(N. 55.) JOURNAL des Nieder- und Mittel-Rheins. JOURNAL DU BAS-RHIN ET DU RHIN-MOYEN. Aachen, Dienstag den 9. Mai. 1815. Aix-la-Chapelle, mardi le 9 mai. N°. 61. Bekanntmachung, provisorischer Dienstanstellungen. Die im verwichenen Monat genehmigten proviforischen Ernennungen und Versetzungen von Beamten werden nachstéhend zur allgemeinen Kenntniss gebracht. N.° 61. FUBLICATION concernant la nomination provisoire de différens fonctionnaires publies. Les fonctionnaires publics dont la nomination provisoire ou le transfèrement a d’autres places a été approuvé durant le cours du mois dernier sont: NB. In der letzten Bekanntmachung der Angestellten, in Nro. 43 des Journals vom Nieder- und MittelRhein, ist Herr Detroux irrigerweise als Anwald aufgeführt, derselbe ift zum Richter beim Kreis-Gericht in Bonn ernannt worden, (456) Namen der provisorisch angestellten Beamten. Datum der Ernennung. Wohnort. Bezirk. Departement. Bezeichnung der conferirten Stelle. Finanz-Verwaltung. 1. Directe Steuern. Steuer-Einnehmem 29 2 291 „ Beaujan, Arnold Eber- 22. 2 hard Theodor. Aachen, den 6. Mai 1815, 2. Renthei-Verwaltung. Lüttich. Lüttich.[Maas u. Ourte. Aspirant bei der Renthei-Verwaltung. Der General-Gouverneur vom Nieder- und Mittel-Rhein, SACK. Fait à Aix-la-Chapelle, le 6 mai 1815. Le Gouverneur-général du Bas-Rhin et du Rhin-Moyen, SACK. Ueber den am 1. Mai zu Aachen gestifteten Frauen-Verein. Es wurde am 22. Mai v. J. in dem Journal des Nieder- und Mittel-Kheins(1. Theil N.? 36 und 37) ein Plan zu einem allgemeinen Wohlthätigkeits-Verein achtbarer Frauen und Jungfrauen im ganzen Umfange des General-Gouvernements bekannt gemacht, dessen Einleitung Alles auseinander fetzt; was in den altpreussischen Provinzen zuerst für die Equipirung freiwilliger Vaterlands-Vertheidiger und späterhin für Kranke und verwundete Krieger geleistet worden ist, und wovon der Plan seibst die Grundfätze enthält, nach welchen ähnliche Verbindungen diesseits des Rheins bereits eingerichtet worden, theils noch organifirt werden könnten, nicht allein um für die Bedürfnisse der Militair-Hospitäler zu forgen, sondern auch, weil die Nothivendigkeit diefer Hülfsleistungen in diesen Gegenden sich bald bedeutend vermindern und nach einem kurzen Zeitraume ganz aufhören musste, um im Allgemeinen für die Milderung des menschlichen Elends in den niedern Volks-Klassen wohlthätig zu wirken. Auf diese Art wurde in diesen Gegenden, namentlich zu Köln und Cleve, manches Gute eingeleitet und gestiftet, aber es muss eigentlich den ruhigern Zeiten, wo die Palme eines dauernden Friedens wieder unter uns aufblühen wird, vorbehalten bleiben, die in dem oberwahnten Plane entwickelten menschenfreundlichen Zwecke in ihrem ganzen Umfange auszuführen. In den jetzigen Augenblicken des Krieges und der Gefahr, wo das Vaterland ruft, wo seine Söhne sich zur Behauptung der errungenen und wieder bedrohten Freiheit, Unabhängigkeit und National-Ehre bewaffnen, wo wir fo nahe am Kampfplatze uns befinden, dass die, welche für Deutschlands und Europas Heil streiten und bluten werden, zum Theil ihre erste Hülfe von unsern milden Gefühlen und unfrer lindernden Hand erwarten müffen; wo eine Landwehr ausgehoben werden foll, wodurch Familien, ihrer gewöhnlichen Stütze zum Theil beraubet, auf unfere Unterstützung gerechten Anspruch haben, ist es nöthig, dass die schon bestehenden Frauen-Vereine auf ihre ursprüngliche Hauptbestimmung beinahe ausschliefslich zurückkehren; dass die Mitglieder derselben sich noch näher aneinander schliefsen und verschwistern, um mit neuem Muthe und gemeinsamer unermüdeter Thätigkeit überall zu Hülfe zu eilen, wo es erforderlich ist; und endlich dass da, wo folche Verbindungen noch nicht statt finden, sie aufs ſchnellste und zweckmäſsigste gebildet werden. (458) Und so find denn auch hier in Aachen, als der Haupt- und Relidenz-Stadt des General-Gouvernements, welche durch Lage, Verhältnifse und fo viele grosse und ehrwürdige Erinnerungen aus der deutschen Vorzeit befonders verpflichtet ist, das Beispiel den andern Städten und Gemeinden zu geben, unter der Leitung der Frau General-Gouverneur, geheime Staatsrathin Sack, mehrere achtbare Frauen, vom regen Eifer für das allgemeine Wohl befeelt, zufammen getreten und haben am 1. Mai einen Verein, um für die Bedürfnisse der Vaterlands-Vertheidiger zu forgen, nach den in dem oberwähnten Plan voin 22. Mai v. J. aufgestellten Grundfatzen, infofern sich folche auf die gegenwärtigen Bedürfnisse der muthigen Vaterlands-Vertheidiger bezieben, gebildet und zugleich folgenden allgemeinen Aufruf unter dem nemlichen Datum ergehen lassen. Aufruf des zu Aachen am 1. Mai gestifleten FrauenVereins an die Einwohner des General-Gouvernenents. Wenn das Vaterland ruft, feine Söhne sich überall bewaffnen; um dem Feind voin heimathlichen Boden abzuwehren und für Freiheit, Unabhängigkeit und Nationalehre zu kämpfen, wo ist die achtbare Frau und Jungfrau, wo ist der Mann der durch Alter, Cebrechlichkeit oder sonstige Verhältnisse abgehalten wird, an diefem ehrenvollen Kampf Theil zu nehmen, die nicht sämmtlich ihre Kräfte anstrengen, öffentlich und im Stillen foviel als Vermögen, häusliche Lage, Alter und Geschlecht es gestatten, dahin zu streben bereit wären, um wenigstens für die Bedürfnisse der Tapfern zu forgen, welche weder Mühseligkeiten noch Gefahr, noch den Tod achten, um uns die höchsten und heiligsten Güter des Lebens zu sichern! Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, haben sich die unterzeichneten Frauen der Stadt Aachen zu einem Wohlthätigkeits-Verein am 1. d. M. verbunden und laden ihre patriotischen Mitschwestern, so wie auch alle Einwohner diefer Haupt- und Residenz-Stadt des ganzen General-Gouvernements und alle Einfassen aus den Gemeinden, wo keine befondere Frauen-Vereine gestiftet worden sind, hiermit ein, thätigen Antheil an der von ihnen geschlosfenen schwesterlichen Verbindung nehmen zu wollen. Jede Gabe, die Kleinste wie die Gröfste, an Geld oder Geldeswerth, als gebrauchte und neue Leinewand, Wolle zum Stricken, Hemden, wollene Socken und Leibbinden, gebrauchte männliche Kleidungsstücke, Wundbänder, Compresfen, Charpie, überhaupt alles, was der gesunde, des kranke und verwundete Krieger gebrauchen kann, wie auch Sachen, die zum Vortheil der gemeinschaftlichen Casse des Vereins benutzt und veraufsert werden können, werden mit herzlicher Erkenntlichkeit von der Gefelllchaft angenommen und zu dem beablichtigten wohlthätigen Zwecke nach und nach verwendet werden. Wer Geldbeiträge giebt wird sich besonders dem Vereine verpflichten, wenn er einen monatlichen Beitrag bestimmt und zwar sich zu der nämlichen Summe während fechs Monaten verbindet, nach welchen er die Verbindlichkeit erneuern oder modifiziren kann, weil dadurch eine Art von cisernem Besiand und fixer Einnahme für die Casse gebildet wird. Es werden die Mitglieder nicht allein ihre Verwandte, Freunde und Bekannte zur Unterstützung des patriotischen Zweckes der vou denfelben eingegangenen Verbindung aufmuntern und Beitrage von ihnen sammeln, aber unaufgefordert mögen auch die übrigen Einwohner und Einwohnerinnen dieser Stadt und die Einfafsen des General-Gouvernements ihre Gaben einschicken. Erstere können sich dieferhalb an eine der unterzeichneten Frauen, und zwar an welche sie wollen, genannt oder ungenaunt, wenden. Die andern können es hierher, unter der Adresfe: an den HauptFrauen-Verein zu Aachen, zukommen lasfen. Ueber die Vorräthe in dem Depot der eingesammelten Effekten, oder Summen der Beiträge, und der Verwendung des Geldes und der Sachen, wird von Zeit zu Zeit in dem offiziellen Journale des Niederund Mittel-Rheins Rechenschaft abgelegt werden. Und nun möge denn der Himmel diefen, aus reinem Bestreben, das Gute zu wollen und es muthig auszuführen, erlassenen Aufruf huldvoll und reichlich fegnen! Aachen, den 1ten Mai 1815. Die Mitglieder des Haupt-Frauen-Vereins zu Aachen, Vorsteherinn: M. Sack, geporne v. Reimann; ViceVorsteherinnen: Heyder-Bruckner, L. Starz, geb. Von Achten; Mitglieder: C. Bölling, H. Schlöller, Nanette von Fürth, geb. v. Collenbach, von Guaita, geb. von Heinsberg, Van Houtem, geb. Schwendel, L. Koppe, geb. von Krell, S. Gossen, geb. Iling, von Weichs, gep. von Lützow, Wilhelmine Kelleter, Caroline Heuberger, geb. Schüler, Collenbusch, geb. Claus, C. Reumont, gebEsser, D. Paftor, gen, von Scheibler, von Reimann, geb, von Tschirzky. 459) Berlin, vom 2. Mai. Se. Excellenz der Herr General der Infanterie Graf Bülow v. Dennewitz und Herr Generalmajor v. Valenini sind nach Halberstadt, und der Herr Generalmajor v. Rauch nach Frankfurt a. M. abgegangen. Es haben schon mehrere Eingeborne des an Preussen kommenden Theils von Sachfen, bei dem KriegesMinisterio sich gemeldet, um als Freiwiliige bei dem Preufsischen Heere an dem bevorfiehenden Kampfe thätigen Antheil zu nehmen. Das Krieges-Ministerium bezeigt diefen braven jungen Männern hierdurch öffentlich feine Achtung über ihren patriotischen Entschlufs, und macht nicht nur Ihnen, fondern auch denen unter ihren Landsleuten, die gleiche Neigung haben, sich an die Vertheidiger ihres neuen Vatérlandes anzuschliefsen, zugleich bekannt, dass sie lich mit ihren Anträgen nach eigener Bequemlichkeit entweder an das General-Gouvernement des Königreichs Sachfen zu Dresden, oder an das General-Commando der Marken und Pommern in Berlin, oder an das MilitärGouvernement für die Preufsischen zwischen der Elbe und Wefer, in Halberstadt, wenden können, von welchen ihre hochherzigen Wünsche gewils möglichst werden berücksichtigt werden. Berlin, den 28. April 1815. Königlich Preussisches Krieges-Ministerium. In Abwesenheit des Herrn Kriegs-Minister, SCHOELER. — Um die bei der Armee befindlichen Soldaten über das Schickfal ihrer in der Heimath zurückbleibenden Familien vollkommen zu beruhigen, sind von Seiten des Armee-Kommandos alle nöthigen Vorkehrungen getroffen, damit den Frauen und Kindern der Soldaten, so wie es auch im Jahre 1813 und 1814 geschah, in ihren Wohnorten Holz und Brod verabreicht, und überhaupt der Wille Sr. Majestät des Königs, die Familien feiner braven Krieges gegen Mangel zu schützen, zur vollkommensten Ausführung gebracht werde. Wien, vom 27. April. Nachrichten aus Trieft von 21. d. M. zufolge, war daselbst der neapolit. Bothschaftsrath v. Questiaux eingetroffen, und verlangte nach Wien mit wichtigen Depeschen gelassen zu werden, welche er von dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Duca di Gallo, am 18. in Ancona an die neapolit. Gesandschaft zu Wien abgeben follte. Der Gubernialrath v. Spiegelfeld erklärte dem Abgeordneten, dass er Befehl habe, in Folge des Krieges jeden neapolit. Agenten abzuweifen. Der Hr. von Questiaux hat demnach am folgenden Tage feine Rückreile unverrichteter Dinge angetreten. Es scheint, seinen Aeusserungen zufolge, dass der König Mürat, nachdem er auf allen Punkten geschlagen worden war, und nun die Gewissheit erlangt hatte, dass die italienischen Völker feinen Vorspiegelungen einer anmasslichen Freiheit, unter feinem Zepter, keine Zustimmung zu geben, sich berufen finden, die von ihm ergriffene Offensive als einen blosfen Irrthum erscheinen lassen möchte. Diese Frage wird die tapfere k. k. Armee zu beantworten wissen.(Hofzeit.) — Die verbündeten Mächte haben eine Kommission niedergesetzt, um die Mittel ausfindig zu machen, durch welche die Armeen am schnellsten und für die Länder am schonendsten an das Ziel ihrer Bestimmung gelangen könnten. Diese Commission hat nun ihren Bericht erstattet, aus dem hervorgeht: dass man das System der Requisition verabscheue, das Syftem mit Lieferanten als zu ausfaugend für die Länder erklären müsse, und daher die Selbstverpflegung der Truppen auf ihrem Marsch gegen Vergütung als das einzig Zulässige erkenne. Demnach ist der Antrag, für jeden Mann oder eine Portion 5 1/2 Kzr. zu vergüten, für jede leichte Pferderation 8 Kzr., für die schwere 12 Kzr. im 24 Guldenfuss. Die Regierungen zahlen in die Kaffen und rechnen durch Quittungen für Verpflegung ab. Für Fuhren wird nichts vergütet, falls fie nicht über 30 Zentner betragen und mehr als 4 Pferde erfordern. Oestreich fetzt zu Augsburg, Rulsland zu Frankfurt und Preussen zu Köln, eine Commisfion nieder, bei der liquidirt und der Ueberfehufs ausbezahlt wird. Vor der Hand sind der Kasse 15 Mill. Gulden zur Disposition überlassen. Bergamo, vom 22. April. 1tba So eben trifft die Nachrichf ein, dass auch Rom wieder in östreichischen Handen"sey, und der Grofsherzog von Toskona ist bereits wieder in Florenz eingezogen. Die Neapolitaner leiden auf ihrem eilfertigen und unordentlichen Rückzuge auch fehr viel durch Desertion, so dass fast keine Armee mehr besteben foll.— Bei dem Volksaufstande in Neapel foll der Polizeiminister vom Volk umgebracht worden feyn. — Auch Ankona(so versichern schweizer Zeitungen vom 28. April auf erhaltene Privatbriefe) ist schon in den Händen der Oestreicher. Polen. Hier haben, wie verlautet, einige franz. Emiffäre leife angeklopft, um die alten polnischen Patrioten aus Kosziuskos Zeit aufzureizen, und zu bewirken, dass Russlands, vielleicht auch Oestreichs Blick weniger ungetheilt auf Frankreich und Italien falle. Sie haben, ob sie gleich die Zeit der Abwesenheit des Grossfürsten Konfantin von Warschau zu ihrem Versuche wählten, doch nur Wenige verführt, und die schnelle Rückkehr dieses Prinzen und schleunig angewandte Maassregeln haben die Versuche gleich wieder unthätig gemacht.. Paris, vom 2. Mai. Acht Armee- oder Obfervations-Corps find in Frankreich errichtet; nämlich: die Nord-; die Mofel-; und Rhein-Armee; das Jura-Obfervâtions-Corps, welches sich zu Befort vereinigt; die sich bei Chambery vereinigende Alpen-Armee; das Observations-Corps des Var, welches sich zu Antibes fammelt; ObfervationsCorps der Pyrenäen, desfen Sammelplätze Perpignan und Bordeaux sind; und die Referve-Armee, in der Gegend von Paris und Laon 400 Bataillons Grenadiere und Jäger der NationalGarde find errichtet. Ein Theil davon ist schon auf dem Marsche an die Grenzen, und der Rest wird noch vor zehn Tagen folgen können: 500 Bataillone der activen Armee vereinigen sich. 120 Regimenter Infanterie und 70 Regimenter Kavallerie können komplet gemacht werden. Freiwillige Kavallerie- Regimenter bilden sich, Elfaſs liefert zwei Lanzen Kavallerie-Regimenter, jedes zu 1000 Man. Mann hofft, dafs die Bretagne, die Normandie und das Limousin, wo man gleichfalls viel Pferde aushebt, ein Gleiches thun werde. Hundert und fünfzig Batterien find schon bespannt und auf dem Marsche zu den verschiedenen Armeen. Partheigünger- und Frei-Corps bilden sich in einer grossen Anzahl in den Departements. Die Organisation des Aufslandes in Masse in Elsass, Lothringen, Messin, der Franche-Comté, in Burgund, der Dauphiné und der Picardie ist vorbereitet; mehrere Ober- und un60) teren Offiziere der Linien-Truppen find damit, wie mit dem Commando, beauftragt. 60,000 Mann der Marine, welche im Jahr 18 die Kriegs-Fahrzeuge bedienten, werden wiederu sich organifiren; sie follen in Regimenter eingetheid und von den Schiffskapitainen kommandirt werden Ein Theil diefer Truppen begiebt sich auf die Schiffe ein anderer vertheidigt die Küsten und der dritt verstärkt die Referve-Armee. Ganz Frankreich ist in Bewegung. Wenn die Ver bündeten Krieg gegen uns wollen, so werden sie di Früchte eines Angriffs auf die Rechte der französische Nation sehen. In dem Kampfe für die Unabhängigkei der Nation und, die Ehre des Throns wird ganz Frau reich wetteifern, und keinem Einzelnen wird irgen ein Opfer für diefen Zweck zu grofs feyn.(Obijt ist Auszugsweife aus dem Moniteur[yom 3. Mai entnommen, wie der Unterrichtete leicht an de Prahlerey bemerken kann, die in dem Ganzen wa tet. Uns kommt diese Aufzählung der Streitkräfte vog wie ein Strohmann in den Erbsen; sobald die Vög ihn kennen, wie wir den Moniteur, erschrecken st nicht mehr davor, weil sie wissen, die Figur sey u schädlich und todt. Wäre aber die Angabe auch al Wahrheit gegründet, bewaffnete auch Napoleon, fl weit fein eiferner Arm reicht. 2» Millionen Fran1 sen: wohl, fo sind 100 Millionen Europäer gegen fil, gerüstet; da nun aber von den 25 Millionen Frazosen noch ganz gewiss 15 gegen den Korfen find, die entweder die Bourbons zurückwünschen, ode einen franzölischen Freistaat wollen, fo wird unse Streit um fo leichter entschieden, und der Rhe nische Merkur nicht gedrungen feyn, den deut schen und ruffischen Laadttrm, Gog und Magog, auf zubieten.— Wann werden die französischen Journalt, doch anfangen, ihren Lefern Verstand zuzutrauen Wann werden fie doch einfehen lernen, dafs wa weder auf ihre Rodomontaden bauet, noch dab zittert?) Aachen, den 7. Mai. Wir haben hier viel über die von den fächsischen Truppen in Lüttich erregten Unruhen gehört; dat Factische daran ist Folgendes: Nach den Beschlüffen der zum Kongrefs in Wien versammelten hohen Mächte foll das fächsische ArmeeCorps in der Art getheilt werden, dafs die, in den an Preussen gefallenen Ländern gebornen Individug ia das Preussische Heer übertreten, die andern' aber dem Könige von Sachsen bleiben. Der Befehl dazu war in Lüttich angekommen, und wurde vor der Ausführung den dort stehenden Truppen, die aus dem Grenadier-Garde Bataillon und einem Grenadier-Regimente bestanden, bekannt. Schon seit geraumer Zeit hatten sich einzelne Gemeine in unsern Gegenden durch ungebührliche Aeusserungen und unziemliches Betragen auf unwürdige Weife ausgezeichnet. Jetzt, als sie von jenem Beschlufs Kunde erhielten, bezeugten lie den Vorsatz, ihm nicht zu gehorchen, indem sie nicht unter den Befehlen der erhabenen europäischen Monarchen stehen, fondern ausschliefslich nur der Ordre des Königs von Sachsen sich unterwerfen wollten. Ihren Standpunkt in der Gefellschaft, ihr Vaterland und den militairischen Gehorfam gänzlich vergessend, zeigten sich mehrere Gemeine von den Garde-Grenadieren am 2. dieses zu Lüttich als offenbare Rebellen, indem sie sich unter Geräusch vor dem Quartier ihres Oberbefehlshabers, des Feldmarschalls, Fürsten Blücher von Wahlstadt; versammelten, schreiend und tobend dem Könige von Sachfen ein Vivat brachten, und einen fächsischen Öffizier, der sie auseinander gehen hiefs, mit Steinwürfen empfingen; doch endigte fich dieser, Abends um 6 Uhr statt gehabte, Vorfall mit dem Auseinandergehen der Thäter noch ruhig. Am Abend um halb 9 Uhr wiederholte sich indessen der empörende Auftritt und endigte weit schändlicher als der erste. Schreien und Toben der berauschten Grenadiere von dem andern Regiment wechfelte mit Drohungen gegen den Feldmarschall, in dessen Wohnung sie, mit Säbeln bewaffnet, gewaltsam eindringen wollten, und eingedrungen wären, hätte nicht der wachthabende sächsische Offizier sich wie ein Mann von Ehre und im schönen Pflichtgefühlbenommen;— hätten nicht die beiden sächsischen Schildwachten, im Geiste braver Krieger und einer edlen Nation, ein gröfseres Verbrechen verhindert. Nur nach vielem Zureden von allen Seiten lösten sich die rebellischen Horden auf, nachdem sie die Spur des militairischen Gehorsams in den eingeworfenen Fensterscheiben des Feldmarschalls zurückgelassen hatten. In der Nacht marschirten sie, einem früheren Befehle gemäss, nach Huy ab, aber auch unter Excelsen, indem sie lärmten und tobten, und nach der Aussage glaubwürdiger Männer in das ihrem Könige gebrachte Vivat auch das Lebehoch Napoleons ehrvergessen einmischten. Ein noch in Lüttich zurückgebliebenes Bataillon Grenadiere, das am 3. gleichfalls die Stadt verlassen sollte, widerfetzte sich förmlich den Befehlen feiner Offiziere, und verspottete sie. Nur mit Mühe schaffte man sie, aufgelöst, wie eine PartheigängerRotte, fort, um sie der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern. Merkwürdig ist es, dass sich einzelne Gemeine Mühe gaben, die Einwohner von Lüttich zur Theilnahme an ihrem Verbrechen zu überreden, nachdem kurz zuvor der Parifer Moniteur gemeldet hatte, die Sachfen hätten in Lüttich revoltirt und die Bürger daran Theil genommen. Aber die braven Einwohner von Lüttich bezeugten, fiatt der Theilnahme den tiefsten Abscheu gegen ein unwürdiges Verbrechen, und erboten sich, zur Herstellung der Ruhe mitzuwirken, was auch geschah, indem die Bürger-Miliz den Dienst der Wachten und Patrouillen mit Eifer und Pünktlichkeit versah, und ihre Pflicht in einem hohen, lobenswürdigen Grade übte, bis das Einrücken preufsischer Truppen, am 3ten Nachmittags, die Erhaltung eines ruhigen Zustandes verbürgte. Gestern erschien in Lüttich folgende Proclamation: Soldaten des sächsischen Armee-Corps!„ “ Schauderhafte Verbrechen find aus Eurer Mittehervorgegangen. Mit Vertrauen hatte ich mein Quartier bei Euch aufgeschlagen, als ich von einer Rotte Rebellen, die ihren Offizieren den Gehorsam aufgesagt hatten, und 3 Tage im Aufruhr beharrten, meuchelmörderisch angefallen wurde. Soldaten! Ihr würdet beschimpft, Eurer National-Ehre verlustig, vor ganz Europa erscheinen, weun ich Euch nicht das ehrenvolle Zeugnifs geben müsste, dass Ihr das Gefühl des Abscheues gegen eine verworfene Rotte, welche die erste Pflicht des Soldaten. Gehorfam gegen feine Offiziere, verletzen konnte, hinreichend ausgedrückt hättet.„ “Ihr habt, mit Vertrauen auf mich, darauf gerechnet, daſs ich die Ansprüche, die Eure Ehre und dieKriegsgesetze zu machen berechtigt sind. erfüllen würde. Ihr habt Euch nicht getäuscht.„ “Das Grenadier-Regiment hat aufgehört zu seyn.— Die von ihm entehrte Fahne ist verbrannt worden, (462) und dem Verbrechen ist die Strafe auf dem Fusse gefolgt.„ “Soldaten! fahrt fort auf die Stimme Eurer Offiziere zu hören; sie sind nicht allein berufen, Euch am Tage der Schlacht zu führen, es gehört auch zu ihren Pflichten, für Euer Wohl und die Erhaltung Eurer Ehre zu forgen. Ich kann Euch dann meinen Beifall nicht besser zu erkennen geben, als wenn ich zur Erhaltung Eures bis jetzt noch unbefleckten Namens fortfahre, diejenigen der Strenge der Gesetze zu überliefern, die, Verführer oder Verführte, es wagen sollten, den Soldaten-Ruhm durch Frevelthaten zu beschimpfen.„ “ Lüttich, den 6. Mai 1815.„ “BLUCHER.„ Wie wir vernehmen, ist am 5. d. das GrenadierRegiment und das Grenadier-Garde Bataillon entwaffnet, und bei Huy find am 6ten 7 Gemeine von den Grenadieren, als Rädelsführer zum Tode verurtheilt und darauf fogleich erschoffen worden; ein 8ter wurde vom Fürsten Blücher begnadigt. Mehrere der Aufrührer sind zu lebenslänglicher Kettenstrafe condemnirt. So weit gehen die Nachrichten, die wir aus zuverläfsiger Quelle haben. Das Uebrige nächstens. Noch müssen wir bei dieser Gelegenheit mit gebührender Anerkennung des lobenswürdigen Benehmens und Eifers der hiesigen Bürger-Miliz gedenken, die, als das hohe Gouvernement Vorsichtsmaassregeln gegen eintretende Fälle, welche der Empörung der fächlischen Truppen folgen konnten, anordnete, sich so musterhaft benahm, dass jeder Wunsch der Behörden erreicht und Ruhe und Ordnung gesichert ward. Die übrigen fächsischen Truppen, welche in dem Bereiche des General-Gouvernements vertheilt standen und noch slehen, haben überall ihre Indignation gegen die Rebellen ausgesprochen, und sich, so wie die Wachen in Lüttich selbst, fehr lobenswürdig betragen. Vom 9. Nach dem Hamburger Correspondenten eilen alle jetzt nach dem Rhein ziehenden Preufsischen Truppen in Doppel-Märschen vorwärts.— Schweden hat dem Kongresse offiziell gemeldet, dass es, seinen Verpflichtungen treu, an dem bevorflehenden Kriege thätig Theil nehmen werde. Nach zuverlässigen Nachrichten aus Frankreich wur Napoleon am 5. an den flandrischen Grenzen erwarte ist aber nicht angekommen, und es wird gemeldet er sey wirklich von Paris abgereiset, habe jedoc nachdem er unterwegs einen Kurier erhalten, Rückreife nach Paris angetreten. Zwei Regimente Garde sind von Paris schleunigst nach der Bretag aufgebrochen, wo sich, der Angabe nach, neue Un hen erhoben haben.— Aus England wird berichtet, dass des sparsame Mäster Withbreads Antrag zur Erhaltung des Friede im Haufe der Gemeinen am 28. April verworfen wo den fey. Lord Castlerragh hat, zu Withbreads grossu Verdrufs, erklärt, dass England doch die Sterlin werde loslassen und thätigen Antheil an dem Krie gegen Napoleon mit den Alliirten nehmen müsse und hat hinzu gesetzt, die Sicherheit des Sieges him von einer grossen, pünctlichen und bestimmten Unte nehmung ab. In Woolwich sind bereits portugiefisc Truppen ausgeschifft, die fich zu Wellingtons Arme begeben. Der Moniteur vom 3. d. fabelt, der Schwein Tagsatzung sey der Antrag gemacht worden, einera 11. April zu Wien von allen Mächten unterzeichnete Kriegserklärung, nicht gegen Frankreich, fondernpe fönlich gegen Bonaparte, beizutreten; die Schwei widerfetzten sich aber dem Beitritte. Uebrigens ist unterhaltend, bei dieser Gelegenheit zu sehen.d der hier erwähnte Minister, Freiherr v. Stein, u Moniteur wieder von dem ehemaligen nomme Stei zum Monsieur le Baron de Stein erhoben wird. Privatbriefe aus Frankfurt, die heute hier ei gingen, sagen, man habe Nachricht, dass Murat si eingeschifft habe, um in Frankreich bei Napoleu Schutz zu fuchen. Der neapolitanische Krieg wäre al bestätigte sich dies, als beendigt zu betrachten. Wir geniessen in diesem Augenblick hier das Vergnigen, den Herrn Professor E. M. Arnab, in unseret Stadt zu besitzen. Seine Wirkfamkeit durch Schrift, Wort und Thun für die Sache der Deutschen, ist allgemein bekannt und gewürdigt, dass jeder Zulal in dieser Beziehung überflüfsig wird. Aachen, gedruckt bei J. W. BEAUFORT, Peterſtraſe, 5 a