Nr. 83 36. Jahrgang Ulorgen-Ausgabe Preitag, 24. Februar#922 70 Mark wöchentlich and. Hauptgeschäftsstelle abgeholt Bezugspreis monatlich frei Haus: M. 15.— einschl. Beilagen. Post bezug M. 15.— einschl Bestellgeld Einzel-Uummer 25 Df. :: O r a n n d e r T e n t r u m s p a r t e i: Amtl. Kreisblatt für den Landkreis Köln Kölner Local-Anzeiger— General=Anzeiger für die rheintsche hauptstadt und fremdendl## Uülheimer Dolkszeitung. Redaktion und Hauptgeschäftsstelle: Domstraße 6, Fernr.. A 4812. A 7777 u. A 8714. Zweig stellen: Breite Str. 85. Fernr. A 6636. Mülheim: Regentenstr. 16. Fernr.: 940 Amt Mülheim Anzeigenpreise: Für Platzanzeigen die einspalt. KolonelJeiie.—(ausw. Anzeigen.50.), dritte u. letzte Seite .50(ausw..—.), Platzvorschrift 10% Zuschl., Familien= anzeigen.50., Stellengesuche nied. Art.— M. Reklamepreis: Die Kolonel=Zeile 18(ausw. 20.) zweite Seite 20(ausw. 22.) Platzvorschrift 10% Zuschlag. Um die Mörder Datos. Einspruch gegen die Kuslieferung. Berlin, 23.Fcbr.(Drahtb.) Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Afa=Bund veröffentlichen einen Einspruch gegen die Auslieferung der des Mordes an dem spanischen Ministerpräsidenten Dato beschuldigten Spanier. Die Unterzeichner der Erkärung erblicken in dem Auslieferungsbeschluß eine Handlung, die in ihrer Auffassung von Recht und Gerechtigkeit und von internationaler Gegenseitigkeit ins Gesicht schlage und die berechtigte Entrüstung aller freiheitlich gesinnten deutschen Republikaner hervorrufen müsse. Ueber die Erwägungen, die die Reichsregierung zur Auslieferung der spanischen Ministermörder veranlaßt haben, erfahren die Blätter, daß zwar der deutsch=spanische Auslieferungsvertrag von 1879 die Auslieferung bei politischen Verbrechen ausschließt, daß es sich aber in vorliegendem Falle, wie die eingehende Untersuchung festgestellt hat, um ein Verbrechen handelt, das zu einer Kette von syndikalistischen Terrorakten gehörte. Bei dem Morde war nicht ein Umsturz der Staatsverfassung das Ziel, sondern er war ein Racheakt. Die Regierung ist infolgedessen zu der Entscheidung gekommen, daß die Pflicht zur Auslieferung im vorliegenden Falle nicht bestritten werden könne. Deutsches Reich. Auf der Spur von Erzbergers Mördern. Berlin, 23. Febr.(Eig. Drahtb.) Das Münchener Süddeutsche Zeitungsbüro erfährt: Die Staatsanwaltschaft in München beschäftigt sich mit einem Telegramm vom 20. Dezember, daß von einem an dem Morde Erzbergers Beteiligten geschrieben und an einen in München wohnenden Rechtsanwalt gerichtet ist. Dieser. ein Dr. Adolf Müller, wurde auf Veranlassung des inzwischen verständigten Offenburger Untersuchungsrichters unter dem Verdacht der Begünstigung verhaftet. Er gibt zu. Ende Dezember in Budapest geweilt zu haben, jedoch aus beruflichen Gründen. Er hat Haftbeschwerde eingelegt. Nach deren Abweisung wird er dem Gericht in Offenburg übergeben. Die in Betracht kommende Urschrift des Telegramms sei in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise verfaßt, weise die Schriftzüge Tillessens auf und sei mit Hans unterzeichnet. Der Offenburger Untersuchungsrichter trifft heute in München ein. Studienreise deutscher Wirtschaftsvertreter nach Rußland. Berlin, 23. Febr.(Eig. Drahtb.) Auf Veranlassung des Reichswirtschaftsministeriums ist von den Spitzenverbänden eine Reihe von Herren benannt worden, die als wirtschaftliche Sachverständige der deutschen Handelsvertretung in Moskau die Verhältnisse in Rußland an Ort und Stelle erforschen und darüber dem Reichswirtschaftsministerium und ihren Verbänden Bericht erstatten sollen. Es sind zunächst etwa 12 Herren für die Reise in Aussicht genommen. Als erste werden heute nachmittag Reichstagsabgeordneter Dr. Hugo für den Reichsverband des deutschen Ein= und Ausfuhrhandels und Direktor Benster(Stettin) als Vertreter des Speditionshandels mit Ministerialpässen versehen die Auslandreise antreten und sich über Riga und Reval nach Moskau begeben. Am Samstag wird Staatssekretäre a. D. Professor Dr. August Müller folgen, dem außerdem, wir wir hören, die Zusammenfassung der Berichte sämtlicher Sachverständigen übertragen ist. Es ist vorgesehen, daß jeder der wirtschaftlichen Sachverständigen etwa 6 Wochen in Rußland bleiben wird. Die Streikfrage im Deutschen Beamtenbund. WTB Berlin, 23.Febr.(Drahtb.) Hier fand eine Sitzung des großen Vorstandes des Deutschen Beamtenbundes statt, die sich mit einer grundsätzlichen Aussprache über die letzten Ereignisse befaßte. Die Sitzung dauerte bis vor Mitternacht. Menne. der Vorsitzende der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter, verlangte unter starker Betonung des aktiven Machtgedankens für die zukünftige Beamtenpolitik freie Bahn und die Übernahme der Geschäfte durch die streikfreundliche Richtung. Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Lehrer Flueger, stellte demgegenüber unter Betonung der geschehenen Mißbilligung des Streiks der Reichsgewerkschaft und über seine Führung die Vertrauensfrage, die mit Mehrheit bejaht wurde. Ein in sechs Wochen anzuberaumender Bundestag soll auf Grund des Geschehenen endgüktig beschließen. Reichsverkehrsminister und Reichsgewerkschaft der Eisenbahnbeamten. WTB Berlin, 23. Febr.(Drahtb.) Die Reichsgewerkschaft der Eisenbahn=Beamten und Anwärter suchte gestern nachmittag bei dem Reichsverkehrsminister um eine Besprechung nach die für heute vormittag vorgesehen war. Da es sich ergab, daß bei der von der Reichsgewerkschaft entsandten Kommission sich Beamte befinden, gegen die wegen der Urheberschaft am Ausstand ein Disziplinarverfahren schwebt, ließ der Reichsverkehrsminister der Kommission durch einen Bevollmächtigten mitteilen, daß er in Verhandlungen mit diesen Beamten nicht eintreten könne. Die Kommission erklärte hierauf dem Bevollmächtigten: Die Kommission hat die Erklärung des Reichsverkehrsministers zur Kenntnis genommen, wonach der Reichsverkehrsminister bittet, an den Verhandlungen auf seiten der Reichsgewerkschaft nur solche Herren teilnehmen zu lassen, gegen die kein strafrechtliches oder disziplinares Verfahren wegen Verstoßes gegen Ziffer 1a der Richtlinien(Urheberschaft) schwebt. Die Kommission kann die Ansicht aber nicht teilen und deshalb nicht anerkennen. Die Kommission wurde durch den erweiterten Vorstand der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten= und Anwärter als geschlossene Verhandlungskörperschaft geschaffen und hat als solche bereits mit dem Reichskanzler verhandelt, ohne daß überhaupt irgendwelche Bedenken erhoben wurden. Wir bitten daher um eine Erklärung. ob der Reichsverkehrsminister mit der unterzeichneten Kommission in Verhandlungen eintreten will. Der Reichsverrehrsminister ließ folgende Antwort erteilen: Der Reichsverkehrsminister ist gern bereit, jederzeit die Verhandlungen mit der Reichsgewerkschaft, zu denen er als oberster Verwaltungschef berufen ist, aufzunehmen, es ist aber mit seiner Stellung gegenüber der gesamten Beamtenschaft nicht vereinbar, diese Verhandlungen mit Persönlichkeiten zu führen, die sich als Beamte der Urheberschaft an dem Ausstand der Beamten schuldig gemacht haben und gegen die deshalb ein Disziplinarverfahren schwebt. Auch für diese Beamten müßte es nach Ansicht des Reichsverkehrsministers dienlicher sein, wenn die Verhandlungen mit der Verwaltung durch andere Personen geführt würden. Die Tatsache des Empfanges der Kommission durch den Reichskanzler kann der Reichsverkehrsminister nicht als für sein Verhalten maßgebend anerkennen. Der Reichskanzler befindet sich nicht in der Stellung eines Verwaltungschefs und Dienstvorgesetzten der Eisenbahnbeamten. Wie das Berliner Tagebl. hört, wurde die von der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten= und Anwärter nachgesuchte Besprechung mit dem Reichskanzler von diesem aus denselben Gründen avgeleynt. aus denen Reichsverkehrsminister Gröner die Unterredung mit der Kommission der Reichsgewerkschaft verweigert hat. Preußischer Landtag. Berlin, 23.Febr.(Eig. Drahtb.) Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Katz(Komm.) auf die Tagesordnung einen kommunistischen Antrag zu setzen, der Einspruch erhebt gegen die Auslieferung der des Mordes an dem spanischen Ministerpräsidenten Dato beschuldigten spanischen Syndikalisten. Der Antrag wird unter dem Protest der Kommunisten abgelehnt. Hierauf wird die zweite Beratung des Kultusetat beim Titel Kunst fortgesetzt. Deutscher Reichstag. Berlin, 23.Febr.(Eig.Drahtb.) Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragen die Kommunisten als ersten Punkt auf die Tagesordnung eine Besprechung der Auslieferung der beiden Spanier durch die preußische Regierung zu setzen. Reichsjustizminister Dr. Radbruch erklärte, beim Justizetat auf diese Frage eingehen zu wollen. Der Gesetzentwurf zur Vereinfachung des Aufgebotsverfahrens für Schuldverschreibungen wird in zweiter und dritter Lesung angenommen, ebenso der Gesetzentwurf betr. Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige. Dann setzt das Haus die zweite Beratung des Haushalts für 1922 beim Etat des Reichsjustizministeriums fort. Aba. Hoffmann=Kaiserslautern(Soz.) übt Kritik an der deutschen Rechtsprechung, die zum größten Teil im Dienste der herrschenden Klasse stehe. Er bespricht die Fälle Erzberger und Gareis. Die Mörder würden nicht gefunden und aus den Gefängnissen entwischte Offiziere ebensowenig und er glaube, auch Herr von Jagow werde, wenn er demnächst aus dem Gefängnis entweiche, nicht gefunden werden. Das alles entfremde das Volk der Justiz. Der Redner ist der Meinung, ein Richter verhöhne das Ansehen der Republik, wenn er bei einem Eide ohne Gott sitzen bleibe, bei einem Eide mit Gott aber aufstehe. Weiter sagt der Redner, solange die Kappisten nicht bestraft seien, erfordere es die Menschlichkeit und die Gerechtigkeit, die wegen politischer Verbrechen bestraften Kommunisten aus Gefängnissen und Zuchthäusern zu enklassen. Ferner fordert der Redner Erleichterung für die Ehescheidung Aba. Warmuth(Du. Vp.) erwidert auf die Angriffe der Linken, daß es mit der angeblichen Parteilichkeit der Richter doch noch nicht besser würde, wenn Männer aus den Kreisen der Linken Richter würden. Das Volk mache viel zu oft den Richter persönlich für sein Urteil verantwortlich, statt das Gesetz verantwortlich zu machen. Auch Abg. Dr. Kahl(D. Vp.) erklärt, der generelle Vorwurf der Klassenjustiz sei unberechtigt. Der Redner erhebt Widerspruch gegen ein allgemeines AmnestieAba. Dr. Rosenfeld(USP.) hält unsere Justiz für reformbedürftig an Haupt und Gliedern. Die Ehescheidung müsse erleichtert werden. Auch dieser Redner behandelte ausführlich das Thema der Klassenjustiz. Die Nachricht, daß spanische Syndikalisten von unserer Republik ausgeliefert wurden, sei eine Schande für uns. Reichsjustizminister Dr###ooruch: Die Reichsregierung war der Ansicht, daß das Asylrecht einer demokratischen Republik besonders heilig sein müsse. Deutschland muß sich aber nicht minder verpflichtet fühlen zur peinlichsten Beachtung seiner vertraglichen Verpflichtungen, besonders wo wir selbst im gleichen Falle sind bzgl. der Auslieferung der Mörder Erzbergers. Die Angelegenheit ist keine Sache des menschlichen Empfindens, sondern rechtlicher Verträge. Die Auslieferung ist erfolgt auf Grund unseres Auslieferungsvertrages mit Spanien. Wo ist das wirkliche oder geplante politische, d. h. in diesem Falle hochverräterjsche Verbrechen, mit dem angeblich die Tat im Zusammenhang steht? In diesem Falle könnten wir die Auslieferung verweigern. Die angebliche Tat ist ein politischer Racheakt, aber sie ist nicht geschehen zu einem politischen Zweck. Das Ergebnis, zu dem die Reichsregierung gekommen ist, ist nicht erfreulich. Hätten die beiden Syndikalisten es schlimmer getrieben, wäre es ihnen besser gegangen. Ein neues Auslieferungsgesetz ist in Vorbereitung. Nach dem strengen Willen des Rechts haben wir dem spanischen Botschafter den feierlichen Wunsch ausgedrückt, daß ein etwaiges Todesurteil in diesem Falle nicht vollstreckt werden möge Wann hört das tungern auf? Von Landwirt Franz Feilmayer=Ruital, M. d. R. II. Die Mittel zur Produktionssteigerung. Die Landwirtschaft kann von sich aus allein die Produktionssteigerung, die notwendig ist, um das Volk aus eigenem Boden zu ernähren, nicht vollziehen. Eine steigende Produktion hat vor allem den Arbeits= und Wirtschaftsfrieden zur Voraussetzung. Weiter müssen der Landwirtschaft die notwendigen Betriebsmittel, insbesondere Kunstdünger, Betriebsstoffe, Eisenbahnwagen und Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt werden. Eine vernünftige Wirtschafts= und Finanzpolitik muß getrieben werden. Die neuen Steuern dürfen nur so sein, daß die Wirtschaft nicht erschlagen wird. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, dann sind alle Berechnungen umsonst und die Zeche bezahlt, wie bei der Zwangswirtschaft, der kurzsichtige Verbraucher. Die Kardinalfrage ist die: Kann die deutsche Landwirtschaft das deutsche Volk vollständig ernayren? Antwort: Ja, aber nicht sofort; im günstigsten Fall von der Ernte 1923 ab! Begründung: Um das Volk voll ernähren zu können, müssen wir zukünftig mehr ernten pro Hektar Getreide.60 Zentner, Kartoffeln 7,20 Zentner, und wir müssen mehr gewinnen beim Fleisch pro Stück 100 Pfund, bei der Milch pro Kuh 87 Liter. Hauptfaktoren bleiben Getreide und Kartoffeln. Der Fleischverbrauch könnte zugunsten des Milchgenusses etwas nachlassen. Vor dem Kriege haben wir fast zuviel Fleisch verzehrt.(Pro Kopf im Jahre 52 Kilogramm.) Diesen angeführten Zahlen ist die Ernte von 1920 zugrunde gelegt. Ein anderes Bild: Die Getreidcanbaufläche Deutschlands beträgt 60 Prozent des deutschen Acker= und Gartenlandes. Demgegenüber nehmen Hackfrüchte nur 19 Prozent, Futterpflanzen nar 10 Prozent ein. Vor dem Kriege hatten wir an Getreide täglich pro Kopf 500 Gramm zur Verfügung. Wieviel müssen wir nun mehr zeugen, um zu diesem Stande wieder zu kommen? Die Berechnung auf Grund der Statistik über Getreide=Ein= und Ausfuhr ergibt kein richtiges Bild. Vor dem Kriege wurde sehr viel Getreide verfüttert, durchschnittlich rund die Hälfte. Futterarme Jahre trieben die Verfütterung noch höher. Man muß also eine andere Grundlage nehmen. In dem sehr guten Getreidejahr 1913 ernteten wir über 5 Millionen Tonnen Weizen und über 12 Millionen Tonnen Roggen zusammen erwa 17½ Millionen Tonnen Brotgetreide. Nun haben wir durch den Krieg an Bevölkerung 11 Prozent, an Getreideanbaufläche jedoch 20 Prozent verloren. An Ernte von Brotgetreide wäre danach heute einzusetzen erwa 13.8 Millionen Tonnen. Diese Zahl gründet sich aber auf die gute Ernte von 1910. Die Durchschnittsernte ist aber 20 Prozent niedriger anzusetzen. Sonach bleiben etwas über 11 Millionen Tonnen Brotgetreide. Der Verbrauch von 60 Millionen Deutschen ist bei 500 Gramm pro Tag 10.8 Millionen Tonnen. Somit ergibt sich sogar ein Ueberschuß an Brotgetreide. Auch schon vor dem Kriege gestaltete sich die Berechnung in derselben Weise. Nun kommen wir aber mit unserer Gerstenernte nicht aus, vor dem Kriege führten wir 115 Millionen Tonnen Gerste ein. Hierfür ist kein Ersatz vorhanden, im Gegenteil, es ist noch Land freizumachen für Oel=, Gespinst= und Futterpflanzen. Was an Brache=Rückgang gewonnen werden kann, wird der vermehrte Kartoffel= und Rübenbau aufzehren. Eine neuere Statistik liegt hierfür nicht vor. Man kann aber annehmen, daß die fehlenden.3 Millionen Tonnen Gerste auf Rechnung von Brotgetreide gehen. Somit bleiben uns zum Verbrauch nur noch knapp .8 Millionen Tonnen, dem ein Bedarf von 10.8 Millionen Tonnen gegenübersteht. Und das macht einen Fehlbetrag von rund 3 Millionen Tonnen. Dieser Fehlbetrag auf die neue Getreideanbaufläche von 12,5 Millionen Hektar verteilt, gibt auf einen Hektar.24 Tonnen, ist gleich 240 Kilogramm. Es ist auf das bestimmteste anzunehmen, daß diese Fehlbetragszahl eher zu hoch als zu niedrig ist. Wir ernteten vor dem Kriege.5 Millionen Tonnen Gerste. Dazu führten wir 3 Millionen Tonnen ein. Die eingeführte Menge ist oben in Rechnung gesetzt. Nun ist aber erstens unsere Brauerei=Industrie erheblich zurückgegangen, was zugunsten des Getreideverbrauchs ausschlägt, und zweitens wurde vor dem Kriege mit Brot und Getreide viel Verschwendung getrieben, was bei einem ärmer gewordenen Volke nicht mehr vorkommen wird. Drittens könnte hinzukommen, daß die Regierung die Herstellung feinsten Weizenmehls, sowie von Kuchen= und Feingebäck durch Verbot oder Besteuerung solange zurückschraubt, bis wir wieder genügend Getreide haben. Eine derartige Maßnahme wäre für die Uebergangszeit bis zur Vollernte sehr zu empfehlen. Die Fehlmenge würde sich durch diese Maßnahmen um etwa die Hälfte verringern, somit pro Hektar auf 120 Kilogramm. Das Volk muß auch wissen, daß Deutschland ein Roggenland ist und kein Weizenland. Einem Drittel Weizen stehen zwei Drittel Roggen gegenüber. Das Roggenbrot darf nicht verschmäht werden, es ist kräftiger als Weizenbrot, macht starke Knochen, gesunde Nerven! Die Roggenernte ist die sicherste. (Schluß folgt). Die Beratung wird abgebrochen. Der Gesetzentwurf betr. den Kassenbestand der Reichsbank wird in zweiter und dritter Lesung erledigt. Nächste Sitzung morgen, Freitag, 12 Uhr: Anfragen, 5. Nachtrags=Etat, Kapitalflucht, Anleihe=Denkschrift, Fortsetzung. Schluß .15 Uhr. Seite 2 Nr. 83 Rheinische Volkswacht Freitag, 24. Februar 1922 Genua. WTB Paris, 23.Febr.(Drahtb.) Der Petit Parisien schreibt zu der bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Poincare, es handle sich bei dieser Unterredung um die Fragen, die in dem französischen Memorandum vom 5 Februar aufgeworfen wurden. Offiziös scheine bereits über folgende Streitpunkte eine Einigung erzielt worden zu sein: Auf der Genueser Konferenz werde kein Friedensvertrag besprochen werden, ebensowenig Reparationen. Ferner werde der Völkerbund beauftragt werden, die Probleme zu behandeln, die die Konferenz selbst nicht behandeln werde. Weiter soll der Völkerbund später die Ausführung der Entder Sowiets an der Konferenz nicht ihre Anerkennung de jure nach sich ziehe und aber, selbst wenn die Konferenz die Anerkennung für nicht zulässig erachten sollte, trotzdem die Möglichkeit offen gelassen werde, ein wirtschaftliches Abkommen mit den Sowjets zu rreffen. Endlich soll die Verpflichtung, die in Cannes vorgesehen und durch die die Nationen das Versprechen gaben, einander nicht anzugreifen, nur in der Form einer einfachen Resolution, nicht durch eine formelle Konvention bestätigt werden. Poincare und Lloyd George. London, 23.Febr.(Drahtb.) (Havas). Poincare soll als Antwort zu dem Vorschlag Lloyd Georges das Datum des 25. oder 26. Februars angenommen haben, um mit dem englischen Ministerpräsidenten zusamenzutreffen. Der Hauptgegenstand der Unterredung zwischen den beiden Premierministern soll die Genueser Konferenz sein. Doch sei es sehr wahrscheinlich, daß man gleichfalls auch von dem englisch=französischen Pakte sprechen werde, Die farbigen Truppen am Khein. WTB Londen, 23. Febr.(Drahtb.) Harmsworth teilte im Unterhause mit, daß die Stärke der französischen Kolonialtruppen im besetzten deutschen Gebiete etwa 18000 Mann betrage. Die Zusammensetzung der französischen Truppen sei eine Frage. die die französische Regierung angehe. Von der deutschen Regierung sei keinerlei Klage oder Einspruch gegen die Verwendung farbiger Truppen eingegangen. (Anmerkung: Wenn Harmsworth meint, daß von der deutschen Regierung gegen die Anwesenheit farbiger Truppen im Rheinland niemals Einspruch erhoben worden sei, so befindet er sich in einem bedauerlichen Irrtum. Es braucht in dieser Beziehung nur auf den Schriftwechsel zwischen der deutschen Botschaft in Paris und der französischen Regierung verwiesen zu werden, der im Dezember v. J. dem Deutschen Reichstag vorgelegt wurde.) Die italienische Kabinettskrise. WTB Rom, 23.Febr.(Drahtb.) Der König fragte den früheren Finanzminister des letzten Kabinetts Giolitn, Facta. ob er die Bildung des Kabinetts übernehmen wolle. Facta behlelt sich die Antwort vor. Er hatte heute vormittag Besprechungen mit Giolitti und anderen Parlamentariern. Kleine Nachrichten. WTB London, 23.Febr. Nach einer Reutermeldung aus Washington nahm der Senat einen Beschluß an, Harding zu ermächtigen, daß er den Patentvertrag mit Deutschland erneuere. Paris, 23.Febr. Wie die Morgenblätter mitteilen, wird über den Fall des früheren Abgeordneten Meunier, der wegen des Verdachtes eines Einverständnisses mit Deutschland 28 Monate ungerechtfertigt in Haft gehalten worden war. der Abgeordnete Gheusi in der Kammer interpellieren. Berlin, 23. Febr.(Drahtb.) Wie die Blätter melden, wurde gestern auf Veranlassung des preußischen Ministers des Innern, Severing, durch Landrat Bohne und Regierungsrat Karbe als Vertreter des Potsdamer Regierungspräsidenten erneut eine Waffensuche auf dem Besitztum v. Kähnes abgehalten. Außer den bereits neulich von Landjägern beschlagnahmten Schußzwaffen wurden im Besitze des Gutsherren keine weiteren Gewehre und Pistolen gefunden. Bei dem Gutsinspektor, Hauptmann a. D. Hellwig. und dem Kutscher Willgram wurden drei Jagdgewehre beschlagnahmt. Die Abgabe der Waffen vollzog sich ohne Widerstand. Was die Jagd=Waffenscheine der Familie Kähne betrifft. so wurde festgestellt, daß Kähne jun. einen Jagdschein besitzt. Gutsbesitzer Hauptmann Kähne dagegen hat weder einen Waffen=, noch einen Jagdschein. sodaß gegen ihn Anzeige wegen unerlaubten Waffentragens erstattet werden dürfte. WTB Beuthen, 23.Febr. Die Kesselexplosion im Badehause des Gräfin=Johanna=Schachtes, bei der 52 Mann schwer verletzt worden waren, forderte, wie jetzt feststeht, 23 Opfer. Zehn weitere Arbeiter schweben noch in Lebensgefahr. Sport und Spiel. Wehe, wehel Die„Alten Herren“ vom K..C. wollen ihrer Meistcrelf doch noch ein Rüßchen zu knacken geben. Voll Mut haben sie die Siegerelf herausgefordert. die ihnen im Vollgefühl ihrer Krat 8 Tore vorgegeben hat. Zudem fühlt sich die Binder=Mannschaft mächtig genug, im voraus mindestens 15 Treffer zu garantieren So meldet der W. Sport. Die seltene Herausforderung wird ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. Da wirds viel zu lachen geben— es ist ja Karnevalszeit! Wenn nun die„Alten Herrn“ Sieger werden? * Die Gauliga m W. S. S. hat zu Sonntag nur 2 Spiele angesetzt. In Rheydt spielt der F. V. Bonn; die Borussia.=Gladbach trifft in Köln auf den Rasensport. * Kreisliga. Rhenania Köln—Germania Düren, Sp. V. Düren—Rasenspiele Bonn, T. S. V. 93 Köln—Viktoria Köln, F. C. Düren—Jugend Düren. Aus Stadt und Land. Mittelschulfragen. Der Vorsitzende des Verbandes der staatlichen Eltembeiräte stadtkölnischer Mittelschulen schreibt uns: Erfreulicherweise beschäftigt sich die Presse in letzter Zeit mehrfach mit Mittelschulfragen. Veranlassung dazu gibt die Forderung der Eltern, daß die Mittelschülerinnen mit Feder und Nadel aber auch mit dem Kochlöffel tüchtig werden sollen, eine Forderung, die in der Jetztzeit die Unterstützung Aller, auch der Schulfachmänner finden müßte! Leider gehören die Schulfachmänner vielfach nicht zu den Mittelschulfreunden. Teils möchten sie die Eltern der Mittelschülerinnen für das Lyzeum erwärmen, teils wollen Fachmänner, männlichen und weiblichen Geschlechts, die guten Volksschülerinnen, die doch allein für die Mittelschule in Frage kommen, bei sich auf der Volksschule halten. Diese kleinlichen Fachreibereien wären an sich belanglos, wenn nicht die Kinder, für die doch alle Schulen geschaffen sind, schwer geschädigt würden und die Eltern in ihrer Sorge falsch beraten würden! Wie manche Mutter, die ihre strebsame, fleißige Tochter der Mittelschule zuführen wollte, hörte dort, daß es„ein Jahr zu spät“ sei und merkte, daß der„gute“ Rat der Lehrerin wohl lediglich deshalb falsch war, um die Volksschule mit einem„Stern“ mehr geschmückt zu sehen, der nebenbei bemerkt ohne Bemühung der Lehrenden stets„glänzt!“ Es ist dies, wie auch spitzfindige Gegengründe heißen mögen, ein Vergehen gegen das Schlagwort:„Dem Tüchtigen freie Bahn!“ Gewissenhafte Erziehungsverpflichtete müssen im wohlgemeinten Interesse der Kinder ohne Rücksichtnahme auf eigene Wünsche lehren, daß nach vierjähriger Grundschule(Volksschule) die Tüchtigen aber auch nur die Tüchtigen freie Bahn für die Mittelschule haben! Neidlos, ja mit berechtigtem Stolz sieht es die Mittelschule zu, wenn eine ihrer besten Schülerinnen zum Lyzeum übergeht, um über diese Etappe zur Hochschule zu kommen und zeitlebens der Wissenschaft zu dienen! Falsch und unverantwortlich gegen Kind und Eltern ist der Versuch, gute oder gar nur mittelmäßige Mittelschülerinnen zu Lyzeistinnen machen zu wollen! Durch die vielen erzwungenen Ferien der Kriegs= und Nachkriegszeit und die schulärztlich festgesiellte bedeutende Unterernährung der Mittelschülerinnen kann die Zahl der „Hervorragenden“ in dieser Zeit nicht groß sein! Groß aber ist die Zahl der Eltern, denen im Interesse der Kindererziehung kein Opfer zu schwer ist, die aber mit Schrecken vernehmen, daß das Schulgeld sich bald wiederum verdoppelt! Sind die Väter doch größtenteils„Festbesoldete", Kaufleute, Beamte, Handwerker, Arbeiter, die durch einen fachmännischen eigennützigen Rat schwer geschädigt würden, wissen sie doch, daß der Lyzeumbesuch das doppelte Schulgeld erfordert! Mögen Schulfachmänner bei den Reichen um Lyzeistinnen anklopfen! Zum Eintritt in das Erwerbs= und Berufsseben ist ein gutes Abschlußzeugnis der Mittelschule ein anerkannt vorzüglicher Schlüssel und den Besten steht die höhere Handelsschule offen, wo sie das in den letzten Schuljahren gelernte kaufmännische Rechnen weit besser verwerten können, wie die Lyzeistinnen die Mathematik! Nicht ohne Lächeln kann man die Beweihräucherung der akadem'sch gebildeten Hälfte der Lyzeallehrkräfte des„Schulfachmanns“ in der Dienstagsnummer der„Volkswacht" lesen!„Vergißt er, daß wohl die meisten Mittelschillehrkräfte(ob ich„alle“ schreiben müßte, weiß ich nicht!) ihre Wissenschaft von den Akademikern der Lyzeen bezogen haben und daß die Schulleitung von der Gründung der Mittelschule an solch vorzüglichen Akademikern übertragen wurde? Mögen zum Segen der Kinder solche Rangstreitigkeiten alle Lehrenden zur höchsten Entfaltung ihrer Persönlichkeiten anspornen, nur insoweit haben die Eltern ein Interesse daran! Mögen aber auch die Lehrenden aller Schulgattungen nie vergessen, daß die Schulen um der Kinder willen da sind Mögen sie den Eltern als gute Freunde in uneigennütziger Weise behilflich sein, dem Vaterlande die so notwendigen tüchtigen, überzeugungsgetreuen, opfer= und entsagungsbereiten Männer und Frauen zu geben. Aus dem deutschen Gewerkschaftsbund. Warum so nervös! Der Vertrauensmann des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes Schaaf in Brüggen benutzte von einiger Zeit die in Düren erscheinende„Neue Zeit“ dazu, Stimmung für die bevorstrhende Betriebsratswahl zu machen. Eine kurze Antwort von Mitgliedern der Zahlstelle Brüggen des Gewerkschaftsvereins christlicher Bergarbeiter genügte, Herrn Schaaf in ungeheure Aufregung zu bringen. Die Nr. 40 vom 17. Febr. der„Neuen Zeit" bringt einen zweiten Artikel von Schaaf. Mit einem frommen Augenaufschlag schreibt Herr Schaaf: „Lügenhafte Lippen sind dem Herrn ein Grcuel", und„Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider Deinen Nächsten.“ Er bringt diese Sprüche aber nur den Christen in Erinnerung, er selbst fühlt sich wohl nicht daran gebunden. Denn er wirft anderen Leuten lügenhafte Aussagen vor, wo nur allbekannte Tatsachen mitgeteilt wurden. Rechtsschutzangelegenheiten halten wir für jede Arbeiterorganisation für selbstverständlich, auch für den Bergarbeiterverband. Damit ist aber noch lange nicht bewiesen, daß in jeder Organisation der Rechtschutz mit denselben Erfolgen arbeitet, wie er im Ebenso ist es Tatsache, daß mancher etwas weniger reden oder schreiben sollte, um dafür etwas mehr nachzudenken.„Mühlen, die laut klappern gehen leer.“ Herr Schaaf renommiert damit, daß erst die„roten“ Bergarbeiter im Rheinischen Braunkohlenrevier andere Verhältnisse geschaffen haben. Dasselbe nehmen die links und linkser stehenden Kreise für sich in Anspruch gegenüber dem sozialdemokratischen Bergarbeiterverband in anderen Revieren. Wenn damit Beweis erbracht wäre, wenn recht viel behauptet wird, dann könnte Herr Schaaf oft recht behalten. Ganz allerliebst nimmt es sich aus, wenn der Reichskohlenrat herangezogen wird, wo die Arbeitgeber sogar nach Aussagen von Volkswissenschaftlern, wie Herr Schaaf sagt, immer ihre Meinung durchzusetzen wissen. Ausgerechnet der Reichskohlenrat, wo ein Vertreter des sozialdemokratischen Bergarbeiterverbandes Direktor ist. Und wo sind dann die vielen tüchtigen Vertreter der Freien, mit denen immer renommiert wird? Es geht auf die Dauer wirklich nicht, die Oeffentlichkeit mit solchen Mätzchen zu täuschen. Wer stets einen Sündenbock sucht, zeigt nur, daß er seiner Sache nicht gewiß ist und daß manches anders ist, als man es glauben machen möchte. Ueber Gewerkschaftsfragen zeigt Herr Schaaf eine gerade zu bedauernswerte Unkenntnis. Deswegen wirft er auch alles so durcheinander. Besonders ist ihm die christliche Gewerkschaftsbewegung ein Buch mit sieben Siegeln. Denn was er z. B. über die Gründung des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter sagt, ist so allgemein dumm, daß es nicht mehr überboten werden kann. Was würde Herr Schaaf wohl sagen, wenn wir behaupten würden, daß die ganze Sozialdemokratie gar keine Arbeiterbewegung ist und keine Arbeiterinteressen vertreten kann, weil ihre Gründer keine Arbeiter, sondern Akademiker waren. Daß ein verhältnismäßig sehr großer Teil der heutigen Vertreter der Sozialdemokratie überhaupt nie Arbeiter waren und deshalb als Arbeiterinteressenvertretung gar nicht in Frage kommen. Wir empfehlen Herrn Schaaf das Studium des Buches von Imbusch„Arbeitsverhältnis und Arbeiterorganisation im deutschen Bergbau.“ Dort wird er die wahrheitsgemäße Darstellung der Gründung des Gewerkvereins auf Grund wörtlich abgedrukter Dokumente finden. Endlich sollen die Christen bei Ausbruch eines Streikes Streikbrecher gewesen sein. Welcher Streik, wird nicht gesagt. Nach Ansicht von Herrn Schaaf wäre dann zu verzeichnen, daß die„Freien“ schon sehr oft Streikbrecher waren. Wir erinnern an den Streik Januar 1920 im Rheinischen Braunkohllenrevier, an die verschiedenen Streiks in anderen Revieren Deutschlands, wo entgegen der Streikparole von einer Seite, die„Freien“ den Streik mit allen Mitteln bekämpft und niedergehalten haben. Herr Schaaf will nicht mit Quatsch dienen, sondern mit Wahrheiten, so sagt er. Wie die Wahrheiten aussehen, mag an Vorstehendem jeder selbst ermessen. Der Vorstand der Zahlstelle Brüggen des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands. Zentralverband christl. Lederarbeiter. Alle ledergewerblichen Berufe standen im Jahre 1921 im Zeichen der Hochkonjunktur. Aus diesem Grunde erklärt sich die starke Mitgliederbewegung die im verflossenen Jahre die Zahlstelle hatte. Bei 115 Aufnahmen und 24 Uebertritten aus gegnerischen mit geünerischen Organisationen, vierzeyn Vorstands= und sechs Vertrauensmännerkonferenzen statt. Die anhaltende Verteuerung der Lebensmittel, die gesunkene Kaufkraft der Reichsmark sowie die zunehmende Steigerung aller notwendigen Lebensbedürfnisse drängten, durch Lohnbewegungen das Einkommen der Berufsangchörigen zu verbessern. Es fanden drei Lohnbewegungen im Schuhmachergewerbe, vier im Sattlergewerbe, vier in Treibriemenfabriken und drei in der Schuhindustrie statt. Vier endigten durch Schiedsspruch, eine durch eine zehntägigen Streik, während bei den anderen eine Einigung auf friedlichem Wege erfolgte. In der Schuhindustrie stehen die höchsten Stundenlöhne auf 15 K. im Schuhmachergewerbe nur 13 K. im Sattlergewerbe 13.40 K. Die Lohnbewegungen in handwerksmäßigen Betrieben waren bedeutend schwieriger als die in den Fabriken. Unverkennbar trat in der Generalversammlung der eigennützige Wille zutage, die wirtschaftliche Lage der Berufsangehörigen zu verbessern, sowie durch geistige Schulung und rührige Mitarbeit die Ziele der christlichen Gewerkschaftsbewegung zu verwirklichen. * Neue Löhne in der Putzbranche. Aus dem Büro des Verbandes christl. Arbeitnehmer des Bekleidungsgewerbes. Venloerwall 9, wird uns berichtet, daß mit dem Verband der Putzdetailgeschäfte, Ortsgruppe Köln, mit Wirkung ab 1. Febr. 1922 neue Löhne wie folgt vereinbart sind: Lehrmädchen im ersten Jahre der Lehre 125., Lehrmädchen im zweiten Jahre der Lehre 225., Arbeiterinnen im ersten Jahre nach der Lehre 500., angehende zweite Arbeiterinnen 750., zweite Arbeiterinnen 1000., angehende erste Arbeiterinnen 1350., erste Arbeiterinnen 1750 M. In der Ferienfrage steht eine Einigung bevor. Die Lohnzahlung in Krankheitstagen ist neuerdings tariflich geregelt und wird darüber auf dem Büro Auskunft erteilt. Aus Bedburg. Am Samstag und Sonntag veranstaltete der hiesige Arbeiter=, verein vor ausverkauftem Hause im Festsaal des Kaffee Jäger) einen glänzend verlaufenen Märchenabend, den die Mando= linen=Abteilung der Marianischen Jünglings=Konaregation mit stimmungsvoller Begleitung verschönte. Die laute Welt mit ihren Alltagssorgen war vergessen: mit den Kindern lebten wir unschuldsvolle Jugendtage, durchwanderten mit ihnen den deutschen Wald, freuten uns über ihre froh glänzenden Märarmen Menschen aus Not und Leid; Hänsel und Gre### und der bösen Hexe Tun halten uns in Spannung; die liebe Märchenkönigin ruft alle ihre Kinder zu edler Tat herbei: Rotkäppchen und Schneewittchen, Dornröschen und Aschenbrödel, selbst der grimme Rübezahl fehlt nicht. Ein gutgestelltes„Lebendes Bild“ in bengalischer Beleuchtung vereinte zum Abschluß die ganze Märchenwelt noch einmal auf der Bühne. Reizende Elfen= und Gnomenreigen unterbrachen die Märchendarbietungen, und immer neuer Beifall wird den Kleinen wie den Eltern und Angehörigen den Abend noch lange in lieber Erinnerung befestigen. Vor dem Auscinandergehen dankte der Präses des Vereins, Kaplan Täpper, der auch mit sinnigen Worten den Abend eingeleitet hatte, vor allem Frl. Lehrerin Dreschmann, für die mit vieler Zeit und unermüdlicher Geduld erfolgte Vorbereitung des Abends: Ortspfarrer Schweitzer sagte dem treuen Mitarbeiter herzliche Dankesworte für alle Arbeit und Liebe, die er dem Arbeiterverein und der blühenden Jünglingskongregation geschenkt. Die schönen Abende waren eine Erbauung und darum Gewinn für den veranstaltenden Verein für die Kinderwelt und für einen groren Teil der Pfarrgemeinde. Mütter hört! Mimmmmmmmmmmmmmmmmm Liegt Euch nicht ein gutes Gedeihen Euerer Kinder am Herzen? Dann macht doch mal einen Versuch mit der unübertrefflichen Vitamin-Kindernahrung Schacke. 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Die Gemeinnützige.=G. für Wohnungsbau errichtet an der Herler Straße, Alte Winverfürther Straße und Projektstraße diese Siedlung. Die genannten Straßen sind straßenbaukostenpflichtig. Straßenbauvertrag wird noch abgeschlossen. Stadtverschönerungen, die in Straßen= und Siedlungsbau etc. sich ergeben sollen, deuten folgende gutgeheißene Fluchtlinienpläne an: Das Innere des Blockes zwischen Nibelungen=, verlängerte Berg= und Kemvenerstraße und der Flachbauschule wird durch eine Straßengabelung mit Platzanloge aufgeschlossen, sodaß eine Straßenmündung an der verlängerten Bergstraße und zwei an der Nibelungenstraße erscheinen. Diese Erschließung erfolgt auf Grund eines Bebauungsplanes fur Einfamilienhäuser, welche sich um einen kleinen Block grupvieren. Vor der nördlichen Hausfront liegt ein Vorgartenland von 14 Meter Tiefe, während im übrigen Vorgarten= und Vorlandstreifen von 2 Meter und 4 Meter Breite eingeschaltet sind. Die Durchführung der Grünstreifenanlage im Umlegungsgebiet bedingt die Verlegung des dort zwischen Aachener und Dürener Straße befindlichen Straßenbahnhofes, welcher auf dem freien Gelände zwischen Nachener, Stollberger, Jägerstraße, Melatengürtel und Maarweg untergebracht werden soll. Der Fluchtlinienplan sieht entsprechende Zugänge vor. Zur Durchführung der Trimbornstraße und Taunusstraße im Zusammenhang mit einem zum neu vergrößerten Deutzer Friedhof und der Siegburger Straße durchgehenden Straßenzug wird der Baublock zwischen Odenwald= und Gremberger Straße von einer 14 Meter breiten Straße durchquert, was entsprechende Verschiebungen in den Baufluchten der Gremberger= und Esserstraße bedingt. Auf dem städtischen Gelände westlich des Rather Mauspfades, von der Rösrather Straße bis zu dem Gute Stachelshäuschen sind eine Reihe von Einfamilienhäusern errichtet worden. Nunmehr hat östlich davon die Eigenheim=Baugenossenschaft Königsforst vom Forstfiskus das bekannte Baggerland von der Forsbacher Straße bis zur Lückerathstraße und vom Mauspfad bis zum Wald zum Eigentum bekommen Sie beabsichtigt, dort in lockerer Einfamilienhausbauweise ihre Mitglieder anzusiedeln. Der vorliegende Bebauungsfluchtlinienplan hat die Zustimmung des Forstfiskus gefunden und ist der Ausweisung der Blöcke zugrunde gelegt. Ferner hat die Genossenschaft diesen Plan bei der Verteilung der einzelnen Grundstücke angewendet. Der Mauspfad bildet einen zukünftigen Verkehrsstraßenzug am Rande des Kölner Gebietes parallel zum Rhein und erhält eine Breite von 26 Meter. Diese Forsbacher Straße hat die Bedeutung einer Radialstraße von derselben Breite. Die in einem so großen Gelände notwendigen Freiflächen werden durch Zusammenfassung in Form von Spielwiesen und Grünstreifen in der für die innere Aufschließung des Geländes günstigen Nordsüdlage parallel zum Mauspfad und senkrecht zur Forsbacher Straße gewonnen. An geeigneter Stelle reichen die Grünstreifen zum Mauspfad vor. Die bis zu 1200 Quadrater großen Gartengrundstücke bedingen eine weiträumige Aufteilung des Geländes mit 2 Parallelstraßen zum Mauspfad und einige wenige Querstraßen, welche im Verfolg sparsamster Ausbaukosten 5 Mtr. Breite erhalten sollen. Die Gestaltung der 800—1200 Quadratmeter großen Gärten bedingen eine besondere Anordnung der Parzellierung, woraus die spezielle Lage der zu Doppelgmppen vereinigten Bauten hervorgeht. Diese kommen an Stichzugängen von 2 Meter Breite mit Wendeplätzen zu liegen. Die notwendigen Abstände der Baugruppen von der durchgehenden Straßé werden durch Vorgärten verschiedener Breite gewonnen. In einer so großen Siedlung ist naturlich auch für die mögliche Errichtung von Kirche und Schule gesorgt und sind geeignete Plätze dafür vorbehalten. Auf der Marienburg ist zwischen Bayenthalgürtel, Mehlemer und Brohler Straße noch inbebautes Gelände, dessen Erschließung durch geringfügige Fluchtlinienänderungen nunmehr möglich ist. Im Süden von Voll haben Angestellte der Firma Schütte auf städt. Gelände und solchem, welches die Firma Schütte zur Verfügung gestellt hat, eine Siedlung begonnen. Um die gesunde Anlage zu unterstreichen, wird ein öffentlicher Grünstreifen entlang dem alten Friedhof zum Rhein durchgeführt. Eine an der Verbindung der Salmstraße projektierte Straße trifft an einem reizvollen Siedlungsplatz auf eine von der Rheinallee kommende Straße. Die Farbenfabriken erweitern sich nach Süden, begrenzt durch die senkrecht zur Düsseldorfer Straße verlängerte Gevelsberger Straße. Gleichzeitig wird der früher festgestellte Straßenzug für die Unterbringung einer Straßenbahn von Mülheim über Stammheim, Flittard nach Wiesdorf, Leverkusen über die Paulinenhofstraße und ihre Verlängerung nach Leverkusen durchgeführt. Supernumerare— Büroanwärter. Die Versammlung genehmigt, daß denjenigen Supemumeraren und Büroanwärtern, die von der Verwaltung als volle Arbeitskraft anerkannt werden, für die Dauer dieser Anerkennung zu ihren laufenden Diäten ein widerruflicher Zuschlag von monatlich 350.4 gezahlt wird. Die Gesamtdienstbezüge dieser Anwärter dürfen aber dadurch die jeweiligen Gesamtbezüge einschließlich Ausgleichszulage beim Anfangsgehalt der Gruppe 3 bzw. 6 nicht überschreiten. Bürgschaft für Wohnungsbau=Genossenschaften wird in folgender Form übernommen: Kriegerheimstätte. 1. Hypothek von 72000 A bei der städt. Sparkasse und 2. Hypothek von 36 000 A bei der städt. Hypothekenbank zu 4½ Proz. Zinsen sowie 1 bezw. 3 Proz. Tilgung auf 6 Zweifamilienhäuser an der Grolmannstraße. Lindenthaler Ver. Spar= und Baugenossenschaft. 1. Hypothek von 262541 M zu 4½ Proz. Zinsen und 1½ Proz. Tilgung bei der Volksversicherungsvanl„#o“ auf drei Sechsfamilienhäuser in Sülz. Eigenheim=Genossenschaft Gremwäldchen. Teil.betrag der 2. Hypothek von 39.000 A bei der städt. Hypothekenanstalt zu 4¾ Proz Zinsen und 3 Proz. Tilgung auf die Häusergruppe in Heimstätten=Baugenossenschaft Grundstein. 1. Hypothek von 186 400 A bei der städt. Sparkasse und 2. Hypothek von 93200 4 bei der städt. Hypothekenanstalt zu 4½ Prozent Zinsen, sowie 1 bzw. 3 Proz. Tilgung auf die Häusergruppe Mannsfelder Straße. Im Altmännerheim Mülheim ist bauliche Aenderung und Neubeschaffung von Einrichtungsgegenständen notwendig. Das kostet 34 200 K. Zur Vergrößerung des St. Elisabeth=Jugendheims (Meister Gerhardstraße) werden 100 000 e bewilligt. Dem Einbau einer Wassersterisisationsanlage im Hohenstaufenbad müssen 78700+ geopfert werden. Das Schulgeld für die Haushaltungsschule wird anders festgesetzt. Bis jetzt 400 A jährlich, Schulgeld und für Mittagessen. In Zukunft: 200 A jährlich Schulgeld und Erstattung der vom Kuratorium festzusetzenden Selbstkosten des Mittagessens. Die Ortsbestimungen für die städt. Fortbildungsschusen bekommen einen Nachtrag. Darin heißt es u..: An Stelle der Bestimmungen des§ 4 treten folgende Bestimmungen: Beiträge zu den Kosten der Schule. 1. Beiträge der Gewerhetreibenden für jeden beschäftigten Schulpflichtigen: Als Beitrag zu den Unterhaltungskosten der Fortbildungsschulen werden für jeden Pflichtschüler und jede Pflichtschülerin im voraus erhoben: a) von den Gewerbetreibenden der Gewerbesteuerklasse IV' und den gewerbsteuerfrei veranlagten Gewerbetreibenden halbjährlich 15 M.— b) von den Gewerbetreibenden der Gewerbesteuerklasse III für den ersten und zweiten Pflichtschüler(Pflichtschülerin) halbjährlich 25 M, für die übrigen Pflichtschüler(Pflichtschülerinnen) halbjährlich 40 K,— c) von den Gewerbetreibenden der Gewerbesteuerklassen II halbjährlich 75 K.— d) von den Gewerbetreibenden der Gewerbesteuerklasse 1 halbjährlich 100 M.— Die Beiträge sind ohne Rücksicht auf die Dauer der Beschäftigung des Schulpflichtigen von demjenigen Arbeitgeber zu zahlen der den Schulpflichtigen am 5. Mai(Stichtag für das Sommerhalbjahr) bzw. am 5. Oktober(Stichtag für das Winterholbjahr) beschäftigt. Zur Zahlung der Beiträge für Schulpflichtige, die an den Stichtagen berufs= und arbeitslos sind, und für Jugendliche, die erst nach den Stichtagen schulpflichtig werden, ist derjenige Arbeitgeber verpflichtet, der den Schulpflichtigen nach den Stichtagen in dem Schulhalbjahr zuerst beschäftigt. 2. Beiträge der Gewerbetreibenden für jedes Zehnt der Arbeiter. Gewerbetreibende, die in der Regel mindestens fünf Arbciter beschäftigen, haben für jedes angefangene Zehnt der Arbeiter den Schulbeitrag für einen Fortbildungsschüler(§ 4, 18—d) zu entrichten, soweit die Zahl der beschäftigten fortbildungsschulpflichtigen Jugendlichen weniger als 10 vom Hundert der Arbeiter beträgt. Von den Gewerbetreibenden der Gewerbesteuerklasse III wird in diesem Falle der Beitrag nach dem Satze von halbjährlich 40 A erhoben. Als Arbeiter im Sinne dieser Bestimmung gelten alle in einem Gewerbebetrieb beschäftigten Arbeitnehmer(Arbeiter und Angestellte.) In der Volksschule Münstereifeler Straße werden bauliche Aenderungen vorgenommen: Umwandlung eines Schulsaales in eine Schulhausmeisterwohnung und Schaffung eines Ersatz=Saales durch Umbau des Spritzenhauses Sülzburgstraße. Kosten 116.000 M. Lehrmittel sind heute sehr teuer. Zur Beschaffung für das Lyzeum III müssen 309 200 A aufgewandt werden. Frl. Köhl(Zentr.) eröffnet mit ihren Ausführungen hierzu eine lange Rednerreihe. Schließlich nahm man die Vorlage mit großer Mehrheit an. Die heutige Abendausgabe wird Näheres hierüber bringen. Ausgleichszuschlag—. Besatzungszulage. Nach der vorläufigen Ausführungsanweisung vom 25. Jan, 1922 zu dem Gesetz über die Gewährung eines weiteren Ausgleichmschlages an unmittelbare Staatsbeamte und Lehrpersonen erhalten a) die planmäßigen Beamten zu ihrem Diensteinkommen einen weiteren Ausgleichszuschlag in Höhe von 20 vom Hundert der ersten 10000 K ihres Diensteinkommens, d) die nichtplanmäßigen Beamten eine entsprechende Erhöhung ihrer Vergütungssätze. Nach der vom Reiche getroffenen Regelung sind die Sätze der Besatzungszulage von 150 M auf 225 K. von 120 K auf 180 M. von 90 M auf 135 K. die der Kinderzulage von 25+ auf 40 A erhöht worden. Die Vereingte Ortskrankenkasse der Handwerker bekommt ein Darlehen von 300000 K. Ueber das Bauprogramm für 1922 entspinnt sich eine lebhafte Aussprache, die bei Schluß der Redaktion noch anhält. * Ein Sprengstoff=Prozeß. Die Kommunisten Haarhaus, Tromm und Windeck, die im März v. J. während des mitteldeutschen Aufstandes den Versuch gemacht hatten. Sprengstoffe nach Mitteldeutschland zu schmuggeln und von den interalliierten Behörden bereits zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt worden waren, standen heute wegen Vergehens gegen das Sprengst orfgesetz vor der Strafkamer des hiesigen Landgerichts. Die Besatzungsbehörde hatte die Strafakten dem Oberlandesgericht zwecks Einleitung einer etwaigen Strafverfolgung zur Verfügung gestellt. Die Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwälte Buhr(Köln) und Wolff(Düsseldorf) bestritten die Zulässigkeit der Strafverfolgung, da hier eine doppelte Bestrafung eintreten würde, die nach dem Grundsatz des„ne bis in idem" unzulässig sei. Der Gerichtshof schloß sich dieser Ansicht an. Die Besatzungsbehörden seien Kraft des Friedensvertrages ohne Zweifel zu den Ordonnanzen, aus denen die Bestrafung erfolgt sei, berechtigt und die nochmalige Verfolgung desselben Vergehens sei daher unzulässig. Das Verfahren wurde eingestellt und die Kosten der Staatskasse auferlegt. * Gefälschte Steuermarken zu 10 und 20 M. sind hier in letzter Zeit von Privatpersonen vertrieben worden. Die Täter sind festgenommen. Es handelt sich um ganz plumpe Nachahmungen, die an der unzulänglichen wenig hervortretenden Grundierung und bei den 20 M. Steuermarken namentlich an dem grellen Ton der blauen Farbe leicht erkennbar sind. Auch ist das zu den Fälschungen verwendete Papier minderwertig. Das Publikum wird ersucht. Steuermarken nur bei den Postämtern zu kaufen. Nachrichten erbittet eotl. Kriminal=Kommissariat Vlb Weidenbach. * Portugiesisches Konsulat. Zum portugiesischen Konsul in Köln ist Fabrikvesitzer Ferdinand Maus ernannt worden. Konsul Maus hat längere Zeit das Konsulat der Vereinigten Staaten von Mexiko in Köln geleitet, bevor dieses im Juni vorigen Jahres mit einem Berufskonsul besetzt wurde. * Der weiteren Erschließung des Bergischen soll eine Postautoverbindung von hier nach Much über Kaitenbach dienen. Die Oberpostdirektion hat zwei Hin= und Herfahrten vorgesehen. Ankündigungen. * Katholischer Beamtenverein Köln=Süd. Sonntog. 7 Uhr im Annohaus Familien=Abend. * Die Ziegenhalter und Ziegenzüchter des nördlichen Stadtteils veranstalten am Samstag, den 25: Febr., abends 8 Uhr in der Brauerei Krips, Johannisst. 42, eine große öffentl. Versammlung. * Für Kleingärtner in Sülz=Klettenberg. Am Freitag, den 24. d,., abends 8 Uhr findet im Saale Ohligschläger. Ecke Sülzburgstraße=Wichterichstraße vom Kleingartenamt ein Vortrag mit Lichtbildern über„Kunstdünger und seine Anwendung im Kleingarten statt. Alle Kleingärtner haben Zutritt. * Passionsspiel in Holweide. Der Kath. Jünglingsverein mit Unterstützung des Theatervereins Eintracht wird am Passionssonntage im Saale der Witwe Adolf Groß, Schweinheimer Straße, das „Große Versöhnungsopfer auf Golgatha“ in fünf Akten, zwei lebenden Bildern und einem Vorspiel:„Der feierliche Einzug in Jerusalem" zur Aufführung bringen. .“ Der Ziegenzuchtverein Holweide ladet seine Mitglieder auf Sonntag, den 26. Februar, abends 6 Uhr im Lokale Groß, Schweinheimer Straße, zu einer Versammlung ein. um Stellung zur Futter und Streufrage für dieses Jahr zu nehmen. Es soll eine Einkaufsgenossenschaft gebildet werden. * Mayrhofer=Abend in Dellbrück. Johannes Mayrhofer. der am Donnerstag, den 2. März, abends 8 Uhr, in der Concordia, Verein kathol. Kaufleute und Beamte Köln=Dellbrück, Holweide, in Dellbrück, Nest. Alte Post, Ernstes und Heiteres aus eignen Werken vorträgt, ist unseren Lesern kein Unbekannter. Seine Bücher werden in tausenden Exemplaren in ganz Deutschland gelesen. Auiversitätsprofessor Dr. W. Oehl nennt ihn„eine sehr beachtenswerte, hochbegabte Schri tsteller=Individualität, vonl Schaffenskraft, Ideenreichtum und künstlerischem Vermögen". Das Echo der Gegenwart rühmt: Was Mayrhofer sagt, ist neu im Gedanken, überraschend durch die Feinheit, mit der es gegeben wird, und enthält trefflich pointierte Stimmungen. Die heiteren Vorträge entfesselten nach den vorliegenden Berichten oft stürmische Heiterkeit. Auch die ganz großen, öffentlichen Vorträge, welche Mayrhofer unlängst in Dresden, München, Berlin usw. hielt, waren ein durchschlagender Erfolg bei Presse und Publikum. Handel und Industrie. * Kölner Viehmarkt vom 23. Febr. Am heutigen Viehmarkt waren aufgetrieben: 157 Kälber: a) nicht notiert, d) feinste Mastkälber 1400 bis 1600., c) mittlere Mast= und seinste Saugkälber 1250—1350., ), e) und t) nicht notiert. Langsam, geräumt. 149 Schafe. Keine amtliche Notierungen erfolgt. 247 Schweine: a) über 80—100 kg Lebendgewicht 1550—1750., b) über 100—120 kg 1750—1850., c) über 120 kg 2000—2070., d) nicht notiert. e) unter 60 kg 1200—1275 Mark, k) und g) nicht nottert. Langsam, geräumt. * K ö l n e r W a r e n b ö r s e( A b t. C h e m i k a l i e n), v o m 2 3. F e b r. A l a u n mehl 725. Antichlor 950, Bleiglätte 2830. Bleimennige 2800, Chromalaun 2200, Kali. gelbblausaures 9600, Lithopone R. S. 1300. Schwefnatrium 30/32 850. Zinkweiß R. S. 2800. 2. Technische Oele, Fette, Harze. Wachse und Leime. Terpentinöl franz. 730. Harz. franz. 1250—2100. Lederleim 5150. Alles die 100 Kilo. 3. Feinchemikalien in Kilo. Aretylsalicylsäure 250. Betanaphtol 52.50, Hexamethylentetramin 260. * K ö l n e r W e r t p a p i e r b ö r s e v o m 2 3. F e b r. D i e S t i m m u n g a m Wertpapiermarkte war uneinheitlich, durchweg aver fester. Auf einzelnen Gebieten zeigte sich wieder rege Kauflust. Vor allem standen Montanaktien im Mittelpunkt des Interesses. Bonner Bergwerk wurden plus 10. Eschweiler Bergwerk plus 25. Gelsenk. Bergwerk plus 10, Harpener Bergbau plus 75. Rhein. Braunk. plus 110. Roddergrube vlus 10 notiert. Schwächer lagen nur Dahlbusch(minus 15) und Phoenix(minus 20). Als höher seien noch erwähnt: Dynamit Nobel plus 20. Gasmotoren Deutz plus 50. Rhein. Westf. Industrie plus 99. Rhein. Westf. Sprengstoff plus 10, als schwächer: Adler Brauerei minus 10. Contin. Isola alte minus 25. junge minus 5. Humboldt Masch, minus 25. Rhein. Zukker minus 61, Viersener Spinnerei minus 20. Bankwerte gingen zu niedrigeren Kursen um. Der Versicherungsmarkt war beschäftigungslos. Ebenso lag der Anleihemarkt still. * Berliner Börse vom 23 Febr. Unter dem Eindruck der anhaltenden Schwankungen am Devisenmarkte war die Spekulation im Effektengeschäft wieder etwas zurückhaltender. Auch das Privatpublikum schränkte die Beteiligung etwas ein. Am Einheitsmarkt hielten sich Käufer und Verkäufer, soweit sich bei Abfassung dieses Berichtes übersehen ließ, ungefähr die Wage. In den zu schwankenden Kursen gehandelten Papieren war die Kursbildung nicht einheitlich und weiterhin schwankend, doch muß die Grundstimmung trotzdem als fest bezeichnet werden. Lebhaftes Kaufinteresse erhielt sich für oberschlesische Werte mit Ausnahme von Laurabütte, und besonders für die Werte des Rhein=Elbe=Konzerns, so DeutschLuxemburger, Gelsenkirchener und Siemens u. Halske, ferner Ilso Bergbau, Harpener, Oberschlesische Koks bei ungefähr mehr als hundertprozentigen Kurssteigerungen. Sonst waren die Kursbesserungen geringer und infolge der Neigung eines großen Teiles der Spekulation zu Realisationen überwogen die mäßigen Rückgänge, die aber nur bei wenigen der stark gestiegenen Papiere 50 Proz. erreichten. Schiffahrts= und Bankaktien stiegen auf das Wiederaufleben der Gerüchte über eine Abfindung zu hohem Kurs. Die festverzinslichen Werte waren gut gehalten und bis auf die teilweise etwas schwächeren Renten mit valutarischem Einschlag wenig verändert. Börsen-Preise. Kölner Devisen. 22. Febr. Geld Briet 23. Febr. Geld Briel Italien 100 Lira London. 1 PId. Sterl. New-Vork 1 Doll. Paris 100Frcs. Schweiz. 100 Frcs Spanien 100 Pes. Wien(abgest.) 100 Kr. Prag 100 Kr. Budapest 100 Kr. Bulgarien 10.8,90 939.05 212.78 1940.55 4205.75 3416,55 .58 392.10 30.21 143.35 1071,10 940.95 213,22 1944,45 4214.25 3423,45 .2 392.90 30.23 143.65 108“,90 1085,10 945,05 946.25 214.78 215.22 1938,00 1972,00 4215.75 4224,25 3436,55 3443.45 .430.47 118.80 31,33 143.45 380.40 31.44 144.15 Berliner Kurse. 23./2 5% Deut. Reichs-Schatzanw. 5%„„ 1 5%„„ In 4„„.V 4½%„* VI.IX 4½%„ 1s.1921 5% Deutsche Reichs-Anleibe #½ 60. 3 60 3% de. Oeutsche Spar-Prämien-Anl. 5% Preuß. Schatzanw. ig. 1922 4½/2% do. 4½ do. auslosbar 4% Preuß. Konsols 3¼% de. Staffelanleihe 3½% de. Konsols 3% de. de. 100.00 99.90 86.10 72.00 96.00 77.50 87.90 74.80 109.80 80 10 99.90 90.40 73.75 62.90 61.90 59.75 99.90 99.90 86.10 72.10 96.00 77.50 87.90 74.75 110.00 60.00 100.00 90.25 74.50 62.00 61.75 60.10 Kölner Börsenkurse. 22./2. 23./2. Seite 4 Nr. 83 Rheinische Volkswacht Offene Stellen Rechterheinisches Kölner Eisenwerk(Kalk) sucht zum baldigen Eintritt: Für Fakturenabteilung und Korrespondenz nach Diktat mit schöner Handschrift und perjekt in Stenographie. Gefl. Angebote mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Gehaltsansprüchen sowie Angabe des eotl. Eintrittstermines unter Chiffre A 29 an die Geschäftsstelle dieses Blattes Domstraße 6. 4 Die Bürgermeisterei Lövenich sucht zum sofortigen Eintritt einen Hilfs=Polizeibetriebsassistenten. Geeignete Bewerder wollen sich unter Beifügung von Zeugnissen pp. sofort melden. Weiden bei Köln, den 20. Februar 1922. * Der Bürgermeister: Klein. 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Die Oeffnung der Angebote findet am gleichen Tage um 11¼ Uhr vorm. in Gegenwart der erschienenen Anbieter im Zimmer 334 statt. Köln, den 23. Febr. 1922. 9 Tiefbauamt. 100—200 gm, mögl. m. Toreinfahrt und —2 Büroräume sofort gesucht. Off. unt. B 297 an die 2. Geschäftsst. Breite Str. 85. 37jähr. Lehrerin sucht möbl. Zimmer f. jetzt od. spät., a. l. in Pfr. St. Gereon od. Apost. Off. unt. B 300 an die 2. Geschst. Breite Str. 85. b DDie„Ausführung von Straßenbauarbeiten in den Siedlungen zu KalkHöhenberg und Köln=Poll wie der Tieferlegung der Staßenkreuzung Trimbornenburger= und Taunus„ age, ferner die Umpflasteuia der Trimvornstraße zwischen Antoniastraße und Haus Nr. 34 zu Köln=Kalk soll öffentlich verdungen wesden. Die Verdingheite liegen im Zimmer 333, III. Stock des Stadthauses an der Gürzenichstraße während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebolsvorrucke können dase bst, solange der Vorrat reicht, gegen vorto= und bestellgeldfreie Einsendung von 8 M. bezogen werden. Nähere Auskunft über die Art und den umfang der Arbeiten erteilt das Straßenbaubüro Deutz=Kalk, Kalker Hauptstraße 208, Zimmer 10. Die Angebote sind verschlossen portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Donnerstag, den 9. März 1922, vormittags 11 Uhr nach Zimmer Nr. 233 des Stadthauses einzureichen. Die Oeffnung findet in Gegenwart der erschienenen Bieter im Zimmer 333, III. Stock statt. p Köln, d. 23. Febr. 1922. Tiefbauamt. la. Nähgarn Stick= u. Häkelgarn enorm preiswert. Neumann Mastrichter Straße 9 am Hohenzollernring. mittagstisch von 12—3 Uhr. Khein. Kochschule Berlich 18. Kein Trinkzwang. Spitzwegerich“ eese“ gegen Husten u. Heiserkeit. Kräuterhaus Blaubach 34. Härtner s. einen Garten zu unterhalten gegen Überlass. eines möbl. Zimm. Off. u. B 295 an die 2. Gesch. Breite Str. 85. Rer liefert Anstreicher= u. Tapezierer=Arbeit geg. la Herrengarderobe n. Maß? Off. unter B 296 an die 2. Gesch. d. Bl. Breitestr. 85. Für 15 Mon. alt. ges. kräft. Knaben gewissenh. Pflege eotl. a. d. L. gesucht. Näh Strunk, Köln, Brüsseler Str. 51. en das Genossenschaftsregister des unterzeichneten B Amtsgerichts ist am 7. Februar 1922 folgendes eingetragen worden: Nr. 256: Bei dem Kölner Bau= und Sparverein für Kleinwohnungsbau, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Köln. Durch Generalversammlungsbeschluß vom 12. Januar 1922 ist das Statut in§ 12 betr.(Geschäftsanteil und die Paftsumme) und§ 13(betr. Einzahlung des Geschäftsanteils) abgeändert. Der Geschäftsanteil und die Haftsumme ist um 500,— Mark auf 1000.— Mark erhöht. 7 Amtsgericht Köln, Abteilung 24. Verantwortlich für die Politit Chefredakteui Dr. P. Dückers, für Kulturpolitit und Feuilleton Dr. H. Teipel, für Kommunalpolitik und Soziales Pau! Sauve, fur Lokales und Sport F. Bockskopf für den Anzeigenteil W. Munck, Druck und Verlag: Volkswacht=Verlag G. m. b. H und Co. Kommanoit gesellschaft Alle in Köln. Freitag, 24. Februar 1922 Prechen Matthias! Die herzlichsten Glück= u. Begenswünsche unserem Vereinswirten herrn Matthias Durst zu seinem heutigen Uamensfeste. Gewidmet vom Humeristen-Verein„Mimik“. 3 Einkautsverein Kölner Colonialwvarenhärdler E. G. m. b. v. Köln, Maybachstraße 8. Einladung zu der am 5. März, nachmittags 4 Uhr Brauerei Kolter, Marienplatz, stattfindenden ordentl. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Genehmigung der Bilanz. 2. Verteilung von Gewinn oder Verlust. 3. Entlastung des Vorstandes. 4. Neuwahl von Aufsichtsratsmitgliedern u. Vorstand. 5. Beratung eingegangener Anträge. 6. Verschiedenes. 7 Köln, den 23. Febr. 1922. Fr. Kaiser Vorsitzender des Aufsichtsrats. Verein kath. kaufm. Gehilfinnen und Beamtinnen e.., Köln. Unvorhergesehener Hindernisse wegen findet die Generalversammlung nicht am nächsten Sonntag, sondern am Donnerstag, den 16. März, avends 7½ Uhr, Georgstraße 7, statt. 3 Der Vorstand. a eignet sich für alle Küchengeräte besonders auch für Ofen, Badewannen, Klosetts, Marmor, Steinböden. Hersteller:Henkel& Cie Düsseldorf. Preis das Paket MI..50. Des Poeten Fasching. 31 Von Aloys Jaekel. Auf der Hauptstraße des Städtchens herrschte tolles Leben und ausgelassenes Treiben. Bunte Masken schwirrten an dem Poeten voruber. Gassenhauer wurden gegröhlt, gepfiffen, gejauchzt. Ein Leierkastenmann dudelte in einem fort den neuesten Karnevalsschlager. Irgendwoher kamen die Klänge einer polternden Musik. Knallerbsen zerplatzten, Papierschlangen flogen. Lieder, Lachen und Juchzer. Ehe sich der Poet der Situation recht bewußt wurde, befand er sich im Mittelpunkte eines Kreises, der von vermummten Mädchen, die sich bei den Händen gefaßt hatten, gebildet wurde Sie sprangen in übermütiger Laune um den Gefangenen und sangen: „Der muß verrückt sein, der muß verdötscht sein, so'n bißchen trala rala vala ra.“ Da die Mummenschar den Kreis nicht gutwillig öffnen wollte, durchbrach der Eingeschlossene die Kette, eilte weiter und betrat einen Friseurladen, dessen geschäftskluger Inhaben Maskenanzüge zu verleihen hatte Nach geraumer Weile verließ ein schwefelgelber Clown das Geschäft des Verschönerungsrates und tauchte wie ein Spaßmacher hüpfend und springend im Trudel der Straße unter. Den schwarzen Spitzhut mit drei großen, ebenfalls schwefelgelben Quasten keck übers rechte Ohr gesctzt, das Gesicht mit Reispuder bestäubt und mit einer Ganzmaske aus Gaze völlig unkenntlich gemacht, mit der langen schwanken Pfauenfeder Vorübergehende kitzelnd, so tanzte sich der verwandelte Poet durch den Menschenstrom und blieb vor dem„Hotel zum silbernen Pfeil" stehen. Mit scharfem, suchendem Blick musterte er die Eintcetenden, aber die Erwartete kam nicht. Aus den erleuchteten Räumen stahlen sich die schmeichelnden Weisen eines Wiener Walzers. Der Ball war schon in vollem Gange. Die breiten, marmornen Treppen hinaufsteigend, fand sich der Poet auf einmal in den dlendend erhellten Salen des eleganten Hotels. Das Gewühl war beängstigend. Die Trachten aller Jahrbunderte und aller Völker hatten sich zum frohlustigen Stelldichein zusammengefunden. Charaktermasken stachen prunkend ins Getümmel. Behäbige Bürger und sorgende Mütter verfolgten mit stolzen Blicken ihre verheißungsvollen Sprößlinge. Aus blitzenden Kelchen stieg berauschend der Duft der Weine. Ueberall Lust und Tollen, Scherzen und Schäckern, Kichern und Lachen Die Säle schienen sich ins Unendliche zu dehnen. Der Poet fühlte sich in seinem Element. Er zwängte sich mit Späßen und unter zum Lachen reizenden Sprüngen durch die Lücken der Menge. Gerade machte er einen überlaunigen Hüpfer, als er zurückprallte und der Länge nach auf einen Tisch schlug. Gläser gingen klirrend in Scherben, Flaschen kollerten auf den Boden, erschreckte Schreie, erzürnte Rufe, Flüche; faustdicke Schläge regnete es auf den Gelben, der die großen Spiegel der Wände, die von der Decke bis zur Erde reichten und die Unendlichkeit der Säle vortäuschten, nicht bemerkend, mit einem in unliebsame Berührung geraten war. Rasch sich entwindend. trollte er, den Hinkenden nachahmend, in einen zweiten, gefüllten Raum. Plötzlich, wie angewurzelt, blieb er stehen. Sein Herz schlug ihm fast vernehmbar: es wurde ihm beengend und heiß unter der Maske. Er besah sich flüchtig und doch scharf in den großen Wandspiegeln. Da wurde er merklich ruhiger und gefaßter. An den Mitteltischen saß der ganze Lehrkörper des Internats mit seinen Damen, Töchtern und Söhnen, und dort, zwischen dem Alten und dem Professor, seine herzige Trude. Das Kostüm des Rotkäppchens stand ihr allerliebst. Gerade erhob sich Rotkäppchen, hängte den Korb mit Kuchen und Wein in den Arm, und schritt auf einen anderen Tisch zu, wo eine nickende Großmutter in weißer Haube und zahmosem Mund mit Gefälligkeiten überhäuft wurde. Es mußte an dem Poeten vorüber, der ihm mit der langen Pfauenfeder übermütig zusetzte, „Warte nur, du Gelber!“ blitzte Rotkävpchen den Clown an. Die Streichkapelle intonierte zum Tanz. Ein eisgrauer Wolf tappte auf Rotkäppchen zu, jedoch ein gertenschlanker Jüngling in der schmucken Kleidung eines kurpfälzigen Jägers jagte Isegrim die lievliche Beute ab. Schon wiegten die beiden sich nach den schmelzenden Klängen eines flotten Rheinländers. Mit Argusaugen verfolgte der Poet das interessante Paar. Der Jäger sah mit siegesgewissem Stolze auf seine hübsche Tänzerin, die mit verführerischem Augenaufschlag den Grünen ermunterte. Dem Gelben gab das ein Stich ins Herz, er biß die Zähne zusammen und vergrub die geballten Fäuste in den grundlosen Taschen seines Maskenkostüms. So oft das Paar an ihm vorübertanzte, so oft berührte er mit der schaukelnden Pfauenfeder Wangen und Hals der Geliebten. Sie drohte ihm dann mit dem Finger und kehrte ihm entrüstet den Rücken. Verärgert suchte er in der Tanzpause das Büffet auf, um seinen Durst und Zorn in ein paar hastig hinuntergestülpten Gläsern kühlen Rebenblutes zu ertränken. Aber der Wein stieg ihm zu Kopfe und entflammte seinen Zorn nur noch mehr. Der in seinen hehrsten Gefühlen Verletzte entschloß sich, den Diener Dianas auszustechen. Der Tanz war beendet, und Rotkäppchen in die schützende Hut des Vaters zurückgekehrt, um sich zu erfrischen uno zu verschnaufen. Langsam und unauffällig mühte sich der Clown durchs Gedränge und pirschte wie ein Fuchs in das gefahrvolle Revier. Wieder langten die Musiker nach den Instrumenten. Abermals lockten die ersten Takte eines Walzers. Wieder tappte, diesmal aber etwas leichtfüßiger. Isegrim heran. und wieder verlegte der Jäger mit berechnetem Schritte dem Eisgrauen den Weg. Aber, gleichsam aus dem Boden gewachsen, tauchte der Gelbe vor Rotkäppchen auf, verbeugte sich stumm und tief und reichte ihm galant den Arm. Verdutzt sahen Grünrock und Graufell der Entführten nach, während der Alte und der Professor den Gelben mit forschenden erstaunten Blicken verfolgten. Der Clown schwelgte in Seligkeit und preßte seinen Schatz während des Tanzes fest an sich. Rotkäppchen sträubte sich ein wenig, aber sein Partner drückte desto inniger. „Du bist dreist", sagte Rotkäppchen in der Tanzpause,„neidisch, wie deine Farbe“. Der Clown nickte mit dem schwarzen Spitzhute und strich seiner Tänzerin über das langherabfallende Haar. „Wer bist du eigentlich? Sprich doch einmal!“ „Der Gelbe,“ wich er in hohem Fisteltone aus. „Du machst Späße, mein Gelber. Ich vermute, daß ich dich kenne. Wo soll ich dich nur hintun.“ „Ins Internat“, gab er mit Baßstimme zurück. Rotkäppchens Rehaugen wurden merklich größer. War die verstellte Stimme nicht bekannt? Es sann nach. Auf einmal zog es dem Gelben die Maske etwas vom Gesicht, gerade in dem Augenblick, als die Musik wieder einsetzte. „Otto!“ kam es erschreckt und überrascht von seinen Lippen. Aber schon wirbelte der Gelbe seinen Schatz wie ein Wahnsinniger im Kreise herum. Er sah und hörte nichts mehr und hielt die süße Last fest umschlossen. Geschickt durch die freiwerdenden Lücken der Tanzenden steuernd, drehte er sich immer kühner und wagemutiger. Seine Brust hob sich in nie gekannter Wonne. Berückend verlor sich Rotkäppchens verheißender Blick im schelmischen Glänzen seiner Augen. Er fühlte das leise Zittern der vollen weichen Glieder, und unaussprechliche Schauer rieselten durch sein Mark und Bein, ihm die Besinnung raubend. Vom Weine der Liebe berauscht, schwebte er träumerisch über das aalglatte Parkett. Die Umgebung völlig vergessend, sah er trunken in die halberschrockenen, glanzleuchtenden, ihn immer anschauenden braunen Sterne seiner Trude, fühlte nur ihre in süßem Anschmiegen bebende Gestalt. Da— sein Fuß rutschte über etwas Rundes, verlor den Halt und kippte um. Er wollte Rotkäppchen noch schnell loslassen, aber im Stürzen riß er es mit. Die dicht folgenden Paare kollerten über die Gefallenen, andere über diese, und bald bildete die gesamte Tänzerschar: alt und jung, groß und klein, maskiert und unmaskiert, Männlein und Weiblein zum Gaudium der Zuschauenden einen sich wälzenden kunterbunten Menschenknäuel. Die an den Tischen Sitzenden waren aufgesprungen und nähergetreten. Andere benutzten die Verwirrung, um durch lose Streiche die allgemeine Fassungslosigkeit noch zu steigern. In das laute, grinsende Lachen der Schadenfrohen mischte sich das zornige Fluchen und Wettern der sich mühevoll Erhebenden.(Fortsetzung folgt.)