(N. 93.) JOURNAL des Nieder- und Mittel-Rheins. Aachen, Samſtag den 5. Auguſt 1815. Tagesgeschichte. Semlin, vom 15. Juli. Die bekanntermassen durch schreckliche Misshandlung der Türken zu den Waffen gezwungenen Serbier haben nach und nach folche Vortheile erkämpft, dass der gröfsere Theil von Serbien nun von den Türken befreit ist, mit Ausnahme der vier Plätze Belgrad, Sabacz, Uschicza und Semendria. Ausser den täglichen Scharmüzeln haben sie bis jezt 4 bedeutende Treffen glücklich bestanden. Das erste geschah bei Csacsak, wo der Csjaja-Pascha, Befehlshaber von Kragoevacz am 20. Mai mit feinen 4000 Türken niedergesäbelt wurde, und die Serbier, durch Waffen und erbeutete Munition kühner gemacht, Waljevo, Kragoevacz und das ganze füdliche Land vom Drinaflufs an bis zu der Kolubara und Ibax befreiten; nachdem sie die hier und da vorgekommenen kleinen Haufen der Türken terstäubt und die kapitulirten Türken zum Bestimmungsort eskortirt hatten. Nach dieser Niederlage strömten die Türken, in der Absicht, das Uebel bei Zeiten anzugreifen, von mehreren Seiten gegen die Raja. So gieng mit Anfang Juni der Ali Pascha Widaits und der Kapitain von Gradacz, im Einverständniss mit den unter Alay-Beg über Palesch aus Belgrad ausrückenden Türken, gegen die Serbier. Diese schlugen die erstern bei Braclincie(unweit Jadar) aufs Haupt, tödteten beide Auführer und bemächtigten sich des gesamten Kriegsvorraths der Türken. Grossbrittannien. Am 21. Juli erhielt man in London zuerst die Nachricht, dass Napoleon in der Gewalt der Engländer fey. Alles überliefs sich dem freudigsten Taumel ob der Kunde, dass der Weltenstürmer, welcher so oft gedroht hatte, als Sieger nach England zu kommen, nun als Besiegter nach England eingebracht werde. Am 24. erhielt die Admiralität Depeschen vom Kapitain Maitland, Befehlshaber des Bellerophon, an deffen Bord sich Napoleon befand, und Abends kündigte der Telegraph an, dass dieses Schiff zu Torbay angekommen fey. Ein Kabinetsrath wurde gehalten, und darauf ein Staatsbothe mit Depeschen abgesandt; indessen verlautete nichts von deren Inhalt. Was also mit Napoleon nun geschehen werde, war am 25., bis zu welchem Tage unsere Nachrichten reichen, in London noch immer ein Räthsel. Einige wollten bemerkt haben, dass man im Tower Anstalten zu feinem Empfang treffe. Andere bezeichneten das Schlofs Dumbarton in Schottland als feine Refidenz. Wieder andere vermutheten, er würde in England gar nicht ausgeschifft, sondern sofort nach der lnsel St. Helena in Afrika gebracht werden. Eine vierte Meinung war, dass er einstweilen, bis ein definitiver Ausspruch über sein Schicksal erfolge, in der Festung Sheerness bewahrt werden folle. Diese Meinung fand den meisten Glauben in London, und besonders wollte man sie durch den Umstand bekräftigen, dass fünf KabinetsMinister sich nach Sheerness begeben hätten, um diesen Platz zu besehen. * (90)) Einstweilen hatte der Kapitain Beschl, zwischen feinem Schiffe und der Külte nicht den mindesten Verkehr zu dulden. Ein engl. Blatt wirft die Frage auf, ob die engl. Regierung, wenn die Verwandten des, auf Napoleons Befehl fo grausam gemordeten, Kapitains Wright für dieses Verbrechen Gerechtigkeit fordern, befugt sey, diefes Gesuch unerfüllt zu lassen? — Viele Leute glauben, dass die Unterhandlung wegen der Uebergabe von Bonaparte schon länger durch Fouché eingeleitet gewefen. — Der Herzog von Orleans will nicht eher aus England nach Paris zurückkehren, als bis die Regierung daselbst fest etablirt ist. — Der amerikanische Commodore Decatur blokirt jetzt, nach dem glänzenden Siege über die Algierer, den Hafen von Algier, und verschafft so mehreren handelnden Nationen von Europa Ruhe und Sicherheit in ihrer Schifffahrt. Frankfurt; vom 91. Juli. Heute find Se. Durchl. der regierende Fürst zu Wied-Neuwied, königl. preuſs. Generallieutenant, hier angekommen. Den besten Beweis ächt deutscher Gesinnung und Bravheit haben die Saarbrücker dadurch gegeben, dass sie bei Annäherung der franz. Streifkorps am 21. d. M. und dem gedrohten Ueberfall die Erlaubniss auswirkten, fich bewaffnen und gemeinschaftlich mit der rufsischen Besatzung die Hauptstrasse nach Paris und die Stadt vertheidigen zu dürfen. Der russische Herr Oberst Baron von Krohne, Kommandant der Stadt. fand keinen Anstand, die guten Gesinnungen und den Eifer der Einwohner zu benutzen, und so wurden, wie durch einen Zauberschlag, unter der Anführung des Herrn Notarius Lauckhard zwei Bataillone, jedes von 300 Mann, gebildet, die zweckmässig organisirt und bewaffnet, unter dem Kommando der Herren Thomas Köhl und Karl Kiefer, die Stadt und die Gegend gegen jeden Ueberfall von Streifkorps zu schützen, den Willen und die Kraft haben. Mögte dies neue Beispiel der Anhänglichkeit der Saarbrücker an ihr deutsches Vaterland berücksichtiget und ihr Wünschen und Streben mit ihren deutschen Brüdern wieder vereinigt zu werden erhört werden. A. Paris. vom 28. Den 24. ist ein preufsisches Korps zu Angers angekommen.— Man versichert, die Division des General Lamarque habe sich vor vier Tagen gegen die königlichen Truppen geschlagen.— Es heifst der MarseIl Macdonald werde das Kommando der Armee der Loire übernehmen. Davoust ist gestern zu Paris angekommen. — Es ist wahrscheinlich, dass die fremden Souveraine noch wenigstens 2 Monate sich zu Paris aufhalten werden, und dass man in dieser Stadt die wichtigen und entseheidenden Entschlüffe nehmen wird, welche die Ruhe Frankreichs sichern und den Frieden von ganz Europa befestigen werden. —Privatnachrichten zufolge hatten sich die Monarchen am 25. versammelt, um über Napoleons Schicksal zu entscheiden. — Der Herzog von Dalberg ist vom König Ludwig XVIII. ernannt, mit den alliirten Mächten für Frankreich den Frieden, unter Talleyrands Leitung, abzuschliessen. Alle Abtretungen französicher älterer Eroberungen und Gewaltbesitznahmen bezahlen Europa und zumal Deutschland feine Verluste nicht, aber sie schützen gegen neue. Die Monarchen bleiben nicht mehr lange in Paris, und lassen nur ihre Minister und Armeen zum Friedensschlufs zurück. — Die Herzoginn von Angouleme ist am 27. Juli in Paris angekommen. „Köln. 3. August. Wir freuen uns, in die frohen Empfindungen, die das heutige Geburtsfest unfres Monarchen unter den Einwohnern diefer Stadt und Provinz erweckt, die gewiſ willkommene Kunde mischen zu können, daſs das herrliche Bild unfres Rubens, den heiligen Petrus am Kreuze vorstellend, wohlbehalten auf hiefigem Stadthause von Paris angekommen ist. Es ward bereits ausgepackt und unversehrt gefundeu.— So verpaart sich mit den Hoffnungen einer glücklichen Zukunft, die den heutigen Tag hier so festlich erhöhen, die Pflicht der Dankbarkeit; und mit der nemlichen begeisterten Anhänglichkeit, wovon diese Stadt im vorigen Jahre bei dem von Preussen gefeierten Feste Zeuge war, bezeichnet sie nun, selbst Preuſsisch, den Ausdruck ihrer Wünsche für Friedrich Wilhelm, 791) — Deutschland wird künftig einen Kaifer, fünf Könige, sieben Grofsherzoge, einen Kurfürsten, vier freie Städte und mehrere Herzoge und Fürsten haben, die zusammen in siebenzehn Stimmen die politischen Intereffen des deutschen Bundes beschalten. Vorbehalten was der neue Friede etwa noch hinzuthut. — Oestreich erhält für die Wiedereroberung der verschiedenen italienischen Lande von Neapel 20 Millionen, von dem Kirchenstaat 6 und von Toskana 4 1/2 Millionen. (Köln Zeit.) Aachen, vom 4. August 1815. Wir haben mehrmals über die politische Characterloligkeit der Franzosen und ihr leichtfüssiges Ueberspringen von Farbe zu Farbe hart und verachtend uns geäussert. Wenn es an Thatfachen fehlte, und an deutschem Geiste in Erwägung dieser Thatsachen, um dergleichen harte Urtheile zu belegen und zu rechtfertigen, so würden wir auf die eignen Geständnisse und Ansichten der Franzosen selbst dreift uns berufen dürfen. Im Feuilleton der Gazette de France vom 24. v. M. findet sich unter der Aufschrift: Miroir des mœurs, ein kleiner Roman voll Anspielungen auf die gegenwärtige Zeit, und in diesem Romane nachstehende Anecdote, welche zwar erdichtet, aber von dem franzölischen Verfasser eben deshalb erdichtet ist, damit feine Landsleute darin als in einem Spiegel sich beschauen. „Ein franzöfischer Schiffscapitain kehrt im Junius „von einer weiten Seereise nach Frankreich zurück. „ Unterweges hat er von nichts gesprochen als von „feiner Vaterlandsliebe, und von den Opfern die er „dem Vaterlande schon gebracht, theils noch zu „bringen fähig fey. Angekommen auf der Rhede von „Bourdaux erfährt er, dass der Bürgerkrieg aber„ mals in Frankreich wüthe: er eilt ans Land, und „frägt vor allen Dinzen nach seinem rückständigen „ Gehalte! im Namen Bonaparte's wird ihm eine Ab„schlagssumme ausgezahlt: mit der dreifarbigen Co„ karde kehrt er an Bord zurück, läfst die dreifar„bige Flagge aufziehn, und brüllt vive l'empereur mit „der Mannschaft bis in die finkende Nacht. Drei „Tage später erschallt die Nachricht von Ludwigs „XVIII. Rückkehr nach Paris: man bezahlt jetzt „dem Capitain die Rückstände seiner Forderung im „Namen des Königs: augenblicklich läfst er die „ dreifarbige Flagge verbrennen, die weisse aufziehn, „und umfanzt den Hauptmast mit feiner Mannschaft „unter schallendem vive le roi-Geschrei. Wer ihn „bezahlt ist sein Kaiser, sein König und fein Vater„land.“ Diefe Anecdote ist erdichtet; sie wurde, als isolirtes Factum, nichts gegen die Nation beweifen, wenn sie wahr wäre; aber dafs ein Franzose sie erdichtet, um ſeinem Volke einen Sittenspiegel aufzuhängen, und dass ganz Frankreich in diesen Sittenspiegel hireinschaut, sich erkennt, und nichts dabei zu erinnern findet,— das ift ein Geständniss, hinter dessen Kraft das härteste Urtheil zurück bleibt, welches, im tugendhaften Unwillen über die gründliche Verderbtheit diefes Volks, einer deutschen Zunge oder einer deutschen Feder entschlüpfen kann. Lustig aber isi's zu sehen, wie in demselben kleinen politischen Roman, neben dieſem Geftändniss der nationalen Schlechtigkeit, die lächerliche National-Eitefkeit paradirt, welche auch heute noch sich nicht überwunden bekennen will. Es wird erzählt von einem jungen Manne, der ira Kaffehauſe Händel bekommt; er wehrt sich wie ein Löwe: aber er ist einer gegen vierzig und— heifst es—„ comme il est écrit, et qui „plus est, prouve, qu’il n’y a ni valeur, ni raison, ni „justice qui ne doive ceder au nombre, force lui fut de „capituler et de mettre bas les armes. Il fut ASSOMME, „mais non pas vaincu.!!“— Die Nutzanwendung bleibt den Marschällen Blücher und Wellington überlassen. Vor der Hand lassen wir's uns gefallen, dass unsere Widersacher, wenn gleich unüberwunden, wenigstens tüchtig geprügelt(ASSOMMES) zu seyn einräumen. Wir wünschen nur, dafs man mit dem Prügeln fortfahren möge, bis zur gehörigen und nothwendigen Lähmung der Unüberwundengeprügelten. Jedoch nach allem, was man jetzt vernimmt, scheinen die Verbündeten diefer wohlthätigen Operation, früher als billig, müde zu werden, woraus denn natürlich die Franzosen nicht nur zu argumentiren nicht unterlassen, dass wir unfrerfeits wieder wie das vorigemal Vernunft annehmen und uns zu fürchten anfangen, fondern auch bereits unverholen die Hoffnung äufsern, dass die Reihe des Prügeln's wol auch an sie einmal wieder kommen könne. Wir hatten gehoft, und läugnen es nicht, so lange noch ein französisches (792) Regiment unter Waffen stehe, und ein französischer Marschall oder General, im Namen Bonaparte's oder Ludwigs XVIII., trotzig auf sein Schwert schlage, würde man das Recht der Bajonette walten lassen, und das Blut unfrer Krieger nicht zu verschwenden glauben, indem man durch einige vielleicht jetzt noch vergossene Tropfen, künftige Ströme desselben abkauſte! Diese Hoffnung, welche wir vor Gott, und Welt und Nachwelt zu verantworten uns getrauen, scheint nicht in Erfüllung zu gehn. Allenthalben hört man von Waffenstillständen und Unterhandlungen, in deren Folge die Unüberwundenen, zwar Geprügelten, aber bei weitem noch nicht Zerprugelten französifchen Heere mit Ehren abziehn, und in dem Frankreich jenseits der Loire, angeblich im Namen Ludwigs XVIII, aber, dem Wesen nach, als die concentrirte Waffenmacht der Revolution, ihre militairische Existenz fortbehaupten sollen. Die verbündeten Truppen werden dagegen durch ganz Frankreich auf dem rechten Loire Ufer in Cantonnirungen gelegt, wobei den Preussen die Gegend zwischen Seine, Loire und dem Ocean gröfstentheils zufällt, und die Uebrigen sich in's Uebrige theilen. Die bürgerliche Verwaltung foll auch auf dem rechten Loire Ufer im Namen Ludwigs XVIII. geschehen, und nur für die Bedürfnisse unferer Truppen durch Militair-Gouverneurs aus unferer Mitte geforgt werden. Ueber das Weitere, wie auch über die zu erlegenden Contributionen wird unterhandelt. Zur Sicherheit der Truppen in ihren Cantonnirungen werden zweckdienliche Maassregeln getroffen: auch scheint es, dass vorläufig die Belagerung und Unterwerfung der Festungen an der Nordostgrenze Frankreiehs ihren Gang gehen soll. So haben es die gewollt die jetzt hinter den Kuliffen zu Paris die Dinge leiten wie sie hinter den Kulissen zu Wien selbige zu leiten gewufst; jener Talleyrand, der es nicht vergeffen, dass er einst wie ein Gott, der Verderben und Segen nach Willkühr spendet, im Kreise der meisten europäischen Diplomatiker gestanden, und jener Fouché, der— wie neulich ein braver Landsmann zu Paris sich kräftig ausgedrückt— mit der einen Hand das blutige Haupt Ludwigs XVI. und mit der andern die französische Krone auf des achtzehnten Ludwigs Haupte hält! So haben fie es eingeleitet, um Zeit zu gewinnen, und ihrer durch Gewalt nicht mehr zu rettenden Sache durch List und Gaukeley wieder aufzuhelfen. Ihr sichtbares Streben ist es, den König mit der Revolutions-Parthei zu verschmelzen, und ihm dadurch eine Confistenz zu geben, welche, der Natur der Sache nach, nur momentan seyn kann, welche, wie sie sehr wohl wissen, die Revolution nicht endigen, und ihre künftige Gefahr für Europa nicht verringern wird, von welcher sie aber hoffen, dass sie uns hinlänglich verblüffen werde, um im künftigen Frieden Frankreichs Integrität abermals zu respectiren, und dadurch die Streitfrage wischen uns und Frankreich, die jetzt entschieden werden könnte. zu einer neuen, blutigen, vielleicht zweifelhaften Entscheidung künftiger Jahre auszusetzen! So klar ist diefer Ideengang vor den Augen des gefunden Menschenverstandes, dass es unbegreiflich seyn würde, wenn es irgend einer Diplomatik gelänge, ihn bis zur Unverständlichkeit künstlich zu verwirren. Der Gott, welcher der Wunder und Zeichen so viel für uns gethan, wird nicht zulassen, dass jetzt ein folches gegen uns geschehe. Darum wollen wir ihn anrufen für und für, und dass, wie unser Feind bei Belle-Alliance unter unserm guten Schwerd gefallen, so er jetzt nur fich selbst fangen und verwickeln möge in den diplomatischen Fussangeln und Schlingen die er wieder uns aufgestellt. Aachen, den 4. August. Die Franzosen wehren sich aus allen Kräften wider die Erstattung der geraubten Kunstschätze. Sie pochen auf die Gerechtigkeit des Besitzes, und auf die Weltbürgerlichkeit der Verwendung. Für das erstere Argument hatten sie keine Ohren, als im Jahre 1806 von unfern Behörden zu Berlin gegen die Einpackung der durch unsere Könige gesammelten, gekauften und bezahlten Kunftschätze protestirt ward. Vœ victis hiess es da— aber freilich streiten sie uns jetzt das Recht ab. væ victis zu fagen, selbst wo es nur auf Wiedernahme des geraubten ankömmt. Und wenn wir uns dadurch irre machen lassen, so werden sie unfrer spotten, und wir haben die Zeche ohne den Wirth gemacht, wenn wir jemals unfre Grofsmuth von einem Volke gepriefen zu fehen erwarten, welches keinen Gott erkennt, als feinen Nutzen. Vergeblich ward im Jahre 1806 Bonaparte an das Beispiel des grossen Friedrichs, den er damals gerade zu copiren und zu parodiren sich bestrebte, durch unfern Herrn geheimen Staats-Rath Sack gemahnt, und ihm vorgestellt, wie jener grofse König, als Sieger zu Dresden, auch nicht eines der dortigen Kunstwerke sich zugeeignet. (793) Man lachte und liefs nur um so ämsiger einpacken, und immer hiess es vœ victis hei denen, welche kein Argument der Grossmuth, der Gerechtigkeit oder der Ehre gegen sich gelten lassen, und sie alle für sich gebrauchen mögten, wenn die Gewalt nicht mehr ausreichen will. Dass sie aber jetzt von einer weltbürgerlichen Nützlichkeit eines Beisammenseyns aller Kunstschätze in Paris zu reden wagen, ist nur ein Beweis der wohlbekannten Virtuosität in der Unverschämtheit mit welcher fie— die Ueberwundenen, oder geständlich wenigstens Geprügelten— ihr Paris auch künftig noch als den Mittelpunkt der ganzen civilifirten Welt betrachten zu dürfen hoffen! Doch Gottlob, wir laffen uns nicht irren, wir scheuen uns nicht zu behaupten, dass jetzt wir die Sieger sind, und uns wenigstens die Erstattung des Unfrigen gebührt. Den vorläufigen Beweis liefer“ der schon hier angekommene erste Transport unfrer wiedergenommenen Kunstsachen, dem in wenigen Tagen ein zweiter und ein dritter folgen wird. Schon umschliessen die ehrwürdigen Mauern von Köln wieder das heilige Vermächtniss des grossen Rubens. Jedem deutschen Biedermanne glauben wir eine Freude zu machen, wenn wir die Urkunde hier abdrucken laffen, welche über den Empfang jenes Schatzes dort aufgenommen ist, und als Denkmal einer der ersten Segnungen preussischer Herrschaft im Archive der Stadt Köln auf die Urenkel vererbt werden wird: „Heute, den 2. August 1815, überreichte der Königl. Preussische Rittmeister, Herr von Masson dem unterzeichneten Königlich Preussischen Kreisdirector ein Schreiben S. E. des Herrn Geheimen Staats-Raths und Ober-Präüdenten der Königl. Rheinischen Provinzen, wodurch derfelbe beauftragt war, das von den Franzosen aus der hiesigen Petruskirche nach Paris entführte und von da aus restituirte, den heiligen Petrus vorstellende, Gemälde von Rubens, hiefiger Stelle zur weitern Verfügung, gegen Quittung, abzuliefern. Nachdem die Verpackung, die das bezeichnete Gemälde enthalten soll, einstweilen in ein gesichertes Lokal des hiesigen Rathhaufes zur vorläufigen Aufbewahrung niedergefetzt worden war, hat besagter Kreisdirector, in Beistand nachbenannter Kunstwerksverständigen, nämlich: 1. des Herrn Profeffor und Canonicus Wallraff als Kunstkenner, dem das fragliche Bild schon lange vor desfen Entführung dahier aufs genauesle bekannt gewesen. 2. des Malers Herrn Franz Michael Katz von hier, welcher noch vor zwei Jahren dieses Kunstwerk im Pariser Museum aufgestellt gelehen und aufmerksam betrachtet. 5. des Herrn Mathias Joseph Denoel, Kunstliebhabers, der desselbe sowohl dahier als in Paris mehrmal in Augenschein genomen und darnach studirt hat. 4. des bei der Wegführung des besagten Gemäldes von hier gegenwärtig gewesenen Malers, Herrn Maximilian Heinrich l'uchs, als sich in Behandlung und Herstellung von Malerei-Gegenständen vors theilhaft auszeichnend. sich auf das hiesige Rathhaus begeben, um zur Eröffnung der oben bezeichneten Verpackung vorzuschreiten. Nach abgelöfster äufsern Umwickelung hat sich ein mit Wachstuch überzogener Verschlag gefunden. Das Wachstuch wurde hierauf gehörig abgestreift und der Verschlag mit aller Sorgfalt geöffnet. Hierauf fand sich auf einer mitten im Verschlage von keiner Seite berührten Walze ein Gemälde aufgewickelt und kreuzweise an verschiedenen Seiten mit schmalem Bande an die Walze befestigt. Nach vollzogener forgfaltiger Abwickelung desselben und dessen Ausbreitung auf dem Boden des Thurmsaales im hiesigen Rathhaufe, erkannten die obenbenannten Kunstwerksverständigen dasselbe schon gleich auf den ersien Blick für das obenbezeichnete Gemälde mit dem Zusatz, dass dasselbe während feiner Entfernung mit frischem Firnifs überzogen und durchaus hinten mit einem Tuche belegt worden sey, wahrſcheinlich zu dem Zwecke, um die ehemalige obere runde Form des Gemaldes in die eines Vierecks zu verwandeln. Uebrigens war dasselbe, der einstimmigen Aufsage aller gegenwärtigen Kunstkenner gemäss, vortrefflich und ohne die geringste Verletzung erhalten. Der unterzeichnete Kreisdirecktor hat darauf das fragliche Bild der hiesigen Local-Behörde in den Personen der Herren Oberbürgermeisterci-Beigeordneten Franz Rudolph von Monschau und P. J. Riegeler, vorbehaltlich näherer Instruction, zur einstweiligen Ausbewahrung übergeben und ist eine Ausfertigung des gegenwärtigen Protokolls, mit Vorbehalt eines von hiesiger Behörde an S. E, des Geheimen Staats-Rathe 794) Ober-Präsidenten Herrn Sack abzustattenden nähern Berichts dem Herrn Rittmeister von Massow, statt Quittung, mitgetheilt worden. So geschehen Köln wie oben. Der Kreisdirector, gez. Franz Gottfried v. MAERCKEN. Gez. F. R. von MONSCHAD, Beigeordneter. P. J. RIEGELER id. Ferd. WALLRAF, Profefsor der schönen Künste. Mr. DENOEL. F. M. KATz. Mahler. Max. Hein. FUCHS, Mahler Für gleichlautende Ausfertigung Der Kreisdirector, gez. v. MAERKEN. Aachen, vom 4. August. Zum ersten Male feierte geitern Aachen, als preussiSche Stadt, das erfreuliche Geburtsfest ihres guten Königs, den 3. August, wie fie in Zukunft es stets begehen wird; durch einfache Feierlichkeiten, die mehr erheben als prunken; durch fromme, wohlthätige und daher Gottgefällige Festlichkeiten, die den Vater des Vaterlandes(dem der Lärm und Glanz folcher Feiertage, die sich oft nur auf den Aufsenschein stützen, nie zugesagt haben) am angenehmsten sind. Kein Glockengeläute liefs am Abend vorher dich hören, denn dieses gehört im preufsischen Staate nur den höchsten Festen an. Frömmigkeit bezeichnete den Anfang der Feier, denn das gesammte Militair unserer Stadt iwohnte dem um 10. Uhr beginnenden Gottesdienste in der Augustiner-Kirche bei, wo der Herr Brigade-Prediger Doctor Mann das gerechte Lob des Königs und die darauf gegründete Ermahnung zur Liebe und Treue für Ihn an die aus allen Ständen zahlreiche Versammlung, in der sich viele unfrer verwundeten Krieger und unfere jungen zum Abmarsche gerüfteten Landwehr-Männer befanden, in einer würdevollen Rede aussprach. Der hien an veſende katholische Brigade-Prediger, Herr Xavier Schleebujon, im Königlichen sechsten Armee Corps sang hierauf im Ritus der Confession eine Collecte, und vollzog darauf die Benediction über die verfammelte Christen-Gemeine. Nach dem Beschlusse des Gottesdienstes fand eine grosse militairische Parade auf dem Marktplatze statt, wobei der kommandirende General, Herr General-Major von Dobschütz, das 1te und 2te Bataillon des 4ten Rheinischen LandwehrRegiments, die in möglichst kurzer Zeit fehr vortheilhaft gebildet und gerüstet werden find, defiliren liessen. Solche Paraden bei Festlichkeiten find, in einer Zeit, in welcher zur Vertheidigung des Vaterlandes und feiner Rechte Krieg die Losung ist, höchftzweckmässig: Wie traurig steht in Kriegeszeiten es um das Land, dessen Söhne unmannhaft und wehrlos mit Zagen der Zukunft entgegen blicken, wo es vielleicht dem Feinde beliebt, sie und ihre Landsleute zu plündern, zu mishandeln und des Landes Mark methodisch auszufaugen! Dagegen wie gross und stolz muss der Mann sich fühlen, der nach überstandener Gefahr sagen darf: Auch ich stand in den Reihen der Tapfern, die Thron und Reich schirmten! Und dass man das wirklich thut, davon zeugen solche kriegerische Aufzüge. Der König rief die Blüthe seiner Völker auf zum Schutte feiner Staaten, seiner Rechte, und streitgerüstet stehn sie auch an den Ufern des deutschen Rheinstromes da, die schönen, kraftvollen Jünglinge! Liebend gedenkt der Königliche Vater feiner Söhne, deren Blut für das Vaterland floss, oder deren Gesundheit den Beschwerden und Anstrengungen des Krieges unterlag, und darum schritt man alsdann zur Erquickung und Bewirthung der Verwundeten und Siechen in unsern gesammten Heil-Anstalten, die bei einem festlichen und reichlichen Mittagsmahl ihren frommen und gerechten König hoch leben liefsen. Sodann gaben der kommandirende Herr General und der Herr Ober-Präsident, Geheime Staatsrath Sack, groſse Tafel, zu welchen die hier eben anwefenden königlichen Herren Generale der Infanterie, Grafen Tauenzien von Wittenberg und Kleist von Nollendorf, der Herr General-Lieutenant von Oppen, mehrere der Herren Generale, Staabs- und andere Offiziere, wie auch die ersten Behörden und angesehensten Perfonen geladen waren, und wo man aus dem Innern bei äusserm Zeichen donnernder Geschütze dem allverehrten väterlichen Könige, Seinem erha (795) benen Haufe und dem Wohl des gesammten Vaterlandes manches feurige Lebehoch riefIm Theater gab man Salomons Urtheil und einen dem Gegenstande augemellenen Prolog. Beides zweckmässig, und nach Vermögen gut durchgeführt. Die unbefohlene schöne Beleuchtung der Stadt schloss sich nun an. Man wird uns gern die Aufzählung der ausgezeichneten Häufer, deren viele ein Feuer-Meer bildeten, und der Lichtgemälde erlassen, und mit der Anzeige sich begnügen, dass der schöne Wille der Anhänglichkeit und Verebrung sich überall sehr glänzend bekundete. Ein Ball in dem trefflichen, und zu diefem Zweche geschmackvoll dekorirten Saale der neuen Redoute, bei welchem die fremden und geachteten einheimischen Personen aller Stände versammelt waren, schlofs des Tages Feier, welcher, wegen ihres Charakters von Herzlichkeit und freudiger Theilnahme, Seine Majestät der König, wären höchstSie zugegen gewesen, Ihren Beifall nicht versagt haben würden. Heute sind die zwei Bataillone der hiesigen Landwehr, 1500 Mann stark, wohlausgerüflet und den besten Sinn zeigend, von hier zu ihrer ferneren ehrenvollen Bestimmung abgegangen. Vom 5. Ein Privatschreiben aus Rambouillet vom 51. Juli sagt:“ Die französische Armee jenfeits der Loire hat sich wirklich dem Könige unterworfen; ein grosser Theil derselben ist davon gelaufen, theils in die Heimath, theils um bei den Freicorps zu dienen und zu rauben. Der Davoust ist noch bei der Armee; die Garden Napoleons find noch immer fo übermüthig wie fonst, mit den Oestreichern fuchen sie auf den Vorposten stets Händel und insultiren sie; uns laſsen sie in Ruhe, weil wir Preufsen keinen Spaaſs mit solchem Gefindel treiben. Zwar helfen jetzt unfere Leute ihren Wirthen bei der Erndte, weil Vater Blücher es befohlen hat, und wir alles mit Vergnügen thun, was er befiehlt, aber Freunde sind wir darum nicht. Uebrigens glaube man ja nicht, dass dies Volk, trotz der angesteckten weissen Kokarden den guten König liebt. Ueberall ist die Stimmung gegen ihn; er ist ihnen angeblich nicht kräftig genug. Die Wahrheit ist, dass sie einen Eroberer wie Bonaparte wollen, der ihnen Gelegenheit zum Plündern gibt. Es müssen Wunder geschehen, wenn diefer Ludwig fest auf dem Throne fitzen foll. Für uns find die Monarchen zu früh nach Paris gekommen; sie suchen alles mit möglichster Milde und Schonung abzuthun; so viel Ehre dies ihren Herzen macht, fo wenig scheint die Nation es zu verdienen. Auf Kaifer Alexanders Güte bauen die Franzosen ungemein; doch ist es erwiesen, dass dieser Monarch sich diesmal strenger verhält, als das vorigemal. Darüber ist nur eine Stimme, dass Bonaparte sich den Engländern eingeliefert hat, weil er auf die Grossmuth der Britten und auf die Deraisonnements der Oppositionsparthei zugleich bauend, noch immer hofft, dort neue Teufeleien beginnen zu können. Allgemein heifst es: er werde nach St. Helena gebracht werden. Aachei, den 5. August. Nachstehende Dank-Adresse der City von London und der Kaufmannschaft daselbst an den Feldmarschall Fürsten Blücher v. Wahlstadt, Durchlaucht und an die preussische Armee sind uns zur Bekanntmachung hochgefälligst mitgetheilt worden. Uebersetzung aus dem englischen. London, Mansion-House, 10. Juli 1815. Mein Herr, Ich habe die ausgezeichnete Ehre, Ew. Durchlauche die Dank-Adrefse der City von London vom 1. d. M. zu überreichen, worin dieselbe das hohe Gefühl ihres Anerkenntnisses der wichtigen und wirksamen Dienste ausdrückt, welche von Seiten Ew. Durchlaucht und. der tapfern preufsischen. Armee unter Ihren Befehlen an dem denkwürdigen Siegstage von Waterloo, den 18. Juni, über die gesammte französische Kriegsmacht geleistet worden. Ich vermag nicht Ew. Durchlaucht zu beschreiben, wie stolz ich bin, bei dieser grossen Gelegenheit beauftragt zu seyn, Ihnen die Dankbarkeit meiner Mitbürger, deren Gesinnungen ich in so vollem Maasse mit ihnen theile, hiermit ehrenbiethig darhringen zu. können. Ich habe die Ehre hochachtungsvoll zu beharren, Ew. Durchlaucht gehorsamst treuer Diener, Samuel BIRCH, Majer, An Se. Durchlaucht, dem Feldmarschall Fürst G. L. Blücher von Wahlstadt, (796) BIRCH, Majer. Eine gemeinschaftliche Sitzung der Kaufmanns-Gilde der Londner City, gehalten am Freitag 1. Juli 1815, Beschliefst einstimmig, dass von Seiten dieser Innung dem Marschall Fürsten Blücher und der preufsischen Armee die herzlichste Danksagung gebracht werde, für die schnelle und wirklame Hülfe, welche dieselben am 18. Juni geleistet haben, und welcher das erfolgreiche Resultat jenes denkwürdigen Tags in so hohem Grade beizumessen ist. W. DRAKE. WOODSHORPE. Heute Morgens sind der Herr Ober-Präsident, Geheime Staatsrath Sack nach Coblenz und dem Nasfauischen abgereifet, um die Vollendung der Besitznahme der Nafsauischen Gebiete zu bewirken. Die Rückkehr Sr. Exzellenz hieher wird am 12. dieses Monates statt finden. Ankündigung. Die Huld der Musen foll eigentlich erworben und verdient werden, jedoch wird sie, wie die Laune des Glücks, zuweilen an Unwürdige gespendet. Ob ich zu diefer Zahl gehöre, darüber sollte ich wol nicht das öffentliche Urtheil in Anspruch nehmen. Doch, es sey im Bewusstseyn des bessern Willes gewagt! Einen Theil der Musse, welche die Erfüllung meiner Dienstpflichten übrig liefs, widmete ich der Dichtkunst, deren Gaben ich jetzt zur Mittheilung und zum Genuss darbieten will. Für die zarteren Verhältnisse des Lebens eine lebhaftere Theilnahme zu erwecken, die Liebe des Guten, Edlen und Schönen zu befördern und froheren Lebensgenuss zu verbreiten, diese Zwecke schwebten mir vor; wohl mir, wenn ich nicht ganz die Mittel verfehlte und wenn hier und dort ein verwandtes Gemüth in meine Empfindungen einstimmt! Mit dieser Erklärung und diesem Wunsche verbinde ich die Nachricht, dass ich zur nächsten MichaelisMesse eine Sammlung meiner letzten Gedichte herausgeben werde, welche ungefähr zwei mässige Oktavbände ausfüllen mögten. Zur Deckung der Kosten wähle ich den Weg der Subscription, und fetze den Preis auf Einen Thaler 16 Gr. fest; der Ueberschufs, soll einem wohlthätigen, mit der wiedererrungenen Freiheit in nächster Verbindung stehenden Zwecke gewidmet werden. Dieses guten Zweck’s wegen darf ich auf eine allgemeine Theilnahme rechnen. Stettin, den 14. März 1815. v. Rohr. Vorstehende Ankündigung eines deutschen Dichters, der bei der Herausgabe feines Werkes einen wohlthätigen Zweck zu erreichen strebt, wird hiermit zur Kenntniss des Publikums gebracht, damit die Freunde der guten Sache des Vaterländes und der Dichtkunst sich mit ihren Bestellungen an die resp. Buchhandlungen in den königl. Kheinprovinzen wenden können, welche in ihrem Wirkungskreise zur Förderung eines guten Werkes mit Vergnügen beitragen werden. Anzeigen. Die edlen Frauenvereine, fo wie alle diejenigen die von Menschenliebe geleitet, die Leiden der kranken VaterlandsVertheidiger durch milde Beiträge zu lindern gedenken, benachrichtige ich hierdurch dafs die Dirigenten des hiefigen La. Lazareths, Herr Hofrath Staabsarzt Dr. Reyland und Professor Staabsarzt Dr. Nägele von mir zur Empfangnahme diefer Beiträge beauftragt find. Sie werden eine Commission bilden, die beftändig ihren Sitz zu Düffeldorf hat, genaue Empfangscheine über die Beiträge jeder Art ausftellt, und von Zeit zu Zeit öffentlich darthut, wie jene schönen Gaben dem Zwecke der edlen Geber gemäss angewendet worden find. Düfseldorf, den 30. Juli 1815. Für die Insp. der königl. preufs. ftekenden Militair-Lazarethe. Der Divisions-Generai-Chirurgus GRAEFE. Ich zeige hierdurch an, dass mein Standquartier mit dem mir untergeordneten chirurgischen Staabe von hier nach Köln verlegt ift. Dem zufolge ersuche ich alle die Militair-Krankenpflege des mir anvertrauten Bezirkes betreffenden Nachrichten nach Köln an mich fenden zu wollen. Düfseldorf, den 31. Juli 1815. Für die Inspection der königl. preufs. ftehenden Militair-Lazarethe Der Divisions-General-Chirnrgus GREFE. Aachen, gedruckt bei J. V. BEAUFOnT, Peterſtraſse, 965.