(N. 4.) OURNAL des Nieder- und Mittel-Rheins. JOURNAL DU BAS-RHIN ET DU RHIN-MOYEN. Aachen, Dienftag den 10. Januar. 1810. Aix-la-Chapelle, mardi 10 janvier. Tagesgeschichte. (Aus der Chron. d. Wien. Kongr.) Wien, den 2. December. Eine genauere Darstellung des Gangs der Hauptangelegenheiten des Kongresses darf bei dem sich nahenden Ende des Jahres nicht übergangen werden. Sachsens und Polens künftige Bestimmung waren sie bisber und sind sie noch. Russland und Preussen übergaben in dieser Hinsicht ihre Propositionen im Laufe des Monats November. Vereinigung derselben mit ihren Staaten war der Inhalt. Bekanntlich erregten diefe Propositionen bei Frankreich, England(?) und einigen deutschen gröfseren Staaten gleich starke Senfation. Das Auftreten einer nicht unbedeutenden Gegenpartie wird jetzt Niemand mehr läugnen. Preufsen hatte durch statistische Tableaus dargethan, dass es Sachsen als Entschädigung für Polen erhalten müsse und dass es zu feiner vollständigen Entschädigung der von ihm befetzten Distrikte zwischen dem Rhein, der Mosel, der Maas und Frankreich bedürfe. Es war von der Billigkeit feiner Foderung so überzeugt, dafs es Sachfen befetzte, während sich Russland auch in Polen immer mehr festfetzte. Einige Wochen verstrichen, ehe eine Gegenproposition auf statistische Gründe gebauet erfolgte. Man beschränkte sich anfangs nur auf diplomatische Misbilligungen und Protestationen. Der König von Sachsen trat bekanntlich auch mit einer Protestation auf. Frankreich und England waren deren Vertheidiger. Endlich wurden die diplomatischen Demonstrationen gegen Sachfens Einverleibung in Preussen durch ein siatistisches Tableau(das ganz unrichtig war) unterstützt, in welchem man zu Preufsens Rechnung eine Gegenrechnung aufstellte und nicht undeutlich äufserte, was man geben wolle. Man ging von dem Satze aus, dass Preussen hauptfächlich nur für Neuostpreufen zu entschädigen sey, und dafür stipulirte man die von demselben befetzten Lande auf dem linken Rheinufer. Man nahm dabei keine Rücksicht, dass diese Lande Preussen entfernt liegen, und ihrer Lage wegen, eine siarke Befatzung fordern, also mehr politisch wichtig, als reell einträglich sind. Auf diese Propositionen hat Preussen in der Mitte diefes Monates in einer kräftigen Note geantwortet. Es soll im Bewusstseyn der für beide Staaten gleich vortheilhaften Verbindung geäussert haben, dass man nichts von Sachfen abtreten könne. Durch frühere Traktaten sey ihm schon dieses Land zugesichert. Doch gab es Aussicht zu Unterhandlungen durch Abtretungen, mittelst welcher der König von Sachsen mit 800000 Seelen entschädiget werden könne. An Russlands energischer Unterstützung dieser Aeufserung fehlte es nicht. Unerwartet war diess Ereigniss. Nach so vielen Zeichen der Missbilligung fühlte man sich bei dem ersten Eindrucke betroffen und daher mögen einige ferne militärische Apordnungen ihre Veranlassung erhalten haben. Es wird keines starken Glaubens bedürfen, um zu wissen, dass Frankreich feine Dienste anbot, ohne dass man sie suchte. England, das sich von Hannover immer streng trennt, hat feine Handelsvortheile vor Augen und diese mögen auch die Schreier im englischen Parlament zu ihren Motionén, (26 wegen Sachfen, mehr als das Gefüll von vermeintlichem Unrecht veranlasst haben. Dass die Deutschen Frankreichs Einflufs annehmen werden, bezweifelt man mit Recht. Der einsichtsvollere Theil ist der gütlichen Ausgleichnng versichert, und hält alle militärische Aeufserungen nur für Demonstrationen. Zu Abtretung des Posner, Kalischer und Bromberger Distriktes scheint Preufsen Russland schon ohnehin bewogen zu haben. Aber für den Verlust Neuostpreussens und des übrigen Südpreufsens fiehet es nur Ersatz in Sachsen, und Berg rechnet es für Ansbach. Auf diese Art würde es den Besitz von den stipulirten 12 Millionen Einwohnern ziemlich erreichen. Seit diesem preufsischen Ultimatum sollen die schriftlichen Unterhandlungen aufgehört haben und wie im Anfang des Kongresses die mündlichen wieder an deren Stelle getreten feyn. Zu erwarten sind nun deren Resultate. Fallen sie für die Vereinigung Sachfens mit Preussen aus, fo wird erfteres mehr gewinnen als verlieren, und es darf wol kein Land es als ein Unglück ansehen, mit einer Monarchie vereinigt zu werden wo die Regierung in Allem sehr human ist, die Rechte des Volkes ehret, geordnete Finanzen hat, alle Zweige der Kultur fördert und Prefsfreiheit schützt. Es heisst, um Russland zu bewegen, Polen zu einem konstitutionellen Staat zu erheben, habe Oesterreich sein Westgallizien(Krakau ausgenommen) angeboten.(Diess ist aber nur ein: es heifst.) Dass der Kaifer von Russland mit dem Könige von Preussen fortdauernd in innigster Freundschaft verbunden ist, zeigt sich an jedem Tage, obgleich diese Zeichen nicht in allen Gesandtschafts-Hotels erfreulich seyn mögen. Am Geburtstage des Kaifers von Russland überraschte diefer den König von Preussen noch an der Toilette, und versicherte: er komme zu fehen, mit was er heute beschenkt werden folle. Vom 27. Der Kaiser von Russland soll geäussert haben, dass er nun auch den Geburtstag des Kaifers Franz,(13. Februar) hier feiern müsse. — Man schöpft mehr Hoffnung als je, den Kongress bald beendigt zu fehen. Am heiligen Christtag war groſse europäische Konferenz— ein Beweis der höchtten Thätigkeit. Frankreich scheint auf einen GebietZuwachs in der Nähe Savoyens zu schielen, und dann giebt es sich wahrscheinlich auch zur Ruhe. 4 Die Deputirte geistlichen Standes oder für denfelben, rüsten sich zur Abreise. Die ihr Geld hier angebracht haben, schliefsen sich an den Zug an. Die diplomatischen Personen werden aber vielleicht noch Frühlings-Luft hier athmen. Um die 8000 Ruffen zu ehren, die bei Kulm Europa retteten, da fie das Feuer von 200 franzölischen Kanonen und 25000 Mann fo lange aushielten, bis General Kleift die hintere Thüre geschloffen hatte, will Kaifer Franz den Gebliebenen ein grosses Denkmal fetzen lafsen, und der König von Preufsen ein eignes Ehrenzeichen für die Uebriggebliebenen stiften. Die Schrift: Sachfen und Preufsen ist nun trefflich durch eine Schrift: Preufsen und Sachfen, widerlegt. Sechszehn neue Hof-Feste find wieder zur Unterhaltung der erhabenen Gäste angeordnet. Es ist nicht nur Polen und Sachfen, was Anstände macht; es ergeben sich deren mehrere; und das entschuldigt denn auch alle Verzögerungen. Oder wäre es etwa zu wünschen, dass der Kongress, blos um die Lebenden mit einem baldigen Abschluffe zu erfreuen, der Nachwelt unreife Dinge zurück liesse? Ein neuerer Bericht, vom 30. Dec., fagt: Man erwartet nun und sieht fortdauernd den Wirkungen der letzten preufsischen Note entgegen. Auch hier, wie überall, giebt es Partheien, die das Interesse der einen oder andern Macht im Schutz nehmen. Durch ein trübes Glas fahen und beurtheilten einige jede Nachricht von Truppenbewegungen, Revüen etc., wenn vielleicht in einem andern Augenblicke sie dieselben als die gleichgültigsten, blos in militairischer Haushaltung überhaupt liegenden, Maassregeln betrachtet hätten. Die ganze Lage von Europa missbilligt jene Ansicht. Die Kabinette kennen zu gut die Stimmung der Völker. Giebt es nicht taufend alte Wunden zu heilen? Auch bemerkt man in Oeftreich nicht das Mindefie, was zu folchen trüben Aussichten berechtigte, als das, was alle Staaten thun, und alle gleich schmerzhaft empfinden müssen, die Unterhaltung von 4—500,000 Mann auf dem Kriegsfuss. Der Kaifer hat sich hierüber die Uebersichten vorlegen lassen, um nach publicirtem Frieden sogleich alles Unnöthige entlassen zu können. Alle andere Nachrichten stimmen damit überein, dass sich es endlich zum friedlichen Vergleich neige. Man nimmt an, dass Russland wirklich einige Departemente in Polen zurückgebe, die, welche mehr von Deutschen als Polen bewohnt werden, wodurch Preufsen einen grossen schönen deut ( 27) schen Staat bildet, und dass für Sachsen Entschädigungen Statt finden werden. Von dem innern Gang der europäischen Angelegenheiten erfährt Niemand etwas. Diese Angelegenheiten follen fo geheim betrieben werden, dass man behauptet, die wichtigsten Noten werden nicht nur von den grossen Ministern selbst entworfen; fondern fogar eigenhändig ausgefertigt. Auch in die mit Preussen gemeinschaftliche Befetzung der Bundesfestungen am Rhein, habe, fagt man, eine grosse Macht nun eingewilligt. So wird sich denn nun auch bald das Schickfal der Lande jenfeits des Rheins entscheiden. Eine Deputation aus den transrhenanischen Departementen sucht die Entscheidung des Schickfals jener Länder möglichst zu betreiben.— Auch das Ueberhandnehmen der Arbeiten falt in allen, besonders in den Büreaus einer grossen deutschen Macht berechtigt zu der Vermuthung, dass die Unterhandlungen nunmehr in Gang kommen, dass man auf das Nähere sich einlasse, also im Ganzen die Vorschläge endlich angenommen habe. Befonders auffallend und selbst Beforgnifs erregend für alle, die fühlen, was sein Staat dem Hrn. Kanzler, Fürst von Hardenberg, schuldig, und wie nöthig ihm feine fernere ungeschwächte Kraft sey, ist die unermüdete Anstrengung diefes gressen Mannes. Wenn felbst die grosse Vienna schlummert, wenn endlich das ewige Rollen der Wagen sich nach der Geisterstunde gelegt, wenn alle Lichter in den grofsen Pallästen des schönsten Platzes der Stadt, den der Fürft bewohnt, des Grabens, erloschen sind, dann flimmert noch ein Fenster in der tiefsten Stille und dem Dunkel umher, und feufzend findet man, dass denn auch folch hoher Stand keinc Ruhe und Bequemlichkeit des Lebens gebe. Diese ungeheure Thätigkeit wird aber begreiflich, wenn man weiss, dass hier alle Kanzleyen des Staats im Auszug anwesend sind, und dass nicht, wie bei dem ruff. Hofe, die Staatsgeschäfte nur zur Unterschrift hieher gefandt, fondern hier selbst bearheitet, geprüft und expedirt werden, und dass man in diesem Kabinette gewohnt ist, selbst die geringste unbedeutendste Eingabe zu beantworten.— An eine Publikation von Resultaten am neuen Jahr denkt hier Niemand mehr. Wer einigermassen in den Gang und Stand der Sache eingeweiht ist, kann auch noch gar nichts, wenigftens nichts Entscheidendes, erwarten. Aber eben fo allgemein ist die Meinung, dass, wenn nur erst die Paar grossen Vorfragen entschieden und angenommen sind, es mit allem Uebrigen, dem stark vorgearbeitet ist, eben so überraschend schnell gehen werde. Am Ende Januars hoffen Viele in das Vaterland zurückkehren zu können; indess giebt es auch Personen, die wenigstens hinsichtlich der deutschen Angelegenheiten noch wol gewiss zu der Zeit hier zu feyn glauben, wo der Frühling wieder die ganze Pracht der Umgebungen Wiens entwickelt, und den Prater, die Bastei und die sehönen Berge mit Grün überschüttet hat, und der Duft der Blüthe durch die Lüfte wogt. — Se. königl. Hoheit der Kronprinz von Baiern ist am 27. Dec. nach Salrburg abgereist, wo sich deffen Frau Gemahlinn befindet, und will, wie man fagt, in 5 Wochen zurückkehren. Man hat keine Ursache, diefer Abreise irgend einen politischen Grund unterzulegen, so wenig als jener des Königs von Würtemberg; dennoch beschäftiget fie auch die Politiker, die ihn abfenden lafsen, gewisse Anordnungen zu treffen, die Anordnungen am Rhein vorausfetzen und im Allgemeinen andeuten, dass auch die Sachen in Sachfen und Polen in Ordnung wären. (Köln. Zeit.) Sachlen, vom 28. December. „Durch Maassregeln der Gerechtigkeit und durch die Sorge für die Erfüllung der öffentlichen Verbindlichkeiten fährt das königl. preufsische Gouvernement des Königreichs Sachfen fort, das Vertrauen der Nation sich immer mehr zu erwerben, und öffnet uns die erfreulichste Aussicht einer glücklichen Zukunft. Um dies recht anschaulich zu machen, müsste ich auseinanderfetzen, wie die gediegenen Grundsätze der Verwaltung und Geschäftsführung in alle Zweige der öffentlichen Thätigkeit neues Leben bringen und die wohlthätigtten Erfolge sichern. Dies würde zu weit führen; ich beschränke mich daher darauf, mit Uebergehung der Erwähnung der fehr bedeutenden Vorschüffe, welche, zur Erhaltung des Kredits Sachfens, und zur Leistung von Zahlungen, die für das Wohl des Landes und feiner Einwohner höchst dringend waren, aus königl. preufs. Staatskassen geleistet find, und noch geleistet werden, einige ganz neue Hauptfachen hervorzuheben. Vielen, gröfstentheils fehr bedürftigen, Fanilien ilt dadurch mit einem Male geholfen, und zugleich für die Erfüllung einer der dringendsten Verbindlichkeiten geforgt worden, dass das General-Gouvernement die Bezahlung der Kompagnie-Uebergabegelder an die vormaligen Inhaber derfelben oder deren legale Erben angeordnet, und dazu, nicht allein fogleich die Summe von 40,000 Thir., fondern auch zur fernern Auszahlung monatlich 4000 Thlr. angewiesen hat. Die Verdienst (28) lichkeit dieser Verfügung wird erst dann recht anschaulich, wenn man die aufferordentlichen Zahlungen kennt, welche die Bedürfnisse des Staates in Folge der in frühern Zeiten übernommenen Verbindlichkeiten, jetzt nöthig machen. Aber eben um so sicherer kann jeder Staatsgläubiger mit Ruhe und Zuversicht erwarten, dass ein Gouvernement, welches jetzt unter den schwierigsten Umständen kein Opfer scheut, um den öffentlichen Kredit zu erhalten, auch künftig nie aufhören wird, den übernommenen Verpflichtungen pünktlich Genüge zu leisten. Um den, während der Verwaltung des jetzigen Gouvernements von Sachsen schon fehr gestiegenen, Werth der Kaffenbillete noch mehr zu erhöhen und zu befestigen, ist unter dem 20. d. M. verordnet, dafs folgende Arten an öffentliche Kaffen zu leistenden Zahlungen abgetragen werden können: Zur Hlälfte in Kassenbillets nach dem Nennwerthe alle und jede Landesabgaben und Steuern, wenn die auf cin Mal abzuführende Präftation zwei Thaler und darüber beträgt; sämmtliche Kanzlei- und GerichtsSporteln, mit Ausnahme der Separatgebühren und baaren Auslagen; die Kaufpreise aller für königl. Rechnung an Privatpersonen oder öffentliche Institute zu verkaufenden Gegenstände, wie z. B. von Holz, Steinkohlen, Getraide, Salz u. f. w., infofern der Kaufkontract nicht ausdrücklich auf klingendes Geld geschloffen wird. Die Einnehmer von allen folchen Zahlungen sind bei Vermeidung der Strafe der Kassation befehligt, nicht anders als in der obengedachten Art, Zahlungen anzunehmen. Höchst wünschenswerth ist es, dass jeder biedere Sachse, dem das wahre Wohl feines Vaterlandes theuer ist, dergleichen wohlthätige Verfügungen, und die Verwaltungsart des jetzigen Gouvernements überhaupt, beherzigen, daraus eine völlige Beruhigung über das dem Königreiche Sachfen zugefallene Loos schöpfen und sich nicht, auch nur auf kürze Zeit, durch ganz ungegründete Nachrichten irre leiten lassen möge, die, von einigen Seiten her, schriftlich und mündlich, geflifsentlich verbreitet wurden. London, 30. Dec. Es leidet keinen Zweifel, dass der zu Gent geschloffene Friede, auch von der amerik. Regierung ratificirt werden wird. — Es ist zu bemerken, sagt eine unserer heutigen Zeitungen, dass Grossbrittanien, da es keine Feinde mehr zu bekämpfen hat, gegenwärtig den gröfsten Theil feiner Kräfte Europa zuwenden, und feine ganze Aufmerksamkeit/ ausschliefslich den grossen Angelegenheiten widmen kann, welche dermal zu Wien verhandelt werden. — In Nachrichten aus München liest man: Se. Maj. der König haben unterm 10. December zu Wien eine Verordnung erlassen, wodurch, in Anbetracht, dass die auswärtigen Verhältnisse bis jetzt weder die aufferhalb des Königsreichs befindlichen Truppen in ihre Garnisonen zurückzuberufen, noch die mobile Armee auf den Friedensfuss zu fetzen und die Corps der Freiwilligen zu entlasfen, erlaubt hätten, für das laufende Jahr eine aufferordentliche Kriegssteuer zur Bestreitung der Unterhaltungskosten der Truppen ausgeschrieben wird. — Von Augsburg wird gemeldet:„Mit dem neuen Jahre fängt im Königreiche Baiern die Militairkonscription für 1815 an. Die Sitzungen des für die Stadt Augsburg errichteten königl. Konscriptionsraths zur Prüfung der gewöhnlichen jährlichen Konscriptionsverhandlungen find auf den 5. d. festgesetzt. In Betreff Polens fagt ein öffentliches Blatt: Russland, das dem letzten Kampfe grosse Opfer gebracht hat, das durch Polen die Heere Karls XII., wie die Bonaparte’s seit einem Jahrhundert eindringen fah, will diese schmerzliche Erfahrung nicht zum drittenmale machen, fondern diese Pforte schliefsen, und verlangt als Bürgschaft für feine eigene Sicherheit den Besitz, die Abhängigkeit Polens von feiner Krone. Aachen, vom 9. Januar. Der neulich erwähnte Artikel aus der Leidener Zeitung, welcher militairische Rüstungen in unsern Gegenden verkündigt, ist in alle nahen und fernen Blätter übergegangen. Wir wiederholen deshalb die Versicherung, dass hier keine Abänderungen getroffen worden sind. Wozu auch dergleichen? Wir haben keine Feinde, Frankreich, von einem weifen Monarchen regiert, befindet sich im Friedensstande. In der Stellung der königl. preufsischen Armee zwischen Rhein, Mofel und Maas scheint eben fo wenig eine Veränderung als eine Vermehrung ihrer Zahl(die, auch wenn die Lage der Dinge anders wäre, überall anfehnlich genug ist, jede Beforgniss zu entfernen) auf irgend einem Punkte nothwendig. Der Zufatz von der Leidener Zeitung, dass Jülich im besten Vertheidigungsstande sey, gilt freilich nicht allein von diefer Festung, (Mit einer Beilage.) BEILAGE zu N.° 4 J. d. N.((29 fondern von allen übrigen in unserer Nähe. Dasselbe it auch, wie wir hören, jenfeits der Mosel der Fall. Zu welchem Zweek also follten die Veränderungen führen? Wenn die Zeitungen ber der Meldung, dafs Lord Castlereagh in Wien an Preussen sehr befriedigende Eröffnungen gemacht-habe, hinzusetzen:„ überhaupt bemerke man in der englischen Politik manche Veränderung,„ so scheint dies ein Irrthum. England ändert fein Syftem wol nicht fo leicht. Und wo ist der Beweis, dass England feit Kurzem wider Preufsen war? In öffentlichen Blättern? Nun ja, aber in Hinsicht ihrer Glaubwürdigkeit liesse sich das spartanische: Wenn? anwenden. Der abgeschloffene deutsche Bund vom 26ten November v. J. zeugt nicht für fie. Englands Politik wind in der gegenwärtigen Lage von Europa niemals gegen Preussen seyn. — Der königl. Preussische Offizier, welcher aus einem Missverständniss die acht Deferteurs von Neufchatel wieder aus Strafsburg abholen wollte, und im letztem Orte verhaftet wurde, ist, nach heendigter Untersuchung, welche jeden Argwohn, dass irgend eine königl. preussische Behörde an dem Vorfall Antheil genommen, beseitigt hat, wieder in Freiheit gesetzt worden. Berlin. 3. Januar. Der hiesige weibliche Verein zur Unterstützung armer Familien hat am Ende dieses Jahres über die freiwilligen Beitrüge edler Menschenfreundc, welche dem Verein zugekommen sind, öffentlich Bericht erstattet. Aus dieser Uebersicht geht hervor, dass vom 15. July 1813 bis zum 31. December 1814 bei diesem einzigen Verein blols an caarem Gelde eingegangen sind: 8141 Thaler 5 Gr.(also wenigstens 30,000 Franken) Nun existiren aber in unserer Stadt solcher wohlthätigen Institute mehrere, so mancher Wohlthäter liefert Naturalien, während ein anderer Theil, dessen Gaben nicht bekannt werden, fromm und treu im Stillen wirkt und spendet. Macht man einen Fremden auf diefen schönen Zug aufmerksam, fo begreift er uns kaum, und erhebt entweder unsere Wohlthätigkeit bei eigner Entsagung, oder schilt uns halbwahnfinnige Verschwender; aber im letzten Falle ist der Aermste zu bedauerner hat keinen Begriff von Vaterlands-Liebe und Gemeingeist, von inniger Anhänglichkeit für einen guten König; denn nur aus diefen reinen Quellen entspringt das fanfte Mitleid, und der lautere Wille, den Wittwen und Waisen der im Kampfe für Preussens Selbststän)u. M. R., vom 10. Januar 1815. digkeit und Preufsens Thron gefallenenn Krieger zu vergelten, was den Hingeschiedenens nicht gelohnt werden konnte.— Unfere Nachrichten von Wien sind fehr befriedigend. Man meldet uns als zuverlässig, dafs Preufsens gerechte Forderungen ganz befriedigt werden, und dass dem Staate nicht nur alle Provinzen verbleiben, die jetzt unter preufsischer Administration stehen, fondern dass er auch noch durch andere Gebiete vergrössert wird. Russland und England interessire sich besonders dafür; und aufser diefen auch noch mehrere Fürften. Noch zeigt man uns an, dass auch für die Sache Deutschlands jetzt mehr als jemals zu hoffen sey. Wenn es wahr ist, fo rufen wir laut und fröhlich: Desto besser denn ob wir gleich im befondern Preufsen sind, so bleiben wir doch auch gute Deutsche. Gott erhalte unsern König, und alles was mit deutschem Herzen und deutscher Zunge spricht! Augsburg, vom 4. Januar. 2 Die hiesige allgemeine Zeitung enthält aus Wien, vom 28. December, Folgendes Um die fächfische Angelegenheit, und foweit die polnische darauf Bezug hat, auch diese, fehneller zubeendigen, tritt von morgen an ein, aus dem Fürsten Metternich; Grafen Rosumowsky, Fürsten Hardenberg, Herrn von Humboldt, und Lord Castlereagh besiehendes Comité zusammen, dessen Berathung gewisse Präliminarpunkte zum Grunde gelegt feyn follen.— — Wo ein langer und dauerhafter Friede geschloffen werden foll, da darf kein Theil mit wichtigen Beschwerden entlaffen werden. Und wenn die Noth Opfer verlangt, so ist es wenigstens wohlthuend, sagen zu können, dafs alle Verfuche einen andern Auswegzu finden, vergeblich waren. Erlangen, vom 3. Januar. Die hiefige Zeitung will ein wichtiges Schreiben aus Wien, vom 28. Dezember, erhalten haben, aus welchem sie vorläufig Folgendes mittheilt: Man glaubt nun bestimmt, daſs binnen 14 Tagen die Bekanntmachung der europäischen Angelegenheiten und auch die Abreise der Monarchen erfolgen werde. Der Kaiser von Russland geht bestimmt über München, Stuttgart, Karlsruhe und von da zurück über Berlin der König von Preussen über Schlefien, und der Staatskanzler Fürst von Hardenberg, über Dresden, um da die Huldigung einzunehmen. Preufsen hat sich nochmals über die fächsischen An (30:) gelegenheiten bestimmt und stark erklärt, und man foll nun nicht abgeneigt feyn, die von Preufsen angebotenen Ausgleichungspunkte anzunehmen. Mancherlei. Beharrlichkeit. Was ebnet Bahn und Weg zur Tugend? Was führt den Pilger an das Ziel, Und reift zur Männlichkeit die Jugend; Macht Schwieriges zum leichten Spiel, Und bringt dem Mann Unsterblichkeit? Beharrlichkeit! Was reicht der Liebe ihre Kronen, Und schafft Triumphe aus dem Krieg? Erhellt des Nordens finftre Zonen, Und häuft im Kampfe Sieg auf Sieg? Wer Härkte uns im Sturm der Zeit? Beharrlichkeit! Wer schuf auf jedem unfrer Meere, Brittannia zur Königinn? Wer führte ficher Deutschlands Heere, Bis zu der stolzen Seine hin, Und endete im Sieg den Streit? Beharrlichkeit Was leiht im Fürstenrath die Würde, Und wirft zu Boden Trug und List? Und was erleichtert jede Bürde, Die unfrer Tage Schrecken ist, Das Ungewisfe diesen Zeit? Beharrlichkeit! So lafst mit ihr und mit Vertrauen Uns hoffend nach dem fernen Wien, Wie stets in unfre Zukunft, schauen, Und— stille Wand’rer— fürder ziehn. Bald reicht Erfatz für kurzes Leid: Beharrlichkeit! K. St. Anzeigen. Anstellung für Musikanten. Um ein militairisches Musik Corps zu ergänzen, werden zwei gründlich mit dieser Kenntniss versehene Subjekte, das eine zur F. Clarinette primo, das andere zur Bass-Posaune gesucht. Die annehmlichen Bedingungen sowohl, als alles Nähere hierüber zu erfahren, adressire man sich wo möglich bald und persönlich an die Platz-Commandantur. Jülich, den 29. December 1814. Anzeige. Montag, den 16. Jänner, um 10 Uhr Morgens und folgende Tage, werden in dem Ursulinen-Klofter dahier in Aachen, verschiedene zu der Hinterlafsenschaft des verstorbenen Herru Bischofs von Aachen gehörige Mobilien und fonftige Effekten, worunter mehrere sehr reichlich und geschmackvoll gestickte Messgewände, und fonftige Ornaten und Altar-Gerath; eine Partie fein silbernes Tisch-Geschirr; Tisch- Bett- und sonftige Leinwand; cm vierrädriger Reise Wagen, und ein Cabviolet nebft dazu gehörigen Koffern und Vachen; ein vierrädriger Kohlenwagen nehft Pferdegeschirr u. s. w., an den Meisihietenden öffentlich verkauft werden. A VENDRE. Une belle et grande maison, située en la ville d'Eupen, sur la grande place, No. 3, composee d'un salon et de plusieurs pièces à rez-de-chaussée, d'un grand nombre de chambres au premier étage, de deux heaux greniers avec deux portes cochères et deux cours, dans la première desquelles est un comptoir; surmonte d'une chambre; il y a deux bâtimens de derrière, dont le premier sert en bas à plusieurs baques à lainer, et en haut à la boutique des tondeurs de draps, et le second, en bas, à une presse de draps, et en haut aux métiers des tisserands, ensemble un grand et joli jardin, presque tout entouré de murailles, dont la moitié forme un jardin anglais, planté de bosquets, arbustes exotiques et grands arbres fruitiers et d'embellissement, et dont l'autre moitié sert de jardin légumier, dans lequelse trouvent deux rames à sècher les draps, et une serre bâtie récemment, avec une sortie de iderrière. Ladite maison est le plus agréablement située, et les bâtimens de derrière ont toujours été occupes par la fabrique de draps. L’adjudication préparatoire en aura lieu à Eupen, chez le sieur Guillaume Fryns, le mercredi 11 de ce mois, à trois heures de relevée. L’adjudication définitive se fera le mercredi dix-huit du meme mois, au même lieu et à là meme heure: L'on peut prendre des renseignemens ultérieurs et voir les conditions chez MM. Thomas Salm, négociant, et Lamberts, notaire audit Eupen. Aachen, gedruckt bei J. W. BEAUFORT, Peterstraſe,