Nr. 152.— 34. Fahrgang, Ulorgen-Ausgabe. Samstag, 5. Juni 1920. Bezugspreis: M..00 einschl. einer Beilage. Postbezug 35 Pf. monatl. mehr. Redaktion u. Hauptgeschäftsstelle: Domstraße 6. Fernr.: A4812, A7777 u. A8714. Zweigstellen: Breitestr. 85, Fernr. A 6636. Mülheim Regentenstr. 16, Fernr.:940 Amt Mülheim Einzel=Ausgabe 15 Pf. Offizielles Organ der Zentrumspartet Amtl. Kreisblatt für den Landkreis Köln Kölner Local-Auzeiger— General-Anzeiger für die rheinische Hauptstadt und fremdenblatt Uülheimer Dolkszeitung. Anzeigenpreis: Die einsp. Kolonel=Zeile 1,30., dritte u. letzte Seite 1,50., Platzvorschr. 10 Proz, „ Ftslangel nied. Art Zuschl., Familienanz. 1, 1 M. Reklamepreis zweite Seite 6., Platzvorschrift 10 Prozent Zuschlag, Offertengebühr 25 Pf. Die Peststellung des Wahlergebnisses. Berlin, 4. Juni.(Eig. Drahtb.) Die Feststellung des Wahlergebnisses wird in diesem Jahre voraussichtlich besondere Schwierigkeiten bereiten. Das Reichsgebiet mit Ausnahme der Abstimmungsbezirke, die bekanntlich nicht wählen dürfen, ist in 32 Wahlkreise eingeteilt. Auf jeden dieser Wahlkreise treffen durchschnittlich 1500 bis 2000 Stimmbezirke. In jedem dieser Stimmbezirke hat der Wahlvorsteher nach Abschluß des Wahlaktes das Ergebnis festzustellen; ob das überall, namentlich in den überwiegend ländlichen Bezirken noch am Sonntagabend möglich sein und erfolgen wird, steht nach den bei früheren Wahlen gemachten Erfahrungen dahin, obgleich diesmal der Wahlakt schon zwei Stunden früher, um 6 Uhr abends, abgeschlossen werden muß. Aber auch im günstigsten Falle wird das Ergebnis in den einzelnen Wahlbezirken kaum vor 10 Uhr abends zu ermitteln sein. Die Wahlvorsteher sind angewiesen, auf schnellstem Wege unter Benutzung eines bestimmten Telegrammusters ihre Ergebnisse dem Kreiswahlleiter zu übermitteln. Ein großer Teil der Ergebnisse wird also voraussichtlich noch im Laufe der Nacht beim Kreiswahlleiter einlaufen, aber keineswegs alle Ergebnisse. Es wird also mindestens Montagvormittag werden, ebe der Kreiswahlleiter die sämtlichen Ergebnisse seines Kreises vorliegen hat. Da durchschnittlich 10 bis 14 Wahlvorschläge in Frage kommen, in deren Listen die Stimmenzahlen einzutragen sind, wird das Ergebnis für den Wahlkreis frühestens Montagabend endgültig festgelegt werden können. Danich erst rann der Kreiswahlleiter Telegramme nach Berlin an den Reichswahlleiter abgeben, der die Ergebnisse bis Dienstagabend in Häuden zu haben hofft, vielleicht aber auch erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Das Gesamtergebnis für das Reich wird also nicht vor Mittwoch früh festzustellen sein und erst dann verfffentlicht werden. Das Reichsministerium des Innern hat indessen Vorkehrungen getroffen, um auch schon Teilergebnisse(soweit irgend möglich noch in der Nacht jum Montag) der Presse und damit der Oeffentichkeit zugänglich zu machen. Der Abbau der Zwangswirtschaft. Die Aufenthaltsbeschränkungen in Büddeutschland. Berlin, 4. Juni.(Eig. Drahtb.) Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung von unerrichteter Seite erfährt, hat sich die preußische Regierung gestern mit der Reichsregierung in Verfindung gesetzt, um über die Abstellung der Mißtände zu beraten, die sich aus den Aufenthaltsbeschränkungen für Norddeutsche in den süddeutschen Sommerfrischen ergeben. Wegen der Ernährungsschwierigkeiten und der Bohnungsnot, die die Kriegszeit mit sich gebracht hat, sind Verordnungen erlassen worden, die den Landesregierungen freistellen, mit Genehmigung gewisser Reichszentralbehörden in Berlin Aufenthalts= und Zuzugsbeschränkungen auszuführen, so die Verordnung des Bundesrats vom 25. April 1918 und eine weitere vom 23. Juli 1919, die die entsprechenden Anordnungen der Landesregierungen von der Genehmigung des Reichsarbeits= und Reichsernährungsministeriums abhängig machen. Selbst wenn in den Verordnungen der süddeutschen Staaten nicht ausdrücklich Norddeutsche ausgeschlossen werden, so ist es doch ganz natürlich, daß diese Verordnungen diejenigen weit schwerer treffen, die entfernt wohnen als diejenigen, die eine lange Reise haben und bei Aufenthaltsbeschränkungen eine Reise leicht wiederholen können. Angesichts der großen Teuerung in den Seebädern, die selbst z. T. eine Folge der Ausschließung der Norddeutschen von Süddeutschland ist, liegt es i dringenden öffentlichen Interesse, daß im Rahmen der Möglichkeit Abhülfe geschaffen wird. Berlin, 4. Juni.(Eig. Drahtb.) Von zuständiger Stelle wird folgende Mitteilung ausgegeben: Der planmäßige Abbau der Zwangswirtschaft hat in der letzten Zeit erhebliche Fortschritte gemacht. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht dabei grundsätzlich von der Auffassung aus, daß die Zwangsbewirtschaftung obzuheben ist, sofern sie kein dringendes Erfordernis für die Versorgung der Bevölkerung mehr darstellt und daß die Aufhebung bei Eintritt solcher Verhältnisse mit Nachdruck und Beschleunigung durchzuführen ist. Dabei erschien es allerdings nicht zweifelhaft, daß die für Ernährung wichtigsten Nährmittel, wie Getreide, Milch usw. zur Sicherstellung der Ernährung der Zwangsbewirtschaftung noch nicht entzogen werden können und daß für ihre Freigabe ein bestimmter Termin noch nicht ins Auge gefaßt werden kann. Die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung steht als erste Notwendigkeit dem entgegen. Wenn aber die Beseitigung der Zwangswirtschaft und die Einschiltung des freien Handels die Sicherstellung der Ernährung nicht gefährdet oder gar eine Verbilligung der Nahrungsmittel zur Folge haben werden, dann soll der freie Handel auch eingeführt werden. In welchem Umfange das Reichswirtschaftsministerium für Ernährung und Landwirtschaft diesen Grundsatz bereits zur Durchführung gebracht hat, das ergeben die nachstehenden Angaben über diejenigen Gesellschaften und Organisationen, welche bereits aufgelöst sind oder sich in der Auflösung befinden und als reine Abwicklungsstellen dem Reichsschatzministerium unterstellt werden sollen: Bis zum 1. Juli werden aufgelöst sein der Kriegsausschuß für Kassee, Tee und deren Ersatzmittel und die Kriegskakaogesellschaft. Die Kriegsnährmittelgesellschaft hat ihre Tätigkeit soweit abgebaut, daß ihre Liquidation in wenigen Monaten beendigt sein wird. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst wird bis zum 1. August ihre beschaffende Tätigkeit ganz eingestellt haben, so daß die letzte Abwicklung unter Aufsicht des Reichsschatzamtes erfolgen kann. In Verbindung mit dieser Auflösung wird die Einfuhr von frischem Obst sofort freigegeben werden mit Ausnahme von Luxusobst und Südfrüchten. Die Einfuhr von frischem Gemüse soll spatestens vom 28. Juni ab erfolgen, wobei ebenso wie beim Obst Vorbehalte, daß Einfuhrbewilligungen von anderen Formalitäten abhängig sind, gemacht werden. Ferner ist die beschleunigte Auflösung der Reichsverteilungsstelle für Nährmittel und Eier angeordnet worden. Desgleichen ist angeordnet worden der beschleunigte Abbau des Reichskommissariats für Fischversorgung. Hinsichtlich der Neuregelung der Einfuhr von Fischen schweben Verhandlungen, deren bald zu erwartendes Ergebnis entscheidend ist für den Abbau aller vom Reichsfischkommissariat gebildeten Organisationen und Gesellschiften. Die Mehrzahl von ihnen befindet sich bereits in Liquidation. Die Zentralstelle für Beschaffung der Heeresverpflegung hat ihre Tätigkeit mit dem 31. Mai eingestellt und wird bis zum 15. August soweit aufgelöst sein, daß nur noch eine kleine dem Reichsschatzministerium zu unterstellende Abwicklungsstelle übrig sein wird. Ueber die Neuregelung der Fettwirtschaft sind Verhandlungen im Gange. Im Zusammenhang damit wird der beschleunigte Abbau des Reichsausschusses für Oele und Fette erfolgen. Die Reichsfuttermittelstelle ist vollkommen aufgelöst. Die Geschäfte sind von einer besonderen Abteilung der Bezugsvereinigung der Deutschen Landwirte übernommen worden. Im Zusammenhang mit dem Abbau der Zwangswirtschaft ist endlich auch auf die Neuregelung der Kartoffelversorgung zu verweisen, bei der eine wesentliche Lockerung der bisherigen Zwangswirtschaft eintreten soll. Die Sicherung für die Versorgung der städtischen Bevölkerung liegt hier bei den Städten selbst, die spätestens bis zum 19. Juni ihren Bedarf anzumelden haben, sofern sie beliefert werden wollen. Der Abschluß von Lieferungsverträgen erfolgte auf Grund dieser Anmeldungen. Lalsche Propheten. die Vernichtung der deutschen Kriegsrüstung. Berlin,.Juni.(Eig. Drahtb.) Die Bestimmungen des Friedensvertrages sellen an das Deutsche Reich wie auf vielen anderen Gebieten so auch auf dem militärischen derart schwer zu erfüllende Anforderungen, daß es kein Wunder ist, wenn die Presse des bisher feindlichen Auslandes die Nichterfüllung bis zum Beweise des Gegenteils als selbstverständlich voraussetzt. Tatsächlich sind es aber erstaunliche Zahlen, die von unterrichteter Seite über die bereits vollzogene Vernichtung von Waffen und Munition angegeben werden. Was schon vor der Unterzeichnung des Friedens durch Deutschland im Juni 1919 zerschlagen und verschrotet wurde, läßt sich bei der Unübersichtlichkeit der Zustände nach der Revolution nicht genau feststellen. Seitdem aber sind zerstört worden rund 5000 Geschütze, 14000 Geschoßrohre, 8500 Lafetten, 3 400000 geladene Artilleriegeschosse, 31370000 scharfe Zünder, 4680 Tonnen Pulver, 32140 Tonnen Sprengstoffe, 1318000 Handwaffen, 24 500 Maschinengewehre, 94 300000 Schuß Handwaffen= und Maschinengewehrmunition, 4000000 geladene und ungeladene Handgranaten, 1 537.000 Säbel und Lanzen. Bis zum 5. Mai sind außerdem zur Vernichtung bereitgestellt und dem Aufsichtsausschuß angemeldet worden 12000 leichte Geschütze, 217 Flugabwehrkanonen, 2500 schwere Kanonen, 3358 Minenwerfer, 21676 Maschinen= gewehre und 15 500000 Artilleriegeschosse und 28 500000 Gewehrpatronen Das gesamte Gerät der Luftstreitkräfte ist bis auf 60 zum Minensuchen genehmigte Seeflugzeuge seit geraumer Zeit den Vertragsgegnern viesen worden. Die Unruhen in Irland. London, 4. Juni.(Drahtb.) Die Admiralität widerspricht der Nachricht von einem Angriff auf die Marinestation Queenstown. Dagegen wurden 2 Küstenwachtstationen niedergebrannt und ihrer Sprengstoffe beraubt. Ferner wurden 2 Leuchttürme überfallen. Ein Regierungsdampfer mit Truppen hat in der Pantry=Bucht 1000 Mann gelandet; weitere Abteilungen werden an verschiedenen Punkten ausgeschifft. Die Explosion in moskau. Kopenhagen,.Juni.(Drahtb.) Nach Berlingske Tidende berichten aus Moskau nach Kowno heimgekehrte Mitglieder der litauischen Friedensabordnung über die große Explosion in Moskau vom 9. Mai, welche die drahtlose Telegraphenstation schwer beschädigte. Die mächtige Detonation brachte alle Häuser zum Erzittern, viele Menschen wurden auf der Straße umgeworfen. Es folgten in kurzen Zwischenräumen drei solcher heftigen Expiosionen, es wurde bald bekannt, daß das machtige Munitionslager im Dorfe Gusew fünf Kilometer von Moskau entfernt, in die Luft gepflogen sei. Sofort nach der Explosion wurde es durch Militärpatrouillen besetzt. Ein jeder, der einigermaßen gut gekleidet war, wurde verdächtigt, die Explosion mit hervorgerufen zu haben. Die Unglücksstätte wurde im Umkreise von mehreren Kilometern abgesperrt. Das ganze Dorf war dem Erdboden gleichgemacht und die meisten seiner Bewohner gerotet, darunter auch die ganze militärische Besatzung. Am nächsten Tage wurde in Moskau die Arbeit zu Ehren der Opfer eingestellt, selbst die litauische Friedensabordnung mußte ihre Verhandlung an diesem Tage einstellen. Zahlreiche Personen wurden verhaftet. Jeder, der verdächtigt war, daran beteiligt zu sein, wurde ohne Rücksicht auf seine Ausweispapiere der außerordentlichen Kommission zur Bekämpfung der Gegenrevolution überliefert. General Brussilow verhaftet? Warschau, 4. Juni.(Drahtb.) Ein Kurier aus Minsk meldet, daß General Brussilow verhaftet worden sei, da er Schuld habe an den Verlusten seiner Truppen beim Übergang über die Beresina, der auf seiven Befehl erfolgte. Oben fluten die Menschen und Völker, unten strömen die Wasser des Geistes. Jede Bewegung im Leben der Menschen wird von verborgenen geistigen Strömungen getragen. Mit diesem Satz widerspcechen wir dem sozialistischen Weltbild, in dem alles Auf und Ab, alles Für und Gegen, alles heiße Ringen der Menschheit rein maschinell erklärt und nach den Gesetzen der Technik und Mechanik gedeutet wird. Wir stellen uns aber selber damit die Aufgabe, dort, wo eine größere Volksbewegung wahrnehmbar wird, nach den geistigen Ursprüngen zu forschen. Das fordern Gewissen und Liebe! Das sordert Vaterland und Gesellschaft. Denn ungesunde, vom Blut des Wahnes lebendig gewordene Neuerungen werden nicht mit brutaler Oppesition und der Kanone des Worts überwunden, sondern mit der Kraft des Geistes. Dem sachlichen Beobachter der neuen Christlichen Volkspartei erscheint in dieser Volksgruppe zunächst eine wirre Blindheit verschiedener Interessen und Triebkräfte. Jeder der führenden Männer und Frauen reitet sein eigenes Pferd. Auch das breit vorgehaltene Spruchband mit der Aufschrift ristlich“ verbirgt diesen Geburtsfehler nicht. Anderseits erkennen wir an, daß in dieser Parrei ein ordnender, gestaltender, zielbewußter Geist rundgeht. Das ist Dr. Kruchen. Persönlich ist Dr. Kruchen ein edler, bewunderter Mensch. So sehr er den geistigen Gehalt seines Denkens in schlichte, anschauliche Form zu gießen vermag, so wenig haftet er am Alltäglichen. Vielmehr hat sein leidenschaftsloses Gemüt doch einen Schwung ins Prophetische hinein. Er fühlt die Not der Zukunft, während die Mehrzahl der Menschen am Ekel der Gegenwart genug hat. Er ist eine jener Naturen, die mit ahnender Seele den Gang der Geschichte erraten oder doch sich zutrauen, ihn erraten zu können. Und dann tritt er mit dem ruhigen Selbstbewußtsein, das nur der starke Glaube an den inneren mystischen Reichtum gibt, vor die Menschen, wird zum Bekenner seiner Lehre, leidet dafür, läßt sich dafür schmähen. Und Kruchen würde auch dann sein Wort sagen, wenn er allein stände. So gewinnt dieser Mann einen heroischen, erschütternden Zug. Aber er wird auch zum Fanatiker seiner Idee. An dieser Stelle ist er verwundbar. Denn eine Idee kann auch bei einem prophetischen Menschen falsch sein und ist sehr oft falsch gewesen. Kruchens politisches Dogma läßt sich etwa so formulieren:„Wir haben den Parlamentarismus. Die Geschichte aller parlamentarisch regierten Staaten zeigt, daß die Volksvertretungen sich restlos aufteilen in einen Links= und einen Rechtsblock. Je nach den Mehrheitsverhältnissen wird bald Links, bald Rechts oben sein. So entwickelt sich auch der deutsche Parlamentarismus. Aus geschichtlicher Notwendigkeit heraus muß sich deshalb das Zentrum, die Partei der Mitte, auflösen. Die konservativen Geister müssen nach rechts abwandern, die übrigen in der Linken verschwinden. Wenn nun das Zentrum doch zerfällt, dann wollen wir es möglichst schnell zerstören.“ Der politische Wille der Chriftlichen Volkspartei geht also auf eine Zerstörung des Zentrums hinaus. Und womit wird diese Herostratestat begründet? Mit einem unbewiesenen politischen Doama Dr. Kruchens. Denn wir sind mit hervorragenden Geistern des deutschen Denkens der Ueberzeugung, daß der deutsche Parlamentarismus sich eben nicht so entwickelt, wie jener in anderen Ländern. Wir sind vielmehr der Ueberzeugung— und die Kenntnis der deutschen Seele gibt uns recht— daß aus dem Grund des deutschen Wesens heraus eine urdeutsche, demokratische Staatsform in langsamer Entwicklung hera.reifen wird. Diese Staatsform aber wird nicht das Kruchensche Entweder— Oder, Rechts—Links sein, sondern es wird sein der gesunde Mittelwille, das von Fanatismus freie Füreinander der Volksgenossen. Mit anderen Worten: Die christliche Solidarität. Der deutsche Geist mag noch so kritisch auseinandergehen, hat er sich aber ausgeebbt, so findet er sich wieder mit des Pendels ewigem Gleichschlag in seiner gesunden Mitte ein. Er ist eben ein synthetischer Geist. Dafür spricht laut die Geschichte und das sollte auch ein Dr. Kruchen wissen. Noch zwar sind wir von dieser Volkssolidarität meilenweit entfernt; aber wir wenden hin. Entwicklungen lassen sich nicht zu toten Wassern aufstauen. Die Rechte hat bereits von ihrert olten A Seite 2 Nr. 153 Rüstzeug eine große Last in den Orkus geworfen. Die Deutsche Volkspartei möchte heute lieber als morgen am Weg der Mitte stehen. Und durch die Linke geyr die Erschütterung eines großen Gerichts. Der Sozialismus radikalisiert gewiß zum Teil nach links hin. Aber die große Masse der Hellsichtigen kommt zu religiöser und politischer Besinnung. Kommen wird der Tag, wo die sozialistischen Burgen sinken und ein neuer Sozialismus im Geist des christlichen Solidaritätsgedankens sich mit dem Zentrum findet. Wie gesagt, die Entwicklung schreitet langsam, aber sie schreitet. Nicht schreitet sie, wie Dr. Kruchen will, zur Verewigung der Gegensätze, sie schreitet zur Versöhnung. Und nun eine kurze Kritik an Kruchens Weisheit. Er wird uns Jdeologen nennen. Gut; ober er war es vor uns. Wir aber fragen ihn, wo bleibt sein christliches Programm, wenn er nicht Versöhnung wirkt, sondern Spalt, Kluft, Gegensatz?! Wo bleibt seine schaudernde Ehrfurcht, wenn einmal kein Zentrum mehr wäre und wenn dann auch die Christliche Volkspartei im großen Geldsack der Rechten verschollen wär? Wo bleibt sein zagendes Gewissen?! Denn wie darf man eine hochverdiente Partei zerstören wollen auf Grund von Ideen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch sind. Herr Dr. Kruchen, das sind gefahrvolle Experimente. Und Ihr und unser Christentum sollte uns doch dafür zu schade sein. Wir sind oft mit Ihnen gegangen auf geistigen Wegen. Herr Dr. Kruchen, schmerzlich enttäuscht wiesen wir Ihnen vor Monaten ein liebendes Zurück. Ihr Wille trieb Sie zum Sprung ins Dunkel: für Sie selbst zur Tragik, für uns alle zum Unsegen. werden soll oder nicht, um der Forderung einer Lohnzulage von 10 hh mehr Nachdruck zu verleihen. lautete dahin, daß 96 Prozent für den Streik stimmten. Mexico, 3. Juni. Die Behörden haben beschlossen, ein Drittel der Häuser von Vera Cruz zu verbrennen, um die jetzt ausgebrochene Bubonenpen zu bekämpfen. Köln und Umgebung Deutscher Kheinländer! Rchtung! Du sollst verkauft werden! Die Uebernahzme der Elbwasserstraßen. Berlin, 4. Juni.(Eig. Drahtb.) Am Montag weilten Vertreter des Reichsverkehrs= und Reichsfinanzministeriums in Dresden, um mit den sächsischen Behörden wegen der Uebernahme der Elbwasserstraßen auf das Reich Fühlung zu nehmen. Es wurden die Grundlagen eines Staatsvertrages besprochen, der dieserhalb zwischen dem Reich und Sachsen abgeschlossen werden muß. Der Vertrag wird den bereits abgeschlossenen Eisenbahnverträgen ähnlich sein mit dem Unterschied allerdings, daß der Vertrag über die Abtretung der Wasserstraßen mit jedem Land einzeln abgeschlossen werden muß, während der Eisenbahnvertrag für alle Bahnen mit allen Ländern ungefähr gleich lautete. Sachsen wird für die Abtretung der Wasserstraßen eine gewisse Entschädigung erhalten. Die Aktivisten gründeten die Rheinische Volksvereinigung unter lebhaftester Mitwirkung von Dr. Dorten.— Die geplante Umwandlung in eine Aktivistenpartei unterblieb. Man wollte im Trüben fischen und gründete darum die Christliche Volksvarre#— Die Presse der Aktivisten, mit Geld aus Wiesbaden(Sitz Dr.„Dortens) gespeist, ist überall zugleich die Presse der Christlichen Volkspartei. Es trillt dies gerade die minderbemirtelte Bevölkerung, da die wohlhabenden Kreise Gelegenheit und Geld genug haben, sich das ausländische Backwerk aus das anstänbische Bacwert aus Bonn. Düsseldorf oder anderen Städten kommen zu lassen. der Bsrnelen edem andeten 0n Vor allem muß es unverständlich erscheinen, ekar daß auch der Verkauf derjenigen ausländischen Backwaren verboten ist, die in Packungen einhtl werden. Hier ist eine überwachung leicht und wirksam durchzuführen. Aber auch hier sind von den zuständigen Stellen nicht vor Erlaß der Verordnung diejenigen Kreise gehört worden, die die nötige Sachkenntnis und Erbesitzen und in der Lage gewesen wären, Vorschläge zu machen, die Die Christliche Dolkspartei soll für Lostrennungsbestrebungen mißbraucht werden! Es handelt sich wirklich um Lostrennungsbestrebungen. Dr. Heim aus Bayern war in Käln und lac—— h- L* Kleine Nachrichten. Köln und sprach von der bayrischen Stube deren Türe zugemacht werden könnte. Dr. Dorten war jüngst in Bayern und erklärte als Ergebnis seiner Reise einem englischen Ausfrager: „Die separatistischen Anhänger Bayerns, Sachsens und des Rheinlandes werden sich zu einer gemeinsamen Aktion vereinigen. Wir sind dem Ziele nahe. Ich wünsche Gesandter der Rheinlande in Paris werden.“ So sprach Dr. Dorten, der Mann der engsten Beziehungen zur Christlichen Volkspartei. Deutscher Kheinlünder, erwoche „eintosthanore und gezwungen, ihren Betrieb einzuschränken. Auf der anderen Seite leidet die minderbemittelte Bevölkerung, ohne daß der wirkliche Schleichhandel getroffen wird, denn es ist beine Ware, sobald sie aus dem kannt, daz eine Au#lf, sboalls öffentlichen Verkehr gezogen wird, in die Hand der schlimmsten Schleichhändler gerät. beteiligten Kreise haben sich deshalb an ####. Regierungspräsidenten gewandt, um die Aufhebung oder wenigstens sachgemäße Abänderung der Verordnung zu erreichen. * Katholikentag 1320. Die Vorstände der Vereine, die am ge“*= e.#... Festzuge des Katholikentages teilgenommen haben, ferner die Gruppenführer und Zugordner werden zu einer dringenden BeIngechnen an. Ullgate.. GnnIn- O1TL Politische Umtriebe schlimmster Art sind im Spiele Wähle das deutsche Zentrum! Stadtverordnetenversammtung. Neue städtische Beumte. Swinemünde, 4. Juni. In Bergen auf Rügen wurde in der Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei der Redner, der frühere Landrat des Kreises Rügen, Frhr. von Maltzahn, als er das Schlußwort sprechen wollte, von einer Rotte junger Burschen, die in den Saal eingedrungen waren, auf oer Bühne angegriffen und schwer mißhandelt. Auch der Versammlungsleiter wurde schwer verletzt. Berlin,.Juni. Wie der K. Z. zufolge verlautet, wird hier die Gründung einer neuen Tageszeitung vorbereitet, die an Stelle der non Stinnos anastaufton Ponticho Mam „errnn, Poreeteilei, die un Siene der von Stinnes angekauften Deutschen Allgemeinen Zeitung die Regierungspolitik vertreten soll. Sinter der Gründung steht die Kölner Eisenfirma Wolff und Strauß. Berlin, 4. Juni. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, steht das Reichsarbeitsministerium mit der Pirmasenser Schuhwarenindustrie in Verhandlungen, um die Wiederaufnahme des Betriebes in einem Teile der geschkossenen Schuhwarenfabriken herbeizuführen. Breslau, 4. Juni. Der Richterstreik in Oberschlesien steht vor seiner baldigen Beendigung, da die Verhandlungen in den letzten Tagen einen günstigen Verlauf genommen haben. Breslau,.Juni. Aus Oberschlesien wird das nuftauchen bewaffneter polnischer Banden gemeldet. so im Gebiet von Banden gemeldet, so im Gebiet von Beuthen, Königshütte und Myslowitz. München, 4. Juni. Das bayrische Gesamtministerium hat eine Bekanntmachung erlassen, die sich gegen den Terror und Bovkott in Arbeitsstätten wendet. Es wird eindringlich zur Wahrung der Koalitions= freiheit aufgefordert und die Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer ermahnt, Fälle von Terror und Boykott zur unnachsichtlichen Bestrafung den zuständigen Behörden anzuzeigen. Basel..Juni. Die Times meldet aus Paris: Dem Alliierten Lat liegen zwei Anträge vor auf Verschiebung der Volksabstimmung in den deutschen Abstimmungsgebieten bis zum Oktober. Flensburg..Juni. Hier verlautet mit großer Bestimmtheit, daß die fremden Truppen Flensburg und die ganze 2. Zone Mitte d. M. verlassen werden. Paris, 3. Juni. Nach einer Havasdrihtung aus Newyork hat die dortige persische Gesandtschaft die Nachricht erhalten, die Bolschewisten seien in Teheran eingezogen— Eine andere Havasmeldung aus Teheran besagt, der Schah von Persien ist zurückgekehrt und hat seinen Einzug in die Hauptstadt gehalten. Louben, 4. Juni. Das Ergebnis der Abstimmung unter den A#tern der Gasfabriken in ganz England er die Frage, ob gestreikt Beigeordneter Dr. Matzerath führte zu Beginn der Sitzung die neuen Beigeordneten in ihr Amt ein. Herr Dr Meerfeld übernimmt das Dezernat für Kunst und Volksbildung, Herr Beramann das Wohnungswesen und Herr Suth die Finanzen. Die neuen Herren dankten für das Vertrauen und versicherten Stadtverwaltung und Bürgerschaft ihrer tatkräftigen Arbeit. Für die ausgeschiedenen Stadtverordneten Priemke und Schneider werden die Herren Fischer(M..) und Bingen(U. S..) als Stadtverordnete verpflichtet Mehrere Grundstücksverkäufe und Anderung eines Fluchtlinienplanes fanden Annahme. Aus der Wahlhandlung, die einen weiteren Beigeordneten bringen soll, geht Assessor Cleff mit 69 von 70 gültigen Stimmen hervor. Herr Cleff soll das Steuerwesen übernehmen Die Versammlung genehmigte für den Arbeitsnachweis die Stelle eines Direktors ferner eines Inspektors für die Leitung der männlichen und eines Inspektors für die der weiblichen Abteilung. Für das Lyzeum III wird eine technische Lehrerin bestellt. Das Forsthaus im Stadtwald erfordert eine Erweiterung, die Anzeige.) * Worringen,.Juni. In einer gut besuchten Zentrumsversammlung am Fronleichnamstage hob Kaplan Dr. Gescher(Köln) in hinreißenden Worten die Verdienste des Zentrums an der Gesundung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse hervor und ging scharf it der„Sozigldemokratie ins Gericht. Der sozialsuchte, die Sozialmit der Sozialdemokratie## demokratische Diskussionsredner vers demokratie ald nicht unchriclich demokratte als nicht unchristlich hinzustellen. Da er seine Meigheit aus der Rheinischen Ze' 2 nicht alchristlich hinzustenen. Da er seine Weisheit aus der Rheinischen Zeitung geschöpft hatte, konnten ihm mehrfache Unwahrheiten nachgewiesen werden. Leider mußte darauf der Redner Dolkswirtschaft ein denagt werden 4. Juni. Bei starkem Besuch war das Angebot an der heutigen Warenbörse rege. Die Preise waren unverändert. Es bestand nicht die geAbschlüsse wurden nicht gemacht.— A Peikelbevorse war gut besucht. Das 4„Hefer Lostete 285.—.30,., Ackerbohnen 230—20.,„Wiesenheu 65—70., Stroh 34—36 M Preise für ausländische Noten in Köln. An der aginer Borse wurden im freien Verkehr ausländische Noten wie folgt bezahlt: Sterling) 163.—137 154—158 französische(100 Francs). 320—324 308—315 belgische(100 Fcancs) 331—3375 324—328 holländische(100 Gulden). 1540—1575 1455—1500 rumänische(100 Lei) 84 83—85 amerikanische(1 Dollar). 42—43 40—40.5 schweizer(100 Francs) 740—780 730 Rechtzeitige Sticktoffabgabe für die Herbstdüngung. Der beim Reichsministerium für Ernährung und Land wirtschaft tagende, die oberne veratende Behörde für die Düngestickstoffwirtschaft bildende Düngestickstoffausschuß gibt folgendes bekannt: Die Stickstofferzeu„.### ist im Anstieg begriffen und bei den augenblicklichen Verkehrsverhaltnissen macht schon das Abfahren „„*n Rachs schon das Abjahren der lausend anfallenden Erzeugung Schwierigkeiten. am Herds. tritt erfahrungsgenäß die ungewöhnlich starke Beanspruchung der Bahn ein. Wenn in den Sommermonaten nicht laufend von den Werken abgefahren wird, und sich infolgedessen Bestände ansammeln, so wird es völlig unmöglich sein, in der Bedarfszeit, die außerdem die Zeit des größten Wagenmangels is, nev, der laufenden Erzeugung auch noch die Bestände abzufahren. Aus diesem Grunde und in der weiteren Erwägung, daß im Hinblick auf das Steigen # eein Billonn auf das Sleigen der Gestehungskosten mit einer Senkung der Preise nicht zu rechnen ist, gibt der Düngestickstoffausschuß den Abnehmern von Stickstoffdüngemitteln den dringen Gnastosfbungenitlein den Oringenven nar. in den Sommermonaten laufend abzunehmen, damit der zur Verwendungszeit nötige Stickstoffdnger bei dem Landwirt ist. 8 88 Ven, werder müfste Catauf der Kroner wegen anderer dringender Tätigkeit die Versammlung verlassen. Als nun ein U. S. P. dem Hrn. Kaplan bei S. S. p. Ven Hrit., Kuplan Lügen vorzuwerfen wagte, verließen die Zentrumsanhanger ostentativ den Saal, womit die glänzend verlaufen verlaufende Versammlung vorzeitig geschlossen werden mußte. Trecten, 4 Juni. Einen glanzenden Verlanf auhm eine von ungefähr 800 Zentrumsanhangern besachte Versammlung im Schützenhaus. Während unsere Kan„„ehaus. Wahleno ansere Kuns didatin Frl. Teusch besonders auf sozialem Gebiete in fesselnder Weise die Gegenwart und Zukunft be* 3 I.„— leuchtete, zeigte Stadtrat Schaeven klar und deutlich, was uns von rechts und linis trennt und wie eine starke Zentrumspartei zum Wiederaufbau Deutschlands er85000 M. kostet, 591000 M. müssen für 501000 De. mussen fUr den Kanalbau in der Olpener, Schul=, Oranien= und Burgstraße nachbewilligt werden. An dem Rheinisch=westfälischen Elektrizitätswerk beteiligt sich die Stadt mit Aktien von 2 Millionen Mark zu 150 Prozent. Hr. Schumacher(Zentr.) begründet nach Erledigung der kleinen Vorlagen die Anfrage des Zentrums: Welche Stellung gedenkt die Verwaltung für die Schuljahre 1919/20 und 1921 gegenüber den durch die Zeitverhältnisse in ihren finanziellen Grundlagen erschütterten privaten höheren Mädchenschulen einzunehmen. Wir kommen auf die Rede und den weiteren Verlauf der Sitzung noch zurück. kann, solange sie den einseitigen Klassenstandpunkt vertritt. Der Aufforderung des Redners zur Diskussion kam niemand nach. Herr Pfarrer Hennes feuerte die Zuhörer an, am Wahltage nicht allein selbst zur Wahl zu kommen, sondern auch Freunde und Bekannte von gleicher Großer Straßenpreis von Kölu. Noch sind die Nachklänge von dem am verflossenen Sonntag zum Aistrag gekommenen„Rund um Köln“. nicht ganz nerflungen und Ihos Ba#i SJ1. n. A i e r t a n K s r o n t m e n e n„ K u n d u m K o l n nicht ganz verklungen und schon sieht Köln ein neues Straßenrennen auf dem Plan, zum Zeichen, daß der Radsport im Rheinland in voller Blüte steht bereits berichtet, findet die Fernfahrt„Er Wie Inder die Fernführl„GTOHET Straßenpreis von Köln", offen für alle Amateure, veranstaltet vom Radsport=Klub„Colonia“ Köln=Ehrenfeld, morgen Sonntag, den 6. Juni, seine vierte Wiederholung. Die Strecke ist 160 Kilometer lang und führt von Köln über Brühl nach Bonn, von dort auf erstklassiger Landstraße am Rhein entlang nach Remagen(Abwurfkontrolle, 51 km), dann weiter nach Neuenühr, Ahrweiler, Altenahr durch das wildromantische Ahrtal über Dümpelfeld zur Hauptkontrolle in Schuld(92 km), dann geht's mit starker ——(S— km,, danin gehl'3 uill stätter Steigung am 620 m hohen Michelsberg vorbei(für die Fuhrer eine harte Nuß!) nach Münstereifel. von ürch Derc. Icüno(Erier In 7 4 e R## Gesinnung mitzubringen. Die Wähler auffordernd, am Sonntag möglichst morgens zur Wahlurne zu kommen, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf das alte Zentrum. dem Vorgebirge. Das Verbat des Verkaufs auslündischer Backwaren. Eine Zuschrift aus beteiligten Kreisen lautet: Am 1. Juni 1920 tritt das Verbot des Verkaufs ausländischer Backwaren für den Stadtbezirk Köln in Kraft. Hierdurch wird für Köln ein Ausnahmezustand auf einem Gebiet geschaffen, der sowohl für das verbrauchende Publikum wie auch für die beteiligten Geschäftsleute erhebliche Nachteile mit sich bringt. Der Grund der zu diesem Verbot geführt hat, ist nach Angabe der zuständigen Behörde darin zu suchen, daß es auf andere Weise nicht möglich sei, den Schleichhandel mit Mehl wirksam zu bekämpfen. Was ist die Folge dieses Verbotes? Es ist in Köln jetzt nicht mehr möglich, für Kinder und kranke Menschen in dem ausländischen Keis eine nahrhafte Ergänzung der auch heute noch unzulänglichen Ernährungsmenge zu beschaffen. * Brühl,.Juni. Fleischverkauf. Auf jede Vollkarte werden verausgabt: in Brühl=Stadt 220 Gramm Rind= oder Kalbfleisch zu 6,25 M. und 100 Gramm Fleischwurst zu 2,85 M. oder 109 Gramm Leberwurst zu 1,40 M. oder 100 Gramm Blutwurst zu.—.; in Brühl=Land 220 Gramm Rindfleisch zu.25 M. Brühl, 3. Juni. In dem Kino im Gasthaus zur Krone brach während der Vorstellung Feuer aus. Sämtliche Filme sind verbrannt. * Kierberg, 3. Juni. Sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Gendarmerie feierte Wachtmeister Wilhelm von hier am 1. Juni. Von Kameraden, Freunden und Bekannten wurden dem beliebten Beamten Ehrungen verschiedener Art zuteil. * Verzdorf, 3. Juni. Hier tritt in jüngster Zeit „*n burte Runtl nuch Munsteleiset, von dort durch oas schöne Erfttal nach Euskirchen(Abwurfkontrolle, 124 km), und über Brühl zum Ziel in Köln(160 km). Die großen Vorarbeiten sind beendet. Das Rennen ist von allen Behörden genehmigt. Die Strecke ist bestens organisiert und die Kontrollen und Wegeleitungen den Vereinen der Deutschen Radfahrer Union übertragen. Den Sanitätsdienst hat die Sanitätskolonne Köin=Raderberg übernommen. Bis Donnerstag haben sich 61 Fahrer gemeldet u. a. die Favoriten: Oskar Michael, Sieger vom Germaniapreis „ Geger vom Germirmdpleis von Köln 1920, Sieger der Fernfahrt Deesden=Eisterwerda=Dresden, Fris Pahl, Paul Heiseler, Erich Wolz gott, Ernst Zbinden und der einbeinige Hans Blümel. welcher durch den Krieg ein Bein verlor und auf einem selbst konstruierten Invaliden=Rad fährt, was überall großes Aufsehen erregte, ferner der ostpreußische Meisterschaftsfahrer Feitz Riemann, von den Kölnern sind erwähnt als die Besten Robert Nößler, Gerhard ten altersfahrer Fahnenstich uns Kungeterrin.— Preisen werden 15 Ehrenpreise, 2 Alterspreise und 2 Trostpreise in einem Gesamtwerte von über 7500 M. der Seache aauf schiedene Stück Klauenvieh zum Opfer gefallen. Am Fronleichnamstage wurden zur Abwendung der Gefahr in der hiesigen Pfarrkirche die Reliquien der heiligen Brigitta ausgestellt. * Walberberg, 3. Juni. Die Erdbeerernte ist in vollem Gange. Die Früchte sind gut ausgebildet und von besonders süßem, aromatischem Geschmack. Mit der Johannisbeerernte wird man in einigen Tagen beginnen können. Dieselbe fällt gut aus, die Sträucher sind voll behangen und die Trauben dick und vollbeerig. zur Verteilung gelangen, der Sieger erhält einen Wertpreis von 1500 M. Ein scharfer Kampf wird einsetzen. Start und Ziel befinden sich am bekannten Sportlokal Peter Weiser, Köln=Raderberg, Str. 117. Der Start ist morgens 10 Uhr. eitaua Die ersten Fahrer werden gegen 4 Uhr zurückerwartet. Nachmittags findet in sämtlichen Räumen und Gartenanlagen des Kölner Festplatzes P. Weiser, KölnRaderberg, ein großes Sommerfest zu Ehren der Sieger statt. Die Lage der Arbeiterschaft * Dünnwald,.Juni. Steuerzahlung. Am Dienstag, den 8. Juni, vormittags von—11 Uhr wird im Lokale von Joseph Melzer die Gemeindesteuer für das 5. und 6. Quartal erhoben. Ein weiterer Termin findet nicht statt. * Troisdors,.Juni. In der Nacht vom 2. zum 3 Juni wurde in der Wirtschaft von Dusbaum an der Aggerbrücke zu Troisdorf eingebrochen. Gestohlen wurden sämtliche Tischdecken, Schuhe, Zigarren, Zigaretten, Kognak usw. im Werte von mehreren Tausend Mark. will der Sozialismus bessern. Hat die soxieUstische Führung unserer Zegierung dies vermolgt? klein, sie hat aver mn undegreiflicher Unkenntnis der wirtschaftlichen Catsachen S Overath, 4 Juni. Der Gemeinderat beschloß auf Elektrizitäts=Versorgungs=Gesellschaft anser Erwerbeieden fortwährend geschädigt, so das heute ein vollkommener Stillstand unserre Wirtschaft einzutreten droht. das bedeutet Arbeitslosigkeit u. namenloses Elend der Antrag der Overath hin, zu den Kosten der Ausführung des Projektes zur Versorgung der Bürgermeisterei mit Licht einen einmaligen Zuschuß von 5000 M. zu geben. Dem Beschluß der Bau= und Verkehrskommission wegen Herstellung eines Bebauungsplanes zur Gründung einer Baugenossenschaft wurde zugestimmt. Dem Kath. anovein hat Manalea Jünglingsverein hat Gemeindeverordneter Düren (Burghof) zur Anlage eines Sportplatzes ein Grundstück geschenkt Der omoindarat hamillin, fn. e1. stück geschenkt. Der Gemeinderat bewilligte für die notwendigen Arbeiten einen Zuschuß von 300 M. unter für alle Angehörigen der handarbeitenden Klassen. Wenn Ihr Euch daher Eure Zukunft sichern wollt, dann werdet# ohr nicht sozialistisch wählen. Samstag, 5. Juni 1920. Morgen=Ausgabe Nr. 159 Seite 3 Arbeiter, Angestellte, Beamte! Ae7 Irrwegen der Sozialpolitik und der Wirtschaftspolitik geht die Sozialdemokratie! Undurchführbar ist ihr Programm, die Tatsachen des Wirtschaftslebens beweisen es. Auch politisch geht die Sozialdemokratie völlig fehl, denn Klassenkampf und Demokratie sind unvereinbar, beides ist Widerspruch in sich!! Auf zielsicheren, erfolggeschmückten Wegen der Wahrheit geht seit fünf Jahrzehnten das Zentrum! Seine mitbauende Arbeit galt immer den breiten Schichten. Das Zentrum strebte und kämpfte für euch zu einer Zeit, als die Sozialdemokratie noch verneinend, nur kritisierend abseits stand. Das Zentrum wurde unter der brutaten Macht der Konservativen und Liberalen, die im monarchischen Staatswesen allein regierten und nebenregierten, niedergehalten. Es konnte sein Programm nur schrittweise verwirklichen. Jetzt ist die Bahn frei, wenn ihr wollt, weil das Volk frei ist. Jetzt kann der christliche Bozialismus im schnellsten Zeitmaße seiner Verwirklichung entgegengeführt werden! Mit ihm, nur it ihm. kann der Kapitalismus überwunden werden, ohne den Ast abzusägen, auf dem wir alle sitzen, onne unser Wirtschaftsleben zu zerschlagen. Der christliche Sozialismus ist schärfster Gegner des Klassenkampfes. Sein Ziel ist Auf diesem Boden findet jeder Stand seine berechtigten Interessen verankert und geschützt. handwerksmeister und-meisterinnen! Am 6. Juni ist der Schicksatstag des deutschen Handwerks. Am 6. Juni wird entschieden, ob wir ein neues freiheitliches Handwerkerrecht nach unseren Wünschen erhalten. Ob Kammern. Innungen und Fachverbände beseitigt oder zu freihettlichen Selbstverwaltungskörpern umgestaltet werden. Am 6. Juni wird entschieden, ob die Meisterlehre beseitigt wird. Am 6. Juni wird entschieden, ob unsere Selbständigkeit erhalten bleibt, oder ob wir kommunalisiert und sozialisiert werden. Es geht um Haus und Hof, um Weib und Kind, um Sein oder Nichtsein. Drum handwerker heraus. Fort mit der Kommunalisierung und Sozialisierung. Ein Verräter am Handwerk, wer seine Stimme nicht in die Wagschale wirft! Der letzte Meister, die letzte Meisterin und Reisterfrau, das letzte wahlberechtigte Mitglied unserer Familien, der letzte Geselle, dem die Zukunft des Handwerks nicht gleichgültig ist, muß an die Wahlurne. Keine Stimme den sozialistischen Parteien, denn was sie wollen, bedeutet die Vernichtung des Handwerks. Alle Stimmen den bürgerlichen Verteien, denn sie werden unsere Zukunft schützen. Niemand darf verärgert bei Seite stehen, jeder muß wählen und zwar die Liste, auf denen die Handwerkerkandidaten aus unseren Reihen an aussichtsreicher Stelle stehen. andwerker! Erkämpft euch die Zukunft und das Recht zum Leben mit dem Stimmzettel in der Hand. Wahltag ist Schicksalstag! Tut eure Pflicht, die Entscheidung liegt in eurer Hand! Der Vorstand des rhein. Handwerkerbundes Cheysant, Porsttz. Th. Esser, Geschäftsführer. Zu vorstehendem Aufrufe ist zu bemerken: daß nur von der Zentrumspartei im Rheinlande Handwerker=Kandidaten an aussichtsreicher, man darf wohl sagen, an sicherer Stelle aufgestellt sind und zwar: der Geschäftsführer des Rheinischen Handwerkerbundes, Genossenschaftsleiter Thomas Esser(Euskirchen) an achter Stelle auf der Liste des Wahlkreises KölnAachen, der Schreinermeister Johann Sanders (Duisburg) an siebenter Stelle auf der Liste des Wahlkreises Düsseldorf 2. In diesen Wahlkreisen hat das Zentrum bei der letzten Wahl acht bzw. sieben Mandate erhalten. Außerdem steht auf der Zentrumsliste Düsseldorf1 der Installateurmeister Gabriel Fommerich(Düsseldoef) an sechster Stelle. Auf der Neichsliste der Zentrumspartei ist ebenfalls ein Handwerksvertreter an der noch sehr aussichtsreichen achten Stelle untergebracht, und zwar der vom Westfälischen Handwerkerbunde vorgeschlagene Direktor des Hauptverbandes Deutscher gewerblicher Genossenschaften, Karl Korthaus(Steglitz bei Berlin). Die übrigen bürgerlichen Parteien haben im Rheinlande keinen Handwerker an aussichtsreicher Stelle auf ihren Listen. hütet euch vor den Klassenkämpfern links; hütet euch aber auch vor denen rechts. Die Klassenkämpfer rechts haben Zuzug erhalten: die Christliche Volkspartei, das Sammelbecken der unzufriedenen, selbstischen Interessenpolitiker. Schaut nicht rechts und nicht links, wahrt euter Interesse! Ihr könnt es wahren, ohne anderen ihre Daseinsberechtigung zu verkümmern. Denn jedem bleibt Licht und Luft in der Partei der gesunden Mitte. Das gesamte Gemeinschaftsleben der Menschen besteht aus der Notwendigkeit, sich immer wieder auf der Mittellinie zu verständigen. Leben und leben lassen! Das ist die einzig richtige wirtschaftliche und soziale Losung. Der christliche Glaube gibt die Richtlinien. Er lebt nr in einem politischen Programm klar, umfessend, als Wille zur Tat: im Zentrumsprogramm. Darum dient euch selber, wählt Zentrum. Lo werden MittelstandsInteressen verkauft! Die Münchener Neuesten Nachrichten bringen unter der Spitzmarke„Bezahlte Kandidaturen“ folgenden, Beitrag zu der immer offenet in Erscheinung tretenden Korrupution, wie sie die ganze Deutschnationale Volkspartei durchsetzt: Dresden, 27.Mai. Eine für die Deutschnationale Volkspartei sehr peinliche Enthüllung macht in ihrem Zorn über die Zurücksetzung ihres Kandidaten Wetzlich die rechtsstehende Dresdner Bürgerzeitung. Sie schreibt wörtlich:„Besonde's nachdenklich sollte uns das Verhalten der Deuts##nationalen Volkspartei stimmen. Diese hatte bei den Wahlen für die Nationalversammlung im Wahlkreise Ostsachsen unseren Mittelstandsvertreter Herrn Kaufmann und Glasermeister Stadtrat Wetzlich an die zweite Stelle gesetzt. Herr Wetzlich wurde gewählt und erwies sich durch seine gründliche Kenntnis aller Mittelstandsfragen in der Nationalversammluug, wo er oft das Wort ergriff, als eifriger und erfolgreicher Vertreter unserer Interessen. Gegen allen parlamentarischen Brauch wurde Hru. Wetzlich diesmal nur die dritte Stelle zugewiesen.(Ursprünglich stand er überhaupt nicht auf dem deutschnationalen Wahlvorschlag). Der Grund war der, daß der Vertreter der Industrie(Sondikus Dr. Neichert=Berlin), an die erste Stelle gesetzt wurde, weil er eine halbe Million zum Wahlsonds mitbrachte.“ Es ist die höchste Zeit, daß das deutsche Volk gewarnt wird, damit es nicht weiter auf die pharisätschen Phrasen von sittlicher Gesundung und innerem Aufbau durch die Deutschnationale Volkspartei hereinfällt und Klassenparteien! hoch das Zentrum!! sich ernstlich zu Gemüte führt, daß die sittliche Entrüstung, die Helfferich und sein Pressegefolge gegen Erzberger mit ungeheuerlichem Aufwand ins Feld führte, unendlch besser gegen die Deutschnationalen selbst zur Anwendung gebracht werden kann. Keine Stimme den Deutschnationalen! Mittelständler, wählt Zentrum! Kann ein gläubiger Katholik sozialdemokratisch wählen? Die Sozialdemokratie kennt heute nur„Unbefangenheit“ gegenüber der Religion. Soweit in ihren Reihen Religionshunger lebt, sättigt er sich noch an ganz verschwommenen Begriffen. Was in der Verfassung für Religion, Kirche und Schule gerettet wurde, ist kein Geschenk aus der Hand der Sozialdemokratie. Es ist der inbestreitbare Erfolg des Zentrums und seiner Nitarbeit in der Koalition! Aber die Hauptsache: Eine Partei. deren Anhänger und Agitatoren Wort und Schrift 40 und 50 Jahre lang mehr oder minder versteckt Sturm liefen gegenalles, was einem Kathollken heilig ist, muß erst durch die Tat beweisen, daß sie anders kann. Auf die 40 bis 50 Jahre Verneinung darf nicht nur die platonische Versicherung der „Unbefangenheit“ folgen, sondern da muß klare rückhaltlose Bejahung des positiven Gottund Christusglaubens treten. Die aber fehlt bis zur Stunde und deshalb lann ein Katholik, dem es mit seinem Glauben und den Folgerungen daraus und zwar nicht nur für das kulturelle, sondern auch für das soziale und wirtschaftliche Leben ernst ist, heiliger Ernst ist, niemals sozialdemokratisch wählen! Das Zentrum und die Prauen. Unsere Partei rechnet auf die Wahltreue der Frauen und Jungfrauen! Die Partei erklärt: Die Frauen hat die neuzeitliche Entwicklung in erhöhtem Maße zur Erwerbstätigkeit gezwungen und sie in das politische Leben einbezogen. Bür anerkennen ihre Gleichberechtigung im öffentlichen Leben und verlangen die Heranziehung der Frau, insbesondere auf den Gebieten, für die sie ihrer ganzen Natur nach besouders befähigt ist vor allem auf dem Gebiete der Volkserziehung und der allgemeinen Wohlfahrtspflege. Besonderen Schutz fordern wir für die Mütter und die erwerbstätigen Frauen. Warum keine Bauernportel? Hierz schreibt das Wochenblatt des christlichen Bauerndereins und des landwirtschaftlichen Verbandes für Schwaben(Nr. 21) u..: Wie liegen die Verhältnisse im Reich? Der teil der Berufsangehörigen der Landwirtschaft (Erwerbstätige, Dienende und Angehörige zusammen) an der Gesamtheit der Bevölkerung beträgt nur 28.6 Brozent. Jode Bauernvurtei ist im deutschen Reiche zu dauernder Ohnmucht verurteilt. Was ergidt sich daraus für eine Notwendigkeit? Daß die Bauern für Durchsetzung ihrer Forderungen sich mit Angehörigen anderer Stände verbinden müssen. Reicht dazu die Verbindung mit dem Kleingewerbe, dem kleinen Handwerk und dem Handel auf dem flachen Lande? Ausgeschlossen. Mit diesen zusammen erhöht sich die Stärke des landwirtschaftlichen Berufsstandes höchstens um 6Prozent. Das gibt keine Mehrheit und darum keine Stoßkraft. Es bleibt also nichts anderes übrig, als daß diejenigen, welche die berechtigten Interessen der Bauernschaft in den Parlamenten wahren wollen, sich auch noch zusammentun mit den Angehörigen anderer Stände, und da kommen vor allem in Betracht die Gebilderen und die Handarbeiter. Die Gebildeten draucht der Bauernstand zur Förderung feiner Interessen wie jeder andere Stand, wie auch der Stand der Handarbeiter. Die ganze Geschichte des Fortschrittes der deutschen Landwirtschaft und der wirksamen Vertretung bäuerlicher Interessen in der Oeffentlichkeit und im Parlamente ist nichts anderes, als die Schilderung der Tätigkeit durch akademisch gebildete Männer, welche, zum guten Teil aus der Landwirtschaft selbst herausgewachsen, mit warmem Herzen, großen Kenntnissen und unermüdlichem Eifer das Wohl der Landwirtschaft verfochten haben. Wer soll denn die Forderungen der Bauern in den Varlamenten in die Sprache der Gesetze umsetzen, wenn nicht der gebildete Freund des Bauernstandes? Auch die Arbeiter, die sich in diesen Zeiten der Gärung und der Unruhe noch Besonnenheit und Vernunft bewahrt haben, darf man nicht abstoßen. Schon in der Vergangenheit sind die wichtigen Zollforderungen im Reichstag nur durchgegangen mit Unterstützung der christlichen Arbeiterschaft! Auch in Zukunft können im Parlament Anträge i Gunsten der Landwirtschaft ohne die Hilfe der Arbeiter nicht durchgebracht werden. Worauf muß denn unser Streben im gegenwärtigen Augendlick hinausgehen? Darauf, daß Ruhe, Ordnung, Sicherheit, Herrschaft von Recht und Gesetz und Staatsautorität wieder hergestellt und erhalten werden. Ist eine Standespartei, die sich noch dazu in der Minorität befindet, befähigt, eine solche Aufgabe zu lösen? Nein! dazu gehört die liebevolle Zusammenarbeit aller Ordnungsfreunde aus allen Schichten des gesamten Volkes, und diese Zusammenarbeit kann nur innerhalb einer großen Partei erreicht werden. die alle Stände umfaßt, nicht in einer Klassenpartei. Einfache zahlenmäßige Erwägungen und schwerwiegende staatspolitische Gründe verbieten also die Schaffung einer neuen Standesportei. Zum Wiederaufbau unserer staatlichen Einrichtungen und unserer Volkswirtschaft braucht man eine starke Mehrheitspartei aus allen Berufsschichten.— Wir dürfen hinzufügen: das ist das Zentrum!! Jeder Bauer stimmt zu seinen eignen Gunsten, wenn er stimmt für die Liste Trimbern! Keine Stimme der Deutschen Volkspartei! Die Deutsche Volkspartei, als welche sich bei den Wahlen zur Nationalversammlung aus begreiflichen Gründen die nationalliberale Garde auftat, gibt sich bekanntlich die verzweifeltste Mühe, Zentrumsstimmen zu sich herüber zulotsen. An ihren Kandidatenlisten aber erkennt man, wer nach wie vor in dieser Partei die geistigen Führer sind. So stehtz. B. an der Spitze der Kandidaten für das Münsterland, Generalsekretär Dr. Hugo. Dieser Herr ist aus seiner Tätigkeit, die er vor einigen Jahren in Dortmund als Parteisekretär der Nationalliberalen ausgeübt hat, bekannt, wenn auch nicht bestens. Er war einer der wütendsten Kulturkämpfer, die jemals auf der Gegenseite die Parteigegensätze verschärft haben, er war es vor allen Dingen, der im Jahre 1909 sich aufs intimste mit der sozialdemokratischen Partei in Dortmund verbrüderte, um bei den damaligen Dortmunder Stadtverordnetenwahlen das Zentrum aus dem Dortmunder Stadtparlament zu erntfernen. Niemals ist in Dortmund in einem Wahlkampfe mit solch gehässigen und persönlichen Waffen gegen das Zentrum gekämpft worden, als damals in der Aera Dr. Hugo. Über denselben Dr. Hugo liest man jetzt, daß er von den großen Ledergesellschaften für seine Parteizwecke riesige Gelder in letzter Zeit loszueisen verstanden hat. Liberal bleibt liberal, der Name ändert nicht den Geist. aucy Streiklustigen ins Stammbuch. „Bis heute fehlt auch in Arbeiterschaft hierfür(dafür, sein Teil dazu berufen ist und der sozialistischen daß jeder für „„„ die Möglichkeit hat, die Produktion auf die höchste Stufe der Vollendung zu bringen“) noch das richtige Empfinden. Durch die unsozialistische Konsumentengesinnung, die die Sozialdemokratie vom Liberalismus übernommen und der Arbeiterschaft eingepflanzt hat, ist dieser die Fähigkeit abhanden gekommen, in der Produktion etwas anderes zu sehen alsein Instrument der Ausbeutung, daß die Produktion das eigentliche Leben darstellt, daß nur der schaffende Mensch überhaupt Mensch ist und daß das Schaffen in Gemeinschaft die Substanz der Sozialdemokratie darstellt, kommt der arbeitenden Klasse kaum zum Bewußtsein“. (Genosse Heinr. Paus in den Sozialistischen Monatsheften“, Heft 2, 1920 S. 76.) sicht genug des Llende? Aleedikeatur and Anch noch 9 511 e Uatergang! Nar e 1 n* Aettung. zrgerbchochte Seite 4 Nr. 159 Deutsche Bank, Filiale Köln. Wir haben unsere Depositenkasse.-Ehrenfeld Samstag, 5. Juni 1920. Venloer Straße 352 eröffnet. Fernsprecher A 6639. Postscheckkonto Köln Nr. 59300. 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Durch Zufall hatte er sie auf einer planlosen Reise hier oben kennengelernt und sie, die Waise, hielt ihn im Dorfe fest, brachte ihn zum ersten Verdienst, zum steteren Leben, das ihm mit den Jahren nun zu reicher Erfahrung in der Landwirtschaft verholfen hatte. Da ließ er sich doch nun nicht mehr an zweite Stelle drängen dort drüben! So natürlich das gewesen wäre, er gab eben nicht nach. Frau Gabriele hatte ihm dann auch geraten, sich anderweitig umzutun. So viele große Besitzungen lagen hier herum! Da müßte er gleich Passendes finden! In— wäre er durch sein hochfahrendes Wesen nicht allzu unbeliebt geworden mit der Zeit, dann ließe sich ein Wechsel leicht vollziehen! Aber das wußte Frau Gabriele nicht, daran dachte ihre Sorglosigkeit nie und die bösen Zungen enthielten es ihr doch vor, weil ihr keines das häusliche Glück stören wollte. Waldhoff wußte es dafür um so deutlicher, und plötzlich war ihm der Gedanke gekommen, sich auswärts um eine Stelle umzutun. Er wollte fort, irgendwohin— es ließe sich überall zurechtfinden bei gutem Verdienst. Dann hatte er sein Gesuch ausgeschrieben— und von da an ließ er sich Frau Gabrielen gegenüber zu Heimlichkeiten verführen, wie er sie immer ins Werk gesetzt hatte, wenn er etwas wollte, dem sie nicht ohne weiteres zustimmen würde. Und gerade hier, wo es für sie den Wegzug von der Heimat bedeuten würde, von der er wußte, daß sie ungemein an ihr hing, verbarg er sein Tun fast ängstlich. Heute, da er wieder die Auszahlung in Händen hielt, mußte er sofort denken:„Es könnte das letztemal sein, es könnte am Monatsende gekündigt werden... wenn nur bis dorthin etwas einträfe! Ja, sogar bei seiner alten Mutter drunten im halbvergessenen Frankenstädtchen hatte er angefragt. Post wenn käme.“——— Da stand er müde und verstaubt am Gartenpförichen. Aufhorchend behielt er die Hand auf der Klinke. Die ruhige Stimme seiner Frau klang ihm entgegen; sie saß wohl mit Erika binterm Häuschen auf der sonnigen Bank. Jetzt in der Zeit seiner inneren Zwiespälrigkeit tat diese sanfte, ausgeglichene Stimme so wohl! Waldhoff trat leise um die Hausecke und legte die Hand vor die Augen: denn die untergehende Sonne lag in letzter Glut flimmernd auf den rotblonden Scheiteln der beiden. Der Kleinen krause Locken fingen sich im weichen, welligen Haar der Frau und die fragenden Augen Erikas hingen groß und durstig an der Mutter Munde. Däumling konnte nun ein schönes Leben führen. Er zog schnell die großen Siebenmeilenstiefel an und marschierte mit seiner Brüderschar über Berg und Tal. O. er war ein ganz schrecklicher Guck=in=die=Welt! Sonst bleiben Kinder zu Hause bei...“ „Mutting, ich wollte, ich wäre auch ein Guck=indie=Welt, die haben's schön.“ Ganz schüchtern kam's über ihr Mündchen und ein wünschendes Leuchten stand in ihren klaren, schönen Augen. „Ich wünsche mir von Christkindchen einfach auch solche Siebenmeilenstiefel.“ sprudelte es hastig weiter,„dann nehme, ich euch mit— du Mutting, — wir gehen aber in die gute Welt?“ „Wie meinst du das, Liebling?" „Hinnerk hat gesagt, gottsjämmerlich schlecht ist die Welt.“ Die Mutter sieht erstaunt in das glühende unschuldige Gesichtchen. „Hinnerk meint eben damit die bösen Menschen, die es gibt, die dem lieben Gott wehe tun und die dann auch die Menschen nicht lieb haben. Aber es sind doch recht viele gut und fromm. Du wirst doch nicht weg wollen von Hinnerk? Du kannst doch nicht einfach auswandern, lütt Dern?" Sie faßte die Kleine lächelnd unters Kinn, aber ganz so lustig war ihr's gar nicht zumute. Sie hat diesen Wunsch schon in so vielen Auflagen gehört, daß ihr immer ein wenig bange wird, wenn sie ihn von neuem hört. Einzig und allein Neugierde kann's sein, frühe Neugierde nach andern Dingen, die da in dem kleinen Köpfchen wach ist. Und die ungewöhnlich rege Phantasie färbt sich das Unbekannte in tausend undenklichen Farben aus, daß sie schon gar nicht anders kann wie betteln: Darf ich das nicht auch mal sehen? Nur ist sie zu oft mit den Gedanken fort und Frau Gabriele fürchtet, daß mit der Zeit der Ausspruch kommen könnte: Hier im Dorf ist's langweilig. Könnte das kommen? Müßte sie nicht so viel von der Mutter haben, daß sie gerne hier wäre? Schon, aber der Vater— der war dem unsteten Leben nie ganz abhold gewesen. Einen Augenblick herrscht Schweigen, dann versucht das Kleine auf ihren Schoß zu klettern. „Wünscht du dir das nie, Muttina? Einmal möcht' ich weiter fort, als die Heide ist. Immer kann doch nicht Heide sein, einmal geht doch die Welt an.“ Sie lacht in das erstaunte Gesichtchen. O, du Unschuld, was meinst du dann, wo wir leben! Und doch— sinnt sie in sich binein— viel verspüren tun wir die hastige Welt nicht. „Nein, Kind,“ antwortet sie laut,„### will immer hier in unserm Dorf bleiben und es täte mir wehe, wenn ich weg müßte.“ „Ano die Siebenmeilenstiefel?"... kommt die kleine Plagerin nochmal auf ihre Angelegenheit zurück, nachdem Mutters Worte unverstanden geblieben. „Die bekommst du vielleicht bald,“ spricht Waldhoff dazwischen und im Nu hängt sie an seinem Arm. Kein Willkommengruß, lein Küßchen wie sonst, nur ein Strahlen in den Augen: „Vatter, wirklich?“ „Wenn du gleich ins Bettchen gehst...“ Er fühlt ein Stück seiner eigenen Leidenschaft in der Art ihrer stürmischen Umarmung. Aufzuheitern vermag sie ihn aber nicht: die Stirnfalten sind gleich wieder da, und nachdem das Kind im Haus ist, fragt Frau Gabriele auch gleich besorgt: „Franz, was gibt es?“ „Ach— ich bin unzufrieden.“.... Sie sieht mit Beben das Feuer in seinen dunklen Augen und spürt plötzlich ein heimliches Bangen in der Brust; aber sie kann nichts sagen. Mit ihrem Schweigen ärgerte sie ihn. Barsch fragte er: „Warum sagst du nichts?“ Sie zwang es mühsam über die Lippen: „Sprich, was du hast, Franz. Ist's wegen eine# neuen Stelle?“ (Fortsetzung folgt.) 5. Juni 1930. Offene Stellen Frauen gegzbeschädgte zum zweimaligen Austragen unserer Zeitung in Köln(Alt= und Neustadt) sofort gesucht. Meldungen auf dem Versendungsbüro der Rhein. Bolkowacht Domftrake 6 NIPPES Suche zum sofortigen Eintritt zwei jüngere SORT An= und Verkauf Vermittelung Dr. Nießen Steuerfachen 3 Bürgermstr. a. D. Müller Domhof 6(A 6463.) Mergenstiggehe oder Alter.17—20 Jahr., mögl. aus d. elektrotechn. Branche. Ausführl. 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