des Nieder- und Mittel-Rheins. Aachen, Dienstag den 19. December 1815. N.° 158. Bekanntmachung, wegen Anordnung eines Salz-Zoll-Amtes zu Kecken, im Kreise Cleve. * In der Absicht, den Salzhändlern in dem an Holland gelegenen Theile des Kreises Cleve, die Beziehung ihres Salzbedarfes zu erleichtern, und um durch Aufüicht auf den Nieder-Rhein dem Schleichhandel zu sleuern, welcher zum Nachtheile des Herrschaftlichen, so wie des Interesses derjenigen Salzhändler getrieben wird, welche sich der Entrichtung der Staatsabgaben nicht entziehen, wird hierdurch festgefetzt; Art. I. Es foll zu Kecken am Rhein, ein Zoll-Bureau zur Erhebung des Salz-Zolles nach dem Beschlusse vom 21. November 1314 und jenem vom 27. October 1815 eröffnet werden. Art. II. Der Herr Bürgermeister v. Straten zu Kecken, ist zum Salz-Zoll-Erheber daselbst ernannt. Art. III. Die Eröffnung dieses Bureaus wird unmittelbar Statt haben und soll gegenwärtige Bekanntmachung in das Journal vom Nieder- und Mittel-Rhein eingerückt werden. Aachen, den 18. December 1815. Der geheime Staatsrath und Ober-Präsident der königl. preussischen Provinzen am Rhein, Tagesgeschichte. Wien, vom 8. December. Nun wächst die Hoffnung beim hiesigen Publikum, dass unsere Finanzen ehestens fo grofse als wohlthätige Veränderungen erfahren werden. Der nunmehr mit Frankreich abgeschlosfene Friede läfst die nöthige Ruhe und Musse dazu erwarten, und die Zahlungen, welche Frankreich an Oestreich zu leisten hat, vermehren die Mittel dazu. Frankfurt, vom 14. December. Man erwartet heute Sr. Durchl. den Feldmarschall Fürsten Blücher. — Die Durchmärsche des 4ten preuss. Armeekorps, deffen Oberbefehlshaber, Hr. Graf v. Bülow-Dennewitz gestern von hier abgereift ist, werden ehester Tage beendigt feyn. — Nach so eben eingetroffener Nachricht haben die k. k. östreichischen Truppen am 12ten Décember die Stadt und Festung Landau in Besitz genommen. Landau, vom 12. December. Am 9. diefes nahmen die in Bellheim, Ottersheim, Knittelsheim und der Gegend liegenden östreichischen Truppen im Namen ihres Monarchen yon gedachten Ortschaften und Gegend mit den Feierlichkeiten, welche der kurze Zeitraum gestattete, Besitz. Die französischen Douaniers erhielten am nemlichen Abend noch Befehl, fich auf die nunmehrige Grenze zurückzuziehen, welches fie auch thaten, nachdem sie vorher von den ehemaligen Mairs, jetzigen Bürgermeistern, ihre Register hatten schliessen lassen. Heute nahmen auch östreichische Truppen von der hiesigen Stadt und Festung feierlich Besitz. London, vom 10. December, Es ist ein Schiff von St.-Helena angekommen, welches den Bericht überbringt, dass Napoleon am 18. Octob. dort ausgeschifft worden ist. Er bewohnt einstweilen das Landhaus eines Edelmanns, bis feine Wohnung auf dem Berge Longewood eingerichtet ist. Er schien ziemlich heiterer Stimmung; feine Begleiter aber waren von der langen Fahrt fehr ermüdet und es schien ihnen nicht auf der Insel zu behagen. Mad. Bertrand foll bereits nach Europa zurück wollen. Paris, vom 9. Dezember. Gestern Morgen um halb fechs Uhr ist die sterbliche Hülle des Marschalls Ney nach dem Kirchhofe MontLouis in einem schwarzbehängten Leichenwagen gebracht, und daselbst zur Erde bestattet worden. Sie lag in einem bleiernen Sarg, der mit einem Kasten von Eichenholz überzogen war. Vom 10. Der Prozefs des General Debelle hat vor dem 2, Kriegsrathe zu Paris angefangen. — Das am 6. d. von der Kammer der Pairs erlafsene Todesurtheil gegen M. Ney, ist schon an den Strafsenecken von Paris angeschlagen worden. — Die Marschallin Ney erichien am 7. um 10 Uhr Morgens im Tuillerien-Pallast, um vom Könige noch Gnade für ihren Gemahl zu erflehen. Hier erst erfuhr sie vom Herzog v. Düras, dass Ney nicht mehr am Leben sey. Vom 13. Seit den 5. Decbr. verlassen die engl. und hannöv. Truppen die Gegend von Paris. Man fagt, am 20. werde das Hauptquartier des Herzogs v. Wellington von Paris nach Cambrai abgehen. Um diefe Zeit werden alle engl. Truppen Paris und desfen Nähe geräumt haben. Der Herzog selbst wird sich, wie es heifst, auf einige Zeit nach England begeben. — Se. Maj. der König der Niederlande hat den General-Staaten v. Holland die bevorflehende Vermählung S. k. H. des Kronprinzen mit der Grosfürstin Anna Paulowna v. Russland offiziel angezeigt. — Am 12. Decbr. hatten mehrere Deputirte von Philippeville im Haag eine Audienz bei Se. Maj. dem König der Niederlande, in welcher sie ihre Ergebenheit für Se. Maj., als ihren künftigen Monarchen, bezeugten. Man fagt, dass bereits ein Bataillon belgischer Truppen benannt sey, das Philippeville befetzen soll. — In den nächsten Tagen wird Valenciennes, Conde und Bouchain den Engländern übergeben werden. Die vom Herzog v. Wellington ernannte Commissain befinden sich bereits in diesen Plätzen.— Durch Brüssel sind am 15. und 16. Decbr. braunschweigische 9 (11 und hanseatische Truppen marschirt, welche, aus Frankreich kommend, nach ihrer Heimath ziehen. — Se. Maj. der Kaiser Alexander ist am 3. Decb. von Warschau nach St. Petersburg abgereiset. — Ausser dem Parifer Friedens-Traktat vom 20. Novemb. d. J. ist auch noch an dem nemlichen Tage eine, die Schweiz betreffende Declaration von den Ministern der verbündeten Mächte unterzeichnet worden, durch welche die Unverlezlichkeit des schweiterischen Gebietes und beständige Neutralität der Schweiz bestimmt worden ist. — Das hannöversche Armee-Corps ist gröstentheils im Begriff, aus Frankreich nach der Heimath zu gehen. — Es geht die Sage, Se. Heil. der Pabst werde den Grofsmeistern der militärischen und religiöfen Ordeneine Rüstung und ein Panier verehren, und sie zu einem Kreuzzuge gegen die Raubstaaten vermögen, um Christensklaven zu befreien. Die ganze Macht der Verbündeten wird aus 45,000 Mann bestehen. Aachen. 18. December. Schreiben aus Russland. Hier in Nieschnoi-Nowogorod(den 25. Oct.) denke ich Ihrer und bringe mich in Ihr Andenken zurück. Ich bin hier auf meiner Reise nach dem Ort meiner Bestimmung Slatoust, im Gouvernement Orenburg, durch das Wetter und den Eisgang aufgehalten. Diese grosse und zum Theil fehr alte Stadt liegt am Zusammenfluss der grossen Occa in die Wolga. Jene ist ein Strom wie die Elbe unter Magdeburg, diese schon vor ihrer Verbindung so gross wie der Rhein bei Emmerich. N. Nowogorod(Nieder-N. zum Unterschied von der alten republikanischen Stadt, Gros-Nowogorod) ist das Vaterland der beiden Befreier Rufslands vom Joche der Polen, Bürger Milin und des Edelmanns Pogarkin, denen der rufsische Adel jetit zum Andenken an ihre patriotische That, durch die Hand des grossen Künsilers Martos zu Petersburg, des rufsischen Canova, ein Monument errichten läfst, das beide Helden in koloffaler Gröfse interefsant gruppirt darstellt. Vielleicht haben Sie schon in Deutschland einen Kupferstich davon gesehen. Es wird noch in diesem Jahre zu Petersburg in Kupfer gegossen und zwar in einem einzigen Guss; dort foll es auch aufgestellt werden. Ich fah die alte Moskova, wie sie aus ihren Schutthaufen und Brandfeldern wieder aufsteht, schö1) ner wie sie geweſen ift, aber wol in langer Zeit nicht wieder fo grofs. Es ist schon unbegreiflich viel in diefer kurzen Zeit geschehen, und ihr neuer Gouverneur Tormasso(der General und Admiral) thut viel zu ihrer schönern Wiedergeburt. Es ist ein höchst fonderbarer in der neuern Zeit wol nie gefebener Anblick, diese ungeheure Fläche voll Ruinen, neuen steinernen und hölzernen Pallästen, gröfsern und kleinern Häufern, Kirchen, Brandstädten und wüsten Feldern, umlagert von Ziegelbrennereien und Kalkbrennereien und drinnen ein wimmelndes Leben von Bauleuten, fo dass man sich an den grossen Bau zu Babel erinnert, nur dass etwas Vernünfligeres herauskommen wird. Alle zugehende Strafsen sind mit langen Zügen von Wagen bedeckt, die Materialien heranführen. Der Kremel, schon vorher eine Zierde des Orts, ist es jetzt noch mehr, da er mit schönen Gebäuden wieder aufgebaut ist, und die alten Mauern ganz weiss übertüncht find. Die eroberten Kanonen liegen in langen Reihen hintereinander vor dem Senats-Gebäude auf freiem grofsen Platz; zwischen ihnen stehen an Pfählen Inschriften, welche zeigen, welcher Nation sie augehörten, Franzosen, Oestreicher, Preussen, Italiener, Engländer, Deutsche, Spanier, Schweden, Polen, und bis auf drei, alle von Metall. Sie find zu einem Monument bestimmt, zu dem schon mehrere Programme eingegeben find. Man fagt, es solle auf einem freien Platz zwischen dem Kremel und dem wieder neu aber weit schöner als vorher aufgebauten Basur(Kaufhoff) eine Kirche zu stehen kommen, um welche sie hergelagert werden follten.— Anzeigen. In den königl. preufs. ftchenden Militair-Lazarethen am Niederrhein, in Belgien und zwischen der Weler und dem Rhein, war der Bestand an Kranken und Bleffirten ult. October d. J. 4465 Mann. Im Laufe des Monats November find hinzugekommen, von der Armee 1971, aus andern nicht zur Infpection gehörenden Lazarethen 141. Abgang war: 1469 gesund zur Armee, 59 gestorben, 7 vermisst, und 627 als halb und ganz invalide, fo dafs ult. Nov. 4415 Mann in fämmtlichen Lazarethen des bisherigen Inspections-Bezirks im Bestande bleiben. Seit dem 1. Dec. ift das Lazareth zu Luxemburg unter der Direction des Staabs-Chirurgus Dr. Durand mit 1336 Kranken und Bleffirten der Inspection mit untergeben, und beläuft sich folglich die Gesammtzahl in dem nunmehrigen Inspections-Bezirk, ( auf 5751 Kranke und Blefsirte. Dies wird der bestchenden Vorschrift gemäss hierdurch öffentlich bekannt gemacht. Köln, den 8. December 1815. Für die Inspection der königl. preufs. ftehenden Militair-Lazarethe am Niederrhein, in Belgien, und zwischen der Weser und dem Rhein. Der Divisions-Generai-Chirurgus, PETERSSOHN. Auf Verfügung des königlich preufsischen Obristlieutenant und Festungs-Kommandanten Herrn von Boyen, wird die bei Jülich in den Feltungs Werken gelegene Mahlmühle, Montag den erften Januar 1816, Morgens 11 Uhr, auf dem CemeindeHaus zu Jülich, zur Verpachtung ausgestellt werden. Die Bedingungen find auf dem Genie-Büreau des Platz Hauptmann, Herrn von Wentzel, einzufehen. Jülich, den 13. December 1815. Der königl. preujs. Rentmeister, WALDHAUSEN. Jemand, der feinen eignen Wagen hat, und in diesen Tagen über Cöln, Coblenz, Cassel nach Berlin reiset, wünscht einen anftändigen Reisegefellschafter. Das Nähere hierüber in N.° 545 auf der grofsen Marschier-Strafse. Zur grofsen königl. preufs. Klafsen-Lotterie, in welcher folgende grofse Preise gewonnen werden, nemlich: Ein Haupt-Gewinn von 50,000 Berliner Thaler in Gold, oder 10,000 Fried.-d'or, 2 von 20,000, 3 von 10,000, 4 von 5000, 10 von 2000. 50 von 1000; zwei Prämien von 4000 und 6060, alles in Gold, nebft mehreren anfehnlichen Gewinnen, ohne diejenigen, welche in den vorhergehenden 4 Klafsen heraus kommen, find ganze, halbe und viertel Original-Loofe, deren Ziehung der 1ten Klasse auf den 20. Jänner 18 16 festgefetzt ift, bei mir zu haben; ein ganzes Loos durch alle 5 Klaffen koftet 25 Berliner Thaler in Gold. Durch die pünktlichfte Bedienung werde ich mich bei Jedermann beftens zu empfehlen wiffen. Ich wünsche, dafs Spielluftige derselben bis Ende dieses Monats sich melden. Königl. preuss. Lotterie-Einnehmer, M. J. LEVY, in grofs Kölnstrafse, Lit. A, N.° 308. Oeffentlicher Verkauf. Freitag, den 22. diefes Monats December, Vormittags 9 Uhr, werden durch den unterzeichneten, in Aachen residirenden, Nolar, auf dem Stadthaufe zu Aachen, in Beiseyn des Ober-Bürgermeisters Herrn von Guaita oder feines Delegirten, nachstehende, der Stadt Aachen durch Herrn Philipp Contzen 1122) in Eigenthum überkragene, Güter zum öffentlichen Verkauf ausgestellt, und dem Letzt- und Meistbiethenden unter den vor der Verfteigerung bekannt zu machenden und bei dem befagten Notar bis dahin einzusehenden, Bedingungen zugeschlagen werden; als: Ein zu Aachen in Wirigsbungart-Strefs neben Wilh. Lummerich und der Gasse Reihe genannt gelegenes, mit Nro. 1253, Lit. A bezeichnetes Haus, mit einem Hintergebäude, Garten und Hos. Grund- Güter. Aachen, den 4. December 1815. ScHUMes, Notar.