(No. 112.) JOURNAL des Nieder- und Mittel-Rheins. Aachen, Dienstag den 19. September 1815. N.° 123. Bekanntmachung. Aus dem leztmonatlichen General-Berichte des Herrn Divisions-General-Chirurgus Dr. Gräfe, über die königl. preufs. stehenden Militair-Lazarethe, ergiebt sich, dass darin vom 1sten bis incl. den letzten August behandelt find: 12488 Kranke, wovon 11813 vom königl. preuſs. Militair, davon find gestorben: 188 entwichen 36 als Invaliden entlaffen. 256 in audere Lazarethe verlegt. 2086 Genesen zum Heere abgegangen...... 3556 Aufserdem find behandelt: Offiziere. 257 davon sind gestorben:..... 5 Invalide in andere Lazarethe abgegangen 4 Genefen 90 noch im Beftand. 157 In den Lazareth-Anstalten der Rhein-Provinzen und Belgiens hat sich durchaus keine Art der in den letzten Kriegen fo verheerend gewordenen epidemischen Krankheit entwickelt. Eben so hat sich die Ruhr noch gar nicht gezeigt, und die von dem Herrn Divisions-General-Chirurgus mit eigner Bemühung gemachten Beobachtungen über die häufigen Augenentzündungen, welche anfänglich gefährlich und drohend zu werden schienen, haben gezeigt, dass diefe Krankheit, wenn sie nur gleich richtig behandelt und nicht durch anhaltenden Transport oder fonstige Vernachlässigung übler gemacht wied, durchaus nichts zu fürchten ist. Wenn unfere Kranken in den belgischen Lazarethen jetzt auch fich recht wohl befinden, und mehrern der dortigen Herrn Aerzte sich recht grosse Verdienste um sie erworben haben, so hat dennoch die allmählige Ausleerung diefer Anstalten ihren Anfang genommen; vorerst hat man die aufser den Lazarethen in dem Königreich der Niederlande zerstreuten Kranken zu fammeln gesucht, und fo werden unfere Landsleute nach und nach wieder der Heimath näher gebracht. Alle diese Resultate haben mir erfreulich und wichtig genug geschienen, um sie dem vaterländischen Tubliko mitzutheilen. ( 944) Von der Pflege und Erquickung ur erer Kranken und von dem schönen Geisie, den unser ganzes Volk dabei gezeigt hat, foll hier nicht die Rede seyn;— es wurde schon öfters davon gesprochen— und ich werde gewiss auch ferner Veranlassung dazu haben. Aachen, den 15. September 1815. Der Geheime Staats-Rath und Ober-Präsident der königl. preussischen Provinzen am Rhein, SACK. Tagesgeschichte. Berlin, 12. September. Der kaiferl. rufsische General und Polizei-Minister von Balascheff ist hier von St.-Petersburg angekommen und nach Paris weiter gegangen. Wien, vom 6. September. 7 Aus den Beschreibungen, welche die letzfen aus dem Türkischen hier angelangten Reifenden von den Anstalten machen, welche die Pforte zur gänzlichen Bezwingung der Serbier trifft, wollen Einige auf noch weitere Absichten des Divans schliessen. Vom 8. Den letzten aus Paris eingegangenen Nachrichten zufolge, ist die Abreise S. M. des Kaifers, welche auf den 10 d. bestimmt war, abermals verschoben worden, woran die Verzögerung der ihrem Abschlusse nahen Unterhandlungen durch verschiedene Hindernisse, und namentlich auch die Unruhen im füdlichen Frankreich, Schuld seyn sollen. Man fügt hinzu, dass nun doch bei den Diplomatikern aller Mächte die Ueberzeugung sich immer mehr verbreite, dass das königl. Haus Bourbon, selbst bei dem besten Willen, schwerlich im Stande feyn werde, eine dauernde Bürgschaft der Ruhe von Frankreich und Europa zu gewähren, insofern nicht einige der wichtigsten Gränzländer und Festungen ganz im Besitie der Alliirten bleiben. Auf diefen Grundlagen wird nun, wie Einige wiffen wollen, nach veränderter Ansicht der Dinge in dem jetzigen Augenblicke unterhandelt. Karlsrune, vom 12. September. Nachrichten aus der Gegend von Strafsburg vom 11. d. zufolge verliessen an diesem Tage sämmtliche Blokadetrappen wieder ihre Lager, und kehrten in ihre vor„her inne gehabten Kantonnirungsquartiere zurück. Längstens bis zum 14. d. glaubte man, dass die freie Kommunikation mit Strafsburg auf allen Seiten hergestellt seyn würde. Vom 13. Heute ist die Strafsburger Post auf direktem Wege über Kehl dabier angekommen. Die in verflossener Woche aufs neue angeordnete engere Blokade von Landau ist, dem Vernehmen nach, wieder aufgehoben. Aschaffenburg, 13. September. Wegen des nahen Durchmarsches der kais. rufsischen Truppen ist die Feier des Landwirthschaftsfestes auf den 28. d. M. verlegt worden. Frankfurt, 13. September. Se. kaiferl. Hoheit der Grofsfürst Konstantin von Russland sind heute hier eingetroffen, und haben das Absteigquartier in dem Gasthaus zum englischen Hof genommen. — Privatbriefe aus Paris enthalten, die verbündeten Mächte würden in Beziehung auf den bevorstehenden Tractat vor ihrer diesmaligen Abreise eine Erklärung unterzeichnen, nach welcher sich dieselben (945) mit der Abtretung von Elfass und Lothringen nicht begnügten, fondern noch mehr verlangten.(?) Auch soll beschloffen worden seyn, die noch nicht befetiten franz. Festungen nunmehr mit Gewalt hinwegzunehmen, und fo lange zu behalten, bis man nichts mehr von Frankreich zu befürchten habe. (Frankf. O. P. A. Zeit.) Vom 14. Se, kaiferl. Hoheit der Groſsfürst Konflantin von Russland, hat noch gestern Abends feine Reise von hier nach Frankreich fortgesetzt. Heute sind Ihre kaiferl. Hoh. die Frau Grossfürstin Katharina von Russland, Grofsherzogin von Oldenburg, hier eingetroffen. Der vorgestern von Berlin hier eingetroffene königl. preussische Staats-Minister und Gefandter am königl. englischen Hofe, Freiherr von Jacobi-Klöst, Excellenz, ist gestern nach Paris abgereist. — Zu Töplitz wurde der Jahrestag der Schlacht bei Culm am 30. Aug. gefeiert, wo Ostermann und Kleist die Franzosen schlugen und ihnen 9000 Gefangene, 83 Kanonen und 105 Pulverwagel nahmen. Preussen feierte schon die Gedächtnifstage von Grosbeeren und der Katzbach, wo der Held Blücher 18,000 Gefangene machte. 105 Kanonen und 250 Pulverwagen eroberte. Ihm bleibt noch der Gedächtnifstag von Dennewitz; und für ganz Deutschland der 18. October feierlich zu begehen übrig, wo der Arm der Verbündeten am schwersten auf unfere Unterdrücker fiel, wo 52,000 Gefangene, 250 Kanonen und 900 Pulverwagen, ohne die Todten, ihr Verlust war.—“ Bereitet eure Altäre, ihr Männer des deutschen Vaterlandes, dass die Flamme des Andenkens und des Dankes am 18. October auf ihnen lodere, und der Franke am Feuer von unfern Bergen auch die Flamme in unsern Herzen erkenne, die für Freiheit und Vaterland in denselben auflodert und nie erlöschen wird.„ Worms, vom 9. September. Unter dem 5. hat die kaiferliche königl. östr. und königl. baierische gemeinschaftliche Landesadministration ein Umschreiben an die verschiedenen Kreisdirectoren erlassen, worin es heifst:„ Der auf den 21. laufenden Monats angekündigte Durchmarsch der kaiferlich-rufsischen Armee macht es nothwendig, dic schleunigsten und kräftigsten Maassregeln zu nehmen, um die Subsiftenz zu fichern. Hieher gehört, dass alle laufende Staatsgefälle mit Ernst und Strenge beigeirieben werden etc. — Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, dass jetzt erst, während Referve-Armeen zurückmarschiren, Belagerungs-Geschütze schleunig herbeigeholt werden, um zu den Festungen mit weissen Fahnen und Napoleon im Herzen den Schlüffel zu finden. Die Franzosen wundern sich, dass wir, mit ihrem Könige im Frieden, feine Festungen belagern, und die Deutschen fragen, ob sie mit deutschem Blut und Geld eingenommen werden follen; um fie jenen zurückzugebén, die sie als die Schlüffel zu Deutschland von jeher anfahen und gebrauchten? Basel, vom 7. September. Briefe aus Paris fagen, dass eine im Vorschlage gewefene Konvention nicht ratifizirt worden ſey. Das nämliche wird auch von hier durchpafsirenden Kabinets-Kurieren verfichert, mit dem Zufatze, dass die Verbündeten Frankreich sobald noch nicht verlassen, und die gute Jahrszeit vollends zur Einnahme der franz. Grenzfeflungen benutzenwerden. — In England hat man berechnet, dass die Franzofen feit 20 Jahren an baaren Contributionen in den Landern, wohin ihre Raubheere vordrangen, eingezogen haben 175 Millionen Pfund Sterling. Rechnet man 1 Pf. Sterl. nur zu 20 Franken, so beträgt dies allein 2500 Millionen Franken. Die Einbulse fämmtlicher Läuder durch Requisitionen, VerpflegungsKosten, Plünderung, Brand u. f. w. kann zum Geringsten auf 40,000 Millionen Franken angeschlagen werden. — Der ehemalige Fonds der Jesuiten in Erfurt, über 100,000 Thlr. in Kapitalien und Grundstücken betragend, der unter der franz. Regierung 1809 aufgehoben worden, und wovon das baare Geld in unbekannte Kassen flo(s, ist auf Befehl Sr. Maj. des Königs von Preufsen wieder hergestellt worden, mit dem Bedeuten, dass die Einkünfte davon zum Besten der katholischen Schulen und ihrer Lehrer angewendet werden sollen. (Köln. Zeit.) Kopenhagen, vom 2. September. So eben verbreitet sich das Gerücht, dass Se. MajeRät der König von Schweden auf dem Schlosse Rosenberg ohne Hoffnung krank darnieder lege. Der Kronprinz befand fich in Norwegen. (Berl. Zeit.) Paris, vom 11. September. Die durch Unterdrücker der Prefsfreiheit verbreitete Sage, als würde der Rheinische Merkur nicht mehr fortgesetzt, ist völlig ungegründet, da diefe Zeitschrift hier stets richtig eingeht und es ohnehin dem liberalen Geiste der preussischen Regierung entgegen seyn würde freie Schrift und Rede zu verbieten. — Die Pariser Zeitungen enthalten eine auf Fouche's Befehl eingerückte Erklärung gegen den Bericht dieses Ministers. Es wird aber nicht in dieser Erklärung gefagt, dass der Bericht nicht wirklich von Fouché sey verfasst worden, fondern nur:“ wenn er sey verfasst worden, so habe er doch nicht öffentlich bekaunt werden follen, und er könne nur von Personen in's Publikum gebracht worden seyn, die ihn zu verfälschen fähig waren.„ — Der König von Frankreich betreibt feit einiger Zeit die Friedensunterhandlung mit den alliirten Mächten in eigener Person. die nächtlichen Geister der Leidenschaften, der Furcht und Eifersucht, kleinlichen Angst und des Neides au ihrem Schlummer zu wecken und in fo wilde Thätig. keit zu fetzen weifs, dafs Frankreich auch nach den gröfsten Niederlagen jene Schnellkraft bebält, den Sieger also von fich zurück zu werfen, als ob er der Ueberwundene sey. Armee-Nachrichten. Heute Morgen um 4 Uhr ist von des Prinzen August von Preussen, königl. Hoheit, die offizielle Benachrichtigung eingegangen, dass in der Nacht vom 14. zum 15. d. M., die unter der Festung Montmedy liegende Stadt Medy-bas, durch unfere Truppen, unter Befehl des General-Lieutenant v. Haake, mit Sturm genommen worden, so wie dass die Festung Longwy den 15. d. M. unter denselben Bedingungen kapitulirt hat, welche den früher eroberten Festungen zugestanden wurden, und diefer wichtige Platz den 18. d. M. des Morgens, als heute, von den preufsischen Truppen besetzt seyn wird. Aachen, den 18. September 1815. Der kommandirende General in den königlich preussijchen Provinzen am Rhein, v. DOBSCHUTZ. Aus einem Privatschreiben aus Paris. vom 14. Sept. Aachen, den 18. September. Die Friedensunterhandlungen nähren sich ihrem Ende; vielleicht ist der Vertrag schon unterzeichnet, ehe Sie dieses Schreiben erhalten. Aber Wie? höre ich fragen. Wenn ich Ihnen fage, beide Theile haben nachgegeben, so können sie das Uebrige errathen. Frankreich tritt einige Gebietstheile ab, und behält mehr, als man erwartete. Uud fo: wird der Friede wol wieder mehr ein Waffenstillsiand im Grossen als ein eigentlicher Friede werden. Man darf indessen diesen Uebelstand den deutschen Herrschern und Staatsmännern nicht zur Last legen, fondern den Verhältnissen, die gebietherisch von uns Entfagung fordern. Preussen hat mit Erhst und Festigkeit gesprochen, aber Russland und England haben leider andere Rücksichten, und wir können keinen neuen Krieg wollen; auf einer andern Seite hätte man fehr gern den Zweck gehabt, aber man erschrack vor den Mitteln. Und das eben ist die Höllenkunst eines F.....», dafs er Die Tigernatur, welche die eine Hälfte des franzöfischen National-Charakters ausmacht, tritt auf eine graufenerregende Weife in den Reactionen hervor, durch welche einige Provi zen des füdlichen Frankreichs— clafsischer Boden der Dragonaden und Revolutions Metzeleien— auf's neue mit Blut und Thränen bedeckt ſind. Vou Anfang Juli bis Mitte Augusts— bis wohin die genaueren Nachrichten reichen— ist namentlich das Gard Departement und feine Hauptstadt Nismes der Schauplatz furchtbarer von einer Parthei gegen die andere verübter Gewaltthätigkeiten gewefen. Ob verjährter Religionshafs, ob politischer Factionsgeist, ob der eine verstärkt durch den andern die graufamen Misshandlungen hervorgebracht, von denen die unglücklichen Protestanten jener Provinz das Opfer geworden, dürfte noch nicht mit Sicherheit zu bestimmen seyn. (BEILAGE.) BEILAGE zu N°. 112. d. J. d. N.( 947) u. M. R., vom 18. Sept. 1815. Gewiss ist es, dassdie Zahlder Ermordeten in die Taufende geht, daîs man mehrere derfelben unter unmenschlichen Marternhingerichtet, ihre Wohnungen geplündert und mit Feuer verheert, lelbst Leichname aus heiliger Erde ausgegraben und in den Koth getreten, und abseiten der Verwaltungs Behörden keineswegs zur Hemmung folcher Unthaten diejenige Energie gezeigt ward, welche b rechtigen könnte, das Geschehene blos auf Reclinung eines fanatischen Pöbels zu schreiben. Erst die Ankunft östreichischer Truppen hat Ordnung und Ruhe einigermaassen wiederhergestellt; doch glimmt noch allenthalben das Feuer unter der Asche; ganze Banden von Empörern, welche im Namen des Köuigs das Gesetz mit Füssen treten und der Menschlichkeit Hohn sprechen, durchstreifen noch an mehreren Orten das Land, und die unglücklichen Schlachtopfer diefer graufamen Reaction des politischen und religiöfen Fanatismus suchen abermals, wie einst gegen die blutigen Decrete des vierzehnten Ludwigs, in Klüften und Wäldern einen Zufluchtsort. Die Minister des Königs von Frankreich lassen sich keine Mühe verdriefsen mit wohlgesetzten Redensarten solche Gräuel zu bekämpfen.“ Es sey entsetzlich,„ fagen fie,“ und erfülle mit Schmerz die „ Seele des Königs, dass es Menschen geben könne, „welche strafen wollten, wo der Köuig verzeihe, oder höchstens das Gefetz zu strafen befugt sey. Wer das Schwerdt der Gerechtigkeit ufurpire, „ sey Majestäts- Verbrecher und Mörder, wäre auch der durch diess Schwerdt Gefallene zehnmal ein „todeswürdiges Ungeheuer gewesen. Auch könne man sich nicht mit dem in gewöhnliche Berech„ nung nicht passenden Bedürfnifs revolutionairer "Crifen entschuldigen: denn die Revolution sey „ geendigt, wa der König herrsche, und eine gänz„liche Zerrüttung aller bürgerlichen Ordnung könne felbst durch die Revolution weder geboten noch „gerechtfertigt seyn. Man wolle übrigens hoffen, „ dass Irrthümer und falsche Ansichten von Recht " und Pflicht mehr als Bosheit und Rache in dem " Geschehenen die Hauptrolle gespielt: und man vertraue zu den Präfecten und übrigen Behörden, dass „" sie an Aufklärungen und Ermahnungen es nicht „fehlen lassen würden, die Verirrten zur Vernunft „ zurückzuführen.„— Diese Betrachtungen, mit dicken Blumenkränzen von Rhetorik umwuuden, sind die gelinden blutstillenden Mittel, mit welchen das Ministerium Ludwigs XVIII., nach den Berichten der Pariser Tagblätter, die Gräuel in der Provence zu bemeistern denkt. Aber es genügt nicht zur Rechtfertigung vor Gott und den Menschen, wenn jemand die Flammen des Brandes, den er mit Schwefel und Salpeter selbst entzündet und genährt, nachher mit eitlen Beschwörungs Formeln vergeblich zu dämpfen sich bestrebt. Trotz allem philantropischen Klingklang solcher ministeriellen Hirtenbriefe, schreit das Blut der gemordeten Protestanten wider die Bourbons und ihre Rathgeber zum Himmel, es mag nun als Ketzer-Blut von fanatischen Katholiken, oder als Bonapartisten-Blut von rachedurstigen Bourbonisten vergoffen seyn. Denn es ist auf keine Weise zu läugnen, dafs die Regierung Ludwigs XVIII., zwischen der ersten und zweiten Restauration, eine dem Zeitgeist durchaus unangemessene, intolerante, die Gewissensfreiheit und die bürgerliche Ruhe aller nicht katholischen Unterthanen ernsthaft bedrohende Tendenz entwickelt, und dadurch es felbst verschuldet hat, wenn eine grosse Zahl der franzölischen Protestanten in dem wiederkehrendem Bonaparte einen Erretter begrüfste. Wie die rückgekehrten Emigranten das Land durchstreiften, und durch Ausstreuungen aller Art die Besitzer der National-Güter unruhig und schwierig machten, so gab es auch in ganz Frankreich ein Gezischel und Geflüster von Priester zu Priester und ein bedeutungsvolles Hinwinken auf kirchliche Restaurationen mancher Art, wodurch das errungene Besitzthum der Gewisfensfreiheit und bürgerlichen Rechtsgleichheit der Protestanten allerdings bedrohet schien. Auf diese Weise wurden die Käufer der National-Güter und die Protestanten in Bonaparte’s Arme gleichfam getrieben: und wenn fie jetzt als Opfer royalistischer Reactionen fallen, so klagen sie mit Recht den Käuig und feine nächsten Umgebungen an, welcher ihre Treue von sich gestossen, indem er mit Verlust ihrer geistigen und leiblichen Güter, wo nicht selbst sie bedroht, doch geduldet hat, dass von Andern sie bedroht wurden. Dieses Sachverhältniss ist fo wahr, dass keineChateaubriandschen Sophismen und Rednerblumen dagegen Stich halten. Wer übrigens könnte dem Deutschen es verargen, wenn er, in dessen Eingeweiden so lange die französische Tigerkralle gewühlt, gleichgültig drein schaute, wie dieselbe Kralle in den eignen Eingeweiden wüthet! wenn in zorniger Erinnerung an die schmachvolle Zeit, wo er selbst, durch Frankreich getrieben, ((948) feine Hand in das Blut des deutschen Bruders tauchen musste, es ihm bass behagte, diesem Walten der Nemesis in Frankreich zuzusehen! Aber darum gerade ist der Deutsche feines Glücks und Ruhmes würdig, weil ihn das Unrechte empört, auch wenn sein Feind es leidet. Anzeigen. 1 Deutsche Siegesfeier der Tonkunft zu Frankenhausen in Türingen am Gedächtnisstage der grossen Völkerschlacht den 10. und 20. October 1815. Zu Frankenhaufen in Thüringen, wo die Tonkunft schon zweimal ihren Verchrern und Freunden Fefte bereitete, fol auch in diefem Jahre ein folches Feft, die vorigen übertreffend, als deutsche Siegesfeier am Gedächtnifstage der Rettungsschlacht, béreitet werden, und Unterzeichneter wagt es, zu diefem Nationalfefte einzuladen. Der Hr. Kapellmeister Spohr hat ein eignes grosses Tongemälde“ das befreite Deutschland„, geschrieben und diesem Feſte gewidmet. Gottfried Webers kraftvolles, dem fiegenden deutschen Volke gewidmetes. Te deum laudamus, wofür der Komponift von S. Maj. dem Könige von Preufsen mit allergnädigstem HandSchreiben nebft goldener Medaille begnadigt worden, wird die Feier des ersten Tages beschliefsen. Das Ganze wird von einem Vereine von 300 Künftlern vorgetragen. Den zweiten Tag, am 20 October, werden mehrere der herrlichften anwesenden Künftler Meisterwerke vortragen, welche von, Deutschlands erften Künftlern zeugen werden, worüber die näheren Bekanntmachungen noch erfolgen sollen. Voe Seiten des hiesigen Magiftrats wird man alle nur möglichen Veranftaltungen zum Empfange und zur Aufnahme der Fremden treffen. Frankenhaufen in Thüringen, den 1. September 1815. G. F. BISCHOF. 1815, Dienttag den 26. September, Morgens um 11 Uhr, wird durch den unterzeichneten Notar Daniels in Aachen, in dem Haufe des Gaftwirthes Herrn Gottfried Hifsel zu Stollberg, zum definitiven Verkauf folgender Güter geschritten werden, nachdem der präparatorische bereits am 12. dieses Mouats Statt gosunden hat, nemlich: 1. Einer Kupfer-Latsch-Mühle zum Ausrecken der MefsingPlatten, genannt die Nothberger Benden-Mühle, gelegen zu Nothberg. 2. Einer Gallmey-Mühle, an der Kuhklau genannt, gelegen zu Stollberg. 3. Einer Mefsing-Drath-Mühle, an der Kuhklau genannt, gelegen zu Stollberg. 4. Einer Wiese, gelegen zu Stollberg am Blau, zwanzig Aren gross, Diese Güter gehören den Kindern und Enkeln des versto. benen Herrn Adolf Peltzer, bei Lebzeiten gewefenen MessingFabrikanten, namentlich: 1. Herrn Heinich Peltzer, Privatmann in Blyswyck bei Rotterdam. 2 Herrn Mathias Peltzer, Handlungs-Diener, wohnhaft zu Dahlbenden in der Eissel. 3. Der Frau Eva Maria Pehzer, ohne Gewerb, wohnhaft in Stollberg, Wittwe des verftorbenen Herrn Maak Schleicher, bei Lebzeiten gewesenen Mefsing Fabrikanten in Stollberg. 4. Den minderjährigen Kindern des verfiorbenen Herrn Theodor Adolf Peltzer, hei Lebzeiten gewesenen MeffingFabrikanten in Stollberg, welche er mit feiner überlebenden Wittwe! der Frau Sibilla Certrud Lynen, ohne Gewerb; wohnhaft in Stollberg, die zugleich derselben Vormünderin ish, gezielt hat, nämlich: a) Adolf: b) Iſaak Mauritz: c) Carla d) Albertine und e) Erneftine Peltzer, welche ihr gefetzliches Domizil bei ihrer Mutter haben und noch ohne Gewerb find. Der Neben-Vormund diefer Minderjährigen ist der oben genannte Herr Mathias Peltzer. F. A. DANIELS. Literarische Anzeige. Bei Heinrich Büfchler, in Elberfeld ift erschienen und in der Bücher-Niederlage von Baumhauer et Cremer, in Aachen, zu haben: Ueber das Heilwesen der deutschen Heere. Ein Beitrag zur Bégründung feiner künftigen befriedigenden Anordnung, und Verfuch aus dem Gebiete der höheren Staals-ArzneyKunde; von Dr. C. H. E. Bischoff. General-Staabs-Arz'e des 5. deutschen Armeekorps, Bargischem Staabs Arzie Ritter elc. etc. Elberfelb. 1815. 620 Seiten in gr. 8 nebst Einleitung, Inhalts-Anzeige und 5 Tabellen. 4 Rhr. 48 Str. Bekanntmachung und öffentlicher Dank. Der Hochverehrliche Frauen-Verein zu Emmerich, hat durch die Präfidentin desselben Frau von Kaifenberg, der unterzeichneten Commission zum Empfang der freiwilligen LazarethBeiträge, dreihundert Rthr. und 40 Stbr. als Geschenk für die kranken und verwundeten Vaterlands-Vertheidiger eingefandt. Wir erfüllen hiermit die angenchme Pflicht, für diesen schönen patriotischen Beit ag im Namen der Verwundeten den verbindlichften Dank abzaftatten, und werden nach dem Wunsche des belagten edlen Frauen-Vereins mit diesen Celdern verfahren. Düsseldorf, den 14. September 1815. Die königl. preujs. Dirigenten und Stuabsärzte des hiesigen Lazareths, Hofrath REYLAND. Prosessor NAEGELE.