(N. 56.) JOURNAL des Nieder- und Mittel-Rheins. JOURNAL DU BAS-RHIN ET DU RHIN-MOYEN. Aachen, Donnerstag den 11. Mai. 1810. Aix-la-Chapelle, jeudi le 11 mai. Programm für die Huldigungs-Feierlichkeit des Grossherzogthums Nieder-Rhein, Jo wie der Herzogthümer Cleve, Berz, Geldern, des Fürstenthums Mörs und der Grafschaften Essen und Werden, vom 15. Mai 1815. 1. Zur Ablegung des Huldigungs-Eides an Se. Majestät den König von Preussen, versammeln sich fämmtliche, durch die öffentliche Bekanntmachung vom»2. April d. J. und befondere ConvocationsSchreiben zuiammen berufene Deputirte aus dem Grofsherzogthum Nieder-Rhein und den Herzogthümern Cleve, Berg, Geldern, dem Fürstenthum Mörs und den Grafschaften Essen und Werden, am 14. Mai dieses Jahrs in Aachen, und melden sich auf dem Rathhaufe bei dem ernannten Commisfarias, welcher von 9 Uhr bis 1 Uhr Vormittags und von 3 Uhr bis 6 1/2 Uhr Nachmittags sich daselbst in dem dazu bestimmten Saale aufhalten wird. § 2. Bei dem Commissarius wird den Herrn Deputirten der Huldigungs Eid nebst dem dazu gehörigen Revers zur Durchsicht vorgelegt, und haben sie ersteren in zwei Exemplaren durch ihre Unterschrift zu vollziehen, wogegen ihnen das eine Exemplar, mit dem Revers über die geschehene Eidesableistung, nach der Huldigung zu ihrer eigenen Legitimation zurückgegeben wird. § 3. Der Commifsarius trägt während der Zeit die Namen in ein dazu bestimmtes Register ein und überliefert den Deputirten, nachdem sie in der letzten Colonne dieses Registers ihren Namen beigefügt haben, eine Carte, durch walche sie bei allen auf diese Feierlichkeit Bezug habenden Veranstaltungen freien Zutritt erhalten und zugleich in polizeilicher Hinsicht legitimirt sind. § 4. Auf dem Rathhause werden sich Polizei-Offizianten befinden, welche auf Verlangen Wohnungen zur Aufnahme gegen billigen Miethzins anweisen. § 5. Am 14., Abends 7 Uhr, werden 12 Kanonenschüffe erfolgen. Beim letzten Schusse wird mit allen Glocken sämmtlicher Kirchen in 3 Pulfen(eine jede von 10 Minuten und eine Paufe von 5 Minuten) geläutet. § 6. Im Schauspielhause wird am Abend ein auf die Feier des andern Tages passendes Gelegenheits-Stück aufgeführt werden. § 7. Montag am 15., früh 7 Uhr, werden, wie am Vorabend, erst 12 Kanonenschüffe geschehen und dann mit allen Glocken der Stadt in 3 Pulsen geläutet werden. § 8. Da auch hier, wie in den Provinzen, in allen Kirchen die Huldigungs-Predigt gehalten wird, so bleibt es jedem Deputirten überlassen, nach Maassgabe feines Glaubensbekenntniffes, diefem Gottesdienste beizuwohnen. § 9. Die Bürger-Milizen versammeln sich um 7 1/2 Uhr vor den Häufern ihrer Hauptleute in der vorgeschriebenen Kleidung, und marschiren, nachdem sie sich durch Zusammenrücken in Bataillone formirt haben, nach dem Markte, wo sie präcis 8 1/2 Uhr auf den ihnen angewiesenen Plätzen seyn müfsen. § 10. Um 9 Uhr versammeln sich die Deputirten, die verschiedenen Authoritäten und die zur Beiwohnung der Feierlichkeit Eingeladenen in den untern Sälen des Rathhaufes, und zwar die Geistlichkeit und die Deputirten des Grofsherzogthums Nieder-Rhein in den Sälen N.° 1 und 2 und die übrigen in den Sälen N.° 3 und 4 durch den Eingang am Katschhof. § 11. Um 10 Uhr, sobald die Königlichen Herren Commissarien auf dem Rathhause, wohin sie unter Cavallerie-Bedeckung in Einem Wagen zusammen fahren, erschienen find, nimmt der Zug, durch zwei Thüren aus den Verfammlungs-Sälen, nach dem Amphitheater feinen Anfang, und zwar die Geistlichkeit und die Deputirten des Grossherzogthums Nieder-Rhein aus der einen Thüre, fo wie, die Deputirten aus den Civil-Collegien und die Deputirten der Herzogthümer Gleve, Berg, Geldern, des Fürstenthums Mör und der Graffchaften Esfen und Werden, aus der andern Thüre, unter Anführung der dazu ernannten Marschälle, welche sie nach den bestimmten Plätzen führen werden, so dass die Geistlichkeit zur Rechten, die Deputirten aus den Civil-Collegien zur Linken des Throns und vor demselben zuerst die Deputirten vom Nieder-Rhein und dann die der übrigen Provinzen ihre Stellen erhalten. § 12. Dann erscheinen die Herren Commissarien, begleitet von ihrem Gefolge, fowohl vom Militair als Civil. § 13. Die Herren Commissarien nehmen ihren Platz neben dem Throne zur rechten und linken Seite und das Gefolge nimmt an der Seite desjenigen Herrn Commisfarii, zu welchem es angewiefen ist, feinen Platz un der hintern Seite des Amphitheaters. § 14. Sobald der Zug aus dem Rathhaufe anfängt, wird ein Zeichen mit Trompeten und Pauken gegeben und nachdem derselbe beendet ist und jeder Anwefende feinen Platz eingenommen hat, wird diefes Zeichen wiederholt, worauf allgemeine Stille erfolgt. § 15. Hierauf hält einer der Herren Commissarien eine Anrede, welche im Namen der Herren Deputirten beantwortet wird. Nach deren Beendigung tritt der General-Sekretär Heuberger auf die unterste Stufe des Throns und lieft die königliche Vollmacht, die Patente und die Proclamation der versammelten Menge vor. § 16. Er liest fodann die Vorhaltung zum Eide und den Eid selbst ab, welcher von allen anwesenden Deputirten und dem unten versammelten Volke mit einwärts aufgehobenen drei Fingern der rechten Hand und mit entblösstem Haupte zugleich nachgesprochen wird. § 17. Nach Beendigung dessen werden die Begnadigungen und Gnadenbezeugungen öffentlich bekannt gemacht. § 18. Hierauf wird durch einen Herold nach einer vorgeschriebenen Formel, proclamirt, dass Seiner Majestät dem Könige von Preufsen als Grossherzoz vom Nieder-Rhein, Herzog von Cleve, Berg und Geldern, Fürst von Mörs, Graf von Effen und Werden, gehuldigt worden sey, und Ihm ein lautes Vivat unter Trompeten- und Paukenschall und mit Abfeuerung von 24 Kanonenschüffen gebracht. § 19. Nach Beendigung dieser Ceremonie begeben sich die Königlichen Herren Commissarien, über die grosse Treppe von dem Gerüste herab, auf den Marktplatz, und von hier mit dem Zuge, welcher paarweife gehet, in folgender Ordnung nach der Domkirche. (465) § 20. Voran ein Fiquet Cavallerie, welches während der Ceremonie an der Ecke des Rathhaufes hält, Ein Herold. Zwei Marschälle, in schwarzer Kleidung und Degen. Die beiden Königlichen Commissarien mit ihrem Militair- und Civil-Gefolg. Zwei Marschälle. Sämmtliche Geistlichkeit und Deputirten aus den Civil-Collegien. Zwei Marschälle. Die Deputirten des Grossherzogthums Nieder-Rhein. Zwei Marschälle. Die Deputirten der Herzogthümer Cleve, Berg, Geldern, des Fürstenthums Mörs und der Grafschaften Essen und Werden. Zuletzt wird der Zug durch ein Cavallerie-Detaschement beschloffen, welches während der Feierlichkeit auf dem Markte an der Ecke der Jacobstrasse hält und sich von da an den Zug schliefst. § 21. Der Zug geht durch die Kölnerstrafse, Compesbadstrafse, Petersstrasse, Ursulinenstrasse, Schmidtstrasse nach der Domkirche. § 22. An der Thüre des Doms, wo ein Bataillon Infanterie, theils in der Kirche, theils am Eingange und nach der nächften Strafse zu, Spalier macht, werden die Herren Commissarien von dem Dom-Capitel empfangen und eingeführt. §25. Die Herren Commissarien nehmen die für sie bereiteten Sitze am Fusse des Altars ein; das Gefolge vom Militair und Civil, die Geistlichkeit und die Staats-Beamten theilen sich rechts und links im Chor und die Herren Deputirten nehmen ihren Platz unter der mittleren Kuppel der Kirche. §. 24. Nach geendigtem Gottesdienste gehet der Zug in derselben, oben vorgeschriebenen, Ordnung durch die Klostergasse nach dem Rathhause in die untern Säle, wo die fchriftliche Verhandlung der vollzogenen Huldigung unterzeichnet wird und die Reverse(§ 2) ausgehändigt werden; worauf sich die Anwesenden trennen. § 2». Von 2 bis 3 Uhr erhalten die Armen, Hospitaliten und Schulkinder in den Armen-Anstalten ein festliches Mahl. § 26. Um 3 1/2 Uhr versammeln sich die Eingeladenen in den unteren Sälen des Rathhaufes, um von da nach der oben eingerichteten Mittagstafel in Ordnung zu gehen und sich an die nach Nummern bestimmten Plätze zu begeben. § 27. Während der Tafel werden von den Herren Commissarien drei Gesundheiten unter Abseuerung von 24 Kanonenschüffen ausgebracht; ausserdem aber kann niemand eine Gesundheit bei der Tafel ausbringen. § 28. Nach aufgehobener Tafel wird um 7 Uhr Schauspiel seyn, § 29. Um 9 Uhr Abends wird ein Feuerwerk vor dem Adalberts-Thor, vorwärts der Ketschenburg, für das gesammte Publikum abgebrannt werden. § 30. Um 10 Uhr wird Ball auf der neuen Redoute feyn, wozu, aufser den Deputirten und ihren Angehörigen, die einheimischen und auswärtigen Familien, ohne Unterschied der Stände, nach Maassgabe des Raums, durch befondere Schreiben eingeladen werden. § 31. Die Stadt darf erleuchtet werden, und haben diejenigen, welche deshalb, oder fonst wegen irgend auf die Huldigungs-Feierlichkeiten Bezug habenden Angelegenheiten, Anfragen zu machen haben, sich vor der unterschriebenen Commillion, Morgens zwischen 9 und 11 Uhr, an der neuen Redoute, Nro. 451. zu melden. Aachen, den 6. Mai 1815. Die für die festlichen Huldigungs-Ceremonien niedergesetzte Commission. VoN BAnDEMER, HeUBerGeR, KRFGEN, Von PnanoHe, Dr. Sot. (466) Tagesgeschichte. Wien, vom 29. April. Man fängt nun an, mathematisch das Ende des Kongresses zu berechnen. Acht Tage, meint man, nimmt immerhin noch das Verpflegungsgeschäft hinweg, und 14 Tage würden zur deutschen Konstitution erforderlich feyn. Wolle man ganz sicher gehen, und für beide Gegenstände noch eine Woche zugeben, so würden 4 Wochen hinreichen, die Aufgabe, in so weit sie jetzt lösbar ist, zu löfen. Der Monat Mai also ist es, dem das Schickfal das schöne Geschäft der Vollendung einer der gröfsten Negoziationen der Weltgeschichte übergab. Aber dieser schöne Monat ist es auch, der den schon blutigen Vorhang aufrollen wird. So ist diesmal recht wörtlich der Friede nur Uebergang zu einem neuen Kriege. Heute Nacht geht Fürst von Schwarzenberg zur Armee ab. Heute früh beehrte denfelben der Kaifer von Rufsland mit einem Besuche; um Mittag hatte der Fürst feine Abschiedsaudienz bei unferm Kaifer. General-Quartiermeister von Radezky, ein Name, an den Oestreich viele frohe Hoffnungen knüpft, wird, da er unpäfslich ist, erst Montags gehen. Den 8. Mai will Fürst von Schwarzenberg in der Mitte feiner Truppen seyn. Die Abreise des Königs von Preussen den 6. Mai ist noch nicht so bestimmt, und scheint fich neuerdings zu verschieben, die des Kaifers von Russland ist noch unficherer, weil derselbe nicht ohne feine Armee wird auftreten wollen, die jetzt erst durch Böhmen zieht. Vom 50. Se. k. k. Majestät haben geruhet, dem General Feldmarschall Lieutenant Baron Bianchi das Oberkommando der Armee auf dem rechten Po-Ufer zu verleihen. Diese Armee nimmt den Namen der von Neapel an. Die Armee in Ober-Italien bleibt unter den unmittelbaren Befehlen des Generals der Kavallerie, Baron v. Frimont. Armeeberichte. Der König Joachim hat durch ein Sehreiben des Chefs feines Generalstabes an den Oberbefehlshaber der k. k. Armee, Frhrn. v. Frimont, unter dem 21. d. um einen Waffenstillstand angesucht. Der k. k. General en Chef hat geantwortet: dass er den Befehl habe, die Operationen feiner Armee unter keinen Vorwande aufzuhalten; und dass demnach von eine Waffenstillstande keine Rede seyn könne. — Durch einen am 28. April Abends um 10 Uh allhier eingetroffenen Kurier hat der kommandirend General der k. k. Armee in Italien, General der K. vallerie, Frhr von Frimont, einen Bericht des Fell marschall-Lieutenants Grafen von Neipperg mit de Meldung eingefendet: dass die neapolitanische Arme in der Nacht vom 22. auf den 23. d. die ftark ve schanzte Stellung bei Cefena plötzlich verlassen habe und in gröfster Eile ihren Rückzug fortsetze. Derselbe Kurier hat den umständlichen Bericht übe die mitgetheilfen Nachrichten von den glückliche Fortschritten der k. k. Armee in Italien überbracht, Die Zahl der Gefangenen, welche in den verschie denen Gefechten gemacht worden sind, übersteigt h reits 7000 Mann. Die Defertion nimmt bei der ne politanischen Armee mit jedem Tage fo überhand dafs ihre Verminderung kaum mehr zu berechnen il — Ihre Durchl. die Frau Fürstin von Ifenburg vorgestern nach Öffenbach abgereist. Die beiden Frankfurter Zeitungen enthalten den folgenden Aufsatz: Erläuternde Bemerkungen über die Deklaration des Viemd Kongresses. Die Deklaration vom 13. März ist in Frankreid bekannt. Ein Artikel in dem Journal de Paris lieser den Beweis davon. Diese Deklaration ist der einftimnmige Ausdruek der Wünsche und Sehnsucht der Ntionen. Der Artikel, durch welchen man diese Dekleration zu widerlegen behauptet, bietet den schänd lichsten Missbrauch dar, der je bei einem aufgeklä ten Volke von dem Sinne der Worte und der gesu den Vernunft gemacht worden ist. Die Grundfätze entwickeln, welche die Akte vom 13ten März diktirt haben, heifst, der franzölischen Nation darthun, dass fie die entweihete Sprache, welche ihr ihr Unterdrücker leihet, nicht gesprochen ha und nie sprechen wird; es geschieht, um feine Sache von der ihrigen zu trennen; es heifst der Nation ihre wahre Würde erhalten, ihr einen schleunigen und ehrenvollen Weg zu öffnen, um sich noch mit Europa au vereinigen. (467) Der Kongrefs hat nicht über Hypothesen berathschlagt: Er hat Bonaparte geächtet. Dieser Mann kann und darf unter den civilifirten Völkern keinen Zufluchtsort mehr finden. Noch weniger kann er über folche regieren. Diess ist der Grundfatz, der gegen ihn ausgesprochenen Acht. Er gründet fich eben so sehr auf die Gerechtigkeit, als auf das rechtmässige Interesse der Nationen. Er ist daher unwiderruflich. Man hat der franzölischen Nation und ihrer Regierung Unterstützung angeboten. Man bietet sie ihr noch an. Sie kann sie auf eine edle Weife ablehnen, wenn sie den Entschlufs Krieg zu führen von sich abweist, allein sich derselben nicht überheben, fo lange sie das Joch eines Mannes erträgt, der ihre Schande will, indem er fie zu einem doppelten Meineide verführt. Ein Vertrag vereinigte sie mit ihrem Souverän. Ein Traktat hatte sie mit Europa ausgeföhnt. Dadurch, dass Bonaparte sich die Staatsgewalt wieder anmaasste, hat er sie beide verletzt, und sie in alle Schrecknisse eines Bürgerkrieges, der Anarchie und des militärischen Despotismus gestürzt. Wie kann diefer Mann daher noch den Franzofen eine liberale Konstitution und die Herrschaft der Gesetze versprechen? Kann diefer nämliche Mann noch die Stirne haben, den auswärtigen Nationen das Versprechen vorzuspiegeln, er würde die Friedensschlüffe respektiren und sich nie in ihre Angelegenheiten mischen? Kann er wol verlangen, dass man die Unabhängigkeit der Franzosen noch ferner achten foll? Seine Entweichung von der Insel Elba, feine Ankunft in Frankreich, die Titel, die er noch zu tragen die Kühnheit hat, die Macht, mit der er sich neuerdings umgab, die Gaukelei, womit er Frankreich umstrickt, und diejenige, welche er noch vorbereitet, um dasselbe zu behaupten, alle diese Frevelthaten würden, wenn die europäischen Mächte fähig wären, denselben ihren Beifall zu geben, die ganze gesellige Ordnung mit einem unvermeidlichen Umsturze bedrohen, und die Nationen neuerdings wieder unter das Joch beugen, welchem sie kaum entgangen find. Nach so vielen Jahren von Leiden und Trübsalen darf für Europa keine einzige der gemachten Ersahrungen unbeachtet bleiben, aber auch für Frankreich nicht. Frankreich weifs es zu gut, welch eine Masse von Uebeln jener kolo ffalische Despotismus, den ein einziger Mensch ausübte, sowohl über dasselbe, als über die ganze übrige Welt gewälzt hat, die Nationen haben dadurch einsehen gelernt, was lie unter solchen Umständen ihrer Würde als Mitglieder der grofsen europäischen Familie sowohl, als auch der innern Wohlfahrt ihrer Staaten schuldig sind. Dieses Gefühl hat in der neuesten Zeit alle Völker und alle Regierungen ergriffen, und brachte in die politischen Verhältnisse und deren Berechnungen jenen Grad von moralischer Kraft, durch welchen allein die grofse Allianz ein so glückliches Gedeihen erhielt, und sie in den Stand fetzte, den allgemeinen Frieden unter den Thoren von Paris zu erkämpfen. Diese Kraft ist noch vorhanden und unzerstörbar, weil sie aus den mächtigsten Triebsedern und jenen, Gefühlen besteht, welche dem Menschen die theuersten find: Der Liebe zur Religion, zum Vaterlande und zur Nationalehre. Der Friedens-Traktat vom 30. Mai legte den Grundstein zur Wiederherstellung des europäischen Völkerrechts und er fetzt durch feine Folgen eine heilsame Uebereinstimmung zwischen den Fortschritten des Zeitgeistes und der Vervollkommnung der Konstitutionen fest, die geeignet find, jedem Volke den Genuss seines Ruhmes und feiner Freiheit zu verbürgen. Der Wiener Kongrefs war im Begriff, das Werk der Wiederaufbauung des politischen Systems von Europa zu vollenden. Diefer nämliche Kongress, der Gang, den derselbe befolgte, beweifen, dass alle Interessen reiflich abgewogen wurden, und feine Arbeit bietet das tröstende Resultat dar, welches den Völkern die Unveräufserlichkeit ihrer Unabhängigkeit sichert. Es ist nicht mehr der Wille des Stärkern, welcher die Stimme der Wahrheit erstickt, und den rechtmässigsten Widerstand scheitern macht. Es ist das Recht eines Jeden, es ist die allgemeine Uebereinstimmung, es ist die Gerechtigkeit und die Staatsvernunft, welche entscheiden. Es find nicht mehr die Heere. Europa will den Frieden. Es bedarf dessen ohne Zweifel. Allein dasselbe wird nicht glauben, ihn erlangt zu haben, als wenn er auf unbewegliche, jedem Staate anpassende Grundfätze, und auf das Allen gemeinsame Interesse, ihn zu erhalten, gegründet seyn wird. Europa will nicht wieder dahin gebracht werden, den Frieden der immerwährenden Schutzwehr der Heere anzuvertrauen. Europa kann es nicht, ohne feine moralische Kraft zu verlieren. Allein kann jenes Frankreich, das durch Adreffen repräsentirt, jenes Frankreich, welches von einem Manne regiert wird, dem Meineid und Wortbrüchigkeit aller Traktaten auf den Thron geführt haben, so lange diefer Mann in dessen Namen spricht, Anspruch darauf machen, Zutrauen einzuflössen, welches die erste Grundlage aller politischen Verträge ist. Ganze Staaten, fo wie einzelne Menschen, verdanken ihren Kredit nur ihrer eigenthümlichen Handlungswveise. Europa hat dem Bonaparte den Krieg erklärt. Es ist nun die Reihe an Frankreich, Europa davon zu überzeugen, dass es von dem Gefühl feiner Würde zu lebhaft durchdrungen sey, um die Oberherrschaft dieses Menschen länger zu ertragen. Die französische Nation ist mächtig und frei. Ihre Freiheit und Gröfse ruhen in ihr selbst, und find ein Bedürfnifs für das europäische Gleichgewicht. Dies hat der zu Paris abgeschloffene Friede, und der noch zu Wien fortbestehende Kongress bewiesen. In diefem Sinne ist die Declaration vom 13. März abgefasst, und darauf gründet sich ihre Hoffnung. Diefer Declaration liegt keine andere Voraussetzung zum Grunde, als die Achtung, welche Europa bis jetzt von rechtswegen dem franzölischen Volke bezeigt hat. Europa hat über das französische Volk fein Urtheil gefällt. Europa weifs, dass dieses Volk über seinen wahren Vortheil zu fehr aufgeklärt ist, und die Grundfätze der Ehre zu genau erwogen hat, um glauben zu können, dieses nämliche Volk werde sich dem unbedingten Willen eines Menschen noch ferner unterwerfen, dessen Macht aus Elementen zufammengesetzt ist, die den Ruin der Staaten nothwendig herbeiführen müssen. Man wiederholt es hiermit noch einmal, fobald Frankreich fich von stinem Unterdrücker losmacht, fobald es zu den Grundfätzen zurückkehrt, auf welche die gefellige Ordnung gestützt ist, dann wird Frankreich von diesem Augenblicke an mit ganz Europa im Frieden leben. Heinsberg, vom 2. Mai. So wie bei der Aufstellung des Königl. preussischen Adlers am 22. April unser geehrte Herr Bürgermeister Janfenius das verfammelte Publikum als Redner von dem hohen Werthe feines neuen königlichen Regierers und Vaters zu überzeugen und die Zuhörer für ihre neuen heiligen Pflichten zu gewinnen und zu stärken fuchte, fo hat nun auch vorgestern, am 50. April, der hiesige ehrwürdige katholische KantonsPfarrer, Herr M. Melchers. im Tempel des Herrn, bei Gelegenheit der Vorlesung der königlichen Verkündigung und der Besitznahme-Patente, eine treffliche und im ächten Geiste der Religion und wahre Vaterlandsliebe verfaîste Rede an feine Gemeine gehalten, in welcher derselbe den Zuhörern den Gehor. fam, die Liebe und Treue für unfern edlen Monar chen als Christenpflicht aufstellte, und fodann die Glieder der Gemeine insbefondere aufrief, unter den jetzt eingetretenen Umltänden, ihren treuen Gehor sam durch Erfüllung der Befehle des Königs zur Ver theidigung des Vaterlandes und der Sache der Gerech tigkeit zu bezeugen. Beispielweife stellte er das Betra gen der Bethulier, bei der Belagerung ihres Wohnorte durch Holofernes, auf, wie alle Waffenfähigen sich bewehrt und die Schwachen zum Gebet ihre Zufluch genommen; an diese Darstellung knüpfte er die Ermahnung, dass jeder gute Bürger jetzt ein Glei ches zu thun für Schuldigkeit halten müsse; fo wie l er darauf hinwies, dass man dem gegebenen Worte de redlichen Königs vertrauen, und die mancherlei jet geforderten Opfer und den Druck des Augenblich nicht dem edeln Herzen des Königs, fondern d Verderbtheit eines benachbarten Volkes und dem göttlichen Zorn beizumeffen habe, und wie deshalb Jeder-d mann die Pflicht habe, jede durch die Umstände gebotene Anstrengung mit Ergebung zu übernehmen und von einer, durch Friedrich Wilhelms Tugend festy verbürgten, glücklichern Zukunft Erfatz für augenblickliche Leiden und Opfer zu hoffen. Die andachtsvolle Erbauung der zahlreichen Gemein, war überall sichtbar, und die politische Feier des Ta ges erhob sich dadureh auch zu einem religiöfen gottgefälligen Feste.— Wie viel Gutes können doch Obrigkeiten, Geifiliche und Volkslehrer bei feierlichen Gelegenheiten wirken, wenn sie, mit der Würde ihres erhabenen Berufes auch die Würde1 und Kraft der Rede vereinen, um das Volk zum Bessern zu erheben(nicht im Napoleonschen Sinne zu bearbeiten) fondern wirklich ihm feine heiligen Pflichten werth zu machen. Das nur ist ihr Beruf rC be — Der Herr General-Gouverneur Gruner zu Düsseldorf macht unterm 7. d. M. bekannt, dass der Pariser Moniteur vom 3. Mai eine Proclamation an Deutschland von ihm enthalte, welche ganz falsch, und eine der gewöhnlichen Lügen Bonapartes sey. — Es foll zwischen Russland und Preussen efn Conmerz-Tractat errichtet und zu dessen Verhandlung eine eigene Commission niedergesetzt werden. — Am 21. April hatte man in Genua die Nachricht, re dass in Marseille wieder die weisse Fahne wehe und dass spanische Truppen über die Grenze vorgerückt seyn sollen. dib denl— Der Altonaer Merkur enthält einen Brief der Erzherzogin Marie Luife, den fie vor Kurzem an den Statthalter von Parma geschrieben haben soll, der uns aber nicht als ächt erscheint; dennoch find einige Stellen darin merkwürdig, weil die erhabene Perfon sie wenigstens hätte schreiben können.“ Meine Wüngelsche,„ heifst es darin,„ verwarfen die Hand Napofeons. Eine gehorsame Tochter, gab ich den Bitten eines geliebten Vaters nach, und opferte mich für mein Vaterland. Die französische Nation verliefs Napoleon in seinem Unglück, und rief einen Fürsten zurück, den fie geächtet hatte; Napoleon erscheint „wieder, un das Volk verlässt feinen König: welche unwürdige und treulose Nation! Nie werde ich zu ihr zurückkehren!„ der ött.1— Nach dem Hamburger Correspondenten hat S. M. ler-der König von Preufsen den Prinzen L. voa Heffenge. Homburg zum Gouverneur von Luxemburg ernannt. in— Der k. spanische Gefandte zu Hamburg, J. de ten Yzuardy y Yzquierdo, widerspricht in einer öffentlichen Bekanntmachung den in französischen Journalen enthaltenen Behauptungen, dass die spanische Nation n unter sich entzweit fey, und fetzt versichernd hinzu: Allerdings hat eine allgemeine Bewegung in meinem M.(Vaterlande statt gehabt, allein es war eine Bewegung der Erbitterung gegen den Störer der öffentlichen Ruhe; die Spanier rüsten sich, aber nur, um Europa einen neuen Beweis der Ergebenheit für ihren geliebten König und für ihr Vaterland zu ertheilen.„, — Das Journal de l’Empire will Privatnachrichten aus Italien erhalten haben, welchen zu folge der König von Neapel einen bedeutenden Sieg über die Oestreicher bey Cesena foll erfochten haben; Mürat nahm bey diefer Gelegenheit den Letztern nicht weniger, als 3000 Gefangene ab.— Wer wird fich hier nicht der Siege erinnern, welche die Franzosen im Jahre 1813. in ihren Bülletins stets erfochten hatten. Auch bey Hanau waren fie Sieger und zwar apres avoir ecrase toute larmee bavaroise. Ist alfo vielleicht hier doch etwas an der Sache, fo mag wol das bei Rimini, im Rücken der Neapolitanischen Armee, gelandete, wahrscheinlich nicht sehr starke östreichische Corps, bey Cesena auf Mürats ganze Armee gestossen, und dieser letztern, weelRr hT ne nne gen ihrer unverhältnissmässigen Ueberzahl, es gelungen seyn, sich glücklich— durchauschlagen. — Nach einem Dekrete Bonapartes vom 22. April follen in den franz. Grenzdepartementen Freikorps errichtet und wie die leichte Infanterie und Kavallerie organifirt werden. Jedes Korps wird 1000 Mann Infanterie und 30o Mann Kavallerie stark. Die Infanterie wird ohne Unterschied mit Musketen oder Jagdflinten und die Kavallerie mit einer Lanze bewaffnet. Die Korps rüsten sich gänzlich auf eigne Koften aus. Sie erhalten keinen Sold, weder nach dem Kriegs- noch Friedensfuss: sie haben jedoch Anspruch auf die Lebensmittel im Felde, aber nur zu Kriegszeit. Diese Freikorps können 2-, 3- oder Apfündige Kanonen mit sich führen und dann wird ihnen die Munition aus den Arfenalen geliefert; sie find aber gehalten, Pulver und Kugeln für 600 Schüffe bei sich zu haben. Alles, was die Korps erbeuten, gehört ihnen als gute Prife. Die Kanonen, Pulverwagen u. Militaireffekten werden von dem Staate zu dem Preife von 3/4 des Werthes gekauft. Für die Gefangenen; welche sie machen, werden Prämien ausgesetzt. Auch in den Departementen des Innern können sich folche Freikorps bilden, sie verlassen aber ihr Departement nicht eher, bis die Feindfeligkeiten ausbrechen, dann können sie sich auf die Grenze begeben, wohin sie wollen, wenn sie die Befehle des Kriegsministers eingeholt haben. (Auf Carnots und Davoufts Vorschlag errichtet also Bonaparte Partheigänger- und Frei-Corps, die keinen Sold erhalten, und daher nach Belieben plündern und rauben können. Dazu wünschen wir Frankreich von Herzen Glück. Entweder bleiben diese Horden im Innern Frankreichs zum Schrecken ihrer Mitbürger, und wir haben nichts dawider; oder sie sind bestimmt, in nachbarliche Länder einzudeingen. In diefem Falle— den jedoch unfere tapfern Heere wahrscheinlich vor der Hand verhüten werden— wifsen nun die Bewohner der Gränzländer, was sie von den Franzosen, wenn Napoleon reuflirte, zu erwarten hätten, die schon in früherer Zeit, als sie zum Plündern und Rauben noch nicht authorifirt waren, diefes edle Gewerbe aus eigener Liebhaberei ziemlich meisterhaft betrieben. Eine neue Aufforderung für Deutschlands Landwehren und Krieger zur kräftigsten Vertheidigung ihrer Heimath, liegt folglich offen (470) bar in jenem Dekret Napoleons; und auch in diefer Hinsicht wünschen wir Frankreich und uns Glück zur haldigen Erlösung. Wahrlich, diese Maassregel ist von einer Art, dass man den jetzigen Gewalthaber Frankreichs, wenn dessen frühere Regierer den Titel: Allerchristlichste Majestat führten, mit Recht den allerunchristlichsten Machthaber nennen kann. Franzofen! wenn Ihr Augen habt zu sehen, so sehet!) — Sonderbar kontrastirt mit der Zuverläfsigkeit, womit der Moniteur Bonapartes Vertheidigungs-Anstalten ankündigt, die von mehrern Seiten beltätigte Nachricht, dass man im Innern der Tuillerien mit Einpackung der Kostbarkeiten, Gemälde etc. beschäftigt ist, auch manches unter der Hand verkauft.— Napoleon wird vorerst fein Hauptquartier zu Condé aufschlagen; doch ist feine Abreise dahin noch verschoben worden. Der General Lapoype ist zum Gouverneur von Lille ernannt.— Marschall Mortier ist mit ausserordentlichen Aufträgen von Paris abgereiset. — Handelsbriefe aus Lyon, in der allg. Z., wollen verlichern, der Herzog von Angouleme fey nicht gefangen worden, sondern habe sich zu Cette freiwillig, und ohne Widerstand zu finden, auf einem englischen Fahrzeuge eingeschifft.(Dies wird auch durch die in unferm vorigen Blatte gemeldete Landung dieses Prinzen zu Nizza höchst wahrscheinlich.) — Der Herzog von Willington und der Fürst Blücher hatten am 3. d. eine Unterredung zu Tirlemont, wohin sich ersterer von Brüffel, letzterer von Lüttich zu diefem Zwecke verfügte. — Der Oberst Baron Pernet, erster Aide de Camp des Marschalls Berthier, hat in das, Journal de Paris eine Anzeige rücken lassen, dass letzterer in Bamberg und nicht in Wien sey, und nur die nöthigen Pässe erwarte, um mit feiner Familie nach Frankreich zurückzukehren.(Also doch?) — In der Nacht vom 25. zum 26. April traf ein Kurier von Paris zu Hüningen ein, worauf der gröfste Theil der dort siehenden Truppen sich fofort in Marsch fetzte. Diefe Maassregel kam um fo unerwarteter, da bisher immer mehr Verstärkungen auf diesem Punkt eingetroffen waren; sie muss daher irgend einen ausferordentlichen Grund haben. Alle Gemeinden der umliegenden Gegend. müssen Mannschaft in die Festung liefern, um die Truppen zu erfetzen. Alle östreichischen Zeitungen haben einstimmig erzählt. Marie Louife habe den Kaifertitel abgelegt und führe jetzt blos den einer Erzherzogin von Frankreich; nun aber erfahren wir auf einmal, durch die in Parm erlassenen Publicationen, gerade das Gegentheil; und eben fo wissen wir jetzt durch Privatdachrichten, da auch mit der Livree der Dienerschaft dieser Fürsti bis heute noch keine Veränderung ist vorgenommen worden. — Was gleich Anfangs zu vermuthen stand, ist nu wirklich geschehen. Bonaparte eröffnet bereits durch die französischen Zeitungen auch den andern Völkern die Aussicht zum Mitgenufs des goldenen Zeitalters, das in Frankreich herbeizuführen im Begriff ist. Die 64 zette de Franze unter andern enthält einen Art kel aus Wien mit allerlei schönen Erzählungen au Wien über die deutschen Angelegenheiten und schich einige giftige Bemerkungen voraus, die freilich nu in Paris Glauben finden und Wirkung haben könner Der grofsmüthige Zeitungsschreiber, welcher es mi dem armen deutschen Volke so fehr gut zu meinen scheint, äussert sich nämlich also:„ Es giebt kein Land, wo man fich mit fo widersprechenden Nach richten trägt, als in Deutschland; jeder kleine Tür hat Jeine eigene Politik und sein befonderes Interesse, w ber, wie leicht zu sehen ist, der Wunscn, der Vorth und das Glück der Volker für nichts gerechnet werden. (Eine bittre Wahrheit bis jetzt! Aber hoffentlie wird darin künftig eine Verbesserung erfolgen.) Brüssel, vom 8. Mai. Heute sindzum ersten Male die franz. Zeitungen hieraus geblieben: Unter den franz. Truppen bei Cambrai len Bewegungen statt finden. Der König von Frank reich hat unter dem 2. Mai eine neue Proclamatio an das französische Volk erlassen, durch welche er li einladet, sich von dem Joche des Ufurpators los machen, und für die Wieder-Vereinigung mit ihrer rechtmässigen Könige zu handeln. Aachen, vom 11. Mai. rie, Se. Excellenz der königl. preufs. General der Infontt Graf Bülow von Dennewitz find heute v. Köln hier angekommen. Anzeige. Am Kompesbad auf Petersbrücke fteht ein schönes Quar zu vermiethen, welches den 1. Junius bezogen werden Die Bedingnissen sind bei Frau Robens im goldenen Drach zu vernehmen.