D JOUR des Nieder- und NAL Mittel-Rheins. JOURNAL DU BAS-RHIN ET DU RHIN-MOYEN. Aachen, Dienstag den 31. Januar. 1010: Aix-la-Chapelle, mardi 31 janvier. N.° 9. Bekanntmachung, ür die aus französischem Militair-Dienst zurückgekehrten Einwohner des hiesigen General-Gouvernements, wegen rückständig gebliebenen Soldes u. s. w. Der königl. preufsische Liquidations-Commiffarius u Paris, Herr Geheime-Staatsrath Freiherr von Oelffen, at es übernommen, für die Liquidirung und Berichigung der, den diesseitigen, aus franzöfischem Miliair-Dienst zurückgekehrten Einwohnern noch gebühenden Rückstände, an Sold, Massen, Gratificationen ind Entschädigungen bestens Sorge zu tragen. In Uebereinstimmung dessen habe ich die nöthigen nstruktionen ertheilt, und sollen hiernach alle diejeigen Forderungen, welche aus jenem activen Miliair-Dienst herrühren, in dem Büreau der betreffenden lerrn Kreis-Directoren perfönlich angemeldet und mit en vorhandenen Original-Beweis-Stücken belegt, in rmangelung lezterer aber die Erklärungen der Liuidanten über die Natur und den Betrag ihrer Forerungen, aufgenommen werden. Ich mache dieses fämmtlichen, hierbei intereffirten, hemaligen französischen Officiers, Unter-Officiers und oldaten, fo wie allen folchen Militair-Employirten t der Aufforderung bekaunt, sich in den, von den N.° 9. PUBLICATION concernant l’arrièré en solde ou autres rétribulions dû a des habitans du gouvernement- général du Bas- Rhin et Rhin-Moven, rentrés du service militaire de France dans leurs foyers. Le commissaire royal prussien délégué à Paris à l'effet de liquider les creances a la charge du gouvernement français, M. le baron de Oelssen, conseiller intime d’état, s’étant chargé du soin d’effectuer la liquidation et le paiement des sommes dues a des habitans du gouvernement général, ci-devant au service militaire de France, soit en solde, soit en gratifications, dédommagemens ou autres rétributions, j'ai donné circulairement les instructions nécessaires aux autorités respectives, et en consequence ceux qui auront des prétentions a la charge de la France, datant de l’époque oú ils servaient dans les armees françaises, remettront en personne au bureau des directeurs, de cercles respectifs l’état des sommes qu’ils réclament, appuyées de toutes les pièces justificatives en original, et a défaut de semblables documens, déclareront quelle est la nature et le montant des sommes a eux dues par le gouvernement français. En poratnt cette mefure a la connaissance des cidevant officiers, sous-officiers, soldats ou employés militaires rentrés du service de France dans les différentes parties de mon gouvernement-général, je les invite a se présenter, aux termes a fixer par Messieurs ( 80 Herren Kreis-Directoren bekannt zu machenden Terminen bei dem Bürgermeister ihres Wohnorts zu melden, welcher ihnen das Nähere hierüber und wann sie sich bei dem ihnen vorgefezten Kreisdirector perfönlich zu gestellen haben, eröffnen wird. Aachen, den 28. Januar 1815. Der General-Gouverneur vom Niederund Mittel-Rhein, SACK. ) les directeurs de cercles, chez le bourgmestre du lieu de leur domicile, qui les instruira de ce qu’ils auront à faire ultérierement, et s’ils doivent comparoitre en peronne par devant le directeur de cer cle dont ils ressortissent. Fait à Aix-la-Chapelle, le 28 janvier 1815. Le gouverneur-général du Bas-Rhin et du Rhin-Moyen. SACK. Tagesgeschichte. Aus einem Schreiben aus Wien, vom 16 Januar. Se. Majestät, der König von Dännemark, haben geruhet, dem General en Chef der Kaiserl. RussischPolnischen Armee, Herrn Grafen von Benningsen, Höchstdero Elephanten-Orden zu ertheilen. Aus einem andern Schreiben aus Wien, vom 16 Januar. Der Negerhandel ist nun auch zur Sprache gekommen. Die Mehrzahl der Haupt-Commitée hat festgesetzt, dass dessen Abschaffung in einer allgemeinen Conferenz vorzunehmen fey. Der spanische und der portugielische Gesande waren der Meinung, dass die Sache in einer Special-Committée von Mächten, die Colonien haben, behandelt werden müsse. Sie scheinen darauf zu bestehen, dass von Seiten Ihrer Regierungen der Handel nicht gleich aufgegeben werden könne. Nachdem feit einigen Tagen wieder Thauwetter eingetreten ist, so dürfte die beabsichtigte prachtyolle Schlittenfahrt nun wol auf unbestimmte Zeit ausgesetzt seyn. Der Domdechant, Freyherr von Spiegel, aus Münster, weleher zur Berathung in den kirchlichen Angelegenheiten mit dem Preufs. Staatskanzler, Fürsten von Hardenberg, bis jetzt hier anwesend war, hat sich in seine Vatersladt zurückbegeben. Oestreich hat, dem Vernehmen nach, seiner Seits allen Ansprüchen auf Cracau entsagt. Die Lage der Sachen ist noch unverändert dieselbe; die Unterhandlungen werden lebhaft betrieben, aber noch ist kein Punct vollständig aufs Reine gebracht. Denn wenn auch freilich die Polnischen sewol als die Sächsifchen Sachen keinem Zweifel mehr unterworfen find, und ganz gewiss nicht rückgängig werden, so schwebt doch über dem Ganzen noch jene Unbestimmtheit, die nur erst durch ein unterzeichnetes und kundgemachtes Instrument gehoben werden kann. Die Uebereinkunft selbst hat längst statt gefunden, und man ist nur während des Ganges der Unterhandlungen mehr davon abgewichen, als dass man sie bestritt. Die Festung Maynz wird, wie man verfichert, entweder von den Preussen allein, oder von ihnen und Deutschen Bundestruppen gemeinschaftlich, in Zukunft besetzt seyn. Lord Castlereagh hat in Bezug auf Belgien von dem Herzog von Wellington eine Anlicht mitgetheilt erhalten, die bedeutenden Einflufs auf das System der Brittischen Continental-Politik haben soll, und man will schon jetzt an Lord Castlereaghs Benehmen die Folge davon verspüren, Belgien und die von den Preufsen besetzte linke Rhein-Ufer liegen durchaus in derselben militairischen Combination gegen Frankreich, und können, ohne gegenseitige Aushülfe, für sich allein nur ein höchst unsicheres Daseyn haben, Die Franzoſen haben den Verlust Belgiens am wenigsten verschmerzt, und werden früh oder ſpät nach deffen Wieder-Erlangung streben. Wie also auch immer das politische Verhältnifs zwischen England und Preussen sich gefalten mag, auf diesem Puncte werden beide Staaten immer durch das gleiche Interesse verbunden seyn müssen. Sehreiben aus Wien, vom 15 Januar. (81) Die Schweizerischen Angelegenheiten find zwar im Ganzen so gut wie abgemacht, allein in den einzelnen Cantons ist noch auf mancherlei Widerstand zu rechnen. Die Schweiz ist gewiffermaassen ein Bild im Kleinen von Deutschland, diefes felbst wieder von Europa. Das Beispiel von Hannover und Hefsen wird hoffentlich bald allgemeine Nachfolge in Deutschland finden, und jeder einzelne Staat feine sändischen Versammlungen bekommen. In den meisten Deutschen Ländern braucht nur die alte Einrichtung theils zurückgerufen, theils verbessert und wiederbelebt zu werden. Man hat gefragt, ob nicht auch Preussen eine landständische Verfassung bey sich. einführen werde, und fcheint vorauszusetzen, dass hier die Sache besondere Schwierigkeiten erfahren würde. Die Schwierigkeiten von Seiten der Regierung dürften wol in andern Ländern bei weitem gröfser seyn: allein die Leute, welche fo fragen und dies voraussetzen, scheinen gar nicht zu wissen, was bereits is Preufsen von repräsentativen Einrichtungen besteht, wie z. B. die Städte-Ordnung, die in der Folge die herrlichsten Früchte zeigen wird, und dann die Nationalversammlung selbit, die freilich in den Zeiten des Kriegs und der Bewegung neben den Heldenthaten der Nation und ihren begeisterten Anstrengungen weniger Aufmerksamkeit erwecken konnte. Diese Fermen werden nach und nach sich mit der Lebensthätigkeit erfüllen, welche lich in den Preussen mehr als anderswo entwickelt hat, und die, Goft sey es gedankt, in keinen widerstrebenden Richtungen zu gehen braucht, da es wol wenige Staaten giebt, wo das Volk so ganz dem Könige und der König so ganz dem Volke gehört. Schreiben aus Wien, vom 16 Januar. Die Entscheidung in den Angelegenheiten Sachfens ist noch nicht erfolgt. Ein höchft intereffantes Memoire ist von Preufsischer Seite übergeben worden, in welchem die Vereinigung von ganz Sachfen als nothwendig bewiesen wird, um die durch den Tractat von Paris zugesicherte Vergröfserung zu bekommen. Der Prinz von Talleyrand wohnte zum erstenmale den Conferenzen bei, in welchen dieses Memoire und eine Antwort des Fürsten Metternich verlelen aber nicht discufirt wurden. Der Sklavenhandel ist am 14ten in dem Commité der acht Mächte, die den Tractat von Paris unterzeichnet haben, lebhaft erörtert worden. Die Mehrheit ilt dafür gewesen, den Gegenstand von allen Mächten im Allgemeinen behandelt zu sehen. Einige Minister stimmten dahin, dass diefes nur unter den Mächten verhandelt werden sollte, die Colonien befässen und eigentlich nur die Privat- und innern Verhältnisfe eines Staats anginge. (Hamb. Corresp.) Wien, vom 21. Januar. Die letzte Note Talleyrands foll ungemein viel Sensation erregt und ausserordentlichen Beifall gefunden haben. Man kennt sie im Publikum nicht ganz, aber man weifs, dass Frankreich darinnen eine eben fo bescheidene als edle Sprache führt. So heifst es unter andern: Frankreih begehre keine Erweiterung feiner Grenzen, es würde daher auch gern sehen, wenn Russland Polen und Preussen Sachfen aufgeben wolle; ja, man fetzt hinzu, Frankreich habe sich in dieser Note anheischig gemacht, Elfass und Lothringen abzutreten, wenn Sachfen und Polen hergestellt würden, damit Jedermann fähe, dass auch Frankreich Opfer bringen wolle, wann vom Glücke der Völker und Europas künftiger Ruhe die Rede fey. Dies ist wahrhaft grofs, und zeugt für die Liberalität Frankreichs, das nie erklären wird: ich will nichts verlieren, aber die übrigen Mächte sollen ihre Eroberungen herausgeben, oder gar kleiner werden, als sie ehedem waren. Aus Dresden, vom 18. Januar, Ia der Gazette de France vom 27sten December besindet sich ein Artikel aus Leipzig, wo man sich bitter über die angebliche Strenge der preussischen Censur in Sachfen beklagt.„ Alles,(heifst es dort) was zu Gunsten des Königs yon Sachsen erscheinen foll, wird unterdrückt; aber das Land ist gleichwol von solchen Flugschriften überschwemmt.” Diese letztere Angabe widerspricht der erstern; denn man wird doch wol, nicht wollen glauben machen, dass die strenge Wachsamkeit, von der man spricht, zugleich ganz unwirksam wäre? Es ist wahr, man hat einige Flugschriften verboten; aber deswegen, weil sie den Saamen des Aufruhrs auszustreuen suchten. Die Vertheidigungen des Königs von Sachfen find nicht verboten; auch wäre dies fehr unnöthig, da keine ein zige der bis jetzt erschienenen auch nur einigen Geist oder Kraft und Leben verräth, fondern in allen ein höfischer Ton und veraltete Sprach-Art herrscht, die man ruhig kann gewähren lafsen. Die Nürnberger Zeitung, die eine ganz kurze Zeit verboten war, wurde sogleich wieder erlaubt. Der Geist der PreussiIchen Regierung ist fo liberal, dass die Prelsfreiheit, die nächstens von ihr durch ein eignes Gefetz proclamirt werden wird, schon jetzt besteht. (Hamb. Corresp.) London, vom 16 Januar. Diesen Morgen ist der königliche Staatsbote, Hr. Brown, mit Depeschen vom Lord Castlereagh und Herzog von Wellington hier eingetroffen, von deren Inhalt man bis jetzt nur ſo viel weifs, daſs fie von der gröfsten Wichtigkeit seyn sollen. Die vorgestern aus Wien dahier angekommenen Depeschen enthalten die Nachricht von der baldigen Zurückkunft des Lerds Castlereagh, und dass der Kaiser von Russland auf Polen, fo wie der König von Preufsen auf Sachsen beständen. Aus dem Brandenburgischen, vom 15. Januar. Die Krone Schweden hat es, dem Vernehmen nach, übernommen, die preussischen Kauffartheischiffe gegen die vielleicht noch weiter zu befürchtenden Beeinträchtigungen der barbarischen Seeräuber möglichst zu vertreten. Es sind desshalb bereits bestimmte Instruktionen an die schwedischen Konsuln in den Häfen des mittelländischen Meeres und der Barbarei ergangen. Dresden, vom 17. Januar. Mit grosser Verwunderung hat das hiesige Publikum den Artikel der allgemeinen Zeitung, im siebenten Stück derselben, datirt aus Dresden den 30. Dec., gelefen. Es würde zu weit führen, den verläumderischen Andichtungen und Behauptungen desselben hier öffentlich und weitläuftig zu widersprechen. Sie widerlegen sich an Ort und Stelle von felbit, und zwar um so leichter und zuverläffiger, da über ihre Quelle und ihre Tendenz hier wol Niemand zweifelhaft ist. Nur ein Gegenstand könnte Ununterrichtete zu einer Méinung veranlassen, die durchaus mit der Würde und dem Rufe unverträglich wäre, welche die preuſsische Regierung behauptet. Es steht nämlich dort, neben andern Unwahrheiten:„ Der preufsische Hofrath Kiefewetter ist Chef der geheimen Polizei und dem Stadtpräsident von Rochow an die Seite gesetzt.“ Genau bekannt mit den hiesigen Verhältnissen, kann ich versichern, dass zwar der durch Thätigkeit, Sachkunde und Umsicht vortheilhaft bekannte preufsische Hofrath Kiesewetter, dem würdigen Stadt-Polizeiprä. sidenten, Freiherrn von Rochow, mit dessen völligen Einverständnisse, und ohne die bisherige rühmliche Wirksamkeit des Präsidenten dadurch im Geringsten zu beschränken, zur Hülfe angestellt ist, keinesweg aber, als Chef oder Controlleur irgend einer Polizeianfialt oder Maassregel, die den Namen einer geheimen verdiente. Ganz Deutschland weifs, welch ein schändliches System Napoleons an diefen Namen geknüft ist: Ganz Deutschland weifs auch, dass, während dieses System fast in ganz Europa Anwendung fand, der preufsische Staat es zurückwies, und feinen Bürgern Freiheit der Rede und Schrift möglichst gewährte. Die Grundsätze, auf welche sich diefe Freiheit stützt, sind von jeher der Stolz der preufsischen Regierung gewesen, und bei der Besitznahme Sachfens ist nicht daran gedacht worden, irgend etwas, der geheimen Polizei ähnliches, zu organifiren. Gewifs ist es, dass feit der preussischen Verwaltung Sachfens, wie in allen Zweigen, so auch im Polizeiwefen, die Sorge und Thätigkeit der höchsten Behörden für das öffentliche Wohl viel umfafsender wie je ist; die neue Ordnung der Dinge und die Machinationen einiger Personen, die mit Verläugnung wahrer Vaterlandsliebe, einfeitig und selbstfüchtig, schleichende Versuche sich erlauben, dem Gouvernement entgegen zu wirken, mögen auch manche weise Vorsichtsmaassregel nöthig machen, und überhaupt mag strengere Aufsicht auf das Gesetzmässige Manchen schwer fallen, aber Niemand einen Fall anführen, der die Existenz einer geheimen Polizei auch nur wahrscheinlich machte. Auch ist die allgemeine Stimmung so günftig für unfere gegenwärtige Staatsverwaltung, dass das Bedürfniss einer folchen verhafsten Einrichtung durchaus nicht existirt. (Frankf. O. P. M. Zeit.) Frankfuri, vom 26. Januar. Auszüge aus frühern Berichten von Wien. Vom 18. Eine Reise der Monarchen von Oestreich, Russland und Preussen nach Mailand, Florenz und Rom, welche wirklich im Werke war, ist wieder rückgängig geworden. Die grosse Schlittenfahrt ist auf Morgen bestimmt. Da in der Stadt selbst zu wenig Schnee liegt, fo kann der Zug nicht, wie der Antrag war, durch die vornehmsten Plätze und Strafsen derfelben gehen, sondern die allerhöchsten Herrschaften fahren, nach eingenommenen Dejeuner à la fourchette, nach Schönbrunn, wo Mittagstafel gehalten wird. Abends ist im Schönbrunner Schlofstheater eine Vorstellung der Oper: Aschenbrödel. und fodann wird unter Fackelschein die Rückfahrt in die Burg angetreten. Die Zubereitungen zu diesem Hoffeste waren ausserordentlich; Alles, was Reichthum und Geschmack vermögen, ist dabei angebracht. Der Kaifer von Oestreich führt die Kaiserinn von Russland, der Kaiser Alexander die Kaiferinn von Oestreich, der König von Preufsen die Königinn von Baiern: der König von Baiern die Herzoginn von Oldenburg, der König von Dännemark die Herzoginn von Weimar, oder die Erzherzoginn Beatrix(Kaiserinn Mutter). Als ein Beispiel, dass auch bei den ernsthaftesten Verhandlungen Frohsinn und freundschaftliche Scherze nicht vergessen werden, diene folgende Anekdote. Vor einigen Tagen meldete man dem Kaiser Alexander die Ankunft eines rufsischen Kapitains, der mit wichtigen Depeschen aus Petersburg eingetroffen sey, und im Vorfaal auf Audienz harre. Alexander liess ihn fogleich vor, und herein trat— Kaiser Franz in rusf. Uniform, feinem kaiferlichen Bruder Briefe von der Kaiferin Mutter überreichend, die er so eben von einem Kurier übernommen hatte. Alexander dankte für diese angenehme Ueberraschung mit einer innigen Umarmung. Auf den Hofbällen, welche jetzt die Stelle öffentlicher Hoffeste vertreten, bemerkt man den ehemaligen Vicekönig von Italien öfter, als im Anfange geschah. Er hat keinen öffentlichen Charakter, und wird als Prinz Eugen geladen und behandelt. Ein öffentliches Blatt enthält folgende Nachricht aus Rom, yom 6. Januar: Der heilige Vater hat Sr. Exc. dem Ritter von Lebzeltern, östreichischen Gefandten bei dem apostolischen Stuhl, eine Note über Verhandlungen des Wiener Hofes nnd des Kongresses übergeben lassen, welche seine gerechten Einsprüche erregt haben. S. H. beschwert sich lebhaft darüber, 1) dass der östreichische Kaifer die Eröffnung einer lutherischen Kirche in der Stadt Venedig geduldet habe; 2) dass der Kongress die lutherischen und calvinischen Secten als herrschende Religion, mit den der katholischen apostolischen römischen Religion zustehenden Rechten, anerkannt habe; 3) dass man zögere, ihn wieder in den Besitz der ihm zugehörenden Marken zu setzen und fogar von feinen Staaten trennen zu wollen fchiene; 4) S. H. beschwert sich ebenfalls geradezu über S. E. den Herrn Gesandten, welcher, als Sie noch in deren Vaterstadt Cesena gefangen fass, Sie zuredete, nach der Hauptsiadt zurückzukehren, indem derfelbe die Versicherung hinzufügte, die Marken würden Derfelben in einem Paar Tagen zurückgegeben werden. S. H. fügte hinzu: dass Sie den Ansprüchen derjenigen, welche die Rechte des aposiolischen Stuhls follten angreifen wollen, die Treue ihrer Unterthanen und den Eifer ihrer Minister entgegensetzen würde. Se. Exc. hat diese Note Sr. Heiligkeit zurückgesendet, indem er verweigert, bei feinem Hofe der Dollmetscher folcher Gefinnungen zu feyn. Er hat Sr. H. vorgeschlagen, lieber diese Besehwerden, wenn Sie darauf bestehen, dem Kongress unmittelbar durch deren Gesandten, dem Kardinal Gonsalvi, zukommen zu lassen. (Man hat alle Ursache, die Aechtheit und Wirklichkeit der obigen Note in Zweifel zu ziehen, und ist der Meinung, dass das ehrwürdige Oberhaupt der katholischen Kirche unmöglich folche Widersprüche gegen den guten Geist der Duldung und zeitgemässen Anordnungen erregen wolle. Schon der westphälische Friede fetzte gleiche Rechte für die verschiedenen christlichen Religionspartheien fest; das weifs man in Rom sehr wohl, und kann dem nicht füglich entgegen handeln, zu einer Zeit, da man von jedem gebildeten Manne Sinn für Toleranz fordert, zu einer Zeit, in welcher alle Fürsten sie schützen und lieben; zu einer Zeit endlich, da Seine Heiligkeit durch die Hülfe so vieler nichtkatholischen Monarchen und Nationen wieder zu dem verlornen Besitz ihrer Rechte gelangt sind. Es macht unferm Zeitalter Ehre, dass über ähnliche Erscheinungen, wie die obige, bei allen verständigen Mitgliedern des römisch-katholischen Publikums nur eine und dieselbe Stimme herrscht). Briisset, den 24. Januar. Die Pariser Briefe vom 21. enthalten die umständ 84) liche Beschreibung eines chen so betrübten als anstössigen Auftritts, welcher Ech vor Kurzem dort zugetragen hat. Da der Leichnam der berühmten Schauspielerin Mademoiselle Raucourt, deren Tod man bereits angekündigt hat, nach dem Kirchsprengel von SanctRoch hingebracht, und dort die Aufnahme d fselben verweigert worden war, so wurde durch diese Weigerung zu einer Art Tumult Anlass gegeben: das Volk, welches sich in der Gegend der Kirche befand, hat die Thüren derselben gesprengt, der Schweizer ist misshandelt worden, und alle Kerzen wurden von der hinzuströmenden Menge angezündet, welche sogar den Spaſs fo weit trieb, daſs fie die Priester zwang, das Libera zu fingen und den Leichnam der verstorbenen Tragödienspielerin in grossem Pomp nach ihrer letzten Stätte zu bringen. Man fagt, der Pfarrer von Sanct Roch fey arretirt. (Es ist eine gewöhnliche Erscheinung, dass der Mensch von einem Extrem zum andern überspringt; fo hier von dem modernen Indifferentismus zum Fanatismus; die Waage schwankt so lange, bis endlich das Zünglein in der Mitte steht; ist man der HyperAufklärung, eine Weile nachgelaufen, so folgt ein zu weiter Rückschritt in das Dunkel. Das ist in der Ordnung. Daher jetzt die Herstellung der Inquisition und aller Klöster in Spanien, die Verfolgung der Freimaurer, die Erweckung des Jeluiter-Ordens dort, und hier die Verweigerung der Beerdigung einer Schauspielerin in geweihter Erde. Zum Glück ist die Regierung Ludwigs XVIII von so lobenswürdiger Natur, dass in dieser Beziehung das Zünglein der Waage bald in der rechten Mitte still stehen, und kein ärgerlicher Auftritt, wie vorstehender, mehr statt finden wird). Aachen. 2. Januar. Der Aachner Nouvellist enthält Folgendes: Die Gesellschaft der Madame Sacqui, erste Seiltänzerin S. M. des Königs Ludwigs XVIII., Hat feit mehreren Tagen auf dem hiesigen Theater Uebungen ausgeführt, welche durch die Bestimmtheit, Kühnheit und die grosse Vollkommenheit der Bewegungen, die zuströmende Menge der Zuschauer in Erftaunen gesetet haben. In der Vorstellung vom 25., wo Madame Saequi, wie in allen vorhergehenden, den allgemeinen Beifall durch die Gröfse ihres Talents, die Keckheit ihrer Unternehmungen, und vorzüglich durch die Kraft, Sicherheit und Leichtigkelt, womit sie diefe ausführt, er varb begann diese Künstlerin eine Uebung; welche beinahe unglückliche Folgen für sie gehabt hätte. Sie follte aufzwei, vom Hintergrunde des Theaters bis nach dem Ende der letzten Logen, schräg gespannten Seilen eine Ascension auf einem von Zephirs gezogenen Wagen ausführen. Kaum aber war der Luftwagen über den Mittelpunkt der Seile hinweg, als durch die zu grofse Lebhaftigkeit der Zephirs, oder durch Folge eines falschen Manöver, eins der Räder, ob sie gléich ausgehöhlt waren, abgleitete und den Wagen aufser dem Gleichgewicht brachte; zum Glücke wurde er noch von der Deichsel, welche die Zephirs nicht aus den Händen lielsen, gehalten. Madame Sacqui mufste alle ihre Geistesgegenwart und Gewandtheit benützen, um einem Sturz zuvorzukommen, welcher einen Unglücksfall hätte verurfachen können. Der Saal ertönte von unwillkührlichen Angstausrufungen. Indessen wollte Madame Sacqui sich einer zweiten Gefahr ausfetzen, und sie würde warscheinlich alle Schwierigkeiten ihres Unternehmens überwunden haben, wenn die Theilnahme, welche fie einflöfst, sich nicht ausgesprochen hätte; um die neue Reise zu verhindern. Wir hoffen, dass diefer kleine Unfall, welcher zum Glück keine böfen Folgen gehabt hat, und dem schon so gegründeten Ruf der Madame Sacqui unmöglich nachtheilig werden kann, solche ausserordentliche Uebungen seltner machen wird, da deren ganzes Verdienst ohnehin nur darin befieht, der Gefahr zu trotzen und sie, statt das Publikum zu ergötzen, ihm nur eine Angst verürsachen, selbst wenn die Versuche vollkommeu gelingen. Neueste Nachrichten. Wien, vom 18 Januar. So nahe, als man den Abschlufs des Kongresses, fowohl im Publikum als in öffentlichen Blättern verkünden wollte, ist er in der That noch nicht. Bei so vielen wichtigen Gegenständen müssen sich immer auch neue Schwierigkeiten zeigen. Preufsen scheint die Vorfchläge zur Entschädigung durch andere Länder als Sachfen mehr angehört, als ernstlich aufgenommen zu haben. Wird man nicht, fragen einsichtsvolle Männer, wenn ein grofser Theil Sachfens an Preussen abgetreten ist, auf das übrige als eine Null hinweissen, und wird durch die Selbst ( 85) Rändigkeit eines fo verkleinerten Staates der Zweck erreicht., den die protestirenden Mächte erreichen wollten?— Preussen hat überdiess geheime Verträge für sich, in welchen wahrfcheinlich schon dus Jahr 1805 als Basis angenommen wurde. Damals besaſs Preufsen 9— 10 Millionen, Oesterreich 20 Millionen. Dieses hat nun beiläufig 26 Millionen. Die verhältniss mässige Progreflion würde alfo wie bei 20 zu 26 von 10 zu 13- steigen.— Verdient es keinen Glauben, wenn behauptet wird, dass- Preussen diess in einer Note vom 12. Jänner wiederholt ausgesprochen habe?. Frankreich scheint gleichgültiger zu werden. Ihm sind nur die Grenzen Polens wiehtig, und ist der selbstständige fächsische Staat nur klein, so hat er kein Interesse bei dessen Existenz in der Nähe eines grofsen Reiches. (Chron. d. VV. Kong.) ien, vom 18. Noch ist in der wichtigen Angelegenheit wegen Saehen nichts entschieden, aber sie wird fich nächstens entvickeln. Erfreulich ist dem redlichgefinnten Deutschen lie Ueberzeugung, dass allgemein anerkannt wird, dass ur das festeste freundliche Band zwischen Oestreich ind Preufsen, und beide in Verbindung mit dem übriren Deutschland, das Glück und die Ruhe diefer drei taaten dauernd begründen, und auf diese Art am ichersien der Friede in Europa bezweckt werden könne. Vom 19. Ueber die Bestimmung des Schickfals von Sachsen rwartet man von Seiten Oestreichs eine Note, welhe, wie man glaubt, diese Sache ihrem Ziele wieder inen Schritt näher rücken wird. Einige wollen beaupten, England habe erklärt, dass diese Angelegeneit feinem Interesfe ganz fremd fey. Auch Frankreich oll bedingungsweise eine ähnliche Erklärung gemacht laben. (Frankf. O. P. A. Zeit.) Brüssel, vom 20. Januar. Ein aus Wien von dem Gefandten des fouverainen ürsten abgefertigter Kourier ist im Haag angekomnen; unmittelbar nach feiner Ankunft reisste der Baon van der Capellen, in grösster Eile nach Wien ab. — Am 24. Jan. ist Lord Wellington von Paris abgereiset. Man meldet nicht, wehin. Frither hiefs es nach Wien, — Die Behauptung, dass England bisher sich so unerwartet schwierig gezeigt habe, beruhet auf Irrthum, wenn damit von dem englischen Ministerium die Redeseyn sollte, das die gerechten Ansprüche Preufsens auf Entschädigung gar wohl zu würdigen weiss und schon unterm 22. Oktober durch feinen hiesigen Stellvertreter sich bestimmt erklärt hat, dass, wenn diese Entschädigungen nicht anders als in Sachsen zu finden feyen, dieſes ihm abgetreten werden müsfe. Ja gut Unterrichtete wollen fo ar behaupten, die erste Idee wegen Sachsens Einverleibung mit Preussen komme zunächst vom englischen Minister her, der diesen Gegenstand aus dem wahren Gesichtspunkte betrachtet und sich deshalb um die Aeusserungen der Oppositionsparthey in England nicht bekümmern kann. Keunte diese die Lage der Dinge genau, so müſste sie wissen, dass Sachsen bey der Einverleibung seine Selbstständigkeit behalten und durch eine weise Verfassung feine Nationalität gesichert finden wird: sie würde also ihre Stimme eher für als gegen die Einverleibung erhoben haben, da, wenn diese nicht Statt haben foll, nur durch eine Zerstückelung Sachsens geholfen werden kann, was in jeder Hinsicht zum gröfsten Nachtheil dieses Landes ausschlagen muss. Niederrh. Blätter. Mancherlei. Vorschläge zu einem Denkmal für den Feldmarschall Blücher an dem Orte seines Rheinübergangs bei Kaub. Vorlesung im Berliner Künftlerverein von L. Catel, im December 1814. Eine Aufforderung von den Bewohnern des Niederrheins, Vorschläge zu einem Denkmale für den Feldmarschall Blücher, als den Befreier dieses Stroms vom fremden Joche, zu entwerfen, bewog mich, über den Gegenstand nachzudenken, und dem gemäss eien Entwurf für dieses Monument zu bearbeiten, den ich bei dem Mangel an Hülfsmitteln leider nur ſkitzenartig bearbeiten konnte. Das zwölfte Blatt aus meinem Proſpekt in den Rhein ( 86) gegenden(bei Artaria, Wien und Mannheim) giebt eine treue Abbildung der Gegend bei Kaub am Rhein. In der Mitte des Stroms liegt auf einem Felseneiland eine kleine Burg, die Pfalz genannt.(Man erzählt, dass vor Zeiten die Pfalzgräfinnen bei Rhein ihre Niederkunft auf diesem Felfeneiland halten mussten, wenn die Kinder als ächt gelten follten. Allerdings war das Rauschen des Rheins, der sich am Fusse der Burg schäumend bricht, ein würdiges Wiegenlied für deutsche Fürstenföhne, die dereinst als Wächter den heiligen Strom schützen sollten). Dies ist der Punkt, von dem aus das erste Armeekorps mit Blücher feinen Uebergang über den Rhein bewirkte. Es waren vom rechten Ufer bis zur Pfalz undvon dort bis zum linken Ufer zwei Schiffbrücken geschlagen, über welche das Heer in der Neujahrsnacht 1814 fo rasch überging, dass die am linken Ufer befindlichen Franzosen nur geringen Widerstand leisten konnten. Dieser Punkt fcheint mir der schönste für ein Denkmal, das dem Ruhm Blüchers geweiht ist, und die Pfalz würde sich fehr gut dazu eignen, sie zu diesem Behufe umzubilden. Eine ähnliche Ansicht über das Verhältniss der That zu der Lokalität hat den Verfasser eines Auffatzes in der Frankfurter Ober-PostamtsZeitung(der auch in der Aachener Zeitung aufgenommen worden) bewogen, jenen Punkt zur Errichtung eines Denkmals für den Feldmarschall Blücher in Vorschlag zu bringen. Meine Ansichten vereinigen sich mit diesem Vorschlage, und auch ich bin der Meinung, dass dieses Denkmal am schicklichsten in einer auf dem Thurm der Burg zu errichtenden Statue des Helden zu Pferde bestehen würde. Dem gemäss habe ich folgenden Plan zn diefem Denkmal entworfen: Die Gemäuer der vorhandenen Burg könnten zu diefem Zwecke so umgestaltet werden: die alte Grundlage foll vollkommen erhalten bleiben. In feinem Innern werden kaſemattirte Kafernen für eine Compagnie Invaliden angelegt. Eine in das Gemäuer einzubrechende Fensterreihe wird den Zimmern das gehörige Licht gewähren. Sie find, in der Art der ältesten deutschen Baukunst zu Karls des Grossen Zeit, mit Kreisbogen überwölbt. In einem ähnlichen Styl find vier Gallerien erbaut, welche die vier Seiten des Gebäudes umgeben. Diese Gallerien bestehen aus Bogengängen von Granitfäulen, an deren Capitale, dem Geist jener Zeit gemäss, Embleme der kriegführenden Mächte als Wappenthiere zur Verzierung angebracht find. An den vier Ecken befinden sich vier heraustretende runde Thürme und Schiefsscharten für Kanonen, um bei feierlichen Gelegenheiten Signale zu geben. Auf den Spitzen der Thürme unterstützen vier vergoldete Adler die Flaggen der vier verbündeten Mächte: Preulsen, Russland, Oestreich und England. (Der Beschluss folgt.) Marktpreise des Maas- und Ourthe-Departements für die erste Hälfte Januars 1815. Mercuriales du département de Meuse-et-Ourte pour la premiere quinzaine de Janvier 1815. Lüttich, den 25 Januar 1815. Der Gouvernements-Commissair im Maas- und Ourthe-Departement, für denselben der General-Secretair, VON DüRING. Marktpreise des diesseitigen Theils des Rhein- und Moserauch Saar-Departements für die erste Hälfte des Monats Januar 1815. Mercuriales de la partie du département de Rhin-et-Moselle et celui de la Saare réunie au gouvernement-général, pour la premiere quinzaine du mois de Janvier 1815. Weizen,(froment) i Hectoliter.... 14 Fr. 97 C. Roggen,(seigle)—— 10 58 Gerste,(orge)—— 8 77 Haſer,(avoine)—— 6 08 Erdäpfel,(pommes de terre... 3 31 Heu,(foin) die 10 Myriagr..... 9 05 Stroh,(paille)—— 3 50 Coblenz, den 25ten Januar 1815. Der General-Gouverneurs-Commissair, SACK. Bekanntmachung. Die Firma von Idstein et Hangohr, in Nimy bei Mons, hat am 12. Januar aufgehört. Die Liquidation ift letzterem übertragen: erfterer fährt fort mit der Spedition feinen Freunden von Brüffel aus und in feinem eigenen Nahmen nützlich zu feyn, und empfiehlt sich deren geneigtem Andenken. Brüssel, den 12. Januar 1815. P. G. IDSTEIN,