Erscheint täglich. Preis: durch die Boten M. 2, durch die Post M. 2,20 per Quartal, monatlich 67 Pfennig. Anzeigen: Petitzeile oder Raum 15 Pfg. Minimum 2 Zeilen. Reklamen 50 Pfg. Fernsprechanschluß Nr.1028. Haupt=Expedition: Bastionsstraße 14. Filial=Expeditionen: Marktstr. 5, Schadowstr. 35, Neußerstr.50, Friedrichstr.42, Schützenstr. 1, Kölnerstr. 299 Nordstr. 25, Oststr. 76, Friedrichsplatz 6 Agenturen: Annoncen=Bureaus in alle: größeren Städten. Nr. 63. Mittwoch, 7. März 1894(Thomas v. Aquin.) 28. Jahrg. Rede des Herrn Abg. Danzenberg, Pfarrer in Kaiserswerth, gehalten in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses anläßlich der Debatte über die Paritätsfrage. Abg. Dauzenberg: Meine Herren, der Herr Kollege Bachem hat soeben das ganze Gebiet der Imparität, wie sie zu Ungunsten der Katholiken in Preußen herrscht, in den Bereich seiner Erwägungen gezogen. Er hat dies ruhig und sachlich gethan.— Herr v Kölichen winkt nein. Ich behaupte aber: er hat es recht ruhig und sachlich gethan, und das ganze Haus möge Zeugnis ablegen, daß das wirklich der Fall gewesen ist. Er hat es zu gleicher Zein gethat mit Schonung gegen die Personen, namentlich auch gegen den Herrn Minister, wie ich das auch für durchaus notwendig halte. Der Vortrag des Herrn Kollegen Bachem ist an und für sich wohl äußerst interessant. Das ganze Haus hat durch die Aufmerksamkeit, die es dem Redner gezollt hat, bewiesen, daß es ein großes Interesse an der ganzen Sache hat. Das Bild aber, daß der Herr Kollege Bachem hier entworfen hat, ist kein anmutiges und für uns Katholiken leider ein recht trauriges, wahres Bild. Wo die Thatsachen nun eine so beredte und laute Sprache führen, wie sie der Herr Kollege Bachem angeführt, hat meines Erachtens Herr Kollege Seyffardt recht wohl daran gethan, sich nicht auf diesen Boden zu begeben, sondern die Hände davon zu lassen.(Sehr richtig!) Es wäre das ein Stück Arbeit für ihn gewesen, daß er wohl schlecht hätte bewältigen können. Mir gegenüber hat er in liebenswürdiger Weise ausgesprochen, als wenn ich im vorigen Jahre die Frage der Kreisschulinspektoren mit dem jugendlichen Eifer, den ich in den 60er Jahren während des Kulturkampfes hier an den Tag gelegt, behandelt hätte. Der Herr Kollege Seyffardt möge meine Rede vom vorigen Jahre über die Kreisschulinspektoren sich genau ansehen, dann wird er finden, daß auch ich bei Gelegenheit nur Sachliches vorgebracht und wesentlich Klage darüber geführt habe, daß auf diesem Gebiete die Katholiken gegenüber den Protestanten ungerecht behandelt wurden. Ich habe das dann nach dem„Centralblatt für die Unterrichtsverwaltung" des Näheren auseinandergesetzt. Das ist aber eben der Unterschied zwischen dem Herrn Kollegen Seyffardt und mir, die wir beide während des Kulturkampfes hier im Hause waren, daß er bis auf den heutigen Tag derselbe Kulturkämpfer geblieben ist, während ich meinen damaligen Standpunkt nur in der Abwehr der Regierungsvorlagen bis auf den heutigen Tag glaube einnehmen zu müssen, weil eine Ursache zu einer Aenderung durchaus nicht gegeben ist. Für den Herrn Minister— das erkenne ich auch gern an — war es kein kleines Stück Arbeit, zugleich ein recht undankbares Stück Arbeit, dem Herrn Kollegen Bachem entgegentreten zu müssen; er hat es unternommen in zweifacher Beziehung. Er hat zunächst allgemeine Erwägungen über die Rede des Abgeordneten Bachem angestellt und ist dann weiterhin in seinem zweiten Teile auf einzelne Sachen übergegangen. In der allgemeinen Entgegnung hat er geglaubt, daß der leitende Faden in der Rede des Herrn Bachem Klage über die mangelnde Parität gewesen ist. Das liegt ja natürlich klar zu(Tage. Die ganze Rede wollte das, und wenn der Herr Minister sagte, daß das in agttatorischer Weise geschehen sei, so muß ich das durchaus bestreiten und wiederhole noch einmal, daß der Herr Kollege Bachem es in durchaus ruhiger, objektiver, sachicher und recht schonender Weise gethan hat. Der Herr Minister will keine mechanische Parität, sondern er will nur gesprochen wissen von einer innerlichen Parität. Ich könnte ihn fragen: woher kommt es denn, daß diese mechanische Imparität in Preußen wirklich besteht? Das ist doch kein Zufall! Wir würden uns freuen, wenn diese mechanische Imparität beseitigt würde, die innerliche braucht darunter nicht zu leiden. Der Herr Minister hat gemeint, die katholische Bevölkerung trage einzig und allein Schuld daran, daß die Parität in Preußen nicht zu handhaben sei. Er hat wörtlich gesagt: Sie stellen der Staatsregierung nicht die Kräfte zur Verfügung, die sie braucht. Nun hat aber der Herr Kollege Bachem auch nach dieser Seite hin schon gesagt woran das liege; er hat ausdrücklich erwähnt, daß die unteren Instanen es verhüteten, daß recht brauchbare, tüchtige katholische kräfte herangezogen würden; daher komme es, daß der Herr Minister vielleicht die Kräfte für die höchsten Stellen nicht hat. Dann liegt es aber doch nicht an der kat holischen Bevölkerung, sondern an dem Verhalten der unteren Regierungsinstanzen in Preußen. Nun hat der Herr Minister zum einzelnen übergehend zuerst das Gesetz über die Vermögensverwaltung in katholischen Kirchengemeinden erwähnt und uns, die wir nach dieser Seite hin einige Hoffnung hatten, leider auch diese schwache Hoffnung genommen.„Laßt alle Hoffnung draußen", so müssen wir Katholiken wohl sagen nach dem, was wir von dem Herrn Minister gehört haben. Er hat uns vorgeführt, daß die Oberpräsidenten und Präsidenten der Regierungen sich gegen die Aenderung, namentlich gegen die Beseitigung der Gemeindevertretung in dem erwähnten Gesetze ausgesprochen hätten. Ja, verehrter Herr Minister, das sind eben die protestantischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten, die hier berichten in einer rein katholischen Sache.(Sehr richtig! im Centrum.) Wie man seiner Zeit, als das Gesetz vorgelegt wurde, bei den Bischöfen, den Zunächstbeteiligten, absolut nicht angefragt hat, so macht man es jetzt wieder: man beruft sich, wenn wir einen dringenden Wunsch haben, wieder auf protestantische Berichte, gegen die wir natürlich wieder unsere großen Bedenken haben müssen. Nin hat aber seiner Zeit schon— ich war Mitglied der Kommission, in der das Gesetz über die Vermögensverwaltung vorberaten wurde— der Herr Ministerialdirektor Förster wörtlich gesagt,„daß die damaligen traurigen Zeitverhältnisse ihre großen Schlagschatten auch auf dieses Gesetz werfen." Ich muß doch daraus entnehmen, das dieses Gesetz, wie es damals ab irato gemacht worden ist, Bestimmungen enthält, mit denen wir Katholiken nicht zufrieden sein können, weil sie ihre Wurzel in den damaligen traurigen Zeitverhältnissen haben. Das muß uns schon bedenklich machen gegen diesen Gesetzentwurf. Ich glaube, daß der Herr Minister höchst wahrscheinlich auch von katholischer Seite Aeußerungen vernommen hat, die ganz anders lauten werden, als diejenigen der Oberpräsisidenten und Präsidenten. Namentlich wenn er die Bischöfe der katholischen Kirche, die das Gesetz zunächst angeht, gefragt har— er hat bezeichnenderweise darüber keine Auskunft gegeben, was die gesagt haben— über die Schwierigkeiten, welche die Ausführung des Gesetzes gefunden hat, dann glaube ich ganz gewiß, daß die Berichte wesentlich anders lauten werden, als die Berichte der protestantischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten. Es soll eine zwanzigjährige Vergangenheit keine wesentlichen Mißstände zutage gefördert haben als nur den einen, daß vielleicht der Verwaltungsapparat zu groß wäre. Ich möchte doch dringend den Herrn Minister bitten, nach dieser Seite hin den katholischen Wünschen und Forderungen mehr Rücksicht zu tragen, undich muß gestehen, ich hatte mich der zuversichtlichen Hoffnung hingegeben, daß ich von seiner Gerechtigkeitsliebe und auch von der Billigkeit, die er doch sonst nicht unberücksichtigt läßt, hoffen durfte, daß er in diesem Punkte ganz sicher Remedur würde eintreten lassen; ich hoffte nicht nur, daß die Gemeinbevertretung beseitigt, sondern auch in anderen Punkten berechtigten Klagen Abhülfe geschaffen würde. In bezug auf die konfessionellen Kirchhöfe hat der Herr Minister gesagt, er wäre allein nicht entscheidend, es wären auch wenig konkrete Fälle an ihn herangekommen. Es bleibt sich für uns ganz gleich, wer darin entscheidend ist; er ist doch mitentscheidend, und unsere Bitte geht dahin, er möge nach den anderen mitberechtigten Stellen seinen Einfluß geltend machen, daß eine Möglichkeit herbeigeführt werde, konfessionelle Kirchhöfe auch auf dem linken Rheinufer erhalten zu können. Wenn das Gesetz im Wege steht,— warum soll man das Gesetz nicht ändern? Wenn mit Ausnahme der linken Rheinseite überall in Preußen die Möglichkeit geboten ist, konfessionelle Kirchhöfe anzulegen, und in diesen Landesteilen der Gesetzeslage das zu verdanken ist, dann meine ich, wäre es doch ein kleines Stück Arbeit, wenn der Herr Minister seinerseits dafür sorgt, daß das Gesetz eben geändert werde und auch dort die Möglichkeit geschaffen werde. In bezug auf die Ordensniederlassungen hat der Herr Minister eine Parallele gezogen zwischen den Diakonissen auf protestantischer und den bärmherzigen Schwestern anf katholischer Seite und hat dann behauptet, es wären die Diakonissen in bezug auf Korporation ganz anders gestellt, als es auf katholischer Seite der Fall wäre. Das mag ja zugegeben werden nach einer gewissen Seite hin. Ich wohne in dem Orte, von wo aus das Diakonissenwesen der protestantischen Kirche ausgegangen ist, und ich kann dem Herrn Minister doch sagen, daß thatsächlich die Sache nicht wesentlich anders liegt bei den katholischen Orden; darin ist der Unterschied der, daß die Diakonissen volle Freiheit der Bewegung haben, was den katholischen Ordensschwestern freilich verwehrt ist. Der Herr Mintster beruft sich auch hier wieder auf das Gesetz; das Gesetz stehe im Wege, binde ihm die Hände, er könne nicht, wie er wolle. Ich antworte auch darauf wieder: das ist ja unserseits wieder die Klage, daß für uns Katholiken ein Gesetz besteht, das uns drückt, das uns Fesseln anlegt, während ein solches Gesetz auf protestantischer Seite nicht besteht.(Sehr richtig! im Centrum.) Daher müssen wir fordern, daß dieses Gesetz beseitigt werde, beziehungsweise, daß das Gesetz so geändert werde, daß wir auf katholischer Seite endlich auch so behandelt werden wie die Protestanten; dann sind wir vollkommen zufrieden. Was dem im Wege stände, kann ich wirklich nicht ausfindig machen. Weiterhin hat in bezug auf die Dienstalterszulagen der Geistlichen der Herr Minister hervorgehoben, daß es sich hier um eine Finanzfrage, um eine nicht unbedeutende Mehrausgabe handle. Er hat dann besonders betont,— und das sollte, wie ich mir das zurecht gelegt habe, Eindruck auf das Haus machen und hat es wohl auch gemaci— daß nach diesem neuen Vermerk im Staatshaushalt die Katholiken mit— ich weiß die Zahl nicht ganz genau— mit etwas über 300000 Mark bedacht würden, die Protestanten aber nur etwa den dritten Teil erhielten. Meine Herren, das kommt aber eben daher, weil die Protestanten ja schon vorher bedacht gewesen waren; eine lange Reihe von Jahren haben sie das schonbekommen und gehabt, was den Katholiken jetzt erst gewährt wird. Das ist nicht eine Begünstigung der Katholiken gewesen, sondern durchaus nur ausgleichende Gerechtigkeit, die endlich jetzt erfüllt wird. Und auch jetzt noch wird das nicht so erfüllt, wie wir Katholiken es wünschen müssen; auch bei diesem Vermerk im Etat werden diejenigen armen Priester, die ohne jede Schuld ihrerseits, lediglich durch die traurige Kulturkampfgesetzgebung in Preußen verhindert worden sind, ein Amt im Vaterlande anzunehmen und die schließlich— der Ausdruck könnte etwas schroff erscheinen, ich kann denselben aber wohl gebrauchen, denn er geht ja nicht gegen den Herrn Minister, den ich auch schonen möchte— nach mannigfachen Maltraitierungen in Preußen das Vaterland verlassen mußten, um draußen eine Thätigkeit zu finden, die werden auch jetzt noch gestraft für etwas, was sie durchaus nicht verschuldet haben, sondern was die Staatsregierung verschuldet hat. In Bezug auf die Säkularisation möchte ich doch dem Herrn Minister zur Erwägung anheim geben, daß nicht bloß Bistümer und deren Güter eingezogen worden sind, sondern auch Güter von zahlreichen Klöstern, von zahlreichen Stiften und zwar von solchen, die verschiedenen Pfarreien gegenüber bestimmte rechtliche Verpflichtungen hatten; die Verpflichtung nämlich, für die Kosten der vollständigen Seelsorge aufkommen zu müssen. Der Staat ist nun als Rechtsnachfolger in die Rechte dieser Stifter, natürlich auch in die Pflichten derselben eingetreten; man sollte nun erwarten, der Staat müßte im vollen Umfange die Verpflichtungen, die die Stifter früher hatten, auch auf sich genommen haben. Aber weit gefehlt. Der Staat hat wohl das Geld in seinen Säckel gethan, aber die Pflichten erfüllt er vielwärts in der kläglichsten, stellenweise in der erbärmlichsten Weise. Die Gehälter, die im Anfang des Jahrhunderts, im Jahre 1804, 5 oder 6 für die betreffenden Seelsorger ausgeworfen wurden, mochten damals ganz gewiß zu einem standesgemäßen Auskommen ausreichen, hat er bis auf den heutigen Tag bei behalten; er sträubt sich bis auf diese Stunde dagegen, diese Gehälter den größeren Anforderungen der Jetztzeit entspre chend zu erhöhen und läßt nach dieser Richtung hin alles beim Alten; nach meiner Meinung thut er das so, daß die Gerechtigkeit wirklich verletzt wird. In Bezug auf die Universitäten werde ich im späteren Verlauf noch das eine oder andere Wort zu sagen haben. Nach dem, was der Herr Minister über die Gesellschaft Jesu gesagt hat, muß man annehmen, daß reinweg jedes Wort, das aus dem Munde eines Jesuiten kommt, eine Ordensthätigkeit ist; alles und jedes ist nach dieser ministeriellen Auslegung verpönt; die Worte des Herrn Ministers geben den Lokalbehörden der verschiedenen Provinzen Waffen gegen die Jesuiten in die Hand. Man wird sich nicht mehr bei der Centralinstanz zu verwundern brauchen, wenn die Lokalbehörden unter Berufung auf die Worte des Herrn Ministers Alles und Jedes, auch alles Socialpolitische, untersagen und verbieten.(Sehr richtig! im Centrum.) In Bezug auf Crefeld hat der Herr Minister anerkennend sich darauf eingelassen, daß die Verhältnisse dort nicht erwünscht wären. Ich erkenne meinerseits gern an, daß der Herr Minister nicht in der Lage ist, dort Remedur herbeiführen zu können, weil diese Mißlichkeiten dort durch die städtischen Verwaltungsbehörden herbeigeführt worden sind. Der Herr Minister hat dann dabei zu unserem Troste oder vielmehr, um uns ein Mittel an die Hand zu geben, wie wir uns helfen könnten, darauf hingewiesen, wir möchten bei den Stadtratswahlen dafür sorgen, daß Stadtverordnete gewählt würden, die unsere Interessen vertreten. Aber wie hat im vorigen Jahre die königliche Staatsregierung hier dafür gesorgt, daß uns das gänzlich unmöglich gemacht wird!(Sehr richtig im Centrum.) Das Verhalten der königlich preußischen Staatsregierung bei dem Wahlgesetz in Bezug auf die Ge meinderatswahlen ist noch in frischem Andenken; es ist derart gewesen, daß sie den uns entgegenstehenden Parteien Waffen in die Hand gab; ich wüßte nicht, wie uns die Möglichkeit geblieben wäre, uns auf den Wegen, die der Herr Minister angab, zu helfen. Das Wahlgesetz steht dem absolut entgegen, und das verschuldet unverkennbar wiederum die königliche Staatsregierung. Nun, meine Herren, hat der Herr Minister bei früheren Gelegenheiten und auch heute wieder in anderen Redewendungen sich dahin ausgesprochen, daß er und alle seine Mitarbeiter im Ministerium von dem tiefsten Bedürfnis der Notwendigkeit des Friedens durchdrungen seien; weder bei ihm noch bei einem seiner Mitarbeiter bestehe die geringste Neigung zu einem Kulturkampf, auch im Kleinen solle gegen die Katholiken ein Kulturkampf nicht mehr geführt werden. Ich setze in die Wahrhaftigkeit der Worte des Herrn nicht den geringsten Zweifel, ich acceptiere sie als Worte eines ehrlichen, braven Mannes; aber in dem neuen Kurse ist es eine auffallende Erscheinung, daß man freundliche Worte für die Katholiken hat, ja noch mehr, sogar liebenswürdige Worte. Die häßlichen Worte, wie sie früher gehört wurden, von „neichs= und Staatsfeinden" hört man gar nicht mehr; wir sind sogar so weit hoffähig geworden, daß wir zu den„staatserhaltenden Parteien“ gezählt werden. Aber wenn dann die Katholiken mit noch so berechtigten Forderungen kommen, dann heißt es unter verbindlichem Lächeln:„Nein! Wir haben es heute noch gehört: selbst in dem Punkt der Vermögensverwaltungsgesetze, das heißt sogar da, wo wir hofften, etwas erreicht zu haben, selbst da„laßt alle Hoffnung draußen"; höflich wird„Nein“ gesagt. So war es zur Zeit des Fürsten Bismarck nicht, wenigstens nicht in der letzten Hälfte des letzten Dezenniums. Da wurde wohl gehörig geschimpft auf das Centrum, da fielen allerlei Redensarten, wenn den Katholiken etwas bewilligt werden sollte, aber das geschah damals mehr, um den Rückzug zu decken. Auch geschah es, um die Herren von der nationalliberalen Partei und auch die Herren hier von den Freikonservativen etwas zu beruhigen. Aber es wurden doch Konzessionen gemacht. Das ist jetzt nicht der Fall, denn wenn ich von dem Vorsitz ien Kirchenvorstand und von dem Vermerk im diesjährigen Etat über die Anrechnung der Dienstzeit bei den Geistlichen absehe, so ist sonst von Konzessionen gar keine Rede.(Sehr richtig! im Centrum.) Nun sind wir der Meinung, daß im Staatsleben nach allen Seiten hin Gerechtigkeit walten soll.(Sehr richtig! im Centrum.) Das bleibt ein fortwährend richtiger und wahrer Satz: justitia fundamentum regnorum. An diesen Satz hat hier in diesem Hause ein Kollege aus meiner Partei— es war der Abgeordnete August Reichensperger— seiner Zeit den Kultusminister Falk beim Beginn seiner ministeriellen Laufbahn erinnert. Der Herr Kultusminister Falk hat das stolze Wort aufgegriffen unter Hinweis auf seine Person, die eine Bürgschaft dafür gebe, daß Gerechtigkeit walten werde, weil das Kultusministerium aus dem Juristenstande besetzt werde. Aber die Gerechtigkeit des Herrn Kultusministers Falk haben wir erfahren. Alles das war und mußte damals recht sein, was in das formelle Gewand des Gesetzes gekleidet wurde, es mochte den Sitten und Gewohnheiten ent48 10 Die hübsche Miß Neville. Von B. M. Croker. Uebersetzt von Emmy Becher. „Wie still und friedlich es ist! Wir wollen uns setzen," sagte ich, und wir setzten uns auf eine der untersten Stufen, nahe am Wasser. Einige Zeit saßen wir schweigend nebeneinander, Moritz rauchte und ich hing meinen Gedanken, ernsten, tiefen Gedanken nach. „Einen Pfennig, wenn du mir sagst, woran du denkst," bemerkte er plötzlich. „Dann gieb mir den Pfennig", erwiederte ich mit anscheinender Munterkeit, blickte auf und hielt ihm die ausgestreckte Hand hin. „Verdien' ihn erst", versetzte er und schien seine Taschen danach zu durchsuchen.„Ich zahle nie voraus!" „Nun denn, ich dachte an dich;" rief ich aus, entschlossen mit gleichen Füßen ins Wasser zu springen.„Ich habe Dir etwas zu sagen." „Wirklich?" erwiederte er, sich aus seiner nachlässigen Haltung aufrichtend und die Cigarre ins Wasser werfend, wo sie mit entrüstetem Zischen erlosch.„Das ist seltsam, Nora, ich dachte an dich und ich habe dir auch etwas Besonderes zu sagen. Wer soll nun anfangen?" fragte er lächelnd. „Du, das versteht sich", versicherte ich eifrig, froh in elfter Stunde noch eine Gnadenfrist zu erlangen.„Du bist älter, also fang an." „Sehr wohl!" erwiederte er, nahm seinen Hut ab und legte ihn auf die Stufen.„Nun aber Aufmerksamkeit! Erstens, mein Cousinchen, setzt es eine Strafpredigt, und ich hoffe, du wirst sie mit mehr Respekt anhören, als die letzte, die ich dir in Gallow hielt, wo du meine schönen Vorstellungen damit abschnittest, daß du deinen Hut zum Fenster hinauswarfst und ihm nachsetztest." „Im heutigen Fall wird wenigstens dein Hut der Märtyrer sein und nicht der meinige!" versetzte ich schnell gefaßt, ergriff seinen Teraihut und schwenkte ihn drohend über dem Wasser. „Thu das doch lieber nicht," sagte er mit anscheinender Entrüstung und suchte seine Kopfbedeckung wieder zu erlangen, was ihm nicht gelang.„Nun saa mir einmal Nora, du und dein Reisegefährte, ihr scheint euch heute Nachmittag nicht sehr gut verstanden zu haben." „Ich weiß nicht, was du damit sagen willst." „Ich bilde mir nicht ein, mehr Scharfblick zu haben als andere Leute und ein besonders feiner Beobachter zu sein, aber sogar ich sah, daß eure Beziehungen etwas gespannt waren, wie man das in der Diplomatie nennt; sogar ich konnte das„abgewiesen" und„verworfen" lesen, das in großen Buchstaben auf Dicky Campbells Gesicht stand, als ihr von eurem gemeinsamen Elefanten herabstiegt. Armer Kerl, er thut mir leid! Weshalb hast du ihn so toll ge macht? Er war schon im normalen Zustande thöricht genug." „Das war nicht meine Schuld. Ich habe ihn nie ermutigt. Ich konnte nichts dafür." „O doch, du hättest es verhindern können!" unterbrach mich mein Vetter kühl.„Verzeih mir, aber ihr Frauen wißt es auf geheimnisvolle Weise immer, wenn unsereiner euch gut ist. Du mußt gewußt haben, was kommen würde, und du hättest ihm leicht einen jener sehr deutlichen Winke erteilen können, für die du einst mit Recht berühmt warst. Das hätte ihm weh gethan, aber es hätte ihm eine tödliche Wunde erspart. Es giebt nichts, was einen Menschen so hart trisst, als wenn er abgewiesen wird, besonders wenn er das Mädchen gern hat und wenn sie mit ihm gespielt hat und ihn glauben ließ, seine Gefühle werden erwidert.—" „Du sprichst wohl aus trauriger Erfahrung?" fiel ich mit einem gewaltsamen Versuch zur Heiterkeit ein. „Und Dicky ist nicht dein einziger Verehrer! Da ist der sportsvolle Major und unser gemeinsamer Freund, der Weltumsegler; beide warten nur eine passende Gelegenheit ab, um sich dir zu Füßen zu werfen. Der junge Forbes von der Kavallerie ist auch ernstlich verliebt." „Moritz! Wie kannst du nur solch absurdes Zeug reden!" „Ich weiß genau, was ich sage," fuhr er eindringlich fort. „Wenn eine junge Dame gleichzeitig vier ausgesprochene Verehrer hat, so ist die Sache auf dem Punkt, gelinde gesagt„akut" zu werden. Ernsthaft gesprochen, Nora, es würde mir leid thun, denken zu müssen, daß meine kleine, wilde, offenherzige Cousine sich zu dem verabscheuenswertesten Geschöpfe, zu einer Kokette entwickelt hat." „Moritz!" „Ich sage ja nicht, daß du es seiest, ich warne dich ja nur und," fuhr er sehr ernst, mit leiser aber fester Stimme fort,„wär's nicht besser, du machtest all den Leiden dieser armen Menschen ein Ende, indem du ihnen sagtest, daß du mit mir verlobt seist?" Einen Augenblick war ich so bestürzt, daß ich nicht imstande war, ein Wort zu sagen. Endlich fand ich die Sprache wieder und rief heftig:„Ich dächte doch, ich hätte dir verboten, das je zu berühren!" „Höre mich einen Augenblick an, Nora" sprach Moritz leidenschaftlich und bemächtigte sich seiner Hand. Ich denke jetzt nicht an Großvaters„Verkauf," wie du das zu nennen pflegtest. Ich denke nur an Nora Neville und du mußt ja längst wissen, daß sie mir alles ist. Ich spreche nun zu dir, als ob ich nie früher von dir gehört hätte, dich nie gekannt hätte, ehe ich dich in Indien traf. Ich spreche einzig aus freiem Herzenstrieb. Höre mich an," fuhr er mit bittender Gebärde fort, da er ein einhaltgebietendes Wort auf meinen Lippen zittern sah.„Höre mich nur noch einen Augenblick. Ich war vollständig entschlossen, das meinem Onkel gegebene Versprechen ehrlich zu erfüllen, aber du weißt, wie du meine Absichten durch deine Flucht zunichte machtest! Ich suchte nah und fern nach dir und gab endlich meine Nachforschungen auf, weil ich am Erfolg verzweifelte. Ich bin kein besonders entzündlicher Geselle und ging ganz herzheil durchs Leben, bis ich dich auf dem Gouvernementsballe traf. Ich bin arm, das weiß niemand besser als du, Nora, und du, du könntest ohne Zweifel bessere Partien machen, was das Geld betrifft und all das übrige, und ich bin ja deiner auch nicht würdig, aber niemand wird dich so lieben wie ich. Du begreifst jetzt, daß ich dir das alles nicht sage, weil du die mir bestimmte Cousine bist; ich sage dir's, weil ich dich liebe von ganzem Herzen. Und nun sag mir's, meine süße Nora, sag mir, ob du mich lieb hast?" „Moritz, Moritz," stotterte ich, vergebens bemüht, meine Hand los zu machen,„du weißt ja nicht." Hier zitterte meine Stimme so, daß sie unverständlich war, und ich bebte von Kopf bis zu Fuß wie Espenlaub. „Ich will dein Schweigen für Einwilligung nehmen," flüsterte er, legte den Arm um mich, zog mich an sich und küßte mich. Dieser, Kuß wirkte wie ein elektrischer Schlag und gab mir klares Bewußtsein wieder. „Laß mich los, Moritz, gieb mich frei!" rief ich leidenschaftlich und suchte mich zu besreien;„hörst du mich?" „Nicht eh du mir geantwortet hast! Nora, ich weiß, du hast mich ein wenig lieb— nicht ein Hundertstel so lieb wie ich dich, aber doch ein klein wenig. Komm, willst du mir's nicht sagen, Nora?" „Ich sage dir, daß ich verlobt bin," stammelte ich hervor. „Du hast kein Recht, so mit mir zu sprechen. Ich bin mit Major Percival verlobt." „Was!" stieß Moritz heraus, mich nicht nur freigebend, sondern rauh von sich stoßend.„Was sagtest du? Meine Ohren müssen mich getäuscht haben," und er ehnte mit todesbleichem Gesicht gegen die Wand. „Ich bin verlobt," wiederholte ich nun, nachdem ich die Sprache wiedergefunden, ganz einfließend.„Ich lernte Major Percival letztes Jahr auf den Hügeln kennen. Er wird bald hierher kommen; aber bis dahin wünschen wir unsere Verlobung nicht zu veröffentlichen. Niemand soll es erfahren." Ein langes, tiefes, höchst beredtes Schweigen folgte auf meine lang verzögerte Mitteilung. Ich warf einen schüchternen Blick auf Moritz; ich hatte allen Mut verloren. Ungläubiges Staunen und maßlose Entrüstung sprachen aus seinen Blicken. Einige Minuten lang war das leise Anschlagen des Wassers zu unseren Füßen der einzige vernehmbare Laut. Endlich sprach er; die Stimme klang hart, gepreßt. „Also seit Monaten bist du verlobt? Und indessen ließest du mich glauben, ich sei dir wert; rein nur zum Zeitvertreib. Ich sprach für andere eben jetzt und wußte nicht, daß ich der Betrogenste von allen war! Himmel! Was für ein eingebildeter Narr bin ich gewesen! Aber wie konnt ich ahnen, daß ich in den Händen einer herzlosen, gewissenlosen Kokette war? Du wußtest es, daß ich dich liebte!" rief er.„Wage nicht, es zu leugnen! Von Tag zu Tag führtest du mich tiefer hinein, in einen wahnsinnigen Glückstraum; alles, alles nahmst du gefangen, jeden Pulsschlag, jeden Gedanken. In dir sah ich mein besseres Ich, meinen guten Genius. Ich gab dir alles, was ich zu geben hatte — eines ehrlichen Mannes Liebe. Meine Seele hätte ich dir gegeben, wenn es möglich gewesen wäre.— Ich glaubte — o leichtgläubiger Narr, der ich war, daß du mich liebtest!— ja; kannst du solch anmaßende unerlaubte Eitelkeit begreifen?— und ich träumte von einer langen, seligen Zukunft mit dir, und mit dem einen Wort ist all mein Hoffen erstorben! Du sagst mir ruhig, du seiest verlobt — verlobt— und im sicheren Besitz deines geheimen Verlöbnisses erlaubtest du dir, die Huldigungen, eines halben Dutzends von Anbetern entgegenzunehmen. Was für ein Vergnügen machte es dir, meine Hoffnungen zu nähren, nur um sie hernach zu vernichten? Was für ein Amüsement war es, mein Leben elend zu machen und meinen Glauben an die Frauen auf ewig zu zerstören? Antworte mir!" Ich werde nie vergessen, wie er an dem Abend vor mir stand, nie, solange ich lebe. Das kalte weiße Mondlicht verlieh seinen scharf geschnittenen Zügen einen unnatürlich herben Ausdruck, der mich verwirrte und überwältigte. (Forts. folgt.) rechen oder nicht. Wir halten aber die Staatsregierung für verpflichtet, nach allen Seiten hin strenge Gerechtigkeit IS tigt, eine der beiden größten christlichen Konfessionen auf Kosten der andern zu bevorzugen. Die Konfessionen müssen nämlich die Bedingungen für ihre Existenz, für ihre Lebensfähigkeit in sich selber tragen, sie müssen sich nicht darauverlassen, vom Staate unterstützt, vom Staate aufrecht er halten zu werden. Sie haben nun des weiteren aus der Rede des Herrn Kollegen Bachem gehört, wie materielle Schädigungen auf weiten Gebieten für die Katholiken in Preußen stattfinden. Ich will darauf nicht weiter zurückkommen. Ich will nur die eine Bemerkung machen, daß doch— das möge der Herr Minister sich wohl merken— in unserer Zeit es angezeigt erscheinen dürfte, der Kirche die Lebensadern nicht zu unterbinden, sondern ihr volle und weitgehende Freiheit zu lassen zur Lösung ihrer großen Aufgaben auch für den Staat,(sehr richtig! im Centrum), in einer Zeit, wie die unserige, wo der Ruf nicht nach Freiheit, sondern der Ruf nach Zügellosigkeit, der Ruf nach Ungebundenheit, nach Umsturz der ganzen gesellschaftlichen Ordnung aus weiten Kreisen des Volkes erschallt. Ich sage, ich habe nicht vor, darauf mich des weiteren einzulassen, wohl aber habe ich vor, spe ziell das Kultusministerium etwas näher in den Bereich meiner Erwägungen zu ziehen. Nun habe ich folgendes darüber vorzutragen in Ergänzung dessen, was zum Teil der Herr Kollege Bachem schon gesagt hat. Der nichtkatholische Kultusminister hat einen ebenfalls nichtkatholischen Unterstaatssekretär. Der ist sein Generalvertreter und ist zu gleicher Zeit der erste Direktor der Abteilung für die geistlichen Angelegenheiten. Sollte ich in diesem Punkte irgendwie mich irren, so bin ich für Belehrung sehr zugänglich. In dieser Abteilung befindet sich neben dem zweiten, ebenfalls nichtkatholischen Abteilungsdirektor und neun weiteren protestantischen Ministerialräten nur ein einziger Katholik. Wie mir referiert worden ist— ich kann aber mit voller Sicherheit dafür nicht eintreten— soll der protestan tische Feldpropst der erste Rat in dieser Abteilung sein, während der katholische Armeebischof darin weder Sitz noch Stimme habe. Von einer so zusammengesetzten Ministerial abteilung gehen im Kultusministerlum und weiter in dem aus lauter Protestanten bestehenden Gesamtstaatsministerium und schließlich von Seiner Majestät dem König, wenn die Dinge nicht schon durch die ausnahmslos protestantischen Oberprasidenten und fast ausnahmslos protestantischen Regierungspräsidenten erledigt sind— ich sage, aus dieser Abteilung gehen die Vorschläge aus, werden ihr unterbreitet über folgende Dinge: über die Neubesetzung der katholischen Pfarrstellen Königlichen Patronats, über die Zulassung der von den Bischöfen designierten übrigen Pfarrer, über die Zu lässigkeit der Errichtung neuer katholischer Pfarrsysteme, über den Neubau und den Umbau katholischer Pfarrkirchen, über die Zulassung und Wiederaufhebung von Niederlassungen geistlicher Orden, über die Neubesetzung der in den sogenannten Königlichen Monaten erledigten Domherrnstellen, über die Ernennung sämtlicher Dompröpste und endlich sogar über die Durchstreichung der Bischofskandidatenliste und über die Bestätigung oder Nichtbestätigung der von den Domkapiteln gewählten und von dem heiligen Vater genehmigten Bischöfe selbst. Die zweite Ministerialabteilung ist— was das Schul wesen betrifft— in zwei Unterabteilungen geteilt: in die für den höheren Unterricht und die andere für das Volksschulwesen. In beiden Abteilungen sind die Direktoren wieder protestantisch. Ergänzend die Rede des Herrn Kollegen Bachem muß ich hier anführen, das für die Universitäten inklusive der katholischen Theologie im Ministerium kein Dezernent, kein Referent, kein Rat existiert, der katho lisch ist. Auch das Theologische sogar wird einfach von einem nicht katholischen Dezernenten besorgt, von einem Herrn, dem wir allerdings die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß wir gegen seine Person nicht das Geringste einzuwenden haben, den wir auf diesem Posten voll und ganz anerkennen. In der ganzen Unterabteilung für das höhere Schulwesen giebt es neben einem vollen Dutzend protestantischer Räte nur einen einzigen katholischen Rat. Der verehrte Herr steht eben hier am Ministertische vor mir, welcher das katholische Gymnasialwesen zum Teil wenigstens bearbeitet. Desgleichen befindet sich in der Unter abteilung für das Volksschulwesen mit Einschluß der Lehrerund Lehrerinnenseminare neben sieben bis acht protestantischen Räten wieder nur ein einziger Ministerialrat für die Bearbeitung des katholischen Elementarschulwesens— aber natürlich wieder nur unter der Oberleitung des protestantischen Ministerialdirektors, des protestantischen Unterstaatssekretärs und des protestantischen Ressortministers. Es exi stiert noch ein vierter katholischer Rat; ich weiß aber augenblicklich nicht, wo ich den zu lassen habe,(Heiterkeit) wo der der im Ministerium beschäftigt wird. Alles in allem genommen begegnen wir im Kultusministerium überhaupt unter dem nichtkatholischen Minister und dem nichtkatholischen Unterstaatssekretär, unter den vier nichtkatholischen Ministerialdirektoren neben etwa 40 nichtkatholischen vier katholischen vortragenden Räten. Meine Herren, ich verliere darüber kein einziges Wort, wenn der Herr Minister das lediglich eine mechanische Imparität nennt. Das muß ich ihm ja überlassen. Ich bin aber der Meinung, daß für jeden gesunden Menschenverstand so etwas sich zufällig nicht hat bilden können. Da ist System darin, weil System darin sein muß. Sonst kann man es sich wirklich nicht erklären, wie das so gekommen ist. Nun müssen wir als Katholiken fordern, und diese Forderung stellen wir fortwährend, daß hier Wandel geschaffen werde. Die protestantischen Räte— die Herren mögen mir das nicht verübeln, es ist gegen keinen einzigen, der jetzt in Funktionen sich befindenden gerichtet— sind gar nicht in der Lage, katholische Arbeiten so behandeln zu können, wie katholische das thun können. Es giebt, m. H., eine große Masse von katholischen kirchlichen Angelegenheiten, für welche sich das Verständnis den protestantischen Räten absolut entzieht.(Sehr richtig! im Centrum.) Es giebt sehr viele Angelegenheiten, die nicht lediglich mit dem nüchternen operierenden Verstande behandelt werden dürfen, an die man nicht mit dem Seziermesser herangehen darf, sondern an die man mit Herz und Gemüt herantreten muß, wenn eine gerechte Entscheidung getroffen werden soll.(Sehr richtig! im Centrum.) Ein einfaches Beispiel wird Ihnen das klar machen, m. H. Es handelt sich um eine vor einem Jahre oder vor anderthalb Jahren in Essen geplante Niederlassung von Patres aus dem Franziskanerorden. Wie Ihnen Allen bekannt ist, hat die Stadt Essen durch die Kruppschen und durch andere Werke dort eine große Anzahl von Arbeitern. Das Gesuch um Zulassung wurde von dem Ministerium abschlägig beschieden. Aus Veranlassung einer Besprechung im Hause sagte der Herr Minister zu, er wolle neuerdings noch einmal die Sache untersuchen und demnächst dann eventuell, je nachdem die Untersuchung ausfiele, eine andere Entscheidung in Aussicht stellen, was er indessen nicht versprechen könne. Die Entscheidung ist aber in negativem Sinne ausgefallen. Es ist bei der ersten Entscheidung geblieben: den Patres ist die Niederlassung in Essen unteragt worden. Meine Herren, das ist von unserem katholischen Standpunkt sehr bedauerlich; wir müssen das sehr bitter empfinden, daß man eine solche Niederlassung in einem Orte wie Essen einfach untersagt. Die protestantischen Räte haben gar keinen Begriff davon, was diese katholischen Ordensmänner in bezug auf Seelsorge dem dortigen Arbeiterstande sein und werden können.(Sehr wahr! im Centrum.) Sie können es gar nicht verstehen, welch ein inniges, schönes Verhältniß sich zwischen den Arbeitern und den Patres bilden kann, wie segensreich die Patres in einem so großen Wirkungskreise wirken können, nicht blos so, daß sie die Seelsorge im engsten Sinne des Wortes im Beichtstuhl ausüben, sondern durch ihre ganze Erscheinung schon, durch das Beispiel, daß sie nach allen Seiten hin geben. Das alles kann einem protestantischen Rat im Ministerium nicht klar sein, das kann er nicht würdigen. Ich mache ihm keinen Vorwurf daraus: aber es ist immer traurig, daß wir in einer solchen Angelegenheit nicht ausreichend katholische Räte haben, welche diese Sache vortragen. Ich kann mich dafür, daß protestantische Räte nicht in der Lage sind, die katholischen Anelegenheiten sachverständig und richtig zu beurteilen, auf das Zeugnis keines Geringeren, als das des Fürsten Bismarck erufen. Das möchte ich Ihnen doch vortragen. Im Jahre 1867 hat Fürst Bismarck in diesem Hause gesagt— ich citiere wörtlich nach dem stenographischen Berichte—: Aber ich kann nur als evangelischer Staatsangehöriger meiner Ueberzeugung Ausdruck geben; von dem Herzens= und Seelenbedürfnis eines katholischen Mitbürgers aber kann ich mir nicht in der Art eine so genaue Vorstellung machen von der Notwendigkeit der Konzessionen, deren seine Kirche bedarf, daß ich nicht meine Meinung der seinigen unterordnen könnte.(Hört, hört, im Centrum.) Meinen evangelischen Glaubensgenossen gegenüber— und selbst wenn sie einen höheren Ruf und Stufe der Gottesgelehrtheit haben sollten wie der Herr Vorredner— denen würde ich meine Ueberzeugung nicht opfern. Meine Herren, wie die Sachen liegen, müssen wir mit Naturnotwendigkeit darauf bestehen, daß uns Garantien geschaffen werden, daß auch in der Centralinstanz wie in den unteren Instanzen unsere katholischen Angelegenheiten ebenso behandelt werden, wie die protestantischen Angelegenheiten, nämlich von Räten, die unserer Konfession angehören, die ein volles Verständnis für diese Dinge haben und Herz und Gemüt zur Beurteilung derselben mitbringen. Wir hatten früher einigermaßen eine solche Garantie, es ist zwar nur eine kleine gewesen, aber es war doch eine Garantie— in der bekannten katholischen Abteilung. In Beziehung auf diese katholische Abteilung habe ich zu meinem großen Bedauern heute Worte von dem Herrn Kultusminister gehört, die ich nicht erwartet habe; nach diesen seinen Worten ist uns ja jede Aussicht genommen auf Wiederherstellung der katholischen Abteilung im Ministerium. Wie die Herren wissen, ist diese Abteilung als eines der ersten Opfer im Kulturkampf gefallen. Man hat damals von Seiten der Redner in diesem Hause, namentlich auch von Seiten der offiziösen Blätter— obenan stand die damals noch existierende Provinzialkorrespondenz— Versuche gemacht, diese Aufhebung zu begründen und die Notwendigkeit derselben darzuthun. Diese Gründe, die damals vorgeführt worden sind, lassen sich müssen. Und doch ist alles das, was auf dem Konzil verhandelt worden war, lediglich eine innerkirchliche Angelegenheit der katholischen Kirche; das geht den Sazat absolut nichts an. Der Staat würde lediglich dann Veranlassung gehabt haben, Stellung dazu zu nehmen, wenn irgend etwas, was auf dem Konzil beschlossen worden ist, derart die Katholiken Preußens in Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte beeinflußt hätte, daß der Staat Ursache gehabt hätte, darüber Klage zu führen. Nur in einem solchen Fall, von dem wir Katholiken jedoch annehmen, daß er nicht hat eintreten können infolge einer Bestimmung des Konzils— nur in einem solchen Fall würde nach meiner Meinung der Staat gegen den Einzelnen haben vorgehen können, aber daraus einen Grund zur Anschuldigung gegen die ganze katholische Abteilung zu nehmen, das geht meines Erachtens zu weit. Der zweite Grund, der damals angeführt worden ist, besteht darin, daß der Herr Minister nicht mehr frei gewesen wäre in seinen Entscheidungen, die er zu treffen hatte; die Beeinflussung seitens der katholischen Räte wäre so mächtig und so stark gewesen, daß er sich ihr nicht habe entziehen können— seine Entscheidung wäre unfrei gewesen. Aber, verehrter Herr Minister, in bezug auf diesen damals ange führten Grund kann ich mit vollem Recht fagen, sind Sie jetzt frei, wenn Sie von allen protestantischen Räten in ka tholischen Angelegenheiten beraten werden! Wenn das ein Kriterium der Unfreiheit für einen Minister sein soll, daß seine Räte ein Verständnis von der Sache haben, über welche sie ihm Vortrag halten,— das ist unverständlich. Bei dem Herrn Minister bleibt aber die Entscheidung, er konnte entscheiden, wie er wollte, er konnte gegen alle Mei nungen entscheiden, Freiheit war absolut vorhanden. Man ist sogar so weit gegangen zu behaupten, die Existenz der ka tholischen Abteilung wäre nicht verfassungsmäßig, sie wäre darum unstatthaft. Als wenn in der Verfassung eine Be stimmung stände, wonach den Ministern benommen sein sollte, sich katholische Räte zur Seite zu stellen, damit er in katholischen Kirchenangelegenheiten, zumal in Schulangelegenheiten sachverständige Berater hätte, um eine wohlwollende und gerechte Entscheidung treffen zu können! Endlich ist als Grund angeführt worden und das ist derjenige, auf den damals das meiste Gewicht gelegt wurde, die katholische Abteilung wäre als dauernde Institution gar nicht gedacht worden, sondern hätte lediglich den Zweck gehabt, damals schwebende Streitfragen zwischen der Staatsregierung und der katholischen Kirche zu erledigen und Organisationen zu treffen auf Grund der Bulle de salute animarum. Meine Herren, das ist grundfalsch; denn die Streitigkeiten, auf die man dabei bezug nimmt, waren schon 10 Jahre vorher erledigt, ehe die katholische Abteilung ins Leben gerufen wurde, und die Organisation in Preußen auf Grund der Bulle de salute animarum war ebenfalls schon lange da, ehe die Abteilung ins Leben gerufen wurde. Nein, meine Herren, daran hat es nicht gelegen, das sind keine Gründe, das sind nichtige Vorwände gewesen, die man gesucht hat, um diese Abteilung eben zu beseitigen.(Sehr richtig, im Centrum.) Wir müssen, wenn wir die frühere katholische Abteilung richtig beurteilen— ich bitte den Minister das besonders erwägen zu wollen— uns an das halten, was amtlich bekannt geworden ist, als sie ins Leben getreten ist, da hat es geheißen von Seiten Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelms IV.: um das Verhältnis des Staates zur katholischen Kirche in befriedigender Weise zu ordnen, ein von gegenseitigem Wohlwollen und Vertrauen getragenes zu fördern und eine verstärkte Bürgschaft für die gründliche und vielseitige Beratung der katholischen Kirchenfrage zu gewinnen und zu geben. Das ist damals amtlich angegeben als Zweck für das Inslebentreten der katholischen Abteilung im Kultusministerium, und das differiert wesentlich von dem, was der Herr Minister heute uns gegen diese Abteilung gesagt hat.(Sehr richtig! im Centrum.) Das ist die Intention gewesen des geistreichen Königs Friedrich Wilhelms IV., dessen Kirchenpolitik ein tiefes Verständnis hatte für die großen Aufgaben der christlichen Kirche, und dessen Kirchenpolitik so hoch erhaben war über die armselige Engherzigkeit, die in späteren Zeiten zutage getreten ist, und die das Staatsleben in ihren Grundfesten erschüttert hat. (Sehr wahr! im Centrum.) Ich wüßte nicht, was dem Wiederinslebentreten der katholischen Abteilung eigentlich im Wege stehen könnte! Es braucht ja, um sie wieder herzustellen, der Apparat der Gesetzgebung gar nicht herangezogen zu werden. Ein Staatsministerialbeschluß hat seinerzeit sie aus der Welt geschafft; ein solcher Staatsmintsterialbeschluß würde auch wieder ausreichend sein, um sie wieder ins Leben zurückzurufen. Und ich sollte meinen, dem Herrn Kultusminister müßte alles daran gelegen sein, daß er in bezug auf alle Angelegenheiten, namentlich in kirchlichen und Schulsachen, recht berichtet wird von sachverständigen Leuten, von Räten, die nicht alles bloß als ein einfaches Rechenexempel ansehen, in diesen Angelegenheiten nicht bloß den nüchternen Verstand gebrauchen, sondern auch wirklich Herz und Gemüt mitbringen an die Bearbeitung der Sachen; ja es muß ihm viel daran gelegen sein, daß es so geordnet werde, damit er einen Teil der großen Verantwortlichkeit, die auf ihm lastet, auch auf die Räte mit abladen kann. Ich meine, es müßte zu seiner Beruhigung dienen, wenn er in solchen katholisch=kirchlichen Angelegenheiten, und auch in katholischen Schulangelegenheiten von Räten bedient wird, die Sachverständnis haben, mit Herz und Gemüt an die Sache herantreten. Es müßte, meine ich, auch für sein evangelisches Gewissen, von dem er im vorigen Jahre gesprochen hat, doch eine große Beruhigung sein. Ich kann daher den Herrn Minister nur aufs dringendste bitten, er möge doch so freundlich sein, in die Wege leiten zu wollen die Wiederherstellung der kathvlischen Abteilung des Kultusministeriums. Wir Katholiken legen einen großen, sehr großen Wert darauf; wir wünschen es sehr. Ich spreche, wenn ich das hier sage, nicht nur in meinem persönlichen Namen, ich kann sagen: ich sage das im Namen aller meiner Freunde aus der Fraktion des Centrums ohne segliche Ausnahme,(sehr wahr! im Centrum) und ich darf auch wohl, ohne natürlich dazu ein förmliches Mandat zu haben oder haben zu können, sagen: ich spreche da im Namen des ganzen katholischen Volkes,(sehr richtig! im Centrum) des ganzen katholischen Volkes in Preußen, soweit es überhaupt Zusammenhang mit seiner Kirche noch hat. (Sehr wahr! im Centrum.) Wenn der Herr Minister die Freundlichkeit haben wollte, nach dieser Seite uns entgegenzukommen, dann würde sehr viel für uns gewonnen sein; aber nicht alles. Es kommen ja in das Ministerium hinein natürlich die Berichte aus den unteren Instanzen, den Regierungsbezirken; da hat der Herr Kollege Bachem schon das Notwendige gesagt, wie es in diesen Bezirken aussieht; ich brauche das nicht zu wiederholen. Ich halte dafür, daß auch nach dieser Seite hin der Herr Minister die Gewogenheit haben möge, dafür zu sorgen, daß wenigstens in denjenigen Bezirken, wo die Katholiken in der überwiegenden Majorität sind, auch die Abteilungen für Kirchen= und Schulangelegenheiten mit Katholiken besetzt werden. Ich meine, das wäre eine gerechte und billige Forderung; auch wäre es wenigstens angemessen, dafür zu sorgen, daß wenigstens da, wo sie in der Minderheit sind, ein Rat, der Verständnis für die katholischen Kirchen= und Schulangelegenheiten hat, bestellt wird. Das hat Herr Kollege Bachem schon eben berührt. Aber man muß uns nicht kommen mit sogenannten Katholiken, die einen Taufschein auf die katholische Religion aufweisen.(Sehr richtig! im Centrum.) Wir können diese Leute absolut nicht brauchen. Im Staatsministerium sitzen Herren genug, die wohl Erfahrungen gemacht haben, daß solche sogenannte Namenskatholiken, die mit sich selber zerfallen waren, gegen die katholische Kirche in der Regierung am meisten aufgetreten und uns Katholiken die allergefährlichen gewesen sind. In früheren Jahren hat die preußische Staatsregierung — ich muß das aussprechen— ein staunenswertes Geschick an den Tag gelegt, solche Katholiken ausfindig zu machen, die uns nicht genehm sein konnten; ich hoffe, daß die Zeit hinter uns liegt, daß das jetzt nicht mehr der Fall ist. Zum Gerechtigkeitssinn des jetzigen Herrn Kultusministers habe ich die Zuversicht und die Hoffnung, daß er seinerseits nicht die Hände dazu bieten werde, solche Katholiken noch weiter zu gewinnen. Ich möchte nunmehr schließen mit den Worten, die ein verehrter Freund aus meiner Fraktion im vorigen Jahre bei einer großen Rede, die er hier im Hause hielt, einleitend gebraucht hat: der Herr Minister möge alles in demselben Geist des Friedens, in dem ich es aussprach, aber auch mit derselben nachdrucksvollen Ent schiedenheit, in der ich alles habe zum Ausdruck bringen müssen, in gerechte und wohlwollende Er wägung ziehen.(Bravo! im Centrum.) Aus den CPC. Berlin, 6. März. Der Reichstag hat heute die Beratung des Militär Etats beendet und in demselben alle Abstriche vorge nommen, welche die Budgetkommission vorgeschlagen hatte. Bevor die Etatsberatung fortgesetzt wurde, verlangte der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff das Wort, um sich gegen die Auffassung einer Berliner Zeitung(der Name wurde nicht genannt, vielleicht war die„Freis. Ztg." gemeint) zu verwahren, als ob er durch seine gestrigen Aenßerungen über den Fall Kirchhoff, die von ihm am Samstag gethanen Aeußerungen wesentlich eingeschränkt und abgeschwächt habe. Das sei ihm aber gar nicht eingefallen; er halte jedes am Samstag von ihm gesprochene Wort auf recht und sei nicht gewillt, ein Wort daran zu streichen oder abzuändern. Gestern habe er sich nur dagegen verwahrt, daß er als Verteidiger des Faustrechts aufgetreten sei; er habe es ganz in der Ordnung erklärt, daß derjenige bestraft werde, der sich an einem anderen vergreife, im Falle Kirchhoff aber habe man mildernde Umstände zubilligen müssen. Aba. Bebel wollte dann seinerseits auf den Fall Kirchhoff näher eingehen, wurde aber vom Präsidenten v. Levetzow daran behindert, so daß er nur konstatieren konnte, wie ge stern verschiedene Abgeordnete sich geirrt hätten, die in den Worten des Kriegsministers eine Abschwächung der Samstags Rede gefunden hätten. Bebel führte dann weiterhin Beschwerde über die militärisch geleiteten Konsumvereine und Kantinen, die der bürgerlichen Gewerbethätigkeit großen Schaden bereiten, über die Verwendung der Soldaten als Treiber bei den Jagden und als Lohndiener bei den Diners der Offiziere. Kriegsminister Bronsart v. Schellendorff sprach seine Verwunderung darüber aus, daß Abg. Bebel so viel Interesse für die Armee und so wenig Kenntnis von militä rischen Dingen besitze. Militärische Konsumvereine gebe es nicht, Kantinen seien für die Soldaten nützlich, in Forts sogar unentbehrlich, zu Treibjagden melden die Soldaten sich freiwillig und für die Jägerbataillone sei das bei den Treibjagden ein Ehrenrecht. Die Teilnahme an den Treibjagden werde auch vergütet, sie sei gesund und die Soldaten lernen dabei für den Dienst. Auch„der berühmte ehemalige Führer der Centrumspartei"(Windthorst) habe die Teilnahme der Soldaten an den Treibjagden verteidigt. Abg. Bebel erwiderte, er müsse als militärischer Laie sich bescheiden, wenn hier die Teilnahme an den Treibjagden als eine notwendige Einrichtung hingestellt werde. Abg. Gräfe(Antisem.) wandte sich gegen die Militärkon sumvereine und verlangte Aufstellung anderer Grundsätze für die Militärlieferungen. Abg. Brockmann bemängelte die zu geringe Entschädigung für Einquartierungen.— Dann wurden ohne nennenswerte Debatte die einzelnen Kapitel mit den von der Budgetkommission vorgeschlagenen Abstrichen erledigt, auch die Forderung für den Neubau eines Kommandopalastes in Metz wurde gestrichen.— Mittwoch Vorlage über Aufhebung des Identitätsnachweises. Im Abaeordnetenhause wurde die allgemeine Debatte zum Kultusetat, welche sich an den Titel Ministergehalt knüpfte, am Dienstag beendet. Abg. Stötzel(Centr.) kam auf die Verweigerung einer Franziskaner=Niederlassung in Essen zurück, die schon im vorigen Jahre den Gegenstand einer Beschwerde beim Kultusetat bildete. Eine solche wohlbegründete Eingabe ist inzwischen gemacht, aber wiederum abschlägig beschieden worden, was in Essen geradezu niederschlagend gewirkt habe. Begründet worden sei der ablehnende Bescheid damit, daß in Essen bereits 24 katholische Geistliche, inkl. Rektoren usw., vorhanden seien und daß der Erzbischof eine Vermehrung der Zahl der Seelsorger in Essen plane. Demgegenüber erinnerte Abg. Stötzel daran, wie den Protestanten bei ihrer Stadtmission nicht das geringste Hindernis in den Weg gelegt werde. Sollte man sich nicht darüber freuen, daß die Orden es freiwillig übernehmen, dem Volke die Religion zu erhalten? Seien nicht die Orden, zumal unter der arbeitenden Bevölkerung im Industriegebiete, das beste Gegengewicht gegen die Sozialdemokratie? Da müsse das katholische Volk doch glauben, die Sozialdemokraten seien der Regierung lieber als die Ordensgeistlichen. Was man den Wilden in Afrika nicht versage. die Ordensseelsorge, versage man den Kindern des eignen Landes. Die Regierung lasse sich übertreffen und beschämen von den afrikanischen Häuptlingen, welche die Orden auch im Kriege verschonen. Als Katholiken aber wie als Staatsbürger haben wir das Recht, die Ordensniederlassungen zu verlangen. Kultusminister Dr. Bosse entgegnete, daß er in dieser Angelegenheit nach bestem Ermessen und nach den Vorschriften des Gesetzes gehandelt habe. Das Gesetz verlange für die Genehmigung einer solchen Ordensniederlassung den Nachweis des Bedürfnisses, die darüber gehörten Behörden hätten aber das Bedürfnis verneint und zwar unter ausdrücklicher Bezugnahme darauf, daß die erzbischöfliche Behörde selbst dem Seelsorger=Mangel durch Vermehrung der Zahl der Pfarrgeistlichen abhelfen wolle. Auch sein katholischer Referent im Kultusministerium habe anerkannt, daß hier ein Bedürfnis im Sinne des Gesetzes nicht vorliege. Als Minister müsse er sich aber an das Gesetz halten, nicht auf Stimmungen Rücksicht nehmen. Abg. Dr. Porsch(Centr.) erwiederte darauf, nicht allein die Absicht des Erzbischofs, sondern auch der Umstand, daß vorhandenes Bedürfnis sein sollen. Es sei doch etwas geradezu Horrendes, daß bei größtenteils aus Protestanten zusammengesetzten Behörden Umfrage gehalten werde, ob für die katholische Seelsorge ein Bedürfnis vorhanden sei. Nur die kirchlichen Behörden könnten darüber entscheiden. Wenn ier keine Aenderung in der Praxis eintrete, werde das Lentrum eine Aenderung des Ordensgesetzes beantragen müssen. Redner kam dann auf die Sprachenfrage in Ober schlesien zurück und forderte nochmals die Ausdehnung der Ministerialverfügung über den polnischen Sprachunterricht auf Oberschlesien. Schließlich bat Redner den Kultusminister um Aufklärung darüber, welche Auskunft die kirchlichen Behörden über die Revision des Kirchenvermögens=VerwaltungsGesetzes gegeben haben. Kultusminister Dr. Bosse antwortete, daß die Bischöfe eine Reihe von Wünschen betr. die Abänderung des Kirchenvermögensverwaltungsgesetzes geäußert hätten, eine große Anzahl von Kirchenvorständen aber habe erklärt, daß sie mit der Gemeindevertretung zufrieden seien.— In Betreff der Sprachenfrage erkannte der Minister den Mangel einer genügenden Anzahl polnisch und deutsch sprechender Lehrer in Oberschlesien an, und versprach Abhilfe in dieser Beziehung. Auch sei von ihm angeordnet worden, daß die Kinder polnische Kirchenlieder lernen. Die Resultate des deutschen Sprachunterrichts seien zufriedenstellend, wie dies auch von der fürstbischöflichen Behörde in einem Revisionsbericht vom Jahre 1884 anerkannt worden sei. Er halte an der deutschen Unterrichtssprache in Oberschlesien fest und könne von seiner früheren Erklärung nichts zurücknehmen. Abg. Letocha sprach sein Bedauern über diese Erklärung des Ministers aus. Ein Nachgeben in der Schulfrage würde der polnischen Agitation in Oberschlesien die Spitze abbrechen und dagegen das friedliche Zusammenleben zwischen Polen und Deutschen, zwischen Klerus und Volk in Oberschlesien fördern. Abg. Herrmann(Centr). konstatierte, daß auch in Ermlande die Beseitigung des polnischen Unterrichts aus der Schule schmerzlich empfunden werde, und daß das jetzt beliebte System nicht das Deutschtum fördere, aber für Glauben und Sitten schädlich sei. Es sei eine Tortur, den Kindern den Religionsunterricht in einer ihnen nicht verständlichen Sprache beizubringen. Aba. Stanke(Centr). schließt sich der Forderung des Abg. Dr. Porsch an. Die Kenntnisse, welche die polnischen und mährischen Kinder in der Schule erwerben, seien nur notdürftig und nicht nachhaltig, was der Geistliche am besten merke. Abg. v. Heydebrand u. d. Lasa(kons). bekämpfte diese Forderung; weil die Genehmigung derselben eine Konzession an den Polonismus bedeute, der das Deutschtum im ganzen Osten bedrohe. Abg. Dr. Porsch entgegnete darauf, daß gerade die verfehlte Schulpolitik der Regierung einen Rückgang in der Germanisirung der Polen herbeigeführt habe. Schon 1880 habe Frhr. v. Huene der Regierung warnend zugerufen, daß sie mit ihrer falschen Kirchen= und Schulpolitik der polnischen Agitation in Oberschlesien Eingang verschaffen würde. Er wiederhole diese Warnung auch jetzt in zwölfter Stunde. Alle Geistlichen in Oberschlesien seien der Ueberzeugung, daß der gegenwärtige Unterricht zur religiösen Ausbildung der Kinder nicht ausreiche. Das Centrum wolle keine Konzession an die Polen, sondern nur die Rückkehr zu friedlichen Verhältnissen. Abg. Schalcha(Centr.) schloß sich den Forderungen und Ausführungen des Abg. Dr. Porsch an; allein die Kulturkampfmaßregeln hätten die Vorwärtsbewegung des polnischen Elements in Oberschlesien gefördert. Abg. Dauzenberg(Ctr.) kam dann auf die Erklärungen des Kultusministers zurück. Der Minister habe zwar sein Wohlwollen versichert, aber allen Wünschen der Katholiken gegenüber sich ablehnend verhalten. Wenn der Minister von einem Mißtrauen gegen die katholische Abteilung spreche, so werfe das einen Schatten auf die früheren Beamten; finde denn etwa die evangelische Abteilung in Oesterreich Mißtrauen? Der Minister habe auch nicht angegeben, ob er in betreff des Kirchenvermögens=Verwaltungsgesetzes bei allen Bischöfen Umfrage gehalten habe. Mindestens 90 Prozent aller Kirchenvorstände wünsche die Beseitigung der Gemeindevertretung. Kultusminister Dr. Bosse versicherte nur, daß es ihm fern gelegen habe, auf die Beamten der früheren katholischen Abteilung einen Schatten zu wersen. Hierauf wurde die Debatte geschlossen und der Titel genehmigt. Zum Titel„Gehälter der Geistlichen beider Konfessionen" beantragt Abg. v. Strombeck(Tentr.) eine Resolution: „Ermittelungen darüber anzustellen, ob und welche getstliche Stellen, deren Unterhaltung auf Grund rechtlicher Verpflichtung ganz oder teilweise von der Regierung geleistet wird, zur Zeit ihren Inhabern ein standesgemaßes Einkommen nicht gewähren." Abg. v. Strombeck begründete seinen Antrag mit dem Hinweise darauf, daß es notorisch Stellen gebe, deren Inhaber noch nicht einmal 1000 M. Einkommen hätten. Mit der Sakularisation der Kirchengüter habe der Staat rechtliche Verpflichtungen zur Dotierung der Stellen übernommen, hier biete sich ihm Gelegenheit, ein begangenes großes Unrecht wieder gut zu machen. Regierungskommissar Hegel bestritt, daß für die in der Resolution beantragten Ermittelungen ein Bedürfnis vorliege. Wo ein Bedürfnis für Aufbesserung des Stelleneinkommens vorhanden sei, würden die Anträge der Kirchenvorstände wohlwollend geprüft und Zulagen gewährt. Die Annahme der Resolution würde bedeuten, daß der Staat bisher seine Pflicht nicht erfüllt habe. Die Abg. Brandenburg, Dr. Porsch und Dauzenberg unterstützten den Antrag Strombeck. Es sei doch notorisch, daß die Besoldung der Geistlichen vielfach ihrem Stande nicht entspreche. Die Kirchenvorstände wüßten auch nicht immer, wie weit die rechtliche Verpflichtung des Staates gehe. Ueberdies würde auf dem linken Rheinufer die evangelische Kirche bei Begründung neuer Pfarrstellen weit besser bedacht, als die katholische Kirche, worauf Regierungskommissar Hegel erwiderte, daß das auf Gesetz beruhe. Hierauf wurde die Debatte geschlossen. Ueber den Antrag Strombeck soll später abgestimmt werden. Mittwoch: Fortsetzung der Beratung. Berlin, 6. März. Im Reichsamt des Innern hielt Staatssekretär v. Bötticher am Montag mit hervorragenden Reichstagsmitgliedern eine Besprechung ab über die Frage des Kaiser=Wilhelm=Denkmals. Vom Centrum waren Graf Hompesch und Dr. Bachem zugegen. Man einigte sich schließlich dahin, die im Etat geforderte 1. Rate nur zur Fundamentierung zu bewilligen und die Säulenhallen abzulehnen. Dementsprechend hat sich nunmehr auch die Kommission für das Kaiser=Wilhelm=Denkmal gegen die Säulenhallen und für ein einfaches Reiterstandbild entschieden, so daß die Gesamtkosten von 8 auf etwa 2½ Mill. M. herabgemindert werden. * Der Landeseisenbahnrat hat heute, wie vorauszusehen war, sich für Aufhebung der Staffeltarife ausgesprochen. Ebenso war vorauszusehen, daß ein solcher Beschluß nur mit knapper Mehrheit gefaßt werden würde, Das Stimmenverhältnis ist 20 zu 14. In der Debatte trat natürlich der Interessengegensatz vom Osten und Westen in die Erscheinung. Während Herr v. Hövell und Frhr. v. Stumm im Interesse des Westens wie im Interesse des russischen Handelsvertrages lebhaft für Aufhebung der Tarife eintraten, befürworteten Geh. Kommissionsrat Websky und v. Puttkamer=Plauth unter dem Gesichtspunkte der landwirtschaftlichen und der Handelsinteressen des Östens ebenso lebhaft die Beibehaltung der Tarife. * Der Geh. Legationsrat Frhr. v. Kiderlen=Wächter, einer der im„Kladderadatsch" Angezapften, der augenblicklich mit Urlaub in Stuttgart weilt, wird, wie die„Voss. Ztg." erfährt, den Kaiser auf der Reise nach Abbazia begleiten. Herr v. Kiderlen war in den letzten Jahren regelmäßig als Vertreter des Auswärtigen Amts Begleiter des Kaisers auf dessen Reisen. * Der Papst empfing gestern den deutschen Botschafter in Wien, Prinzen Reuß. — Anläßlich der Wiederkehr des päpstlichen Krönungstages fand am Samstag in der fixtinischen Kapelle die übliche große Feierlichkeit statt. Der heilige Vater wurde mit der Tiara auf dem Haupte zwischen den riesigen Fächern der Flabelli und unter Voraustritt eines glänzenden Gefolges durch die Sala ducale und reale auf der Sedia gestatoria in die Kapelle hineingetragen. Der heilige Vater wurde mit brausenden Hochrufen empfangen. Nach Beendigung des feierlichen Hochamtes, während welchem die Capella sixtina sang, erteilte der hl. Vater, der ein vorzügliches Aussehen datte, mit starker und klarer Stimme der Versammlung den avostolischen Segen; er wurde hierauf wieder auf der Sedia gestatoria unter brausenden Hochrufe aus der Kapelle hinausgetragen und begab sich durch die Sala dei paramenti nach seinen Gemächern. * Meldungen aus Madrid zufolge haben die spanischmarortanischen Unterhandlungen zu einem Präliminarvertrag geführt, der die endgültige Beilegung des Konfliktes ermöglicht. Der schließliche Friedensvertrag soll folgende Bestimmungen enthalten: 1. Bestrafung der Urheber der Angriffe auf Melilla: mehrere der Stämme sollen in das Innere Marokkos geschafft werden und die Anstifter der Erhebung ollen hingerichtet oder ins Gefängnis geworfen werden. 2. in Melilla wird eine neutrale Zone von 500 Meter hergetellt. Die jetzt noch innerhalb dieser Zone liegenden Häuser werden abgerissen. 3. Das in der Zone gelegene Heiligengrab Sidi Guarlach wird mit hohen Mauern umgeben und die Pilgerfahrten dorthin werden, ausgenommen an bestimmten Festen, untersagt. 4. Marokko zahlt eine Entschädigung von 20 Millionen Pesetas, und zwar zum Teil sofort, zum Teil an bestimmten Zeitpunkten. Falls die Zahlung nicht pünktlich erfolgt, muß Marokko bis zur völligen Tilgung der Schuld vier seiner Zollämter an Spanien überlassen. 5. In Fes und Marrakesch werden spanische Konsulate errichtet. 6. Der Sultan wird eine Garnison von 400 Asker an der Grenze von Melilla unterhalten. 7. Der Bezirk zwischen Melilla und Alhucemas darf nur von einem Pascha regiert werden. Lokales und Provinzielles. Düsseldorf, 7. März. * Oberpräsident Nasse traf gestern hier ein, um den neuen Präsidenten der Generalkommission Küster in sein Amt einzuführen und der heutigen Sitzung des Provinzialausschusses beizuwohnen. * Unseren Bericht über die gestrige Sitzung der Stadtverordneten=Versammlung müssen wir des Raummangels wegen für die morgige Nummer zurückstellen. Wir begnügen uns deshalb damit, heute aus demselben nur hervorzuheben, daß die Verlängerung der Straßenbahngeleise auf der Nordstraße bis zur Blücherstraße beschlossen und der Erweiterungsbau für die Volksschule in Mörsenbroich bewilligt wurde. * Die durch viele Blätter laufende Notiz, daß die Außerkurssetzung der Vereinsthaler österreichischen Gepräges für Deutschland verfügt worden sei, entbehrt nach dem„Reichsanzeiger" jeder Begründung. * In der städtischen Tonhalle findet am Montag den 12. März, abends 7½ Uhr, ein Konzert des hiesigen Damen=Gesangvereins unter der erprobten Leitung von Fräulein Selma Lenz statt, zu welchem Herr Prof. Heuser(Pianoforte) und Herr Konzertmeister Keller(Violinie), beide aus Köln, ihre Mitwirkung zugesichert haben. Der durch seine Mitwirkung in den Gürzenich Konzerten bekannte Pianist und Lehrer am Konservatorium in Köln, Herr Heuser, welcher auch als Komponist sich bereits einen Namen gemacht hat, ebenso wie Herr Konzertmeister Keller, haben sich hier in Düsseldorf bereits in Konzerten des Mozart=Vereins auf das beste eingeführt. Herr Keller war außerdem Mitglied des ehemaligen Heckmannschen Streichquartetts, das in unserer Stadt manches wohlgelungene und von großem Erfolge gekrönte Konzert veranstaltete. Der Vorstand des DamenGesangvereins bemüht sich also, wie man aus vorstehendem ersehen kann, eifrigst, dem Ehrenabend seiner verdienstvollen Leiterin ein möglichst interessantes Gepräge zu verleihen. [:] Am Sonntag erhielten zwei Fabrikarbeiter Besuch von ihrem Landsmanne und am Abend gingen sie ins Wirtshaus. Hier gab es einen edlen Wettstreit, wer von ihnen allein die Zeche bezahlen sollte, schließlich nahm einer der Fabrikarbeiter sein volles Portemonnaie, warf es auf den Tisch und sagte: „So, ich bezahle den ganzen Kitt", der Fremde aber steckte die Börse ein und sagte:„Jetzt kannst Du nicht bezahlen, setzt bezahle ich". Später ging er auf den Hof u. verschwand in mit dem Portemonnate. (:] Zwei Wahlen zum Gewerbegericht aus dem Stande der Arbeitgeber waren ungültig erklärt worden, die Sozialdemokraten wollen gegen die Ungültigkeitserklärung Protest erheben. ):( An einer Wirtschaft zu Oberbilk hoben Diebe eine Fensterscheibe aus und stiegen ein. Sie gelangten in das Zimmer eines Vereins, suchten alle Schränke durch, fanden aber nichts was ihnen des Mitnehmens wert schien. Sie zogen ohne Beute wieder ab. :I In dem Hausflur einer Wirtschaft an der Bergerstraße gab es am Sonntag Abend eine Schlägerei, wobet einem Manne die silberne Taschenuhr entrissen wurde. Die Uhr hatte im Deckel die Buchstaben J, A. Nr. 18693 und den Namen A. Thiel. ( Unsere Stadt ist in einer übeln Lage, die Hunde haben ein Jubelfest veranstaltet, denn alle drei Hundefänger haben ihr Amt gestern niedergelegt, ihre Legitimationskarten zurückgeschickt. Grund zum Hundefängerstrike gab der Umstand, daß die Herren wegen Ueberschreitung ihrer Instruktion mehrfach in Strafe genommen wurden. [ Im November vorigen Jahres wurde bei verschiedenen Droguisten Revision gehalten und es wurden zu verschiedenen Heilzwecken dienende sogenannten Tabletten gefunden. Die Sanitätsbehörde entschied, diese Tabletten seien eigentlich Pastillen und da der Verkauf der Pastillen nur in Apotheken gestattet sei, so müßten die Droguisten bestraft werden. Sie wurden denn auch mit einem Strafbefehle bedacht, gegen den sie g richtliche Entscheidung beantragten. Das Schöffengericht entschied, Tabletten seien keine Pastillen, und dürften auch von Droguisten verkauft werden, es erging ein freisprechendes Urteil. Dagegen legte der Amtsanwalt Berufung ein und die Richter der zweiten Instanz erklärten, Tabletten seien eigentlich nichts als Pastillen, denen man nur den Namen Tabletten gegeben habe, um sie ungestört verkaufen zu können, die Droguisten wurden in eine Geldstrafe von je 10 Mark genommen. Die Rolle des am Donnerstag beginnenden Schwurgerichts hat folgende Sachen: Donnerstag, 8. März, Anton und Johann Jakobs aus M.=Gladbach, angeklagt der Körperverletzung mit tötlichem Ausgange. Verteidiger die Herren Rechtsanwalt Cohen und Referendar Dr. Petermann. Freitag, 9. März, Anton Dickers, Brandstiftung. Berteidiger Herr Referendar Dr. Schieß. Samstag, 10. März, Plüschweber Otto Schmitz und Fabrikarbeiter Hugo Frohwein aus Burscheid wegen tötlicher Körperverletzung. Verteidiger die Herren Rechtsanwalt Kehren und Referendar Dr. Bergmann. Montag, 12. März, Hubert Koßmann aus Oberkassel wegen Körperverletzung mit Todeserfolg. Verteidiger Herr Rechtsanwalt Heine. Dienstag, 13. März, Gustav Proßhoff, früher Restaurateur des Tiergartens in Crefeld, betrügerischer Bankerott, Verteidiger Herr Rechtsanwalt Scheidges. Mittwoh, 14. März, Fabrikarbeiter Peter Webers aus Ratingen, Wilhelm Webers aus Lintorf und Franz Kremer aus Broich wegen Jagdfrevels, Widerstandsleistung und Mordversuchs auf einen Förster.— Es werden noch einige Sachen auf die Rolle kommen. )( Sitzung der Strafkammer vom 6. März. Der zu Düsseldorf wohnende Maurer Johann N. war des Diebstahls angeklagt. Am 24. Dezember v. I wurde dem Kassierer der Maurer=Berufsgenossenschaft Robert Weber die Kasse mit 200 Mark gestohlen; der Angeklagte soll der Dieb sein. Er leugnete, allein das Gericht hielt die Indicienbeweise ausreichend, erklärte den N. schuldig, und verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis.— Wilhelm H., Kommis zu Düsseldorf, ein leichtsinniger Bursche, war der Unterschlagung angeklagt und geständig. Er war bei einem Bierbrauereibesitzer in Dienst und hat zunächst kleine Geldbeträge von 5, 12 und 20 Mark, zuletzt 400 Mark unterschlagen und mit letzterer Summe ging er nach Holland. Von dort schrieb er einen höflichen Brief an seinen Prinzipal und bat um ein gutes Zeugnis. Er wurde statt dessen verhaftet und heute zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.— Der Urkundenfälschung in gewinnsüchtiger Absicht war angeklagt der zu Kleinenbroich wohnende Ackerer Johann F. Der Anklage lag folgende Thatsache zu Grunde: Der Nachbar des F., Ackerer Adam Groß hatte über ein Grundstück des F. eine Fahrgerechtigkeit, die dieser am 10. Dezember 1892 sperrte. Groß entfernte die Sperre, wurde dann wegen Besitzstörung angeklagt, jedoch freigesprochen. Um die Fahrgerechtigkeit entstand nun ein Prozeß am Amtsgerichte zu M.Gladbach und in diesem Prozesse legte F. eine Urkunde von dem Vater des Adam Groß vor, nach welchem dieser bei Gelegenheit eines Grundstücksaustausch vom 2. März 1871 auf die Fahrgerechtigkeit verzichtet habe. Dieser Schein soll gefälscht sein, die Unterschrift von einer echten durchgepauset sein. Daß dieser Schein gefälscht war, daran war nach den Aussagen der Sachverständigen kein Zweifel, und der Gerichtshof schloß sich dem Urteil der Sachverständigen an und verurteilte den F. zu 8 Monaten Gefängnis nach dem Antrage des Herrn Staatsanwalts.— Wilhelm D. aus Düsseldorf war angeklagt, in Gemeinschaft mit andern Dieben aus einem Laden Stücke Stoff gestohlen zu haben. Er leugnete die That, die Strafkammer sprach den Angeklagten frei.— Der zu Grevenbroich wohnende Kaufmann Benedikt K. geriet in Konkurs und hatte zwar 180 000 M. Schulden, allein seine Hauptbücher nicht geführt, wie es das Gesetz verlangt. Er war deshalb heute auf Grund des§ 210 Nr. 2 der Konkursordnung des einfachen Bankerotts angeklagt und wurde zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt.— Wilhelm G. aus Rheydt hat im Jahre 1891 aus einem dortigen Laden ein Stück Käse gestohlen. Er wurde damals verhaftet, brach aus dem Amtsgerichts gefängnis und trieb sich dann stehlend und raubend umher, bis er im Bezirk Aachen gefangen und zu 11 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Dann wurde er nach Dortmund gebracht, wo er noch einen Raub auf dem Kerbholze hat und kam heute unter Begleitung zweier Beamten, doppelt gefesselt, an starken Lederriemen geführt nach Düsseldorf und erhielt für die Entwendung von 6 Pfund Käse 4 Monate Gefängnis.— Die oft vorbestrafte Ehefrau A. aus Düsseldorf, welche einen Korb Fische gestohlen hat, wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt und gleich verhaftet. Stockum, 3. März. In der gestern hier beim Wirte Kürten abgehaltenen öffentlichen Versammlung des Ortsverbandes=Lohausen=Stockum des rhein. Bauernvereins zwecks Stellungnahme zum russischen Handelsvertrage wurde für und gegen den Vertrag plaidiert. Die Gegner des Handelsvertrages, die denselben am liebsten zufalle gebracht sähen, befanden sich in der Majorität. Die Vorteile, die die Industrie durch den Vertrag ohne Zweifel haben wird, fand man für nicht so bedeutend, daß um dieser willen die Landwirtschaft geschädigt(werden dürfte. Ja ein Redner machte aus seiner Meinung kein Hehl, daß er es lieber sähe, wenn es der Industrie überhaupt schlecht erginge, da sie doch der Landwirtschaft nichts nütze, ihr nur hohe, unerschwingliche Arbeitslöhne bringe und die Arbeitskräfte nehme. Von anderer Seite wurden die Vorteile gebührend hervorgehoben und besonders betont, daß gerade, wie die Vergangenheit lehre, die Landwirtschaft am besten gedeihe, wenn auch die Industrie blühe. Früher, wo gar keine Zölle bestanden, seien die Fruchtpreise bedeutend höher gewesen, als jetzt bei den Zöllen, zudem sei der Zoll von 3,50 M. doch noch höher als der im ahre 1879 festgesetzte.„Gute Zeiten, teures Brot schlechte eiten billiges Brot!" Es wurde schließlich beschlossen, folgende Resolution an unseren Reichstagsabgeordneten Wenders zu schicken— wie gesagt, Gegner des russischen Handelsver trags hatten die Majorität— „Eine sehr zahlreich besuchte öffentliche Versammlung von Landwirten, welche sich sämtlich als Centrumswähler bekennen, hat mich beauftragt, Ew. Hochwohlgeboren deren grißtes Mißfallen über Ihre Haltung gegenüber dem rusen Handelsvertrage auszusprechen. Nachdem Sie vor Ihrer letzten Wahl die Erklärung abgegeben haben, die Interessen der Landwirtschaft wahrnehmen zu wollen, haben wir mit Bedauern von Ihrem Schreiben an die Handelskammer Kenntnis genommen. Wir hätten wenigstens geglaubt, erwarten zu dürfen, daß Sie vor Ihrer Stellungnahme in dieser Sache die Ansicht eines sehr großen Teiles Ihrer früheren Wähler hätten hören müssen." Die Herren Landwirte vergessen, daß Herr Wenders nicht nur ihre Interesse, søndern auch noch anderer Leute Interesse zu vertreten hat, die nicht weniger wichtig sind. Als man um Hebung der Landwirtschaft willen seiner Zeit die Getreidezölle bewilligte, hat man eben die Gemeinsamkeit aller Interessen betont und die Klagen der industriellen Arbeiterschaft als einseitig zurückgewiesen. Es ist ebenso bedauerlich, daß die Landwirte jetzt dieser Gemeinsamkeit der Interessen sich nicht mehr erinnern wollen, als unklug, denn was will der Bauer mit seinem teuern Getreide machen, wenn kein Geld im Lande ist, um es zu bezahlen? i- Hilden, 6. März. Am Donnerstag, den 8. d. Mts., ist um 6¼ Uhr nachmittags im Amtsgerichtslokale Stadtratssitzung. Auf der Tagesordnung stehen ffolgende Gegenstände: 1. Anderweitige Festsetzung des Gehaltes und der Bureaukosten des Bürgermeisters; 2. Erweiterung der Verwaltungsräume im Rathause betreffend; 3. Antrag des Komitee's für die Errichtung eines Kaiser Wilhelm=Denkmals auf Ertellung der Genehmigung zur Errichtung des besagten Denkmals auf dem Marktplatze. * Bochum, 6. März. Den eifrigen Bemühungen der Polizei ist es gelungen, den Urheber der Dynamit=Attentate hier festzunehmen. Gestern Abend trieb sich nämlich vor dem Rathause ein Mensch in verdächtiger Weise herum, den der dienstthuende Beamte auch am Sonntag dort gesehen zu haben glaubte. Er knüpfte ein Gespräch mit ihm an und schritt, als er genügende Anhaltspunkte hatte, zu seiner Verhaftung. Es war der auf einer benachbarten Zeche entlassene Bergmann Pfeifer aus Düsseldorf gebürtig. Bei der Durchsuchung seiner Taschen fand man acht Dynamitpatronen, eine ganze Blechschachtel mit Zündhütchen und mehrere Meter Zündschnur. Nach einigem Leugnen gestand er ein, den Anschlag am Ständehaus ausgeführt zu haben und fügte dann frech hinzu, er habe keine Zünder mehr gehabt, sonst würde er auch die übrigen Patronen zur Explosion gebracht haben. Das Dynamit— 21. Kilo— hat er auf einer benachbarten Zeche gestohlen. * Berlin, 6. März Auf der Stadtbahn sind gestern früh 6 Personen einem entsetzlichen Unglücksfalle zum Opfer gefallen. Fünf Männer wurden sofort getötet, ein sechster lebensgefährlich verwundet. Des Näheren wird darüber gemeldet: Am Savignyplatze, zwischen den Haltestellen Charlottenburg und Zoologischer Garten, befinden sich 4 Geleise. Heute Morgen um 7½ Uhr hatte eine Kolonne von 8 Arbeitern auf dem zweiten Geleise zu thun. Um 7 Uhr 6 Min. fuhr auf dem ersten Geleise der Vorortzug nach Erkner von Charlottenburg ab. Als er den Savignyplatz überfuhr, ließ der Matschinenführer Dampf ab. Dieser sowohl wie der Rauch aus dem Schornstein senkten sich zur Erde, so daß die acht Arbeiter völlig in eine Dampfwolke gehüllt waren und der Aufseher das Heranfahren anderer Züge nicht wahrnehmen konnte. Nun waren 6 Arbeiter dem ausströmenden heißen Dampf dadurch ausgewichen, daß sie auf das dritte(Stadtbahn=) Geleise übergetreten waren. Der Hornist war aber in der Rauchwolke geblieben und konnte den von Charlottenburg nach Stralau=Rummelsburg sich bewegenden Zug nicht bemerken. Als dieser an ihm vorbeisauste, hörte er ein Knistern und Knattern, als wenn die Räder über dürre Baumzweige hinweggingen. In diesem Augenblick kreuzte ein dritter Zug nach Westend die Stelle. Als sich der auf der Strecke lagernde Rauch verzogen hatte, zeigte sich ein schreckliches Bild. Im dritten Geleise lagen 5 fürchterlich verstümmelte Leichen. Dem einen war der Kopf abgetrennt, einem andern Arme und Beine abgefahren, mehrere waren völlig zermalmt. Zwischen dem zweiten und dritten Geleis lag der 31 Jahre alte Arbeiter Richard Kappel, der noch schwache Lebenszeichen von sich gab und vom sofort unterrichteten vierten Charlottenbur ger Polizei=Reviere nach dem dortigen Krankenhause gebracht wurde. Die zerstreut umherliegenden Körperteile wurden zusammengetragen und teils mit Decken, teils mit Kies überdeckt, um dadurch den vorüberfahrenden Reisenden den schauervollen Anblick einigermaßen zu entziehen. Während diese traurige Arbeit verrichtet wurde, sprang plötzlich die Ehefrau des getöteten Arbeiters Otto Schmidt, zu der die Schauerkunde gedrungen war, auf den Bahnkörper und konnte nur mit Gewalt entfernt werden.— Die beiden Lokomotivführer scheint keine Schuld zu treffen. Der eine hat zweifellos in den Cylindern zu viel Wasser gehabt und mußte daher durch Dampf die Wasserteile entfernen. Der andere hat aber die Arbeiter auf dem Gleise gar nicht bemerken können, da die Fernsicht durch den Dampf völlig verschleiert war. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. * Stettin. 6. März. In dem in voriger Woche vor dem hiesigen Landgericht verhandelten Fahrkartensch windelprozeß gegen 2 Bahnschaffner wurde heute das Urteil verkündet. Die Angeklagten wurden unter Annahme mildernder Umstände zu Gefängnisstrafen von vierzehn Tagen bis zu neun Monaten verurteilt Die Verurteilten hatten auf der Bahnstrecke Berlin Stettin=Pasewalk=Stralsund dem Kriminalkommissar Zillmann und dem Kriminalschutzmann Winter aus Berlin gebrauchte Fahrkarten gegen ein Tri kgeld zur Benutzung abgegeben. Wien, 6. März. Die technische Hochschule in Graz ist wieder eröffnet worden. Das zum Teil verloren gegangene Wintersemester wird nach ministeriellen Verfügung den Studierenden für voll angerechnet werden. Der ganze Streit wird wohl ausgehen wie das Hornberger Schießen, und das ist für alle Beteiligten am besten. Es verlantet nämlich, die von der Unterrichtsverwaltung eingeleiteten Erhebungen hätten ergeben, daß die in der Flugschrift gegen das Professoren=Kollegium enthaltenen Angriffe gänzlich grundlos seien, so daß zur Einleitung einer DiszipbnarUntersuchung überhaupt kein Anlaß vorlag. Durch die seither von den Studierenden unternommenen Schritte ferner die Unterrichtsverwaltung die Ueberzeugung, dß der Studentenschaft die Verfasserschaft der Flugschrift nicht zur Last fällt. *) Rio de Janetro, 7. März.(Telegramm.) Da gelbe Fieber ist im starken Zunehmen begriffen. Eine große Anzul Fälle kommt auf den Schiffen vor. Gestern wurden ofsizielt 74 Fälle gemeldet, die mit dem Tode endigten. Privatdepeschen des Düsseld. Volksblattes. §§ Brüssel, Mittwoch, 7. März. In der gestrigen Kammersitzung wurde die Vorlage über die proportionale Vertretung vom Ministerpräsidenten Bernaert niedergelegt. )( London, Mittwoch, 7. März. Eine gewisse hat die Nachricht hervorgerufen, die Polizei habe auf dem Fenster des Bureaus des Gendarmeriechefs eine Bombe efunden. Dieselbe soll Sachverständigen zur Analyse übergeben worden sein. *† Madrid, Mittwoch, 7. März. Die Nachricht von der Unterzeichnung des Friedens zwischen Spanien und Maroeco hat hier einen günstigen Eindruck gemacht. Gestern ginden die Schiffe nach Mazagan ab, die den Marschall Campos abholen sollen.— Während der Abmessung der neutralen Zone wird der Sultan eine Armee nach Melilla schicken, um den von den Kabylen zu befürchtenden bewaffneten Widerstand zu hindern.— In diplomatischen Kreisen hofft man, Frankreich werde sich mit Spanien zu gemeinschaftlichem Ha. deln in Afrika verstehen. KChicago, Mittwoch, 7. März. Die Polizei entdeckte hier ein anarchistisches Komplott, das die Wohnung des französischen Konsuls sprengen sollte. An demselben woren drei anarchistische Klubs beteiligt. Eine große Zahl von Verhaftungen steht bevor. Neuß, 7. März.(Telegr.) Weizen, kleiner 11.70, engl. Sorte 1. Qual. 14,20, 2. Qnak. 13,70. Roggen, 1. A. 12,00, 2. Qual. 11,00. Hafer 16,00. Raps 1. Qual. 00 00, 2. Qual. 00,00. Aveel(Rübsen) 00,00, Kartosfeln 4,00 rer 100 Ko. Hen 60,—. Roggenstroh 28,00, Weizenstroh 00,00 per 500 Ko. Rüböl per 100 Ko. 47,50, Rüböl faßweise 49,00. Preßkuchen, 1000 Ko. 110,00. Kleien per 50 Kilo. 5,20. Köln, 6. März. Weizen ohne Sack die 100 Kilo vorrätig, hiesiger alter M. 15,00—16,00 B., neuer 14,00—14,25 B., fremder 15,50—17,00 B. Roggen ohne Sack die 100 Kllo vorrätig hiesiger M. 12,25—13,00 B., fremder 14,00—16,00 B. Hafer ohne Sack die 100 Kllo hiesiger M. 15,75—16,50 B,. fremder 15,50—17,00 B. Köln, 6. März. Schlachtviehmarkt. Aufgetrieben: 530 Ochsen, verkauft 1. Sorte zu M. 65, 2. Sorte 60, 3. Sorte 55; 450 Kühe und Rinder, verkauft 1. Sorte zu M. 57, 2. 52, 3. 46; 40 Stieer, verkauft 1. Sorte zu M. 55, 2. 50, 3. 46; 400 Schweine, verkauft 1. Sorte zu M. 60, 2. 57 3. 54 die 50 Kil. Schlachtgewicht. Geschäft in Schweinen flott, Markt früh geräumt; in Großvieh matt, Ueberstand. Düsseldorf, 7. März. Rheinst. 2,83— 0,00. Wind NO Therm.+ 4. Barom. 27—9. Mannh., 6. März. 3,14+ 0,14 Mainz, 6. März. 1,10— 0,00 Bingen, 6. März 1,76-0,02 Caub, 6. März. 1,94— 0,04 Coblenz, 6. März. 2,67—0,01 Trier, 6. März. 1,56— 0,18 Köln, 6. März. 2,88—0,07 Ruhrort, 6. März. 2,54— 0,14 Im Minker springt die Haut des Gesichtes und der Hände leicht auf: sie wird rissig und bekommt Runzeln, Frostbeulen und rote Flecken. Um diesen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, muß man als Goldcreame für die tägliche Toilette die Crême Simon gebrauchen, deren tonische und mildernde Wirkung wahrhaft überraschend ist. Wer dieselbe einmal versucht hat, wird sich derselben immer bedienen. Das Simon'sche Beispuder und die Simon'sche Seife tragen mit dazu bei, um der Haut natürliche Frische, Geschmeidigkeit und sammetartige Weiche zu verleihen. Man vermeide die zahlreichen Nachahmungen, indem man stets die Unterschrift: J. Simon, 13, rue Grange-Batellère, Parle, verlange. Zu haben in allen besseren Apotheken, Parfümerien, Kurzwaren=Geschäften, Bazars der ganzen Welt. 373 In der Sitzung des Architekten Vereins zu Berlin vom 5. d. M. berichtete zum Schluß Regierungsbaumeister Albert Becker über einige technische Neuheiten und zwar zunächst über die Schweitzer'schen Patentdielen(Erfinder: Gebr. Schweitzer in Düsseldorf), die sich durch große Gleichartigkeit der Masse auszeichnen und leicht zu bearbeiten sind. Nach einem durch Professor Dr. Böhme, Vorsteher der Kgl. Prüfungsstation für Baumaterialien ausgestellten Zeugnis ist dieser Baustoff auch in Hinsicht der Feuersicherheit allen Ansprüchen genügend, und nach sonstigen Beobachtungen gegen starke Temperaturschwankungen geschützt. (Siehe auch Inseratenteil.) Gestern Abend gegen 8½ Uhr verschied nach Gottes unerforschlichem Ratschlüsse unser geliebter Vater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder, Oheim und Schwager, Herr Rentner, infolge eines Herzschlages, im Alter von 60 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Düsseldorf, Duisburg, Nordamerika, den 6. März 1894. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. März, nachmittags 3 Uhr vom Sterbehause Kaiserswertherstrasse 61 aus statt. Die feierlichen Exequien werden an demselben Tage, morgens 9½ Uhr in der Pfarrkirche zur allerheiligsten Dreifaltigkeit gehalten. 8 Tage lang werden hl. Messen daselbst für den Verstorbenen gelesen. Freunde und Bekannte, denen aus Versehen keine besondere Einladung zugegangen sein sollte, diene dies zur gefl. Nachricht und Einladung. St. Bebastianus-Bruderschaft, Derendorf. Die Beerdigung unseres verstorbenen Mitgliedes Johann Holtschneider findet Donnerstag nachmittag 3 Uhr, vom Sterbehause Kaiserswertherstraße 61 aus statt, wozu die Mitglieder freundlichst eingeladen sind. Der Vorstand. St. SebastianusBruderschaft Derendorf. Donnerstag, den 8. März, abends 8 Uhr: GeneralVersammlung im Bruderhause bei Hrn. G. Pü Tages=Ordnung: der FahnenUm pünktliches Erscheinen bittet Der Vorstand. Dünger-Verkauf. Freitag, den 9. März 1894, nachmittags 4 Uhr, wird auf dem nördlichen und südlichen Stallhofe der Neustädter Kaserne eine mit Gips durchsetzte Partie Pferdedünger öffentlich meistbietend gegen Barzahlung verkauft werden. Düsseldorf, den 5. März 1894. Kgl. 2. Westfäl. Hus.=Reg. Nr. 11. Das gedächtnis für den verstorbenen Herrn Seiffert findet statt Freitag, den 9. März 1894, morgens 8 Uhr, in der St. Petrus Pfarrkirche. verkaufen Baustellen in günstiger Lage, zwischen den Haupt=Bahnhöfen, nahe der Schadowstraße und der Pferdebahn; nämlich er Schützenstraße: ca. 23 □=Ruten mit 9,68 m Front und 84 m Tiefe, der Kölnerstraße: (gegenüber Carl=Antonstraße) 1) ca. 37 Ruten mit 11m Fronte 2) ca. 59„„ 11,40„ 3) ca. 72„„ 11,30„ 4) ca. 83„„ 16„ letztere 3 Baustellen für größeren Geschäftsbetrieb geeignet und nebeneinander liegend, lassen sich auf Wunsch auch in anderer Weise einteilen, Worringerstraße: an welcher ab 1. März gebaut werden darf: Baustelleu von verschiedener Fronte und Tiefe. 718 Näheres Bleichstraße 13. Tauschgeschäfteausgeschlossen. Marienschule, katholische höhere Töchterschule zu Düsseldort, Alexanderstraße 1. Die Marienschule ist eine von den Katholiken der Stadt Düsseldorf gegründete Unterrichts= und Erziehungs=Anstalt. Dieselbe wirkt seit 14 Jahren in katholischem Geiste; sie umfaßt 10 Klassen mit je einjährigem Kursus. Das Schuljahr beginnt Dienstag, den 10. April. An meldungen neu eintretender Schülerinnen nimmt die Vorsteherin Frl. A. Hiel an allen Wochentagen nachmittags von 4—5 Uhrin Schullokale entgegen. Die Aufnahme=Prüfung findet Montag, den 9. April, von morgens 9 Uhr an statt.— 211 Das Kuratorium: Ehrenmitglied: Dr Hermann Joseph Schmitz, Weihbischuf in Köln; Meyer, Landgerichtsrat, Vorsitzender; Berenbrok, Oberrentmeister, stellv. Vorsitzender; Ferber, Rendant; Bewerunge, Rentner; Fritzen, Landesrat a. D.; Geh. Ober=Regierungsrat Dr. Klein, Landes=Direktor; Kribben, Pfarrer und Dechant; Lausberg, Pfarrer. Feldsieper’s Pflanzennahrung. Nach diesem Nährsalze gedeihen die Pflanzen üppig, gleichmäßig und entwickeln sich bald und schön. Nur zu haben bei 459 Rud. Feldsieper, Töwen-Drogerie, 7 Eckstraße. Fernsprecher 1013. Eckstraße 7. Strohhut-Fabrik. Die neuesten „Pariser Formen sind eingetroffen und bitte ich, Hüte zum Waschen, Färben und Modernisieren recht frühzeitig zu bringen, da sonst zur Saisonzeit der Andrang zu groß und ein rechtzeitiges Liefern unmöglich ist. Um baldigen Zuspruch bittet Schadowstr. 41, Henry Lenaerts,4. Haus v. d. Eckstr. Betten- und Bettwaren-Fabrik und Handlung Kasernenstrasse 4u.6 Kasernenstrasse 4 u.6 Ecke Alleeplatz Sternefeldsches Haus, Eingang Kasernenstrasse 4, Düsseldorf, Ecke Alleeplatz Sterneteldsches Haus, Düsseldorf, Eingang Kasernenstrasse 4, empfehlen: Bettwaren aller Art in nur guten Qualitäten und zu billigsten Preisen. 50 komplette Betten aufgestellt 50 Holzbettstellen, komplett eingerichtet, Eisenbettstellen, komplett eingerichtet, Kinderbettstellen, komplett eingerichtet, von M. 72.— bis M. 450.—. von M. 26.50 bis M. 425.—. von M. 22.— bis M. 150.—. Aufarbeitung von Matratzen und Springfeder Rahmen. Eigene Reinigungs-Anstalt für Federn, Daunen und Rosshaare. Hotel Breidenbacher Hof, Düsseldorf Donnerstag, den 8. März 1892, abends 8 Uhr: Konzert, gegeben von Professor Heinrich Wefing, Pianist, unter freundlicher Mitwirkung von Fräulein Elisabeth Müsch(Sopran), Konzert-Sängerin aus Köln. Karten im Preise von 2½ und 1½ Mark zu haben bei Bavrhoffer Nachf., Bazarstr. 5 und abends an der Kasse. Der Konzertflügel von Bechstein ist aus der Niederlage von Herrn Othmer Nachf(C.& F. Adam). Kayser Nachf. 10 Ülberfelderstr. Fabrik-Niederlage, Überfelderstr. 10. Wegen Geschäfts-Aufgabe gänzlicher Ausverkauf nnt 20 Procent Rabatt. Alfenide, Broncen, Lederwaren, Photographie-Albums und Rahmen, Fächer, Nippes, Schmuck etc. 712 Volksunterhaltungs-Abend. Sonntag, den 11. März 1894, im Kaisersaale der Städtischen Tonhalle. Beginn abends 7 Uhr: „Volkstümlicher Lieder=Abend", veranstaltet von: dem Männer=Gesang=Verein„Frohsinn“d. Firma Haniel& Lueg, dem Männer=Gesang=Verein der Firma Ernst Schiess und dem Männer=Gesang=Verein„Hohenzollern“, unter Leitung ihrer Herren Dirigenten Robert Schmidt, Joh. Plag und W. Münstermann. Die Eintrittskarten werden am Sonntag, den 11. März, morgens von 11½ Uhr ab an folgenden Stellen verkauft: 1. am Schalter der Städtischen Tonhalle; 2. im Speisesaale der Firma Haniel& Lueg; 3. bei Figge, Kölnerstraße 232; 4. im„Luftballon", Nordstraße 2; 5. bei Faßbauer, Friedrichstraße 13/15; 6. bei Flingerstraße 36. Mehr als 3 Karten werden nicht auf einmal abgegeben. Sollten um 1 Uhr nachmittags noch Karten an einer Verkaufsstelle übrig sein, so werden diese am Nachmittage noch bei Herrn Pütz, Flingerstraße 36 erhältlich sein. Am Abende selbst findet kein Verkauf statt. Der Vorstand des Bildungs=Vereins. Höhere Töchterschule der Ursulinen zu Düsseldorf. 643 mit 10 Klassen von je einjährigem Kursus. Das Sommer=Semester beginnt Dienstag, den 10. April. Anmeldungen werden jederzeit im Ursulinenkloster entgegengenommen. Auf Verlangen können die Schülerinnen im Kloster zu Mittag speisen und die Zeit bis zum Beginn des Nachmittags=Unterrichtes unter Aufsicht der Schwestern zubringen. Die Ursulinen. Haushaltungs-Schule in Düsseldorf. Ein neuer dreimonatlicher Kursus beginnt am 3. April er. Anmeldungen nimmt entgegen die Vorsteherin der Schule, Frl. Elise Schmidt, Bahnstraße 38, wo auch alles Nähere zu erfahren ist. 659 Selbstgezogene Obstbäume in großer erprobter Sortenauswahl, viele Tausende doppelt veredelte, starke, schlanke hochstämmige Birnbäume, hochstämmige Aepfel, Pfirsisch=, Aprikosen= und Pflaumenbäume, sehr starke Birnen= und Apfelpyramiden, formierte Spaliere, Beerenobst und Neuheiten empfiehlt A. Ant. Schlösser, Obstbaumschulenbesitzer, Köln=Ehrenfeld. Ausführliches beschreibendes Preisverzeichnis mit Anweisung zur Pflanzung auf Wunsch gratis. Für ein Kolonial- Farbwaren- und Drogen-detailGeschäft ein 660 kath. 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Mitwirkende: Herr Professor Ernsi Heuser, Lehrer am Konservatorium in Köln(Pianoforte), Herr Konzertmeister Fritz Keller aus Köln(Dioline), Herr Gerhard Füsser(Begleitung der Violinvorträge), Fräulein Toni Klinke(Begleitung der Gesänge). Programm: Zwei 2stimmige Chor-Duette, Schletterer. Konzert Allegro, Bazzini.„Die Jungfrau und der Klausner“(4stimmiger Chor), Zenger.„Frühlingsmut“(3stimmiger Chor), Bruch. Ländler, RaffScherzo aus der Sonate op. 5, Brahms.„Windeswehen“(Konzertetude), Heuser. Terzett, Grahen-Hoffmann.(Die Damen Lazak, Wiesenhütter, Düwerth, Thaemel, Wiegels, George). Andante aus dem Violin-Konzert op. 64, Mendelssohn.„Die Erwartung“(Terzett), Heinrich Hoffmann.(Die Danen Düwerth, Wiesenhütter, Thaemel, George, Graetz, Wiegels). Serenade op. 21, Heuser.„Rigoletto“(Fantasie), Verdi- Liszt. Reverie, Vieuxtemps. Polonaise brillant, Wieniawsky. Zwei Chorlieder mit Soli, Schletterer. Soli: Die Damen Becker und H. Düwerth. Konzertilügel Rudolf Ibach-Sohn, Niederlage P. Pütz, Elisabethstr. Eintrittskarten à 2 Mark sind in der Hofmusikalien-Handlung von A. Bock, Bazarstrasse, zu haben. Düsseldorfer Direktion Engen Staegemann. Mittwoch, den 7. Mär; Die Fledermaus. Operette in 3 Aufz. von Strauß. Regie de Paula. Dir. R. Fried. Ballet, arrangiert von Dora Huchthausen, A. 7 U. Opern=Preise. E. g. 10 U. Donnerstag, den 8. März: Die Goldsische. Lustspiel in 4 Aufzügen von Schönthan u. Kadelburg. Regie Emil Haas. Erich: A. Metzer a. G. A.7U. E. 9½ U. Freitag, den 9. März: Benefiz von Rudolf Reinecke. Gastspiel von Thessa Gradl. Die schöne Galathee. Operette in 1 Akt von Suppé. Fritzchen und Lieschen. Genrebild in 1 Akt v. Offenbach. Das Versprechen hinterm Herd Alpenscene mit Gesang in 1 Akt und 2 Bildern von J. Baumann. A. 7 U Opern=Preise. E. 10 U. Samstag, den 10. März: Die Journalisten. Lustspiel in 4 Aufzügen v. Freitag. Regie E. Haas. Bolz: A. Metzer a G. A. 7 U. E. 9½ U. Sonntag, den 11. März: Die Jüdin. Große Oper in 5 Aufz. v. Halevy. Regie O. Fiedler. Dir. I. Göllrich. Recha: Martha Eichberger a. G. A. 6½ U. Opern=Preise. E. 9½ U. Montag, den 12. März: Benefiz für Klara Stolzenberg. Gast: Thessa Gradl. Mignon. Große Oper mit Ballet in 5 Aufz. von A. Thomas. Regie O. Fiedler. Dir. I. Göllrich. Mignon: Thessa Gradl a. G. A. 7 U. Opern=Preise. E. 9¾ U. XXXXXXXXXXXXXXXXXXX Wein-Restaurant Bach, Haroldstrasse 17. 118 Ecke Schwanenmarkt. Ecke Schwanenmarkt. Schweitzer's feuerfeste Patenf-Wände und Decken, vorzüglichstes, hervorragendstes und billigstes bis jest erfundenes Baumaterial. (Siehe Reklamenteil). Licenzfabriken wurden bis jetzt errichtet: In Berlin, Aachen, Köln, Coblenz, Essen, Bochum, Dortmund, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Arnsberg, Münster W., Minden, Zwickau(Sachsen), Belgien und England. Weitere Licenzen werden noch vergeben. Gebr. Schweitzer, Düsseldorf, Stuckgeschäft. 372 Oeffenlliche Versteigerung. Donnerstag, den 8. März 1894, vormittags 9¼ sollen im Hause Nr. 1 am Wasserwerk zu Hochdahl dem Meistbietenden gegen Barzahlung öffentlich versteigert werden: 1 Pianino, 1 Klavierbank, 1 Kleiderschrank, 1 vollständiges Bett, 1 Nußbaumtisch, 1 runder Tisch. 1 Blumentisch. 2 Sessel und 1 kleiner Teppich. Müller, Gerichtsvollzieher, Gerresheim. Empfehle: Musik-Abonnement auf Musik für Klavier, Gesang und beliebte andere Instrumente von 2 M. an für hier und auswärts. Eintritt kann jeden Tag erfolgen. Man verl. gef. den Prospekt gratis und franko von Bayrhoffer Achf. A. Bock Hofmusikalien-Handlung, Bazarstrasse 5. 657 XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Städt. Tonhalle. Donnerstag, den 8. März 1894: KONZERT des Städt. Orchesters unter Leiting des Kapellmeisters Herrn R. Zerbe. Anfang 7½ Uhr. Eintrittspreis 60 Pfg. Zehnkarten à 4 M. und JahresAbonnements an der Floragarten. Donnerstag, 8. März 1894, abends 8 Uhr: Grosses Militär-Konzert. atbo Zweigverein Düsseldorf. Donnerstag, den 8. März c., abends 8½ Uhr: Ordentliche HauptVersammlung im Vereins-Lokale Restaurant Giesen, Jacobistr. 12, 1. Etage. Tages=Ordnung: 1. Vorlage und Abnahme der Jah res=Rechnung pro 1893. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Rechnungsprüfer. 3. Besprechungallgemeiner VereinsAngelegenheiten. In Anbetracht der Wichtigkei der zur Verhandlung stehender Gegenstände bittet um vollzähliges Erscheinen Der Vorstand. Bertrams KinderSeife. Diese eigens für die zarteste und empfindlichste Haut präparierte Seife ist gänzich rein und frei von Schärfe. Kürzester Gebrauch zeigt schon die wohlthätige Wirkung bei Kindern und Personen mit empfindlicher Haut. Nur echt bei Bertram, 1818. Hofl., Bolkerstr. 5 u. Schadowstr.37, Fabrikfeiner Seifen u. Parfümerien. Füßrahm-Butter! Versende täglich feinste frische Molkerei=Butter in Postcolli gegen Nachnahme Mark 1,15 per Pfd. A. Vosschulte, 861 Molkerei Freren. Schweifsäge=Arbeit wird sauber ausgeschnitten 135 Steinstraße 34, Thoreing. 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Der Paragraph 119a des Arbeiterschutzgesetzes vom Jahre 1891 enthält die Bestimmung, daß durch Ortsstatut festgesetzt werden kann,„daß der von minderjährigen Arbeitern(oder Arbeiterinnen) verdiente Lohn an die Eltern oder Vormünder, und nur mit deren schriftlicher Zustimmung oder nach deren Bescheinigung über den Empfang der letzten Lohnzahlung unmittelbar an die Minderjährigen gezahlt wird." Die Bestimmung ist also eine fakultative; sie ist durch ein Kompromiß an Stelle eines weitergehenden Antrages, welcher sie obligatorisch machen wollte, in das Gesetz gekommen. Vor einiger Zeit kam nun in der Geevertretung eines größeren Ortes im rheinisch-westfälischen Kohlenreviere der Antrag zur Verhandlung auf Erlaß eines Ortsstatuts in dem Sinne dieses§ 119a. In der ganzen Versammlung war man einmütig der Ansicht, daß ein solches Ortsstatut, wenn es wirksam wäre, gerade für das Kohlenrevier, wo die Mißstände der direkten Lohnzahlungen an Minderjährige in der schroffsten und bedenklichsten Weise hervortreten, nur höchst erwünscht sein könne, jedoch lehnte man schließlich einstimmig den Antrag einzig aus dem Grunde ab, weil man glaubte, daß bei dem fakultativen Charakter der Bestimmung dieselbe sich in jener Gegend in einem einzelnen Orte, ohne gleichmäßiges Vorgehen aller übrigen, für die Dauer und mit Erfolg nicht durchführen lasse. Aus den vorgebrachten Gründen heben wir folgendes hervor. Die dortige Gegend ist so eng bewohnt, daß, wenn nicht alle Kommunen in weiterer Umgebung die gleiche Bestimmung ortsstatutarisch treffen würden— was nicht zu erwarten wäre— die jugendlichen Arbeiter, als welche besonders die Pferdejungen in den Gruben in Betracht kommen, in hellen Schaaren von den Eltern sich trennen und ihren Wohnsitz nach einem benachbarten Ort, wo ein solches Ortsstatut nicht besteht, verlegen würden. Wenn nun etwa die benachbarten Orte sämtlich oder zum Teile das betr. Ortsstatut nicht erließen, so würde nach diesen Orten sich der Zuzug jener jungen Arbeiter wenden, welche infolge des Ortsstatuts ihren Lohn nicht persönlich erheben könnten, aber doch über denselben verfügen wollten. Und wenn auch die ganze nächste Umgebung das Ortsstatut erließe, so würden sich solche jungen Leute nichts daraus machen, etwas entferntere Reviere aufzusuchen, wo dasselbe nicht in Geltung wäre. Mit jedem jugendlichen Arbeiter, der aus diesem Grund das elterliche Haus verließe, wäre aber eine Familie zerrissen und ein jugendliches Individuum in noch größere Gefahr gebracht als bisher. Von der im Gesetze geforderten Bescheinigung glaubte man sich aus denselben Gründen nicht die geringste Wirksamkeit versprechen zu können. Auch eine Verallgemeinerung der Bestimmung auf einen ganzen Regierungsbezirk würde unter Umständen keine wirksame Abhülfe schaffen, wenn es sich— wie z. B. im vorliegenden Falle— um an andere Regierungsbezirke nahe angrenzende Gemeinden handle. Es müsse vielmehr für die Verhältnisse des Ruhrkohlen-Reviers mindestens die gleiche Verordnung in den Regierungs=Bezirken Münster, Arnsberg und Düsseldorf gelten. Dies waren die wesentlichen Gesichtspunkte, welche bezüglich des Erlasses eines Ortsstatuts auf Grund des § 119a des Arbeiterschutzgesetzes in der betreffenden Kommunalvertretung zur Geltung kamen. Dieselben sind gewiß beachtens= und erwägenswert, wenn man auch vielleicht die Bedenken und Schwierigkeiten, welche hier gegen den Erlaß eines derartigen Ortsstatuts den Ausschlag gaben, als nicht gar so unüberwindlich anzusehen vermag. Mit Recht wurde übrigens in der betreffenden Gemeinderatssitzung hervorgehoben, daß die bedeutenden Summen, welche infolge des bei den Bergwerken üblichen Zahlungsmodus zweimal monatlich(beim„Abschlag" und bei der „Lohnzahlung") in die Hände der jugendlichen Arbeiter kommen, für dieselben eine sehr große Versuchung und Gefahr in sich bergen, sowie daß gerade die jugendlichen Ar beiter es sind, welche mancherorts an Lohntagen sowie an Sonn= und Festtagen die Straßen dermaßen unsicher machen, daß der ruhige Bürger sich dann Abends lieber zu Hause hält, weil in der That niemand seines Lebens mehr sicher ist. Nicht die alleinige, aber gewiß eine Hauptschuld daran trägt der Umstand, daß die Lohngelder direkt in die Hände der jugendlichen Arbeiter kommen, welche Geld zumeist noch nicht zu schätzen wissen und den schwersten Verführungen seitens ihrer Kameraden ausgesetzt sind. In festgeschlossenen Fabrikorten wird die fakultative Bestimmung des§ 119a genügen; für Distrikte, wo sich eine reichbevölkerte industrielle Kommune an die andere reiht, wird man dahin streben müssen, daß die Kommunen in weiterem Umkreise sämtlich oder zum weitaus größten Teile von dem Rechte des genannten Paragraphen Gebrauch machen. Es wird ja gewiß nicht leicht sein, eine solche Einigung zu stande zu bringen, es wird das vielen Eifers, großer, zäher Ausdauer und Beharrlichkeit bedürfen, aber diese Angelegenheit ist von so tiefgreifender sozialer Wichtigkeit und Bedeutung, daß ihre Durchführung wohl„des Schweißes der Edlen" wert ist. Ausland. * In Paris stehen augenblicklich gewisse Enthüllungen des„Figaro" über die„persönliche auswärtige Po litik" Carnot's im Vordergrunde des Interesses. Der „Figaro" brachte kürzlich in einem„Frankreich und der Hof von Kovenhagen" überschriebenen Artikel die überraschende Nachricht, daß Carnot durch den Militärattaché, Hauptmann de Beauchamp in Kopenhagen, den Versuch habe machen lassen, die geheimen Gesinnungen des Zaren gegen Frankreich auszukundschaften, zu welchem Zwecke er sich der Prinzessin Waldemar von Dänemark, bekanntlich einer Prinzessin von Orleans, als Mittelsperson bedient habe. Kapitän de Beauchamp erhielt vom General Borius den delikaten Auftrag; die Prinzessin Waldemar erteilte ihm zwar eine ausweichende Antwort, doch glaubte der französische Militärattaché aus gewissen Angaben einige Informationen schöpfen zu können, die er schleunigst seinem Auftraggeber berichtete. Einige Tage darauf unterbreitete er sogar der Prinzessin einen förmlichen Fragebogen, den der Gewährsmann des„Figaro", wie aus Umständen hervorgeht, zweifellos der inzwischen seines Postens enthobene frühere Gesandte, Graf d'Aunay, mit eigenen Augen gesehen haben will, und dessen erste Frage lautete:„Was erwartet Rußland von Frankreich, um der Freundschaft zu entsprechen, die dieses ihm bekundet? Meinen Sie, daß der Kaiser von Rußland sich gegenüber Frankreich wenigstens für den Fall der Defensive für verpflichtet halte?" Die Prinzessin Waldemar ersuchte den Militärattaché, ihr den Fragebogen zu überlassen, zwei Tage später erhielt sie einen Brief vom Kapitän de B, der wörtlich schrieb: „Man(das Elysée) ist sehr begierig, Ihre Antwort kennen zu lernen". Die Prinzessin teilte nun, um Frankreich gegenüber nicht inkorrekt zu handeln, dem französischen Geschäftsträger Pasteur(einem Sohne des bekannten Impfers) diese Vorgänge mit. Herr Pasteur mit der Vertretung des Grafen d'Aunay betraut, benachrichtigte sofort das Ministerium des Auswärtigen zu Paris, die in Betracht kommenden Schriftstücke wurden von der Prinzessin Waldemar ausgeliefert und Kapitän de Beauchamp abberufen. General Borins erklärte die Veröffentlichungen des„Figaro", die ein bndenkliches Licht auf Carnot werfen, da er, beruhten die Enthüllungen auf Wahrheit, neben seiner Kabinettspolitik noch eine persönliche Nebenpolitik getrieben hätte, für ein ungereimtes Hofgeschwätz. Hierauf erwiderte der„Figaro", es sei ein eigenhändiger Brief des Generals vorhanden, dessen Beweiskraft unanfechtbar sei und in dem der General für die Informationen dem Kapitän de Beauchamp dankt und schreibt:„Fahren Sie fort, uns unmittelbar zu unterrichten". Carnot müssen diese„Enthüllungen" als Republikaner schwer verdächtigen, zumal die Berechtigung einer derartigen Nebenpolitik vom konstitutionellen Standpunkte aus mindestens fragwürdig ist, außerdem machen sie ihn bei der in 8 Monaten bevorstehenden Präsidentenwahl als Kandidaten unmöglich.— Das französische Volk wird seinem Präsidenten schwerlich verzeihen, daß er, um seine Macht zu befestigen, sich mit einer Prinzessin von Orleans, der Nichte eines„verbannten Thronstrebers" in Verbindung gesetzt hat. Der Kabinettschef Casimir Perier, der kommende Mann, der sich in der ganzen noch lange nicht erledigten Angelegenheit mit vollendeter Korrektheit benommen hat, ist mit unnachsichtlicher Strenge vorgegangen: Der Militärattaché de Beauchamp wurde abberufen und der ehemalige Gesandte Graf d'Aunay entlassen. Carnot soll übrigens, einem Gerüchte zufolge, eine Untersuchung über die im„Figaro" erschienenen Enthüllungen angeordnet haben. Lokales und Düsseldorf, 7. März. *Herr Rudolf Reineke wird an seinem Benefizabend, der auf Freitag, den 9. d. M. fällt, dem musikliebenden Publikum einen lange entbehrten Genuß bieten: Frl. Thessa Gradl vom Großherzoglichen Hoftheater in Schwerin, hier noch in allerbestem Andenken stehend, wird an dem Abend als Gast unsere Bühne betreten, wo sie ehedem so viele Triumphe gefeiert hat. Für die glückliche Idee, die gefeierte, liebenswürdige Künstlerin zu einem Gastspiel gewonnen zu haben, sei Herrn Reinicke besonderer Dank gesagt. In der„Schönen Galathe", in„Fritzchen und Lieschen“ und im„Versprechen hinterm Herd“ wird Frl. Gradl wieder Proben ihres anmutigen Talentes ablegen. Sitzung der Berufungskammer vom 5. März. Der wiederholt vorbestrafte Barbier Hubert K. zu Gerresheim wurde vom dortigen Schöffengerichte wegen Beleidigung des Bürgermeisters, des Polizei=Inspektors und eines Polizeisergeanten zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Auf die von ihm eingelegte Berufung setzte die Berufungskammer die Strafe auf 60 Mark, event. 12 Tagen Gefängnis herab.— Das Schöffengericht zu Crefeld verurteilte am 21. Dezember v. J. wegen Mißhandlung des Heinrich Vitges den Wilhelm G. aus Crefeld zu 4, den Peter Heinrich H. zu 6 Monaten Gefängnis. Sie legten beide gegen das Urteil Berufung ein. Die Berufungskammer sprach die Angeklagten frei, weil bei dem Widerspruche der Zeugen die Sache nicht genügend aufgeklärt wurde. Der Jäger Christ. B. aus Evinghoven ist im Eifer der Jagd in ein fremdes Jagdgebiet geraten, und war deshalb des Jagdfrevels angeklagt. Das Gericht zu Grevenbroich sprach den Angeklagten frei, wogegen der Herr Amtsanwalt Berufung einlegte. Die Strafkammer fand den Jäger jedoch schuldig und verurteilte ihn zu 50 Mark Geldstrafe, event. 10 Tage Gefängnis, verfügte auch die Einziehung des Gewehres.— Der zu Düsseldorf wohnende Schreiner Johann F. wurde vom Schöffengericht zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er in einem Briefe einen Lehrer beleidigt hat. Die von ihm eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer verworfen. Heinrich Z., Reisender zu Eller erhielt vom Schöffengericht zu Gerresheim 4 Tage Gefängnis wegen Mißhandlung seiner Frau, mit der er den Ehescheidungsprozeß eingeleitet hat. Gegen das Urteil legte er Berufung ein mit dem Erfolge, daß das Berufungsgericht die Strafe auf 20 Mark, event. 4 Tage Gefängnis festsetzte. Zwei Seidenweber zu Crefeld wurden vom dortigen Schöffengerichte wegen gegenseitiger Mißhandlung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Einer derselben, Wilhelm R. legte Berufung ein und die Strafkammer erkärte ihn nur der Bedrohung schuldig, verurteilte ihn dieserhalb zu 10 Mark Geldstrafe event. 2 Tagen Gefängnis. * Neuß, 5. März. Gutem Vernehmen nach ist die Voruntersuchung gegen Stockdick geschlossen. In den ersten Tagen wird derselbe aus dem hiesigen Arresthaus, in welchem er seit dem 11. Oktober v. J. untergebracht ist, nach Düsseldorf transportiert werden. Die in der letzten Zeit über den Gesundheitszustand Stockdiks verbreiteten Gerüchte sind sehr übertrieben. Derselbe leidet nur hin und wieder an Brustschmerzen, sonst ist sein Gesundheitszustand normal. * Coblenz, 5. März. Am 25. v. Mts. ist in Nizza dieBarmherzige Schwester Hedwig,(Prinzessin Radziwill) vom Orden der barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus im 52. Jahre gestorben. Schwester Hedwig wurde bei den Be suchen der verstorbenen Kaiserin Augusta immer huldvollst ausgezeichnet; die Schwester wirkte hier lange Jahre im Bürgerhospital und war bei Arm und Reich sehr beliebt. Zweites Winterkonzert des Quartett=Bereins unter Leitung des Herrn Musikdirektors R. Kratz. o-o Düsseldorf, 4. März. Von den Programmnummern für Männerchor interessierte zunächst durch seine Natürlichkeit das Bankettlied von Stunz, dann der Cyklus von Reichelt, Lieder zum Preise des Weins und irdischer Glückseligkeit, welcher besonders in dem ersten und dann in dem letzten Liede von ungemeiner Frische der Empfindung ist, sowie belebt von leichtfließendem Rhythmus und so von der schönen Klavierbegleitung unterstützt ein sehr wirksames und anregendes Opus bildet. Die Komposition von Fischer„Die Welt ist so schön" wurde in einigen Wendungen der Harmonie der letzten Strophen nicht ganz rein gebracht, ebenso der ernste schöne eigenartige Chor„Suomi's Sang" von Mair, welcher in seinen verschiedenen Wendungen und ohne Begleitung freilich auch nicht leicht ausführbar ist. Das Sandmännchen von Hirsch zum Teil für Brummstimmen mit Tenor= und Bariton=Solo forderte die Wiederholung einer Strophe heraus. Herr Musikdirektor Kratz erfreute dazwischen durch den Vortrag von zwei Orgelstücken, die ihn als tüchtigen gewandten Spieler des Instrumentes der heiligen Cäcilia zeigten. Das Konzertstück von Guilmant, dem berühmten Pariser Organisten, ist ganz in klassischem Geiste durchsichtig klar gehalten und interessiert gleichmäßig in seinen drei Sätzen, deren letzter Anklänge an eine Nationalhymne enthält. Der Sonatensatz von Kratz für Orgel in Cmoll mit den wiederkehrenden Motiven g as f, fg es ist in seinen Themen so recht aus dem Instrument erfunden, und wirkt darum durch die Klarheit derselben und den reichen Wechsel der Register bei schönen zarten Stellen ungemein imposant. Reicher Beifall lohnte den Spieler. Nicht wenig trug zur Verschönerung des Abends die Konzertsängerin Frl. Theo Hesse durch ihre Mitwirkung bei. Die große, anspruchsvolle, hier selten gehörte Konzert=Arie von Mendelssohn brachte Fräul. Hesse mit ihrer, wenn auch nicht großen, so doch gut tragenden Sopranstimme sehr angemessen heraus und die Trompeterlieder von Riedel trugen ihr solchen Beifall ein, daß sie die Pagen=Arie aus den Hugenotten zugab, wobei die Koloraturen recht fließend gelangen. Herr Kratz begleitete wie immer sehr feinfühlig. der gewaltthätigen Selbsthilfe oder Die Pistole als„Ehrenretter“. Der Kriegsminister hat im Reichstag einen fesselnden Zwischenfall" herbeigeführt durch seine überaus lebhafte Verteidigungsrede für den General Kirchhof. Wenn sich der Kriegsminister darauf beschränkt hätte, gleich von vornherein auf mildernde Umstände für den schwer gekränkten und verzweifelnden Familienvater zu plaidieren, würde er keinen ernsthaften Widerspruch gefunden haben. Aber er verkündete ein Recht der gewaltthätigen Notwehr zur Wahrung einer angegriffenen Ehre. „Wenn Ihnen die Braut, die Frau oder die Tochter beleidigt, öffentlich beschimpft wird, dann traue ich Ihnen zu, Sie schlagen den Mann nieder, und da haben Sie ein Recht dazu, und wenn ich ein Richter wäre, würde ich mildernde Umstände zubilligen...... Wenn man von einem wilden Tiere oder einem tollen Hunde angegriffen wird, da ist die Notwehr ein Recht. Allerdings, wenn man sich an einen Menschen vergreift, so wird man bestraft, und das ist ganz in der Ordnung." Diese Aeußerungen wollen ein widergesetzliches „Recht" gelten lassen, dessen strafrechtliche Ahndung nur eine Formel„Ordnungsstrafe" ohne sittliche Berechtigung sein soll. Es ist dieselbe„Rechts"-Anschauung, auf die sich das Duellunwesen stützt. Der bayerische Kriegsminister, der den Zweikampf unlängst verteidigt hat, steht mit dem preußischen, der das„Niederschlagen" eines Beleidigers unter Umständen für Recht erklärt, auf dem gleichen Boden eines falschen Ehrbegriffes. Im vorliegenden Falle handelt es sich um die Erwähnung eines Gerüchts, das die Ehre einer(zunächst nicht genannten) Offizierstochter in Brandenburg antastete. Gegen diesen unter allen Umständen auf das Schärfste zu verurteilenden Angriff des„Berl. Tagebl." stand natürlich allen, die in den Verdacht kommen konnten, gemeint zu sein, das Recht der Abwehr mit allen erlaubten Mitteln zu. Der Strafantrag des Offizierskorps der bezeichneten Garnison und die darauf folgende Gerichtsverhandlung erschienen zunächst als das richtige Mittel zur Ehrenrettung. In der Verhandlung bot nun bedauerlicher Weise der Verteidiger des Angeklagten den Wahrheitsbeweis zu Ungunsten der Familie des Generals Kirchhoff an. Die Prüfung dieses Wahrheitsbeweises wäre wieder ein richtiges Mittel zur Lösung der Ehrenfrage gewesen. Leider lehnte das Gericht die Beweiserhebung als„unerheblich" ab, was ja wohl dem formellen Recht entsprochen haben mag, aber dem Rechtsbedürfnisse nicht entsprach. Die Verurteilung des angeklagten Redakteurs zu 1000 Mk. Geldstrafe verfehlte ihren Zweck der Ehrenrettung, weil die Wahrheit der nunmehr genau adressierten Verdächtigung noch möglich erschien. Von dieser für ihn sehr unangenehmen Wendung der Dinge erhielt General Kirchhoff, wie der Kriegsminister mitteilt, erst 9 oder 10 Monate nach der Urteilsfällung Kenntnis, als ihm endlich das Erkenntnis mitgeteilt wurde. Zur Einlegung von Rechtsmitteln behufs Weiterführung dieses Prozesses war es also zu spät. Die Schuld an dieser Verzögerung trifft aber keineswegs den angeklagten Redakteur. Wenn der Staatsanwalt, der die Ehrensache des Offiziercorps vertrat, sich nicht für berufen hielt, den Antragstellern rechtzeitig amtliche oder freundschaftliche Mitteilungen über den Ausgang der Sache zu machen, so hätte das antragstellende Offiziercorps selbst Sorge treffen müssen, um auf dem Laufenden zu bleiben. — Der General gerät nun, als er von dem Erkenntnis überrascht wird, in die größte Aufregung. Zunächst schlägt er einen richtigen Weg ein, er befrägt einen befreundeten Rechtsanwalt. Dieser Rechtsanwalt scheint ihm aber leider bloß die Frage der Prozeßordnung, ob noch ein Rechtsmittel zulässig sei, verneinend beantwortet zu haben, die beiden Herren hätten lieber die weitere Frage, was überhaupt zur Entkräftung der Verleumdung noch geschehen könne, in möglichster Ruhe erörtern sollen. Wenn zum Beispiel besagter Rechtsanwalt zum Hauptredakteur des betreffenden Blattes gegangen wäre und dort geltend gemacht hätte, daß der General entweder einen freiwilligen Widerruf oder Gelegenheit zur gerichtlichen Prüfung der Wahrheit verlangen müsse, so wäre vielleicht eine schnelle, friedliche Erledigung möglich gewesen. General Kirchhoff folgte aber leider dem sogenannten militärischen Ehrbegriff, wonach eine Gewaltthat die Stelle des Unschuldbeweises ersetzen kann. Er kauft sich einen Revolver und Munition, rückt bewaffnet dem verantwortlichen Redakteur auf den Leib, verlangt die schriftliche Erklärung, daß er(der Redakteur) ein gemeiner Lügner sei, und schießt auf den sich Weigernden. Das war nicht bloß unerlaubt, sondern auch unzweckmäßig. Das erzwungene Schriftstück vom gemeinen Lügner hätte nicht als Beweis für die Unschuld der Angegriffenen gelten können. Der Schuß selbst hätte ferner nur Sinn als Straf= oder Racheakt; als solchen will ihn aber auch der Kriegsminister wohl nicht rechtfertigen. Als Mittel der Notwehr, die an und für sich ja gesetzlich zulässig ist, hat er keinen Sinn: denn er vermag den Angriff auf die Ehre nicht zu entkräften. Die Wirkung des Schusses ist vielmehr, daß die Verdächtigung nun erst recht zur Kenntnis der weitesten Kreise gelangt. Thatsächlich hat der unglückliche Vater nicht für die Ehre der Tochter, sondern höchstens für seine eigene Reputation in seinen gesellschaftlichen Kreisen etwas gethan. In der darauffolgenden Sitzung des Reichstages, am Montag, gab der Kriegsminister seinen Auslassungen vom Samstag eine abschwächende Deutung. Er habe für mildernde Umstände plaidiert und nicht im juristischen Sinne von dem Recht, einen andern niederzuschlagen, gesprochen; es sei ihm nicht eingefallen, zu sagen, daß General Kirchhoff zu seiner That ein gutes Recht gehabt habe; er müsse gegen die Verdrehung und Ausbeutung in der Presse protestieren. Die Presse hat an ihren eigenen Fehlern genug zu tragen; sie braucht sich nicht zum Sündenbock für andere machen zu lassen. Der Kriegsminister hat am Samstag zweimal vom„Recht" gesprochen, allerdings im Zusammenhang mit„mildernden Umständen". Wir haben die Stellen oben angeführt. Man mußte sie so verstehen, daß der Redner die sittliche Berechtigung eines solchen Gewaltaktes, wie ihn General Kirchhoff verübt, anerkenne; so haben nicht bloß die Zeitungen, sondern auch der Abg. Dr. Lieber, der als Centrumsredner protestierte, und der Abg. Lenzmann den Kriegsminister verstanden. Wenn das nun ein„Mißverständnis" sein soll, so freut uns diese Aenderung des Thatbestandes. Unsere Freude würde aber noch größer sein, wenn der Kriegsminister in seiner Richtigstellung nicht bloß von dem„juristischen Sinne" gesprochen, sondern klipp und klar auch die sittliche Berechtigung zu einer Selbsthülfe dieser Art vern int hätte. Und unsere Freude wäre vollkommener, wenn er auch die Zulässigkeit des Duells ohne Vorbehalt bestreiten wollte. Abg. Dr. Lieber nahm im Auftrage der Fraktion die richtige Stellung in der Angelegenheit ein, indem er die Verleumdung auf das Schärfste brandmarkte und dem General die denkbar größten Milderungsumstände zubilligte, aber andererseits grundsätzlich feststellte: Ein solches Recht der Selbsthülfe können wir nicht anerkennen, und es darf in der Volksvertretung nicht unwidersprochen bleiben, wenn dieses Recht für einen Offizier gefordert wird; die christliche wie die allgemeine menschliche Moral und das Recht in einem geordneten Rechtsstaate verbieten diese Selbsthülfe. Der Abg. Lenzmann von der freisinnigen Volkspartei stellte sich auf einen andern sittlichen Standpunkt, als er seinen Protest erhob. Er läßt sogar die Möglichkeit zu, die That des Generals als menschlich edel, ja als tugendhaft zu betrachten; aber sie soll doch ein Verbrechen sein — es gebe auch edle Verbrecher— und keine That des Rechts. In Verfolg dieser Anschauung müßte Herr Lenzmann eine Aenderung des Strafrechts beantragen; denn ein Gesetz, das edle und tugendhafte Handlungen mit Verbrecherstrafen bedroht, ist doch widersinnig und schlecht. Wir finden aber im vorliegenden Falle keinen Widerspruch zwischen unserm Strafrecht und den richtigen Begriffen von Ehre und Tugend. Das Recht der Notwehr ist in den §§ 53 und 54 des Strafgesetzbuches recht weit gefaßt; es handelt sich in dem Fall Kirchhoff aber keineswegs um einen Akt der Notwehr. Herr Lenzmann kennzeichnete selbst die That als Racheakt, und wir haben oben schon hervorgehoben, daß sie nur als solche Sinn und Zweckmäßigkeit hat. Ein Racheakt kann begreiflich und entschuldbar sein, aber edel und tugendhaft ist er nie. Damit kommen wir auf den Kern des ganzes Streites. Gerade der falsche Ehrbegriff, der besonders in militärischen Kreisen Geltung hat und die Wurzel des DuellUnwesens bildet, will der Rachethat eine ehrenrettende Kraft zuschreiben. Wenn ich mich mit meinem Beleidiger geschossen habe, so ist meine Ehre wieder hergestellt, einerlei, ob er die Verletzung meiner Ehre widerrufen hat oder nicht. Diese falsche Anschauung hat den General Kirchhoff verleitet, sich einen Revolver und Munition zu kaufen, um mit diesen Waffen die Unschuld seiner Familie zu beweisen. Herr v. Bennigsen bestritt, daß in diesem Falle ein besonderer militärischer Ehrbegriff in Frage käme, und empfahl seinerseits, in solcher Lage den Verleumder mit dem Stock oder mit der Reitpeitsche gehörig zu verhauen. Einen„Holz= oder Peitschen=Komment" könnte man— abgesehen von der Erlaubtheit— nur dann als zweckmaßig gelten lassen, wenn der Verleumdete dadurch eine Gerichtsverhandlung provociert, die ihm einen öffentlichen Entlastungsbeweis ermöglicht. Sonst ist das Prügeln nur ein Racheakt, der keine ehrenrettende Kraft und keine sittliche Berechtigung hat. Diese Verhandlung giebt dem General Kirchhoff die erstrebte Genugthuung, aber nicht etwa durch das Lob, das seinem Auftreten gespendet wird, sondern durch die öffentliche, einwandfreie Feststellung, daß das fragliche Gerücht vollständig auf böswilliger Erfindung beruht. Darin steckt die wirkliche Ehrenrettung. Bedauerlich bleibt es aber immerhin, daß der Irrwahn, solche Gewaltakte seien unter Umständen erlaubt oder gar für einen Ehrenmann geboten, neue Nahrung finden kann. Wie gefährlich die Lehre von der erweiterten Notwehr ist, hat der Abg. Bebel recht klar gemacht, indem er die Nutzanwendung macht zu gunsten der Anarchisten, die in der bestehenden Rechtsordnung ihr Recht nicht finden zu können glauben, und zu gunsten mißhandelter Soldaten, die an der gesetzlichen Sühne verzweifeln. Leider stecken die meisten Konservativen so tief in dem falschen Ehrbegriffe, daß diese christliche Partei sich der unbedingten Verurteilung des Duells von Seiten des Centrums nicht anschloß. Eine Verurteilung im„Prinzip“ mit dem Vorbehalte, praktisch das Verurteilte zu pflegen, genügt weder der Moral noch der Vernunft. Eine gute Wirkung kann an sich der Zwischenfall noch insofern haben, als er die sensations-lüsternen Blätter an die Pflicht mahnt, auf die Ehre der Mitmenschen die gebührende Rücksicht zu nehmen und sich stets gewärtig zu halten, welche schreckliche Folgen jede„pikante Neuigkeit" haben kann. Molkerei Dossen links, Oberkassel bei Düsseldorf. Vindormilah von streng durchgeführter Frockentütterung, p. Ltr. 25 Pfg. (In Flaschen). Zur Ausführung von allen gärtnerischen Arbeiten, als: Neuanlegen und Bepflanzen von Gärten, Beschneiden der Obstbäume und Spaliere, Anlegen von Croquet= und Rasenplätzen hält sich bestens empfohlen 487 Ernst Bernau, Gärtnerei, Rethelstraße 139. Aufträge werden auch Kurfürstenstraße 31 entgegengenommen. Stollwerck's Herz Cacao. Büchsen mit 25 Cacao-Herzen 75 Pfennig. 1 Herz= 3 Pfennig= 1 Tasse. Wohlschmeckendes, gleichmässiges Getränk. 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In höherem Auftrage mache ich darauf aufmerksam, daß der„Entwurf eines Preußischen Wassergesetzes sammt Begründung(Berlag von Paul Parey in Berlin) veröffentlicht worden ist und im Buchhandel zum Preise von 3 Mark bezogen werden kann Düsseldorf den 2. März 1894. Der Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Der Haushaltsetat der Gemeinde Eller pro 1894/95 liegt vom 5. d. M. ab während 14 Tagen im hiesigen Rathause zur Einsicht offen, was hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. Hilden, den 2. März 1894. Der Bürgermeister: Wachtel. Bekanntmachung. Diejenigen Eltern, deren Söhne in diesem Jahre bei der Aushebung konkurrieren und die dieselben reklamieren wollen, werden hierdurch aufgefordert, sich behufs Aufnahme der desfallsigen Reklamationsverhandlung an den nachstehenden Tagen, nachmittags um 3 Uhr, auf dem hiesigen Rathause zu melden. 1. für die früheren Jahrgänge am Montag, den 12. d. M., 2. für Jahrgang 1874 am Dienstag, den 13. d. M. Familienverzeichnis mit den Geburtsdaten der Angehörigen, sowie Steuerzettel sind mitzubringen. ilden, den 3. März 1894. er Bürgermeister: Wachtel. Die Firma Franz de Hesselle in Düsseldorf beabsichtigt auf Ihrem in der Gemeinde Eller, Landbürgermeisterei Hilden, belegenen Grundstücke Flur III Nr. 306 eine Gerberei u Riemenfabrik zu errichten. Dieses Vorhaben wird mit der Aufforderung zur öffentl. Kenntnis gebracht, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen, beginnend mit dem Ablaufe des Tages, an welchem das diese Bekanntmachung enthaltende Blatt der Düsseldorfer Zeitung erscheint, bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen. Nach Ablauf der Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Die Beschreibungen, Zeichnungen und Pläne liegen im Bureau des Gemeindevorstehers Herrn Kullenberg in Eller, während der Vormittagsstunden von 9 bis 12 zur Einsicht offen. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird hiermit Termin auf Samstag den 24. März cr., vormittags 11 Uhr, im hiesigen Rathause mit der Eröffnung anberaumt daß im Falle des Ausbleibens der Unternehmerin oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen wird vorgegangen werden. Hilden, den 28. Februar 1894. Der Polizei=Verwaltung. Der Bürgermeister Wachtel. Empfehle billigst: 973 la. Saat-Wicken, Saat=Buchweizen, Saat=Erbsen und Saat=Hafer. Albert Schüler, 114 Thalstr. Thalstr. 114. Olivenöl-Seifen-Fabrik 5. Robert Dahl. Fergspr. Verkaufsstelle: Bergerstr. 19, empfiehlt ihre chem. gar. reinen Olivenoel-Seifen. Gefl. Aufträge per Post n. Fernspr. werden sofort ausgeführt. 377 Tuch ganzwoll. dopp. breit M. 4,40 „engl. Muster elegant„ 7,50 streng reelle vorzügliche Stoffe, Aachener Tuchlager, Hohestr. 35. Bernhard Schmitz 1, GerichtsTaxator und Auktionator, Wehrhahn 5. Empfehle dem verehrl. 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