(N. 125).) JOURNAL Nieder- und Mittel-Rheins. Aachen, Donnerstag, den 19. October 1815. In N.° 124 des Journals vom Nieder- und Mittel-Rhein ist bereits von Seiten des königlichen Ober-Präsidio eine Belobung der bei den Lazarethen thätig gewesenen Herren Aerzte zur öffentlichen Kenntniss gebracht. Von Seiten des königl. Géneral-Commandos stimme ich nicht nur jener Anerkennung wahrer Verdienstlichkeit vollkommen ber; finde mich aber nicht weniger bewogen, nachträglich ehrenvoll zu erwähnen, dals der Drang jener- Zeiten, bei den damals mangelhaften Anstalten, nachtheiliger empfunden worden seyn würde; wenn die Umsicht und Thätigkeit des königl. General-Major Herrn v. Rödlich: der rastlose Eifer des hiesigen Lazareth-Commandanten Hauptmann Linpold: die Bemühungen des achtbaren Commité's zur Annahme von Beiträgen etc.; die Theilnahme des löblichen Frauen-Vereins und im Befondern die feltene Mildthätigkeit und perfönliche Hülfleistungen der achtnngswerthen Familie Wassenberg hieselbst, weniger kräftig eingewirkt hätten. Aachen, den 19ten October 1815. Der kommandirende General in den Königl. Preuss. Provinzen am Rhein, v. DUBSCHG N.° 133. Bekanntmachung. Zufolge einer Aufforderung Sr. Durchlaucht des Herrn Feld-Marschalls Fürsten Blücher von Wahlstadt find in den Monaten Junius und Julius d. J. an den Herrn General-Chirurgus Dr. Büttner, und die von ihm ernannte Commission für das Militair-Lazareth zu Düffeldorf die in der nachstehenden Liste, deren Bekanntmachung der Herr General-Chirurgus gewünscht hat, verzeichneten Beiträge eingegangen und auf die daneben stehende Art verwendet worden. Die edlen Frauen-Vereine, welche die Sammlungen und Einsendungen geleitet haben, vernehmen wohl in ihrem Herzen den Dank der Gelabten; das gesammte Volk aber muss sich freuen über diesen Wohlthätigkeitstrieb, der sich auch hier kund gegeben. Von allen Seiten her werden immer neue edle Züge und Beiträge zu den hier gegründeten bedeutenden Fonds bekannt; fie alle zu (1026) sammeln ist unmöglich; aber sie sind am rechten Orte wohl angeschrieben, im Himmel und in den Herzen der Empfänger. Aachen, den 16. October 1815, Derageheime Staatsrath und Ober-Präsidentde, königl ichen Provinzen am Rhein »SACK. Nachweisung der baaren Geldsummen, welche zur Unterstützung und besseren Pflege kranker und verwundeter vaterländischer Krieger dem Divisions-General-Chirurgus Büttner und der von ihm ernannten Commission zur Empfangnahme der Geschenke der Frauenvereine, nach Düsseldorff geschickt sind. Namen der Geber Preuss. Cour. Rthl. gr. pf. Frauenverein zu Emmerich.. 212 23, —— zu Everswinkel..... 11 16, — zu Unna. 41 16„ —— zu Soest... 166 16„ —— zu Runderotn.... 33 2 4 —— zu Dinslacken.... 166 16„ —— zu Kalkuhl im Canton Gummersbach. 66 16„ —— zu Hoexter.. 51 5„ ——zu Bingum und Holgast in Ostfriesland. 49 —— zu Gummersbach... 44 —— zu Rosbach und der Gemeinde Düttenfeldt.. Gemeinde Ganzer bei Neu-Ruppin, durch den Landes-Director Hrn. v. Jurgass. Gemeindé Huckerswagen bei Elberfeld, durch die Frau Carolina v. Carnap.. Frauenverein zu Wittmund Loge zu agen. Frauenverein zu Niehein »» 29 4„ —— zu Lippspringe. —— zu Düssel. —— zu Dinslacken —— zu Leer —— zu Ifselburg. —— zu Hoexter. Stadt Minden. Stadt Minden. Bezirk Dützen Stadt Lübeck Bauerschaft Nettelstädt, 3A 6 4 51 10„ 71 9 4 110„„ 16 47 7„ 2 6„ 24' 14„ 208 8„ 110„„ 16 38 457 135 16 171 22„ 17 vn Davon hat erhalten Das fliegende Feld-Lazareth N.° 14... Dafselbe. Dafselbe.. Daffelbe Daffelbe Das fliegende Feld-Lazareth N.° 15... Das fliegende Feld-Lazareth N.° 14... Dasselbe. Dafselbe.. Dalselbe Dasselbe Dasselbe. Daflelbe Der Ober-Staabs-Chirurgus Mertens für das Militair-Lazareth zu Düffeldorff.. Preufs. Cour. Rthlr. gr. pf. 212 29„ 11 16„ 41 16„ 166 16, 33 2 4 166 16„ 66 16„ 51 5 49„„ 44 4„ 34 6 4 51 10„ 71 9 4 110.. »» 29 2„ 1„ Namen der Geber. Gemeinde Oldendorff. Gemeinde Holzhaufen. Canton Windheim Canton Windheim Edinghausen Dützen Wehdem. Canton Windheim.. 4 Minden. Eingenommen Ausgegeben Bleibt Bestand (1027) Preuss. Cour. Rthlr. gr. pf. 59 21„ 18 4 2 „ 9 10„„ 12 23„ 10 21 6 32 17„ 27 76 81 10„ 2844 8 8 2535 2 4 509 6 4 Davon hat erhalten 1 Preuss. Rihlr. Das Lazareth zu Aachen. 100 Das Lazareth zu Löwen. 20 Das Lazareth zu Jülich. 35 Das Lazareth zu Köln. Das Lazareth zu Köln. Das Lazareth zu Düffeldorff.. 5 Cour. gr. pf. »7 »» 22 1 4 2993 2 4 J. BüTTNER. Tagesgeschichte. Berlin, vom 7. October. Im Pariser Museum wird jetzt fleifsig eingepackt. Engländer und Preufsen slehen mit geladenen Gewehren und Kanonen Wache und schützen unsere Gerechtsame. Auch einige Kirchen hat man schon von ihren ungebührlichen Schätzen gereinigt. Bis dahin hatte man die Nichtswürdigkeit getrieben, dass man so heilige Orte mit dem geraubten Eigenthum befleckte, und wahrscheinlich glaubte, wir würden uns durch den Ort abschrecken lassen. Frankf. O. P. A. Zeit. Wien, 8. October. Ein Schreiben aus Gallasch versichert, dass die Türken alle Punkte an der untern Donau befestigen, und sich mit vieler Lebhaftigkeit rüsten. Da Oestreich feine Referve-Armee bereits an sich zieht, fo wird sie wol sogleich die Bestimmung erhalten, die ungarische Grenze zu verwahren. Wien, vom 9. October. Der Rückmarsch der östreichischen Armee durch hiesige Gegend nach Ungarn und Mähren dauert fort. Hingegen wird nach eingegangenen Nachrichten das ganze Reservekorps Sr. kaiserl. Hoh. des Erzherzogs Ferdinand nach Böhmen in Standquartiere verlegt, welche Truppen demnach sämmtlich bei Linz die Donau paffiren werden, der Generalstaab, so wie das schreibende Hauptquartier Sr. Durchl. des Fürsten Schwarzenberg kommt nach dem Rückmarsch aus Frankreich hierher. Man glaubt jedoch, dass nach Ankunft aller zurückbeorderten Truppen diefelben auf den Friedensfufs gefetit werden dürften. Nach der von den alliirten Mächten angenommenen Basis soll gleichfalls ein starkes östreichisches Armeekorps in Frankreich zurückbleiben. Der Feldmarschall Bianchi wird als Oberbefehlshaber genannt; unter ihm kommandiren die Generale Radezky, Stutterheim und Neipperg. Aus Livorno ist die Nachricht eingegangen, dass der zu Korfika vigil rende und rekrutirende Murat im Sinne habe, zu Gaeta ans Land zu fteigen, und einen Verfuch machen wolle, sein ehemaliges Reich wieder zu gewinnen., Wirklich hat er bereits zu Neapel und andern Seestädten Emissarien ans Land geſchickt, welche ihm eine Parthei verschaffen sollen. Inzwischen sind seine Plane nur ein Gegenstand des Spottes; bei der jetzigen Gestaltung der Dinge könnte (10 man feine bewaffnete Erscheinung mit einer Handvoll Soldaten nur für eine Wirkung des Wahnfinnes oder des Lebens-Ueberdrusses ansehen.(Er soll fest sitzen.) Basel, vom 10. October. Seit dem 8. d. sind S. M. der Kaifer von Russland, der Kronprinz von Würtemberg, der Fürst v. Schwarzenbeng etc. hier durchgereiset. S. M. der Kaifer von Russland haben den Weg über Ulm nach Norddeutschland genommen. Am 9. Nachmittags sind auch S. M. der Kaiser von Oestreich hier eingetroffen, und bleiben bis Morgen hier. Nächstens werden 65,000 Mann kais. östr. Truppen über Basel, Creuzach etc. zurückmarschiren. Die Festung Hüningen foll nun wirklich, nach eingekommenen Befehlen, gänzlich geschleift werden. Strafsburg, vom 11. October. Das badische Armeekorps, unter den Befehlen des Generals Schäffer, ist insgesammt heute frühe über den Rhein zurückgegangen. Ein Theil der preuisiichen Truppen, die vor Landau waren, ist ebenfalls in Bewegung. Remagen. 15. October. Höchsterfreulich und wohlthuend dem patriotischen Herzen war es, unferen vielgeliebten Monarchen, Se. Maj. den König, in unferm Städtchen während der verflossenen Nacht zu besitzen. Allerhöchftdessen herablassende Güte erfüllte mit Liebe zu Ihm jedes Herz feiner Ihm ergebenen treuen Unterthanen, und eben so höchft angenchm war es uns, Se. Majestät fagen zu hören, dass Sie diese Gegend bald wieder besuchen wollten. Frankfurt, vom 14. October. S. M. der König von Preussen find, nachdem Allerhöchstdieselben in Wissbaden übernachtet hatten, diefen Morgen um 8 Uhr in höchstem Wohlseyn dahier eingetroffen. Ein hochedler Rath hiesiger freien Stadt hatte die nöthigen Vorbereitungen angeordnet, um diesen erhabenen Monarchen, dem Deutschland fo viel zu verdanken ha, auf eine angemessene Art zu empfangen, allein Se. Maj. trafen unter dem Namen eines Grafen von Ruppin hier ein, und geruhten inkognita bleihen zu wollen.— Höchsdieselben 28) haben fich nur eine halbe Stunde aufgehalten, und nach eingenommenem Frühstück Ihre Reise über Fulda fortgesetzt. Hanau, vom 1A. October. So eben, Morgens um 11 Uhr, ist der König von Preufsen hier durchgereist. Warum wusste man nicht vorher feine Ankunft? Wie laut und hoch und herzlich hätte alles Volk diefer Säule Deutschlands entgegen gejubelt; aber das bescheidene Verdienst dieses Königs, dieses Abkömmlings des grossen Friedrichs, wollte unerkannt, und unbedankt durch das Vaterland reisen, das ihn so heiss, so hoch und so innig verehrt. Nach öffentl. Berichten follen von den 700 Mill. Francs Kontribution, welche Frankreich zahlen muss, 45o unter die grofsen Mächte vertheilt werden, England und Preufsen jedes 50 Mill. voraus, 50 Mill. sollen die kleinern Mächte erhalten, und 100 Mill. zum Bau von Festungen an der franz. Gränze verwendet werden. — Mit dem Ende Novembers- follen die Rulsen schon an der schlesischen Grenze feyn. — Vermöge eines Tagsbefchls bei dem preufsischen Heere in Frankreich, foll jetzt eine volle Soldzahlung, vom 1. August an, erfolgen. — Officiellen, in Madrit am 27. September bekannt gemachten Berichten zufolge, ist Porlier in seinem Unternehmen vollends gescheitert. Bei St. Jago liofen feine Leute auseinander und er selbst ward in einem Dorfe schlafend überrascht und verhaftet. — Nach der Hamburger Zeitung haben sich zu Paris die hohen verbündeten Monarchen in dem neuen Vertrage verbindlich gemacht, ihre Heere fogleich wieder nach Frankreich zu fenden, wenn dort neue Unruhen gegen die Bourbons ausbrechen follten. — Die Hamburger Zeitung vom 14. October enthält einen Vertrag zwischen Preufsen und Dännemark d. d. Wien, den 4. Juni 1815, durch welchen Preufsen das ihm zugefallene Herzogthum Lauenburg an Dännemark überläfst, wogegen Dännemark das Herzogthum Schwedisch-Pommern mit Rügen an Preussen abtritt. Paris. 13. October. Der König hat den Marschall Herzog von Reggie ( zum Obergeneral der Pariser Nationalgarde ernannt, an die Stelle des Grafen Dessoles. Zu Montpellier scheint eine bedeutende Gährung zu herrschen. Am 30. September und 1. October erschienen daselbst Proclamationen von den königl. Behörden, welche Maassregeln anordnen, um den Ausbruch zu verhüten. — Was man jetzt befonders im Auge zu haben scheint, sind die Militair-Personen ohne Anstellung; als ein neues Erkennungs-Zeichen unter sich will man bemerkt haben, dass sie, indem sie sich anreden, sich die Hände reichen, und mit den Fingern ein N bilden. — Die Pairskammer beschlofs in ihrer ersten Sitzung am 9. d., dass zweien ihrer Mitglieder, den Herren de la Bourdonnaie und Julius von Polignae, welche ihrer Eidesleislung eine auf die Religion sich beziehende Einschränkung beigefügt hatten, der Zutritt in der Kammer versagt werden müsse, lo lange sie bei diefer Einschränkung beharren, indem sie dadurch eine Vorschrift der Konftitutionsurkunde unerfüllt liessen. — Herr Lainé hat in der Deputirtenkammer, bei der Wahl der fünf Kandidaten, die dem Könige zur Ernennung eines Präsidenten vorgeschlagen werden follen, die Stimmenmehrheit als erster Kandidat erhalten. — Aus einem Privalbriefe, Paris, vom 8ten Oktober. Hier ist es noch gar nicht ruhig, und theils unter sich, theils gegen uns sind die franz. Parteien noch immer in Thatigkeit. Zwei Tage kurz nacheinander war es im Palais-Royal fo, dass alle Buden und Kaffeehäufer verschloffen wurden, und dass ein franz. Officier, man sagt, durch einen Oestreicher, niedergestochen ward. Die letzte Nacht wurde eine unfrer Patrouillen, erst durch Steinwürfe, dann durch franz. Nationalgarde aufgehalten und insultirt, nicht weit vom Greve-Platz. Unfer unvergleichlicher Obrist und Kommandant-v., Pfuel rückte daher diefen Morgen mit einem Bataillon, zwei Kanonen, alles scharf geladen, in jenen Theil der Stadt, liefs alle dortigen männlichen Einwohner zu sich kommen, drohte ihnen, sie alle mitiunehmen, wenn sie ihm die Thäter nicht ausliefern würden. Da war nun die Angst fehr grois: Alles hob die Hände auf, zum Schwören, dass sie. unschuldig waren. Die Kaufleute schlossen ihre 029) Laden, weil sie schon im Geiste eine Plünderung vor sich fahen. Der Obrist aber liefs nicht nach, bis maa ihm einige der Rädelsführer vorgeführt. Er entwaffnete die dort stehende Nationalgarde, und nahm alles, was einigermassen schuldig schien, mit sich.— In diesen Tagen hat nun die Eröffnung der Kammern Statt gehabt. Ausser einigen vive Napoléon! ist alles ruhig abgegangen. Die Aufzüge des Königs waren wahrhaft prachtvoll, in altfranzösischem Styl. An der Möglichkeit aber, dass diefer Mann fich halte, wenn die Alliirten erst ihre Hand von ihm gezogen, daran zweifelt wol jeder mit Recht.— Im Muſeum wird noch immer lustig fort gehaust, und zwar jetzt hauptfächlich für den l'abst, unter dem Sahutz sämmtlicher alliirten Mächte. — Die Ratifikationen der allgemeinen Artikel des Friedens sind, laut Versicherung der englischen Zeitungen, am 6. d. zu Paris unter den Ministern der verschiedenen Mächte ausgewechselt worden. — Der Moniteur theilt einen neuen Beweis von dem Daseyn einer Partei mit, die noch immer in Frankreich geheim ihre Ränke schmiedet. Er zeigt an, man habe sich erfrecht, mit Nachmachung der Unterschrift eines Ministers an mehrere Präfekte zu schreiben, dass fie auf der Stelle nach Paris kommen müfsten; um dort einen Posten zu bekleiden, zu dem sie ernannt seyen. — Dem Vernehmen nach werden alle östreichischen Truppen, die in Folge des Traktats Frankreich verlafsen, am 31. October die Grenzen paffirt haben. — Man fagt wiederholt, es bestehe der Antrag, dass Strassburg eine freie deutsche Reichsstadt werden soll, ungefähr mit dem Gebiete und den Territorialverhältniffen, die es vor dem westphälischen Frieden hatte. Ueber die innern Verhältnisse wird man sich verständigen; nach öffentlichen Blättern foll einstweilen schon festgesettt seyn, dass weder deutsche noch franzölische Truppen darin liegen sollen, sondern fortdauernd in Sold genommene Schweizer. — Charlemont wird jetzt von den Preussen blos blokirt gehälten. — Zu Lille find mehrere verabschiedete franz. Omficiere auf der Zitatelle eingesperrt worden, weil lie sich der königlichen Verordnung zuwieder dort aufhielten und keine gute Gefinnungen zeigten. 1030) Köln, vom 18. October. Gedächtnissfeier des 18. Octobers. Sey gegrüfst, herrlicher unvergesslicher Tag., an welchem Deutschland nach vieljährigen Drangsalen und schmählicher Unterdrückung feine Stirne stolz wieder emporhob; an welchem durch jene denkwürdige Völkerschlacht die Tyrannen und menschenverderbende Willkühr den Todesstofs erlitt, das Phantom der Unbesiegbarkeit eines, nur durch die armfeligen Verhältnisse einer modernden Zeit und durch die Zwietracht der Gegner furchtbar gewordenen, Ufurpators zugleich mit dem ganzen Gebilde feiner unfehlbar geglaubten Ränke-Politik in Dunst zerran, den verdrängten Rechten der Menschheit wieder eine Stätte gesichert, und den verwaiseten Nationen ihre angestammten Regenten zurückgegeben wurden. Ewig denkwürdig wird uns jene Epoche bleiben, wo die Kunde- diefes frohen Ereignifses zu uns herüberdrang, die uns damals noch beherrschenden übermüthigen Fremdlinge zum erstenmale zitterten, ihre Anhänger erbleichten, die Gutgesinnten aber in stillem Triumphe frohlockten, segnend und erwartend die erfreuliche Zukunft, die ihnen in diesem grossen Hergang entgegen dämmerte, und nicht lange nachher wirklich hervorbrach. Bedarf es wol noch einer Aufzählung der zwanzig Jahre lang erduldeten Drangsale und Kränkungen in fremder Diensibarkeit? Sie find noch alle in fühlbarem Andenken: wem haben sie nicht Wunden geschlagen, deren Narben noch täglich schmerzen! Zwar sind jetzt der Bürden noch viele und die Sorgen schwer; aber welchen ächten Deutschen begeistert nicht der Gedanke, ein freier Mann, nicht mehr der bange Sklave eines fremden Volks zu seyn! Wem können die Aufopferungen zu grofs scheinen, wenn er bedeukt, dass die jetzigen drückenden Zeitumstäude, gleichsam nur als Kosten zur vollständigen Genesung, durch die Gewalt des Schickfals geboten sind, jene aber, denen die Lenkung und Eührung der irdischen Gewalt anvertraut ist, nur dahin streben, des Friedens und der Eintracht schönftes Band um alle Völker zu schlingen, die Thränen zu trocknen und das Menschenwohl zu fördern; wenn er vergleicht, wie unter dem ehemaligen, auf Raub und Verderben sinnenden, foldatischen Szepter allein der noch glücklich zu nennen war, den die Schneide des blindlings einhauenden Schwertes durch Zufall nicht verwundete. (Der Beschluss folgt.) — Se. Excellenz der Herr geheime Staatsrath und Oberpräsident der königl. preufs. Provinzen am Rhein werden den Tag aller Deutschen durch Ihre Gegenwart unter uns verherrlichen und der Zurückbringung des Petrus-Bildes an die ihm von Rubens bestimmte Stelle, im Hochaltar der St. Petruskirche, perfönlich beiwohnen. Willkommen bei diefer freudigen Feier der Wiederkehr des Rechts, die den 13. October heiligt, ist gewiss unfern Lefern die Kunde, dass von den aus der hiesigen Stadt-(ehemaligen Jesuiten-) Sammlung nach Paris geschleppten Kunstgegenständen etc. eben 50 grosse Bände mit Kupferstichen una 2 mit Zeichnungen, nebst einigen Kistchen mit Diplomen hier wieder angekommen sind. Auch ist der sogenannte Vogt von Sinzig von Paris hier eingetroffen, um an seine ehemalige Stätte wieder befördert zu werden.(Köln. Zeit.) Aachen, vom 19. October. Der gestrige Tag wurde hier als der Tag der Leipziger Schlacht auf Anordnung der Obrigkeit, theils als religiöse Feier, theils als Volksfest begangen. BöllerSalven und Glocken-Geläut bezeichneten den Vorabend, und am Morgen des Tages den Eintritt der Erinnerungs-Feier. In der protestantischen Kirche war Gottes-Verehrung, und in der Domkirche feierliches Te Deum. Hierauf folgte auf dem Marktplatze die Parade, bei welcher fowohl das Militair als die Bürger-Miliz vor dem kommandirenden General, Herrn General-Major von Dobschütz vorbeimarschirte. Im Saale der alten Redoute verfammelte nun ein Mittagsmahl die hohen Militair- und Civil-Autoritäten, die Herren Officiere und Beamten und die ersten Perfonen der Stadt. Passende Toasts erklangen hier und ein Arndtsches Gedicht, zur Erinnerung an die Leipziger Schlacht, ward vorgelefen. Im Schauspielhause gab man ein Gelegenheits-Stück: Deutschlands Errettung, von einem jungen Dichter, Herrn Blaefing, der sehr viel schöne Anlagen für Dichtkunst bekundet. Den Abend füllte ein Ball im Saale der neuen Redoute; auf dem Lustberge brannte lodernd das Feuer, und Raketen stiegen dort; und nach allen Richtungen sah man auf den Anhöhen der Umgegend die FeuerSäulen deutscher Eintracht und Unabhängigkeit leuchten. Alle Anordnungen für des Tages Feier waren so löblich als zweckmässig. Schade nur, dafs hie und da, durch Mangel an Uebereinstimmung in der Ausfüh rung, nicht Alles nach Wunsch vollendet ward. Möge das künftig geordneter feyn! Möge überhaupt forthin ganz Deutschland Eintracht und Uebereinstimmung befeelen! Möge der deutsche Bund fröhlich gedeihen, und alle Volksstämme—jeder in seiner würdigen Eigenthümlichkeit und unter seinem guten Fürsten— sich fest und unauflöslich an einander schliessen, auf dass erhalten werde, was Eintracht und Kraft bei Leipzig errang. Aachen, vom 10. October. Theater. Gestern Abend genossen wir die Freude, auf unferer Schaubühne den geachteten Künstler Herrn Hanf in Arresto’s Lustspiel: Die Soldaten nach einer Entfernung von mehreren Monaten wieder auftreten zu sehen. Die Versammlung bewies, wie sehr fie ihn schätzt, denn bei feiner ersten Erscheinung widerhallte der Schauplatz von Beifalls-Zeichen und von dem Rufe: Willkommen! das auch wir ihm hiemit fagen. Erinnerung an die Leipziger Schlacht.*) (Am 18. October 1813.) Wo kömmst du her in dem rothen Kleid, Und färbst das Gras auf dem grünen Plan? Ich komme her aus dem Männerstreit, Ich komme roth von der Ehrenbahn: Wir haben die blutige Schlacht geschlagen, Drob müssen die Mütter und Bräute klagen. Da ward ich fo roth. Sag an, Gesell, und verkünde mir, Wie heifst das Land, wo ihr schlugt die Schlacht? Bei Leipzig trauret das Mordrevier, Das manches Auge voll Thränen macht, Da flogen die Kugeln wie Winterflocken, Und Taufenden musste der Athem stocken Bei Leipzig der Stadt. Wie hiessen, die zogen ins Todesfeld? Und liefsen fliegende Banner aus? Die Völker kamen der granzen Welt Und zogen gegen Franzofen aus, Die Russen, die Schweden, die tapfern Preufsen, Und die nach dem Kaifer von Oestreich heifsen, Die zogen all' aus. *) Diefes Lied befmdet sich schon in E. M. Arndts Sammlung; doch erscheint es hier vermehrt. K. St. Wem ward der Sieg in dem harten Streit? Ver griff den Preis mit der Eisenhand? Die Gallier hat Gott wie die Spreu zerstreut, Die Gallier hat Gott verweht wie den Sand, Viel Taufende decken den grünen Rafen, Die übrig geblieben, entflohen wie Hasen, Napoleon mit. Nim Gottes Lohn, habe Dank, Geselll Das war ein Klang, der das Herz erfreut! Das klang wie englische Cymbeln hell, Hab Dank der Mähr von dem blut’gen Streit! Lass Wittwen und Bräute die Todten klagen, Wir singen noch fröhlich in späten Tagen Die Leipziger Schlacht. O Leipzig, freundliche Lindenstadt, Dir ward ein leuchtendes Ehrenmal: Solange rollet der Säkuln Rad, Solange scheinet der Sonnenstrahl, Solange die Strôme zum Meere reifen Wird noch der späteste Enkel preifen Die Leipziger Schlacht. Leipzig, gastlich versammelst du Aus allen Enden der Völker Schaar; Auf! ruf's dem Osten und Westen zu, Dass Gott der Helfer der Freiheit war, Dass Gott der Tyrannen Gewalt zerstoben, Damit fie im Osten und Westen loben Die Leipziger Schlacht. Du zweiter Bote, wo kömmst du her? „Ich zieh herauf aus dem Niederland, Der Korse kam wieder über's Meer, Bedrohend uns mit der Eifenhand. Doch hat ihn die Tapferkeit neu gekettet, Und Deutschland zum zweiten Mal noch gerettte Bei Belle-Alliance.“ So wollen wir preisen ewiglichDen Hohen, der unser Schützer war. Es einet zum Feste Deutschland sich am Tag’, der unfre Freiheit gebar. Im Niederland' ward's dem Korfen verlefen, Dass Tod ihm und Leben uns fey gewesea Die Leipziger Schlacht! Anzeigen. Ankündigung. Montag den 30ten des laufenden Monats October, sollen in dem Hauptftempel Depot zu Aachen, in der St. Adalbert ( 1052) Strafse, Nro. 744, um 10 Uhr Morgens, 223 Riefs 2 Bücher, woron circa 33 Riefs ganz weisses unbrauchbares Stempel-Papier von verschiedenen Dimensionen, und 8 089 Wechfelblätter, gegen baare Zahlung, öffentlich dem Meistbiethenden unter der Bedingung verkauft werden, dass vor der Ablieserung die Stempel-Geprüge auf dem weifsen-Papier auf Koften der Ankäufer cafsirt werden. Aachen, den 15. October 1815. Aus höhern Austrag. Der Renthei-Ober-Aufseher, COSSEN. Die Preufsiſche Monarchie. Die noue Gestaltung der Preufsischen Monarchie, welche sie durch Wiedervereinigung der alten Provinzen, durch die Befitznahme au der Weichfel, an der Wefer, am Rhein etc. im Aeufsern, und durch das neue Verwaltungssyftem und die neuc Provinzeneintheilung im Innern erlangt hat ist so wichtig und von fo allgemeinem Interesse, dafs es wol keiner weitern Veranlassung bedarf, die Ueberficht hievon zur nähern Kenntnifs des Publicums zu bringen. Die unterzeichnete Buchhandlung eilt anzuzeigen, dafs sie den Verlag einer Geographisch-ftatistischen Darstellung der Preussischen Monarchie, herausgegeben von J. D. E. Rumpf. in 4to. übernommen hat, und folche bis Ende Novembers d. J. liefern wird. Sie erlaubt sich für jetzt nur zu bemerken, dass diefes nach den neueften und zuverläfligften Quellen, mit Gründlichkeit und Vorliebe für das Fach ausgearbeitete, Werk fich vorzüglich auszeichnen, und sich den Staatsbeamten und Geschäftsmännern auch dadurch empfehlen wird, dafs darin zugleich das alphabetische Verzeichnifs aller Städte und Flecken, mit Hinsicht auf den neuen Regierungs- und Oberlandesgerichis-Bezirk, worin fie liegen, enthalten ift. Um die Anschaffung dieses, fur jeden preufsischen Unterthan fehr wichtigen und intereffanten Werks so viel als möglich zu erleichtern, wird fowohl bei unterzeichnetem Verleger, als auch bey J. A. Klönne in Wefel, und Sebastian Kaätzer in Aachen bis zum 15ten November 2 Rthlr. Clevisch Pränumeratton angenommen. Der Laden-Preis wird nachher wenigstens 2 Rthlr. 36 Stüber betragen. Berlin, am 19. Juli 1815. FERDINANB DUMLER, Buchhändler. An die Unterthanen der Preussischen Monarchie. Die Kenntnifs der Landesgefetze, nach welchen wir leben und handeln follen, und nach welchen wir gerichtet werden, ift für jeden Staatsbürger ein eben so wichtiger Beruf, als eine ehrenvolle Auszeichnung, ift für Staat und Volk von dem wohlthätigften Einfluffe. Der Gefetzkundige wird in den zahllosen Verhältnissen, die ihn täglich in feinem häuslichen und bürgerlichen Leben berühren, sich selbft und andern mit Verstand und Klugheit zu rathen, sich geger Lift, Betrug und Schaden zu sichern wissen und die Folgen feiner Handlungen im Voraus übersehen. In eben dem Masse, als sich die Landesgefetzkunde unter dem Volke verbreitet, mufs sich auch die Zahl der rechtlichen, treuen, und gehorfamen Bürger aus Ueberzeugung der Pflicht mehren, muss Ordnung, Ruhe und Sicherheit ungestörter herrschen, muss das Gefühl für Sittlichkeit und Tugend mehr veredelt werden; Unwissenheit wird der ftrafenden Gerechtigkeit keine Opfer mehr zuführen, und der Uebertreter der Gefetze werden weniger feyn. Dafs dem Vaterlande eine folche Zukunft vorbereitet werde, mufs der Wunsch eines jeden Staatsbürgers feyn, der den Vorzug und das Glück erkennt, unter einer so weifen und gerechten Gefelzgebung zu leben, als es die Preufsische ist; diesem Wunsche entgegen zu kommen, freut fich der Unterzeichnete, indem er dem Publicum folgende Schrift: der Preussische Secretär, zweiter Theil. Ein Handbuch zur Kenntnifs der preufsischen Gefetze, in Civil-, Criminal-, Polizei- und Finanz Sachen; und in Ansehung des Verhaltens der Partheien in gerichtlichen Angelegenheiten; nebft einer alphabetischen Uebersicht der zu löfenden Stempel, und zehn Tabellen über den Betrag des Erbschafts-, Prozess- und Wechfel-Stempels. Für Geschäftsmänner. Von J. D. F. Rumpf, expedirendem Secretair bei der Abgaben-Direction in Berlin, gr. 8.°— ankündigt und dadurch Jedermann, der auf einige Bildung Anspruch macht, in Stand zu fetzen glaubt, sich felbft zu belehren, was Recht und Unrecht und verboten ift, und was ihm Schaden und Nachtheil bringen kann. Diefes Werk, desfen erfter Theil die Verfassung und Verwaltung des preufsischen Staates enthält, kann jedoch als ein für sich bestehendes Ganze angeseken werden und wird daher auch unter dem befondern Titel: der preussische Gesetzlehrer etc. verkauft. Es ift, fowohl bei Unterzeichnetem, als auch bei den Buchhändlern J. A. Klönne in Wesel und S. Kaatzer in Aachen für den Preis von Rthlr. 2 Stb. 36 zu haben. Berlin, im September 1815. G. HAYN, Buchhändler. Bei Sebaftian Kaatzer in Aachen, Marschier-Strafse Litt. B, Nro. 1149, find ferner, nebft fonftigen neuen Werken, und Taschenbüchern anf das Jahr 1816 folgende Juriftische Schriften angekommen: Preussische Gerichtsordnung, 1ter Theil; Rumpf, Gesetzlehrer; Paalzows, Commentar; Anhang zur Gerichtsordnung; Scheibler; Auszug aus dem preufsischen Landrecht; Von Kamptz, allgemeiner Codex der Gensdarmerie; Lips, Staatswissenschaftslehre. Zwei Fuchs-Wallache, mittler Gröfse, 6—8 Jahr ant, a deux mains zu gebrauchen, ftehen, für den feften Preis von 600 Fr., zum Verkauf. Das Nähere hierüber Holzgraber N.o 764, 4, in der Behausung des Herrn Canonicus v. Fifenne.