Kölner TIIT Lokal-Anzeiger Bezugspreis: Frei Haus monatlich: Ausgabe A.65 Ausgabe B(mit der Samstags erscheinenden illustr. Beilage„Heimat und Welt").85 (enthaltend 0,50&a Traglohn). Bei den deutschen Postanstalten: Ausgabe A.65 J. Ausgabe B.85#(enthaltend.60 4 Postgebühr) ausschl. Bestellgeld. Einzelnummer 10 J. Erfüllungsort und Gerichtsstand Köln. Katholische Tageszeitung für Köln und Umgebung Amtliches Kreisblatt für den Landkreis Köln, Rheinische Volkswacht Lokal-Anzeiger für die Erft- Mülhelmer Volkszeitung- Lokal-Auzeiger für den Kreis Vergheim Hauptgeschäftsstelle und Redaktion: Neumarkt 18a—24. Fernruf: Sammelnummer 210921. Sprechstunden 12—1 Uhr. Zweigstelle: Mülheim, Adamsstraße 1. gernruf Mütheim, 618 Rücksendung unverlangter Zuschriften und Manuskripte erfolgt nur, wenn Rückporto beigefügt ist. Wöchentlich 12 Ausgaben. 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Zu der Genfer— inzwischen aus Kreisen der französischen Delegation dementierten— Meldung, daß Frankreich den Aufschub der Abrüstungskonferenz beantragt habe, wurde von Unterstaatssekretär Castle erklärt, man halte es hier nach wie vor für äußerst wichtig, daß die Konferenz zum vereinbarten Termin stattfindende und endlich die lächerlichen Ausgaben für Rüstungen eingeschränkt werden. Castle betonte weiter, das amerikanische Volk würde einen Aufschub nicht verstehen und die psychologische Folge wurde Enttäuschung und das Schwinden jeder Aussicht sein, mit Europa am Friedenswerk zusammenzuarbeiten. Die amerikanische Regierung würde eine offizielle Benachrichtigung von einem Aufschub der Konferenz mit möglichster Betonung des Mißfallens beantworten. Sollte der Termin wirklich verschoben werden, so sei gar nicht abzusehen, wann jemals wieder ein Termin vereinbart werden könnte. Flottenabrüstung WTB London,.Sept. Beim Foreign Office ist eine Abschrift der Note eingegangen, die Frankreich an Italien gerichtet hat und in der neue Vorschläge als mögliche Grundlage für die Wiedereröffnung von Verhandlungen über Flottenbeschränkungen gemacht werden. Reuter berichtet aus Genf, die Tatsache, daß die Initiative von französischer Seite erfolgte, scheine darauf hinzudeuten, daß Frankreich bereit ist, seine Haltung zu ändern, sei es mit Bezug auf die Art oder den Zeitpunkt der Ersetzung seiner Tonnage. währung von Umzugskostenbeihilfen, Wohnungsinstandsetzungsbeihilfen, Wohnungsbeschaffungsbeihilfen und Amzugsentschädigungen ist die Genehmigung des Ministers erforderlich. Bei den äußerst geringen Mitteln kann mit der Zustimmung des Ministers zu Anträgen nur in solchen Fällen gerechnet werden, in denen ein unabweisbares, nicht aufschiebbares dienstliches Bedürfnis zu befriedigen ist oder in denen durch die Ausgabe an einer Stelle Ersparnisse an anderer Stelle eintreten werden. Aus vorsorglichen Gründen müssen daher die Anträge bereits vor der Anordnung von Maßnahmen, z. B. zur Freimachung von Wohnungen, gestellt werden.— Aus Ersparnisgründen hat sich der Minister des Innern ferner gezwungen, gesehen, eine Anzahl der festgesetzten Lehrgänge beim Polizeinstitut für Technik und Verkehr ausfallen zu lassen. Im Tager Hitlers brennt es Harte Differenzen in Braunschweig Der frühere nationalsozialistische braunschweigische Minister Dr. Franzen und der Führer der nationalsozialistischen Landtagsfraktion Groh haben sich gegen die Hitlerdiktatur aufgelehnt und sind aus der NSDAP ausgetreten. Es ist schon ein richtiges Theaterspiel, was in Braunschweig getrieben wurde. Dr. Franzen, ehedem preußischer Amtsrichter, der ein Disziplinarverfahren wegen seiner nationalsozialistischen Betätizung zu erwarten hatte, loh in die Arme Hitlers und nach Braunchweig. Dort wurde er von Hitler zum braunschweigischen Minister bestimmt. Willig beugte er sich der Hitlerdiktatur um der persönlichen Vorteile willen. Ueber seine Regierungsweise ist nur zu berichten, daß er es verstanden hat, in Braunschweig eine nationalsozialistische Diktatur aufzurichten, Parteibuchbeamte unterzubringen. Dann kam der bekannte Franzen=Prozeß, welcher dem Charakterbild des braunschweigischen Ministers die letzte Bemalung gab. Franzen fühlte seine Position wanken und suchte nach einem„ehrenvollen“ Abgang. Er wollte, wie er sagte, nicht länger„Vollziehungsbeamter der Brüning=Diktatur“ sein, legte sein Amt nieder, blieb dennoch im Amte, bis er vor kurzem erst bekannt gab, daß er sich als Rechtsanwalt in Kiel niederlassen wolle. Nun war für die braunschweigische NSOAP guter Rat teuer. Eigentlich hat ja Franzen mit seiner Erklärung die Tür für jede weitere Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten in Braunschweig zugeschlagen. Jedoch Adolf Hitler wußte genau, was er seinen deutschnationalen Bundesgenossen zumuten durfte. Am Montagabend fand in Braunschweig auf Einladung der Nationalsozialisten eine Besprechung zwischen diesen und den Regierungskoalitionsfreunden statt. Die Nationalsozialisten ließen durch den Gauleiter Rust aus Hannover erklären, daß sie infolge der neuen Ländernotverordnung des Reichspräsidenten sich nicht ausschalten lassen könnten und wünschten, auch weiterhin durch einen Minister in der Regierung vertreten zu sein. Wer als neuer Minister der NSDAP in Frage käme, bestimme Adolf Hitler allein. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß Herr Rust dafür ausersehen werde. Damit ging der Krach in der NSOAP Braunschweigs los. Die„Legalen“ kamen in Streit mit den„Illegalen". Während der Gauleiter Rust in einer Massenkundgebung erklärte, man müsse die Macht in Braunschweig für die Partei ausnutzen, hat der Abgeordnete Groh als Fraktionsführer der RSDAP öffentlich mitteilen lassen, daß die Nationalsozialisten keine Veranlassung hätten, sich weiter an der braunschweigischen Regierung zu beteiligen. Nach wie vor gelte die Erklärung Dr. Franzens vom 7. Juli. Sofort wurden auf Befehl aus München dem Abgeordneten Groh sämtliche Aemter avgenommen. Adolf Hitler desavouierte nicht nur Herrn Franzen, sondern auch Herrn Groh. Damit hat er gleichzeitig wieder einmal die aktivistische Richtung in der gesamten RSDAP bloßgestellt. Franzen und Groh haben aus diesem Grunde ihren Austritt aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei erklärt. Sie lehnen sich gegen die Hitler=Diktatur auf. die ihnen solange gefiel, als sie durch sie zu Macht und Würden gelangten, die ihnen in demselben Augenblick mißfiel, als Hitler jede Rücksicht auf„Verdienste und persönliche Freundschaft“ fallen ließ. Wenn sich nun Franzen von der Partei, also auch von Adolf Hitler, trennt, muß er auch seine Mitgliedschaft in der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion aufgeben. Wohin will er sich nun wenden? Man darf annehmen, daß der häusliche Streit im nationalsozialistischen Lager Braunschweigs weitere Kreise ziehen wird. Die NSOAP=Presse ist ziemlich kleinlaut. Wie soll man es auch den„rauhen Kämpfern“. Adolf Hitlers begreiflich machen, was sich wieder hinter den Kulissen abspielt. Auch die polizei soll sparen Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Minister des Innern durch mehrere Runderlasse an die Polizeibehörden Vorsorge getroffen zu einer besonders sparsamen Bewirtschaftung der Mittel bei den Fonds. Sowohl zur Verausgabung höherer Beträge als auch bis auf weiteres zur GeWo ist„Rautilus“? WTB Oslo,.Sept. Nach einer Zeitungsmeldung aus Longyeartown auf Spitzbergen will die Schiffsleitung des norwegischen Kohlendampfers„Ingertre“, der dort gestern eingelaufen ist, am 1. September nachts um 21.50 Uhr Signale aufgefangen haben, die sie nicht zu entziffern vermochte, von denen sie aber annimmt, daß sie von dem Unterseeboot„Nautilus“ stammen. Die Oeffentlichkeit in Norwegen ist über das Schicksal der„Rauliius“ stark beunruhigt. Die drahtlose Station auf Bergen hat bisher noch keinerlei Nachrichten empfangen. Sechs norwegische Radiostationen, darunter die auf Spitzbergen, Jan Meyen und auf der Bäreninsel, haben den Auftrag, mit dem Unterseeboot Verbindung zu suchen. Die„Nautilus“ ist in der Lage, 96 Stunden unter Wasser zu bleiben. Der norwegische Gelehrte Helland Hansen, der Professor der Ozeanographie und Sachverständiger für Radioübermittlung für Unterseebootdienste ist, hat sich dahin geäußert, daß bisher noch kein besonderer Grund zur Beunruhigung über das Schicksal der„Nautilus“ vorliege. Konzession an die Straße? Verhaftungen in Spanien WTB Paris,.Sept. Havas berichtet aus Madrid, daß heute nachmittag drei weitere ehemalige Mitarbeiter Primo de Riveras verhaftet worden seien und zwar die Generäle Navarro, Celada und Cavalcanti. Die genannten Offiziere werden nach Madrid übergeführt. Der Untersuchungsausschuß hat beschlossen, sämtliche Minister und Unterstaatssekretäre der Diktaturzeit verhaften zu lassen also alle Persönlichkeiten, die wähernd dieser Periode Dekrete unterzeichnet haben. PONCET „ir deutsch=österreichische Zollunion„verschoben".. Francois=Poncet:„Messieurs Curtius und Schober, warten Sie. bis der Schneckenexpreß Europa=Union kommt.“ Kreditpolitik Die Erklärung des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther in der letzten Zentralausschußsitzung bezüglich der neuen Reichsbankpolitik bedeutet im Grunde eine neue Kreditpolitik. Danach sollen die bisherigen Bank=, Bucoder Bankkontokorrentkredite in Diskontkredite umgewandelt werden. Voraussetzung ist allerdings dabei, daß diese Kredite sich auf tatsächliche Handelsgeschäfte gründen. Die Umwandlung hat also den Zweck, an die Stelle von Finanzwechseln jetzt Warenwechsel zu setzen. Durch diese Maßnahmen wird zweierlei erzielt: Einmal wird der Lombardkredit, der insbesondere auf die Abwicklung des Geldverkehrs zum Monatsende drückt, zurückgedrängt, und dann wird der Kredit selbst verbilligt. Von diesen Wirkungen erwartet man in weiterer Folge eine Entlastung der Reichsbank von Buchwechseln gegen echte Handelswechsel, und eine Erleichterung der Wirtschaft in allen ihren Teilen zwecks Erlangung von Kredit, und zwar nicht zu dem hohen Lombardsatz, sondern zu dem niedrigeren Diskont. So hat man denn auch aus den Erklärungen des Reichsbankpräsidenten vernommen, daß seitens der Reichshauptbank an die Reichsbankstellen im Lande die Anweisung ergangen sei, jeden guten Handelswechsel, der als reichsbankfähig anzuerkennen sei, zu verwerten. Die Bestimmungen bezüglich der Reichsbankfähigkeit sind so streng, daß man nicht zu befürchten braucht, daß aus dieser Maßnahme, die eine vollige Umkehr von der bisherigen kreditpolitischen Linie darstellt, wirtschafts= oder gar währungspolitische Schwierigkeiten erwachsen könnten. Reichsbankfähig ist sein Wechsel nur dann, wenn er ein echter, also auf Grund eines Güteraustausches entstandener Handelswechsel ist, der drei erstklassige Unterschriften tragen muß. Außerdem muß die Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit des durch den Wechsel Verpflichteten entweder notorisch sein oder vollkommen einwandfrei nachgewiesen werden. Richtig ist, daß die neuen Maßnahmen den deflationistischen Tendenzen zuwiderlaufen, weil eine völlige Abkehr von der bisherigen Kreditrationalisierung erfolgt; aber das Entscheidende ist, daß diese neue Kreditpolitik all denjenigen Bestrebungen ein Ende macht: die gerade in letzter Zeit— mehr und mehr auch in der Oeffentlichkeit hervortretend— auf die Propagierung einer neuen Binnenwährung, einer Inlandsmark oder ähnliches hinausliefen. Was der Wirtschaft jetzt, und zwar schon in Vorsorge für die Ueberwinterung der kommenden Wintermonate not tut, ist zweierlei; einmal billigeres Geld, und zum zweiten eine Verbesserung der Liquidität. Für die Erreichung dieser Ziele sind durch die jüngsten Maßnahmen der Reichsbank wertvolle, und, wie man hoffen darf, auch erfolgversprechende Voraussetzungen geschaffen worden. Die Zahnärzte WTB Budapest,.Sept. Heute nachmittag begannen die ersten wissenschaftlichen Veranstaltungen des Zahnärztekongresses. Eine Engländerin und ein Italiener sprachen über die Bedeutung der Zahnfäulnis und die Vorbeugungsmöglichkeiten. Es wurde ferner eine wissenschaftliche und eine dentistische Fachausstellung eröffnet, an der von deutscher Seite die Professoren Bruhn und Lindemann aus Düsseldorf und Professor Simons aus Berlin mit kieferchirurgischen Präparaten bzw. Zahnregulierungsarbeiten beteiligt sind. Morgen vormittag werden die wissenschaftlichen Vorträge fortgesetzt. Die Beratungen des ersten internationalen stomatologischen Kongresses dauern bis zum 7. September. Dann werden verschiedene Ausflüge in die Provinz unternommen. Seite 2 Nr. 414(Abend=Ausgabe) Lokal=Anzeiger 4 Warum den Banken geholfen wurde Eine Rede des WTB Berlin,.Sept. Auf der Kundgebung der Staatspartei im Konzerthaus Clou hielt der Reichsfinanzminister Dietrich eine Rede, der wir folgendes entnehmen: Der Zusammenbruch des Bankwesens in Deutschland ist verhindert. Der Vorwand, daß man den Großen geholfen habe, für die ##linen Iher nichts tue, ist unsinnig. ### dem Reich niemals eingefallen, Kapital und Reserven der Danat= oder Dresdner Bank zu garantieren, sondern das Reich ist lediglich eingetreten für die nach vielen Hunderttausenden zählenden Kunden der Banken, um diese vor dem Ruin zu schützen. Diejenigen von ihnen, die ein Guthaben hatten, hätten— wenn das Reich nicht half— es zum Teil verloren. und diejenigen, die etwas schuldeten, hätten das sofort bezahlen müssen, wodurch sie im gegenwärtigen Augenblick zusammengebrochen waren. Der Zusammenbruch einiger Großbanken hätte aber alle anderen mitgerissen und auch die Sparkassen auf absehbare Zeit aktionsunfähig gemacht. Die Aufgaben der Zukunft liegen in der Ordnung der äußeren Verschuldung Deutschlands, die in eine langfristige umgewandelt werden muß. 2. In der Gestaltung von Kapital= und Geldwirtschaft im Inneren. 3. In der Ordnung der Finanzen in Ländern und Gemeinden. In der Frage der auswärtigen Verschuldung sind wir durch den Bericht des Baseler Komitees insofern ein Stück weiter gekommen, als darin anerkannt ist, daß man nicht große Zahlungen von Schuldnerländern verlangen kann, wenn man sich gleichzeitig gegen die Aufnahme ihrer Waren, mit denen sie allein zahlen können, absperrt. Es ist anerkannt, daß diese Frage untrennbar zusammenhängt mit der Frage der Reparationen, und gslach ist die Grundlage zu einer Neuordnung In der Kapital= und Geldpolitik, die ein Teil der gesamten Wirtschaftspolitik ist, wird man Dietrich die Deflation nicht künstlich för, dern dürfen. Eine weitere Stärkung der Kaufkraft des Geldes würde dazu führen, daß eine Unmenge Wirtschaftsexistenzen vernichtet wird, weil sie ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Es ist zu begrüßen, daß die Reichsbank den Diskont heruntergesetzt und durch die Erklärung, daß sie Warenwechsel unbeschränkt hereinnimmt, soweit sie ihren Ansprüchen genügen, einer weiteren Herabdrückung des Geldumlaufes entgegenarbeitet. Es kommt vor allen Dingen darauf an, das verfügbare Kapital und Geld den selbständigen Unternehmern kleinen, mittlern und großen Stils zuzuwenden, damit diese, die die eigentlichen Träger unseres Wirtschaftssystems sind, aufrechterhalten bleiben. Zu der Arbeitslosenfrage führte der Redner aus, daß die Bauwirtschaft und deren Erliegen ein Hauptteil Arbeitslosigkeit hervorgerufen habe. Man kann aber nicht den Häuserbau in der bisherigen Art fortführen, weil man sonst den Althausbesitz völlig entwertet und außerdem die Gefahr entsteht, daß das in den Neubauwohnungen investierte Kapital verloren geht. Der Altbesitz muß aber lebensfähig gemacht werden. Bauen soll man da, wo es vom Standpunkt der Produktion aus zu verantworten ist, nämlich auf dem Lande, durch Herstellung von Siedlungen aller Art, besonders in der Nähe von Großstädten und im Verkehrswesen. Der dritte Punkt, die Frage der Ordnung der Haushalte der Länder und Gemeinden ist durch die Notverordnung vom 24. August in die Wege geleitet. Im übrigen ist man sich im Reiche darüber im klaren, daß man den Gemeingen zu Hilfe kommen muß, damit sie ihre Wohlfahrtserwerbslosen durchandere Zwecke kann das Reich kein Geld zur Verfügung stellen! Stillhalteabkommen CNB Amsterdam,.Sept. Im Gebäude der Niederländischen Bank zu Amsterdam fand heute eine Konferenz von Vertretern von ungefähr 30 namhaften holländischen Bankhäusern statt, bei der der Präsident der Niederländischen Bank, Vissering, die Anwesenden aufforderte, die vom Stillhaltekomitee für die Deutschland gewährten Kredite in Basel aufgestellten Bedingungen auch ihrer seits anzunehmen. Er betonte, daß es im eigenen Interesse der niederländischen Banken liege, sich von der allgemeinen Stillhalteaktion nicht auszuschließen. Sie könnten hierbei die Gewißheit haben, daß die Niederländische Bank hinter ihnen stehen und ihnen über eventuell auftretende Schwierigkeiten hinweghelfen werde. Im Hinblick auf diese Erklärung beschlossen alle anwesenden Bankvertreter mit Ausnahme eines Vertreters einer Bank, der sich seine Entscheidung bis morgen vorbehielt, dem Stillhalteabkommen beizutreten. de paris schürt das Feuer CNB Paris,.Sept. Der Außenpolitiker des Echo de Paris behauptet, zu wissen, daß das Urteil des Haager Gerichtshofes in Sachen der deutsch=österreichischen Zollunion ungünstig für Frankreich ausgefallen sei, daß die von Dr. Curtius und Dr. Schober vorbereiteten Erklärungen im Europa=Ausschuß keinen endgültigen Verzicht auf den Zollunionsplan enthielten und daß sich infolgedessen der französische Ministerpräsident veranlaßt gesehen hätte, der französischen Delegation in Genf die Anweisung zu geben, zu erklären, daß die französische Regierung sich in Zukunft volle Handlungsfreiheit vorbehalte und eintretendenfalls den Völkerbundsrat mit Artikel 11 des Völkerbundsstatuts befassen werde. Das Blatt hofft übrigens, daß unter diesen Umständen die französische Regierung sich nicht darauf einlassen werde, Oesterreichs Kreditanforderungen zu bewilligen. Es handelt sich hier wohl um den zweiten Absatz des Artikels 11 der Völkerbundssatzung, der folgendermaßen lautet: Es wird weiter festgestellt, daß jedes Bundesmitglied das Recht hat, in freundschaftlicher Weise die Aufmerksamkeit der Bundesversammlung oder des Rates auf jeden Umstand zu lenken, der von Einfluß auf die internationalen Beziehungen sein kann und daher den Frieden oder das gute Einvernehmen zu den Nationen, von dem der Friede abhängt, zu stören droht. Die schwere Steuerehrlichkeit CNB Berlin,.Aug. Der Reichsfinanzminister hat zu den Durchführungsbestimmunzen über die Steueramnestie einen neuen Erlaß herausgegeben, in dem er, den Blättern zufolge, als Ziel der Steueramnestie bezeichnet. die bisher verschwiegenen Werte für die Zukunft dadurch der Besteuerung zuzuführen, daß er den Steuerpflichtigen die Möglichkeit gibt, wieder steuerehrlich zu werden. Von seiten der Finanzbehörden muß daher alles getan werden, so heißt es in dem Erlaß weiter, um den Steuerpflichtigen diesen Schritt zu erleichtern. Es würde dem Zweck der Steueramnestie widersprechen, wenn die Steuerbehörde, bei der der Steuerpflichtige seine Anzeige erstattet, diesen mit Mißtrauen begegnet und den Pflichtigen die Anzeige durch unnötige Nachforschungen erschwert. Es genügt in den Fällen, in denen der Steuerpflichtige den Betrag der verschwiegenen Werte nicht mehr genau angeben kann, die schätzungsweise Angabe, soweit eine Nachzahlung nicht in Frage kommt. Die Amnestie in der Verordnung vom 18. Juli 1931 setzte voraus, daß die hinterzogenen Werte dem Finanzamt ausdrücklich angezeigt würden. Eine solche Anzeigepflicht bestand zeitlich unbegrenzt, d. h. rückwärts bis zur Verjährung(bei Hinterziehungen zehn Jahre, sonst fünf Jahre). Die neuen Vorschriften beschränken die Anzeigepflicht auf das Jahr 1928 und die folgenden Jahre. Dagegen bleibt die Nachzahlungsfrist, ebenso wie dies schon in der Verordnung vom 18 Juli 1931 geregelt war, für die laufenden Steuern(mit Ausnahme der Vermögenssteuer und der Aufbringungsumlage) nur für das Jahr 1930 bzw. einem in diesem Kalenderjahre endenden Steuerabschnitt bestehen. dem sich im ersten Stock eine Reichsbanknebenstelle befindet, sprang plötzlich ein Mann auf ihn zu und entriß ihm die Aktentasche. Der vorsichtige Expedient hatte die 600 Mark jedoch in seine Brieftasche gesteckt, so daß der Räuber nur die ziemlich wertlose Tasche mit unwesentlichem Inhalt erbeutete. Der Ueberfallene besaß außerdem die Geistesgegenwart, die Verfolgung des Täters aufzunehmen. Dieser stand mit einem Helfershelfer im Bunde, der vor dem Hause mit einem Motorrad wartete. Der verfolgte Räuber schwang sich auf das Motorrad und es gelang ihm, zu entkommen. Der Ueberfallene konnte ihm allerdings vorher die Tasche wieder entreißen, mußte sich aber im übrigen damit begnügen, die Nummer des Motorrades aufzuschreiben, was für die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei von Wichtigkeit ist. Bewaffnete Häftlinge WTB Paris,.Sept. Journal berichtet aus Madrid, daß die in Barcelona verhafteten Syndikalisten in den Hungerstreik getreten seien. Der Zivilgouverneur habe sich ins Gefängnis begeben, um mit den Verhafteten Fühlung zu nehmen. Diese Gelegenheit hätten die Häftlinge, die alle bewaffnet gewesen seien(!) benutzt, um die Gefängniswärter zu überwältigen und die Zellentüren ihrer Mitgefangenen zu öffnen. Sie hätten auf diese Weise etwa 200 Türen ausgehoben, sie aufgeschichtet und in Brand gesteckt. Eine Kompanie Infanterie habe herbeigeholt werden müssen und auf die Gefangenen gefeuert. Den vereinigten Kräften von Militär und Feuerwehrleuten sei es schließlich gelungen, den Brand zu löschen, der auf das ganze Gefängnisgebäude überzugreifen drohte. Während dieser Zeit hätten mehrere Schwadronen das Gefängnis umzingelt. Abends sei die Ruhe wieder hergestellt gewesen. Während des Zusammenstoßes innerhalb der Gefängnisräume sei ein Gefangener durch einen Schuß schwer verletzt worden. Der Zivilgouverneur habe den Gefängnisdirektor abgesetzt.(Gegenüber einem Gefängnisdirektor, der bewaffnete Häftlinge duldet, begreiflich.) Gestern abend sei von der Ortsgruppe der kommunistischen Gewerkschaften für heute als Protest gegen diese Zwischenfälle der Generalstreik angeordnet worden. Donnerstag, 3. September 1931 Hoteldiebe WTB Darmstadt,.Sept. Ein frecher Einbruchsdiebstahl, durch den eine amerikanische Familie schwer geschädigt wurde, ist in Auerbach an der Bergstraße in der Nacht zum Mittwoch verübt worden. Unbekannte Täter drangen in das Hotel Zur Krone ein und stahlen aus dem Zimmer einer seit einigen Tagen dort wohnenden amerikanischen Familie einen Reisekreditbrief über 5000 Dollar, ausgestellt von der First Bank of Chicago, ein Reisescheckbuch, ausgestellt von der Stadtbank Evanston(Illinois USA), das noch 360 Dollar enthielt, ferner Schlüssel und eine goldene Uhr. Außerdem nahmen die Diebe noch die Schiffskarten für vier Personen, lautend auf den Dampfer „Mauretania“, per 12. September ab Cherbourg mit Auch Ranking von den Fluten bedroht WTB Nanking,.Sept. Die Stadt Nanking wird durch die Ueberschwemmung des Yangtseflusses stark berührt. Drei besonders wichtige Deiche, die an dem Westtore liegen, sind von den Fluten weggeschwemmt worden. Tausende von Flüchtlingen halten sich auf den Steinmauern auf. Es sind bereits Maßnahmen ergriffen worden, um das Eindringen des Wassers in die Stadt zu verhindern. Gerettet WTB Arolla,.Sept. Die beiden Rettungskolonnen, die am Mittwoch morgen aufgebrochen waren, um nach den im Aiguilles=RougesMassiv vom Unwetter überraschten fünf Ausflüglern zu suchen, haben die Vermißten am Südabhang aufgefunden. Alle fünf Touristen sind mit den Rettungskolonnen am Mittwoch nachmittag wohlbehalten in Arolla eingetroffen. Chile Rücktritt des Kabinetts WTB Santiago de Chile,.Sept. Das chilenische Kabinett ist zurückgetreten und eine Sondersession des chilenischen Kongresses ist für morgen einberufen worden, um über die Frage der Verhängung des Belagerungszustandes Beschluß zu fassen. * WTB Santiago de Chile,.Sept. Die meuternden Seeleute an Bord der Kriegsflotte in Coquimbo weigern sich, die Schiffe zu verlassen, und halten ihre Offiziere nach wie vor gefangen. Es heißt, daß die Regierung für den Fall, daß ein scharfes Vorgehen notwendig werden sollte, den Angriff von Unterseebooten und 30 Bombenflugzeugen auf die Kriegsschiffe in Erwägung gezogen habe. Die Besatzungen der Unterseeboote sind treu geblieben. Die Flotte hat Lebensmittel für drei Monate und reichlich Brennstoff an Bord. Die Mannschaften sind von britischen Instrukteuren ausgebildet und ihre Disziplin hatte bisher nichts zu wünschen übrig gelassen. Es dreht sich um Soldfragen. Doch mehr! WTB New York,.Sept. Die New Yorker Blätter beschäftigen sich heute einghend mit der Revolte der chilenischen Flotte. Einem Bericht der Times aus Santiago de Chile zufolge gehen die Forderungen der Matrosen erheblich über Lohnforderungen hinaus; denn in ihrem Programm ist von einer Aufteilung des Großgrundbesitzes und von einer Sonderbesteuerung der hohen Einkommen die Rede. Mißglückter Raubüberfall CNB Berlin,.Sept. Auf einen 18jährigen Kassenboten einer Charlottenburger Firma wurde heute gegen mittag in einem Hause in Charlottenburg, in dem sich eine Reichsbanknebenstelle befindet, ein Raubüberfall verübt, der jedoch durch die Geistesgegenwart des Boten vereitelt wurde. Der Expedient Seefeld, der bei der Berliner Bleirohrfabrik in Charlottenburg beschäftigt ist, hatte den Auftrag erhalten, 600 Mark in großen Scheinen umzuwechseln. Als er das Treppenhaus des Hauses Leibnitzstraße 8 heraufstieg, in Die britische Regierung in Fahrt gewinnt sie neue Anhänger WTB London,.Sept. Das Unterhaus ist zum 8. September einberufen worden. In einer fast fünfstündigen Sitzung hat die Regierung die Beratungen über den Finanzplan abgeschlossen. Sofort nach Eröffnung des Unterhauses wird MacDonald, ohne auf diesen Plan einzugehen, eine Erklärung abgeben, in der er das Haus bitten wird, über das Schicksal der nationalen Regierung sofort zu entscheiden. Die Abstimmung nach der ersten Sitzung wird von der Regierung als Vertrauens= oder Mißtrauensvotum betrachtet werden. Wahrscheinlich wird der Schatzkanzler erst am 9. September den Finanzplan der Regierung bekanntgeben. Reuter meldet: Die hiesigen politischen Kreise sind der Meinung, daß in der ersten Sitzung des Unterhauses am 8. September die Regierung über eine Mehrheit von mehr als 50 Stimmen verfügen wird, denn die Regierung gewinnt jeden Tag neue Anhänger unter den Abgeordneten. Die Regierung wird zweifellos einen Antrag zur Bildung eines Finanzausschusses vorlegen. MacDonald wird die Debatte eröffnen, nach ihm werden Baldwin und Samuel das Wort ergreifen. Obwohl man die Einzelheiten der neuen Steuern, die später durch Snowden mitgeteilt werden sollen, noch nicht kennt, so weiß man doch, daß die Regierung der Industrie helfen und ihr keine neuen Lasten auferlegen will. Man hofft, daß die Ortsbehörden keine überstürzten Sparmaßnahmen ergreifen werden, die die Zahl der Arbeitslosen stark erhöhen würden. Hypnose am Spieltisch? In dem beliebten französischen Riviera=Bad Juan=les=Pins will man die Wahrnehmung gemacht haben, daß an den Spieltischen der Kasinos der Hypnotismus zum Zwecke des Betruges seine„Hand im Spiele“ hat. Die Leiter der Kasinos wollen nämlich die Beobachtung gemacht haben, daß seit einiger Zeit Frauen beständig größere Beträge im Baccarat gewinnen. Wie verlautet, haben auf Grund dieser Beobachtung die Mitglieder des Syndikats, das als Bankhalter fungiert, gedroht, die Bank aufzuheben, wenn es nicht gelingt, die Hypnotiseure, die an den Baccarat=Tischen ihr unlauteres Gewerbe betreiben, von den Räumen der Kasinos fernzuhalten. Sie verweisen darauf, daß die hier zur Kerrektur des Glücks angewandten Methoden geeignet seien, die Bank jedes Spielkasinos in Frankreich zu sprengen. Man vertritt in den Kreisen der Bankhalter die Meinung, daß eine Gruppe von Hypnotiseuren Frauen in die Spielsäle entsendet. Die Hypnotiseure gruppieren sich an verschiedenen Plätzen rings um den Spieltisch und spielen die Rolle harmloser Zuschauer, während sie in Wahrheit die Karten aller Spieler aufmerksam kontrollieren. Infolgedessen sind sie in der Lage, das Spiel ihrer weiblichen Helferinnen durch hypnotische Suggestion nach ihrem Willen zu leiten. Zugunsten der Helferinnen nimmt man indessen an, daß die Frauen, die an den Spieltischen Riesengewinne einheimsen, gar nicht wissen, zu welchem unlauteren Zweck sie verwendet werden. Sie stehen unter hypnotischem Einfluß und unter dem Bann des angeblich harmlosen Zuschauers, der auf der anderen Seite des Tisches Aufstellung nimmt, um sie im Auge zu behalten. Man versichert, daß die Herrschaften, die diesen neuen Trick eingeführt haben, sich damit begnügen, wenn sie jeden Abend einen großen Coup ausgeführt haben; denn die geistige Anstrengung und Konzentration, die der Hypnotiseur dabei aufzubringen genötigt ist, sei so groß, daß er die Anstrengung nur kurze Zeit durchzuhalten vermag. Die Verwaltung der Kasinos steht bisher diesen Erklärungen zwar skeptisch gegenüber, doch auch sie zweifelt nicht, daß bei diesen Brandschatzungen der Bankhalter irgendein Schwindlertrick angewandt wird. Steuerfiskalische Sorgen Die nachdenklichen Herren, deren Amt es ist, darauf zu achten, daß in Frankreich nichts Steuerpflichtiges dem Fiskus entgeht, sind zurzeit in schweren Sorgen. Einer dieser Beamten hat nämlich die Entdeckung gemacht, daß viele seiner Mitbürger ihre Zigarren und Zigaretten und Pfeifen ganz umsonst in Brand stecken und sich dabei weder der Monopolzündhölzer, noch der von der Monopolverwaltung besteuerten automatischen Feuerzeuge bedienen. Fast in jedem französischen Café befindet sich ja ein kleiner Gasanzünder, an dem die Gäste ihre Zigaretten anzünden können. Dadurch wird natürlich eine große Anzahl von Streichhölzern gespart, an denen der Staat viel Geld verdient. Uebrigens besteuert das französische Monopolgesetz„alle Feuer erzeugenden Apparate, ganz gleich, welcher Art“. Deshalb entschloß man sich jetzt, auch die Gasanzünder in den Kaffeehausern zur Steuer heranzuziehen. Dagegen verwahrten sich indessen die Cafétiers mit dem Hinweis, daß ja die in Frage stehenden Anzünder gar keine Feuer erzeugenden Apparate sind, da sie jeden Tag mit einem Streichholz erneut in Brand gesetzt werden müssen. Sie unterhalten einfach eine Flamme, erzeugen sie aber nicht. Wenn die Steuerverwaltung mit ihrem Anspruch durchdringt, so müßten logischerweise auch die Raucher zur Steuer herangezogen werden, die einem anderen ihre brennende Zigarette zum Anzünden überlassen. Gespenster am Joten Mann COPYRIGHT 1931 BY GILDE-VERLAGGMBH, KÖLN FRONTERLEBNISSE von P. C. ETTIGHOFFER (30. Fortsetzung.) Unsere Stunden müssen doch irgendwie verbracht werden. Wir putzen unsere Gewehre, unsere Seitengewehre, unsere Stiefel. Es ist ein Putzen wie zur schönsten aller Paraden. Stimmt: Seine Exzellenz Generalfeldmarschall der Tod wird unsere Parade abnehmen. Noch nie sickerte ein Tag so langsam in das unendliche Maß der Ewigkeit. Dabei die schönste Sonne am Himmel und eine sommerliche Wärme. Gegen Abend erscheint der katholische Feldgeistliche und hält rasch einen Gottesdienst ab. Auch er ist aufgeregt. Seit dem frühen Morgen reitet er von einem Dorf zum andern, überall wo Sturmtruppen liegen. Beim letzten Segen zittert die Hand des Geistlichen. So will es scheinen. Mag sein, daß nur wir zittern. Einige haben sich über die Fleischbüchsen hergemacht. Es gibt ja doch wieder Ersatz aus dem Sturmgepäck der Gefallenen, denken sie, oder gar aus einem wohlgespickten französischen Unterstand. Bei Vauxaillon sind wir ja auch mitten in die Essenholerei geraten. Hammelfleisch mit Bohnen gab es damals bei den Franzmännern. Und ob das uns geschmeckt hat! Man kann nie wissen, was alles kommt, aber solch eine Büchse Fleisch im Magen ist besser als wenn der Nachbar... Nein, daran nicht denken, nur nicht denken! Selbstverständlich werden wir alle lebend aus dem Schlamassel wiederkommen. Na ja, einige Heimatschüsse wird es schon noch geben. Wer wird so ein Salonschüßchen verweigern? Ob sie es tatsächlich ernst gemeint haben mit dem Angriffsbefehl? Es scheint bald so. Die Sonne will sich hinter dem Romagnerücken verstecken. So rot und so schön! Wenn Muschkoten sentimental werden, ist's schlimm. Je tiefer die Sonne sinkt, desto kraftloser wird sie. Man kann schon ohne Zwinkern ihre runde Riesenscheibe betrachten. Jetzt scheint sie über den Romagnerücken hinzurollen wie ein Feuerrad, wie ein Blutrad. Schon verschwindet ihre untere Hälfte. Eine Viertelstunde später ist sie ganz untergetaucht. Wer von uns hat nun die Sonne zum letztenmal gesehen? Wessen Schicksalsrad ist nun bald abgelaufen? Ehe die Sonne nun wieder zum Vorschein kommt, soll gestürmt werden. Drüben auf der schnurgeraden Chaussee von Spincourt fährt Artillerie in Stellung, Geschütz hinter Geschütz. Sie haben auch den Abend abgewartet, der Flieger wegen. Eine dichte Staubwolke schwebt wie ein gelber Vorhang über den ziehenden Fahrzeugen. Bodennebel steigen bläulich, verschleiern die Sicht, bleiben aber in Baumhöhe hängen. weben auf und ab. Die Schlacht um Verdun ist plötzlich erstarrt. Hin und wieder rollen einige Salven aus dem Wald von Spincourt gegen diesen oder jenen Hügel. Auch die Franzosen antworten, aber es ist kein rechter Krieg. Eine ganz schläfrige Sache. Wenn das nur so ruhig bleibt während unseres Vorgehens in den nächsten Stunden. Schon, oder vielmehr endlich, kommen die Lastwagen an. Nein, es soll uns nicht zugemutet werden, jetzt noch 15 Kilometer zu Fuß zu gehen. Wie feine Leute sollen wir gefahren werden, wenn auch die Fahrzeuge nur auf ganz gewöhnlicher Spiraleisenbereifung laufen. Denn Gummi ist längst verschlissen und nicht mehr zu haben. Je ein Sturmzug wird in einen Lastwagen verstaut. Fallen können wir nicht, denn wir stehen Mann an Mann, vierzig bis fünfzig Menschen auf jedem Fahrzeug mit Anhänger. Für jeden ist nur ein Stehplatz. Unser Führer, der baumlange Vizefeldwebel Kientz, steht in der Mitte des Triebwagens und raucht. Ich überzähle: es sind rund fünfzig Mann auf diesen zwei Fahrzeugen, macht 600 Handgranaten, dazu 300 Gewehrgranaten, 100 Geschosse für den Granatwerfer, 10000 Schuß Gewehr= und Maschinengewehrmunition. Eine recht nette Ladung. Der Bruchteil davon genügte, um aus uns eine unkenntliche Fleischmasse zu machen. Wenn nun eine Granate, oder nur ein Granatsplitter, unterwegs, während der Fahrt, in einen dieser gefüllten Handgranatensäcke... Nein, nicht daran denken! Nichts bliebe von uns übrig! Wir fahren und fahren. Die ausgeleierten Lastwagen keuchen sich mit schwerarbeitenden Motoren durch die zahlreichen Löcher der Straße. Wir werden durcheinandergeschüttelt. „Achtet auf die Handgranaten!“ schreit der Vize. Längst müßte Kientz Offizier sein, aber er ist eben Elsässer. Seine Ruhe ist manchmal unheimlich, unerträglich. Ein Mensch ohne Nerven, ein Soldat ohne Furcht und Tadel. Wir hängen an ihm. Was mag er nur denken, da er wieder gegen die Franzosen stürmen soll, er, der Elsässer. Drüben, so wird gemunkelt, steht sein Onkel als höherer, französischer Offizier. Einer will singen. Es ist Gefreiter Quint, der Spaßmacher des Zuges. Er gibt es bald auf. Seine Stimme wird erstickt im Rattern der acht Räder. Der Wald von Spincourt hat uns verschluckt. Wir fahren zwischen Bäumen und dichtem Unterholz. Am anderen Ende des Waldes liegt Azannes und nah dabei die Front. Vorerst kommen wir noch am„Deutschen Eck“ vorbei, eine besonders lebhafte Stelle im großen Wald. Dort ist Tag und Nacht Betrieb. Dort liegen gewaltige Munitionsstapel, dort lagern, in langgestreckten Laubhütten, die frischen Reservetruppen. Dort gibt es auch Kantinen und Feldküchen, alles unter den Kanonen von Verdun. Trotz vorsichtigster Abblendung dringt dünnes Licht durch Fensterchen und Türritzen. Brennend beneiden wir diese Menschen, die nicht in das Mahlen der Materialschlacht müssen. Wenn sie auch hin und wieder eine Granate aus dem Langrohrgeschütz der Feste Souville mit in Kauf nehmen, ein schönes Leben haben sie eigentlich doch. Hinter dem„Deutschen Eck“ kommen wir an den Starostenweg. Es ist schon dunkel. Hin und wieder flattert ein Fetzen der gelben Vollmondscheibe durch die Baumkronen. Am Starostenweg beginnt die Zone der steten Gefahr. Wir gelangen allmählich in die Reichweite der feindlichen Feldgeschütze. Es muß gerade etwas los sein, denn ohne Unterbrechung zuckt es rechts und links von uns im Dickicht des Unterholzes. Sind es Abschüsse deutscher Geschütze oder Einschläge feindlicher Granaten? Das Lärmen des Motors erstickt jedes Geräusch. Hundert Meter vor uns, hundert Meter hinter uns fährt je ein Zug schwerbewaffneter Infanterie. Und so folgt sich die ununterbrochene Reihe der Fahrzeuge. Die letzten Wagen mögen jetzt erst vom Ruhequartier abfahren, ein fünfzehn Kilometer langer Heerwurm gefährlich geladener Waffen und Munitionshaufen. Wie gesagt, nur ein kleiner Splitter... Und dieser Heerwurm schlängelt sich durch das feindliche Störungsfeuer, das jetzt schon deutlicher wird. Jetzt vernimmt man schon das kurze. wütende Sausen knapp über den Köpfen. Wir bücken uns. Der Vize steckt sich eine neue Zigarette an.„Achtet auf die Handgranaten! Aufgepaßt, daß kein Abzugsknopf herausbaumelt!“ Wir tasten die Handgranatenstiele mit Fingern ab. Ein neues, stärkeres Sausen. Roter Blitz. Keine 20 Meter neben uns schlägt die Salve feindlicher Feldgranaten in den sumpfigen Waldboden. Aeste krachen, Blätter rieseln auf uns herab. Der Lastwagenführer gibt Vollgas. Nur weg aus dem gefährlichen Bereich. Wir fahren rasch dahin, auf unbeleuchteter Straße, mit unbeleuchtetem Fahrzeug. Nur die fahlen Blitze der Abschüsse und Einschläge blenden unsere Augen. Da. ein kurzes, heftiges Heulen. mehr ein gräßlicher Schrei in der Luft, und ekt wir uns bücken können, hat die Granate ihr Ziel erreicht. Dumpf dröhnt der Aufschlag, nur ein Schritt vor dem Kühler. Blindgänger. Erde und Steineprasseln gegen die Schutzbleche, dann auf uns herab. In der gleichen Sekunde steht der Motor still. Fahrer und Beifahrer springen ab, kurbeln an. Der Motor läuft sofort wieder an, und langsam, mit aller Vorsicht, tastet sich das Fahrzeug um die blinkende Granate mitten auf der Straße. Jede Sekunde kann ihre Explosion bringen. Der Lastwagen kommt glücklich an der Granate vorbei, aber der Anhänger fährt mit seinen wuchtigen rechten Rädern mitten drauf, holpert über das gefährliche Ding hinweg. Unsre gesträubten Haare unter dem Stahlhelm legen sich wieder. Der lange Vize hat seine Zigarette dem Gefreiten Quint geschenkt; sie schmeckt ihm auf einmal gar nicht mehr. Er hat also doch Nerven. Endlich das Ende des Waldes. Azannes, das Frontdorf, liegt wie verklärt unter dem sanften Mondlicht. Wir setzen uns am Dorfrand in den Chausseegraben. Die Lastwagen kehren um. Unsere Sehnsucht begleitet sie. Bis 10.30 Uhr liegen wir dösend am Dorfrand, da heißt es„Fertigmachen!“ In langer Reihe gehen wir über zerschossenes Gelände nach Gremilly, an einer vielfach zertrümmerten Kleinbahn entlang. Links und rechts von uns schreiten andere Bataillone oder andere Regimenter dahin, alle mit demselben Ziel. Im Mondlicht und im Bodennebel ziehen die Soldaten wie Gespenster. Gehen mit schweren Schritten, vornübergebeugt. Hin und wieder tastet eine Salve ohnmächtig das Hinterland ab. Findet keinen Angriffspunkt in diesen schmalen Menschenkolonnen. Langsam wird das Gehen schwieriger, denn wir streben bergauf zur„Marienhöhe“. Die Ruhe des Schlachtfeldes drückt unsere Stimmung. Lieber etwas Feuer und Toben als diese unheimliche Stille. von seltenen Salven unterbrochen. Bei Verdun muß es rollen, sonst ist irgendeine böse Sache im Gang. Unheimlich wachsen die Geräusche der gehenden Truppenmassen. Endlich haben wir die„Marienhöhe" erreicht. Vor uns liegt die OrnesSchlucht mit dem zertrümmerten Städtchen Ornes und jenseits steigen die feindlichen Höhen empor. Noch eine gute halbe Stunde Marsch und wir sind am Ziel. Melder fremder Regimenter haben sich eingefunden, sie haben uns in Stellung zu begleiten. Alles ist staunend gut organisiert. Man will es uns leicht machen, auf kürzestem Wege die Sturmstellung zu erreichen, um ja pünktlich und bereit sein zu können zum Kampf um die befohlene Linie. Die zwei Sturmdivisionen marschieren in sechs Kolonnen aus sechs verschiedenen Richtungen auf ihre Stellungen zu. Die Melder stehen in sechs Gruppen verteilt auf der„Marienhöhe“ und nehmen ihre Kompanien in Empfang. Der Kompanieführer braucht nur zu flüstern:„Hier 7. Kompanie vom Regiment“, da springt auch schon der betreffende Feldwebel vor, dessen Aufgabe es ist, gerade die 7. Kompanie auf dem kürzesten Weg in die Sturmausgangsstellung zu führen. Und so geschieht es mit allen Kompanien. Es wird kein überflüssiges Wort geredet. Schanzzeug klirrt leise. Neuntausend Menschen keuchen. Neuntausend Stiefelpaare trampeln über den trockenen Lehmboden. Neuntausend Stahlhelme werfen das unruhige, matte Blinken ihrer glattgewetzten Oberflächen in die Mondnacht. Leuchtkugeln steigen funkelnd empor, versinken rasch wieder im Nichts der Schlachtfeldleere. Nur die französischen Leuchtraketen hängen minutenlang an dünnen Fallschirmen und tänzeln im Wind mit drehenden Spiralbewegungen.(Forts. folgt.) Die Weinprobe In der Bahnhofswirtschaft der kleinen Station N. trafen sie sich zufällig, wirklich zufällig und zwar der behäbige Maler= und Anstreichermeister Gustav B. und sein Freund, der Schlossermeister Fritz D. Der unfreundliche Novembertag ließ sich hier drinnen, im gut geheizten Wartesaal, ertragen, und der noch junge Bahnhofswirt tat sein Bestes, den witzigen, jedoch harmlosen Bemerkungen zu der bevorstehenden Taufe seines Ersteborenen, in derselben humorvollen Weise zu egegnen. Gustav B. war wegen seiner gemütvollen Art in der Unterhaltung überall ein zern gesehener Gast und sein Intimus Fritz ergänzte seinen Freund durch seinen gesunden Mutterwitz. Die Beiden hatten einen kleinen Bummel gemacht und waren so allmählich zum Bahnhof gekommen, ohne die Absicht zu haben der Deutschen Reichsbahn eine Fahrkarte abzukaufen. Die Art ihrer äußeren Erscheinung ließ schon darauf schließen, daß sie nicht gewillt waren, eine Weltreise zu unternehmen, denn Gustav hatte seine weiße Drillichjacke und Fritz den blauen Schlosserkittel an, und aus der Brusttasche der beiden Berufsröcke sah vorwitzig ein gelber, zusammengelegter Meterstab hervor, wodurch gewissermaßen der Wille zur Arbeit bekundet wurde. Aber es war Spätherbst und für das Anstreicherhandwerk auf dem Lande die stille Zeit, so daß Gustav froh war, wenn er so viel Arbeit beibrachte, daß er seinen Gehilfen und den Lehrling gut durch den Winter brachte. Auch Fritz hatte nicht gerade übermäßig zu tun und da er zudem Junggeselle war, der das vom Vater ererbte Geschäft weiterführte, konnte er seine Sorgen für eine spätere Zeit zurückstellen. Da geht die Türe auf und vom Fahrkartenschalter her kommt der am Orte ansässige Weinhändler in den Wartesaal. „Drei Glas Wein“ war das Erste, was Gustav und„Drei Zigarren“ dasjenige, was Fritz dem Wirt zuriefen und dann erst fand die Begrüßung des Neu=Angekommenen statt, die allerdings ebenfalls rasch erledigt war, denn inzwischen hatte der Wirt bereits die drei Gläser Wein und die drei Zigarren für das Kleeblatt angereicht, mozn sich noch ein viertes Glas gesellte, welches der Weinhändler dem Wirt spendierte. „Na, Pitter, welche Richtung?“ frug Gustav und als dieser die nächste Station K. bemerkte und den Namen des Wirtes nannte, der dort besucht werden sollte, erinnerten sich Beide, daß dieser ihnen vor längerer Zeit allerdings ebenfalls Arbeit in Aussicht gestellt habe und es sich großartig treffe, den Fingerzeig zu beachten und zusammen hinzufahren. Was wollte der Pitter machen? Die Beiden zurückhalten wollen, hätte totsicher das Gegenteil bewirkt; zudem konnte es ihm aber auch ganz angenehm sein, wenn sie mit von der Partie waren, da sie nicht nur sehr gute Freunde des zu besuchenden Wirtes, mit welchem der Weinhändler sein erstes Geschäft machen wollte, waren, sondern auch in K. ebenso gerne in der Gesellschaft von Wirtshausgästen gesehen wurden. wie in N. Zudem hätte ein Widerstreben auch schon deshalb keinen Zweck gehabt, weil der Fritz die beiden Fahrkarten nach K. bereits gelöst hatte und mit denselben in den Wartesaar zurückgekehrt war Nach einer weiteren Runde Wein, die ebenfalls für Rechnung des Weinhändlers ging, wurde es lanzsam Zeit zum Aufbruch und eben fuhr der Zug in die Station ein, als die Drei den Wartesaal verließen. Der Metzgermeister und Gastwirt P. in K. war nicht wenig erstaunt, als die drei sein Lokal betraten: Gustav in seinem weißen Drillichrock, die krumme Pfeife im Mund über das ganze, gutmütig lächelnde Gesicht den Ausdruck der Selbstverständlichkeit grade in diesem Anzug und zu dieser Zeit den Freund zu besuchen, hinter ihm der Fritz, der sich mit einem derben Witz einführte und die vier anwesenden Gäste sofort auf seiner Seite hatte und zuletzt der Weinhändler, von jetzt ab kurz mit seinem Vornamen, Pitter. genannt. Nachdem man sich an dem runden Tisch niedergelassen und Pitter je ein Glas Wein, auch für den Wirt und die anwesenden Gäste, bestellt hatte, erfolgte von diesem, nachdem die üblichen Fragen und Gegenfragen über Befinden von Frau und Kinder, einigermaßen überholt waren, der geschäftliche Vorstoß: Ob denn nun bald der ewige Vorrat im Keller so weit den Weg aller Weine gegangen sei, daß eine Neubestellung nicht mehr zu umgehen sei usw. Grade wollte Gustav unter Assistenz von Fritz in die Bresche springen, um Pitter unbedingt zu einem ansehnlichen Geschäft zu verhelfen, da traten zwei neue, fremde Gäste ins Zimmer, deren Bedienung eine Unterbrechung der eingeleiteten Verhandlung verursachte. Als sich der Wirt wieder gesetzt und Pitter von neuem den verlorenen Faden der geschäftlichen Unterhaltung aufgenommen hatte, kam der Wirt mit der dem Pitter schon bis zum Ueberdruß bekannten Ausrede, daß er für die nächsten Festlichkeiten noch genügend Vorrat habe und außerdem erst kürzlich eine günstige Gelegenheit wahrgenommen hätte, ein sehr gutes Fuder preiswert zu kaufen, welches noch im Moselkeller liege. Pitter wußte, daß dies nicht stimmte und er hatte sich fest vorgenommen, heute nicht ohne einen Auftrag fortzugehen, damit er endlich einmal die Verbindung mit dem Wirt hergestellt habe. Er ließ daher mit günstigen Angeboten nicht nach; Gustav und Fritz redeten ebenfalls auf ihren Freund ein, eine Bestellung zu machen und Beide drohten mit ewigem Boykott, wenn er den Pitter ohne Auftrag laufen ließe. Der Wirt war einer von denen, die zerne die Reisenden etwas hinhalten, um möglichst großen Verzehr derselben zu erreichen und freute sich bereits heimlich darüber, daß seine Berechnung in dieser Richtung nicht falsch war, denn Pitter ließ bereits die vierte Runde kommen. Das schwere Geschütz, welches nun die beiden Freunde auffuhren, brachte schließlich den Wirt dazu, einen größeren Auftrag unter folgender Bedingung zu erteilen:„Er wolle mit dem Weinhändler eine Wette um 10 Flaschen Wein eingehen, daß dieser es nicht fertig bringe, Rotwein von Weißwein bei verbundenen Augen zu unterscheiden.“ Dem Pitter war sofort klar, daß der Wirt hierbei einen Trick anwenden würde, ging aber doch, um sicher zu einem Geschäft zu kommen, auf diese Wette ein und stellte ebenfalls eine Bedingung:„Der Wirt müsse in den Keller gehen, die zwei verschiedenen Flaschen heraufholen, diese vor seinen Augen entkorken und je ein Glas einschenken und nur diese Gläser dürften bei der Probe benutzt werden" Hierauf ging der Wirt ein und verschwand durch den Hausflur im Keller. Als er außer Hörweite war, sagte Gustav:„Du, Pitter, das ist verdammt schwer, das bringst Du so einfach nicht fertig; aber Du kannst die Wette gewinnen, wenn Du genau auf mich aufpaßt, denn wenn ich etwas spreche, dann ist es Rotwein und wenn ich das Maul halte, ist es Weißwein.“ Jetzt wußte der Pitter Bescheid, und vertrauensvoll sah er dieser eigenartigen Weinprobe entgegen.(Schluß folgt.) Bachen ist gesund Ueberraschende Wirkung Mutter:„Jeden Tag holst du dir einen postlagernden Brief ab. Die Sache führt ja doch zu nichts!“ Tochter:„So— meinst du? Diese Woche verlobe ich mich mit dem Schalterbeamten.“ Vater(ärgerlich über die unablässigen Fragen seines Jungen):„Du weißt doch, Peter, da, die Katze infolge ihrer Neugierde gestorben „Vater, was war das eigentlich, was die Katze wissen wollte?" D. Dr. Sehr glaubwürdig Zollbeamter:„Ach nee, fünf Dutzend seidene Damenhemden— hm!?“ „Ich bin Damen=Imitator, Herr Zollrat!“ Seite 6 Nr. 414(Abend=Ausgabe) Lokal=Anzeigen Deutscher Verein vom Heiligen Lande Bei Gelegenheit der Katholikenversammlung in Nürnberg traten am 28. August die Delegierten des Deutschen Vereins vom Hl. Lande unter dem Vorsitze des Generalsekretärs Jos. Schroeder(Köln) zusammen. Er sprach über das Thema:„Wie können wir die Liebe zum Hl. Lande, dem Schauplatze der Erlösungstaten Gottes, bei unserm Volke vermehren und immer meyr begeisterte Helfer und Förderer unserer Missionsbestrebungen in Palästina und im näheren Orient gewinnen? Eine überaus rege Aussprache der Beteiligten kam in Fluß und es wurden verschiedene sehr praktische und zeitgemäße Beschlüsse gefaßt. Am gleichen Tage fand dann die öffentliche Versammlung statt. Nach Ueberbringung des Willkommgrußes des Fürsten Franz zu Salm=Reifferscheidt und Ausführungen des Vorsitzenden über die Notwendigkeit der Ausbreitung des Deutschen Vereins vom Hl. Lande auch in Bayern begann der große Palästinafreund Prälat Beyer, Erzpriester in Berlin, mit seinem Vortrage. Der heurige Katholikentag, so führte er aus, steht unter dem Zeichen der hl. Elisabeth. Auch in ihr Herz ist das Wort Jerusalem gedrungen. Ihr Gemahl hatte das Kreuz genommen und gelobt, für das Hl. Land zu kämpfen. Da er noch zögerte, forderte sie selbst ihn auf, daß er hinausziehe. Sie brachte dieses schwerste Opfer ihres Lebens. Auch wir haben das Wort: Gott will es, so oft gehört. Es soll uns keine abgeklungene Redensart sein. Wie steht es heute mit der Freiheit des Kreuzes? Genug sind der Schwierigkeiten, die sich dem hl. Kreuze entgegenstellen. Wenn wir im Hl. Lande ankommen, finden wir eine ganz andere Kulturwelt. Mohammedaner, Araber und Juden bevölkern das Land, und unter sie sind die nur wenigen Christen zerstreut. Besonders schmerzlich berührt die Zerrissenheit des christlichen Bekenntnisses. Die Gesamtzahl der Christen beträgt 73.000, wovon 15 000 in Jerusalem leben. Nur 39 Prozent sind katholisch. Die Folge der Spaltung ist beständiger Streit um das Anrecht, in den Heiligtümern Gottesdienst zu halten. Bei solchen Zuständen ist es Gewissenspflicht, die Unionsbestrebungen des Hl. Vaters kräftig zu unterstützen. Unser Einfluß auf das Hl. Land ist schon geschichtlich begründet. So hatten sich zum Beispiel die Deutschen Orden die Aufgabe gestellt, für die Pilger zu sorgen und die hl. Stätten zu bewahren. Die deutschen Katholiken waren es, die in den letzten 75 Jahren Millionen für die kirchlichen Anstalten und Bestrebungen geopfert haben. Von deutscher Sorge für das Hl. Land zeugt z. B. das Paulushospiz für deutsche Pilger. Auf Sions Höhen steht die Benediktiner=Abtei Mariä Heimgang. Es ist deutsches Werk. Zu erwähnen wären noch die Erholungsstätten Emmaus und Tabgha am See Genesareth, die höhere Mädchenschule in Jerusalem und das Görresheim für deutsche Forscher. Diese Anstalten weiter auszubauen und zu schützen ist unsere Aufgabe. Wenn wir sie leisten, dann wird nicht nur unser deutsches Ansehen, sondern auch unsere Religion gefördert. Der Opfergeist der hl. Elisabeth möge auch uns beseelen, damit wir nach Kräften mitarbeiten an den Unionsbestrebungen des Hl. Vaters. Ein Lichtbildervortrag des P. Spargel C. M. über das Hl. Land bot den Zuhörern ein überaus plastisches Bild Palästinas, seiner Einwohner, ihrer Sitten und Gebräuche. Auch sein Vortrag gipfelte in der Aufforderung, dem Wunsche des Hl. Vaters entsprechend, durch Gebet und gute Werke nach Kräften dafür Donnerstag, 3. September 1931 Münzserie des vatikanischen Staates infolge der Nachfrage von Sammlern gus aller Welt, rasch, vergriffen war, hat man jetzt eine neue Serie herauszebracht, die das Bild des Heiligen Vaters, geschaffen von dem Bildhauer Mistruzzi, trägt. zu sorgen, daß im Hl. Lande der Gedanke der Wiedervereinigung immer mehr Anhänger finde. Reicher Beifall belohnte beide Redner. Katholikenabend in London Man schreibt uns: Der deutsche Katholizismus in England hat in der Nachkriegszeit wieder einen beachtlichen Anstieg genommen. Sein Mittelpunkt ist die in London unter der Leitung der Pallotiner Patres, im besonderen des Pater Rektor Schnitzler stehende Bonifazius=Pfarrei. Weiteren Kreisen ist es erinnerlia, daß Kardinal Dr. Schulte mit einem persönlichen Besuch sein Interesse an der Bonifazius=Pfarrei zum Ausdruck gebracht hat und bei diesem Anlaß herzliche Worte der Aufmunterung an die deutschen Katholiken in England gerichtet hat. In der Nachkriegszeit sind die Besucher katholischer Führer begreiflicherweise selten geworden. Es wurde deswegen in Londoner Kreisen sehr dankenswert empfunden, daß die Bonifazius=Pfarrei einen Katholikenabend veranstaltete, an dem Prälat, Professor Dr. Georg Schreiber, MdR., aus Münster, anläßlich eines Studienaufenthaltes in England zu einem großen Auditorium sprach. Der Redner verbreitete sich über die einzigartige Stellung, die das Auslanddeutschtum im Werdegang der deutschen Nation einnimmt, daß es nicht allein empfängt, sondern zugleich seinerseits richtungweisend gibt. Seine Ausführungen gipfelten in der Aufforderung, im Ausland zusammenzustehen und eine gemeinsame deutsche Kulturfront zu entwickeln, die das Deutschtum sammelt. die aber zugleich wertvolle Vermittlerdienste nach London und Liverpool, nach Oxford und Cambridge leistet. Die gleichzeitige Anwesenheit des Salzburger Universitätsprofessors Dr. Thomas Ohm machte diesen Abend zu einem Erlebnis für die deutschen Katholiken Englands, die gerade in dieser Zeit die Bedeutsamkeit ihrer Vermittlerrolle zwischen zwei Nationen empfinden. Dr. Fr. Heimgang einer hervorragenden Konvertitin Im Kloster der Armen Dienstmägde vom Kinde Jesu in der Nähe von Riga starb Ende Juli die Prinzessin Anastasia von Georgien. In jungen Jahren, als ihr eine glänzende Laufbahn offenstand, war sie als In der Nikolaikirche in Stralsund wurde vor einem Fensterbogen der südlichen Turmhalle ein neues wirkungsvolles Kriegerehrenmal eingeweiht, das von Prof. Schwegerle(München) geschaffen wurde und eine stilisierte Christusfigur in der Form eines freien Kreuzes darstellt. Pater Schulte und Ozeanflieger Köhl(rechts) vor der Uraufführung des Missions=Films Der„Fliegende Missionar", Pater Schulte, der die katholische Missionsarbeit im Ovamboland(Afrika) mittels modernster Hilfswerkzeuge, wie Motorboot, Auto und Flugzeug, durchführte und dadurch Tausende Menschen vor dem Hungertode rettete, wohnte jetzt der Uraufführung seines selbst gedrehten Afrikafilms in Berlin bei. Pater Schulte, der selbst in Afrika ein Flugzeug führte, wurde von dem ehemaligen Ozeanflieger Köhl begleitet. Tochter des kaiserlichen Gouverneurs von Wilna insgeheim katholisch geworden, wozu mehrere Besuche in Dresden, die ihr den Besuch der Hofkirche ermöglichten, beigetragen hatten. Der Uebertritt war in jener Zeit nicht nur gleichbedeutend mit der kaiserlichen Ungnade, sondern er konnte für die daran Beteiligten und besonders natürlich für den die Aufnahme vollziehenden katholischen Priester Verbannung nach Sibirien bedeuten. Durch die Revolution verlor die Prinzessin nicht nur Rang und Stellung sondern auch Vermögen und jegliche Unterhaltungsmittel. Ihre reiche Bildung ermöglichte ihr seither, in Düraburg als Lehrerin zu wirken und ihr Leben zu fristen. Daneben wirkte sie besonders als Religionslehrerin, hielt sogar infolge des großen Priestermangels mit bischöflicher Genehmigung Exerzitien und betätigte sich, wo immer sie konnte, karitativ. Ihren Bemühungen ist es.a. zu danken, daß wieder Ordensniederlassungen in Lettland entstanden, darunter eine solche der bayrischen Kapuziner. In den letzten Jahren war die Arme noch dazu halbseitig gelähmt und teilte ihre kärgliche Pension mit einer verarmten russischen Gräfin, der es gelungen war, die Sowjetgrenze zu überschreiten. F. R. von Lama. Die katholischen Aerzte Amerikas organisieren sich New York, August. An der Universität Fordham fand die erste Versammlung eines neugegründeten Vereins katholischer Aerzte statt, der in einer Resolution die Geburtenverhinderung als ungesund und unmoralisch verurteilt und in einer weiteren Entschließung es als wünschenswert erklärt. im ganzen Lande ein Netz von katholischen Aerztevereinigungen zu schafsen.(Kipa.) Personalchronik der Erzdiözese Köln Pfarrer und Definitor Leonard Zarth an St. Ludgerus in Essen=Rüttenscheid, wurde zum Dechanten des Dekanates Essen=Neustadt ernannt. Ferner wurden ernannt: Aretz Karl, Rektor in Flandersbach, zum Pfarrer in Königshoven, Dek Bedburg; Cürten Heinrich, Kaplan an St. Joseph in Essen=Katernberg, zum 3. Kaplan an St. Bonifatius in Köln=Nippes; Fischer Guido, Kaplan an St. Marien in Köln=Kalk, zum 2. Kaplan an St. in Oberhausen=Styrum; Hahn Hermann, Kaplan an Herz=Jesu in Euskirchen, zum Rektor in Steinenbrück, Pfarre Overath; Langenberg Franz, Kaplan an St. Antonius in Essen=Frohnhausen, zum 1. Kaplan an Kt. Marien in Köln=Kalk; Ostwald Karl, Kaplan in Lengsdorf, zum Hausgeistlichen in der Heilstätte zu Rosbach; Proháska Adolph, bisher in Wien zum 2. Kaplan an St. Mariä Geburt in Essen=Holsterhausen; Puhl Johannes, Kaplan an St. Mariä Empfängnis in Essen=Holsterhausen, zum 2. Kaplan an St. Drei=Königen in Neuß; Schlicher Joseph, Dr. phil., Kaplan in Pingsdorf, zum Kaplan an St. Kolumba in Köln; Schulten Anton bisher zur Aushilfe in Bonn=Kessenich, zum 2. Kaplan an St. Barbara in Köln=Ehrenfeld; Storz Hermann, Kaplan an St. Drei=Königen in Neuß, zum Kaplan in Alfter; Wolter Emmerich, Kaplan an St. Laurentius in Wuppertal=Elberfeld, zum Kaplan an St. Dreifaltigkeit in Düsseldorf; Wolters Josef, Kaplan an St Aposteln in Köln Kaplan an St. Laurentiuz in WuppertalElberfeld: Bartsch Johannes, Kaplan an St. Mariä Empfängnis in Essen=Karnap, zum Kaplan in Düssel, Dek, Mettmann; Booke Anton, Kaplan in Duisburg=Buchholz, zum Kaplan an St. Katharina in Düsseldorf=Vennhausen; Jaegers Robert, Kaplan Katharina in Düsseldorf=Vennhausen, zum Kaplan an St. Peter in Köln: Löhr Hubert Kaplan in Düssel, zum Kaplan in Duisburg=Buchholz; Westermann Heinrich, Kaplan an St. Suitberin Solingen, zum Kaplan an St Vitalis in Köln=Müngersdorf: Cardaun Joseph, Vizepräses des Kölner Gesellenvereins, zum Sekretär der Exerz tienorganisation und Subsidiar an St. Kunibert in Köln; Palm Julius. Rektor in Geislar, zum Pfarrer in Stieldorf, Dek. Beuel. Kaplan Dr. phil. Nikolaus Mund an St. Marien in Bonn ist zur Uebernahme der Stelle eines Diözesanpräses der Jugend- und Jungmännervereine für das Bistum Aachen beurlaubt, Aus dem Film„Die hl. Elisabeth“: Die Heilige mit den Kindern In diesem Jahre wird überall in Deutschland der 700. Todestag der heiligen Elisabeth LehäFammen Landgräffn, von, Thüringen, gefeiert, die am 19. November 1231 nach streng e ketischem nur der Wohlfahrt der Armen gewidmeten Leben siarb. asAmerikanische Studentengruppe bezieht die Münchener Universität Eine Gruppe amerikanischer Studenten, die ein Jahr lang in München studieren will. ist mit Hapagdampfer„Deutschland“ in Kuxhaven eingetroffen.(Hapag.) Donnerstag, 3. September 1931 Lokal=Anzeiger (Abend=Ausgabe) Nr. 414 Seite 3 Zur Ethik der politischen Koalition Im politischen Meinungskampf der letzten Jahre richteten sich häufig ernste Bedenken gegen die politische Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Sozialdemokratie. Die erhobenen Vorwürfe richten sich nicht nur gegen die Opportunität von Einzelmaßnahmen, die aktuellen politischen Aufgaben dienen sollen, sondern betreffen vielfach die grundsätzliche Zulässigkeit einer solchen politischen Arbeitsgemeinschaft überhaupt. Nachstehend drucken wir mit Erlaubnis der Hauptschriftleitung einen Artikel aus den Stimmen der Zeit(Augustheft 1931) ab, in dem sich Pater F. T. Kother S. J. unter moral=theologischen Gesichtspunkten mit der grundsätzlichen Seite dieser Frage befaßt. Die Schriftleitung. Eine politische Gruppe von Männern, die sich mit Stolz Verteidiger der katholischen Kirche nennen, arbeitet in Koalition mit einer Gruppe, die den Marxismus auf ihre Fahne schreibt und die in ihrer Kinderfreunde=Bewegung eine Erziehung ohne Gott, ohne Cchristus, ohne Glauben, ohne Kirche erstrebt. Verbindet sich da nicht der Glaube mit dem Unglauben, die Religion mit dem Atheismus, das Christentum mit dem Heidentum, der Katholizismus mit dem Marxismus? Ist das nicht geradezu ein Verrat am Christentum? Wenn Abgeordnete, hinter denen Millionen katholischer Wähler stehen, seit Jahren regelmäßig Verrat an christlichen Grundsätzen übten, so wäre es schon längst die Pflicht der bischöflichen Oberhirten gewesen, das katholische Volk zu warnen, ja sogar die Mitwirkung an einem solchen Verrat zu verbieten, wie das ja gegenüber anderen Richtungen, soweit sie glaubensfeindliche Grundsätze vertreten, bis in die letzte Zeit hinein geschehen ist. Wie kommt es denn nun, daß trotz der Entschiedenheit, mit der die Kirche den Glaubensgefahren begegnet, die berufenen Führer der Kirche einerseits zwar dem marxistischen Unglauben den schärfsten geistigen Kampf ansagen, anderseits aber vor der so sehr angegriffenen Koalition überhaupt nicht gewarnt haben? Das müßte jeden Ankläger doch stutzig machen, es sei denn, daß er kirchlicher sein will als die Kirche, katholischer als die Bischöfe, päpstlicher als der Papst! Bedeutet jedes Zusammengehen zu gemeinsamen Zielen ohne weiteres eine Gesinnungsgemeinschaft? Keineswegs. Wenn ein Schiff seine flehenden SOS=Rufe über den Ozean sendet. fragt keiner, zu welcher Weltanschauung sich die Kapitäne der zu Hilfe eilenden Schiffe bekennen. Wer ehrlich mithilft, unser Staatsschiff vor dem Untergang zu retten, der ist willkommen. Abmachungen, Abgrenzungen des gemeinsamen Rettungswerkes, praktische Richtlinien zur Zusammenarbeit sind da unvermeidlich.— Wenn sich bei der Bearbeitung zweier aneinanderstoßender Aecker Grenzschwierigkeiten ergeben, verständigen sich vernünftigerweise die Nachbarn in gegenseitiger Besprechung, ganz gleich, ob der eine ein gläubiger Katholik, der andere ein Gottesleugner ist. Aus dieser Selbstverständlichkeit heraus versteht sich das Wort unseres Papstes, wenn es für die Rettung einer Seele nötig wäre, würde er bereit sein, mit dem Teufel in Person zu verhandeln. Die Koalition mit der Partei einer andern Weltanschauung bedeutet demnach kein Preisgeben der eigenen Grundsätze, keine Anerkennung der andern Weltanschauung und keine Absicht, diese andere Weltanschauung zu fördern, sondern es handelt sich nur um das durch die Not geforderte praktische Zusammengehen in den gemeinsamen Aufgaben der Politik, solange die Grundsätze der eigenen Weltanschauung nicht angerührt werden. Deshalb ist eine solche Koalition in sich nicht unerlaubt. In der Enzyklika„Singulari quadam“ vom 24. September 1912 sagt Papst PiusX. ausdrücklich, die Katholiken hätten,„wo immer es sich um die Erreichung eines sittlich erlaubten Vorteils handelt“, durchaus„das Recht",„sich mit Nichtkatholiken unter entsprechenden Vorsichtsmaßregeln zur Arbeit für das gemeinsame Wohl zu verbünden“.(Acta Apostolicae Sedis IV 659.). Unrichtig wäre die Schlußfolgerung, dann sei ohne weiteres die Mitgliedschaft in einer Partei erlaubt, mit der eine Koalition erlaubt sei. Der Unterschied ist der: Das Mitglied einer Partei bekennt sich zum Programm und zu den Grundsätzen der Partei. Die Koalitionspartei aber bekennt sich weder zum Programm noch zu den Grundsätzen der andern Partei. Deshalb kann Koalition mit einer bestimmten Partei erlaubt sein, Mitgliedschaft unerlaubt. Aber wenn auch eine Koalition in sich einwandfrei ist, so erhebt sich doch die Frage, ob sie etwa wegen der Folgen unerlaubt ist. Schwer läßt sich ja vermeiden, daß die andere Partei durch die Koalition irgendwie in ihrer Marcht gestärkt wird. So träte also mit der Stärkung einer andern Weltanschauung eine Folge ein, die wir vom Boden unseres Glaubens aus nicht billigen dürfen, die wir sogar bekämpfen müssen.— Ganz abgesehen von der Tatsachenfrage, ob die politische Koalition zwischen Katholiken und Sozialdemokraten die sozialistische Weltanschauung wirklich stärkt, liegt in diesem Gedankengang eine grundsätzliche Unklarheit. Ein sittlich guter Zweck kann nie und nimmer ein schlechtes Mittel heiligen, d. h. sittlich gut und erlaubt machen. Eine ganz andere Frage aber ist es, ob ich eine Handlung bloß deshalb unterlassen muß, weil sie neben den guten auch schlechte Wirkungen hervorbringt. sehe voraus: aus einer Handlung fließen gleich unmittelbar zwei verschiedene Wirkungen, eine gute und eine schlechte, die gute ist beabsichtigt, die schlechte nicht— bin ich dann verpflichtet, wegen der vorausgesehenen schlechten Wirkung auf die ganze Handlung und somit auch auf ihre guten Wirkungen zu verzichten? Der Erfinder der Buchdruckerkunst sieht voraus, daß aus seiner Erfindung einerseits die herrlichsten, anderseits die verheerendsten Wirkungen folgen werden, die Verbreitung ebensowohl guter wie schlechter Ideen. Muß er um der schlimmen Wirkungen willen auf die guten Wirkungen verzichten und seine Erfindung der Menschheit vorenthalten? Nein. Die Lehre der katholischen Moral besagt:„Indirekt gewollt ist, was nicht als direktes Mittel und nicht um seiner selbst willen beabsichtigt, sondern an sich nicht gewollt und nur wegen des unlösbaren Zusammenhanges mit dem angestrebten Ziel zugelassen und insofern mitgewollt ist (volunfarium indirectum sive in causal. Es fragt sich, wann eine solche üble Folge zugelassen werden darf. Ein und derselbe Akt kann zwei Wirkungen haben, wovon nur die eine intendiert wird, die andere aber wider die Absicht eintritt; die direkte Absicht ist sittlich entscheidend; gleichwohl darf die üble Folge nicht zugelassen, die betreffende Handlung nicht vollzogen werden, wenn keine entsprechend wichtigen Gründe vorhanden sind; bei entsprechend wichtigen kompensierenden Gründen dagegen ist die in sich nicht verwerfliche Handlung einwandfrei, wenn nur die unmittelbar intendierte Wirkung von der nicht beabsichtigten üblichen Folge verschieden ist; natürlich hat man der üblen Folge nach Möglichkeit vorzubeugen“(Schilling, Lehrbuch der Moraltheologie, Nr. 46, 36).„Das als unmittelbare Folge intendierte Gut oder der unmittelbar abzuwehrende Schaden muß um so bedeutender sein, je schlimmer die Folge ist, je enger sie mit der betreffenden Handlung zusammenhängt, je wahrscheinlicher sie eintritt, und je bestimmter das vorausgesehene Uebel sonst nicht einträte, je schwächer der Rechtstitel ist, worauf der Handelnde sich berufen kann“(ebd. Nr. 109, 3b). Unter vier Bedingungen also darf die schlechte Wirkung einer Handlung mit in Kauf genommen werden: 1. Die Handlung darf nicht mit dem Sittengesetz in Widerspruch stehen. 2. Sie muß eine gute Wirkung wenigstens ebenso unmittelbar haben wie eine schlechte. 3. Der Handelnde muß einen sittlich guten Zweck verfolgen. 4. Er muß einen Grund haben, der nach allen Seiten hin wichtig genug ist, um die Zulassung der schlechten Wirkung zu rechtfertigen. Wenden wir diese Grundsätze auf unsere Frage unter der Voraussetzung an, daß die Koalition günstige Folgen für eine von der Kirche mißbilligte Weltanschauung hätte. 1. Die Koalition mit einer Partei anderer Weltanschauung steht in sich nicht in Widerspruch mit dem Sittengesetz. 2. Aus der Koalition ergibt sich der gute Erfolg(die unbedingt notwendige Aufbauarbeit) und der schlechte Erfolg(eine gewisse Kräftigung der gegnerischen Weltanschauung). Diese beiden Folgen ergeben sich gleich unmittelbar. 3. Der Zweck der Koalition ist sittlich gut: die Rettung des Staates. 4. Das zugelassene Uebel, die Stärkung der gegnerischen Weltanschauung, wird durch die erstrebten Güter genügend kompensiert, weil der Verzicht auf ruhige Aufbauarbeit schließlich das physische, sittliche und religiöse Chaos unseres Volkes bedeuten, also gegnerische Weltanschauungen, noch weit mehr stärken würde. Wenn ich sehe, daß jemand einen Wagen zu sehr nach links lenken will, deshalb ausspringe, auch in die Zügel greife, um sie an entscheidenden Punkten nach der anderen Seite zu reißen, so sitze ich zwar mit dem anderen zusammen und halte mit ihm die Zügel, aber nicht um seine, sondern um meine Absichten nach Möglichkeit zu verwirklichen und den Wagen vor dem Abgleiten zu bewahren. (Schluß folgt.) Türme gegen Mücken Kampfmittel gegen die Insektenplage Von Klaus Feldewert. Der Kampf gegen die Insekten nimmt neuerdings Ausmaße und Formen an, die man als grandios bezeichnen muß und die— anders als der Giftkrieg aus dem Flugzeug und die sonstigen modernen Methoden— oftmals geradezu romantisches Gepräge tragen. Da ragt aus dem Hengsteysee, jener idyllisch gelegenen Talsperre im Sauerlande, ein malerischer Turm empor, den die Schauer längst vergangener, schicksalsschwerer Tage zu umwittern scheinen. Man denkt an das Chateau Chillon, in dem so viele Gefangene schmachten mußten, oder an den Binger Mäuseturm, an den sich eine schauerliche Rheinsage knüpft. Und wenn der Abend herabsinkt, beginnt graues Gefieder den Turm im Hengsteysee zu umkreisen, den Raben gleich, die den Kyffhäuser umflattern. Hier sind es jedoch Fledermäuse, von abergläubischen Leuten gefürchtet, von dem Naturfreunde aber als eifrige Mückenjäger hochgeschätzt. Hat man doch— nach der Frankfurter Wochenschrift Die Umschau— festgestellt, daß ein einziges dieser Nachttiere täglich über 500 Insekten verzehrt. Und nicht um einen zerfallenden mittelalterlichen Festungsturm handelt es sich, sondern um den Rest eines Stallgebäudes, den man beim Aufstauen des Sees absichtlich stehen ließ, weil man eben jenen Insektenvertilgern eine geräumige Zuflucht bieten wollte. Man hat es also mit einem durchaus neuzeitlichen Kampfmittel gegen die Mückenplage zu tun. Deutschland besitzt gegenwärtig zwei Bauwerke dieser Art, den Turm im Hengsteysee und den der Vogelwarte Napperwört bei Karlsruhe. Im badischen Lande haben die Fledermäuse allerdings keinen so romantischen Unterschlupf gefungen wie auf der roten Erde. Dagegen ist in praktischer Hinsicht bestens für sie gesorgt worden. Sie haben dort nämlich den alten Schornstein eines Ziegeleiofens bezogen. Man hat darin Fenster eingebaut und den mit dem Turm in Verbindung stehenden Feuerraum zur Ueberwinterung eingerichtet und mit Gebälk versehen. Wer da weiß, in welch schlimmer Weise das Rheintal dort durch blutgierige Steckmücken geSchreibstube„HOTAA“ Gemeinnützige Einrichtung der Notgemeinschaft der älteren Angestellten, Kaufleute und Arbeiter geistiger Berufe E.., Kreisgruppe Köln. Rothgerberbach 48, Tel. 217826, Postscheckkonto Köln 8877 erledigt gewissenhaft und preiswert alle Arbeiten wie: Adressenschreiben, Abschriften, Vervielfältigungen. Sammeln von Spezialadressen, Werbearbeiten bis zur Postauflieferung, Propagandaverteitung, Diktate, Uebersetzungen, Bücherbeitragen, Bücherrevisionen, Aufstellung von Bilanzen, Hausverwaltungen. Frachtenkontrolle, Anfertigung von Entwürfen und Zeichnungen sowie jede Art von Aufsichts- und Kontrolldiensten Baustelle 1 Paar dreizöllige Karrenräder, 1 Paar 21gzoll. Wagenräder, 1,10 m hoch a; Wagenräder mit Achsen, Federn, Vordergestell u. 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Wer ihre Hilfe braucht, hänge im Herbst Nesthöhlen auf und bringe darin im Winter jeweils ein Paar unter, das gerade den Winterschlaf hält. Die„unverwundbaren“ Räuber Was die chinesischen Generale in dem unglücklichen Reich der Mitte ungeschoren lassen, das wird von unzähligen Räuberbanden zielbewußt ausgeplündert. So hielt auch seit Monaten die gefürchtete Bande der„Großen Messer“, die ganz Provinz Fukien durch ihre Gewalttaten und abergläubigen Drohungen in Furcht und Schrecken. Tausende von Bauern glaubten in ihrer Einfalt fest an die Unverwundbarkeit der Mitglieder der Bande, die kugelfest zu sein behaupteten. Ihr Hauptmann hatte ein großes Lexikon von Beschwörungsformeln zusammengestellt, denen die Zauberkraft innewohnen sollte, Gewehrkugeln im Fluge aufzuhalten, und seine Bande erfreute sich infolgedessen starken Zustroms verwegener Gesellen, die den Wunsch hegten, ein ungefährliches Räuberleben zu führen. Weit entfernt, sich die Räuberwerbung Geld kosten zu lassen, ließ sich der kluge Räuberhauptmann angesichts des starken Angebots von Rekruten von jedem Neuling eine Aufnahmegebühr von 70 Mark zahlen. Der Glaube an die kugelbannende Zauberkraft dieser Beschwörungsformeln war so groß, daß sich selbst die eingesetzten regulären Truppen weigerten, gegen die Bande zu kämpfen, und sie sahen sich von nicht wenigen ihrer Offiziere in dieser militärischen Gehorsamsverweigerung noch nachdrücklich unterstützt. Unter solchen Umständen konnten die Räuber ihre Brandschatzung der Dörfer unbehindert fortsetzen und in der ganzen Provinz nach Gefallen Steuern eintreiben. Erst in den letzten Tagen wurde der festwurzelnde Aberglaube an die Unverletzlichkeit der Bande des„Großen Messers" durch einen hohen Regierungsbeamten zerstört, der sich erbot, den verängstigten Opfern der Räuber den praktischen Beweis von deren Sterblichkeit zu erbringen. Nicht ohne Schwierigkeiten brachte er ein kleines Aufgebot von Freiwilligen zusammen, mit denen er gegen die Bande der„Großen Messer“ vorging. Der Angriff wurde so energisch durchgeführt, und die Feuerwirkung war so treffsicher, daß die tausend Köpfe starke Bande fast vollständig aufgerieben wurde. Es verlautet, daß nur fünfzig Banditen mit dem Leben davon gekommen seien. Warum die Seereise gesund ist Seereisen bedeuten nicht nur eine einfache Ausspannung, sie lassen sich vielmehr zu einer sehr erfolgreichen Erholungszeit ausgestalten, ja bei Rekonvaleszenten als wirklicher Behandlungs= und Heilungsfaktor ausnutzen. Der reichliche Aufenthalt in der frischen Luft führt zu einem starken Wärmeverlust an die bewegte Atmosphäre, zur Abgabe von Kalorien, die der Körper bestrebt ist, wieder zu ersetzen; so erklärt sich der gesteigerte Appetit an und auf der See. Der Stoffwechsel der Reisenden ändert sich aber auch noch deswegen, weil die Wasseraufnahme und Wasserabgabe des Körpers sich naturgemäß dem Feuchtigkeitsgrade, dem Salzgehalt und der Durchsonnung anpaßt. Die Funktionen der Haut und der Schleimhäute, der Blutbewegung und die aller inneren Organe werden auf der Seereise stärker und wechselnder in Anspruch genommen als zu Hause. Sie werden trainiert, wodurch sich ihre Leistungsfähigkeit hebt. Dr. W. H. preußisch=Südd.=Staatslotterie 2. 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September 1931 Edward A. Filene, der amerikanische Warenhauskönig und Philantrop, ist in Berlin eingetroffen. Filene, der viele wohltätige Stiftungen gemacht hat, ist einer der eifrigsten Verfechter des internationalen Pazifismus. Der Generaldirektor Jeppel der Devaheim, deren Zusammenbruch so großes Aufsehen erregte, mußte infolge schwerer Gesundheitsstörungen aus der Haft entlassen werden. Die Berliner Börse Vor der Haager Entscheidung über die Zollunion der Vertreter der deutschen Interesen. Blick auf die Bauarbeiten der Obertalsperre von Bad Lautenberg(Harz). Oben: Lagekarte der schon vollendeten Sösetalsperre und der neuen Lautenberger Sperre. Diese neue Talsperre wird neben der Wasser tigung. regulierung der Oder und Leine auch der Erzeugung von elektrischer Energie dienen. Die Bauzeit wird auf 2½ Jahre bemessen, 1000 Notstandsarbeiter finden für diese Zeit BeschäfWolfgang von Gronau hat seinen Etappenflug Europa—Grönland Kanada—USA, der der Erforschung der Ror für eine künftige regelmäßige Verbindungd beiden Kontinente dienen soll, mit der La dung auf dem Michigansee bei Chicago glü lich beendet. Nach den neuesten Statistiken gibt es 189 verschiedene Todesarten. * Unter den goldproduzierenden Ländern steht Kanada heute an zweiter Stelle. Als sie noch Freunde waren. Adolf Hitler und der braunschweigische Innenminister Franzen bei einer SA.=Parade in Braunschweig Dr. Franzen hat jetzt seinen Austritt aus der Partei erklärt. Malcolm MacDonald, Abgeordneter des Unterhauses, seit den letzten Wahlen, soll von seinem Vater, Ministerpräsident Ramsay MacDonald in das neue Kabinett als Minister aufgenommen werden.(??) Tako Inouye, die Sekretärin eines hohen buddhistischen Priesters, wurde zur japanischen Schönheitskönigin gekrönt und erhielt den Titel„Miß Nippon“. Der polnische Sejmabgeordnete Taddäus Holowko wurde während seines Aufenthaltes in einem ostgalizischen Badeort von bisher noch unbekannten Tätern durch Revolverschüsse getötet. Die Ueberschwemmung in China Dämme aus Sandsäcken werden in den Straßen Hankaus errichtet. HANNOVER Baron Louis Rothschild, der Leiter der zusammengebrochenen Amstelbank, bei der mehrere hervorragende deutsche Künstler, darunter Pallenberg, Janninas und Lotte Lehmann ihre gesamten Ersparnisse deponiert hatten, die nun zum allergrößten Teil verloren sind. +Tals perren BRAUNSCHWEIG □ OHII OESHEIN GOSLAR * 0 6. WERNIGERODE □ OSTERODE BAD LAUTENBERG Donnerstag, 3. September 1931 Lokal=Anzeiger (Abend=Ausgabe) Nr. 414 Seite 7 Das Orgelpferd Es heißt Ella. Unlängst wurde es sechzehn Jahre alt. In diesen Jahren hat es viel mitgemacht. Man sieht es ihm an. So sieht einer aus, der immer gearbeitet, immer gehofft hat und um vieles im Leben betrogen wurde. Ella hatte auch einmal gehofft, einen schönen, ruhigen Lebensabend zu haben. Aber auch um diese Hoffnung wurde es am Ende noch betrogen. Früher ging Ella in einem Milchwagen. Da war um Mittag Feierabend und am Nachmittag eine kleine Spazierfahrt, die aber für Ella ein Vergnügen war. Zu dieser Zeit sah Ella noch zufrieden und gut aus. Aber eines Tages fuhr ein Auto in den Hof. Und eines anderen Tages kam ein Mann und holte Ella fort. Es war früher schon geschehen, daß sich ein Nachbar das Pferd für einige Stunden auslieh. Als es aber Abend wurde, führte man Ella in einen anderen, fremden, Stall. Da stand das Pferd nun und starrte mit verlorenem Blick in das Dunkel. Es konnte nicht begreifen, wie eine solche Wandlung möglich sei. Am Morgen, kaum daß das Pferd sich in seiner neuen Behausung, die jetzt vom Licht des Tages matt erhellt war, umgesehen hatte, kam ein Mann, führte es auf den schmalen schmutzigen Hof und spannte es in einen alten, baufälligen Wagen, auf dem eine große Orgel stand. Ella zog von Straße zu Straße und hörte nichts anderes, als Musik. Zuerst wurde es unruhig. Aber auch ein Pferd kann sich umstellen. Später wurde Ella unruhig, wenn die Orgel einen Augenblick aussetzte. Ein Großes vermißte Ella in seinem neuen Leben. Sonst, als es noch im Milchwagen ging, reichte man ihm hier und da ein Stück Brot heraus. Auf das ungepflegte Orgelpferd achteten sie nicht. Das mochte noch so viel auf die Fenster und Türen schielen; es kam keine Scheibe Brot! Die Menschen sahen auch nicht, daß der Schmerz sich tief in die Augen des Pferdes senkte.— Heute hat Ella schon fast vergessen, daß man ihm irgendwo Brot heraus reichte. Es schaut kaum noch zu den Türen und Fenstern hin. Der Mann, der auf dem Wagen steht, dreht den ganzen Tag das Rad. Und dann schallt es durch die Straßen:„Die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht!“— Wir Menschen wissen das. Aber dem Pferd sollte man es manchmal durch eine Scheibe Brot begreiflich machen.—— J. B. 12 Karpfen Man schreibt uns: Am Mittwochnachmittag beobachtete ein Spaziergänger, wie einige Burschen auf der Brücke des Kanalweihers in der Nähe des Aachener Tores eine Leine, die vermutlich einige Zeit vorher in dem Gestänge des Gitters befestigt wurde, einzogen, woran ein bereits verendeter schwerer Karpfen hing. Durch den Erfolg bekräftigt, gingen die Burschen systematisch vor und angelten in kurzer Zeit 12 Karvfen, die sie in mitgebrachten Aktentaschen verstauten und mit ihren Rädern fortschafften. Nach einiger Zeit wurden die Burschen an einer anderen Stelle gesehen, wo sie ruhig ihre Arbeit fortsetzten. Diesesmal hatten die Spitzbuben Aufpasser aufgestellt, um bei eventueller Gefahr Warnungszeichen zu geben. Es ist bedauerlich, daß die Zuschauer nicht eingriffen, sondern Beifall zollten, als wiederum ein Karpfen dem nassen Element entrissen wurde. Ein polizeilicher Eingriff ist unbedingt erforderlich, damit diesen Leuten endlich einmal das Handwerk gelegt wird. Der Kölner pferdemarkt für den Monat September fand am 2. d. M. in den Anlagen des Schlacht= und Viehhofes statt. Es wurden im ganzen 308 Tiere aufgetrieben, und zwar: 256 Arbeitspferde, 45 Geschäftswagenpferde, 4 Maultiere, 3 Esel; ferner 22 Fahrzeuge. Der Geschäftsgang war ruhig. Der nächste Pferdemarkt ist am Mittwoch, den 7. Oktober. Zehn Verkehrsunfälle Vom Mittwoch sind zehn Verkehrsunfälle gemeldet, an denen vier Motorradfahrer beteiligt waren. Vier Personen wurden leicht verletzt. In den übrigen Fällen entstand lediglich Sachschaden. 72jährige sitzt fest im Sattel Therese Renz beim Morgentraining im Zirkus Hagenbeck (Photo: Neuhof.) Ist es der gute Ruf, der Frau Therese Renz, Schulreiterin im Zirkus Hagenbeck, gleich am ersten Abend des Auftritts die starke Sympathie des Publikum zuteil werden ließ? Oder ist es für den Großteil der Zuschauer nicht einfach die Anerkennung für ein gebotenes Erlebnis? Den längsten Beifall des Abends erhält die Dame im Pferdesattel. Das ist erstaunlich, denn es ist nichts Nervenprickelndes und Aufpeitschendes, was sich dem Auge der Menge bietet, dem für solche Vorführungen nicht mehr mit Erwartung und Kennerblick entgegensehenden Auge einer heute andersgerichteten Welt. Diese Welt kennt heute anderes als die graziösen Tanzschritte eines gepflegten Reitpferdes und die stolze Kopfneigung der Reiterin. Bei Therese Renz aber klatscht man begeisterten Beifall. Diese Menge, die schon viele Reiter in den Zirkussen sah, ist überrascht und hat ehrliche Freude an dem glänzenden Können der alten Dame und der Art, wie sie das lebhafte Tier jederzeit beherrscht. Und der Beifall ist durchaus keine freundliche Geste an das Alter, denn dieses Alter— das ist das bewundernswerte an der ganzen Sache— ist für die Zuschauer nicht vorhanden. Erst der Ansager klärt das Publikum dahin auf, daß die Dame, die mit jugendlicher Spannkraft die Zügel führt, das 70. Lebensjahr um einiges überschritten hat. Da gibt man der Anerkennung noch stärkeren Ausdruck, und die lächelnde Reiterin wird der Zugaben nicht müde. So tänzelt das Bild einer vergangenen Zeit, der Epoche, da Therese Renz noch die Prinzen an den Fürstenhöfen reiten lehrte, an uns vorüber, lächelt ruhig und stolz in langem, engschließendem Reitkleid und beugt graziös das Haupt mit dem schwarzen Zylinder, wenn das Reittier auf leisen Druck hin in die Knie sinkt. Reiterin und Pferd sind miteinander verwachsen und geben in allen Bewegungen ein Bild gepflegter Harmonie. Die Jugend„futtert“ Ein Ferienspiel-Idyll im Königsforst Die Ferienspiele sind eine segensreiche und notwendige Einrichtung der Nachkriegszeit. Jedermann weiß, was damit gemeint ist: Während der„Großen Ferien“ werden die Kinder, denen ein Aufenthalt außerhalb ihres Wohnortes nicht möglich ist, zu gemeinsamen Spielen und Wanderungen gesammelt; so gibt man ihnen ebenfalls Abwechslung und die Möglichkeit einer Erholung an Leib und Seele. Seitens der Stadtverwaltung werden Geldmittel zur Bestreitung der notwendigsten Unkosten zur Verfügung gestellt. Wenn diese Geldmittel zur Deckung der Unkosten nicht ausreichen, so finden sich immer noch hilfsbereite, edeldenkende Menschen, die diese gute Sache unterstützen. Die Leitung der Ferienspiele liegt meistens in den Händen der Elternbeiräte. Da gibt es Wanderungen und Spiele, meist mehrerer Klassen eines Schulsystems, wobei die Kinder eine Stärkung(Kakao, Milch, Brötchen oder dergl.) erhalten. Die mit Recht beliebten Karamellen fehlen bei diesen Anlässen selten. Und wie beliebt die Ferienspiele sind, das beweist die überaus große Beteiligung. Der Elternbeirat der katholischen Volksschule Mauenheim schreibt uns über eine besonders gut gelungene Wanderung: Wochenlanger Regen fesselte die Kinder, die sich so sehr auf die Ferienspiele gefreut hatten, um Erholung und Ausspannung zu suchen, an das Zimmer. Die Ferienspiele mußten deshalb zum größten Teil ausfallen oder in bedachten Räumen abgehalten werden. Helle Freude aber leuchtet aus den Augen der Kleinen, als sie dann ein Sonderzug der städtischen Bahnen in den nahen Königsforst brachte. Die Fahrt ging bis Brück, von dort, nachdem unterwegs das Frühstück eingenommen war, nach der herrlich im Walde gelegenen ErkerMühle. Der Inhaber dieses schönen Waldrestaurants hatte seine herrlichen Anlagen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Gegen Mittag wurden die Kinder mit einer kräftigen Erbsensuppe, die Metzgermeister M. gekocht hatte und in der auch eine Riesenwurst nicht fehlte, gespeist. Nach der Mahlzeit ging es mit Sang und Klang bei herrlichstem Sonnenschein bis zur Drei=Kaiser=Eiche. Dort kam die Spielfreude zu ihrem Recht und weitere Erfrischungen fehlten nicht. Für die Heranschaffung der„Stärkungsmittel“ sorgte Milchhändler F. mit seinem Autowagen. Ein Sonderzug brachte die Teilnehmer wieder nach Mauenheim. Allen wird dieser Ausflug noch lange in Erinnerung bleiben. Und allen Mitbürgern, denen die herrlichen Wälder in der Umgebung unserer Vaterstadt wenig oder gar nicht bekannt sind, sei gesagt, daß sich die Ferien bei Vermeidung besonderer Unkosten auch schön und angenehm in Köln verleben lassen. Nazi— Kozi Die übliche Schlägerei In der Nacht zum 3. September gegen 2 Uhr kam es zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten im Riehler Tal zu einer Schlägerei, in deren Verlauf drei Nationalsozialisten Schlagverletzungen erlitten. Durch die einschreitenden Polizeibeamten wurden sie dem Vinzenzkrankenhaus in Köln=Nippes zugeführt und nach Anlegung eines Notverbandes wieder entlassen. Die Ermittelungen nach den Tätern sind eingeleitet. Er sprang aus der fahrenden Autodroschke Ein Mann benutzte, ohne im Besitze von Barmitteln zu sein, eine Autodroschke. Als der Fahrer ihn wegen Betrugs zur nächsten Polizeiwache bringen wollte, sprang er aus der fahrenden Droschke. Er verletzte sich dabei so schwer, daß er zum Hospital geschafft werden mußte. Merkwürdiger Kaffee Gestern gegen 16 Uhr suchte ein Kellner in einem Kölner Hospital Aufnahme. Er vermutet, nach dem Genuß von vergiftetem Kaffee erkrankt zu sein. Er spricht den Verdacht aus, daß seine Frau ihn vergiften wolle, da sie ein Verhältnis mit einem anderen Manne habe. Nach Angabe des behandelnden Arztes fehlen die Symptome einer Vergiftung. Der Rest des Kaffees ist zur weiteren Feststellung beschlagnahmt. Butter und Schnaps Auf dem Eigelstein wurde von einem Führwerk ein 56 Kilogramm schweres Faß Butter gestohlen. Auf dem Blaubach wurde von einem Lieferkraftwagen eine Korbflasche mit 25 Liter Korn entwendet. Eine Frauensperson, die einem Herrn eine silberne Armbanduhr entwendet hatte, wurde festgenommen. 7 Autos gestohlen, 3 Diebe festgenommen 7 Autos, 1 Motorrad und 18 Fahrräder wurden gestern gestohlen. Vier Autos wurden zurückgeschafft, drei Autodiebe festgenommen. Zwei Fruchtbarmen verbrannt Auf dem Grundstück eines Poller Landwirts an der Siegburger Straße brach gestern abend ein Brand aus, dem zwei riesige Fruchtbarmen, die fast die gesamte Ernte darstellten, zum Opfer fielen. Ueber die Ursache des Brandes ist noch nichts bekannt; Brandstiftung erscheint nicht ausgeschlossen. Wetter bis morgen Unbeständig bei vorwiegend südwestlichen Winden, gewitterhaft, wechselnd bewölkt, zeitweise Regenneigung. Köln Flughafen Maximum plus 22,2 Grad, Minimum plus 14,7 Grad Celsius. Amtl. Wasserstandsnachrichten vom 3. Sept. 1931 3,76 2,94 .17 .22 .24 423 Seite 8 Nr. 414(Abend=Ausgabe) Lokal=Anzeiger Donnerstag, 3. September 1931 Die Bedeutung der neuen Kölner Bauordnung Versuch einer Wertung nach zweieinhalbjähriger Geltung Von Baudirektor Wilhelm Arntz I. Die Kölner Bauordnung vom 26. Januar 1929 ist jetzt zweieinhalb Jahre in Kraft. Ein endgültiges Urteil über sie erlaubt dieser kurze Zeitraum nicht. Aber der Ablauf der Dinge in diesen zweieinhalb Jahren und die beispiellose Krise, die heute mit unserer gesamten Wirtschaft auch die Bauwirtschaft am Rande des Abgrundes dahinführt, erfordern doch eine gewisse Rechenschaftsablegung über sie. Die Vergangenheit Zunächst einmal muß darauf hingewiesen werden, daß auch diese Bauordnung nur eine weitere Stufe in der stetigen und folgerichtigen Entwicklung der Kölner Bauordnungen darstellt. Bei der Erbauung der Neustadt und bis in die 90er Jahre verfolgten die Bauordnungen unverkennbar die Richtung zu immer stärkerer Dichte und Höhe der Bebauung. Sie paßten sich ständig an die steigenden Bodenpreise an und ermöglichten ein ständiges Weitersteigen dieser Bodenpreise. Die Folge dieser Verhältnisse sehen wir heute in der ungesunden Bebauungsdichte des größten Teiles der Altstadt und der ganzen Neustadt. Die durch jene Bauordnungen ermöglichte übermäßig schnelle Wertsteigerung der Neustadt durch eine übermäßig starke Ausschlachtung der Grundstücke rächt sich heute bitter durch ihre ebenso schnelle Entwertung. Erst mit dem Uebergang der Baupolizei als staatliche Auftragsangelegenheit an die Stadtverwaltung im Jahre 1893 begann eine von weiterschauenden wirtschaftlichen und sozialhygienischen Gesichtspunkten ausgehende umgekehrte Entwicklung der Bauordnung. Es entstand langsam die Festlegung einer abgestuften Ausnutzbarkeit der Grundstücke und das Streben nach einer gewissen Ordnung in den wirtschaftlichen Zwecken der Bebauung. Alle schrittweisen Verbesserungen wurden genau so wie diejenigen der heutigen Bauordnung anfänglich bekämpft und als unerträglich und übertrieben bezeichnet. Da aber die Bauordnung auch in den Händen der Gemeinde PolizeiAngelegenheit im staatlichen Auftrag war, blieb sie der unmittelbaren Einwirkung einseitiger Interessen entzogen.(Auch die Stadtverordnetenversammlung hatte hier keinerlei Einfluß.) Die letzte Vorgängerin der heutigen Bauordnung, nämlich die vom Beigeordneten Rehorst verfaßte Bauordnung von 1913, bedeutete einen großen weiteren Schritt in der Richtung zu einer organischeren Gliederung der Stadt nach dem wirtschaftlichen Charakter und zu einer stärkeren Einschränkung der Bebauungsdichte. Aber auch sie war ein Kompromiß, das die Forderungen des Städtebauers von damals nur unvollständig erfüllte. Köln nach dem Krieg Schon im Jahre darauf kam aber der Krieg und er hat einen völligen Wandel der Verhältnisse, der Anschauungen und der stadtwirtschaftlichen Konjunktur überhaupt herbeigeführt. Vollends in Köln war mit dem verlorenen Kriege eine grundlegende städtebauliche Reformpolitik zur zwingenden Notwendigkeit geworden. Die alte Bauordnung von 1913 war zur Durchführung dieser Aufgabe nicht mehr geeignet. Es war unerläßlich, durch eine neue Bauordnung das Instrument zur allgemeinen praktischen Verwirklichung der in dem neuen Gesamtbebauungsplan verkörperten Absichten zu schaffen Nach dem Scheitern des Städtebaugesetzes war es höchste Zeit, wenigstens auf der Grundlage des Wohnungsgesetzes von 1918 den neuen Erfordernissen Rechnung zu tragen. So wurde nach jahrelangen eingehenden Ausschußberatungen, wiederholten Besprechungen mit den interessierten Kreisen und Verhandlungen mit der Aufsichtsbehörde die neue Bauordnung am 26. Januar 1929 in Kraft gesetzt. Sie trägt unverkennbar die Zeichen der langwierigen und zögernden, in allem und jedem kompromißhaften, Beratungen. Sie ist nichts weniger als die Vollkommenheit dessen, was der Städtebauer anstreben muß. Es kann aber ebensowenig geleugnet werden, daß das Wesentliche, worauf es unkam, in der neuen Kölner Bauordnung erreicht ist, nachdem ihr die Berliner Bauordnung in mancher Hinsicht entschlossener vorangegangen war, und sie hat dann ihrerseits die folgenden Bauordnungen, so auch die in vieler Hinsicht vorbildliche von Frankfurt, mit beeinflußt. Die bitteren Erfahrungen des verlorenen Krieges hatten das soziale und hygienische Verantwortungsgefühl im Gegensatz zu den Rücksichten auf das privatwirtschaftliche Sonderinteresse gestärkt und ihm in höherem Maße als bisher den Vorrang zuerkannt. Es war nationale Schicksalsaufgabe geworden, unsere durch den Uebergang zur Industriewirtschaft wurzellos in den Städten zusammengedrängten Volksmassen zu entproletrisieren und auf neuen Wegen wurzelhaft lebendig in Gesellschaft und Staat einzufügen. Was wir durch den öffentlichen Wohnungsbau an Richtungweisendem in dieser Hinsicht erreicht haben, erst ein Anfang. Die neue Situation wohl seine tieferen Gründe, daß der y dieser Einsicht zur Verwirklichung in dem Augenblick erfolgt, wo mit dem Weltkrieg und mit der Niederringung der europäischen Zentralmacht Deutschland auch der Vorrang der Industrialisierung. das Zeitalter der beispiellosen Stadtentwicklung im großen und ganzen zum Abschluß gelangt zu sein scheint. Die Hochkonjunktur. des großstädtischen Grundstücksmarktes im Sinne der letzten achtzig Jahre ist einfür allemal vorüber. Durch die trügerischen Schleier der Inflation und der von der Wohnungsnot aufgestauten Baulandnachfrage hindurch wurde es dem Siedlungspolitiker immer deutlicher, daß nach Ueberwindung der Wohnungsnot die Nachfrage nach Bauland stark zurückgehen, wenn nicht vorübergehend ganz zum Stocken kommen wird. Ein Festhalten an der alten Bebauungsdichte der Städte müßte auf die Dauer einen völligen Zusammenbruch des Baulandmarktes herbeiführen. Schon heute mehren sich allenthalben drohend die Zeichen dieser Wendung. Der Grundbesitz selbst scheint sie noch nicht in ihrer vollen Bedeutung zu erkennen. Es wurde von Anfang an eine wesentliche Aufgabe der neuen Bauordnung darin gesehen, durch die Streckung der Nachfrage auf eine größere Baulandfläche die vernichtenden Auswirkungen der rückläufigen oder wenigstens nachlassenden Baulandkonjunktur abzufangen und einer Katastrophe vorzubeugen. Die großen Wertspannungen, die in der Vergangenheit der natürliche Grund einer vielumstrittenen Bodenspekulation gewesen sind, werden damit kräftig verringert, und es wird dafür eine größere Menge von Baulandeigentümern wenigstens zur teilweisen Realisierung ihrer Bodenwerte gelangen. Und eine Umkehrung Es war aber noch eine weitere grundlegende Erwägung bei der Gestaltung der neuen Bauordnung mitbestimmend. In der Vergangenheit sah man in der Bauordnung nur ein polizeiliches Instrument in verneinendem Sinn. Das heißt, sie sollte nur die krassesten Mißstände verhindern. Unter dem Druck der eben gekennzeichneten Hochkonjunktur des Stadtwachstums wurde aber diese äußerste Grenze des für erträglich Gehaltenen in der Praxis der baulichen Ausnutzung der Grundstücke zur allbestimmenden Regel. Die neue Bauordnung durfte nicht mehr, wie die früheren, das im Einzelfalle gerade noch Erträgliche zur Norm des allgemein Zulässigen machen und durch diese seine Verallgemeinerung gerad das Ungesunde, Schädliche, Unerträgliche bewirken. Sie macht umgekehrt das noch mit gutem Gewissen Vertretbare zur gesetzlichen Regel und verfolgt dabei in seiner Auswirkung auf den Aufbau des Stadtkörpers als Ganzes ein großes städtebauliches und wirtschaftliches Ziel. Damit ergibt sich von selbst die Notwendigkeit, im Gegensatz zur unbedingten Strenge der früheren Bestimmungen jetzt durch eine größere Elastizität für den Ausnahmefall die Berücksichtigung besonderer Verhältnisse zu ermöglichen. Es ist aber nicht so, als wenn mit dieser grundsätzlichen Elastizität nun der Willkür freie Bahn gegeben wäre. Vielmehr ist der räumliche Ausnutzungsgrad, d. h. die auf ein Grundstück entfallende Gesamtfläche aller Geschosse, in der Nutzungsziffer eindeutig festgelegt und von ihr werden Ausnahmen durch Dispens des Regierungs prasioenren nur in seltenen Fällen erforderlich. Winterspeisung in Köln Kölner Werk plant Anterstützung auch der inzwischen arbeitslos gewordenen Arbeiterschaft Köln. den 2. September 1931. Die Not ist groß und die Sorge, wie es gelingen soll, den Winter einigermaßen glimpflich zu überstehen, bewegt die Herzen all derer, die sich für das Leben der vielen Hilfsbedürftigen verantwortlich fühlen. Der Kölner Lokal=Anzeiger hat in der vergangenen Woche bereits in einem längeren Artikel über die von der Stadtverwaltung geplanten Maßnahmen berichtet. Dabei wurde kein Zweifel darüber gelassen, daß die Kommune selbst, also, wenn man so will, die öffentliche Wohlfahrtspflege nur einen Teil der Hilfsaktion bewältigen kann, daß man also weitgehend auf die tatkräftige Unterstützung der freien Karitas, darüber hinaus aber auch all der Wohlfahrtseinrichtungen angewiesen ist, die etwa von größeren Werken, von gewerkschaftlichen und anderen Selbsthilfeorganisationen ins Leben gerufen worden sind. Ein besonders wichtiges Kapitel ist die Frage einer ausreichenden Speisung oder — präziser formuliert— der Verabreichung wenigstens einer warmen Mahlzeit am Tage. Wir teilten mit, daß es der Stadtverwaltung aus naheliegenden Gründen nicht möglich sein wird, über die bestehenden Einrichtungen hinaus eine Massenspeisung einzurichten, etwa derart, wie sie in den Kriegsjahren bestand. Eine andere Frage ist es jedoch, ob nicht hier und da in einem kleineren Rahmen und für einen kleineren Kreis derartige Speisungen ins Leben gerufen werden können. Eine solche Maßnahme hätte, abgesehen von ihrer unmittelbaren Bedeutung, für die Allgemeinheit den Wert, daß ein gewisser Prozentsatz von Hilfsbedürftigen aus der Reihe der von der Gesamtheit zu Betreuenden ausschiede, eine fühlbare und dankbar empfundene Erleichterung auf der einen und eine ebenso segensreiche„Durchbrechung“ des wohl oder übel geübten Prinzips der grundsätzlichen Anlehnung aller an die Fürsorge der Gemeinde. Wir hören soeben von dem Plan eines großen rechtsrheinischen Werkes, der ein Beispiel dafür erbringt, wie diese Ausführungen gemeint sind, und der hoffentlich noch in einer Reihe von Fällen Nachahmung findet. Dieses Werk plant die Einrichtung einer Mittagsspeisung für alle bedürftigen Werksangehörigen und deren Verwandte. An dieser Speisung sollen— das erscheint uns besonders wesentlich— auch die inzwischen arbeitslos gewordenen früheren Werksangehörigen teilnehmen dürfen. Auf diese Weise wird der notwendige Kontakt zwischen der Firma und ihrem Arbeiterstamm gewahrt; dieses Bestreben erinnert an gute Gepflogenheiten vergangener Jahrzehnte, als zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch ein Kontakt persönlicher Art bestand, Man möchte nochmals den Wunsch aussprechen, daß dieser Vlan Nachahmung fände. Der kommende Winter wird zweifellos besonders hart werden, und deshalb sind besondere Mittel zur Ueberwindung der Not mehr als je am Platze. Das„alte“ Kalk Am 3. Seviemder wird Herr Joh. Herbst, Bertramstraße 97. 85 Jahre alt. Herr Herbst lebt bei seinem Schwiegersohn.— Am 3. September wird Frau Witwe Fußwinkel, Bertramstraße 81, 86 Jahre alt.— Her. Herrmann, Remscheider Straße 1, feiert im September seinen 89. Geburtstag Letzte Nachrichten Oesterreichs Verzicht Genf,.Sept. Im Namen Oesterreichs hat Außenminister Schober vor der Europa=Kommission den österreichischen Verzicht auf die deutsch=österreichische Zollunion ausgesprochen. Neuer Fernsprechanruf für Hermülheim Die Oberpostdirektion Köln teilt mit: Die Fernsprechteilnehmer in Hermülheim sind von den Kölner Teilnehmern ebenso wie die Teilnehmer in Porz jetzt über die Nummer 03, nicht mehr über 04 anzurufen. Dem sich danach meldenden Amt sind der gewünschte Ort und die Rufnummer des Teilnehmers anzugeben. Im amtlichen Fernsprechbuch für Köln ist auf Seite 2 unter A. f. der Anruf„04“ zweckmäßig zu streichen. persönliches Der 29jährige Zostbeamte Johann Joseph Kanis beim Bahnpostamt 8 in Köln, der am 15. August bei einem Eisenbahnunglück in Duisburg verunglückte und an den Folgen seiner schweren Verletzungen starb wurde auf dem Nordfriedhof zu Grabe getragen. Von der Leichenhalle aus wurde der Sarg von sechs Kollegen getragen. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden, so daß eine Absperrung zur Aufrechterhaltung der Ordnung notwendig war. Nach der feierlichen Segnung des Grabes sang der Quartettverein Eintracht Köln 1923. Der Vorgesetzte des Verstorbenen, Oberpostdirektor Schellhardt, schilderte den Hergang des Unglück. und pries die Treue des Verstovbenen. Am Freitag feiern die Eheleute Schneidermeister Josef Schneider und Katharina geb. Willig, Alteburger Straße 87, das Fest der Goldenen Hochzeit. Einige Minuten vor.30 Uhr zieht das Jubelpaar mit der Familie in die Kirche ein, wo nach einer Begrüßungsansprache die Festmesse stattfindet. In Stammheim feierte Frau Hermann Krieger dieser Tage ihren 80. Geburtstag. Das silberne Berufsjubiläum bei den Land= und SeeKabelwerken konnten die Herren Grollmann Yorkstraße und Nix, Gartenstraße begehen. Bei der Firma Felten und Guilleaume Carlswerk feierten der Werkmeister Wilhelm Dix und Herr Martin Kocher, Berliner Straße, ihr silbernes Berufsjubiläum. Ankündigungen Deutsche Sprachkurse für Ausländer Um einer allgemeinen Nachfrage Rechnung zu tragen führt die Akademische Auslandsstelle an der Universität Köln auch im Winterhalbjahr ihre Deutsch= Sprachzirkel für Ausländer fort. An den Kursen kann jeglicher in Köln wohnender Ausländer auch als Nichtstudent teilnehmen. Die Zirkel werden al 7. September wieder zweimal wöchentlich, Montags Donnerstags 18.45 bis 19.45 Uhr, im Heime der Akademischen Auslandsstelle, Köln, Metzer Straße 10 begonnen. Anmeldung erfolgt dortselbst. Hagenbeck bis Sonntag „Selten hatte ein Zirkus einen derartigen Erfolg wie der Zirkus W. Hagenbeck an der Neußer Straße. Deshalb Direktion entschlossen, das Gastspiel bis einschließlich Sonntag, 6. September, zu verlängern und am 7. d. M. ein kurzes Gastspiel in Sül: an der Zülpicher Straße(Schützenplatz) zu geben. Hagenbeck gibt täglich zwei Vorstellungen, 3 Uhr nachmittags und.15 Uhr abends * Der Elternausschuß des Kölner Knaben=Chors. Der in der Elternversammlung am 24. Juli 1931 gewählte Elternausschuß des Chors lädt die Eltern zu einer Versammlung auf Samstag, 5. September, abends in de Harmonie(Großes Kasino) ein. Thema: Berichterstattung über die Tätigkeit des Ausschusses. Alle Eltern werden dringend gebeten an der wichtigen Versammlung teilzunehmen. * Am kommenden Sonntag zieht in Mülheim die althergebrachte Prozession in Begleitung der Pfarrgeistsichzen gu. 14. Uhr von der Herz=Jesu=Kirb- zur Schmerzhaften Mutter nach Kalk. An jung und alt ergeht die freundliche Bitte zur Teilnahme. Geplanter Raubüberfall auf Sparkasse Ein Chauffeur ruft die polizei— Drei Leute verhaftet Heute morgen kurz vor 10 Uhr erschien auf der Zweigstelle der Sparkasse des Landkreises Köln in Weiden ein Auto. Es hielt in der Nähe der Hauses an, drei Männer entstiegen ihm und besichtigten das Gelände. Ein Chauffeur, der in der Nähe war, alarmierte sofort die Polizei. Als die Polizei eintraf, fuhren zwei weitere Leute, die in dem fahrbereiten Auto geblieben waren, in rasendem Tempo davon. Das Auto hatte das Zeichen 33, die Nummer war jedoch nicht zu erkennen. Die Polizei besorgte sich hierauf ein Auto und fuhr nach. Sie erreichte auch das Auto unterwegs, die Nummer war aber schon überklebt mit der fingierten Nummer 800 088. Die zwei fuhren im 100=Kilometer=Tempo und entschwanden im Stadtwald. Die Polizei erhielt daraufhin die Meldung, daß noch drei verdächtige Personen um das Sparkassengebäude herumschlichen. Die drei Mann wurden festgenommen und haben inzwischen das Geständnis abgelegt, daß ein Raubüberfall auf die Sparkasse geplant war. Die Namen der Täter verschweigen sie vorläufig. Sie geben nur an, heute morgen in Köln abgeholt worden zu sein. Es sei ihnen von den beiden Entflohenen gesagt worden, sie sollten nur Acht geben, sonst wüßten sie nichts. Es handelt sich bei den Festgenommenen um die Kölner Arbeitslosen M. J. und zwei Gebrüder R. Bei dem einen wurde noch eine Waffe vorgenommen, die mit 6 Schuß geladen war. Die drei wurden nach Köln abgeführt. Die Nachforschung nach den Entflohenen wird fortgesetzt. Kölner Schlachtviehmarkt vom 3. September 1931 Pleischpreise im Großhander in Pf. für ½ kg. Hiesige Schlachtungen. niedr. nöchst. mitte Rindtleisch*) Ochsenfl. 8 — 0 Jullenfi. „ 5 Kuhfleisch 6 Färsenil * *) Viertel. verzolltes. medr. nöchst. mitte ganze Viere.*r) ganze ino albeI 73 67 Eingeführtes Fleisch aus Holland: 26 Kälber: a) 100, b) 93, c) 86; 5000 kg Innereien. Handel in hiesigen Schlachtungen und eingebrachtem Fleischlangsam Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Heinz Stephan; für den Anzeigenteil: J. Stotz. Verlag und Druck: Kölner Görreshaus A. G. Alle in Köln. Donnerstag, 3. September 1931 Lokal=Anzeiger (Abend=Ausgabe) Nr. 414 Seite 9 Statt jeder besonderen Anzeige! Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, am Sonntag, den 30. August 1931, nachmittags 2 Uhr, unsern herzensguten, unvergeßlichen Sohn, Bruder, Schwager, Neffen und Onkel, den wohlachtbaren Herrn Georg Weustenfeld infolge Unglücksfalls, wohlvorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel und versehen mit den Tröstungen der heiligen Kirche, im Alter von 25 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Fridolin Weustenfeld. Köln, Türmchenswall 62/64, den 1. September 1931. Die feierlichen Exequien werden am Freitag, den 4. September, morgens 8½ Uhr, in der Pfarrkirche St. Kunibert gehalten.— Die Beerdigung findet am gleichen Tage, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Nordfriedhofes aus statt. Bevorzugt ber Einkäufen die #Inserenten des Das Sechswochenamt für meinen lieben unvergeßlichen Gatten, unseren guten Vater Herrn Josef Dreesmann findet statt am Samstag, den 5. September 1931. morgens.30 Uhr, in der Pfarrkirche Herz-Jesu Familie Dreesmann Arzte-Tafe Slacrcrearcrarcrt Zurück Dr. Müller IV Köln-Klettenberg Siebengebirgsallee 67. Telephon 41066. Kart ek Dr. med. Carl Sonnenschein Facharzt für Chirurgie und, Frauenleiden leit. Arzt am St.-Agatha-Hospital Köln-Niehl Nippes, Auerstraße 1 Billige Bücher finden Sie immer in der Gilde-Buchhandlung #a. Fernrul ROlt Sammel-Nummer 2109 21 Neumarkt 18a 2 Ab unserm verkaufen wir große Posten nur guter moderner Lager Hohe Pforte 22 ster moderner Uister für Herren u. Burschen zu enorm billigen Preisen. Wir kauften diese Posten vor einigen Tagen gegen bares Geld direkt in Fabriken, teils unter Herstellungswert, die wir zu nachfolg. Preisen verkaufen. Zurück Dr. H. A. Grueter Pacharzt für Chirurgie Chefarzt des DreifaltigkeitsKrankenhauses Köln-Braunsfeld Pernspr. 46132 Zurück! Dr. Paul Moses!! Facharzt für Hals-, Nasen- u. Ohrenkrankheiten, Stimm- und Sprachstörungen Elisenstraße 9 11=1; 3½—5 Uhr. 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Noch kein Circus hat bei seinen Besuchern eine solche Begeisterung in Köln erweckt wie Direktor Willy Hagenbeck mit seinem Riesen-Sensations Programm. Beispiellose Erfolge und dröhnender Applaus danken dem Schöpfer der einzigartigen Raubtier gruppen dem Direktor Willy Hagenbecku. der 75jähr. Meisterin der hohen Schule Therese Renz und die übrigen Attraktionen. Sie versäumen viel, wenn Sie Hagenbeck noch nicht gesehen haben. Eilen Sie, denn nur nom 4 Tage bis Sonntag an der Agneskirche. Täglich 2 Vorstellungen: nachmittags 3 und abends.15 Uhr. In allen Nachmittags-Vorstellungen, auch Sonntag. Erwachsene, Erwerbslose und Kinder halbe Preise. Abends Brwerbslose u. Kinder balbe Preise. Hagenbecks Zoo fägl. 10 Uhr vormittags bis abends 7 Uhr. Ab Montag, den 7. ds. Mts., kurzes Gastspiel in Köln-Sülz, Zülpicher Str.(Schützenpletz). im Café Wien am Ring Kaslermesser II, Schbinzffegen! Scheren u. 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Der Verkehrshutzmann ist aus Pappe und spielt die untereordnete Rolle eines neuen Motivs für eine lte Sache: Akrobatik auf dem Fahrrad. Man ringt nicht viel Neues, abes Gutes, absolut sicheres. Clownerie ist mit halsbrecherischer kraftleistung schwer zu verquicken. Die Spässe er Brucks leiden ein bißchen unter ihrer ausgezeichneten Akrobatik. Das Publikum aber weiß. worauf es ankommt und applaudiert. Mme. Duval„mit ihren intelligenten Hunden". Wenn Gewandtheit, Ausdauer und Grazie bei Hunden gleichbedeutend mit Intelligenz sind, dann sind wir mit der Annonce einverstanden. Mme. Duvals Geduld hat die vier Beine ihrer Zöglinge auf eine exstaunliche Geschicklichkeit und Anmut gedrillt. Das Salonstück auf dem„Hundeklavier“ ist ohne Zweifel ein Maximum an unterhaltsamer Dressur. Marina Ursica und Johannes Müller eröffnen eine propagandistisch anmutende Kampagne auf, das Verständgis eines Varieté=Publikums für selbstverfaßte Chansons. Marina, halb Conferencière, halb Soubrette, singt mit Charme und Vortragskunst melodiöse Kompositionen des Herrn Müller. Das Parkett und die Ränge sind am Ende ganz bei der Harry und Jack, Exzentriker. Der lakonische Programmtitel klingt beinahe wie die Visitenkarte irgendeiner Firma. Der schlichte Aufzug der beiden unterstützt diese Version lebhaft. Aber ihre Handlanger=Akrohatik, ist originell. Es ist eine phlegmatische Kraftschau, bei der sich aufzuregen sinnlos ware. Gute und handfeste Artistik. Francesca und Georgio Manuel „original argentinische Tanzattraktion". Man sieht einen zwingenden, fremden Rhythmus in schillernden Gewändern. Hinter dem festgefrorenen Lächeln der Tänzerin ahnt man ihre Kraft und Geschmeidigkeit. * Jetzt aber Sylvester Schäffer. Schäffer bevorzugt den szenischen Aufwand und die malerische Kulisse. Er ist eben ein Sonder=ProEr jongliert. Er hat viel von der Behendigkeit und Körperbeherrschung Rastellis, natürlich ohne ihn, den Spezialisten, erreichen zu Aber er jongliert verblüffend, in eigener Maz nier, mit eigenen Objekten. Er ist überhaupt für Originalität, für das Besondere. Dann malt er, Ein Oelgemälde in wenigen Minuten— gut und wirksam. Er erscheint dazu im samtnen Malerwams. Oder er reitet hohe Schule— auf der Reichshallenbühne— man denke! und ist ein guter und schneidiger Reiter. Das Publikum reißt die Augen auf und staunt. Aber es wird noch origineller und malerischer Welk, kein den Wald bebennem Bild. Und durch dieses Gewimmel hindurch schießt Schäffer in den Mittelpunkt der Zielscheiben. Er ist also auch Kunstschütze. Aber das ist nicht die letzte seiner UniversalBegabung. Als Paganini in eigener Auffassung geigt er lustig drauf los mit Fingerfertigkeit und gutem musikalischen Sinn, und als Athlet balanciert er schwere Eisengewichte und einen römischen Rennwagen.„ Schäffers Vielseitigkeit in ganz außer Zweifel. Ein temperamentvoller und fähiger Artist, hat er eine sympathische Vortragsform ohne Dünkel und Getue, ganz aufgehend in seinem Ehrgeiz, ein Alleskönner zu sein. Seinen malerischen Sinn verleugnet er auch nicht bei der Auswahl seiner reizenden Assistentin Lilli Krüger, die mit blonder Grazie die Zwangspausen übertanzt und in dem bunten Programm mit rhythmischen, wiegenden Tänzen einen Ausgleich schafft. Alles in allem hält Schäffer, was er verspricht: ein Universalkünstler des Varietés zu sein. Das Premieren=Publikum war frohgelaunt und beifallslustig.—1— Mitteilungen * Aus dem Schülerkreis von Julius Lenz in Köln wurden verpflichtet: Frl. Hanne Schmitz als 1. Operetten= und Opernsoubrette an das Landestheater in Stuttgart. Herr Peter Klein als 1. Tenorbuffo an das Städtebundtheater in Kaiserslautern. Seite 10 Nr. 414(Abend=Ausgabe) Lokal=Anzeiger Lonnerstag, 3. September 1931 Oeffentlicher Pfandverkauf. Am 4. September werden im Pfandlokale Rolandstraße 105 1 Chevrolet Personenwagen nebst Papieren und vier Pfandscheine im Wege des Pfandverkaufs öffentlich ver steigert. Hannemann, Gerichtsvollzieher. Zwangsversteigerung Am Samstag, den 5. September 1931, vormittags 10 Uhr, sollen in Koln=Ehrenfeld, Gutenbergstraste 89 versteigert werden. 6=Träger, 2 Handwagen, 8 Gerüstleitern, 4 Schiebkarren, ca. 300 bis 400 Ziegelsteine und Schwemmsteine; anschließend um 11.30 Uhr in der Pfandkammer Köln, Klapperhof 33: 1 Opelwagen 4 PS, 1 Teppich, 3 Radiogerate, 2 Schreibtische, 1 RemingionSchreibmaschine, 2 Bücherschränke, 1 Kosferschreibmaschine, 2 Kredenzen, 1 Laute, 2 Sojas, 1 Nähmaschine,9 Büseits, 1 Ofen, 1 Spekulatiusmaschine, versch. kompl. Ladeneinrichtungen, 2 Schreibmaschinen, 5 Mille Webers Siumpen, 1 Spiegelschrank, 2 Ladentheken, 2 Ladenregale, u. a. m. Linz Obergerichtsvollzieher in Köln. Telephon 504 54 Zwangsversteigerung Am Freitag, den 4. September 1931, vormittags 11 Uhr, sollen im Pfandlokale Rolandstraße 105 versteigert werden: 1 Schreibmaschine, 1 Theke, 1 Regal, 1 Klavier, 1 Büfeit, 6 Stühle, 1 Küchenschrank, 1 Eisschrank, 1 Uhr, 1 Sofa, 1 Tisch, 1 Flurgarderobe, 1 Fruchtschale, 2 Diwane, 1 Klubsessel, 1 Schreibtisch, 1 Rauchtisch, 1 Standuhr, 1 Fahrrad, 1 Kaffeemühle elektr., 1 Schreibtisch, 1 Bücherschrank, 1 Stehlampe, 2 Perserteppiche, 2 Kronleuchter, 9 Gemälde, 1 Marmorstanduhr, 1 Silberkasten(12 Pers.), 1 Flügel, 1 Büfett, Vitrine, 1 Radiogerät, 1 Ausziehtisch u. a. m. Hannemann, Gerichtsvollzieher. Katholiken! 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