Nr. 138 Samstag, 16. Juni 1923 38. Jahrgung Erscheint täglich. Sonn= u. Feiertags ausgenommen. Bei Eintritt höherer Gewalten hat der Bezieher kein Anrecht auf Lieferung der Zeitung oder Rückerstattung des Bezugspreises.— Rücksendung unverlangter Zuschriften und Manuskripte erfolgt nur. wenn Rückporto beigefügt ist. 002 3* Bezugspreis monatl. frei Mark wöchentlich an der Hauptgeschäftsstelle abgeholt. Haus: M. 7000.— einschl. der Beilage„Der Sonntag“. Postbezug M. 7000.— ausschl. Bestellgeld. Einzel-Nummer 300.— M Organ der Zentrumspartei Amtl. Kreisblatt für den Landkreis Köln Kölner Local-Anzeiger— General-Anzeiger für die rheinische hauptstadt und Fremdenblatt Ulülheimer Dolkszeitung. Redaktion und Hauptgeschäftsstelle: Domstraße 6, Fernr.: A 4812, A. 17: Lac Ant zäkhein. Uellen: Breite Str. 85. Fernr. A 6636. Mülheim: Regentenstr. 16, Fernr.: 940 Amt Mutheim. Snrechstunden der Redaktion: 12—1 Uhr Anzeigenpreise: Für Platzanzeigen das Millim. 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Wenn die Zeitverhältnisse aus allen Gassen uns Deutschen entgegenbrüllen „laßt alle Hoffnung fahren“, dann gibt es darauf nur eine Antwort: Kopf hoch! Oder soll Kopfhängerei die Stunde regieren dürfen? Sie darf es nicht. Es ist ja auch unchristlich. * Der Wirrwarr der Zeitverhältnisse ist durch die Ruhraktion auf die Spitze getrieben. Der Verantwortliche sucht politischen Lorbeer. Die Geschichtsschreiber werden seine Politik nicht rühmlich finden, selbst die französischen nicht. Die deutschen Märtyrer in der Verbannung und in den Gefängnissen, die anderen, die sogar mit Blut und Leben zahlten, schrieben und schreiben ruhmvolle deutsche Geschichte. Trotzdem bleibt dringend zu wünschen, daß das ungleiche Ringen zwischen Fordern und Sichversagen, zwischen Handeln und Erdulden, bald ein Ende finde. Das aussprechen int keine Flaumacherei! Es sind wirklich genug, ja schon zuviele der Märtyrer für's Vaterland; das Vaterland selber nimmt schwersten Schaden. Es ist kein Trost, daß der Schade soffensichtlich zurückwirkt auf diejenigen, deren Politik ihn angerichtet hat. Das nimmt uns Deutschen nichts vom eigenen Elend. Das deutsche Volk vergibt sich mit dem Eingeständnisse des Elendes nichts. Es trug und trägt es mannhaft. Vereinzelter Triumph auf der anderen Seite, uns das Elend gebracht zu haben, allgemeine Gleichder Welt gegen dieses Elend sind die die selbstische Gesinnung unverwischbar net in das Charakterbild der betreffenden Röster. Nicht um der Rache willen soll der Deutsche sich die seit 1914 gewonnenen Chanatterbilder einprägen. Aber harte nützliche Lehre soll er daraus ziehen: Wo er auf Grund sseines Naturells so gern immer wieder blind vertranen möchte, soll er gesundes Mißtrauen wachshakten. Solange, bis bessere Erfahrungen ihn in Vertrauen berechtigen. * Deutsches Mißtrauen ist notwendig im divlomatischen Spiel, dessen Karten soeben in London, Paris und Brüssel gemischt werden. Wird man Herz oder Kreuz als Trumpf aufwerfen? Wird man sich darauf besinnen, daß nicht um das Schicksal eines Wildenstammes, sondern eines Kulturvolkes entschieden wird Wird man von der Selbstsucht in Reinkultur über den Verstand zur endlichen Versöhnung schreiten? Oder wird man ausklügeln, wie man uns Deutschen das Kreuz demütigender Knechtschaft auf viele Jahrzehnte fest auf den Rücken binden kann? Wir wissen es nicht, das Trumpfblatt ist noch nicht aufgeworfen. Wir wissen einstweilen nur, daß unsere Waffe„passiver Widerstand“ eine härtere, bessere Klinge war, als man drüben sich träumen ließ. Frankreich fordert herrisch, daß wir die Waffe auf den Fechtboden niederlegen und ergeben der Befehle harren, die man uns zu erteilen geoenkt. Weder in der britischen Oase noch in Berlin sitzen die Berufenen, die Antwort auf diese Forderung zu erreilen. Die Berufenen stehen an Ruhr und Rhein, in der Pfarz und in Baden. Ihre Antwort lautete bis gestern klar und deutlich: nein! Sie wird auch morgen so lauten. Wollen unsere tapferen Volksgenossen keinen Frieden? Mit allen Fasern ihres Herzens ersehnen sie ihn; es ware unnatürlich, würde es anders sein. Aber sie wollen einen wirklichen Frieden; sie wollen mit dem ganzen deutschen Volke endlich einmal die Gewähr haben für einen solchen Frieden. Darum verweigern sie die Waffenstreckung; nur Waffenstillstand auf Gegenseitigkeit könnte es sein. Dies Wort, so rasch geschrieben und gesprochen,— wer findet die befreiende, sicherheitverleihende Formel, es aus dem Wirrwarr der Verkrampfung, die seit dem 11. Januar die ungleichen Gegner ineinanderhakte, heraus zu kristallisieren als mögliche Tat? Wer? Fast scheint die Aufgabe. annehmbare Waffenstillstandssicherungen zu ersinnen, unlösbar. Berechtigt das zur Folgerung, daß dann eben sinnlos und in Aufgabe diplomatischer Aktivität weitergerungen werden muß? Nein. Die Aufgabe wird nach weiteren Wochen und Monaten um keinen Deut leichter sein als heute. Viel schwerer wird sie sein. Es bleibt ein schlimmer französischer Irrtum, wenn man glaubt, mit der Säge der Zermürbung durch die Verknotung zu kommen. Man würde endgültig dort stecken bleiben, wo man auf den Kern des Trotzes und der Verzweiflung stieße. Das deutsche Volk kämpft um Bestand oder Untergang seines Reiches und seiner Einheit. Das ist Gemeingut des Bewußtseins an Ruhr und Rhein und überall, wo Opfer des passiven Widerstandes mit eiserner Ruhe getragen werden, wo sie als solche erkannt und gewertet werden. Dafür sollte man auch in Paris endlich sehend werden. In London scheint man's allmählich geworden zu sein. Paris irrt, wenn es von sich auf andere schließt: das deutsche Volk hält seine letzte einzige Waffe nicht um des„Prestiges“ willen fest, nur um des Friedens und um seines völkischen Daseins willen! Wir wagen den Satz: Gebt Gewähr für Frieden und völlig unangetastete deutsche Einheit, ihr Herren in London. Paris und Brüssel, und ihr werdet nicht vergebens nach deutscher Bereitwilligkeit zum Vorfriedensschluß Umschau halten. Aber Zug um Zug, bitte. Unser Mißtrauen ist groß und — berechtigt. Im Walde von Compiegne liegt das Massengrab der 14 Punkte Wilsons und eurer angeblichen Kriegsziele. An diesem Grabe beweint Deutschland noch heute seine mißbrauchte Vertrauensseligkeit des Jahres 1918. Die letzten französischen Meldungen nennen nur eine„Gegenleistung“ für die geforderte Aufgabe des passiven Widerstandes: Erlaß der Schulden über 50 Milliarden hinaus nach Maßgabe der Streichung der interalliierten Schulden. Das ist, schon wegen der Unbestimmtheit der Streichung. keine Verhandlungsgrundlage für Waffenstillstand. Mit solchem Vorschlage erhöht man nur den Wirrwarr. Man setzt Fragen zueinander in Beziehung, die nur mittelbare Berührung haben. Gegenleistung im Sinne der Vorbedingung für Waffenstillstand gibt's nur dort, wo die Auswirkungen des Kampfes liegen. Frankreich erwartet zum Beispiel Straffreiheit für alle Deutschen, die entweder aus Charakter= losigkeit oder unter dem Drucke der Gewalt als Schwächlinge umgefallen sind und den fremden Herren dienstbar wurden. Wo ist die Gegenleistung: Zurückrufung der Verbannten in Heimat, Stellung und Amt?? Wo ist die Gegenleistung: Oeffnung der Gefängnistüren, hinter denen Vaterlandstreue der Erlösung harren, auf die sie Anspruch haben?? Frankreich und Belgien brachen, auch nach dem unzweideutigen Zeugnis bertfener Nichtdeutscher, den Vertrag von Versailles. Frankreich verlangt die Wiederherstellung des status quo ante für Sachleistungen, wie sie deutscher Erfüllungswille vor dem 11. Januar tagtäglich zu Nutz und Frommen der französischen und belgischen Wirtschaft vollbrachte. Wo ist das Angebot der Gegenleistung, den vertragsmäßigen Zustand wiederherzustellen, damit Deutschland nach Beseitigung der durch den Kampf geschaffenen tausend Hemmnisse zu seiner erfüllungsfriedlichen Tätigkeit zurückkehren kann? Das Angebot fehlt in den französischen Verlautbarungen. England legt deshalb in seinem Fragebogen mit Recht Gewicht auf die Auskunft, wie die„unsichtbare" Besetzung des Ruhrgebietes beschaffen sein soll, von der in Frankreich gesprochen worden ist. Es gilt den Weg frei zu bekommen sur freie deutsche Arbeit, die vom Reichskanzler ja doch im Memorandum vom 7. Juni mit Zustimmung des deutschen Volkes und seiner parlamentarischen Vertretung unter die friedenswillige vorbehaltlose Kennzeichnung gestellt wurde: wir errennen die Pflicht zur Reparation an! Keine Zeite dieses Memorandums verrät Prestigehunger, jede aber Friedensbereitschaft. Bei gutem Willen auf Seiten der Alliierten kann die für beide Teile annehmbare Formel für den Waffenstillstand gefunden werden. Sie darf natürlich nicht leere Formel sein, bestimmt, das deutsche Volk zum zweiten Male zu täuschen; es muß ihr fester Gehalt innewohnen. der beide Teile sichert. Hier liegt der erste Schlüssel, um aus dem Wirrwarr über Rückkehr zu vertragsmäßigen Zuständen endlich zur Gesundung zu kommen. * London will den Schlüssel heben. Aus Liebe zum deutschen Volke? Diesen naiven Kinderglauben haben bittere Erfahrungen der vergangenen Jahre uns genommen. Vom europäischen „Markt“ war jüngst in einer englischen Zeitung die Rede. Interessen des britischen Weltreiches werden neuerdings mit dem Drängen auf Beendigung der europäischen Wirren verknüpft. Also britische Politik als britische Interessenvertretung setzt ihre Kräfte zur Zeit ins diplomatische Endspiel um Europas Befriedung ein. Darum muß Deutschland fest bleiben, wo seine Einheit und Freiheit in Frage stehen. Wir sind noch immer ganz allein in der Welt und niemand reicht uns um unseretwillen die Hand. Aber da sich die Diplomatie um die Lösung der Streitfragen bemüht, kommt jetzt alles darauf an, ov auch Deutschland Diplomaten hat, ob es Politiker sein eigen nennt, die mit klarem Blick für außen=, auch innenpolitische Bedürfnisse des Augenblicks meistern, was mit der bescheidenen deutschen Kraft der Gegenwart zu meistern ist. Außenpolitische Erfolge sind, wie die Dinge heute liegen, von innenpolitischen Voraussetzungen abhängig. Auf geldlichem Gebiete, auf dem Gebiete der Lebensmöglichkeiten der großen Volksmassen müssen die innenpolitischen Voraussetzungen geschaffen werden, wenn wir aus dem Wirrwarr in die Uebergangszeit langsam werdender Ordnung und von da zur Gesundung kommen wollen. Die deutschnationale Weisheit, daß all unser Elend von außen komme, hat große Löcher. Leider! Gewissenlose Bereicherungssucht kleiner, aber mächtiger deutscher Volkskreise trägt seit vier Jahren ihr gerütteltes Maß von Schuld mit am deutschen Elend. Eben sind die Herrschaften wieder dabei, Orgien ihrer Gewinnsucht zu feiern. Da wird es größter Energie unserer Regierung und unserer Parteien bedürfen, um der Gefahren Herr zu werden, die in der Markentwertung um mehr als das Fünfundzwanzigtausendfache sich für jeden Wissenden und Klarblickenden ausdrücken. Links= und Rechtsradiralismus steht sprungbereit, aus Not und Verzwefflung des Volkes schmutzigen Parteigewinn zu ziehen. Feindlich gesinntes Ausland erspähte längst auch diese deutsche Achillesferse und sucht Deurschland dort tödlich zu treffen. Frankreich wirkt die Mark auf den Markt, um sie noch mehr zu drücken, um Unruhen im Lande Da hilft kein„passiver“ Widerstand, da muß rücksichtslose aktive Abwehr zur jetzt gegebenen Stunde einsetzen. Aus der Tiefe unseres Markstandes ertönt immer lauter, immer allgemeiner der Schrei nach Wertbeständigreit. Ein Teil des Volkes, Industrie und Handel, erbreitert und vertieft schon immer mehr die fur seine geschäftlichen Gebräuche selbstgeschaffene Goldbasis. Immer tiefer sinken aver damit die Millionen und Abermillionen der Gehalts= und Lohnempfänger auf der sozialen Stufenleiter hinunter in die Verarmung. Auch für sie wird aus der wirtschaftlichen Entwicklung heraus die Frage einer Tarifpolitik nach Grundsätzen der Wertbeständigkeit, der beweglichen raschesten Anpassung an die Teuerungsverhältnisse, äußerst brennend. Soust steht beinahe alles auf dem Spiele. Solche Tarifpolitik muß auch deshalb angestrebt und erreicht werden, weil sie unerläßlich ist, wenn Uebergangsverhältnisse geschaffen werden sollen, die uns bei der für später erhofften Stabilisierung der Geldverhältnisse zu Gesundung, wenn auch in Bescheidenheit, so doch zu Gesundung mit Lebens= und Aufbaumöglichkeit, bringt. * Das deutsche Memorandum brachte vieles in Fluß. Der außen= und innenpolitische Wirrwarr ist aber noch groß, fast unübersehbar. Das Chaos droht zwar. aber es braucht nicht zu kommen. Nach den Klageliedern der Schwarzseher brechen wir zwar morgen oder übermorgen zusammen“, aber diese Lieder hört man nun schon eit Jahren und Deutschland lebt noch immer. Also wird es auch weiter leben und durch das Dunkel der Gegenwart sich durcharbeiten bis zu dem Punkte, von dem es langsam wieder aufwärts geht. Manche Erscheinung der letzten Wochen spricht dafür, daß noch lange nicht alles verloren ist, wenn wir Deutsche nur den Willen zum Schaffen, zum Ringen um Frieden und Freiheit und zum Ueberwinden behalten. In der französischen Kammer. WTB Paris, 15.Juni. Poincare führte in Beantwortung der Interpellation u. a. aus Die Regierung müsse das gesamte parlamentarische Frankreich hinter sich haben, um mit Erfola verhandeln zu können, damit sie die Reparationen und die Frankreich notwendige Sicherheit erlange. Von oem ewigen Licde der Brüderlichkeit der Völker dürfe man sich nicht einlullen lassen.(!) Man müsse der Lage, in der sich Frankreich angesichts des schlechten Willens Deutschlands befinde, Rechnung tragen. Was die Sicherheit des Landes anbetreffe, habe er als Vorsitzender der Botschafterkonferenz notifiziert, daß die Kontrollkommission funktionieren müßten. Das sei namentlich hinsichtlich der Luftschiffahrt notwendig. Deutschland müsse überwacht werden. Die deutsche Regierung ermutige die Mord= und Sabatogeakte uno fordere Frankreich durch lächerliche Vorschläge heraus.(!) Deshalb sei man gezwungen, den Druck zu verstärken und zu verlängern. Die äußere Politik werde also noch eine Zeitlang die Fragen der inneren Politik beherrschen. Augenblicklich sei zwar der Friede unterzeichnet, aber die Friedensbedingungen seien noch nicht geregelt. So seien Frankreich die Banner vom Jahre 1871 noch nicht zurückerstattet worden.(Hat Herr Poincare keine ernsteren Sorgen?) Frankreich habe also sein Werk der Gerechtigkeit noch cht vollendet. Man müsse von der Mehrheit verlangen, daß sie die Wiederherstellung Frankreichs und eines endlichen Friedens nicht aus den Augen verlieren, und zwar durch Aufrechterhaltung der Allianzen. Wenn die Mehrheit diese Politik unterstützen wolle, sei die rung bereit, ihr zu folgen. nleuer Unfug. WTB Frankfurt(Main), 16.Juni. Am Donnerstagabend wurde bei Budenheim a. Rh. auf den=Zug Paris—Wiesbaden, der um.15 Uhr Bingerbrück in der Richtung Mainz verläßt, ein Bombenaitentat begangen. Die Bombe explodierte unter dem dritten Wagen. Ein Soldat soll tot sein, eine Reihe von Reisenden wurde mehr oder weniger schwer verletzt. Was England wissen will. Pragebogen für Paris. WTB London, 15.Juni. Der diplomatische Berichterstatter des Datly Telegraph teilt mit, daß Kopien des am Mittwoch nach Paris gesandten britischen Memorandums auch der belgischen und italienischen Regierung übermitelt worden seien. Das Memorandum enthalte neun Punkte. von denen acht die Gesialt von Fragen haben und den Zweck verfolgen, von Frankreich eine klare Definition seiner Politik in folgenden Punkten zu erhalten: Einstellung des deutschen passiven Widerstandes, unsichtbare militärische Besetzung. schrittweise Räumung. Wen wirtschaftliche Ausbeutung von Pfändern, Moratorium für Deutschland, Eisenbahnregie für die Rheinlande, Zollgrenze zwischen dem besetzten und nicht besetzten Deutschland. Der neunte Punkt stellt die Weigerung dar, die hranzösische Mindestforderung mit Bezug auf die=, B= und=Bonds, wie sie im Januarplan Poincares dargelegt sind, sowie die Beschränkung, die Erörterungsgrundlage auf diesen Plan anzunehmen. Der Berichterstatter hält es nicht für undenkbar, daß nach dem Eingang einer Antwort auf das englische Memorandum die britische Diplomatie versuchen werde. auf informellem Wege von der deutschen Regierung gewisse ergänzende Einzelheiten zu dem letzten deutschen Memorandum zu erhalten. Der Berichterstatter ist der Ansicht, es müsse ohne allzu große Schwierigkeiten festgestellt werden können, wie weit die deutsche Regierung den Franzosen in ihrer Forderung nach Einstellung oder Suspendierung des passiven Widerstandes entgegenkommen werde, vorausgesetzt, daß sich eine derartige Forderung auf die offizielledeutsche Aktion in diesem Punkte beschränkt und welche Zugeständnisse die deutsche Regierung im Austausch dagegen verlangt. Dem Berichterstatter zufolge, befassen sich die britischen Sachverständigen damit, die deutschen Garantien mit den im belgischen technischen Memorandum vorgeschlagenen zu vergleichen. Sowohl in den Fragen der Eisenbahngewinne als auch der Monopol=Einkünfte, beziehe sich die Differenz nur auf die äußere Form. In der Frage der industriellen Beteiligung sei die Wahl zwischen den Profiten und Obligationen. Die britischen Sachverständigen ständen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die deutsche Ausfuhrabgabe in Gold oder in der Gestalt von auswärtigen Wechseln, die wünschenswerteste Einnahme vom Standpunkt der Reparation ist. Der Berichterstatter erklärt, der Rücktritt der belgischen Regierung komme in einem äußerst ungelegenen Augenblick. Er könne den Fortschritt der interalliierten Verhandlungen beträchtlich verzögern. „Waffenstillstand.“ Die Times schreibt in einem Leitartikel zu der Erklärung Baldwins im Unterhause, wenn Großbritannien in dem gegenwärtigen Stadium die Besetzungspolitik gutheißen würde, so würde es mehr tun, als sich von seinem diplomatischen Standpunkt zurückzuziehen. Es würde mit einem einzigen Streich seine ganze Macht nützlicher Interventionen in der europäischen Politik zerstören, und damit gegen seine eigene Ueberzeugung handeln. Times gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Meldung ihres Pariser Mitarbeiters. nach der der Plan eines Waffenstillstandes Boden gewinne, sich bestätigen müßte, den keine furchtbare Konferenz und Wiederherstellungen seien je denkbar unter den augenblicklichen Bedingungen. Der Gewinn für Deutschland durch einen solchen Kompromiß sei klar genug. aber der Gewinn für Frankreich in den Augen eines jeden, der Frankreich wohlwolle, würde in manche Beziehungen noch bedeutsamer sein. Das sei höchstwahrscheinlich Frankreichs letzte Gelegenheit, das Reparationsproblem unter für Frankreich selbst günstigen Bedingungen zu regeln. Für den Augenblick werden neue Anstrengungen gemacht. um ein Einvernehmen mit Frankreich zu erzielen. Die wirtschaftliche Frage nehme notwendigerweise die zweite Stelle ein. Weltreichsinteressen. Die konservotive Morningpost schreibt, die Entscheidung wegen der Flottenbasis in Singapore zeige allen, daß die Augen des britischen Reiches mehr und mehr auf den Stillen Ozean gerichtet sind. England könne jedoch dem großen Problem im Stillen Ozean nicht gerecht werden, wenn seine Hände im Stillen Ozean gebunden seien. Bei dem augenblicklichen europäischen Chaos sei das britische Reich in der Lage eines Teilnehmers an einem Wettrennen, der nicht vorwärts, sondern rückwärts blicken müsse. England müsse zualiererst die Lage in Europa regeln, benor es sein Reich konsolidieren könne. Es könne Europa nur mit Mitwirkung Frankreichs regeln. Seite 2 Samstag, 16. Juni 1923 Berlin, 15.Juni. In Londoner Zeitungen ist ein Hinweis zu finden, daß möglicherweise die englische Regierung gewisse Rückfragen nicht nur nach Paris, sondern auch nach Berlin richten werde. Bis heute abend sind derartige Anfragen an hiesiger amtlicher Stelle nicht eingetroffen. eca Paris, 15.Juni. Der Temps beschäftigt sich heute in seinem Leitartikel mit der bevorstehenden französischen Note an England. Er spricht sich u. a. dahin aus, daß die weitere Verhandlung mit England nicht auf dem Wege eines schriftlichen Notenaustausches geführt werden könne und tritt für eine mündliche Diskussion ein, die sowohl in Brüssel als auch in Rom. London oder Paris. stattfinden könne. In dem englischen Fragebogen habe Curzon ausdrücklich den Wunsch ausgesprochen, eine Verständigung herbeizuführen. Man sehe keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Die Alliierten seien im übrigen nicht gezwungen, die Antwort an Deutschland mit besonderer Eile fertig zu stellen, infolge dessen sei man auch nicht genötigt. die Frage des passiven Widerstandes übers Knie zu brechen. Das Andauern des passiven Widerstandes schaffe außerordentlich komplizierte Probleme, insbesondere auf industriellem Gebiete(zu deutsch: der Widerstand ist scharfe Waffe). Die Organisierung des Ruhrgebietes für die Zeit nach dem deutschen Widerstand müsse genau studiert werden. Die Fremdherrschaft. Dortmunder Tustände. WTB Dortmund, 15. Juni. Von zuständiger Stelle wird folgendes bekanntgegeben:...40 Der Schlosser Frey gibt folgendes zu Protokoll: Am Sonntag, den 10. d. M. kam ich gegen 9 Uhr abends von auswärts auf dem hiesigen Bahnhof an. Da ich auf dem Bahnhof höcte, daß im Laufe des Sonntagnachmittags der Belagerungszustand über Dortmund verhängt worden war, begab ich mich auf dem kürzesten Wege nach Hause. Unterwegs schlossen sich mir noch mehrere andere Personen an. Wir gingen durch die Katharinenstraße, Johanna= und Luisenstraße. An der Beurhausstraße angekommen, wurden wir von etwa fünszehn französischen Posten angehalten. Nach Ausweisen wurde nicht gefragt. Einige bei uns befindliche weibliche Personen wurden nach Hause geschickt. Wir übrig gebliebenen sechs männlichen Personen mußten uns zweien aufstellen und wurden durch die Beurhausstraße in der Richtung Hohestraße abgeführt. Wir wurden von zwei französischen Soldaten, die ihre Pistolen in der Hand hielten, begleitét. Eine starke Abteilung von zwei bis drei Gruppen folgte in kurzem Abstand hinterher. An der Ecke Beurhaus= und Hohestraße angekommen, gab einer der beiden uns begleitenden Soldaten mehrere Schüsse auf uns ab. Wir stoben dann auseinander. Ich wurde jedoch von einem der ersten Geschosse am Gesäß verletzt und fiel darauf zu Boden. Dort erhielt ich den zweiten Schuß und zwar einen Arm= und Bauchschuß. Als ich nun auf der Erde lag, kam der französische Soldat zu mir und kniete auf meinen Körper, setzte die Pistole an meinen Kopf und drückte ab. Das war der dritte Schuß. Die Kugel drang in meine rechte Wange ein und kam in der Nähe des linken Auges wieder heraus. Derselbe Soldat drückte dann seinen Revolver noch mehreremale auf mich ab, jedoch versagte die Waffe. Alsdann ließ der Soldat oon mir ab und entfernte sich in der Richtung Grafenhof. Ich habe dann etwa drei Viertelstunden vor der Wirtschaft Holzknecht auf dem Bürgersteig gelegen und wurde„weiter nicht mehr belästigt". Kurz vor Mitternacht wurde durch ein Krankenauto in das Städtische Krankenhaus gebracht. Ich versichere hiermit ausdrücklich, daß ich die reine Wahrheit gesagt habe und daß ich jederzeit bereit bin, vorstehende Angaben eidlich zu erhärten. Verurteilte Zechenleiter. 5 Jahre Gefängnis und 170 Milliarden Geldstrafe. Kurz vor Pfingsten wurde einer Reihe von Zechenleitern ein Befehl zur Wiederaufnahme der Kohlenlieferungen zugestellt, nachdem vorher General Degoutte die Verordnung 33 erlassen hatte, die die Nichtbeachtung dieses Befehls mit Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren und Geldstrafe in Höhe des doppelten Wertes der nicht gelieferten Kohlen bedrohte. Nach Ablauf der in dieser Verordnung vorgesehenen fünf Tage wurden die Direktoren Kellermann von der Gute Hoffnungshütte, Falke von der Zeche Conrordia und Friedmann von der Bergbau.=G. Adler verhaftet, denen unter anderen dieser Befehl zugegangen war. Heute wurde vor dem Kriegsgericht in Werden gegen diese drei Direktoren verhandelt. Gegenüber den Rechtsausführungen der Verteidigung verwies der Regieeungskommissar einfach darauf, daß der Pariser Kassationshof im Mainzer Fall die Rechtmäßigkeit der Kohlenrequisition anerkannt habe. Seine Ausführungen bewegten sich im übrigen mehr auf politischem Gebiete. Sie waren im ganzen darauf abgestimmt, daß die Haager Konvention, das internationale Recht und dergleichen hier keine Rolle spielten, sondern, daß die Kriegsgerschte dazu da seien, die Ruhrpolitik der französischen Regierung, für deren Rechtmäßigkeit der Regierungskommissar außerordentlich lebhaft eintrat, zu unterstützen dadurch, daß sie den Anträgen der Anklage folgten. Der Gerichtshof tat dies dann auch in vollem Umfange, indem er nach kurzer Verhandlung Direktor Kellermann zu der vom Anklagevertreter beantragten höchst zulässigen Gefängnisstrafe von fünf Jahren und zu der Geldstrafe mu 24,3 Millionen Franken verurteilte. Direktor Falke von den Rombacher Hüttenwerken. Zeche Konkordia in Oberhausen, erhielt fünf Jahre Gefängnis und 42 780000000 Mark Geldstrafe. In der Verhandlung gegen den Angeklagten Friedmann, Prokurist von der Adler= .=G. für Bergbau in Kupferdreh, wies die Verteidigung nach, daß Friedmann überhaupt nicht der verantwortliche Vertreter seiner Gesellschaft, sondern lediglich Prokurist mit dem Titel Direktor sei. Duvert hielt seinen Standpunkt, daß Friedmann haftbar sei, jedoch hartnäckig aufrecht und beantragte als Strafe 3 Jahre Gefängnis und 56 Milliarden Mark. Das Urteil lautete nach kurzer Beratung auf 8,25 Millionen Franken, das sind 56 925 Millionen Mark, ohne Gefängnisstrafe. Das ist das einzige Urteil, das nicht den Anträgen des Staatsanwalts entspricht. Am heutigen Nachmittag verhängte das Werdener Kriegsgericht zusammen 10 Jahre Gefängnis und rund 269 Milliarden Mark Geldstrafe. Massenausweisung. WTB Köln, 15.Juni. Im Laufe des gestrigen Tages sind die Franzosen dazu übergegangen, die Eisenbahnbeamten an der vor einigen Tagen militarisierten Strecke von Wanne bis Bergeborbeck auszuweisen. Allein im Laufe des gestrigen Tages wurden 45 Eisenbahner der Station Wanne, über 100 der Station Gelsenkirchen, 68 der Station Katernberg und sämtliche Eisenbahner der Stationen Altenessen und Bergeborbeck ausgewiesen. In dem Ausweisungsbefehl wird gesagt, daß die Familien innerhalb vier Tagen zu folgen hätten. Das Rote Kreuz hat sich mit dem Generalkommando in Recklinghausen in Verbindung gesetzt, um zu erwirken, daß die Lage der zurückgelessenen Familien gemildert wird. Wohin die Eisenbahner gebracht werden. war nicht zu ermitteln. Hilferuf für die Ausgewiesenen. Angesichts der immer grausamer werdenden Ausweisungen hat der Verband kathol. Beamtenvereine Deutschlands(Sitz Köln, Gereonskloster 14), der im alt= und neubesetzten Gebiet die Mehrzahl seiner Mitglieder hat, ein Schreiben an den Heiligen Vater gesandt. Darin heißt es u..: Heimattreue, gewissenhafte, durch heiligen Eid bei Beginn ihres Amtes verpflichtete Beamte werden durch französische u. belgische Besatzungsbehörden ihrer ganzen Habe beraubt, aus Haus und Heimat vertrieben oder ins Gefängnis geworfen. Das ist schwerste Bestrafung der Gewissenhaftigkeit und Treue. Täglich wandern hunderte Männer, Frauen, Kinder, Greise in die Verbannung. Die Lage wird immer unerträglicher. Heiligster Vater! Wir kathol. Beamten bitten um moralische Hilfe in allerschwerster Not. Neuer Zwischenfall? WTB Dortmund, 14.Juni. An der Bahnüberführung Herne=Bauken ist gestern abend gegen 11 Uhr ein französischer Posten erschossen worden. Als angeblicher Täter ist der Bergmam Stellmann von den Franzosen verhaftet worden. Nähere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Die Eisenbahner. Die Fürsorgestelle für ausgewiesene Eisenbahner in Koblenz ist gestern morgen durch die Franzosen geschlossen worden. Vier anwesende Beamte wurden wahrscheinlich verhaftet. Der wegen Unterschlagung mit zwei Wochen Gefängnis bestrafte und dieserhalb 1922 aus dem Eisenbahndienst entlassene, in Koblenz wohnhafte ehemalige Eisenbahnsekretär Franz Naunheim ist in französische Dienste getreten und als Vorsteher des Hauptbahnhofs Koblenz tätig. Auf der Strecke Neuß=Düren ereignete sich bei Block Rath ein Unfall eines französischen Kokszuges. Der Zug fuhr mit angekuppelter Drucklokomotive. Auf dem Gefällwechsel erfolgte Zugtrennung. Auf das gegebene Haltesignal hin hielt der vordere Zugteil, worauf der hintere Teil auf ihn auffuhr. Drei mit Koks beladene Wagen fielen die Böschung hinunter. In Köln kamen gestern folgende Transporte von Angehörigen ausgewiesener Eisenbahner an, die nach Verpflegung weitergeleitet wurden: Aus Bonn 35. Trier 22, Remagen 21, Ahrweiler 7 Personen und 1 ausgewiesener Eisenbahner aus Koblenz. Der Kreis Euskirchen hat vollständige Verkehrssperre, einschließlich Fahrräder. Die Euskirchener Kreisbahn wurde von den Franzosen stillgelegt. Die Strecke Euskirchen(Zuckerfabrik) —Münstereifel ist nur von Kreisgrenze Enskirchen bis Münstereifel in Betrieb. Lastwagen im alt= und neubesetzten Gebiet. Zur Regelung der Einfahrt und des Verkehrs der Lastwagen zwischen den besetzten Gebieten und dem Ruhrgebiet und umgekehrt hat die Rheinlandkommission und General Degoutte eine Verordnung(Nr. 181) erlassen, in welcher die Bezirksdelegierten ermächtigt sind, den Verkehr auf allen in den der Amtsgewalt des kommandierenden Generals unterstehenden Gebieten liegenden Strecken durch einen Sondervermerk auf den von ihnen auf Grund der Verordnung Nr. 164 ausgestellten Verkehrsscheinen zu gestatten. Die Lastwagen, für welche diese Verkehrsscheine ausgestellt wurden, können auf den angegebenen Strecken frei verkehren. Die Lastwagen, für welche die in der Verfügung Nr. 39 vorgesehenen Militärbehörden in den der Amtsgewalt des kommandierenden Generals unterstehenden Gebieten Verkehrsscheine mit Genehmigung für die in den der Gerichtsbarkeit der Rheinlandkommission unterstehenden Gebieten liegenden Strecken ausgestellt haben, können auf den in ihren Verkehrsscheinen angegebenen Strecken frei verkehren. Diese Verordnung tritt unverzüglich in Kraft. WTB Düsseldorf, 14.Juni. Wie das Düsseld. Tagebl. meldet, haben die Franzosen das Restaurant Savoy=Hotel in der KaiserWilhelm=Straße für einen Monat, bis zum 9. Juli d.., geschlossen. wegen der Weigerung des Inhabers, sich den Erlassen des kommandierenden Generals zu fügen. Die russischen Henker. Die Blutarbeit der russischen Sowjetkommunisten geht ununterbrochen weiter. Der Blutdurst dieser Freiheitsschwärmer ist unerschöpflich. Am 21. Mai wurden in Georgien nicht weniger wie 15 Personen vom Leben zum Tode befördert, darunter drei Generale, fünf Obersten und drei andere Offiziere der Roten Armee. Seit dem 14. Februar wurden nach eigener amtlicher Mitteilung der Sowjetbehörden 300 Personen hingerichtet. Bulgarien. Stambulisski tot. WTB Sofia, 15.Juni. Der frahere Ministerpräsident Stambulijski wurde bei einem Fluchtversuch erschossen. Die Kölnische Volkszeitung bemerkt dazu: Auf der Höhe des Lebens, kaum 44jährig, hat den gestürzten Diktator Bulgariens eine tödliche Kugel ereilt. Die Meldung von seinem Tode ist derjenigen seiner Gefangennahme auf dem Fuße gefolgt. Man wird nähere Nachrichten abwarten müssen. Stambuljski soll zwar auch physisch ein Kraftmensch gewesen sein, aber trotzdem kann man nicht annehmen, daß er einer jedenfalls nicht zur knanpen Bewachung allein gefährlich werden konnte. Oder sollte ein gewalisamer Befreiungsversuch durch seine Anhänger gemacht worden sein, bei dem er den Tod gefunden hat? Die neuen Männer haben jedenfalls ein dringendes Interesse daran. auch den leistesten Verdacht ron dem einwandfreien Verlauf der Aktion gegen ihren Widersacher zu beseitigen. Das neue Negime könnte keinen größeren Fehler begehen, als die abstoßenden Fehler der Vorgänger zu wiederholen und Nache und Vergeltung zu üben. Stambulijski war ein brutaler Instinktmensch. Im Interesse Bulgariens ist zu hoffen, daß die primitiven Regierungsmaximen von Sttmbulizski und Genossen endgültig der Vergangenheit angehören mögen. Dann würden sie neue Verehrer finden dann müßte man für das Land das Schlimmste befürchten Ein blutiger Bürgerkrieg wäre die unvermein bare Folge. Auch jetzt ist die Lage Naßnahme wird damit begründet, daß Stambulijski wenige Tage vor seinem Sturz 120 Millionen Lei sich zur persönlichen Verfügung habe anweisen lassen. Der Hauptwiderstand der Bauern macht sich im Süden und Nordosten bemerkbar. Zum Tode Stambulitskis teilt die Bulgarische Telegraphenagentur noch folgende Einzelheiten mit: Stambulijski sei gestern morgen im Dorfe Golak verhaftet worden. Er habe sich dem Truppenkommandeur freiwilig ergeben. Am Nachmittage wurde er im Automobil von Wetreb nach Tatarbasardschik gebracht, wo er ron den Bewohnern mit lärmenden Kundgebungen des Mißfallens empfangen und fast gelyncht worden wäre. Um Zwischenfällen vorzubeugen, sollte Stambulijski; nach Slavowitza gebracht werdeß. Auf dem Wege dorthin griffen bewaffnete Bauern das Automobil an und es gelang Stambulijski zu entfliehen. Es wurde sofort das nötige veranlaßt, um ihn von neuem festzunehmen und ihn unter guter Bedeckung nach Sofia überzuführen. Bei der Verfolgung entspann sich eine Schießerei. in deren Verlauf Stambulijsky getötet wurde. Die Regierung bedauert diesen Zwischenfall tief und hat eine eingehende Untersuchung angeordnet. Giftmischerei. Unter dieser Spitzmarke schreibt die Kölnische Volkszeitung in der heutigen Morgen=Ausgabe: In der Berg.=Märk. Zeitung Elberfeld(vom 14. Juni) ist zu lesen: Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, hat am vergangenen Samstag in Köln eine Versammlung rheinischer Zentrumsleute stattgefunden, die sich mit der Frage der Errichtung einer rheinischen Sonderrepublik befaßte. Die Bewegung wird auf die Tätigkeit des päpstlichen Delegaten Monsignor Testa zurückgeführt, der den deutschen Kampf an Rhein und Ruhr als verloren bezeichnete(angeblich nach einer Aeußerung des Papstes) und die Errichtung einer Sonderrepublik als Vorbeugung gegen die Annexion durch Frankreich oder den sogenannten Völkerbund empfahl. Innerhalb des Zentrums soll sich eine Spaltung zeigen, die auch auf das Reich übergegriffen habe. An der Sitzung in Köln soll nach anderen Mitteilungen Minister Hermes teilgenommen haben. Im Zusammenhang damit steht eine Meldung aus Düsseldorf, die besagt, daß am Rathausufer eine Propagandastelle für die rheinische Republik arbeitet, die Einzeichnungslisten aufgelegt hat und den Einzeichnern Vorzugsrechte im Bezug von Kohlen uff. in Aussicht stellt. Der Zentner Kohlen soll den künftigen rheinischen Republikanern zu 8000 A versprochen werden. Die Rheinische Tageszeitung. das Organ der Deutschnationalen in Köln, druckt diese Meldunn— mit Vorbehalt— nach. Sie hätte besser getan, dies nicht zu tun. Denn man ist versucht zu glauben, daß sie sich auf die Pfade der Bergisch=Märkischen Zeitung begeben hat. die den traurigen Mut aufbringt, in dieser Zeit der höchsten nationalen Not mit solchen den Stempel der übelsten Giftmischerei und vollendeten Unwahrheit und Unwahrhaftigkeit tragenden Nachrichten parteipolitische Geschäfte machen. Es bedeutet ein ungeheuerliches Maß von Arroganz. wenn das Elberfelder Blatt schreibt„Wir halten es darum für notwendig, daß sich das rheinische Zentrum wie das Reichszentrum klar und unmißverständlich von jeder Sonderbestrebung entfernt, und daß die Regierungsstellen die Augen offen halten.“ Noch vor wenigen Tagen hat das Zentrum durch den Mund seines Führers Geheimrat Porsch eine Erklärung gegeben. die für anständige Nenschen jede Mißdeutung ausschließt. Das hindert dieses Elberfelder Blatt nicht, eine so ungeheuerliche Meldung in die Welt zu setzen. An der Meldung ist. soweit die Zentrumszartei ehörige dieser Partei in Frage kommen. kein wahres Wort. Das gleiche gilt von der angeblichen Aeußerung Testas. Dollarkurs: Köln, 16.., 12 Uhr. 114000 M. Reichswehrblock Roßbach. WTB. Berlin, 14. Juni. Ueber die Aufdeckung des Reichswehrblocks in Magdeburg sind in einem Teil der Presse Veröffentlichungen erfolgt, die außerordentliche Uebertreibungen darstellen. Die bisherigen Untersuchungen hatten folgendes Ergebnis: Roßbach ist kurz vor seiner Verhaftung in Magdeburg gewesen und hat dort versucht, mit Reichswehrangehörigen in Verbindung zu treten. Er ist dabei insbesondere mit dem Kraftwagenfahrer Richl, einem jungen unreifen Menschen, in Beziehung getreten und hat mit ihm zusammen die Statuten des sogenannten Reichswehrblocks Roßbach aufgestellt. Riehl hat dann versucht, für diesen Reichswehrblock weiter zu werben. Die Ergebnisse seiner Bemühungen scheinen äußerst gering zu sein. Das ergibt sich schon daraus, daß die oberste Leitung dieses Reichswehrblocks in den Händen dieses jungen und unerfahrenen Riehl blieb. Auch haben sich bisher keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, daß die Organisation über Magdeburg hinaus irgendwelche Anhänger gefunden hat. Die am 8. d. M. in einer geheimen politischen Versammlung verhafteten fünf Kraftfahrer wurden aus der Haft entlassen. In Haft befindet sich nur noch der Oberfähnrich Seiler vom Pionierbataillon 4. Die Untersuchung gegen alle Teilnehmer schwebt vor dem Staatsgerichtshof. Außerdem ist gegen sie von militärischer Seite Anzeige wegen Ungehorsams erstattet. Hochverratsproreß. Im Srozeß WTB München, 15.Juni. Fuchs=Machhaus erklärte der Zeuge Oberamtmann Dr. Frick, Leiter der Kriminalpolizei, Fuchs habe ihm gegenüber mit verblüffender Offenheit seine Pläne dargelegt. Er habe damit begonnen, daß er aus den besten französischen Quellen erfahren habe, daß Bayern von Berlin bereits verraten und verkauft sei. Bayern könne sich die Pfalz nur dadurch erhalten, daß es alsbald zu einer selbständigen Aktion schreite. Zu einem sofortigen Losschlagen sei alles bereit. Seine Leute könnten nicht mehr lange gehalten werden. Waffen seien genügend vorhanden. Der Putsch hätte schon stattgefunden, wenn nicht im letzten Augenblicke die Waffentransporte von der Landespolizei weggenommen worden wären. Das Ruhrgebiet und Norddeutschland müsse man sich selbst überlassen, Es gelte eine Einheitsfront mit Frankreich der Tschecho=Slowakei gegen den Bolschewis zu errichten. Dann fragte Fuchs Dr. Frick, er nicht auf die Landespolizei einwirken daß sie solche unerwünschte Eingriffe in Waffentransporte untersasse. Zeuge Hauptmann a. D. Seidl war Zeuge Gesprächs, das Fuchs am 26. Febr. mit Neunzert vom Wehrkreiskommando hate. sagte dabei u.., man dürfe sich durch das! Rheinbundstaat nicht schrecken lassen denn aus dem Rheinbundstaat sei seinerzeit das große Deutsche Reich entstanden. Kleine Nlachrichten. * Bonn, 15.Juni. Der Landrat des Landkrets#### Bonn, Geh.=Nat v. Nell, ist gestern durch den Tod von einem langen und schmerzlichen Leiden erlöst worden. Eiserne Pflichttreue, unermüdlicher Fleiß, Hilfsbereitschaft und strengste Rechtschaffenheit, verbunden mit Wohlwollen gegen Jedermann zeichneten den Verstorbenen aus. In der amtlichen, behördlichen Wohlfahrtspflege erschöpfte sich seine caritative Arbeit nicht; er wollte diese vielmehr als Grundlage für die christlich=caritative Fürsorge aufgefaßt wissen, die in ihm einen stets bereiten Förderer hatte. Ein treuer Sohn der katholischen Kirche und ebenso treuer Diener seines Vaterlandes ist mit ihm dahingeschieden. Die Wahlen in Oldenburg. Ueber das Ergebnis der am Sonntag im Freistaat Oldenburg, dem früheren Großberzoatum, vorgenommenen Wahlen liegt der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Volkspartei das genaue Stimmenergebnis vor. Danach haben Sozialdemokraten u. Unabhängige bei der Landtagswahl 1920 zusammen 60 466 Stimmen aufgebracht. Bei den Wahlen am Sonntaa fielen auf die Sozialdemokratie 45 285. auf die Unabhängigen 2195 Stimmen, das sind 13 086 Stimmen weniger. Hiervon dürften 9190 auf die Kommunisten entfallen sein, die von 2625 im Jahre 1920 auf 11 815 stiegen. Die Deutschnationalen gewannen bei 13584 Stimmen 6982(die zum größten Teil vom Landbund herrühren dürften. der keine Kandidaten aufgestellt hatte), die Deutsche Volkspartei bei 43810 Stimmen 3379, die Demokraten bei 36 065 Stimmen 5957 und das Zentrum bei 40 310 Stimmen 797(nach Mitteilung der Germania 2110). Auf die bürgerlichen Parteien sind somit 133 769, auf Sozialisten und Kommunisten 59295 Stimmen entfallen. Die ersteren haben 8618 Stimmen gewonnen, die Letzteren 3896 Stimmen verloren. Ungetreue Jugführer. Frankfurt a.., 15.Juni. Die hiesige Kriminalpolizei verhaftete, wie die Köln. Volksztg. meldet, vier Zugführer. die seit Monaten die ihnen anvertrauten=Zugwagen während der Fahrt beraubt hatten. In den Wohnungen der Zugführer fand man gestohlene Uhren im Werte von 300 Millionen Mark und sehr hohe Beträge in barem Gelde. Bei einem der Verbafteten fand man mehr als 100 Koffer und Nachschlüssel. England—Rußland WTB London, 13.Juni. Reuter meldet: Die britische Regierung stellt in ihrer Antwort auf die letzte russische Note mit Genugtuung fest, daß die Sowjetregierung in Zukunft jede englandfeindliche Propaganda unterlassen wird. Großpritannien verpflichte sich, den Plänen, die möglicherweise von russischen Staatsangehörigen außerhalb Englands gegen die Sowjetregierung geschmiedet werden könnten, keine Unterstützung angedeihen zu lassen. Die Note stellt fest, daß die Sowjetregierung die wichtigsten Forderungen Englands erfüllt habe, sodaß der Notenwechsel als beendet angesehen werden könne. Hauptschriftleiter: Joh. Rinas. Verantwortlich für Politik P. Saupe, für Kommunal= und Sozialpolitik Joh. Rings. für Lokales und Sport F. Bockskopf, für Wissenschaft. Kunst. Bildungsund Jugendfragen Dr. Heinz Stephan, für den Anzeigenteil W. Munck, Druck und Verlag: Volkswacht=Verlag, G. m. b. H. u. Co., Kommanditgesellschaft. Alle in Köln. Samstag, 16. Juni 1923 Seite 3 Aus Stadt und Land Heimat. Sie verloren ihre Heimat, damit die anderen ihr Heim behielten. Nun haben sie keine Heimat mehr. Heimat kann man nicht bezahlen. In ihren Herzen ist Kirchhofstille. Und wenn ihre Heimat auch nur war ein braunschwarzes Eifeldorf zwischen Lavasteinen— was wißt ihr Klugen und Reichen von der Heimat? Das Herz hat sein eigenes Leid und sein eigenes Lied. Es hing vielleicht an einem alten Stück Hausrat— auch das mußten sie verlassen. Und ein Kind hatte nur sein Schaukelpferd oder seinen Spielkasten— auch das blieb zurück. Schon nicht mehr den Duft des Bodens atmen, auf dem der Mensch jahrelang stand, das ist ein Schmerz ganz eigener Art. Aber nun blieb von allem„Reichtum der Heimat"— wenn es auch noch so arm war— nichts, nichts. Nur eins: jenseits des Stromes der Blick, der den Augen wehtut, unter dem heiß und trocken das Herz stöhnt: Heimat. Was hilft das Mitleid der Menschen? Wenn jene Heimatlosen es nicht tragen als ein heiliges Opfer für die anderen, keiner kann es ihnen vergelten. Ob ihr anderen jenseits unseres Rheinstromes bei Tag und Nacht unruhig seid, ob ihr die Zeitung mit Grimm vernehmt, unser Opfer ist tief wie der Brunnen des Blutes und unbesieglich wie der Grat des höchsten Berges. Woviel Herzist, ist viel Heimat. Als ein Teil des Volkes sein Herz verkaufte, zerrann der Boden unter den Füßen. Das Herz verträgt nicht den wilden Tanz der Zahlen und Geschäfte. Das Herz verträgt wohl die Arbeit der Kraft und des hohen Mutes. Wo aber die Arbeit nur Jagd nach Erfolg wird, dort wird das Herz hart. Königen des Geldes und des Eisens ist das Herz hart geworden. Und ihren Knechten, die von ihnen gedungen sind, ist das Herz hart geworden, und den Arbeitern, denen sie Blut mit Silberlingen bezahlen, ist im Kampf wider das Gesetz des Lohnes das Herz hart geworden. Kapital will keine Heimat. Denn die Heimat würde es veredeln. Diener des Kapitals verkaufen den Boden, das Dach als ein Stück ihres Geschäftes. Und doch sind Kapital und Börse eine Macht im Volk. Wider sie muß die Heimat sich wehren, der kleine Mann, der vor Heimweh stirbt und das Herz, das am Heimweh blutet. Wir opfern die Heimat nicht dem Mammon. Darum soll unsere erste Sorge sein, jedem Heimatlosen das wiederzugeben, wo er sagen kann: hier bin ich daheim. Deutsches Wesen wurzelt im deutschen Boden. Deutsche Herzen bleiben nur stark, wo das Herdfeuer flakkert und flachsblonde Kinderköpfe um den genügsamen Tisch sitzen. Banget nicht, wenn auch Fremde durch unser Land gehen, deutsche Erde bleibt deutsch, solang deutsche Herzen sie pflegen. ud. Die Kartoffeln viel zu billig!? Nr. 135 gaben wir Kenntnis von einem dringenden Brief, den die Zentrumsfraktion des Stadtverordnetenkollegiums an den Oberbürgermeister wegen des immer fühlbarer werdenden Kartoffelmangels gerichtet hat. Mit Bezug darauf schreibt uns ein Vorstandsmitglied des Verbandes deutscher Kartoffel=Interessenten E. V. (Sitz Berlin): „Es wird darin auch auf die Volksmeinung hingewiesen, die Kartoffeln seien wohl reichlich vorhanden, aber sie würden zurückgehalten.(In dem Brief heißt es, daß das vorläufig nicht angenommen werde.] Das ist ein Irrtum. Wo keine Kartoffeln sind, lassen sich auch keine zuruckhalten! Es sind eben fast keine Vorräte mehr da, und was noch bei den Landwirten liegt, brauchen sie größtenteils selbst. Daß dieses Urteil bei den Verbrauchern verblüfft, ist nicht zu verwundern, denn bei solcher Riesenernte, wie wir sie in 1922 gehabt haben(etwa 55 Proz größer als in 1921) sollten eigentlich noch genügend Kartoffeln vorhanden sein. Aber wie alle Ursachen ihre Wirkung haben, so haben sie sie auch bei den Kartoffeln. Die Kartoffeln sind vor allem von Anfang an gegen andere Landesprodukte zu billig gewesen und heute noch zu billig. Beachtet man, daß z. B. Getreide nach der letzten Börsennotierung erwa 15000 mal, Stroh etwa 30000 mal und Kartoffeln nur etwa 7500 mal höher sind als in der Friedenszeit, so kann man sich denken, daß die Landwirte darauf bedacht waren, die Kartoffeln besseren Zwecken zuzuweisen als Eßzwecken. Statt des teuren Getreides und anderer teurer Futtermittel haben die Landwirte viele Kartoffeln verfüttert; ferner sind auch viele Kartoffeln zu Fabrikationszwecken verwandt worden. Ein weiterer Umstand für die jetzige Knappheit ist der im vorigen Jahr so früh eingesetzte Frost, wodurch Millionen Zentner erfroren sind. Durch die durch die nasse Witterung des Vorjahres hervorgerufene geringe Haltbarkeit eines großen Teiles der Ernte sind bedeutende Mengen bei den Landwirten und Verbrauchern verfault. Hoffentlich tragen diese Ausführungen viel zur Aufklärung über die Kartoffelbewirtschaftung bei, ohne eine besondere Beunruhigung hervorzurufen, denn es kommen noch täglich Kartoffeln nach Köln, und was an Kartoffeln fehlt, muß eben durch Brot= und Mehlspeisen, so wie im Krieg und im vorletzten Winter, ersetzt werden.“ Wir sind dem Schreiber dankbar für diese Mitteilung, die gewiß Gründe für den Kartoffelmangel anführt, die diesen in etwa erklärlich erscheinen lassen. Wir sind auch weit entfernt davon, irgend jemanden die Schuld für die beklagenswerte und für unsere Hausfrauen sehr empfindliche Erscheinung aufzubürden— auch den Kartoffelgroßhändlern nicht. Aber für die Behauptung, daß die Kartoffeln viel zu billig gewesen und heute noch zu billig seien, dafür fehlt uns jedes Verständnis. Wer von den Verbrauchern hat denn heute ein Einkommen, das nur(!) 7500 mal höher ist wie vor dem Kriege? Weitaus die meisten müssen mit einer weit geringeren Steigerung zufrieden sein — von den Armen, den Erwerbslosen, Klein= und Sozialrentnern garnicht zu reden. Es gibt zahlreiche Akademiker— man denke nur an die Geistlichen—. die heilfroh wären, wenn sie nur das zwei= bis dreitausendfache ihres Friedenseinkommens hätten. Wenn alles und jedes 15 000 mal höher stände wie vor dem Kriege, müßte ein großer Teil unseres Volkes glatt verhungern. Von anderer, mit den Verhältnissen sehr vertrauter Seite wird als Hauptgrund die völlige Störung des ordnungsmäßigen Eisenbahnverkehrs durch die Gewaltmaßnahmen der Franzosen angeführt. Dadurch sei die Herbeischaffung der Kartoffeln aus dem Osten, wo sie noch in genügender Menge vorhanden seien, unmöglich. Dieser Grund ist einleuchtend und dünkt uns der entscheidende zu sein. Immer wieder: Versailles! Ein eigenartiges Verhalten. Aus christl. Gewerkschaftskreisen schreibt man uns: Der Streik der städtischen Arbeiter war bekanntlich gegen den Willen der Gewerkschaften ausgebrochen. Darum war zwischen diesen, und zwar den beiden sozialdemokratischen Verbänden der Gemeindearbeiter und Transportarbeiter, sowie dem christlichen Verbande vereinbart worden, keine Streikunterstützung zu zahlen. Ebenso entschiedene Geaner des Streiks waren die Fraktionen des Ratbauses. Auch die Sozialdemokratische. Letztere nahm soaar Anstoß an einer Auslassung der Rheinischen Volkswacht vom 1. Juni, die den Streik auch als eine Folge des barten Druckes der Teuerung bezeichnet hatte. Zur Besprechung dieses„Verbrechens“ wurde damals sogar die Stadtverordnetensitzung am 1. Juni unterbrochen. Die Rheinische Zeitung hat sich bekanntlich stets in schärfster Weise gegen den Streik gewandt. Nun kommt die Leitung des deutschen Transvortarbeiterverbandes (Allg. Deutscher Gewerkschaftsb.) und bänat folgende Bekanntmachung in den Straßenbahnhöfen aus: Werte Kollegen! Unser Zentralvorstand hat grundsätzlich entschieden, daß am 3. Juni(nachdem die Bestimmungen des Tarifvertrages erfüllt waren) der Streik als legal anerkannt wird. Nach Eintragung in die Listen, die den einzelnen Bahnhöfen zugehen, wird die Streikunterstützung nach den statutarischen Bestimmungen ausgezahlt. Streikunterstützung erhalten nur die Mitglieder, die ihren Versprechungen dem Verbande gegenüber nachgekommen sind. Bei der Eintragung und Auszahlung muß das Mitgliedsbuch vorgezeigt werden.— Die Ortsverwaltung. Das ist ein widerspruchsvolles Verbalten. Was sagen Rheinische Zeitung und sozialdemokratische Rathausfraktion nun zu einem solchen Vorgehen? Kinder in tot! Keiner darf zur Seite stehen, wenn es heißt, die Zahl der unterernährten und hungernden Kinder zu mindern. Die Zexrüttung der wirtschaftlichen Verhältnisse, die in der ungeheueren Geldentwertung furchtbaren Ausdruck findet, dauert an; die Not in ihrem Gefolge steigert sich von Tag zu Tag. Darum ist die Pflicht eines jeden vorgezeichnet. Schnelle, reichliche Hilfe tut not! Wem es eben möglich ist, ein Kind an seinen Tisch zu nehmen, der melde sich! Wer bei bestem Willen kein Kind bei sich speisen lassen kann, der helfe uns durch eine Geldspende, um den Kindern, welche wir nicht in Familien unterbringen können, in Heimen ein einfaches, aber kräftiges Mahl verabreichen zu lassen. Das kleine Kapital das zu diesem Zwecke zur Verfügung stand, ist durch die ständige Steigerung der Kosten für Lebensmittel wieder fast aufgezehrt. Wenn nicht reichliche Unterstützung wird, uno zwar bald, dann muß diese so segensreich gewordene Einrichtung, die seit zwei Jahren unterhalten wird, aufgelöst werden. In den Augen der Kinder steht die Bitte: Helft uns! Gebt der Geldentwertung entsprechend! Bedenkt, wie teuer ein Laib Brot, wie teuer ein Liter Milch ist! Jeder, der spendet, und reiche er nur ein Brot leistet seinem Volke einen Dienst. In der Opferwilligkeit des Menschen liegt sein Wert. Zeigen wir der Welt und der Nachwelt, daß wir uns dieser heiligsten Pflicht auch in schwersten Zeiten bewußt sind. Die Kölner Vereinigung für Kinderhausspeisung. Für den Verband Kölner Frauenvereine: Frau Justizrat Falk, Christophstraße 39; für die katholische Geistlichkeit: Pfarrer Kremer, Hochstadtenstraße, und Pfarrer Dr. Lenne, Marzellenstraße; für die evangelische Geistlichkeit: Pfarrer Lehmann, Antoniterstraße; für die Synagogengemeinde: Rabinner Dr. Rosenthal, Roonstraße 50; Geldspenden an: Frau Lucie Frank, Postscheckkonto Köln Nr. 17.032. Pflicht der Jugend. Die Jugend will wandern. Sie wandert trotz drohender Regenschauer, freut sich der Natur mit jungen begeisterungsfähigen Herzen und vergißt am Wandertag allzu leicht, daß sie— deutsch ist. Für Großstädter wirkt ein Wandertag ermüdend und unüberlegt steigen die Wandervögel oft bei Rückkehr vom Ausflug in die Franzosenzüge. An Stelle des Guten, statt des Alkohol= und Tanztaumels zu frönen, in freier Natur die Gesundheit pflegen, tritt ein anderes Übel— für einen Deutschen ein Verbrechen am Vaterlanne— dem Feind den Rücken stärken. Deutsche Jugend! Zeige, daß du Charakter hast! Jugendleiter, ermahnt und belehrt immer und immer wieder. Wo sind die Jugendorganisationen, die das übel ertöten? Jugend, denke an deine Pflicht! Kaufmann, trage die Last. Die seit der Besetzung und Stillegung der Bahnhöfe Hennef(Sieg) und Sieabura durch die Franzosen hervorgerufene Erschwerung des Eisenbahnverkehrs im Kölner Bezirk hat leider noch keine Erleichterung erfahren. Die Bestrebungen der Eisenbahnverwaltungen, ihre nach der Besetzung jener Bahnhöfe notgedrungen angeordneten Sverrmaßnahmen zu lindern, haben noch wenia Erfola gehabt. Abgesehen von Lebensmitteln, Futtermitteln und Düngemitteln können infolgedessen Wagenladungen, die für den Kölner Wirtschaftsbezirk bestimmt sind. überhaupt nicht zur Beförderung angenommen werden. Von Stückgütern können nur solche nach Köln verbracht werden, die bereits vor Anordnung der Sverren von rechtsrheinischen Stationen angenommen worden sind. Auch die Beförderung von Umzugsaut ist nur beschränkt möglich. Die Handelskammer, die mit der Eisenbahnverwaltung engste Fühlung bält und im Verein mit dieser nach Kräften bemüht ist, die trostlose„Verkehrslage zu beheben, bittet die Geschäftswelt dringend, sich mit den im Augenblick unabänderlichen Verhültnissen abzufinden. Gesuchen um Ausstellung von Dring= lichkeitsbescheinigungen, von Bescheiniaungen über die Notwendigkeit ausnahmsweiser Beförderung bestimmter Güter und dergl. kann zur Zeit keine Folge gegeben werden, da sonst die Lebensmittelversorgung des britisch besetzten Gebietes noch stärker gefährdet wird, als dies jetzt schon der Fall ist. Die Eisenbahnverwaltung hofft, daß sich die Verkehrslage bis Ende nächster Woche soweit gebessert haben wird, daß dringliche Güter von den Stationen wieder angenommen werden können. Beurlaubt. Wie wir hören, ist Dr. Staab, Schriftleiter der Neuß=Grevenbroicher Zeitung, aus der Strafanstalt Aachen gegen Hinterlegung einer Kaution von 5 Millionen Mark auf 8 Tage von den Belgiern nach Köln beurlaubt. 1500 M die Einzelfahrt! Am 21. Juni tritt auf den städtischen Bahnen ein neuer Tarif für Personenbeförderung in Kraft. Die Einzelheiten sind aus der amtlichen Bekanntmachung im Anzeigenteil dieses Blattes ersichtlich. wird besonders darauf hingewiesen, daß die z. Zt. gültigen Knipskarten bis zum 27. Juni einschl. ausgenutzt werden können, soweit sie vor dem 21. Juni gelöst worden sind; die Wochenkarten bis zum 30. Juni, soweit sie vor dem 26. Juni gelöst worden sind. Neuregelung des Straßenverkehrs. Die außerordentlich starke Zunahme des Kraftwagen= und Fuhrwerksverkehrs in den Hauptverkehrsstraßen unserer Stadt wird besonders von den Ladenbesitzern nachteilig empfunden. Eine Reihe von Geschäftsinhabern in der Schilderaasse, die den gesamten Durchgangsverkehr von Westen nach Osten vermittelt, hat sich beschwerdeführend an die Handelskammer gewandt. Die Handelskammer bat daraufhin Fühlung mit der Polizeiverwaltung genommen und festgestellt, daß diese einzugreifen beabsichtigt, es aber abgelehnt, Anträgen auf Sverrung der Schildergasse für den Fuhrwerksverkehr zu entsprechen. Sie wird voraussichtlich dazu übergehen. das Halten von Fahrzeugen aller Art in der Schilderaasse für gewisse Stunden zu verbieten. Ueber weitere Maßnahmen für die Schildergasse und auch einige andere Straßen schweben noch Vorbesprechungen innerhalb der Polizeiverwaltung. nach deren Abschluß die Handelskammer Gelegenheit haben wird. das Interesse der Geschäftswelt und der Verkehrtreibenden bei der endgültigen Regelung der vorliegenden Frage wahrzunehmen. * Der kath. Beamten=Verein Köln=Merbeim linksrh. veranstaltet am Samstag, den 23. Juni. im Weidenpescherpark ein Wohltätigkeitskonzert. dessen Reinertrag zur vollständigen Renovierung des Hochaltars der dortigen Pfarrkirche dienen soll. Zu diesem Konzert haben namhafte Kräfte ihre Mitwirkung zugesagt, unter anderm das Männerquartett des Kölner Hauptbahnhofs mit 60 Sängern unter Leitung von Musikdirektor Willv Wolfaarten.— Gleichzeitig macht der Vorstand darauf aufmerksam, daß alle Mitgliederversammlungen. Vorstandssitzungen, Vorträge und öffentliche Veranstaltungen durch die Rhein. Volkswacht bekannt gegeben werden. Am Mittwoch, 20. Juni. abends 8 Uhr Vorstandssitzung bei Urbach, Neußer Straße, wozu auch alle Vertrauensleute eingeladen sind. Darnach Preiskegeln, dessen Ertrag obengenanntem wohltätigen Zweck dienen soll. * Ruhe. In der nächsten Woche findet keine Stadtverordneten=Sitzung statt. * Kraftwagenverkehr. Die Handelskammer Köln teilt mit: Die Auto=Verkehrsscheine für das Ruhrgebiet werden nicht, wie kürzlich gemeldet. am Habsburgerring 1 ausgestellt. Nach neuester Bestimmung können die Anträge nur im Stahlhof in Düsseldorf gestellt werden. Die Stellung des Antrages ist nur in Fällen dringenden Bedürfnisses zulässig. * Die alte Unsitte. In das Krankenhaus Berg. Gladbach wurde ein junger Mann eingeliefert, der sich durch Herumarbeiten mit den Fingernägeln an einem Pickel im Gesicht eine schwere Blutveraiftung zuzog. Der junge Mann schwebt immer noch in Lebensgefahr. * Erwischte Grabschänder. Von der Mülheimer Kriminalstelle wurden zwei Grabschänder im Alter von 19—22 Jahren festgenommen. Sie hatten den an der Sonderburgerstraße in Mülbeim gelegenen katholischen Fricdhof(der leider nur teilweise eine Umzäumung hat) betreten und dort verschiedene Bronzegrabmäler zertrümmert. Im Begriff, die wertvollen Teile bei einem Althändler zu verkaufen, wurde einer der Verbrecher festgenommen, der andere wurde nachträglich ermittelt.— Ein weiterer Kupferdieb, ein Arbeiter, der eine Menge Fernsprechdraht nachts aus einer Fernleitung geschnitten hatte, kam ebenfalls in Haft. * Jetzt nur noch Millionen. In der Nacht zum Freitag wurde an einem Geschäft in der Ehrenstraße das Schaufenster eingedrückt und für mehrere Millionen Mark Damenstoffe und Damenbekleidungsstücke gestoblen. Vor dem Lichtbilde. Alt Heidelbera im Film. Man sagt, das bekannte Schausviel Alt=Heidelberg sei ein Schmarren. Man sagt, der Zulauf, den es jeweils bei Erscheinen auf der Bübne immer wieder findet, sei nur die Folge seiner besonderen Anziehungskraft auf die Jugend in Studienjahren. Man sagt, es sei ein Zeichen von Geschmacksverbildung, daß das Spiel noch immer so vielen gefalle. Mit den Vertretern dieser Anschauungen soll man nicht rechen, zumal wenn sie die kritische Brille mit scharfen Gläsern aufhaben und, durch diese gesehen. ihr Urteil fällen. Das Volk sieht anders. Nicht durch die Brille der Kritik und der verstandesmäßigen Nüchternheit; es schaut mit den Augen des Herzens. des Gefühls, der alten guten deutschen Neigung für Romantik. Wer will es drum schelten? Und dann Hand auf's Herz: ist nicht angesichts des Karl Heinz, und des Dr. Jüttner, und der Käti, auch schon über das Gemüt manches „bemosten Hauptes“, manches kühl und nur rechnend gewordenen Mannes der vierzig und fünfzig und sechzig Jahre so etwas wie lachender Sonnenschein der Erinnerung an frohe Jugend gebuscht, an Zeiten der vollendeten Sorglosigkeit, des Frobsinns alleweil, an Zeiten schöner Jugendfreundschaft und daneben heimlicher glücklicher Stunden einer ersten harmlosen, schwärmerischen Jugendliebe? Wer durch eine schöne Jugend mit Gewinn für's Leben ins Leben trat, wer inzwischen nicht ganz verknöchert ist, wer den Funken der Jugendfreude nicht erstickt hat unter der Schlacke materialistischer Gesinnung und mürrischem Haderns mit dem Ernste des Lebens— der muß aus jener Zeit, die„niemals wieder her kommt", leisen Glockenschlag der Empfindungen herüberklingen bören, wenn er unkritisch, nur Stimmungen sich überlassend vor„AltHeidelberg“ sitzt und schaut. Auch vor dem Film in den Agrippina=Lichtspiele kann man sich von solcher Stimmung treiben lassen. Er lief schon eine Woche dort; er läuft noch weiter: ein Zeichen, daß das Stück auch von der Lichtwand des lebenden Bildes her seine Anziehungskraft auf's Publikum ausübt. Man gibt mit der Musik Gesang dazu. Vermittelnder Text ist wenig eingestreut, der Gana der Handluna wird als bekannt vorausgesetzt. Die Darsteller des Karl Heinz und Dr. Jüttner sind nicht schlecht. Eva May's Käti befriedigt. Allerdings: der prickelnde Sang und Klang der Bühnendarstellung kann nicht ersetzt werden, auch nicht dadurch, daß manches im Bild geschickt eingeflochten ist, was man sonst im Schauspiel sich denken muß, sodaß der Fluß der Handlung gesichert ist, Wer Alt=Heidelberg auf der Bühne sab. wird gern einmal schauen, wie es sich im Film ausnimmt. Und wer es dort gesehen hat, wird sich vornehmen: demnächst sehe ich mir's doch auf der Bübne nochmal an. Der„Schmarren“ wird für's erste nicht sterben, ihr gestrengen Herren Kritiker, solange es gefühlsreiche und für's Romantische schwärmende Deutsche gibt. Daß diese aussterben, sollte niemand wünschen. Aus den Gerichtssälen. Schwere Strafe für Meineid. Ein Bahnarbeiter wollte sich ein Haus bauen lassen, trat mit einem Bauherrn in Verbinduna. löste dann aber die Beziehungen und überaab den Bau einem zweiten. Er bezahlte diesem bis zur Balkenlage 27 500 Mark, damit waren seine Mittel erschöpft und der Weiterbau ruhte. Der Baumeister ließ das Sachvermögen des Beamten mit Arrest belegen. der legte Protest ein nud brachte dazu drei eidesstattliche Versicherungen bei, eine von sich, und zwei von Freunden. In diesen Schreiben sollen sich wissentlich falsche Angaben befinden. Ihm selbst wird vorgeworfen, daß seine Behauptung. er habe von dem ersten Baumeister einen ausführlichen Kostenanschlag erhalten, falsch sei und daß er 2. einen befreundeten Arbeiter zum Meineid zu veranlassen gesucht habe. Sein 1. Helfer. ein Schreiner, soll 4 falsche Behauptungen dem Gericht übergeben haben: 1. er sei selbständiger Handwerksmeister, 2. der Besitz des zweiten Bauberrn sei überlastet, 3. er verkaufe belastete Grundstücke als hypothelenfreie und 4. ein Gläubiger habe ihn schon fruchtlos gepfändet. Und ein zweiter Helfer soll insofern fahrlässig eine falsche Versicherung abgegeben haben, als er schrieb, der zweite Bauberr habe um 10000 M billiger bauen wollen als der erste, obwohl er nicht wußte, wieviel der verlangt hatte.— Durch die Beweisaufnahme ergab sich die Richtigkeit der Anklage; lediglich die zwei Aussagen über die Vermögensverhältnisse des Baumeisters und den leichtsinnigen Verkauf verschuldeter Parzellen wurde als erwiesen angesehen. Die übrigen Behauptungen und Beschuldigungen konnten nicht wahrheitsgemäß belegt werden. Die eidesstattlichen Versicherungen waren also zum mindesten fahrlässig abgegeben worden, zum großen Teil sogar wissentlich falsch. Auch wurde die Verleitung zum Meineid alatt erwiesen.— Der Hauptangeklagte und Veranlasser der Schreiben erhielt 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus. sein erster Helfer 7 Monate Gefängnis, der zweite Helfer wurde freigesprochen. Man hielt ihm seine Fahrlässigkeit zu gute und nahm bei seiner Beschränktheit auten Glauben an. Rus Wiesdorf. * Ueberlastet. Mit Rücksicht auf den überlasteten Verkehr auf der Köln=Düsseldorfer Chaussee ist es für die Falge untersagt, mit Demonstrations= oder Festzügen die genannte Straße zu benutzen oder zu überqueren. Nnkündigungen. * Von Rom zurück. Der Sekretär des Kölner Gesellenvereins, Peter Spelthahn, ist von seiner Romreise zurückgekehrt. Er wird demnächst im Kolpinghause über seine Erlebnisse einen Lichtbildervortrag halten.=2Vrrtug * Verlängerter Kirmestrubel in Mauenheimn. Durch den großen Anklang, den das Nivveser Schützenfest an den drei ersten Tagen der vergangenen Woche gefunden hat, sehen sich die Unternehmer des Trubelvlatzes veranlaßt, am morgigen Sonntag von 3 Uhr ab ihre Schaustellungen nochmals dem Publikum zur Verfügung zu stellen. Es wird Gelegenheit geboten, auf der„Elektro=Tunnelbahn, dem Teufelsrad. in dem Lachhaus, auf Karussells und im Hipvodrom sich nach Herzenslust zu ergötzen. Auch die Schützen können in den Schießbuden ihre Kunst zeigen. * Ringer im Kristallpalast. Wir verweisen auf die Anzeige, die bedeutende Kämpfe ankündiat. * Ein Straßenkonzert beabsichtigt der Kölner M. G. V. Apollo(1849) morgen. Sonntaa. vorm. von 11—1 Uhr bei gutem Wetter am Kaiser=Wilhelm=Ring in der Nähe des Kaiserin=AugustaDenkmals zu veranstalten. Bei dieser Gelegenheit soll eine Sammlung zum Besten der Altershilfe stattfinden. * Die Köln=Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt fährt täglich vom Leystapel ab 18. Juni.15 nach Biebrich, Schnellfahrt.00 nach Mainz, 12.00 nach Koblenz, .30 nach Duisburg. * Köln=Bonner Eisenbahnen. Die ungewöhnliche Steigerung aller Ausgaben. sowobl der Versonal= als der Materialkosten, bedingen eine weitere Erhöhung der Fahrpreise auf den Linien der Köln=Bonner Eisenbahnen um 100 Prozent. Früher hat der Güterverkehr den mit Verlust arbeitenden Versonenverkehr durchgehalten. Seit dem eingetretenen erheblichen Rückgang des Güterverkehrs muß ein Ausgleich durch Steigerung der Personentarife gesucht werden. Die Maßnahme tritt am 20. Juni in Kraft. Spielplan der Verein. Stadttheater Köln für die Zeit vom 17. bis 26. Juni 1923. Opernhaus. 17. Sonntag: Cavalleria rusticana. Hierauf: Josefs=Legende,—.45.— 18. Montag: Die toten Augen. Hierauf: Die Nabijja,—10.30 Uhr.— 19. Dienstag: 17. Sondervorst.(Fr. Volksb.), .30—10 Uhr.— 20. Mittwoch: Mignon,—10 Uhr.— 21. Donnerstag: Undine,—10.30 Uhr.— 22. Freitag: Tannhäuser,.30—10.15 Uhr.— 23. Samstag: Figaros Hochzeit,—10.45 Uhr.— 24. Sonntag: Carmen,—10.45 Uhr.— 25. Montag: 18. Sonderv. (Fr. Volksb.),.30—10 Uhr.— 26. Dienstag: Die Zauberflöte,—10.30 Uhr. Schauspielhaus. 17. Sonntag: Nachm. Cyklus B4, Clavigo. Hierauf: Der zerbrochene Krug,—6 Uhr. Abends: Der Richter von Zalamea,.30—.45 Uhr.— 18. Montag: 75. Sondervorst.(Fr. Gew.),.15—10.15 Uhr.— 19. Dienstag: Cyklus A 5 Don Juan und Faust,—10.30 Uhr.— 20. Mittwoch: Nachm. Cyklus B 5 Don Juan und Faust,—.30 Uhr. Abends Cyklus C 4 Clavigo. Hierauf: Der zerbrochene Krug,.30—10.30 Uhr.— 21. Donnerstag: 76. Sondervorst.(Christl. Gewerksch.),—.30 Uhr.— 22. Freitag: 77. Sondervorst. (Bühnen=Volksb.),.30—10.30 Uhr.— 23. Samstag: Nachmitt. Cyklus A 6 Florian Geyer,—6 Uhr. Abends Der Richter von Zalamea,.30—.45 Uhr.— 24. Sonntag: Nachm. Cyklus B 6 Florian Geyer,—6 Uhr. Abends: Der letzte Zeuge,.30—10 Uhr.— 25. Montag: Cyklus C5 Flurian Geyer.—10 Uhr.— 26. Dienstag: 78. Sondervorstell.(Bühnen=Volksb.), .30—10.30 Uhr. Spielplan der Kölner Theatergemeinde des B. V. V. für die Zeit vom 16. bis 24. Juni. Samstag, 16..30 Konzert des Kölner Vollschores: Oratorium Die Legende von der bl. Elisabeth, Gürzenich, Gruppen—105. Sonntaa, 17. 7,30 Die Verlobung bei der Laterne: berauf Salon Pivelberger. Kleine Oper im Metrovoltheater, Gruppe 9(Chr. Gew.) und freier Verkauf. Freitag. 22. .30 Die Füchse Gottes, Schauspielbaus. Gruppe 1 und 4. Sonntaa, 24..30 Der Waffenschmied von Worms. Kleine Oper im Metrovol=Theater, Gruppe 8(Jugendorganisationen) und freier Verkauf. * Der Wasserstand des Rheines im Kölner Pegel betrug heute.65 Meter. Zopf-Dreiner, Berlich 3 Biete zum Verkauf: Spezial-Serie von wunderbaren Natur-Naarliechten zum Preise von 10000— 20060— 30000 M. Alle Farben vorrätig. — Seite 4 Samstag, 18. Juni 1923 Aus derkatholischen Welt Katholische Professur in Berlin. Der aus Mainz stammende bisherige Privat= dozent an der Bonner Universität Prof. Romano Guardini hat an der neuerrichteten katholisch=theologischen Lehrstelle in Berlin am 28. Mai seine erste Vorlesung gehalten. Die Germania schreibt dazu: „Für die Sensationshungrigen der etwa 150 Erschienenen war der Anfang eine Enttäuschung. Denn statt schwungvoller, begeisternder Einleitugsworte etwa über die aufsteigende Linie, in der der Katholizismus sich zur Zeit befindet, statt eines hewoisch intonierten Bekenntnisses des Vortragenden zur katholischen Weltanschauung(welche Sensation für die Studierenden der Berliner alma Mater wäre das gewesen!) vernahm man eine streng methodologische Einleitung zu einem rein wissenschaftlichen Kolleg. Das ernüchterte viele; das erledigte die Arbeit mancher Hände, die schon längere Zeit vorher rührig an der Organisationsmaschine tätig gewesen waren, endgültig. Allerdings waren auch solche, die die wissenschaftliche Arbeit nicht tendenziös auszunützen bemüht sind, nicht ganz zufrieden; auch sie erwarteten, daß Prof. Guardini knapp und sachlich, ohne alles Drum und Dran, die neue Einrichtung vorgestellt und seine ihm gestellte Aufgabe umschrieben hätte. Wußte Guardini, warum er es nicht tat? Oder erfaßte er intuitiv die Situation? Jedenfalls war sein Verhalten das einzig rechte; denn nichts wäre gefährlicher für die Wirkung und Beurteilung der neuen Professur in katholischen und nichtkatholischen Kreisen, als der leiseste Verdacht, daß hier in Absicht gearbeitet werde." Als Stoff seiner Vorlesungen für das laufende Semester wählte Guardini die Themen:„Der weltanschauliche Gehalt der christlichen Erlösungslehre" und„Die Grundfragen der Gottesverehrung". Guardini hat sich durch seine hochmodernen religiösen Schriften und als geistiger Führer der katholischen Jugendbewegung, vor allem des Quickborn. einen geachteten Namen geschaffen. Ein charakteristisches Dokument. Der Evangelische Bund warni vor Scheiterhaufen. Der Germania vom 12. d. M. entnehmen wir folgende bezeichnende Mitteilung: Die Berliner Zentralstelle des„Evangelischen Bundes“ hat an alle evangelischen Pfarrämter Berlins und der Mark Brandenburg ein Rundschreiben gerichtet, das bezeichnenderweise mit den„Amtlichen Mirteilungen des Evangelischen Konsistoriums der Mark Brandenburg“ versandt worden ist. Darin werden die Pfarrer zunächst gebeten, des Märtyrertodes zweier Augustinermönche zu gedenken, die am 1. Juli 1523 ihres evangelischen Glaubens wegen verbrannt worden seien. Dann heißt es weiter: Wieder dringen die Römischen in Deutschland voran und suchen besonders die Mark zu erobern, die jesuitischen Vorträge in Berlin, vornehmlich in der Universität, die Weltanschauungsprofessur des Katholiken Guardini für Berlin und Breslau, die Einsetzung eines Weihbischofs in Berlin geben Zeugnis davon. Mehr als jemals ist der Evangelische Bund zur Wahrung der deutsch=protestantischen Interessen nötig. Jeder evangelische Prediger sollte ihm angehören, jede evangelische Gemeinde ein lebendiges Glied des Bundes sein. Die Zeit ist ernst, Sturmzeichen einer neuen Gegenreformation stehen am Himmel. Schützet Eure Gemeinden vor neuen Scheiterhaufen, evangelische Brüder! Das Blut der Märtyrer darf nicht umsonst geflossen sein. Ihr Zeugentod soll uns warnen und unsere Kinder schützen! Wir rechnen auf Eure treue und glaubensstarke Mitarbeit. Der Evangelische Bund, Berliner Hauptverein D. Dr Violet, Pfarrer, Berlin W. 56; Brandenburgischer Hauptverein Fahrenhorst, Seminardirektor, Spandau. Dieses Dokument beweist von neuem, daß der Evangelische Bund sich selbst treu geblieben ist Der Schultornister. 1] Von Paul Keller. Er war von Leder und es galt nicht als klar erwiesen, ob ihn ein Sattler oder ein Schuster ins Dasein gezaubert. Jedenfalls war er alt und hatte auf den Ruhm der Eleganz nicht den geringsten Anspruch zu erheben. Auf der rechten Seite fehlte ihm eine Schnalle und auf der linken gar ein Niemen; seine lederne Außenseite war arg zerkratzt, und sein Inneres hatte schon einmal einer Mäusefamilie zu vorübergebendem Aufenthalt gedient. Damit aber nicht bloß Schlechtes von ihm berichtet werde, sei erwähnt, daß er fest gearbeitet war und sich jedenfalls auch bei stärkerem Regengusse als dicht genug erwiesen hätte, wertvolle Handschriften, so auf Schiefertafeln verzeichnet zu sein pflegen, vor dem Untergange zu bewahren. Es kann nicht fehlen, daß so ein alter Bursche auch seine Geschichte hat. Daß der Schultornister, der Held unserer Erzählung von geheimnisvoller, etwas mystischer Herkunft war, ist schon erwähnt worden und gibt ihm von vornherein etwas Romantisch= Interessantes. Ueber seine eigentliche Jugend weiß man indes Genaueres. Er gehörte einem frischen Dorfbüblein an, das ihn auf dem Rükken zur Schule trug, manchmal aber auch nach Art eines Schlittens hinter sich herschleifte. Er kam überhaupt des öfteren in die fatale Lage, in bezug auf seinen Zweck und seine Bestimmung von seinem jugendlichen Herrn gänzlich falsch beurteilt zu werden, wobei die vier Jahreszeiten eine große Nolle spielten. Im Frühjahr beherbergte er neben den Schulutensilien ein Säckchen mit Bohnen und eine flache Zigarrenkiste, auf welcher mit deutlichen Buchstaben das seltsame Wort„Titscher“(Spielmarken) verzeichnet stand; im Sommer wurde er bei Negenwetter nicht auf dem Rücken, sondern auf dem Kopfe transportiert, was ihm den zweifelhaften Ehrentitel„Dachtraufe“ einbrachte; im Herbste mußte er schmählicherweise zur Bergung gemauster“ Aepfel und Birnen herhalten und wurde bei einer unvorhergesehenen Visttation nur dadurch vor der unheilbaren Blamage überund nach wie vor in dem Kampf gegen den Katholizismus sein Lebenselement erblickt. Jede Aeußerung und Betätigung katholischen Lebens ist ihm gleichbedeutend mit dem Vordringen der „Römischen". In der„Weltanschauungsprofessur des Katholiken Guardini“ und der„Einsetzung eines Weihbischofs in Berlin" sieht er Sturmzeichen einer neuen Gegenreformation. Er warnt vor„Scheiterhaufen" und läuft Sturm gegen Gefahren, die nur in der Einbildung bestehen, während ihm die wirkliche Gefahr, die den Protestantismus von innen heraus und durch die christentumsseindliche Bewegung droht, anscheinend weniger Sorge macht. Das nennt man die Zeichen der Zeit richtig erkennen! vom Reichsschulgesetz. Bei der Debatte über den Antrag der bürgerlichen Parteien zu§ 3(Bekenntnisschule) stellte die sozialdemokratische Partei dem Satze:„Die dem Bekenntnisse eigenen und in der Schule kömmlichen religiösen Uebungen und Gebräuche sind zu pflegen, ohne daß dadurch der Unterrichtsbetrieb im ganzen beeinträchtigt werden darf“ die unglaubliche Forderung entgegen, daß Lehrer an der Bekenntnisschule auch dann noch weiterwirken dürfen, wann sie die Erteilung des Religionsunterrichtes ablehnen und nicht mehr auf dem Boden des Bekenntnisses stehen. Den Standpunkt des Zentrums zu dieser Frage vertraten die Abgeordneten Marx und Hofmann (Ludwigshafen), wobei ersterer namentlich auf die verfassungsrechtliche Begründung des zur Debatte stehenden Satzes und letzterer auf die pädagogische Berechtigung dieses Antrages hinwies. — Anknüpfend an die Worte der Sozialistin Pfülf:„Die Art, wie sich der Geist zur Schule auswirkt, bestimmen nicht Gesetze und Verordnungen, sondern die Persönlichkeit des Lehrers", betonte Abgeordneter Hofmann(Ludwigshafen) das Recht der Eltern und Erziehungsberechtigten auf die verfassungsmäig garantierte Konfessionsschule, welche als bestes Eziehungsmittel des Vorbildes nicht entbehren könne, und dieses Vorbild sei der Jugend lebendig in dem gesinnungsgleichen Lehrer gegeben, der dies nicht bloß theoretisiere, sondern auch praktisch ausführen müsse, wenn er nicht zu einem Zerrbild des Erziehers, zur personifizierten, inneren Unwahrhaftigkeit werden solle. In die Bekenntnisschule gehören deshalb nur bekenntnistreue Lehrer, und was die„dem Bekenntnisse eigenen und in der Schule herkömmlichen religsösen Uebungen und Gebräuche" beträfe, so seien diese nach einem geordneten, methodischen Religionsunterricht doch nur die pädagogische Forderung der Anwendung und Uebung. Er wundere sich, daß die Sozialdemokratie, welche an der Bekenntnisschule in der Praxis große Interessenlosigkeit zeige, den Anhängern der Bekenntnisschule ihr Schulideal nun noch auszuhöhlen suche, während man, umgekehrt, den Sozialdemokraten ihre weltliche Schule nach deren Geschmack doch konsediere. Die Stellungnahme der Sozialdemokratie bedeute vollendete Gewissenstyrannei gegenüber den Anhängern der Bekenntnisschule. Religionsunterricht sei nach Artikel 149 der Verfassung ordentliches Lehrfach und müsse in der Bekenntnisschule auch seine praktische Auswirkung finden. Schließlich wurden alle von den Sozialdemokraten gestellen Anträge abgelehnt und der im Antrage der bürgerlichen Parteien festgelegte Satz mit 16 bürgerlichen gegen 10 sozialdemokratischen Stimmen angenommen. In einem Augenblick, da die Not des Vaterlandes alle Schichten des Volkes zusammenschweißt, ergeht abermals ein Aufruf an die Einwohner Kölns und an alle, denen diese Worte vor Augen kommen * In der Pastoralkonserenz der Stadtdekanate Kölns, die Mittwoch, den 20. Juni, nachmittags.45 Uhr im Priesterseminar stattfindet, wird die Arbeitsschulmethode im Religionsunterricht in einer Lehrprobe praktisch gezeigt. * Köln, 15. Juni. Se. Eminenz. der Herr Kardinal. wird in der Zeit vom 15. bis 25. d. M. im Dekanate Viersen die kanonische Visitation vornehmen und das Sakrament der hl. zirmuna svenden. führter Hehlerei bewahrt, daß ihn sein Herr eine halbe Stunde zuvor leergegessen hatte, und im Winter sauste sein Gebieter in Ermangelung eines Handschlittens den Kirchberg auf ihn herunter, was für jenen sehr lustig, für ihn aber von nachteiligen Folgen für seine Schönheit und Gesundheit war. Immerhin war jene Zeit die schönste seines ganzen ledernen Lebens; sie brachte Abwechselung. ja sie brachte sogar Ehren, was dann am deutlichsten zutage trat, wenn er auf der Dorfgasse im erhitzten Straßenkampfe über seine wachsledernen oder mit Plüschdeckeln verbrämten Kollegen unbestrittene Siege davontrug. Nur eine einzige erhebliche Blessur brachten ihm diese Kämpfe, den Verlust seines linken Niemens; seine rechte Schnalle war ihm zwecks eines günstigen Tauschhandels, auf den sein spekulativer Herr eingehen zu müssen glaubte, von diesem auf operativem Wege schon vorher amputiert worden. Nach acht Jahren nun wurde leider der Held aus dem aktiven Dienst entlassen, zur Disposition gestellt und erhielt einen Abschied, der mehr als schlicht war. Sein Herr faßte ihn eines Tages an dem einzigen Niemen, den er noch hatte, schwenkte ihn mit einem kannibalischen Juchhegeschrei ein dutzendmal um den Kopf und warf ihn dann mit solcher Wucht in einen Winkel, daß er betäubt liegen blieb. Als er aus seiner Ohnmacht erwachte, war er in der Rumpelkammer. Die Rumvelkammer ist für einen rechtschaffenen Schultornister das wahre„AltleuteSpittel". Nichts als Invaliden! Ein Svinnrad ohne Spindel. eine Bürste, die auffällig am Harrschwund litt, eine alte Kommode mit wackligen Beinen. eine abgedankte Wanduhr mit entsetzlichen Zahnlücken in ihrem Räderwerk und eine gebackene Birne mit einem ganz fürchterlichen Teint bildeten seine nächste Umgebung. O dieses trübselige Einerlei, diese keineswegs einwandsfreie Atmosphäre, diese verstaubten, vermotteten Philisteransichten seiner Kumpane, das Aechzen der rheumatischen Kommode und die eigene Tatenlosigkeit,— es war zum Verzweifeln für den lebensfrohen Tornister! Am drückendsten war ihm der gänzKunst und Leben Der Kölner Dom in der deutschen Dichtung. Ausgewählt und eingeleitet von dem Kölner Bibliothekar Dr. Joseph Theele erscheint soeben als 7. Band(der 6. folgt demnächst) der von D. H. Sarnetzki im Saaleck=Verlag, Köln, herausgegebenen„Saaleck=Bücher“ (Kulturdokumente des deutschen Westens) eine mit literarhistorisch=ästhetischen Erläuterungen durchsetzte Sammlung Der Kölner Dom in der deutschen Dichtung. In vier Kapitel gegliedert, sind darin die wichtigsten und wertvollsten Dichtungen zusammengestellt, die sich seit den Tagen der beginnenden Dombegeisterung romantischen Ursprungs und romantischer Färbung, während des Ausbaues und im Anschluß an die Vollendung, sowie in Form von dichterischen Sagenbearbeitungen um den Kölner Dom gerankt haben, der ein Sinnbild der nationalen Idee der Deutschen geworden ist. Die Bedeutung einzelner Dichterpersönlichkeiten und Gedichte wird in der Einleitung des betreffenden Kapitels kurz(vielleicht zu kurz!) gekennzeichnet. Dabei finden Georg Forster, Friedrich Schlegel und die Brüder Boisseree die ihnen gebührende Anerkennung für die ersten Anregungen. Görres' wertvolle Arbeit bleibt nicht unerwähnt und wird durch Proben belegt. Die weitere Entwickelung ist heute noch geläufig. Man sähe außer in dem ersten Kapitel auch in den andern Kapiteln gern die Prosa etwas stärker berücksichtigt; in ihr stecken doch die wertvollsten Ansätze. Vor allem die Domsagen, deren epische Grundform in Reisebeschreibungen, Sagensammlungen und ähnlichen Werken gegeben ist und gar vielfältige Gestalt angenomen hat, verdienten in dieser Hinsicht eine weitgehendere Aufnahme, wenn man sie überhaupt schon in den Kreis einbezog. Auch hätten wir gern noch einige moderne Domgedichte in der Sammlung wiedergefunden. Trotz dieser als Anregungen für eine neue Auflage gedachten Ausstellungen sei das Büchlein als eine hübsche Jubiläumsgabe für den Zentval=Dombauverein und eine Anthologie von großem lokalhistorischem Reiz warm empfohlen. Die Volksbühne Köln=Ehrenfeld gab im großen Saale des Leobaus Alt=Heidelberg. Spielleiter Karl Winter hatte für flottes Spiel Sorge getragen und wirksame Bühnenbilder geschaffen. Es standen ihm für die Hauptrollen gute Kräfte zur Verfügung. Dreesen spielte die Rolle des Erbprinzen geschickt und gefiel besonders in den Hofszenen gut, als Student hätte er manchmal mehr Temperament aufbringen müssen. Seine Partnerin Tilde Klek bot als Käthie, trefflich in Sprache und Spiel, die beste Leistung des Abends. Von den übrigen Partien seien K. Wolf als Lutz, A. Bonsels als Hofmarschall, G. Piek als Staatsminister und J. Lietz als Dr. Jüttner lobend hervorgehoben. Das gute Zusammenspiel in den Studentenszenen verhalf der Aufführung zu vollem Erfolge, wie der starke Beifall des ausverkauften Hauses ##ote. Mitteilungen. * Ernst Osterkamp, der Bassist der Kölner Oper, wurde nach zweimaligem Gastsyiel zum Herbst für die Staatsoper in Berlin verpflichtet. * Das Amt 2 für Kunst und Volksbildung ist von Unter Goldschmied 30 nach Rathausplatz 5. 1. Stock, verlegt worden. Bücherschau. Musik aus dem 18ten Jahrhundert. Manchem wird der große Unterschied der Werke eines Bach, Händel und eines Haydn. Mozart, Beethoven überraschend sein. trotzdem die ersteren erst 1750 bzw. 1759 starben, Haydn schon 1732. Mozart 1756 geboren wurden. Die Zeitspannen sind also nicht sehr groß und lange blieb diese Erscheinung unerklärlich. Da zog vor etwa 20 Jahren der Leipziger Forscher H. Riemann eine ganze Reibe von Komponisten und Werken ans Tageslicht, welche den Uebergang zwischen Bach=Händel einerseits und den klassischen Meistern anderseits bildeten. Andere Musikgelehrten folgten und neuerdings gibt R. Sondheimer im Bernoulli Verlaa, Basel u. Berlin unter dem Titel„Werke aus dem 18. Jahrhundert“ eine neue Reihe heraus. Sie sind vom Herausgeber, wohl dem besten Kenner dieser Musik. aus dem reichen Schatze des von ihm bei seinen Studien auf Baselerund andern Bibliotheken entdeckten Materials mit feinem Empfinden ausgewählt. Wesentlich ist dabei auch der Gesichtspunkt, der Praxis und vor allem der Hausmusik zu dienen. Als Ganzes läßt sich diese Musik am besten mit den Rokoko in Varallele setzen; sie ist graziös, galant, aber doch voll tiefer Empfindung. Das zeigen so recht die beiden neu herausgegevenen Sinfonien von L. Boccherini und H. J. Rigel. Die heute bestehenden kleinern Orchester finden hier Werke, die jedes Publikum entzücken werden. An Kammermusikwerken sind bislang erschienen: Ein Streichquartett von Boccherini und ein Streichquartett von J. Stamitz. Es ist eins der ältesten seiner Art und ist zum Kabinettstück für jedes Quartett wie geschaffen, da die technischen Schwierigkeiten nicht groß sind. Für Klavier und Violine bearbeitet sind noch Stücke von Stamitz, für Klavier allein solche von Boccherini und I. G. Naumann erschienen. Wenn es sich auch hier nicht um Oriainalwerke handelt, sondern um Bearbeitungen von Sinfonie= und Kammermusiksätzen, so sind doch diese Stücke sehr zu begrüßen. Jedes gibt die Eigenart seiner Entstehungszeit wieder und gewährt reinsten Musikgenuß. Die ganze Ausgabe ist außerordentlich sorafältig, die in den Originalausgaben sehr sparsam gesetzten dynamischen Zeichen sind vom Herausgeber geschmackooll und im allgemeinen nicht zu reichlich ergänzt. Die äußere Ausstattung ist besonders anzuerkennen; das Titelblatt ist wohl einem Oriainale der gleichen Zeit nachgebildet und gibt so auch seinerseits ein Bild der Rokokozeit. Herausgeber und Verlaa ist der vollste Erfolg ihrer Bestrebungen zu wünschen. Dr. Paul Mies. liche Mangel einer Gelegenheit zu anregendem Gedankenaustausche. Er, der Katechismus, Biblische Geschichte und die ganze Summe der Lesebuchweisheit immer so sicher intus gehabt hatte, stand in diesem ungebildeten Kreise fast völlig isoliert. Nur eine alte Schachtel gab sich durch eine wacklige auf ihr liegende Hornbrille den Anstrich des Wissenschaftlichen; ihr ganzer geistiger Inhalt bestand aber auch nur aus fünf oder sechs Briefen aus einem Dutzend von Heften eines Kolportageromans. So war der Tornister herzlich froh, als im fünften Jahre seiner Verbannung die Mäusefamilie in ihm Logis nahm. Schade, daß diese nach Mieterweise schon nach kurzer Zeit an ihm Ausstellungen zu machen hatte. Die Leutchen waren auf einmal im„Raume zu beengt“, der Eingang lag ihnen„nicht günstig genug“. plötzlich meinten sie auch.„die Wohnung sei für Kinderchen zu kalt“, und so zogen sie aus und zwar zu seinem Aerger vis=àvis in den Lumpenkorb. Daß bald darauf eines schönen Tages als der Lumpenmann vor dem Hause dudelte, die ganze hochnäsige Mäusesippe gefangen wurde, stillte zwar des Tornisters Nachedurst, brachte ihm aber doch kein neues Glück. So verstrichen die Jahree. Seinen früheren Herrn sah er selten. Nur einmal kam er in schmucker Soldatenuniform in die Rumpelkammer, sah seinen alten Tornister, nahm ihn auf einen Augenblick in die Hand und lachte dabei. Daß er sich gleich darauf die Finger am Taschentuche abwischte, mochte zwar nicht unbegründet sein, war aber immerhin doch recht pietätlos. Und abermals nach Jahren trat plötzlich eine entscheidende Wendung im Leben des Tornisters ein. Die Frau, die draüßen in der Wohnung gewirtschafttet hatte, war gestorben, und ihr Sohn trat die Erbschaft an. Die Rumpelkammer wurde ausgeräumt. Die meisten Gegenstände wurden verschenkt oder gar verbrannt. und schon zitterte der Tornister vor einem ähnlichen Geschicke, da faste ihn lachend sein früherer Herr. warf ihn in eine große Kiste, wo noch andere Dinge lagen, und bob die Kiste auf einen Wagen. Der Wagen fing nach einer Weile an sich zu bewegen, und fort ging's. Der Rein Aluminiumwaren aller Art in Ia Qualilät preiswert i. Lager Köln Marienplatz 12 Stum& m..H. Telephon Rhl. 8443 Töpfe bis 350 1 Inhalt Anfragen und Ausiunft: netiut* H. Gét 4n Drususgasse Ib, 1. Etage. Tel. Rheinl. 6247. r H a l t e s t e l l e d e r L i n i e n 1, 2, 8, 9, 1 0, 1 5, 1 9, 2 2. SCHUHPUTZ seit Jahren bewährt! 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Die junge Frau war nach des Tornisters Ansicht eine wahre Fee, die ihn lachend betrachtete, ihren Mann fragte, ob das der Bursche sei, von dem er soviel erzählt habe, ihn dann mit einem nassen Tuche fein säuberlich abwischte und ihn wahrhaftig in der Wohnstube ließ, wenn sie ihm als„Stand“ auch nur einen Nagel in einer Ecke anwies. Zu des Tornisters aufrichtiger Betrübnis starb die junge Frau nach Jahresfrist. Dafür lag ein kleines, zappelndes Kind in einer Wiege, und eine alte, grämliche Nachbarin besorgte die Wirtschaft. Der Tornister aber ward vergessen. So weit reicht die Vorgeschichte des Schulornisters, von dessen weiteren Schicksalen in folgendem die Rede sein soll. Goethes Wort:„Es bildet ein Talent sich in der Stille" traf auch für unseren Tornister die Wahrheit, er wurde in der Abgeschiedenheit eeines Winkels zu einem Philosophen. Er beobachtete zwar nur eine kleine Welt, denn sein Gesichtskreis war eng. aber eine schmale Stube, darin Menschen hausen, ist doch ein recht deutliches Abbild des großen Lebens und Sterbens draußen, das man Welt nennt. Der einzelne Mensch trägt sein Teilchen Liebe und Haß, Glück und Not. Tugend und Fehler, Wagemut und Verzagtheit vom Markt der Oeffentlichkeit mit hinein in seine Behausung und drückt dieser den Weltcharakter auf und die stille, kleine Wohnstube gleicht dem schmalen Teiche am Strande, der mit dem Meere kommuniziert, Ebbe und Flut kennt und seine klaren Stellen, aber auch seine tiefwuchernden Tange hat. (Forts. folgt.) Samstag, 16. Juni 1923 Seite 5 Volks- u. Weltwirtschaft. Die Miete für Juni. (Ausschneiden. wegen Berechnung der Wohnungsbauabgabe.) Die Zuschläge betragen 80 Prozent bis 4000 Prozent bis 5000 Prozent. Dazu Betriebskostenvorschuß 15000 Prozent. Das sind zusammen 24080 Prozent Zuschläge für Wohnungsmieten, ohne Wohnungsbauabgabe. Es ergeben sich für Juni folgende Sätze: höhten Vorauszahlungen anlange, so würden monatliche Steuerzahlungen eine unerträgliche Belastung der Finanzämter zur Folge haben. Für die Höhe des zu wählenden Multivlikators müsse mon nicht die Beamtengehälter im Dezember 1922 und im Juni 1923 vergleichen, sondern den monatlichen Durchschnitt des letzten Halbjahres und das Jun gehalt 1923 und da ergebe sich eine Verachtundzwanzigfachung des Einkommens der Beamten. Da sei eine Verzehnfachung oder Verfünfzehnfachung der Vorauszahlungen nicht ausreichend: auch eine Verzwanzigfachung genüge nicht, sondern erst eine Verfünfundzwanzigfachung der Vorauszahlung werde einen annähernden Ausgleich für die Geldentwertung bedeuten. Die Weiterberatung wurde vertagt. Niemand ist im Augenblick verpflichtet, die Wohnungsbauabgabe mit 12000 Prozent zu bezahlen. Jeder kann es einstweilen bei 400 Prozent belassen, bis die höheren Sätze den Instanzenweg der Genehmigung durchlaufen haben. Aber das dicke Ende kommt mit ziemlicher Bestimmtheit nach: die 3000 Prozent für Januar bis März, die 12000 Prozent ab 1. April werden eines Tages zu bezahlen sein und wer dann hat„auflaufen" lassen ist übel dran! * Wir fügen der Vollständigkeit halber noch einmal an, was auf den Betriebskostenvorschuß von zur Zeit 15000 Prozent in Abzug gebracht werden kann, wo es nicht in Frage kommt: für Straßenreinigung um 2800 v. H. für Wassergeld um 5800 v. H. für Treppenbeleuchtung um 1300 v. H. für Kanalgebühr um 1150 v. H. Das städtische Mieteinigungsamt teilt uns auf Anfrage dazu mit: Auf die an das städtische Presseamt gerichtete Anfrage, die veränderte Angabe der umlagefähigen Betriebskosten in den letztmonatlichen Pressenotizen betreffend, ist mitzuteilen, daß es sich bei der besonderen Aufführung der Hundertsätze zum Beispiel für Straßenreinigung, Wassergeld und Treppenbeleuchtung um solche Betriebskosten handelt, die nicht immer entstehen. Aus diesem Grunde ist in den in den letzten Monaten erfolgten Bekanntgaben amtlicher Feststellungen die Kanalgebühr mitaufgenommen, die Schornsteinfegergebühren dagegen fortgelassen worden, weil diese letzte wohl ausnahmskos im Stadtbezirk zur Erhebung gelangt. Die Steuern. Berlin, 15. Juni. Der Steuerausschuß des Reichstages behandelte in seiner heutigen Sitzung einen Antraa Marx und Genossen(Ztr.), welcher die Vorauszahlungen auf die Einkommen= und Körperschaftssteuer auf das zehnfache erhöhen will, soweit es sich nicht um Einkommen aus festverzinslichen Werten usw. bandelt. falls nicht glaubhaft gemacht wird, daß das steuerbare Eincommen für 1923 voraussichtlich weniger als das Achtfache des Einkommens von 1922 betragen wird. Ministerialdirektor Dr. Popitz empfahl. die Zensiten, deren Einkommen im welentlichen aus Lohn oder Gehalt bestehen, von der Verpflichtung frei zu lassen, da sie ja fortlaufend Steuern in gleichwertigem Gelde zahlten. Bei den freien Berufen empfehle sich eine Bestimmung zur Ermächtiauna. diese Vorauszahlungen geringer festzusetzen. Abg. Dr. Scholz(D. Vv.) wies auf den Vorschlag des Prof. Günther hin, den Multivlikator nach dem Verhältnis des Steigens der Beamtengehälter festzusetzen und bat um Mitteilung der nötigen zahlenmäßigen Unterlagen. Ministerialdirektor Dr. Povitz teilte mit, daß ein Vergleich des Dezembergehalts 1922 mit dem Junigehalt 1923 eine Verzwölffachung ergebe, das letzte Vierteljahr 1922 im Monatsdurchschnitt mit dem Junigehalt 1923 eine Verachtzehnfachung und des letzten Halbjahres 1922 im Monatsdurchschnitt mit dem Junigehalt 1923 eine Verachtungzwanzigfachung. Aba. Lange=Hegermann(Ztr.) teilte einen Vorschlag des Reichsverbandes der deutschen Industrie mit, welcher die Festsetzung des Multivlikators für die Vorauszahlungen durch die Landesfinanzämter nach Anhörung der Beteiligten empfiehlt, jedoch nicht über das Zehnfache hinaus. Wenn der Reichsverband der Industrie so overiere, könne man sich dann wundern, wenn bereits Massen des deutschen Volkes nicht glauben, daß die deutsche Industrie mit voller Ehrlichkeit und festem Willen ihre Pflicht gegen das Vaterland tue? Eine starke Zumutung sei auch, daß man dem Reichstag die Fähigkeit abspreche. diese Frage sachlich zu erledigen. Vielleicht empfehle es sich, den Finanzminister zu ermächtigen, mit Zustimmung des Ausschusses den Multiplikator für die Zahlungen am 15. November 1923 und 15. Februar 1924 festzusetzen. Für die Zahlung am 15. August schlug der Redner vor, den zehnfachen Satz im Antrage Marx entsprechend der Geldentwertung zu erböben. jedoch nicht über das Zwanzigfache hinauszugeben. Abg. Merck(B. Vv.) schloß sich dem Antrage Lange=Hegermann auf Festsetzung des Multiplikators für die spätere Zahlungen durch den Finanzminister in Verbindung mit dem Ausschuß an. Reichsfinanzminister Dr. Hermes betonte, daß, wenn sich jetzt bei der Durchführung der Steuern Ungerechtigkeiten ergäben, diese auf eine ganze Reihe von Umständen, aber nicht zum mindesten auch auf das Tempo der Geldentwertung in den letzten Monaten, was niemand habe vorausseben können, zurückzuführen seien. Das müsse bei dem jetzt zu verabschiedenden Gesetz entscheidend mit berücksichtigt werden. Ein Ausgleich sei aber dringend notwendig. Ein solcher Ausgleich solle durch die Erhöhung der Zwangsanleihe, die Aufbringung der Mittel für die Brotverbilligung, die wesentliche Erböhung der Vorauszahlungen der Einkommensteuer und den Umbau der Vermögenssteuergesetze gesucht werden. Was die erSanierung der Gemeindefinanzen. Der Unterausschuß des Steuerausschusses faßte einstimmig einen Beschluß, wonach die Beteiligung der Gemeinden an der Umsatzsteuer von 6 Proz. auf 15 Prozent erhöht werden soll. Die Befristung des Landessteuergesetzes soll bis zum 1. Avril 25 festgelegt werden. Der Steuerausschuß des Reichstages hat in seinen Sitzungen vom 12. bis 14. Juni das Landessteuergesetz verabschiedet. Ueber zwei bedeutsame Beschlüsse des Ausschusses ist bereits berichtet worden. Weiter ist folgendes mitzuteilen: Der Reichsfinanzminister Dr. Hermes erklärte, daß höbere Zuschüsse an Länder und Gemeinden nur zu vertr##en seien, wenn höhere Einnahmen erreicht würden. Darum sei entscheidende Bedeutung auf die Erhöhuna der Warenumsatzsteuer von 2 auf 25 Prozent zulgen. Die Perteien erklärten, daß dafür keine Aussicht vorhauden sei. Infolgedessen blieb die Warenumsatzsteuer in der bisherigen Höhe von 2 Prozent bestehen. Nach einem Antrag Herold(Ztr.) dürfen neue Steuern auf landwirtschaftliche Betriebsmittel nicht gelegt werden. Die neuen Zuschüsse für die Gebälter der Beamten in Länder und Gemeinden treten mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober 1922 in Kraft. Das Gesetz soll mit größter Beschleunigun; vam Reichstag verabschiedet werden. Auflösung der Veranlagungsbezirke der Staatsgewerbesteuerklasse 1 und 2 im Bezirk Köln. Die Handelskammer macht die Firmen ihres Bezirks darauf aufmerksam, daß die bisherigen Veranlagungsbezirke der Staatsgewerbesteuerklassen 1 und 2 auf Grund finanzministerieller Anordnung im Regierungsbezirk Köln aufgelöst worden sind und daß nunmehr die diesen Klassen angehörenden Gewerbebetriebe für das Jahr 1923 bei den zuständigen Vorsitzenden der Staatsgewerbesteuerllassen 1 bis 4 veranlagt werden, deren Amtssitz sich im Gebäude des Finanzamtes, zu dem der Gewerbebetrieb gehört, befinden. Auf Grund dieser Veränderungen und des Notgesetzes über die Gewerbesteuerveranlagung wird sich voraussichtlich die diesjährige Veranlagung zur Staatsgewerbesteuer verzögern. Wahrscheinlich werden die Aufforderungen zur Abgabe einer Staatsgewerbesteuererklärung erst in ein bis eineinhalb Monaten ergeben können. Kölner Devisen. Holland.. 1 Fl. Frankreich 1 Frcs. Belgien 1 Frcs. Rumänien Doll.(Kab.) 1 Doll. Engl. 1 Pfd. Sterl. Schweiz. 1 Frcs. italien 1 Lira Kopenhagen 1 Kr. Christiania 1 Kr. Stockholm 1 Kr. Spanien 1 Pes. Prag Budapest. 1Kr. Wien(alte) 1 Kr. "(neue) 1 Kr. 14. Juni Geld] Brief 41393.7“ 42606.25 6807.93 6842.07 5720.66 5749.34 15. Juni Geld] Briel 41037.15 41242.85 6603.45 6636.55 5735.62 5764.38 103590.37 478700.25 18601.37 4728.15 18378.93 16782.93 26332.75 15012.37 3007.46 13.46 104109.63 481099.75 18898.63 4751.85 18471.07 16867.07 26967.25 15087.63 3122.54 13.51 105859.68 493762.50 19341.52 4847.85 19112.10 17556.00 28079.62 15633.81 3172.05 11.77 106390.32 496237.50 19438.48 447215 19207.90 17644.00 28220.38 15713.19 3187.95 11.78 .4996.5004l.5196.5204 Kölner Wertpapierbörse. Deutsche Anlagepapiere. 5% Reichsanleihe 94bG(85bG), Sparprämienanleihe 500bG(400bG), 4% Kölner Stadtanleihe von 1920 210G(2106), 4% Rhein.-Westf. Boden-Kreditbank Pfandbriefe S. 8, 12a, 131 40bz(159bG). 4% desgl. S 14600G(400G). Bank-Aktien. 14. 6. Dresdner Bank 8500066 14. 6. Barmer Bkr. 3500050 Berg.-Märk. I. 1190060 Darmst. Bank 8300060 Deutsche Bank 115000bz Disc.-Kom.-A. 125000 bz 13. 6. 31000b2 10000bz 81000hz 1250000 130000b EssonerKradit) 23000bz Mitteld. Credit 4550960 Rh.-N..-Kr.]— 13. 6. 8200060 2000010 4250000 910050 Bergbau- und Hütten-Aktien. 15..1 14. 6. illgers Verz.: 120000bz 125000bs Hubertus 50000 b0 Köln-Neuess. 660000tG 750000bz Klöckner-Nk. 700000WB 750000b. Phönix, Bgb. 740900lz 73900063 Rhein. Braunk ap;00,000bG 5350096B Roddergrube- 80000 G 92500050 v. d. Zypen-N. 3000000GG 3200000In Nst. Eis.Draht 159000 B 14000050 15. 6. 14. 6. Basall.-G. 1900006G 22500050 Berzelius. 152000bz 2000000B Bochum, Guß 1000000 950000b0 Bonner Bowk. 500000tG 5550001G Buderus, Eis. 32000050 400000h2 Dahlbusch 540000bz 520000b0 Eschweiler Bg. 7000006G— Gelsenk. Byw. 3200000 bz 1 100000h Harkort Eisen 110000b2 Harpcner Bob., 1 350000bz 1400000 B Verschiedene Industrie-Aktien. 15..1 14. 6. II 15. 6. Adler-Brauer. 7000050 7500056 IMand Pianol. 8500010 Badische Anil.] 18050bz 210300bz IMotori. Doutz 23000050 Bayenth, Bod 120060 I 2000bz I Oelwerk Stern Berl. Sped.-V. 2500 0br 2500166! Sonneborn 145000hr Bieleteld.Web!— 17000000 IRavensb.— Chem. Weiler 135000bz 20100060 1Rhein..-V. Contin. Isola 4800060 51000bz I l. Zuckert 375000bz U. Allant. Tel. 1 80000bz 170000bz Rhein. Bau 120000 h2 Lynamit Nob. 126000bz 1350006B Rhein. Masch. Ehrh. Sehmer 141000t0 160000 h helten& Guill. 3000006G(310000b2. Hammersen-150000bG 1500000 Humboldt. 300090G 300000h KalkerBrauer. 800001G □— „Maschinen 3350326G 450000 hz Köln-Linsenen Metall-Herke 840006G 11 10000bz Köln-Rottwsil., 1 260006G 150000b2 Kölner Dampl. 120000W 10000010 Gummitäd.]—[12000050 Versicherungs-Aktien 15. 6. 14. 6. 30000 25000069 2510050 — 10000050 Ledert. 80000BB Rhein. Wasser 81000b2 „Sprengst. 9500060 Rhenania 109000b Schoeller Eit.]— Stollwerck nh.-St.-A. 10000050 Kam.-St.-A 100000 G Viersener 12900050 Welter, alte 80000t0 14. 6. 10000010 21560067 1400001 370000bs 90000 G 6200068 8100050 0000 100000 100000 100000 G 122000 AschMünch. Colonia, Feuer neue Gladb. Feuer Leipziger Magdeb. " junge latl.Rhenania Agrippina Niederrh. 60l. Rb.-V. Lioyd 55000 B 55000 B 120000 G 290000 G 41000 G 40000 G 450006 1— 30000 G 30000 G 40000 G 6000G 600060 15. 6. I 14. 6. Aach. Rückr..— 6500060 Colonia„"— 25100050 Kölner Lloyd.!—!— „ Rückv. 230000bz— Minerra 105000 b0 10000000 Rh.-N. Rückv. 5000 G Concordia, Lebensvers.!—! 45063 Kölner Hagel 7500060 5000050 Union. 110000WB 9500050 zenmehl 000 mit ausl. Weizen 530—625000, Kleie, brutto mit Sack, 135—140000. Rüdkuchen, lose, 200 bis 205000, Palmkuchen, lose, 215—225000, Trockenschnitzel 100—105000, Wiesenheu, inl, lose, 90—94000, Roggenstroh, gepreßt, 64—72000, Weizenstroh, gepreßt, 64000 bis 72000. Haserstroh, gepreßt, 56000, Roh=Melasse 140—145000. Die Börse war gut besucht und die Preise zogen an. Rohkaffee(Santos superior ½ kg) 28800—29500, Reis Burma II 7200, Rüböl(ohne Faß) 22500, Salatöl (in Orig.=Fäss. einschl. Faß) 26500—28 500, Pflaumen bosnisch=serbische(in Kisten, Originalware letzt. Ernte) 6600, Sultaninen(in Kisten) 34000, Korinthen(in Kisten) 30.000, Kokos(geraspelt) 27000, Graupen (Basis C6 einschl. Sack) 4800—5200, Hartweizengries (einschl. Sack) 9300—0000, Weichweizengrieß(einschl. Sack) 6500, Haferflocken(einschl. Sack) 5000, Kartoffelmehl 3100, Schnittnudeln 7200—0000, Malzkaffee gebr. 4500, Kakao(holländ.) 19000—20000. Auslandszucker 15000, Bohnen(Mittelbohnen) 6500, Langbohnen 7200, Scmalz(nordamerikan, pure lard) 170 kg. Fässer 30 800, 50 kg Fässer 30 900, in Kisten oder Kübel von 25 kg 31000, Butter(inländ.) 1. Qual. 34000. 2. Qual. 30—32000, Milch, ungezuck.(48/16) für die Kiste 450—480000, Emmenthaler Käse 30000—32000, Limburger Käse 12000—12 400, Holländ. Edamer Käse 40 000. Eier, unsortiert, 875—900. * Köln, 15. Juni. Am beutigen Kartoffelmarkt werden für die 50 Kg. folgende Preise festgesetzt: Erzeugerpreis ab Verladestation, für rbeinische gelbe Kartoffeln 20000 M. * Das Konsulat der Vereinigten Staaten von Brasilien hat der neubestellte Vizekonsul Heimann übernommen. Die Geschäftsräume wurden von Volksgartenstraße 21 in das Verwaltungsgebäude der Alltrans.=G. nach Alteburgerstraße 151—155(Fernspr. Ulrich 50—58) verlegt. Geschäftsstunden:.30—.30 Sonnabends 11—1. Das Konsulat ist zuständig für die Provinzen Rheinland und Westfalen. Hessen=Nassau, Pfalz, Baden und Württembera. Pösse, Konsulatsfakturen, Beglaubigungen und alle sonstigen im Verkehr mit Brasilien notwendigen Bescheinigungen für Personen und Firmen, die ihren Wohnsitz im Bereich des Konsulats haben, müssen von jetzt an in Köln vorgelegt werden. Berliner Wertpapierbörse. 15. 6. Allg. Elektr.-Ges. 17.000 F- 187000 bz Bad. Anil. Soda. 175000tz 225000bz Barop. Wolzw. 310.00000 Bedburg Koll„ 124500# 10000000 Bemberg.. 210000 br 15000050 Berlin-Anh. M. 160000bz 12500000 „ Karlsr. Ind. 59000050 62500.60 Bochum Guß.! 1[83000000 Capito 4 Klein.— Chem. I. Geisenk.— .-Lurb. Bergw. 950000KG C 2500050 „Niedi. Tel. 4700% 4600060 „Erdöl 690000bz 740000h Kaliwerke 420000bG 400000cC „Masch.-Fabr., 104000bzr 14000056 Dürener Metall. 72500000 Düsseldorf..-B. 200000bG 3100000 „Eisenhütton 250000tz 210000## „Maschinen-.I 55 500bz 500006G Elberleider Farb. 150 000tG 20000060 Essener Steink. 2 3 Flend. Brück 101000b0 11000000 Gebhard&.= /2740 00bz 25000050 Geisenk. Gußst. 259000bz 23500056 Gerresheim. Glas 700000b0 S000006G Jch. Girmes 150000 b. 150000 b2 Gladbacher Texti!!— 6000910 „Woll-Industrie 20000MtG 2000001G Glas Schalks— Glockenstahl...!— 200.0050 Gebr. Goedhart. 63000050 50090CbG Goldschmidt 242000tz 25000060 Grevenbr. Masch. 1 3500060 1 3000 S1G Hannov. Egestit.] 67500066 Harkor Brückend 1100001G 1030004 „" S t.- P r.—— Hasper Eisenwk.—— C. Hsckmann 52000060 52003060 Hirsch Kupfer 65000000 60000050 Industrie Aktien. 13. 6. Höchster Farben Hoesch Eisenu Hotel Disch Jülicher Zucker Fried, Klauser Köln-Neuessener Kölner Gas-El. Königsborn Kronprinz, M. 270000 G 230000b0 1 1000000ba 2 1300000b 142000bz 134000 7 19000t 70000050 24000050 1250000tz 22500050 70300 B 83000h8 681000tz 740000b 90000ba13000060 15. 6. 1 13. 6. Laurahütte 38000050 405 1005G Linke-Holmann. 4550005G 48000000 L. Loswe& Co. 41500056]— Malmedie& Co. 16000000 11000010 Mannesmann M. 9500000] 7500050 Mannesmann 77500060 65000050 Motorfabr. Deutz 215000br!— Mülheimer Bw. 11000050! 2 Oberschles..-B. 3350006G 351000bz Eisen-ind. 405000 bs 430000 Ir Koksw. 420000 bs 595000 h Gekinger Stahl 650000bz 59000054 Peipors& Co.—— Pongs Spinnereil 400005G 3550910 Rasquin Farbw. 12000000 10000050 Reisholz Papier- 850004G 5000050 Rhein. Chamelle!—— Aetall.-A. 14500060 170000br „Möbelst. 750000.00060 „Nass. Beryw.—!— „Spiegelglas.— 23000000 Stahlwerke 940000bz 930000 „-Westl. Elektr. IK 020006G 400000bz „. Kalks#erk 20000050— „„-Zemant...—]— Rhenania Chem. 1 30000bz 10000050 Rheydt. Elektr. 12500040 12500010 Rombacher A. 330000tz 3350001 Schiess. Masch.]—]— Schlß. Schulte—]— Schöndortt.. 32100z 37000bs Schuckert Co. 620000bz 635000br Schweimer Eisen 810000bz 920000 b7 Siegen-Sel.Gub. 70000 G. 100030bG Siemens-Haiske. 740000lz 670000bz Stollberg Zinkh., 590000bz 650000bG Lconh. Tletz 2400000 2300000 „„.-A. 740060 750010 Ver. O. hicke. 100000br 155000hr „G. s1. Elberl 500000bG 45000000 „Uttrameria 10000000 1050001G Negelin Rußlabr. 100000bz 7200060 L. Wessel Porz. 120000bz 10000000 Hest. Eisen Draht 500000GG 1060001G „Kupterwerke. 1 4000060 Wayer-Kirsch— Wicking Zement. 2400006G 20000060 Wittener Gud 60000060.— 3 130000050 Verkehrsnachrichten. Sommersonderzüge 3. Klasse. Für die Urlaubszeit hat die Reichsbahn wieder die Einlegung zahlreicher Sonderzüge vorgesehen, zu denen Fahrkarten 3. Klasse zu ermäßigten Preisen ausgegeben werden. Die Karten haben Gültigkeit für zwei Monate. Die Ferienzüge fahren ab Köln(Hptb. oder Deutz) nach Bremen, Hamburg. Emden, Norddeich, nach dem Harz, nach Thüringen. Oberschlesien, Berlin, Ostpreußen; München, Stuttgart=Friedrichshafen und nach Freiburg(Schwarzwald). Die Fahrkarten liegen in den Stationen Köln=Hbf. und Deutz etwa 14 Tage vor Abfahrt der Züge zum Verkauf auf. Aus den ausgehängten Plakaten sind die genauen Verkaufszeiten und die Abfahrten der Züge zu ersehen; auch sind die Gesamtübersichten der Sommersonderzüge an der Fahrkartenausgabe käuflich zu erwerben. * Kölner Getreide=, Futtermittel= und Warenbörse vom 15. Mai. Weizen, inl., 345—355000, Roggen, inl., 30.000, Hafer, inl., 270—290000, Wintergerste, inl., 250—280000, Sommergerste inl. 290—310000, Mais, grober, 450—470009. Mais. kleiner, 460—480000, Wei guter Harmonie zwischen Arbeitgeber und Arbeitrchmer. Sport und Spiel Großkampftag in den Pokalspielen. Sonntag, 17. Juni. in Merbeim. Wohl selten hat die Kölner Fußballsportgemeinde einen derart großen Sporttag gefeiert, wie der lommende Sonntag einer im Rahmen der Lokaltreffen sein wird. Der Kampf der vier führenden Vereine bedeutet für diese gleichfalls die Entscheidung. Lokalkämpfe zwischen gleich starken Geanern sind immer für die Kölner die Leckerbissen auf dem Fußballfelde gewesen. Aus der Vergangenheit haben diese Spiele zumeist eine sportliche Hochspannung bewiesen. Nun bringt uns der 17. Juni gleich 2 der bedeutendsten Treffen im Kölner Svortleben. K. C. f. Rasenspiele— V. k. Rasensport bedeuten ein Programm. Die Spielstärke beider Mannschaften ist so bedeutend und gleichartia, daß man dazu neigt, zu behaupten, daß dieses Treffen am Sonntage den Hauptreiz des Taaes bildet. V. f. R. mit seiner ungestümen Kraft, beißt für den Gegner alles oder gar nichts. Die alten erprobten Kämpen wie Göbler, der frühere Torwart des Geaners, Palm. der mehrmalige Repräsentative. Hürten. der gefährliche Durchbrenner, dazu Schröder mit seiner guten Sturmführung und seinem blitzschnellen Schuß bilden das Gerippe einer sehr gut eingespielten Elf, die erst beim Schlußpfiff den Kampf aufaibt. Die Grün=Weißen von der Amsterdamer Straße werden auch am kommenden Sonntag gegen V. f. R. alles aus sich heraus geben müssen, wenn es zu einem Siege reichen soll. Die Mannschaft bat eine bedeutende Sicherheit in ihren erprobten jungen ballsicheren Verteidigern, hinter denen ein Torwart von größtem Format steht. Hie Göbler, hie Zolver. eine Probe und eine Augenweide für den Kenner. Mit diesem bilden Berg, Muntz, Peter und Böltie die beste Waffe der Mannschaft, die ergänzt ist von jungen recht gut talentierten Spielern, von denen nur z. Zt. der Linksaußen durch sein übermäßiges Dribbeln dem Sturm schadet. Wie der Kampf dieser beiden Rivalen ausgeben wird, ist eine völlig offene Frage. Kölner Sp. C. 99— K. B. C. Das nächste Treffen bedeutet mehr als eine der früheren Begegnungen. Das„Kölner Derby“ ist seit zwei Jahrzehnten das bedeutendste Treffen in Köln. Am Sonntag geht es für beide Vereine um den Sieg, um die Führung. Die Rot=Welßen haben in dom Spiele gegen K. C. f. R. ihre vorzügliche Stärke erneut unter Beweis gestellt. Mit dem deutschen Torwart Zörner gewinnt die Mannschaft an Vertranen. Mit ihm Pohl, Steinhauer, Fellinger. Becker und Cremer, die Hauptstützen der Elf. wird die Mannschaft in den Kampf geben. Die Ueberrumpelungsaktion Steinhauers und seiner Nebenleute ist nur schwer zum Stehen zu bringen. Zörner hat seine Fähigkeiten, nachdem Torhüter wie Göbler und Zolper vorher spielten, erneut zu beweisen. Hier wäre für den W. S. V. die beste Gesegenheit aeboten, sich über seinen Nachwuchs ein Kares Bild zu verschaffen! Der Altmeister K. B. C. geht mit nicht minder guten Aussichten in den Kampf. Beramann. der unermüdliche Flink, Kölns bester Fußballspieler, dazu Behr, sind der Mannschaft Hauptstärke. Der Torwart Roggendorf wird bei etwas Ruhe versuchen müssen, es seinem Gegenüber gleich zu machen. Wie auch dieser Kampf enden mag, fest steht, daß dieses Spiel die Leistungen des voraufgegangenen erreichen wird, denn in all den Spielen der beiden Vereinen ist bisher noch immer ein besonders auter Svort geboten. Dem Zuschauer werden sich am Sonntag zwei Spiele bieten, die gewiß darauf Anspruch erheben, können, das beste zu sein. Dem Kritiker dürften diese drei Stunden keine Langeweile sein. ihm bietet sich günstige Gelegenheit eines Vergleichs der besten Kölner Fußballmannschaften im Kampfe um Ebre und Sieg. * Geuf, 15. Juni. Bei einer Uebungsfahrt für das nächsten Sonntag stattfindende Berarennen für Automobile ist am Donnerstag der Rennfahrer der italienischen Automobilwerke. Lamviano. in einer Kurve bei über 100 Klm. Geschwindigkeit gestürzt, unter den Wagen geraten und wurde getötet. Auskunftserteilung im Reiseverkehr. Der Reichsverkehrsminister hat neuerdings Richtlinien für die Auskunfterteilung auf den Bahnhöfen der Reichsbahn aufgestellt, denen zu entnehmen ist, daß zur Erteilung von Auskunft auf kleineren und mittleren Bahnhöfen die Pförtner. Bahnhofsschaffner, Aufsichtsbeamten, die Fahrkartenausgaben und das Zugbegleitpersonal ermächtigt sind. Auf großen Bahnhöfen sind besonders kenntlich gemachte Auskunftsstellen eingerichtet oder Beamte aufaestellt, die an einer gelben Armbinde kenntlich sind. Die Auskunftserteilung erstreckt sich in der Hauptsache auf Zugverbindungen, Verspätungen. Anschlüsse. Wartezeiten, auf alle Bestimmungen des Versonen= und Gepäckverkehrs, sowie auf die Gültigkeit der Fahrkarten. Ferner wird Auskunft über die Lage der örtlichen Einrichtungen, wie Fundbüros. Gepäckaufbewahrung. Bahnsteige, Polizeiwache. Telearaph usw. erteilt. Die Reisenden handeln daber im eigensten Interesse, wenn sie nur bei einer der oben genannten Stellen Erkundigungen einziehen und deren Art nach Möglichkeit auf den Reichsbahnverkehr beschränken. Am 13. Juni 1923 konnte Herr August Murtfeldt, Prokurist in der Firma Gebrüder Nolte. auf eine vierzigjährige Tätigkeit in dieser Firma zurückblicken. Am 25. Juni d. J. kann Fräulein Gertrud Kirsch auf eine ununterbrochene 50jährige Tätigkeit bei der Firma Ermanns und Engels. 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Straßenund Vorortbahnen einschl. der Köln=FrechenBenzelrather Eisenbahn ein neuer Tarif für Personenbeförderung in Kraft. Wichtige Anderungen: a) Straßenbahnen: Fahrscheine ohne Umsteigerecht. 1500.— M. Fahrscheine mit einmaligem Umsteigerecht. 1800.— M. Kinder 800.— M. Schüler und Lehrlinge. 500,— M. Essenträger 250.— M. Fahrscheine zur Rennbahn und für Personalwagen 3000,— M. Knipskarten(5 Fahrten) 6000,— M. Knipskarten für Schüler u. Lehrlinge 2200.— M. Wohlfahrtskarten(10 Fahrten), 7500.— M. Wohlfahrtskarten für Blinde. 400,— M. Netzkarten 200000.— M. Wochenkarten ohne Umsteigerecht für eine bestimmte Linie a) für werktäglich 2 Fahrten 10000.— M. b) für werktäglich 4 Fahrten 14400.— M. mit je einmaligem Umsteigerecht a) für werktäglich 2 Fahrten 11900.— M. b) für werktäglich 4 Fahrten 17300.— M. Schüler u. Lehrlinge 3700, 5500, 5000 u. 6700 M. Umsteigefahrschein auf die Vorortbahnen und die Mülheimer Kleinbahnen für Erwachsene 2500.,— M. für Kinder 1300,— M. b) Vorortbahnen: Erhöhung der unteren Fahrpreise von 600 auf 1500., im übrigen um rd. 150%, sodaß die Einzelpreise betragen:„ 1500,—,1600,—, 1700,—,1800,— u. 2000.— M. Kinder 900.— M. Schüler und Lehrlinge. 600,— M. Knipskarten(5 Fahrten) 6000.— M. Knipskarten für Schüler u. Lehrlinge(12 Fahrten). 4500.— M. Wochenkarten 10000.— M. Wohlfahrtskarten(10 Fahrten) 8500.— M. Streckenkarten=Erhöhung um rd. 150% Umsteigefahrschein auf die Straßenbahnen für Erwachsene. 2500.— M. für Kinder 1300,— M. c) Allgemeines: Knipskarten der Straßen= und Vorortbahnen können noch bis zum 27. 6. 23 einschließlich ausgenutzt werden, soweit sie vor dem 21. 6. 23 gelöst worden sind. Wochenkarten und Wohlfahrtkarten bis zum 30. 6. 23 einschl., soweit sie vor dem 26. 6. 23 gelöst worden sind. Von dem genannten Tage ab verlieren sie ihre Gültigkeit. Auskunft erteilt die Direktion. Direktion der städtischen Bahnen. Köln=Bonner Eisenbahnen Bekanntmachung. Vorbehaltlich der Genehmigung der Aufsichtsbehörde tritt am 20. Juni eine Fahrpreiserhöhung um 100 Prozent in Kraft. Die Direktion. Nur für Händler Dreipunkt- Fahrräder " 6 6 Köln-Nippes, Florastr. 28 Eingang Gartenstr. Privat, nicht Laden Kleinverkauf in Köln-Nippes: Fahrradhaus Poß, Wilhelmstraße 8. Kleinverkauf in Köln: Fahrradhaus Mannheimer, Im Ferkulum 14. 5 Landverkauf in Weiden. Am Freitag, den 22. Juni d.., nachm. 5 Uhr, lassen Erben Jos. Stetten aus Weiden in der Wirtschaft von Liessem zu Weiden, ein daselbst an der Aachener Straße zwischen Rest. St. Florian und Liessem gelegenes Garten= und Baugrundstück, groß 707 qm, 12 Meter Front durch den Unterzeichneten öffentlich meistbietend versteigern. Die Bedingungen sind bei dem Unterzeichneten einzusehen. Köln, 15.Juni 1923. Kleber, Notar, Justizrat Mohrenstraße 31. und dabei gute Resultate erzielen, ist der Wunsch jeder tüchtigen Hausfrau. 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Aber regen Sie sich nicht so hinaut, mein Lieber, diese Dinger beseitigt man nicht mit dem Messer. Da wird auch nicht gesägt oder geätzt, sondern ich, Dr. Unblutig, entferne auch die knorrigsten Hühneraugen und die älteste Hornhaut nach dem wissenschaftlichen Prinzip:„Hühneraugen klein und groß, wirst durch Rukirol Du tos“. Gehen Sie jetzt gleich in die nächste größere Apotheke oder bessere Drogerie, kaufen Sie sich eine Schachtel Kukirol um wenden Sie es laut Gebrauchsanweisung an. Sie werden sehr bald Linderung verspüren, im Gegensaß zu andern Mitteln, welche die Schmerzen noch größer machen. In 2 bis 3 Tagen werden Sie sich schon ohne Hühneraugen behelfen müssen.— Gerade Ihnen und Ihren Kollegen möchte ich aber außerdem noch die regelmäßige Benutzung des KukirolFußbades empfehlen. Das viele Gehen mit weichen Schuhen auf hartem Boden verursacht natürlich heftiges Brennen an den Füßen, mitunter auch Wundlaufen und allerlei andere Fußleiden. 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Hierauf: Salon Pitzelberger. Theaterkasse geöffnet 11—1,—8 Uhr Volkstümliche Preise. IIS Theater B 9123 B 9123 Heute u. felg. Tage Morsen, Schntag, nür abends 7½ Uhr tistischen Leistungen voll#führte, geht weit über das hinaus, was wir bisher an Sensationen im Film erlebt # haben. Sowohl in den Szee ue Zirkus bietet er Spitzenleistungen einer höchstentwickelten artistischen Technia. die, verbunden mit einer Willensenergie, den Körper # völlig in ihren Dienst gezwungen hat und für die es Schwierigkeiten überhaupt ## nicht mehr gibt. Nicht zuletzt ist die Leichtigkeit und Eleganz zu bewundern, mit der er seine Sensationen ausführt. Es ist ein Rekord an artistischer Meisterschaft. die bier von Albertini erzielt worden ist. Als Darsteller berührt er sympatisch durch die Schlichtheit. mit der er sich selber gibt. und den Verzicht auf Starallüren. Ferner: Und dennoch 121 Eine Filmnovelle in6Kapiteln Hauptdarsteller: Grete Dierks Heinrich Schroth Sonntag vormittags 11 Uhr LustspielVerstellung mit neuen Schlagern zu kleinen Preisen. Badesten1 Reparatur-Spezial-Werkstätte Narath, Aachener Str. 76. Tel. B 370. 3 9. Die einzige Seife Wäsche, für die Wäsche, welche vollsfändig frei von Wasser u Soda ist. Bedeuend ergiebiger als alle anderen Seifen u. Waschmittel ERREIHotel-Restaurant ERDEITWestfälischer Hof 603938388 930 Zoologischer 8 Garten.* K — Tägl. 3½ u. 7½ U. 3 Konzert. 3 600008 000 für Kohle und Prima Qualität Große Auswahl, mäßige Preise Herdhandels-.-G. 24 Krummer Büchel 24 Telephon Rheinland 8438 (Inh. Fritz Frohne) Marzeller#r. 29. Sut. bürgerl. Mittagtisch Reichh. Abendplatten nach Karte von 6 bis 10 Uhr. 1* sonntag Künstler- Konzert. Sälchen für Vereine. Haarnisse beSite Harinsieut Kerventees# 115 Thieboldsgasse 115 Kräuterh.Blauback 34 Nähe Neumarkt. Konzert Wochentags—7 Sonntags—11. 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