Erscheint täglich außer Montags. Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Thlr. Auswärts bei allen preuß. Posten 1 Thlr. 5 Sgr. Einrückungsgebühren: für die Petit=Zeile oder deren Raum 1 Anzeigen werden bis 11 Uhr Vormittags angenommen. No 12. Sonntag den 24. März 1880.(Gabriel.) Für das mit dem 1. April 1850 beginnende Quartal werden Bestellungen in der Expedition,(Carlsplatz 1043) auswärts bei der Post angenommen. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag den 24. März 1850: Garnison=Kirche. Morgens 10 Uhr, Gottesdienst, Herr Pastor Boegehold. Düsseldorf. Vom 22. März. Zur Vorfeier des heutigen Geburtsfestes des Prinzen von Preußen K. H. fand gestern Abend ein großer Zapfenstrich von den Musikchören der Garnison statt. Heute Vormittag war das Offizierkorps zur Parade auf dem Exercierplatze versammelt, während verschiedene Tonwerke durch die Musik des 16. Infanterie=Regiments ausgeführt wurden.— Mittags war Diner im Gasthofe zum„Prinzen von Preußen." Verschiedene Häuser in der Kasernenstraße waren mit der preußischen Fahne geschmückt. Mittelst Rescripts des Handelsministers Hrn. v. d. Heydt d. d. Erfurt 20. März ist Behufs des Fortbaues, sowie der Verwaltung und des Betriebes der Aachen=Düsseldorfer und der Ruhrort=Crefeld= KreisGladbacher Eisenbahn eine gemeinsame Behörde unter der Benennung„Königliche Direktion der AachenDüsseldorf=Ruhrorter Eisenbahn" mit den Befugnissen einer öffentlichen Behörde eingesetzt, welche vorläufig in Aachen ihren Sitz nehmen und ihre Geschäfte mit dem 27. d. beginnen wird. Dieselbe besteht aus dem Regierungs= und Baurath Prange zu Arnsberg und dem Regierungsrathe Mothes. Wöchentlicher Malerei. Düsseldorf. Die seit einigen Tagen eröffnete permanente Kunstausstellung im Lokale der Buddeusschen Kunsthandlung bietet gleich im Anfange soviel des Schönen, daß, dürfte man daraus auf die Zukunft schließen, dem Unternehmen ein sehr günstiger Erfolg vorhergesagt werden kann. Ein großes so eben beendetes Gemälde von Clemens Bewer„Tasso im Garten von Schloß Este sein befreites Jerusalem vorlesend" zieht vor Allen den Blick des Beschauers auf sich. Die prächtigen Gruppen des Auditoriums, darunter der Herzog von Ferrara, seine Schwester und die Gräfin Sanvitale(die beiden Leonoren) sind sehr geeignet das Auge zu fesseln. Der Künstler hat es nicht versäumt, durch effektreiche Beleuchtung der zwischen Cypressen und Orangenzweigen durchblickenden Abendsonne den Reiz seiner eleganten Darstellung zu erhöhen. Das Bild ist Eigenthum des Consul Boeker.— Ungemein interessant ist ein weiblicher Studienkopf in mittelalterlichem Costüm von Fräulein Tony Schnitzler; die junge Künstlerin hat hier ein Ideal der Anmuth und Grazie geschaffen, ein Kunstwerk, das in Farbe und Ausführung von bedeutendem Fortschritt zeugt.— Jordans neuestes Gemälde„Der Sonntag-Nachmittag," darüber wir bereits referirten, ist hier zum zweitenmale ausgestellt. Aehnlichen Genres ist ein kleines Bild von Tidemand „Der Unterricht der Mutter"(kleinere Copie aus dem Cyclus von Darstellungen aus dem norwegischen Volksleben für Schloß Oskarshall) und„spielende Kinder" von A. Richter— beide Bilder mit allem Zauber des innigsten Gefühls entworfen und ausgeführt. Von Böttcher finden wir ebenfalls eine hübsche Idylle „Kinderfreude" und von Hübner ein älteres Bild aus dem Jahre 1848„der Freischärler für SchleswigHolstein von seinen Eltern Abschied nehmend." Besonders fein in der Ausführung ist ein historisches Genrebild von Leutze„der Anglikaner und Puritaner;" die Charakteristik des frommen Altgläubigen gegenüber dem fanatischen Sektirer ist, soweit es in einer so einfachen Scene möglich war, gelungen. Die Aufmerksamkeit der Künstlerwelt wird besonders in Anspruch genommen von einem Beitrage aus Berlin, einer Marine von Eduard Hildebrandt. Nachdem die Aquarelle dieses Künstlers, jene oft besprochenen Reisebilder aus Spanien und der Insel Madeira, den ungetheiltesten Beifall bei den hiesigen Malern gefunden hatten, erwartete man von einem Oelgemälde wenn nicht Größeres, so doch wenigstens eben so Bedeutendes— und diese Erwartung ist getäuscht worden. Was an den Aquarellen besonders bestach, die Mannigfaltigkeit der Lichtwirkung, ist in dem Oelbilde so sehr übertrieben, daß man den Gedanken des Malers aus diesem Chaos von Effekten gar nicht mehr herausfindet. Hildebrandt hat sich bei diesem phantastisch-düsteren Marinebilde, bei diesem Farbenschiller auf den tiefdunkeln Wogen in eine Spielerei verloren, die zu weit von der Natur abweicht, um die beabsichtigte Wirkung hervorbringen zu können.— Andreas Achenbach hat eine kleine norwegische Gebirgslandschaft und eine Vedute„die Cyclopenfelsen in Sicilien" geliefert. Das erstere kleine Bild schließt sich in der Stimmung wie in der ungemein detaillirten Ausführung einem ähnlichen Bilde desselben Malers als Seitenstück an, das letztere bezaubert durch den herrlichen Effekt des Sonnenaufgangs auf dem Meere.— Ueber die noch zahlreich vorhandenen anderen Landschaften und Zeichnungen behalten wir uns näheren Bericht vor. Es freut uns zu erfahren, daß die permanente Ausstellung vielfache Theilnahme unter den Bewohnern unserer Stadt findet. Hoffen wir, daß sie für die bevorstehende Saison ein Anziehungsmittel für Fremde werde. Bildhauerkunst. Der Magistrat in München hat den Beschluß gefaßt, auf dem neuen Friedhof ein colossales Christusbild, in Erz gegossen, an einem gußeisernen Kreuze aufstellen zu lassen. Als Modell dafür wird das schon seit einiger Zeit von dem dortigen Professor Halbig gefertigte und in seinem Atelier aufgestellte lebensgroße Crucifix dienen, welches wegen seiner geistreichen Auffassung und seiner künstlerischen Ausführung warme Anerkennung erworben hat. Dieser Friedhof erhält noch drei andere Zierden. Die Familie des verstorbenen Geheimraths von Walther errichtet dem Andenken dieses berühmten Todten eine colossale Statue, welche Professor Halbig bereits in Angriff genommen hat, und König Ludwig läßt auf seine Kosten die Grabdenkmale des Oberbauraths v. Gärtner und Ludwig Schwanthalers fertigen.— Die Ausstellung in Brüssel hat mehrere vorzügliche Skulpturen aufzuweisen: Le bambin malheureux in Marmor von Simonis, stellt einen fast nackten Jungen dar, der unglücklich ist, weil er sich ein Loch in seine Trommel geschlagen hat.„Die Wiege Amors" von Fraikin, ebenfalls aus Marmor: ein reizender kleiner Amor schlummert in einer Muschel. Eine kleine Gruppe in Bronze von Jacquet ist die Scene eines Kindermordes. Musik und Oper. Wien. Nachdem vor etwa 3 Monden die oft genannte Oper„der Prophet" hier in Angriff genommen wurde, Sänger, Tänzer und Orchester seit jener Zeit ununterbrochen den anstrengenden Proben oblagen, eine electro=magnetische aufgehende Sonne, 16 Paar Schlittschuhe mit Räderchen von Paris gekommen waren,— nachdem seit 6 Wochen der Prophet das Unterhaltungsstichwort in den Salons und Journalen bildete, Sperrsitze und Logen zur ersten Aufführung dem Courszettel einverleibt und zu 10 bis 20 Ducaten an der Börse gesucht, in den Tageblättern offerirt wurden,— nachdem endlich Meyerbeer selbst, decorirt mit dem Orden zweier Drei=Könige, seit 3 Wochen die Proben persönlich leitete und sein Freund und erster Lärmeommissarius Dr. B..... bemüht war, die Aufmerksamkeit von der englisch-griechischen Frage auf den Propheten zu lenken und die Erwartungen aufs Höchste zu spannen,— fand denn am 26. Februar auf Veranlassung des hohen Adels bei gesülltem Hause die Geprobe statt, der am 28. die erste Aufführung folgte. Für eine detaillirte Besprechung dieses Riesenwerkes, das nahe an fünf Stunden in Anspruch nahm, ist der Raum zu beschränkt, wohl aber liegt uns ein Referat über den Gesammteindruck ob, den die an großartigen Ideen, wie an Schnurrpfeifereien reiche Oper hier hinterließ, und dieser mußte bei einem Werke Meyerbeers, der den Zeitgeschmack gründlich studirt hat, alle Minen springen zu lassen versteht und kein Mittel verschmäht, um auf die Sinne der Masse zu wirken, voraussichtlich ein erheblicher sein. Seit 10 Uhr früh war das Opernhaus und die zu demselben führende Gasse so belagert, daß die naheliegenden Gewölbe und Läden geschlossen werden mußten; die zahlreich vertheilte Sicherheitswache sah sich durch den unerhörten Andrang genöthigt, Militärmassen zu requiriren, die Stadthauptmannschaft sogar veröffentlichte Placate, die eine queuförmige Aufstellung der Massen geboten. Zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung war das Haus dermaßen vollgepfropft, daß die Besitzer von Sperrsitzen nur auf Leitern zu den Parterrelogen heraus zu ihren Plätzen gelangen konnten. Der dirigirende Componist wurde enthusiastisch empfangen. Der Beifall, anfangs mäßig, steigerte sich nach jedem Acte und hatte beim Schlusse des vierten, dem Culminationspunkte der Oper, jenen Grad erreicht, für den wir um einen soliden Ausdruck verlegen sind. Das Rufen nach Meyerbeer am Schlusse der Oper schien nicht enden zu wollen; er erschien und mit ihm Fräulein Crochat, als Muse der Tonkunst, die dem Gefeierten einen von Holbein gespendeten silbernen Lorbeerkranz um das Haupt legte. Berlin. Der König von Würtemberg hat das Haus Hohenzollern vor Deutschland und vor ganz Europa wegen„gemeingefährlichen Ehrgeizes" und „wissentlicher Verletzung feierlicher Traktate" denuncirt. Eine solche in Thronreden gegen Staaten, mit denen man sich noch im Stande des Friedens befindet, bisher unerhörte Weise, sich zu äußern, würde, wenn sie eine vereinzelte Erscheinung wäre, um so weniger anzuschlagen sein, je geringer die europäische Stellung und Bedeutung Würtemberg's ist. Aber nimmt man hierzu die isolirte und doch so trotzige Stellung, welche der König von Hannover einnimmt, die russischen Aeußerungen und die scheinbare Zustimmung Oestreichs zu der„Münchener Uebereinkunft," so ist es nicht zu läugnen, daß in Kurzem für Preußen sich wichtige Dinge vorbereiten.— Von der Newa gelangt auf sicherem Wege die Nachricht hierher, daß es beim Kaiser allmählig zur fixen Idee geworden sei, nach Berlin ziehen und dort mit seinen Kosaken die Ordnung herstellen zu müssen. — Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde ist übereingekommen, durch ein, an alle jüdischen Gemeinden des preußischen Staates zu erlassendes Rundschreiben, die Bildung einer obersten israelitischen Central-Behörde zu befürworten, welche als Rathgeberin der Staatsbehörden sich darbieten und auf die neuern Verhältnisse der Gemeinden selbst, ohne deren Selbstständigkeit zu nahe zu treten, betreffs der Liturgie, des Cultus und der Schule einwirken will. Die Wahrung der jüdischen Interessen soll nebenbei die Aufgabe sein. Erfurt. Das Staatenhaus hat in der Sitzung vom 22. März mit 62 von 67 Stimmen Hrn. Rudolph von Auerswald zum definitiven Präsidenten, Hrn. von Watzdorf mit 61 Stimmen zum ersten und den Fürsten Solms=Hohensolms=Lich mit 63 Stimmen zum zweiten Vize=Präsidenten gewählt. Sachsen. Kürzlich sind von den Mai=Angeklagten wiederum Oberst=Lieutenant Heinze und der preußische Landwehr=Lieutenant v. Glümer zum Tode verurtheilt, dagegen 53 andere Angeschuldigte amnestirt worden. Anhalt=Bernburg. Auch hier neues PapierGeld— 300,000 Thlr. Cassen=Scheine sollen zur Bildung eines Fonds für die Schuldentilgungs=Casse emittirt werden. Oestreich. Eine telegraphische Depesche aus Triest meldet: Im Piräus Alles in statu quo, England macht neue Forderungen, Handel sehr lebhaft.— Es ist offiziell angezeigt, daß der Papst am 7. April nach Rom zurückkehrt. Frankreich. Der„National" kündigt die Vorlegung von Maßregeln gegen die Presse und das Vereinsrecht auf den 21. März an. Die Journal-Cautionen sollen erhöht werden. Die Redakteure der gemäßigten Presse, welche von dem Minister des Innern wegen dieser Maßregel um ihre Meinung befragt wurden, haben einmüthig erklärt, daß sie eine Maßregel nicht unterstützen könnten, welche gerade das Gegentheil von dem erzielen würde, was die Freunde der Ordnung zu erreichen trachten müßten. — Der Herzog von Leuchtenberg, Schwiegersohn des Kaisers Nicolaus wird in Kurzem in Paris erwartet.— In der Sitzung der National=Versammlung am 21. legte der Justiz=Minister das angekündigte PreßGesetz wirklich vor. Dasselbe bestimmt, daß im Seineund Marne=, Oise= und Rhone=Departement(Lyon) die Caution von 24000 auf 50,000 Franken und in den andern Departements ebenfalls verhältnißmäßig erhöht werden und ferner in den 4 obenbezeichneten Departements jedes Journal mit einem Stempel von 4 Centimes belegt werden soll. Die nicht täglich erscheinenden politischen und staatsökonomischen Schriften werden ebenfalls neuen Fiskalbestimmungen unterworfen. Der Minister des Innern, Baroche, legte ebenfalls ein Gesetz zur verlängerten Suspension des Vereinsrechts für die Clubs und für solche Wahlversammlungen vor, welche die öffentliche Sicherheit gefährden können. Türkei. Der Aufstand in der bosnischen Kraina gewinnt fortwährend an Ausdehnung und Anhang. Der Vezir fühlt sich nicht stark genug, gegen die Insurgenten zu Felde zu ziehen, und traf bisher noch keine Angriffsmaßregeln, sondern hält seine Truppen in Travnik konsignirt. Die Anhänger des Vezirs in der Kraina, denen es nicht gelang, in das tiefere Bosnien zu entfliehen, irren in den Wäldern am östreichischen Kordon umher nach einem zeitweiligen Asyl. Feuilleton. Die Tochter des Emporkömmlings. Von Jules Sandeau, übersetzt von W. Herchenbach. (Fortsetzung.) Es gibt keine Marquis mehr, wie Sie wissen, mein Freund; die im Hotel de ville versammlten großen Patrioten haben alle Adelsbriefe in die Flamme geschleudert. Und, wie könnte Sie mein Schwiegersohn beunruhigen? Sind Sie nicht bei mir, Guillaume Levrault, einem Weber, einem Arbeiter, wie Sie? Für einen Arbeiter sind Sie nicht schlecht logirt. Dem Anscheine nach haben Sie herrliche Tage verlebt, und wie mir dünken will, hat der Patron der Arbeiter einen kostbaren Theil seiner Gratifikation auf Sie verwandt. Haben Sie dieses prächtige Hotel mit Ihrem Sparkassen=Büchelchen gekauft? Gehen Sie mir! mit solchen Stückchen kann man keinen Solon einschläfern. Ich weiß, bei wem ich bin! Sie sind ein Bourgeois und Ihr Eidam ein Aristokrat. Sobald meine Wunde geschlossen ist, suche ich meine Brüder wieder auf; hier ist mein Platz nicht. Ich hasse die Reichen, aber ich bin nicht undankbar; um Ihnen meine Erkenntlichkeit zu bezeigen, werde ich den Weg zu Ihrem Hotel vergessen. Was meine Cameraden betrifft, so sind sie nur hier, um mir Gesellschaft zu leisten, und sie werden mit mir abziehen. Abziehen, mein Freund? Und warum? Was mangelt Ihnen? Sind Sie hier nicht, wie zu Hause? Nicht bei einem Bruder? Glauben Sie denn, ich sei taub und blind? Denken Sie, ich sähe nicht, was um mich herum vorgeht, ich hörte nicht, was gesprochen wird? Nehmen Ihre Tochter, Ihr Eidam und seine Mutter mich für einen Bruder? Ich bin sicher, daß sie meinem Abzug mit Ungeduld entgegenharren. Aber ihre Ungeduld, mich weggehen zu sehen, ist nicht größer, als die meinige, sie zu verlassen. Vergebens verdoppelte Levrault die Versicherungen seines Wohlwollens, Solon antwortete nur durch ein dumpfes Grunzen und blies ihm den Dampf seiner Pfeife mitten ins Gesicht. In der Furcht, für einen Aristokraten zu gelten, hielt Levrault diesen Wolken anfangs muthig Stand, da ihn aber bald in der dicken Wolke, die ihn umhüllte, ein krampfhafter Husten ergriff, so war er genöthigt, zum Rückzuge zu blasen. Er rief sich nun alle Eindrücke des Tages zurück. Solon, der ihn retten sollte, machte ihm durch seine herbe Sprache immer mehr Angst. Ein schrecklicher Traum machte diese Augst bis zum äußersten Maaße voll. Eine wüthende Bande mit Fackeln in den Händen drang gewaltsam ins Schloß, und Solon, statt die Angreifenden zurückzuweisen, führte sie durch alle Gemächer, ermunterte sie zur Plünderung, nahm seinen Theil von der Beute und steckte das Schloß an allen vier Ecken in Brand. Laura und die Marquise flüchteten mit zerrauften Haaren über die flammenden Treppen; Gaston, bis an die Zähne bewaffnet, schritt vor ihnen her. Plötzlich verwandelte sich der Freiheitsbaum im Hofe zu einem ungeheuren Galgen; die ihn krönende Standarte sank nieder und zeigte den mit einem Stricke bewaffneten Solon. Laura, Gaston und die Marquise waren schon in die Ewigkeit spedirt, und die Plünderer umtanzten das Galgenholz gleich einer Bande von Kannibalen. Nun war die Reihe an Levrault. Solon legte ihm die blutige Schlinge um den Hals.— In diesem schrecklichen Augenblick wachte Levrault, in Schweiß gebadet, plötzlich auf. Seinen Hals betastend, dankte er Gott, daß er sich gesund in seinem Bette befand. Doch seine Angst hatte sich noch nicht gänzlich gelegt; er stand auf, ergriff ein Wachslicht, durchlief das Hotel, öffnete ein Fenster nach dem Hofe, lauschte mit vorgehaltenem Ohr, und schlich, nachdem er sich versichert hatte, daß alles ruhig war, in seine Kammer zurück. Was konnte dieser abscheuliche Traum bedeuten? War es vielleicht eine Warnung des Himmels? Er wagte nicht wieder einzuschlafen, sondern gab sich dem Gedanken über sein Schicksal hin. Was sollte er thun, um sein Vermögen und sein Leben zu retten? Bereits hatte die Begegnung mit Montflanquin und Jolibois seinen Ehrgeiz wieder angefacht, und nun zeigte ihm die Furcht im Ehrgeize das einzige Mittel zu seiner Rettung. Es gab keine zwei Wege: man mußte absolut und öffentlich der Republik dienen. Er erinnerte sich der Anerbietungen Jolibois und war entschlossen, ihn mit Tagesanbruch aufzusuchen. Mit der Morgenröthe war Levrault auf den Beinen. Bei Jolibois eintretend, fand er das Vorzimmer und den Salon mit Bittstellern angefüllt. Ein Diener fragte ihn um seinen Namen; nach einer Stunde Wartens wurde er endlich in Jolibois Kabinet geführt. Mein lieber Herr Levrault, sagte der GeneralCommissar, meine Augenblicke sind gezählt. Sagen Sie mir also in zwei Worten, was Sie wünschen. Ich habe die ganze Nacht an unsre gestrige Unterhaltung gedacht. Ich habe mich entschlossen, der Republik zu dienen und komme um Ihre Fürsprache zu Ihnen. Unter der gefallenen Regierung habe ich nichts verlangt, weil ich weit entfernt war, ihre Politik ohne Vorbehalt zu billigen. Wenn Sie mein Eidam nicht geworden sind, so verschuldet das meine Tochter, denn ich würde glücklich gewesen sein, Sie meinen Sohn zu nennen. Ich hätte in Ihnen meinen lieben Timoleon wieder gefunden. Ihr politisches Glaubensbekenntniß ist das meinige; die Republik hat meine Sympathien und entspricht meinen Hoffnungen. Ich werde mein Glück darin finden, ihr mein Vermögen und mein Leben zu weihen. (Fortsetzung folgt.) Mittheilungen aus Paris. Was man gegenwärtig die vornehme Pariser Welt nennt, bietet drei Fractionen dar, die in den Tagen des Sturmes sich zwar der Revolution geduldig fügen, aber niemals lange die Vermischung ertragen, welche die Gleichmacher in ihrer Verblendung gern heiligen möchten. Außerhalb der offiziellen Sippschaft unterscheidet man die willfährige Diplomatie, welche ihre Prätensionen unter einem ruhmreichen Namen schützt. Dies sind die Geschickten des Augenblicks, die Doctrinärs der Gelegenheit, welche sich an den Staatswagen spannen und allabendlich versammeln; eine Reihe bescheidener Phaetons bezeichnet den Eingang dieser politischen Küchen, wo sehr viel geschwatzt wird. Hundert Schritte davon entfernt bewegt sich eine andere Welt in vergoldeten Salons, deren Personal man verzehnfachen könnte, ohne ins Gedränge zu gerathen. Nun, wir haben es hier mit dem Auslande, mit Rußland, mit England zu thun. Die Damen zeigen sich hier zu jeder Jahreszeit mit nackten Schultern und von Diamanten strotzenden Fingern; die Brust der Männer zeigt eine wahre Mosaik von Orden; das Französische wird in allen Zungen und mit allen Accenten gesprochen, aber man beobachtet sich mehr als man schwatzt und der Tanz ist mehr eine Anstandssache als eine Zerstreuung. Diese Fraktion, welche früher oder später mit den beiden andern in Berührung kommen und als Vermittlerin zwischen den Gouvernementalen und der Aristokratie des Foubourg Saint=Germain dienen muß, ist vor der Hand nur noch eine unmerkliche Fraktion. Passiren wir jetzt die Brücken; das glänzendste Quartier der Hauptstadt lag stets auf dem linken Ufer der Seine, selbst zu Zeiten des Carnevals. Jeden Abend findet dort ein Wettiagen von Equipagen statt; zwanzig Hotels werden taghell beleuchtet, Wälder von blühenden Sträuchern und Zierpflanzen schmücken die Salons. Die Vorzimmer wimmeln von Bedienten in reichster Livree, und wer hier Zulaß begehrt, muß dem Anmeldenden einen von jenen Namen ins Ohr flüstern, welche, wenn auch nicht an die Kreuzzüge, doch wenigstens an den Parc-aux=Cerfs erinnern; wir befinden uns bei der Frau Prinzessin von A. oder bei der Frau Herzogin von B. oder einer andern dergleichen hohen Person und es ist mithin ganz in der Ordnung, daß man, um in ihre Cirkel zu treten, einen Vorfahren aufweisen muß, der in den Carossen des Königs gefahren ist. Abgesehen von den feinen Sitten und dem guten Geschmack, welche in diesen Vereinigungen der Elite herrschen, behaupten die Eingeweihten, daß von da die meisten Bonmots und geistreichen Einfälle ausgehen, welche vorzüglichen Cours in Paris haben. Die Chaussee=d'Antin würde nicht Geld genug aufwenden, sich nicht verschwenderisch genug zeigen können, um mit solchem Glanz zu rivalisiren. Natürlicherweise wird diese Fraktion von den beiden andern sehr beneidet, denn sie ist das Hauptquartier der Eleganz und Sittenfeinheit. Da hier einmal die Rede von Luxus und Prunk ist, so wollen wir noch erwähnen, daß das Hotel der Demoiselle Rachel für eins der reichsten und schönsten in ganz Paris gilt; ein Feuilleton bezeichnet es nicht als die Wohnung einer einfachen Sterblichen, sondern vielmehr als den Tempel einer Göttin.„Die Prinzessinnen Hermione und Phaedra(Rollen der Nachel) residirten gewiß nicht in so prachtvollen Gemächern. Adrienne Lacouvreux, Clairon und Mademoiselle Mars konnten es nie zu einem solchen Glanze bringen; selbst die berühmte Tänzerin Clotilde, obgleich von ihren beiden Anbetern mit einer Civilliste von fünfzehn hunderttausend Francs bedacht, vermochte dies nicht. Man spricht von einem Bett, kostbarer als das der Königin Cleopatra; von einer Toilette, verschwenderischer ausgestattet, als die der Aspasia. Ueberall Marmor und Gold. Man geht auf Mosaiken; die ausgewähltesten Gegenstände, treffliches Meublement, werthvolle Gemälde, Statüen u. s. w. scheinen die Aufmerksamkeit des Auges einander streitig zu machen." Steigen wir aus diesen sublimen Regionen in die niederen hinab, so stoßen wir auf ganz andere Tendenzen, die ebenfalls ihre Pfleganstalten haben und sich gelegentlich auf den Straßen kundgeben, wie z. B. unlängst beim Umhauen der dürren Freiheitsbäume auf polizeiliche Anordnung. Dergleiche Kundgebungen sind indessen jetzt keineswegs von großem Belang, werden aber durch Uebertreibung im Interesse gewisser Parteien zu Schreckgestalten und Gespenstern gemacht.— Die Philantropen sind trostlos. Die Gelatine(Knochengallerte) ist beseitigt. Man hat sie aus Gesundheitsrücksichten von der Karte der Hospitäler gestrichen. Was soll nun aus dem Aphorismus(Ausspruch) der Akademie der Wissenschaften vom 2. Aug 1841 werden, welcher lautet:„Ein Knochen ist eine von der Natur gebildete Bouillontafel, er enthält fünfmal so viel Nährstoff, als dieselbe Gewichtsmenge Fleisch."„Es war dies eine andere Manier," bemerkte ein boshafter Mensch,„dem Volke den boeuf gras zu entziehen, und es das Hühnchen im Topfe unter der Gestalt eines Messerstiels verzehren zu lassen." Wer aber könnte die Unglücklichen zählen, welche während einer zehnjährigen Herrschaft der Gelatine den Doctrinen der Philantropie zum Opfer gebracht worden sind, die ihre menschenmörderische Kraftbrühe mit der Selbstzufriedenheit der Tugend darreichte? (Mode-Ztg.) In dem Berichte über die Sitzung der Assisen vom 13., Zeuge Nr. 50, muß es Zeile 4 statt„em Hause von Bertling „am Hause von Bertling" heißen. Fruchtpreise zu Neuß, am 22. März 1850. Thl. Sgr. Pf. Waizen pr. berl. Sch. 1. Qualität| 1| 28 3 24 Roggen„„„ 1. Qualität 1 2 u" 4.. 1 1 Wintergerste„„| 1| 3|— Sommergerste„| 1| 1|— Dal Erbsen„„„| 1| 20 Rappsaamen„ 5| 10|— Kartoffeln„„„|— 13 Heu pr. Ctr. zu 110 Pfund—| 20|— Stroh pr. Schock zu 1200 Pfund| 3| 18|— Kleiner Saamen——— Rüböl pr. Ohm zu 282 Pfund ohne Faß. 35—— dito pro Mai— dito pro Oktober|—|—— Leinöl pr. Ohm——— Rübkuchen pr. 1000 St. Stampf... 30—— Preßkuchen pr. 2000 Pfund...... 23 15— Sessamkuchen——— Leinkuchen pr. 2000 Pfuno——— Branntwein pr. Öhm zu 123 Quart zu 47% (ohne Maklergeld)| 9|—— Gereinigtes Oel 36 15— Brodtaxe zu Neuß. Ein Schwarzbrod von 13 Pfund....— 5 4 Ein Franzbrödchen von 7½ Loth|—— 4 Allgemeiner Musikverein. Die grosse Passionsmusik nach dem Evangelium Mathaei, componirt von Jo h. Sebastian Bach für Solostimmen, Doppelchor und Doppelorchester, wird am Palmsonntage den 24. März, Abends 6 Uhr, im Geisler’schen Saale unter Leitung des Herrn Musikdirektors Hiller zur Aufführung kommen. Die Soli werden von Fräulein Hartmann. den Herren Koch. Schiffer u. A. vorgetragen. Billets zu 15 Sgr. sind in der Musikalienhandlung von Bayrhoffer, bei Herrn Cürten und im Concertlokale bis Samstag den 23. März zu haben. Billets zum Cassapreis von 20 Sgr. sind am Tage des Concerts bei den Vorgenannten zu haben. Die Abonnenten der 6 Winter- Concerte können so viele Karten zu 10 Sgr. in Empfang nehmen, als sie zu jenen Concerten unterzeichnet haben. Um versichert zu sein, dass denselben die desfallsige Einzeichnungsliste vorgelegt worden sei, ersuchen wir Diejenigen, welche keine Karte nehmen, ihre Namen in das der Einzeichnungsliste beiliegende Verzeichniss eintragen zu wollen. Wir laden zur Theilnahme ergebenst ein. Düsseldorf den 12. März 1850. Das Comité. Grosse Passionsmusik von Bach. Hauptproben im Geisler'schen Saale: Freitag den 22., Abends 6 Uhr. Sonnabend den 23., Abends 6 Uhr, Sonntag den 24., Morgens 9 Uhr. Die Mitglieder des allgemeinen Musikvereins haben gegen Vorzeigung ihrer Legitimationskarte Zutritt. Düsseldorf den 21. März 1850. Das Comité. Anzeigen. Bekanntmachung. Da von dem auf heute anberaumten Termine zur Wahl von 5 Mitgliedern und 5 Stellvertretern für die Handelsabtheilung des für die hiesige Oberbürgermeisterei zu errichtenden Gewerberathes von 534 Wahlberechtigten nur 6 erschienen sind, so habe ich Anstand genommen, das Wahlgeschäft vorzunehmen und einen neuen Termin auf Mittwoch den 27. d., Vormittags 8 Uhr, im Rathhaussaale anberaumt, zu welchem ich die Wahlberechtigten, nämlich alle selbstständigen Handeltreibenden, welche in Lit. A. oder B. steuern, in der Erwartung einlade, daß dieser neue Wahltermin für die Handels-Abtheilung wenigstens diejenige Theilnahme finden wird, welche bei den Wahlen für die beiden andern Abtheilungen des Gewerberathes stattgefunden hat. Düsseldorf den 14. März 1850. Der Oberbürgermeisterei Verwalter. Regierungs=Assessor Hammers. Central=Handwerker Verein. Montag den 25. März, Abends 7½ Uhr: Sitzung im Saale der Gesellschaft„Euterpe."(Flingerstraße, im Hansen'schen Lokale.) Der Vorstand. Zur Verloosung zum Besten des Waisenvereins gingen ferner ein: 2 Pretiosendosen, 1 Ampel, 1 Krystallkörbchen, 1 Marmorfigur, 1 Broche, 1 Gypsfigur, 1 Nadelkocher, 1 Puppe, 2 Uhrpantöffelchen, 1 Tintenfaß in Alabaster, 1 Porzellanfigur, 1 gehäkeltes Nähkissen, mehrere Pretiosen, 2 Radirungen(Landschaften) in Glas= und Goldrahmen, 2 Armringe, 1 Broche 2c. 2c. Fernere Gaben ersuchen wir an Hrn. Kaplan Keberlet, Lehrer Stapper oder G. Kaulen abzugebe. Verkauf der Die beiden zu Düsseldorf am Gemüsemarkt unter Nr. 504 und in der Bolkerstraße unter Nr. 559 gelegenen, bisher von der Firma: Gebrüder G. u. J. Cantador zu einem Modewaarengeschäfte benutzen Häuser nebst Hintergebäude und Garten an dem Hause am Gemüsemarkt, werden, jedes einzeln, am Mittwoch den 27. März d. I., Nachmittags 3 Uhr, in dem Hause des Weinwirthes Herrn Bock am Burgplatz, öffentlich dem Meistbietenden zum Verkaufe ausgestellt und bald nach dem Zuschlage überliefert werden. Die Verkaufsbedingungen sind in der Amtsstube des unterzeichneten Notars zu erfahren. Düsseldorf den 8. März 1850. Euler, Notar. Häuser=Verkauf. Am Donnerstag den 4. April d. J., Nachmittags um 4 Uhr, läßt der Herr Friedrich Kremer in dem Hause der Wittwe Breidenbach hier in der Mertensgasse die beiden nachstehend bezeichneten Häuser unter den bei mir einzusehenden günstigen Bedingungen öffentlich verkaufen, nämlich: 1. Das von ihm bewohnte Haus hier auf der Flingerstraße Nr. 671 mit einem 15 Zimmer enthaltenden Hintergebäude, zu jedem Geschäfte geeignet; und 2., das hier in der verlängerten Grünstraße unter Nr. 285 gelegene, sehr solid gebaute, neue Haus mit Seitenbau, Waschküche, Garten und Bauplatz. Diese Immobilien sind auch vor dem Termin aus der Hand zu kaufen. Lützeler, Notar. Im Bilker Felde ist ein Gartengütchen mit neuerbautem Hause, Stallung u. s. w., etwa 2 Morgen groß, zu verkaufen. Näheres beim Notar Lützeler. Immobilar=Verkauf. In der gerichtlichen Theilungssache der Erben des zu Pempelfort verlebten Rentners Herrn Peter Joseph von Diert sollen am am Donnerstag den 2. Mai 1850, Nachmittags 3 Uhr, bei der Wirthin Wittwe Breidenbach in der Martinsgasse hierselbst, die nachbenannten in der Gemeinde Derendorf, Oberbürgermeisterei Düsseldorf, gelegenen Immobilien öffentlich an den Meistbietenden zum Verkaufe ausgestellt werden: Erste Parzelle.„Ein auf der Kaiserstraße gelegenes, hinten an Hoff, mit den beiden Seiten an Clostermann und Meese grenzendes Erbe, bestehend aus zwei Wohnhäusern, nebst Hintergebäuden, Hofräumen und Gärten und einem davon durch eine Mauer getrennten Gemüsegarten, eingetragen in der Mutterrolle Flur 6 Nr. 772, 773 und 22, Flurabtheilung auf dem Stadtfelde, mit einer Größe von 1 Morgen 124 Ruthen 20 Fuß, und zwar diese Parzelle in 3 schon von einander getrennten Abtheilungen, nämlich: a. der zu Baustellen geeignete, neben Clostermann und der folgenden Abtheilung gelegene Gemüsegarten; b. das daneben gelegene, mit Nr. 152 bezeichnete Wohnhaus, nebst Einfahrt, Seitengebäude, Hof und Garten; c. das neben der vorigen Abtheilung und Meese gelegene, mit Nr. 152½ bezeichnete Wohnhaus mit Einfahrt, Seitengebäude, Hofraum und Garten, und insbesondere noch mit den in der Brauerei befindlichen Brauereiutensilien, als: Pfanne, Schiff, Bottich u. s. w. Zweite Parzelle. Ein auf der Kaiserstraße zwischen Geometer Graß und Ignaz Otto gelegenes, mit Nr. 153½ bezeichnetes Wohnhaus nebst Hofraum, eingetragen in der Mutterrolle Flur 6, Nro. 18, Anhang 11, Nro. 10, Flurabtheilung Winkelsfeld, mit einer Größe von 11 Ruthen 60 Fuß. Die Verkaufsbedingungen sind nebst den übrigen Verkaufsverhandlungen bei dem unterzeichneten, zu Düsseldorf wohnenden, mit dem Verkaufe committirten Notar einzusehen. Düsseldorf den 21 März 1850. Carl Otto, Notar. Gefällige Bestellungen auf das Neußer Handels= und Intelligenzblatt pro zweites Quartal 1850 beliebe man baldigst auf der nächstgelegenen Postanstalt mit Vorausbezahlung des Abonnementsbetrages von 12½ Sgr. zu machen. Dasselbe gehört zu den verbreitesten Blättern der Rheinprovinz und eignet sich dasselbe vorzüglich zu Anzeigen aller Art. Die Einrückungsgebühren betragen pro Zeile 1 Sgr. Es können noch einige Acker=Parzellen auf der Flehe, zu dem vormaligen Dollhausen'schen Gütchen gehörig, aus der Hand billig angepachtet werden. Bescheid mittlere Bastionsstraße Nr. 978. Jn der und Kunsthandlung (E. Schulte) ist so eben erschienen: Das Portrait von Herrn Musikdirektor Ferdinand Hiller, gemalt von Sohn, lithographirt von Dirks. Preis 20 Sgr. Die hiesige Turngemeinde sucht zu ihren SommerUebungen einen geräumigen Platz in der Nähe der Stadt, welchen sie gegen Mitte des folgenden Monats zu beziehen wünscht. Schriftliche Anerbietungen dieserhalb wird die Exped. d. Bl. in Empfang nehmen. Düsseldorf den 21. März 1850. Der Turnrath. Durch Einkäufe auf der Frankfurter Messe ist mein Lager von Porte-Monnaies, stark u. schön mit Gold=Verschluß, von Spazierstöcken, Cigarrenspitzen,=Pfeischen und=Etuis, aufs Schönste assortirt. Lilionese die Flasche 1 Thlr., von Tübing in Cöln, für Finnen, gelbe Haut, Mitesser ec., ächte holländ. Cigarren. Mein großer Vorrath erlaubt es mir, dieselben trotz der Theuerung der Tabake, zum alten Preise zu verkaufen: 8 Stück 2½, 25 7½, 250 2 Thlr. 12½ Sgr. W. Zengerly, Neu= und Mittelstraße. Wir laden hiermit zum neuen Abonnement auf das zweite Quartal der Kölnischen Zeitung und des Kreisblattes ein. Das Kreisblatt erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und wird mit der Kölnischen Zeitung gleichzeitig ausgegeben. Abonnementspreis: Für Düsseldorf, sowie außerhalb auf allen Postämtern vierteljährlich 22½ Sgr.; für die Abonnenten der Kölnischen Zeitung nur 20 Sgr. Inserate werden mit nur 9 Pfg. für die Petit=Zeile oder deren Raum berechnet. Bestellungen auf diese Blätter wolle man in Düssel dorf bei der Expedition: Bötticher'sche Buchhandlung, Grabenstr. 798 auswärts bei der nächsten Postanstalt möglichst bald machen Durch Gewinnung tüchtiger Erfurter Correspondenten sind wir in den Stand gesetzt, unsern verehrlichen Abonnenten das Wichtigste und Neueste von dorthin sofort mitzutheilen. Tuchhandlung von E. Oelbermann verlegt von der Berger= und Hafenstraßen=Ecke in das früher von Herrn E. Wergen(Firma: Elise Corty) benutzte Geschäftslokal, Grabenstraße, Haus Nr. 719, und empfiehlt sich unter Zusicherung reeller u. billiger Bedienung. Theatre pittoresque im Saale des Hrn. Cürten, Bergerstr. Sonntag den 24. März: Große Vorstellung: Das Schloß Rheinfels. Der Brand von Moskau. Das Riesenhaupt. Nebelbilder und Farbenspiele. Anfang 7 Uhr. Montag den 25. März: Große außerordentliche Vorstellung: Episoden aus dem Leben Napoleon's. Die Ankunft und der Aufenthalt auf St. Helena. Anfang 7 Uhr. Ellembera& Marchand. Sonntag den 24. März, Nachmittags: Harmonie in der Bock=Halle. Anzeige. Montag den 25. d. M., Nachmittags 5 Uhr: GeneralVersammlung der Schuhmachermeister der Sammtgemeinde Düsseldorf bei Herrn Hülser am Friedrichsplatz. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Düsseldorf den 23. März 1850. Der prov. Vorstand: k. Stader. Großes Preisschießen Östermontag den 1. April, Nachmittags, bei Krebs. sämmtlicher Modeartikel zum Fabrikpreis. Auch ist ein schöner Wandschrank und eine Theke zu verkaufen. I. D. Seyppel, Allee 429½. 9 Fn Todes=Anzeige. Statt besonderer Meldung widmen wir allen Freun9den und Bekannten die schmerzliche Anzeige, daß unser 9 liebes Söhnchen Paul, womit wir erst vor wenigen 9 Monaten beschenkt worden, uns in vergangener Nacht 9 durch den Tod wieder entrissen worden ist, und bitten g um stille Theilnahme. Düsseldorf den 22. März 1850. In ihrem und ihres abwesendena Mannes Namen Mathilde Wesendonck, geb. Luckemeyer. Sarg=Magazin. Zu auffallend billigem Preise sind vorräthig: Todtensärge von den einfachsten bis zu den elegantesten in allen Größen bei C. Hülsmann, Altestadt 228. Ausverkauf sämmtlicher Glas= und Porzellan=Waaren zu Fabrikpreisen. Düsseldorf, im Februar 1850. Jos. Krischer, Bolkerstraße 467. Auch steht bei mir ein neues Ladengestell nebst Theke zu kaufen. Getragene Kleider werden fortwährend zum höchsten Werth angekauft von J. Manes, Flinger= u. Hundsrückenstr.=Ecke 654. Auch werden getragene in Tausch gegen neue Kleider zum höchsten Werth angenommen. kleinen Gürzenich bei Bormacher am Rheinörtchen werden die feinsten 1846r. Moselweine und Ahrbleicherte zu äußerst billigen Preisen verabreicht. Holländische Butter, pr. Pfund 4 Sgr. 8 Pf. bei J. F. Deußen, Martinsgasse, der Hofapotheke gegenüber. Frischen Kabliau, Schollen, Vollbückinge Neunaugen und engl. Austern erhielt wieder J. Hendrichs, Rheinstr. Ein Landgut im Regierungsbezirk Düsseldorf wird zu pachten gesucht. Ein Haus mit Garten von 20 oder 25 Theilen wird in Düsseldorf zu kaufen gesucht. Mehrere Mädchen vom Lande, wie auch zwei perfekte Köchinnen, 2 Aufwartemädchen und 2 Bediente, die ihre gehörigen Zeugnisse haben, können sofort Dienst erhalten. Auskunft bei Schützendorf& Comp. Adreß=Comptoir, Neustraße 638. (165) Altestadt Nro. 225 ist das seit Jahren zu einem Ladengeschäft benutzte Unterhaus zu vermiethen. Näheres in der Exped. d. Bl. 686860666680098699699 Bruchbänder von aller Art, die durch meine eigenen Einrichtungen die Herstellung eines jeden zu heilenden Bruchschadens esicher herbeiführen, werden von mir angefertigt. Derendorf bei Düsseldorf. 6 Heinrich Graf, konzessionirter Badagist. 682098988896696996966 Auf hiesigem Rathhause ist ein dunkelseidener Regenschirm mit eingelegtem Knopf stehen geblieben und kann beim Kastellan Fehrer gegen Erstattung der Einrückungskosten vom Eigenthümer in Empfang genommen werden Düsseldorf den 21. März 1850. (164) Ein noch guter moderner Wandofen wird zu kaufen gesucht. Von wem, sagt die Exped. d. Bl. (162) Ein Bäcker=Geschäft ist bald vortheilhaft zu übernehmen. Wo, sagt die Exped. d. Bl. (75) Ein moderner Laden, zu jedem Geschäft geeignet, steht zu verkaufen. Wo, sagt die Exped. d. Bl. Es sind noch Parzellen der Steffens Weide an der Neustadt einzeln aus freier Hand zu ermäßigten Preisen anzupachten. Näheres mittlere Bastionsstraße Nr. 978 zu erfragen. Ein gebrauchtes Klavier in gutem Zustande wird bis heute Abend zu kaufen gesucht, Flingerstraße 525. (70) Ein Garten von circa 2 Morgen nebst Wohnung und Stallung, ganz in der Nähe der Stadt, ist zu vermiethen und gleich zu beziehen. Wo, sagt die Exped. d. Bl. (131) Ein zu Derendorf gelegenes Gütchen, bestehend in Wohnhaus, Brunnen und 2½ Morgen Land, ist unter günstigen Bedingungen zu kaufen. Zu erfragen in der Exped. d. Bl. 9 eiserne Schwungräder, im Durchmesser circa 5 Fuß 11¾ Zoll und 4 Fuß 11½ 3. groß, werden billigst abgegeben. Die Expedition d. Bl. sagt wo. In dem auf der Grabenstraße Nr. 792 gele2 genen Hause ist die erste Etage mit Oefen, Balkon, Speicher, Keller, Stallung, Garten und allen Bequemlichkeiten versehen, zu vermiethen. Das Nähere im Hause selbst. Bastionsstraße Nr. 984, nahe der Post, ist der erste Stock, bestehend aus 6 geräumigen Theilen, nebst Speicherzimmer und abgeschlossenem Keller zu vermiethen und gleich zu beziehen. (610) Eine 2. Etage in einer der belebtesten Straßen, bestehend aus 5 Theilen, nebst Speicherzimmer, Keller und Speicher, steht an eine stille Familie zu dem festen Preise von 90 Thlrn. zu vermiethen. Die Exped. d. Bl. sagt wo. Am schönsten wäscht und färbt man die GlaceeHandschuhe Alleestraße Nr. 750. Zu vermiethen: Die erste Etage des Hauses Nr. 584 auf der Bolkerstraße. Das Nähere im Hause selbst oder bei Carl Schwarz, Kurzestraße Nr. 353. (163) In der Karlsstadt oder einer der angränzenden Straßen wird eine Wohnung von 7 bis 8 Theilen auf dem ersten oder zweiten Stock gesucht. Näheres in der Expedition d. Bl. Eine schöne bequeme Etage ist zu miethen bei F. Batz, Steinweg. (115) Wo ein kleines Unterhaus auf einer gelegenen Straße zu vermietyen ist, sagt die Exped. d. Bl. Kasernenstraße Nr. 892 ist das halbe Unterhaus und die zweite Etage zu vermiethen und gleich zu beziehen. (158) Ein am Hofgarten gelegenes herrschaftliches Haus ist billig zu kaufen. Wo, sagt die Exped. d. Bl. Das am Ende der verlängerten Kasernenstraße gelegene Haus Nr. 116 ist zu vermiethen. Das Nähere ist in dem hinter demselben besindlichen Hause zu erfahren. Dem Hofgartenhause gegenüber, im Eckhause Nr. 169, sind 3 Theile im Unterhause nebst einem Zimmer auf dem Boden, Keller, Mitgebrauch des Bodens und der Bleiche zu vermiethen. Theater Sonntag den 24. d.: Reise auf gemeinschaftliche Kosten Lustspiel in 5 Bildern von Angely. *** Brennecke, Herr Scheele. *** Commerzienräthin, Frau Bertha Müller, geb. Schirmer. NB. Wegen der kirchlichen Feier ist der Anfang dieser Vorstellung erst um 7 Uhr. Montag den 25. d. Belisar. Große Oper in 3 Akten. Musik von Donizetti, Dienstag den 26. d. Letzte Vorstellung vor dem Österfeste. Abonnement suspendu. Zweites Benefiz der Frau Wittwe Derossi. Auf vieles Verlangen: Gastspiel des Fräul. Anna Schirmer und des Herrn Meyer vom Theater zu Bonn: Donna Diana. Lustspiel in 4 Akten nach dem Spanischen des Moreto von West. ** Donna Diana— Fräul. A. Schirmer. *** Don Cesar— Herr Meyer. *** Perin— Herr Scheele. Wegen des Österfestes bleibt dann die Bühne bis zum Östermontage geschlossen Die Proben zum Propheten haben begonnen und werden sorgfältig geleitet und überwacht. Zur Vermeidung von Verwechslungen mit dem sogenannten„Düsseldorfer Kreisblatt" erbitten wir uns alle Zusendungen unter der Adresse: Stahlsche Buchhandlung(W. Kaulen). Die Expedition des Düsseldorfer Journals und Kreisblatts. Fremdenblatt Im Cölnischen Hof bei Juppen Frau von Ehrtardt m. Tochter a Münster. Fräulein Hartmann mit Gesellschafterin, a Celle. Trost, Fabrik. a Hamburg. Moritz, Kfm a Gernheim. Schellenberg, Kfm a Cöln. Klapproth, Kfm a Cöln. Kratz, Kfm a Glanchau. Bieler, Part. a Hannover. Cleber, Kfm a Coblenz. Härle, Kfm a Heilbron. Horn, Kfm a Detmold. Königsfeldt, Kfm a Würzburg. Moor, Kfm a Cöln. Flenter Fabrik. a Manschester. Schäfer, Kfm a Kaufbeuren. Bichter, Kfm a Baden. Montz, Kfm a Crenznach. Krone Kfm a Halberstadt. Ernst, Kfm a Cöln. Dürffs, Kfm a Cöln. Reiß, Kfm a Mannheim. Koch, Fabrik. a Genf. Breidenbacher Hof bei Disch. Schmidt, Präsident. a Mainz. D' Aavis, Kfm a Mainz. Neus, Kfm a Mainz. Bögner, Kfm a Mainz. Schmitz, Kfm a Mainz. Reiß, Kfm a Frankfurt. Seligmann, Banquier a Coblenz. Bouloete, Kfm a Frankfurt. Mayedt, Kfm a Lyon. Kieffer, Kfm a Frankfurt Maittand m. Fam a England. Rommel, Kfm a Braunschweig. Zahringer, Part. a Trier. Königshofer Part. a Salzburg. v. Laitern, Part. a Berlin. Tourneux, Part. a Paris. Jehlen, Kfm a Straßburg. In den drei Reichskronen bei Beeking. von Spankeren m. Fam. und Bedienung, a Düsseldorf. Bascon, Rent. a Brüssel. Flechsel, Kfm a Lahr. Siepermann, Kfm a Elberfeld. von Schatzberg, Baurath a Sagan. Schulz, Kfm a Crefeld. Lemberg, Fabrik a Münster. Heisser, Kfm a Frankfurt. Bosch, Kfm a Hamburg. Viehhoss, Kfm a Neuwied. Mühlberg, Kfm a Bielefeld. Stenzer, Part. a Wiesbaden. Heinzmann, Part. a Leipzig. Jean, Kfm a Paris. Petit, Kfm a Lyon. Bieler, Kfm a Minden. Liou, Offizier a Batavia. Hotel Domhardt. Graf Neßelrode a Düsseldorf. Baron v. Arnim, Rittm. im 8. Ulanen=Reg. a Düsseldorf Jung Spinnenbesitzer a Siegen. Jost, Kfm a Frankfurt. Helmreich, Kfm a Schweinfurt. Martin, Kfm a Lyon. Neitzert, Kfm a Neuwied. Forder, Kfm a Crefeld. Mumm, Kfm a Cöln. Dr. Kauertz, Kreisphisikus a Kempen. Bach, Kfm a Hamburg. Im Römischen Kaiser bei Engels. Wallun, Rent. a Hamburg. Hillmann, Kfm a Hamburg. Margraf, Kfm a Hamburg. Freund, Kfm a Frankfurt. Ernst, Kfm a München. Wolff, Kfm a Nürnberg. Cramer, Gutsb. a Bamberg. Friedlein, Kfm a Nürnberg, Gademann, Professor a Bayreuth. Schmidt, Kfm a Erlangen. Thürsing, Kfm a Wiesdorf. Hettrath, Kfm a Cleve. Baumann, Bierbrauereybesitz a Schweinfurt. Kopp, Gutsb. a Schweinfurt. Joebges, Kfm a Cöln. Im Bönnischen Hof bei Rösberger. Disch, Oekonom a Rees. Behling, Kfm a Hagen. Räscher, Kfm a Langenhof. Mausch, Kfm a Münster. Höbers, Stud. a Neustadt. Mollang, Priv a Paderborn. Fräul. Hohmeyer a Minden. Rallmann, Kfm a Cöln. Rontgen, Kfm a Lennep. Hörster, Kfm a Waldniel. Deunhof, Kfm a Wesel. Schillmann, Rent. a München. Stengens, Kfm a Lübeck. Reckers, Kfm a Barmen. Im Berliner Hof bei Kampmann. Spilmann, Kfm a Langenweier. Bremer, Kfm a Gevelsberg. Bergkammer, Uhrmacher a Leipzig. Flamm, Oekonom a Erwitte. Bohlachi=Igmarz, Gutsb. a Preßburg. Heinemann, Kfm a Freburg. Hömberg, Kfm a Fredeburg. Im Rheinberg bei I. H. Kraus. May, Kfm a Aachen. Goldhaus, Apotheker a Hannover. Gater, Sekretair a Hamburg. Engels, Kfm a Bonn. Wolff, Weinhdlr. a Coblenz. Lipfer, Priv. a Duisburg. Heinen, Kfm a Cöln. Balter, Kfm a Bremen. Hierbei eine (Fortsetzung der Assisen=Verhandlung.) Redacteur: W. Kaulen.— Druck und Verlag der Stahl'schen Buchhandlung(W. Kaulen), Karlsplatz Nr. 1043. Beilage zu Nr. 72 des Düsseldorfer Journals. Sonntag den 24. März 1850. Assisen=Verhandlungen zu Düsseldorf. Sitzung vom 14. März. (Fortsetzung.) 69. Joseph Schneider, 52 Jahr alt, Schumachermeister, auf der Neubrücke Thelen gegenüber wohnhaft. 70. Johanna Wolf, Ehefrau Schneider, 59 J. alt. 71. Gertraud Meyer, Ehefrau Simon, 49. J. alt. 72. Carl Britz, Klempner, 31 Jahr alt, im Hause von Thelen wohnhaft. 73. Wilh. Pauly, 22 Jahr alt, Cigarrenmacher, ebenfalls bei Thelen wohnhaft, haben den Thelen bis gegen 4 Uhr Morgens theils an der Hausthür stehend, theils in seinem Hause öfter gesehen; derselbe hatte keine Waffen und war in seiner Hauskleidung (einer gestrickten Jacke). Die Ehefrau Simon hatte sich aus Angst in das Thelen'sche Haus begeben und blieb bei dessen kranker Frau bis zum hellen Morgen. Thelen beruhigte sie und sagte, das Schießen werde wohl bald aufhören. 74. Johann Kalle, 24 Jahr alt, Karrenbinder in der Ratingermauer, sah den Johann Reuter mit einem Gewehre nach dem Brandenburger Thor zu gehen. 75. Conrad Kemmerling, 36 Jahr alt, Dachdecker, sah nach 12 Uhr auf der Ratingerstraße am Dickmannschen Hause einen Mann mit einem Gewehr, der sagte, er habe keine Munition, man solle ihm solche geben. Es war Johann Reuter, in sehr trunkenem Zustande. 76. Jacobine Assemacher, Ehefrau Holzapfel, Wirthin. Reuter war mit einem Gewehr in ihrer Wirthschaft, wollte Munition haben, sagte, ihr Mann hätte welche, worauf die Zeugin erwiederte: wenn ihr Mann solche auch hätte, so bekäme er sie doch nicht. Er war betrunken, so wie alle in dieser Nacht. Am andern Nachmittag war er wieder betrunken da mit einem Bajonnet, mit welchem er in den Tisch stieß. Damit er nicht Unglück damit anrichte, nahm ihm die Zeugin solches ab. 77. Ferdinand Lamertz, 42 Jahr alt, Wirth in der Ratingerstraße. Ein Mann mit einem Kommißgewehr verlangte in der Nacht Zündhütchen von ihm. Er war sehr betrunken. Am andern Tage kam er wieder im trunkenen Zustande, er trug eine blaue Mütze; ich hörte, daß er Reuter hieße. Die Tochter des Schwieger sagte, dieser Mann habe auf ihren Vater geschossen.— Der Präsident läßt hier das Protokoll über den Befund des Gewehres verlesen; dasselbe ist am 17. Mai aufgenommen worden. Es stellte sich heraus, daß das Gewehr noch geladen war, auch ein Zündhütchen hatte, und erklärten die Sachverständigen, daß frisch(!) daraus geschossen worden sei. 78. Josephine Schröder, Ehefrau des Unteroffiziers Bauernschäfer, 41 Jahr alt, ist während der Untersuchung gestorben, ihre frühere Aussage wird verlesen. Sie hat von Reuter die Worte gehört, Morgens gegen 4 Uhr:„Mein Bruder, mein Bruder, ich räche ihn!" Auch hörte sie einen Klang, als wenn Jemand mit einem Gewehr auf das Pflaster stößt. Sie war zugegen, als die Frau des Reuter das Gewehr auf dem Speicher hervorsuchte, das Bajonnet fehlte. 79. Engelbert Steffen, 38 Jahr alt, Tagelöhner, Ritterstraße, sah Morgens den Johann Reuter mit einem Gewehr an der Barrikade auf der Ratingerstraße. Am Eingange der Mühlengasse fielen zwei Schüsse von der Allee her; Zeuge sah sich um, da lag der Fuhrmann Schwieger getroffen auf der Erde, am Hause des Geheimrathes Arndts, dem Johannisberg gegenüber. 80. Margaretha Pesch, Wittwe Hammermann, 69 Jahr alt, Wäscherin, Ritterstraße. Die Ehefrau Reuter brachte mit weinenden Augen ein Gewehr vom Speicher herunter zu ihr und bat sie, dasselbe der Polizei zu übergeben, was sie auch gethan habe. 81. Wilhelm Klein, 23 Jahr alt, früher Stellmacher, jetzt Unteroffizier im 16. Inf.=Reg. sah am Abend des 9. um 10 Uhr den Friedr. Wilh. Schmitz auf der Bolkerstraße, nebst zwei andern Personen raschen Laufes ihm entgegenkommen und ein Terzerol in der Richtung des Rathhauses oder der Hauptwache abfeuern, worauf sie sich eiligst nach der Hauptwache zu entfernten.— Aus seinem Fenster in der Andreasstraße habe er bemerkt, daß man an der Jesuitenkirche eine Barrikade errichte, und hörte, daß man rief: „Es lebe die rothe Republik!" Engelbert Backhaus äußerte sich in seiner Gegenwart: Er werde Nichts gegen Fuchs aussagen, weil er sein Hausherr wäre; er wisse viel auch gegen Andere.— Auf wiederholte Fragen erklärte er mit der größten Bestimmtheit, daß es der Angeklagte Schmitz gewesen, der das Terzerol abgeschossen. Vertheidiger Bloem. Ob es nicht dunkel gewesen?— Zeuge. Nein, es war hell, da man auf den Ruf„Lichter heraus!" überall erleuchtet hatte.— Verth. Bloem. Ob die Leute, die ihm begegnet, nicht die Kappe tief ins Gesicht gedrückt oder die Rockkragen aufgeschlagen gehabt hätten?— Zeuge. Nein. 82. Gustav Worms, 28 Jahr alt, Kaufmann, auf der Neustraße wohnhaft. Milewsky feuerte nach der Allee zu; hinter der Barrikade an der Communications= und Neustraße standen Bewaffnete und Unbewaffnete. Mit Ausnahme des Polen Milewsky schossen die Andern sehr wenig auf die vom Breidenbacher Hof herabreitenden Ulanen in der Allee. Man schoß von beiden Seiten auf einander; später schoß man mit Kanonen auf die Barrikade und die Vertheidiger derselben zogen sich in die Neustraße und nach dem Hundsrücken zurück. Es befanden sich unter den Aufrührern einzelne Bürgerwehrgewehre. 83. August Gersfeld, 13 Jahr alt, bei Laufs auf der Wallstraße wohnhaft. Nach langen und eindringlichen Ermahnungen des Präsidenten, und nachdem er lange nicht mit dem Sprechen herauswill, wiederholt er endlich seine im Krankenhause abgegebene Erklärung, wonach er am Morgen des 10. zwischen 7—8 Uhr auf der Ratingerstraße gewesen und gesehen hat, wie der an der Ecke des Mühlengäßchens stebende Friedr. Backhaus mit Steinen auf die Soldaten geworfen hat, die in der Ratingerstraße standen. Keiner ist getroffen worden. Der Kleine ist selbst durch einen Schuß in den Arm verwundet worden.— Backhaus will davon Nichts wissen, da er schon um 6 Uhr verwundet worden sei. Auf Antrag des Verth. Windscheid wird der schon vernommene Zeuge Wilh. Schneider um die Moralität des Gersfeld befragt. Er giebt demselben ein sehr schlechtes Zeugniß, er sei trotz seines zarten Alters schon durch und durch verdorben, ein Ausbund aller Nichtsnutzigkeit, sei schon zwei Mal aus Düsselthal entwichen und befinde sich jetzt in einer ähnlichen Anstalt zu Ober=Dyck; seine Mutter habe ihn seines schlechten Betragens wegen fortgejagt. 84. Catharina Esser Wittwe Schwieger, 45 Jahr alt, Spezereihändlerin auf der Ratingerstraße und 85. Wilhelmine Schwieger, deren Tochter. Beide deponiren über den Tod ihres Gatten resp. Vaters; die Tochter namentlich ist sehr bewegt und ihr unter Schluchzen und Thränen abgegebenes Zeugniß macht einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Der Fuhrmann Schwieger ging am Morgen gegen 4 Uhr aus dem Hause, um nach seinem Karren zu sehen, den er am Abend in der Gegend des Hofgartenhauses gelassen hatte. Er stieg über die Barrikade auf der Ratingerstraße, die Tochter rief ihn zurück und bat, er möge doch umkehren, sie fürchte daß er geschossen werde. Er schickte sich dazu an und sie reichte ihm die Hand. In diesem Augenblicke schoß ihn ein Bürger, der Joh. Reuter, ins Gesicht; er stürtzte über die Barrikade auf das Gesicht. Doch war er nicht verwundet, sondern erhob sich wieder. Der Bürger lud unterdessen im Mühlengäßchen sein Gewehr wieder und legte von Neuem an. Die Tochter bat ihn flehentlich nicht zu schießen, es sei ja ihr Vater, mit dem er am Abend vorher beim Wirthe Lamertz zusammen gewesen.„Mensch mach dich weg, rief er, oder ich stoße dir das Bajonnett in den Leib“ und in demselben Augenblick schoß er nach der Stelle, wo der Schwieger nieder gefallen war. Derselbe war inzwischen weggegangen, erhielt aber gleichzeitig einen Schuß aus dem Butzschen Hause von einem Militair, der ihn tödtete. Die Zeugen haben später gehört, daß der Bürger welcher geschossen, der Joh. Reuter gewesen sei. Reuter behauptet nicht geschössen zu haben. 86 Catharina Kemmerling, Wittwe Esser, Tagelöhnerin in der Ratingermauer sah den Friedr. Backhaus am Morgen verwundet ins Haus bringen. Sie wohnt mit ihm in demselben Hause. Am Abend nach dem Nachtessen war er ausgegangen, ob er wiedergekommen weiß sie nicht. Die Thür war bis 10½ Uhr offen. 87. Franziska Hilgers, Ehefrau Jordan, Tagelöhnerin in der Ratingermauer, sah die Gebrüder Backhaus an der Barrikade; beide waren betrunken; Heinrich hatte eine Kanonenkugel in der Hand und Friedrich trug einen Säbel, den Reuter sah sie mit Strenzeler nach dem Brandenburger Thor gehen; Strenzeler hatte einen Säbel. Moppey schien betrunken an die Barrikade gelehnt. 88. Josephe Jordan, Ehefrau Daniels, 23 Jahr alt auf der Ritterstraße wohnhaft, war in jener Nacht bei ihrer Mutter in der Ratingermauer, hat den Reuter mit einem Gewehr und den Strenzeler mit einem Säbel gesehen; sie gingen etwas hinteneinander. Heinrich und Fried. Backhaus sah sie am Morgen, beide betrunken; Heinrich mit einem Säbel. Als der Vater Backhaus später Mist verkaufte, zog er unter demselben einen Sack heraus, in welchem sich ein Säbel befand. 89. Jos. Brendt, 19 Jahr alt, Schlosser bei Weiser. Bei dem am 9. Abends an dem Weiserschen Hause stattgehabten Vorfall, den bereits der Zeuge Franz Weiser erzählt hat, fragte die Frau Weiser einen der Tumultuanten, der ein Pistol erhalten hatte, nach seinem Namen. Derselbe sagte: ich bin der Anstreicher Culson. Auf der Straße hörte er einen sagen: Kleinfahlen hast Du auch eines bekommen? Dieser erwiederte: ja ich habe eins. Als Zeuge zum Instructionsrichter geladen war, erblickte er denselben Mann, der sich Culson nannte, und dieser fragte ihn, weshalb er geladen sei, worauf Zeuge erwiederte: Du magst noch wohl fragen; es ist wegen des Pistols, das du nicht wieder gebracht hast. Jener sagte darauf: Ja, ich habe das Pistol verloren.— Zeuge erkennt den Angeklagten Kleinfahlen als denjenigen wieder, der sich für Culson ausgegeben und der am Justizgebäude mit ihm gesprochen. 90. Caroline Stribus, Ehefrau Franz Weiser, 45 Jahre alt, sagt, daß sie einen der Tumultuanten nach seinem Namen gefragt und dieser geantwortet: er sei der Anstreicher Culson. Sie kann denselben, wenn er ihr vorgestellt werden sollte, nicht wieder erkennen. 91. Joh. Wilh. Heuren, 39 Jahr alt, Wirth auf dem Hundsrücken, deponirt auf die Frage des Vertheidigers v. Fuchsius, daß Hilgers mit der Trommel am 9. Abends in seinem Hause gewesen, und daß als er habe nach Hause gehen wollen, an der Thür ihm Einer die Trommel habe abnehmen wollen, auch Andere ihn aufgefordert haben zu trommeln. Er habe sich losgerissen und sich entfernt. 92. Gerhard Broich, 38 Jahre alt, Fuhrmann, hat vor dem Instructionsrichter gesagt, Fuchs habe sich nach den Unruhen bei dem Wirthe Scherpenbach in Gegenwart des Wirthes und des Pflasterers Servais gebrüstet, das Läuten so gut organisirt gehabt zu haben, daß man es in Gerresheim habe hören können. Heute will er dieses nicht gesagt haben, auch nicht beim Wirthe Scherpenbach gewesen sein. Auf eine sehr ernste und eindringliche Vorhaltung des Präsidenten gibt er zu, das damals deponirt zu haben, es sei dieses aber nicht wahr, er habe sich damals unbesonnen benommen; er müsse das mißverstanden haben. Scherpenbach und Servais, die früher in Folge der Deposition des Broich beim Instrucktions=Amte vernommen worden, wissen Nichts von der ganzen Sache, wissen nicht einmal, ob Fuchs und Broich damals im Scherpenbach'schen Hause gewesen seien. Ang. Fuchs erklärt, nicht mit Broich bei Scherpenbach zusammen gewesen zu sein.— Zeuge wird sodann darüber vernommen, ob ihm in jener Nacht Karren zum Barrikadenbau weggenommen worden seien? Er sagt es seien ihm von verschiedenen Stellen 13 Stück weggeholt, die der Hauptmann Gordon am andern Morgen wollte entzwei schlagen lassen. Auf seine Bitte habe er ihm jedoch gestattet, dieselben sämmtlich an die Regierung zu fahren, wohin er sie auch nebst noch anderem Fuhrwerk, welches fremden Fuhrleuten zugehört habe, demnach gebracht. Einer dieser Karren habe auf der Mühlenstraße gestanden, sie sei wahrscheinlich vom Rhein hergeholt worden. Die dortige Barrikade habe nur aus Karren bestanden. Es ständen in dieser Gegend in der Regel immer Karren. 93. Carl Salm 40 Jahr, alt Schreiner. Am 9. zwischen 10— 11 Abends klopfte Frideck an die Thür des Zeugen und forderte das Pistol von ihm, welches er kannte. Dasselbe war alt und ganz unbrauchbar. Frideck war sehr betrunken, um ihn los zu werden hat er ihm das Pistol gegeben. Er sagte er sei in Gefahr. Am andern Morgen habe er dasselbe wiedergebracht. Zeuge hat dasselbe in den Hafen geworfen. 94. Philipp Prehl, 40 Jahr alt, vorläufig ohne Geschäft, schloß um 9½ Uhr seine Thüre, als es auf der Straße unruhig wurde. Bald kam ein Trupp von 18—20 Mann, schlug auf die Thür und forderte gewaltsam Einlaß. Sie schlugen die Thür ein, drangen in den Hof, nahmen dort Fässer weg und zwangen den Brauer, ihnen das hintere Thor zu öffnen, wo hinaus sie die Fässer nach der Neustraße brachten. Zeuge kannte Niemand, als der Friedeck, der sehr betrunken war, in die Stube kam und mit einem Pistol herumagirte. Das Pistol hatte ein Steinschloß und war in ganz unbrauchbarem Zustande. 95. Wilhelm Richartz, 53 Jahr alt, Wirth in der Neustraße. Es war in seiner Wirthschaft an jenem Abend sehr unruhig, man holte mit Gewalt Fässer aus seinem Hause. Unter denen, welche dieses thaten, waren Bewaffnete, er hat Niemanden gekannt. Verwundete wurden hereingebracht; Leven holte unaufgefordert den Dr. Reinartz, brachte diesen auch bis an das Haus des Wirthes Heffenig, wohinein er vor den Schüssen zu fliehen gezwungen war. Leven kam bis an seine Thür, wo er durch einen Schuß verwundet wurde. 96. Helene Richartz, 21 Jahr alt, Tochter des Vorigen, bezeugt, daß Leven schon zeitig in ihrem Hause gewesen, sich ganz ruhig verhalten, die Verwundeten gepflegt und endlich den Dr. Reinartz geholt habe. Er habe sich auf diesem Gange nicht länger als nöthig verhalten, und sei auf der Rückkehr verwundet und am andern Morgen aus ihrem Hause abgeholt worden. 97. Ferdinand Becker, 19 Jahr alt, damals Gehülfe bei Richartz, jetzt in Oelde, Regier.=Bezirk Münster. Leven kam gegen 12 Uhr bei Richartz, holte später den Arzt und wurde verwundet. Bewaffnete waren nicht in seiner Gesellschaft. Am andern Tage fand man ein Pistol bei ihm; auch zwei Kugeln und Patronen waren in seiner Tasche, die Zeuge in den Abtritt warf. 98. Joh. Germann, 29 Jahr alt, Kleidermacher und 99. Joh. Peter Wolf, 33 Jahr alt, Schumacher, brachten an andern Morgen den Leven in das Krankenhaus. Es lag eine Pistole im Bette, die er dem Germann in Verwahr gab; dieser gab sie Wolf, um sie Levens Frau zu bringen, die die Annahme verweigerte. Dem Wolf wurde sie von der Polizei abgenommen. Sie ist als eine von den bei Hagedorn genommenen wiedererkannt worden. 100. Franz Käfer, 48 Jahr alt, deponirt über den Leven, wie die vorigen Zeugen. Er mußte die Nacht, weil er nicht nach Hause kommen konnte, im Richarv'schen Hause bleiben. Am andern Morgen kam ein Polizei=Commissar mit einem Offizier und Soldaten in dieses Haus, trieben alle darin befindlichen Gäste hinaus, brachten sie in die Kaserne, wo sie gestoßen und dann in Freiheit gesetzt wurden. Das Militär schoß die ganze Nacht. 101. Friedrich Schäfer, 32 Jahr alt, Schlosser bei Hagedorn, erzählt den Vorfall bei Hagedorn, wie sein Herr, nur mit dem Unterschiede, indem er behauptet, Leven sei nicht in das Haus gekommen, sondern jenseits der Gosse stehen geblieben. Er behauptet, Leven habe die Terzerole vertheilt; sie griffen alle danach, Hagedorn sagt, man hätte sie ihm entrissen. 102. Magdalene Bürgers, 24 Jahr alt, ohne Geschäft, zu Cöln wohnhaft. Leven sei zur Gräfin v. Hatzfeldt gekommen und habe bei ihr, Zeugin, nach ihrem Bruder Heinrich gefragt, der damals in Cöln gewesen sei. Zugleich habe er sie gefragt, ob Wulf im Hause sei; in der Stadt gehe das Gerücht, er sei dort verborgen; er würde ihm alsdann rathen, wegzugehen, sonst würde die Polizei ihn bald holen. Zeugin erklärt, die von ihr im Anklageakt enthaltenen Aussagen seien irrig; sie habe dieselben nicht gethan und es würden hier zwei verschiedene Vorfälle mit einander verwechselt. Eine nähere Prüfung der früheren Verhandlungen ergiebt einige Widersprüche und Unrichtigkeiten in den aufgenommenen Protokollen, die noch heute die gehörige Aufklärung nicht finden. Sitzung vom 15. März. 103. Gottlieb Morschheuser, 42 Jahr alt, Commissionair, in der Altestadt wohnhaft. Als man an der Ecke von der Altestadt die Barrikade baute kam der tolle Cohen, zog den Rock aus und sagte„Jungens jetzt müssen wir Barrikaden bauen. Er lief neben an in das Haus, kam wieder heraus und trug etwas der Barrikade zu. Später warf man mit Steinen auf das MontirungsDepot, es erfolgten etwa 8 Schüsse von Seiten des Militairs. Graß ermahnte die Leute ruhig zu sein und nach Hause zu gehen. Bensberg kam zum Zeugen und sagte: der tolle Cohen will mein Gewehr haben. Zeuge hörte noch sagen:„Da kömmt noch der Fuchs." 104. Wilh. Bensberg 50 Jahr alt, Kohlenhändler in der Altestadt. Gegen 11 Uhr pochte es auf der Thür des Morschheuser'schen Hause, in welchem Zeuge wohnt. Cohen kam herein und sagte: Zeuge habe Waffen, er solle ihm eine Büchse geben, er war in Hemdsärmeln und schien betrunken zu sein. Zeuge gab ihm die Waffe nicht. Zwei Tage später kam Cohen zum Zeugen und bat ihn um Verzeihung; er sei betrunken gewesen. 105. Gustav Heimendahl 51 Jahre alt, Kfm. in der Altestadt. Cohen holte einen Handkarren aus dem gegenüberliegenden Hause, worauf er Farbhölzer aus dem Hause des Spediteurs Brinks zur Barrikade fuhr, an deren Bau er thätig war. Zeuge unterhielt sich zu verschiedenen Malen mit Graß. Letzterer sagte: Um zum Zwecke zu gelangen, sei es an der Zeit, daß man die Privatwaffen einfordere. Auf die Bemerkung des Zeugen, daß im Militair=Depot Militair stehe, sagte er, dann müsse man dasselbe von der andern Seite in Brand stecken. Den Fuchs habe der Zeuge nicht erkannt, er hat bloß einen Mann von seiner Statur gesehen, der eine Büchse trug. Zeuge hat weder gehört noch gesehen, daß Schüsse auf das Montirungs=Depot gefallen, wohl aber, daß mit Steinen danach geworfen und das Schilderhaus weggenommen wurde. Aus dem Montirungs=Depot wurde hingegen mehrmals geschossen. Cohen hatte den Rock ausgezogen und ist mehrmals mit dem Karren hin und her gefahren. 106. Gerhard v. der Beck, Gastwirth in der Altestadt, 50 Jahr alt. Cohen verlangte ganz artig von dem Zeugen eine Büchse; er erwiederte, er habe keine, wenn er aber auch eine hätte, würde er sie ihm nicht geben, weil er damit nicht umzugehen wisse, worauf Cohen fortging. 107. Joseph Berghausen, 28 Jahr alt, Posamentirer, wohnt in der Altestadt in demselben Hause mit Cohen. Er hörte den Fuchs im Mühlenstein sagen: es wäre eine Schande, wenn des dummen Scandals wegen Blut vergossen werden sollte. Den Frideck sah er mit einem Pistol. Derselbe sagte zu ihm: Meinst du ich könne nicht schießen, wobei er 5 bis 6 Mal abzudrücken versuchte, aber das Pistol ging nicht los. Um nach Hause zu kommen, ist er über die Barrikaden geklettert; man schoß aus dem Montirungsdepot, traf aber Niemand. Er traf auch den Cohen, der sich beschwerte und sagte:„man habe hier Waffen, gebe sie aber nicht heraus." Zeuge sagte ihm scherzweise: er solle das Gewehr seines Vaters von der Bürgerwehr holen, das, wie Zeuge wußte, längst abgegeben war. Er dachte den Cohen auf diese Weise nach Hause zu bringen. Der Junge ist übrigens halb toll; sein Vater hat ihn später tüchtig geprügelt. Cohen war sehr betrunken und hat sich noch Abends übergeben. 108. Wilh. Steinfels, 23 Jahr alt, Tabaksarbeiter, war nicht aufzufinden, weshalb seine frühere Aussage verlesen wurde. Scherl trat auf dem Markte zu ihm und fragte ihn, ob er nicht wisse, wo ein Trommeler der Bürgerwehr wohne. Zeuge ging mit ihm nach dem Kälbermarkt zum Tambour Pauli, der nicht zu Hause war. Auf die Frage der Tochter, was er solle, erwiederte Scherl, es solle die Bürgerwehr neu organisirt werden und er müsse kommen. Scherl ersuchte den Zeugen, ihn nach den Geisten zu begleiten, wo der Tambour Hilgers wohnte. Dieser war zu Hause und Scherl sagte zu ihm, er müsse schlagen. Joh. Hilgers nahm die Trommel und ging mit ihm zur Stadt. Auf der Elberfelderstraße trafen sie den Pauli, der sich weigerte mitzugehen, bevor er festen Bescheid erhalten habe. Hilgers ging mit dem Zeugen zu Cantador; dort sagte ein ihm unbekanntes Fräulein: Hr. Cantador sei nicht zu Hause. Ein anderer im Hausgange stehender Mann, den der Zeuge gleichfalls nicht kannte, sagte, er wisse nichts davon, daß getrommelt werden folle; Hilgers solle einmal nach Heuren gehen, dort sei der Herr Peltzer, der vielleicht etwas davon wisse. 109. Carl Friedr. Scherl, 29 Jahre alt, Buchhändler auf dem Steinweg. Es ging am Tage des 9. sehr unruhig zu. Zeuge erfuhr, daß die Bürgerwehr reorganisirt werden solle. Hilgers hatte ihm oft geklagt, daß er, seit die Bürgerwehr suspendirt sei, kein Verdienst habe." Er hatte von der beabsichtigten Ueberreichung der Petition gehört, und sich vorgestellt, daß die Bürgerwehr petitionsweise nach dem Rathhause zur Ueberreichung derselben ziehen würde und geglaubt, daß, um die Sache vollständig zu machen, auch ein Tambour dabei sein müsse. Deshalb ging er zu Hilgers, setzte ihn von dem Project in Kenntniß und sagte ihm, er solle auf den Markt gehen, dort werde er das Nähere erfahren. Dieser hatte ihn gefragt, ob er auch die Trommel mitnehmen solle und Zeuge habe gemeint, das könne nicht schaden. Später habe er den Hilgers bei Heuren ruhig sitzen sehen. Nach Hause zurückgekehrt, habe er Morgens gegen 3½ Uhr mit seiner Frau im Fenster gelegen und gesehen wie Soldaten auf Leute geschossen, die aus dem Hause von Hellingrath herausgekommen seien. Er sei gegen 10½ Uhr nach Hause gegangen; es sei sehr dunkel gewesen. Auf dem Steinwege habe er nicht trommeln gehört. 110. Emanuel Leutze, 39 Jahr alt, Maler, wohnhaft auf dem Steinwege. Es war theilweise in der Nacht sehr unruhig; es wurde mehrmals an das Haus des Zeugen geklopft und nach Waffen gefragt. Um Ruhe zu haben, gab er zwei alte Pistolen heraus. Hilgers kam von Flingern her und trommelte vor einem ungeordneten Haufen her, der hin und her ging. Bewaffnete hat Zeuge darunter nicht bemerkt. Er hat Hilgers die Trommelstöcke an seiner Thür abgenommen und ihn aufgefordert, keinen unnöthigen Lärm zu machen. Als er versprach, nicht mehr trommeln zu wollen, hat er ihm die Stöcke wieder gegeben. Ob Hilgers gesagt: er habe schon lange gerne aufgehört, man habe ihn aber gezwungen, erinnert sich Zeuge nicht mehr. Später ist nicht mehr getrommelt worden. Den Hilgers, den er als Modellsteher von der Akademie her kennt, beschreibt er als einen Menschen von sehr beschränkten geistigen Gaben. 111. Carl Dietzel, 44 Jahr alt, LandgerichtsSecretair, auf dem Steinwege wohnhaft, hat ebenfalls den Ruf:„Waffen heraus!"„Lichter heraus!" vernommen, auch gegen 11 Uhr von dem Steinwege herab nach der Stadt zu trommeln gehört. Wie es dem Zeugen schien, wurde der Trommler, als er aufhören wollte, aufgefordert, weiter zu trommeln; mit einer schmutzigen Redensart habe er die Trommel auf den Rücken geworfen und sei fortgegangen. Später sah Zeuge einen ungeordneten Zug, er hörte mit Brecheisen auf die Erde stampfen, ob das vor oder nach dem Trommeln war, weiß er nicht; den Tambonr sah er nicht beim Zuge; beim Wirthe Hellingrath war es sehr unruhig; derselbe erzählte ihm am andern Tage, es seien viele Verwundete in seinem Hause gewesen, darunter wohl 30 Gerresheimer. 112. Richard Carter Woodville, 24 Jahr alt, Maler. 30—40 Mann kamen gegen Mitternacht den Steinweg herunter. Zeuge kannte den Maler Mitschell und Hilgers darunter; letzterer war der Tambour; drei darunter waren bewaffnet. An Cleffs Garten befahl Mitschell, die Bewaffneten sollten in das erste Glied treten. Am Flingerthor, in der Nähe der Waffelbude, schossen sie zwei Mal; die Ulanen jagten sie auseinander und verfolgten sie bis zum Kälbermarkt. Ob Hilgers, als die Schüsse fielen, noch dabet gewesen, weiß Zeuge nicht, ebenso ist ihm unbekannt, ob getrommelt worden. Verth. v. Fuchsius. Ob nicht so viele Menschen da waren, daß man nicht sehen konnte, ob sich Jemand entfernte.— Zeuge. Ja, es waren sehr viele Menschen da; der Zug war ganz ohne Ordnung; es läßt sich überhaupt nicht bestimmen, ob Hilgers zu dem Zuge gehörte, oder ob er als Neugieriger mitging. 113. Wilh. Nagel, 37 Jahr alt, Sergeant im 17. Landwehr=Regiment, war beordert, mit mehreren andern Soldaten ein Pferd am Geißler'schen Lokale zu holen. Während des Sattelns stand er an der Thüre und sah einen Mann sich ihm nähern; er hielt ihn an und revidirte ihn; er fand ein Paar Trommelstöcke bei ihm, und auf seine Frage, was er damit mache, erwiederte er: er habe seinem Sohne etwas vorgetrommelt, davon habe er sie noch in der Tasche. Auf dem Rückwege hörte er an dem Helligrath'schen Hause sagen: die Hunde sollen sterben; die Leute kamen auf die Straße, und er sah Gewehre auf sich anschlagen, Helligrath und Frau schrieen und riefen um Hülfe; sie rissen die angeschlagenen Gewehre zurück. Gleichzeitig sah er noch einige Köpfe aus den oberen Fenstern herausgucken. Er ließ einige Schreckschüsse geben und die Leute zogen sich zurück. Er ließ 2 oder 3 Mal nach dem Hause schießen. 114. Joh. Pet. Korff ist krank. Die Vertheidiger widersetzen sich der von dem öffentlichen Ministerium beantragten Verlesung seiner Aussage, indem das Gesetz nur von Entfernung und von Tod spreche. Hätte man früher darauf reflectirt, so hätte die Verhandlung der Sache ausgesetzt werden können. Der Assisenhof erläßt einen Beschluß, wonach die Verlesung nicht stattfinden soll. 115. Margaretha Schafhausen, Ehefrau des Gärtners Greis 43 Jahr alt, in der Pfannenschoppenstraße wohnhaft, war Haushälterin bei Korff, kann nicht sagen, ob Schmitz, Wüsthofen und Kolvenbach bei dem Tumult vor dem Korff'schen Hause gewesen; gesehen habe sie sie nicht, sie glaube sie an der Stimme erkannt zu haben. Korff habe früher gesagt, die Genannten seien es gewesen und so habe sie das bei dem Instruktionsrichter auch gesagt. Die Tumultuanten seien bloß bis an das Gitter vor dem Hause gekommen, an das Haus, das tiefer hinein liegt, seien sie nicht gelangt. Vertheiger Windscheid. Ob sie den Kleinfahlen am Morgen des 10. nicht mit ihrem Mann an ihr Haus habe kommen sehen? Zeugin weiß das nicht. — Verth. Bloem. Ob im Gartenhause des Korff nicht eine verdächtige Wirthschaft sei? Zeugin. Das sei in einer andern Straße und schließe an das Korff'sche Haus an. Die Wirthschaft müsse wohl verdächtig sein, da die Polizei so oft dahin komme.— Polizei-Inspektor v. Faldern darüber befragt, erklärt, es sei dort ein geheimes Bordell, dasselbe sei aber von dem Korff'schen Garten getrennt.(Fortsetzung folgt.)