Kölner PTT Lokal-Anzeiger Bezugspreis: Bei Botenzustellung: Ausgabe A monatlich .70 RM. zuzügl. 30 J Beitrag z. Zustellgeld; Ausg. B(mit d. Samstags erscheinend. illustr. Beil.„Heimat u. Welt“) 1,85 RM., zuzügl. 30 4 Beitrag z. Zustellgeld; bei deutschen Postanstalt.: Ausg. A 1,70 RM. Ausg. B 1,85 RM.; jede Ausgabe einschl. 56 4 Postzeitungsgebühr und zuzügl. 42 J Zustellgeld der Post. Katholische Tageszeitung für Köln und Umgebung Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Köln, Kheinische Volkswacht Lokal-Auzeiger für die Erft- Mülhelmer Dolkszeitung- Lokal-Auzetger für den Kreis Berohelm Hauptgeschäftsstelle und Redaktion: Neumarkt 18a—24. Fernruf: Sammelnummer 210921. Redaktions= Sprechstunden 12—1 Uhr. Zweigstelle: Mülheim, Adamsstraße 1. Fernruf Mülheim 61866. Rücksendung unverlangter Zuschriften und Manuskripte erfolgt nur, wenn Rückporto beigefügt ist. Wöchentlich Ausgaben. 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Eine Regierung, die man begrüßt hat als diejenige, die das bisherige System zu vernichten berufen sein sollte und die nun ganz auf der Linie dieses zu Unrecht verschrienen Systems weiterarbeitet, die kann begreiflicherweise in den Rechtskreisen keine reine Freude wecken. Man empfindet dort doch so etwas wie Scham über den Widerspruch zwischen dem Geschrei vergangener Wochen und Monate und dem, was jetzt geschieht. * Die Großagrarier Ostpreußens Ihnen war das Siedlungsprogramm Stegerwalds ein Dorn im Auge. Sie haben es als Bolschewismus bezeichnet. Bolschewistisch wäre es gewesen, wenn es sich um die glatte Enteignung von Großagrariern gehandelt hätte. Worum aber handelt es sich? Nur darum, daß man nicht für Güter, die nicht mehr sanierungsfähig sind, auch noch einen unverschämt hohen Preis zugunsten derer, die sie vielleicht herabgewirtschaftet haben, bezahlen wollte. Ein angemessener Preis sollte gezahlt werden. Einer der es gestatten würde, Siedlung durchzuführen. Mehrere 10.000 Menschen sollten angesiedelt werden. Diese Großzahl wäre auf für sie durchaus erträgliche Weise zunächst als Vollunterstützte ausgeschieden und hätte über kurz oder lang überhaupt keine Zuwendungen von reichswegen mehr erfordert. Aber was kümmert die Großagrarier, Ostelbiens Junker, die seelische und wirtschaftliche Not von tausenden Arbeitslosen?! Das sind für diese Junker Leute, die ohnehin Mißbrauch mit der„Wohlfahrtsanstalt“ Staat betreiben. Die Milliarde, die die begehrlichen Junker bekommen haben— aus den Steuermitteln des ganzen Volkes!—, die haben sie schon längst wieder vergessen. * Arbeitsbeschaffung Wie oft ist in Versammlungen und in Zeitungen der Rechtspresse in der letzten Zeit mit wütenden Angriffen auf die frühere Regierung in Aussicht gestellt worden, daß nach der Beseitigung des„Systems“, Arbeitsbeschaffung im Vordergrunde stehen würde. Brüning wollte Arbeit schaffen. Mit einer Prämienanleihe sollte einem ganzen Heere von Arbeitslosen Beschäftigung gegeben werden. Sie würden diese Beschäftigung in kurzester Frist gefunden haben. Aber auch hier hat das soziale Empfinden der Regierung, das der Herr Reichsinnenminister von Gayl für das Kabinett Papen in Anspruch genommen hat, nicht ausgereicht. Von Prämien= anleide und Arbeitsbeschaifung ist in der neuen Notverordnung nicht die Rede. Die Regierung ist nach Lausanne gefahren. Dort kann sie unte: Umständen wochenlang festgehalten werden. Dann kommt sie zurück und fängt vielleicht an, darüber nachtudenken, wie man Arbeit beschafsen könnte. Aber inswischen wird es schon bald Herbst geworden sein. In der Zwischenzeit erfreuen sich die Arbeitslosen der Kürzung ihrer Bezüge um 23 v. H. Eine wirklich herrliche„soziale“ Politik. Der Vorwurf gegen das Kabinett, daß es reaktionär sei, ist bis zur Stunde nicht widerlegt. Hartes. CNB Berlin, 15.Juni. Wie wir erfahren, ist die Notverordnung über die Aufhebung des SA= und des Uniformverbotes und die Neuordnung der Bestimmungen über die Pressefreiheit nunmehr fertiggestellt. Sie wird voraussichtlich am morgigen Donnerstag veröffentlicht werden. In den letzten Besprechungen beim Reichsinnenminister hat es sich darum gehandelt, die Schwierigkeiten zu überwinden, die in der Stellungnahme der Länder, namentlich zur Frage des Uniformtragens, liegen. Ein Be schluß der Länderregierungen hierzu liegt noch nicht vor. Man hat aber den Eindruck, daß die Länderregierungen vorläufig nicht die Absicht haben, die Aufhebung des Verbotes in ihrem Machtbereich durch eigene Notverord nungen zu verhindern. Dagegen ist wohl damit zu rechnen, daß in den Ländern während des Reichstagswahlkampfes weitgehend Auf marschverbote zur Sicherung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erlassen werden. Die Regierung Papen bringt die Notverordnung heraus, die in ihren Grundzügen schon zur Zeit der Regierung Brüning geplant war Es fehlt allerdings Wesentliches. Es fehlt die in Verbindung damit gedachte Prämienanleihe und das Arbeitsbeschaffungsprogramm. Das Siedlungsprogramm, wie es die Regierung Brüning und der ehemalige Reichsarbeitsminister Dr. Siegerwald vorgesehen hatten, kommt ganz selbstverständlich zu kurz, denn die Großagrarier im Osten wollen an ihren nicht mehr lebensfähigen Gütern. wenn sie sie verkaufen müssen, einen ordentlichen Batzen Geld verdienen. Dafür wollte die zurückgetretene Regierung Brüning die Hand nicht reichen Es ist nicht so, daß die Notverordnung, die vom Kabinett Brüning geplant war, etwa im Zentrum mit Pauken und Trompeten als etwas Wunderbares und als das einzig mögliche begrüßt worden ware. Gegenüber dem, was seinerzeit bekannt wurde, bestanden schon damals in allen Kreisen, die die Leidtragenden sein sollten wertgehende Bedenken. Diese Bedenken wurden sich bestimmt zu allerlei Einsprüchen verdichtet haben, wenn die Regierung Brüning gezwungen gewesen ware, dennoch die Notverordnung zu machen Wir sagen„gezwungen“, gewelen. Das dari man heute sagen. Denn man steht vor der Tatiache, daß diejenigen, die wochen. und monatelang ihren staunenden Zuhörern erzählt haben, die Notverordnunden müßten aufgehoben werden, mit den Notverordnungen müsse Schluß gemacht werden, daß die Repräsentanten jener Kreise in der Reichsreg erung heute nichts anderes zu tun ver mögen, als was Brüning auch hätte tun müssen Es bleibt dabei noch die Frage offen warum man nicht aus piochologischen Gründen darauf Bedacht genommen hat, den jetzt wieder belasteten breiten Volksmassen zu zeigen, daß auch andere mit stärkeren Schultern zu ihrem Teile zur Meisterung der neuen Geld. note des Reiches herangezogen werden? * Die neue Regierung gebt der Notverordnung eine Erklärung auf den Weg. die glauben machen soll, daß das„###leyzte“ Belastung der Gehalts= und Lohnempfänger, der Arbeitslosen, du Wohljahrtsunterstützten und der RentenDie ASDAp lehnt die neue Noiverordnung ab CNR Mänchen. 15. Juni. Der Völkische Beobachter schreibt in seinem Kommentar zu der neuen Wirtschaftsnotverordnung des Kabi netts Papen u.., die NSDAP lehne die erste Notveroronung als neue, für das deutsche Volk unerträgliche Belastung um so mehr ab, als sie in dieser ersten praktischen Maßnahme der Regierung keinerlei Ansatzpunkte für eine genügende Aenderung der bisherigen Politik zu er kennen vermöge. Die Regierung stelle in ihrer Erklärung zur Notverordnung zwar grundlegende Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung in Aussicht. Solange sie aber dieses Versprechen nicht durch Taten zu belegen in der Lage sei, habe die NSDAP keinen Anlaß ihre seit jeher vertretene Auffassung zu ändern. polnische Dreistigkeit WTB Danzig, 15.Juni. In offenkundiger Verletzung der Bestimmungen, die für das empfänger sel. Demnächst werde man andere Wege gehen. Die Erklärung sucht glaubwürdig zu machen, daß für die Regierung Papen ein Zwang bestanden hätte, die Notveroronung, wie sie jetzt kommt, herauszubringen. Man hätte das Recht, das zu bestreiten,—— sosern die früher von rechts erhobenen Behauptungen oppositioneller Natur Grundlagen des besseren Wissens gehabt hätten. Heute erweist sich, daß sie diese Grundlagen nicht hatten. Heute erweist sich, daß die Regierung Brüning nicht gehen mußte, weil der Herr Reichspräsiden: eine Notverordnung nicht unterschreiben wollte, sondern deshalb, weil die anderen um jeden Preis an die Macht kommen wollten! Wäre es anders, würden die Kreise, die hinter der Regierung Papen stehen, nur ernstlich darauf bedacht gewesen sein, das„arme. durch Notverordnungen gequälte Volk“ von dem Drucke der Notverordnungen zu befreien, dann wäre Zeit genug gewesen, alles vorzubereiten, um bei der Machtübernahme dementsprechend zu handeln. Die Männer der neuen Regierung und ihre Helfer haben wochenlang vor dem Sturz Brünings an diesem Sturz gearbeitet. Sie wollten an die Macht, sie wußten, daß ne dahin kommen würden. Sie hätten im Sinne der früheren Behauptungen der Opposition die Pflicht und Schuldigkeii gehabt, ihre Pläne finanzieller, wirtschaftlicher und slozialer Art so zu gestalten, daß man gesehen hätte: es wird etwas„Besseres“, es wird ctwas „Neues“. Sie haben es nicht getan. Sie konnten es nicht! Das steht heute fest. Sie wollten es aber auch gai nicht. Sie gehen ganz auf der Linie aller derer, die der Meinung sind, daß die Anpassung der Lebenshaltung an die Armut des deutschen Volkes eine Angelegenheit der breiten abhängigen Massen in Eben derjen gen. die man jetzt mit neuen Sterern und mit neuen Abzügen beglückt. * Es ist vor nicht langer Zeit ausgerechnet worden, daß die Minderung der Gehälter und Lohne von 1929 bis heute 6 Milliarden betrage Dazu sind in der Zwischenzeit die Krsensteuer und die Bürgersteuer gekommen. Jetzt kommt noch die Beschäftigtensteuer. Dazu kommen die bösen hohen Unterstützungs= und Rentenahzuge Wenn man demnächnt einmal anfängt, zu rechnen, wird sich wohl herausstellen, daß die abhängigen Volksschichten Deutschlands sieben „Von Brüning zu papen“. Hierüber spricht Abg. Joos, 2. Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei, in einer allgemeinen VertrauensleuteVersammlung am Freitag, den 17. Juni, 20 Uhr im Großen Saale der Bürger, Köln, Appellhofplatz. Auch sonst interessierte Parteifreunde sind willkommen. Eintritt frei! Ausweis: Mitgliedskarte. Anlaufen polnischer Kriegsschiffe im Danziger Hafen gelten, ist heute früh gleichzeitig mit den englischen Torpedobooten das polnische Kriegsschiff„Wicher“ in den Danziger Hasen eingelaufen, ohne sich vorher beim Danziger Senat angemeldet zu haben. Ferner hat der Kommandant der„Wicher" bei dem englischen Flotillenkommando innerhalb der Danziger Hoheitsgewässer einen Besuch abgestattet. bis acht Milliarden in den letzten Jahren auf dem Wege des Verzichtes, auf dem Wege der Anpassung an die Armut des Volkes als Opser aus den Altar des Vaterlandes niedergelegt haben. Ende 1931 glaubte die Regierung jenem Opfer die tröstliche Verheißung beigesellen zu dürsen, daß der Preisabbau mit dem Abbau der Einkünfte Schritt halten würde. Allewurde getan, die Verheißung zu erfüllen Der Preiskommissar hat aber nicht lange seines Amtes gewaltet. Der Preisabbau ist bei 16 bis 18 Prozent im Durchschnitt im Vergleich mit 1929 steckengeblieben. Der Abbau der Gehälter und Löhne. Unterstützungen und Renten ist beträchtlich viel höher. Es gibt zwar Kreise, die das nicht gern hören. es ist aber so: die Kaufkraft der breiten Massen, die für die Binnenwirtschaft von größter Bedeutung ist, wurde zu rasch, n viel zu weitem Ausmaße in viel zu kurzer Frist geschmälert. Die Folge war der Nieder= gang des Wirtschaftolebens auf dem Vinnenmarkt, der Rückgang der Steuereinnahmen, die neue Gefährdung des Reichshaushalts, die neue Ueberlegung, wie man an derselben Stelle wie bisher d. h. bei den Abhängigen neue Geldquellen für das Reich erschließen könne Wenn das mit Wirkung und Ursache so weiter geht, dann wird eines Tages die Lebenshaltung einer erdrückenden Mehrheit des deutschen Volkes einschließlich des gesamten Mittelstandes und der Kleinbauern der Armut sowcit angepaßt sein, daß wirklich nichts mehr anzupassen ist Und wie will man dann den Reichohaushalt in Ordnung bringen?? Das ist das große Problem vor das die Regierung Papen gestellt ist und von dem sie behauptet hatte, es lösen zu konnen. Sie sängt aber mit Notvererdnungen an Sie knüpft also, und dazu noch verschärft, dort an, wo die Regierung Brüning aufgehört hat. Ste werßallo keinen anderen Weg. Alle Vorwürfe gegen die Regierung Brüning von dieser Seite sind ungerechtsertigt gewesen! * Und die Nationalsozialisten? Sie nehmen die Tatsache dieser Notverordnung mit einem nassen uns enem trockenen Auge hin Sie drehen und wenden sich und wollen jetzt glau hon machen daß diese Notverordnung nicht ein Wenn zwei dasselbe tun Was die Notverordnung der Regierung papen beweist Lokal=Anzeiger Mittwoch, 15. Juni 1932 Seite 2 Nr. 163 Versagen der Regierung Papen wäre, sondern eine Zwangsläufigkeit, als das Erbe Brünings. Man findet nun in der nationalsozialistischen Presse folgende Sätze: „Wir verrennen nicht, daß diese Regierung zu diesen Mitteln einer Notverordnung schreiten mußte, da sie eben keine nationalsozialistische Regierung ist und über keine besseren Mittel und Wege verfügt und verfügen kann. Erst eine nationalsozialistische Regierung wird Mittel und Wege finden, um dahin zu gelangen, daß endlich mit dem System der Notverordnungen auf Kosten der breiten Massen Schluß gemacht wird.“ Zu der Regierung Papen hat Herr Adolj Hitler engste Beziehungen. Wenn ihm daran gelegen wäre, den breiten Massen, die danach lechzen, Entlastung zu schaffen, dann wäre es ihm ein Leichtes, dieser Regierung bessere Mittel und Wege" zu zeigen, vielleicht sogar ein Leichtes, diese Regierung zu ihrer Anwendung zu zwingen. Wenigstens müßte man das nach der Tonart der nationalsozialistischen Presse annehmen. Herr Hitler könnte die Wege und Mittel, die naturlich ganz konkret angegeben werden müßten, ja öffentlich aufzeigen, damit das ganze Volk sieht, daß der„Schluß mit dem System der Notverordnungen“ auf das Verdienstkonto der Nationalsozialisten geht. Niemand würde iym die Anerkennung für solches Verdienst schmälern. Einstweilen aber steht man unter dem nach vielem oppositionellen Geschrei sehr peinlichen Eindruck, daß die Nationalsozialisten erstens keine besseren konkreten(nicht phrasenleichten) Mittel und Wege kennen und zweitens ihren früheren Sturm gegen Notverordnungen nur benutzt haben, um gegen das ihnen verhaßte Kabinett Brüning. weil darin Zentrumsleute maßgebend waren, den entscheidenden Schlag zu führen. Das wird schnell offenbar, wenn nan sich fölgende Tatsache vor Augen hält: Vor dem Regierungswechsel in Berlin hatten im Württembergischen Landtag die Nationalsozialisten den Antrag gestellt, die württembergische Regierung solle sich gegen neue Notverordnungen der Reichsregierung energisch wehren. Am 8. Juni sollte dieser nationalsozialistische Antrag auf die Tagesordnung des Württembergischen Landtages kommen. Aber siehe da. die Antragsteller zogen ihn selber zurück! Bezeichnend ist die Begründung: Der Antrag sei nur gegen Brüning gerichter gewesen!! Der neuen Reichsregierung gegenüber sei er gegenstandslos! Das sind also die Nationalsozialisten, die wochen= und monatelang ein Volk glauben gemacht haben, daß sie im Ernste Gegner der Notverordnungen seien. In Wirklichkeit waren sie nur und sind sie nur Gegner des Zenttums und Gegner der Katholiken, die sich zum trum bekennen. Sie stützen unverkennbar die reaktionäte Regierung Papen, weil ihnen diese Regierung erstens weitgehende Zugeständnisse gemacht hat und weil sie zweitens von ihnen als Wegebereiter für das Dritte Reich, für die faszistische Diktatur angesehen wird. Es spielt für die Feststellung dieser Tatsache keine Rolle, ob sich die Nationalsozialisten in dieser Richtung nicht bettächtlich täuschen werden und ob sie nicht nach wenigen Wochen schon mit in der Opposition gegen die Regierung Papen stehen werden, von der sie heute noch, weil es Herr Hitler so wünscht, glauben, daß sie die Vorläuferin ihrer Diktatur sein werde. Herr Schleicher gilt als ein Mann, der die Pferde, die er gesattelt hat, bis zum eigenen Ziele selber zu reiten pflegt. Sollte er es Herrn Hitler gegenüber anders halten? 00 * Der Mißstimmung, die auch in nationalsozialistischen Kreisen über den ersten Regierungsakt des Systems Schleicher=waven entstanden ist, gibt der Angriff in folgenden Worten Ausdruck: „Angesichts des Umstandes, daß die Regierung von Papen bisher die Inangriffnahme populäter Maßnahmen mit konstruktiven Ideen vermissen ließ, wird diese Notverordnung mit Recht in weitesten Kreisen eine ungeheure Verbitterung verursachen.“ Auch unzufriedene Deutschnationale CNB Berlin, 15. Juni. Die Mitteilungen der Deutschnationalen Volkspartei schreiben zur neuen Notverordnung, es erscheine völlig unmöglich, daß eine Regierung, die sich auf das nationale Deutschland stützen wolle, in den„ausgefahrenen Gleisen des bisherigen Systems“ weiter arbeite. Gerade vom deutschnationalen Standpunkt aus musse beklagt werden, daß die neuen steuerlichen Belastungen sämtlich ausgesprochene und einseitige Massenbelastungen sind. Wörtlich heißt es dann: „Für das am Boden liegende Deutschland kommt jetzt alles darauf an, ob die Regierung imstande ist, auf den entscheidenden Gebieten der Wirtschafts=, Finanzund Handelspolitik neue Wege zu gehen, die dahin führen, die landwirtschaftlichen, gewerblichen und industriellen Betriebe wieder tatkräftig zu machen.“ Gespräche der Großen Das Neueste: mehrjährige Rüstungsferien Vereinfachte Rechtspflege Einschneidende Anderungen auf allen Gebieten der Rechtsprechung WTB Berlin, 14.Juni. Eine neue Verordnung des Reichopräsidenten besaßt sich mit Maßnahmen auf dem Gebiete der Rechtopflege und Verwaltung. Dazu sind heute Erl#uterungen verössentlicht worden, die sich zunächst mit den Vereinsachungen und Ersparnissen besassen. MacDonald und Herriot sind allem Anschein nach übereingekommen, der Abrüstungskonferenz den Abschluß einer mehrjährigen Rüstungspause— man spricht von 3,5 oder sogat mehr Jahren— vorzuschlagen, die auf den status quo der Rüstungen aufgebaut sein und als„Herabsetzung“ eine fünf= bis zehnprozentige Einsparung beim Heeresbudget vorsehen soll. Man will dem Ganzen einen ansehnlicheren Anstrich geben, wahrscheinlich um zu vermeiden, daß damit ein völliges Scheitern der Abrüstungskonferenz nach außen hin allzudeutlich wird. Deshalb sollen die Rüstungsferien mit einer Generalisierung des alten Völkerbundsabkommens über das Verbot des Giftgaskrieges mit einem Abkommen über die internationalen Vereinbarungen der privaten Waffenherstellung und mit einer Erneuerung des„Friedenswillens“ im Sinne einer feierlichen Bekräftigung des Kellogavaktes verbunden sein. Welchen Wert hat aber eine solche Erklärung, wenn nicht die selbstverständliche Konsequenz gezogen wird, die man schon 1928 mit dem Abschluß des Kelloggpaktes hätte ziehen müssen, wenn man nicht endlich abrüstet und damit praktisch beweist, daß man von wirklichem Friedenswillen beseelt ist? Inzwischen ist nun das deutsche Memorandum das mehr als persönliche Aufzeichnungen Nadolnys enthalten und als Zusammenfassung der zwischen Nadolny und Grandi besprochenen Fragen bezeichnet wurde, auch den übrigen Hauptdelegierten sowie dem Konferenzpräsidenten Henderson überreicht worden und seine Forderungen: deutsche Gleichberechtigung und qualitative Abrüstung durch Verallgemeinerung der Versailler Bestimmungen für die Deutschland verbotenen Waffen werden aus der neu beginnenden Diskussion nicht ausgemerzt werden können. Frankreich und die Reparationen WIB London, 15. Juni. Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph will erfahren haben, daß bereits die führenden finanziellen Ratgeber der Regierung Tardieu, u. a. Flandin, die gleiche Politik zu verfolgen gewillt waren, die jetzt das Kabinett Herriot in der Frage der Streichung von Reparationen und Kriegsschulden einleitete. Die Wendung der französischen Politik sei durch wirtschaftliche rwägungen beeinflußt worden. Man sei sich darüber klar geworden, daß Frankreichs Anteil an etwaigen, nach langer Moratoriumspause wieder einsetzenden Reparationszahlungen nicht den Betrag der französischen Schuldenzahlungen an Amerika decken werde. Wen nun Frankreich freiwillig auf deutsche Reparationsleistungen verzichte, dann werde mit größter Wahrscheinlichkeit Amerika seinerseits auf die Eintreibung der Kriegsschulden verzichten. Eine unversöhnliche Haltung Frankreichs aber hätte Deutschland zu offener Zahlungsverweigerung getrieben und damit auch eine Nachgiebigkeit Amerikas gegenüber Frankreich unwahrscheinlich gemacht. Keine Bürgersteuer In der Notverordnung über die finanziellen Maßnahmen ist eine Verlängerung der Bürgersteuer nicht enthalten. Von untereichteter Seite erfahren wir, daß das Kabinett sich schlüssig geworden ist, sie fortfallen zu lassen. Sie geht also mit dem Monat Juni zu Ende. Die Gemeinden hatten zwar beantragt, sie auch vom 1. Juli ab zunächst weiter zu erheben. Die Reichsregierung war aber der Ansicht, daß die Gemeinden ohne die Bürgersteuer auskommen müßten, da das Reich ihnen für die Wohlfahrtsleistungen in diesem Etatsjahr 670 Millionen statt 230 Millionen im Vorjahre zugewiesen hat. Wo sich in einzelnen Fällen Fehlbeträge ergeben, ist nach Auffassung der zuständigen Reichsstellen zunächst eine Durchprüfung der Ausgabenseite erforderlich. Recht interessant ist die Frage, ob die Länder von sich aus berechtigt sind, die Bürgersteuer weiter zu erheben. Das wird in Kreisen der Reichsregierung als unzulässig bezeichnet. Das Reich hat für die Erhebung bestimmte Vorschriften erlassen und darüber hinaus haben die Länder nicht die Be rechtigung zu einer weiteren Erhebung. prozeß gegen Silvester Matuschka WTB Wien, 15. Juni. Der für heute vormittag 9 Uhr anberaumte Prozeß gegen den Eisenbahnfrevler Silvester Matuschka begann mit einiger Verzögerung unter allen Anzeichen der Sensation. Schon lange vor Beginn der Verhandlungen hatten sich vor dem Haupttor des Landgerichts Hunderte von Personen eingefunden, von denen aber nur ein kleiner Teil mit Karten eingelassen werden konnte. Als Matuschka, begleitet von zwei Justizsoldaten, den Saal betritt, geht eine lebhafte Bewegung durch die Zuhörer. Auf der Anklagebank breitet Matuschka vor sich eine Menge Papiete aus, aus denen er vermutlich die wiederholt angekündigte große Rede halten will. Diese Rede hat er in verschiedenen Entwürfen abgefaßt und in verschiedenen Farben niedergeschrieben, so einen Aufruf an das ungarische Volk in den Farben rot, grün, blau und gelb, teils mit Tinte, teils mit Farbstift. Auf dem Gerichtstisch liegen Schienenstücke, Schraubstöke,„ Schraubschlüssel und andere corpora delicti. Matuschka macht einen sehr intelligenten Eindruck. Nach Erledigung der Formalitäten beginnt die Verlesung der umfangreichen Anklage6155. Zweifel WTB Perth(West=Australien), 15. Juni. Nach einer Meldung aus Wyndham wird die Glaubwürdigkeit der Eingeborenen=Berichte, wonach das Wasserflugzeug des deutschen Fliegers Bertram aufgefunden worden sei, jetzt bezweifelt. Die Nachforschungen werden nach allen Richtungen fortgesetzt, Zukunft wird gegen jedes Urteil des Amtsrichters oder des Schöffengerichte nur noch ein Rechtemittel, entweder die Berufung oder die Revision, zulässig sein Für bedeutendere Strafsachen wird das Gericht erster Instanz die Zuständigkeit der Großen Strafkammer(drei Berufsrichter, zwei Laienrichter) bearünden. Revisionsinstanz ist das Reichsgericht. In allen Sachen, in denen dae Rechtemittel der Berufung gegeben ist, soll, um Verzögerungen zu vermeiden das Gerscht den Umsang der Bewetsaufnahme nach seinem freien Ermessen bestimmen. Von den weiteren Neuetungen auf strasprozessualem Gebiet seien folgende hervorgehoben: Das Haftprüfungsverfahren unterbleidt, wenn der verhaftete Beschuldigte selbst darauf verzichtet. Die zulässige Dauer einer Unterdrechung der Hauptverhandlung wird von drei auf zehn Tage erhöht. Auch in Jugendsachen soll in Zukunft in gleichem Umjange wie bieher in gewöhnlichen Strafsachen der Einzelrichter an Stelle des Schöffengerichte entscheiden können. In Privatklagesachen tritt das Gericht, außer wenn das Armenrecht bewilligt ist, erst dann in Tätigkeit, wenn ein Vorschuß gezahlt worden ist. Die Revision wird, um die Geschäftsbelastung der Reichsgerichts nicht noch weiter zu erhöhen, insowett ausgeschlossen, als sie auf die Verletzung derjenigen Verfahrensvorschriften gestützt wird, die die Ausübung des richterlichen Fragerechts und die Beweiswürdigung betreffen. In Ehescheidungs. und Eheansechtungssachen, sowie in Streitigkeiten wegen Herstellung der ehelichen Gemeinschaft wird die Revision nur dann zugelassen, wenn das Berufungsurteil einen dahingehenden Ausspruch erhält. Das Oberlandesgericht hat die Revision zuzulassen, wenn es von der Reichsgerichtsentscheidung abweicht oder wenn es eine Klärung einer grundsätzlichen Rechtsfrage von der Revision erwartet. Weiter wird in Kostensachen die Beschwerde non einer Beschwerdesumme von 50 M. ab. gangig gemacht Die wachsende Zahl der von der össentlichen Fürsorge Betreuten hat zu einer sehr erheblichen Belastung des Bundesamtes für das Heimatwesen geführt. Die in der Notverordnung vorgesehene Berufungsgrenze, die Beseitigung der Gebührenfreiheit und die Einbeurfung von Hilferichtern soll das Bundesamt entlasten. Die Vorschriften, die sich mit dem Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung befassen, sollen Im wesentlichen gewisse Unzuträglichkeiten beseitigen die sich bei der Beaussichtigung der peivaten Bausparkassen herausgestellt haben. Es handelt sich hier um vereinfachte Abwicklung der Bauspatverträge im Falle, daß einer Bausparkasse der Geschäftsbetrieb untersagt wird, um Maßnahmen zum Schutze der Sparer vor Verlusten. Das Rapitel Kartellgericht ändert und erganzt einige förmlichtechtliche Bestimmungen der Kartellverordnung. so die, daß der Gesperrte unmittelbares Antragsrecht in das Kartellgericht erhält, ferner um eine Beschleunigung des Verfahrens zu erzielen, sollen künftig dei Sitzungen des Kartellgerichts zwei Reichswirtschaftsgerichterdte als Beisitzer teilnehmen In der Reichofinanzverwaltung treten folgende Vereinfachungen ein: Die Kammern der Finanzgerichte sollen ab nun statt mit sieden mit fünf Personen, und zwar zwei Beamten und drei ehrenamtlichen Mitgliedern. besetzt werden Beim sogenannten Anfechtungsverfahren bei Zöllen und Gebrauchssteuern sollen die dem Hauptzollamt zustehenden Besugnisse klargestellt werden. Der Zollausschuß Wesermünde wird vom 1. Juli ab aufgehoben. Die Arbeiten der Rechtsverwaltung für Reichsaufgaben sollen mit besonderer Beschleunigung beendigt werden. Lohn= und Gehaltspfändung Die Pfändungsgrenze betrug in der Vorkriegszeit monatlich 125 Mark. 1928 wurde sie auf 195 M. erhöht. Die Pfundungsgrenze ist mit Wirkung vom 1. Juli d. I. ab auf 165 M. monatlich herabgesetzt worden. Fotschung erspart Millionen Der praktische Wert der Gewässerforschung— Jahresertrag der deutschen Binnenfischerei: 150 Millionen Mark— Biologische Selbstreinigung— Steigendes Grundwasser zwingt zur Umsiedlung ganzer Dörfer Die Erforschung unserer Binnengewässer, besonders der Seen, mit ihren Pflanzen und Tieren, ihren Strömungs= und Temperaturverhältnissen, ihrer chemischen Zusammensetzung, ihren geographischen und geologischen Bedinungen ist von hohem praktischen Wert. Sie ommt vor allem der Binnenfischerei zugute. Denn der Fisch ist ein Glied im Stoffkreislauf eines Gewässers; jede fischereiwirtschaftliche Maßnahme, die ja einen Eingriff in den natürlichen Verlauf des Stoffumsatzes darstellt, wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie sich auf genaueste Renntnis der Eigenart des Lebens in dem detreffenden Gewässer gründet. Ein Viertel dis ein Fünftel des Fleischbedarfs des deutschen Volkes wird durch Fischfleisch gedeckt. Wesche Rolle dabei gerade die deutsche Binnensischerei spielt, wird meist start unterschätt. Der Jahresertrag der deutschen Binnenfischerei beträgt nach neuesten zuverlässigen Angaben 130 Millionen Mark Schon dieser Tatbestand rechtfertigt die Forderung, daß der Staat der für die Hebung der Meereoftscherei und die Erforschung ihrer wissenschaftlichen Grundlagen alljährlich berrächt liche Summen auswirft, der Binnenfischerei und der Wissenschaft die an ihrer Hebung arbeitet, zum mindesten die gleiche Unterstützung zutei! werden läßt. Das ist dis setzt nicht der Fall. Die moderne Süßwasserforschung ist, so schreibt Pros. Dr. Thienemann. Direktor der Hydroiologischen Anstalt in Plön(Holstein), in einem VOI=Verlag zu Berlin erschienenen Heft von„Forschung tut not!“. nach mancherlei Richtung praktisch wichtig geworden. Sie hat die sogenanten„biologische Wasseranalyse“ geschaffen, das heißt die Beurteilung der Beschafsenheit eines Gewässers auf Grund seiner Tier= und Pflanzenwelt: diese ist heutzutage in dem Ringen um die Reinhaltung unserer Gewässer nicht mehr zu entbehren Sie hat anderseits gelehrt, die Wasserorganismen selbst in den Dienst der Reinigung der Abwässer zu stellen(biologische Selbstreinigung. Abwasserfischteiche). Sie greift auch in das veterfnärmedizinische Gebiet über; denn gewisse Schädlinge unserer landwirtschaftlichen Nutztiere sind in bestimmten Entwicklungsstadien an das Süßwasser gebunden; eine Bekämpfung der durch sie verursachten Seuchen, eine Vermeidung großer Viehsterben(durch Kribbelmücken, Leberegel) ist nur möglich auf Grund genauer Untersuchungen, die sich nicht nur mit ihren Erregern, sondern auch mit deren Stellung im Leben der von ihnen bewohnten Gewässer beassen. Neuerdings hat sich die Plöner Anstalt mit einer Frage von großer wirtschaftlicher Bedeutung beschäftigt. Durch die starke Hebung des Grundwasserspiegels, die in ganz Norddeutschland seit einer Reihe von Jahren zu beobachten ist, sind Riesenflächen forstlich. landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Geländes versumpft und wertlos geworden. Im Warthegediet daben Dörser vor dem steigenden Grundwasser geraumt. ihre Bewohner umgesiedelt werden müssen. Millionenwerte sind vernichtet worden. Voraussagen über die Dauer dieses Zustandes sind unmöglich, da die rein theoretischen Vorarbeiten fehlen. So sind alle Abbilfe= und Vorkehrungsmaßnahmen für die Zukunft mit einem großen Unsicherheitsfaktor behaftet. Hier rächt es sich, daß wissenschaftliche Studten über die Grundwasserschwankungen und ihre Ursachen nicht schon seit Jahren in dem nötigen Ausmaß in die Wege geleitet worden sind. Die hierfür etwa aufgewendete Summe hätte jetzt reichen, praktischen ins tragen können! 5. Juni 1932 Aitteilungsskatt alker westdeutschen Jurn= und Spoctverkände Amtliches Oegan der Deutschen Jugendkrakt Erscheint täglich Zweimal Weltrekord über 4 mal 100 Meter Das leichtathletische Abendsportfest des VfL Hessen=Preußen Kassel gestaltete sich am Dienstagabend zu einem Ereignis von besonderer Bedeutung. Auf der Hessen=Kampfbahn hatten sich rund 3000 Interessenten eingefunden, die nicht nur spannende Kämpfe, sondern auch hervorragende Leistungen zu sehen bekamen. Den größten Teil des Programms füllten die Sprinter aus, die auch mit den erwarteten Spitzenleistungen aufwarteten. Besonders in den beiden Staffelläufen gaben alle ihr Bestes, so daß beide Male der auf 40,8 Sekunden stehende Weltrekord verbessert werden konnte. Schon beim ersten Versuch zu Beginn der Veranstaltung wurde die Welthöchstleistung von der Staffel Hendrix, Geerling, Borchmeyer und Jonath um eine Zehntelsekunde unterboten. Die beiden Anfangsläufer waren hinter Körnig und Lammers etwas zurückgeblieben, doch holten die beiden Bochumer durch hervorragendes Laufen den Verlust und noch einen klaren Vorsprung heraus. Von den vier Uhren der Zielrichter zeigten drei 40,7 SeTennismannschaftsturniere Reichsbahn TusV— SV Elsäss. Bank:10 Wie erwartet, holten sich die Bankleute auch hier einen klaren Sieg und stehen nunmehr in der Tabelle an der Spitze. Das Verhältnis der einzelnen Sätze war:22 und der Spiele 138:188. TV Kalk 74 3. wurde durch einen knappen 8:=Sieg über Reichsbahn TusV 2. Meister der=Klasse bei 16:12 Sätzen und 139:138 Spielen. Ueberraschend kommt auch der Sieg des TV Dellbrück 95 über TB Kalk 74. 2. mit 11:3 Punkten bei 23:8 Spielen und 169:113 Spielen. Fußballspiele: TV Merheim 95— TV Mülheim 50 6: 3. Die Mülheimer spielten zu unerfahren, um für einen Sieg in Frage zu kommen, da bereits in der Pause der Sieg der Platzherren mit:1 feststand SC 1. Brauweiler— PfB Köln 06 Res. 6: 2 Auch hier setzten sich die Platzherren erfolgreich durch und brachten durch ihr schönes Zusammenspiel sechs Erfolge zustande, während die Gäste nur zwei entgegensetzen konnten. Schlagballmeisterschaft: TusV Opladen— SEl Wacker 34:39 Nachdem die Wackerleute bereits im Hinspiel die Ueberlegenheit der Meistermannschaft Opladens anerkennen mußten, vollbrachten sie im Rückspiel eine große Leistung, indem sie den weit unter Form spielenden Gegner gegen Schluß des Spieles übertrumpften und ihm so die beiden ersten Verlustpunkte beibringen konnten. Allerdings ist Wacker noch immer zwei Verlustpunkte im Rückstand, so daß die Spitzenstellung Opladens noch etwas gesichert ist. Faustballspiele: Im Turnerheim Mülheim standen sich die Turnerinnen des Kölner TV 43 und des TusV Leverkusen zum entscheidenden Kampfe um die Gruppenmeisterschaft gegenüber Nach wechselnder Führung konnten die letzteren den vorjährigen Gaumeister hait 41:39 verdient bezwingen, so daß die 43erinnen aus dem weiteren Wettbewerb ausscheiden. Faustballmeisterschaft. In der Gauklasse wurde bei den Turnern in Gruppe 1 TusV Leverkusen Gruppenmeister, 7 Max Schmeling mal so... kunden an, eine verzeichnete 40,8 Sekunden. Nach diesem Weltrekordlauf sah man dem zweiten Versuch, der fast zum Schluß durchgeführt wurde, mit noch größerer Spannung entgegen, da bei einer Umbesetzung der Nationalstaffel mit einer weiteren Verbesserung des Rekords gerechnet werden konnte. Das trat dann auch ein, denn mit der Mannschaft Körnig, Lammers, Borchmeyer und Jonath kam eine Zeit von 40,6 Sekunden, also nochmals eine Zehntelsekunde schneller, heraus. Dabei klappten die Wechsel zwischen den Läufern bis auf den letzten sehr gut. Ganz hervorragend lief auch die zweite Staffel mit Hendrix, Geerling, Vent und Pflug, die zwar vom Start weg etwas im Rückstand war, den„Olympionikern“ aber dauernd auf den Fersen blieb und mit ihrer Zeit von 40,8 Sekunden die alte Welthöchstleistung erreichte. Selbst die dritte Mannschaft blieb mit 41,1 Sekunden nur wenig zurück. Neben diesen beiden Staffelkonkurrenzen traten die Einzelwettbewerbe natürlich etwas in da TusV Manfort und BV Opladen(beide WSV) ihre Mannschaften zurückzogen. Die Hinspiele der=Klasse hatten folgende Ergebnisse: Turner: TV Mülheim 50— Tbd Dellbrück 34:38(19:26); TV. Bg. Gladbach— TV Dellbrück 33:32(16:15); Tbd Dellbrück — IV Dellbrück 43:31(16:15); TV Mülheim 50— TV Bg. Gladbach 29:34(14:19); TV Mülheim 50— WV Dellbrück 46:29 (24: 15); Tbd Dellbrück—. TV Bg. Gladbach 30:29(15:14); Kölner TV 43— Kölner BCI(WSV) 41:43(22: 20); Kölner Tbd 93 — TusV Rodenkirchen(WSB) 38:45 (20:25); Kölner BEI(WSV)— TusV Rodenkirchen(WSV) 42:40(21:16); Kölner Segelregatta Hitorf—Vollmerswerth Die von den Düsseldorfer Seglern ausgerichtete Segelwettfahrt erfreute sich eines lebhaften Zuspruchs aus den Kreisen der Segler von Köln und Düsseldorf. Bei günstigem Wind verlief die Fahrt ohne jede Störung. Sonnentind des Herrn Dr. Zinnecke vom Kölner Segler=Clud hatte Aussicht, absolut schnellstes Boot der Regatta zu werden, wenn nicht das Regattapech sich eingestellt hätte und das Boot in seiner Manöverierfähigkeit infolge einer Havarie behindert wurde, was indes dank der zuverlässigen Führung den Sieg nicht beeinträchtigte. In der 45 Quadratmeter=Kreuzerklasse kam es zu dem erwarteten Duell Sybille des Herrn Horatz vom KSC und Liesel des Herrn Münstermann vom Düsseldorfer JachtAufruf an alle! Anläßlich der diesjährigen Vaterländischen Festspiele am 17 Juli 1932 tragen die dem Zweckverband für Leibesübungen Groß Köln angeschlossenen Verbände nachstehend ausgeführte Wettkämpfe aus: Ossene Klasse: 100=Meter=, 400=Meter= 1500 Meter=, 5000=Meter=Lauf. Weitsprung, Hoch sprung Stabhochsprung, Diskuswersen. Speerwerjen, Kugelstoßen,=mal 100=Meter=Staffel. 2. Klasse: 200=Meter=, 1000=Meter=Lauf, Weitsprung. Diskuzwersen Olympische Staffel(800, 200, 200 400 Meter) 3. Klasse: 100 Meter=, 800-Meter=Lauf. Hoch sprung. Kugelstoßen. Schwedenstaffel(400, 300, 200. 100 Meter) Im Rahmen der Sondervorführungen werden um 17 Uhr die=mal=100 Meter=Staffel und um 18.20 Uhr die Siegfried=Staffel über 25=mal250=Meter gelaufen. Die Staffel besteht aus zehn Jugendlichen bis zu 18 Jahren und 15 Senioren. Die Jugendlichen laufen an 1. bis 10. Stelle. Die Wettkämpfe beginnen pünktlich um 14 Uhr in der Hauptkampfbahn. Umkleidegelegenheit ist im Hauptgebäude des Stadions. Für die Sieger sind Plaketten und Diplome der Staatsregierung beantragt; bestimmt ausegeben werden jedoch Diplome und Eichenranze. Meldungen sind spätestens bis zum 11. Juli 1932 einzureichen, und zwar: Für Vereine der Deutschen Turnerschaft an: den Hintergrund, Obwohl es auch hier einige hervorragende Leistungen gab. So konnte Lammers den Hauptlauf über 100 Meter in ausgezeichnetem Stile in 10,4 Sekunden vor Hendrix und Borchmeyer gewinnen. Metzner lief über 400 Meter von Anfang an sein Rennen selbst und Jonath ließ sich über 200 Meter ebenso wenig gefährden. Im 800=Meter=Lauf ging Hobus, nachdem er ansänglich an dritter Stelle gelegen hatte, auf halber Distanz an dem ausgerückten Düsseldorfer Lefeber vorbei, der klar geschlagen blieb. Ueber 1500 Meter hatte Schaumburg (Oberhausen) bis zur letzten Runde geführt, dann ließ er aber stark nach und mußte außer Wichmann auch noch Schilgen vorbeilassen, die allerdings unter 4 Minuten lausen mußten. Die beiden Wurswettbewerbe waren eine lokale Angelegenheit, da der deutsche Zehnkampfmeister Sievert(Eimsbüttel) zwar anwesend war, aber wegen seiner in Frankfurt erlittenen Verletzungen nicht starten konnte. Kölner TV 43— TusV Rodenkirchen(WSV) 32:29(22:15); Kölner BEI(WSV)— Kölner Tbd 93 45:23(26:13); TusV Leverkusen— TusV Leverk.=Dormagen 54:38 (28:22); TusT Manfort(WSV) zurückgezogen; ATV Köln 63 und Kölner SEl 99 (WSV) nicht angetreten; Dünnwalder TB— TV Höhenberg 63:54(36:25); Altersturner über 32 Jahre: Kölner Tbd 93— TV Wesseling 47:53(22:28); TV.Gladbach nicht angetreten; Turnerinnen: TB Mülheim 50— Deutzer TV 78 45:32(26:16); TV Mülheim 50— Tbd Dellbrück 60:35(27:16); Deutzer TV 78— Tbd. Dellbrück 48:40(24:19); Kölner Tbd. 93— TB Kalk 74 25:50(14:20); Kölner Tbd. 93— TuFG. Nippes 78 49:42 (24:23); TV Kalk 74— TusFG. Nippes 78 55:31(32:16); Jugend: TusV. Leverkusen— TusV. Dormagen 40:38(20:20). Klub. Sybille ging aber sofort in Front, nahm dem Gegner den Wind aus den Segeln und siegte mit knappstem Zeitunterschied. Ergebnisse: Ausgleichklasse A Lieselotte (Eigner: Ständike, DSB):19,00; Ausgleichklasse B Hanseat(Dr. Fraunfelder, RSV) :22.10; Ausgleichklasse C. Seehund(Voogd, DJC):15,02; 22 Quadratmeter Rennklasse Sonnenkind(Dr. Zinnecke, KSC):00,16; 15 Quadratmeter Rennklasse Manitou(Schneider, D3C):24,40; 45 Quadratmeter Kreuzerklasse Sybille(Horatz, KSC):59.25, vor Liesel (Münstermann, DJC):00,10; 30 Quadratmeter Rennklasse Elk VI(Kappes, KSC) :54.23; Ausgleichklasse D Lelila(Leistenschneider, DJC):59.17. Die nächste Veranstaltung der rheinischen Segler ist die Rhein=Woche in 14 Tagen. L. Geschäftsstelle des Kölner Turngaues, Köln, Unter Goldschmied 38, für Vereine des Westdeutschen Spielverbandes an: Herrn H. Giseke, Köln=Lindenthal, Cl=Kappelmann=Straße 37, für Vereine der Dutschen Jugendkraft an: Herrn Willi Erken, Köln=Ehrenfeld, Lessing= Straße 70, für Vereine des Eichenkreuz=Verbandes an: Herrn Generalsekretär Freitag, Köln, Antoniterstraße 21—25. Später eingehende Meldungen müssen wegen des Programmdruckes unberücksichtigt bleiben. Nachmeldungen auf dem Platze werden nicht angenommen.— Startgeld wird nicht erhoben! Die Vereine werden dringend ersucht, nur solche Meldungen abzugeben, die am Start wirklich erfüllt werden. Bei den diesjährigen Vaterländischen Festspielen finden für die Damen folgende leichtathletische Wettkämpfe statt: Klasse 1: 100 Meter, 200 Meter, 800=Meter Lauf, 80=Meter=Hürden, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Diskuswersen, Speerwersen,=mal=100=Meter=Staffel. Dreikampf: 100 Meter, Kugelstoßen, Weitsprung. Klasse 2: 100 Meter, Kugelstoßen, Weitsprung und Dreikampf Die Wettkämpfe werden auf der Ostkampfbahn ausgetragen und beginnen um 14 Uhr. — Startgeld wird nicht erhoben!— Für die Siegerinnen sind Plaketten und Diplome der Staatsregierung beantragt; bestimmt werden Gauschießen des Deutschen Schützenbundes Zu Beginn der Kämpfe der Bundesvereine um die deutsche Bundesmeisterschaft 1932 war der Gau Köln im Deutschen Schützenbund am letzten Sonntag bei heißem Schießwetter auf den städtischen Schießständen in Köln=Merheim angetreten, um den Gaumeister festzustellen im Schießen in 5 Gewehrarten den die Seb.= Schützengesellschaft Bonn zu verteidigen hatte. Auch diesmal gelang es der geübten Mannschaft dieses Vereins, den Titel zu halten, die nun in den Kampf um die Bezirksmeisterschaft einzutreten hat. Es wurden trotz der Hitze hervorragende Schießergebnisse erzielt, auch von Schützen der unterlegenen Mannschaften, nämlich der Schützengesellschaft KölnNippes und der Kölner Freihandschützenvereinigung. Die Bonner Mannschaft erzielte insgesamt(5 Schützen je 60 Schuß) 4010 Ringe vor der Kölner Freihandschützenvereinigung, 3893 Ringe. Die besten Einzelergebnisse(60 Schuß) waren: Feldscheibe, 300 Meter, Emil Martin (Bonn) 798., Standscheibe, 175 Meter, G. Römlinghoven(Köln=Nippes) 883., Scheibenpistole, 50 Meter, H. Bauer(Bonn) 902., Wehrmannscheibe, 175 Meter. Ed. Franz Kettner(Köln) 935., Kleinkaliber, 50 Meter, P. Schönthier(Köln) 637 R. Geschossen wurde freihändig auf zwanzigkreisige, bei Kleinkaliber auf zwölfkreisige Scheiben. Red Star Olympique auch in Köln Die Deutschlandreise der französischen Fußballmannschaft von Red Star Olympique Paris wird sich auch auf Köln ausdehnen, wo die Pariser am Sonntag ein Gastspiel gegen Sülz 07 geben. In der Elf wirken so bekannte Spieler wie Diaz Finamore, Thépot(oder Platko) und Pinel mit. Nachwuchs=Dauerrennen in Köln Auf der Nadrennbahn in Köln=Riehl gehen am Sametag wieder Dauerrennen des Nachwuchses vor sich, die zwei Vorläufe über je 20 Kilometer und zwei Endläufe über 30 und 40 Kilometer vorsehen. Verpflichtet wurden Nekkar(Westig), Hodey(Essen), Bremer(Bochum), Zauns(Frankfurt), von der Mersch(Belgien), Kroll(Elberfeld), Plath(Neuß), Wenzel (Köln) und Paffrath(Ohlige). Matthias Engel in bester Form In Vordeaux wurde am Montagabend der Große Preis der Republik für Flieger entschieden, nachdem Regenwetter, am Sonntag eine Austragung unmöglich gemacht hatte. Am Start war auch der deutsche Exmeister Matthias Engel (Köln), der sich im Kampf gegen die beste europäische Klasse ausgezeichnet behaupten konnte und damit seinen großen Erfolg im Goldpokal vom Rhein am letzten Freitag in Krefeld unterstrich.— Engel gewann den Endlauf der Zweiten gegen den belgischen Meister Scherens und Weltmeister Falck=Hansen. Den Endlauf der Ersten holte sich Lucien Michard gegen Martinetti und seinen jungen Landsmann Gerardin, während der Schweizer Richli endlich im Endlauf der Dritten Sieger über Faucheux blieb. Ungarns neuer Zehnkampfmeister Ungarns Zehnkampfmeisterschaft wurde in Budapest von Peter Bacsalmasi mit der ausgezeichneten Leistung von 7822,41 Punkten gewonnen. Der deutsche Rekord von Sievert steht auf 7874.60 Punkten. Achilles Järvinen hält den Weltrekord mit 8255,47 Punkten. Der 17. Juli 1932 aber ausgegeben Diplome und Eichenkränze. Meldungen sind bis spätestens zum 11. Juli 1932 zu richten: Für Vereine der Deutschen Turnerschaft an: Geschäftsstelle des Kölner Turngaues. Unter Goldschmied 38, für Vereine des Westdeutschen Spielverbandes an: Herrn H. Gisele, Köln=Lindenthal, Cl.=Kappelmann=Straße 37. Nachmeldungen werden auf dem Platze nicht angenommen. Wichtige Anmerkung! Die leichtathletischen Wettkämpfe müssen bis 17 Uhr beendet sein. Es finden dann auf der Hauptkampfbahn die Sondervorführungen und der Einmarsch der Sieger aus allen Sportarten statt. Die Sieger sind verpflichtet, sich an dem Einmarsch in die Hauptkampfbahn zu beteiligen. Die Verbandsleitungen haben dafür Sorge zu tragen, daß die Sieger sich in Sportkleidung (Sporthose und Sporttrikot) im Nordportal der Hauptkampfbahn bis längstens 18 Uhr einfinden, damit eine sachgemäße Aufstellung in aller Ruhe erfolgen kann. Zweckverband für Leibesübungen Groß=Köln. I..: Zündorf. Sampels. Vereinigung der Bürger Kölns zur Förderung Vaterländischer Festspiele. I..: Baumann. Der technische Ausschuß: Pfeifer, Frohn. Ausschuß für Leichtathletik: Kohl, Erken, Freitag. Deutsche Turnerschaft TV 43— Kölner Tbd 93 56:27(28:13); Die Sportrevue des Tages Vaterländische Festspiele im Diensie der Kölner Rothilfe Ausschreibung der leichtathletischen Wettkämpfe— Seite 8 Nr. 163 Lokal=Anzeige. Mittwoch, 15. Juni 1932 K Aliim Wte Raste ech.. Auf der Höhe des Hunsrücks, in Hermeskeil, oberhalb Trier, hat der Düsseldorfer Akademieprofessor Clemens Holzmeister ein neues Franziskanerkloster errichtet Streng, schlicht und wahr wie das Aeußere ist auch das Innere des neuen Klosters. 25 Jahre Kath. Arbeiterverein St. peter, Ehrenfeld baues. Präses Zappey konnte unter den Ehrengästen u. a. die Geistlichkeit von St. Peter, den Ehrenpräses des Vereins. Pfarrer Rolshoven. Bezirkspräses Rembold. Pfarrer Schreiber von St. Rochus begrüßen. Besondere Worte des Dankes und der Anerkennung widmete er dem Jubilar=Dirigenten Schubert den 21 Jubilar= Mitgliedern, dem Dirigenten des Kirchenchors von St. Peter, Lehrer Schmitt. Die Festansprache des Pfarrherrn von St. Peter verlieh der Feier besondere Bedeutung durch die Wucht, mit der der als früherer Präses und Bezirkspräses seit langen Jahren mit der katholischen Arbeiterbewegung verwachsene Redner deren Aufgaben für die nächste und entferntere Zukunft zeichnete.„Die Zeit des Arbeitervereins“, führte Redner mit Nachdruck aus.„in nicht vorbei. Ihre Zeit muß neu beginnen, gegenüber dem Ansturm auch von rechts. Heute muß sein der Tag neuen Treugelöbnisses auf die alte Fahne, der Tag neuer Begeisterung.“ Die packenden Ausführungen des Redners fanden ein spontanes Echo in dem im Programm des Abend; nicht vorgesehenen Vortrag des Arbeiterchors„Vorwärts“ von Heinr. Pütz. Es folgte eine Ehrung der 21 Jubilar=Mitglieder und des Jubilar=Dirigenten durch Ueberreichung der Silbernadel und des das Porträt des ArbeiterBischofs v. Ketteler zeigenden Ehrendiploms. Wertvolle Darbietungen des Vereinschors und des Kirchenchors und Musikvorträge der Musikvereinigung„Siegfried“, Ehrenfeld gestalteten die Vortragsfolge abwechslungsreich. und„Der Kriminalfall von Winkelshagen“ gab dem denkwürdigen Tag eine heitere Schlußnote. Im Katholischen Neisterverein Die folgenschwersten Wahlen seit Bestand der Deutschen Republik stehen vor der Tür. Das war für den Katholischen Meisterverein, Anlaß, sich nochmals über die derzeitige und voraussichtliche deutsche Politik zu informieren. Eine große Zahl katholischer Meister und Stadtverordneter lauschte am vergangenen Sonntag einem Redner der Zentrumspartei, Hans Syré, der im Kolpinghause einen sehr aufschlußreichen Vortrag über die„Deutsche Staatspolitik, insbesondere die Politik des Reichskanzlers Brüning und die gegenwärtige Lage" hielt. Er führte zunächst aus, daß es eine Tragödie sei, daß in einem Augenblick größter Allgemeinnot ein Kabinett zurücktrat, das mehr als jedes andere den Mut hatte, allen Schichten des Volkes Lasten um des Volkes willen aufzuerlegen, um es von größeren Lasten zu befreien. Wenn heute Brünings Notverordnungspolitik heiß umstritten sei, gele es, darauf hinzuweisen, daß die Angriffe von links und rechts mit gleicher Schärfe gekommen seien, Beweis für die gerechte Verteilung der Lasten. Brüning lehnte neue Auslandsanleihen ab, denn sein Kampf galt der finanziellen Befreiung Deutschlands. Andernfalls stünde Deutschland heute an Stelle Oesterreichs und Ungarns unter finanzieller Hörigkeit ehemals feindlicher Staaten, vor allem Frankreichs. Brüning sei es gelungen, die Ausgaben der öffentlichen Wirtschaft in Reich, Ländern und Gemeinden um 6 Milltarden zu senken. Hätte man sich vor einem Jahre nicht den Vermittlungsvorschlägen Brünings versagt, wäre weder eine Reduzierung der sozialen Leistungen, noch eine Erhöhung der sozialen Beiträge norig gewesen. Man hätte manche neuen Steuern und Kürzungen vermieden, wäre man nach Brünings Wunsche eber an die Reform der Ausgaben= und Einnahmenwirtschaft herangegangen. Die Ausgabefreudigkeit der Kommunen habe sie vor die Katastrophe gestellt, vor In Ehrenfeld, dem größten Vorort Kölns der bis 1911 einen einzigen großen Pfarrbezirk (mit drei Rektoraten) bildete, bestand bis 1907 auch nur ein katholischer Arbeiterverein, Nachdem dieser auf über 1100 Mitglieder angewachsen, gründete sein damaliger Präses, der jetzige Dechant Kratz, für das Rektorat St. Peter einen neuen Arbeiterverein. Dieser übernahm die im Rektoratsbezirk wohnenden 364 Mitglieder des Stammvereins, der nun den Namen K..=V. St. Joseph erhielt. Als erster Präses des neuen Vereins fun gierte von 1907 bis 1916 Pfarrer(damals Kaplan) Palsboven; unter seiner Führung hitte die Mitgliederzahl 1913 bereits 765 er reicht. Der Weltkrieg, unter dessen Toten 36 Mitglieder des Vereins sich befinden und die Nachkriegszeit, die Weltwirtschaftskrise, die Rot der Arbeitslosigkeit ließen sie natürlich nicht unberührt. Wenn gleichwohl zu Ansang 1932 noch 306 Mitglieder, darunter 21 Mitgründer, vorhanden waren und seitdem 37 neue Mitglieder ausgenommen werden konnten. die Gesamtzahl heute 343 betraat so drückt sich darin eine bemerkenswerte Lebenskraft des Vereins aus, die er auch seit seiner Errichtung bis zur Stunde bewiesen hat. So hatte er allen Grund, sein Silberjubiläum und mit diesem zugleich das seiner ebenfalls 1907 gegründeten Gesangabteilung und ihre; verdienten Dirigenten. Lehrer Joseph Schubert, festlich zu begehen. Den Auftakt zu der Feier bildete eine gemeinschaftliche Generalkommunion aller Mitglieder am Herz=Jesu=Fest. Ihr folgte letzten Sonntag zunächst ein Levitenamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder in der Pfarrkirche St. Peter, zelebriert von Pfarrer Schüller, dem der Bezirkspräses. Rektor und Religionslehrer Rembold, von 1920 bis 1925 als Kaplan dieser Kirche Präses des festgebenden Vereins, assistierte, die Arbeiterprasides Kaplan Schiffer(St. Anna Ehrenfeld) und Stockmann(St Rochus, Bickendorf) ministrierten. In seiner in Verbindung mit dem Hochamt gehaltenen Festpredigt stellte Bezirksprä ses Rembold im wesentlichen als Leitgedanken für die Mitglieder katholischer Arbeiter vereine heraus! Wir wollen sein wirkliche Jünger Christi.— Wir wollen Christusträger sein.— Die Forderungen der Zeit sind Forderungen Gottes.— der sie nur noch Rettung durch die Reichsregierung erhofften. Brüning belastete durch die Bürgersteuer aule Sieuerzahler und erzog dadurch gleichzeitig die Kommunen und ihre Bevölkerung zur Sparsamkeit. Wenn trotz alledem die neue Regierung sage, Bruning sei über„schwache Ansätze" zur wirtschaftlichen Reform nicht hinausgekommen, sei das eine bewußte Irreführung. Was die Ueberspitzung des sozialen Gedankens anbetreffe, so sei daran zu erinnern, daß die sozialen Einrichtungen von Bismarck geschaffen wurden. Man dürfe Schacht nie seinen„Ausspruch in Harzburg vergessen, als er sagte: Die Kleinen mögen wieder von vorne anan spreche in der neuen Regierungserklärung von der atheistisch=marxistischen Bewegung und Entsittlichung in Deeutschland. Das Zentrum habe stets diesen Kampf gekämpft. Es gebe aber auch eine Gottlosen bewegung in Deutschland, die sich im Liberalismus berge. Sonst wace es nicht möglich, daß als Vertrauensmann von Schleichers ein Hauptmann Röhm fungiere. Führende „evangelische“, Schwerindunrielle erklärten, es sei undenkbar, daß an der Spitze eines Kabinetts ein Katholik stehe!! Nur ein starker Zusammenhalt der deutschen Katholiken könne die Freiheit des Glaubens gewährleisten.. Die Ausführungen des Redners lösten stärksten Beifall aus. In der nachfolgenden inhaltreichen Diskussion wurde einhellig der Befürchtung Ausdruck verliehen, daß die Dinge in Deutschland einer Militardiktatur zutrieben und vor ihr nur ein starkes Zentrum schützen könne. Mauritianer im Rudolfsaal In großer Zahl strömten die Angehörigen der Mauritiuspfarre in den Rudolfsaal, um den weltlichen Teil der Kirmes, alljährlich eingeleitet durch die große Pfarrprozession, festlich zu begehen. Opferwillig hatte man die Saalfeier zugunsten des Sühnetags um acht Tage zurückgestellt. Alle Vereine der Pfarre wirkten an der Ausführung des Programms mit. In seiner launigen Art verstand es Pfarrer Schweitzer vortrefflich, die Veranstaltung zu leiten. Er vergaß in seiner Begrüßungsansprache nicht, den Pfarrangehörigen für die rege Teilnahme an der gewaltigen Pfarrprozession zu danken. Frl. Zimmermann sprach dann den Prolog, der mitten in die Feststimmung versetzte. Es ist wirklich schwer, zu sagen, wem man das größte Lob spenden soll: ob der kunstbeflissenen Kapelle König oder dem emsigen Kirchenchor. der unter seinem vorzüglichen Dirigenten Karl Söntgerath im Männer= und gemischten Chor Erstklassiges darbot. Oder haben es die Volkstänze den Teilnehmern besonders angetan? Herr Hölkemann gedachte auch des Namenstags des Vorsitzenden des Pfarrvereins, Kaplans Graf. Es waren Stunden der Kurzweil, die in dem Schwergang unsrer Sorgenzeit eine gesunde Atempause bedeuteten. Aus unserer Vereinsmappe * Die Marianische Kongregation für junge Kaufleute hatte am vergangenen Sonntag zu einem Fruhlingsfeste im Weißen Saale der Bürgergesellschaft eingeladen Die große MK.=Familie hatte sich auch in stattlicher Zahl eingefunden. Das Programm war ganz dezu geschaffen, in die Herzen der vielen Gäste Frühlingsfreude und Stimmung zu bringen. Hervorzuheben sind die Darbietungen von Konzertsängerin Frl. Kaiser, besonders der prächtige„Frühlingsstimmenwalzer“ von Strauß. Sehr gut gefielen das Quartett die„Vier Gereonsjunge“ und das köstliche Lustspiel„Einer muß heiraten". Die bewährte Hauskapelle unter der trefflichen Leitung von Jakob Oehl zeigte sich wieder in der bekannten Meisterschaft. In Gott geborgen, unter dem Banner Christi schreiten wir durch die Welt, um sie im Geiste Christi zu erneuern. Nach Beendigung der kirchlichen Feier, der mit dem Jubelverein außenordentlich zahlreiche Brudervereine von nah und fern beigewohnt hatten bzw durch Fahnenabordnungen vertreten waren, begaben sich die Teilnehmer in imposantem Festzuge zum Festakt im Leobau, dessen großer Saal fast nicht reichte. Ein Manifest des Wesens und der Ziele des lath. Arbeitervereins kann man den von E. A Bonsels vorgetragenen markigen„Festgruß“ nennen, dem herzliche Begrüßungsworte des den Jubelverein seit 1927 als Präses leitenden Herrn Kaplan Zappen folgten, dessen Willkomm insbesondere dem Chormeister Lehrer Schubert der Geistlichkeit, dem Landtagsabgeordneten B. Letterhaus, Regierungs rat Ritzerfeld, dem Vorsitzenden des Schlichtungsausschusses. Zurnieden, Arbei tersekretär Israel und Stadtv. Albers. dem Vertreter des Vinzenzvereins. Lehrer Fein, galt. Im Mittelpunkt des Geschehens stand die Festrede des Herrn Letterhaus, der die Glückwünsche der Verbandszentrale überbrachte und dessen temperamentvolle, aufrüttelnde Ansprache ernste Mahnworte an die Zuhörer richtete, gerade angesichts der jüngsten volitischen Ereignisse als Männer an die Arbeit zu gehen zur Verwirklichung des katholischen sozialen Ideals. Von den Gratulanten sprachen interessant u. a. Altnräses Rolshoven wie auch Präses Stockmann dieser namens des Pfarrherrn Schreiber von St. Rochus und des Brudervereins von Bickendorf, den Dirigenten Schubert beglückwünschte, ferner Arbeitersekretär Israel, ein Vertreter des Evangelischen Arbeiterverein: Ehrenfeld und ein Vertreter des Brudervereins von St. Joseph. Liederspenden der Gezangabteilung des Jubelvereins Dirigiert oon Herrn Schudert, und musikalische Darbietungen des von Musikdirektor P. Koll geleiteten Blasorchesters „Rheingold“, Ehrenfeld gaben der Veranstaltung den anmutigen Rahmen. Zum Schlusse dankte Präses Zappey den Teilnehmern und namentlich den Mitwirkenden in warmen Worten. Abends vereinigte eine prächtige Familienfeier den festgebenden Verein mit seinen Gästen wieder im dichtbesetzten großen Saal des LeoX WAEEICTCTCANE Unwiderruflich diese Woche Ziehungsanfang! Ausgelost werden 52300 Gewinne und 2 Prämien im Gesamm. v. M. 133388 100000 USW. USW. Sämtl. 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Juni 1932 Lokal=Anzeiger Nr. 163 Seite 3 Aus der neuen Notverordnung Verringerte Leistungen Gesamtplan der Arbeitslosenhilfe 1. Die ständig zunehmenden Erfordernisse der Arbeitslosenhilfe haben die Sicherheit der öffentlichen Haushalte in den letzten zwei Jahren immer und immer wieder gefährdet. Das gilt für die Haushalte des Reiches ebenso wie für die der Gemeinden. Der Reichsetat 1931, der bekanntlich Ende März 1931 im Reichstag verabschiedet worden war, hat im Laufe des Rechnungsjahres 1931 dreimal abgeändert werden müssen, weil die für die Finanzierung der Arbeitslosenhilfe zur Verfügung gestellten Mittel nicht ausreichten. Für die Sicherung der diesjährigen Etats kommt es entscheidend darauf an, sie von diesem Unsicherheitsfaktor nach Möglichkeit zu befreien. Zu diesem Zwecke ist in Aussicht genommen, die ganze Arheitslosenhilfe nach Bedarf und Deckung einheitlich in einer Anlage zum Etat des Reichsarbeitsministeriums zu regeln. 2. Es folgt dann in den Erläuterungen die Feststellung, daß, wenn es bei der bisherigen Regelung bleiben würde, der Gesamtaufwand für die Arbeitslosenhilfe sich im Rechnungsjahre 1932 auf 8557 Millionen RA belaufen würde. Da im Rechnungsjahr 1931 die Aufwendungen für die Arbeitslosen in Reich und Gemeinden insgesamt etwa drei Milliarden betragen haben, würde 1932 also über eine halbe Milliarde mehr auszugeben sein. Da das von der Einnahmeseite aus nach Lage der Verhältnisse nicht möglich sei, müsse der Mehrbetrag auf der Ausgabenseite eingespart werden, und zwar würden bei der Arbeitslosenversicherung durch die Kürzung der Unterstützungsleistungen um 23 v. H. 188 Millionen RM, in der Krisenversicherung durch die geplanten Kürzungen um 10 Proz. 117 Mill. Rm und durch Senkung der Wohlfahtrssätze 67 Millionen Rm eingespart werden. In der Wohlfahriserwerbslosenfürsorge würden die Unterstützungsleistungen durchschnittlich um 15 v. H. gesenkt werden müssen, so daß weitere 148 Millionen RM erspart werden können. Das mache zusammen 520 Millionen aus. Ziehe man diese 520 Millionen von den oben genannten 3557 Millionen ab, so verbleibe ein Aufwand von 3030 Millionen, der sich mit 796 Millionen auf die Arbeitslosenversicherung, mit 1092 auf die Krisenfürsorge und mit 1142 Millionen auf die Wohlfahrtsfürsorge verteile. Hierfür stünden an Deckungsmitteln zur Verfügung: Beiträge aus der Arbeitslosenversicherung mit 1083 Millionen, der von den Gemeinden selbst aufzubringende Betrag von 680 Millionen RM, sowie ein Reichszuschuß von 867 Millionen RM. Es fehlten also noch 400 Millionen RM. Diese sollen auf der Ausgabenseite nicht mehr eingebracht werden. Der Betrag müsse daher von der Einnahmeseite her beschafft werden. Daher bleibe nur übrig, alle noch in Arbeit Befindlichen zu Gunsten der Arbeitslosen mit einem Prozentsatz des Einkommens zu belasten. Diese Abgabe werde für die neun Monale des Rechnungsjahres 1932 400 Millionen Rm erbringen. Es folgen dann die Ausführungen der amtlichen Erläuterungen über Die Wohlfahrtshilfe Hier wird ausgeführt: Der Gesamtaufwand der Gemeinden für Kru=Fünftel und Wolu würden an sich insgesamt 1352 Millionen RM betragen. Da die Gemeinden davon nur 680 Millionen selber tragen sollen, muß ihnen der Rest mit 672 Millionen zugeschossen werden. Dieser Betrag ist als Jahresleistung gedacht. Es müssen also davon zunächst die Beträge abgesetzt werden, die zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten schon in den Monaten April. Mai, Juni mit rund 70 Millionen verausgabt worden sind. Abzusetzen sind außerdem 20 Millionen für Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes usw. nach näherer Bestimmung des Reichsarbeitsministers. Dieser Sonderbetrag sowie die Gesamtleitung des Reiches sollen je nach den Erfordernissen der Entwicklung niedriger oder höher festgesetzt werden können, wobei die Frage der Finanzierung einer etwaigen Höhersetzung zunächst noch offen bleibt. Die Vorschriften über die Verteilung der„Wohlfahrtshilfe“ schließen sich im Aufbau und in den Grundgedanken an die Vorschriften an, die zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten im Rechnungsjahr 1931 gegolten haben. Uebernommen ist aus diesen Vorschriften insbesondere die Vorschrift, daß die Wohlfahrtshilfe a) unmittelbar, d. h. grundsätzlich mit reichsrechtlich gesicherten Ansprüchen, b) auch die in städtische und ländliche geschiedenen Bezirksfürsorgeverbände(nicht die Gemeinden), c) nach der Zahl der Wohlfartserwerbslosen an bestimmten Stichtagen verteilt wird. Neu ist folgendes: I. Der Stichtag ist beweglich gedacht. Ob er jeden Monat oder alle zwei Monate neu festgesetzt wird, bleibt den Durchführungsbestimmungen vorbehalten. 2. Die Statistik wird sachlich insoweit auf eine neue Grundlage gestellt, als der Begriff des Wohlfahrtserwerbslosen gegenüber der bisherigen Handhabung einschränkender Feststellung bedarf. Als Wohlfahrtserwerbslose im Sinne der neuen Vorschrift sind nur Arbeitnehmer anzusehen, die arbeitsfähig, arbeitswillig und unfreiwillig arbeitsles sind, das 60. Lebensjahr nicht überschritten haben und als Arbeitsuchende in dauernder kontrolle des Arbeitsamtes stehen. 3. Die sachlichen Voraussetzungen für die Beleiligung der einzelnen Bezirksfürsorgeverbände ersorderten an letzter Stelle bisher, daß„die regelder Heuehollesschpupg#n eine geeignete unabhängige Stelle und die Bekannkgabe der Prüfungsergebnisse satzungsgemäß sichergestellt seien". Das hat sich als unzulänglich erwiesen. Das Ausmaß der vom Reich in Aussicht genommenen Wohlfahrtshilfe lasse es als berechtigt erscheinen, wenn das Reich in Zukunft— von einem noch zu bestimmenden Stichtage ab— die Beteiligung an der Wohlfahrtshilfe davon abhängig macht, daß der einzelne Bezirksfürsorgeverband eine Haushalts-, eine Kassen- und eine Rechnungsordnung durch Satzung feststellt. Diese Satzungen bedürfen der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Folgende Grundsätze bedürfen jedoch der Sicherstellung derart, daß sie überall und ohne weiteres als reichsrechtlicher Bestandteil der Ortssatzung gelten: a) Die Feststellung eines sachgemäßen, das heißt den Erfordernissen äußerster Sparsamkeit, wie den örtlichen Möglichkeiten entsprechenden Haushaltsplanes darf nicht durch Beschlüsse der Gemeindevertretung erschwert oder unmöglich gemacht werden, welche die Deckung der Gesamtausgaben des Haushaltsplanes gefährden. b) Die persönlichen Ausgaben müssen in einem Stellenplan festgelegt werden, der vom Gemeindevorstand aufzustellen ist und im Haushaltsplan nicht überschritten werden darf. Auch die Gemeindevertretung soll nicht berechtigt sein, den Stellenplan zu ändern. c) Der Vorsorge bedarf schließlich der Fall, daß der haushaltsplan von der Gemeindevertretung überhaupt nicht festgestellt wird. Der Gemeindevorstand hat dann alle Ausgaben zu leisten, die erforderlich sind, um bestehende Gemeindeeinrichtungen in geordnetem Gang zu halten. Ist der Gemeindevorstand kollegial zusammengesetzt, so sollen die Grundsätze zu a bis c auch für den Vorsitzenden gelten. Die ganzen hier besprochenen Grundsätze sollen entsprechend für die Gemeindeverbände gelten, die einen eigenen Bezirksfürsorgeverband(BFV.) bilden. 4. Im Hinblick auf die grundsätzliche Neuordnung der Arbeitslosenhilfe muß ferner Vorsorge getroffen werden, daß diese erhöhten Leistungen den Gemeinden und Gemeindeverbänden auch in vollem Umfange dauernd zugute kommen. Es darf also nicht geschehen, daß die Landesgesetzgebung von diesen erhöhten Leistungen ihrerseits Vorteile zu ziehen sucht, indem sie das Landesrecht des Finanzausgleichs zu Ungunsten der Gemeinden ändert. Die Verordnung enthält daher ein ausdrückliches Verbot derartiger Maßnahmen. Maßgebend ist der Stand des Landesrecht vom 1. Mai 1932. 5. Nach den Bestimmungen für 1931 würden die Bezirksfürsorgeverbände nur insoweit berücksichtigt, wie die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen über 50 Prozent vom Reichsdurchschnitt der städtischen Größen-Gruppen beziehungsweise der ländlichen 2F9. lag. Die Erhöhung der Reichshilfe macht es ersorderlich, daß nunmehr zunächst die sämtlichen Wohlfahrtserwerbslosen berücksichtigt werden. 6. hier wird sodann in der Erläuterung geschildert, inwiefern die Schlüsselung verfeinert ist durch Unterscheidung zwischen städtischen und ländlichen Gemeinden, durch Berücksichtigung verschieden hoher Belastung mit Wohlfahrtserwerbslosen, Beschaffung eines Ausgleichfonds für die Bezirksfürsorgeverbände durch die Länder. Mit welchen Teilbeträgen die Reichshilfe in den einzelnen Monaten ausgestattet wird, bleibt der Entscheidung des Reichsfinanzministers vorbehalten. Es ist vorgesehen, den Durchschnittsbetrag von 58 Millionen im Juni zunächst mit 35 Millionen auszuschütten und später ähnliche Summen anzusetzen. Abgabe zur Arbeitslosenhilfe Die Abgabe zur Arbeitslosenhilfe wird von dem Brutto-Arbeitsentgelt der Lohn- und Gehaltsempfänger erhoben, das für die Zeit vom 1. Juli 1932 bis 31. Mai 1933 gewährt wird. Die Abgabe soll der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zufließen. Der Abgabe unterliegen alle Lohn- und Gehaltsempfänger, alle Personen mit einer deutschen Staatsangehörigkeit, die Ruhegeld oder ähnliche Bezüge haben, Beamte usw. des Reiches, der Länder, der Gemeinden und sonstiger Körperschaften des öffentlichen Rechts, auch wenn sie im Deutschen Reich keine Wohnung oder keinen gewöhnlichen Aufenthalt haben. Der Abgabe unterliegen auch Renten, wenn sich das Reich, ein Land, eine Gemeinde oder eine sonstige Körperschaft des öffentlichen Rechts an deren Aufbringung beteiligt hat. Befreit ist das Arbeitsentgelt der Lehrlinge und das Arbeitsentgelt für vorübergehende Dienstleistungen und für geringfügige Beschäftigungen. Die Abgabe beträgt bei einem Arbeitsentgelt bis zu 125 RM monatlich gleich 1,5 Prozent, bis zu 300 RM monatlich 2,5 Prozent, bei einem Arbeitsentgelt zwischen 300 und 700 Rm monatlich beträgt die Abgabe für die ersten 300 RM 2,5 Prozent, für die weileren Beträge 5,75 Prozent. Es ist hier der Teil des Arbeitsentgelts, der bei der Berechnung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages nicht berücksichtigt wird, mit der Höhe dieses Beitrages(3¼ Prozeni) zur Abgabe nicht herangezogen worden. Bei Arbeitseinkommen zwischen 700 Rm monatlich und 3000 RM monatlich beträgt die Abgabe von den ganzen Bezügen 5,75 Prozent. Sefern das Arbeitsenlgelt im Monat den Betrag von 3000 RM übersteigl, beträgt die Abgabe 6,5 Prozent. Auf der anderen Seite fällt aus Vereinfachungsgründen mit Wirkung vom 1. Juli 1932 die Krisenlohnsteuer weg. In die Abgabe sind auch die Personen einbezogen worden, deren Gehalt oder Lohn auf Grund der Gehaltskürzungsverordnungen zu kürzen ist, das heißt die Beamten, Angestellten, Arbeiter des Reiches, der Länder, Gemeinden und sonstiger Körverschaften des öffentlichen Rechts. Die Abgabe für diese beträgt 1½ Prozent. Die Abgabe entspricht in ihrer Höhe der Belastung, die die Reichsregierung Brüning mit der 1½proz. Beschäftigungsabgabe unter Beibehaltung der Krisenlohnsteuer vorgesehen hatte. Umsatzsteuer Bei der Amsatzsteuer wird die Freigrenze, die jehzt 5000 RM beträgt, beseitigt. Bis zum 1. Juli 1931 hat in der Umsatzsteuer überhaupt keine Freigrenze bestanden. Sie ist erst durch die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 eingeführt worden. Von den rund 4,5 Millionen umsatzsteuerpflichtigen Personen fiel dadurch etwa die Hälfte aus der Umsatzsteuer heraus. Finanziell ließ sich der Ausfall verantworten, da er bei dem damaligen Umsatzsteuersatz von 0,85 Prozenk nur etwa 40 Millionen RM betrug. Inzwischen ist dieser Ausfall aber durch die Erhöhung des Satzes auf 2 Prozent auf 100 Millionen RM gestiegen. Salzsteuer Die durch das Steuermilderungsgesetz vom 31. März 1926 aufgehobene Salzsteuer wird mit Wirkung vom 16. Juli 1932 ab wieder eingeführt. Sie beträgt 12 Reichspfennig pro Kilo. Ihr Ertrag wird im Jahre auf 70 Millionen RA für die Geltung in diesem Rechnungsjahr(16. Juli 1932 bis 31. März 1933) auf 40 Millionen geschätzt. Aufhebung der Krisenlohnsteuer Durch die neu eingeführte Abgabe zur Arbeitslosenhilfe kommt die Krisenlohnsteuer mit Wirkung vom 1. Juli ab in Fortfall(Vergleiche Teil II, Kapitel). Da von der Abgabe für Arbeitslosenhilfe nur die Lohnempfänger betroffen werden, soll zum Ausgleich außer der bisher vorgesehenen Krisensteuerveranlagtenrate im Oktober 1932 noch eine zweite solche Rate im Januar 1933 erhoben werden. Der Krisensteuer der Veranlagten unterliegen bekanntlich außer den Lohnempfängern über 16000 Mark, alle sonstigen Einkommensbezieher ohne Rücksicht auf die Höhe des Einkommens, also z. B. auch Personen mit Einkommen aus Kapitalvermögen, Hausbesitz, aus freien Berufen und aus Gewerbebetrieb. Das Aufkommen aus dieser zweiten Rate wird mit 45 Millionen RM angenommen. Keine Uebertragung der Straßer=Rede auf den Süddeutschen Rundfunk CNB München, 15. Juni. Eine Uebertragung der gestern im Rundsunk gehaltenen Rede des nationalsozialistischen Abgeordneten Gregor Straßer auf die bayerischen Sender sand nicht statt. Der politische Ueberwachungsausschuß des Bayerischen Rundsunks hat die Uebertragung abgelehnt. Ebenso hat der politische Ueberwachungsausschuß des Süddeutschen Rundfunks die Uebertragung der Rede auf die Sender des Süddeutschen und Badischen Rundsunks avgelehnt. Auch die österreichischen Sender übernahmen die Uebertragung nicht. Das Opfer einer Mutter Erzählt von Harris Brackett. Der Saal des Schwurgerichts in Danville (Illinois) war zum Brechen voll. Kein Wunder. Denn niemals hatte ein Prozeß zu solch leidenschaftlicher Stellungnahme für oder wider den Angeklagten geführt wie der Fall LarkinMichael. Die Vorgeschichte kannte der ganze Staat. Wohnte da in der Nähe von Danville ein Arzt, der eine Witwe zur Haushälterin hatte. Ihren dreizehnjährigen Sohn durfte sie bei sich behalten. Nun munkelte man in der Nachbarschaft, Dr. Larkin habe ein tieseres Interesse für die noch immer begehrenswerte Witwe. Aber Frau Michael bliebe allen kleinen Freundlichkeiten und Aufmerksamkeiten gegenüber kalt. Manche prophezeiren, die Sache würde kein gutes Ende nehmen. Sie sollten recht behalten. Denn eines Tages hörten Nachbarn aus dem Hause des Arztes den Lärm eines kurzen Kampfes dringen. Ein dumpfer Schuß war der Höhepunkt. Die Polizei drang in das Haus ein. Sie fand die Frau im Zustande fast völliger Apathie neben ihrem Dienstherrn stehen. Der Arzt lag auf dem Boden, eine tödliche Schußwunde in der Stirn. Er starb, ohne das Bewußtsein wiederzuerlangen. Ein Schutzmann wollte die ersten Feststellungen machen. Er trat an Frau Michael heran: „Warum haben Sie das getan?" Die Frau fuhr sich über die Augen, als erwachte sie aus einem schweren Traum. Doch bevor sie antworten konnte, stand plötzlich der Junge vor dem Schutzmann:„Meine Mutter hat das nicht getan. Ich war es!" Die Frau riß den Jungen an sich:„Nein, glauben Sie ihm nicht! Er sagt die Unwahrheit, um mich zu retten. Ich habe Dr. Larkin erschossen, weil ich mich gegen on wehren mußte.“— Das Kind rang sich frei. Es stürzte in eine Ecke der Stube, hob die Pistole auf, die dort auf dem Boden lag:„Nein, nein, das ist nicht wahr! Der Mann hat meiner Mutter weh tun wollen. Sie rief um Hilfe. Da hab ich die Pistole aus Dr. Larkins Zimmer geholt und ihn über den Haufen geschössen. Meine Mutter hat keine Schuld.“ Der Schutzmann sah ein, daß es nutzlos war, die beiden noch länger zu befragen. Mutter und Sohn wurden ins Gefängnis eingeliefert. Vor dem Untersuchungsrichter begann der seltsame Wertstreit der beiden von neuem.„Ich war es“, weinte die Mutter, und schilderte, wie sie in ihrer Ratlosigkeit nach der Waffe gegriffen hatte, um den Arzt abzuwehren. Doch jedesmal wurde sie von ihrem Jungen Lügen gestraft:„Mutter, du sollst doch endlich die Wahrheit sagen! Ich bin es gewesen.“ Selbst die Kunst des Untersuchungsrichters scheiterte am Widerstand der beiden. Allmählich aber gewannen die Richter, die sich mit dem Fall zu beschäftigen hatten, ebenso wie die öffentliche Meinung den Eindruck, daß die Mutter die Unwahrheit sprach, um ihren Jungen vor der drohenden Zwangserziehung zu bewahren. Deshalb sollte vor dem Jugendgericht die Verhandlung gegen das Kind stattfinden. Man brachte diesen Entschluß Frau Michael zur Kenntnis:„Morgen werden Sie aus der Untersuchungshaft entlassen. Ihr Junge bleibt hier in seiner Zelle, und in der Verhandlung werden Sie als Zeuge vernommen.“ Die Frau erwiderte kein Wort. Aber ihre Augen waren voller Verzweiflung. Am nächsten Morgen wollte der Wärter Frau Michael mitteilen, daß sie jetzt das Gefängnis verlassen könnte. Er fand die Frau tot in ihrer Zelle liegen. Sie hatte sich ein Stück Draht aus ihrer Matratze ins Herz gestoßen. Auf dem Bett lag ein Zettel, mit Bleistift beschrieben:„In ein paar Minuten lebe ich nicht mehr. Dann könnt ihr meinem Jungen nichts anhaben und müßt ihn freilassen, denn Ihr habt nun keinen Zeugen mehr!“ Der Opfertod der Mutter hat die Verhandlung gegen den Jungen verzögert. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Aber so viel darf als sicher gelten: Kein Richter wird gegen das nun von der öffentlichen Meinung ausgesprochene Urteil handeln: Die Mutter darf sich nicht umsonst geopfert haben. Ein bindender Händedruck Hans Albers, der soll 50000 Mark zahlen (M..) Nirgends herrscht mehr ein Zweifel: Hans Albers ist der beliebteste Filmdarsteller unserer Zeit. So weit die Publikumsstimmen. Nirgends herrscht mehr ein Zweifel: Ein Albers=Film ist das sicherste Geschäft unserer Zeit. So weit die Filmindustriestimme. Kein Wunder, daß all und jeder mit Hans Albers drehen will, und daß man oft mit recht zweifelhaften Methoden dem„Sieger“ auf den Leib rückt. Ein Musterbeispiiel für die gelegentlich recht dunklen Kulissenkämpfe um den beliebten Darsteller mag folgender Fall sein, der demnächst vor einem Berliner Zivilgericht noch sein Nachspiel haben wird: Ein Herr M. war streithaft bis zu Hans Albers vorgedrungen und brachte mit sich eine Filmidee geschleppt. Sie muß nicht ganz ohne Wert gewesen sein, denn Albers und der Fremdling mit der Filmidee trafen sich abends nach dem Theater noch einmal zu einer erneuten Rücksprache. Sie endete damit, daß Albers gähnend sagte: „Ich kann mich erst entscheiden, wenn ich das fertige Filmmanuskript gelesen habe. Stellen Sie es fertig und bringen Sie es mir, dann können wir weiterreden.“ Die Antwort war:„Abgemacht!“ Zum Abschied gab man sich, wie das unter gesitteten Mitteleuropäern üblich ist, die Hand. Wenn man ein großer Filmstar ist und Hans Albers heißt, sollte man aber besser nicht ge sittet sein, was dem„Draufgänger" am nächsten Morgen zur schmerzvollen Erkenntnis wurde. Da lief nämlich bei ihm ein Nohrpostbrief des Herrn M. ein, mit dem dieser ihn aufforderte, doch„den Vertrag“ zu unterschreiben. Hans Albers fiel vor Erstaunen aus seinen weißen Gamaschen. Was für einen Vertrag? Telephongespräch hin, Telephongespräch her, und am Ende stand Hans Albers reichlich verdutzt da, denn Herr M. erklärte, er habe auf das Wort„Abgemacht“ und den besiegelnden Handschlag von Hans Albecs hin den Film bereits für eine halbe Million verkauft. Albers tat, was jeder an seiner Stelle getan hätte, er zuckte nämlich die Achseln, lachte einmal mit seinem patentiert sonnigen Lächeln auf und ließ die Sache auf sich beruhen. Nicht aber Herr M. Wie bekannt wird, hat er jetzt Hans Albers im Hinblick auf die geschilderte Affäre auf einen Schadenersatz von 50000 Mark verklagt. Bei dem demnächst kommenden Prozeß wird sich wohl herausstellen, was es wirklich mit dem umstrittenen Händedruck von Hans Albers auf sich hat. Arteil im putbroeker Meuchelmord=prozeß WTB Noermond, 14.Juni. In dem Prozeß gegen die Förster von der Elzen und Sohn, die beschuldigt sind, in den Annendaelschen Waldungen in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze drei junge Menschen aus dem Hinterhalt erschossen zu haben, wurde heute mittag das Urteil verkündet. Von der Elzen wird wegen fortgesetzten Vergehens des Totschlags an den Gebrüdern Kersten und Franz Wehrens zu der zulässigen Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis, sein Sohn wegen Totschlags an Matthias Kersten zu acht Jahren Gefängnis verurteilt Seite 4 Nr. 163 Lokal=Anzeiger Mittwoch, 15. Juni 1932 Kreuz und quer durch Deutschland Wissen Sie, daß auf dem Kreuzberg in der Rhon mehr als 100 Quellen entspringen, daß auf dem Pulverturm in Anklam, wo sich die Sternwarte des Professors Spörer befand, die Sonnenflecken entdeckt wurden, daß die Stadt Marktbreit am Main den kleinsten deutschen Marktplatz haben soll, daß die stärkste deutsche Eiche in Ivenach bei Stavenhagen steht und daß ihre Stammgrundfläche 16 Quadratmeter mißt, daß auf der Malerinsel Vilm ein von einem Baum abgebrochener Ast auf einem Ast desselben Baumes liegend weiterwächst, daß auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg von dem Strafgefangenen Kämmerer das Streichholz erfunden wurde, daß der Brocken an klaren Tagen einen Rundblick gewährt, der einen Durchmesser von 250 Kilometer hat, daß die Martinskirche in Lauffen am Neckar aus dem Jahre 741 stammt, daß Hauenstein am Oberrhein die kleinste deutsche Stadt ist und nur ungefähr 200 Einwohner hat, daß in Leipzig jeder zehnte Bürger direkt oder indirekt durch die Herstellung oder den Vertrieb des Buches sein Brot hat, daß man in Jagsthausen die eiserne Hand des Götz von Berlichingen bewundern kann daß sich die älteste astronomische Uhr im Chorgang der Nikolai=Kirche zu Stralsund befindet und daß sie aus dem Jahre 1394 stammt, daß Heinrich Heine auf seiner Harzreise vom Ilsenstein beinahe abgestürzt wäre, daß als das älteste deutsche Gasthaus„Der Riese“ in Miltenberg am Main gilt und daß dort schon Kaiser Barbarossa eingekehrt sein soll? stunden des Dienstags ein Großfeuer, das gegen 23 Uhr bemerkt wurde, und zwar dadurch, daß in einem Nebenhause plötzlich das elektrische Licht ausging. Wahrscheinlich wurDer Theaterzusammenschluß Bonn— WP Bonn, 14.Juni. Im Bonner Stadttheater fand heute vormittag eine gemeinsame Sitzung der Presse mit der Verwaltung der Stadt Bonn und dem Intendanten Kranz aus Gladbach=Rheydt statt, in der ausführliche Mitteilungen über den Zusammenschluß der beiden Theater Bonn und Gladbach=Rheydt gemacht wurden. Wie erinnerlich, hat der Zuschuß für das Bonner Stadttheater eine derartige Höhe erreicht, daß eine Weiterführung in der bisherigen Form für die Verwaltung nicht mehr tragbar war und das Theater geschlossen werden sollte. Nach Prüfung verschiedener Vorschläge sollen jetzt die beiden Theater in einer G. m. b. H. zusammengeschlossen werden. Den Einwänden, die in der Hauptsache in künstlerischer und wirtschaftlicher Hinsicht gegen die Theaterehe erhoben wurden, nahm Intendant Kranz die Spitze mit der Erklärung, daß sowohl Bonn als auch Gladbach=Rheydt durch den bereits vorhandenen guten Schauspielkörper nicht nur Schauspiele, sondern auch Operetten und Overn bieten könne. Man komme also hier mit einem Operettenund einem Schauspielpersonal aus. Das Personal beider Theater werde mit ganz geringen Ausnahmen beibehalten. Es wird vorgeschlagen, eine Theaterbetriebsgesellschaft m. b. H. zu gründen mit einem Stammkapital von 20000., das sich zusammensetzt aus 18000 M. Sachleistungen der beiden Städte und 2000 M. Barkapital der G. m. b..=Geschäftsführer. Außerdem stellen die Städte der Gesellschaft spielfertige Häuser zur Verfügung. Sitz des Schauspiels ist Bonn, der Operette Gladbach=Rheydt. Die besonders starke Heranziehung jedes einzelnen an diesem Theaterbetrieb Beteiligten soll die eigene Verantwortlichkeit heben. Die im vergangenen Jahre in Gladbach=Rheydt gemachten Erfahrungen lassen von dieser Zusammenlegung beider Theater das Beste erwarten. Diesem vom Bonner Theaterausschuß genehmigten Vorschlag wird die Bonner Stadtverordnetenversammlung in ihrer nächsten Sitzung die Zustimmung zu geben haben. Ehrenvolle Ernennung WP Bonn, 14.Juni. Der Ordinarius für deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bonn. Geheimrat Professor Dr. C. Walzel, ist von der Gesellschaft der Niederländischen Literatur(Maatschappij van Nederlandsche Letterkunde) in Leiden zum Mitglied ernannt worden. Die Gesellschaft besteht seit dem 18. Jahrhundert. In Deutschland gehören ihr nur 16 Mitglieder an. An der Bonner Universität sind es Professor Goeters und Professor Eggen van Terlan. „Wer nicht mit uns ist, wird zermalmt“ Bei diesen Worten begann eine wilde Schlägerei WP Trier, 14.Juni. Am Samstagabend fand in Ehrang eine nationalsozialistische Versammlung statt, in der der Reichstagsabgeordnete Simon sprach. Als er den Satz prägte:„Wer nicht mit uns ist, wird zermalmt, wenn wir die Macht demnächst im Reich und in Preußen antreten werden“, kam es zu einer rei mit den zahlreich anwesenden Kommunisten. Der Saal glich in wenigen Minuten einem Trümmerhaufen. Die Polizei machte von dem Gummiknüppel ausgiebigen Gebrauch und räumte den Saal. Die Kommunisten gruppierten sich vor dem Lokal und warfen Steine in den Saal. Bei der Räumung der Straße wurden die Beamten mit Pflastersteinen überschüttet. Auch fielen verschiedene Schüsse, so daß auch die Polizisten zur Schußwaffe griffen. In den späten Nachtstunden setzte sich die Schlägerei am Bahnhof fort. Die Nationalsozialisten wurden von den Kommunisten beschossen; glücklicherweise aber niemand verletzt. Mehrere zwangsgestellungen wurden vorgenommen. Der Schaden, den der Saalbesitzer durch die Zertrümmerung seines Inventars erlitten hat, ist bedeutend. Seine Haushälterin niedergeschossen Zweieinhalb Jahre Gesängnis WP Gladbach=Rhendt, 15.Juni Wegen Totschlags und verbotenen Waffenbesitzes verurteilte das Schwurgericht den Fabrikheizer Friedrich Winterscheidt zu 2½ Jahren Gefangnis. Winterscheidt hatte am 30. April im Haupteingang des Gladbacher Postamtes die Frau Ernst Habich durch zwei Revolverschüsse getotet. Frau Habich, die sich viel herumtrieb und wegen ihres fremdländischen Wesens unter dem Namen Die spanische Fliege bekannt war, führte bei Winterscheidt den Haushalt. Nach einiger Zeit wurde sie entlassen, weil sie den Haushalt vernachlässigte. Diesen Vorfall benutzte sie, Winterscheidt bei jeder Gelegenheit zu denunzieren. Als er in der Post die Frau traf, habe sie ihn erneut beschimpft, so daß er in der Erregung die Waffe gezogen habe. Weiterer Einzelheiten könne er sich nicht mehr entsinnen. Bei der Festsetzung des Strafmaßes berücksichtigte das Gericht den Gemütszustand des Angeklagten, der in seiner eigenen Familie sehr unglücklich gelebt hat und schon seit langem Witwer und ohne Stellung ist. Rücksichtsloser Autofahrer WP Gladbach=Rheydt, 15.Juni. Wieder einbesessen zu haben, daß er sich um einen von ihm Ueberfahrenen nicht kümmerte. In den frühen Morgenstunden fanden in einer Hauptverkehrsstraße Polizeibeamte einen 50jährigen pensionierten Fabrikmeister von hier auf dem Pflaster liegend bewußtlos, mit einer klaffenden Wunde am Unterkiefer auf. Der Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht. Hier erlag er am Abend seinen Verletzungen. Zeugen des Unfalles sind nicht vorhanden. Es wird vermutet, daß der Tote von einem Auto angefahren und hilflos auf der Straße liegen gelassen worden ist. Mit dem Messer gegen Vater und Brüder WP Oberhausen, 15.Juni. Am Montagabend wurde die Schnellhilfe zu dem Hause Mühlengasse 71 gerufen, in dem bei der dort wohnenden Familie A. Streitigkeiten ausgebrochen waren. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen hatte der 22jährige Bergmann Ferdinand., der angetrunken war, mit einem Taschenmesser seinen Vater, seine zwei Brüder sowie einen Bergmann erheblich verletzt, so daß ihre Ueberführung ins Krankenhaus erfolgen mußte. Den Vater verletzte der Täter an der rechten Wange, weiter wurde ihm die Sehne des linken Unterarms durchschnitten. Einem Bruder wurden am linken Unterarm die Muskeln und Sehnen durchschnitten, während der andere Bruder Schnittverletzungen in die Oberlippe erhielt. Der anwesende Bergmann erhielt zwei Stiche in den Hinterkopf und einen Stich in die linke Wange. Der Messerheld wurde von der Polizei festgenommen. Großfeuer in Essen WP Essen, 15.Juni. In einer Autoreparaturwerkstätte an der verlängerten Isenberg= straße in Essen entstand in den späten Abendden durch Kurzschluß in der Reparatur werkstätte die Leitungen unterbrochen. Es brannte die Garage und ein großer Holzschuppen. Das Feuer griff schnell um sich. Der Feuerschein war weithin sichtbar. Die Feuerwehr mit einer Motorspritze und das Ueberfallkommando waren alsbald am Brandherd. Eine riesige Menschenmenge hatte sich angesammelt und die Polizei mußte die nötigen Absperrmaßnahmen treffen. Der Garagenschuppen mit zwei darin befindlichen Automobilen fielen dem Brande zum Opfer. Das Feuer griff auch auf einen an die Garage grenzenden Stall über, in dem ein Pferd verbrannte. In einem Teil der Garage wohnte außerdem eine Familie, deren Möbel zum Teil noch dem Feuer entrissen werden konnten. Der Sachschaden ist sehr erheblich und durch Versicherung nicht gedeckt. Die Feuerwehr war gegen Mitternacht noch bei der Lösch= und Vorbeugungsarbeit. Tod im Wassertümpel WP Castrop=Rauxel, 13. Juni. Am Samstag wurde der Landwirt Zimmermann aus dem Stadtteil Deinighausen auf seiner Wiese in einem Wassertümpel tot aufgefunden. Die Todesursache konnte noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Es wird vermutet, daß Zimmermann, der schwer herzleidend war, infolge eines Schwächeanfalles in den Tümpel gefallen und ertrunken ist. Mißglückter Erpressungsversuch mit einer Brieftaube WP Frankfurt a.., 15.Juni. Am vergangenen Samstag wurde einem hiesigen Herrn ein Pappkarton mit einer Brieftaube und einem Brief zugestellt. In dem Schreiben war die Aufforderung enthalten, an jedes Bein der Taube einen Tausendmarkschein zu befestigen und sie dann fliegen zu lassen. Der Mann übergab die Sendung der Polizei, die die Brieftaube zeichnete, sie auffliegen ließ und durch zwei Polizeiflugzeuge verfolgte. Die Verfolgung scheiterte aber, da die Taube sich zu einem fremden Taubenschwarm gesellte. Einige Zeit später schickte der Erpresser einen weiteren Drohbrief, in dem er dem Mann mitteilte, daß er die Folgen der Anrufung der Polizei zu tragen habe. Der Polizei gelang es inzwischen, den Absender als einen 68jährigen Mann aus Niederwöllstadt festzustellen, der nach anfänglichem Leugnen zugab, den Erpressungsversuch unternommen zu haben, weil sein Haus verschuldet sei. Die Sprengstoffanschläge auf den Noxy=Palast WP Frankfurt a.., 15.Juni. Die Voruntersuchung gegen die an den Sprengstoffattentaten im Roxy=Palast beteiligten Personen steht vor der Beendigung. Hauptbeschuldigte sind die Nationalsozialisten Maler Schuhmann und der Architekt Walter Hofmann. Ersterer war mit Gesinnungsgenossen in Streit geraten, und es war zu einer Schlägerei gekommen, die zu Festnahmen Veranlassung gab. Hierbei hat Schuhmann sich selbst belastende Angaben gemacht. Schuhmann stand mit Hofmann in ständiger Verbindung. Hofmann stellte die Bleirohre her, die bei dem ersten Anschlag benutzt und in die Damentoilette geschleudert wurden. Im Verlauf der Voruntersuchung wurde das von Hofmann auch zugegeben; er will aber nicht gewußt haben, zu welchem Zweck die Rohre benutzt wurden. Die Syrengladung stellte er aus den einfachsten Mitteln her. Hofmann lieferte auch die Eierhandaranate, die bei dem zweiten Attentat benutzt worden ist. Er will sie ohne Zünder auf dem Hof gefunden haben. Die Glaubwürdigkeit Schuhmanns scheint nicht einwandfrei. In die Affäre mitverwickelt sind die flüchtig gegangenen Schmitz und Steinbrecher, ferner Gutjahr und Ruppert, die jetzt aus der Haft entlassen wurden. Ein Tropfen Intelligenz und ein intelligenter Tropfen Von Eugenie von Garvens, Worpswede Ein guter Tropfen Kaffee ist ein tröstlicher Begleiter des Lebens— dem Beladenen ein Sorgenwischer, dem Betrübten der Spiegel eines leichteren Herzens, dem geistig Schaffenden eine Belebung der Sinne. Er ist der Trank der Intelligenz. Aber man kann nicht behaupten, daß der Tropfen selbst sich sehr intelligent benimmt. Er ist ein launischer brauner Einzelgänger, ein Loser, ein Vorwitz der gefährlich den häuslichen Frieden beschleicht. Er sät Zwietracht in die besten Ehen, zerstört oft das Glück einer Kinderstube und gibt ganz jungen Leuten jenes niederträchtige Gefühl der Ungeschicklichkeit, vor dem sie manchmal verzweifeln. Harmlos wie ein Tropfen dunklen Bernsteins hängt er an der Kanne, aus deren Schnabel sich soeben der aromatische Strom ergoß. Erschreckt beeilst du dich, seinen lockeren Lebenswandel auf einen Untersatz zu lenken. Aber schon stürzt er sich mit einem schadenfrohen Aufblitzen auf die weiße Unschuld deines Tischtuchs. Du stehst vernichtet. Wieder eins dahin! Keine Seelengröße hilft dir über das elende Bewußtsein der Machrlosigkeit gegenüber seiner stets frischen Tücke hinweg. Du führst einen Kampf der Vorsicht und Bedachtsamkeit um diesen braunen Sünder. Du zitterst, wenn dein Mann zur Kanne greift oder ein junger Gast deines Hauses in ritterlicher Zuvorkommenheit dein Amt des Ausschenkens übernimmt. Bist du gütig, so lächelst du dem Unglücksraben verständnisvoll und herzlich zu, nachdem der letzte Tropfen das verpönte braune Siegel unter sein männliches Talent gesetzt. Du rückst stillschweigend einen Aschenbecher oder eine Blumenvase über den Platz der Katastrophe. Du duldest nicht, daß dieser Tropfen, der da auf der zierlichen Decke deines Mokkatisches zerplatzt, geräuschlos die Harmonie einer Geselligkeit zertrümmere. Bist du aber nervös, so lächelst du als Frau von Lebensart wohl auch zu solchem Mißgeschick,— aber dein Lächeln ist nicht echt, und innerlich kochst du vielleicht, wie der reizende kleine Traum von Decke morgen wieder kochen muß. Denn der Kampf mit den kleinen, ewig wiederkehrenden Schikanen des Alltags ist es, der dein Leben schwierig macht und an den Nerven zerrt. Vielleicht bindest du verzweifelt einen Filzbart vor den Kannenschnabel, damit wenigstens beim familiären Frühstücks= und Nachmittagstisch der Schandfleck vermieden werde, und du schämst dich, wenn unerwartete Besucher dies entstellende schmuddelig=braune Monstrum entdecken. Oft genug aber denkst du erbittert: „Wenn Männer mit diesen Tücken des Objekts täglich sich ärgern müßten, so hätten sie längst einen Ausweg gefunden, der nicht jedes Schönheitsgefühl verletzt.“ Der Auswea ist gefunden! Ein Tropfen Intelligenz machte aus dem boshaft dummen einen intelligenten Tropfen. Wieder einmal das Ei des Kolumbus, eine Kleinigkeit, so einleuchtend einfach! Eine Wunderkanne wie aus 1001 Nacht... Das Geheimnis? Ein eleines Loch im Ausguß, durch das der letzte Tropfen unfehlbar immer in die Kanne zurückgesogen wird. Dem Schwarzkünstler wurde das Handwerk gelegt. Du kannst jetzt mit ihm spielen, wie er Zeit seines Lebens mit deinen Nerven spielte. (Die tropfenfreie Kaffee=Hag=Kanne, die den Anlaß zur vorstebenden freundlichen Plauderei für die frauen gab, geht kostenlos jedem zu, der 40 1 oder 80/2 Gutscheine einsendet, wie sie in den Hag=Paachen liegen.) Preußische Rotverordnung und Beamtenschaft Die preußische Notverordnung sieht bezüglich der Beamtenschaft einen Gehaltsabzug von 2½ Prozent für Verheiratete mit Kindern vor, von 5 Prozent für Ledige und Verheiratete ohne Kinder. Ist schon an und für sich dieser Gehaltsabzug als recht hoch zeichnen angesichts der erheblichen Gehaltskürzungen, die im Laufe des vergangenen Jahres eingetreten sind, so wirkt die Sache noch bedenklicher, weil bei dem Abzug nicht von den gegenwärtigen Gehaltsbezügen ausgegangen wird, sondern von dem in der Besoldungsordnung 1927 festgesetzten Gehalt. Daraus folgt, daß der Abzug von einem Gehaltsbetrage erfolgt, der 15—25 Prozent höher liegt, als das tatsächliche gegenwärtige Gehalt. Davon werden insbesondere und am stärksten die unteren Beamten in den Gemeinden und Gemeindeverbänden betroffen, bei denen auf Grund der Reichsnotverordnungen Rückstufungen bereits in ein bis drei Besoldungsgruppen erfolgt sind. Der Gehaltsabzug(Zwangsdarlehensabzug) muß mit versteuert werden und die Beträge bleiben unverzinst. Die ledigen Beamten und Angestellten sind um so härter betroffen, als sie ein niedrigeres Wohnungsgeld erhalten und eine zehnprozentige Ledigensteuer bezahlen müssen. Dazu kommt jetzt noch der doppelt so hohe Gehaltsabzug wie bei den Verheirateten. Das sind zweifellos derartige Härten, daß man sich nicht zu wundern braucht, wenn die Beamtenschaft darüber im höchsten Maße erbittert ist. Es kann ruhig gesagt werden, daß durch die Reichsnotverordnungen die Gehälter der unteren Beamten bereits so stark beschnitten waren, daß die Bestimmungen der neuen preußischen Notverordnung sich als geradezu unerträglich erweisen. Der christliche Metallarbeiterverband in der Abwehr Die im Reich und in Preußen in den letzten Wochen erfolgten politischen Umwälzungen lassen mit aller Deutlichkeit erkennen, daß reaktionäre Kräfte an die Reichs= und Staatslenkung gekommen sind, die politisch und wirtschaftlich für die Arbeiterschaft das Schlimmste befürchten lassen. Die Opfer der Krise sollen nach dem Willen dieser Reaktionäre für die Arbeiterschaft verewigt werden. Die Tarife sollen fallen, die Löhne noch weiter gesenkt werden, die Arbeitszeit trotz sechs Millionen Arbeitslose verlängert, der Urlaubsanspruch beseitigt, die soziale Gesetzgebung wesentlich verkümmert und alle Arbeiterrechte unterdrückt werden. Der Herr=im=Hause=Standpunkt soll wieder Triumphe feiern. Sollen diese reaktionären Bestrebungen zum Durchbruch kommen, dann würde gerade die Metallarbeiterschaft am schwersten darunter zu leiden haben. Der rheinische Bezirk des Christlichen Metallarbeiterverbandes nimmt am Sonntaa: den 19. Juni, morgens 10 Uhr, zu diesen Fragen Stellung. Die Konferenz für den Bezirk Köln findet statt in Deutz. im Lokale„Rosenhof", Deutz=Kalker=Straße 27(gegenüber der KalkDeutzer Badeanstalt). Zu dieser Konferenz sind alle Vorstandsmitglieder, Vertrauensleute, Betriebsratsmitglieder, Jugendführer, Vertreter in der sozialen Gesetzgebung, sowie alle übrigen Mitarbeiter und Mitglieder dringend eingeladen. Weiter findet am Sonntag, den 10. Juli, eine öffentliche Kundgebung für Rheinland und Westfalen in Essen an der Ruhr, statt. Anmeldungen zu dieser Kundgebung nehmen die Verbandsbüros, die Vertrauensleute und Einkassierer entgegen. Christliche Metallarbeiter, zeigt, daß ihr nicht gewillt seid, eure Rechte preiszugeben. Anderung der Hauszinssteuerverordnung Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird aus dem Preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt geschrieben: Die von der Preußischen Staatsregierung beschlossene Aenderung der Hauszinssteuerverordnung beseitigt eine unbillige Auswirkung des bisherigen Rechtszustandes. Nach diesem erhielten Mieter von Altwohnungen mit einem Einkommen von weniger als 100 Mark einen Mietnachlaß in Höhe des auf ihre Miete entfallenden Steuerteils, obwohl nicht sie, sondern der Hauseigentümer die Steuer schuldete. Darin bestand nicht nur eine Besserstellung der Mieter von Altwohnungen gegenüber Mietern in Neubauten, die bei gleichen persönlichen Verhältnissen eine derartige Vergünstigung nicht erhielten, sondern auch innerhalb der Mieter von Altwohnungen gab es ungerechtfertigte Unterschiede. Personen, die in Altbaubausern mit geringer hypothekarischer Vorkriegsbelastung und folglich geringer Hauszinssteuerschuld zur Miete wohnten, erhielten eine geringere Vergünstigung. War das Haus gar nicht oder mit nicht entwerteten Auslandsforderungen, z. B. Schweizer Goldhypotheken, belastet, so trat eine Vergünstigung überhaupt nicht ein. Nach der durch die Notverordnung getroffenen Aenderung der Hauszinssteuerverordnung ist für alle Mieter die gleiche Rechtsgrundlage geschaffen. Sowohl die Mieter von Altwohnungen als auch die von Neubauwohnungen werden sich in Zukunft an die Bezirksfürsorgeverbände zu wenden haben, wenn sie ohne Gefährdung ihres notwendigen Lebensbedarfes die Miete nicht aufbringen können. Die Anträge auf Mietbeihilfen sind nach den für die Fürsorge geltenden Grundsätzen zu prüfen. Wenn auch hiernach nicht allen bisher Begunstigten Ersatz für die bisberigen Vorteile gewährt werden kann, wird sich doch nach Ueberwindung von Uebergangsschwierigkeiten zeigen, daß die Neuregelung gerechter und bei einer Besserung der Finanzlage auch geeigneter ist, notleidenden Mietern, gleichviel ob sie in Alt= oder Neubauten wohnen. gleich wirksam zu belfen. Die Bezirksfursorgeverbände erbalten für die zu gewährenden Mietbeibilfen aus dem durch den Fortfall der Steuerstundung erböhten Steueraufkommen Ueberweisungen in Höbe von 160 Millionen Mark jährlich. Sowert Hauseigentumer für die von ihnen selb': bewohnte Altwobnung wegen vorübergebender oder dauernder wirtschaftlicher Notlage die Steuer nicht zahlen können, bleibt es bei der bisherigen Regelung. Da sie selbst die Steuerschuldner sind, haben ne sich wie bisher an die Steuerbebörden wegen Stundung und Niederschlagung zu wenden. An unsere Leser! Wir weisen darauf bin, daß die Gesellschaft für Patentverwertung P. Erdmann u. Co., Berlin SW 11, allen Lesern unseres Blattes in Patent=, Gebrauchsmuster=, Warenzeichen= und Verwertungsangelegenheiten Rat und Auskunft tostenlos erteilt. B EILAGE ZUM DOKAD-ANZEIGER VOM 15. JUNT 1932. JAHR GANG 47 Scharssinn und Zufall Sensationelle Kriminalfälle der Neuzeit— Auch der Schuß durch das Schlüsselloch verrät den Täter— Angler, hütet euch vor Selbstgesprächen Von Wenzel Ortlepp. Auf der Suche nach dem Kinde des Ozeanfliegers Lindbergh haben sich die amerikanischen Detektive keine Lorbeeren erworben. Es ist also durchaus begreiflich, wenn man jenseits des großen Teiches auf die mancherlei recht schwierigen Fälle hinweist, deren Lösung trotz anfänglich unüberwindlich erscheinender Schwierigkeiten in der letzten Zeit doch noch gelang. Besonders rätselhaft war der Mord in einem verschlossenen Zimmer, dem ein einsamer Sonderling störten Sportsleute unterhielten sich noch eine Weile über den Fall, und einer von ihnen meinte, mehr zu sich selbst als gegen die Nachbarn gewandt:„Das Rattengift tötet nicht nur Fische, sondern auch Menschen". Diese Worte hörte der Detektiv. Er folgte unbemerkt dem Sprecher, als dieser nach Hause ging, und veranlaßte die Vorladung des Mannes auf den nächsten Tag. Nun stellte es sich heraus, daß dieser Angler Diener und Kutscher eines sapanischen Schauspielers war. Man fragte ihn, woher er wisse, daß Rattengift auch Menschen töten könne. Nach anfänglichem Sträuben erzählte er dann folgende Geschichte. Der Schauspieler liebte die schöne Frau eines anderen. Seine Gefühle wurden auch erwidert, aber natürlich stand der Gatte der Dame dem Glück der Liebenden im Wege. Da bat sie den Diener des Schauspielers eines TaDealm. Ehne Ernonnter ger 447119., Wser der Diener doch verbrecherische Zusammenhänge. Es war nun ein Leichtes, die Mörderin zu überführen. Sie wurde hingerichtet, ihr Geliebder wegen Ehebruches zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Wozu die Feuerwehr da ist Eine fürchterliche Enldeckung In einer Villa in der Nähe von Nizza lebt ein jungvermähltes Ehepaar, dessen Liebes= und Ehegeschichte nicht ohne Tragik ist. Sie lernten sich in London kennen, Angehörige von zwei Ländern, die sich im Weltkrieg feindlich gegenübergestanden hatten. Die Dame hatte ihren Mann im Weltkrieg verloren, er war als Flieger abgeschossen worden; sie fand an dem neuen Bekannten großen Gefallen, und da die Zuneigung gegenseitig war, verlobten sie sich sehr bald. Kurz vor der Hochzeit sprachen sie über frühere Zeiten, und die Dame erzählte einige Einzelheiten über den Tod ihres Gatten. Da ergab sich, daß ihr jetziger Verlobter der Artillerist gewesen war, der den tödlichen Schuß abgegeben hatte. Die Dame reiste sofort ab und wollte den Mann, der ihren Gatten getötet hatte, nicht wiedersehen. Aber es zeigte sich, daß das neue Gefühl stärker war als Haß und Abneigung. Das Brautpaar fand sich wieder zusammen und heiratete sich trotz aller Bedenken. Ein Nachtwächter will sich eine Tasse Kaffee kochen 7 Der zersprengte Kanarienvogel zum Opfer fiel. An den sämtlich von innen verschlossenen Türen und Fenstern ließ sich nicht das geringste Zeichen einer Gewaltanwendung erkennen. In dem Zimmer hatte niemand außer dem Getöteten Spuren hinterlassen. Die Leiche wies Vergiftungsmerkmale auf. Endlich entdeckte man eine Patronenhülse, die aus einer Gaspistole stammen mußte. Die weiteren Untersuchungen führten zu der Annahme, daß der Mörder von außen durch das Schlüsselloch gefeuert hatte. Das sich im Zimmer verbreitende Gas tötete dann den ahnungslosen Einsamen. Trotzdem verstrich ein halbes Jahr, bis man den Täter gefunden hatte. Man kam ihm auf die Spur, als einem Juwelier ein Schmuckstück zum Kauf angeboten wurde, das dem Ermordeten geraubt worden war. Und die Haussuchung bei diesem „Kunden" des Goldschmiedes förderte denn auch eine Gaspistole zutage, in die jene im versperrten Raume aufgefundene Patrone genau paßte. Unter der Last der Indizien gestand der Mörder, daß er ursprünglich aus Rache gehandelt hatte, daß er dann aber die Gelegenheit wahrnahm, aus den unverschlossenen Räumen des Sonderlings Juwelen zu entwenden Immerhin bedurfte es ungeachtet aller trefflichen Arbeit der Kriminalisten doch des Zufalls, um den Täter zu erwischen. Lorbeeren hat sich dagegen die japanische Polizei durch die Aufdeckung eines Giftmordes erworben, der vor einigen Jahrzehnten durch die Persönlichkeiten der daran Beteiligten im Reiche der aufgehenden Sonne großes Aufsehen erregte. Osawa hieß der unermüdliche Detektiv, dem die Entlarvung der Täter gelang. Er hatte eines Tages Angler beobachtet, die am Ufer des Sumida=Flusses ihrem Sport huldigten. Plötzlich war aus einem nahen Hause eine alte Frau an das Wasser gegangen, um eine Schüssel mit gekochtem Reis zu entleeren, sehr zum Verdruß der Fischjäger. Deren Aerger stieg noch mehr, als bald darauf tote Wasserbewohner an der Oberfläche des Flusses erschienen und das Weiblein gestand, in dem gekochten Reis sei Rattengift enthalten gewesen, das sich jedoch gegen die verhaßten Nager nicht bewährt habe. Die also geGroße Aufregung auf der Straße. Eine Wassersäule schießt zwanzig Meter hoch in den blauen Frühlingshimmel, wird vom Wind gegen die Häuser gepreßt, drückt ein paar Fensterscheiben ein und stürzt wie ein Gießbach in die Zimmer. Leute schreien, Kinder brüllen. Auf dem Bürgersteig aber, neben dem Loch, aus dem der Wasserstrahl schießt, steht einsam und verlassen eine Kaffeekanne aus Emaille. Sie kündet das ganze Drama: Ein Nachtwächter vom Bau gegenüber hat Durst gehabt, wollte sich eine Tasse Kaffee kochen, drehte mit irgend einer Zange am Hydranten herum, und das Unglück war da. Wenn nun die Feuerwehr nicht wäre? Sie kommt gleich mit einem ganzen Löschzug angefahren, weil ein Aengstlicher den Feuermelder gezogen hat, sieht sich die Bescherung an, und der Brandmeister flucht. Ein Mann im Lederrock schwingt den großen Stellschlüssel, und eine Minute später ist der Strahl versiegt. Der Brandmeister läßt den Schaden in den Häusern besichtigen. Dabei macht er seinem Herzen Luft:„Da sieht man es wieder. Wenn wir nicht wären! Und dabei kein Dank. Im Gegenteil, wegen jedes noch so unsinnigen belanglosen Zwischenfalls holen sie uns. Erst gestern kommt so ein Anruf, wir jagen mit dem ganzen Löschzug aus dem Schuppen, bringen die halbe Stadt in Aufregung, kommen nach dem Stadtpark, wo der Feuermelder ist. Steht da ein Kerl, den Hut im Nacken, die Hände in den Hosentaschen.„Wo brennt es?“ schreie ich. Sagt der Kerl ganz seelenruhig:„Wie ich da drüben am Becken vorbeigehe, fällt mir die Uhr ins Wasser Könnte sie rausholen, will mir aber die Beine nicht natzmachen. Wozu seid Ihr denn da?'— Wir haben ihm die Uhr aus dem Wasser geholt, aber beide, den Wecker und ihn, nahmen wir gleich mit, lieferten sie beim Polizeipräsidium ab. Und was bekommt der Kerl? Vielleicht ein paar Tage Haft! Dann denke ich zen meines Lebens an einen anderen Ruf. Oder kennen Sie vielleicht die Geschichte von dem zersprengten Kanarienvogel? Manche Leute haben sich ja gewaltig darüber aufgeregt. Rattert da wieder der Melder, und wir finden ein altes Mädchen vor. Das heust beinahe vor Aufregung. Der Kanarienvogel wäre aus dem Käfig geflüchtet und flöge nun im Hofe herum. Er würde sich bestimmt noch das Köpfchen einrennen, und ich sollte doch mit der Spritze kommen und das Dier naß machen. Dann könnte es nicht mehr fliegen und würde von ihr eingefangen. Ich mußte trotz des Aergers lachen, sagte der Alten, der Spaß würde sie eine Stange Geld kosten und es hätte keinen Zweck, mit dem Schlauch nach dem Vogel zu schießen, weil das Tier zersetzt würde. Aber sie bestand darauf, war schon halb verrückt vor Angst. Na, da zielten wir eben mit dem Schlauch nach dem Tier, und natürlich blieb nichs davon übrig, als ein geplatzter Balg. Nachher hieß es natürlich, wir wären herzlose Menschen und hätten so etwas niemals tun dürfen. Gelacht haben wir trotz allen Aergers über die Frau, die im vorigen Jahr den Feuermelder für einen Briefkasten hielt. Ich weiß nicht, aus welchem Hinterwald sie in die Stadt gekommen war. Sie wollte einen Brief abschicken und suchte den Kasten. Sie fand den Feuermelder, eine Einrichtung, von der sie im Leben nichts gehört hatte, las dort etwas von Scheibe einschlagen und Griff ziehen und befolgte die Weisung gehorsam. Dann legte sie den Brief auf den Griff und stellte sich drüben auf die andere Straßenseite, um zu sehen, ob der Briefträger bald kam. Das Geschrei hätten Sie hören sollen, als wir kamen und den Brief aufmachten, um den Absender und somit den Uebeltäter festzustellen. Sie kam gleich gelaufen, schimpfte und bekam beinahe einen Schlaganfall, als ich ihr verkündete, daß die Sache sie vor das Gericht bringen würde. Uebrigens scheinen meine Leute fertig zu sein. Den Namen unseres Freundes, des Nachtwächters, haben wir auch. Wir können also wieder abziehen. Wundert mich nur, daß der Kerl nicht noch verlangt, wir sollten ihm das Wasser geben, das er nicht bekommen hat. Auf Wiedersehen; hoffentlich haben wir heute Ruhe!" Otto Erich Gurlitt Grünes Bier Jedes Kind ist beglückt, wenn Vater auf dem Familienausflug erlaubt, daß es sich ganz für sich allein eine Flasche Limonade bestellen darf. Dabei spielt kaum der Wohlgeschmack die große Rolle, sondern die strahlende Farbe, die dieses Getränk meistens hat und es ist ein schweres Problem, ob rot, gelb oder grün gewählt werden soll. Die Bierfabrikanten sind offenbar auf diesen Anreiz zum Genuß der Limonade eifersüchtig, denn, wie aus London berichtet wird, hat man dort in einer großen Brauerei seit langem Versuche gemacht, Bier in verschiedenen Farben— nicht nur das bisher bekannte Hell und Dunkel — herzustellen. Diese Versuche sind jetzt von Erfolg gekrönt und als erstes soll grünes Bier produziert wenden, dem dann voraussichtlich im nächsten Jahr alle anderen gewünschten Farbtöne folgen sollen. Es fragt sich nur, ob der erwachsene Mann ebensoviel Vergnügen an diesem neuen farbigen Getränk haben wird, wie sein Sohn oder Töchterchen an der bunten Limonade. Warum? „Sieh mal, Willi, das ist ein Schwein!“ „Warum denn, Mutti? Was hat es denn gemacht?“ Ein Weißer wird Kannibalenhäuptling Der bekannte amerikaniche Forschungsreisende Hyatt Verrill, der 25 Jahre seines Lebens in den Dschungeln von Mittel= und Südamerika verbracht hat, erzählt von seinen vielen eigenartigen Erlebnissen während seiner Forschungsreisen, auf denen es ihm geleingen ist. unter den Indianerstämmen der Gegenden, in denen er reiste, viele Freunde zu finden. Im Jahre 1924 entdeckte er die Reste der längst verschwundenen Cocle=Zivilisation mn Panama und hat es fertig gebracht, die Rothäute zu bewegen, ihre Sagen und Legenden aufnrschreiben. Es war ihm auch vergönnt, mit eigenen Augen die reichen Goldgruben in Tisingal in Costa Rica zu sehen, wo einst„Ich bin unglücklich! Ich schäme mich, jemand um Geld anzupumpen.“ „Prachtvoll! Ich war schon bange, du hättest mich gefragt.“ mals die Spanier ihre Schätze holten. Bei seiner letzten Reise kam er nämlich auf das Gebiet der Shaysha=Indianer, und zwar in einem besonders glücklichen Augenblick. Der Häuptling des Stammes, Polu, hatte eine kleine achtjährige Tochter, die von einer Krankheit befallen war, für die der eingeborene Medizinmann keine Heilung wußte. Der Forschungsreisende bat, sich die kleine Kranke ansehen zu dücfen und stellte fest, daß es sich um einen schweren Fall von Kolik handeite, die er aber mit den Mitteln seines Arzneikastens sehr rasch beheben konnte, so daß das kleine Mädchen bald wieder herumsprang. Dadurch war er mit einem Schlage bei den Eingeborenen ein großer Mann, hatte er doch durch seine Kunst den Medizinmann, der doch des Zaubers mächtig ist, in den Schatten gestellt. Der König erwies ihm also die höchsten Ehren und nahm ihn, um ihm sein Vertrauen zu beweiten, vor allem mit in die Dschungel, um ihm dom alles Sehenswerte zu zeigen. Hier kamen sie an die Reste einer ehemaligen spanischen Festung und auch an einen Platz, wo ein paar alte, verrostete Kanonen, die die Jahreszahl 1515 trugen, von der Anwesenheit weißer Männer an diesem Ort erzählten. Dann endlich standen sie an dem Ziel ihrer Reise, um das Tausende von Abenteuern früher ihr Leben gewagt hatten, nämlich bei den Goldgruben von Tisingal. Hier lag. von Grün überwuchert, das Gold in Haufen. Verrill sagt darüber: In meinen kühnsten Träumen habe ich mir nie solche Massen von Gold vorstellen können. Ich traute zunächst meinen Augen nicht, ich mußte diese unermeßlichen Reichtümer betasten, um mich zu überzeugen, daß ich nicht das Ovfer einer Gesichtstäuschung sei. Ich sah den König Polu an: er war so unberührt, als wäre das Gold... Heu. Und der König versicherte, daß außer ihm selber niemand den Weg hierher finden werde. Auch Verrill bezeugt, daß er nicht imstande sein würde, den Ort wiederzufinden; hier ist wirklich einmal ein Geheimnis, das gut gewahrt ist. Am Tage nach dieser Besichtigung wurde zu Ehren des Forschungsreisenden ein größeres Fest angeordnet. Zu dem Programm gehörte auch ein Galafestspiel im Tempel der Stadt. Der König selber führte ihn hin, und die Indianer kleideten ihn ein, indem sie ihm den Federschmuck auf den Kopf setzten, ihm das Gewand der Indianer anzogen und ihm Ketten um den Hals hängten. Damit war er zu einem Mitglied des Stammes gemacht worden. Man gab ihm den Namen Cuvibnonandi und den Titel eines Häuptlings. Außerdem ist er zum Obermedizinmann ernannt worden, d. h. zum Leibarzt des Königs. Der Stamm der Shaysha-Indianer wurde in früheren Zeiten der Menschenfresserei beschuldigt, und Verrill hält es nicht für unmöglich, daß der Kannibalismus hier zu Hause bei, denn die Mitglieder des Stammes haben die Gewohnheit, ihre Zähne nadetscharf zu seilen. Es ist also gewiß nichts Alltägliches, daß ein weißer Mann auf diese Weise zum Häuptling eines Kannibalenstammes wurde; im übrigen weiß Verrill von den sogenannten„Wilden", nur das beste zu sagen und meint, daß mancher sogenannte„zivilisierte Mensch“ es an Höhe der Kultur nicht mit jenen Söhnen der Wildnis aufnehmen könne. Herbert Hauffe. Europäische Inseln, die von den Menschen verlassen werden Vor einiger Zeit ging durch die Welt die Kunde, daß die englische Regierung die in unbeschreiblich dürftigen Verhältnissen lebenden Bewohner einer Insel nördlich Schottlands, der Hirta=Insel, nach dem Festland gebracht und sie dort angesiedelt hat. Die Insel-Bewohner hatten auf Hirta als Fischer ein armseliges Dasein gefristet. Jetzt dagegen sind sie als Bauern in Schottland angesiedelt worden und es ist zu erwarten, daß sie sich nach wenigen Jahren eines bescheidenen Wohlstandes erfreuen werden. Da diese Uebersiedlung geglückt ist, hat die englische Regierung nunmehr beschlossen, auch die Bewohner einiger anderer abgelegener Inseln, die in einem ähnlichen Elend wie die Bewohner von Hirta leben, nach Schottland oder Nordirland zu bringen und sie hier anzusiedeln. So wurden kürzlich ungefähr fünfzig Familien, die auf den Nordwestirland vorgelagerten unwirtschaftlichen Inseln Nord= und Süd=Inischkea lebten, nach Ulster verpflanzt. Wie bei Hirta soll auch diese Uebersiedlung geglückt sein und die ausgesiedelten Menschen sollen mit ihrem Los durchaus zufrieden sei. Nach und nach werden wahrscheinlich auch noch andere Inseln auf ähnliche Art entvölkert werden; denn allein die meisten der mehr als 500 Inseln zählenden Hebriden, von denen allerdings nur ein Fünftel bewohnt ist, sind felsige Horste, die nur wenig nußbares Land, dagegen vieljach steinige Einöden und Sümpfe aufweisen. Die Bewohner dieser rauhen Insel leben von ein wenig Schafzucht und von Fischfang, der ihnen allerdings nicht viel einbringt. „Ich glaube alle Männer sind gleich dumm.“ „Nein einige trauen uns nicht.“ Backfischgedanken „Heinrich liebt mich schon; er hat mich gestern angelacht.“ „Bernhard liebt mich noch viel mehr; er hat schon mit mir geschimpft.“ G Lokal=Anzeiger Mittwoch, 15. Juni 1932 Steinlzüele ist weiss „Weiss ist Abenteuer-Roman von Ludwig von Wohl. In der Servatiuskirche in Ostheim Sealgeig (20. Fortsetzung) Hendrik wollte heftig erwidern, aber ihm fiel Sybils Verhalten wieder ein, als er sie bat, seine Frau zu werden.„Es ist weniger die Romantik als das„Undsoweiter', lieber Hendrik...“ Sie war schon seit längerer Zeit mißtrauisch und mürrisch, aber damals war sie geradezu beleidigend gewesen. Sie mußte etwas gehört haben— gar kein Zweifel. Vater und er hatten Abende lang diskutiert über die Sache mit den Steinen, über die ganze Sache... Er biß sich auf die Lippen und sah angestrengt zum Fenster hinaus. „Es ist Ihnen also etwas aufgefallen?" sagte Grimaldi, der ihn genau beobachtet hatte.„Sie hat also gehorcht? Mit Ihnen kann man arbeiten, Signori! Und Sie fragen mich, was jetzt zu tun ist? Ich bin von Brindisi aus mit dem Postflugzeug gekommen. Seit zwei Stunden bin ich da. In zwei Stunden werde ich nicht mehr dasein— das verspreche ich Ihnen! Ich brauche zweitausend Pfund, Herr de Groot!“ „Was wollen Sie tun? murmelte der Reeder. „Was ich tun will? Ich fliege nach Marseille! Ich werde ein Wörtchen mit dieser Tanzdame aus Aegypten sprechen oder auch zwei! Ich bin nicht für halbe Arbeit— ich!“ „Sie werden das nicht tun, Kapitän!“ sagte Hendrik sehr bestimmt.„Ich werde es tun!" Grimaldi sah ihn argwöhnisch an.„Und Sie glauben, Sie brauchten nur ein paar schöne Worte zu machen, damit Signorina Termeer Ihnen die Steinchen zurückgibt, nicht wahr? Und ein Kußhändchen dazu?“ Dem jungen Mann schoß das Blut in den Kopf. „Sie vergessen sich und Ihre Stellung, Kapitän!" sagte er heftig.„Wenn ich sage, ich fahre, dann fahre ich! Und zwar allein!“ Zwei Schritte machte Grimaldi auf ihn zu. Sein massives Gesicht war so drohend, daß Hendrick zurückwich.„In dieser Sache sind wir doch wohl nicht Kapitän und Reeder, Signorino?“ zischelte Drimaldi hohnvoll.„In dieser Sache sind wir— wie sagt man da? Seien wir höflich— sagen wir: Verbündete! Glauben Sie, ich ließe mir, nach allem, was ich getan habe, die Steine entgehen, nur, weil Sie sich in ein Mädel verknallen? Ruhe, Ruhe, Signorino!, Keine edlen Aufwallungen! Wer weiß, was das Mädel gehört hat? Vielleicht genug, um Sie und den Herrn Papa auf verdammt lange Zeit ins Zuchthaus zu bringen... Wir müssen wissen, wie die Dinge liegen. Ich weiß, daß Ihnen das unange nehm ist, Signorino. Es geht nichts über ein tadelloses weißes Hemd, nicht wahr? Aber dafür ist ja Grimaldi da, und Grimaldi übernimmt die Sache... Zweitausend Türkenpfunde— wenn ich bitten darf, Herr de Groot!“ „Er hat recht“, murmelte der Reeder. Hendriks Hände flatterten.„Und wenn er zehnmal recht hat— er fährt nicht ohne mich! Ich nehme sofort die Flugzeugplätze!“ Er knallte die Tür hinter sich zu. Grimaldi zuckte die Achseln.„Hoffentlich macht er mir nicht zuviel Schwierigkeiten". Eine Pause entstand.„Grimaldi“, bat der Reeder,„lassen Sie mich ein paar Minuten allein! Ich habe noch einige dringende Sachen zu erledigen... Wir sprechen dann weiter.“ „Ich gehe einstweilen nach nebenan.“ Allein, griff der Alte hastig zum Telephon und verlangte die Nummer des alten Schott. Ihm war sterbenselend zumute. Jan de Groot hatte viele Menschen in seinem Leben übervorteilt. Nie aber war er am Tod eines Menschen mitschuldig gewesen. Natürlich: Was wäre gewesen, wenn Grimaldi den jungen Schott an den Stahlschrank herangelassen hätte—? Der alte Juwelier war selbst am Apparat. Er und der Reeder kannten sich seit Jahren— was man so kennen nennt.„Tag, Herr de Groot! Wie geht's denn heute? Wieder Ruhe im Geschäft, was?“ „Ja, so einigermaßen... Mein lieber Herr Schott, ich——“ „Ich hab' vorgestern doch noch'n schönen Schreck gekriegt, als ich's in der Zeitung las. „Alle Passagiere sind gerettet“, war so klein gedruckt, daß man's erst beim zweitenmal Hinsehen lesen konnte.“ Ahnungslos... Natürlich! Woher sollte er auch—?„Ich habe leider eine sehr betrübliche Mitteilung für Sie, Herr Schott...“ „Betrüblich?! Wieso?“ „Erschrecken Sie, bitte, nicht zu sehr! Ihr SOOn—— „Was ist mit meinem Sohn?“ „Ich erhielt eben die Mitteilung, daß er durch einen Unglücksfall mit dem Schiff zusammen—— der einzige— ausgerechnet Ihr lieber Junge... Ich bin ganz verzweifen..“ Was fällt Ihnen denn ein, Herr de Groot? Mit so was macht man keine schlechten Witze!" Aber, mein liebster, bester Herr Schott, ich versichere Ihnen, daß Ihr armer Junge——“ „Mein armer Junge hat mir gestern mittag ein sehr nettes Telegramm geschickt. Seit wann telegraphieren denn die Ertrunkenen?" „—was sagen iSe da?“ „Er ist zurzeit auf Malta und fährt heute oder fuhr schon gestern nach Marseille weiter.“ —soo? Das ist ja— das wäre ja... Sind Sie dessen sicher? Also, Gott sei Dank! Da kann ich wirklich nur sagen: Gott sei Dank! Sie machen mir das Herz leicht, lieber Schott. Verzeihen Sie! Diese blöde Mystifikation... Ich bin unendlich froh, daß ie Nachricht haben. Auf bald, lieber Herr Schott!“ Er hängte ab. Sekundenlang saß er da, wie betäubt. Dann sprang er auf und eilte auf zitternden Beinen zur Tür.„Grimaldi, kommen Sie herein! Grimaldi—!“ Und, als sich die Doppeltür hinter dem Kapitän geschlossen hatte:„Er lebt, Grimaldi! Schott lebt! Sein Vater hat ein Telegramm von ihm— aus Malta!“ Der Kapitän drückte krampfhaft die Augen zu. Er überlegte.„Hat er nichts von den Steinen mittelegraphiert?“ fragte er dann hastig. „Nicht, daß ich wüßte. Der alte Schott hätte onst etwas davon gesagt.“ Er kann mir nichts nachweisen! dachte Grimaldi. Ich habe nur meine Pflicht getan, als ich ihn mit Gewalt daran hindern wollte, meine Kabine zu betreten. Ich hielt es eben für zu spät. Und daß ich es war, der ihn dann eingeschlossen hat, kann er nicht beschwören. Bleibt, daß er höchstwahrscheinlich das Päckchen mit Kieselsteinen in die Pfote bekommen hat. Das ist schon unangenehmer. Aber wenn er schwört, daß er Smaragde hineingelegt und Kieselsteine herausgenommen hat, so leugnen wir. Es gibt einen Prozeß, und die Sache verläuft wahrscheinlich im Sande. Alles nicht so schlimm... Aber warum fährt er nach Marseille? Hat er eine Ahnung von der kleinen Termeer?— Grimaldi straffte sich. „Ich bitte nochmals um die zweitausend Pfund, Herr de Groot!“ sagte er kalt. Der Reeder betrachtete ihn unruhig.„Aber, wenn Schott——“ „Ueberlassen Sie alles mir!" Noch einen Augenblick zögerte de Groot. Dann senkte er ergeben den Kopf und füllte den Scheck aus. Kapitän Grimaldi nahm ihn, grüßte kurz und wuchtete aus dem Zimmer. Der Prokurist kam mit einer Mappe voll Briefe, die zu unterschreiben waren. Der Reeder unterschrieb mechanisch und saß dann lange Zeit allein und in dumpfen, schmerzenden Gedanken. Schott lebte! Man mußte froh sein, trotz allem... Wab aber wußte Sybil? Was bezweckte sie? Was hatte Grimaldi mit ihr vor? Er dachte diesen Gedanken nicht zu Ende— er riß sich förmlich von ihm los; er wollte nicht wissen, was in Marseille geschehen würde. Diese brutale Riesenmaschine von einem Menschen, die nun in Tätigkeit rat... Er schauerte. Im Grunde seines Herzens wußte er mit einer erschreckenden Klarheit: Ob Hendrik mitreiste oder nicht— er hatte den Tod nach Marseille geschickt. In den zwei Tagen, die sie in Marseille war, hatte sich Sybil Termeer sicherlich ein dutzendmal gesagt, daß es ohne Achmed einfach nicht zu ertragen gewesen wäre. Achmed war ein Tibbuknabe, vielleicht acht, vielleicht auch zwölf Jahre alt. Wer konnte das wissen? Er selbst jedenfalls hatte keine blasse Ahnung, wie alt er war. Sein Gesicht, unter dem roten Fes, war von dem unwahrscheinlichen glänzenden Schwarz eines wohlgeputzten Lackschuhs. Gut ein Drittel davon war Nase. Darin zu bohren— er tat es gern und oft—, war nicht mühevolle, beengte Arbeit, sondern munteres Herumfuhrwerken in zwei geräumigen Höhlen. Achmed trug ein eng anliegendes knallrotes und bunt besticktes Jäckchen, ein vor einigen Monaten höchstwahrscheinlich noch ziemlich saberes weißes Hemd, weite rote Hosen und Lederpantoffel, und er verkaufte in diesem Aufzug den Gästen des Kabaretts„Tabarin“ in der Rue Morne— nicht allzuweit vom Quai des Belges— Zigaretten. Das war Achmed. Und, was mehr ist, er war Sybil Termeers Freund. Wie es dazu gekommen war, wußte eigentlich keiner von beiden so recht. Sie waren einfach Freunde, und das von Anfang an. Es war Achmed, der ihr jedesmal Brot, Butter und Käse in das winzige Loch brachte, das hier Künstlerinnengarderobe hieß. Und jedesmal nach ihrem Auftreten erschien er feierlich bei ihr, verneigte sich und klatschte in die Hände. Achmed war ein Lichtblick— der einzige in diesen Tagen. Sonst? Freilich: Die zwei Zehnfrankscheine, die nun jeden Tag von Herrn Baptiste Paillot in die Finger gedrückt bekam, die waren wichtig. Sie reichten, um das Bett im Hotel Delaurier zu bezahlen und Frühstück und Mittagessen in irgendeiner kleinen Brasserie der Hafengegend. So daß man die dreißig türkischen Pfunde nicht anzureißen brauchte— etwa dreihundertfünfzig Frank—, die noch übrig waren. Das andere Geld— viel war es auch nicht mehr gewesen— war für den Ankauf von ein paar Fetzen draufgegangen, in denen„Djana Shahid" nachmittags und abends ihre drei Tänze absolvierte: den Schleiertanz, den Messertanz und den Tanz von Esch=Scham. Nach dem ersten Abend, im dürftigen Hotelbett, hatte Sybil über ihre Karriere lachen müssen. Was für ein irrsinniges Leben! Alles war unwahrscheinlich und grotesk. Schon der erste Blick in den Spiegel morgens, wenn man aufwachte: Ein fremdes, braunes Gesicht; ein fremder, braun schimmernder Körper. Nadines Färbemittel hielt ausgezeichnet, und das war auch sehr nötig, denn die Flasche mit Ersatzstoff lag mit dem„Adrian Termeer“ auf dem Meeresboden. Immerhin: Man hatte Sehnsucht nach seiner eigenen Haut... Aber daran war im Augenblick nicht zu denken. Djana Shahid hatte ihre Rolle noch nicht zu Ende gespielt. Ursprünglich waren Name und Verkleidung nur dazu dagewesen, sie an Bord des„Adrian Termeer“ zu bringen, ohne daß man sie erkennen und zurückhalten konnte. Jetzt war das alles anders geworden: Djana Shahid, die jeden Tag im„Tabarin“ auftrat, war der einzige Anhaltspunkt, den Schott hatte, nachdem an Bord keine Möglichkeit gewesen war, ihn zu sprechen. Das heißt: Keine Mödlichkeit—? Hier war ein Punkt, an dem Sybil jedesmal, wenn sie überlegte, innehielt, als befürchtete sie, sich selbst weh zu tun. Natürlich hätte es die Möglichkeit gegeben, ihn zu sprechen; man brauchte ihm schließlich nur einen Brief zu schicken, durch irgendeinen Steward. Aber das hatte man nicht getan. Warum nicht? Weil dieses Mondscheingesicht mit ihm reiste, diese blasse... Peieche—=(Fortsetzung folgt.) Die neuen Fenster Die zweite Serie zeigt weitere erfreuliche Entfaltung des Glasmalers E. L. Ronig Als vor einem halben Jahr die ersten vier Fenster der Ostheimer Pfarrkirche St. Servatius eingebaut waren, durften wir mit der dankbaren Pfarrgemeinde mit Stolz un Henngtnung feststellen, daß der Maler Ernst Ludwig Ronig in der Stille zu einem christlichen Künstler von ernster religiöser Haltung gereift war und sich mit te#nt####niu, malereien sogleich in die vorderste Front stellte. Die jetzt vollendeten vier Fenster der Epistelseite zeigen ihn in erfreulicher, zielsicherer und materialgerechter Entwicklung. Neues Fenster mit dem Pelikan Diese neuen Arbeiten Ronigs, wieder unter ständiger Mitarbeit des Malers in der Werkstätte von Melchior gefertigt, sind reicher in der Aufteilung der Fläche und in der Farbe, bewegter im Spiel der Linien. Wieder sticht eine Tatsache ins Auge: obwohl die Symbolinhalte der Darstellung fast erzählerisch ausgesponnen sind, ist die vollkommene Auflösung ins Flächig=Ornamentale hervorragend gelungen. Diese Fenster sind leuchtende Wand. Die harmonische Ausgeglichenheit der Farben steht in ihren betonten Höhepunkten in sinnvoller Beziehung zu den Inhalten. Die auf der Evangelienseite begonnene Reihe der Symbole der hl. Eucharistie(Herz=Jesu mit den aus den Blutstropfen entstehenden Hostien, Lamm Gottes, Pelikan, Trauben) wird auf der Epistelseite fortgesetzt: Golden leuchtet die geöffnete Bundeslade mit den weißen Gesetzestafeln des Moses und Aarons blühendem Stab; rechts unten steht der Schaubrottisch, auf dem Deckel der Bundeslade sitzen zwei Engel.— Am reichsten ornamental ausgestaltet ist das Fischfenster, dessen Struktur mit drei senkrecht gestellten Fischen zum Altar hinweist; im Zentrum liegen ein Fisch und Brote auf einem Tisch.— Der Phönix steigt in warmen, braunen Tönen, die nach oben von einem prachtvoll silbrigen Grau begrenzt sind, aus goldbraunroten Flammen, die— ein Sinnbild immer sich erneuernden Opfers— in der Höhe noch einmal aufleuchten, überragt von Kreuzen.— Das letzte Fenster schließlich, das infolge des Orgelvorbaues erst bei einem künftigen Erweiterungsbau zu voller Geltung kommen kann; stellt das Mannawunder dar; flehende Hände recken sich die Speise in der Wüste entgegen, das Auge Gottes schaut darauf herab. In der Gesamtheit dieser Fensterreihe spürt man wieder deutlich die ungemeine Vorsicht, die liebevolle Sorgfalt, mit der die einzelnen Gläser ausgewählt und an ihrer Stelle verwendet sind, in ihren Schattierungen die weichen Uebergänge schaffend, welche die Teppichwirkung vervollkommnen. Und im Ganzen ist eine sinnvolle Steigerung zum Altar hin schon in der Farbigkeit erreicht. Zwar leuchten die bis zum Goldgelb gestuften Bernsteintöne des Mannafenster; hell auf, aber das Braun und Grau des Phönixbildes, und die grünblauen Dämmer der Fische werden überstrahlt vom Licht der Bundeslade, neben deren prunkendem Gold kräftiges Grün und Rot und Blau aufspringen. Der Anfang der notwendigen Renovierung der St. Servatiuskirche ist dank der verständnisvollen Initiative von Pfarrer Knoche mit den acht neuen Fenstern bedeutsam und richtunggebend gemacht. Wenn nun der innere Anstrich entsprechend der anspruchslosen Architektur der Kirche ganz einfach in freundlich=lichter Einfarbigkeit gemacht wird, dann kann aus diesem Gotteshaus ein Schmuckkästchen werden, dessen köstlichster Besitz künstlerisch Ronigs Fenster sein werden. Dr. Hz. St. Eine neue interne Ausstellung der Kölner Werkschulen, die von grundlegender programatischer Bedeutung für den Schulbetrieb ist, gibt Uebersicht über die Abteilung für werkgerechte Druckgestaltung und graphische Techniken(Klassee Erbar). Die Arbeit dieser Abteilung baut auf den Elementen und Gesetzen der Schrift und Typographie auf. Sie breitet sich aus über die verschiedenen Gebiete der Vervielfältigung und erstrebt die Steigerung der technischen Vollkommenheit zur vorbildlichen Form. Die Arbeitsziele umfassen die vielfachen Aufgaben des Druckes vom Buchdruck und der Werbung bis zum Zeitungswesen. Die Ausstellung zeigt u. a. das Studium der Schrift im Duktus der Hand und in der Konstruktion, die Beherrschung des Gatzmaterials. die Photographie und ihre Einordnung, die Wirkung der Farbe im Druck. Eine besondere Tafel ist der schönen Tageszeitung gewidmet. * Natur und Kultur. Monatsschrift für Naturwissenschaft und ihre Grenzgebiete. Geleitet von Dr. A. Süssenguth und Dr. Franz Wetzel. Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck=Wien=München. 29. Jahrgang. Halbjährig S..—. M..—. Heft 6.— Das soeben erschienene Heft dieser Zeitschrift bringt wieder eine Reihe interessanter Beiträge. Aus dem Inhalt: Svstematik und Deszendenztheorie]Von P. Philipp Böbner O. F. A.— Aus der Heimat unserer mittelmeerländischen Einwanderer] Von Professor Dr. Hermann Fischer— Der Tuffsteinbruch von Polling Von Pfarrer Georg Rückert— Vom Seelenleben der Fische Von Dr. W. Schweisheimer— Eine rätselhafte NaturerscheinungVon Walter Finkler—„Unfruchtbare“ Wissenschaft?] Von Prof. Di. E. Martini— Aus dem Bilderbuch der Natur — Rundschau— Natur und Haus— Himmelsrundschau— Aufgaben— Sprechsaal— Bücherschau. Lokal=Anzeiger Nr. 163 Seite 9 Die lieben Zeitgenossen Das Eierlegen ist nicht schwer, Das Gackern ist die Kunst Drum reden sie noch einmal mehr, Erfreu'n sich großer Gunst. Das Gackern, liebe Leute, hört, Beweist erst das Genie Drum sind sie auch so sehr empört, Soll'n Eier legen sie. Sie gackern durch das ganze Land Und tun sehr schöpferisch, Allein, es liegt doch auf der Hand Am Ei erweist der Schöpfer sich. Ein Huhn, das nur gegackert Und nie ein Ei gelegt, Das steckt man in den Kochtopf So hat man's stets gepflegt. Doch heute wird den Hühnern, Ihr lieben Leute, seht, Die fleißig Eier legten Der Hals herumgedrehr... 5. F. 16 Kraftwagen wurden beschlagnahmt Auch im verflossenen Monat waren die Erfolge der Zollbeamten des Landesfinanzamtsbezirks Köln bei der Bekämpfung des Schmuggels wieder groß. Bemerkenswert ist, daß im Gegensatz zum Monat April in fast sämtlichen Schmuggelartikeln ein bedeutender Rückgang zu verzeichnen ist. An der Spitze steht hier der Zigarettenschmuggel. Während im April 936000 Stück beschlagnahmt wurden, waren es im Mai nur noch 765000 Stück, also ein Weniger von 171000. Die Zahl für Rauchtabak einschließlich Feinschnitt liegt mit 2581 gegen 2250 Kilogramm im April diesmal etwas öher. Gleichzeitig hat der Zuckerschmuggel(11 500 gegen 10000 Kilogramm) eine Steigerung erfahren. Festzuhalten ist die Tatsache, daß trotz der abnehmenden Warenmengen rund 100 Personen (2710 gegen 2618 im April) mehr aufgegriffen wurden. Es scheint also eine Abwanderung vom Groß= zum Kleinschmuggel eingetreten zu sein. An Lebensmitteln und Fahrzeugen wurden beschlagnahmt: Kaffee 6000(gegen 6850 Kilogramm im April), Getreide 8760(12 700) Kilogramm, Müllereierzeugnisse 9160(13.200) Kilo= gramm, Brot 2000(3800) Kilogramm, Zigarettenpapier 16 225(18.250) Heftchen), Fahrräder 134(150), Krafträder 8(1) und Kraftwagen 16(14) Stück. Falschmünzer auch in Köln Was die polizei meldet— Bisher vier Täter verhaftet— Kein Gewichtsunterschied zu echten Münzen— Amfang der Fälschung noch nicht übersehbar Dienstag morgen wurde, wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe mitteilten, in Ehrenfeld, an der Ecke Subbelrather und Simrockstraße, von der Kölner Kriminalpolizei eine Falschmünzerwerkstatt ausgehoben. Hierzu erfahren wir noch folgendes: Am 25. April dieses Jahres wurde ein arbeitsloser Mechaniker von der Polizei festgenommen, der falsches Geld in Umlauf gesetzt hatte. Die Werkstatt, in der diese Falsifikate hergestellt worden waren, ließ sich nicht ermitteln. Da nach Festnahme dieses Falschmünzers, der seine Tat zwar eingestand, doch keine weiteren Angaben machte, immer wieder falsche Geldstücke derselben Prägung auftauchten, setzte die Kriminalpolizei ihre Untersuchungen fort, die Dienstagmorgen dann auch zum Erfolge führten. In einem ehemaligen Großschlossereibetrieb, der eine Zeit lang von Wohnungslosen als Unterkunftsstätte benutzt worden war, hatten sich später zwei Brüder, gelernte Schlosser, und zwei weitere Personen niedergelassen, die den Raum gegen Miete als Schlosserei und Ausbesserungswerkstatt für Zentralheizungen benutzten. In dieser Werkstatt entdeckten nun die Polizeibeamten neben den üblichen Werkzeugen und einer Anzahl Beheizungskörpern ein vollkommen eingerichtetes Falschmünzernest. Mit einer Stanzmaschine, einer Art Doublexmaschine wie sie in Druckereien benutzt wird, hatten die Täter gearbeitet. Zur Prägung hatten sie ausgestanztes Messingblech benutzt und dies nach der Galvanisierung versilbert. Besonderes Interesse verdient der Umstand, daß die gefälschten Münzen in ihrem Gewicht mit dem Normalgewicht echter Münzen übereinstimmen. Die drei Täter wurden natürlich sofort verhaftet. Ueber den Umfana der Fälschung läßt sich noch nichts genaueres sagen. Bisher hat man 70 bis 80 falsche Fünf= und etwa 15 gefälschte Zweimarkstücke, die alle im Verkehr angehalten wurden, feststellen können, doch dürfte die eigentliche Summe wesentlich größer sein. Auffallend an den Falsifikaten ist weniger die Randschraffierung als eine Unebenmäßigkeit der Rundung. Auch der Klang ist dumpfer. protest des Kölner Haus= und Grundbesitzes gegen die preußische Notverordnung Vorstand und Vereinsausschuß des Kölner Haus= und Grundbesitzervereine nahmen in ihrer Sitzung vom 13. Juni zur Preußischen Notverordnung vom 8. Juni Stellung. Der Vorsitzende, Baumeister Hoemann, legte dar, daß die Haus= und Grundbesitzerorganisationen wegen der untragbaren Auswirkungen der Notverordnungsbestimmungen auf die Eigentümer sofort Protest gegen die neue Notverordnung eingeleitet hätten. Anschließend befaßte sich Herr Dr. Hesberg mit der grundsätzlichen Stellungnahme. Infolge der neuen Notverordnungsbestimmungen müßte die größte Anzahl der Mieter, die bisher Hauszinssteuerstundungen erhalten haben, die volle Miete zahlen und dadurch wäre der Hausbesitz in der Regel genötigt, 40—45 Prozent mehr Miete einnzuziehen als bisher, weil die Hauszinssteuerstundungen eine Mietermäßigung um etwa ein Drittel zur Folge gehabt hätten. Ob die Mieter diese Verpflichtungen sämtlich erSpanische Krüge gefällig? Garantiert echte Caballeros mit ebenso echter Ware in Köln Vier original spanische Caballeros, unternehmungslustige und optimistische, braungebrannte Söhne des Südens, bieten seit einigen Tagen in Köln ihre rotgetönten spanischen Krüge zum Kaufe an. Die hübschen, billigen Tongefäße aus Salvakerra(Provinz Badajoz, mittelspanisch=portufiesische Grenze) erregen begreiflicherweise das der schaulustigen Kölner, die oft in hellen Haufen die temperamentvollen Krugverkäufer umstehen. Auch zwei Eselchen, gutmütige und fleißige Geschöpfe, die sich anscheinend in der warmen deutschen Sonne recht wohl fühlen, haben als lebendige spanische Importen ihren Einzug in Colonias Mauern gehalten und wecken die Erinnerung an Sancho Pansas vierfüßige Gefährten auf seinen abenteuerlichen Fahrten durch die Mancha. füllen könnten, ware fraglich, da nur für einen beschränkten Teil durch Mietbeihilfen ein Ausgleich für die bisherigen Beihilfen im Wege der Stundung gegeben würde. Entschließung: Der Kölner Haus= und Grundbesitz erhebt schärfsten Ein spruch gegen die in der Verordnung zur Sicherung des Haushalts vom 8. Juni 1932 zum 1 Juli 1932 vorgesehene Aenderung der Hauszinssteuerverordnung. Die Aufhebung der Stundungs= und Niederschla= gungsvorschriften zugunsten bedürftiger Mieter und deren Ersatz durch Mietbeihilfen muß, da sich die Beihilfen in wesentlich engeren Grenzen halten als die Hauszinssteuerstundungen, die Existenz zahlreicher Mieter und Eigentümer ver nichten. Der durch die Auswirkungen der Notverordnungsgesetzgebung aufs härteste betroffene Haus= und Grundbesitz ist im Hinblick auf die beispiellose Belastung durch die öffentliche Hand, die in Köln allein 66 3/8 Prozent der Friedensmiete ausmacht und durch seine Verpflichtungen gegenüber den Hypothekengläubigern außerstande, seinerseits Mietnachlässe zu gewähren. Daher ist er durch die Maßnahmen der Staatsregierung, die auf eine Verschärfung des Realsteuercharakters der Hauszinssteuer hinauslaufen. wider Willen dazu gezwungen, die Erfüllung der Mieterpflichten durch Zahlungs= und Räumungsklagen zu erzwingen, soweit der Mieter ihren durch die Notverordnung erhöhten Verpflichtungen nicht nachkommen. Die Verantwortung für solches Vorgehen muß der Haus= und Grundbesitz der preußischen Staatsregierung zuschieben, die wiederholt auf die Folgen aufmerksam gemacht worden ist und die Notverordnung trotz der eindringlichen Warnungen des Haus= und Grundbesitzes erlassen hat. Angesichts der nicht absehbaren wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen fordert der Kölner Haus= und Grundbesitz die Aufhebung der Bestimmungen im zweiten Teil der Notverordnung vom 8. Juni 1932 und erwartet vom Preußischen Landtag, daß er den berechtigten Wünschen der Vermieter wie der Mieter Rechnung trägt. Die Spielzeit der Theater In einer Sitzung des Großen Theaterausschusses wurde aus den Vorschlag der Intendanten der Schluß der Spielzeit für das Schauspiel auf den 30. Juni, für die Oper auf den 3. Juli festgesetzt. Die Over beginnt dann am 4. Juli mit der Sommerspielzeit(bis 20. Juli). Der Wiederbeginn der Spielzeit ist für das Schauspiel auf den 10. September, für das Opernhaus auf den 7. September festgesetzt. Gemeiner Betrüger! Dem Wohlfahrtsamt wird soeben ein Vorfall mitgeteilt, der im Interesse aller Beteiligten hiermit der Oeffentlichkeit bekanntgegeben wird: Zu einer 75jährigen Unterstützten, die augenleidend ist, kam dieser Tage ein etwa 50 Jahre alter Herr, eine Mappe unter dem Arm, mit sicherem Auftreten, der sich als Beamter des Wohlfahrtsamtes ausgab. beauftragt mit der Unterbringung der kranken Dame in einem städtischen Heime. Er verlangte Papiere, Krankenscheine, wollte eine körperliche Untersuchung der geschwollenen Beine anstellen, da er auch Mediziner sei, verlangte schließlich ein Glas Wasser und stahl, als ihm dies geholt wurde, aus einer Schublade eine Geldbörse mit etwa—5 M. Nach einigen schönen Redensarten und Versprechungen verschwand er.„ Es scheint hiernach, daß wieder ein Betrüger am Werk ist, der alte Unterstützungsempfänger durch falsche Angaben zu schädigen versucht. Es wird daher vor diesem Menschen öffentlich gewarnt. * Die Wahl der Hebammen in die Kreishebammenstellen des Stadtkreises Köln wird in allernächster Zeit vor sich gehen. Näheres hierüber macht der Oberbürgermeister durch Aushang im Rathaus und in den städtischen Vorort=Verwaltungsstellen bekannt. Geniale persönlichkeit Zum 100. Geburtstag von N. A. Otto Zum 100. Geburtstage des Ingenieurs N. A. Otto, der in Köln die erste Viertakt=Verbrennungskraftmaschine schuf, veranstaltete der Kölner Bezirksverein Deutscher Ingenieure gestern in der Aula des Hauses der Technik eine Gedenkfeier. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Professor Grunewald, die erschienenen Gäste, darunter Vertreter der Regierung, der Stadt Köln, der Oberpostdirektion, der Reichsbahn, des Oberlandesgerichts, des Landesfinanzamts, der Technischen Hochschule in Aachen und der Universität Köln, der Bergbehörde und verschiedener technischer Lehranstalten sowie die Angehörigen Ottobegrüßt hatte, führte Generaldirektor Dr. Dr. Ing. e. h. Arnold Langen in seiner Festansprache aus: N. A. Otto, am 10. Juni 1832 im Nassauischen geboren, bekleidete im Beginn seiner Laufbahn verschiedene kaufmännische Stellungen in Frankfurt und Köln. Entscheidend für seine Erfindertätigkeit wurde ein Zeitungsbericht über die neue Gasmaschine von Lenoir. Er wollte eine Kraftmaschine schaffen, die in Verbindung mit der von England nach dem Festlande gekommenen Leuchtgasanlage für das daniederliegende Kleingewerbe eine billige Arbeitskraft darstellte. Die erste Antriebsmaschine brachte es nur zu wenigen Umdrehungen, wies aber schon damals alle Merkmale des heutigen Viertakt=Verbrennungsmotors auf. Wegen der großen, bei diesem ersten Versuche auftretenden Zündstöße gab Otto dies Verfahren auf und wandte sich dem indirekten Arbeitsverfahren zu, das in der atmosphärischen Fliehkolbenmaschine verwirklicht wurde. Erst 15 Jahre später gelang es dem Erfinder, das Verfahren nach dem Viertakt zu vollenden. Die Bekanntschaft mit dem Ingenieur Eugen Langen brachte dann die entscheidende Wendung: Langen gelang es, die für die Gründung der Gasmotorenfabrik Deutz nötigen Geldmittel zu beschaffen. Die ersten Direktoren der Gesellschaft waren Otto. Eugen Langen und dessen Bruder. Im Jahre 1878 setzte dann die regelmäßige Fabrikation der neuen Maschine ein. Von Ottos Erfindung ausgehend, entwickelte sich dann im Laufe der Jahre durch Männer wie Daimler und Maibach: die beide aus der Deutzer Gasmotorenfabrik stammen, sowie Körting und Diesel, die riesige Industrie, wie sie heute unser öffentliches Leben beherrscht. Auto und Flugzeugmotor waren ohne die Tat Ottos undenkbar. Die Viertaktmaschine stellt die einfachste und denkbar wirtschaftlichste Form zur Umwandlung der in den Rohmaterialien liegenden Energiequellen in brauchbare Leistungsform dar. Otto war ein äußert bescheidener Charakter, der sich nach Möglichkeit allen öffentlichen Ehrungen entzog. Um so höher ist es zu bewerten, daß ihm die Universität Würzburg den Ehrendoktor verlieh. Als er am 26. Januar 1891 stark, konnte noch kaum jemand die ungeheure Entwicklung der Ottoschen Erfindung ahnen. Otto ist ein Beispiel dafür, welche gewaltige schöpferische Kraft sich in einer genialen Persönlichkeit entfalten kann. Mittwoch, 15. Juni 1932 Lokal=Anzeiger Nr. 163 Seite 1 Ein Gast rutscht aus Auf der ausgetretenen Treppe zum Kaffeelokal 7 And bricht ein Bein, Grundsätzliche Entscheidung des Kölner Oberlandesgerichts über die Haftung des Gastwirtes bei Anfällen gene Kassegasitäte des Vetlagten. Als er zwischen 12 und 1 Uhr nachts fortging, fiel er g u n u n d b r a c h d a s r e c h t e B e i n. D e Treppe sei voll auf der Treppe und bra Kläger behauptet, die Tre##. ständig ausgetreten und durch Der 11 übermäßiges Oelen verkehrswidrig glatt gewesen. berdem Ankündigungen Außerdem habe auf der Treppe eine Apfelsinenschale gelegen, auf welche er getreten habe, wodurch er ausgerutscht sei. Der Kläger hat beantragt, festzustellen, daß der Beklagte ihm zum Ersatz des entstehenden Schadens verpflichtet sei. Er hat weiter beantragt, den Beklagten zum Ersatz des bereits entstag denen Schadens, den er mit 3625 Mark nebst Zinsen beziffert, zu verurteilen. Das Landgericht hat den Anspruch des Klägers dem Grunde nach zur Hälfte für gerechtfertigt erklärt. Der Beklagte hat dieses Urteil insoweit angesochten, als er für mehr als ein Drittel des gesamten Schadens für haftbar erklärt worden ist. Das Oberlandesgericht Köln hat die BeEir vertragliche Haftung des Beklagten aus dem Gastaufnahmev ertrag scheidet aus. weil der Unfall sich nicht in den zur Benutzung der Gäste bestimmten Wirtsräumen ereignet hat, sondern auf dem Trepvenaufgang, der dem allgemeinen Verkehr im Hause dient, nicht aber zu den Gasträumen Eir Verschulden des Beklagten durch übermäßiges oder unsachgemäßes Oelen der Treppe hat die Beweisaufnahme nich geben. Wohl aber erachtet der Senat in Uebereinstimmung mit dem Landgericht für erwiesen daß der Kläger durch eine auf der Treppe lie gende Apfelsinenschale ausgeglitten und dadurch zu Schaden gekommen ist. Hierbei kann jedoch ein Verschulden des Beklagten nicht schon daraus hergeleitet werden daß die Apfelsinenschale auf der Treppe gelegen hat. Die an sich naheliegende Möglichkeit, daß . Schale erst unmittelbar oder kurz vor dem Unfall durch die Unachtsamkeit eines Dritten Hervon und somit eine Ent von Ber Hand; worden. Eine öftere gründliche Reinigung ist unter normalen Verhältnissen nicht zu verSelbst wenn man dem Beklagten als Kaffeehausbesitzer die Verpflichtung zuerkennt, sich während der Zeit seines Geschäftsbetriebes des öfteren durch eigene Nachschau oder zuverlässige Angestellte von dem ordnungsmäßigen und gefahrlosen Zustand der Treppe zu überi zeugen, so ist angesichts der vorerwähnten nicht auszuschließenden Möglichkeiv nicht namzuweisen, daß hier eine etwaige Vernachlässigung dieser Pflicht für den Unfall ursächlich gewesen ist. Eine einzelne, auf einer sonst sauberen Treppe liegende Apfelsinenschale vermag bei starkem Gästeverkehr und dem moglichen Verschulden Dritter nicht ohne weiteres für eine Vernachlässigung der gebotenen Sorgfalt des Wirtes zu sprechen.“ Das Oberlandesgericht Köln kommt aber übereinstimmend mit dem Landgericht zu dem Ergebnis, daß der Beklagte in bezug auf Instandhaltung der Treppe seiner ihm als Schankwirt obliegenden Verkehrssicherungspflicht nicht genügt hat. Nach allgemeinen„Rechtsgrurhiäten lag dem Beklagten als Wirt eine Pflicht zur baulichen Instandhaltung der Treppe auch dann ob, wenn er nicht Hauseigentümer war. Dieser Pflicht hat er nicht genugt. Die durch die Obstschale bedingte Glätte in Verbindung mit der Abschrägung der Stufen mußte mit Notwendigkeit zu einem Abrutschen des Fußes nach vorne führen. Dies wurde auch dadurch nicht ausgeschlossen, da die Treppenstufen an sich breit und bequem waren. Es ist deshalb auch hier die Annahme gerechtfertigt, daß das Zusammenwirken beider Faktoren den Sturz des Klägers herbeigeführt hat. Aber auch der Kläger selbst war von einem für den Unfall ursächlichen Mitverschulden nicht freizusprechen. Er mußte auf seinen Weg achten, besonders weil er sich in einem fremden Hause und auf einer Treppe bewegte, die ihm nicht näher bekannt war. Die Außerachtlassung dieser Vorsicht ist ihm als Mitverschulden anzurechnen.“ * Opernhaus. Infolge Erkrankungen im Personal wird am Donnerstag, 15. Ju. I, sto. 0ang die Oper„Tosca“ von Puccini gegeben. Anfang 19.90 Uhr. Mietreihe IVa.— Um das am Montag, 20. Juni, unter Leitung von Generalmusikdirektor Eugen Szenkar stattfindende Opernhaus=Konzert weitesten Kreisen zugänglich zu machen, sind als Eintrittspreise die Preise K festgesetzt worden(0,70 bis 4 Mark).— Um vielfachen Wünschen zu entsprechen, findet noch einmal eine Aufführung von Richard Wagner=„Rung des Nibelungen“ statt. Das Opernhaus kommt den Wagnerfreunden damit entgegen, daß es„Ringkarten“ ausgibt, die um 30 Prozent ermäßigt sind(Galerie zu 70 Pfg., teuerster Balkonlogenplatz 4 Mark). Der Vorverkauf dieser ermäßigten Ringkarten erfolgt Donnerstag, Freitag und Samstag dieser Woche ausschließlich an der Opern hauskasse. Der Einzelverkauf beginnt Sonntag, den 19. Juni.— Infolge umsangreicher Vorbereitungen zu dem Singspiel„Im weißen Rößl" bleibt das Opernhaus am Freitag, den 17. Juni, geschlossen. * Der kürzlich in Berlin gegründete FußgängerSchutz=Bund hat jetzt auch in Köln eine Zweigstelle gegründet. Die erste öffentliche Versammlung, in der Näheres über Zweck und Ziele des Bundes bekanntgegeben wird und zu der alle Fußgänger höflichst eingeladen sind, findet am Freitag, den 17. Juni, um 20 Uhr im„Reichshof“, Am Hof 18, statt. * KRV Jungmännerring Köln=Nippes. Donnerstag, 16 Juni, 20.30 Uhr, Teilnahme an der Veranstaltung des Stammvereins im Kasino des Vereinshauses Es spricht Herr Rechtsanwalt Wiedemann über Vergleichsverfahren. * Der Reichsbund der Oberschlesien= und ehem. Grenzschutz= und Freikorps=Kämpfer veranstaltet am Freitag, 17. Juni, 20.30 Uhr, im Salzrümpchen, an der Rechtschule(Wallraf=Richartz=Museum) eine Gründungsfeier. Im Mittelpunkte des Abend steht der Lichtbildervortrag„Der Kampf des Deutschtums im Baltikum". Redner: Baron M. von Medem. Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Preis.50., Arbeitslose gegen Ausweis.20 M. persönliches Dem Mitgründer der Liedertafel Klettenberg, e. Architekt Karl Freyberger, wurde der Ehrenbrief des D. S. B. für 50jährige Sängertätigkeit verliehen. Kassendiener Jakob Radermacher, Kreuzgasse. 19, begeht am 15. Juni sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Kölner Gewerbebank, e. G. m. b.., Kreuzgasse 19. Stadtsekretär Siller von den Städtischen Bahnen konnte am Freitag, den 10. d.., auf eine 25jahrige Dienstzeit bei der Stadt Köln zurückblicken. Von seinen Vorgesetzten und auch von der Verwaltung wurde der pflichttreue Beamte in gebührender Weise geehrt; auch seine Kollegen, mit denen er im besten Einvernehmen steht, ehrten ihn durch Ueberreichung sinniger Geschenke. Am 6. Juni beging Oberpostmeister August Ritter, Amtsvorsteher des Postamts Köln 3, sein vierzigjähriges Dienstjubiläum bei der Deutschen Reichspost. Dem allseitig beliebten Jubilar wurden Handelsnachrichten KOELNER WERTPAPIERBOERSE OtscheAnl.-Ausl.-Sch. Liquid.-Pl. 8. 11 Barm, Bankver Berg. Märk. Commerzban Darmst. Ban Deutsch Bank u. Bisc.-Ges. Bank-Aktien Er kommt nicht! Generalintendant Neudeaa vom Stadttheatei in Magdeburg hat an die Jutendauz der Kölner Oper das Ersuchen ge richtet, seinen nächstjährigen Oberspielleiter= vertrag mit Köln zu losen, um die Leitung einer anderen Bühne zu übernehmen. Die hiesige Intendanz wird der Vertragslösung zustimmen, da die Stadtverwaltung der Erfüllung dieses Wunsches nicht im Wege steht. Erwerbslose richten einen Garten her Das Erwerbslosen=Heim in der Buschgasse hatte zu einer kleinen Feier eingeladen, die die Uebergabe des Gartens an die Er werbslosen betraf. Den emsigen Arbeitern, selbstverständlich Erwerbslosen aus der Buschgasse, ist es unter Leitung der Herren Storm und Faike gelungen, aus einem öden, vernachlässigten Grundstück einen Garten herzurichten, der viel ästhetischen Geschmack beweist. Es ist wirklich erstaunlich, was man aus einem wüsten Fetzen Land machen kann. So war nun für die Buschgasse die Gelegenheit gegeben, die Erwerbslosen zu einer kleinen Feier einzuladen und in großen Scharen war man dieser Einladung gefolgt. Frau Justizrat Falk, die an der Spitze der Betreuung in der Buschgasse steht, dankte den Arbeitern für ihr fleißiges Schaffen, auch ja wieder im Dienste der Nothilfe. Auch Stadtbaumeister Feill, der Vertreter des Oberbürgermeisters, sprach sich über die geleistete Arbeit sehr anerkennenswert aus und stellte hierbei das unermüdliche Wirken der Frau Justizrat Falk ins rechte Licht. Der Erwerbslosenchor unter Konrektor Brautiaam trug formvollendet einige Lieder und Chöre vor, der Mandolinenklub des Hauses tat wacker mit. Lapidarium im Wallraf=Richartz=Museum Das sogenannte Lapidarium der Römischen Abteilung des Wallraf=Richartz=Museums, das sich im unteren Kreuzgang befindet, ist soweit in der Aufstellung geoiehen, daß es in den nächsten Wochen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Auch deutsches Gebäck nach Rom! Der Bäcker=Innungsverband teilt uns mit: Unter der Ueberschrift„Wiener Gebäck fliegt nach Rom“ wurde mitgeteilt, daß das Wiener Gebäck nach Vornahme der Paraffinkonservierung mit Flugzeug nach Rom befördert worden sei. Auch deutsches Gebäck wird in Rom zur Schau gestellt. Die italienische Regierung veranstaltet in Rom eine Gebäckschau der ganzen Welt. Das deutsche Bäckerhandwerk wird auch dort seine Erzeugnisse ausstellen. Gebäckarten aller deutschen Gaue— auch aus dem Rheinland— werden zur Schau gestellt werden, nachdem sie vom Staatlichen Institut für Bäckerei, Berlin, Seestraße, paraffiniert worden sind. Die Gebäckarten sind von den einzelnen Provinzen auf schnellstem Wege frisch— also wohl auch zum größten Teil mit Flugzeuanach Berlin und von dort nach Vornahme der Konservierung nach Rom befördert worden. Verbrüht! Gestern verbrühte sich in Nippes in der elterlichen Wohnung ein vier Jahre altes Mädchen mit heißer Lauge. Das Kind spielte in der Küche und fiel beim Rückwärtsgehen in den Kessel mit der Lauge. Kurz nach der Einlieferung ist das Kind an den erlittenen Verletzungen im Hospital gestorben. Omnibus zum Strandbad Von der Endhaltestelle der Straßenbahn in Rodenkirchen wurde ein Omnibusverkehr durch die Straßen=Omnibusgesellschaft nach dem Strandbad eingerichtet, der mit Beginn des wärmeren Wetters zur vollen Auswirkung gekommen ist. Vorarbeiten für die Reichetagswahl In der verflossenen Woche wurden vom Statistischen und Wahlamt die Vorarbeiten für die Reichstagswahl am 31. Juli 1932 ausgenommen. Verkehr des Kölner Postscheckamts im Mai Die Zayl der Konten ist um 5 auf 100 217 gestiegen. Es wurden ausgeführt 3395 033 Gutschriften und 2139901 Lastschriften, mithin 534 934 Buchungen. Im Ueberweisungsverkehr mit dem Ausland wurden 33 474 Buchungen vorgenommen. Lautsprecher, die durch ihre Lautstärke den Empfang gut hörbar auf die Straße übertragen, sind aus Verkehrsrücksichten und Gründen der allgemeinen Ruhe und Ordnuna verboten. Uebertragung politischer Reden in solcher Art können Ansammlungen größerer Menschenmengen herbeiführen und somit eine öffentliche Versammlung darstellen, die als nicht angemeldet gemaß Notverordnung vom 28. März 1931 verboten ist. Die Polizei wird in allen diesen Fällen einschreiten. Verantwortlich für die Redaktion: Paul Saupe; für den Anzeigenteil: J. Stotz; Verlag Bölner Görzesbaus A. v. Alle in Köln. Von christlicher Staatsauffassung War Brünings Regierung beseelt. —**- ILIP. G 15. 6. 56,0 G 56,0 G 65,5 hr 77.6252 65,0 hr 79,0 b 14. 6. 18,0 br 62,0 br 42,0 G versicherungs-Aktien Aachen-Wünch Aachener Rück Agriopina Allianz „ Stuttg.Leb. Colonia Feuer 15. 6. 14. 6. 640,0 G/640,0 G 96,0 b 96,5 bz 200,0 G /200,0 bz 137,0 G1137.0 G 137,0 G 137,0 G 85,0 Mi 85,0 b0 LOlonie Röckv. Gladb. Feuen Kölner Hagel Kölner Lloyo Kölner Rückr. 15..1 14. 6. 160,0 G/190,0 G 420,0 G/420,0 G 50,0 Gl 50,0 b0 225,0 hr 220,0 b0 Industrie-Aktien Adler-Brauere Alexanderwerk Artenh. Sprudel Basall.-G. Bonner Bergw. Braunk. Zukunft Buderus bisen Dahlbusch O. Reichsb. 8. 4.-A. Düsseld. Dampt Farben-Industr Felten& Guill. Gelsenkirch 6g Hapag Harpener Bgo Hoesch Hubertus Kabel Rheyd 15. 6. 11,75h 24,0 G 65,0 G 38,0 G 70,0 G 92.12U 45,5 br 27,5 b2 109,0 G 88,0 C 14. 6. 7,62b2 11.5 G 24,0 M 65,0 G 26,0 G 73,0 G 70,0 G 92,5 br 109,0 G 88,0 G Kalk. Brauere Klöckner-Wert Kölndummiläd Hannesmann Aotorf Deut. Phönix, Bergo Pr. RheinDampt Rasguin hein. Zucker Rhein. Bau hein, Braun thein. Stahl#. thein. Wasse (.-V. Spreng oddergrube tollwerct eonhard Tietz Verein. Stahlw d. Zypoen-W. 15. 6 39.8757 17.371 70,0 G 163,0 bz 41 ,2502 130.0 B 14. 6. 30,87G 19,0 G 70,0 G 165,0 G 41.25 B 130,0 B 340,0 G 20,5 b0 340,0 G 21,0 bs Berllner Devisenmarkt. an diesem Tage große Ehrungen zuteil. Die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten überreichte mit einer Ansprache der Präsident der Oberpostdirektion, der auch zugleich die Glückwünsche des Reichspostministers und der Oberpostdirektion Köln übermittelte. Oberpostrat Zielke überbrachte die Glückwünsche des Bundes der Feldpostbeamten. Das Personal der Postämter 3, 14, 17 und der Einheitshauptkasse erfreute durch eine kunstvolle Ehrenurkunde, ein inniges Geschenk und zahlreiche Blumenspenden. In passend schlichten Worten schilderte ein Sprecher des Personals die Dienstlaufbahn und hob würdigend die Verdienste des Jubilars hervor. Eine Abordnung des Amtsvorsteherausschusses sowie zaylreiche Kollegen Freunde und Bekannte aus aulen Kreien brachten ihre Glückwünsche dar. Ein offenes Wort Stimmen aus dem Teserkreis Christliche Staatsauffassung Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so mißtrauisch bin. Die neue Regierungserklärung, Die kommt mir nicht aus dem Sinn. Zwar sind es sehr schöne Worte, Die da der Bürger vernimmt Von christlicher Staatsauffassung: Ob das auch wohl alles stimmt?! Es gibt ja nun leider im Leben Steis zweierlei Christentum. Richt christliche Worte, nein, Taten Gereichen dem Christen zum Ruhm. Gerechtigkeit, auch gegenüber Der alten Regierung, war Pflicht. Die neuen Männer, die kennen, Scheint's, die Gerechtigkeit nicht. Was Brüning und seine Regierung Fürs Volk geschafft bis zuletzt, Das wird von den Herren Baronen Hochmütig heradgesetzt. Was für die Aermsten der Armen Geschehen, wird schmählich verkannt, Das Reich mit Spott und Verhohnung Eine„Wohlfahrtsanstalt“ genannt. dier scheint mir die Liebe zu fehlen, ie uns das Christentum lehrt, Die echte christliche Liede, Die sich in Taten verzehrt. Zu diesen Taten gehören Auch Demut und Friedsertigkeit, Denn sonst bleidt die Bölkerversöhnung, Ein Traum nur für ewige Zeit. Berlin. 15. 6. B. Aires(1 Peso) apan(1 len) England(1 g) New Vork(1 8) Rio de laneiro(1 Milreis) Holland(100 Gulden) Belgien 100 Belga Danzia(100 Culden) talen(100 Lire) Dänemark 100 Kronen) Frankreich(100 Fr.) Prag 100 Kronen) Schwciz(100 Fr.) Spanien(100 Peso) Schweden(100 Kronen) Wien(100 Schilling) G .948 1 309 15.41 4.208 .325 170.48 58.64 82.42 21,58 84.22 16.55 .465 82.07 34,67 78.92 51.95 B .952 .311 15.45 .217 .327 170.82 58.76 82.58 21,62 84.38 16.59 .485 82.23 34,73 79.08 52.05 14. 6. .948 .319 15.46 .200 .325 170 63 58 70 82.47 21.59 84.42 16.50 12.465 82.21 34,67 79.12 51.95 ERZE, METALLE. 14. 6. 50,75 160 164 150 35,00-38„0 36.75-42,00 Berliner Metall: Elektrolyt-Kupfer Aluminiurn 98-998 i B. Walz- und Drahtbarr. 993 Reinnickel 98-998 Antimon-Regulun Feinsilber(für 1 kg) Berliner Pruchtmarkt. Amtl. Preise in Mark(bei Getreide sonst für 100 Weizen, märk 75-76 kg... schles. 75-76 kg Futterweisen, mark. 10-71 kg. Sommerweizen, märk. 18 kg. Roggen, märk. 71•72 kg. russischer " schlesischer, 72-73 kg. „ pommerscher Gerste. Winter „ Brau Futter- und ndustric later märkischer Mais, greitbes berlin La%lata Weizenmehl. trei Berlin Rosgenmehl. 10% ire Berlin 60% trei Berlin Weizenkleie, Irei Berlin Roggenkleie, trei Berlin Kubsamen Leinsaat Viktoriaerbsen Speiseerbsen, kleine Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken Lupinen, bleue " gelbe Serradelle, alte Leinkuchen. Basis 37% Erdnußkucher 30% Erdnußkuchenmehl 50% Trockenschauzel Soiabohnenschrot extrahiert 45% ab Hamburg ab Steitin Kartoffeltlocken treie 13. 6. 50,75 160 164 350 15,00-39 00 39,00-42.25 100 und Oelsaaten für kg) 14. E. 13. 6. 251,0-263,0 251,0-263,0 187,0-199,( 188,0-100,0 195,0 195,0 — 1651-173 156,0-160 OW.-161,0 3„00-34.75 25.25-21.20 10.40-10,90 .80-1030 17,00-23,00 21,00-2400 5 ,00-17,00 16 00-180 5 ,00-11,00 6 ,00-1s 0 00 4.60-16"00 10,20-10.40 10.60 10.00 .70 10.00 10.90 91.25-31.35 25,50-27.30 10.40-10,90 .80-10.30 17,00-23,00 21,90-24.00 15„00-17.00 16 ,00-18.00 10 00-17.00 6 ,00-1800 10,00-1100 4,00-1550 10.30-10.40 10.80 10.20 .70 10.00 10.00 Kölner östreide-, Futtermittel- und Warenbörse Nun hür ich zwar schöne Worte, Jedoch der Glaude. der 6. Jung. * Wagengestellung der Reichsbahn am 14. Juni. Ruhrbezirk gestellt 14 787, Aachener Koblenbezirk 1851, Rhein. Braunkoblenbezirk 3885; gefehlt haben keine Wagen. Amtl. Wasserstands-Nachrichten Weizen, cheinlsch. 74-741 kg auslandischer Roggen, rheinisch. 72-721 kg " nordd. 75-74 kg. auslandischer Hafer, hiesigen. norddeutsches Puttergerste, ausländische Wintergerste, inlandische. Sommergerste. inlandische Mais grober Mais, kleiner Wei eamchl, inländisch Rheinische Weizenbsckerrnehl mit Auslandsweizen Rogsenmehi 10% inlandisch mit Auslandstong Roggenschrot, inländischer mit Auslandsroggen Weizenkleie). Roggenkleien Biertreber). Leinkuchenmehl 38%. Erdoußkuchennchl 50%*). 54%). So###chrof extrahlert 46% 0) Rapskucher 30%.... Palmkernkuchen, boes. 21%. Trockenschmitzel, lose Zuckerschnitzel, lose Rohmelasse. Wiesenheu, mländ. lose " m l ä n d. g e p r e t t Klechen mland. lose auslanddisches Aoggensttoll, zepreis#) Weizenstroh sepretst?). Maferstroh genreße 9. 11. 6 26,60-26, 29,25-30, 70 21.90 77.00-21 50 21.25-21, 75 16.25-17.25 18.75-19.25 19,50-19,00 10. 6 27.00 29,50-.00 24 g6 22,50-23 C0 21,25-21 75 16.25-17.50 19.75-19.25 18,50-19,00 s,00-16,50 18, 00-18. 50 15,75-16,25 15, 75-16.25 16,25-16,50 16,25-16.50 37.50 38.00 26,00-29,60 29.50 24.00-24,50 24.00-24.50 9,75-11.00 9,00-.25 11.00-11,50 11,00-1125 37.50-37.75 36.00 28,00-28.50 29.50 24,00-24.50 24,00-24.50 .75-11.25 .25-.50 11.00-11.50 .00-1125 1,00=1,20 .90 „„„ 4,00 f.80 Bei sehr schwacher Nachfrage bröckelten die Getreidepreise Bresermittel. Stimmung außerst runig. 11.00-11,50 11.00-11.50 12.00-12.5012,00-12,50 10.50-11,00 .75 .00-9 75 7.25-.75 .25-.75 6,25-.00 5,20-6,80 .00-.60 3,00-.20 .00 .80 .50-11.00 .75 .00-9 R .25-7. 75 .25-9. 75 6,25-.00 6,20-6. 50 .00-7. 50 Mittwoch, 15. Juni 1932 Nr. 163 Seite 13 Heute: Opernhaus 20 Uhr: Cosi fan tutte. Schauspielhaus 20¼ Uhr: Der 18. Oktober. Donnerstag, den 16. Juni 1932. Opernhaus (Telephon: 21 08 21) Tosca. Mm. Lig.: Fritz Zemn. Tosca: Schramm-Tschörner, Cavaradosei Gillmann, Scarpia: Schmid-Scherf, Angelotti: Horn, Meßner: Kämmel, Speletta: Alsen, Sciarone: Schüttler, SchlieBer: Schirp, Hirt: Henderichs. Anfang 19½, Ende 22¼ Uhr. Mietreihe IVa. Schauspielhaus (Telephon 22 60 48) Der 18. Oktober.(Schäfer. Bauer: Manz, Arco: Aßmann, Blassa: Lundt, Henkel: Parsen, Linnemann: Krahmer. Müller: Richter, Schlagenhauff: Wittgen, Bühler: Deitgen. Deiaréde: Senden, Fabricius: Poelzig. Anfang 20¼, Ende 22 Uhr. Mietreibe IVb. Freitag, den 17. Juni 1932. Opernhaus Keine Vorsteilung. Schauspielhaus 20¼ Uhr: Der 18. Okteber. Heute 4 und 8 Uhr Abschiedsvorstellungen Carl Walter Popp und des übrigen Programms. 16.—30. Juni 2 Gastspiele in einem Programm Carl Napp der beste Komiker am deutschen Varieté Fritz Hiddessen der Maler-Conférencier mit neuen Vorträgen, neuen Conférencen und neuen Zeichnungen. S Winsion: Die lebenden Gummibälle. 2 Petroff Hervorragende akrobatische Tänze. Lieselotte Wilke Moderne Songs Martinett mit seinem Wunderraben Mia Lias „Tanz der Nationen“ Toni Fluß und sein Orchester 9° unter Außen-Temperatur durch Kühl-Ventilation ∆ Eintritt frei Gedeck Mk..50 8 Eintritt Mk. 1-— Die langerwartete Neuauflage 1000 FRAGEN despreußischen Volksschullehrers im Amt und in der Vorbereitung auf das Amt 10.—15. Tausend herausgegeben von: F. Draeger, Haupflehrer, Dr. W. Hawel, Stadtschulrat, J. Overmeyer, Schulrat, P. Schumacher, Rektor. 400 Seiten. Preis in biegsamer Leinendecke M..60(ab 10 Exemplare Preis je M..—) Die neue, um 120 Seiten erweiterte Aufloge ist in jeder Beziehung auf den derzeitigen Stand ergänzt, orientiert schnell über die wichtigsten Fragen des Volksschullebens, ist handlich und billig. Das Buch hat sich als unentbehrlicher Ratgeber besonders für Junglehrer und-lehrerinnen enwiesen. Wichtia für alle Lehrpersonen und Lehrerbibliotheken, Seminare und Akademien. Durch jede Buchhandlung zu beziehen. GILDE-VERLAG G. M..H. KÖLN Schwimmen ist der billigste und gesundeste Sport! Da ein sehr warmer Sommer in Aussicht ist, werden Sie viele Bodefreuden erieben! Alles, was Sie zum Schwimmen brauchen, den eleganten Bode-Anzug, Bade-Mütte und BadeSchuh— wählen Sie es bei uns. Wir suchen mit Ihnen die passenden Badesachen aus. Es genögt uns nicht, daß Sie unter unserer großen Auswahl irgendeinen schönen Bade-Anzug wählen, Sie sollen den Richtigen betitzen, in dem Sie so elegant angezogen sind, wie in Ihrem Straßenkleid. Dazu roten wir Ihnen! Eigelstein Repubft Luftkurort Herchen-Sieg Burg Reifershard Ponsion 4 Mahlzeiten.50 bis 4,00 Mark Wochenende. Freie Auto-Hin u. Rückfahrt Anmeldungen: Köln, Teleson 6 29 09 oder Herchen 218 Wie zu Hause fühlt man sich im Altersheim für Ilerren des bürserlichen Mittelstandes. Sobernheim-Land, am Mansber Pensionspreis monatlich 75.- bis 90. # 5 K M. Sommertrische In umwald. Dörfchen des Siegerl. find. Sommerfrischl. in ruh., bess. Gasth. freundl. Aufn. bei best. Verpfl.(4 Mhlz.) Ruder- u. Schwimmgelegenheit vorh. Pensionspr..50 M. ohne Nebenk. Casthof zum Stahlberg Müsen Kreis Siegen. LZIINEIEE LETEE Nachtrag zur Ordnung für die Erhebung einer Vergnügungsseuer im Landkreise Köln vom 13. April] 2. Oktober 1328. Nachtrag. zur Ordnung detreffend Erhebung einer Jagdsteuer im Landtreise Koln vom 1. Fedr./31. März 1927. Auf Grund der§§ 6. 16, 17 und 20a des Kreis= und Provinzialavgabengesetzes vom 25. 4. 1906 in der Fassung des Gesetzes vom 26. August 1921(.S. S 495) und des Kreistagebeschlusses vom 6. 4. 1932 wird zu der vor bezeichneten Jagdsteuerordnung nachstebender Nachtrag erlassen: Der§ 3 der Jagdsteuerordnung erhält tol ende Fassung: § 3: Die Ausüdung der Jagd in nicht verpachteten Jagden des Staale: so vie in Grundftächen, die gemaß 8 dis 12 der Ja doronung einem nicht verpachteten staatlichen Eigenzagde#rt angeschlossen werden, bleibe steuerfrei. Dieser Nautrag iritt mit dem Tage der Veroffentlichung in Kraft. Köln, den 21 April 1932. Der Vorsitzende des Kreisaueschusses: J. B. Dr. Gies. -LEE TIEE Am 24. Ju i 1932. vormittags 10.90 Uhr, ollen im Justizaebäude Reichenepergerplatz 1, Zimmer Nr. 77 nachbezeichnete Grundstücke versteigert werden: Köln, Florastraße 211. a Wohnhaue mit porraum u. Hauegarten, b) Gartenhaus, groß: 7 34 Ar. Aufogarage mt Wohnung, geeß: 9 00 Ar, Nutzun swer: zu a) und b) 3745 M. zu c) 200 M. Koln, den 10. Juni 1932. Amtegericht. Abt. 40 Am Freitag, den 17. Juni 1932, mittagt 12 Uhr, sollen in Köln=Worringen versteigert werden 1 Büfettschrank, 1 Kleiderschrank, ein Regulier=Füllosen, 1 Sosa, 8 Bilder 8 Hühner, 1 Schrein, 1 Hobeldank, ca 1½ odmn Eichenholz, Bohlen. Tre sspunkt der Käuser um 11¾ Uhr al er Kleiskasse. Riek, Oberberichtsvollzeter in Köln. Am Freitag. den 17. Juni 1932, nachmittage 3½ Uhr, werden im Hause Klingelputz 13 verste gert: Ladenschränke, Theke und Regal, Kleiderschrank, Sofa mit Umdau Küchenschrank, Spiege„Beddigrobrsessel, Fenstereinrichtung, Reformschuhe, Schönde### wasser, Brennesselwasser, Franzbranntwein, Nährsalze, Seise, Fruchtsäfte, Marmeladen, Honig, Zahn pasia. Ricke Oder herichts voll zieher in Koln. Inserieren bringt Gewinn! Picn nnnmmmmmmmmmmmmmmmmmmnanammmmmmma B. A. 2 Nr. 1212/32. Koln, den 18. Mai 1932 Genehmigt. Namens des Bezirksausschusses: Der Vorsitzende (Siegel) J. C. Unterschrift. Auf Grund der§6 6, 16, 17 19 und 2 des Krei= und Provinzialadgabengesetzes com 23. 4. 1906(G. S S. 159) und der Reicheratsbestimmungen über die Vergnügungssteuer Der Oterprasident. Koolenz, den 28. Mai 1932 in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. C. Nr. C. II M. Koln=Od 1926(R. G. B Am 24. Juni 1932. vorm 11 Uhr, to# im Justizgebaude Reichenevergerplatz 1. Zimmer Nr. 77, nach bezeichnetes Grundstuck ver steigen werden: Köln, Hansaring 100. a) Wohnhaus mit postaum, groß: 1 70 Ur, Nutzungswert: 3700 M. Koln, den 10. Juni 1932. Amtegericht. Abt. 40. Bevorzug Elak Lolen nserenten ELIRERHHHH : Lokal-Anzeigers unummmmmmmm Juni 1926(R. G. Bl. I Seite 262) und vom 9. Juli 1929(R. G. 81. 1 Seite 134) und des Beschlusses des Kreistages vom 6. 4. 32 wird zu der vorbezeichneten Steuerordnung folgender Nachtraz erlassen: Zu§ 8. §: Abs. 5 erhalt folgende Fassung: Die Steuer wird fur die einzelne Karte au den vollen Reichsp ennigbei ag nach oben abgernndet. § 9. § 9 Abs. 5 erhalt felgen:e Fassun: Die Steuer wird fur die einzelne Karte auf den vollen Reichepfennigdetrag nach oben abgerundet. Dieer Nach rag titt mit dem Tage der Veror entlichung in Kraft. Koln, den 21. April 1932. Der Vorsitzende des Kreisausschusses: J. B. Dr. Gies. Genehmigt fur die Dauer der Gültigkeit der Vergnügungesteuerordnung Koln, den 18. Mai 1932. Namens des Berirtsausschusses: Der Vorsitzende (Siegel) J. B. Unterschrift. Der Overpräsiden: Koblen; G. Nr. C. II. 5 Koln=Ld. Auf den Randvericht vom 23. 5. 32— J. E. 743/32— veir. den k. Nachtrag vom 21. 4. 1932 zur Vergnugung=steuerordnung des Landkreises Koln vom 13. 4. 1928 in der Fassung des 1. Nachtrages vom 15. 4. 1930, erteile ich zu dem Genehmigungsbeschluß des Bezirksausschusses vom 18, 5. 32— B. A. 2 Nr. 1210/32— die Zustimmung. Ich behalte mir vor, die Zustimmung auf Antrag vor Ablau; der Frist geeigneten#alls zu verlangern. J. B. Guske. Auf den Randbericht vom 23 5. 1932.— I. E. 744/32— detr. den 2. Nachtrag vom 24. 4 s2 zur Jagdsteuerordnung des Land kreiset Koln vom 7. 2. 27 in der Fassung des 1. Nachtrages vom 24. 12. 1927, erteile ich dem Genehmigungsbeschluß des Bezir ausschusses vom 18.5 1932 B. u 2 Nr. 1212/32 die Zustimmung für die Dauer der Gülnig en der Hauptordnung. Ich behalte mir vor, die Zustimmung auf Antrag vor Ab auf der Frist geeignetenfalls in verlangern J. V. Guske. Am reitag, den 17. Juni 198., mittags 12 Uhr, sollen im Pfandlokale Rolandstr. 105 versteigert werden: Büro=, Haus= und Küchenmobi#tare aller Art, Radiogeräte, Schreibmaschinen, Regale, Teppiche, Oelgemälde Verd.=Stücke, laviere, 2 Kaffeeröster mit Moter, 1 Reformmotor u. a. m. Wilde, Obergerichts vollzieder in Köln. den 28. Mai 1932. Bachreinigung. Die Reinigungsar eiten an den rechtsrheinischen Bächen sollen offentlich berdungen werden: a) Strunder=, Egger=, Kemperdach, Iddelsfelder Flut,raden, Bruch raden in 8 Losen d) Faul- und Fleddach in 7 Losen. Verdin gun unterlagen bei der Kanalbauabteilung Stadthaus, Zimmer 211. zu je .— RM. für a) und). Angedote abzugeben dis Freitag, den 24. Juni 1932, 11 Uhr, Zimmer 211 Stadthaus. Eröffnung um 11¼ Uhr Zimmer 210 Oberbürgerneister, Röln. Wahl der Hedammen in die Kreishebammenstellen d. Stadtkreises Köln Die Wahlerinnenliste liegt in der Zeit vom 15. 6. bis 28. 6. 1932 in den städtischen Verwaltungsstellen(Siandesamtern)öffentlich aus Nateres uber die demnachstige Wahl ist durch Ausbang im Ratbaus und in den städtischen Vorori=Verwaliungsstellen(Siandesamiern veronentlicht Oberbürgermeister, Köln. E Ea werden ölfentlich meistbirtend gegen sofortige Barzahlung versteigert: Am Freitag, den 17. Juni 1932 vormittags 11 Uhr, sollen im Pfand okale Rolandstraße 105 versteigert werden: 1 Schreit maschine„Urania“,„Orga“, Bü etts, Kredenz, 1 Speisezimmer, Kludsosa, 13 Strick naschinen, 1 Spülmaschine Vitrine, 1 Grammophon chrank, 1 Kleiderschrank, Nähmaschine, 3 Marmortaseln. 145 Damenhüte. Ferner Apostelnstraße 14—18, nachmittagt 3 Uhr: National=Registrierkasse, 2 Theken, 1 Rega, 2 Baltenwaagen, 12 Kaffeedehalter, 1 Backofen, 1 Auschlagmaschine, 1 Back. tisch, 1 elektrische Kaffeemudle, 24 Kafseodüchsen, 3 elektrische Lampen. Ferner Ehrenstraße 15—17, nachmittags 1 Uhr: Schreidmaschinen„Triumph",„Ideal“, 6 Theken, 2 Packrische, 2Ausstellschränke, Pakeswaage, 1 Schreidtisch, 2 Kiudsessel, 24 Pakeie Wollschals, 80 Unterröcke, 383 Stuck Taillen Fröhlich. Obergerichtsvollzieher in Köln. KOMBINIERTE HERDE E Ce-ele TEE KOMBINIERTE HERDE 3 Garfl., grote Kohlenabtig., breit vernickelt, mit Zlerecken und Kohlenwagen von 150. Mk. elsten Seite 14 Nr. 163 Lokal=Anzeiger Mittwoch, 15. Juni 1932 Nach Gottes heiligem Willen verschied heute morgen 7½ Uhr meine liebe Gattin, unsere gute, treusorgende Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Mathias Louls Anna geb. Schmitz nach längerem Leiden, wohlgestärkt durch den Empfang der hl. Sterbesakramente, im Alter von 56 Jahren, In tiefstem Schmerz; Mathias Louis Magdalene Louis Mathias Louis Köln-Nippes, Niehler Str. 81, den 13. Juni 1932 Die feierlichen Exequien werden gehalten am Donnerstag, den 16. Juni, morgens 9 Uhr, in der Pfarrkirche St. Bonifatius zu Köln-Nippes.— Die Beerdigung findet am selben Tage, nachm. 3,30 Uhr, von der Leichenhalle des Nordfriedhofes aus statt. Sollte jemand aus Versehen eine besondere Einladung nicht erhalten haben, so bitten wir, dieses als solche zu betrachten Stahlmatratzen Reparieren. Verstärken. Abhol. u. Zustell. in 1 Tag. Billigste Berechn. Matratzenfabrik, Engelberistrabe 39 Billige Bücher finden Sie immer in der Gilde-Buchhandlung Neumarkt 18a-24,Tel. 210921 TETE MAO-EETI CAEEEE-NEEEIE IIN. TTEII KIMENEEE UIILEITEL EEL PDAMEE Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, heute morgen gegen 5 Uhr meinen innigstgeliebten treusorgenden Gatten, unseren lieben Brudet, Schwager und Onkel Herrn Kaspar Kranzhoff Zugführer i. R. wohlvorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel und versehen mit den heiligen Sterbesakramenten, Im Alter von 62 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen, Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Frau Kaspar Kranzhoff geb. Chantrain Köln-Klettenberg, den 14. Juni 1932. Geissbergstraße 88 Die feierlichen Exequien sind am Freitag, den 17. Juni, morgens 9½ Uhr, in der Rektoratskirche St. Bruno, Köln-Klettenberg. Die Beerdigung findet statt am gleichen Tage, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Südfriedhofes aus. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Einladung erhalten haben, so bitten wir, dieses als solche zu betrachten, Goldund Silberwaren, Juwelen, steis Gelegenheitskäufe. Schnitzter Konigstr.3 am Malzbüchel. Zur Plarhirmes Fahnen u. Fähnchen zu Preisen, die jeder anlegen kann. Anerkannt nur gute Ware. Fahnen-Steiger Glockengasse 16 lestene Uhren, Goldwaren Silber, Bestecke Gelegenheitskäufe Kämmergasse 27 Inserieren bringt Gewinn Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nachmittag.30 Uhr meine liebe, unvergeßliche Gattin, unsere treusorgende Mutter und Großmutter, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante, die wohlachtbare Frau Christine Oeckerath geb. Dries wohlvorbereitet durch den öfteren Empfang der heiligen Sakramente der katholischen Kirche nach langem, schwerem, mit größter Geduld ertragenem Leiden, im Alter von 60 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen, Die tieftrauernden Hinterbliebenenz Bernh. Oeckerath nebst Kindern und Anverwandten Köln-Klettenberg. Berrenrather Str. 366, Köln-Sülz, Düsseldorf, Großenbaum, Gerolstein, Jünkerath, Euskirchen, Bethlehem(Palästina), den 12. Juni 1932. Die feierlichen Exequien werden gehalten am Donnerstag, den 16. Juni, vormittags 8,30 Uhr, in der Rektoratskirche St. Bruno. Die Beerdigung ist am selben Tage, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Südfriedhofes aus. Sollte jemand aus Versehen eine besondere Einladung nicht erhalten haben, so bitten wir, dieses als solche zu betrachten. Frauen- und Mütterverein St. Bonifatius, Köln-Nippes Die Exequien für unser verstorbenes Mitglied Frau Anna Louis Niehler Straße 81 finden statt am Donnerstag, den 16. Juni, morgens 9 Uhr, in St. Bonifatius. Die Beerdigung ist am selben Tage, nachmittags 3½ Uhr, von der Leichenhalle des Nordfriedhofes aus. Statt Karten Dr. med. Fritz Schless Kitty Schless geb. Severin VERMAHLTE Köln-Worringen, 15. Juni 1932. St.-Tönnis-Str. 55 Hle E Für guten Sommerschlager ProvisionsVertreter überall gesucht. Off. unt. 1324 an die Geschäftsstelle ds. Bl. Lehrstelle als Praktikant(in) ohne Vorkenntnisse zwecks Ausbildung zum Dentisten in I. Praxis Kölns geboten.(Ausbildungs= honorar erforderlich) Angebot. unter 1312 a. d. Gesch. d. Bl. Fri. sucht Stellung für frauenund kinderlos. 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Nr. 163 Lokal=Anzeiger Mittwoch, 15. Juni 1932 Was die Woche brachte „In alle Ewigkeit wird nicht getankt“ Wer in der heutigen Zeit allzu zuversichtlich auf die Ehrlichkeit fremder Leute vertraut, sieht sich zuweilen— selbst wenn diese Leute Autobesitzer sind— in seinem Vertrauen getäuscht. Diese bittere Wahrheit mußte auch der Wächter einer Tankstelle in Lindenthal erleben. In der Nacht kam ein Auto vorgefahren, dessen Insassen 50 Liter Benzin forderten. Während der Uebernahme verlangten sie auch eine Kanne Oel. Dienstbeflissen eilte der Wächter in den Vorratsraum, um den Betriebsstoff herbeizuholen. Als er wieder erschien, waren seine„Kunden“, längst über alle Berge und der Tank zeigte eine Benzinabnahme von 25 Liter. Das Gesicht des Mannes der es in seiner Vertrauensseligkeit, vielleicht auch aus lauter Freude über den unerwarteten Verdienst, unterlassen hatte, wenigstens vorher die Nummer des Wagens festzustellen, soll nicht gerade sehr geistreich gewesen sein. dem Eigentum Im Rheinpark, in der Ausstellung„Der Schutz von Eigentum und Leben“, befindet sich auch ein Stand, der die Güte seiner Sicherheitsschlösser anpreist. Um die Zugkräftigkeit der Reklame noch zu erhöhen, hängt außen eine Reihe Schlösser und darunter, zur freundlichen Benutzung des Publikums, eine Anzahl Dietriche mit denen das p. p. Publikum die Probe aufs Exempel machen kann. Diese Reklame fand ziemlichen Anklang, nur „vergaßen“ einige, die Dietriche wieder zurückzuhängen. Da die Ausstellung— böse Zungen behaupteten, die entwendeten Dietriche würden stets durch neue ersetzt— nun nicht den Zweck hat, weiteste Schichten des Volkes kostenlos mit diesen Diebeswerkzeugen zu versehen, ist hier eingeschritten worden. Unter den Sicherheitsschlössern hängen jetzt Schlüssel, die den selben Dienst tun. Die Augen auf! Im Februar 1931 hatte sich in Köln ein Wechselgeldschwindler herumgetrieben, der später— der immer wieder auftretende gleiche Trick bewies dies— alle größeren deutschen Städte mit seinem Besuche beehrt hat. Vor 14 Tagen tauchte er in Düsfeldorf auf und vor einer Woche in Koblenz. Der Mann„arbeitet“ mit zwei Helfern. Der Trick dieser Leute ist zwar nicht neu, führt # aber trotzdem fast immer zum Erfolg: Der Hauptschwindler, 46 Jahre alt und.85 Neter groß, betritt ein Geschäft, kauft eine kleinigkeit und bezahlt mit einem Fünfzigmarkschein. Während ihm der Rest herausgegeben wird, entsinnt er sich, auch kleines Geld zu besitzen. Dazu zieht er denn einen Hunderter heraus, den er gewechselt wünscht. Mittlerweile ist ein Komplize(der dritte steht draußen Schmiere) eingetreten und bestürmt den Mann oder das Fräulein an der Kasse mit allerlei Fragen. Während dieser Ablenkungsmanöver versucht der Hauptschwindler seine beiden Scheine wieder an sich zu nehmen. Dann streicht er das Wechselgeld ein und verschwindet. Auch der zweite verläßt bald darauf das Geschäft. Die beiden Helfer stehen im Alter von 26 Jahren und sind beide 1,80 Meter groß. Da zu erwarten ist, daß diese Gauner auf ihrer„Tourné“ auch Köln berühren, sei hiermit vor ihnen gewarnt. Einbrüche und Diebstähle In der Nacht zum 13. Juni 1932 ist in eine Metzgereifiliale in der Jahnstraße eingebrochen worden. Die Diebe stahlen Fleisch= und Wurstwaren. * In der vorletzten Nacht drangen unbekannte Diebe in eine Mansarde in der Titusstraße ein und stahlen einen Photoapparat. * Im Laufe des gestrigen Tages sind aus einer Wohnung in der Bleichstraße 400 Mark getohlen worden. Der Täter wurde später in einer Wirtschaft in der Zwirnerstraße festgenommen. * Ein Wanderbursche setzte sich gestern auf die Treppe der Hängebrücke, um etwas zu ruhen. Seine Tasche mit Kleidungsstücken und Ausweispapieren legte er neben sich. Als er aufwachte, waren die Sachen gestohlen. * Auf dem Kaiser=Wilhelm=Ring ist gestern ein unbeaufsichtigt stehender Personenkraftwagen erbrochen und ein Musterkoffer mit Schuheinlagen gestohlen worden. Leichenlandung Gestern gegen 13 Uhr ist aus dem Rhein in der Nähe des Cranachwäldchens eine weibliche Leiche gelandet. Die Tote ist etwa 25 bis 30 Jahre alt und hat mehrere Tage im Wasser gelegen. Festgenommen Gestern wurde an der Geschäftsstelle der NSDAP. Apostelnkloster, am geöffneten Fenster die Rundfunkrede Strassers hörbar gemacht. Es sammelten sich etwa 300 Personen an. Aus verkehrspolizeilichen Gründen ordnete die Polizei an, den Lautsprecher abzuschwächen, oder das Fenster zu schließen. Hierbei kam es zu Widersetzlichkeiten, wobei drei Personen festgenommen wurden. Der Polizei gelang es ehr bald, die Menge zu zerstreuen und das normale Straßenbild wieder herzustellen. Kölner Sender! Ankündigungen Er muß wieder arbeiten und verlegt seinen„Sitz“ nach Hannover Der Kölner Sender, der uns bekanntlich sett März gar keine Freude mehr machte, weil man ihn meuchlings stillgelegt hatte, durfte sich— ein seltener Fall in der heutigen Zeit— der mehr oder minder wohlverdienten Arbeitsruhe nicht sehr lange erfreuen. Die Reichspost erinnerte sich seiner und sann angestrengt nach einer neuen Verwendungsmöglichkeit. Und als sie genug nachgesonnen hatte, da kam sie„drauf": sie beschloß, ihn nach Hannover zu verfrachten. Und so erlebt man denn nun in Köln das seltene Schauspiel eines Senderabbruchs und einer dito=Abreise. Und nach entsprechender Ueberholung und Verbesserung wird der Kölner Sender die Hannoveraner erfreuen, allwo ein stärkerer als der bisher benutzte von.25 KW benötigt wird. Der„neue alte“ in Hannover wird die sechsfache Leistung des bisherigen haben, nämlich 1,5 KW; die hatte er übrigens auch schon in Köln. Der Laie meint nun, daß auch die Kölner Funktürme mitziehen. Aber da kennt er die Ratschlüsse der Beherrscher des Funkes nicht! Die Kölner Türme bleiben in Köln, jawohl, denn in Hannover will man es mit Holztürmen tun. Und wo die Kölner Türme bleiben, das ist noch nicht bekannt. Vielleicht bleiben sie, wo sie sind, als Denkmal vergangener Pracht...? Unser Bild zeigt, wie man im übrigen draußen in Raderthal„abbricht". HIDDESSEN * Das Kaiserhof=Programm der zweiten Junihälfte bringt einen besonders heiteren Ansager(Hiddessen) und einen hervorragenden Komiker(Napp). Ufa-Palast Als nächste Neuaufführung am Freitag, den 17. Juni, der heitere und inzwischen weltberühmt gewordene Spitzenfilm der Ufa„Bomben auf Monte Carlo“ mit Hans Albers, Anna Sten und Heinz Rühmann in der Hauptrolle. * Eine Reise durch den Schwarzwald ganz umsonst bietet der Verein der Badener in Köln in einer Filmvorführung am Donnerstag, den 16. Juni, abends 8 Uhr, im großen Saale des Hotels Reichshof, Am Hof 18, wozu auch Gäste freien Zutritt haben. Wer die Schönheiten des Schwarzwaldes vom Rhein bis zum Bodensee im Bilde sehen will, der versäume diese günstige Gelegenheit nicht. * Der Bettelstudent. Die in den Städtischen Puppenspielen, Sternengasse 10, als Neueinstudierung unter großem Beifall aufgeführte PuppenspielOperete„Der Bettelstudent“ bleibt noch bis Sonntag, den 26. Juni,, auf dem Spielplan. Die Aufführung findet täglich um 20 Uhr statt. Niemand sollte versäumen, die Vorstellung zu besuchen. Nachmittags— 17 Uhr— wird„Tünnes un Hännesche em Draumland“ von Satzfey und Fuhrmann gegeben. Sonntag. den 26. Juni, geht die Spielzeit zu Ende, die Wiedereröffnung findet Montag, 1. August, statt. * Die erste Führung innerhalb des von Dr. Lempertz geleiteten kunstgeschichtlichen Lehr ganges des Pädagogischen Instituts der Stadt Köln, findet Mittwoch, 15. Juni, statt. Die Teilnehmer versammeln sich um.30 Uhr am Eingange des Wallraf=Richartz=Museums. Es werden noch Mitglieder zugelassen. * Verwaltungs=Akademie Köln. Professor Dr. Lehmann wird seine Vorlesung über Bürgerliches Recht nicht am 16., sondern am Donnerstag, 23. Juni, 19.15 Uhr, beginnen. * Ein 138er=Treffen findet gelegentlich des Reichskriegertages am 3. Juli 1932 in Dortmund statt, wozu wir hienmit alle ehem. Regimentskameraden einladen. Standquartier=Restaurant„Zur hohen Wacht“, Inh. G. Semmler Dortmund, Hohe Str. 117. Anmeldungen an Zollsekretär C. Wischer, Dortmund, Ardeystr. 124. 168000 Mk. zinsloser Kredit! ART Die Kleingartenbewegung in Köln— 35000 Kleingärten In der vergangenen Woche hat der Stadtverordneten=Ausschuß für das Kleingartenwesen, dem auch eine Anzahl Bürgermitglieder angehört, die Kleingartenanlagen im Stadtgebiet Köln besichtigt. An der Besichtigung nahm auch Bürgermeister Dr. Fresdorf teil, um sich über diesen Zweig der Kölner Siedlungs= und Grundstückspolitik zu unterrichten. Die Rundfahrt ging vom Süden der Stadt aus durch die Anlagen an der Bonner Straße und dem Raderberger Volkspark, Kalscheurer Straße, Komarweg, die große Kleingartenkolonie zwischen Beethovenpark und Decksteiner Mühle, Braunsfeld, im inneren Grüngürtel an der Venloer Straße und Subbelrather Straße, an der Kanal= und Merheimer Straße in Nippes, die Neuanlage an der Boltensternstraße, frühere Schießstände; dann ging die Fahrt auf die rechte Rheinseite, wo noch eine der ältesten Anlagen am Grünen Weg und die neue Anlage auf dem Merheimer Volkspark sowie die Gärten zwischen Höhenberg, Vingst und Gremberg besichtigt wurden. Die Kleingärten haben sowohl bezüglich ihrer äußeren Anlage als auch des Wachstums in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Die Dauergärten sind zum größten Teil in vorbildlicher Verfassung. Bei den Feldgärten, die auf Widerruf verpachtet sind, können auf eine weitere Zukunft berechnete Anpflanzungen natürlich nicht erfolgen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kleingartenbewegung liegt heute vor allem darin, daß durch die Kleingartenarbeit Tausenden von Arbeitslosen eine willkommene Beschäftigung und außerdem auch eine sehr fühlbare Erleichterung im Haushalt durch Obst= und Gemüsezucht geboten wird. Der Vorsitzende des Ausschusses, Beigeordneter Bergmann, gab einen kurzen Ueberblick über den Stand der Kleingartenbewegung in Köln, Während des Krieges sei der Landhunger sehr groß und gar nicht zu stillen gewesen; damals sei die Zahl der Kleingärten sehr stark in die Höhe gegangen. Nach dem Kriege sei aber eine rückläufige Bewegung eingetreten, besonders beeinflußt durch die Ausgestaltung des inneren und äußeren Grüngürtels und durch große Neubausiedlungen, wodurch über 2000 Kleingärten hätten geräumt werden müssen, für die nicht sofort Ersatz beschafft werden konnte. In den letzten Jahren zeigt sich aber wieder eine sehr starke Zunahme an Kleingarten. Bis zum vorigen Jahr habe der Kölner Verband der Kleingartenvereine wieder 14000 Mitglieder gezählt. Dazu seien im letzten Jahre auf Grund einer verstärkten Werbung für den Gedanken der Kleingartenbewegung 3000 neue Mitglieder gekommen, so daß heute die Zahl 17000 organisierter Kleingarteninhaber erreicht sei. Angemeldet seien noch 2600 Anwärter, für die im Augenblick noch kein Gartenland zur Verfügung stehe. Von der Stadtverwaltung würde aber alles versucht, auch diesen Anwärtern einen Kleingarten zu besorgen. Zu den oranisierten Kleingärten kommen in Köln noch eine große Zahl privater Gärten sowie Kleingartenanlagen des Eisenbahn= und Postpersonals. Diese Zahl, die sich nicht genau feststellen läßt, beträgt nach vorsichtiger Schätzung ebenfalls 17.000 bis 18.000, so daß heute in Köln etwa 35000 Kleingärten von Kölner Familien betreut werden. Infolge der vor der Reichsregierung eingeleiteten Siedlungsaktion sind für Kölner Kleingartenanlagen 168000 Mark zinsloser Kredit bewilligt worden. Mit diesem Geld sollen bekanntlich für Erwerbslose, die dem vorhin genannten Verband angehören müssen, Kleingärten zur Verfügung gestellt und eingerichtet werden. Aus den Reihen der Ausschußmitglieder wurde dringend gewünscht, allen Antragstellern möglichst bald das notwendige Land zur Verfügung zu stellen. In der Mariä=Himmelfahrts=Kirche an der Marzellenstraße hat man nunmehr damit begonnen, auch am Hochaltar die notwendigen Renovierungsarbeiten vorzunehmen, nachdem die Seitenaltäre sowie die Kommunionbank bereits fertiggestellt sind. Der Altar ist eines der schönsten noch erhaltenen Werke der Barockzeit und hat wohl in bezug auf seine Größe kaum seinesgleichen. Es wird daher von allen Kunstfreunden freudig begrüßt, daß er durch die zum Teil sehr dringenden Ausbesserungsarbeiten und die vollständige Erneuerung der Farben in seiner alten Pracht erstehen soll. Erst dann wird man, wie die schon erneuerten Altäre beweisen, seine ganze Schönheit wiedererkennen. Während der Renovierung, für die ein großes Gerüst, bis zur Decke reichend, notwendig wurde, ist vor der Kommunionbank ein provisorischer Altar aufgestellt, an dem der Gottesdienst gehalten wird. Das Allerheiligste ist tagsüber im Tabernakel des Marienaltars aufbewahrt. An unsere Freunde! Wieder stehen wir vor folgenschweren Kämpfen. Die Gegner der Demokratie versuchen auf verschlungenen Wegen des Volkes Willen zu durchkreuzen und die Macht an sich zu reißen. Die von Brüning in mühevoller Arbeit erstrebten Ziele sind in Frage gestellt. Das begonnene Werk darf nicht zerschlagen werden. Wir setzen unsere ganze Kraft dafür ein. In Treue stehen wir zur Zentrumspartei. Man wird uns unüberwindlich finden. Fest steht das Zentrum. Parteifreunde! Wir wollen uns rüsten zum Kampf. Haltet euch bereit zur Mitarbeit. Opfere jeder nach besten Kräften. Der durch die letzten Wahlen völlig aufgezehrte Kampfschatz der Partei muß neu aufgefüllt werden. Große Mittel sind ersorderlich. Stärkt als eingeschriebene Mitglieder die Organisation und die Finanzen der Partei. Unsere Kassierer und Vertrauensleute(mit Ausweisen versehen) werden euch aufsuchen. Vorstand und Sekretariat der Kölner Zentrumspartei, Köln, Rubensstraße 11, Fernruf 21 89 31, Postscheckkonto 54050. Jung=Zentrum Ortsverband der Kölner Windthorstbünde Politische Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Jugendverbände Das Kölner Junge Zentrum formiert sich als Stoßtrupp für den Wahlkampf! Alle Windthorst= bündler und die Jungführer der Organisationen unserer Arbeitsgemeinschaft kommen ausnahmslos zur Entgegennahme der Wahlparolen am Freitag, den 17. Juni, 20 Uhr, in den großen Saal der Kölner Bürgergesellschaft. Eintritt frei. Es spricht der 2. Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, J. Joos. Die Windthorstbünde sind, gehalten, eigene Veranstaltungen an diesem Abend ausfallen zu lassen. Tielke. Ortsverbandsführer. Windthorstbund Köln=Süd Zur Besichtigung des Görreshauses treffen wir uns am Donnerstag, den 16. Juni, 19.50 Uhr, vor dem Eingang zum Görreshaus auf dem Neumarkt. Gäste sind herzlich willkommen. Wetter bis morgen Schönwetterlage Maximum im Kölner Flughasen 26, Minimum 12 Grad Celsius. Lokal=Anzeiger Nr. 163 Seite 1 Mittwoch, 15. Juni 1932 Ein Gast rutscht aus Auf der ausgetretenen Treppe zum Kaffeelokal 7 And bricht ein Bein, Grundsätzliche Entscheidung des Kölner Oberlandesgerichts über die Haftung des Gastwirtes bei Anfällen Der Kläger besuchte die im ersten Stock gelegene Kaffeegaststätte des Beklagten. Als er zwischen 12 und 1 Uhr nachts fortging, fiel er auf der Treppe und brach das rechte Bein. Der Kläger behauptet, die Treppe sei vollständig ausgetreten und durch übermäßiges Oelen verkehrswidrig glatt gewesen. Außerdem habe auf der Treppe eine Apfelsinenschale gelegen, auf welche er getreten habe, wodurch er ausgerutscht sei. Der Kläger hat beantragt, festzustellen, daß der Beklagte ihm zum Ersatz des entstehenden Schadens verpflichtet sei. Er hat weiter beantragt, den Beklagten zum Ersatz des bereits entstandenen Schadens, den er mit 3625 Mark nebst Zinsen beziffert, zu verurteilen. Das Landgericht hat den Anspruch des Klägers dem Grunde nach zur Halfte fur rechtfertigt erklärt. Der Beklagte hat dieses Urteil insoweit angefochten, als er für mehr als ein Drittel des gesamten Schadens für haftbar erklärt worden ist. Das Oberlandesgericht Köln hat die Berufung des Beklaaten— mit einer Fassungsänderung des erstinstanzlichen Urteils — zuruckgewiesen. Es führt u. a. folEine vertragliche Haftung des Beklagten aus dem Gastaufnahmev ertrag scheidet aus. weil der Unfall sich nicht in den zur Benutzung der Gäste bestimmten Wirtsräumen ereignet hat, sondern auf dem Treppenaufgang, der dem allgemeinen Verkehr im Hause dient, nicht aber zu den Gasträumen Ei. Verschulden des Beklagten durch übermäßiges oder unsachgemäßes Oelen der Treppe hat die Beweisaufnahme nicht ergeben. Wohl aber erachtet der Senat in Uebereinstimmung mit dem Landgericht für erwiesen, daß der Kläger durch eine auf der Treppe liegende Apfelsinenschale ausgeglitten und dadurch zu Schaden gekommen ist. Hierbei kann jedoch ein Verschulden des Beklagten nicht schon daraus hergeleitet werden, daß die Apfelsinenschale auf der Treppe gelegen hat. Die an sich naheliegende Möglichkeit, daß die Schale erst unmittelbar oder kurz vor dem Unfall durch die Unachtsamkeit eines Dritten auf die Treppe gelangt ist, ehe dem Beklagten eine Kenntnis hiervon und somit fernung der Schale zumutvar war. ist nicht von der Hand zu weilen. Die Treppe Er kommt nicht! Generalintendant Neudeag vom Stadttheatei in Magdeburg hat an die Intendanz der Kölner Oper das Ersuchen richtet, seinen nächstjährigen Oberspielleiter= vertrag mit Köln zu lösen, um die Leitung einer anderen Bühne zu übernehmen. Die hiesige Intendanz wird der Vertragslösung zustimmen, da die Stadtverwaltung der Erfüllung dieses Wunsches nicht im Wege steht. Erwerbslose richten einen Garten her Das Erwerbslosen=Heim in der Buschgasse hatte zu einer kleinen Feier eingeladen, die die Uebergabe des Gartens an die Er werbslosen betraf. Den emsigen Arbeitern, selbstverständlich Erwerbslosen aus der Buschgasse, ist es unter Leitung der Herren Storm und Falke gelungen, aus einem öden, vernachlässigten Grundstück einen Garten herzurichten, der viel ästhetischen Geschmack beweist. Es ist wirklich erstaunlich, was man aus einem wüsten Fetzen Land machen kann. So war nun für die Buschgasse die Gelegenheit gegeben, die Erwerbslosen zu einer kleinen Feier einzuladen und in großen Scharen war man dieser Einladung gefolgt. Frau Justizrat Falk, die an der Spitze der Betreuung in der Buschgasse steht, dankte den Arbeitern für ihr fleißiges Schaffen, auch ja wieder im Dienste der Nothilfe. Auch Stadtbaumeister Feill, der Vertreter des Oberbürgermeisters, sprach sich über die geleistete Arbeit sehr anerkennenswert aus und stellte hierbei das unermüdliche Wirken der Frau Justizrat Falk ins rechte Licht. Der Erwerbslosenchor unter Konrektor Bräutigam trug formvollendet einige Lieder und Chöre vor, der Mandolinenklub des Hauses tat wacker mit. ist unwiderlegt täglich vor der Eröffnung des Wirtschaftsbetriebes ordnungsmäßig gereinigt worden. Eine öftere gründliche Reinigung ist unter normalen Verhältnissen nicht zu verlangen. Selbst wenn man dem Beklagten als Kaffeehausbesitzer die Verpflichtung zuerkennt, sich während der Zeit seines Geschäftsbetriebes des öfteren durch eigene Nachschau oder zuverlässige Angestellte von dem ordnungsmäßigen und gefahrlosen Zustand der Treppe zu überi zeugen, so ist angesichts der vorerwähnten nicht auszuschließenden Möglichkeiv nicht nachzuweisen, daß hier eine Vernachlässigung dieser Pflicht für den Unfall ursächlich gewesen ist. Eine einzelne, auf einer sonst sauberen Treppe liegende Apfelsinenschale vermag bei starkem Gästeverkehr und dem moglichen Verschulden Dritter nicht ohne weiteres für eine Vernachlässigung der gebotenen Sorgfalt des Wirtes zu sprechen.“ Das Oberlandesgericht Köln kommt aber übereinstimmend mit dem Landgericht zu dem Ergebnis, daß der Beklagte in bezug auf die Instandhaltung der Treppe seiner ihm als Schankwirt obliegenden Verkehrssicherungspflicht nicht genügt hat. Nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen lag dem Beklagten als Wirt eine Pflicht zur baulichen Instandhaltung der Treppe auch dann ob, wenn er nicht Hauseigentümer war. Dieser Pflicht hat er nicht genugt. Die durch die Obstschale bedingte Glätte in Verbindung mit der Abschrägung der Stufen mußte mit Notwendigkeit zu einem Abrutschen des Fußes nach vorne führen. Dies wurde auch dadurch nicht ausgeschlossen, da die Treppenstufen an sich breit und bequem waren. Es ist deshalb auch hier die Annahme gerechtfertigt, daß das Zusammenwirken beider Faktoren den Sturz des Klägers herbeigeführt hat. Aber auch der Kläger selbst war von einem für den Unfall ursächlichen Mitverschulden nicht freizusprechen. Er mußte auf seinen Weg achten, besonders weil er sich in einem fremden Hause und auf einer Treppe bewegte, die ihm nicht näher bekannt war. Die Außerachtlassung dieser Vorsicht ist ihm als Mitverschulden anzurechnen.“ Auch deutsches Gebäck nach Rom! Der Bäcker=Innungsverband teilt uns mit: Unter der Ueberschrift„Wiener Gebäck fliegt nach Rom“ wurde mitgeteilt, daß das Wiener Gebäck nach Vornahme der Paraffinkonservierung mit Flugzeug nach Rom befördert worden sei. Auch deutsches Gebäck wird in Rom zur Schau gestellt. Die italienische Regierung veranstaltet in Rom eine Gebäckschau der ganzen Welt. Das deutsche Bäckerhandwerk wird auch dort seine Erzeugnisse ausstellen. Gebäckarten aller deutschen Gaue— auch aus dem Rheinlann— werden zur Schau gestellt werden, nachdem sie vom Staatlichen Institut für Bäckerei, Berlin, Seestraße, paraffiniert worden sind. Die Gebäckarten sind von den einzelnen Provinzen auf schnellstem Wege frisch— also wohl auch zum größten Teil mit Flugzeug nach Berlin und von dort nach Vornahme der Konservierung nach Rom befördert worden. Lapidarium im Wallraf=Richartz=Ruseum Das sogenannte Lapidarium der Römischen Abteilung des Wallraf=Richartz=Museums, das sich im unteren Kreuzgang befindet, ist soweit in der Aufstellung gediehen, daß es in den nächsten Wochen der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Verbrüht! Gestern verbrühte sich in Nippes in der elterlichen Wohnung ein vier Jahre altes Mädchen mit heißer Lauge. Das Kind spielte in der Küche und fiel beim Rückwärtsgehen in den Kessel mit der Lauge. Kurz nach der Einlieferung ist das Kind an den erlittenen Verletzungen im Hospital gestorben. Omnibus zum Strandbad Von der Endhaltestelle der Straßenbahn in Rodenkirchen wurde ein Omnibusverkehr durch die Straßen=Omnibusgesellschaft nach dem Strandbad eingerichtet, der mit Beginn des wärmeren Wetters zur vollen Auswirkung ge kommen ist. Vorarbeiten für die Reichetagswahl In der verflossenen Woche wurden vom Statistischen und Wahlamt die Vorarbeiten für die Reichstagswahl am 31. Juli 1932 ausgenommen. Verkehr des Kölner Postscheckamts im Mai Die Zahl der Konten ist um 5 auf 100 217 gestiegen. Es wurden ausgeführt 3395 033 Gutschriften und 2139901 Lastschriften, mithin 534 934 Buchungen. Im Ueberweisungsverkehr mit dem Ausland wurden 33474 Buchungen vorgenommen. Lautsprecher, Ankündigungen * Opernhaus. Infolge Erkrankungen im Personal wird am Donnerstag, 16. Juni, statt„Gasparone die Oper„Tosca“ von Puccini gegeben. Anfang 19.90 Uhr. Mietreihe IVa.— Um das am Montag, 20. Juni, unter Leitung von Generalmusikdirektor Eugen Szenkar stattfindende Opernhaus=Konzert weitesten Kreisen zugänglich zu machen, sind als Eintrittspreise die Preise K festgesetzt worden(0,70 bis 4 Mark).— Um vielfachen Wünschen zu entsprechen, findet noch einmal eine Aufführung von Richard Wagner=„Rung des Nibelungen“ statt. Das Opernhaus kommt den Wagnerfreunden damit entgegen, daß es„Ringkarten“ ausgibt, die um 30 Prozent ermäßigt sind(Galerie zu 70 Pfg., teuerster Balkonlogenplatz 4 Mark). Der Vorverkauf dieser ermäßigten Ringkarten erfolgt Donnerstag, Freitag und Samstag dieser Woche ausschließlich an der Opernhauskasse. Der Einzelverkauf beginnt Sonntag, den 19. Juni.— Infolge umsangreicher, Vorhgreztungen zu dem Singspiel„Im weißen Rößl" bleibt das Opernhaus am Freitag, den 17. Juni, ge schlossen. * Der kürzlich in Berlin gegründete Fußgänger Schutz=Bund hat jetzt auch in Köln eine Zweigstelle gegründet. Die erste öffentliche Versammlung, in der Näheres über Zweck und Ziele des Bundes bekanntgegeben wird und zu der alle Fußgänger höflichst eingeladen sind, findet am Freitag, den 17. Juni, um 20 Uhr im„Reichshof“, Am Hof 18, statt. * KRV Jungmännerring Köln=Nippes. Donnerstag, 16 Juni, 20.30 Uhr, Teilnahme an der Veranstaltung des Stammvereins im Kasino des Kathol. Vereinshauses Es spricht Herr Rechtsanwalt Wiedemann über Vergleichsverfahren. * Der Reichsbund der Oberschlesien= und ehem. Grenzschutz= und Freikorps=Kämpfer veranstaltet am Freitag, 17. Juni, 20.30 Uhr, im Salzrümpchen, an der Rechtschule(Wallraf=Richartz=Museum) eine Gründungsfeier. Im Mittelpunkte des Abend steht der Lichtbildervortrag„Der Kampf des Deutschtums im Baltikum". Redner: Baron M. von Medem. Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Preis.50., Arbeitslose gegen Ausweis.20 M. persönliches Dem Mitgründer der Liedertafel Klettenberg, e.., Architekt Karl Freyberger, wurde der Ehrenbrief des D. S. B. für 50jährige Sängertätigkeit verliehen. Kassendiener Jakob Radermacher, Kreuzgasse 19, begeht am 15. Juni sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Kölner Gewerbebank, e. G. m. b.., Kreuzgasse 19. Stadtsekretär Siller von den Städtischen Bahnen konnte am Freitag, den 10. d.., auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Stadt Köln zurückblicken. Von seinen Vorgesetzten und auch von der Verwaltung wurde der pflichttreue Beamte in gebührender Weise geehrt; auch seine Kollegen, mit denen er im besten Einvernehmen steht, ehrten ihn durch Ueberreichung sinniger Geschenke. Am 6. Juni beging Oberpostmeister August Ritter, Amtsvorsteher des Postamts Köln 3, sein vierzigjähriges Dienstjubiläum bei der Deutschen Reichspost. Dem allseitig beliebten Jubilar wurden an diesem Tage große Ehrungen zuteil. Die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten überreichte mit einer Ansprache der Präsident der Oberpostdirektion, der auch zugleich die Glückwünsche des Reichspostministers und der Oberpostdirektion Köln übermittelte. Oberpostrat Zielke überbrachte die Glückwünsche des Bundes der Feldpostbeamten. Das Personal der Postämter 3. 14, 17 und der Einheitshauptkasse erfreute durch eine kunstvolle Ehrenurkunde, ein sinniges Geschenk und zahlreiche Blumenspenden. In passend schlichten Worten schilderte ein Sprecher des Personals die Dienstlaufbahn und hob würdigend die Verdienste des Jubilars hervor. Eine Abordnung des Amtsvorsteherausschusses sowie zahlreiche Kollegen, Freunde und Bekannte aus allen Kreien brachten ihre Glückwünsche dar. Ein offenes Wort Stimmen aus dem Teserkreis Christliche Staatsauffassung Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so mißtrauisch bin. Die neue Regierungserklärung, Die kommt mir nicht aus dem Sinn. Zwar sind es sehr schöne Worte, Die da der Bürger vernimmt. Von wristlicher Staatsauffassung; Ob das auch wohl alles stimmt?! Es gibt ja nun leider im Leben Steis zweierlei Christentum. Nicht christliche Worte, nein, Taten Gereichen dem Christen zum Ruhm. Gerechtigkeit, auch gegenüber Der alten Regierung, war Pflicht. Die neuen Männer, die kennen, Scheint's, die Gerechtigkeit nicht. Was Brüning und seine Regierung Fürs Volk geschafft bis zuletzt, Das wird von den Herren Baronen Höchmütig herabgesetzt. Was für die Aermsten der Armen Geschehen, wird schmählich verkannt, Das Reich mit Spott und Verhöhnung Eine„Wohlfahrtsanstalt“ genannt. Hier scheint mir die Liebe zu fehlen, Die uns das Christentum lehrt, Die echte christliche Liede, Die sich in Taten verzehrt. Zu diesen Taten gehören Auch Demut und Friedfertigkeit, Denn sonst bleidt die Bölkerversöhnung, Ein Traum nur für ewige Zeit. Von christlicher Staatsauffassung War Brünings Regierung beseelt. Nun hür ich zwar schöne Worte, Jedoch der Glaude, der fehlt. F. Jung. Handelsnachrichten KOELNER WERTPAPIERBOERSE OtscheAnl.-Ausl.-Sch. " 8. 7, Liquid.-Pf. RhG.-Kom.-Obl. S. die durch ihre Lautstärke den Empfang gut hörbar auf die Straße übertragen, sind aus Verkehrsrücksichten und Gründen der allgemeinen Ruhe und Ordnung verboten. Uebertragung politischer Reden in solcher Art können Ansammlungen größerer Menschenmengen herbeiführen und somit eine öffentliche Versammlung darstellen, die als nicht angemeldet gemäß Notverordnung vom 28. März 1931 verboten ist. Die Polizei wird in allen diesen Fällen einschreiten. Verantwortlich für die Redaktion: Paul Saupe; für den Anzeigenteil: J. Stotz; Verlag und Druck: Kölner Görresbaus A. G. Alle mu Köln. Barm, Bankver Berg. Märk. Commerzban Darmst. Ban Deutsch Bank u. Bisc.-Ges. Aachen-Münch Aachener Rück Agrinpina Allianz „ Stuttg. Leb. Colonia Feuer 15. 6. 48,5 hr 16,0 G 18,0 bz Bank-Aktion 14, 6. 47,5 bs 16,0 G 18.0 G 31,0 kz 31,0 G Versichert 15. 6. 14. 6. 640,0 G 1640,0 G 96,0 bG 96,5 bz 200,0 G/200,0 bz 137,0 G1137.0 G 137,0 G 137,0 G 85,0 bi 85,0 b0 Industrie-Aktien Adler-Brauere Alexanderwerk Artenh. Sprudel Basall.-G. Bonner Bergw Braunk. Zukunft Buderus Eisen Dahlbusch O. Reichsb. 8. 4.-A. Oüsseld. Dampt Farben-Industr Felten& Guill. Gelsenkirch 8g Hapag Harpener Bgo Hoesch Hubertus Kabel Rheud 15. 6. 11,75b 24,0 G 65,0 G 38,0 G 70,0 G 92.12U 45,5 br 27,5 b2 109,0 G 88,0 C 14. 6. 7,62b2 11.5 G 24,0 M 65,0 G 26,0 G 73,0 G 70.0 G 92,5 kr 109,0 C 88,0 G Kalk. Brauere Klöckner-Wert KölnGummiläd Mannesmann Aotort. Deut: Phönix, Bergd. Pr. RheinDampt Rasguin Rhein. Zucker Rhein. Bau Rhein, Braun thein. Stahl. thein. Wasse .-W. Spreng oddergrube tollwerct eonnard Tietz Verein. Stahlw d. Zypen-W. 15. 6 16. 6. 56,0 G 56,0 G 65,5 hr 77,625 65,0 br 79,0 b. 14. 6. 18,0 br 62,0 br 42,0 G 14. 6. 160.0 G 420,0 G 50,0 b0 220,0 b0 14. 6. 39.8702 17.371 70,0 G 163,0 bz 41,2502 130,0 U 340,0 G 20,5 b0 30,87G 18,0 G 70,0 G 165,0 G 41.25 B 130,0 B 340,0 G 21,0 kr Berliner Devisenmarkt. Berlin. 15. 6. B. Aires(1 Peso) apan(1 len) England(1 4) New Vork(1 8) Rio de laneiro(1 Milreis) Holland(100 Gulden) Belgien 100 Belga) Danzia(100 Gulden) tallen(100 Lire) Dänemark 100 Kronen) Frankreich(100 Fr.) Praa(100 Kronen) Schwciz(100 Fr.) Spanien(100 Peso) Schweden(100 Kronen) Wien(100 Schilling) 14. 6. .948 .319 15.46 .200 .325 170 63 58 70 82.47 21.59 84.42 16.50 12.465 82.21 34,67 79.12 51.95 ERZE, METALLE. Berliner Metalle Elektrolyt-Kupter Aluminium 48-998 i. B. Walz- und DDrahtbarr. 993 Reinnickel 98-998 Antimon-Regulun Feinsilber(für 1 kg) 14. 6. 50,75 160 164 350 35,00-38,00 36,75-42,00 13. 6. 50,75 160 164 350 25,00-18 00 39,00-4225 Berliner Pruchtmarkt. und Oelsaaten für 1000. kg) 14. G. 13. 6. 251,0-253,0 251,0-263,0 Amtl. Preise in Mark(bei Getreide sonst für 100 Weizen, märk 75-76 kg... schles. 76-76 kg Futterweisen, märk. 10-71 kg. Sommerweizen, märk. 78 kg. Roggen, märk. 71-72 kg. russischer schlesischer, 12-73 kg. „ pommerscher Gerste. Winter " Brau Futter- und ndustrie later märkischer s. greitbas Berlin La’lata Weizenmehl. trei Berlin Rosgenmehl. 70% ire Berlin 60% trei Berlin Weizenkleie, frei Berlin Roggenkleie, trei Berlin Rübsamen Leinsaat Viktoriaerbsen Speiseerbsen, kleine Futtererbsen Peluschken Ackerbohnen Wicken Lupinen, bleue " gelbe Serradelle, alte Leinkuchen, Basis 37% Erdnußkucher 50% Erdnußkuchenmehl 50% Trockenschnitzel, 2 Soiabohnenschrot extrahiert 46% ab Hamburg ab Steitin Kartoffelflocken treie * Wagengestellung der Reichsbahn am 14. Juni. Ruhrbezirk gestellt 14 787, Aachener Kohlenbezirk 1851, Rhein. Braunkohlenbezirk 3885; gefehlt haben keine Wagen. Amtl. Wasserstands-Nachrichten 167,0-190 195,0 188,0-1000 195,0 6517 56.-1600-161,0 3„00-34.75 25.25-27.20 10.40-10,90 .80-1030 17,00-23,00 21,00-24,00 15 ,00-17,00 16 ,00-18 00 5,00-11,00 6,00-18.00 00 .50-16,00 10,20-10.40 10.60 10.80 .70 10.00 10.90 31.25-31.35 25,50-27.30 10.40-10,90 .80-10.30 17,00-23,00 21,00-24.00 15 ,00-17.00 16,00-19.00 10 00-17,00 6„00-1800 10.00-1100 4,00-15.50 10,30-10.40 10.80 10.00 .70 10.00 10.90 Kölner Gstreide-, Futtermittel- und Warenbörse ** ** Weizen, rheinisch. 74-741# kg auslandischer Roggen, rheinisch. 72-721#g " nordd. 75-74 kg. austardtecher Hafer, hiesigen. norddeutscher Puttergerste, ausländische Wintergerste, inlandische. Sammergerate, inlandische Mais grober Mais, kleiner Wei eamehl, inländisch Rheinische Weizenbäckermehl mit Auslandsweizen Roggenmehl 70%. mlandisch mit Auslandsroag. Koggenschrot, inländischer " mit Auslandsroggen Weizenkleie). Roggenkleien Biertreber 1) Leinkuchenmehl 38%, 7) Erduußkuchennehl 50%!). 54%).. So##schrat extrahiert 46%) Rapskucher 30% Palmkernkuchen, osc. 21%. Trockenschnitzel, lose Zuckerschnitzel, lose Rohmelasse. Wiesenheu, mländ., lose " i n l i o d, g e p r e ß t Klechen mland. loss „" geprett euslandisches Roggenstroh, zepreist?) Weizenstroh gepreßt?). Maferstroh. genreße*) 14. 6. 26,60-26, 75 29,25=30,75 21.00 71,00-71 50 21.25-21, 75 16.25-17.25 18.75-1925 18.50-19,00 18,00-18.50 16,76-16.25 16,25-16,50 37.50 38.00 26,00-29,50 29.50 24.00-24.50 24.00-24.50 9,76-11.00 9,00-.25 11.00-11.50 11 ,00-1125 10. 6 21.00 29,60-.00 24 80 22,50-23,00 21,25-21,75 16.25-17.50 .75-1925 18.50-19,00 18,00-18.50 15,75-16.25 16,25-16.50 31.50-37.75 36.00 28,00-28.50 29.50 24,00-24,50 24,00-24,50 .75-11.25 .25-.50 11.00-11.50 .00-1125 11,00-11,5011, 00-11.,50 12,00-12,5012,00-12,50 10.50-11,00 .75 .00-9„5 ,25-.75 9,25-.75 6,25-9,00 5,20-5, 80 .00-7. 80 3,00-.20 .00 .60 .50-1100 .75 .00-9. R .25-7. 75 .25-9. 75 .25-.00 ö,20-6, 50 .00-7. 20 1,00=1,20 .00 .80 Bei sehr schwacher Nachfrage bröckelten die Getreidepreise ab. teilweise auch Futtermittel, Stimmung äußerst ruhig. Mittwoch, 15. Juni 1932 Nr. 163 Seite 13 Heute: Opernhaus 20 Uhr: Cosi fan tutte. Schauspielhaus 20¼ Uhr: Der 18. Oktober. Donnerstag, den 16. Juni 1932. Opernhaus (Telephon: 21 08 21) Tosca. Mm. Lig.: Fritz Zemn. Tosca: Schramm-Tschörner. Cavaredesei: Gillmann, Scarpia: Schmid-Scherf, Angelotti: Horn, Meßner: Kämmel, Speletta: Alsen, Sciarone: Schüttler, SchlieBer: Schirp, Hirt: Henderichs. Anfang 19½, Ende 22¼ Uhr. Mietreihe IVa. Schauspielhaus (Telephon 22 60 48) Der 18. Oktober.(Schäfer.) Bauer: Manz, Arco: Aßmann, Blassa: Lundt, Henkei: Parsen, Linnemann: Krahmer, Müller: Richter, Schlagenhauff: Wittgen, Bühler: Deitgen, Delaréde: Senden, Fabricius: Poelzig. Anfang 20¼, Ende 22 Uhr. Mietreibe IVb. Freitag, den 17. Juni 1932. Opernhaus Keine Vorsteilung. Schauspielhaus 20¼ Uhr: Der 18. Okteber. Heute 4 und 8 Uhr Abschiedsvorstellungen Carl Walter Popp und des übrigen Programms. 16.—30. Juni 2 Gastspiele in einem Programm Carl Napp der beste Komiker am deutschen Varieté Fritz Hiddessen der Maler-Conférencier mit neuen Vorträgen, neuen Conférencen und neuen Zeichnungen. S Winston: Die lebenden Gummibälle. 2 Petroff Hervorragende akrobatische Tänze. Die langerwartete Neuauflage 1000 FRAGEN despreußischen Volksschullehrers im Amt und in der Vorbereitung auf das Amt 10.—15. Tausend herausgegeben von: F. Draeger, Haupflehrer, Dr. W. Hawel, Stadtschulrat, J. Overmeyer, Schulrat, P. Schumacher, Rektor. 400 Seiten. Preis in biegsamer Leinendecke M..60(ab 10 Exemplare Preis je M..—) Die neue, um 120 Seiten erweiterte Auflage ist in jeder Beziehung auf den derzeitigen Stand ergänzt, orientiert schnell über die wichtigsten Fragen des Volksschullebens, ist handlich und billig. Das Buch hat sich als unentbehrlicher Ratgeber besonders für Junglehrer und-Jehrerinnen enwiesen. Wichtig für alle Lehrpersonen und Lehrerbibliotheken, Seminare und Akademien. Durch jede Buchhandlung zu beziehen. GILDE-VERLAG C. M..H. KÖLN Da ein sehr warmer Sommer in Aussicht ist, werden Sie viele Bodefreuden erieben! Alles, was Sie zum Schwimmen brauchen, den eleganten Bade-Anzug, Bade-Mütze und BodeSchuh— wählen Sie es bei uns. Wir suchen mit Ihnen die passenden Badesachen aus. Es genögt uns nicht, daß Sie unter uriserer großen Auswahl irgendeinen schönen Bade-Anzug wählen, Sie sollen den Richtigen besitzen, in dem Sie so elegant angezogen sind, wie in Ihrem Straßenkleid. Dazu roten wir Ihnen! Eigelstein 130, dicht am Platz der Republik. Luftkurort Herchen-Sieg Burg Reifershard Pension 4 Mahlzeiten.50 bis 4,00 Mark Wochenende. Freie Auto-Hin- u. Rückfahrt Anmeldungen: Köln, Telefon 6 29 09 oder Herchen 218 Wie zu Hause fühlt man sich im Altersheim für Ilerren des bürserlichen Mittelstandes. Sobernheim-Land, am Maasberg Pensionspreis monatlich 75.- bis 90. RM. Sommertrische In umwald. Iörfchen des Siegerl. flnd. Sommerfrischl. in ruh., bess. Gasth. freundl. Aufn. bei best. Verpfl.(4 Mhlz.) Ruder- u. Schwimmgelegenheit vorh. Pensionspr..50 M. ohne Nebenk. Casthof zum Stahlberg Müsen Kreis Siegen. Lieselotte Wilke Moderne Songe Martinett mit seinem Wunderraben Mia Lias „Tanz der Nationen“ Toni Fluß und sein Orchester 9° unter Außen-Temperatar durch Kühl-Ventilation ∆ Eintritt frei 00 Eintritt Gedeck Mk..50 S Mk..— IIENE LEE Nachtrag zur Ordnung für die Erhebung einer Vergnügungssteuer im Landkreise Köln vom 13. April/ 2. Oktober 1928. Auf Grund der§§ 6, 16, 17 19 und 2 des Kreis= und Provinzialabgabengesetzes com 23. 4. 1906(G. S. S. 159) und der Reicheratsbestimmungen über die Vergnügungssteuer in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. Juni 1926(R. G. Gl.! Seite 262) und vom 9. Juli 1929(R. G. Bl. 1 Seite 134) und des Beschlusses des Kreistages vom 6. 4. 32 wird zu der vorbezeichneten Steuerordnung folgender Nachtrag erlassen: Zu§ 8. § 8 Abs. 5 erhalt folgende Fassung: Die Sieuer wird fur die einzelne Karte au den vollen Reichspennigbet ag nach oben abgernndet. Zu§ 9. § 9 Abs. 5 erhalt felgente Fassung: Die Steuer wird fur die einzelne Karte auf den vollen Reichepfennigbetrag nach oben abgerundet. Die er Nach rag tiitt mit dem Tage der #eror entlichung in Kraft. Koln, den 21. April 1932. Der Vorsitzende des Kreisausschusses: J. V. Dr. Gies. Genehmigt für die Dauer der Gültigkeit der Vergnügungesteuerordnung Koln, den 18. Mai 1932. Namens des Bezirtsausschusses: Der Vorsitzende (Siegel) J. V. Unterschrift. Der Overpräsiden: Koolenz, den 28. Mai 1932. G. Nr. C. II. 5 Koln=Ld. Auf den Randverscht vom 23. 5. 32— J. E. 743/32— beir. den 2. Nachtrag vom 21. 4. 1932 zur Vergnugung=steuerordnung des Landkreises Köln vom 13. 4. 1928 in der Fassung des 1. Nachtrages vom 15. 4. 1930, erteile ich zu dem Genehmigungsbeschluß des Bezirksausschusses vom 18, 5. 32— B. A. 2 Nr. 1210/32— die Zustimmung. Ich bebalte mir vor, die Zunimmung auf Antrag vor Ablau der Frist geeignetenfalls zu verlängern. J. B. Guske. Nachtrag. zur Ordnung betreffend Erhebung einer Jagdsteuer im Landkreise Koln vom 1. Fedr./31. März 1927. Auf Grund der§§ 6, 16, 17 und 203 des Kreis= und Provinzialadgabengesetzes vom o. 4. 1906 in der Fassung des Gesetzes vom 26. August 1921(.T. S 495) und des Kreistagebeschlusses vom 6. 4. 1932 wird zu der vorbezeichneten Jagdsteuerordnung nachstebender Nachtrag erlassen: Der§ 3 der Jagdsteuerordnung erhält fel ende Fassung: § 3: Die Ausübung der Jagd in nicht verpachteten Jagden des Staates so vie in Grundftächen, die gemaß §§ 8 bis 12 der Jaidotonung einem nicht verpachteten staatlichen Eigensagdbezrk angeschlossen weiden, bleibt steuerfrei. Dieser Nachtrag iritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Köln, den 21 April 1932. Der Vorsitzende des Kreisaueschusses: J. B. Dr. Gies. B. A. 2 Nr. 1212/32. Koln, den 18. Mai 1932 Genehnigt. Namens des Bezirksausschusses: Der Vorsitzende (Siegel) J. 8. Unterschrift. EIERE TEEE Der Oderpräsident. Koolenz, den 28. Mai 1932 C. Nr. C. II M. Köln=Ld Am 24. Ju i 1932. vormittags 10.30 Uhr, ollen im Justizaebäude Reichenepergerplatz 1, Zimmer Nr. 77 nachbezeichnete Grundstücke versteigert werden: Köln, Florastraße 211, a) Wohnhau= mit porraum u. Hausgarten, b) Gartenhaus, groß: 734 Ar. e Autogarage mit Wohnung, gcoß: 9 00 Ar, Nutzun swer: zu a) und b) 3745 M. zu c) 200 M. Köln, den 10. Juni 1932. Amtegericht. Abt. 40 Am 24. Juni 1932. vorm 11 Uhr, soll im Justizgebaude Reichenepelgerplatz 1. Zimmer Nr. 77, nachbezeichnetes Grundstück versteigen werden: Köln, Hansaring 100. a) Wohnhaus mit Hoftaum, groß:.70 Ur, Nutzungswert: 3700 M. Koln, den 10. Juni 1932. Amtegericht, Abt. 40. Am Freitag, den 17. Juni 1932, mittage 12 Uhr, sollen in Köln=Worringen versteiger: werden 1 Bäfettschrank, 1 Kleiderschrank, ein Regulier=Füllosen, 1 Sofa, 8 Bilder 8 Hühner, 1 Schrein, 1 Hobelbank, ca 1½ ehm Eichenhol;, Bohlen. Trefspunkt der Käufer um 11¾ Uhr al er Kleiskasse. Rick, Obernerichtsvollzieler in Köln. Auf den Randbericht vom 23 5. 1932.— I. E. 744/32— betr. den 2. Nachtrag com 24. 4 B2 zur Jagdsteuerordnung des Land kreiset Köln vom 7. 2. 27 in der Fassung des 1. Nachtrages vom 24. 12. 1927, erteile ich zu dem Genehmigungsbeschluß des Bezir= ausschusses vom 18.5. 1932 B. A 2 Nr. 1212/32 die Zustimmung für die Dauer der Gülnig ei der Hauptordnung. Ich behalte mir vor, die Zustimmung auf Antrag vor Abauf der Frist geeignetenfalls in verlangern J. V. Guske. Am Freitag, den 17. Juni 1932, mittags 12 Uhr, sollen im Pandlokale Rolandstr. 105 versteigert werden: Büro-, Haus= und Küchenmob###iare aller Art, Radiogeräte, Schreibmaschinen, Regale, Teppiche, Oelgemälde Verd.=Stücke, Klaviere, 2 Kaffeeröster mit Motor, 1 Reformmotor u. a. m. Wilde, Obergerichts vollzieder in Köln. Bachreinigung. Die Reinigungsar eiten an den rechtsrheinischen Bächen sollen öffentlich veidungen werden: a) Strunder=, Egger=, Kemperdach, Iddelsfelder Flutgraden, Bruch räden in 8 Losen d) Faul= und Flehdach in 7 Losen. Verdingun nunterlagen bei der Kanalbauabteilung Stadthaus, Zimmer 211, zu je .— RM. für a) und). Angebote abzugeben dis Freitag, den 24. Juni 1932. 11 Uhr, Zimmer 211 Stadthaus. Eröffnung um 11¼ Uhr Zimmer 210 Oberbürgermeister, Köln. Wahl der Hebammen in die Kreishebammenstellen d. Stadtkreises Köln Die Wählerinnenliste liegt in der Zeit vom 15. 6. bis 28. 6. 1932 in den städtischen Verwaltungsstellen(Standesämtern)öffentlich aus. Näteres über die demnachstige Wahl ist durch Ausbang im Ratbaus und in den städtischen Vorori=Verwalrungsstellen(Siandesamtern) veronentlicht Oberbürgermeister, Köln. EEE Es werden öIfentlich meistbirtend gegen sofortige Barzahlung versteigert: Am Freitag, den 17. Juni 1932 vormittags 11 Uhr, sollen im Pfand okale Rolandstraße 105 versteigert werden: 1 Schreibmaschine„Urania“,„Orga“, Büretts, Kredenz, 1 Speisezimmer, Klubsofa, 13 Stricknaschinen, 1 Spülmaschine, Vitrine, 1 Grammophon chrank, 1 Kleiderschrank, Nähmaschine, 3 Marmortaseln. 145 Damenhüte. Ferner Apostelnstraße 14—18, nachmittagt 3 Uhr: National=Registrierkasse, 2 Theken, 1 Regal, 2 Balkenwaagen, 12 Kaffeedehalter, 1 Backosen, 1 Anschlagmaschine, 1 Back. tisch, 1 elektrische Kaffeemudle, 24 Kafseebüchsen, 3 elektrische Lampen. Ferner Ehrenstraße 15—17, nachmittags 1 Uhr: Schreibmaschinen„Triumph“,„Ideal“, 6 Theken, 2 Packrische, 2Ausstellschränke, Paketwaage, 1 Schreidtisch, 2 Kiudsessel, 24 Pakeie Wollschals, 80 Unterröcke, 333 Stuck Taillen Fröhlich. Obergerichtsvollzieher in Köln. Am Freitag, den 17. Juni 1932, nachmittage 3½ Uhr, werden im Hause Klingelputz 13 verste gert: Ladenschränke, Theke und Regal, Kleiderschrank, Gofa mit Umbau Küchenschrank, Spiege Peddigrobrsessel, Fenstereinrichtung, Reformschuhe, Schönde#s wasser, Brennesselwasser, Franzbranntwein, Nährsalze, Seife, Fruchtsäfte, Marmeladen, Honig, Zahn pasta. Rickel Ober erichtsvollzieher in Koln. Inserieren bringt Gewinn! Rausrauenl Saz: Loich-hurigers Sch ETERDERRERERERAMHHGMMREHORRRRRDMIRRSEGEREIRERRERRS KOMBINIERTE HERDE KOMBINIERTE HERDE 3 Gasfl., grotze Kohlenabtig., breit vernickelt, mit Zlerecken und Kohlenwagen *7 * 0 Würde des Volksfestes! Wir feiern Sonnenwende Zu den Volksgebräuchen rechnen wir die eng damit zusammenhängenden und innig verwandten Volksfeste, die im Grunde ja nichts anderes sind als allgemeine, soziale, zu bestimmten Zeiten wiederkehrende Volksgebräuche, die eben, weil sie öffentlich sind, der Freiheit nicht entbehren können. Denn was der Mensch oder das Volk öffentlich treibt, das umgibt er gern und das vermöge einer innern Notwendigkeit mit äußerem Gepräge, das staffiert er gern nach dem Grade seines Kunst= oder Geschmacksinnes aus und will ihm dadurch Anerkennung verschaffen. Was der Volksgebrauch mehr für das Privatleben ist, das ist das Volksfest für das öffentliche Volksleben; beide weisen, wie gesagt, auf tiefere, innere Zustände und erklären manches, was sonst der Beobachtung entrückt oder doch sehr erschwert wäre. Dabei bleibt eines sehr zu beachten. Weitaus die meisten, immer aber die zähesten Volksgebräuche hängen mit dem religiösen Leben des Volkes zusammen und spiegeln, möchte ich sagen, die eigentümliche Art der Auffassung des Volksglaubens am deutlichsten und bestimmtesten ab. Wieder ein Beweis, daß die religiöse Seite im Menschen die tiefste und unüberwindlichste ist. Deshalb sollte man auch mit möglichster Schonung und Vorsicht mit den Volksgebräuchen umgehen und nach zwei Seiten wohl achthaben; nach der einen, daß sie nicht ausarten und verwildern, nach der andern, daß sie nicht, auch wo die Ausartung droht, in unverständigem, oft frevelhaftem Eifer ausgerissen und zerstört werden. Das Zerstören ist überhaupt eine leichte Kunst. Die Volksgebräuche arten aber immer aus, wenn man sie von ihrer religiösen Wurzel ablöst und dann dem bloß irdisch gesinnten Menschen zur Pflege anvertraut. Wir haben in dieser Richtung vieles zu beklagen. Von unsern Volksgebräuchen und Volksfesten, die zum Teil noch vor wenigen Jahrzehnten, trotz ihrer Mangelhaftigkeit, Abwechslung und Frische in das gemeinsame Leben brachten, ist beinahe jede Spur verwischt. Mit dem Verschwinden des praktischen, gemeinsamen religiösen Lebens ist die tiefere, innige Gemütlichkeit aus dem Menschen gewichen und hat einer faden Genußsucht und einem kalten, herzlosen Egoismus im allgemeinen Platz gemacht. Adolf Kolping f. Weit schweift der Blick vom zerklüfteten Gipfel des Leyberges ins Land. Die Sonne badet, abendrot, in den Wassern des Rheines. Scharf, wie eine Hakennase, springt drüben der Drachenfels in der klaren Abendluft vor. Wie fein die sanfte Linie der drei Berge: Löwenburg, Oelberg, Lohrberg! Dort die kugelige Kuppe des Himmerich. Weit dahinten die Tomburg, die im Glanze der sinkenden Sonne Nur das Blinkfeuer von Andernach huscht ruhelos unter dem Gewölbe der Nacht. Mittsommernacht! Voller Geheimnisse bist du! Es wispert im Haag, es knistert im Gehölz. Glühwürmchen, smaragdgrün, irrlichtern lautlos umher. Wir treten zusammen und zünden den Holzstoß an. Flamme empor! Sie Und die Flammen leuchten darein brennt. Von Ferne kommt Glockenklang zu uns herauf. Dann ist es ganz still. Der Abend senkt sich über den Rhein. Weich fällt das Dunkel nieder. Da schichten wir den Holzstoß. Der Nachthimmel ist klar. Sternenbestickt. Ein Wild schreckt durch das Gehölz. Und wieder ist wundersame Stille. züngelt und flackert, gibt Licht und sprühende Funken. Das ist ein erlebnistiefes Feiern am Sonnwendfeuer. Ein Lied steigt auf und verklingt im Rauschen der Nacht. Wir lauschen und sinnen. Vor der Schönheit solcher Sommernacht halten wir den Atem an. Einer liest dann eine Legende von Max Mell. Eine beWeibische Halbtonmelodik und Knallgasrhuthmus Die freie, schöne Gottesgabe des Gesanges hat sich vielfach zum Mißbrauch, zum Fluch gewandelt. Cosmus Flam zeichnet uns in seinem überzeitlichen Zeitroman„Athanasius kommt in die Großstadt“ die erschreckende Entwicklung des Musikalischen. Die Musik spielte allerorten in den riesigen Tanzdielen, bald jene laute lärmende Musik, deren harter Rhythmus wie der Fuß eines riesigen Elefanten alle Herzen niedertrat, bald jene weiche, weibische Halbtonmelodik, die, wie ein weinerliches Winseln aus den Mündern von Greisen, die Seelen in einen schlafähnlichen Zustand lullte. Wehe über diese Musik! Dieses Jaulen und Speien, das die Gesunden ekelt und die Kranken schüttelt. Dieses letzte Stammeln einer todkranken Welt. Dieses Drehen und Kriechen, als kämen lauter Affen durch den leise wehenden Urwald gekrochen. Dieses unheimliche Schluchzen, diese Katzenmusik, diese Musik für Pumas und Abgottschlangen, diese Fakir= und Derwischmusik, dieses gräßliche Stampfen. Aber alle befanden sich anscheinend wohl dabei; denn niemanden ekelte sie an, also gab es keine Gesunden mehr, sondern alle schüttelten sich nur leise, so waren sie alle krank.“ Es scheint, daß wir nur noch ein paar Stationen von diesem Endziel entfernt sind. Darum herunter mit der Notbremse, und die falsche Strecke untersucht! Das Lied war zu allen Zeitepochen der Ausdruck der Herzensregungen in Leid und Freude. Die Jugendbewegung hatte es als kostbares Gut neu entdeckt und ihre Scharen erkannten sich untereinander in den Liedern. Neugier, Wehmut oder auch Sinnesverwandtschaft vieler Zuhörer veranlaßten die Wandervögel, ihre Lieder herzusingen. Sie taten es nicht gern; denn man fühlte die Preisgabe eines göttlichen Gutes an die gierige Masse. Es ist die Tragik der Bewegung, daß ihre Lieder heute von Hinz und Kunz zersungen werden, verbraucht werden wie ein modisches Kleidungsstück. Tragik und Schuld! Ueber dem eigenen Gefallen am rauschenden Liederquell ist die Fassung der Quelle vergessen worden. Nun zur Kritik: Wo wird noch auswendig gesungen, es müßten denn die mageren Refrains der Schlager sein? Da wird in den Gruppenabenden krampfhaft das Liederheft durchbohrt, maschinenmäßig der Text heruntergewalzt. Am liebsten werden die eingehauenen, d. h. die ewig gleichen Lieder genommen. So kommt es, daß bei Kundgebungen, Tagungen und Aufmärschen mit wachsender Begeisterung bekundet wird, daß wir immer noch„Seit' an Seit' schreiten“, daß wir nicht müde werden, zu Land auszufahren oder daß uns ein Licht leuchtet, wenn wir marschieren. Ach, würde es doch unser Gedächtnis erleuchten, daß es befähigt ware, neue Lieder zu lernen. Wie in der Politik, so wird auch im Gesang das Extreme gepflegt. Hört euch doch nur das seufzende Gewinsel des Schmalzliedes an:„.. und wenn es in Hawai ist,... dann komm zu mir.“ Aller Weltschmerz scheint in diesen langgezogenen Teigsträhnen zu liegen, ähnlich wie in der„Waldeslust“ mit drei„“. Näselndes Saxophon, weibische Halbtonmelodik, wie Cosmus Flam sagt. Aber etwas ganz Neues, Verderbliches, beginnt sich auch in unsere Gruppen einzufressen. Harter Rhythmus, gräßliches Stampfen, wie der Fuß eines riesigen Elefanten.“ Es ist die komplette Umkehr aller musikalischen Gesetze, aller melodischen Schönheitsbegriffe—. Revolution! Mit klirrender Schärfe werden die Endsilben neuerdings förmlich hinausgefeuert.„Und gebt ihr nicht die Sporen, so seid ihr verloren!“ Am besten hört ihr es an der neuen Melodie des Liedes, das die Deutschen singen, wenn sie fröhlich sind:„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin“. Es geht einem durch „Markt und Sternstraße“, hört man diese inbrünstige Knallgasrhythmik. Ihre Vorsänger stehen in den Reihen der extremen Parteimassen, die so in ihren Kampfliedern den völligen Umsturz aller Dinge andeuten wollen. Drittens ist, wie jede Armut, auch die Armut sinnliche Betrachtung zur Abendfeier. derer spricht vom Si „ tier. Ein anvom. Sinn des Sonnwendfeuers. Daß es rein mache und läutere. Daß es heilige Glut in den Herzen entzünde. Daß die zusammenschlagenden Flammen Sinnbild starker Gemeinschaft seien. Und während die zum Sternenhimmel emporlodern, singen wir alle jene Volksweisen, die neue Jugend aus der tiefen Schatztruhe der Jahrhunderte gervorholte. Die Fiedeln locken zum Tanz und dann fassen wir einander bei den Händen, sprechen einen Mutspruch und springen über die knisternden Flammen. Um uns verblaßt die Nacht. Das Feuer brennt allgemach nieder. Der frische Morgenwind spielt mit Funken und Asche und fern im Osten röten sich die Kuppen der Berge. Da erheben wir uns, treten an den Rand des Berggipfels und schauen voller Bewunderung, wie das gewaltige Tagesgestirn seine ersten Strahlenbündel in den Weltraum schleudert. Erschauernd beugen wir die Knie. und mit klarer Stimme betet einer jenes unsterbliche Preislied Gottes in seiner Schöpfung: Herr, mein Gott, Du bist sehr herrlich! Du bist schön und prächtig geschmückt Licht ist Dein Kleid, das Du anhast. Und als er schließt: Ich will dem Herrn dienen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin!— da bricht es jubelnd von unseren Lippen: Die Ehre des Herrn ist ewig! Ich freue mich des Herrn! an passenden Liedern recht bitter. Wie entsetzlich trocken und selbstzufrieden geht es z. B. auf den gewißlich„feuchtfröhlichen“ Familien= feiern her. Entweder werden Liedmumien aufgefrischt von Anno Tobak, oder das Gemassel der Schlagerunkräuter prasselt in die Maibowle, oder es flattern die„angereihten Stücke“ kunterbunt schunkelnd durcheinander! Da singt man bei vorgerückter Stunde, daß der Kalk von der Decke fällt, u..:„Un da schibbelt die Groß de Berg erav un schreit, o je wat hammer Freud, o je wat hammer Freud“ usw. bis auf ein„Prosit der Gemütlichkeit". Man muß sich schon selber kitzeln, um sich gemütlich vorzukommen. Wie ganz anders strotzen da unsere fast unbekannten Tanz= und Volkslieder in den Liedersammlungen neuer deutscher Jugend von überschäumender Lebenslust und Tollheit. Es sei nur erinnert an:„Beim Kronenwirt da ist heut' Jubel und Tanz“ oder„Mr san halt die lustigen Hammerschmiedsgeselln" und„Ja so ne Seefahrt, die ist lustig“. Ich hoffe, unser Zug hat lange genug auf der Strecke gehalten, damit alle Verantwortlichen feststellen konnten, wohin die Fahrt gehen soll. Möge es im Zugführerbuch jeder Gruppe jetzt heißen: weg mit dem Knallgasrhythmus, dafür straffer, zuchtvoller Gesang, der das Herz sroh und kühn macht! Weg mit den sentimentalen Ringelschwänzchen an manchen Strophen, dafür flottweg mit dem Lied, wie man auch ein Gedicht hintereinander als ein Stück vorträgt! Weg mit dem Prosit auf die Gemütlichkeit, dafür her mit der hieb= und stichfesten Uebermütigkeit! Führer, denkt daran in euren Gruppen und bei den Stadtbannabenden. In Uhlands „Sängers Fluch“ ergriff der Sänger die Flucht! Jugend aber steht, zum Kampf für ihr deutsches Lied! J. Kofferath. Zu Gottes Ehre singen, das ist sonderlich wohlgetan und stimmt fröhlich das Herz. Und ein fröhlich Herz hat Gott lieb! vom Laienspiel Zutiefst in der Seele des Menschen schlummert der mimische Urtrieb. Beim Kinde offenbart er sich am stärksten, so wenn im Spiele der Knabe sich Lokomotive dünkt und fauchend den Bordsteinen entlang,fährt"; man kann sagen, daß in jeder spielerischen Beschäftigung des Kindes sich der mimische Trieb beweist. Er verläßt den Menschen nicht zeit seines Lebens, auch nicht den nüchternsten und trockensten. Auf diesem aus dem Unterbewußtsein emporsprudelnden seelischen Auslösungsdrang gestaltender Kräfte baut das Laienspiel auf. Wer es pflegen will, muß um diese Grundgesetze wissen; dann ist es ihm nicht nur Spiel, sondern ernsthafte Arbeit, frohes Gestalten. Und dieses Schaffen bedarf vor allem der Seele und ihrer Kräfte, sonst wird es nicht ein echtes Spielen sein, wohl aber ein blutiges Dilettieren. Wer zum Laienspiel kommt, muß zunächst einmal sich frei machen von einer Nachahmung und Klischierung des Berufsschauspielertums. Der Berufsschauspieler geht von ganz anderen Voraussetzungen aus; wollten wir ihn nachahmen, wir würden eine Karikatur von Aeußerlichkeiten und Unzulänglichkeiten geben. Das Berufsspiel hat eigene Maße und Mittel, die man nicht auf das Laienspiel übertragen kann. Jede Dichtung hat ihr Gesetz, so wie wir eines in unserer Seele tragen. Wenn diese Gesetze zusammenklingen, wird eine schöpferische Synthese da sein. Erst dann und nur dann sollen wir spielen. Sonst wird es seelen= und wesenloses Stückwerk, kaschierter Dilettantismus. Das echte Laienspiel ist ein schöner Dienst am Volke. Wer diesen Dienst tun will, der muß vornehmlich des Wortes, der Sprache, fähig sein. Wie wenig Menschen verstehen die Kunst des Sprechens, obwohl sie jeder übt! Die Sprache ist das wichtigste Instrument des Laienspielers; nur wer es beherrscht, wer es meistert, soll damit wirken. Wer sprechen, richtig sprechen kann, wird leicht die Dichtungen erkennen, die sich zum Laienspiel eignen. Der begnadete Laienspieler— und es gehört Begnadung dazu! — ringt um das Wort, sucht es zu formen. Da, wo ein Dichter es fand, ist unser Laienspiel. Ihm laßt uns dienen! Im Laienspiel soll sich das Wesen des Menschen und seiner Zeit ausprägen. Bewegtheit wird zur geformten Bewegung, Sehnsucht und Hoffnung gestaltendes Spiel; aus der Vielfalt der Töne wird Harmonie, aus formloser Masse wird Plastik und Architektur. Wenn wir spielen, wollen wir uns selbst, uns Menschen des Heute spielen. Wir wollen aus uns heraustreten, um einmal zu sein, was uns als Wunschbild vorschwebt: ein endgültiger Charakter, ein fertiger Mensch, den wir aus Wort und Werk des Dichters erlösen zu kernhaft durchblutetem Leben. Der Laienspieler muß eingegliedert sein in das dramatische Gesetz des Gesamtspiels, er muß ein Stück fertiges Leben erleben. Darum kommen„die Fertigen“, die„mit dem Leben im Reinen“ sind, nur selten zum Laienspiel, denn es ist zumeist das Spiel der Jugend. Echtes Laienspiel ist hohe Kunst. Es ist das Spiel jeglicher Stilbildung, es ist Kunst der Gemeinschaft. Immer wird da, wo es gelingt, den Menschen seelisch zu erschüttern oder zu befreien, Kunst sein. Das ist auch unser Ziel als Laienspieler, für uns, die es gestalten und für alle, die es erleben. Die Spielschar soll durch ihr Spiel hinauswachsen aus dem Kreis der Spielenden zu einer lebendigen Gemeinschaft mit den Hörern. Wo das gelingt, wird Laienspiel Kunst sein, wird es Antwort geben auf die Frage der Zeit. Diese Frage verstehen und beantworten, den Dichter erganzen. der den Notwendigkeiten der Zeit Sprache verlieh,— das ist der Sinn des Laienspiels.