Zeilage zum Lokal-Anzeiger 15. Jebruar 1931 2 Nr.7 Aschermittwoch /# Von Hedwig Brixius 0 Seele, denk’s! Einmal dein Boot fährt in den Hafen, der heißt: Tod. Der Tag verging. Es kam die Nacht O Boot, was ist dein’ Fracht? Da wird der frechste Mund so still Das kühnste Herz verzagen will. Unfaßbar— maßlos— schwer und weit Und grau— zerschnitten Raum und Zeit. Vorbei der Tag! Es kam die Nacht O Seel’, was hast du heimgebracht? Die Krone, König, gilt hier nicht! Dein Ruhmeskranz, o Tor, zerbricht! Und Geld und Gut zerrinnt wie Schneei Doch Schuld, sie wächst zum Riesen! Weh! Du hast nie fremdes Leid gestillt! Nie eine arme Hand gefüllt! Die Tuba dröhnt! Es öffnet sich Das Chaos!———„Felsen decket mich!“ O Seele, denk’s! Einmal dein Boot lfährt in den Hafen, der heißt: Tod Legenstage— Freudentage Gedanken zum Priesterweihetag und den bevorstehenden Primizfeiern „Die Priesterweihe ist das größte Gut, das ein Mensch erlangen kann.“ Goethe. Für das große Erzbistum Köln und die Ende August des letzten Jahres neuerrichtete Diözese Aachen sind in dieser Woche im Hochchor des Kölner Domes unter erhabenen Feierlichkeiten die Neupriester geweiht worden. Aus dem weiten Gebiet der beiden Diözesen waren sie herbeigeeilt, die vielen Angehörigen, zum Ehrentag des Sohnes und Bruders, des Freundes und Studienkameraden, und folgten mit Spannung und Andacht den feierlichen Zeremonien der Priesterweihe. Da sah man wetterharte Eifelbauern neben dem ernsten Industriearbeiter und Beamten der Großstädte, an denen der Kölner Kirchensprengel ja so reich ist, wie kein zweites Bistum auf Erden. Selfkant und Siegtal, Rhein und Ruhr hatten ihre Vertreter gesandt. Ja, das war ein Hochfest, ein„großer Tag“ für den ehrwürdigen Kölner Dom; denn so zahlreiche Weihekandidaten haben selten auf einmal vor ihrem Bischof gekniet und den Ritterschlag des Priestertums empfangen. Und inzwischen rüstet man in Dorf und Stadt zur Primiz. Das ist ja alte, schöne Sitte, daß der erste Segen des jungen Priesters der Heimat und den Heimatgenossen gilt. Mit Freude und berechtigtem Stolz blickt die ganze Pfarrei wie eine einzige große Familie auf ihren Neupriester. Wo immer noch Glaubensgeist und Kirchentreue, wo ehrlicher und offener Sinn sich von modernen Schlagworten nicht hat blenden lassen, da begegnet man auch in unseren Tagen dem Priester der katholischen Kirche mit Vertrauen und Gerechtigkeit. Da sind Priesterweihe= und Primiztage noch Segens= und Freudentage nicht nur für die beteiligten Familien, sondern für ganze Gemeinden, ja für ganze Gegenden. Freilich, es gibt auch solche, die dem katholischen Priestertum gegenüber anders eingestellt sind, bei denen Weihe= und Primiztage vielleicht ein spöttisches Lächeln, vielleicht sogar einen Wutausfall hervorrufen. Ein geistvoller und fruchtbarer Schriftsteller unserer Tage hat einmal gesagt.„Am katholischen Priestertum scheidet sich die Welt. Auf der einen Seite von unermeßlichem Vertrauen getragen, wird dieses Priestertum auf der anderen Seite von einer Hochflut des Hasses und der Verachtung verfolgt, und oft genug wechseln für das katholische Priestertum in kurzen Zeiträumen Schafott und Triumphbogen.“(R. Mäder.) Es gehört allerdings Glaubensgeist und übernatürliche Lebensauffassung dazu, den Priester zu werten als„Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.“(1. Kor. 4,.) So tut es der gläubige Katholik. Er weiß, daß Christus der Herr mit Berufung auf seine höchste unumschränkte Obergewalt über Himmel und Erde jeden Priester zum Boten des Heiles für die Welt gemacht: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe.“(Matth. 28, 18, 19.)— Der gläubige Katholik weiß, daß Christus alle Menschen zum Gehorsam gegen seine priesterlichen Diener verpflichtet:„Wer euch hört, hört mich, wer aber euch verachtet, verachtet mich.“ (Luk. 10, 16.) Des Priesters große, heilige Mission ist es, Gottes Wort in die Herzen der Gläubigen zu streuen. Wer kann den Segen ermessen, der von den Priestern als den gesalbten Predigern des Evangeliums ausgeht? So einfach und schlicht die Worte der Frohbotschaft erklingen mögen, sie allein heben die Schleier von so vielem, was den Menschen verborgen und dunkel ist und lösen die großen Lebensrätsel: Woher kommst du. o Rensch? Wohin geht deine Reise? Warum der Schmerz? Ratlos stehen die Wissenschaft und Weltweisheit vor diesen dunklen Fragen. Der Priester beantwortet sie sicher und restlos, freilich im Namen dessen, der gesprochen hat:„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wandelt nicht in Finsternis.“ Wie grundverschieden ist die katholische Auffassung vom Priestertum gegenüber der„Ansicht“, die die große Welt davon hat! Zwei Richtungen können wir unter der Gegnerschaft des katholischen Priestertums unterscheiden. Da ist zunächst der„vornehme“, versteckte Gegner: der Liberalismus aller Schattierungen. Er läßt den Priester als Menschenfreund gelten, der Herz und Verständnis hat für die Not des Volkes. Er läßt ihn auch allenfalls gelten als politisches Schutzmittel, weil er nämlich die Armen zur Geduld, die Arbeitslosen zur Hoffnung auf bessere Zeiten, die Untergebenen zur Ehrfurcht vor der Autorität ermahnt und so— wozu der Liberalismus nie imstande ist— die Revolutionen verhindert oder wenigstens aufhält. Im übrigen sieht er ihn nicht gern in seinen Häusern und ärgert sich über seinen Einfluß in der Oeffentlichkeit. Ja, er ist sogar verdrossen und verärgert, wenn er aus Priestermund das Wort „Sünde“, oder„Buße“ oder„Opfergeist“ hört. Viel heftiger und unerbittlicher ist der andere, offene Gegner des katholischen Priestertums: der ungläubige und irrgläubige Radikalismus. Seine Losung lautet: Kampf bis auf den Tod dem katholischen Priester! Schon der bloße Anblick des Priestergewandes kann ihn in unsinnige Wut bringen. Jedes Mittel ist ihm recht, den Priesterstand und seine Träger in den Augen des Volkes verächtlich zu machen. Vor einigen Jahren brachte ein radikales Provinzblatt, ausgerechner zu einem Primiztage, in großer Aufmachung eine lange Liste von Priesterskandalen der letzten Jahre heraus. Da merkten selbst der laue Katholik und der wohlmeinende Andersgläubige denn doch zu sehr die Absicht. Gewiß, es ist eine traurige, von uns bitter beklagte und nicht verleugnete Tatsache: Es kommen Priesterskandale vor. In jedem Stande gibt es Entartete und Entgleiste. Es gibt keinen Stand, der nicht sein Sodoma und Gomorrha hätte. Auch der hochwürdige Stand hat seine nichtswürdigen Judasse. Aber was bedeutet denn das? Ist deshalb die Sonne dunkel und ihr Licht wertlos, weil Flecken in der Sonne sind? Es ist immer verfehlt, einen ganzen Stand zu verurteilen, wenn einzelne Glieder desselben sich unwürdig zeigen. Man darf nicht verallgemeinern. Jeder andere Stand würde sich das mit Recht verbitten. Nur der Priesterstand soll vogelfrei sein. Es gibt unter den Priestern Personen häßlicher Art; doch sie sind Ausnahmen. Ihnen gegenüber steht die große Zahl der Priester, die treu an ihren Plätzen steht und treu zum Volke hält, gute, gottbegeisterte, berufsfreudige Priester, wie sie zum Segen der Menschheit aus den Mutterhänden der Kirche hervorgehen; Priester, die ihr bestes Wissen und Können, ihr edelstes Streben und Wollen, ihr Privatvermögen und selbst ihr Leben in den Dienst der leidenden Menschheit stellen.— Uebrigens hat Gott etwas Wunderbares getan; und das sei allen Gutgesinnten zum Trost gesagt: Die Würdigkeit oder Unwürdigkeit eines Priesters hat mit der Gültigkeit seiner priesterlichen Handlungen nichts zu schaffen. Auch ein schlechter Priester absolviert und konsekriert gültig. Das Samenkorn ist dasselbe, ob nun ein Heiliger oder ein Schurke es in den Boden steckt(Mäder). Glück auf, hochwürdige Neupriester, glückliche Primizianten, die ihr am letzten Donnerstag aus der geweihten Hand eures Bischofs die Weihe zum Priester empfangen habt! Wenn ihr in diesen Tagen erstmalig an den Altar tretet, um das Opfer des Neuen Bundes zu feiern, dann mögen die Wandlungsglöcklein den Opfersegen hinaustragen über Dorf und Stadt, über Vaterhaus und Heimat, und jedes Herz soll es fühlen mit schnellerem Schlage, welch' ein Glück es ist, katholisch zu sein. dein Wille geschehe Von I. Adams „Wenn ich ehrlich sein soll, Georg, du gefällst mir in der letzten Zeit nicht recht. Sag, fühlst du dich eigentlich nicht wohl?" Besorgt legte der Freund ihm die Hand auf die Schulter. Doch der andere schüttelte sie unwillig ab. „Ach. laßt mich in Ruhe, ihr mit eurem dummen Geschwätz!“ meinte Georg ärgerlich. „Du bist nicht der einzige, der mich mit besorgten Fragen quält. Als ob der Mensch nicht mal schlecht aussehen dürfe, ohne daß man gleich Mord und Zeter schreit! Allerdings fühle ich mich nicht recht wohl, weißt du, so ein Flimmern vor den Augen und hier und da ein leichter Schwindel. Aber das macht Christus vor Pilatus Das Provinzialmuseum zu Hannover hat sich kürzlich zur Veräußerung seiner Münzsammlung entschlossen, um die Mittel für die Erwerbung des Bertram=Altars aufzubringen, der bei einer Londoner Versteigerung aufgetaucht ist. Damit wird ein kostbares Dokument altdeutscher Kunst für Deutschlano zurückgemonsich ja alles wieder, deshalb braucht man doch nicht gleich ans Schlimmste zu denken.. Diese und ähnliche Unterhaltungen hatte Georg Baumann in letzter Zeit häufig gehabt. Immer wieder ärgerte er sich darüber, was wollten die andern denn nur? Er, Georg, hatte wirklich an Besseres zu denken, als an Krankheiten, Daheimhocken und Ausgeschaltetsein. Georg saß an seinem Schreibtisch und arbertete, doch heute ging es nicht recht voran. Immer wieder las er den Geschäftsbrief, ohne daß ihm wie sonst gleich die richtige Antwort eingefallen wäre. Dieser abscheuliche Druck auf dem Kopf, und da meldeten sich auch die Stiche in der Seite wieder. Unruhig stand Georg auf und machte ein paar Schritte in seinem vornehm eingerichteten Herrenzimmer. Doch das körperliche Unbehagen wollte nicht weichen. Und dabei war er doch ein Mann in den sogenannten besten Jahren. Ein Blick in den Spiegel überzeugte ihn von seinem schlechten Aussehen. „Wenn man doch mal zum Arzt ginge... Sinnend nahm Georg seine Zimmerwanderung wieder auf. Er und krank— lächerlicher Gedanke! Er, der mitten im Geschäfts= und Gesellschaftsleben steht! Dem das Dasein bisher nur seine schönen Seiten gezeigt hat! ... Dennoch, eine Stunde später stand er vor dem alten Hausarzt der Familie. Besser ist besser und man kann nie wissen! Der Arzt nahm eine genaue Untersuchung vor. „Sie prüfen einen ja auf Herz und Nieren!“ lachte Georg etwas gezwungen,„eine kleine Indisposition, nicht wahr Herr Doktor?“ „Bitte, noch einen Augenblick“. bat der Arzt und untersuchte weiter.„Sie fühlen sich wohl schon länger nicht wohl, Herr Baumann?“ erkundigte er sich, eine Frage, die Georg bejahen mußte. „Irgendeine Lappalie, Doktorchen“— Georg versuchte zu scherzen—„die wird wohl bald behoben sein, wenn Sie mir mal irgendeins Ihrer Medikamentchen verschrieben haben“. „Lieber Herr Baumann, hier ist mit einer einfachen Medizin nicht geholfen. Was Sie brauchen, ist völlige Ruhe und Ausspannung. Ihr Herz ist angegriffen, und Sie wissen doch, mit so einem Herzen ist nun einmal nicht zu spaßen.“ Seltsam stach der Ton des Arztes ab gegen Georgs gewollte Lustigkeit. Das machte den stutzig. Aber es ist doch nichts Ernstliches. Herr Doktor. wo ich doch sonst immer gesund gewesen bin.“ „Mit dem Herzen ist eben nicht zu spaßen“. nochmals wiederholte es der Arzt. Sein Tonfall hatte so etwas Merkwürdiges, so daß es Georg mit einem Male schwer ums Herz ward. „Ja, was soll ich denn aber tun, Herr Doktor?“ „Ausspannen. mein Lieber, uno zwar ganz gründlich. Vielleicht eine Kur in einem Sanatorium oder auch in einer Privatpension im Schwarzwald. Jedenfalls Ruhe. viel liegen, keine Aufregungen. Sie müssen sich eben schonen, Herr Baumann, unbedingt, denn sonst...“ Unvollendete Sätze haben so etwas Beunruhigendes. Wenigstens fand das Georg. Und so wundert es uns auch nicht, daß wir ahn kaum eine Woche später im Schwarzwald, in einer der vielen entzückenden Walderholungsstätten wiederfinden. Hier hat schon so mancher im würzigen Tannenduft der dunklen Wälder seine Gesundheit wiedergefunden. Das war ein jäher Wechsel. Herausgerissen aus allen geschäftlichen Beziehungen und dem geräuschvollen Gesellschaftsleben der Großstadt fand sich Georg mit einem Male in diese Waldeinsamkeit versetzt. Nun lag er stundenlang auf einem offenen Balkon, mit dem Blick über die grünwogenden Tannenwipfel. In der Ferne die feingestrichelten Linien des in blau=grauem Dunste verschwimmenden Gebirges. Es war an einem köstlichen Sommerabend. Den kurzen Spaziergang, den ihm der Arzt gestattet, hatte Georg heute noch etwas ausgedehnt. Es gab da so eine wundervolle einsame Bank, etwas abseits, von der überschaute man den Weg, ohne doch selbst gesehen zu werden. Da sah er auf dem Wege zwei Herren aus seiner Pension heranschlendern. Eben wollte er sie anrufen, da hörte er seinen Namen nennen. Unwillkürlich lauschte er. „Wissen Sie, mit dem Georg Baumann möchte ich auch nicht tauschen...“ meinte der eine. „Warum denn nicht?“ erkundigte sich der andere. „Nun, er soll doch einen schweren Herzfehler haben. Ich habe darüber reden gehört. So etwas kann jeden Augenblick zu Ende gehen, soll der Arzt gesagt haben. Ich jedenfalls möchte nicht in seiner Haut stecken!“ Lange schon waren die Herren hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden, aber noch immer klang es Georg ins Ohr:„So etwas kann jeden Augenblick zu Ende gehen!“ Zu Ende.— Wogende Tannenwälder, leuchtende Seen, schimmernder Sonnenuntergang: dies alles würde er nun bald nicht mehr sehen. Dann war sie für ihn„zu Ende“. diese Welt mit all ihren Herrlichkeiten! Dann war es „aus“... Georg fröstelte. Wie bitter klang dieses Wort, wie hoffnungslos.— Vorbei die Vergnügungen, vorbei Arbeit und köstliche Anspannungen! Vielleicht mußte * Der Sonntag er dies alles in der nächsten Stunde schon verlassen. Georg war aufgesprungen. Weit geöffnet starrten seine Augen in die Märchenwelt des abendlichen Schwarzwaldes. Doch keine der vielgepriesenen Schönheiten sah er. Aber was gehörte ihm denn eigentlich noch? Sein Blick fiel auf seine beiden Hände— sie waren leer... Mit einer hoffnungslosen Gebärde ließ er sie müde herabsinken. Nichts besaß er mehr, was er mit diesen Händen festhalten konnte, jetzt, wo das Leben ihm zu entgleiten drohte! Schweigend wanderte Georg heim. Dann kam die Nacht. Schlaflos lag Georg und blickte durch das weitgeöffnete Fenster in das tiefe Schweigen. Dann trat er auf den Balkon. Doch seltsam— sein erster Blick, der sonst immer der Schönheit dieser Erde gegolten, heute schweifte er zuerst zum funkelnden Sternenhimmel empor. Plötzlich brach es, wie aus längst verschütteten Quellen, aus seinem Innern hervor: Kindheitserinnerungen wurden wach. Hatte es nicht einmal einen blondlockigen Knaben gegeben? Hatte nicht eine liebende Mutter einst seine tleinen Hände zum Gebet gefügt? Unwillkürlich falteten sich seine Hände:„Vater unser, der Du bist in dem Himmel...“ Dann reihte sich Bitte an Bitte. bis er an die Worte kam:„Dein Wille geschehe!“ Da stutzte er. Noch einmal wiederholt er:„Dein Wille geschehe!“ Und das war von allen Erdenworten, die er je in seinem Leben gebraucht hatte, das eine, einzige, das ihm in dieser Stunde half. Das war das Trost gewährte. „Dein Wille geschehe!“ Welch eine beseligende Beruhigung ging von diesem Gotteswort aus. Alle Qual der letzten Stunden, seitdem er ahnnungslos sein Todesurteil vernommen, versank vor der beglückenden Gewißheit, daß alles auf dieser Welt Wille und Werk einer höheren Macht sei, wunderbar eingefügt ins große Weltgeschehen. Auch das kleine Schicksal eines Menschen, der Georg Baumann hieß. Das war eine lange Nacht, die der einsame Mann durchwachte. Doch als die Morgensonne in strahlender Klarheit hinter den Schwarzwaldbergen emporflammte, da war es auch licht und klar in Georgs Seele geworden. Da wußte er mit einem Male, welchen Weg er zu gehen hatte. Ein paar Stunden später kniete er im dämmernden Licht einer schlichten Dorfkirche, und ein alter Mann, den das Leben verstehend und gütig gemacht, lauschte den Bekenntnissen eines Weltkindes, die mit dem einen bedeutungsvollen Worte schlossen:„Herr, Dein Wille geschehe.“ * Mit dem Menschenherzen aber ist es ein eigen Ding: das ist gar zäh und erträgt vieles! Was keiner geglaubt hätte, Georg selbst vielleicht am wenigsten, das geschah: er wurde wieder gesund und das Leben lag neugeschenkt vor ihm. Ueber dies neugeschenkte Leben aber setzte Georgs Dankbarkeit als Motto in leuchtenden Lettern:„Herr, Dein Wille geschehe!“ dort war auch der Schall des Schusses gePlötzlich bemerkte der Jäger eine Gestalt. Halt!“ schrie er. Aber schon knallte der Schuß und die Kugel riß ihm den Hut vom Kopf. Eine dunkle Gestalt huschte durch die Tannen bergauf. Der Jäger hielt hin, zielte und drückte ab. Die Gestalt blieb liegen, bevor sich noch der Rauch verzogen hatte. Kogler eilte hin. Vor ihm lag der Zuchthäusler!“ Verfluchter Jäger!“ war sein letztes Das Häuschen des Zuchthäuslers, der das Wildern nicht lassen und die Jäger nicht leiden konnte, wurde zum Armenhaus bestimmt. Die alte Gickelkati zog hinein und besorgte das Hauswesen für einen Bettelmann, der in die Gemeinde gehörte. Wenn man von Schwarzenbach im Paltental nach dem Bösensteig zu wandert, sieht man im Wald das Kreuz, das man dem Zuchthäusler gesetzt hat. Auf ihm steht: Hier wurde der Wilderer Karl Ettmeier erschossen. Im Jahre 1890 am 22. August. O Wanderer, geh' nicht vorbei, Und bet' der Vaterunser drei. Vielleicht tut Ruh' er finden. Bist du ganz rein von Sünden? Ein Baum stirbt„ Skizze von Franz Brahn Der Wilderer„ Eine Geschichte aus dem Paltental in Steiermark Von Karl Eschler „Also!“ hatte der Gemeindevorsteher Jobel gesagt und dabei auf den Tisch geschlagen. „Morgen kommt der Karl Ettmeier nach Verbüßung seiner zehnjährigen Zuchthausstrafe wieder heim. Ich möcht' bitten, daß dem Mann nix in den Weg gelegt wird. Er hat seine Straf' verbüßt, zieht wiederum in sein Häusel, und dann werden wir schon sehen, was kommt!". Das war aber so eine Sache mit dem Karl Ettmeier. Der hatte vor zehn und einem halben Jahre nachts, als er vom Wildern kam, seine Frau erwischt, wie sie mit dem Jäger im Hausflur stand. Und der Jäger war gar nicht wegen der Frau gekommen, sondern wegen des Wilderers Karl Ettmeier, den er verhaften wollte. Der Wilderer aber hatte oben in den Bergen keinen Schuß getan. Sonst wäre die Sache besser verlaufen. So aber schoß er den einen Lauf seiner Doppelflinte auf den Jäger ab und den zweiten auf seine Frau, weil er eben dumm war, der Karl Ettmeier. Zehn Jahre sind lang, oder auch kurz, wie man es nimmt. Aber sie waren eben um, und die Zuchthausverwaltung hatte geschrieben, daß der Ettmeier wieder nach Hause wolle und daß er sich gut geführt habe. Man solle ihm keine Schwierigkeiten machen. Es seien schon viel schlimmere Leut' im Zuchthaus gewesen als der harmlose Mensch. Da war die alte Gickelkati im Dorf. Als die hörte, daß der Karl Ettmeier komme, lief sie zum Gemeindevorsteher und bat um den Schlüssel zum Häuserl des Heimkehrers. Sie müsse doch ein wenig Ordnung schaffen, wo sie ihn doch kenne seit jeher und seine Frau gekannt habe. Der Gemeindevorsteher hatte nichts dagegen einzuwenden. Die alte Gickel stieg hoch zur Keusche des Zuchthäuslers, bewaffnet mit einem Besen, einem Eimer und Seife. Aber umsonst wartete das ganze Dorf auf den Zuchthäusler Karl den ganzen Tag. Er kam nicht. Und sie alle meinten schon, daß er überhaupt nicht käme. Nachts blickte der Gemeindevorsteher Jobel zur Hütte des Wilderers empor. Und er sah Licht aus den Fenstern leuchten. Rasch nohm er seinen Bergstock und stieg hoch. Ringsumher duftete das Heu auf den Wiesen. Aus den Ställen hörte der Jobel das Vieh brüllen. Weit draußen an den Bergen rollte ein Zug vorbei. Von einer Waldwiese in den Bergen bellte ein Rehbock. „Na, Karl, bist du da?“ Mit diesen Worten überschritt der Gemeindevorsteher die Schwelle des Hauses. Ein verhutzeltes Männchen näherte sich. Kaum zu erkennen war der Karl Ettmeier. „Und a Geld hab' ich auch!“ rief der Karl und warf Silbergulden auf den Tisch. „Du mußt aber fein was arbeiten!“ sagte der Gemeindevorsteher.„Wir haben vierzig Ziegen im Ort, die treibst auf die Alm alle Tage und kriegst deinen Lohn.“ „Mach ich schon!“ lachte der Karl und rieb sich die Hände.„Mach ich ganz gewiß und gut. Und morgen meld' ich mich beizeiten. Jetzt aber geh' ich ins Bett!“ Und er warf sich angekleidet auf das Lager, das ihm die Kati so schön zurecht gemacht hatte. Weiß überzogen und ein heilsames Kräutlein unter den Kopfpolster. Drei Tage hütete der Zuchthäusler Karl die Ziegen. Eines Abends kamen sie allein ins Dorf. Gegen 11 Uhr nachts hörte der Jäger Kogler im Gebirg oben einen Schuß. Er holte sein Gewehr und stieg dorthin, wo er wußte, daß Rehe standen, zwei Böcke darunter. Von Zwei Holzknechte stapfen im tiefen Schnee bergan. Es ist kalt; ihr Atem zieht ihnen als weißer Nebel voraus. Nun sind sie am Waldrand angelangt, werfen ihre Rücksäcke zu Boden, die Aexte dazu, bringen die Säge in Ordnung. Schade um den schönen Baum“, sagt der eine und deutet auf den riesigen Eichenstamm, neben dem sie stehen.„Stundenweit sieht man ihn— mir kommt vor, als wäre die ganze Gegend verschandelt, wenn er niedergelegt ist!“ Der andere spuckt in den Schnee und stopft sich seine Pfeife.„Quatsch! Sind noch Bäume genug da. Und der Bauer braucht Geld!“ Dagegen läßt sich nichts sagen. Die beiden scharren mit den Füßen den Schnee um den Stamm weg, dann wirft jeder einen alten Salzsack auf den Boden. Nun die Säge zur Hand. „Wird eine verdammte Arbeit werden! Anderthalb Meter schätz' ich, ist der Kerl dick!“ Sein Kamerad zieht an der Pfeife. Nun knien sie beide; nun fährt die Säge mit scharfen Zähnen in die Rinde und beißt sich fest. Durch den Baumriesen scheint ein leichtes Zittern zu gehen; Schnee fällt wie feines Pulver von den Aesten und kahlen Zweigen. Eine Krähe, die ihm Gipfel sitzt, streicht scheltend ab; tiefer im Wald krächzt mißgelaunt ein Häher. In den Tannen singt leise der Wind. Die Säge knirscht, frißt sich tiefer. Fühlt es der Baum, daß es nun zu Ende geht? Hundert Jahre und mehr stand er hier und sah hinaus ins weite Tal. Hundertmal hat er sich im Frühling frisch belaubt, hundertmal hat er den leuchtenden Sommer gesehen und den bunten Herbst, hundertmal das weiße Schweigen des Winters verträumt. Die Stürme haben in seiner Krone gewühlt, sind gegen ihn angesprungen, wie machtvolle wilde Tiere, das helle Licht hat ihn warm und golden eingehüllt, im kühlen Regen stand der Durstige erquickt, der Schnee lag schwer auf seinen Aesten und Zweigen. Auch— es war so schön! Schön. wenn die dunkelgrünen Blätter leis im Winde zitterten und das Sonnengold an ihnen niederrann. Schön im brausenden Sturm, der die Kraft stählte, schön im weißen Schweigen, das so voll war von Erinnerungen und Träumen. Wie viel Leben war stets um ihn und in Deine Augen## Von Werner Rudloff Deine Augen sind wie Sterne, Wie die Sterne rein und mild Und es leuchtet aus der Ferne Immer mir dein süßes Bild Leuchtet mir auf allen Wegen In der Welt verworr’nem Streit, Und ich fühle deinen Segen. Deine Liebe jederzeit Wo ich steh’ und wo ich gehe, Leitet mich dein Augenpaar. Und aus allem, was ich sche, Leuchtest du mir immerdarl ihm gewesen! Tausende von fröhlichen Vögeln waren seine Gäste; viele, viele nisteten in seinem Gezweig. Die Krähen saßen gerne hoch oben in der Krone und schauten hinaus ins Tal und schwätzten possierliches Zeug. Der Häher, der bunte Geck mit seiner häßlichen Stimme, lebte von den Früchten des Baumes und war immer da, als Wächter gleichsam für die Tiere des Waldes. Oben in einer der Gabelungen hausten seit Jahrzehnten braune Eichkater. vergnügliche Gesellen, die immer lustige Einfälle hatten und nur den einen Fehler, daß sie gerne die Nester ausnahmen, die sich die kleinen Vögel im Gezweig gebaut hatten. Eine drollige Gesellschaft, an der man vielen Spaß haben konnte. Unter dem Wurzelstock aber wohnte Reinecke, der rote, der Waldpolizist, der das Revier von krankem— manchmal freilich auch von gesundem Getier säuberte. Das war ein geriebener Bursch, und seine Jungen waren so ungeheuer lustig, wenn sie das erstemal ins Licht purzelten. Auf der anderen Seite der Dachs— das war ein weniger freundlicher Geselle; immer mißmutig und verdrossen— die alte Eiche hatte gar nichts dagegen, als er fortzog und seine Wohnung den Hamstern überließ. Das waren wohl Geizhälse und Vielfresser, wenig beliebt bei anderen Tieren. aber es waren ruhige Mieter, die nicht störten. Die Säge knirscht. Die beiden Holzknechte machen einen Augenblick halt und wischen sich den Schweiß von der Stirne. Auch ja: nun sind sie bei den Hungerjahren— das ist hartes Holz! Und harte Jahre waren es, sehr harte Jahre! Kein Tropfen Regen den ganzen Frühling und Sommer über: zum Verschmachten war es. Die kleinen Saugwurzeln vermochten nicht eine Spur von Feuchtigkeit: mehr im harten Boden zu finden, und im Juli schon fielen die Blätter ab wie sonst im Herbst. Harte Jahre! Und dann kamen wieder andere, da gab es wohl Feuchtigkeit genug, aber im Mai erschienen ganze Armeen brauner. gefräßiger Käfer, und fraßen die frischen Blätter ab, daß der Baum im Juni aussah, wie sonst im Winter und sich kaum zu erholen vermochte. Hungerjahre— böse Jahre! Aber der guten waren doch mehr gewesen, und dafür mußte man dankbar sein— es ging einem schließlich doch immer noch besser als den Tannen, die wiederholt fast völlig ausgestorben waren. Ein kleiner, grauer Falter hatte sie getötet. Aber sie wuchsen rasch, die Tannen — es war jetzt schon die dritte Generation, die er betreute. Denn das tat er: er war es, der den Sturm mit starken Armen auffing, wenn er gegen die Tannen losfahren wollte— ohne ihn wären sie alle umgelegt worden! Sie waren auch dankbar, die Tannen, und immer freundlich, trotz ihrer düsteren Feierlichkeit, wenn man in stillen Nächten mit ihnen plauderte. Die Säge knirscht— nun geht es dem alten Riesen an das Mark. Da ruhen die alten Erinnerungen an die fernferne Zeit, da man noch ein ganz winziges Bäumchen war, kaum ein paar Spannen hoch! Mehr Eichen standen damals auf dieser Anhöhe, Riesen, deren Laubwerk im Sommer kaum einen Sonnenstrahl zu dem kleinen Bäumchen gelangen Schnee Erzählung von Laurenz Kiesgen Der (Schluß.) III. rühling wollte und wollte nicht kommen. So einen Winter wie 189. hatte die auch sonst nicht verwöhnte Eifel seit Menschengedenken nicht mehr erlebt. Im März schneite es. daß es zum Erbarmen war. Wenn laueres Wehn vom Süden her Tauwetter brachte, dann stemmte sich bald die Kälte mit ungebeugter Kraft dagegen. Die Menschen hatten übergenug mit sich selbst und ihrer Not zu tun. An den Böcker dachte man nicht mehr. Nur die Sus wurde ihre Angst nicht los, und manche stille Messe ließ sie für den Vermißten Sie durchlebte eine wunderliche Zeit. Immer war ihr, als müsse der Mann eines Tages wiederkommen, als müßte ein Ungeheures, Ungeahntes sich ereignen, es müsse für ne ein ganz neues Leben beginnen...“ Und immer so allein sein mit seinen schweren, schuldbedrückten Gedanken! Endlich schien der Tauwind Meister zu werden. Seine Stöße wurden machtvoller, anhaltender. Die Barriere von Eis, die das Häuschen wie ein Zapfenbart bis tief in die Straße umgab, brach in einer Nacht vor dem heftigen dunklen Wind klirrend zusammen. Sus erwachte von dem Prall, hörte den schwellenden Gesang des Frühlingswindes und das Tropfen des warmen Regens. Gottlob, der Winter scheidet! Unruhe gärte in ihrem Blut, Frühling, neues Geschehen nahte; was wird werden?... Erst gegen Morgen schlief sie wieder ein. Da rief es schreiend in ihren Halbtraum: „Frau Böcker!— Böckersch!— Sus!— Vor eurem Haus!— Vor eurer Tür!— Marju! — Im Schnee!— Marju!— Es bedurfte nicht des langgezogenen Entsetzens in„Marju!“, um Sus aufzujagen, sie wußte gleich, was war. Im Zittern ihrer Hände war gleichwohl eine kalte Gelassenheit, das Geläuf draußen aus den nächsten Häusern sagte ihr, daß das Rätsel der Wintermonate im ersten Frühjahrshauch entwirrt war: aber als sie schneebleich an die Tür trat, griff es sie doch mit spitzem Entsetzen am Herzen: er lag gerade vor dem r, wie abgeglitten, die Faust geballt! lnd als sie, wie er umgewandt wurde, in seine grau zerfallenen Züge sah, da umfing sie die Ohnmacht. Das Dorf war wie ein aufgestörter Immenschwarm. Er war schon eingesargt, als Sus recht zur Besinnung kam. Sie wollte ihn nicht mehr sehen. Es war ihr zu graulich... Sie hatte seinen letzten Blick aufgefangen, damals... Es war kein Phantom gewesen, es war grauenhafte Wahrheit! Aber kein Wort darüber kam ihr auf die Lippen. Er war tot; er war schon begraben, ehe er auf den Gomperfelder Friedhof kam. —— Schnee. Er fällt über dich, plötzlich und ungerufen; kann sein, du wirst von ihm überschüttet und begraben. Und auch mit den Schicksalsschlägen geht das so. Und mit dem, was die Welt„Glück“ nennt. Die junge Witwe, deren blasse Wangen langsam wieder Farbe bekamen, wie sich die Natur draußen aus dem Totenweiß zu Leben und Farbe langsam wieder bekannte, grübelte viel über Schein und Sein, über Gedanke und Tat. Aber immer war das Schlußergebnis: „Ich bin nicht schuldig! Gotteswille; ich darf mich noch in der Sonne sehen lassen!“ * Und es war, als wenn überreich die Sonne ihr noch scheinen müsse. Die tragische Geschichte, daß der müde Heimkehrer, im Begriff, über die Schwelle seines Hauses zu treten. noch in der tückischen Schneewelle ertrinkt, erregte ungeheures Aufsehen. Sie erregte die Teilnahme der Welt, die damals noch gern in die Tasche griff, zumal, wenn die Angelegenheit in der Zeitung mit geschickter Aufmachung den Spendern öffentliche Ehrung brachte.— Sus hatte sich um nichts bekümmert, wußte von nichts. Eines Tages stand der Bürgermeister vor ihr, mit schalkhafter Würde:„Susi, wenn du nun noch auf dein alt Täg ein reich Frau würdest? Hm.“ Sie sah ihn an, halb beängstigt. Scherzte er? Sie eine reiche Frau? Hatten nicht schon die Brüder Böcker, weil der Ehe keine Nachkommenschaft geworden war, in bestimmtester Form auf Haus und Aecker Anspruch erhoben, und mußte sie nicht heut oder morgen aus dem Haus?— Diese Gedanken bewegten ihr Gemüt, und sie wurde kaum klug aus dem, was der Bürgermeister da sprach von „Sammlung" und„bedeutender Höhe der Spenden"; und erst als er lachend mit dem Finger drohte und sagte:„Aber den schwarzen Girret, den Luftikus, heiratst du mir nit!“ Wahrhaftig, es war so. Sus wurde so reich, daß Verwandte in Trier, die sie sonst nur von oben herab angesehen hatten, sie freundlich einluden, das unglückliche Gomperfeld, in dem nur traurige Erinnerungen für sie wären, mit der schönen Stadt zu vertauschen. Sie sei noch jung und müsse erst mal das Leben kennen lernen. Und von jetzt ab ist das Leben der Witwe Sus, die nicht nur„dat schien“, sondern auch „dat reich“ Sus geworden ist, nur noch eine Komödie, wert, daß sie bald ausgespielt war. Denn man konnte noch verstehen, daß sie nunmehr dem schwarzen Girret, der plötzlich an seinem Posten im Wald keinen Spaß mehr hatte und den Beruf eines Kneipwirtes in sich entdeckte, bei seinem stürmischen Werben nachgab; so war sie quälender Gedanken und peinigender Einsamkeit ledig und sagte trotzig „Ja!“ zu dem Spiel der Gefühle, das sie am Unglückstag verwirrt hatte. Aber daß sie ihn frei mit dem ganzen Sammelfonds— man sprach von sechzigtausend Mark!— schalten ließ, das war Blindheit und gänzlicher Abfall von der Erziehung, die ihr erster Mann ihr hatte angedeihen lassen. So kam es denn sehr rasch, wie es kommen mußte.— Das arme Gomperfeld, wo man die Sus seit dem ungeheuerlichen, unbegreiflichen Geldsegen wie eine goldbehangene Märchenprinzessin im Gedächtnis hatte, erlebte aber noch einmal ein neues Wunder mit der Böckersch, deren Schicksal das kleine Nest weithin bekannt und berühmt gemacht hatte. Das war jener Tag, als sie gar armselig und deierlich von Trier wiederkam und mit zwei schmächtigen Kinderchen, abermals Witwe, ihren Einzug hielt. Der Goldglanz war gründlich abgestreift, den hatte der Girret die Gurgel hinabgewaschen und sonst mit allerlei unsauberen Geschichten verwischt; ein Glück, daß der Bürgermeister noch einen kargen Rest des Segens festgemacht hatte, ehe der Girret infolge„schweren Lebenswandels" abfahren mußte. Der Bürgermeister, der nun mal eine Schwäche für Susi hatte, riet ihr auch, das teure Trierer Pflaster gegen die gewohnte einfache Straße in Gomperfeld zu vertauschen; eine geschickte Schneiderin käm' da immer noch ganz gut fort.„Ja, Susi“, sagte er,„das Geld schüttete ja damals herein wie ein plötzliches Schneewetter, aber es ist auch richtig schnell geschmolzen wie Schnee.“ Sus sagte nicht viel. Sie wußte besser, warum eine höhere Gerechtigkeit Sühne auflegte. Und sie trug sie ohne Zagen. Wir sind für alles verantwortlich, auch für jeden Gedanken; denn aus Gedanken wächst die Tat. Der Grabstein auf dem schönsten Grab des Gomperfelder Kirchhofs, vor dem alle Fremden mit leisem Schauder stehn, trägt folgende Inschrift: Am.... November 189... wurde Karl Böcker, Schneidermeister, von einer Reise heimkehrend, vor seinem Hause von Müdigkeit überfallen und fand sein Grab im Schnee. R. I. P. Dämonische Teufelsmaske aus Elzach im Schwarzwald Die Geschichte dieser Maske läßt sich durch 500 Jahre zurückverfolgen. Der Sonntag ließen. Trotzdem: man wuchs in die Höhe; man setzte einen Jahresring an den anderen. Dann wurde es plötzlich hell: die Riesen wurden gefällt. Aber nun hatte das Bäumchen nicht nur Sonne, sondern auch den Sturm Man mußte schon fest im Boden stehen, mußte sich mit allen Wurzeln anklammern, immer tiefer in das Gestein eindringen, aber man wurde zäh und stark und groß dabei und reckte sich, aller Kräfte voll, immer stolzer in den Himmel— wie rasch das ging! Wenn man es recht bedachte, so waren die hundert und mehr Jahre vergangen wie ebensoviel Tage! Und nun war es zu Ende! Vorüber Sonnenschein und Stürme. Vorüber träumendes Schweigen und Geplauder mit den feierlichstillen Nachbarn. Die Vögel werden sich andere Wohnungen suchen, die Krähen sich an derswo versammeln. Die Häher anderswo ihre Warnungsrufe krächzen. Der Eichkater — er schlief ja jetzt wohl in seinem warmen Nest— mußte sich ein anderes Quartier suchen — Fuchs und Hamster: die konnten vor der Hand noch bleiben. Aber man würde die kleinen Füchslein im nächsten Frühjahr nicht mehr spielen sehen— ach: es war doch recht traurig! Die Säge hört auf zu knirschen. Der eine von den Holzknechten erhebt sich, geht um den Baumriesen und betrachtet sich den Fortschritt der Arbeit. Dann nehmen die beiden die Säge aus dem Stamm und greifen zu den Aerten. „Krach“, fährt das Eisen in den Stamm. Rinde und Holz splittern ab, Schlag auf Schlag geht dem Baum ins Leben. Ein Keil wird in die Wunde getrieben, die ihm die Säge riß— immer geringer wird der Halt, den der riesige Stamm noch hat. Dann ein letzter Schlag— die Knechte springen zur Seite— langsam— ächzend— schwer neigt sich der königliche Riese. Es ist, als wollten seine Aeste noch nach einem Halt in den dunklen Tannen greifen, aber es ist zu spät. Sie greifen in die Luft und krachend stürzt die Eichen zu Boden, im Falle noch ein paar Stämmchen ihres eigenen Geschlechtes knickend. Die Tannen erschauern und schütteln zitternd die Schneelast ab, die auf ihnen liegt. Nun sind sie schutzlos den Stürmen preisgegeben... Auf die Seite legt sich der Riese— zittert noch ein letztes Mal— stirbt. Ein braunes Eichhörnchen flieht mit großen Sprüngen in den Wald. Ein König ist tot... scheint bei jedem kultfähigen Volk ihre Zeit gehabt zu haben. Die Erhaltung der alemannischen Fastnacht um den Schwarzwald herum läßt darauf raten, daß sich dort dank einer abgeschiedenen Lage in schwer zugänglichen Tä lern, an denen wohl der große Nord=Südverkehr der Rheinstraße sozusagen vorn vorbeiführte, die aber niemand näher kennenzulernen Lust hatte, denn es war dort nichts zu holen: ich sage, diese abgetrennte, ungestörte, lange sich selbst überlassene Lage in einem waldigen Hochgebiet scheint wie nirgends sonst urtümlich wahrscheinlich keltische Gewohnheiten und Formen erhalten zu haben. Die Alpengegenden wurden viel früher erschlossen, weil durch sie internationale Paßwege und Durchmarschrouten für die wirtschaftliche Entwicklung und politische Machtinteressen führten. Die Wege durch den Schwarzwald führten nirgends hin. und das ist bis heute so geblieben; sie führen durch und in den Schwarzwald und damit gut. Wer mehr will, und er will trotzdem nicht aus dem Land, dem stehen alle Quellwege in die Tiefe der Vorzeit frei. und will er noch etwas tun, so gibt es für ihn die Wege, die Ludwig Thoma und Johann Peter Hebel gegangen sind. Auch ich selber bekenne mich zu dieser eigentümlichen Lebenslage. Wer Hebels Gedichte und Geschichten kennt, der weiß, wieviel Heidentum auch darin steckt. Was dort geistige Sublimierung ist, davon ist die Fastnacht volkshafter Originalausdruck. Die urtümliche Zauber= und rituelle Tanzmaske soll schrecken, bannen, verzaubern. Von dieser Bestimmung hat auch die alemannische Larve noch etwas erhalten im Brauch des„Intrigierens“. An den Fastnachtstagen spaltet sich die Bevölkerung mittels komplizierter Teilungsvorgänge in zwei Parteien. die maskiert verlarvte und die zivilgebliebene. Die Maskierten sind die Unternehmenden. Aktiven. die Zivilen die Bequemen und Passiven. Die Maskierten schwärmen opfersuchend durch die Straßen und Gassen. Die öffentlichen Lokale und sogar Wohnungen werden heimgesucht. Und überall wird„intrigiert“. d. h. unterstützt durch die eindrucksvolle Larve und im rituellen Kreischton werden dem Zivilisten Geheimnisse aus seinem Leben. Dummheiten, Regelwidrigkeiten und Heucheleien ausgekramt, und jedesmal steht ein wohlunterhaltender Kreis von zeugen darum herum. Man sollte nun meinen. die Leute würden sorgfältig die Straße meiden, aber das wäre ein psychologischer Fehlschluß. Das Abenteuer mit sich selbst und mit dem vermummt. in phantastischer Gestalt auftretenden Gewissen. ist ein ebensolches Bedürfnis wie das Gewissenspielen und kultische Gerichthalten selber. Es fehlt niemals an den Personen, die zur Vervollständigung der Unternehmungen gehören.(Uebrigens habe ich neulich gehört, daß das„Intrigieren“ auch in Wien Sitte ist oder war; ich nehme an. die Größe der Stadt wird sie bereits wirkungslos gemacht haben, man kann diese Entwicklung auch in Basel schon beobachten.) Natürlich gehören zu den„Intrigierten“ ebenso die Regierungsherren mit ihrem ganzen Troß von Aussichts= und Erziehungspersonen; das Volk hat sich also auch in Gouvernierende und Gouvernierte geteilt. Die großen Maskenzüge in den Basler Straßen mit gewaltigen Transparenten und Wagenaufbauten, Trommler= und Pfeiferchor, und einheitlich symbolisch maslierte Mannschaften geben Zeugnis davon. Wat wart se seggen? Abends in der Dämmerstunde liegt über dem Altenteilerstübchen des Büdners Teve ein unbeschreiblich stiller Zauber. Draußen vergeht so langsam der Tag mit allen seinen Lauten und Regungen— hier drinnen ist Friede, ist Einsamkeit, ist Ruhe. Nur manchmal hört man das Ticken der Wanduhr, nur manchmal spricht der schweigsame Alte im Lehnstuhl ein Wort, um dann umso tiefer in sein Schweigen zurückzusinken. Ihm ist das Leben nur noch ein abgenutztes Buch. das er hin und wieder aufschlägt, um seine Weisheiten und Torheiten nicht ganz zu vergessen und das er eines Tages für immer beiseite legen wird, wenn ein Höherer ihm den Befehl erteilt. Und so sitzt er und wartet, wartet Tag und Nacht, blättert müde Völkern, die zwar nicht ohne Kultur, aber, in den Seiten, seines Lebensbuches. einstweilen zu ihrem Glück ohne Zivilisation Oft ist's, als kreise sein Denken stundensind. Man kennt heute durch den Film eine und tagelang nur um einen Punkt:„Wat große Reihe von Beispielen, die beliebtesten wart min Fru seggen, wenn ick er ni vertellen aus Bali, aber es gibt im Innenafrika min= kann, wo us Korl blewen is?“ destens so eindrucksvolle Larven, und die Larve Karl, der einzige Sohn der Büdnersleute. kam aus dem Kriege nicht zurück, wurde als vermißt gemeldet. Mutter Teve ist lange schon tot, sie wußte damals noch nichts davon, daß ihr Sohn nicht heimkehren würde. „Wat wart se seggen, wat wart se seggen?“ murmelt leise der müde Greis.„Wat wart... se seggen?“ Weitgeöffnet schauen seine Augen der entschwindenden Sonne nach, deren letzte Strahlen sich wie ein Heiligenschein um sein Gesicht legen und auf seinen Zügen schon den Abglanz einer reineren Welt hervorzaubern. All die tausend Falten und Fältchen, die im hellen Tageslicht von einem sorgenschweren Leben und von vielen durchhärmten Nächten erzählen, sind in der schattenhaften Dämmerstunde verschwunden. Klar und einfach steht sein Gesicht in der fahlen Beleuchtung des Raumes. Draußen lachen Kinder— und ganz in der Ferne, kaum vernehmbar, rauscht das Meer. „De solten See. röppt se mi? Ick hebb er lang ni mehr sehn... As ick no jung war. wull ick Seemann warn, öwer min Badder wult ni hebben... Tiefer und tiefer fallen schwarze Schatten. Irgendwer kommt mit der Lampe— aber der Alte winkt ab. Wozu braucht er Licht? Er wartert auch im Dunkel auf seine Stunde. Noch einmal höre ich seine Stimme flüstern: „Wat... wart... se... seggen...“ Dann wird es ganz still im Raum. Vater Teve schläft. Leise gehe ich hinaus. Wie seltsam! Draußen lachen noch immer die Kinder. Und drinnen— drinnen erlischt langsam, langsam ein Leben, das bis zuletzt voll Sorge und bis zuletzt voll unaussprechlicher Liebe war: „Wat wart se seggen?“„„— Gespensterreigen in der Fastnacht„ Uralte Faschingsbräuche erstehen zu neuem Leben Von Jakob Schaffner Zug der Narren durch die Gassen und Tore von Villingen Eines muß man vor allem feststellen: die süddeutsche Fastnacht ist etwas grundsätzlich anderes als die norddeutsche oder die rheinische oder auch die Münchener Fastnacht, denn sie geht hinter Masken vor sich. Und sie ist auch etwas anderes als der berühmte italienische Karneval, denn dieses Masken haben nicht nur den Zweck, das Gesicht zu verhüllen, sondern sie sind Charaktermasken, sogenannte Larven, und sollen mit der zugehörigen Verkleidung eine bestimmte Wirkung ausüben Man kann diesen Unterschied nicht scharf genug betonen und auseinanderhalten. Ferner: wenn ich von einer Süddeutschen Fastnacht spreche, so muß ich das Wort begrenzen auf den Begriff„Schwäbisch=Alemannische Fastnacht", denn soviel ich sehen kann, trifft die Kennzeichnung mit den Larven nur ungefähr auf den Landstrich Basler Rheinwinkel—Bodensee—Rottweil in Württemberg zu, und um faßt gröblich gesprochen die Schwarzwaldlandschaft. Die Basler Maskenzüge sind manchmal von eindrucksvollster künstlerischer Schönheit, wie sie bloß dieser alte reizsame Kulturwinkel hervorzubringen imstande ist. Dazu die mantig dröhnenden Trommelkessel, die noch die Formate der mittelalterlichen Landsknechtszeit haben, das Schrillen der Pikkolopfeifen, das Gekreische der intrigierenden Masken, die Konfetti= und Serpentinenschlachten, wozu Spreusalven und Orangenbombardements kommen, die ebenfalls maskierten Musikbanden, immer zu einem festen Zug komponiert, die wilden Schwärme, kleine Privatveranstaltungen, oft von bezwingender Komik, die herausgehängten Teppiche an den Häusern, die Zuhauer in Hut und Mantel an den offenen Fenstern und Balkonen, die höchst geschmackvoll kostümierten Phantasiegestalten in herumziehenden Droschken und Autos:— das alles zusammen macht die Basler Fastnacht noch heute zu einem allgemeinen Volksunternehmen und zu einem ethnographischen Erlebnis erster Klasse. Sie ist ganz bedeutend orgineller und bodenständiger und dazu geistreicher als alles, was man im Norden sonst sehen kann. Sie ist auch ein größeres ästhetisches Erlebnis. Wer das Losbrechen im Morgenstreich morgens Schlag fünf Uhr auf dem Marktplatz bei dunkelgesetzter Stadt mit allen erleuchteten Transparenten gesehen hat, oder die Züge am Abend über die Rheinbrücke und durch die dunklen Straßen, der vergißt das nie mehr. Das„Balihafteste", wenn ich mich so ausdreißig Reihen Breite aufmarschierende Larvenheer vor dem Musikpodium ist etwas, das schlagend an ganz feierliche gigantische, myhisch=mystische Tempeldienste erinnert. Ihr stärkster Ausdruck ist die Basler Fastnacht, die acht Tage später liegt als die kalendermäßige. In der Reformationszeit verlegte sie der protestantisch gewordene Basler Rat den Katholiken zum Trotz in die alten kirchlichen Fasten, und da liegt sie noch. Da es den katholischen Baslern nach wie vor verboten blieb, in der Fastenzeit eine Lustbarkeit und vollends Karneval zu betreiben, so war die Basler Fastnacht eine protestantische Angelegenheit. Ethnologisch ist es interessant, daß die schwäbische Stadt Rottweil mit der Eidgenossenschaft verbündet war; das Bündnis war im Grunde ein Zugehörigkeitsbekenntnis zur alemannischen Kulturgemeinschaft und Blutsverwandtschaft. Weil die Schweizerische Eidgenossenschaft ein alpines Bündnissystem war und in der Beschränkung hierauf seine Kraft sah, mußten die schwarzwäldischen Anlehnungen fallen, und nur, was durch die Rheingrenze gedeckt war, wurde einbehalten, also Schaffhausen und Basel, die beide nach Natur und Lage eng mit der Schwarzwaldkultur verbunden sind. Notgedrungen mußte sich das nordrheinische Alemannentum nördlich einrichten und bekam Freiburg als politische Hauptstadt. Aber es gibt einige Erscheinungen. durch die sie immer wieder und immer weiter ihre Bluts= und Geisteseinheit dokumentieren. Eine davon ist die Form zorer Fastnacht: die Larvenfastnacht. Wer eine gute alemannische Larve sieht, hat für sie nur eine Vergleichsmöglichkeit; die Kult= und Tanzmasken bei gewissen südlichen Man biedert sich an, - auch unter dem Zottelkleid schlägt ein fühlendes Herz drücken darf, ist aber die Polonäse des großen Maskenballes im Kasino. Die besten Masken werden prämiiert, aber sie müssen eine ganz spezifische, schwer zu treffende Basler Linie treffen.„„Scharlie Chaplin“ oder„Pat und Patachon" tun es nicht. Das in zwanzig, Seite 3 Reich mit Schellen besetzt ist das Kleid dieser Maske, der „Villinger Wuascht“ Seite 4 Der Sonntag Kleinigkeiten großen Welt Das Ruto als Schutz vor Erdbeben Dr. T. A. Jaggar, der amerikanische Vulkanologe, empfiehlt das Automobil als die erdbebensichere Behausung schlechthin in einem Bericht, den er der Vulkanforschungs=Gesellschaft von Hawaii erstattete. Seine Empfehlung gründet sich auf die persönliche Erfahrung. die er während des Erdbebens am 25. September 1929 in Hawaii gemacht hat. Jaggar erzählt in seinem Bericht, daß er an diesem Tage in seinem Automobil zum Besuch eines Bekannten fuhr. Angekommen, fand er die erregten Bewohner in dem halbeingestürzten Haus. Während er im Auto fuhr, war der Ort der Schauplatz eines starken Erdbebens gewesen. Trotz seiner langjährigen Erfahrung als Erdbebenforscher hatte er nicht das geringste von einer Erschütterung gemerkt. Während der Nachwehen des Bebens hatten viele Leute fluchtartig ihr Haus verlassen und in ihren Automobilen geschlafen. „Selbst wenn das Automobil nicht in Bewegung ist,“ fährt Dr. Jaggar in seinem Bericht fort,„verhindert diese auf Federn und Gummirädern montierte Sänfte, daß der Insasse des Automobils etwas von dem Beben verspürt, während die anliegenden Häuser in ihren Grundfesten erschüttert werden und unter Krachen schwanken. Die Häuser dienen ja meist als Verstärker der Erdbebenbewegung. So kommt es, daß das, was einer im Haus befindlichen Person als heftiges Erdbeben erscheint, den Leuten im Freien nur wie ein heftiger Schlag, der unter ihren Füßen laut wird, vorkommt, wenn das Beben nicht ganzlich unbemerkt bleibt.“ Präriebrand und Flugzeugpropeller Der Flugplatz der amerikanischen ArmeeFlugplatz näherte. Im kritischen Augenblick kam glücklicherweise ein Fluglehrer auf den Gedanken, den Flammen mit Hilfe der Proveller den Weg zu verlegen. Niemand konnte sagen, ob die Flugzeuge im Kampf gegen das sich heranwälzende Flammenmeer Sieger bleiben würden. Das Feuer fand in dem ausgedörrten Wiesengras und in den Weizenfeldern reiche Nahrung und näherte sich mit beängstigender Schnelligkeit der Stelle, wo die Maschinen parkten. Als das Uebergreifen des Feuers auf den Flugplatz unvermeidlich schien, unterbrach der Fluglehrer seinen Kursus, um den Versuch zu machen, durch den von den Propellern erzeugten Wind das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Er zog die Flugzeuge hervor, kurbelte die Motoren an. die, mit voller Kraft arbeitend, den Propellern die höchste Umdrehungsgeschwindigkeit gaben. Dadurch wurde eine so starke Luftbewegung erzeugt, daß das Feuer, das nur noch sechs Meter entfernt war, zum Stehen gebracht wurde. Da sich auch der Wind drehte, so gelang es in kurzer Zeit, die Flammen vollständig zu ersticken. Dem Willen des Verstorbenen entsprechend wurde der Leichnam verbrannt. Nach dieser Zeremonie wurde das Innere des Krematoriums verdunkelt und auf der Leinwand im Hintergrund des Raumes erschien das Bildnis des Verstorbenen. Die Zuschauer sahen, wie sich James Binitu auf seinem Lager aufrichtete PN Eu ainnx. biaft Qunächst sante er konnte wenigstens festgestellt werden, daß es sich um einen geborenen Russen handelte. Er war bereits vor fünfzig Jahren Er war Opernsänger gewesen und hatte viel Erfolge gehabt. Eines Tages hatte er die Opernbühne verlassen und war nach Afrika gegangen. In einem Negerdorf Innerafrikas hatte er sich angesiedelt, die Sprache der Eingeborenen erlernt und war allmählich in seine neue Umgebung so hineingewachsen, daß er kein Heimweh mehr verspürte. Namen und Gründe seiner Weltflucht offenbaren seine Aufzeichnungen jedoch nicht. Drei Frösche reisen nach Paris Der Amtsschimmel in Frankreich Eine Frau Laval, die bei einer Freundin im Süden Frankreichs zu Besuch weilte, war entzückt über die vielen Frösche, die es in der aab Sie beschloß einige nach Paris Gegend gab. Sie beschloß, einige nach Paris sames Einten ung feinen mitzunehmen. Ein Verwandter ihrer Gastund eine Ansprache hielt. Zunächst, sagte er, geberin, ein versierter Advokat, nahm, als er müsse man Gott ehren. Dann wies er daraus„ diesem Vorhaben hörte, vom Bücherregal kin daß= manig Frauda an loiner Familie...— Band und las Frau Laval folgendes „Eigentümer von Fröschen ist verpflichtet, Testament durch Tonfilm Im Staate Virginia ereignete sich kürzlich ein Vorfall, der in der ganzen Union das größte Aufsehen erregte. Dort fand sich ein Original, das es verstanden hat, die Errungenschaft des Tonfilms für sein eigenes Leichenbegängnis auszunutzen. Der Vorgang hat folgende Vorgeschichte: In Virginia lebte der Landwirt James Binitu. der in Grundstücken spekulierte. Es war ihm gelungen, eine Reihe von Grunostücken und Häusern in seinen Besitz zu bringen. Die größte Leidenschaft dieses alten Spekulanten war jedoch seine Käfersammlung, Er scheute keinen Betrag, um einen seltenen Kafer zu erwerben. Infolge dieser Leidenschaft waren Familien= konflikte an der Tagesordnung. Schließlich verließ der junge Binitu das väterliche Haus. In letzter Zeit lebte der alte Binitu vereinsamt mit zwei Dienern und seiner Käfersammlung auf seinem Landhause. Der einzige Besucher war der Rechtsanwalt Alvarez, ein Jugendfreund des alten Binitu. Vor zwei Monaten erkrankte der alte Mann, doch während der ganzen Zeit, die er auf dem Krankenlager verbrachte, verweigerte er seinem Sohn und seinen Angehörigen den Zutritt. Einige Tage vor seinem Tod diktierte er den gesetzlichen Vorschriften gemaß sein Testament und. mit Hilfe einer Tonfilmkamera, eine m Volr ehren. Dann hin, daß er wenig Freude an seiner Familie gehabt habe und den größten Teil seines Vermögens deshalb wohltätigen Zwecken vermache. Den wertvollsten Nachlaß, die Käfersammlung, vermachte er dem städtischen Museum. Sein Sohn erhalte zwei Dollars mit dem guten Rat. sich zu bessern, ehe es zu spät sei. Zum Schluß wurden auch die nächsten Angehörigen erwähnt, denen er einen Dollar je Person hinterließ. Die Familie hat das Testament in allen Punkten angefochten. Strümpfe aus Brüsseler Spitzen Obgleich in Amerika die Frauenkleider seit Jahren die Tendenz zeigen, sich nach unten zu verlängern, haben doch die Amerikanerinnen noch immer nicht auf die Gewohnheit verzichtet, kostbare Strümpfe zu tragen. Man kann sogar behaupten, daß dieser durchsichtige und elegante Teil der Frauenkleidung noch niemals vorher einen so hohen Preisstand erreicht hat wie zu Beginn dieses Jahres. Die Frauen und Töchter der amerikanischen Reichen begnügen sich heute nicht mehr damit, Strümpfe zu 25 Dollar je Paar zu kaufen; sie tragen vielmehr mit Vorliebe Strümpfe aus feinem Spitzenwerk, deren Mindestpreis sich auf 250 Dollar stellt! Derartige Strümpfe, die in Belgien hergestellt werden, sind wahre Wunderwerke der Nadelkunst und stellen die mühselige Arbeit von Wochen dar, bei der besonders geschickte Arbeiterinnen am Werke sind. Die Muster der Strümpfe zeigen verschiedene phantastische Ausführung. Am beliebtesten ist ein Muster, das Lilien zeigt. Derartige Strümpfe werden in bestimmten New Yorker Geschäften mit Preisen biszu 500 Dollar je Paax verkauft. Natürlich werden diese Spitzenstrümpfe nur bei besonderen Gelegenheiten getragen, und ihre glücklichen Besitzerinnen halten sie sorgsam unter Verschluß, um die kostbaren Kunstwerke vor dem Zugriff von Dieben zu schützen. (Wir verstehen Ihr Kopfschütteln, verehrte Leserin!— Die Red.) Wenn Bären zärtlich werden Frau Maud Loty in Paris ist eine äußerst gewissenhafte Schauspielerin, die Wert darauf legt. auf der Bühne so realistisch wie möglich zu sein. Da sie demnächst in einem Stück auftritt, in dem sie die Rolle einer Tierbändigerin spielt, erbat sie von der Direktion des Pariser Zoologischen Gartens die Erlaubnis, zu Studienzwecken die Käfige im Raubtierhaus betreten zu dürfen. Sie begann mit einem Besuch des Löwenkäfigs. Der König der Tiere empfing die Künstlerin, die in einer Toilette aus weißer Seide erschien, mit ausgesuchter Höflichkeit. Er brüllte bei ihrem Anblick zwar laut auf, aber dieses Brüllen klang gar nicht ungemütlich, sondern eher wie ein Willkommengruß. Er blieb still in seiner Ecke, als ob er im Banne der anmutigen Künstlerin stände, und zeigte sich so lieb und zutraulich, das Frau Loty ihn am liebsten getätschelt hätte. Sie verzichtete jedoch darauf und zog sich zurugh, zum offensichtlichen Mißvergnügen des Löwen, der durch sein Knurren bekundete, daß iym der Abschied zu Herzen ging. Dann wandte sich die Schauspielerin dem Bärenkäfig zu. Aber sie hatte diesen Raum kaum betreten, als sich der Bär zu voller Höhe aufrichtete und die Frau in einer heftigen Umarmung zu Boden drückte. Sie wurde von dem Wärter gerettet und verließ den Käfig mit ein paar leichten Kratzwunden und einem völlig zerrissenen Kleide. Der Direktor des Zool vor:„Eigentumer von Froschen ist auf Verlangen eines Vertreters einer Behörde den Ursprung der Sumpftiere„nachzuweisen und Erklärungen über folgende Punkte abzu1 woher die Frösche sind, und wohin der Eigentümer sie transportiert 2. Das Gewicht jedes einzelnen Frosches. 3. Tag der Aufgabe der Sendung. 4. Name und Adresse des Empfängers. Frau Laval begab sich stehenden Fußes zu einem Notar und erledigte dort die Formalitäten. Sie wies dem Notar drei Frösche vor und beantragte die Feststellung des Gewichts. Mit dem Froschpaket und der notariellen Urkunde erschien sie auf der Eisenbahnstation und beantragte den Transport nach Paris Madame“, sagte der Eisenbahnbeamte, wir wissen nicht, ob wir das Recht haben, die Frösche als Bahngut anzunehmen, bitte, wenden Sie sich an die Post.“ Auf der Post erhielt Frau Laval ebenfalls eine Absage. Schließlich entschloß sich die Pariserin, keine weiteren Schritte mehr zu versuchen und das Kästchen mit den drei Fröschen einfach ins Wagenabteil nach Paris mitzunehmen. Doch auf dem Pariser Bahnhof wurde sie von dem diensttuenden Zollbeamten mit der üblichen Frage angehalten„Madame, haben Sie nichts vorzuweisen?"—„Ja“,— erwiderte Frau Laval,„ich habe drei Frösche bei mir, ein Frosch im Gewichte von 6½ Unzen, der zweite von 7¼ Unzen und der dritte von nur Der Zollbeamte fing an zu lachen. Doch Frau Laval bestand darauf, daß alle Formalitäten erfüllt würden, und zeigte dem Zollbeamten die notariellen Bescheinigungen über den Froschtransport. Der Zollbeam. rief einen Polizeikommissar herbei. Es wurde ein Protokoll aufgenommen. Im Laufe des hörs stellte sich heraus, daß tatsächlich vor über 100 Jahren eine Verordnung über den Transport von Fröschen erlassen worden ist. Der Ankerplatz in den Wolken Der Plan, große Luftschiffe an einem Mast auf dem New Yorker Empire State Building, 416 Meter über der Straße, zu verankern. begegnet großer Skepsis. Der Bau des Ankermastes ist nahezu vollendet. Admiral Moffett, Kommandeur der amexikanischen, Luftstreitkräfte, hat genehmigt, daß das Luftschiff„Los Angeles“ im Sommer dort Anker werfen soll, obwohl die Sachverständigen ihn darauf aufmerksam machten, daß der Versuch für Besatzung wie Zuschuuer außerordentlich gefährlich se.. Ein neues Luftschiffdock Zwei Zeppeline und vier Kleinluftschiffe faßt das neue Dock, das soeben in (U. S..) seiner Vollendung entgegengeht. Die Torflügelkonstruktion erfolgte nach einem deutschen Patent, einer Erfindung von Prof. Grüning. Das Dock ist 353 Meter lang und 60 Meter hoch. Die Torflügel an beiden Seiten sind nach der Umschau in einem Winkel bis zu 70 Grad drehbar, damit das Luftschiff die jeweils günstigste Windrichtung zur Einfahrt benutzen kann. Grauwerden— eine folge von Ditaminhunger? Neuere Forschungen sollen die Annahme rechtfertigen, daß das frühzeitige Ergrauen der Haare durch einen Mangel an Vitamine verursacht werde, wie es ja auch bei der sogenannten Englischen Krankheit der Fall ist. Hierüber verbreitet sich ein Bericht, den Professor Gabriel Bertrand der Pariser Akademie der Wissenschaften erstattet hat. Bei Versuchen, die zu verschiedenen Zwecken vorgenommen wurden, wurden gewöhnliche schwarze oder dunkelgraue Ratten einer Diät unterzogen, die alle Vitamine enthielt, die für die Lebenserhaltung notwendig sind; nur wurden diese Vitamine aus gereinigter oder künstlicher Nahrung statt aus natürlicher, wie Grünfutter und Getreidekörner, gewonnen. Zur nicht geringen Ueberraschung der Forscher zeigte sich, daß der schwarze Pelz der Tiere allmählich eine silbergraue Farbe annahm. Da die Versuchstiere nach Ausweis der vorgenommenen Blutproben vollständig gesund waren, handelte es sich nicht etwa um eine Krankheitserscheinung. Man fand vielmehr, daß die Ursache des plötzlichen Grauwerdens auf die zu stark gereinigte Nahrung zurückgeführt werden mußte. Bei der Bereitung des Stärkemehls für die Ratten waren beispielsweise alle gelegentlichen Unreinigkeiten entfernt worden. und man hatte dem gereinigten Stärkemehl die erforderlichen Vitamine nachträglich künstlich beigefügt. Wenn dies Verfahren geändert, und das Naturöl des Getreides der Rattendiät wieder zugeführt wurde, schwand auch das Ergrauen, und das Haar der Tiere erlangte seine frühere schwarze Farbe wieder. Man muß sich zu helfen wissen! In der Kalahariwüste gibt es nur wenig Wasser, und die Eingeborenen müssen darum mit dem Wasser sehr sparsam umgehen. Eimer und Kannen, in denen man das Wasser von den Bächen holen und aufbewahren könnte, gibts nicht. Aber die Eingeborenen wissen sich zu helfen: Eier werden vorsichtig geleert und mit Wasser gefüllt. Die kleinen Löcher an den beiden Seiten der Eier werden sorgfältig mit Erde und Gras zugestopft, damit ja kein Tropfen des kostbaren Inhalts verloren geyt. So wird dann das Wasser für die Zeit der Trokkenheit aufbewahrt. 508 Lautsprecher am Auto Ein neuer Fortschritt bedroht uns. Da in England der Gebrauch der Hupe im Straßenleben verboten bzw nur in Gefahrfällen erlaubt ist, so daß der Kraftwagenführer wenig Möglichkeit besitzt, dem Fußgänger durch energische Signalgebung gebührende Achtung vor den Interessen des Autos beizubringen, hat man jetzt einen Wagen mit Mikrophon und Lautsprecher ausgerüstet, so daß dessen Führer imstande ist, dem Fußgänger in gebührender Weise seine Meinung zu sagen, ohne sich dabei anstrengen zu müssen, und unter Umständen auch den Verkehrsbeamten an der Straßenkreuzung anrufen kann, ohne daß er seinen Wagen zu verlassen braucht. ftk. Hutkauf im Eiltempo Der— weibliche!— Bürgermeister von Hereford hat eine Verordnung erlassen, deren Auswirkung es den Frauen unmöglich macht. ihr Auto länger als zwanzig Minuten vor einem Geschäft halten zu lassen. Man kann sich die Erregung vorstellen, die ein solcher Ukas unter den Schönen von Hereford ausgelöst hat! Man denke: sie sollen ihre Hüte in einer Viertelstunde auswählen! Schon sagt man den Frauen von Hereford nach, daß sie schäbige Hüte trügen! Amerikanischer Humor „Ihre Katze ist wirklich reizend!“—„Ja, sie ist aber auch ihre 50 Dollar wert!"—„So, 50 Dollars? Neulich sagten Sie doch noch 25?“ —„Ja, neulich! Inzwischen hat sie aber unsere zwei Kanarienvögel aufgefressen!“ Im Spiel= und Kätselwinkel Alvarez. Der Direktor des Zoologischen Gartens, dem daran lag, den Ruf seiner Zöglinge zu retten, erklärte der bestürzten Schauspielerin:„Der Bär unterscheidet sich durchaus von dem Löwen in der Art wie er seine Zuneigung ausdrückt. Seine stürmische Umarmung ist deshalb nur als eine etwas wilde Liebeserklärung zu bewerten.“ Frau Loty quittierte mit einem verlegenen Lächeln über dieses Kompliment und musterte traurig ihre verdorbene Toilette.„Wäre Ihr Bär ein Mann, so wäre ihn diese stürmische Liebeserklärung teuer zu stehen gekommen", hemerkte sie ärgerlich. Von der Opernbühne in die Wildnis In einem englischen Hospital einer zentralafrikanischen Siedlung ist kürzlich ein kannter Greis gestorben Niemand kannte seinen Namen. Da er aber kurz vor seinem Tod seine Lebensgeschichte skizziert hatte, Pyramiden=Rätsel c, 6 i, 3 n, 2 o, S r, 4 k, 1 w. Vorstehende Buchstaben ordne man zu einer Pyramide. Es ergeben dann die waagerechten Reihen Wörter mit folgender Bedeutung: 1. Buchstabe. 2. Fortpflanzungskeim. 3. Volksstamm. 4. Organisches Individuum. 5. Weiblicher Personenname. 6. Himmelsgegend und Land. 7. Alkoholisches Getränk. Jedes Wort enthält stets die gleichen Buchstaben wie das vorhergehende und noch einen weiteren Buchstaben. Besuchskarten=Rätsel Durch Umstellen der Buchstaben auf vorstehender Besuchskarte läßt sich ermitteln, was ihr Inhaber. ein Handwerker, in seiner Berufsstellung ist. Verwandlungs=Rätsel Meise**... *** Adler. 2. Krähe..**. Mit denselben fünf Hauptwörtern als Zwischenstufen soll 1. eine Meise und 2. eine Krähe in einen Adler verwandelt werden, indem man für die beiden durch Sternchen angedeuteten Buchstaben des jedesmal vorhergehenden Wortes zwei andere setzt. Dreisilbige Scharade Die erste pflegt man nicht schlecht zu pflegen, Die andern pflegen das Recht zu pflegen. Das ganze ist für die verschiedenen Mägen, Was alle einzeln am liebsten mögen. Auflösungen aus voriger Nummer Rätsel=Sonett Raum— Rum— Ruhm. Scherzfragen 1. Freisinger. 2. Alle, denn keiner legt die Ohren beim Spiel ab. 3. 44 4/4, Auszähl=Rätsel Die Auszählung beginnt mit dem„d“ der letzten Felderreihe und ist in der Weise vorzunehmen, daß immer der 3. Buchstabe ausgezählt wird. Die Lösung ergidt:„Der Kluegste gibt nach.“ Bilder=Rätsel: Allzu geschwind bringt wenig Nutzen. * Samstag, 14. Februar 1931 Lokal=Anzeiger (Abend=Ausgabe) Nr. 81 Seite 21 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nachmittag 5 Uhr, unseren herzensguten, unvergeßlichen Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel, den woblachtbaren Herrn Werner August Sassenfeld Kaufmann Infolge Altersschwäche, oftmals gestärkt mit den Tröstungen der röm.kath. Kirche, im Alter von nahezu 80 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme und ein Gebet für den lieben Verstorbenen bitten; Die tieftrauernden Hinterbliebenen Schwester Kaverlana v. hi. Franziskus geb. Math. Sassenleld Marla Sassenteld wily Sassenteld und Frau Häthe geb. Sybertz Josel Sassenleid und Frau Marla geb. Suntrop Werner Sassenleld Köln-Ehrenfeld, Eschweiler, Köln-Deutz, M. Gladbach, den 12. Febr. 31. Die feierlichen Exequien werden gehalten am Montag, den 16. Februar, morgens ½10 Uhr, in der Pfarrkirche St. Mechtern; daran anschließend die Beerdigung um 11 Uhr vom Sterbehause Weinsbergstr. 124 zum Ehrenfelder Friedhof. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Tellnahme und die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgange unseres lieben Vaters sagen wir hiermit allen Verwandten und Bekannten sowie dem Cäcllien-Verein Köln-Mülheim, dem Kavallerie-Verein Köln-Mülheim, der WirteInnung Köln-Dellbrück und dem Kirchenchor Köln-Dellbrück unseren herzlichen Dank. Familie Haas/ Familie Bach An alle Verehrer des hl. Herzens Jesu Am Dienstag, den ry. Februar, 9 Uhr. wird in der St.-Kuniberts-Kirche ein feierliches Hochamt gehalten. Peech ee. verter Das Jahrgedächtnis für Frau Sanitätsrat Ferd. Marchand Kath. geb. Möltgen findet statt am Dienstag, den 17. Februar, 8½ Uhr, in der Basilika St. Gereon. FrauW'we. Christian Kierdorff Johanna Katharina geb. Broich nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit. Sie starb im Alter von nahezu 83 Jahren, wohlvorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel und gestärkt durch die Heilsmittel unserer heiligen Kirche. Ihr ganzes Leben war nur der Sorge für die ihrigen gewidmet. Um stille Teilnahme und ein Gebet für die liebe Verstorbene bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Köln-Deut z. Alarichstr. 57, Köln-Mülheim, Köln, Köln-Holweide, Farschweiler(Bez. Trier), Opladen, Köln-Riehl, Brüssel, Düren, den 13. Februar 1931. Die felerlichen Exequien werden gehalten am Dienstag, den 17. Februar 1931, um 9¼ Uhr morgens, in der Pfarrkirche Liebfrauen zu Köln-Mühlheim. Die Beerdigung findet am gleichen Tage von der Leichenhalle des neuen Friedhofes Köln-Höhenberg um 3 Uhr nachmittags statt. Man bittet von Beileidsbesuchen gütigst Abstand zu nehmen. Sollte jemand aus Versehen eine Einladung nicht erhalten haben, so bitten wir, dieses als solche zu betrachten. DAS SECHSWOCHENAMT für den wohlachtbaren Herrn Gerhard Dillmeyer wird gehalten am Montag, den 16. Februar 1931, vormittags 8 Uhr, in der Pfarrkirche St. Kolumba. Die Anverwandten. Trauerkränze in reicher Auswahl. Spezialhaus Blumen-Gipprich Inh.: R. Demers Herzogstr. 41. Tel. 221804 eiente (CA.120 PASTILLEN) -Kitlich in elles Apothebes und Dregerte: Ratten Wanz. Mäuse, Schwab. vernicht. u. Garantie Kammerjäger Simons K öln. Thieboldsgasse 12. Tel. 218251 1 Nach Uebernchme der Hellnrants der verntordenen Verrn K. Konfang behandie Nervenschwächen Gemütsleiden etc., Schwachbegabte, Energielosigkeit, Angstgefühle, Lampenfieber, Migräne. Ischias. Rheuma, Herz-, Magen-, Leber-, Nierenkrankheiten u. a. organische Leiden. Magnetopath L. Th. Strecker, Köln, Pfälzerstraße 43 Mitel. d. Reichsverb. d. Magn. D. e. V. Tel. 21 11 19. Sprechst.: 10—1,—6 Uhr. In Sonderfällen erb. Anmeldung. 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Mein Gesicht ist jetzt vollständig. in.“ à Stck. Mr..50(35 Creme“(§ 35, 50, 15 und 100 pst.) In ulee theken, Drogerien und Parfümerien erhältlich. Aufgebot. Nachstehende Sparkassenbücher der Sparkasse der Stadt Köln sind nach Angabe onteninhaber abhanden gekommen: H 255593 Buhr, Karl Klingelpütz 54 der H 309 085 H 270 631 H 648 769 H 423917 H 645 604 H 192 709 H 319 465 H 271184 H 571911 II 63 648 II 99564 IV 106 464 V 125471 37290 42333 37861 87 058 74315 28 920 25910 29 640 2 483 5 359 3243 Flohr, Wilhelm Kuchenbuch, Karl Liffmann Frieda Müller, Clemens Müller, Johann Müller, Wilhelm Müller. Reck. Julius 54 - Karolingerring 29 - Hosengasse 33a - Lindenburger Allee 8 Severinstr. 194 - Berzdorf b. Brühl Eheiran.„„„„ Ehefrau-.- Petersbergstraße 62 Günther, Maria Vogteistraße 15 Schmitz, Leonhard„-Altengrabengäßchen 11 Nußbaum, Maria.= Biberstr. 7 Hässy, Barthel......- Hahnenstr. 29 Mohr, Josef......" Dtz. Freiheit 69 Lorentz, Dora-=—„„„—„„„ Schmitz, Maria.„. von Werthstraße 24 Stein, Cäcilie. Bonn Dr. Meyer, Em##...... Köln=Kalk, Markt 5 Krieger, Joser-.....„ Sionstal 26 Besselmann, Luise-..... Jakobstraße 30 Spies, Cilli Kl. Witschgasse 28 Fischer, Sieppan Gr. Griechenmarkt 58 Birkner, Emmi=..". Stammheimer Str. 125 Keller, Michael-.... Bauerbankstr. 8 Gemäß§ 20 Absatz 4 der Satzung der Sparkasse der Stadt Koln in der Fassung vom 20. September 1928 werden diese Sparbücher öffentlich aufgeboten und die jetzigen Inhaber der Sparbücher aufgefordert, bis zum 14. 3. 1931 die Bücher bei uns vorzulegen und ihre Rechte geltend zu machen. Falls diese Sparbücher bis zu diesem Tage nicht vorgelegt worden sind, werden den Berechtigten auf Grund der Kassenbücher neue Sparbücher ausgestellt und die oben aufgeführten für kraftlos erklärt. Köln. den 13. 1. 1931. Der Vorstand der Sparkasse der Stadt Köln. Matzerath. Bürgermeister. 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Aus diesem Anlaß werden alljährlich große Mengen von Briefen durch die Post befördert, und die Londoner Briefträger erhalten als Entschädigung für ihre Mühe ein besonderes Trinkgeld als Ablösung des früher üblichen Festmahles, das aus Rostbraten und Bier bestand. In manchen Gegenden Deutschlands galt allerdings der 14. Februar auch als Unglückstag; vorwiegend ist jedoch die Bedeutung, die liebeslustigen Menschenkindern Glück verheißt. So ist der Tag zu einem Verlobungstag geworden. Bereits am Vorabend versammeln sich die jungen Leute zu lustigem Spiel. Jeder schrieb dann den Namen eines ihm bekannten männlichen oder weiblichen Wesens auf einen Zettel, der alsbald in einen Behälter geworfen wurde, worauf sich jeder Anwesende einen der Zettel herausnehmen mußte. Der Träger und die Trägerin des Namens, den sie oder er aus der Urne gezogen hatte, blieb nun für ein volles Jahr der ihr bestimmte Herzensfreund oder die liebliche Festgefährtin. Valentin und Valentine hatten sich gefunden. Daß aus dieser scherzhaften Verlobung manchmal auch Ernst wurde, läßt sich denken. Auch zahlreiche Geschenke wurden bei dieser Gelegenheit versandt. Die Namen Valentin und Valentine kehren übrigens auch bei dem in Westfalen und im Rheinland als„Maibrautschaft" bekannten Brauch der Walpurgisnacht wieder, in der die jungen Leute unter Gesang und Peitschenknall aus den Dörfern heraus auf die Anhöhen zogen, wo die Mädchen mit dem Spruch Heute zum Lehen, übers Jahr zur Ehen“ an die Meistbietenden versteigert wurden. Wie uralt der Brauch des Valentintages ist, geht daraus hervor, daß Herodot eine ganz ähnliche Sitte für die illyrischen Veneter bezeugt, bei denen das Auslosen oder die Versteigerung der jungen Mädchen gleichzeitig den Zweck verfolgte, eine Aussteuer für die Minderbemittelten oder auch Häßlichen zu beschaffen, damit diese doch wenigstens in einer Beziehung begehrenswert erscheinen konnten. Ein ähnlicher Volksbrauch herrschte ferner bei den alten Römern während ihrer Lupercalien, jenes am 15. Februar zu Ehren des Faunus oder Lupercus(Wolfsabwehrer) stattfindenden Festes, an dem die jungen Leute ebenfalls Namenstäfelchen in einen Behälter warfen und sich dann unter den Auspizien der Juno für ein Jahr in den Liebesdienst des Mädchens stellten, dessen Name als Los auf sie entfallen war. In Frankreich erwählte übrigens mancher junge Mann auch ohne jene feierliche Verlosung gleich das erste Mädchen, das ihm am Morgen des Valentintages begegnete, zu seiner Valentine, und sie durfte ihm die Gefolgschaft für ein Jahr nach ungeschriebenem Gesetz nur gegen Erlegung N G 46. eines Bußgeldes verweigern, das der Dorfjugend zufiel. Am Valentinstag wurden endlich auch sogenannte Blutreinigungskuren unternommen; im Mittelalter war dieser Tag zum Aderlassen bestimmt. Auch ein Grund „Geben Sie sich keine Mühe— ich trete in ihre Lebensversicherung nicht ein. Mein Nachvar war auch drin und ist doch vor vierzehn Tagen gestorben.“ A Sturm am Erzählung aus dem kurkölnischen Linz— Von P. Sinzig Khein Copyright Butzon& Bercker G. m. b. H. Kevelaer XVIII. In Sturmesnacht Das hatte die alte treue Richmod nicht erwartet, daß ihre Rachel im Turm sich so erregen würde, als sie ihr etwas von ihrem Vater erzählte, was harmlos verlaufen war. Der Bürgermeister Schomecher war ins Haus gekommen und hatte wissen wollen, wo der Jausepp in jener Nacht war, als die Strohgarben in der Ratskapelle angezündet wurden. Der Jausepp hatte erklärt, trotz der Brandrufe des Torwächters der Neuporz im Bett geblieben zu sein, da er übermüdet war. Rachels Augen hatten sich geweitet, als sie Richmod erzählen hörte. Sie stierte in die Ferne. Mein Gott, war schon ein Verdacht auf den Vater gefallen? War ihr Schweigen zwecklos: Noch nie hatte Richmod sie im Gefängnis anscheinend so teilnahmslos und unaufmerksam gesehen, noch nie war sie auf liebevolle Fragen so oft ohne Antwort geblieben oder hatte ganz falsche Antworten bekommen! War das die Gefängnisluft, die auf ihre Rachel so einwirkte: Was ihr Pflegekind hoffnungslos geworden? Richmod verabschiedete sich in gedrückter Stimmung und fand diesmal sogar den Kuß iyrer Rachel lau und gewohnheitsmäßig, ohne das dankbare Aufblicken ihrer Augen, das sie so gerne Als die treue Besucherin weg war, bedeckte Rachel mit beiden Händen ihr Antlitz und schluchzte fassungslos. War denn alles vergeblich? Sollte ihr Vater doch angeklagt werden?... Das wäre seine sichere Verurteilung.„ Auf der anderen Seite winkte ihr die Freiheit, die goldene, die wie der Sonnenstrahl leuchtet, und die nur der kennt, dem sie unerreichbar ist. 42. Fortsetzung. Und mit der Freiheit winkten ihr ein paar Jünglingsaugen, so strahlend und tief und lieb, wie sie noch nie welche gesehen. Aber da schaute sie auch die Gegenseite: ihr Vater gefangen, mehr noch: gefoltert! Sie vermochte die Vorstellung nicht auszudenken. Gefoltert!... Entsetzlich! Zu oft hatte sie von den Schreckenswerkzeugen im Turmverlies gehört und von den hartherzigen Henkern, die keine Träne rührt, keine Bitte, keine Qual, kein Todesschrei eines Gemarterten...“ Und nach der Folter der Tod am Galgen... Ein Fraß der Raben, die seinen Leichnam auf dem Kaiserberge umflatterten und zerstückelten... Ein Schaustück allen Rheinfahrern, die flußauf= und=abwärts zogen... Ihr Vater!... Er war ihr nicht allzu viel gewesen, aber ihre Mutter hatte ihn lieb gehabt. Würde die ihr verzeihen, wenn sie ihn in den Kerker, auf die Folterbank und an den Galgen brächte? Aber die Befreiung des Vaters bedeutete ihren Kerker... Nur Kerker? Wie ein Schauder überrieselte sie plötzlich die Vorstellung der Folter. Aber nein, tausendmal nein! Könnte man sich an ihr vergreifen? sie dorthin schleppen? sich an ihrer Qual weiden? Laut stöhnte sie auf, warf sich aufs Lager und schluchzte angstvoll:„Nur das nicht, o Gott, Mutter Jesu, hab' Erbarmen mit einer Unglücklichen aus deinem Stamme!“ Stunden vergingen. Es war dunkel geworden. Draußen zuckten Blitze. Der Regen klatschte wider die Basaltmauern des hohen Turmes. Der Sturm blies durch das kleine mit drei starken Eisenstäben versehene Fenster und strich ihr um den Kopf, zerzauste ihr Haar und Kleid und ließ nicht einmal die Bettdecke in Ruh. Da zwischen plötzliche Stille, Atempausen des Sturmes, der immer wieder empört am Gemäuer rüttelte und Mörtelstücke abbröckelte. Rachel ängstigte sich. Sie hätte gerne ihr Kerzlein angezündet; aber das würde der Sturmwind doch im nächsten Augenblick ausgelöscht haben. Nun bedrohten sie im Dunkel Schreckgestalten aus der Folterkammer, rauhe Büttel mit glühenden Eisen, Stacheln und Peitschen, Zangen und Rädern. War das Stöhnen, was sie da hörte? Konnte der Sturm so täuschen? Da wiederum plötzliche Stille, die sie den Atem anhalten und etwas Furchtbares erwarten ließ. Sie schrie auf. Es war wirklich etwas hart neben ihr auf die Steinfliesen des Gefängnisses gefallen. Bewegte es sich? kam es auf sie zu? kletterte es an ihr herauf? Sie schalt sich ihrer Angst, preßte die Zähne aufeinander und suchte nach Licht. Aber der Sturm hatte wieder eingesetzt und vereitelte ihr Bemühen. Ohne sich zu rühren, aber mit dem Zunder in der Hand, wartete sie auf eine neue Atempause. Jetzt!... Sie schlug Feuer. Da lag neben ihr, wie damals, ein kleiner Bolzen mit einem Stückchen Papier. Im Augenblick überflog sie es:„Zieht langsam. Jost.“ Noch ging ihr der Sinn der Worte nicht auf Das Unerwartete, die Schrift, der Name, all das ließ sie stärker zittern. Nun tastete sie im Dunkel nach dem Bolzen. Der hing an einem Faden. Sie suchte ihn aufzuwickeln; vielleicht. daß Jost ihr eine weitere Nachricht zukommen lassen wollte oder irgend einen kleinen Gegenstand. Sie zog und zog und hatte bald den Boden vor sich mit Fäden bedeckt. Da stockte das Zeichen. Es mußte wohl ein Knoten sein, der sich am Eisengitter gefangen hatte. Vorsichtig versuchte sie den Faden seitwärts zu halten. Es ging. Aber als sie nun den Knoten in den Händen fühlte, fühlte sie auf einmal, daß der einen leichten Strick mit dem Faden verband. Was doch dem Jüngling einfiel. Hatte der etwas so Schweres heraufzuschicken? Sie zog weiter, weiter. Immer mehr häufte sich auf dem Boden der gewundene Hans. Da, Unmöglich „Sagen Sie mal, Männeken, sind denn da auch keine Trichinen drin?“ „Quatsch, is ja an beiden Enden zugebunden!“ wieder ein Knoten. Sie fühlte es deutlich, aber nach wenigen Versuchen war auch dieses Hindernis beseitigt und gleich darauf hatte sie ein starkes Seil in den Händen, das am leichten Strick befestigt war. Da stutzte sie. Was wollte Jost? Aber ehe sie sich noch selbst Anwort gab, knisterte ein Pavier in ihren Händen, das am Seil befestigt war. Wieder machte sie Licht und las:„Schlingt es um die Eisenstangen. Ich komme.“ Da pochte ihr Herz, daß sie die Hand darauf legte, damit es ihr die Brust nicht sprenge. Er kam?... Er?... Ein Glücksgefühl überkam sie. Aber da sanken die Hände schlaff herab. Durfte sie es tun? Was wollte der junge Mann? Doch nein! Fort mit jedem Argwohn! Der war nicht fähig, etwas Unehrenhaftes zu versuchen! Der kam, ihr zu raten, ihr zu helfen. Er konnte ja auch nur bis ans Fenster. Das Eisengitter hinderte den Eintritt. Nun suchte sie das Seil zu befestigen. Unmöglich. Sie kam nicht bis an die Stangen. Da band sie es schnell am Bettende fest, zog das ganze Bettgestell bis zur Fensterwand, faltete die Decke, daß sie einige Zentimeter höher zu stehen kam und mühte sich nun, den Strick und dann das Seil um die Eisenstäbe zu schlingen und festzumachen. Es glückte nicht leicht. Die Höhe erlaubte ihr nur mit den Fingerspitzen zu arbeiten; aber so viel sie auch keuchte, und so schwer es ihr würde, es mußte gehen. Jost wartete. In Sturm und Regen! Durchnäßt bis auf die Haut! Ihretwegen! Nun saß das Seil fest. Sie betastete es mit den Fingerspitzen und fühlte deutlich, wie Kastenholz von unten vorsichtig zog, um seine Widerstandskraft und Festigkeit zu erproben. Da zog sich der Knoten straff. Jost mußte am Klettern sein... Er kam...! Rachel sank auf die Knie. Zur Jungfrau in der Ratskapelle betete sie, jetzt wo er zwischen Himmel und Erde schwebte, daß er nicht die Kraft verliere, daß ihn keine Wächter erblickte, daß ihm nichts Böses geschähe, mochte für sie kommen, was da wollte. (Fortsetzung folgt.)