Düsseldorfer Journal und Erscheint täglich außer Montags. Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Thlr. Auswärts bei allen preuß. Posten 1 Thlr. 5 Sgr. Kreis=Blatt. Einrückungsgebühren für die Petitzeile oder deren Raum 1 Sgr. Anzeigen werden bis 11 Uhr Vormittags angenommen. den 26. November 1880.(Courad.) No 288. Aus Der Antrag der Einschätzungs=Commission auf Wiedereinführung des 50-Thaler=Satzes ist laut Protokoll der Sitzung vom 5. November aufs neue verworfen worden,„weil Leute von so geringem Einkommen keine Steuer zahlen können." Daß die Commission mit ihrer Absicht, die Classe von Leuten welche jetzt zu 100 Thlr. taxirt steht, dann theilweise auf 50 Thlr. zu setzen, nicht ganz unrecht hatte, zeigt sich jetzt bei der Einquartirung. Diese Leute von 100 bis 200 Thlr. sind meistens gar nicht darauf eingerichtet, einem Mann Quartier zu geben, sie können ihm keinen Platz verschaffen und müssen, so lange die Einquartirung dauert, das Allernöthigste entbehren. Ständen sie nur zu 50 Thlr. taxirt, so wäre die geringe Steuer davon viel leichter aufzubringen, als die Einquartirungsbeschwerde zu ertragen, wie sie jetzt thun müssen. Möge daher der Gemeinderath durch Bildung einer Commission dahin wirken, daß der jetzt ungenügende Maaßstab der Vertheilung der Quartiere nach Kräften vervollständigt werde.(Einges.) Herr W., welcher in Nr. 282 d. Bl. der That des Herrn F. S. aus E. mit gebührender Anerkennung erwähnt, ist sehr im Irrthum, weun er glaubt, daß die Befreiung von der Einkommensteuer bei heranziehenden einheimischen Rentnern auf ein volles Jahr gleichzeitig auch die Befreiung von der Einquartierungslast für diese Zeit nach sich zöge. Eine solche Einquartierungsbefreiung kann keinesweges aus dem desfallsigen Beschluß des Gemeinderaths involvirt werden, der von der Einquartierungsbefreiung weder bei heranziehenden einheimischen, noch heranziehenden fremden Rentnern nichts bestimmt, mithin diese Last bestehen läßt. Wenn die Einquartierungs=Commission dennoch in solchen Fällen Befreiungen gestattet hat, so war es irrthümlich und der Gemeinderath wird sie wahrscheinlich eines Bessern belehren. Uebrigens wollen wir dadurch die gutgemeinte Absicht keinesweges schmälern, die für sich anerkennungswerth bleibt. Herr F. S. konnte hierbei um so leichter im Irrthum begriffen sein, da der Einsender, welcher doch das Sachverhältniß besser kennen mußte, selbst deu Irrthum theilt.(Eingesandt.) (Aachen=Düsseldorfer Eisenbahn.) Meine Einladung in Nr. 265 dieses Blattes hat keinen Eingang gefunden. Bei dem Herannahen des Winters glaube ich daher die Redaktion bitten zu müssen, im Interesse der Stadt meine durch die Einladung veranlaßte Correspondenz mit dem Herrn Wasserbau=Inspektor Wallbaum zu veröffentlichen. Für diejenigen, welche geglaubt haben, daß meiner Einladung ein anderes Motiv zu Grunde gelegen habe, als um die Gefahr zu besprechen, welche der Gemeinderath wegen der Bahnhofsfrage unberührt lassen wird, bemerke ich: daß diese Gefahr erst alsdann, wie der Herr Inspektor Wallbaum in seinen Mittheilungen, wofür ihm ganz Düsseldorf zu Dank verpflichtet ist, ausdrücklich anführt, eintrat, nachdem bereits der Heerdter Damm gebrochen war, und daß dieser ausgezeichnete Hydrotechniker stillschweigend zugibt, daß die in meinem Schreiben vom 7. entwickelten großen Unglücksfälle eingetreten sein würden, wenn die großen Anstrengungen, deren es bedurfte, um die Ueberfluthung am Bergerthore zu verhindern, nicht von einem glücklichen Erfolge wären gekrönt worden. Für diese Anstrengungen statte ich hiermit öffentlich dem Herrn Inspektor Wallbaum meinen aufrichtigsten Dank ab, überzeugt, daß alle Hausbesitzer in der Karlstadt, welche mit mir in derselben Lage sind, in diesen Dank vollkommen einstimmen. Evelt. (Vom 4. Novbr.) Herrn Justizrath Evelt! Aus dem eben erschienenen Kreisblatte ersehe ich, daß Sie die Befürchtung theilen, das Wasser werde bei einer Ueberfluthung des Ufers zwischen Neustadt und Düsseldorf eine starke Strömung in den Bassins um die innere Stadt und in den Sicherheitshafen bilden. Darauf muß ich ergebenst erwidern, daß die Bassins, ausgenommen Spees Graben, so hohe Ufer haben, und namentlich, daß das nördlichste Bassin am Ratingerthor durch ein so hohes Terrain (die Straße liegt hier am Pegel Nr. 36+ 6") von dem Sicherheitshafen getrennt ist, daß eine Strömung durch diese Bassins nicht statthaben kann. Calamitäten wird übrigens eine Ueberfluthung des fraglichen Ufers genug mit sich führen; namentlich wird sich eine heftige Strömung durch das Bergerthor und auch wohl von Spees Graben an der Post vorbei, bilden. gez. Wallbaum. (Vom 7. Novbr.) Herrn Inspektor Wallbaum! Indem ich Ihnen für Ihre gef. Bemerkungen vom 4. d. M. ganz ergebenst danke, beehre ich mich, darauf zu erwidern, daß meine Ansicht mehr darauf beruht, daß dieselben Ursachen, welche bewirken, daß auf einer Entfernung vom Zollthore bis oberhalb der Thomasbastion, auf welcher beim ruhigen Zustande das Gefälle vielleicht nicht einmal einen halben Zoll beträgt, bei hohen Fluthen der Rhein oberhalb der Thomasbastion 10— 12 Zoll höher steht, bewirken müssen, daß, sobald derselbe einmal in die Bassins getreten ist, die Straßendämme, welche zudem aufgeschüttet sind, durchgerissen werden, und daß, wenn dies einmal geschehen ist, die ganze Strommasse, welche sich durch das Inundationsgebiet von Heerdt bis Düsseldorf ergießt, durch die Bassins und Kanäle Düsseldorfs treiben wird. Ich finde auch dadurch erklärt, daß der Geheime Rath Bauer den abgetragenen Neustädter Damm so hoch und stark hat aufführen lassen.— Ich bin darin vollkommen mit Ihnen einverstanden, daß die Ueberfluthung am Bergerthore genug Calamitäten mit sich führen wird. Es werden nämlich diese nach meiner Ansicht um so größer sein, da die Häuser zwischen der Bastions= und der Haroldstraße fast ohne Ausnahme in den im Jahre 1797 ausgetriebenen großen Löchern erbaut worden sind, und der lose Füllgrund, sobald eine Strömung entsteht, ausgetrieben, und hiermit der innere Verband der Kellergewölbe gelöset wird, was zum Zusammensturze der Häuser führen muß, abgesehen davon, daß die Pfeiler, worauf alle Häuser stehen, nicht überall so solide aufgeführt sind, daß sie alsdann der Strömung widerstehen können. Es ist sehr zu beklagen, daß bei Anlage der Düsseldorf=Elberfelder Bahn auf diese Stromverhältnisse nicht die nöthige Rücksicht genommen ist. Ich hatte vorgeschlagen, die Düssel durch die Hubertusstraße zum Rheine zu führen, und hierhin auch die Hofmühle zu verlegen und das ganze Terrain zwischen dem Rheine, der Deichstraße, der Düssel= resp. Poststraße und der Bäckerstraße für die Bahn in Ansprüch zu nehmen. Wenn dies geschehen und der Bahnhof auf Nr. 30 des Pegels gelegt ware, so wäre gewiß alle Wassergefahr beseitigt worden, und die Gebäulichkeiten, welche jetzt in Unterbilk entstanden sind, würden auf diesem Terrain entstanden sein. Jetzt wird es sehr schwer sein, die Stadt gehörig zu schützen, ohne die für den Verkehr unentbehrliche Schleppbahn zu beeinträchtigen. Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir mittheilen wollten, auf welcher Pegelhöhe die Schleppbahn und die Bahnhöfe der Düsseldorf=Elberfelder und der Cöln=Mindener Bahn hier liegen. gez. Evelt. 12. Jahrg. (Vom 7. Novbr.) Herrn Justizrath Evelt! Auf die Zuschrift vom heutigen Tage beehre ich mich Folgendes zu erwidern: Bei einer Ueberfluthung des Ufers zwischen der Neustadt und der Thomasbastion werden sich die Bassins mit Wasser in einer Höhe füllen, die der Wasserhöhe an dem gedachten Ufer gleich ist; einen höhern Stand kann dies Wasser in ihnen nicht annehmen. Die Ufer, Straße rc. um diese Bassins(excl. Spee's Graben) sind so hoch, daß ein Ueberfluthen derselben nicht zu fürchten ist, wenn nämlich das Wasser die bisherige Höhe bei eisfreiem Wasser nicht bedeutend übersteigt. In diesem Jahre stieg das Wasser über die Ufer des Spee's Grabens in der Straße an der Post; ich weiß nicht, ob der Platz an der Max=Pfarrkirche so tief liegt, daß er bei einem 12" bis 15" höhern Stande von Spee's Graben überfluthet wird; das bloße Augenmaß genügt zur Entscheidung solcher Fragen über Höhenlagen, wo es auf einzelne Zolle ankommt, nicht, und Nivellements habe ich von dem quest. Terrain nicht. Nach einem Nivellement lag im Jahre 1845 die Oberkante der Eisenbahnschienen neben der 2. Treppe oberhalb der Thomasbastion 28' 7" über Nr. 0 des Pegels am Zollthore; desgleichen der Schienen vom untern Ende der Thomasbastion 26' 5½"; desgleichen die Mitte der Chaussee, etwa zwischen dem Thore und der Neustadt in der Mitte 29' 6“ und 29' 7" desgl. Ueber die Lage der Bahnhöfe kann ich nur nach den von den Direktionen herausgegebenen Plänen Folgendes angeben: Bahnhof(Drehscheibe) der Elberfelder Bahn 33“ 6" über Nr. 0 des Zollthor=Pegels(diese Angabe scheint richtig). Bahnhof der Cöln=Mindener Bahn 30' 3“ über Nr. 0(diese Angabe kann richtig sein, ich bin bei der Ermittelung derselben aber über Manches ungewiß geblieben). gez. Wallbaum. Tagebuch. Berlin. Während des Gottesdienstes im Dom, der der Kammereröffnung voranging, wurde dem Abgeordneten G. die Brieftasche mit einem Inhalte von 80 Thlr. in Cassenbillets entwendet.— Der hiesige Verein für hülfsbedürftige Künstler, so wie für deren Wittwen und Waisen nimmt noch Anstand, in diesem Jahre eine Weihnachts=Ausstellung zu veranstalten, indem er befürchtet, daß die Einnahme, sobald sich die Zeiten noch kriegerischer gestalten sollten, kaum die Tageskosten decken würde. Die diesmal dazu gewählten Transparent=Bilder sind der Vollendung nahe und stellen dar: 1) Die Verkündigung der Geburt des Heilands nach Guido Reni(gemalt von den Professoren Lengerich und Pistorius); 2) die Anbetung der Hirten nach Rubens(gemalt von den Professoren Schirmer, Krause und Gärtner); 3) Christus im Tempel lehrend, nach Overbeck(gemalt von Hopfgarten, Professor Beckmann und Schultze); 4) eine heilige Madonna nach Raphael(gemalt vom Professor Däge, Holbein und Schadow); 5) die Rückkehr aus Aegypten nach Rubens(gemalt vom Professor Schirmer, Schadow und Domschke) und 6) der obere Theil der Transfiguration nach Raphael(gemalt von Hosemann, Ewald und Schmidt). Jedes Bild soll, wie bisher, bei Vorführung von einem passenden Gesang des Domchors begleitet werden. — Von dem bisherigen Hannover'schen Gesandten, Herrn von Kestner, ist hierselbst unter dem Titel: „Römische Studien" ein Werk in prachtvoller Aus stattung erschienen. Mit Vorliebe verbreitet sich der Verfasser über die bedeutenden deutschen Künstler, welche sich durch das nähere Studium der römischen Kunstwerke zu ihrer vollen Kraft entfaltet haben und, gegenwärtig im deutschen Vaterlande wirkend, zur Verherrlichung des schaffenden deutschen Geistes so Vieles beitragen. Namentlich weilt der Verfasser bei den großartigen Kunstschöpfungen Peter v. Cornelius“. In der Vorrede sagt Herr v. Kestner sein Nationalgefühl habe ihn dazu getrieben, Deutschland in seinen großen Werken der Kunst zu verherrlichen. Der Verfasser ist der Sohn der berühmten, durch Goethe gefeierten Charlotte. — Unabhängig von den Kriegsrüstungen, aber doch leicht in deren Kreis dringend hat ein geschickter Mechaniker hier eine Waffe erfunden, die das Zündnadelgewehr zu Grunde legt, aber es an Vorzügen weit hinter sich läßt. Unter den Händen desselben kunstfertigen Arbeiters gingen schon vor mehreren Monaten Gartenflinten und Zündnadelbüchsen hervor, die theils durch Pulver, theils durch in Sömmerda verfertigten Zündspiegel explodixen; aber seine neueste Arbeit dürfte zu einer abermaligen Umgestaltung der Feuerwaffen Anlaß geben. Wahrscheinlich wird die Regierung auf diese Erfindung Rücksicht nehmen, und im Falle sich die Waffe bewährt, dieselbe bei den Regimentern einführen, die noch keine Zündnadelgewehre haben. Westpreußen. Bei der Anwesenheit des Geh.=Rath Mellin in Bromberg wurde auch der Plan, Thorn durch eine Zweigbahn mit der Bromberger Ostbahn zu verbinden, in Erwägung gezogen. Der Bau soll nach Beendigung der Hauptbahn in Angriff genommen werden. Gotha. Die hiesige Kaufmannschaft hat öffentlich bekannt gemacht, daß sie unter den jetzigen Verhältnissen nur preußische, sächsische, weimarsche uno gotha'sche Cassenscheine, so wie Berliner und Leipziger Banknoten in Zahlungen für voll annehmen.(Aehnliches erklären die„vereinigten Materialisten" in Magdeburg.) Oldenburg. Von unseren Küsten gehen schlimme Nachrichten ein. Unsere Badeinsel Wangerooge hat bei den letzten Sturmfluthen beträchtlichen Schaden erlitten; ein Theil derselben, die Dünen in der Nähe des Leuchtthurmes, sind fast völlig verschwunden und zwei Häuser mußten geräumt werden. Doch ist der Leuchthurm selbst noch unverletzt. Oestreich. Wir haben in Kürze ein neues Theatergesetz zu erwarten. Es bringt der Sache nach die Theatercensur. Die Erlaubniß oder das Verbot von Theaterstücken ruht in den Händen der höchsten politischen Behörde, der Statthalterei des jedesmaligen Kronlandes. Daß sie verständig und nicht mit polizeilicher Pedanterie geübt werde, dafür bürgt die neue Praxis am Burgtheater wo man bei Zweifeln über Zulässigkeit sich mehr an den Gesammteindruck und an die innere Moral der Dramen hielt, als früher an einzelne Situationen und Worte vor denen man das Kreuz schlug. — Einiges Aufsehen macht das so eben erschienene Buch„die gefährlichen Classen Wiens." Es wird darin versucht, jene Schichten der Bevölkerung, welche genau genommen ins Ressort der Polizei und Sicherheitsbehörde gehören, zu schildern und je nach ihren mehr oder weniger unmoralischen und gesetzwidrigen„Erwerbszweigen" zu classificiren. Wenn eine Schätzung hier wo die Gränzen des Erlaubten und des Verbotenen manchmal verschwimmen, an und für sich schon schwierig genug ist, so hat sich der ungenannte Verfasser dieselbe noch dadurch erschwert, daß er die Begriffe von Recht und Moral, von gefährlich und lasterhaft verwirrt. Nach seiner Angabe gibt es hier 32500„gefährliche" Individuen. Auf Authenticität kann das Buch durchaus keinen Anspruch machen; im ganzen ist es nach der Schablone jener bekannten„die Prostitution in Hamburg ec." gearbeitet,— passende Lectüre für Grisetten und Ladendiener. — Die Reichszeitung brachte kürzlich eine Statistik des Pfuhls verlorner Menschen in Wien, wie ihn jede große Stadt mehr oder weniger beherbergt. Bei einer Bevölkerung von 400,000 Köpfen zählt man in Wien 8000 öffentliche Mädchen, 600 Vagabunden, 3000 Bettler, 4000 Diebe und Betrüger, 600 Schmuggler und Hehler, und außerdem noch als besonders gefährlich und in höherem Grad lasterhaft 1500 öffentliche Mädchen, 300 Vagabunden, 500 Bettler und 150 Schmuggler. Mitunter fischt die Polizei ein Netz solcher Molche aus dem Menschensumpf, der große Theil dieser gefährlichen Menschen weiß aber immer sein Gewerbe straflos zu betreiben. * Antwerpen, 24. Nov. Das schon seit einem Jahre aufgenommene Projekt einer Dampfschifffahrts=Verbindung zwischen hier und NewYork scheint nunmehr seiner Realisirung entgegenzugehen; die Theilnahme dafür ist augenblicklich groß; von den 5000 Aktien im Gesammwerth von 2½ Mill. Francs sind in Belgien und England bereits 3555 gezeichnet und wenn, wie wir mit Bestimmtheit annehmen, der industrielle Theil Deutschlands und der Schweiz, von wo aus der größte Zufluß von Passagieren und Waaren erwartet werden muß, sich dieser Dampfverbindung thatsächlich und vielseitig anschließt, so dürfen wir das Unternehmen wohl mit Recht eines der lukrativsten und nützlichsten nennen, welches die Neuzeit aufzuweisen hat. Der Dienst soll durch 5, zweimal monatlich fahrende Schraubendampfboote versehen werden, wovon jedes 220“ lang, 30' breit und 18' hoch mit einem Tiefgang von 14'. Die Prospekte und Statuten sind bereits gedruckt und nach den uns vorliegenden Ueberfahrtspreise(I. Tajüte 500 Fr., II. Cajüte 300 Fr., Zwischendeck 150 Fr. incl. Beköstigung und für Fracht=Güter p. ton von 20 Ctr. 30 Fr. von Antwerpen, 40 Fr. von NewYork) ist anzunehmen, daß man sich kaum noch der Segelschiffe nach New=York bedienen wird. Wir dürfen demnach mit Recht voraussetzen, daß künftig sowohl Passagiere als auch die enormen Gütermassen, welche Europa der neuen Welt zusendet, ihren Weg über hier nehmen werden, und können wir der regen Theilnahme um so gewisser sein, als, dem Prospektus zufolge, unser Ministerium 4% Zinsen garantiren und zudem noch eine jährliche Dividende von mindestens 10% in Aussicht stellen soll. Frankreich. Die„National=Versammlung" hat in ihrer Sitzung vom 22. einen Credit von 600,000 Fres. votirt, für Beförderung von Bade= und Waschanstalten. Nach dem Beispiele Englands, dessen Wasch= und Badeanstalten sich durch Schnelligkeit der Operationen und Wohlfeilheit auszeichnen, will die Regierung in den großen Städten Frankreichs für 2 Mill. Franks ähnliche Anstalten versuchsweise errichten lassen, wobei der Staat sich zur Ermunterung für ein Drittheil betheiligen soll. Der Minister erinnerte bei Vertheidigung dieses Gesetzentwurfes daran, daß die Cholera im Jahre 1849 in Frankreich 100,000 Opfer hingerafft habe, wovon 25000 auf die Stadt Paris allein und 15000 auf das Nord=Departement kommen, und vorzngsweise immer Orte heimgesucht habe, die der Reinlichkeit ermangeln. Großbrittanien. Ein Handlungshaus zu Manchester läßt für die große Industrie=Ausstellung ein Pfund Baumwollengarn spinnen, welches eine Länge von 238 engl. Meilen haben wird.— Die letzten Nachrichten aus New-York bestätigen vollständig, daß in Folge verderblicher Froste in Süd=Carolina, Georgien und Alabama die Baumwollenernte nicht mehr als 2 Mill. Ballen ertragen wird. Asien. Der chinesische Kaiser hat ein haarsträubendes Manifest gegen die Opiumrauchey erlassen. Noch 5 Monate Gnade, dann aber soll jeder Opiumraucher mit dem Schwerte hingerichtet, die Familien sollen als Sclaven verkauft und die Nachkommen von 3 Generationen aller Privilegien verlustig werden. Feuilleton. Gansendonk. Eine flämische Dorfgeschichte nach Hendrik Conscience. (Fortsetzung.) Was soll das? Herr v. Bruinkasteel hätte mit uns Spott getrieben? Nun, er frug den Doktor, wie er nur glauben, könnte, ein Baron werde ein Mädchen aus einer Bauernkneipe heirathen; und als man ihm sagte, daß er selbst den Notar wegen des Contrakts zu Rathe gezogen hätte, sagte er ganz laut: die Tochter ist ein braves Mädchen, doch der Alte ist ein eingebildeter Narr, der über kurz oder lang in's Narrenhaus kommen wird! Der Baes sprang unwillig auf, als hätte ihm Jemand unvorhergesehen auf den Fuß getreten. Was wagst Du da zu sagen? schrie er drohend, ich soll in's Narrenhaus? Bist Du denn ganz von Sinnen? Ein toller Hund, heißt es, beißt auch nach seinem eigenen Herrn. Ich wiederhole nur, was zehn Menschen bezeugen können. Es steht euch frei, mir nicht zu glauben, Baes; was hilft— Ja, was hilft Kerze und Brille der blinden Eule? Ich weiß nicht, warum ich Dich nicht gleich aus dem Hause werfe! Was hilft das Licht dem, der die Augen zuhält? fuhr Kobe fort, der Baron hat mehr als Ein Mal Eure Hoffnung verspottet! Nein, das ist nicht wahr, es kann nicht wahr seyn! Du glaubst den Verlästerungen neidischer Leute, die vor Gift bersten, weil ich mehr Geld habe als sie, und sie wohl voraussehen, daß Lisa gnädige Frau wird, so sehr sie es ihr mißgönnen. Wenn der Blinde träumt, daß er sieht, so erblickt er, was er gerne sieht, äußerte Kobe. Wenn man Euren wunden Fleck nicht berühren darf, Baes, so ist Euch nicht zu helfen; und ich sage mit dem Sprüchwort: Ein Jeder kocht sich seinen Brei wie er ihn haben willf; bleibt dabei und feiert Eure Hochzeit morgen! Erfindungen eines erbärmlichen Neids und sonst nichts! Der Doktor beneidet Euch nicht, Baes, er ist ein nüchterner, überlegter Mann, vielleicht der einzige im Dorfe, der Euer Freund geblieben ist. Er selbst forderte mich auf, Euch vor der Gefahr zu warnen, ob Ihr es nun gerne oder ungerne sähet. Der Doktor ist getäuscht, Kobe; man hat ihm falsche Dinge weißgemacht. Es kann nicht anders seyn, sag' ich Dir! Das wäre schön, wenn der Baron meine Lisa nicht heirathen sollte! Es soll Niemand die Rechnung ohne den Wirth machen! Ich bin davon so sicher wie von meines Vaters Namen. Ihr sitzt noch nicht im Sattel und meint schon zu reiten. Ich sage Euch, Baes, der Baron hält Euch zum Narren; ich sage Euch, Ihr seyd blind, und Lisa dauert mich! und morgen zieheich von hier fort, um das traurige Ende des Trauerspiels nicht mit anzusehen. Wollt Ihr Eure Ohren öffnen, Baes, so gebe ich Euch zum Abschied einen recht guten Rath! Zum Abschied? Das sehen wir nachher! Doch heraus mit dem Rath! Seht, Baes, wer gerne glaubt, wird leicht betrogen! An Eurer Stelle würde ich heute noch zu wissen suchen, woran ich mich zu halten hätte; ich würde gleich zu Herrn v. Bruinkasteel auf's Gut gehen und ihn mit Entschiedenheit fragen, was er mit Lisa vorhat. Schöne Worte und Komplimente würden mich nicht irre machen; alle meine Reden würden mit der Frage schließen: Heirathet Ihr oder heirathet Ihr nicht? So würde ich ihn dazu zwingen, mit offenen Karten zu spielen, und endlich eine klare Antwort zu geben. Auf den Fall, daß er Nein sagt, wie es wahrscheinlich ist, würde ich Lisa auch kein Wörtchen von ihm hören lassen, sondern in's frühere Geleis zurückkommen, mich bei Karl entschuldigen, ihn zurückrufen, und so schnell wie möglich an Lisa verheirathen. Das ist das einzige Mittel, das Euch bleibt, um viel Unglück und Schande zu verhüten. Wohl, wenn der Baron mir nicht bald selbst von der Hochzeit spricht, so geh' ich hin;— aber es hat keine Eile! Keine Eile, Baes? Aus der Hand in den Mund, kann der Brei zur Erde fallen. Heute müßt Ihr wissen, wo der Baron hinaus will! So gehe ich diesen Nachmittag auf's Gut, sagte der Baes, und verlange eine bestimmte Erklärung; doch kenne ich die Antwort voraus! Ich wollte, Ihr sprächet wahr, Baes; doch fürchte ich, Ihr werdet einen schlechten Bescheid bekommen! Wie? Daß ich wahr spräche? Ja, daß Ihr Einmal in Eurem Leben wahr gesprochen hättet. Die Welt ist ganz verkehrt, fuhr der Baes ungeduldig heraus, der Knecht macht sich über seinen Herrn lustig, und ich lasse es mir gefallen! Wer mit dem Esel spielt, kriegt den Schweif in's Gesicht. Doch warte nur, ich will ganz ernstlich böse werden; heute Nachmittag gehe ich auf's Landgut— Und wenn ich mit der Erklärung des Barons zurückkomme, daß er Lisa heirathen will, was wirst Du dann dazu sagen, Du frecher Schlingel? Daß Ihr allein ein Mann von Verstand seyd, Baes, und daß alle Andern, und ich dazu, an Dummheit leiden. Doch was werdet ihr sagen, Baes, wenn der gnädige Herr Euch verspottet? Das kann nicht seyu, sag' ich! Wenn es aber doch so seyn sollte? Wenn der Himmel einstürzt, so sind wir Alle begraben! Ich wiederhole meine Frage: wenn der Baron Euch mit Spott abweist? Baron oder nicht Baron, er soll mich dann kennen lernen, und— Ein entsetzlicher Hülferuf, ein gellendes Angstgeschrei unterbrachen seine Worte. Erschrocken sprangen Beide auf und liefen nach Lisa's Zimmer. Das Mädchen stand am Fenster und sah auf die Straße. Was sie erblickte, mußte fürchterlich sein, denn ihr Mund schloß sich krampfhaft über die Zähne, die weitgeöffneten Augen schienen aus dem Kopf zu treten, und alle Glieder zitterten wie Espen laub. Kaum war der Baes auf einige Schritte in's Zimmer gedrungen, als sich ein neuer Schrei hören ließ; Lisa hob beide Hände gegen den Himmel und fiel bewußtlos auf den Boden hin. Weinend kniete der Baes bei seiner Tochter nieder. Kobe lief an's Fenster und warf einen Blick auf die Straße. Da fing er auch an zu erblassen und zu beben; die Thränen drangen ihm aus den Augen, und das, was er sah, nahm ihn so völlig in Anspruch, daß er die Hülfrufe des Baes unberücksichtigt ließ. Unten auf der Straße ward Karl, die Hände auf den Rücken gebunden, zwischen zwei Gensdarmen nach der Stadt geführt; ein altes Weib schlich ihm wehklagend nach, und benetzte die Fußstapfen ihres unglücklichen Sohnes mit Thränen. Sus, der Schmied, raufte sich die Haare aus, und war vor Gram und Zorn ganz außer sich. Hinterher schritten eine Menge Bauern und Bäuerinnen mit hängenden Köpfen und traurigen Gesichtern. Mehr als Eine Schürze lag vor den nassen Augen.— Es war, als ob ein Leichenzug einen theuren Todten zu Grabe brächte. (Fortsetzung folgt.) Mittheilungen aus Die Vorboten des Winters sind da, aber nicht für den Pariser, wenigstens beachtet er sie nicht; auf dem Marsfelde und im Hippodrom— man scheint jetzt kaum noch einen anderen Vereinigungsort, zu kennen— zeigen sich die Damen in sehr leichter Toilette, gewöhnlich mit Sonnenschirmen versehen, jedenfalls, um sich gegen die Gluth einer abwesenden Sonne zu schützen; denn die kalte Luft und den häufigen Sprühregen, wie vor einigen Tagen auf dem Marsfelde, wo ein großes Kirchthurmrennen und das Aufsteigen mehrerer Luftballons eine ungeheure Menschenzahl versammelt hatte, können sie damit nicht abwehren. Bei dieser Gelegenheit konnte man sich einen Begriff von der Bevölkerung der Hauptstadt machen, die mit jedem Tage zunimmt. Leider wächst dadurch auch die Concurrenz in einem den Menschenfreund erschreckenden Grade: so z. B. berichten die Journale aus guter Quelle, daß ein einziges Linienregiment unter bundert freiwillig Eingetretenen achtig Baccalaureen der schönen Wissenschaften und sieben Rechtskandidaten zählt. Es ist wahr, man hat noch niemals so viele Baccalaureen fabrizirt als jetzt. Es ist dies ein Manufakturartikel wie so viele Andern. Vergebens arbeiten die Universitäten dagegen; die Unterdrückung der ergänzenden Abtheilungen für die Rhetorik und andere humoristische Studien in mehreren Lyceen von Paris und der Departements dürfte wenig helfen. In der großen industriellen Bewegung, die uns Alle mit fortreißt, und deren Früchte wir bereits ärnten, muß die Erziehung natürlicherweise das Ihrige thun, und ist es denn nicht erfreulich zu sehen, wie Alles nach Oben strebt? Die Gleichheit der Stände wird bald erreicht sein und dann wird es keine dienende Klasse mehr geben. Nach der für die höheren Stellungen im Leben erforderlichen Befähigung wird ja kaum noch gefragt; die Schule, die Methode, die Dressur müssen dafür Ersatz leisten, diesen verdanken wir die vielen Virtuosen, Künstler und Gelehrten, welche mit ihrem Schicksale nicht zufrieden sind!— Ueberall sucht man das Aechte durch das Unächte zu ersetzen, die Industrie zeigt sich in diesem Punkte sehr thätig. In den letzten Tagen sind über zweihundert Krämer wegen Fälschung ihrer Waaren verurtheilt worden; wie groß mag nicht die Anzahl derer sein, welche, bei dieser Art von Betrug vorsichtiger zu Werke gehend, sich der Entdeckung entziehen. Jener Philosph hat Recht, welcher sagt:„Alles ist jetzt Baumwolle, die Fabrikate und die Gewissen; Alles ist plattirt, das Silbergeschirr so gut als die Wissenschaft und Kunst."— Die alten Republiken gefielen sich in Ermuthigung der Künstler, die unsrige gleicht ihnen darin nicht. Man frage nur unsere Maler und Bildhauer. Handeltes sich darum, Börsen= und Marktgebäude zu errichten, Gefängnisse zu erbauen, Eisenbahnen zu decretiren, gleich ist unsere Republik bei der Hand und ahmt hierin den Königen nach, aber die Könige eröffneten auch ihr Louvre den gleichzeitigen Malern, während die junge Republik es ihnen hartnäckig verschließt. Die diesjährige Ausstellung wird im Hofe des Palais National stattfinden, unter dem Schutz eines für diese Gelegenheit zusammengezimmerten Gebäudes. Der gemeine Troß der Märtyrer der Malerei beklagt sich in seinem Kauderwälsch über dieses Verfahren, aber die Großwürdenträger der Kunst weigern sich entschieden, ihre Leistungen in einem solchen Schuppen, wie sie sich ausdrücken, zu entfalten: Ingres, Delaroche, Cogniet, Scheffer, Delaeroir, Winterhalter, Lehmann u. s. w. werden fehlen; wir werden höchst wahrscheinlich nichts Ausgezeichnetes zu sehen bekommen. Der einzige Reiz der neuen Ausstellung dürfte wohl die Portrait=Malerei sein. An Portraits in voller Gestalt, an Brustbildern, bloßen Profilen und Miniaturen wird es Ueberfluß geben. Die Originale dieser Gemälde bilden zunebst ihren Familien eine ziemlich zahlreiche Kundschaft, um, in Ermangelung des Kenner=Publikums, die Gallerien zu bevölkern. Man erwähnt schon jetzt gewisse vornehme Personen, die höchst angenehm überrascht sein werden, sich unbewußterweise porträtirt zu finden. Während der Restauration zog ein namhafter Maler von seiner Kunst auf folgende Weise ziemlichen Vortheil: er hasardirte, mit einiger Uebertreibung, die Züge gewisser Modelle, von denen er wußte, daß sie Tausenden angehören. Die Bildnisse fanden großen Beifall und diejenigen, welche sich getroffen glaubten, oder vielmehr für die Originale hielten, kauften dieselben nach Herzenslust. Ein junger Künstler der Jetzkzeit ist auf eine gesetzmäßigere Spekulation gerathen. Er malt nämlich jene mysteriöse Schönheit, welche man allgemein als die„schöne Fremde" bezeichnet und deren Gegenwart in Paris den Conjecturen=Schmieden so viel Beschäftigung gibt. Nicht unähnlich dem Helden eines in Vergessenheit gerathenen Romans„Le Solitaire“ von Herrn d'Arlincourt begegnet man ihr überall, ohne doch ihre Spur bis zum Ziele verfolgen zu können. Stets allein wandelt sie, in Begleitung eines Lackeyen, der eben so stumm ist, wie sie selbst, melancholischen Betrachtungen hingegeben, im Wintergarten umher; sie zeigt sich auf dem Marsfelde in reicher Equipage, und des Abends gewahrt man sie in einer Mittelloge der Oper. Man kann diese Absonderung, diese Einsamkeit mit dem Glanze ihrer Schönheit, ihren vornehmen Manieren und der Eleganz ihrer Toilette nicht zusammen reimen. Unbescheidene, welche den Schleier ihres Incognitos mit Gewalt zu heben versuchten, wurden, so erzählt man, in ihrem Unternehmen durch eine unbekannte Hand zurückgehalten. Ein unsichtbarer Genius schützt die schöne Fremde gegen jede Keckheit. Auf ihre Stirn ist das Wort„Geheimniß" geschrieben, welches zu lösen man zu Herrn Carlier seine Zuflucht nehmen müßte, der indeß vielleicht eben so wenig weiß, wie alle Andern. Doch weg mit der Geheimnißkrämerei! Wir wollen dem Leser lieber noch einige bestimmte Neuigkeiten mittheilen: Mehrere Theater, die sich in ihrer Existenz bedroht sehen, sind darauf bedacht, eine große Rettungsmaßregel zu ergreifen; sie wollen nämlich die Freibillets gänzlich abschaffen und das Publikum kann jeden Tag einer Bekanntmachung zu diesem Behufe entgegensehen. Es wird mithin künftig keine Gratis=Vorstellung für die bisher Begünstigten mehr geben; man will sie zwingen, ihren Platz so gut wie jeder Andere zu bezahlen. Die Journalisten werden dem allgemeinen Gesetze ebenfalls unterliegen. Höchstens dürfte man sie auf das Regime der ersten Vorstellungen setzen. Selbst der Autor eines Stückes wird sich diese Beschränkungen gefallen lassen müssen. Das ist doch gewiß eine radicale Reform! Noch eine dramatische Neuerung ist, daß die Direktion des Theater Francais zur Reorganisation ihres Orchesters schreitet: Herr Offenbach ist beauftragt, ein den Zuschauern angenehmeres musikalisches Repertoir zu bilden, als die Ouvertüre zu Lodoiska und jene alten Arien von Steibelt, womit man bisher die Zwischenakte ausfüllte. Desgleichen will man auf Anrathen Arsene Houssaye's gewissen Stücken von Moliere die Lulli'schen Accompagnements wiedergeben. Vor einigen Tagen ist eine namhafte Sängerin, Madame Branhu von uns gegangen, um sich in einer bessern Welt mit ihren Kunstgenossinnen, Madame Boulanger und Madame Saint=Aubin, deren Grab sich kaum geschlossen, wieder zu vereinigen. Geboren im Jahre 1780 auf der Insel St. Domingo trat diese Künstlerin nach ihrem Abgange vom Pariser Conservatorium, wo sie 1796, kurz nach dessen Begründung Aufnahme gefunden und im Gesange mehrere Male den ersten Preis erhalten, zunächst im Theater=Feydeau auf. Sie verließ dasselbe jedoch bald wieder und debutirte 1801 unter dem Namen„Mademöisselle Chevalier"— ihr Familienname war Chevalier de Lavite— zum ersten Mal in der großen Oper mit dem entschiedensten Beifall. Ihr Engagement war gesichert und sie behauptete seitdem über ein Vierteljahrhundert den ersten Platz auf der ersten lyrischen Bühne Frankreichs. Als sie ihr Ende herännahen fühlte, beschied sie Herrn Alexis Dupont zu sich, dessen erste Schritte auf seiner künstlerischen Laufbahn sie geleitet und bat ihn, daß er ihr Leichenbegängniß durch das schöne„ salutaris“ von Gossec, welches er nebst ihren beiderseitigen Freunden, den Herren Ponchard und Levasseur so trefflich singe, verherrlichen möchte. Auf Dupont's Entgegnung, daß das„ salutaris“ in einer Todtenmesse nicht zugelassen werde, erwiderte sie mit vollkommener Seelenruhe:„So ändern Sie den Text, ich werde Ihnen die nöthige Zeit dazu lassen." Wenige Tage nach dieser Unterhaltung sagte sie zu einer alten Freundin, die an ihrem Kopfkissen saß,„vergessen Sie meinen schönen Gesang von Gossec nicht", und hauchte gleich darauf ihre Seele aus. Herr Alexis Dupont hat den letzten Wunsch der Verblichenen erfüllt.(Mode=Ztg.) Brodtare zu Düsseldorf, am 23. November 1850. Ein Schwarzbrod, 7 Pfund schwer 4 Sgr. 8 Pf. Die Königl. Polizei=Inspektion: v. Falderen. Frucht=, Getraide= und Oelpreise. Köln, 23. November. pr. 25 Scheffel. Thäre. Weizen, direkt....... 5½ ½— „ pr. Nov... 5½ 5¼ „ pr. Nov. 89 Pf. 5 26 „ pr. März 511/12 „ pr. März 89 P. 6½ 6½ „ pr. Mai— Roggen, direkt.. 4712 „ neuer. 47/2— „ pr. Nov. 4, 16 4½ „ pr. März. 5, 2 5, 1 „ pr. Mai. 5¼ 5½ Gerste, hiesige..... 25/6 „ oberländ. 4½ Hafer| 27/12— „ pr. März—— „ pr. April— Neps 9½/2 Rüböl pr. 256 Pf. m. Faß compt.. 30¾— „ in Partieen— „ pr. Okt 31 „ pr. Mai. 30½ 30¼ „ geläutert 32½ Leinöl pr. 260 Pf.— Rübkuchen 2000 Pf.— Spiritus, effect. mit F., 80% p. 130O. 22 „ pr. März, Mai„—— „ gerein. 90%„ 27½— Anzeige. Düsseldorf, den 25. November 1850. Angekommen: P. Wihl von Brohl mit 1030 Cer.— H. Conscheidt von Bendorf mit 1250 Ctr.— Ant. Krauß von Andernach mit 800 Ctr. In Ladung: Von der niederrhein. Dampf=Schleppschifffahrts=Gesellschaft bis zum 27. November: 1 Schleppkahn nach Amsterdam und 1 dito nach Rotterdam. Allgemeiner Musikverein. Concert für die bedürftigen Angehörigen der einberufenen Reservisten und Wehrleute der Oberbürgermeisterei Düsseldorf. am Donnerstag den 28. d. Mts., Abends 6 Uhr, im Geisler'schen Saale. Programm. 1. Quvertüre zur schönen Melusine zon F. Mendelssohn.-B. 2. Requiem' für Mignon aus Goethe’s„ Wilhelm Meister für Chor und Orchester von R. Schumann(Mauuscript), (auf Verlangen wiederholt). 3. Sonate(C.-dur op. 53) für Piaaoforte von I.. v. Beethoven, vorgetragen von Frau Clara Schumann. 4. Comala, dramatisches Gedicht nach Össian für Solostimmen, Chor und Orchester von N. W. Gade. Der Subscriptionspreis beträgt 10 Sgr. Subscriptionslisten, welche mit Mittwoch den 27. d. geschlossen werden, liegen offen: in der Muskalienhandlung von Bayrhoffer, bei Hrn. Cürten und bei Hrn. Geisler(Steinweg und Mittelstrasse). Karten zu 20 Sgr. werden am Concerttage in den obengenannten Lok alen ausgegeben. Wir beehren uns, zur Theilnahme ergebenst einzuladen Düsseldorf den 23. November 1850. Der Verwaltungsausschuss. Euler. v. Lezaack. Hertz. Dr. Ernsts. Bloem. J. E. v. Heister. Fr. v. Heister. Th. Hildebrandt. Hauptproben: Mittwoch Abend 6 Uhr und Donnerstag Morgen 9 Uhr. Wieder frischen westphälischen Pumpernickel erhalten C. Kukuk. Da es bekannt geworden, daß viele EinquartierungsBillets von den Militairpersonen, an welche sie ausgegeben waren, nicht benutzt worden sind, und daher manche hiesige Einwohner die ihnen verhältnißmäßig zukommende Einquartierung noch nicht getragen haben, so werden diejenigen Quartierträger, deren Einquartierung schon abmarschirt ist, wiederholt aufgefordert, die betreffenden Einquartierungsbillets der Einquartierungs-Commission im Rathhause, Stube Nr. 4, zur Eintragung in die Controlle vorzuzeigen, indem die Ausbleibenden sich der Gefahr aussetzen, angesehen zu werden, als wenn dies auf sie ausgefertigte Billet unbenutzt und sie ohne Einquartierung geblieben seien. Düsseldorf den 23. November 1850. Der Oberbürgermeisterei=Verwalter, Regierungs=Assessor Hammers. Bekanntmachung. Die Wahlberechtigten zur hiesigen Handelskammer, welche jährlich 12 Thlr. und mehr Gewerbesteuer zahlen, werden hiermit eingeladen, kommenden Mittwoch den 4ten Dezember, Vormittags 11 Uhr, auf hiesigem Rathhause recht zahlreich zu erscheinen, um die gesetzlich vorgeschriebene Ergänzungswahl zweier Mitglieder und deren Stellvertreter bei hiesiger Handelskammer vorzunehmen. Düsseldorf den 22. November 1850. Der Oberbürgermeisterei=Verwalter, Regierungs=Assessor Hammers. Bekanntmachung. Mittwoch den 27. November, Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr, wird die gewöhnliche Empfangnahme der Einlagen in die Sparkasse und die Rückzahlung in dem Kassen=Lokale auf dem Rathhause, Stube Nro. 14, eine Treppe hoch, erfolgen. Düsseldorf den 23. November 1850. Der Oberbürgermeisterei=Verwalter, Regierungs=Assessor Hammers. Reisemanuals für Nord= und Süddeutschland, Ausgabe vom 9. Nov. 1850, a 2½ Sgr., desgl. franz. à 4 Sgr., sind vorräthig in der Stahl'schen (W. Kaulen). Antwerpen-Newyorker Dampfschiffahrt. Statuten, Prospekte, so wie sonstige auf die Rentabilität dieses Unternehmens bezügliche Dokumente besorgt auf Franco=Briefe C. H. von Zütphen in Frische scheven. Schellfische und harderw. Vollbückinge bei Wittwe Römer, Zollstr. Verein„Genügsamkeit.“ Dienstag den 26. d., Abends halb 9 Uhr: General-Versammlung. Gegenstand der Berathung: Unterstützung für die bedürftigen Angehörigen der einberufenen Wehrleute. Um zahlreiche Theilnahme bittet Der Vorstand. Oberländisches, gebeuteltes Schwarzbrod, per Stück 5 und 2½ Sgr., bei Franz Kaulen, Andreasstraße. Pate=Pectoral, feinstes Cacao=Pulver mit und ohne Zucker, farcirten Schweinskopf, Gänsebrüste, straßburger Pasteten, Caviar und Austern erhielt Franz Geisler, Hof=Conditor. Dringende Anfrage an die betreffende Warum ist der unverheirathete Jos. Hilden aus Pempelfort zurückgeblieben, wo man doch die Männer von uns und unsern armen Kindern gerissen hat, oder ist der Jos. Hilden die Stütze seiner wohlhabenden Eltern? Wir verlangen nur Gerechtigkeit.— Mehrere Frauen der Landwehr. Frische süße Schellfische, Kabliau, harderwicker Bückinge, engl. Austern, antw. Muscheln, pr. 100 Stück 4 uno 2½ Sgr., erhielt wieder J. Hendrichs, Rheinstr. Frische süße scheven. Schellfische und harderw. Vollbückinge bei Hermann am Markt, im Hause des Herrn Richter. Geburts-Anzeige. Die heute früh erfolgte glückliche Entbindung meiner lieben Frau, Marie, gev. Friderichs, von einem gesunden, starken Mädchen beehre ich mich hierdurch statt jeder besonderen Meldung ergebenst anzuzeigen. Düsseldorf den 25. November 1850. Alexander v. Sybel. In der unterzeichneten Buchhandlung verbunden mit Buchdruckerei ist für einen mit guten Vorkenntnissen versehenen jungen Mann eine Lehrlingsstelle offen. Stahl'sche Buchhandlung (W. Kaulen). Kolnische Feuer=Versicherungs=Gesellschaft, sanctionirt durch Allerh. Kabinetsordre vom 5. März 1846. Grund-Kapital Drei Millionen-Thaler. Die Gesellschaft versichert sowohl Gebäude, als bewegliche Gegenstände aller Art gegen billige feste Prämien. Die Waarenlager, die Schiffe, die Ernte, Produkte, Gemälde und das Vieh sind davon so wenig ausgeschlossen, wie das Risico der Miether und dasjenige der Recours= Ergreifung der Nachbarn. Versicherungs=Anträge beliebe man bei der HauptAgentur hierselbst, Mittel=Allee Nr. 185(in dem ehemaligen Hengstenberg'schen Hause) zu machen. (730) Ein Familien=Vater, welcher durch eingetretene Verhältnisse augenblicklich ohne Arbeit und dadurch in eine sehr betrübte Lage gerathen ist, sucht eine für ihn passende Beschäftigung; derselbe schreibt sehr gut und könnte wohl einer Stelle in irgend einem Magazine vorstehen, in welcher Stellung er auch früher sich schon bewährt gezeigt hat und können die genügendsten Atteste über seine Leistungen, so wie über seine Führung vorgelegt werden. Hierauf Reflektirende werden höflichst gebeten, ihre Adressen in der Exped. d. Bl. abzugeben. Ein Kellner oder Aufwärter wird gesucht von Memminger in der Bockhalle. v69) Geken(Soungo), Mopgens 4 Uhr, ist ein Pferd eingefangen worden. Der sich legitimirende Eigenthümer kann bei der Exped. d. Bl. erfahren, wo er's wiedererhalten kann. (733) Ein mit guten Zeugnissen versehener Mann, der mit Pferden umzugehen weiß, wird in Dienst gesucht. Auskunft gibt die Exped. d. Bl. Der Dreck=Pegel am Ratinger=Tyor ist zu noch nie dagewesenen Höhe gestiegen. Der Dreck steigt fortwährend. Eine freundliche Wohnung in der ersten Etage, welche gleich zu beziehen ist, so wie ein Unterhaus, stehen auf der Hohestraße zu vermiethen, worüber Näheres in Nr. 153 auf der Neubrückstraße zu erfahren ist. (732) Ein großes Maler-Atelier nebst zwei Zimmern zur Wohnung steht im schönsten Theile der Stadt zu vermiethen. Näheres in der Exped. d. Bl. In der neuen Anlage 116½ ist eine Wohnung von 6 Piegen mit Speicherzimmer, Speicher und Keller zu vermiethen und gleich zu beziehen. Näheres bei Lehrer Wilh. Herchenbach, Bilkerstraße 995. Ratingerstraße Nr. 134 sind mehrere Zimmer zu vermiethen. Wasserstand. 25. Nov. Morg. 6 Uhr: 10' 7". Wind: „ 11„ 10' 8".„ Fremdenblatt. In den drei Reichskronen bei Beeking. Zum Prinzen von Preußzen bei Wittwe E. Schleger. Graf Stollberg m. Bed., Rittmeister im 17. Landwehr=Reg. a Ratingen. von Wüstehofen, Lieutenant a Ratingen. von Kusserow, Oberstlieutenant u. Comm d. 14. Inf.=Brig. a Düsseldorf. Wenzel m. Bed., Oberst a Düsseldorf. von Kaisenberg, Rittmeister im 11. HusarenReg. a Düsseldorf. von Zaborowsky, Prem.=Lieutenant u. Adjudant a Cassel. Hölterhoff, Lieutenant a Gräfrath. Brüninghaus, Prem.=Lieutenant a Essen. Frau Baronin von Foleruhs m. Dienersch., a Jülich. Vetter, Offizier im 8. Ulanen=Reg. a Wetzlar. Roßbach, Kfm a Barmen. Kretzschmar m. Dienersch., a Elberfeld. von Galen, Kfm a Gerresheim. Im Cölnischen Hof bei Juppen. Holland, Kfm a Bremen. Haarmann, Baumeister a Lippstadt. Fischer, Baumeister a Paderborn. Heinrich, Kfm a Ludwigshaven. Ricolay, Stabs=Arzt a Warendorf. Borngraeber m. Bedienung, Bataillons=Arzt a Iserlohn. Frankenberg, Assistenz=Arzt a Wachtendonk. Selz, Asfistenz=Arzt a Wesel. von Kösel m. Bed., Lieutenant a Minden. von Freyburg, Lieutenant a Herfort. Zur Nedden, Kfm a Elberfeld. Neuhaus, Priv. a Cöln. Wagener, Kfm a Benrath. Schneider, Kfm a Frankfurt. Nolle, Kfm a Lüdenscheidt. Aßmann, Oekonom a Lüdenscheidt. Jansen, Kfm a New-York. Im Breidenbacher Hof bei Disch. Sr. Durchl. der Fürst Salm=Dyk m. Bed., a Schloß=Dyk. Baron v. Fürstenberg, a Westphalen. Meyer, Part. a Hamburg. Stoltenhoff, Kfm a Aachen. Steiner, Kfm a Dresden. Cubain, Kfm a Brüssel. Faber, Kfm a Bremen. Tydemann, Professor a Leyden. Lauvrayne, Propr. a Lille. Dupruy, Propr. a Lille. Vimez, Rent. a Hannover. Im Euröpäischen Hof bei Götzen. von Tollberg, Hauptmann a Duisburg. Westermann, Hauptmann a Essen. von Aßmuth, Hauptmann a Cöln. Bauenthal, Fabrik, a Lennep. Menzerath, Fabrik. a Montjoi. Mad Moody, a London. Fräul. Moody, a London. Haniel, Fabrik. a Ruhrort. Ritgers, Inspektor a Aachen. Fries, Part. a Lennep. Rusthon, Rent. a London. Leuchs, Kfm a Nürnberg. Graf von der Recke=Vollmarstein m. Fam. u. Bed., Landrath a Borke. Frau von Rauschenplat mit Bedienung, aus Paderborn. Frau von Trotha mit Fam. u. Bedienung, a Magdeburg. Fallerstein m. Fam., Fabrik. a Wetter. Lippe m. Fam., Dr. a Hannover. Wheeluright m. Fam., Geistlicher a Janson Schmölder m. Fam., Kfm a Rheydt. Saunders, Rent. a London. Kappel, Kfm a London. Merteus, Rent. a Cöln. Willmes, Rent. a Cöln. Büschgen, Bürgermeister a Rheydt. Pferdemenges, Fabrik. a Viersen. Wolff, Part. a Cöln. Im Römischen Kaiser bei Engels. v. der Leyen, Landwehr=Unteroffizier a Creseld. Böcker, Landw.=Unteroffizier a Crefeld. Kauert, Landwehr=Unterofsizier a Crefeld. Klein, Kfm a Aachen. Hambruch, Kfm a Rheydt. Urbach, Wegebaumeister a Gladbach. Schneider, Landwehrmann a Langenberg, Deiks, Kfm a Bremen. Müsen, Ksm a Kempen. Dormanns m. Fam., Kfm a Aachen. Baltus, Kfm a Eupen. Scheins, Kfm a Aachen. Herzberg, Kfm a Limburg. Weinberg, Kfm a Gladbach. Peters, Kfm a Cöln. Schmitz m. Gem., Kfm a Cöln. Althof, Kfm a Dülmen. Hermens, Kfm a Bonn. Wirtz, Kfm a Cöln. Schmitz m. Gem., Gastwirth a Cleve. Löding, Kfm a Gladbach. Röderer, Kfm a Frankfurt. Im Bergischen Hof bei Bender. Coock, Offizier a Hampsbire. Budnier, Maler a d. Haag. Herschel, Kfm a Emmerich. Hortmann, Oekonom a Emmerich. Dickhäuer, Kfm a Wupperfeld. Schwab, Kfm a Minden. Bockfeld, Baumeister a München. Im alten Kasfeehaus bei Heuser. Püttmann, Kfm a Lohne. Erwig, Kfm a Marl. Kübel, Kfm a Herbstein. Kroebel, Priv. a Neuwied. Böllhof, Gastwirth a Schwelm. Strasser, Kfm a Detmold. Gödde, Kfm a Cleve. Franzen, Kfm a Cleve. Günther, Kfm a Arnheim. Röder, Kfm a Cöln. v. Laak, Kfm a Cleve. Redakteur: W. Kaulen.— Druck und Verlag der Stah"schen Buchhandlung(W. Kaulen), Carlsplatz Nr. 1043.