nicht der hl. Schrift oder der alten Geschichte entnommen sind; derselbe wurde in erster und zweiter Lesung mit einer Resolution des Abg. Olzem angenommen, welche auch die im Gebiete des rheinischen Rechts noch geltenden französischen Sonderbestimmungen über die Ankündigung von Geheimmitteln aufgehoben wissen will. Nach Erledigung von Rechnungssachen kam dann ein Antrag des Abg. Eckels zur Beratung, welcher die Regierung auffordert, eine Aenderung der Vormundschaftsordnung dahingehend herbeizuführen, daß die dauernde Belegung von Mündelgeldern bei den Sparkassen kommunaler Korporationen für zulässig erachtet wird. Nachdem Abg. Eckels den Antrag begründet, erklärte Justizminister Dr. v. Schelling daß er der Annahme dieses Antrages nicht widersprechen wolle. Allerdings seien bet einer von ihm gehaltenen Umfrage über die Benutzung der kommunalen Sparkassen zur Belegung von Mündelgeldern verschiedene Ansichten laut geworden, insbesondere liege die Befürchtung vor, daß ein verhältnismäßig größerer Zufluß der Mündelgelder zu den Sparkassen eine ungünstige Beeinflussung der Kurse der preußischen Staatspapiere zur Folge haben würde, und eine solche Rückwirkung müsse entschieden vermieden werden. Abg. v. Eynern hielt den Antrag für zu weit gehend, auch sei die Solidität der kommunalen Sparkassen nicht überall gesichert; die westfälischen Sparkassen z. B. seien vielfach Spekulationsunternehmen nach Art der Bankgeschäfte, und solche seien für die Anlegung von Mündelgeldern nicht geeignet. Zunächst solle man eine Revision des gesamten Sparkassenwesen abwarten. Finanzminister Miquel bezeichnete die Einwendungen des Abg. v. Eynern als durchaus beachtenswert. Das Sparkassenwesen sei allerdings reformbedürftig, hie und da ergebe die Leitung der Sparkassen nach Art von Bankinstituten so erhebliche Mißstände, daß ein allgemeines Sparkassen=Gesetz durchaus erwünscht sei. Gerade diejenigen Sparkassen, welche hohe Zinsen geben, seien nicht immer die sichersten. Man möge daher den Antrag der Regierung zur Erwägung oder als Material überweisen. Nachdem Abg. Klasing(kons.) mit Rücksicht auf die Bedenken des Finanzministers sich gegen den Antrag Eckels ausgesprochen, wurde derselbe vom Antragsteller dahin abgeändert, daß der Antrag der Regierung zur Erwägung für den Fall einer künftigen Gesetzgebung überwiesen werde und in dieser abgeschwächten Fassung angenommen. Der Antrag Krause betr. die Gleichstellung der Notare mit anderen Beamten bezüglich der Strafe bei Nichtverwendung der tarifmäßigen Stempel wurde nach einer zustimmenden Erklärung des Finanzministers Miquel in erster und zweiter Beratung angenommen. Hierauf wurden Petitionen beraten, darunter zahlreiche Petitionen um den Bau von Sekundärbahnen, welche der Regierung als Material überwiesen wurden. Mittwoch: Kleine Vorlagen; Vertrag mit Lübeck wegen des Elbe=Trave=Kanals und Petitionen. Deutsches Reich. * Berlin, 3. April. Der Kaiser arbeitete am Montag Nachmittag und Dienstag Vormittag in Abbazia mit dem Gesandten Grafen Philipp Eulenburg als Vertreter des Auswärtigen Amts und des Civilkabinetts. — Wie nunmehr endgültig festgestellt ist, trifft der Kaiser am Freitag den 13. April, vormittags 11 Uhr, in Wien ein und reist von dort am 14. April über Karlsruhe nach Kobura, um der Vermählung des Großherzogs von Hessen mit der Prinzessin Viktoria Melita von SachsenKoburg beizuwohnen.— Die Kaiserin wird mit den Kindern von Abbazia direkt nach dem Neuen Palais bei Potsdam übersiedeln und nicht erst auf Wilhelmshöhe bei Kassel Wohnung nehmen. * Eine Vertagung des Reichstaas bis zum Herbst, kein Schluß der Session, wird von dem offiziellen Organ der nationalliberalen Partei in Aussicht gestellt. Die„Nat.=Lib. Korr.“ spielt in diesem Falle wohl mehr eine regierungs=offiziöse Gastrolle, wenngleich sie ihre Ankündigung als eine Zuschrift„aus parlamentarischen Kreisen" bezeichnet; man hört förmlich Herrn Finanzminister Miquel reden, wenn es heißt:„Die Gegner der Regierung würden sich täuschen in der Erwartung eines ausdrücklichen Verzichts der Regierung auf ihre über die Erhöhung der Börsensteuer hinausgehenden Pläne. Die verbündeten Regierungen denken nicht an einen solchen Verzicht, vielmehr wird in ihren Kreisen auf das bestimmteste erklärt, daß selbst eine ausdrückliche Ablehnung der Tabakfabrikatsteuer und des Finanzreformplanes die Wiedereinbringung derselben in der kommenden Session nicht ver hindern würde." Daß die Regierung auf der Durchberatung aller Reichssteuervorlagen bestehen werde, ist ja schon wiederholt„angedroht" worden, wenn man das überhaupt als eine Drohung auffassen soll, neu ist nur, daß die„Nat.Lib. Korr.“ jetzt auf eine Spaltung im Centrum spekuliert und der Hoffnung Ausdruck giebt, der Abg. Dr. Lieber werde mit einem Teile des Centrums dem Reichskanzler zu Liebe den Reichsfinanzreformplam unterstützen. Verlorene Liebesmüh! Die Centrumsfraktion des Reichstags hat in ihrer Erklärung vom 29. Januar d. I. ihre Stellung zu den Steuervorlagen und zur Reichsfinanzreform deutlich genug als eine avlehnende bezeichnet uud dabei bleibt es. * Im Abgeordnetenhause erwartet man die baldige Einbringung der Vorlage über den Dortmund=RheinKanal. Der Präsident v. Köller will zunächst die erste Lesung dieser Vorlage auf die Tagesordnung setzen, die mit einer Verweisung an die Kommission endigen wird, und dann die Beratung des Staatshaushaltsetats zu Ende führen. * Graf Guido Henckel v. Donnersmarck versichert in den„Berl. Neuest. Nachr.", daß er den Angrissen des„Kladderadatsch" auf Mitglieder des Auswärtigen Amts völlig fernstehe, sowohl direkt wie indirekt, und daß die Personen, von welchen die Angriffe herrührten, ihm unbekannt seien. Wir haben nichts davon gehört, daß man den Grafen v. Donnersmarck mit der„Kladderadatsch"=Affaire in Verbindung gebracht hat. Hoffentlich wird jetzt bald Klarheit in die Sache kommen, da heute die „Nordd. Allg. Ztg." den„Kladderadatsch"=Redakteur, Herrn Polstorff, direkt auffordert, die Person zu nennen, die ihm als angeblicher Beauftragter des Auswärtigen Amts jene Mitteilung mit dem Zugeständnis, baß leider ganz ungehörige Dinge vorgekommen seien, gemacht hat. Der„Kladderadatsch“ wird sich gerade nach seinem bisher zur Schau getragenen Selbstbewußtsein der Verpflichtung nicht entziehen können, endlich einmal offen mit der Sprache herauszurücken. * Das famose diplomatische„Meisterstück" des Grafen Herbert Bismarck, der Samoa=Vertraa, verliert angesichts der letzten Unruhen nun sogar bei den Amerikanern an Wertschätzung, obgleich er es ihnen doch ermöglicht, ihr doppeltes Spiel bei den Eingeborenen zu treiben. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für das Auswärtige in Washington, Morgan, soll geäußert haben, der Vertrag müsse gekündigt werden, da die Abmachungen zu Verwickelungen führten. Ob die Herren Amerikaner glauben, durch ihre Ränke und die gerade von ihnen angezettelten Unruhen den Boden nun soweit vorbereitet zu haben, daß die anderen Mächte damit einverstanden sein werden, wenn Nordamerika allein das Protektoriat übernimmt? Bei unseren Kolonialfreunden würde ein solches Ansinnen die allerschärfste Verurteilung erfahren. Die deutsche Kolonialgesellschaft verlangt umgekehrt, daß ein ausschließlich deutsches Regiment auf Samoa hergestellt werde. Sie meint, daß dies zu erreichen wäre bei einer Vereinbarung über die Besitzverhältnisse der gesamten Inselgruppen im Stillen Ocean. Die Engländer wieder erklären, es gebe keinen anderen Ausweg, als daß Samoa und Tonga mit Neuseeland vereinigt, also englisch würden. Da wird eine Verständigung nicht leicht sein. Das aber steht zweifellos fest, daß es so nicht weiter gehen kann, wie bisher. Denn das hieße, den Bürgerkrieg in Permanenz erklären. An der Spitze der Rebellen steht natürlich wieder Tamasese, bisher sollen die Regierungstruppen stets siegreich geblieben sein. Auch eine allgemeine Waffenruhe soll bereits vereinbart sein, indes ist auf einen dauernden Frieden gar nicht zu hoffen. * In Kamerun ist am 27. Januar auf der Joßplatte das Denkmal für Frhrn. v. Gravenreuth in Gegenwart der Behörden, des Landungscorps der„Hyäne" und der deutschen Missionare und Kaufleute enthüllt worden. Der stellvertretende Gouverneur, Kanzler Leist, hielt dabei die Fest=Ansprache. Das Denkmal besteht aus einem broncenen Löwen, der auf einem Postament aus karrarischem Marmor ruht. An der Vorderseite des Postaments befindet sich ein Broncemedaillon mit dem Bildnis v. Gravenreuths. Die Gesamthöhe des weithin sichtbaren Monuments beträgt etwa 3,60 Meter. Die militärischen Ehren wurden bei der Enthüllung von einer aus der Besatzung des Kriegsschiffes gebildeten Ehrenkompagnie erwiesen. Erfreulicher wäre es gewesen, wenn die Polizeitruppe dabei ihres Amtes hätte walten können. Die voraufgegangene Meuterei der DahomeheLeute bildet aber nicht gerade ein sehr erfreuliches Vorspiel zu der Feier. [§] München, 1. April. Die Abgeordnetenkammer hat am Mittwoch ihre Arbeiten wieder aufgenommen und wurde gleich bei Beginn vom Finanzminister mit der Vorlage über die Neuregelung der Gehalts= und Pensionsverhältnisse der nichtpragmatischen Beamten und Bediensteren überrascht. Der Minister erläuterte die Vorlage durch eine längere Rede. Vor allem wird bei der Durchberatung der Vorlage darauf zu sehen sein, daß die Interessen der niederen Vediensteten hinreichend berücksichtigt werden, damit nicht die„Großen“ allein das Fett von der Suppe abschöpfen. Die Vorlage erfordert für die nächste Finanzperiode einen Mehraufwand von 1 700 000 M., welcher Betrag allmählich auf 3, 4 und 5 Millionen(letzteres in 25 Jahren) anwachsen wird. Die Vorlage räumt mit den vielbeklagten Ungleichheiten und Verworrenheiten in den Besoldungsverhältnissen der Nichtpragmatischen gründlich auf und bildet ein systematisches Gehaltsregulativ in 30 Klassen. Die bisherigen Nebenbezüge fallen für die Regel ganz weg, die Besoldung besteht aus einem pensionsfähigen Gehalt und einer nicht pensionsfähigen Gehaltszulage. Dem Regulativ sind die Besoldungsverhältnisse des Verkehrspersonals zu Grunde gelegt. Die Aufbesserungen sind sehr verschieden bemessen, sie vartieren zwischen 10 und 400 Mark. Beispielshalber sei erwähnt, daß die Aufbesserung bei den Zugführern bis zu 326, bei den Stationsdienern bis zu 143, bei den Bahnwärtern bis zu 105 Mark steigt. In den meisten Fällen ist jedoch die Gehaltsaufbesserung nicht von Bedeutung. Der Schwerpunkt der Aufbesserung liegt in den Penslonsverhältnissen. Zunächst erhalten in Zukunft alle nichtpragmatischen Beamten und Bediensteten Pensionsberechtigung für sich und ihre Witwen und Waisen. Ein grundsätzlicher Widerspruch gegen die Vorlage dürfte kaum von irgend einer Seite in der Kammer erfolgen, auch nicht von Bauernbündlern. Die Einigkeit der Bauernbündler ist in letzterer Zeit vollständig in die Brüche geßangen. Die Sache ist genau so gekommen, wie wir es schon längst vorausgesehen haben. Die eigentlichen Gründer des niederbayerischen Bauernbundes, Wieland und Dr. Guch, von Hause aus liberale„Pfaffenfresser", welche von Anfang an die Fahne des Aufruhrs„gegen Adel und Klerus" erhoben und ganz und gar socialdemokratische Allüren annahmen, haben sich in dem offiziellen Bundesorgan so schroff wie nur möglich von Dr. Ratzinger losgesagt. Wir haben stets einen sehr wesentlichen Unterschied zwischen Dr. Ratzinger und den genannten Hetzern gemacht, aber das können wir auch heute nicht verhehlen, daß Dr. Ratzinger jetzt im Grunde genommen das Schicksal erfährt, welches er verdient hat. Ratzinger hat gegen die Centrumspartei und ihre Führer fast keinen Vorwurf erhoben, der ihm jetzt nicht von seinen eigenen Bundesbrüdern und Wahlhelfern mit beinahe den gleichen Worten gemacht wurde. In den Augen der Gründer des Bundes ist Dr. Ratzinger jetzt ein„Srteber" von„unermeßlichem Ehrgeiz", der Bauernbund soll ihm nur zur Erreichung selbstsüchtiger Zwecke dienen, Ratzinger soll auf eine„Entschädigung" lauern, selbst ein Ministerstuhl soll in seinen Berechnungen eine Rolle spielen. Neuerdings wirft man ihm sogar vor, daß er nur die Interessen von„Pfarrern und Juden" vertrete, und dieselben Leute, welche bei den Wahlen Seite an Seite mit Dr. Ratzinger kämpften, um der Handelspolitik des„meineidigen" Centrums den Garaus zu machen, behaupten jetzt, Dr. Ratzinger sei für den russischen Handelsvertrag mitverantwortlich, weil er s. Z. für den österreichischen eingetreten sei. Nach diesen Schilderungen sähe ja Dr. Ratzinger heute einem Centrumsmanne zum Verwechseln ähnlich. Indessen ist gar nicht daran zu denken, daß Ratzinger dem Centrum näher tritt. Die Angriffe der Wieland und Guch richten sich übrigens auch gegen die sechs anderen bauernbündlerischen Abgeordneten, die zwar samt und sonders unter kräftiger Mithülfe der genannten Führer gewählt sind, aber Bezirke vertreten, in welchen diese letzteren bisher wenig persönlichen Einfluß hatten. Ausland. * Einem Telegramm aus Rom zufolge würde das deutsche Kaiserpaar zu einem zweitägigen Aufenthalt in Venedig eintreffen. Der König und die Königin von Italien würden in Begleitung des Ministerpräsidenten Crispi zur Begrüßung der Gäste ebenfalls sich nach Venedig begeben. Eine Bestätigung der Nachricht liegt noch nicht vor. * Serbien wurede über Nacht mit einem Kabinettswechsel überrascht. Wegen plötzlich ausgetauchter neuer Streitigkeiten traten nämlich am Montag der Ministerpräsident Simitsch, der Finanzminister Mijatowitsch und der Kultusminister Neschitsch aus dem Kabinett aus. Der Minister des Innern Swetomir Nikolajewitsch übernahm sofort die Kabinettsbildung und wurde Ministerpräsident. Zum Finanzminister ist Wukaschin Petrowitsch, zum Justizminister der Kassationshof=Richter Jefrem Andonowitsch und zum Handelsminister Lazar Jowanowitsch ernannt. Der neue Finanzminister ist ein tüchtiger, energischer Mensch, er gilt als befähigter Finanzkenner. Eben erst war Simitsch von einer Reise an die auswärtigen Höfe, wo er als Gesandter gewirkt und nun seine Abberufungsschreiben übergeben hatte, zurückgekehrt, als ihn allem Anschein nach Fragen der inneren Politik dazu brachten, sein mühevolles Amt niederzulegen. Durch seine gemäßigte Haltung hatte er in Pest und Wien den besten Eindruck hervorgerufen und es sogar verstanden, den russischen Botschafter am österreichischen Hofe, Fürsten Lobanow, von den Gründen zu verständigen, die nach Ansicht der serbischen Regierung die Anwesenheit König Milans in Belgrad notwendig machten. So waren für die Beziehungen des Landes zu den auswärtigen Mächten die besten Vorbedingungen gegeben. Aber im Innern häuften sich die Schwierigkeiten. Die trostlos verfahrenen Finanzen boten nicht die Mittel, um die Zinsen der Staatsschulden und die Bedürfnisse der Verwaltung zu decken; und daraus waren die Streitigkeiten entstanden, die zu den Veränderungen geführt haben. Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 3. April. Zu der heutigen Stadtverordnetensitzung waren die Herren Stadtverordneten Fusbahn, Pfeiffer und Holl nicht erschienen. Als erster Gegenstand der Beratung wurde die Wahl von 4 Abgeordneten für den Provinzial=Landtag gethätigt. Herr Oberbürgermeister Lindemann teilte den Stadtverordneten mit, daß die Wahl nach den Vorschriften der ProvinzialOrdnung zu vollziehen sei und verlas dann die§§ 9—24 des betr. Wahlreglements. Im Gegensatz zu früher werden statt drei Abgeordneter jetzt deren vier gewählt, entsprechend der Bevölkerungsziffer(auf 40000 Einwohner entfällt je ein Abgeordneter). Als Beisitzer für die Wahl wurden die Herren Dr. Hermkes und Erbslöh ausersehen, letzterer als Protokollführer. Dieselben wurden von Herrn Oberbürgermeister Lindemann durch Handschlag an Eidesstatt verpflichtet. Jede Wahl war einzeln vorzunehmen. Bei der ersten Wahl wurden 26 Stimmzettel abgegeben, von denen ein Stimmzettel unbeschrieben und infolge dessen ungültig war, die anderen 25 Stimmen entfielen auf Herrn Oberbürgermeister Lindemann. Herr Lindemann nahm die Wahl an und sprach der Versammlung seinen Dank für das erwiesene Vertrauen aus, indem er darauf hinwies, daß er neben seinen Pflichten als Provinzial=Landtagsabgeordneter vor allem sein Augenmerk auf die städtischen Angelegenheiten richten werde. Als zweiter Abgeordneter ging Herr Geh. Justizrat Courth mit 18 Stimmen aus der Wahlurne hervor. 2 Stimmzettel waren unbeschrieben, eine Stimme wurde für Herrn Justizrat Euler abgegeben. Herr Oberbürgermeister Lindemann teilte mit, daß er an Herrn Courth schreiben werde, ob er die Wahl annehmen wolle. Bei dieser und den folgenden Wahlen enthielten sich die Stadtverordneten Berenbrok, Borgs, Eitel, Euler und Gehlen der Stimmenabgabe. Herr Stadtverordneter Lueg erhielt sodann als dritter Abgeordneter 20 Stimmen(2 Stimmzettel blieben unbeschrieben), und Herr Stadtverordneter v. Waetien 21 Stimmen(1 Stimmzettel ungültig). Nach beendigter Wahl und nachdem die Gewählten ihre Bereitwilligkeit, die Wahl anzunehmen, erklärt hatten, erteilte Herr Lindemann dem Stadtverordneten Instizrat Euler das Wort, indem er bemerkte, es sei nicht möglich gewesen, vor der Wahl Herrn Justizrat Euler das Wort zu erteilen, da das Wahlreglement eine Diskussion untersage. Stadtv. Euler: M. H.! Wenn die Minorität sich an den drei letzten Wahlen nicht beteiligt hat, so geschah das nicht, weil wir an der Person der Gewählten etwas auszusetzen hatten, sondern lediglich aus dem Grunde, weil die Majorität die Kandidaten einseitig aufgestellt hat. Nachdem Herr Lindemann sich bereit erklärt hatte, eine Wiederwahl anzunehmen, blieben nur noch drei Abgeordnete zu wählen. Die Majorität verschmähte es aber, eine Einigung bezüglich der zu Wählenden mit der Minorität herbeizuführen. Deshalb haben wir uns der Wahl enthalten.*) Dann wurde der Fluchtlinienplan für die untere Strecke der Haroldstr. und den angrenzenden Teil der Werftstraße nach dem Projekt vom 9. März d. J. beziehungsweise vom 20. Januar d. J. festgestellt. Hieran schloß sich die Abnahme der Rechnungen der Kassen der höheren und Mittelmädchenschulen, der Realschule und der gewerblichen Fortbildungsschule. Nach dem Referat des Beigeordn. Beckers beziffert sich die Einnahme der höheren und Mittelmädchenschulen auf 73 947,15 M., die Ausgabe auf 94 692,61 M., so daß ein Zuschuß von 29745,46 M. geleistet werden mußte. Die Realschulenkasse hatte eine Einnahme von 57896 M. und eine Ausgabe von 92 004 M. zu verzeichnen, mithin blieb ein Zuschuß von 34107 M. erforderlich. Die gewerbliche Fortbildungsschule erzielte eine Einnahme von 13696 M., der eine Ausgabe von 27161 M. gegenübersteht. Das Mehrbedürfnis betrug demgemäß 13 565 M. Die Stadtverordneten hatten gegen die Rechnungsablage nichts einzuwenden. Herr Beigeordn. Beckers begründete sodann einen Antrag der Hofgartenkommission behufs gärtnerischer Umgestaltung des seitherigen botanischen Gartens, der am 1. April in das Eigentum der Stadt übergegangen ist. Vor dem Kriegerdenkmal soll eine größere Rasenfläche angelegt werden, das Gitter nach Westen fällt gänzlich fort. Die Kosten belaufen sich auf 1700 M. Der Antrag wurde angenommen. Wie Herr Beigeordn. Beckers des weiteren mitteilte, hat der bisherige Pächter der Restauration auf dem Annanasberg in einem Schreiben vom 7. v. Mts. die städtische Verwaltung gebeten, den Pachtvertrag auf weitere 6 Jahre zu verlängern. Herr Eduard Neuhaus hat seit 12 Jahren die betr. Restauration in Pacht. Die Hofgartenkommission ist jedoch der Ansicht, ein neues Konkurrenzausschreiben zu veranlassen. Ein diesbezüglicher Antrag fand die Genehmigung der Stadtverordneten=Versammlung. Ferner stand die gärtnerische Umgestaltung des Friedhofs in Stoffeln auf der Tagesordnung. Nach den Ausführungen des Beigeordn. Becers schwebt bezüglich der noch nicht erworbenen Grundstücke das Enteignungsverfahren. Der Friedhof wird eine Ausdehnung von 60 Morgen erhalten und damit den Anforderungen an die Größe eines Centralfriedhofes entsprechen, vorläufig handelt es sich nur um Gartenanlagen im südlichen Teile desselben, welche 4000 Mark Kosten erfordern. Herr Stadtverordn. Borgs weist darauf hin, den Stoffeler Damm mit dem Kirchhofe durch Anlage einer Promenade zu verbinden, zumal derselbe vielfach von Spaziergängern benutzt werde. Herr Beigeordn. Beckers hält die Herstellung einer Verbindungspromenade zwischen dem Stoffeler Damm und dem Stoffeler Friedhofe für sehr zweckentsprechend und stellt dieselbe für später in Aussicht. Der Antrag der Friedhofskommission wird angenommen. Zur Deckung außerordentlicher Ausgaben werden sodann a 2000 Mark als sechste Beitragsrate zu der Figurengruppe vor dem Standehause und b. 50000 Mark als Zuschuß Für den Centralprovinzialverband bewilligt. Auch wird zur Deckung des im laufenden Rechnungsjahr bei dem Verkauf von 1888 Stadtobligationen entstandenen Disagios die Summe Mk. 9972,25 zur Verfügung gestellt. Herr Beigeordn. Feistel setzt sodann die Stadtverordneten davon in Kenntnis, daß der Fuhrunternehmer Karl Funk geneigt sei, die Scheidlingsmühle von der Stadt zu pachten, um dort eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Für den Fall, daß Herr Funk die Konzession zum Betrieb einer Gastwirtschaft *) Die Kandidaturen der Herren Courth, Lueg und Waetjen sind von dem Vorstand der Mittelparteien in einer Sitzung, die Freitag den 30. März stattgefunden, aufgestellt worden. Die Majorität der Stadtverordneten hat in ihrer Fraktionssitzung vom 2. April diese Kandidaten einfach acceptiert und, ohne mit der Minorität eine Verständigung zu versuchen, bei der Wahl vom 3. April für dieselben votiert. erhält, will die städtische Verwaltung einen Pachtvertrag gegen eine jährliche Pacht von 1500 Mk. auf 25 Jahre mit Herrn Funk abschließen. Herr Stadtverord. Euler beantragt in den Pachtvertrag die Bedingung aufzunehmen, daß der neue Pächter seinen Wein aus dem Tonhallenweinkeller zu beziehen habe. Herr Stadtverordn. Gehlen hält die stipulierte Pacht bei dem Werte der dort jetzt vorhandenen Gebäude(17—20000 Mark) für zu hoch, er hätte eine andere Lösung dieser Frage lieber gesehen, zumal es doch nicht unbedenklich erscheine, wenn die Stadt die von dem neuen Pächter zu errichtenden Gebäude später eventuell zu übernehmen habe. Auch würde im Publikum die Vermutung auftauchen, der Stadtausschuß gewähre dem Pächter die Schankkonzession nur deshalb, weil ie Stadt eine ansehnliche Pacht für die Scheidlingsmühle dabei herausschlage. Herr Beigeordn. Feistel verwahrte den Stadtausschuß hiergegen, derselbe sei nur aus unabhängigen Leuten zusammengesetzt, die streng nach dem Gesetz und ihrem Gewissen die Konzession erteilten bezw. versagten, ohne auf die Finanzlage der Stadt irgendwelche Rücksicht zu nehmen. Der Antrag des Stadtverordneten Euler, welche auch in Herrn v. Waetjen einen Fürsprecher fand, wurde abgelehnt, der Pachtvertrag genehmigt. Ferner wurden mehrere kleinere städtische Grundstücke vermietet, sowie an einer Grenzmauer zwischen dem Grundstück des Herrn Nik. Meyer Bilkerallee Nr. 18. und der Florastr. von seiten der Stadt das Miteigentumsrecht erworben. Herr Beigeordueter Beckers setzte bezüglich der Bepflanzung der Ulmen= der Benzenberg= und der Friedensstr. mit Bäumen die Stadtverordneten davon in Kenntnis, daß zwischen der Hofgarten= und der Tiefbau=Kommission eine Meinungsverschiedenheit entstanden sei. Während die Hofgartenkommission für Straßen von 20 M. Breite Bepflanzung vorschlage, halte die Tiefbaukommission eine Bepflanzung nur bei 22,06 M Breite angebracht. Düsseldorf müßte aber, um seinem Namen als Gartenstadt zu entsprechen, möglichst viele mit Baumreihen versehene Straßen aufzuweisen haben und seien deshalb besonders die durchgehende Straßenzüge zu bepflanzen. Herr Stadtverordneter Schieß sprach sich dagegen aus, zumal die Tiefbaukommission eine Bepflanzung nicht mit den Ton=Rohrleitungen vereinbar erachte. Auch hinderten die Bäume in den Straßen vou 20 M. Breite den Verkehr. Die Anwohner wünschten nicht einmal eine Bepflanzung. Er sei herzlich froh gewesen, als auf der Kölnerstr. die Bäume fort genommen wurden, dieselben hätten die Häuser ungemein verdunkelt, so habe er in seinen Werkstätten 2 Stunden länger Licht brennen müssen. Die Wurzeln der Bäume selbst litten durch die Gasrohrleitung erheblichen Schaden. Wenn Herr Finanzminister Beckers so viel Geld übrig habe, so möge er doch lieber dafür Sorge tragen, die vorhandenen Bäume, die sich vielfach in schlechtem Zustande befänden, besser zu erhälten. Die Ausgabe für Baumanlagen könnten wirklich bei Straßen von 20 M. Breite gespart werden. Herr Oberbürgermeister Lindemann entgegnete, ein Verkehrshindernis könnten die Bäume bei Trottoirs von 5 M. Breite unmöglich bilden, die Anwohner seien im Gegenteil sehr erfreut über solche Baumanpflanzungen, man möge nur einmal die Duisburger= und Ehrenstraße, in denen sich Baumanlagen befänden, mit der Garten= und Marschallstraße vergleichen. Herr Stadtverordn. Schieß bemerkte, daß er bei Straßen von 30 Meter Breite sehr für Baumanpflanzungen sei. Herr Stadtverordneter Busch teilte mit, daß er noch heute ein Schreiben von verschiedenen Anwohnern der Herzogstraße erhalten habe, indem er ersucht würde, in der heutigen Sitzung zu beantragen, daß die verletzten und fortgenommenen Bäume auf besagter Straße ersetzt würden. Das spräche doch deutlich für die Beliebtheit derartiger Anlagen. Der frühere Oberbürgermeister Becker habe bei seinem Abschiede von Düsseldorf darauf hingewiesen, daß er zwei Vermächtnisse der Stadt Düsseldorf hinterlasse, die Ausnutzung der Wasserstraße und die Bepflanzung der neuen Stadtteile. Herr Stadtverordn. Schieß sprach dann nochmals gegen die Anpflanzung von Bäumen in den erwähnten Straßen und betonte, man müsse besonders auf das Urteil des Technikers Gewicht legen, welcher in der Tiefbaukommission die Unmöglichkeit einer solchen Anlage ausgesprochen. Herr Baurat Frings erläuterte sodann vom technischen Standpunkt aus die besondere Schwierigkeit, er sei ein entschiedener Gegner von Baumanpflanzungen in Straßen von 20 Meter Breite, wenn die Stadt später gezwungen sein würde, die Kanal= und Gasrohre in die Trottoirs zu verlegen, so würden ungeheure Kosten entstehen, da die Wurzeln der Bäume den ganzen Untergrund der Trottoirs ausfüllten. Herr Stadtverordn. Simonis beantragte Vertagung dieses Punktes, während Herr Stadtverordn. Berenbrok darauf hinwies, daß bei Vertagung die Anpflanzung in diesem Jahre unmöglich sein werde. Man moge ein für alle Mal festsetzen, daß nur Straßen von 22 Meter Breite Baumanpflanzungen erhielten. Herr Stadtverordn. Gehlen sprach sich ebenfalls für Vertagung aus und brachte gleichzeitig die Thatsache zur Kenntnis, daß die Anwohner der Marschallstraße, welche nur 18 Meter breit wäre, auf keinen Fall die Bäume missen wollten. Die Vertagung dieses Gegenstandes der Beratung wurde schließlich angenommen. Zur Vorberatung der Fragen über die Beschaffung weiterer Geschäftsräume, insbesondere für die Sparkasse und die Stadtkasse, sowie über die Verwendung des alten Lagerhauses wurde eine Spezialkommission von 5 Mitgliedern gewählt. Nach dem Vorschlag des Herrn v. Waetjen fiel die Wahl auf die Herren Stadtverordn. Sohl, Hüllstrung, Borgs, Dreher und Schwarz. Der Verkauf eines Grundstückes an der Bilker Allee, welches der Wirt Christ. Kames zu kaufen beabsichtigt, wurde genehmigt. Dasselbe ist 6,84 Ar groß und hat Herr Kames pro Quadratrute 600 M. zu zahlen. Zum Schluß gelangte noch ein Dringlichkeitsantrag zur Annahme. Die Herren Wiens u. Becker, welche gegen den letzten Beschluß der Stadtverordneten=Sitzung, in welcher die grade Verlängerung des Fürstenwalls entgegen einem früheren Beschluß genehmigt wurde, anfangs Protest erhoben hatten, haben von ihrer Klage beim Bezirksausschuß Abstand genommen und wollen sich auf gütlichem Wege mit der Stadt einigen. Bezüglich des in ihrem Lager befindlichen Weges sind sie geneigt, denselben der Stadt abzutreten, wenn die städtische Verwaltung ihnen dafür einen anderen bisher öffentlichen Weg zur Verfügung stellt. Der Vorschlag der Herren Wiens u. Becker wurde acceptiert. Die sonstigen Punkte der Tagesordnung wurden in geheimer Sitzung erledigt. Lokales und Proviuzielles. Düsseldorf, 4. April. * Kirchenkollekte für den Bau der St. Piuskirche in Berlin. Die St. Piusgemeinde in Berlin, welche den ganzen Nordosten der Stadt umfaßt und zum größten Teil aus Arbeitern und Arbeit suchenden Zuzüglern aus allen Teilen Deutschlands zusammengesetzt ist, hat sich seit 22 Jahren zum Gottesdienste eines provisorischen Fachwerkbaues bedienen müssen, welcher im Laufe der Jahre morsch und baufällig geworden und infolge der steten Zunahme der Katholiken beim Gottesdienste an Sonn= und Feiertagen immer so gefüllt ist, daß viele gar keinen Einlaß in die Kirche finden können. Die Temperatur in derselben ist zur Sommerszeit unerträglich. Eine massive, hinreichenden Raum bietende Kirche war dringendstes Bedürfnis geworden. Der Neuban ist ohne die innere Ausstattung auf 300000 Mark veranschlagt. Dazu haben die Gemeindemitglieder nach Kräften gesteuert und auch Auswärtige sehr erhebliche Beiträge gespendet, so daß die Bausumme im Februar 1892 sich auf 125000 Mark belief. Mit dem Kirchbau selbst ist im Vertrauen auf Gottes Gnade im gedachten Jahre 1892 begonnen worden. Der Pfarrer von St. Pius hat nun vor dem Beginne des Baues schon in einem von Seiner Eminenz dem Hochwürdigsten Herrn Kardinal und Fürstbischof von Breslau angelegentlichst empfohlenen Gesuche gebeten, daß, wie in andern Diözesen, so auch in der Erzdiözese Köln eine Kirchenkollekte für den Bau der St. Pluskirche in Berlin abgehalten weren möge. Dem Gesuche wurde willfahrt, und so wird am nächsten Sonntage in allen Kirchen unserer Erzdiöcese eine Kollekte für den Bau der St. Piuskirche in Berlin abgehalten werden.(Nach dem„Kirchl. Anz.") * Am verflossenen Montag, des Festes Maria Verkündigung, feierte der Marianische Jünglings=Verein(Südpempelfort) im St. Paulushause sein diesjähriges Stiftungsfest mit musikalischer Abendunterhaltung und Theatervorstellung. Wie sehr der noch junge Verein in Blüte steht und das Interesse der ganzen Pfarre in Anspruch nimmt, zeigte sich so recht an diesem Abend, indem der große Saal des St. Paulushauses bis auf den letzten Platz besetzt war. Herr Pfarrer Lausberg hielt eine zu Herzen gehende Ansprache, die mit einem Hoch auf die zahlreich erschienenen Gäste schloß. Gegen ½12 Uhr hatte die frohe Festlichkeit ihr Ende erreicht. sch. Am Montag feierte die Marianische Kongregation für junge Kaufleute und Künstler ihr Titularfest. Sonntag früh hatten sich die Mitglieder bereits in der St. Andreaskirche zur gemeinschaftlichen hl. Kommunion versammelt, und am Montag abend fand daselbst der Festgottesdienst statt, bei welcher Herr Pfarrer Lausberg die Predigt übernommen hatte. Der hochw. Herr ermahnte die Kongreganisten hierbei in eindringlicher Weise, stets ihrer Pflichten, die sie mit Eintritt in die Kongregation übernommen hätten, eingedenk zu sein, er erinnerte daran, daß sie dann auch in ihrem Berufe tüchtig und schaffensfreudig ihren Mann stellen und allen inneren wie äußeren Gefahren mit Erfolg gegenübertreten werden. Seine Ausführungen gipfelten in der Mahnung, auszuharren als treues Glied der katholischen Kirche, wie auch als Mitglied der Marianischen Kongregation.— An den Gottesdienst schloß sich eine Festversammlung in den Räumen der Gesellschaft Casino im katholischen Vereinshause an. Dieselbe erfreute sich eines ungemein regen Besuches, darunter zahlreiche Gäste. Nach der Festrede des Präses der Kongregation, des Herrn Kaplan Reiners, sprachen noch die Herren Religionslehrer Dr. BlankNeuß(Präses der dortigen Kongregation), Herr Professor Dr. Cremans, und der Präses der Kongregation zu Mülheim, Herr Kaplan Müller. Die Versammlung nahm bei abwechselndem gemeinschaftlichen und Einzel=Gesange einen sehr schönen Verlauf. Zum Schlusse teilte der Herr Präses noch mit, daß wiederum ein Präses eines kathol. kaufm. Vereins nach Düsseldorf versetzt worden sei(die Herren Pastor Höhne und auch sein Nachfolger, Herr Pastor Lausberg, waren bekanntlich früher in gleicher Eigenschaft zu Aachen bezw. Köln thätig gewesen) in der Person des Herrn Kaplan Goebel von Essen. Zu Ehren dieses Herrn findet am Mittwoch Abend eine außerordentliche Versammlung der Marianischen Konaregation und der Gesellschaft Confidentia im Vereinslokale statt, an welcher außer dem hochw. Herrn selbst auch die Verbandsgenossen, welche ihm das Ehrengeleit nach hier geben, teilnehmen werden. * Was der hiesige,General=Anzeiger' sich nicht alles leistet.— Bringt er da in seiner gestrigen Nummer einen Artikel„Politiker unter dem zweiten Kaiserreich von Heinrich Geffcken" und setzt dazu:„Nachdruck verboten". Wen will denn der General=Anzeiger' glauben machen, daß der berühmte und bekannte Geheimrat Geffcken, der fast alle Sprachen beherrscht und dem die bedeutendsten Blätter des In= und Auslandes zur Verfügung stehen, zu des Düsseldorfer„General=Anzeigers' Mitarbeitern gehöre, der ihm jetzt einen Artikel ohne jede aktuelle Bedeutung und der uns übrigens aus einer Zeit, als er Interesse hatte, erinnerlich ist, zusende und gegen die Weiterverbreitung durch andere Zeitungen durch das„Nachdruck verboten" von vornherein Einspruch erhebe? Das hat der Geheimrat Geffcken nicht nötig; der Artikel dürfte ohne dessen Wissen in den„General Anzeiger' gelangt, z. B. einfach aus irgend einer Schrift abgedruckt sein, ohne daß man sich in der Redaktion des„Gen.Anz. der Mühe unterzogen hätte, zu prüfen, ob auch alles in dem Artikel richtig ist. Oder sollten den„General=Anz." seine auf der Universität mühsam erworbenen Kenntnisse im Stich gelassen haben? Der Artikel wimmelt nämlich von Schnitzern, die der früher in Paris angestellte Legationssekretär Geffcken unmöglich verbrochen haben kann Da ist die Rede von einem Finanzmann Jecher, der nie existiert hat; der betreffende Finanzier hieß ähnlich, aber doch anders. Der auswärtige Minister, damals in Paris, hieß nicht Drouin de Fhups, sondern Drouin de l’Huys. Der Nachfolger von Walewskl war nicht Thourmel, sondern Thouvenel. Im Jahre 1806 ist kein italienisch=preußisches Bündnis geschlossen worden; es ist offenbar das Jahr 1866 gemeint, allein dieser Fehler hätte der Redaktion doch bei der Korrektur auffallen müssen. Wir kennen auch keinen italienischen Minister Sell,— vielleicht ein Verwandter des verstorbenen hiesigen Schlachtenmalers; es wird Sella gemeint sein. Und so geht es weiter.— Etwas mehr Kenntnisse und Bescheidenheit wäre am Platze bei dem„GeneralAnzeiger", dessen„Privattelegramme" man auch schon ein bis zwei Tage früher in allen andern Zeitungen als Wolffsche oder Heroldsche usw. Telegramme gelesen hat. Ueberhaupt wäre es das richtigste, wenn der„General=Anzeiger" sich nicht um volkswirtschaftliche Fragen, Politik, Wissenschaft und Kunst oder wie sonst die großen Dinge heißen, kümmern, sondern sich auf Annoncen beschränken wollte, denn er stiftet nur Unheil und verwirrt alle gesunden Begriffe. So bringt er in derselben gestrigen Nummer einen Londoner Artikel über die Währungsfrage mit dem sehr zweckentsprechenden Zusatze:„Nachdruck verboten", weil der Artikel besser nicht nachgedruckt wird. Wir wollen in bezug auf den Schluß dieses Artikels einfach nur die Frage stellen, wie es denn mit den Geschäftsverbindungen mit den Ländern, wo die Papierwährung maßgebend ist, steht? Die Währung der verschiedenen Länder und ihre Beziehungen unter einander kommen doch stets und mit der Zeit durch den Wechselkurs zum Ausdruck. Was man nicht alles auf den Universitäten sich mühsam aneignen kann!(Von einem gelegentlichen Mitarbeiter.) * Zu unserer gestrigen Notiz über die Jubiläumsfeier des Herrn Direktors Richard Roth wollen wir noch ergänzend nachtragen, daß der Jubilar das ganze Beamtenund Arbeiterpersonal der Kammgarnspinnerei in Bilk zu seinem Ehrenabend in die Flora eingeladen hatte, woselbst ein solennes Festessen stattfand. In dem prächtig geschmückten Festsaale waren 600 Gedecke aufgelegt; dem Festmahl schlossen sich Festkonzert und Ball an. Während den instrumentalen Teil der Konzerts die Kapelle des 39. Infanterieregiments ausführte, lag die Ausführung des vokalen Teiles lediglich in den Händen von Mitgliedern des Personals, die unter Leitung des Herrn C. Lennermann schon vor Jahren einen Gesangchor gebildet haben. Die Begrüßungsrede auf den Jubilar und seine Gattin hielt Herr Schnaß, der Prokurist des Werkes, der in warm empfundenen Worten die Verdienste und das Wirken des Herrn Spinnereidirektors feierte. Als Ehrengeschenk wurde dem Jubilar ein silberner prächtiger Tafelaufsatz mit entsprechender Widmung verehrt. Herr Direktor Roth dankte für die ihm erwiesene ehrende Anhänglichkeit in herzlichster Weise. Noch in früher Morgenstunde waren die Festteilnehmer mit dem Jubilar und seiner Gattin zusammen in ungezwungener Geselligkeit die Freuden des schönen Festes durchkostend. * Tausende junger Leute treten in diesen Tagen als andwerkslehrlinge in die Lehre. Die Väter bezw. ormünder der Lehrlinge sowohl als die Lehrmeister machen wir darauf aufmerksam, es nur nicht zu unterlassen, schriftliche Lehrverträge mit ganz genauen Bestimmungen zwischen dem Lehrherrn und den Eltern oder Vormündern der Lehrlinge abzuschließen, wenn sie Mißhelligkeiten verhütet haben wollen. Nur auf Grund schriftlicher Verträge kann von den in den Paragraphen 130 und 132 der Reichsgewerbeordnung bezeichneten Rechten und Ansprüchen Gebrauch gemacht werden. Zum Beispiel betrifft dies die zwangsweise Zuführung eines aus der Lehre fortgelaufenen Lehrlings oder die Gewährung einer Entschädigung für den Fall der einseitigen Aufhebung des Lehrvertrages seitens des Lehrherrn oder des Lehrlings. Der Anspruch auf Zurückführung eines Lehrlings ist nur zulässig, wenn der Antrag binnen einer Woche nach dem Austritt des Lehrlings gestellt wird; der Anspruch auf Entschädigung erlischt, wenn er nicht innerhalb 4 Wochen nach Auflösung des Lehrverhältnisses im Wege der Klage oder Einrede geltend gemacht wird. * Eine uns zugesandte und in der setzten Sonntagsnummer abgedruckte Notiz bedarf einer wesentlichen Richtigstellung. Es war dort von einem Foxterrier die Rede, der angeblich von einem Kutscher gestohlen worden set. Erwiesenermaßen ist aber jener Hund einer Schwester des Kutschers zugelaufen, die ihrerseits alsbald(Mitte März) durch Anzeige in einem hiesigen Blatte den Besitzer des Hundes zu ermitteln sich bemühte. Irgend ein Vergehen liegt also hier nicht vor. ):( Ein hiesiger Fuhrunternehmer hat sich gestern morgen erhängt, die Leiche wurde ins Leichenhaus gebracht. Der Mann litt in letzter Zeit an Schwermut. :[ Die nächste Sessiön des Schwurgerichts beginnt am Donnerstag den 26. April; den Vorsitz führt Herr Landgerichtsrat Löb. :] Gestern Morgen schlich ein Dieb in ein Haus an der Herzogstraße und stahl aus der Küche eine silberne Taschenuhr, in deren innerm Deckel der Name C. H. Erbe steht. An der Uhr befindet sich eine silberne Panzerkette mit einem silbernen Fünfmarkstück als Anhängsel. Das Stück zeigt das Bild des Kaisers Friedrich. :l In einem hiesigen Hotel logierten seit 14 Tagen zwei feine Herren, angeblich Belgier, welche gestern morgen abreisten, ohne ihre Zeche zu bezahlen. Da sie sich gut hatten aufwarten lassen, so war die Rechnung nicht klein. 1:( In einem Neubau fiel gestern abend der Bauherr von der ersten Etage in den Keller hinab auf einen Haufen Zieelsteine. Ihm wurden durch den Fall einige Rippen gerochen, auch erhielt er kleine Verletzungen am Kopfe. :( Zwei Burschen von auswärts, welche gestern zur Militäraushebung gewesen waren, hatten zunächst ihre Hüte reich geschmückt und dann viel getrunken. Auf dem Heimwege gerieten sie in Streit und beide nahmen ihre Messer zur Hand. In dem Kampfe wurden beide bedeutend verletzt, so daß sie sich ihre Schnitte von einem Heildiener zunähen lassen mußten; bei einigen Wunden genügte ein Heftpflaster. :( Der Geschäftsführer der Firma A. Jacques hier feierte gestern sein 25jähriges Dienstjubiläum. Derselbe ist in dieser Zeit ununterbrochen in Diensten genannter Firma, ein ehrender Beweis für beide Teile. Der Herr Jubilar erhielt von seinem Prinzipal ein bedeutendes Geschenk, von seinen Kollegen eine goldene Remontoiruhr und andere Geschenke. ):( Die Feuerwehr wurde heute morgen zur Scheibenstraße gerufen, wo an der Schuhfabrik in einem Schuppen Stroh und Gerümpel brannte. Gestern Abend löschte die Wehr einen Kaminbrand in der Concordiastraße. ( Sitzung der Strafkammer vom 3. April. Der wiederholt vorbestrafte Ludwig B. zu Düsseldorf hat nach seinem Geständniste von einem Neubau in der Humboldtstraße einen eisernen Träger gestohlen und Peter H. hat ihn helfen verkaufen. Der Dieb wurde mit 15 Monaten Zuchthaus, H. wegen Hehlerei zu einem Monate Gefängnis verurteilt.— Die Tagelöhner Joseph K. und Jakob H. zu Düsseldorf waren der gemeinschaftlichen Mißhandlung vermittels Messers angeklagt. Am Abende des 24. Dezember v. Jahres haben die Angeklagten in Derendorf mehrere junge Leute angerempelt und mit Messer auf sie eingestochen, dem Aloys Lindenan blieb das Messer in der Wunde stecken. Die Zeugen hatten bei beiden Angeklagten die Messer gesehen, dennoch leugneten sie die That. Der Herr Staatsanwalt beantragte die Vertagung der Sache, um noch Zeugen zu laden, zugleich beantragte er aber auch die Verhaftung der beiden Angeklagten, die alsdann auch verfügt wurde.— Theoder M. zu Gladbach wohnend, kam am 5. Februar in die Wohnung seines Miethers Theodor Meyen, um die rückständige Miete einzutreiben. Da M. nicht bezahlen konnte, wurde der Angeklagte immer aufgeregter, schlug den Tisch der Leute entzwei, wollte alles kaput schlagen, nahm schließlich den Meyen am Halse, würgte ihn und verletzte die Frau mit einem Messer. Der Herr Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis; die Strafkammer erkannte auf diese Strafe.— Der Tagelöhner Heinrich H. zu Düsseldorf wurde im letzten Herbst Soldat, im März jedoch wieder heimgeschickt, weil er sich am Pfingstmontage v. Jahres der Gefangenenbefreiung schuldig gemacht hat und dafür noch nicht be straft war. Ein Schutzmann hatte am genannten Tage auf der Ratingerstraße einen Burschen verhaftet, wurde von einer Volksmenge umringt und mehrere Burschen entrissen ihm den Verhafteten. Dabei war der Angeklagte thätig. Die Strafkammer vertagte die Sache zum nächsten Donnerstag.— Am 18. Dezember vor. Jahres befanden sich vier 16 Jahre alte Fabrikarbeiter zu Rheydt auf dem Heimwege und unterhielten sich. Plötzlich wurden sie ohne jeden Anlaß von einer Menge anderer Burschen überfallen und mit dicken Knitteln geschlagen. Einer der Mißhandelten, Wilhelm Schnitzler, erhielt eine solche Gehirnverletzung, daß er 8 Tage in Lebensgefahr schwebte. Zwei von den Burschen wurden ermittelt und waren heute angeklagt; es sind die Fabrikarbeiter Joh. I. und Wilhelm K. aus Rheydt. Die Strafkammer verurteilte den J. zu 9 Monaten Gefängnis und nahm ihn auch gleich in Haft, der K. kam mit sechs Wochen Gefängnis davon. * Neuß, 2. April. Ein eigentümlicher Vorfall passierte gestern abend auf einem Güterzuge, welcher 11,35 von hier abfuhr. Gleich nach der Ausfahrt aus dem Bahnhofe wurde ein Bremser, welcher in seinem Häuschen auf dem letzten Wagen des Güterzuges saß, plötzlich von einem fremden Individuum in grauem Anzuge und langem Barte thätlich angegriffen. Der Beamte setzte sich zur Wehr und warf den Angreifer vom Wagen herunter, wobei der Angreifer den Hut verlor. Bei der Rückkehr des Bremsers, welcher nur bis Gerresheim gefahren war, wurde von mehreren Beamten die betreffende Stelle gleich hinter der Erfteisenbahnbrücke ab gesucht, aber von dem Angreifer keine Spur entdeckt. Die eingeleitete Untersuchung wird wohl mehr darüber ans Licht bringen. * Meiderich, 2. April. Die„B. Ztg." will„von„zuverlässiger Seite" die Mitteilung erhalten haben, daß am Freitag früh im Garten des Herrn Direktor Thate in Meiderich in einem roten Schnupftuch eingewickelt, 2½ Kilogramm Dynamitpatronen, worunter eine Karbonitpatrone, aufgefunden wurden. Eine der Patronen war mit einer 7½ Centimeter langen Zündschnur versehen Die Dynamitpatrone wurde von einem Arbeiter gefunden, der im Garten des Herrn Thate beschäftigt war. Man hegt bezüglich des Thäters einen bestimmten Verdacht. * Ehrenbreitstein, 2. April. Wie die„Köln. Vztg." erfährt, hat Ehrenbreitstein Aussicht, einen neuen PersonenBahnhof zu bekommen. Da der alte Bahnhof sich infolge des steigenden Verkehrs auf der rechtsrheinischen Bahn längst als unzulänglich erwiesen hat, geht man mit dem Plane um, einen neuen Personen=Bahnhof nebst Stationsgebäude auf der oberhalb der Schiffbrücke gelegenen Augusta=Anlage zu errichten. Der jetzige Bahnhof soll als Güterbahnhof eingerichtet werden. Da der neue Bahnhof von der Schiffbrücke aus in wenigen Schritten zu erreichen ist, so würde die Genehmigung dieses neuen Planes allseitig mit Freuden aufgenommen werden. * Dortmund, 1. April. Das hiesige Kanalbureau vergab die Erdarbeiten zur Ausführung des Kanals der Strecke Waltrop in zwei Losen. Bei Los I, 290 000 Kubikmeter Erdbewegung, war der Mindestfordernde die Deutsch=hollän dische Baugesellschaft in Düsseldorf mit 215 000 Mk., Wittkop in Münster verlangte 412 000 Mk. Noch größer war der Unterschied bei Los II, das 564 000 Kubikmeter Bodenbewegung umfaßt. Wansart u. Fußhöller=Köln, welche bereits das Los Datteln und das Steverlos in Arbeit haben, also das Gelände kennen, forderten 849 975 Mk., die Deutschholländische Baugesellschaft in Düsseldorf will es für 453 267 Mk. leisten. Wittkop in Köln verlangt sogar 873815 Mark * Dortmund, 3. April. Wie die„Tremonia" berichtet, wurde der Buchbinder Karl Alvermann, welcher wegen Totschlags sich in Untersuchungshaft befindet, nach Huckarde geführt wurde, um den Thatort festzustellen. Derselbe hat, wie er jetzt erklärt, vor etwa zwei Jahren ein junges Mädchen erwürgt und die Leiche dann in die Emscher geworfen. Durch Gewissensbisse gequält, habe er sich jetzt veranlaßt gefühlt, ein offenes Geständnis abzulegen. Der geheimnisvolle Mord hat damit endlich seine Aufklärung gefunden. * Stadttheater. Düsseldorf, 3. April. Die Lustspiel=Novität„Der Herr Senator" von Franz von Schönthan und Kadelburg, welche gestern aufgeführt wurde, unterschied sich aufs vorteilhafteste von so mancher Vorgängerin gleichen Genres. Das war wieder einmal ein Lustspiel, an dem man sich, ohne durch Mißtöne gestört zu sein, so recht von Herzen erfreuen konnte. Es trafen auch die glücklichsten Umstände zusammen, um der Novität einen Erfolg zu sichern, wie er in den letzten Jahren nicht häufig hier erlebt worden ist. Höchst einfach und natürlich im Entwurf, außerordentlich elegant durchgeführt und mit einer Menge effektvoller Situationen ausgestattet, hatte das Stück durch Herrn Direktor Staegemann die sorgsamste Vorbereitung und durch die Mitwirkenden eine Wiedergabe erfahren, die den Löwenanteil am Erfolg davontrug. Der Inhalt des Stückes ist, wie gesagt, einfach. Im Hause des auf seine vornehme Stellung im Staate protzigen Hamburger Senators Andersen ist der Wille des„Herrn Senator" das einzig wirkliche. Der den oberen Stock bewohnende Schwiegersohn, Herr Mittelbach, hat in der Enteignung seines Willens seit den zwei Jahren seiner Verheiratung mit des Herrn Senators Tochter Agatha schon so große Fortschritte gemacht, daß seine Frau sowohl wie der Herr Schwiegervater die schönsten Hoffnungen hegen. Da kommt das„Unglück" ins Haus in der Gestalt des Dr. Gehring, eines Studienfreundes von Mittelbach. Er findet Gelegenheit, der jungen Frau die Augen zu öffnen: sie versteht, daß sie zuerst die verehelichte Mittelbach und dann erst die geborene Andersen sei, und daß sie, wenn sie nicht warm werde und die aufrichtige Zuneigung ihres Mannes dreifach vergelte, Gefahr laufe, seine Liebe zu verlieren. Das ändert wie mit einem Schlage die ganze Situation, Herr Mittelbach kommt zu seinen Rechten, ein bis dahin nicht gekanntes Glück kehrt bei den jungen Leuten ein und auch der Herr Senator hat Ursache, dem Schicksal nicht allzusehr zu grollen. Geschickt damit verwebt, eigentlich unentbehrlich für das ganze, sind zwei andere Herzensgeschichten, die das Eindringen des Dr. Gehring in das Haus des Herrn Senators erklären und die Belohnung darstellen für den Segen, den er hier gestiftet. Herr Schirmer gab den Senator in Maske, Spiel und Dialekt so lebenswahr und mit so vollkommener Charakteristik, daß alle Theaterbesucher wieder einmal deutlich erkannten, welche unschätzbare Kraft unser Ensemble an diesem geschickten Darsteller besitzt. In der Rolle des willensschwachen Mittelbach nahm sich Herr Christians ganz kostbar aus. Herr Lebius bot in der Partie des welt= und salongewandten Dr. Gehring eine Musterleistung. Zusammengefaßt, die drei Herren Schirmer, Christians und Leblus waren ganz auf ihrer Höhe und ihre Darbietungen Kabinettsstücke seltener Art. Auch die Damen Frl. Seldburg als Agathe, Schramm als Frau des Senators und Glümer als Agathes Schwester trugen das ihrige zur künstlerischen Abrundung des Ganzen bei.„Dem Herrn Senator“ hoffen wir noch recht oft in den Räumen unseres Stadttheaters zu begegnen. Privatdepeschen des Düsseld. Volksblattes. ** Berlin, Mittwoch, 4. April. In der„Nationalztg." erklären der Redakteur Polstorff und Herr Hoffmann vom „Kladderadatsch" mit Bezug auf das kürzlich im„Reichsanzeiger" veröffentlichte Dementi folgendes: Anfang März habe der Inspektor der Landwehrinspektion Berlin, Generalmajor Spitz, den Berliner Hoffmann kommen lassen und habe ihm gesagt, im Auswärtigen Amte würden die Angriffe des„Kladderadatsch“ gegen die Herren von Holstein und Kiderlen=Wächter sehr unangenehm empfunden. Die Regierung könne aber nicht und denke auch nicht daran, gegen den„Kladderadatsch“ gerichtlich vorzugehen, da sie im Staatsinteresse von der Veröffentlichung von Akten absehen müsse. Die Herren von Holstein und Kiderlen=Wächter verdienten die ihnen gemachten Vorwürfe nicht. Amtlicherseits glaube man eine hochstehende Persönlichkeit, gegen die aber sehr schwer einzuschreiten sei, als Intriguanten zu kennen. Mit dieser Persönlichkeit, meint Hoffmann, sei wohl der vermutliche Anzettler der gegen von Holstein und Kiderlen-Wächter gerichteten Angriffe gemeint. Generalmajor Spitz schloß mit dem Ersuchen, die Angelegenheit des „Kladderadatsch“ ruhen zu lassen. (:) Berlin, Mittwoch, 4. April. Ein aus Dar-es=Salaam hier eingetroffenes Telegramm bestätigt jetzt, daß der Araber Bana Heri, der von Zanzibar heimlich nach der Küste zurückgekehrt war, einen Aufstand versuchte. Der Versuch ist jedoch mit nur geringen militärischen Kräften sofort unterdrückt worden. Brüssel, Mittwoch, 4. April. In der gestrigen Kammersitzung erklärte die Regierung, die vom Ministerpräsidenten Beernaert eingebrachte Vorlage über die„verhältnismäßige Vertretung“ zurückzuziehen und dieselbe während der neuen Legislaturperlode vorzubringen.— Die Wahlen wurden auf den Monat Oktober festgesetzt.— Der Ministerpräsident de Burlet erhielt aus Roubaix eine Büchse, welche große Aehnlichkeit mit einem von den Anarchisten angefertigten Geschosse hat. Derselbe übergab sie dem Lehrer der Chemie an der Kriegsschule zur Untersuchung. □ Paris, Mittwoch, 4. April. Ein vom Chef des anthropometrischen Dienstes ausgearbeitetes Anarchistenalbum erscheint dieser Tage. Dasselbe enthält auf 500 Seiten der Portråts aller verdächtigen Individnen von vorne und die Seite, ferner diejenigen der bereits Verurteilten. Jeder Polizist in den Städten und auf Grenzposten soll ein Exemplar erhalten, ebenso die Polizeichefs der hauptsächlichsten Städte Europas. ):( Paris, Mittwoch, 4. April. Der Pfarrer der Madeleine=Kirche, dessen Gesundheitszustand seit der Explosion ein schlechter gewesen, ist gestern an den Folgen der Erschütterung gestorben. † Rom, Mittwoch, 4. April. In politischen Kreisen verlautet, daß, nachdem man beinahe mit Sicherheit darauf rechnen kann, daß Crispi das Parlament auflösen wird, die Opposition verlangt, daß die Finanzreform vor der Vorlage über die der Regierung zu verleihenden Vollmachten eingebracht werde, und daß die Finanzfrage zur Parole für die Neuwahlen gemacht werde. * Sofia, 1. April. Nach hier eingehenden Nachrichten ist der Gesundheitszustand der Fürstin Maria Lonise, die zur Zeit mit ihrem Gemahle in Ebenthal weilt, recht befriedigend. Der römisch katholisch getaufte kleine Kronprinz Boris, der in treuer Obhut hier zurückgeblieben ist, gedeiht zusehends. * Düfseldorf, 3. April. Die Reichsbank erniedrigte heute ihren Privatzinsfuß von 2% auf 2 pCt. Neuß, 4. April.(Telegr.) Weizen, kleiner 14,70, engl. Sorte 1. Qual. 14,20, 2. Qnal. 13,70. Roggen, 1. O. 12,00, 2. Qual. 11,00. Hafer 15,50. Raps 1. Qual. 00,00. 2° Qual. 00,00. Aveel(Rübsen) 00,00, Kartosseln 4,00 per 100 Ko. Hen 60,—. Roggenstroh 26,00, Weizenstroh 00,00 per 500 Ko. Rüböl per 100 Ko. 47,00, Růböl faßweise 48,50, Preßkuchen, 1000 Ko. 108,00. Kleien per 50 Kilo. 5,20. Köln, 3. April. Weizen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig hiesiger alter M. 15,00—16,00 B., neuer 14,00—14,25 B. fremder 15,50—17,00 B. Roggen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig hiesiger M. 12,25—13,00 B., fremder 14,00—16,00 B. Hafer ohne Sack die 100 Kilo hiesiger M. 15,25—16,00 B,. fremder 14,75—16,00 B. Landmarkt. Keine Zufuhr. Heu M. 11,00—14,00, Roggenstroh 5,60, Weizenstroh 5,00 die 100 Kil. Köln, 3. April. Schlachtviehmarkt. Aufgetrieben: 480 Ochsen, verkauft 1. Sorte zu M. 67, 2. Sorte 63, 3. Sorte 58; 450 Kühe und Rinder, verkauft 1. Sorte zu M. 60, 2. 56, 3. 52; 35 Stiere, verkauft 1. Sorte zu M. 57, 2. 53, 3. 49; 540 Schweine, verkauft 1. Sorte zu M. 58, 2. 55, 3. 52 die 50 Kil. Schlachtgewicht. Geschäft in Schweinen ziemlich, Markt geräumt; in Großvieh matt. Uebrrstand. Dusseldorf, 4. April. Rheinst. 1,39— 0,04. Wind SO. Therm.+ 4. Barom. 28—1. Mannh., 3. April. 2,47— 0,05 Coblenz, 3. April. 1,68— 0,04 Mainz, 3. April. 0,46— 0,04 Trier, 3. April. 0,60— 0,04 Bingen, 3. April. 1,19— 0,04 Köln, 3. April. 1,46— 0,04 Caub, 3. April. 1,34— 0,03 Ruhrort, 3. April. 0,96— 0,04 Ca. 5000 Stück seidene Bastkleider Mr. 14 80 per Stoff zur kompletten Robe und bessere Qualitäten— sowie schwarze, weiße und farbige Seidenstoffe von 25 PfE. bis Mk. 18.65 p. Mtr.— glatt, gestreift und karriert, gemustert, Damaste ec.(ca. 240 versch. Qual. u. 2000 verschied. Farben, Dessins ec.)Porto= und steuerfrei in's Haus!! Katalog und Muster umgehend. 779 G.Henneberg'sSeidenfabrik,(k.k.Hf.) Zürich. In der Sitzung des Architekten=Vereins zu Berlin vom 5. d. M. berichtete zum Schluß Regierungsbaumeister Albert Becker über einige technische Neuheiten und zwar zunächst über die Schweitzer'schen Patentdielen(Erfinder: Gebr. Schweitzer in Düsseldorf), die sich durch große Gleichartigkeit der Masse auszeichnen und leicht zu bearbeiten sind. Nach einem durch Professor Dr. Böhme, Vorsteher der Kgl. Prüfungsstation für Baumaterialten ausgestellten Zeugnis ist dieser Baustoff auch in Hinsicht der Feuersicherheit allen Ansprüchen genügend, und nach sonstigen Beobachtungen gegen starke Temperaturschwankungen geschützt. (Siehe auch Inseratenteil.) Betten- und Bettwaren-Fabrik und Handlung Kaserstrasse4u. Kasernenstrasse 4 u. 6 Ecke Alleeplatz Sternefeldsches Haus, Eingang Kasernenstrasse 4, Düsselderf, Ecke Alleeplatz Sterneteldsches Haus, Düsseldorf, Eingang Kasernenstrasse 4, Gobr. Küster, empfehlen: Bettwaren aller Art in nur guten Qualitäten und zu billigsten Preisen. 50 komplette Betten aufgestellt 50 Holzbettstellen, komplett eingerichtet, Eisenbettstellen, komplett eingerichtet. Kinderbettstellen, komplett eingerichtet, von M. 72.— bis M. 450.—. von M. 26.50 bis M. 425.—. von M. 22.— bis M. 150.—. Aufarbeitung von Matratzen und Springfeder-Rahmen. Eigene Reinigungs-Anstalt für Federn, Daunen und Rosshaare. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Morgen 4 Uhr, meinen lieben Gatten, unseren guten Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, den wohlachtbaren Herrn Theodor Buscher, Metzgermeister, gestärkt mit den hl. Sterbesakramenten der hl. römisch-katholischen Kirche, im Alter von 63 Jahren, aus diesem Leben abzurufen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Düsseldorf, den 3 April 1894. Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 5. April 1894, nachmittags 8 Uhr, vom Sterbehause Hunsrückenstrasse 46. Die feierl. Exequien werden an demselben Tage, morgens ½10 Uhr, in der Pfarrkirche zum hl. Andreas gehalten, wozu alle Freunde und Bekannte, denen aus Versehen keine besondere Einladung zugegangen sein sollte, hierdurch höflichst eingeladen werden. Fleischer-Innung. Gestern früh starb nach langem Leiden unser Mitglied, der Fleischermeister Theodor Buscher, Der Verstorbene gehörte der Innung seit ihrem Bestehen an und werden wir ihm ein treues Andenken bewahren. Die Beerdigung, wozu die Mitglieder freundlichst eingeladen sind, ist Donnerstag, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause Hunsrücken 46 aus. Der Obermeister. Marienschule, katholische höhere Töchterschule zu Düsseldort, Alexanderstraße 1. Die Marienschule ist eine von den Katholiken der Stadt Düsseldorf gegründete Unterrichts= und Erziehungs=Anstalt. Dieselbe wirkt seit 14 Jahren in katholischem Geiste; sie umfaßt 10 Klassen mit je einjährigem Kursus. Das Schuljahr beginnt Dienstag, den 10. April. Anmeldungen neu eintretender Schülerinnen nehmen während der Ferien Herr Pfarrer Lausberg, Charlottenstraße 57 und Herr Kaplan Bornewasser, Friedrichstraße 38, entgegen. Die AufnahmePrüfung findet Montag, den 9. April, von morgens 9 Uhr an statt. Das Kuratorium: Ehrenmitglied: Dr. Hermann Joseph Schmitz, Weihbischof in Köln; Meyer, Landgerichtsrat, Vorsitzender; Berenbrok, Oberrentmeister, stellv. Vorsitzender; Ferber, Rendant; Bewerunge, Rentner; Fritzen, Landesrat a. D.; Geh. Ober=Regierungsrat Dr. Klein, Landes=Direktor; Kribben Pfarrer und Dechant: Lausberg, Pfarrer. Zwangs=Versteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Huckingen Band I Artikel 34 auf den Namen des Fabrikarbeiters Johann Gerlings zu Huckingen und dessen minderjährige Kinder Christine, Stefan, Agnes, Heinrich, Maria Gerlings eingetragenen 1. Huckingen Flur V, Nr. 20/16,, Buchholz(Königsbusch) 33,45 Ar Acker, „„„„(1587„„ 4,83„ Haus, „"„ 4.„„„„ 1402 „„„— 1408 „ 4,83„Garten, „ 2„Haus, „ 4,34„Garten, am 26. Mai 1894, vormittags 10 vor dem unterzeichneten Gericht an Gerichtsstelle versteigert werden te Grundstücke sind mit 1,05 M. Reinertrag und einer Fläche von 0,51 9 Hektar zur Grundsteuer, mit 135 Mark Nutzungswert zur er der. lagt. Auszug aus der Steuerrolle, beglaubigte ndb Jartitels,— etwaige Abschätzungen und andere die Grundstücke betreffen. Nachweizungen, sowie besondere Kaufbedingungen können in der Gerichtsschreiberei eingesehen werden. Diejenigen, welche das Eigentum der Grundstücke beanspruchen, werden aufgefordert, vor Schluß des Versteigerungstermins die Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls nach erfolgtem Zuschlag das Kaufgeld in Bezug auf den Anspruch an die Grundstücks tritt. Das Urteil über die Erteilung des Zuschlags wird am 28. Mai 1894, vormittaas 11 Uhr, an Gerichtsstelle verkündet werden. Ratingen, den 29. März 1894. 815 Königliches Amtsgericht II. Endgültig am 12. und 13. April c. Ziehung der Freiburger Münsterbau-Geldlotterie, p. Los 3 M. Hauptgewinne RAOOO 20 000. 10 000, 5000, 91RAAN Mark bar: 90000, 3000, 2000, 1000. 15000Gewinne. Rote Kreuzlotterie, Lose à 3 M.. Zieh. am 18., 19. u. 20. Aprilc. Hauptgewinne HARAA 20000, 15000, 10000, 4% bar: 30000, 5000, 2 à2000, 5 à 1000 k. 170000 M. Marienburger Geldlotterie, p. Los3 M., Hauptgew. M. 90000. Stettiner, Frankfurter u. Königsberger Pferde=Lose à 1 Mark, 11 Lose 10 Mark. Lose empfiehlt das Bank= und Lotterie=Geschäft Tel. 498, Düsseldorf, Königs=Allee 26, Franke& Cle., Köln, Unter Fettenhennen 15, Tel. 1376. Dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Morgen 3. Uhr unsere innigstgeliebte Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, die wohlachtbare Frau Margarete Holzschneider, geb. Wirtz, im Alter von 46 Jahren, nach langen schweren Leiden, wohlvorbereitet durch den Empfang der heiligen Sterbesakramente der röm.kath. Kirche, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um ein andächtiges Gebet für die liebe Verstorbene bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Düsseldorf, 2. April 1894. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 5. April, nachmittags 4½ Uhr, vom Sterbehause Friedrichstraße 108 aus statt. Die Exequien werden an demselben Tage, morgens 8 Uhr in der Pfarrkirche zum hl. Petrus (Friedrichstadt), gehalten, wozu alle, denen aus Versehen keine Einladung zugegangen, hierdurch freundlichst eingeladen sind. Das Jahrgedächtnis für unsern verstorbenen Vater Johann Müller findet Donnerstag, den 5. April e., morgens 9 Uhr, in der St. Rochus=Pfarrkirche statt, wozu hiermit freundlichst einladen Geschwister Müller. Trauerhüte. Crêpe, Hut- u. Armflor stets in großer Auswahl vorrätig 470 in der Modehandlung von Henry Lenaerts, 41 Schadowstraße 41. Freundlicher Leser, Liebe Leserin! Der hl. Apostel Matthias, unser Kirchenpatron, bittet Dich recht innig um eine Gabe für„den dringend notwendigen Neubau“ seiner Pfarrkirche! Es ist kein Pfarrfonds, auch keinerlei KirchenVermögen vorhanden, und„die Pfarrgemeinde besteht nur aus unbemittelten Leuten", Arbeitern, Hausierern u. s. f. So sind wir leider gezwungen, für dieses„große Werk, Gott die Wohnung zu bereiten", gute Menschen um Beihülfe anzuflehen. Das Einzige, was wir thun können, ist, für unsere Wohltäter zu beten. Und das thun wir und werden wir immerfort thun in der Hoffnung daß „der Herr das Gebet der Armen erhört". Langendernbach auf dem Westerwalde. 293 Dr. Luschberger, Pfarrer. hligs. St. Jos. bittet um Glocken Du. Orgel. Pfr. Jos. Joesten. Vorläufige Anzeige. Städtische Tonhalle(Kaisersaal). Dienstag, den 17. April 1894, Anfang 7½ Uhr: Anfang 7½ Uhr: Nammelfleisch in hochfeiner Qualität empfiehlt zu folgenden Preisen: per Pfd. Ganze und halbe Hammel. 54 Pfg. 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Mit heute verlegten wir unsere Werkstätte von Düsselthalerstraße 15 in unsere neuerbaute Fabrik 53 Furstrasse 53 und bitten höflichst hiervon Vormerkung zu nehmen Durch neueste und zweckmäßigste maschinelle Einrichtungen, Heizungen, Lüftungs- u. Trockenanlagen sind wir in der Lage, jeden Auftrag in kürzester Zeit und in der denkbar besten und vorteilhaftesten Art zu erledigen. Wir empfehlen: Abt. I. Thüren, Thore und Fenster. II. Hölzerne und eiserne Treppen jeder Konstruktion. III. Schaufenster-Anlagen, Rolladen und Zug-Jalonsien. IV. Geschäfts- und Comptoir-Einrichtungen, Warenlager etc. V. Möbel, komplette Einrichtungen für Private und Hotels. In letzterem unterhalten wir stets wohlassortiertes Lager und stehen mit Zeichnungen und Kostenanschlägen gern zu Diensten. Hochachtungsvoll Gebr. Bauer. » » 9 Plakate aller Art, vorrätig in der Expedition dieses Blattes. 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April 1894, nachmittags 4 Uhr, lassen die Erben Christoph Fischer, in der Wohnung des Wirtes Theodor Drösser Kölnerstraße 343 zu Düsseldorf, durch den Unterzeichneten das Wohnhaus Oberbilker Allee 125 nebst Stall, Scheune, Hofraum und Garten 32 Ar 92 Meter freiwillig öffentlich meistbietend verkaufen. Die Vorakten und das Bedingnisheft sind bei dem Unterzeichneten einzusehen. 321 Krause, Kgl. Notar. Knaben=Pensionat Oberlahnstein, Kath. Unterrichts= und Erziehungs:Anstalt unter geistl. Leitung. Mit Beginn des Sommersemesters finden in diese seit 1882 bestehende, vom hochwürdigsten Herrn Bischof von Limburg Dr. Karl Klein empfohlene Anstalt Aufnahme: 1. Schüler des städt. Realprogymnasiums(mit Latein), Berechtigung zum einjährigen Militärdienst; 2. Schüler der Realschule(ohne Latein) in der Anstalt, praktische Erlernung der neueren Sprachen, Vorbereitung zum einj. Examen; besonderer einj. Handelskursus zur praktischen Erlernung der Handelswissenschaften; 3. schwächere und zurückgebliebene Schüler zur Vorbereitung für Realschule, Realprogymnasium, auch Gymnasium und einj. Examen mit ganz individueller Behandlung; Ausländerklasse zur raschen Erlernung der deutschen Sprache. Schöne und gesunde Lage am Rhein. Hauskapelle mit hl. Messe. Pension nach Altersklassen(600—800 M.) Prospekte und Referenzen mit zahlreichen Adressen von Eltern früherer Zöglinge des In= und Auslandes durch den geistl. Direktor A. Löw. Bekanntmachung. Bei einem Stück Rindvieh des Biehhändlers David Anschel hier ist nach Obduktion das erste Stadium der Lungenseuche=Erkrankung durch den Kreistierarzt festgestellt worden, was hierdurch mit dem Bemerken bekannt gemacht wird, daß die Gehöftsperre angeordnet worden ist. Kettwig v. d. Bc., den 30. März 1894. Die Polizei-Verwaltung. Der Bürgermeister: Essers. Bekanntmachung. Es wird hiermit bekannt gemacht daß die Gemeindesteuerliste pro 1894/95 vom 5. d. Mts. ab 14 Tage lang zur Einsicht der Beteiligten auf dem hiesigen Bürgermeisteramt offen liegt. Ratingen, den 31. März 1894. Der Bürgermeister: Esser. Bekanntmachung. Die Eemeindeeinsmmensteuerlisten der Stadt= und Landbürgermeisterei Kaiserswerth für das Rechnungsjahr 1894/95, enthaltend die Personen mit einem Einkommen unter 900 M. liegen gemäß§ 75 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juli 1891 vom 4. April d. I. ab 14 Tage lang auf dem Bürgermeisteramt hierselbst zur Einsicht offen. Gegen die Veranlagung steht den Steuerpflichtigen binnen einer Ausschlußfrist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist die Berufung an die VeranlagungsKommission zu. Kaiserswerth, den 31. März 1894. Der Bürgermeister: Derpmann. Bekanntmachung. Die festgesetzte Gemeindesteuerliste der Bürgermeisterei Eckamp für das Jahr 1894.95 liegt vom 4. d. M. 14 Tage lang im Gemeindehause hierselbst zur Einsicht offen. Gegen die Beranlagung steht dem Steuerpflichtigen binnen einer Ausschlußfrist von 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist die Berufung an die VeranlagungsKommission für die Einkommensteuer des Landkreises Düsseldorf zu. Eckamp, den 2. Kpril 1894. Der Bürgermeister: David. Ordentlicher Junge für leichte Arbeit sofort gesucht. F. G. Conzen, Poststr. 1b. Gerresheim. 4 durchgehende Zimmer zu vermieten 305 Bahnstraße 15. Formulare zum An- und Abmelden bei den Ortskrankenkassen sind stets in der Expedition dieses Blattes vorrätig. Miet=Verträge in Buchformm. Quitiungsanhang zu haben in der Expedition des „Düsseldorfer Volksblattes," Bastionsstraße 14. 4 Hauptgewinne: reiburger Münsterbau=Lotter19. 1.50000 20000 M. Ziehung am 12. und 13. April 1894.— 3234 Bar-Geld-Gewinne. 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Der Abonnementspreis beträgt: für die erste Person.. 8 M. eine zweite Person, Famtlienmitglied desselben Hausstandes 4„ jede weitere Person desselben Hausstandes 2„ Maximal=Preis der Familienkarte 20„ für die Aktionäre gelten die früheren Bestimmungen. Anmeldungen werden an der Kasse entgegen genommen, wo auch die näheren Bedingungen zu erfahren sind. Neu eröffnet! „Zum deutschen Eck“, Ecke der Bahn- und Charlottenstr. Gute Küche. Reichhalt.Tagesplatte. Im Ausschank: Dieterich’s„Pilsener“, Münchener„Pschorr“. F. Spielkamp. Bertram's verbesserte TeerschwefelSeife ist unstreitig die beste Seife, welche beifortwährendem Gebrauch eine reine und gesunde Haut erzeugt. Gegen Mitesser, Röte der Haut, gelbe Flecken, kupfrigen Teint wird dieselbe mit großem Erfolge angewendet. Von den Herren Aerzten als einfaches und sicheres Waschmittel gegen Flechten und andere Hautausschläge schon seit langen Jahren empfohlen. Mit Gebrauchsanweisung nur allein echt bei Christ. Bertram, 145. 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Agenturen: Annoncen=Bureaus in allen größeren Städten. 28. Jahrg. Die Civilehe vor dem Forum des gesunden Menschenverstandes. „Die Civileheschließung in Deutschland spielt sich so nuchtern ab, als wenn es sich etwa um den Verkauf eines Grundstückes handelte." Das sagt kein Ultramontaner oder sonstiger„Dunkelmann", sondern Herr Dr. Dernbura, der liberal, Berliner und Professor ist und trotz alledem der Civilehe keinen Geschmack abgewinnen kann. In der juristischen Gesellschaft zu Wien hat er einen Vortrag gehalten, der seinem Inhalte nach den Lesern bereits bekannt ist und der allen Kulturkämpfern in Deutschland und in Ungarn fürchterlich gegen den Strich geht. Und zwar gerade deshalb, weil der Mann offenbar Recht hat mit seinem Einspruch gegen diese nüchtern-büréaukratische Form der„Eheschließung" auf dem Standesamte, die dem Gemütsleben des Volkes und den socialen Bedürfnissen durchaus nicht entspricht. Ich habe drei verschiedene Arten von civilehelichen„Feierlichkeiten" mitgemacht, in Holland, in Leipzig und in Berlin. Bei der letzteren Gelegenheit war ich eine von den zwei Hauptpersonen, aber gerade diese Berliner Form hat mir am schlechtesten gefallen. In Holland war die„bürgerliche" Ceremonie auf dem Rathause. Sie entbehrte nicht einer gewissen Würde und weltlichen Erbaulichkeit. Der Bürgermeister nahm sie in Gala vor und hielt eine schwungvolle Ansprache über die Bildung dieser neuen Familie und ihre Eingliederung in das Gemeinwesen. Es war eine recht nette Einleitung zu der heiligen Handlung in der Kirche. Vor anderthalb Jahrzehnten stand ich als Zeuge in Leipzig vor dem Tisch des Standesbeamten. Die Sache war weniger feierlich, als in Holland, weil nicht der Stadtvater, sondern bloß der Civilstands=Schriftführer den Akt vornahm. Aber der Standesbeamte that, was er konnte. Das Lokal war angemessen groß und hübsch ausgestattet, die Haltung des Beamten war sehr würdevoll, es schwebte von Anfang an etwas wie bürgerlicher Weihrauch durch den kleinen Saal. Der Mann beschränkte sich nicht auf das gesetzliche Frage= und Antwortspiel, sondern hielt erst eine Ansprache, die kurz, korrekt und schön war. Er wies auf die Kirche, als die Instanz für den sittlich-religiösen Charakter des Ehehundes hin; hier handle es sich um die staatsrechtliche Seite der Eheschließung. Er hob dann die Bedeutung der Ehe für Gesellschaft und Staat hervor, mahnte an die bezüglichen Pflichten, fügte die gehörigen Wünsche hinzu und schritt dann zu dem gesetzlichen Akt. — Der Mann gab dem an sich nüchternen Akt eine gewisse Weihe, und ich hoffe, daß die Brautpaare, die sich bloß von ihm trauen ließen, doch wenigstens etwas von der hohen Bedeutung des Eheschlusses verspürt haben. Aber diese erbaulichen Ansprachen der Standesbeamten sind keine Mode mehr, wenigstens hier zu Lande nicht. In Berlin ging es auf meinem Standesamte verzweifelt nüchtern und langweilig zu. Wir setzten uns und der Beamte nebst seinem Schreiber kritzelten aus den betreffenden Dokumenten das Nötige in ihre Bücher. Dann erhob sich der Staats=„Eheschließer“ und wir auch. Frage und Ant wort, Unterzeichnung, Händedruck, Abgang und Ablösung vor. Und Hunderte, ja Tausende von Paaren gehen nach dieser eindruckslosen Ceremonie nach Hause, essen und trinen etwas mehr, wie sonst— und damit ist der wichtigste Akt in ihrem Lebenslauf ohne eine Spur von Erbauung und Gemütsbefriedigung abgemacht. In der That, beim Verkauf eines Grundstücks geht es ebenso feierlich zu. So kann auch ein liberaler und sehr„aufgeklärter" Mann wie Professor Dernburg aus seinem gesunden Herzen zu der Ansicht kommen, daß es der„Phantasie", dem Gemüte des Volkes widerstrebe, wenn der große Akt der Eheschließung, der über das Lebensschicksal der Verlobten entscheide, ohne höhere Weihe vor sich gehe. Ja, sagen die Schwärmer für die Civilehe, es ist ja jedem unbenommen, sich noch die kirchliche Weihe zu holen. Gewiß, die Freiheit haben sie, und Gott sei Dank ist die Zahl der Katholiken, die sich mit einer„Civilehe" begnügt, sehr gering. Aber die Erfahrung lehrt leider, daß von zahllosen Protestanten, namentlich in den städtischen Lebenskreisen, die kirchliche Einsegnung verschmäht oder wenigstens versäumt wird. An der Thatsache kommen die„Civilisten“ nicht vorbei. Viele von ihnen wünschen ja auch, daß die Leute sich gewöhnen,„außerhalb des Schattens der Kirche zu leben und zu sterben". Dieser Wunsch jedoch ist nicht bloß gottlos, sondern auch staats= und gesellschaftsfeindlich, wie Prof. Dernburg trefflich zeigt:„Von dem Akte der Eheschließung sollte ein Licht ausströmen, das die künftigen Lebenswege der Brautleute erhellt und hineinleuchtet bis in das Dunkel der Trübsal. Es handelt sich dabei nicht nur um das Gemüt der zunächst Beteiligten, es handelt sich auch um ein Interesse der Gesellschaft und des Staates, wenn durch die Weiheform den Eheschließenden klar wird, daß sie als Glieder der Gesellschaft sich nun in deren Bau einfügen, um an deren Weiterbau mitzuwirken.“ Wenn so viele Protestanten auf die kirchliche Einsegnung verzichten, so finde ich das recht begreiflich. Der Katholik fühlt es als heilige Pflicht, vor den Altar zu treten, denn sein Glaube lehrt ihm, daß dort erst der wirkliche Eheschluß erfolgt; er geht in die Kirche, um zu heiraten, das Sakrament der Ehe zu empfangen, nicht bloß eines nachträglichen Segensspruches halber. Die Protestanten aber erachten mit dem Staatsgesetz die Ceremonie vor dem Standesbeamten als die wirkliche, an sich genügende Eheschließung. Infolge dessen halten sie es in der Regel auch nicht für nötig, noch an demselben Tage sich in die Kirche zu bemühen. Der Segen des Predigers ist ja bloß eine schmückende Zuthat; den kann man ja gelegentlich nachholen. Und die„Gelegenheit" wird gar leicht verpaßt. Je mehr Tage die Leute sich schon im thatsächlichen Ehestande befinden, desto geringer wird der Trieb, noch eine Hochzeitsfeier vorzunehmen.„Es ist ja nicht nötig", es ist so„lästig", ja sogar„kostspielig" trotz der Aufhebung der Stolgebühren, weil man doch sich in besonderen Staat werfen, Zeugen einladen und bewirten muß 2c. So bleibt ein großer Teil aus Nachlässigkeit der Kirche fern, ein anderer Teil aus vorsätzlichem Widerspruch gegen die kirchliche Ordnung. Die besseren Elemente des Protestantismus wehren sich gegen die Entkirchlichung der Ehe, aber sie haben keinen festen Boden unter den Füßen, weil Luther den Glauben an das Sakrament der Ehe zerstört hat. Wenn sie das Mögliche retten wollen, so müßten sie nach meiner Ansicht ihre gesamte Kraft dahin geltend machen, daß auch bei ihnen die Sitte begründet wird: Vom Standesamt geht es sofort, jedenfalls noch an demselben Tage in die Kirche! Mit der nachträglichen Einsegnung ist der Kohl nicht fett zu machen. Man muß das Eisen schmieden, wenn es warm ist; am nächsten Sonntag oder gar an einem noch späteren Sonntag nach der Civilehe ist das Eisen der Gemüter nicht mehr warm genug zum Schmieden. Eine durchgreifendes Heilmittel wäre freilich die Abänderung der Zwangs=Civilehe zu einer Not= oder fakultativen Civilehe, wie es auch Professor Dernburg empfiehlt. Der Staat hat ja auch ein eigenes Interesse an der Eheschließung, aber er kann dasselbe sehr gut wahren, auch wenn er den bindenden Akt der Kirche überläßt. Die Pfarrer können ja ihre Listen über Aufgebot ec. den Staatsbehörden zur Einsicht geben, damit der Staat seine Vorschriften über die weltlich-rechtlichen Bedingungen der Ehe zur Geltung bringe. Und wenn der Staat das Aktenwesen durchaus in seine Hand behalten will, so könnte man ja den Ausweg betreten, daß der Standesbeamte schließlich dem Brautpaare einen Schein ausstellt:„Der ehelichen Verbindung des und des mit der und der steht innerhalb der halbjährigen oder vierteljährigen Frist von dem Datum dieser Urkunde ab kein Hindernis von Staatswegen entgegen. Die Eheschließung kann erfolgen vor dem Seelsorger der Kirchengemeinde oder vor dem Vorsteher(Bürgermeister) der politischen Gemeinde, zu denen ein Teil der Eheschließenden gehört. Die Eheschließung ist nach dem untenstehenden Formular zu bescheinigen und von der amtierenden Person an dieses Standesamt zu melden." Mehr Garantieen für sein weltliches Eherecht und die Richtigkeit seiner Personenstandsregister braucht doch wirklich auch der„modernste" Staat nicht. Prof. Dernburg sagt mit Recht, daß die fakultative Civilehe für die Gewissensfreiheit durchaus genügt, d. h. wenn beide Brautlente nicht in die Kirche gehen wollen, so können sie vor weltlichen Beamten eine bürgerliche Ehe schließen. Die obligatorische Civilehe ist aber thatsächlich ein Gewissenszwang. Denn, wenn z. B. eine Katholikin, die bloß die kirchliche Ehe als eine wirkliche Ehe betrachtet, durch das Versprechen der kirchlichen Trauung sich zum Standesamt verlocken läßt und nachher der andere Teil den Gang zum Altare verweigert, dann verbietet ihr das Gewissen, den Manne als ihren Ehemann zu betrachten, der Staat aber zwingt sie in das Bündnis hinein, das sie als unsittlich erachtet. Auch vom rein prattischen Gesichtspunkt ist die obligatorische Civilehe zu verwerfen. Sie zwingt die christlich gesinnten Leute zu einer doppelten Ceremonie, von denen jede mit Zeit= und Kostenaufwand verbunden ist. In der Berliner Stadtverordneten Versammlung wurde neulich nit Recht Klage geführt, daß die Standesbeamten durch ihre rücksichtslose Ordnung der Geschäftsstunden den arbeitenden Klassen es so schwer machten, zu der passenden Zeit zur„Eheschließung" zu gelangen. Unter den städtischen Verhältnissen ist es für einen Arbeiter oder Angestellten in der That nicht leicht, gerade an dem Tage, wo die neue Wohnung bezogen werden muß, den standesamtlichen Akt zum Vollzug zu bringen. Dazu kommt nun noch für die treuen Christen der entscheidende Akt in der Kirche. Wie viel leichter wäre vie Sache, wenn die Leute bloß in die Kirche zu gehen brauchten. Der Seelsorger wird gern recht früh zur Stelle sein, während der Standesbeamte im Bewußtsein seiner bequemen Büreaustunden sich noch einmal umdreht. Welch' eine Thorheit wäre es von den Ungarn, wenn sie sich die ebenso lästige, wie verderbliche Zwangs=Civilehe aufhalsen wollten! Wir möchten diese„Errungenschaft" der Kulturkampfzeit gern wieder los werden, und wenn sich noch mehr Dernburgs bekehren, so darf man darauf wieder hoffen. * Freiherr von Schorlemer=Alst richtet a" die„Köln. Volksztg." folgende Zuschrift: „Alst bei Horstmar, 30. März 1894. Schon in einer früheren Nummer Ihrer geschätzten Zeitung war das mit dem 1. April in Münster neu erscheinende Centrumsblatt„Der Westfale“ mit meinem Namen in nähere Verbindung gebracht. In einem Bericht aus Frankfurt am Main, in Nr. 185, drittes Blatt vom 28. ds, der„Kölnischen Volksztg" wird„Der Westfale“ geradezu das Blatt das Freiherrn von Schorlemer=Alst genannt.[Es handelt sich um den von der „Köln. Volksztg.“ wiedergegebenen Bericht der Fkf. Ich bemerke dagegen, daß„Der Westfale" ein nach allen Seiten ganz unabhängiges Blatt ist, und daß ich weder dem Aufsichtsrat noch dem Vorstande des Unternehmens angehöre und nur als Aktionär mit einem sehr mäßigen Betrage an demselben beteiligt bin. Gestatten Sie mir zugleich noch folgendes zu erklären, vorausgesetzt, daß die Ausführungen des Herrn Abg. Dr. Lieber in der Versammlung in Frank furt am Main am 26. d. richtig wiedergegeben wurden. Mir ist über Differenzen, die zwischen dem Freiherrn v. Loë und Herrn Dr. Lieber etwa schweben, nichts bekannt, auch habe ich die gegen letzteren gerichteten Angriffe des„Rheinischen Bauer" nicht gelesen. Aber jedenfalls muß ich Einspruch gegen die Art und Weise erheben, in welcher Herr Dr. Lieber mich dem, um den Rheinischen Bauernverein und den Bauernstand hoch verdienten Freiherrn von Loë gegenüberstellt. Ich darf die verehrliche Redaktion bitten, Vorstehendes zum Abdruck zu bringen, und die Erwartung aussprechen, daß die anderen Blätter, welche mich gleicher Art mit dem„Westfalen" in Verbindung gebracht und die Aeußerung des prn. Dr. Lieber in Frankfurt am Main reproduziert haben, von dieser meiner Erklärung im Interesse der Wahrheit Notiz nehmen werden. Hochachtungsvoll und ergebenst Dr. Freiherr v. Schorlemer=Alst.“ Wir geben die vorstehende Zuschrift des Freiherrn von nicht als das„Blatt des Freiherrn von Schorlemer=Alst“ bezeichnet haben. Die„Germania" bemerkt dazu noch, daß bei Verbreitung der in den Tagen vor Östern erschie nenen Probenummern unter Mitglieder des Westfälischen Bauernvereins„Der Westfale" vielfach als das„Blatt des Herrn v. Schorlemer" oder kurz„Schorlemer=Blatt“ bezeichnet wurde. * Den polnischen Sprachunterricht betreffend ist nunmehr der bezügliche Erlaß des Kultusministers bekannt gegeben worden. Derselbe besagt, daß in den Volksschulen der Provinz Posen unter Beseitigung des durch Verfügung vom 11. April 1891 nachgelassenen Privatunterrichts auf der Mittelstufe polnischer Lese= und Schreibunterricht zur Förderung des Religionsunterrichts für diejenigen Kinder polnischer Muttersprache, welche schulplanmäßigen Religionsunterriht auf der Mittel= oder Oberstufe in der von ihnen besuchten Volksschule in polnischer Sprache empfangen, fakultativ eingerichtet werde, und zwar in der Weise, daß dafür ein bis zwei Stunden wöchentlich unter Verkürzung der Stundenzahl anderer Lehrgegenstände— mit Ausnahme des Religionsunterrichts— verwendet werden und der Unterricht, sofern nicht zur Erreichung seines Zweckes ein kürzerer Zeitraum genügt, nicht länger als zwei Jahre dauer.— Diese„Konzession" an die Polen in der Provinz Posen(nicht auch an die Polen in den polnisch sprechenden Landesteilen von Oberschlesien und Westpreußen) ist an und für sich so geringfügig und dann noch so vielfach verklausuliert und verbarrikadiert, daß sie bei einer„verständnisvollen" Handhabung seitens der unteren Behörden leicht vollständig verschwindet. Und das soll nun die vielgenannte„Konzession" sein, um derentwillen der Polenführer v. Koscielski seine Partel einer Zustimmung zur Militärvorlage willfährig machte! Nach diesem diplomatischen„Erfolge" des Herrn v. Koscielski könnte man es begreiflich finden, wenn er, wie es heißt, ein Reichstagsmandat nicht wieder annehmen will und auf weitere parlamentarische„Erfolge" verzichtet. Wer aber den Herrn v. Koscielski genauer kennt, vermutet, daß seine Mandatsmüdigkeit nur so lange anhalten wird, bis von irgend einer hochstehenden Person ihm der Wunsch kundgegeben wird, er möge wieder ein Mandat annehmen. Ausland. Die Radikalen und Socialisten beabsichtigen in Brüssel eine zweite„freie Universität" ins Leben zu rufen. Der radikale Abgeordnete Paul Janson versendet soeben ein Cirkular, worin er mitteilt, daß bereits für den nächsten Oktober die Eröffnung einer philosophischen und einer juristischen Fakultät beschlossen ist, und um Beiträge zur Unterstützung dieses Unternehmens bittet. Die belgische Hauptstadt wird also in Bälde das zweifelhafte Vergnügen haben, zwei freimaurerische Universitäten zu besitzen, eine „freie" und eine„noch freiere", die erstere eine Pflanzstätte des starren Doktrinarismus, die letztere eine Brutstätte des Socialismus und des Anarchismus. Studiert wird an der einen Universität so wenig werden wie an der andern, dafür aber desto mehr politisiert, wie denn überhaupt diese sogenannten„freien Universitäten" nur Hochschulen für politische Propaganda sind Der französische Anarchist Elysée Reclus, der offenbar triftige Gründe hat, nicht mehr nach Frankreich zurückzukehren, ist bereits als Lehrkraft für die im Oktober zu eröffnende Universität gewonnen. Die Engagierung weiterer„tüchtiger" Kräfte steht in Aussicht, darunter einiger Spezialisten, welche der akademischen Jugend praktischen Unterricht im Herstellen und im Werfen von Dynamitbomben erteilen werden! * Die Altkatholfken haben alle zwei Jahre einen internationalen Kongreß. Derselbe fand 1890 in Köln, 1892 in Luzern statt und wird in diesem Jahre in Rotterdam vom 28 bis 30. August abgehalten werden. Es werden Altkatholiken aus Deutschland, Oesterreich, der Schweiz, Holland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Amerika und Freunde der evangelischen Kirche der englischen Kirchen, der russischgriechischen Kirche u. a. anwesend sein. * London, 31. März. Die gestrige Sprengung des Rumpfes des„Machichaco" in Santander verlief glücklich mit unbedeutenden Schädigungen des Werftes und der Telephonleitung Obgleich Sachverständige glauben, daß die Explosion vom 21. März den Dynamitvorrat im Rumpfe erschöpfte, wird heute noch eine Enduntersuchung stattfinden. Santander glich zu Östern einer Totenstadt, keinerlei Fuhrwerk in den Straßen, kein Feuer, kein Licht. Das Zollhaus, die Gefängnisse, die Hospitäler und die öffenlichen Gebäude wurden geräumt und die Sträflinge unter Eskorte in die Stier=Arena untergebracht. Der gestrige glückliche Verlauf der Explosion wurde durch Glockengeläute angezeigt. * Bern, 30. März Der Sänderat beschloß, wie früher der Nationalrat, die Errichtung des seit Jahren geplanten eidgenössischen Parlamentsgebäudes und bewilligte dafür 5 Millionen. 2 Detektivroman von L. Lynch. Nur gut, daß niemand etwas von dem nächtlichen Abenteuer zu erfahren brauchte. Der Räuber konnte außer Sorge sein; die Geschichte sollte gewiß nicht ruchbar werden. Es wäre wahrhaftig ganz unerträglich, wenn sie in die Zeitungen käme. Wie fade und abgeschmackt würde sie sich im Druck ausnehmen. Auf jeden Fall war es am klügsten, unverbrüchlich zu schweigen. Wie, wenn Frau Ralston und Madeline Payne etwas davon erführen! Sie waren jetzt schon auf hoher See, um hierher zu reisen. Wenn man ihnen diese Geschichte zum Willkommen entgegenbrächte, würden sie sich gewiß fürchten, in seinem Hause ihren dauernden Aufenthalt zu nehmen. Tick tack. Er zählte die Minuten nicht mehr, seit er an den Umschwung dachte, der seinem Hause bevorstand, wenn sich die beiden Damen bestimmen ließen, bei ihm zu wohnen. Und warum sollten sie das nicht?— Frau Ralston, die Kousine seiner verstorbenen Gemahlin, war schon bei deren Lebzeiten ihre Hausgenossin gewesen; jetzt kam sie von einer längeren Reise nach New-York zurück, und da war es doch ganz natürlich, daß sie mit der hübschen jungen Gefährtin, die ihr seit zwei Jahren Gesellschaft leistete, wieder bei ihm einzog, in ihre alte Heimat. Sie hatten ihn gebeten, sich nach einer passenden Wohnung für sie umzusehen. Was konnte er da Besseres thun, als das große Haus, in dem er sich so vereinsamt fühlte, seit seine Frau vor mehr als einem Jahre gestorben war, aufs neue dem Verkehr zu öffnen und alles ausbessern und e. zu lassen, damit es zu ihrem Empfang bereit stehe? Eins, zwei... Im Nu war er auf den Füßen. Von Schlaf konnte keine Rede sein; er tastete sich nach dem Kamingesims und suchte nach Streichhölzern. Bei dem düstern Schein des Gaslichts kleidete er sich an. Da ihn fröstelte, machte er Feuer im Kamin, wo das Brennholz schon zurechtgelegt war. Bald schlug die Flamme knisternd empor und er stellte sich vor die rote Glut, die ihn behaglich durchwärmte. „Ich will mich doch etwas umsehen," murmelte er, das Gaslicht in die Höhe schraubend, daß es hell aufleuchtete. Was aber macht ihn plötzlich erstarren und fesselt seinen Blick? Unverwandt schaut er nach dem Bette hin— etwas Weißes, etwas Glänzendes blitzt ihm entgegen. „Gerechter Himmel!"— Er läßt die Arme kraftlos sinken, eine Schwäche überkommt ihn und er muß sich auf den Bettrand setzen; noch immer schweifen seine Augen nach dem glänzenden Ding, das im Holz des Bettgestells gerade über dem Kopfkissen steckt, auf dem er geruht hat, als der Einbrecher ihn im Schlafe störte. „Der Einbrecher?— War der Mensch denn überhaupt ein Einbrecher?" Jetzt faßt er nach dem glänzenden Ding; es schwankt und zittert bei der Berührung und er hält einen langen, scharfen Dolch in der Hand— kein Spielzeug, nein, eine tötliche Waffe, in deren Spitze ein Brief steckt, der jetzt herabfällt und vor ihm auf dem Kissen liegt. Ein Brief und ein Dolch, zu Häupten seines Bettes! Dies also war der Auftrag des Mannes, den er für einen gewöhnlichen Einbrecher gehalten. Er betrachtet die scharfe Schneide, den schlanken Griff des Dolches und fährt damit über den polierten Bettrand hin— wie tief er einschneidet, wie stark und biegsam er ist; jetzt legt er ihn auf das Kissen neben den Brief, den er nicht einmal berühren mag. Er ist bleich geworden und tiefer Ernst lagert auf seinen Zügen. Eine kleine Messinglampe, die er angezundet hat, zur Hand nehmend, geht er jetzt im Zimmer umher, alles genau zu untersuchen. „Ich muß meiner Sache gewiß sein," murmelt er. Ueberall die gewohnte Ordnung, auch in den Schränken und Nebengelassen. Er geht in die Halle hinaus, schließt aber zuvor die Thüre ab und nimmt den Schlüssel mit. Nirgends Verwirrung, alles wie es seit Wochen, ja seit Monaten gewesen. Seit dem Tode seiner Frau waren die prächtigen Staatsgemächer sämtlich verschlossen; er selbst benutzte nur das Speisezimmer und die Bibliothek. Morgens, wenn er aus dem Ankleidezimmer kam, stieg er gleich in den Wagen. Sein erstes und zweites Frühstück nahm er im Klub oder in einem bequem gelegenen Kaffeehaus ein und kehrte erst gegen sechs Uhr zum Mittagessen und zur Nacht ins Haus zurück. Von der Dienerschaft hatte er nur Köchin und Zimmermädchen behalten und ihnen Erlaubnis erteilt, bei ihren Familien zu schlafen und sich am nächsten Tage erst gegen zwölf Uhr wieder einzufinden, da er den ganzen Vormittag über ihre Dienste nicht brauchte. Nachdem sich Elias Lord überzeugt hatte, das alles unversehrt geblieben und der geheimnisvolle Fremde keine Spur zurückgelassen, begab er sich wieder in das Schlafzimmer und schloß sich ein. Sein Gesicht war noch sorgenvoller, noch bleicher wie vorher. Auf dem Bettrand sitzend, rief er sich den ganzen Auftritt, Stimme und Wesen des Einbrechers und jedes seiner Worte noch einmal ins Gedächtnis zurück. „Es ist ganz klar," überlegte er,„der Mensch hatte es nicht auf mein Geld und Gut abgesehen; während ich hier lag, hätte er ruhig das Haus ausplündern können. Er wollte mich auch nicht töten. Weshalb also hat er sich mit dem Brief hierhergewagt? Offenbar nur, um mir zu beweisen, wie völlig ich in seiner Gewalt sei, wie leicht er mir das Leben nehmen könne, sobald es ihm beliebt.— Jetzt sehe ich freilich ein, von welcher Bedeutung der Schritt war, den ich gethan habe, aber"— er stand auf und fah sich um—„es ist nun einmal geschehen und zurücktreten werde ich nicht; ja, ich könnte es nicht einmal, wenn ich auch wollte.“ Mit zögernder Hand nahm er den Brief vom Kopfkissen. „Ich werde ihn wohl lesen müssen," sagte er, das zusammengefaltete Papier rasch öffnend, wie um die Sache so schnell wie möglich zu erledigen. Das Schriftstück enthielt nur wenige Worte; klar und deutlich, wie gedruckt stand jeder Buchstabe auf dem Papier. Herr Elias Lord! „Sie haben sich an die Spitze des neuen Bundes gestellt, dessen Zweck es ist, die Reichen zu schützen und die Armen zu unterdrücken. In Ihrer Macht liegt es, das Maß der Bedrückung zu bestimmen. Hüten Sie sich, dieselbe zu mißbrauchen. Beachten Sie genau die warnenden Zuschriften und Gesuche, die man Ihnen von Zeit zu Zeit zustellen wird. Dieser Brief diene Ihnen zum Beweis, daß Sie uns nicht entfliehen können. Wenn Sie Ihre Gewalt zu unserm Nutzen brauchen, sollen Sie leben. Suchen Sie uns zu schaden, so hat Ihre letzte Stunde geschlagen. Unsere Augen wachen beständig über Ihnen; wir schlafen nie." Lange saß Elias Lord sinnend da vor sich den funkelnden Dolch und in der Hand den unheilvollen Brief, der auf einfachem, weißem Papier geschrieben, keine Unterschrift trug. Er war ein Mann der That, ein starker Charakter. Was die schauerliche Warnung zu bedeuten habe, wußte er wohl und spürte durchaus keine Neigung sie auf die leichte Achsel zu nehmen. Seine Gedanken waren sehr ernster Art und etwa folgende: Ich bin Besitzer eines ungeheuern Vermögens, das ich mir durch eigenen Fleiß und Thatkraft erworben habe, bin überdies an ausgedehnten Fabriken, Eisenwerken und Gießereien beteiligt; mir gegenüber aber steht eine große Verbindung von unzufriedenen Arbeitern und arbeitsschenen Taugenichtsen. Diese Leute haben sich gegen mich verschworen, um Geld von mir zu erpressen, nicht etwa, weil sie ein Recht darauf besitzen, sondern weil ich das Geld habe und sie es möchten. Seit Jahren kämpfen sie schon gegen mich und meinesgleichen und jetzt, da ich endlich aus Notwehr, um ihnen Widerstand leisten zu können einer Gesellschaft beigetreten bin, die mir Schutz für meine Person und mein Eigentum verspricht, senden sie mir den Drohbrief— ich soll mich meiner Stellung in der Gesellschaft zu ihrem Vorteil bedienen, oder mich auf das Schlimmste gefaßt machen. Die Feinde müssen stark sein und allenthalben ihre Späher haben, wie könnten sie sonst wissen, daß ich Beamter des neuen Bundes bin; erst vor drei Tagen wurde ich gewählt. Es ist ihnen auch grimmiger Ernst mit der Drohung, das beweist Dolch und Brief. So ist mir denn der Krieg angekündigt: ich, der Einzelne, stehe im Kampfe mit einem unbekannten Gegner. Sei es drum. Ich habe niemand Unrecht gethan und bin in keines Menschen Schuld. Ich will mein Eigentum verteidigen, was auch meine Widersacher gegen mich im Schilde führen mögen.—(Forts. folgt.) Holz=Verkauf. Aus den Forsten des Rittergutes Hugenpoet sollen die nachbenannten gefällten Hölzer nummerweise fürs Meistgebot auf Kredit verkauft werden. 1. Distrikt,Eickelscheidter Bruch": 82 Eichen=Grubenholz, 3 Nrn. Buchen=Backholz, 2. Distrikt„Moschenbruch": 3. Distrikt„Hochstraß": 4. Distrikt„Schafsbrücke": 5. Distrikt„Mühlenweg": 6. Distrikt„Schelenbrink" 7. Distrikt„Blombergsheide" 8. Distrikt„im Ikt": 11 Nrn. Reiserholz. 4 starke Eichen=Nutzholz, 241 starke Eichen=Grubenholz. 59 Erlenstangen=Drechslerholz, 10 Nrn. Backholz, 23 Nrn. Reiserholz. 21 Eichen= Grubenholz, 8 Nrn. Reiserholz. 170 Eichen=Grubenholz, 50 Fichten=Leiterbäume und Recken, 50 Fichten=Bohnenstangen, 2 Nrn. Backholz, 8 Reiserholz. 50 Eichen und 14 AspenGrubenholz, 1 Kirschbaum zu Brettern und Geschirrholz, 108 Erlenstangen=Drechlerholz, 8 Nrn. Ba holz, 21 Nrn. Reiserholz. 115 Kiefern=Grubenholz, 1 Nr. Backholz, 5 Nr. Reiserholz, 41 Eichen und 17 AspenGrubenholz, 147 Erlenstangen Drechslerholz 9 Nr. Backholz, 34 Nr. Reiserholz. 15 Eichen u. Kiefern=Grubenholz, 1 Kirschbaum zu Geschirrholz, 1 Nr. Reiserholz. 6 Kiefern=Grubenholz. 1 Nr. Reiserholz. 7 Fichten=Leiterbäume. 9. Distrikt„Kesselkamps Feld": 10. Distrikt„am Steinberg" 11. Distrikt„Grintberg": Verkaufstermin ist auf Donnerstag, den 5. April 1894, morgens 10 Uhr, im Lokale des Wirtes Kütenburg am Esel anberaumt, zu welchem Kauflustige eingeladen werden. Horst, am 27. März 1894. 250 Freiherrlich aon Fürstenberg'sche Rentei. Grund=u. Gebäudeverkauf Der zum Rittergute Hugenpoet gehörige, in der Gemeinde Laupendahl belegene Kothen„am Pustberg", bestehend aus folgenden Grundstücken: 1. Flur 2 Nr. 17 Pustberg Acker.... 58 a51 qm 2.„„„ 18 do. Hausgarten 11„ 84„ 3.„„„ 19 do. Hofraum—„95„ „„„ 412Hauschberg, Steinbruch u. Holzung109„ 59„ 5.„„„ 413 do. do. 13„ 18„ nebst aufstehendem Wohnhaus und Scheune, soll am Donnerstag, den 5. April 1894, nach beendigtem Holzverkaufe nachmittags gegen 2 Uhr, im Lokale des Wirtes Kütenburg am Esel, durch den Herrn Notar Justizrat Portmans in Ratingen unter en im Termin bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich ürs Meistgebot versteigert werden. Horst, am 28. März 1894. Freiherrlich von Fürstenberg'sche Rentei. Oeffentlicher Hausverkauf Düsseldorf. In der gerichtlichen Teilungssache der Frau Witwe Gottfried Anger, Johanna, geborene Abels, ohne Geschäft zu Düsseldorf wohnend und deren Kinder aus der Ehe mit dem genannten Gottfried Auger, wird der unterzeichnete zu Düsseldorf wohnende Königlich Preußische Notar Wilhelm Conen am Mittwoch, den 25. April 1894, nachmittags 4 in dem Lokale des Kaisersaales zu Düsseldorf an der Kasernenstraße Nr. 29 öffentlich zum Verkaufe mit Zahlungsausstand gegen Bürgschaft ausstellen. Das zu Düsseldorf in der Stadtgemeinde Düsseldorf an der Kasernenstraße gelegene Wohnhaus, bezeichnet mit der Nr. 14, nebst Seitengebäuden, Gebäudefläsche, Hofraum und Garten, eingetragen in der Grundsteuermutterrolle unter Artikel=Nummer 9 in Flur 1, Parzellen=Nummer 1889/1252, Kasernenstraße, mit einem Flächeninhalte von 3 Ar 80 Quadratmetern und eingetragen im Grundbuche von Düsseldorf=Stadt in Band I. Artikel 8, Grundakten Nr. 8, wertgeschätzt zu 63,000 Mark. Die Verkaufsbedingungen sind bei mir zu erfahren. Düsseldorf, den 19. März 1894. Der Königlich Preußische Notar: 47| Conen. Karl Padberg, Bankgeschäft, 2 Königsplatz 2, an der Josephinenstr. An- und Verkauf von Effekten, Kuxen etc., Verwahr und Verwaltung derselben. Koupon- Einlösung. Verzinsung provisionsfreier Depositen bis zu 4% Check-Konto und Wechsel-Inkasso. Vermögens-Verwaltung. Zu Auskünften etc. bin ich gern bereit. Kassa geöffnet von 9—12 und von 3—6 Uhr. Tabakraucher! werden in ihrem eigenen Interesse barauf aufmerksam gemacht, daß in unserer ur eine Mutzpfeife enthalten ist und jedes Paket aus unserer Fabrik diese Schutzmarke enthalten muß. Henric Ulebtt senior& Cie. aus Amsterdam, seit 1838 in Rees am Bhein, Tabak= und Cigarren=Fabriken. 259 Allein=Vertreter für Düsseldorf und Umgegend Joseph Worring, Königs-Allee 25. Molkerei Dossen links, Oberkassel bei Düsseldorf. Kinderwileh, von streng durchgeführter Trockentütterung, p. Ltr. 25 Pfg. (In Flaschen). 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Die im Jahre 1894 fällige Dividende der Versicherten beträgt 3 pro Cent aller bis 1892 gezahlten Prämien oder 42 pro Cent einer Jahresprämie für den ältesten gang der mit Gewinn=Anteil Versicherten. Tüchtige Vertreter gesucht. Prospekte und jede weitere Auskunft unentgeltlich durch Knipschaat, Florastraßze 13, General=Agent für den Regierungs=Bezirk Düsseldorf. Hulstrung81o, 88 gegründet 1860, Lager und Comptoir: Berger Allee 7. Hauptvertrieb der Separations=Produkte der Zeche„Herkules," halten sich in allen besseren, nicht schwalchenden und steinfreien Sorten dieser und anderer Zechen, für Haus= und Küchenbrand, gewöhnliche und Regulier=Oefen jeden Systems, Central=Feuerungs=Anlagen, Bäckereien und Schmiedereien, zu den billigsten Pretsen bestens empfohlen. 877 Fernsprech=Anschluß Nr. 488. Fernsprech=Anschluß Nr. 480, Pariser Zuschneidekunst. Aellestes und anerkannt bestes Institut für Zuschneidekunst in Damen-Konfektion Wwe. M. Stehling, Charlottenstraße 69, 3. 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Eichelmann, Nordstr. Den 29. Ida Wilhelm. Kath, T. d. Fabrikarb. Wilh. Barb, Kölnerstr. Den 24. Marg. Wilhelm. Henr., T. d. Wirts Ant. Finster, Neußerstr. Den 22. Elis. Hel., T. d. Sattl. Ludw. Hoffmann, Ahnfeldstr. Den 29. Maria Marg. Christ., T. d. Fabrikarb. Karl Felder, Ackerstr. Den 23. Gertr., T. d. Schuhm. Hrch. Meurer, Grafenbergerstr. Den 28. Karl Reinh. Wilh., S. d. Kfm. Karl Mumm, Marschallstr. Den 29. Joh. Jos., S. d. Anstr. Joh. Nettekoven, Neubrückstr. Den 24. Elis. Maria Hulda, T. d. Rentn. Hugo Menzel, Grafenberger Chaussee. Den 28. Joh. Jak., S. d. Pliesterers Jak. Zimmermann, Martinstr. Gestorbene. Den 27. März. Joh. Schmitz, 2 J. 1 M., Stefanienstr. Den 28. Hugo Krautmacher, 21 T., Nordstr. Den 27. Anton Menke, Damenschneider, 53 J. Ehem, Louisenstr. Heinr. Köppinger, 2 T., Mendelssohnstr. Joh. Gesellchen, 8 M., Oberbilkerallee. Den 28. März. Dr. Jak. Schmitter, Privatlehrer 75 I., Wwer., Kavalleriestr. Josephine Brink, geb Schaaf, o. G., 78 J., Wwe., Mörsenbroich. Den 29. Joh. Schuhmacher, Magazin- Verwalter, 59 I., Ehem., Zimmerstr. Gertr. Wilms, o. G., 20 I., led., Mörsenbroich. Adolf Liebig, Glasschleifer, 33 I., Ehem., Lindenstr. Den 28. Karl Weller, o. G., 55 I., Wwer., Himmelgeisterstr. Peter Schreiber, Fabrikarb. 16 I., Albertstr. Den 22. Joh. Lohrenz, 5 J., Lierenfeld. Den 28. Aug. Demsky, Schlosser, 24 I., led., Klosterstr. Gerh. Lentzen, o. G., 14 I., Himmelgeisterstr. Heiraten. Den 27. März. Kfm. Ludw. Meyer u. Regina Lilienfeldt, e. Lünen, l. h. Den 28. Bäckermstr. Jak. Kohnen u. Anna Knipp, e. Eller, l. h. Den 29. Tagel. Hrch. Becker u. Gertrud Gierling, e. Straberg, l. h. Schneider Franz Frotz u. Josephina Kürten b. h. Post=Assist. Aug. Holtkamp u. Julie Riegel, b. h. Schuhmachermstr. Hrch. Kemmer u. Luise Busch, e. Bückeburg, l. h. Stuckaturer Joh. Knaak u. Luise Jordans, b. h. Schneid. Arthur Menzler u. Augusta Schulte, b. h. Anstr. Gustav Punessen u. Anna Braselmann, b. h. Maurer Jak. Ramaekers u. Christina Mildenberg, b. h. Fabrikarb Anton Schlimm u. Therese Salmen, b. h. Schrein. Bern. Schmies u. Anna Korn, b. h. Stuckat. Herm. Umlauf u. Gertr. Mäder, b. h. Ziegelmstr. Matth. Vaaßen u. Kath. Ester, e. Schmidthausen, l. Mörsenbroich. Fabrikarb. Joh. Groh u. Sophie Meurers, b. h. Den 30. Eisenbahn=Bureau=Aspirant Max Röseler u. Lucie Muhl b. h.— Buchhandlungsgehülfe Robert Wenger u. Josephine Göbbels, b. h.— Kaufmann Hugo Dahm und Josephine Laurentius, b. h. Den 31. März. Tagel. Joh. Kamp u. Kath. Paffe, b. h. Fbkarb Wilh. Domjan, u. Henr. Elsen, b. h. Schmied Hrch. Franken u. Christ. Brauweiler, b. h. Fuhrm. Peter Eickelpoth u. Anton. Mayland. b. h. Agent Wilh. Frisch u. Joh. Engelsmann, b. h. Kaufm Alb. Füßmann u. Selma Linke, b. Reydt. Straßenmütr. Kasp. Fuß u. Gertr. Weisbecker, e. Mittel=Irsen, l. h. Schlosser Wilb. Hoeren u. Elis. Hillebrand, e. Essen, l. h. Buchh. Wilh. Meiswinkel u. Kath. Wallenborn, e. Grafenberg, l. h. Ackerer Joh. Querling u. u. Elis. Burchartz, e. Mörsenbroich, l. h. Uhrm. Karl Thielen, u. Kath. Matheisen, e. Gladbach, l. h. Fabrikarb. Theodor Weber u. Maria Klein, b. h. Maurer Jak. van der Weerd u. Emma Röttger, e. h., l. Wiesdorf. Vereins Sekretär Joh. Bartels u. Martha Na torp, e. London, l. h. Unübertrefflieh sind M. Schreiber's8 Briloner Pfeiten, per Stück 1,20, 6 Stück zu 6 M. Illustr. Preiskurant gratis u.franko. M. Schreiber, Kaiserl. Königl. Hofl., Düsseldorf. Olivenöl-Seifen-Fabrik 5. Robert Dahl, Ferspr. Verkaufsstelle: Bergerstr. 19, empfiehlt ihre chem. gar. reinen Olivenoel-Seifen. Gefl. Aufträge per Post u. Fernspr. werden sofort ausgeführt. 377 Bernhard Schmitz I, GerichtsTaxator und Auktionator, Wehrhahn 5. Tuch ganzwoll. dopp. breit..... M. 4,40 „engl. Muster elegant„ 7,50 streng reelle vorzügliche Stoff,e Aachener Tuchlader. Hohestr. 35. Ch. Kriebel, 10 Benratherstraße 10. Atelier für künstliche Zähne und Zahnoperationen. Empfehle billigst: 11 la. Saat-Wicken, Saat=Buchweizen, Saat=Erbsen, Saat-Lupinen und Saat=Hafer. 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