(N: 99.) JOURNAL des Nieder- und Mittel-Rheins. JOURNAL DU BAS-RHIN ET DU RHIN-MOYEN. Aachen, Donnerstag den 18. Mai. 1810. Aix-la-Chapelle, jeudi le 18 mai. N." 62. Bekanntmachung, die Grenzsperre gegen Frankreich betreffend. Durch meine Verordnung vom 24. März d. J. ist jede Ausfuhr von Pferden und Krieges Bedürfnissen ins Ausland streng verboten; allein nichts desto weniger haben einzelne Individuen, durch sträfliche Gewinsucht sich verleiten lassen, dem Feinde dergleichen Bedürfnisse zuzuführen, und ist erst neuerdings eine beträchtliche Quantität Bleierz, nach Metz bestimmt, angehalten und gegen den Verfender eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Hierdurch sehe ich mich veranlafst, die Gendarmerie befonders und überhaupt sämmtliche Polizei- und Verwaltungs-Behörden nochmals dringend aufzufordern, die gröfste Wachsamkeit dahin zu richten und streng darauf zu halten, dafs unter keinerlei Vorwand die Ausfuhr von den durch meine obenerwähnte Verordnung bezeichneten Gegenständen irgendwo gestattet, fondern diejenigen Personen, welche, zu ihrer Schande, dergleichen Verfendungen versuchen mögten, der betreffenden Behörde angezeigt und zur Untersuchung gebracht werden. Die Herren Gouvernements-Commissairs und Kreis-Directoren beauftrage ich überdies, die für ihre respective Departements und Kreise etwa insbesondere noch nöthigen oder geeigneten Verfägungen in dieser Hinficht sofort zu erlassen und demnächst an mich darüber zu berichten. Aachen, den 11. Mai 1815. Der General-Gouverneur vom Nieder- und Mittel-Rhein, SACK. 3 (486) Collecte für Büderich. Nachweisung N.” 9, der wahrend des Monats April 1815. bei der Haupt-Kasse des General-Gouvernements vom Nieder- und Mittel-Rhein eingegangenen Collecten-Gelder für Büderich. COLLECTE EN FAVEUR DES HABITANS DE. BUDERICH. Tableau, N." 9, des dons verses dans la caisse principale du gouvernement-général, pendant le mois d'avril 1815. Die Huldigungs-Feier in Aachen am 15. Mai 1815. So wie es Landschaften giebt, die kein Mahler(auch der vollendeteste Meister nicht) in ihrer Glorie nachzubilden vermag, weil sich das grosse Leben der Natur, der milde Hauch in ihrem schöpferischen Walten, nicht wiedergeben läfst, so giebt es auch gesehichtliche Erscheinungen, die sich in jeder Darstellung nur unvollendet beschreiben lassen, denn wer vermag den Geilt au fesseln, der spurlos waltet in fo Die fämmtlichen Ausgaben bis heute betragen. 29,057 40 Bleibt Bestand.. 35,352 61 manchen grossen Auftritten des Lebens? und Etwe nachzubilden, das man selbst hören, sehen, erlebe und empfinden muss? Zu folchen Begebenheiten gehört auch die dun die Ueberschrift bezeichnete; wir verzweifeln, würdig zu beschreiben; doch werde der Versuch macht, der jedem Künstler erlaubt feyn mufs, au wenn derselbe nicht gelänge. Ohne Versuche Bildnerei und Beschreibung wäre endlich kein go licher Raphaël und kein Tacitus erstanden. Zur 5a0 dann. (487) Reden wir zuerst von den Vorbereitungen zu dem schönen und merkwürdigen Fest in Aachen. das den Tag bezeichnet, der nach Druck und Ungewissheit einer nächtlichen Zeit den Bewohnern der frucht- und gewerbreichen Rhein-Provinzen einen edlen Fürsten und diesem Fürsten ein gutes, treues Volk gab, so sind wir genöthigt, des Eifers und der Mühe der Bewaffneten Bürger von Aachen rühmlichst zu gedenken. Wir fehen sie mit Lust und Liebe sich üben in den Waffen, in den Bewegungen, welche unerlässlich sind, um der Menge Achtung vor der bewaffneten Bürgerschaft einzuflössen, wir sehen sie unverdrossen den Dienst der Besatzung versehen, Schildwache stehen zur Aufrechthaltung der Ordnung Streifwachen thun, und hören, dass dieses alles im Geiste der bessten Ordaung und Regelmässigkeit gethan wird, so dass die hohen Obern ihnen die höchste Zufriedenheit bezeigen können. Wir sehen, wie diefer gute Geist von dem ersten an durch das Corps der Offiziere, Unteroffiziere und Gemeinen waltet bis auf den letzten, und fühlen, dass wir in dem neuen, wiedergewonnenen, Deutschlande find. So kömmt der vierzehnte Mai heran, der Vortag der Feier, und ein neues reges o Leben verbreitet fich über die Stadt. Fremde treffen — von allen Seiten ein, obrigkeitliche Personen und Gefendete der Städte und Gemeinden; heitere Gesichter, freundliche Züge überall; man geht mit Liebe dem erfreulichen Werke des nahenden Fest-Tages entgegen, und so wie die Zeit sich gelichtet, fo ist auch der Himmel welkenleer und heiter geworden, und Sieht in feiner Azurbläue herab auf gute Menschen, die ihren Sinn in feine Farbe, in die Farbe der Beständigkeit gekleidet haben und kleiden. Hell und freundlich leuchtet eine erquickende Frühlingssonne herab auf die Volkbewegten Strafsen, deren lebhaftesten,(durch die der morgende Fest-Zug gehen foll,) sich mit grünen Maien, und Pappeln und Tannen, welche Laub- und Blumenketten zu Ehrenpforten verbinden, feierlich schmücken. Vor dem Stadthaufe nähert sich die hohe Tribune auf der die feierliche Handlung begangen werden soll, so geschmackvoll als prächtig, ihrer Vollendung. Die Trommeln der Bürger-Miliz wirbeln am Morgen, ihre Janitscharen-Musik hallt in den Strafsen wieder; sie versammelt sich auf dem Marktplatze zur Fahnenweihe. Es war der Wunsch des ehrenwerthen Vereins der bewaffneten Bürger, als Sinnbild der Treue und Liebe, für König und Vaterland, Fahnen zu besitzen und das hohe Gouvernement gewährte, bei der jetzigen feierlichen Veranlassung, um so lieber das Verlangen als eine chrenwerthe Bürgerschaft, durch das vorhergegangene wackere Benehmen, durch Eifer und Ordnungssinn, und durch das ruhmwürdige Bemühen im Dienst und in den Uebungen allerdings Ansprüche auf eine folche Auszeichnung sich erworben hatte. Im militairischen Zuge wurden die vier Fahnen der vier verschiedenen Bataillone aus dem Dom, wo fie auf die feierlichste Weise nach alt-christlichem Gebrauch geweiht waren, abgeholt und ihnen zum Eigenthum gegeben. Diese Fahnen sind von weisser Seide; die Mitte ziert der Adler Preussens, und:“ Ehre sey Gott! Heil dem Könige und Vatertand.„ spricht ihre Anschrift. In den vier Ecken find grüne Zweige als Embleme der Treue, der Ehre und der Bürger-Tugend angebracht. Mit der Uebergabe erfolgte zugleich die Weihe. Die königlichen Stellvertreter, der Herr General-Gouverneur, geheime Staatsrath Sack und Herr MilitairGouverneur, General-Major von Dobschütz, waren zugegen, und der Erstere sprach die folgende Rede: Rede bei Gelegenheit der Fahnenweihe und Vereidigung der Bürger-Miliz zu Aachen, am 14. Mai 1815, gehalten vom General-Gouverneur Sack. Meine Herren: Befehlshaber, Commandeur, Oberst, Bataillons-Chefs, Offiziere, Unteroffiziere und Bürger-Miliz-Männer Als ich im Anfange des verflossenen grossen Jahres und noch in verhängnifsvoller Zeit, von den hohen verbündeten Mächten hieher gefandt ward, um Ihr Land zu verwalten, Schutz und Sicherheit Ihren Personen und Ihrem Vermögen zu gewähren und so viel als es der Kriegs-Stand zuliefs, Sie die Segnungen einer wieder errungenen deutschen Regierung geniessen zu lassen. Da war es meine Erste Sorge, die nöthigen Veranstaltungen zu treffen, dass öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung in dem Innern des General-Gouvernements selbst erhalten würden, weil nur dies die Grundlage alles gesellschaftlichen Glückes, dies die nothwendigen Bedingungen sind, ohne welche das Wohl des Einzelnen— das Wohl Aller— nicht geschaffen, nicht erhalten werden kann. Nach dem Beispiele des Preufsischen Staats, wo von diefer Ueberzeugung ausgegangen, jedem wehr haften Manne auch Wehr und Waffen— anvertraut sind— und, in so fern er sie nicht zur äuffern Beschützung und gegen den Feind des Vaterlandes mit angestammter Ehre führt— sie zur innera Beschützung, zur Erhaltung von Ruhe und Ordnung, in gehöriger Weife zu tragen berufen ist— richtete ich auch hier eine allgemeine Bürger-Miliz ein. Statt dass eine Menschenfeindliche, nur auf Unterdrückung des Ganzen, nur auf Emporhebung eines Einzelnen Despoten und feiner Theilnehmer am Menschen- und Länder-Raub, gerichtete fremde Regierung den Einzelnen Bürger allein zu ihrem Werkzeuge brauchte, ihm deshalb alle Kraft und Selbstständigkeit durch verderbte Erziehung der Jugend und des Volkes zu rauben suchte— ihm die Waffen, das schönste Zeichen des Muthes und die wahre Zierde des Mannes— aus Furcht entnahm, dass Sie gegen ihn gerichtet werden mögten, weil der Dränger immer den Bedrängten fürchten muss.— Statt dessen gab ich, nach der Anweisung der höchsten Verbündeten, Tie meinen deutschen Brüder und theuern Landesleuten wieder— machte sie bei jeder Gelegenheit darauf aufmerksam, dass des Mannes edelster Beruf in jedem Verhältniss feine Mannhafte Selbstständigkeit fey, dass diese nur durch Selbst-Vertrauen und diefe wiederum durch Muth und Kralt nur erschaffen und erhalten werden, dass die Waffen, Zucht und Ordnung im Einzelnen und die Verbindung folcher Männer zum Ganzen eine unüberwindliche Schutz-Mauer schaffe: gegen Unsicherheit, Frevel, Unordnung und die sträfliche Willkühr des Einzelnen schlechten Menschen. Darum ehrte ich dieses deutsche Volk zuerst dadurch, dass ich die Verordnung vom 6. April v. Jahrs, wegen allgemeiner Errichtung einer Bürger-Miliz, ergehen liess. Darum erklärte ich nur die angefesfenen und gewerbtreibenden männlichen Bewohner in der Zeit des kräftigen Alters dazu für berechtigt und für verpflichtet, fo die Waffen zu tragen und der feste Schutz und Schirm gegen innere Unsicherheit, Unordnung und Frevel des Einzelnen, dem Staat nicht fo mit feinem Vermögen und feinem Gewerbe verknüpften Bewohners zu feyn! Ich felbst liess mir(nach dem§ XVIII des gedachten Reglements) die Ehre nicht nehmen, als General-Gouverneur an Ihre Spitze zu treten, und versprach diefer Institution, als einem der wesentlichsten Gegenstände des öffentlichen Wohls, meine besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Mein Gewiffen giebt mir die Berubigung, da ich diefer Verpflichtung, fo viel als es die Umstän und Verhältnisse irgend gestattet haben, nachgekon men bin Unter Ihren Augen habe ich feitdem gele und gewirkt— Sie find Zeuge diefer meiner Bemu ungen gewesen und indem ich Ihnen daher die Urtheil überlasse, habe ich nur Ihnen zu danke Meine Herren Befehlshaber, Commandeur, Ober Batailons-Chefs und übrigen Herren Offiziere für Ih zweckmässige und eifrige Unterstützung. Ihren Bemühungen verdanken wir es, di auch hier in der Hauptstadt Alles sich zu einem Ga zen so schön gefügt, dass Absicht und Würde des stituts begriffen und gefühlt— und schon die erspriel lichsten Folgen davon erst neulichst mit gerechte Belobung öffentlich anerkannt sind! Der heutige Tag und die jetzige Veranlafsung set diefer schönen, kräftigen und Deutschen Veranstallun die Krone auf— giebt ihr Haltung und Festigkeit un verbindet sie mit der neuen kräftigen und Mannha ten Regierung durch die heiligsten Verpflichtungen. Ihnen Allen ist auf die allgemeinste und feie lichste Weife bekannt geworden, dass diese Lände des Rheins— dass auch die Ehrwürdige alte Stad Aachen dem Scepter Seiner Majestät des Königsvus Preufsen Friedrich Wilhelm des Dritten unterworfen dass auch Sie mit dem kräftigen und gediegenen Deutschen Staate, dem der Preuisen, verbunde sind. Sie werden die feierlichsten Gelübde deshalb mit dem gesammten Volke am morgenden Tage hier auf dièfer Stelle unter Gottes freiem Himmel — vor dem Throne Ihres Königs und Herrn ablegen Sie nach alter deutscher Sitte um Ein Panier zu vereinigen, das Ihnen heilig und das Zeichen de Verbindung und der übernommenen Mannhaften Ver pflichtung fey!— erhalten sie diefe Fabnen, welch nach- altchristlichem Gebrauche feierlichst eingeweihe find— wie Ihre Herren Offiziere zeugen werden (Hier wurden fie sämmtlichen Bataillons übergehen.) Mit Vertrauen find sie ihnen in die Hände gegeben, diese Fahnen— mit dem Königlich Preufsischen Ehrwürdigen Wappen— Adler, mit dem Emblen der Kraft und Macht, aber auch des Friedens und aller seiner Segnungen geschmückt. In Ehren werden Sie dieselben stets erhalten, stet willig ihnen folgen, wenn Sie in Erfüllung Ihrer Pflichten ihnen vorgetragen werden! Auf Sie und Ihre Pflichten, wie Le das Reglement (489) de halb ier mel en ier der Ter che ihe en. 28 hen lem ind lets rer vom 6. April v. J. enthält, und sie Ihnen sämmtlich genau bekannt lind, werden Sie jetzt Ihrem neuen König und Landesherrn Friedrich Wilhelm den III., König von Preussen, Grofsherzog des Nieder-Rheins, nach der Verordnung der von Höchstdenenselben dazu bestellten Commissarien, vom 24. v. M., vereidet werden. Sie sind alle Männer gereifter Jahre— Angesessene oder durch ein besonderes Gewerbe geehrte Männer — sind Männer deutschen Gemüthes— lind GottesVerehrer nach dem neuen oder alten Testamente,— sind grösstentheils Christen— Ich darf sie nur an die Heiligkeit eines gegebenen Wortes, an die Unverletzlichkeit des vor Gott dem Allwissenden und Allmächtigten geleisteten Eides erinnern! Und nun heben Sie die Hände auf und sprechen die Ihnen vorgelesenen Worte nach: (Folgt der Eid aus der Verordnung vom 24. April.) Dann rief der Oberste: Es lebe Se. Majestät der König von Preussen, Grossherzog vom Nieder-Rhein!! Die Rede ward sichtbar mit dem besten Sinn aufgenommen. Ein lauter Ruf, das Lebehoch des besten Königs, aus dem Herzen kommend, erscholl. Der Obrist, Herr von Fürth. Chef der vier Bataillone, verlas den Eid, den jeder Einzelne, der Vorschrift gemäss, nachsprach. Nun zog das ganze Corps vor den königl. Herren Gouverneurs vorüber, in einer guten kriegerischen Haltung und mit Bewegungen, die auf das Lebendigste von dem Geiste früherer Uebungen, in einem kurzen Zeitraume, sprachen. Am: Abend ward auf der Schaubühne, auf welcher die Gesellschaft des Herrn Schirmer ihre Vorstellungen giebt, sehr zwekmässig und wohlgewählt Klingemann’s Drama: Deutsche Treue dargestellt, während Kanonendonner und das Geläute aller Glocken das Fest des folgenden Tages verkündigte. Ein vom Herrn General-Sekretair Heuberger verfasstes gutgedachtes Nachspiel, genannt: Die Sprüche des Schickfals oder das Mai-Fest der Hirten, folgte dem Schauspiel: Deutsche Treue. Jede patriotische Anregung in diefem kleinen Gelegenheitsstück wurde von der Versammlung hochherzig aufgefasst und jede veranlafste ein freudig gerufenes, allgemeines und oft wiederholtes: Vivat Friedrich1halm! Schon vor dem Anfange des Nachspieles hatte sich die herrliche Stimmung der Anwesenden, die Liebe für den edlen Monarchen und die Zufriedenheit derselben mit ihrem neuen Loofe bedeutend bekundet, denn als das Orchester die Weise des englischen und preufsischen Volksliedes Heil unferm König, Heil! anstimmte, vereinigte ein wesentlichgrosser Theil der Versammelten seine Stimme mit den Tönen der Instrumente; im ganzen Hause erscholl das Lied, und wer die Worte nicht auswendig wusste, fang mindestens die fröhlichfeierliche Melodie des Volksliedes, an das sich dann ein lautes allstimmiges: Lebehoch! dem Könige gebracht, anreihete, das fich zwei Mal unter gleichem Jubel wiederholte, und bis zum Ende der Vorstellung immer wiederkehrte. Erhebende, rührende Begeisterung, welche in Deutschland nur der Ueberzeugung von ächtem Werth und wahrer Tugend, der Vaterlandsliebe und Biederkeit entstammt: sey hier willkommen, im neuen Preufsen! Wenn man einsimals in Paris unverständig für eine Freiheit schwärmte, welche die Menschheit schändet, wenn man dann plötzlich den Despotismus mit der Begeisterung des Trunkenen aufnahm, so ist das Bild ein Gegenstand der Verachtung oder des Mitleids; wie anders bei uns! Wir wisfen, was wir an Friedrich Wilhelm haben, was er den Rheinländern wie dem ursprünglichen Preufsen feyn wird, sevn mufs, denn seine edle Eigenthümlichkeit verbürgt die Nothwendigkeit— und die Morgenröthe dieser Erwartung erzeugt die würdige Begeisterung. In der Nähe des Kriegsschauplatzes, dessen Vorhang nächstens sich aufrollen wird, stehend, ahnen und wilfen wir, dass manches Opfer gebracht, manche Anstrengung vollzogen werden muss; doch beugt uns diese Aussicht nicht; die Nothwendigkeit spricht zu uns; wir wollen einig seyn und gemeinsam tragen und leisten, was getragen und geleistet werden muss, und was der edle König, wäre es möglich, uns und sich felber gern erspaarte. Wir wollen— das haben wir in diesen feierlichen Tagen geschworen— bei unferm König siehen und hei feinen tapfern und biedern Preussen und bei dem gesammten Deutschlande, bis die Sieges- und Friedens-Palme errungen ist. Dann fenkt der Lohn fich von der Höhe, des Königs Vaterblick segnet wohlthätig feine Kinder am Rhein, eine beglückende Verfassung tritt ein; die würdige Freiheit eines Volkes umfängt uns, jene gefetzmässige Selbstständigkeit der Person, die den Britten zum Enthusiasmus hinreist, und deren auch der Deutsche, der Preusse, nach dem bevorstehenden Schutz-Kriege würdig ist. In diesem Sinne, in dieser Hoffnung ertönte dem Könige fo manches jauchzenvolle Lebehoch. (Die Fortsetzung felgt.) (490) Tagesgeschichte. Wien, vom 7. Mai. Nürnberg, vom 11. Mai. re ar K1 Ja H A Vermöge der bereits gemeldeten Konvention zwischen Oestreich und Sizilien ist Neapels Schicksal beftimmt. Sizilien tritt wieder, wie man vernimmt, in den Besitz von Neapel gegen Entschädigung der Kriegskosten etc. In der deutschen Sache ist nun wirklich der Verpflegungspunkt abgethan und im Reinen, und man erwartet nun eine grosse deutsche Konferenz, welche, wie man glaubt, sehr wichtig werden wird. Befonders hat man Winke von fehr entschiedenen Propositionen, die der Staatskanzler Fürst Hardenberg hinsichtlich der Mediatifirten vorlegen wird. — Ungeheuer sind fortdauernd die Rüstungen Oestreichs; tagtäglich werden in der Heumarktkaferne viele hundert Remontepferde angekauft und in die Depots abgeliefert, allenthalben sieht man Wagen mit Kanonen, Lavetten, neuen Rädern, kurz die gröste Thätigkeit. — Die Abreise S. M. unfers Kaisers vermuthet man noch immer den 20. d. Um eben diese Zeit werden sich wahrscheinlich auch die drei noch anwefenden Mouarchen von hier erhehen. Die Truppenzüge durch unfere Stadt und Gegend werden jetzt feltener. Roveredo, vom 4. Mai. Die Nachrichten von der k. k. Armee in Italien könnten nicht günstiger seyn; zufolge eines gedruckten Armeebülletins hatte sich der König und die Königin von Neapel mit ihrem ganzen Gefolge u. Schätzen am 29. April in Ancona auf 3 Fregatten eingeschifft(man sehe unsern gestrigen Armeebericht). Es heifst, er habe sich nach Frankreich gewendet. Seine Armee-Reste sind von unferer Armee umzingelt, und wir können nun mit Grund behaupten, dass dieser Krieg geendigt ist. Bobzen, vom 5. Mai. Der Krieg mit Neapel nähert sich mit raschen Schritten feinem Ende. Die Ankunft der Oestreicher in Rom am 28. April und die Einschliefsung der Neapolitaner in Ancona, so wie die Nachricht, dafs fie von der Strafse nach Foligno abgeschnitten find, bestätigen sich von allen Seiten. In Neapel follen die Lazaroni die schwache Garnison entwaffnet haben. Gestern Abends nach 9 Uhr traf der Hr. Feldme schall Fürst v. Schwarzenberg hier ein. Karlsruhe, vom 11. Mai. S. k. H. der Kronprinz von Würtemberg stern Abends durch Karlsruhe nach ihrem Hauptqu tier zu Bruchfal zurückgereist. Frankfurt, vom 15. Mai. Gestern sind Se. k. k. H. der Erzherzog Karl nel Gefolge hier eingetroffen. Se. k. k. H. haben das A steigequartier im Gasthaufe zum Römischen Kaiser nommen. Am nämlichen Tage ist der königl. preufs. Gen 1 ralmajor und General-Inspektor sämmtlicher Festu» gen, Herr von Rauch, von Berlin hier angekomme um sich nach Mainz zu begeben. Amsterdam, vom 9. Mai. Man ist von fehr guter Hand unterrichtet, dass e die Nationalgarde von Paris einstimmig geweigert, de Dienst aufser der Hauptstadt zu thun, und in diel Weigerung verharrt. * Paris, vom 7. Mai. Heute war grosse Parade, Bonaparte hielt Heerscha über die 3te Division der Referve-Armee, eine Divisio der jungen Garde, drei Infanterie-Divisionen una 2 C vallerie-Divisionen von der alten Garde.— An den Ve schanzungen von Montmartre wird unabläfsig gearbe tet; die Zahl der Arbeiter foll bis auf 10,000 gebrac werden. Die Ingenieure glauben, dafs es möglich sey im Augenblicke der Gefahr, Ueberschwemmungen a der ganzen linken Flanke der Linie zu bewerkstellige — Die Errichtung einer erblichen Pairie missfallt de Freiheits-Freunden, welche einen neuen Adel darin e blicken, der den alten zu erfetzen bestimmt ist. Vom 8ten.— Der Prinz von Canino ist heute hie angekommen.— Die Division des Generals Girard 10 gegen Piemont vorgerückt seyn. Köln, vom 12. Mai. Gestern Morgens hat, gemäss der Verordnung Exc. des Hrn. General-Gouverneurs, der Herr Kreu Direktor von Märken den Freiherrn von Myliu räfidenten des Apellhofes in Düffeldorf, als kommisarischem Oberbürgermeister unferer Stadt; die Herren Rudolph von Monschau. als ersten, Philipp Jakob Riegeler. als zweiten, und Friedrich Herstatt. als dritten Beigeordneten, feierlich in diese Aemter eingesetzt. m In die beim Stadtrath erledigten Stellen traten ein, die Herren J. J. von Wittgenstein, ehemaliger Bürgermeister; Bern. Boifferee, ehemaliger Beigeordneter; von Nagel; von Kempis; Ferdinand Birkenstock; Peter Engelbert Ludowigs; Georg Heinrich Koch. (Köln. Zeit.) nel N Armee in Italien. Kriegsbericht N°. 8. Aus dem Hauptquartier am 8. Mai 815. liel S. Seitdem der König von Neapel die Gefahr inne geworden war, in welche er durch das schnelle VorJen rücken des Feldmarschlllieutenant Bianchi gerathen u musste, war er einzig darauf bedacht, ihr durch verme doppelte Märsche zu entgehen, um die Hauptstrafse von Ancona über Foligno zu gewinnen. Die beiden östreichischen Colonnen näherten fich einander feit dem isten dieses aus den entgegengefetzten Richtungen. Der König fühlte, dass der entscheid dende Moment gekommen sey, und dass er sich den Weg nach Foligno um jeden Preis mit Gewalt öffnen müsse, da es ihm nicht mehr möglich war, das Versäumte durch Schnelligkeit einzuholen. Was sein Vorhaben zu begünstigen sehien, war der Umstand, dass es ihm gelang, sich der Colonne, die über Sinigaglia heran kam, nach Hinterlassung einer Arriergarde zu entziehen, und beinahe zwei Märfche zu gewinnen. Er konnte demnach feine ganze Macht gegen dem Feldmarschalllieutenant Bianchi vereinigen, welcher gerade auf dem Marsche von Tolentino nach Macerata begriffen war. Vor Tolentino trafen beide Theile auf einander, und nun entstand ein Gefecht, dass einerfeits mit aller Macht der Verzweiflung und mit Ueberlegenheit an Kraft geführt, von der andern mit unerschütterlicher Festigkeit, Ruhe und ausgezeichneter Tapferkeit aufgenommen, durch zwei Tage anhaltend währte, und sich mit der Niederlage des Feindes endigte. Schon am 2ten Mai Morgens ward das Gefecht allgemein, und dauerte bis in die Nacht. Die feindlichen Angriffe auf die Stellung des Feldmarschalllieutenants e hit sol Bianchi waren zahlreich und heftig, aber ohne ErfolgSie wurden allenthalben zurückgewiefen, die Stellung standhaft behauptet, und Feldmarschalllieutenant Bianchi bereitete sich vor, am folgenden Tage den Angriif selbst fortzusetzen. Am 3ten Morgens jedoch führte der König feine Armee von neuem vor, und richtete einen eben so lebhaften als mit, grosser Ueberlegenheit geführten Angriff auf die linke Flanke des Feldmarschalllieutenants Bianchi. Diese Bewegung konnte für beide Theile entfcheidend werden. Feldmarschalllieutenant Bianchi entschied aber für sich. indem er den Feind unter grossen Verluft gänzlich zurückschlug. Diefer, in Unordnung gebracht, konnte nieht mehr die Nacht erwarten, um feinen Rückzug anzutreten, und verliess das Schlachtfeld, vom Feldmarschalllieutenant Mohr gegen. Macerata auf den Ferfen verfolgt. Die nähere Relation über dieses entscheidende und denkwürdige Gefecht wird in kurzem folgen. Soviel ist indesfen bereits bekannt. Der König von Neapel führte feine Armee an beiden Tagen felbst an; feine Generale liessen es an keiner Art von Anstrengung fehlen. Die Gefangenen fagten aus, die Divifions-Generale Ambrosio, Pignatelli, und Brigade-General Campana seyen verwundet worden. Die Zahl der Gefangenen ist noch nicht bekannt; es finden sich viele Offiziere dabei, worunter zwei General-Adjutanten. Die Tapferkeit der vom Herrn Feldmarschalllieutenant Bianchi angeführten Truppen war ausgezeichnet. Das Regiment Chasteler hat sich mit Ruhm bedeckt. Eine Escadron vom östreichischen Regiment Grossherzog Toſcana Dragoner hieb in ein Bataillon des zweiten Linien-Infanterie-Regiments ein, dass kein Mann davon kam. Nächstens wird man die vorzüglichen Thaten se vieler Tapfern näher zu bezeichnen im Stande seyn. Die Neapolitanische Armee, durch diesen entscheidenden Schlag ihrer letzten Hoffnung beraubt, ist nunmehr gezwungen, sich, rastlos verfolgt, an der östlichen Küste in unwegsame Gegenden zu ziehen, wohin ihr bereits zahlreiche Detachements aus andern Richtungen zuvoreilen. — Bis zum 1. Mai waren zu Königsberg in Preussen, von der Stadt felbst, 152 freiwillige Jäger zu Fuss ausgerüstet, (492) — Nach dem rheinischen Merkur hat die Regierung in Baiern die deutsche Tracht.— oder vielmehr alle besondern Abzeichen, z. B. Kreuze von Metall auf Mützen u. f. w., durch eine Verordnung d. d. Aschaffenburg, den 2ten Mai. d. J.— verboten(Wahrscheinlich fürchtet der Graf Montgelas, dass die Baiern zu deutsch für einen Montgelas werden mögten, oder er kann kein anderes Kreuz leiden, als das, welches er den baierschen Unterthanen auflegt.) — Die Begebenheiten in Italien scheinen, wenn man sie einzeln und an und für sich betrachtet, von weniger Wichtigkeit; sie find aber sehr wichtig, wenn man sie in ihrer Verbindung mit den allgemeinen Angelegenheiten von Europa denkt. Bonaparte, der nicht glaubte, dass die Alliirten sobald schlagfertig seyn würden, hoffte, ihnen zuvor zu kommen und ihre Entwürfe zu vereiteln, indem er Murat auf Mailand marschiren und Italien in Aufstand bringen liess. War Murat über den Po vorgedrungen und näherte sich der Hauptstadt der Lombardei, fo wollte Bonaparte mit dem Corps von Suchet, von Brune, von Grouchy, von Massena, verstärkt durch Truppen, die mit der Post nach Lyon gefandt waren, über die Alpen gehen, wollte Piemont revolutioniren, feine Armee daselbst rekrutiren, sich in Mailand mit den Neapolitanern vereinigen, wollte daselbst die Unabhängigkeit Italiens proklamiren, es unter einem Oberhaupte vereinigen, und dann an der Spitze von beinahe 100,000 Mann gegen Wien über die Iulischen Alpen und über den Weg vorrücken, den ihm der Sieg im Jahre 1797 gebahnt hatte. Zahlreiche in Polen verbreitete Emissarien, welchem Lande sich dann der Kriegsschauplatz näherte, hätten daselbst Unordnungen angefacht und Russland beunruhigt. Durch diefes tolle Manövre kam Bonaparte den Alliirten in den Militair-Operationen zuvor,(?) dehnte sie auf einer Linie von beinahe 500 Lieues, von Ostende bis nach Wien über die Alpen und Italien, aus, verschaffte sich unendliche Hülfsquellen aller Art, verhinderte den Kaifer von Oestreich, nicht nur Truppen gegen Frankreich marschiren zu lassen, fondern nöthigte ihn wahrscheinlich auch, einen Krieg bald zu beendigen, dessen Kosten die Erbstaaten allein getragen hätten. Das waren die günstigen(?) Aussichten, die sich Bonaparte von diefem weit ausgedehnten Plane versprechen konnte. Die Uebereilung Murats, die klugen Maassregeln der östreichischen Regierung. die Geschicklichkeit ihrer Generale, der Muth ihrer Soldaten, die Treue ihrer Unterthanen, und die Unni lichkeit, worin sich Bonaparte befand, das füdlic Frankreich zeitig genug von Truppen zu entblösse haben Europa vor neuen und langen Zerrüttungen wahrt. Der Nicht-Erfolg dieses kühnen Unternehme wird für die gemeinschaftliche Sache eben so gro Vortheile haben, als der Erfolg für dieselbe verder lich gewesen wäre.(Hamb. Corr. Marktpreise im Maas- und Ourte-Departement, Erste Hälfte April 1815. Mercuriales du département des Meuse-et-Ourte pour première quinzaine du mois Avril 1815. Weizen,(froment) i Hectoliter 17 Fr. 24 Roggen,(seigle)—... 12 88 Gerste,(orge)— 9 55 Hafer,(avoine)—.. 6 55 Erdäpfel,(pommes-de-terre).... 4 81 Heu,(foin) 100 Kilogr... 8 87 Stroh,(paille)—.. 3 75 Lüttich, den 5. Mai 1815. Für den Gouvernements-Commissair, der General-Secretair, VON DURING. Anzeigen. Dem Publikum dient zur Nachricht, dafs, ingefolge höher Auftrags, die Truppen-Verpflegung in hiefiger Stadt und Bun scheid am 27. dieses Monats, Morgens eilf Uhr, auf dem Stad haufe allhier, öffentlich an den Wenigftfordernden in Verdin gegeben wird. Die Lusthabenden find verbunden, vor der Verdingung, w siegelte auf Stempelpapier geschriebene Anerbieten einzureichen worauf zwischen den Soumissionnairs eine mündliche Abbietun zugelassen werden wird. Die näheren Bedingungen können auf der Kanzlei der Bu germeisterei, alle Tage von 11 bis 12 Uhr, eingefehen werde Aachen, den 17. Mai 1815. Der Ober-Bürgermeister der Stadt Aachen, CORNELIUS V. GUAITA. Eine Stute und Fohlen zu verkaufen; bei Thimus in der Köl strafse, Nro. 1042, zu erfragen. Aachen, gedruckt bei J, W. BEAUFORT, Peterstraſse, 59