Erscheint täglich außer Montags. Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Thlr. Auswärts bei allen preuß. Posten 1 Thlr. 5 Sgr. und Kreis=Blatt. Einrückungsgebühren für die Petit=Zeile oder deren Raum 1 Anzeigen werden bis 11 Uhr Vormittags angenommen. Sgg. W174. Donnerstag den 25. Juli 1880.(Jacobus.) 2 Verhandlungen des Gemeinderathes zu Düsseldorf. Die in der Sitzung vom 9. Juli in Folge Antrages des Gemeindeverordneten Friderichs erwählte Commission zur Abfassung einer Adresse an Se. Majestät den König und Se. Königl. Hoheit den Prinzen Friedrich von Preußen, legte in der Sitzung des Gemeinderathes vom 16. Juli diese Adressen vor und wurden dieselben in der vorgeschlagenen Fassung vom Gemeinderathe genehmigt und vollzogen. Dieselben lauten: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König und Herr! Zwei der edelsten Gefühle: das des freudigsten Dankes gegen den obersten Herrscher ob der heißersehnten Herstellung des theuern Landesvaters, und dann das Gefühl der unerschütterlichen Liebe zu einem Fürsten, der nun wieder durch die jetzt in's Leben tretende neue Gemeindeverfassung den Kreis der Verpflichtungen seines Volkes gegen Ihn in hohem Maaße erweitert hat; sie sind es, die dem neu erwählten Gemeinderathe die frohe Pflicht auferlegen, diese aufrichtigen Gesinnungen als den Ausdruck der ganzen Bürgerschaft zu den Stufen des Thrones ehrfurchtsvoll zu entsenden. Indem wir diesen Akt der Weihe unserer künftigen Wirksamkeit vorausschicken, halten wir die Versicherung nicht zurück, daß wir nach unsern Kräften dazu mitwirken werden, daß der wieder überall zum Bewußtsein erwachte Sinn für Ordnung, Recht und Sitte immer mehr erstarke und die Stadt Düsseldorf dadurch in den Vollgenuß der Gunst und des Königlichen Wohlwollens wieder eintrete, auf welche sie seit vielen Jahren stolz sein konnte und deren liebster Zeuge das so allgemein verehrte Fürstenpaar war, und, wir bitten inständigst darum, auch bleiben möge. Geruhen Eure Majestät die Versicherung tiefster Ehrfurcht huldreichst entgegenzunehmen von Der Stadtverwaltung. Den Gemeindeverordneten. Düsseldorf den 17. Juli 1850. Durchlauchtigster Prinz, Gnädigster Herr! Der noch dem alten Gemeinderathe mitgetheilte Bescheid über Eurer Königlichen Hoheiten beabsichtigte Verlegung der Residenz nach Berlin hat hier in allen Kreisen Gefühle der Betrübniß, der Wehmuth und der Mißstimmung hervorgerufen. Wir wagen es nun, als die neu erwählten Vertreter der Stadt, die ersten Worte unserer Wirksamkeit an Eure Königliche Hoheit ehrfurchtsvoll zu richten und die innige Bitte auszusprechen, der ganzen Stadt nicht entgelten zu wollen, was Einzelne verbrochen haben, ihr vielmehr das alte stets bewährte Vertrauen und die unbeschränkte nach allen Seiten hin wirksame Theilnahme wieder zuzuwenden, welche uns so viele Jahre hindurch so enge mit einander verbunden, und das Glück und den Wohlstand der Stadt haben fördern helfen. Glauben Eure Königlichen Hoheiten zwar nicht, daß die faktische Verlegung des Domizils nach Berlin auch den heimathlichern Wohnsitz zu zerstören im Stande sei, den Ihre Königlichen Hoheiten sich in den Herzen aller treuen Bewohner der Stadt und des ganzen Rheinlandes für ewige Zeiten geschaffen haben, so möchten wir doch auch fürder Gelegenheit nehmen, von Mund zu Mund und noch weit mehr durch Thaten zu bewähren, daß wir den Werth der Anwesenheit eines so allgeliebten Fürstenpaars immer mehr erkennen, und daß wir stets bemüht sein werden, Alles von Hochdenselben fern zu halten, was störend auf die Verwirklichung unseres Wunsches, Euern Königlichen Hoheiten den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen, auch nur im Entferntesten einwirken könnte. Wir geben uns der frohen Hoffnung hin, daß wir keine Fehlbitte thun, und erlauben uns für den Fall, daß höhere Rücksichten der sofortigen Gewährung unseres Antrages entgegenstehen möchten, noch den Wunsch hinzuzufügen, daß Hochdieselben jedenfalls den Befehl ertheilen mögen, den beabsichtigten Umzug nach Berlin vorläufig wenigstens zu sistiren und so den status quo einstweilen intakt zu erhalten. Wir verharren in unabänderlicher treuer Gesinnung als Euer Königlichen Hoheit gehorsamste Stadtverwaltung. Gemeindeverordneten. Düsseldorf den 17. Juli 1850. Die Redaktions=Commission. Personal=Chronik. Der Auskultator Kahler zu Düsseldorf ist zum Landgerichts=Referendar ernannt worden. Aus Düsseldorf. Bei der am 20. Juli stattgefundenen Verloosung von Bildern und Skizzen der Gesellschaft„Malkasten" fielen die Gewinne wie folgt: Nr. 1 von A. Achenbach auf Nr. 729. Nr. 2 von O. Achenbach auf Nr. 951. Nr. 3 von C. Adloff auf Nr. 144. Nr. 4 von Bayerle auf Nr. 394. Nr. 5 von A. Beck auf Nr. 1069. Nr. 6 von H. Becker auf Nr. 1190. Nr. 7 von Clem. Bewer auf Nr. 1269. Nr. 8 von H. Both auf Nr. 396. Nr. 9 von Breitenstein auf Nr. 1099. Nr. 10 von H. A. Cappeln auf Nr. 1572. Nr. 11 von L. Clasen auf Nr. 995.. Nr. 12 von Mac Conkey auf Nr. 502. Nr. 13 von des Coudres auf Nr. 877. Nr. 14 von Eckhardt auf Nr. 13. Nr. 15. von I. Fay auf Nr. 1423. Nr. 16 von R. Fischer auf Nr. 1004. Nr. 17 von v. Franken auf Nr. 408. Nr. 18 von Th. Franken auf Nr. 1643. Nr. 19 von E. Geselschap auf Nr. 854. Nr. 20 von Häcke auf Nr. 359. Nr. 21 von I. P. Hasenclever auf Nr. 1301. Nr. 22 von Hengsbach auf Nr. 40. Nr. 23 von Hönighaus auf Nr. 1068. Nr. 24 von C. Hübner auf Nr. 1526. Nr. 25 von Hünten auf Nr. 920. Nr. 26 von Jungheim auf Nr. 12. Nr. 27 von v. Kalkreuth auf Nr. 602. Nr. 28 von Aug. Keßler auf Nr. 641. Nr. 29 von W. Klein auf Nr. 1000. Nr. 30 von L. Knaus auf Nr. 1228. Nr. 31 von Otto Knille auf Nr. 539. Nr. 32 von Lachenwitz auf Nr. 443. Nr. 33 von v. d. Lancken auf Nr. 1130. Nr. 34 von A. Leu auf Nr. 276. Nr. 35 von E. Leutze auf Nr. 1200. Nr. 36 von Lindlar auf Nr. 1466. Nr. 37 von Ph. Lindo auf Nr. 1636. Nr. 38 von E. Lotz auf Nr. 1219. Nr. 39 von H. Ludwig auf Nr. 180. Nr. 40 von Mevius sen. auf Nr. 407. Nr. 41 von A. Michelis auf Nr. 1670. Nr. 42 von Mordt auf Nr. 1460. Nr. 43 von Morten Müller auf Nr. 107. Nr. 44 von Nevels auf Nr. 1551. Nr. 45 von T. Nocken auf Nr. 510. Nr. 46 von A. Nortben auf Nr. 1134. Nr. 47 von Radermacher auf Nr. 290. Nr. 48 von L. Rausch auf Nr. 1531. Nr. 49 von Röting auf Nr. 97. Nr. 50 von H. Schilking auf Nr. 583. Nr. 51 von H. Schmitz auf Nr. 484. Nr. 52 von A. Schulten auf Nr. 264. Nr. 53 von R. Schultze auf Nr. 571. Nr. 54 von Sieburger auf Nr. 1435. Nr. 55 von Spenst auf Nr. 164. Nr. 56 von H. Steinfurth auf Nr. 93. Nr. 57 von Thorn auf Nr. 913. Nr. 58 von Moritz Ulfers auf Nr. 1380. Nr. 59 von A. Weber auf Nr. 804. Nr. 60 von Wieschebrink auf Nr. 549. Nr. 61 von A. von Wille auf Nr. 507. Nr. 62 von Balduin Wolff auf Nr. 575. Nr. 63 von I. Zielke auf Nr. 1658. Nr. 64 von Const. Schmidt auf Nr. 1362. Nr. 65 von G. Süs auf Nr. 274. Nr. 66 von A. Tidemand auf Nr. 1229. Nr. 67 von v. Guerard auf Nr. 1442. Nr. 68 von J. G. Lange auf Nr. 755. Berlin. Nachrichten aus Krakau vom 20. Juli früh 9 Uhr zufolge hat sich das Feuer nicht weiter verbreitet. Die Gefahr ist vorüber; der Bahnhof blieb unversehrt. In Krakau wurde erzählt, das Feuer sei an 5 in ganz verschiedenen Stadttheilen liegenden Punkten zu gleicher Zeit ausgebrochen. Somit dürfte Brandstiftung zu vermuthen sein. Ueber 200 Häuser sollen niedergebrannt, mehrere Menschen verunglückt seln. Ratingen. Auch hier ist die Theilnahme an dem Kampfe, welcher in Schleswig=Holstein beginnt, allgemein und das Gefühl für Deutschlands Ehre hat alle politische Spaltungen besiegt. An einer Sammlung für die Schleswig=Holsteiner haben sich alle betheiligt, und dieselbe hat schon in den ersten Tagen 66 Thlr. 17½ Sgr. aufgebracht; solche wird fortgesetzt und am Sonntage beabsichtigt der Gesang=Verein hierselbst ein Concert zu geben, dessen Ertrag ebenfalls für SchleswigHolstein bestimmt ist. Köln. Wir erhalten täglich neue Anzeigen über ins Leben getretene Hülfsvereine. Der am 21. gebildete Verein für den Kreis Bochum sandte gleich am Stiftungs=Abende den Ertrag der ersten Einsammlung mit 20 dänischen Pistolen nach Kiel. In Wesel trat am selben Tage ein Verein zusammen, unter Annäherung von Männern von sonst geschiedenen politischen Farben. Merseburg. Durch einen Bubenstreich hätte am 15. auf der Thüringer Eisenbahn ein großes Unglück entstehen können. Als nämlich der letzte Zug von Eisenach her die Strecke zwischen Eisenach und Merseburg durchfuhr, stand ein Mensch mit einem geladenen Gewehr an der Bahn und schien die Ankunft des Zuges zu erwarten. Sobald dieser in seine Schußweite gekommen war, erhob er sein Gewehr, legte auf den Locomotivführer an und feuerte los, worauf er sich eilig entfernte und in den Getreidefeldern den Blicken der Reisenden entschwand. Glücklicher Weise muß es kein gewandter Schütze gewesen sein, der die Schnelligkeit des Zuges zu berechnen im Stande war; denn statt des Führers der Locomotive traf er nur deren Tender. Man denke sich, welch ein Unglück hätte entstehen können, wenn der Streich geglückt wäre. Sachsen. In den jüngst vergangenen Tagen wurden unweit Laubau auf den geibsdorfer Feldern befindliche Landleute plötzlich in panischen Schrecken versetzt, indem sie den leibhaftigen Gottseibeiuns aus den Lüften der Erde sich nähern sahen. Er schien jedoch diesmal von keiner bösen Laune zu sein, sondern verhielt sich ganz ruhig auf der Erde hingestreckt, so daß endlich die Beherztesten von den Landleuten sich ihm näherten. Nun sahen sie, daß der vermeintliche Beelzebub nichts als eine schwarzbekleidete Strohpuppe war, welche in der einen Hand ein Schreiben hielt und mit Luft gefüllte Blasen an sich trug. Von Neugier angeregt, was der Brief enthalten möge, nahmen sie denselben an sich und fanden darin die Aufforderung, daß, wo sich dieser Strohmann zur Erde niederlassen würde, dies unter genauer Angabe der Zeit an eine bestimmt bezeichnete Adresse nach Leipzig berichtet werden möge, wogegen dem Berichterstatter für seine freundliche Mübewaltung eine Prämie zugesichert wurde. Dem Vernehmen nach soll auch diese Geschichte nach Leipzig gemeldet und wirklich eine Prämie von 10 Thlrn. von einer aeronautischen Gesellschaft daselbst dem Berichterstatter nach Geibsdorf übersendet worden sein. Frankreich. Die Kommission der Nationaltheater hat von den Direktoren der Oper in der komischen Oper die Aufhebung der Verträge verlangt, welche sie mit den Führern ihrer Claque(Klatscherbande) abgeschlossen haben. Die Direktoren behaupten aber, daß das Institut der Claque zum Bestehen ihrer Theater unerläßlich sei und wollen die Sache vor den Staatsrath bringen.— Der Ackerbauminister hat befohlen, mit der Cladie(Kartoffel von Malacca) Versuche zu machen, da der Anbau derselben sehr vortheilhaft sein soll. Die Missionaire haben eine Quantität Saatkartoffeln hierher geschickt.— Die Aerndie im ganzen südlichen Frankreich ist sehr ergiebig; die Preise aller Cerealien sind wiederholt sehr gesunken und die Lebensmittel so wohlfeil, wie das seit mehr als 20 Jahren nicht mehr vorgekommen ist; dagegen haben sich die Löhne der Arbeiter außerordentlich gebessert Die meisten derselben gewinnen wöchentlich 25- 30 Frks. Großbritanien. Kaum ist der Artikel Hydepark aus den Zeitungskolumnen verschwunden, so beginnt ein neuer Krieg über Smithfield. Dort fühlte sich, wenn man von den tiefer liegenden Motiven absieht, die erklusive Gesellschaft angegriffen, die hofmäßig gepuderte Perücke, hier die exklusive Korporation, der spießbürgerliche Zopf. Die angreifende Partei ist in beiden Fällen dieselbe, die nie zufriedene, ewig grubelnde und rechnende, keine Tradition, kein Vorurtheil achtende Industrie. Zur Zeit der beiden Rosen und wohl noch manches Jahr nachyer lag in der nordwestlichen Ecke der City zwischen dem Kloster St. Bartholomäi und der Stadtmauer, in welche hier die bedeutendsten Heerstraßen mündeten, ein weiter Anger, wegen seiner ebenen Fläche und seines weichen Rasens smooth field, das ebene oder glatte Feld genannt. Dort pflegten die Frauen frische Luft zu schöpfen, die Männer Cricket zu spielen, die Stadtmiliz ihre Waffenübungen zu halten. Montags und Donnerstags sah man auch einige Dutzend Schlachtvieh aufgestellt, die aus der nächsten Umgegend kamen. Es war damals, als man noch Korn in Cornhill und Federvieh in Poultry verkaufte und auf Crokushill noch Blumen pflückte. Wenn die alten Herren auferständen, würden sie den Platz schwerlich wieder erkennen. Der Rasen ist in ein häßliches Pflaster, verdorben wie der Name in Smithfield; Niemand geht mehr spazieren, Niemånd spielt mehr Cricket; die Mauerund Thore sind verschwunden, nach allen Richtungen erstrecken sich meilenlange Häuserreihen. Nur eines ist unverändert geblieben, Montags und Donnerstags wird das Schlachtvieh für den Bedarf der 2,500,000 Einwohner dort aufgestellt, durchschnittlich 6000 Ochsen30,000 Schafe und 1000 Schweine jeden Tag. Wehe dem, der es eilig hat und sich am Montag oder Donnerstag nach Smithfield verirrt! Das Gedränge von Vieh und Menschen auf dem verhältnißmäßig viel zu kleinen Raum, die Schaaren verkauften Viehs, die ihm entgegenkommen, die neue Zufuhr, die die Eisenbahnen stündlich ausspeien, die Hetze hinter einem desertirten Thiere, die Stopfung von allem nur ersinnlichen Fuhrwerk in den engen, winkligen Straßen, bringen den eiligen Wanderer zur Verzweiflung, dessen Hast durch den Staub, die Hitze, die Fliegen und die alle Sinne gleich sehr beleidigenden Schlachthäuser gestachelt wird. Seit etwa 20 Jahren ist das Parlament auf diese Uebelstände aufmerksam und hat Komitee's eingesetzt, Zeugen vernehmen, Sachverständige hören lassen; aber erst im vorigen Jahre gelangte man zu einem bestimmten Reformplane. Die Regierung macht den Citybehörden, denen die Aufsicht und die Einnahme gebührt, den Vorschlag, den Markt in eine der äußern Vorstädte(nach Islington) zu verlegen, unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß die City über den neuen Markiplatz dieselben Rechte und Privilegien ausüben soll wie über Smithfield. Wenn man sich vorläufig verständigt habe, solle die Genehmigung des Parlaments eingeholt werden. Wozu diese Umstände? Weshalb kein Dekret des Ministers oder Polizeipräsidenten Geschieht die Verlegung auf Kosten der Stadt? Weil Ihrer Majestät Unterthanen gewohnt sind, ihre Angelegenheiten selbst zu besorgen und es nur ausnahmsweise den Staatsbehörden erlauben, gewisse Verwaltungszweige zu übernehmen; weil sie ferner fest an dem Glaubenssatze hängen: taxation without representation is tyranny (Besteuerung ohne Vertretung ist Tyrannei) und deshalb keinen Farthing bezahlen, den nicht das Parlament oder die Gemeindevertretung bewilligt hat; weil endlich ein Beamter, der sich unterfinge, einen nicht bewilligten Farthing beizutreiben und sei es auf Ihrer Majestät Spezialbefehl, nicht blos das Recht des Widerstandes auf die empfindlichste Weise kennen lernen, sondern obenein von den Gerichten zu den härtesten Strafen würde verurtheilt werden. Und wohin diese saubern Grundsätze führen, wird der Büreaukrat sagen, das zeigt dieser Fall, das zeigt die Conservirung so himmelschreiender Mißbräuche! Richtig und noch mehr: der Gemeinderath der City hat seine eigene Untersuchungskommission niedergesetzt, ihren Bericht, daß Smiethfield nicht bloß beibehalten, sondern mit einem Kostenaufwande von einer halben Million vergrößert werden solle, wohlgefällig entgegengenommen und den Schlußsatz des Berichterstatters: vertheidigen wir unsere Rechte wie Engländer und bewahren wir die Institutionen, die von unseren Vorfahren auf uns gekommen sind!— mit solchem Bravo begrüßt, daß der Beschluß kaum zweifelhaft ist, der Uebelstand also noch Jahr und Tag fortdauern wird, bis etwa das Parlament mit der„schrankenlosen" Machtvollkommenheit, die Blackstone ihm zuschreibt, sich in das Mittel legt und durch ein Gesetz die Verlegung des Marktes erzwingt. Es ist einmal nicht anders; die Gemeindevertretung beschließt, was sie will und ihr Beschluß wird ausgeführt, es sei denn, daß er gegen ein Strafgesetz verstößt. Die Sache hat manche Uebelstände, und doch wird sich, kann man behaupten, nicht Ein Engländer finden, der diese Einrichtung hingeben möchte gegen die unverhüllte französische Centralisation oder den deutschen Scheinkonstitutionalismus des Gemeindewesens, der zwei oder drei Veto's gegen die Gemeindebeschlüsse gestattet und eine ausführende Zwitterbehörde hinstellt, die ausführt oder nicht ausführt, wie es ihr gefällt. Eine Reform ist auch hier nothwendig, aber sie wird nach einer ganz andern Seite hin erfolgen, durch Ausdehnung des Gemeindewahlrechts. Der Gemeinderath der City hat selbst den besten Weg gefunden, sich zu reformiren. Er beschäftigt sich mit dem Plane, die hohen Bürgerrechtsgelder herabzusetzen. So wird bald frisches Blut in die Versammlung kommen.— Die Kommission für die Industrieausstellung hat in der letzten Sitzung das bisherige Projekt eines massiven Gebäudes ganz aufgegeben und den Plan Paxton's angenommen, der eine Halle ganz aus Eisen und Glas aufführen will. Kaum ist dieser Beschluß bekannt, so setzt in der „Times" ein anonymer Baumeister die Unausführbarkeit dieses Projekts auseinander; es sei unmöglich, ein solches Gebäude regendicht zu machen, die Hitze würde unerträglich sein u. s. w. Man darf um so weniger zweifeln, daß Stephenson, der in der Kommission sitzt, diese Punkte erwogen haben wird, als schon recht großartige Versuche der Art mit Gewächshäusern gemacht sind. Nach dem Glashause im botanischen Garten im Regentspark zu urtheilen, wird die Industriehalle einen überaus heitern Anblick gewähren und sehr gefälliger Formen fähig sein. Bemerkenswerth ist die Schadenfreude, mit welcher der anonyme Autor der„Times" schließt: er fürchte, dies sei nur wieder ein neues Mißverständniß, welches dies unter einem bösen Stern geborene Unternehmen verfolge. Es wird immer deutlicher, daß auch die Partei der „Times" gar keine Ausstellung haben will. — Der rühmlichst bekannte Entomolog, William Kirby, Oberpfarrer zu Varham in Suffolk ist 91 Jahr alt gestorben.— Der Monat Junius ist abgelaufen, ohne daß der unterseeische elektrische Telegraph zwischen Dover und Calais fertig wurde. Es heißt nun der ganze Plan sei aufgegeben. Amerika. Das„Ausland" bringt Auszüge aus einem Schreiben des Herzogs Paul Wilhelm von Würtemberg aus Mazatlan. Wir theilen daraus folgende Stelle über die Hauptstadt der südlichen Vereinigten Staaten mit: Wie sehr sich Neu=Orleans verändert, vergrößert und verschlimmert hat, brauche ich nicht zu erwähnen, da es eine bekannte Sache ist, daß Städte, welche sich in einem so riesenhaften Maße erweitern, in den Sitten ihrer Bewohner nicht gewinnen; Trunk und Spiel, zwei Laster, welche die Amerikaner zur Zeit der Stifter ihres großen Bundes nicht kannten, haben tiefe Wurzeln gefaßt. Die Abnahme jener strengen Religiosität und die Zunahme des Lasters und des Luxus zernagen den kräftigen Baum und sind fürchterliche Feinde, denen ein Gebäude nicht wi=der stehen kann, welches allen äußeren Feinden Trotz bieten könnte und eine ungeheure Rolle in der Weltgeschichte eingenommen hätte, wenn der Geist Washington's und Franklin's sich nicht von ihnen gewendet hätte. Die Besitznahme von Texas, der Krieg mit Mexico und nun gar das Gold von Californien haben die Vereinigten Staaten umgeformt, und ein Volk, welches erobert, verliert durch Vergrößerung und Zunahme seines Volumens in dem Maße an innerer Kraft, als die Zahl der äußeren Feinde zunimmt. Feuilleton. Der Rekrut. Erzählung von Hendrik Conscience. (Schluß.) 8. Eines Tages, als ich in tiefer Einsamkeit über die Haide wanderte, und mein Innerstes den poetischen Eindrücken der stillen Natur erschloß, erhob sich ein Ungewitter am westlichen Horizonte. Es liegt etwas Wunderbares, zuweilen etwas Unaussprechliches darin, sich im heißen Sommer auf einer weiten Fläche zu befinden, wenn sich am unbegrenzten Himmelsraum die blitzeschwangeren Dünste zu Sturmwolken sammeln. Man sollte sagen, daß Todesangst plötzlich die Natur ergreift; die Sonne erbleicht und wirft nur einen matten Schimmer; die Luft wird schwül und beengt des Menschen Brust; die Thiere flüchten und verbergen sich mit Zagen; die Bienen schießen pfeilschnell durch die Lüfte, um ihren Korb noch zu erreichen; das Laub der Bäume ruht, der Wind hält seinen Athem ein; die niedrigen Pflanzen schließen ihre Blumenkelche und ihre Blätter; Alles wartet, in eine unheimliche Stille versunken— Auch des Dichters Herz fühlt sich durch ein unbeschreibliches, halb ängstliches, halb ehrfurchtsvolles Gefühl beklommen; mitten im Schrecken der ganzen Schöpfung jubelt seine Seele, durch den Gedanken gehoben, daß es ihm allein gegönnt ist, das furchtbare Naturereigniß in seiner vollen Majestät zu beschauen. Doch bald beginnen die Wolken durcheinander zu toben; was Stundenlang oben ruhig hängen blieb, das kommt jetzt in wüster Eile herangestürmt; die Windsbraut heult und brüllt, als wenn sie Gottes Hand mit gewichtigen Schlägen fortpeitschte, sie entlockt den hohen Bäumen entsetzliche Klagelaute, treibt Wolken, Sand und Blätter wirbelnd in die Höhe, und bricht und entwurzelt einsam stehende Stämme. Auf sie folgt der Donner, dessen mächtige Stimme Alles übertönt.— Der Blitz seine sendet flammenden Zacken durch die Lüfte; die Haide erscheint wie ein großer Brand, feurige Schlangen durchwühlen ihren Schooß. Das Wasser stürzt in Strömen auf die Erde herab; und auf das Gebrüll des Orkans folgt das eintönige Geklapper des Regens. Meine Seele war gerade dieses Tag für dichterische Beobachtung gut gestimmt; ich hatte mit eigener Wollust das stolze Schauspiel der fieberhaften Naturarbeit bewundert, und nur die ersten Blitze zeigten mir, daß ich dem Beispiele aller lebenden Individuen folgen und mir ein Obdach aussuchen müßte, das mich armes Wesen vor Gottes Zorne sicher stellen könnte. Nicht weit vom Platze, wo ich stand, erhob sich auf der Haide ein einsamer Pachthof; doch von grünen Feldern und frischem Gestrauch umringt, wie eine Oasis in der Wüste. Eben begann der Regen, wie eine andere Sündfluth vom Himmel zu stürzen, als ich die Thüre des Hofes betrat, und mir die Erlaubniß erbat, hier etwas zu verweilen. Eine feierliche Ruhe herrschte im Gemach; alle darin befindlichen Personen waren um geweihte Kerzen mit Beten beschäftigt. Der Pachter allein ließ sich durch mein Hereintreten stören, und wies mir mit freundlichem Lächeln einen Stuhl an, wornach er wieder die Hände zum Gebet faltete. Ich weiß nicht warum; obschon mir das Gewitter, als ein nützliches Phänomen, den geheimnißvollen Schauder nicht einjagt, der diese Leute zum Beben brachte, so kam mir das stille Gebet dieser Familie so schön, erhebend und himmlisch vor, daß ich dem Drange nicht widerstehen konnte, in Gemeinschaft mit diesen schlichten Leuten mich an Gott zu wenden, dessen Stimme die Räume über uns so erschütternd durchdrang. Ich entblößte das Haupt und faltete, wie die Andern die Hände zum Gebet. Wie freute ich mich, da wieder die kindliche Wallung meines Herzens zu entdecken, als ob der verderbliche Athem des Weltgetümmels mich nie angeweht hätte! Nachdem indeß an zwanzig Blitze die Stube in Gluth versetzt hatten, und die Leute darin eben so oft sich bekreuzten, zog das Gewitter vorüber und wurde merklich schwächer. Doch unterbrachen die Bewohner des Hofes ihr Gebet noch nicht, und ließen mir die Zeit, unbemerkt einen Jeden mit der Aufmerksamkeit zu mustern, welche dem denkenden Menschen und besonders dem Schriftsteller eigen ist. Da war der alte Großvater, der wohl neunzig Jahre und darüber erreicht haben mußte; der Kopf und die Hände zitterten beständig, als hätte er das Fieber. Neben ihm saßen zwei schon ziemlich alte Weiber; etwas weiter ein-rüstiger Mann, dessen eines Auge, leblos wie eine weiße Kugel unter den schwarzen Brauen drohte, während das andere voll Muth und Lebenslust funkelte. Zu seinen Füßen war eine hübsche Frau mit einem Kinde auf dem Schooße, und einem zweiten von sieben bis acht Jahren an der Seite. Ganz am Ende des Tisches befand sich ein frischer junger Mann mit rothen Backen und freundlichen Augen. Auf ein Zeichen, das der Mann mit Einem Auge gab, machten sie Alle das Kreuz und standen auf. Der Großvater setzte sich mit unsichern Schritten an seinen Platz im Winkel des Heerdes; die andern Hausgenossen sprachen Alle mit mir, um mir ihr Haus als Obdach anzubieten, so lange bis der Regen nachgelassen hätte. In Kurzem war ich mit diesen guten Leuten befreundet, und plauderte mit ihnen wie ein alter Bekannter. Nachmittags theilte ich ihr Roggenbrod und den gastlich gebotenen Kaffee. Und da ich gerade nichts Besseres zu thun hatte, als auf die Geschichten zu horchen, die mir der einäugige Mann und seine Frau erzählten, so verließ ich den Pachthof erst am nächsten Morgen. Die Erzählung, welche die vorliegenden Seiten füllt, lieber Leser, habe ich an jenem Abend vernommen. Die zwei Lehmhütten hatten sich während der Zwischenzeit zu einem ansehnlichen Bauerngute erweitert, wo man vier Kühe und zwei Pferde hielt. Jan Braams und Trien, seine gute Ehehäifte, arbeiten wacker wie sie es sich gelobt hatten. Und Gott hat ihre Ehe gesegnet; drei Kinder spielen um sie, und wischen ihnen Tag für Tag den Schweiß von der Stirne. Sie leben noch Alle; der Großvater, obschon mit dem einen Fuße bereits im Grabe, schmaucht noch sein Pfeischen; die beiden Mütter verjüngen sich im Glück ihrer Kinder, und helfen noch in der Wirthschaft und im Stalle nach. Paul, der schöne junge Mann, besorgt die Pferde und pflügt und erntet für seinen Bruder; aber nächstes Jahr, um Östern, heirathet er Kaet's Schwester, des Holzschuhmachers jüngste Tochter. Jeden Abend betet die ganze Familie für den alten Doktor; denn ihm hat Jan Braams sein Gesicht zu verdanken; sein großmüthiger Schutz hat die Lehmhütten in einen wohlhabenden Pachthof umgewandelt. Also gebe Gott Allen, die wohlthun, und Allen, die die Wohlthaten dankbar empfangen, ein langes, glückliches Leben hier auf Erden. Zur Literatur. Neue dramatische Dichtungen von A. Oehlenschläger.*) 1850. Erster Band.(1. Das Land gefunden und verschwunden. Eine Tragödie. 2. Amleth. Eine Tragödie.) Zweiter Band. (3. Dina. Ein Trauerspiel. 4. Garrick in Frankreich. Ein Lustspiel.) Das erste dieser Stücke spielt in der Zeit, in welcher ein Theil von Nordamerika von Isländern bereits entdeckt und wegen der dort vorgefundenen Trauben Winland genannt war, und Nachfolger der ersten Entdecker das aufgefundene Land aufsuchten. Mit diesem Bestreben des Wiederfindens Winlands verflicht der Dichter den Inhalt seiner Tragödie. Der tapfere Isländer Björn liebte die Tochter des wohlhabenden Snorro, und ging auf Wikingszüge aus, um der reichen Geliebten aus der erworbenen Beute ein Gegengewicht gegen ihre Mitgabe aufstellen zu können. Während seiner Abwesenheit hat aber Thuride sich mit dem reichen Thorkild Eigilson, nicht nach eigener Neigung, sondern nach dem Willen ihrer Eltern verlobt, und der heimkehrende Björn findet sie, in alter Liebe zu ihm, aber als Thorkilds Braut. Björn ist Skalde, und wie Oehlenschläger pflegt, stellt er dieser dichterischen Natur eine hart prosaische an Thorkild entgegen, aber diese Natur ist durch Tapferkeit, Einfachheit und Redlichkeit geadelt. Während seiner Wikingsfahrt war Björn einmal von überlegenen feindlichen Schiffen angegriffen worden, ein isländisches Schiff kam ihm zu Hülfe, entfernte sich aber nachdem er Björns Schiff befreit hatte, so schnell daß Björn den Retter weder erkennen noch ihm danken konnte, und ihm ein kostbares goldnes Armband auf sein Schiff nachwarf. An diesem Armband, das Thorkild der Braut schenkt, wird er als Björns Retter erkannt, und dieser entschließt sich nun den gefahrvollen Zug nach Winland zu unternehmen, trifft dort einen alten Isländer, der früher an der Küste gescheitert war, und sich eine der Anbetung nahe Verehrung der wilden Eingebornen erworben hatte. Er rettet seine Landsleute, die von den Wilden schon überwältigt waren, und es zeigt sich daß er in naher Verbindung mit Björns Familie und daß sein Schicksal gleichsam ein Vorbild des Schicksals Björns gewesen sei. Er hatte Björns Mutter als Jungfrau geliebt, sie hatte einen andern gewählt, und er war wie Björn auf Abenteuer ausgegangen um das wunde Herz zu heilen. Björn kehrt nach Island zurück, und Winland bleibt bis auf Columbus verschwunden. Dies das Sujet des Stückes. Die Ausführung zeugt für ein großes Talent, das wir kennen, und ungewöhnliche Gewandtheit. Vor allem tritt die Einfachheit der Anlage und das Geschick hervor die einzelnen Theile in schönster Symmetrie zu einem wohlthuenden Ganzen zu gestalten. Das Stück ist in Trimetern geschrieben, die zuweilen besser gebildet sein könnten; auch fehlt es hie und da nicht an Danismen. Die nordische Vorzeit, der Glanz normännischer und isländischer Tapferkeit in der Heidenzeit leuchtet überall in diesem Stück durch, dessen Personen übrigens alle, den in Winlan gefundenen Greis ausgenommen, Christen sind. Die Vaterlandsliebe des Dichters wirft *) Die Biographie des verstorbenen dänischen Dichters Oehlenschläger, von ihm selbst geschrieben, beginnt so eben in deutscher Originalausgabe(Leipzig, bei Lorck) zu erscheinen. Sie führt den Titel:„Meine Lebens=Erinnerungen. Ein Nachlaß von Adam Oehlenschläger" Erster Band. Es ist eine Erweiterung und Fortführung seiner früher als erster und zweiter Band seiner Werke erschienenen Selbstbiographie. einen verklärenden Schein auf jene von christlicher Liebe und Milde noch leeren Zeiten. In dem zweiten Stück, Amleth, behandelt der Dichter denselben Stoff, der Shakspeare's Hamlet zu Grunde liegt, und fühlt es selbst, daß eine Anmaßung darin zu liegen scheinen könnte durch die Wahl des Stoffes die Vermuthung zu erwecken, daß er mit jenem Meisterwerke wetteifern wolle. Es rechtfertigt sich deßhalb dadurch, daß er den historischen Hamlet zum Gegenstand seiner Dichtung gemacht habe, und indem er dieß that hat sein Werk allerdings einen ganz andern Charakter erhalten als Shaksveare's Dichtung. Bei Oehlenschläger ist Hamlet eine durchaus gesunde und kräftige Natur, sein Stiefvater(Fengo) hat Hamlets Vater vergiftet, Hamlet stellt sich wahnsinnig um sich über Fengo's Schuld zu vergewissern. Der Vertraute Fengo's, Wifil, ist als ein Ungeheuer von Bosheit geschildert, und fällt in ähnlicher Weise durch Amleths Dolch, wie Polonius bei Shakspeare durch Hamlets Degen. An Opheliens Stelle tritt hier Sigrid, und die Scene in welcher diese zu der alten Hexe Gyda geht, um ein Mittel für Amleths— auch von ihr als wirklich angenommenen Wahnsinn zu erlangen, ist meisterhaft gearbeitet, und es fällt auf, daß Oehlenschläger die leichten lyrischen Werke in Reimen weit gewandter und besser behandelt als Trimeter und fünffüßige Jamben, in welchen letzten dieser Amleth geschrieben ist. Der Dialog zwischen Sigrid und ihrer Amme Gunhild ist nämlich in diesen Reimen geschrieben. Horatio's Rolle spielt hier der Skalde Humble, Amleth wird wirklich zu dem Unterkönig Hadding geschickt mit einem Runenstab, der dem Hadding bepfiehlt, Amleth zu tödten. Aber nur Amleth kann die Runen lesen, wird aber nicht dadurch, sondern durch den heidnischen Oberpriester Thorald gerettet. Dieß ist ein Oehlenschläger ganz eigenthümliches Element. Der alte Heidengottesdienst in seiner ganzen Kraft und Herbe ist in Thorald personifizirt, und Hadding fálk von dem Hammer des Oberpriesters, weil er ein Atheist ist. Die Gewissensunruhe Fengo's, die Liebe Geruthe's zu ihrem Sohn Amleth, Wifils Bosheit und Berechnung, Haddings brutaler Egoismus, die Lieblichkeit Sigrids, der diabolische Menschenhaß der alten Hexe, Humble's Treue, die hierarchische Kraft und Hoheit Thoraldt's, das alles ist vortrefflich ausgeführt, Composition und Symmetrie der Glieder sind, wie in dem ersten Stücke, untadelig. Der zweite Theil beginnt mit einem Trauerspiele dessen Stoff aus der neueren dänischen Geschichte genommen ist. Der Held des Stückes ist eigentlich der Reichshofmeister Corfitz Ulfeld, die Intrigue wird durch den eigenthümlichen Charakter der Dina Winhofer bedingt, von welcher das Stück genannt ist. Ulfeld ist als Staatsmann ersten Ranges dargestellt, höchstbegabt, allseitig gebildet, so gelehrt, daß er von Gelehrten, von Professoren um Rath und Auskunft gebeten wird, hochfahrend, ein Aristokrat im höchsten Sinn, muthig, besonnen, fein, großsinnig, früher ein Freund der Weiber, nun der treue Gatte einer natürlichen Tochter aus dem königl. Hause. Meisterhaft knüpft Oehlenschläger den Gang des Stückes an die Vergeßlichkeit des zerstreuten königl. Leibarztes Dr. Sperling, der ein Fläschen mit Gift bei Ulfeld stehen läßt, welches diesen zu einer unwillkürlichen, wie von einem Dämon eingegebenen Aeußerung in Bezug auf den König veranlaßt. Dina's, seiner frühern Geliebten, die ihm an Begabung, Hochsinn und Leidenschaft ähnlich ist, dieser Dina Eifersucht und Heftigkeit benutzt die von ihr belauschte Aeußerung von Ulfelds Gattin gegen Ulfeld, um diesen anzuklagen. Sie findet einen Helfer an dem von niederm Stand anfgestiegenen Oberst und Geheimrath Walther, welchen Oehlenschläger wieder als die Prosa und geistig gemüthliche Beengtheit dem hochfliegenden Ulfeld entgegenstellt, doch aber zuletzt durch die entschiedene Rechtlichkeit und Bravheit des Obersten Ulfeld bewegen läßt mit ihm aufrichtige Freundschaft zu schließen. Der König ist mit wenigen Strichen meisterhaft gezeichnet, ebenso die Nebenpersonen der Maurer Rudolf, Dina's Bruder, an Talent und leidenschaftlicher Heftigkeit ihr ähnlich, dessen Frau Johanna, der Schloßherr Otto Krag, der die Untersuchung gegen Dina leitet, und ein alter Maurergeselle Paul Gebhard. Den drei Trauerspielen schließt sich das Lustspiel „Garrick in Frankreich" an. Wenn schon in den Tragödien die Sprache hin und wieder daran erinnerte daß der Dichter das Deutsch nicht als Muttersprache schreibt, so tritt dieß im Lustspiel noch deutlicher und störender hervor. Man weiß welche Schwierigkeit es auch für den gewandtesten und tüchtigsten Kenner einer fremden Sprache hat sich in derselben witzig, mit Humor und anmuthiger Leichtigkeit auszudrücken. Die Forderungen einer solchen Ausdrucksweise werden aber an den Lustspieldichter gestellt, und um so strenger in einem Lustspiel, wo Männer die Virtuosen im Ausdruck waren auf die Bühne gebracht werden, Garrick selbst, sein Freund Hogarth, die berühmten französischen Schauspieler Préville, Fleury und Dugazon, die Schauspielerin Julie Préville. Der Grundgedanken dieses Stückes ist der Wettstreit zwischer englischer und franzöfischer Komik, welche letztere Garrick unterschätzt hatte, und die in diesem Lustspiele wenn nicht den Sieg davon trägt, so doch sich dem Meister der englischen ebenbürtig zeigt. Die Situationen sind wohl erfunden, und wenn die Schauspieler den Fluß der Rede, den der Dichter nicht geben konnte, bei der Aufführung ersetzen, so wird sich dieses Stück, wie die drei Tragödien, sicherlich eines bedeutenden Eindrucks von den Brettern herab erfreuen. Zuletzt noch eine Frage: Wie kommt es, daß Oehlenschläger, der so leicht und gewandt gereimte deutsche Verse in lyrischen Versmaßen schreibt die Widmung an Alex. v. Humboldt in so unbeholfene, harte, zwangvolle Verse gebracht hat? (Allg. Zeit.) Schifffahrts=Anzeige. Düsseldorf, den 24. Juli 1850. Angekommen: H. Welkerling von Bingen mit 2160 Ctr.— H. Pollmann(N.=Rh Nr. 4) von Amsterdam mit 1180 Ctr.— I. H. Verwagen(N.=Rh. Nr. 1) von Rotterdam mit 2482 Ctr. In Ladung: Peter Poß nach Coblenz, der Mosel und Saar;— von der niederrhein. Dampf Schlepp=Schifffahrts=Gesellschaft 1 Schleppkahn nach Mainz=Mannheim; — bis zum 31. Juli 1 Schleppkahn nach Amsterdam und 1 dito nach Rotterdam.— H. P. Disch nach Amsterdam und Rotterdam. Fruchtpreise zu Neuß, am 23. Juli 1850. Thl. Sgr. Pf. Waizen pr. berl. Sch. 1. Qualität. 2 4 2 „„„„ 3.„ 2—— Roggen„„„ 1. Qualita 1 7— „„„ Z.„ 1 6— „„„„ 3.„... 1 5— Wintergerste„„„. 1 6— Sommergerste„„„. 1 5— Buchwaizen„„„| 1| 10— Hafer„„„— 23— Erbsen„„„ 1 20— Rappsaamen„„„ 3 20— Kartoffeln„„„— 15— Heu pr. Ctr. zu 110 Pfund— 25— Stroh pr. Schock zu 1200 Pfund... 4 20— Kleiner Saamen 3 10— Rüböl pr. Ohm zu 282 Pfund ohne Faß. 33—— dito pro Mai——— dito pro Oktober. 32 15 Leinöl pr. Öhm— Rübkuchen pr. 1000 St. Stampf.... 30— Preßkuchen pr. 2000 Pfund.. 25— Sessamkuchen——— Leinkuchen pr. 2000 Pfund.——— Branntwein pr. Öhm zu 123 Quart zu 47% (ohne Maklergeld) 10—— Gereinigtes Oel........... 34 15— Brodtaxe zu Neuß. Ein Schwarzbrod von 13 Pfund.....— 6 4 Ein Franzbrödchen von 6½ Loth.—— 4 Ein Schwarzbrod von 13 Pfund.....— 6 4 Ein Franzbrödchen von 6½ Loth.—— 4 Die am 15. Juni d. J. geschehene Verpachtung des circa 2000 Morgen großen Jagdbezirkes der Gemeinde Wersten und Himmelgeist ist nicht genehmigt worden. Die neue öffentliche Verpachtung wird demnach Freitag den 2. August d. I., Nachmittags 5 Uhr, in der Wohnung des Herrn Beigeordneten Bebber in Himmelgeist stattfinden, wozu Pachtlustige hiermit eingeladen werden. Benrath den 22. Juli 1850. Der Bürgermeister Leven. auf. Auf den Antrag der Geschwister Weyhe wird deren auf dem Steinwege nächst Düsseldorf unter Nr. 212½9 gelegene Haus nebst zweistöckigem Hintergebäude und Garten öffentlich dem Meistbietenden zum Verkaufe ausgestellt werden, wozu Termin bestimmt ist auf Donnerstag den 25. Juli, Nachmittags 3 Uhr, bei Herrn Geisler auf dem Steinweg. Die Verkaufsbedingungen liegen in der Amtsstube des unterzeichneten Notars zur Einsicht offen. Düsseldorf den 19. Juli 1850. Euler. Verein„Elysium." Donnerstag den 29. d., Abends 9 Uhr: Der Vorstand. Gerbard Mertens von hier habe ich heute aus meinen Diensten ohne Zeugniß entlassen. Düsseldorf den 24. Juli 1850. J. Selner. Tägliches Ringenturnen von 6 Uhr Abends an. Die Gesangübung fällt für diese Woche aus. Freitag Abends 9 Uhr: Haupt-Versammlung. Düsseldorf den 24. Juli 1850. Der Turnrath. Bei Scheitlin u. Kraus in Stuttgart ist erschienen und vorräthig in der Stahl'schen Buchhandlung (W. Kaulen): Vollständiges Wörterbuch der Mythologie aller Völker Eine gedrängte Zusammenstellung des Wissenswürdigsten aus der Fabel= und Götterlehre der Völker der alten und neuen Welt von Dr. W. Vollmer. Zweite Auflage 1. Lieferung 10 Sgr. Das Werk erscheint bis Ende September in 12 Lieferungen von je 6—7 Bogen Text und 10 Kupfertafeln Gemeldet: Viele auswärtige Mädchen, welche Dienst suchen. Mehrere perfekte Köchinnen, die Stellen suchen. Haushälterinnen, Ladenmädchen, welche gute Zeugnisse haben, suchen Stellen. Viele möblirte und unmöblirte Zimmer sind billig zu miethen Aufträge werden unentgeltlich auf dem Adreß=Büreau angenommen, Neustraße 638. Ein geübter Schreinergesell, am liebsten ein solcher, welcher im Klavier oder Orgelbau erfahren ist, kann sofort dauernde Beschäftigung erhalten. Zu erfragen ElberfelderLandstraße Nr. 77. (455 Am Montag Nachmittag ist von dem Hansen'schen Garten über den Steinweg bis zu dem Hause des Hrn. Adv.=Anw Cramer ein vergoldeter Armring verloren worden. Der Wiederbringer desselben erhält den Silberwerth zur Belohnung. Die Exped. d. Bl. sagt wo. Bolkerstraße 580 sind im Hinterhause zwei große freundliche Zimmer an kinderlose Leute zu vermiethen Düsseldorfer Turngemeinde. Der hiesige Turnverein wird Sonntag den 28. Juli im Lokale zu den„Vier Jahreszeiten" ein großes Schauturnen und Concert zum Besten Schleswig-Holsteins veranstalten. Das nähere Programm wird baldigst veröffentlicht werden. Der Eintrittspreis an der Kasse beträgt 7½ Sgr. à Person. Eintrittskarten sind zu 5 Sgr. bis Samstag Nachmittag 6 Uhr in der Musikalienhandlung des Herrn Wilh Bayrhoffer, Elberfelderstraße, und in der Stahl'schen Buchhandlung(W. Kaulen), Carlsplatz, zu haben. Wir laden ein verehrliches Publikum zu zahlreicher Theilnahme ein. Düsseldorf den 23. Juli 1850. Der Turnrath. Köln=Mindener Eisenbahn. Fahrplan für die Personen=Beförderung vom 15. April 1850 ab: I. In der Richtung von Deutz nach Minden: II. In der Richtung von Minden nach Deutz: Exped. (454) Am 20. d. M. ist Jemand ein Wachtelhund zugelaufen. Der sich legitimirende Eigenthümer kann ihn gegen Erstattung der Kosten wieder in Empfang nehmen. Bei wem, sagt die d. Bl. (447) Ein braves Dienstmädchen, das mit Kindern umzugehen weiß, findet eine Stelle. Wo, sagt die Expedition d. Bl. Mittelstraße Nr. 1060 sind zwei möblirte Zimmer mit oder ohne Mobeln zu vermiethen. Zur Vermeidung von Verwechslungen mit dem sogenannten„Dusfeldorfer Kreisblatt“ erbitten wir uns alle Zusendungen unter der Adresse: Stahlsche Buchhandlung(W. Kaulen). Die Expedition des Düsseldorfer Journals und Kreisblatts. Fremdenblatt Hotel Womhardt. Graf v. Cazinschi, Offizier a Turin. Sulyki m. Fam, Part. a Amsterdam. Dietrichs m. Fam, Part. a Amsterdam. Grose, Kfm a Lichtenstein. Ruising, Stallmeister a Aachen. Coumand, Kim a Löwen. Renard, Major a Brüssel. Just, Kfm a Annaberg. Müller, Kfm a Coblenz. Wolff, Kfm a Kirchberg. Havers, Referendar a Cöln. Moreax, Propr. a Paris. Moroy, Propr a Paris. Synard, Offizier a Paris. Kremers, Kfm a Stuttgart. Düsterberg, Kfm a Cöln. Frau Prinzen m. Fam., a Rheydt. Frau Bölling m. Tochter a Barmen. Frings, Referendar a Düsseldorf. Schulmann, Priv. a Danzig. Behrens, Stud. a Christiania. Hartwig, Stud. a Christiania. Hildebrand, Kfm a Leipzig. Irter, Kfm a Amsterdam. Schilgen m. Fam., Gerichts=Director a Arnsberg Kinitz, Appell.=Ger=Rath a Naumburg. Bunge, Kfm a Texas. Wittenstein m. Fam., Kfm a Barmen. Aßhoff, Kfm a Dortmund. Funke, Kfm a Bonn. Michieli, Kfm a Elberfeld. Kötgen, Kfm a Elberfeld. Leyßring, Kfm a Wiesbaden. Reiß m. Fam., Gastgeber a Mainz. Im Cölnischen Hof bei Juppen. Schmitz, Kfm a Cöln. Goldschmidt, Kfm a Frankfurt. Klönne m Fam., Kfm a Wesel. Sommermeyer, Fabrik. a Magdeburg. Müller m. Fam., Kfm a Ruhrort. Cilian, Kfm a Mannheim. Schuermann m. Fam., Fabrik. a Lübeck. Kamp, Kfm a Elberfeld. Dahmenhaus, Kfm a Elberfeld. Menner, Kfm a Elberfeld. Armer, Part. a Altdorf. Cansio, Part. a Casal. von Waldkirch, Part. a Schaffhausen, Frank, Part. a Holland. Sard, Part. a London. Pilling, Part. a Burney. Los, Student a Leyden. Im Kömischen Kaiser bei Engels. Lambla, Director a Cöln. Herzog, Kfm a Barmen. Pongs, Kfm a Gladbach. Gothen, Kfm a Viersen. Gierz, Kfm a Aachen. Meyer, Kfm a Heinsberg. Hoffmann, Kfm a Cochem. Schnöseberg, Kfm a Crefeld. Ufer, Kfm a Barmen. Kauertz, Kfm a Cöln. Schröder, Kfm a Cöln. Pütz, Priv. a Uerdingen. Jansen, Baubeamter a Lippstadt. Braun, Bauunternehmer a Lippstadt. Sonderland, Kfm a Kaiserswerth. Schein, Kfm a Wiedenbrück. Detger, Kfm a Kempen. Baumann, Kfm a Essen. von Rochusky m. Fam., Part. a Halle. von Rochusky, Beamter a Geldern. Dietz, Kfm a Elberfeld. Im alten Kaffehaus bei Heuser. Ramakers, Fabrik. a Hörde. Remle m. Frau, Sänger a Steiermark. Wenner, Kfm a Cöln Müller, Part. a Remscheidt. Wegerhoff, Part a Remschetid. Döpper, Fabrik. a Remscheidt. Spies, Kfm a Aachen. Froitzheim, Stud. a Reisdorf. Keller, Kfm a Oberbohlheim. Neumann, Kfm a Mannheim. Lans, Oekonom a Wesel. Im Elberfelder Hof bei Crumfinger, Kohl, Posamentirer a Lomutz. Rump, Kfm a Crefeld. Schmitz, Kfm a Burscheidt. Breitenstein, Stud. a Bonn. Im neuen Krahnen bei Rüsgen. Alban, Kfm a Hattenroth. Gravers, Kfm a Arnheim. Fräul. Willms, a Sinzig. Weber, Kfm a Königsberg. Bender, Priv. a Emmerich. Hoffmann, Ackersmann a Niel. Lieber, Handelsmann a Jüchen. Grahn, Handelsmann a Gatzweiler. Clemann, Kfm a Coblenz. Schwan, Kfm a Erklenz. Koppman m. Gehülfen, Backofenmeister a Königswinter. Knorr, Fabrik. a Neustadt. Wiesner, Stellmacher a Mainz. Hirschberg, Ackersmann a Neuenbach. Wahl, Fuhrmann, a Iserlohn. Im Europaischen Hof bei Götzen. van de Smugs m. Fam., Oberst a Haag. Lichtenauer, Kfm a Nürnberg. Carlhian, Kfm a Paris. Lang, Kfm a Mannheim. Spies, Kfm a Strasburg. Wolf, Kfm a Berlin. Weytermann, Kfm a Dresden. Deyen, Kfm a Aachen. Rütgers, Kfm a Aachen. Lady Moody, a London. Zum Prinzen von Preuszen bei Wittwe E. Schleger. Baron von Bodelschwing, a Sandford. von Voß m. Gem., Präsident a Berlin. Castel, Banquier a Cöln. Salonconsen m. Gem., Banquier a London. Barrow, Rent. a Schweden. Himstedt, Kfm a Bremen. Wenthel, Kfm a Stuttgart. Feller, Kfm a Aachen. Koch, Kfm a Bremen. In den drei Reichskronen bei Beeking. Borger m. Fam., Part. a Holland. Cerus m. Gem., Part. a Amsterdam. von Pels m. Fam, Part. a Rotterdam. van der Velden m. Gem., Part. a Rotterdam. Lutz m. Gem., Kfm a Rotterdam. de Werth m. Bedienung, Gutsb. a Elberfeld. Frau de Wiede m. Fam., a Deventer. Lenz, Part. a Riga van Suchsell, Part. a d. Haag. I. van Suchsell, Kfm a Maestricht. Hiltermann, Kfm a Arnheim. Im Bönnischen Hof bei Rösberger. Mönning, Kfm a Elberfeld. Bak, Kfm a Elberfeld. Elscher, Kfm a Wesel. Hischels, Priv. a Barmen. Corthum, Kfm a Cöln. Bollen m. Gem., a Crefeld. Neumann, Kfm a Trier. Figgers, Kfm a Schwelm. Boffertz, Kfm a Remagen. Boldenhof, Gutsb. a Euskirchen. Dermaien, Gutsb. a Saarbrücken. Im Bergischen Hof bei Bender. Mertens, Kfm a Cöln. Cohn, Kfm a Stettin. Rheinbold, Kfm a Rheda. Sprengel, Kfm a Brussel. Redacteur: W. Kaulen.— Druck und Verlag der Stahl'schen Buchhandlung(W. Kaulen), Karlsplatz Nr. 1043.