„ 0 verbunden mit der Erscheint werktäglich. Bezugspreis monatlich.80 DMf frei Haus einschl. Botenlohn; bei Postbezug .80 Dif einschl. Postüberweisungsgebühr und ausschl. Postzustellgeld. Bei Nichtlieferung durch höhere Gewalt besteht kein Anspruch auf Ersatz. Druck u. Verlag: Buchdruckerei Werber, Bad Honnef am Rhein, Hauptstraße 38f. Erfüllungsort für beide Teile Bad Honnef a. Rh. Binzelnummer 25 Pfennig. Vertriebskennzeichen 13n 38474 honneferZeitung Verleger u. Chefredakteur: Fritz Werber, verantwortl. Redakteur: Franz Josef Kayser, verantwortl. für die Anzeigen: Paul Jonas, alle in Bad Honnef a. Rh. Für unverlangt und ohne Rückporto eingesandte Manuskripte wird keine Haftung u. Verpflichtung zur Rücksendung übernommen. Anzeigengrundpreise: Gem. Preisliste;.Zt. ist Preisliste 7 gültig. Geschäftsstelle: Bad Honnef a. Rh., Hauptstr. 381, Tel. 2722. Gegründet 1881(81. Jahrg.) Dienstag, 3. Juli 1962 Kren Herzhaher""„ter den Bondeskanzfer De Gaulle holte ihn am Flugzeug ab Paris, 3. Juli.(dpa) Zwei Minuten vor 18 Uhr landete gestern auf dem Pariser Flughafen Orly bei strahlendem Sonnenschein die Sondermaschine der Deutschen Lufthansa, die Bundeskanzler Adenauer zu seinem einwöchigen Staatsbesuch nach Frankreich brachte. Lächelnd schüttelte er dem französischen Staatspräsidenten de Gaulle, der ihn an der Flugzeug-Gangway empfling, die Hand. Präsident de Gaulle hob in seiner BegrüBungsansprache die Verdienste des Bundeskanzlers hervor, der sein Volk wieder auf den Weg der Vernunft geführt habe, so daß es seine Freiheit, sein Wohlergehen und sein Anschen in der Welt wiedergewonnen habe. Adenauer bedankte sich in seiner Antwort für den„besonders ehrenvollen und freundlichen Empfang“. Er unterstrich, wie sehr ihm die Zusammenarbeit mit Frankreich am Herzen liege, und er erklärte:„Die Freundschaft mit Frankreich ist der Grundpfeiler der deutschen Politik.“ Zur Begleitung Adenauers gehörten Bundesaußenminister Schröder, Staatssekretär Carstens vom Auswärtigen Amt, der neue Bundespressechef von Hase, Adenauers Sohn, der Kölner Oberstadtdirektor Max Adenauer, und die Adenauertochter Frau Ria Reiners. Der Bundeskanzler wurde schon auf dem mit den Bundesfarben und der Trikolore geschmückten Flugplatz Orly mit allen Ehren empfangen, die sonst nur Staatsoberhäuptern zuteil werden. Zum Empfang war fast das gesamte frahzösische Kabinett mit Ministerpräsident Pompidou an der Spitze sowie der französische Botschafter in Bonn, Seydoux, und der deutsche Botschafter in Paris, Blankenhorn, erschienen. Im Ehrenempfangsraum waren Soldaten der Republikanischen Garde in Hab-acht-Stellung mit präsentiertem Degen postiert. Ministerprüsident Meyers legte Grundstein für Ruhruniversitüt. Bochum, 3. Juli. In Bochum hat gestern Ministerpräsident Meyers den Grundstein für das erste Gebäude der Ruhruniversität gelegt. Es wird später ein Heim für 150 Studenten und vorerst die Kernverwaltung der Universität aufnehmen. Vor 2000 Zuschauern führte Meyers die traditionellen drei Hammerschläge auf den Stein aus, hinter dem die Schatulle mit der Urkunde, den Bochumer Tageszeitungen und gültigen Münzen eingelegt worden war. Sich selbst bestruft. Paris, 3. Juli.(dpa)„Ich nehme mir das Leben, weil ich nicht in der Lage bin, eine Pflicht zu erfüllen, die in dem Vorsitz über den Militärgerichtshof besteht.“ Diese Zeilen hat der Präsident des nach dem unerwartet milden Urteil gegen Putschgeneral Salan gebildeten Militärgerichtshofes, General de Larminat, hinterlassen, bevor er sich in der Nacht zum Sonntag erschoß. In einem Brief an de Gaulle schrieb der sehr auf seine Ehre bedachte General kurz vor seinem Tode:„Ich habe weder physisch noch geistig die Aufgabe erfüllen können, die mir gestellt war. Ich bestrafe mich selbst dafür.“ Geld aus Opferstöcken verjubelt. Osnabrück, 3. Juli. Der Kriminalpolizeigelang die Festnahme einer siebenköpfigen jugendlichen Räuberbande aus Lingen(Emsland), die sich auf Diebstähle in Kirchen spezialisiert hätte. Die Lehrlinge im Alter von 15, 16 und 17 Jahren, die an den Wochenenden mit ihren Fahrrädern die Kirchen benachbarter Orte aufsuchten und insgesamt 60 Opferstöcke ausraubten, teilten sich die Beute und brachten den Erlös in Gaststätten durch. Nach der Begrüßung am Flugplatz fuhren de Gaulle und Adenauer, von einer Motorradeskorte der Polizei geleitet, gemeinsam im Wagen in die Stadt. Entlang der StraBen, die die Wagenkolonne passieren sollte, waren schon Stunden vorher Gendarmen und Polizisten in Galauniformen postiert. Ein allgemeines Parkverbot entlang diesen StraBen war schon seit Mittag in Kraft. Wollten die Briefkastenleerer der Bundespost jeden Kasten einer gründlichen Säuberung unterziehen, bevor sie sich zum nächsten begeben, dann brauchten sie wahrscheinlich die doppelte Zeit für ihre alltäglich zurückzulegenden Strecken. Der Postmann auf unserem dpa-Bild, der nach seiner Dienstvorschrift eigentlich dazu verpflichtet ist, tat nur s0 als ob.. Aber er ließ keinen Zweifel daran, daß es eine persönliche Belastung ist, die notwendige Dienstvorschrift mit dem riesigen Arbeitspensum auf einen Nenner zu bringen. Die am Montagmorgen von der Deutschen Postgewerkschaft aus Protest gegen die zurückhaltende Lohnpolitik der Bundesregierung gestartete„Aktion Igel“ soll an drei Tagen der Oeffentlichkeit demonstrieren, welche möglichen Verzögerungen im Postverkehr entstehen können, wenn die perzönliche Sicherheit der Postbediensteten jedem betriebsbedingten Risiko vorangestellt wird. Jubel in Algerien Keine Uebergriffe gegen Europder. Algier, 3. Juli.(dpa) Mit Freudenkundgebungen und Demonstrationen in den Europäerviertein von Algier und Oran feierte die algerische Bevölkerung gestern ihre Unabhängigkeit. Der Freudentaumel wird zwar durch das Zerwürfnis innerhalb der algerischen Befreiungsbewegung getrübt. In algerischen Kreisen des Verwaltungszentrums Rocher Noir ist man jedoch überzeugt, daß die provisorische Regierung Algeriens, die sich noch in Tunis aufhält, die Krise meistern kann. In französischen Kreisen sprach man allerdings von einer alarmierenden Lage. Tausende von Moslems strömten gestern in Autos, Autobussen, mit Motorrollern und zu Fuß in die Europäerviertel von Algier und Oran, um dort ihrer Freude über die Unabhängigkeit Ausdruck zu geben, nachdem in der Volksabstimmung vom Sonntag 99,6 Prozent der gültigen Stimmzettel ein Ja zur Unabhängigkeit enthalten hatten. Junge algerische Männer und Mädchen kletterten auf die Dächer der Autobusse und schwangen singend die grün-weiße Fahne Algeriens. Autos hupten im Rhythmus das„Algerie Algerienne“ und veranstalteten eine ohrenbetäubendes Konzert. Mit diesem Rhythmus ahmten die Demonstranten das„Algerie Française“ nach, das monatelang in den Europäervierteln erklang. Um die Demonstrationen einzudämmen und Ausschreitungen zu verhindern, patrouillierten bewaffnete FIN-Ordner auf den Bürgersteigen. Auch uniformierte Soldaten der algerischen Befreiungsarmee waren zu sehen. Die wenigen Buropäer, die sich während dieser Freudenkundgebungen auf die Straße wagten und diesem Schauspiel beunruhigt zusahen, wurden jedoch von den Demonstranten nicht belästigt. „Post-Igel“ blieb zahm. Keine spürbaren Störungen. Hamburg, 3. Juli.(dpa) Die von der Deutschen Postgewerkschaft gestartete dreitägige „Aktion Igel“ blieb am ersten Tag fast überall im Bundesgebiet ohne größere Auswirkungen. Nur ein Teil der Postbediensteten folgte gestern dem Aufruf ihrer Gewerkschaft, aus Protest gegen die zurückhaltende Lohnpolitik der Bundesregierung streng nach Vorschrift zu arbeiten. Die Postgewerkschaft in Frankfurt erklärte, die Aktion sei zwar gut angelaufen, größere Auswirkungen der Aufforderung zur Arbeit ohne Risiko würden jedoch erst heute erwartet. Laos erkennt die Sowjetzone an. Vientiane Genf, 3. Juli. Kurz vor Beginn der Laos-Konferenz in Genf hat die laotische Koalitionsregierung gestern in Vientiane beschlossen, mit der Sowjetzone, Nordvietnam, Rotchina, Polen und der Tschechoslowakei diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Fränkels Rücktrillsgesuch abgelehnt Aber beurlaubt bis zur Klürung sowjetzonaler Vorwürfe. Bonn, 3. Juli. Unter Leitung von Minister Stammberger prüft das Bundesjustizministerium gegenwärtig die in der Sowjetzone erhobenen Vorwürfe gegen Gencralbundesanwalt Wolfgang Fränkel. Zehntausende farbiger Glühbirnen- und FähnchenCirlanden sachmücken seit dem Wochenende das Araberviertel von Algier(unser dpa-Büd), wo die Bevölkerung den Sieg vom Sonntag beim Volksentscheid für die Unabhängigkeit des Landes und die Zusammenarbeit mit Frankreich feiert. Die Proklamation der Souveränität Algeriens ist jetzt nur noch eine Frage von Tagen, Sobald das amtliche Wahlergebnis vorliegt, wird Staatspräsident de Gaulle das seit 132 Jahren von Frankreich beherrschte Land in die Knahhängigkelt gantlassen“. Fränkel ist gestern nach Bonn gerufen worden und hat mit dem Bundesjustizminister bereits erste Einzelheiten erörtert. In den Vorwürfen gegen Fränkel, die vor einer Woche zum ersten Male in der Sowjetzone erhoben worden sind, wird vor allem auf Fränkels angebliche Tätigkeit während der Zeit des Nationalsozialismus hingewiesen. Fränkel soll als Mitglied der Reichsanwaltschaft in Leipzig die sogenannten Nichtigkeitsbeschwerden bearbeitet haben. Zuständige Stellen im Bundesjustizministerium wandten sich gegen ein gensationeleemmm Von Eckurdt übernahm sein Amt In Berlin. Berlin, 3. Juli.(dpa) Der neue Bundesbevollmächtigte in Berlin, Felix von Eckardt, hat gestern sein Amt in der deutschen Hauptstadt übernommen. Der ehemalige Bundespressechef, der Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Dr. Vockel wird, traf am Vormittag mit dem Flugzeug in Berlin ein und führte noch im Laufe des Tages im Bundeshaus die ersten Gespräche mit den Abteilungsleitern. Von Eckardt sagte nach seiner Ankunft in Berlin, seine neue Aufgabe werde von ihm große Geduld und Zähigkeit erfordern, um in all den Dingen behilflich zu sein, die unter dem Sammelbegriff Lebensfähigkeit Berlins zusammengefaßt sind. les Aufbauschen der Angelegenheit. Fränkel sei entgegen anderslautenden Darstellungen nicht vorzeitig aus dem Urlaub zurückgerufen worden. Sein Urlaub sei vielmehr am 30. Juni planmäßig abgelaufen. Vieles deute darauf hin, daß die Vorwürfe auf einem kommunistischen Propagandamanöver beruhen. Wie gestern abend verlautete, wurde Fränkel bis zur völligen Klärung der Angelegenheit beurlaubt. Wie in einem Kommunique des Bundesjustizministeriums mitgeteilt wurde, lehnte Bundesjustizminister Stammberger ein Rücktrittsgesuch Fränkels ab. Eisenhower auch nach Bonn? Gettysburg, 3. Juli. Der ehemalige amerikanische Präsident Eisenhower will noch im Juli zu einer Reise nach Europa aufbrechen, die ihn vielleicht auch nach Bonn führt. Eisenhower und seine Gattin beabsichtigen, am 20. Juli mit der„France“ von New Fork abzureisen. Sie treffen am 25. Juli in Le Haure ein. Tochter für Straus. München, 3. Juli. Gestern ist Bundesverteidigungsminister Strauß glücklicher Vater einer Tochter geworden. Das Kind wurde in München geboren, wo sich Minister Strauß gegenwärtig aufhält. Strauß hat bereits zwei Söhne. K HONNEFER VOLKSZEITUNG Juristen streiten sich um den Mond „Weltraumrecht“ im Werden.- Gibt es„Delikte im Vokuum“? Weltweite Diskussion. Von HANNES SCHMITZ. Bonn. Ob es bald„Weltraum-Verkehrssünder“ und Polizeipatrouillen im luftleeren Raum geben wird, ist eine heute bereits lebhaft diskutierte Frage. Fachjuristen sind dabei, die Grundlagen für ein„Weltraumrecht“ zu prüfen. Vorläufig ist man natürlich noch im Stadium der Grundlagenforschung, aber die Aufgabe, das Recht ins All zu tragen, wird als notwendig und dringend angesehen. Nummmmmmmmmmmmmmmm Ein internationales Institut für Weltraumrecht mit zwölf Arbeitsgruppen steht in Paris am Anfang seiner Arbeit, und die UNO kümmert sich durch ihren„Ausschuß für friedliche Nutzung des Weltraumes" um solche Probleme. Auch bedeutende Juristen der Bundesrepublik sind an der weltweiten Fachdiskussion um ein werdendes Weltraumrecht beteiligt. Wir erkundigten uns in Bonn:„Wo liegen die Schwierigkeiten einer „Rechtspflege im Vakuum“?“ Zunächst stellt sich die Grundfrage, ob es nicht ein Unding sei, menschliches, d. h. eben doch irdisches Recht, auf Räume anderer Naturgesetzlichkeit auszudehnen. Eine solche Absicht gehe, so meinen manche Fachbeurteiler, aallzusehr nur vom„menschlichen Maß“ aus, sie sei unzulässig anthropomorph. Alle unsere Rechtsbegriffe und Tatbestandsmerkmale seien nur denkbar auf dem soziologischen Unterbau unserer irdischen Verhältnisse. Man müsse also, wolle man schon diese Basis verlassen, im„Weltraumrecht“ etwas ganz Neues schaffen. Andere Fachleute dagegen sind der Meinung, man komme sozusagen mit einer„Verlängerung des Völkerrechts in den Weltraum“ aus. Dieser Vorfrage ungeachtet ergibt sich immer noch das Problem, wie ein Weltraumrecht zu gliedern wäre. Bisher zeichnen sich folgende Gebiete ab: 1. Recht des leeren Raumes, 2. Recht der Himmelskörper, 3. Wechselwirkungen zwischen irdischen und Weltraum-Aktionen, 4. Rechtsbeziehungen zwischen irdischen und außerirdischen Wesen, und 5. Kontrolle der Weltraum-Aktivität. Das„Recht des leeren Raumes“ beschert insofern Probleme, als man sich zunächst einmal einigen muß, welchen Status das „Vakuum“ denn eigentlich haben soll. Manche Fachleute sollen für den Weltraum etwa analog zur offenen See eine Art„Freiheit des Alls“ annehmen, die der irdischen Freiheit der Meere entspricht. Andere Juristen glauben wieder, mit einem besonderen „Recht des leeren Raumes“ weiterzukommen, für das es übrigens auch schon gewisse Vorbilder im Sinne einer Theorie vom „Recht im Niemandsland“ gibt. Wird es im Weltraum„irdische Delikte“, z. B. Diebstahl usw., geben können? Wie steht es mit der straf- und privatrechtlichen Wertung und Begründung? Nicht minder schwierig ist die Frage, wie das Recht der Himmelskörper zu gestalten wäre. Hier steht natürlich das Problem obenan, ob eine irdische Nation in der Lage sein kann, Hoheitsrecht auf einem anderen Stern zu beanspruchen. Sind Mond und Sterne„Allgemeinbesitz“, oder gehören sie vorerst„niemandem“? Kann man auch für sie das Völkerrecht anwenden, wie ein prominenter russischer Jurist meinte, oder sind hier ganz neue Kategorien maßgeblich? Die internationale Law Association der UNO hat ein Abkommen vorgeschlagen, wonach keine irdische Nation Hoheitsrechte auf Himmelskörpern beanspruchen sollte. Einer solchen„Internationalisierung" des Weltraumes wird jedoch von anderer Seite widersprochen, weil auch sie einseitig von irdischen Vorstellungen ausgehe. Was schließlich die Begegnung mit„vernunftbegabten Wesen im All“ angeht, so tappen die Juristen vorerst noch vollkommen im Dunkeln. Hier mit irdischen Rechtsmaßstäben so etwas wie eine„Ordnung der Beziehungen“ herbeiführen zu wollen, hieße die Vorstellungswelt eines kleinen Sterns arrogant zu verabsolutieren. Wer weiß denn, ob es nicht irgendwo in fernen Welten bereits eine Art von Recht gibt, die dem unseren weit überlegen ist? Hier wird deutlich, wie sehr alle Ueberlegungen um die Schaffung eines Weltraumrechts in Grundfragen metaphysischer und parajuristischer Art münden. Anders steht es schon mit der Wechselwirkung zwischen Weltraum und Erde. Was aus dem luftleeren Raum, von Raketen und Satelliten aus, zu uns herunterwirkt, ist völkerrechtlich faßbar, da es das Vakuum gleichsam nur„passiert“. Hier also kann man sicherlich versuchen, rechtsordnende Normen aufzustellen. Juristen streiten sich um den Mond! Das mag auf den ersten Blick so wirken wie der berühmte Streit um des Kaisers Bart. Und trotzdem ist dieser Vorgriff auf ein Recht der Zukunft keine juristische Utopie. Auch auf Erden galt es immer wieder, neue Gebiete rechtlich zu ordnen. Denken wir nur an das gesamte Luftrecht, das Straßenverkehrsrecht usw. Jetzt erwächst den Juristen eine Aufgabe, die ebenso gigantisch wie verpflichtend ist: dem Recht, neue Welten zu erschließen. Man darf sicher sein, daß sie mit gebotener Bescheidenheit an diese Arbeit herangehen. Und sie werden tapfer mitlächeln, wenn man sie fragt, ob denn die Milchstraße vorfahrtsberechtigt sein soll...! So denkt man über die Amerikaner Starke kündigt für 1963 mutige Entscheidungen an. Frankfurt, 3. Juli.(dpa) Bundesfinanzminister Starke kündigte gestern in Frankfurt an, daß bei den Beratungen über den Bundeshaushalt 1963 mutige Entscheidungen getroffen werden sollen. Die Einzelpläne der Ressorts müßten nach den ersten Erörterungen im Bundeskabinett mit Sicherheit zurückgegeben werden, um die Ausgaben in geringerem Umfang zu planen. Verzögerungen, die dadurch für die Vorlage des Etats im Bundestag entstehen könnten, müßten in Kauf genommen werden. Bei den Hogarths kamen Tiere vor den Kindern. London. Die Tierliebe des Ehepaares Hogarth ging selbst den hundefreundlichen Engländern zu weit. Das junge Ehepaar stand unter der Anklage vor Gericht, sich mehr um seine zwölf Hunde und sieben Katzen als um seine drei kleinen Kinder gekümmert zu haben. Die siebenjährige Karen, der drei1 jährige Edrich und das Baby Roderic müssen jetzt in einem * Fürsorgeheim aufwachsen, weil ihre Eltern einen regel= rechten Tierfimmel haben. „Wir dassen Ihnen vierzehn Tage Zeit. Dann müssen Sie Ihren Privatzoo auf zwei Katzen und zwei Hunde vermindert haben“, sagte der * Richter unerbittlich zu dem 32jährigen Fernsehingenieur = Robert Hogarth und seiner * Frau Josephine. Mit Kindern, Hunden und Katzen hausten die beiden in einer kleinen Bauernkate. Das Gebäude hatte weder fließendes Wasser noch Gas, Elektrizität und sanitäre Anlagen. Als eines Tages ein Arzt aus der Umgebung zufällig einen Besuch machte, traute er seinen. Augen nicht. Wo er ging, stolperte er über bellende und miauende Vierbeiner. Von den vier Zimmern des kleinen Hauses wurde eines nur von wohlgenährten Hunden und Katzen bewohnt. Die drei kleinen zweibeinigen Hogarths weren dagegen in einem so erbärmlichen Zustand, daß der Arzt sofort für die Einweisung in ein Heim sorgte.„Wir haben den Tieren nur einen Raum überlassen, den wir selbst nicht mehr bewohnen konnten“, verteidigte sich die mit ihren zu einem Pferdeschwanz gebundenen Haaren sehr jung wirkende Josephine Hogarth. Doch die Männer in den dunklen Roben blieben hart. Mit hängenden Köpfen verließen der Fernsehingenieur und seine Frau den Gerichtssaal. Sie überlegten bereits, welcher ihrer zahlreichen Lieblinge weiterhin die kleine, primitive Bauernkate mit ihnen teilen s011. Washington.„Wie gefällt es Ihnen bei uns?“ ist eine der ersten Fragen, die jeder Besucher der USA über sich ergehen lassen muß. Im Grunde meinen die Amerikaner damit, was man von ihnen selber hält. Nun, Touristen werden ihnen selten nach kurzer Anwesenheit im Lande etwas Negatives sagen. Deshalb hat der amerikanische Fremdenverkehrsverband von sich aus in neun europäischen und südamerikanischen Ländern eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis ist allerdings alles andere als schmeichelhaft. Gute Zensuren erhalten die landschaftliche Schönheit der USA, das Nachtleben, der Lebensstandard und das Straßennetz. Die meisten Besucher fanden, das Leben in den Vereinigten Staaten sei zu sehr automatisiert. Rückhaltlos offen äußerten sich die Venezolaner. Während neun Prozent ihrer Touristen vor der Reise nach den USA den nordamerikanischen Bürger für geistig etwas beschränkt hielten, waren nach der Heimkehr 18 Prozent dieser Meinung. 73 Prozent aller Brasilianer hatten vorher versichert, die US-Bürger seien kultivierte Leute. Nachdem sie aber das Land der unbegrenzten Möglichkeiten kennengelernt hatten, vertraten nur noch 63 Prozent diese Meinung. In Westdeutschland hielten 22 Prozent aller Amerikafahrer die USA für ein sehr provinzielles Land. Mit der Realität konfrontiert, glaubten es plötzlich 31 Prozent der deutschen USA-Besucher. Ein unerwartetes Kompliment aber kommt aus England. Dort hatten 53 Prozent aller Engländer vor ihrer Reise versichert, daß sie die Amerikaner für laut und aufdringlich halten. Zurückgekehrt nach „Merry old England“, glaubten es nur noch 38 Prozent von ihnen. 14 Ohrfeigen geben. Jean Poiret war überrascht, wie hart zarte Frauenhände sein können. Kurzer Ruhm. New York. Automechaniker William Nelson wollte seiner New Vorker Freundin imponieren und bezeichnete sich als Mitglied der Geheimen Staatspolizei. Um es zu beweisen, rief er vom Hotelzimmer aus das Hauptquartier an und sagte:„Hallo, Boys, hier spricht Nelson vom FBI Philadelphia.“ Kurz darauf wurde er in Handschellen abgeführt. Anstrengend. Paris. Eine sportliche Leistung vollbrachte Lise Delamare bei den Dreharbeiten zum französischen Film„Erfolg in der Liebe“. Sie mußte ihrem Parther nacheinander Schweres Amt. Coventry. Der Bürgermeister von Coventry(England), Arthur Waugh, hat den Antrag gestellt, künftig bei offlziellen Anlässen nicht mehr die gewichtige Amtskette tragen zu müssen. Sie wiegt nämlich 16 kg.. Unter dieserLast brach er kürzlich bei der Einweihung der neuen Kathedrale zusammen. „Miss Mord“. London. Einen schwierigen und verantwortungsvollen Beruf hat die 32jährige Miss Margaret Pereira. Sie leitet bei Scotland Yard die Abteilung für Blutuntersuchungen, die besonders bei Morden eine wichtige Rolle spielen. Miss-Pereira hat eine neue Methode entwickelt, nach der bereits ein Blutfleck von Stecknadelkopfgröße genügt, um die Blutgruppe zu bestimmen. Bauchrednerin. New York., Hoffnungslos veraltet ist eine Puppe, die nur„Papa“ oder„Mama“ sagen kann. Ein pfiffiger Spielzeugfabrikant in den USA hat jetzt eine Puppe mit eingebautem Tonband auf den Markt gebracht. Sie kann lange Geschichten erzählen, hört aber sofort damit auf, wenn man sie hinlegt. Gute Nacht. Madrid. Einer ungestörten Nachtruhe können sich die Einwohner der spanischen Stadt Pamplona erfreuen. Der Gemeinderat hat angeordnet, daß jeglicher Verkehr mit Lastkraftwagen nach 22 Uhr im Stadtgebiet verboten ist. Demnächst soll eine ähnliche Anordnung auch für Kraftradfahrer erlassen werden. Dieser Esel. Messina. Gut dressiert hat in Messina ein Orangenhändler seinen Esel, der jeden Kunden beißt, der die Ware befühlt, aber dann nichts kauft. Wer das weiß, macht einen großen Bogen um „„eino“ Jubiläum. New York. Mit einem Jubiläumsfeuerwerk feierte eine Fabrik für Feuerwerkskörper in Ayling(Chio) ihr fünfzigjähriges Bestehen. Die Werksleitung veranstaltete ein großes Feuerwerk, bei dessen Schlußnummer— einem riesigen Feuerrad— ein Funke auf das Hauptgebäude der Fabrik flel, das in wenigen Augenblicken in Flammen stand. JACOUELINE EROBERT PARIS. 47.(Fortsetzung aus der Beilage.) Wie hieß doch dieses süße, junge Ding dadals, die Kleine mit dem ungeküßten Mund? Sie hatte einen unmodernen Namen. Wie war er doch gleich? Jakobe, jetzt wußte er ihn wieder. Er ließ sie laufen aus lauter Großmut und kam hinterher erst darauf, daß er sie richtig liebte. An ihrer Stelle nahm er ein dunkelhaariges, leidenschaftliches Geschöpf in die Arme, um zu vergessen, doch er sehnte sich nur um so heftiger nach der kühlen Blonden. Und jetzt wieder. Paris schenkte ihm die Gunst so mancher wunderbaren Frau, aber eine Frau lebte in den Mauern dieser zauberhaften Stadt, die ihm das Leben vergällte: Madame Lieven! Noch kannte er sie nicht, aber sie griff bereits bestimmend in sein Leben, vor allem in seine Arbeit ein. Er hatte sich Angele genähert, nur um sie über Madame Jacqueline Lieven auszuhorchen, und war so durch eine unbekannte Frau von dem Wege der Ehrenhaftigkeit fast abgewichen. Werkspionage war ihm bisher das gewesen, vor dem er geradezu Ekel empfand. Und was hatte er tun wollen? Es wurde Zeit, daß er heiratete, dann hatten die Frauen ein für allemal in seinem Leben ausgespielt, dann gehörten sie nur noch zu seinem Beruf, da allerdings war er mehr wie jeder andere auf sie und ihre Launen angenegen. Am Abend erschien er in der AmbassadorBar. Er blieb bis gegen Mitternacht und ging wieder. Am nächsten Abend wiederholte er die Belagerung der Bar genau so erfolglos, doch er gab es nicht auf. Er kam wieder. * Chärles neigte sich zu Jakobe nieder.„Gestern und vorgestern war Michael Troyer hier.“ „Ja“, sagte Jakobe und bemühte sich vergeblich, gleichgültig dreinzusehen.„Sein Salon scheint ja jetzt zu gehen.“ „Der Ihre ist jedenfalls der lukrativere. Meine Informationen sprechen noch immer von Schwierigkeiten, die Troyer hat. Er fragte übrigens beide Abende nach Ihnen. Ich wette, er kommt heute wieder. Soll ich Sie verleugnen, Gräfin?“ Jakobe seufzte.„Es wird nicht gut möglich sein, Baron. Wenn Sie es ihm nicht sagen, so fragt er jemanden anderen.“ „Gut, Gräffn.“ Charles verbeugte sich ganz respektvoll und nahm sich neu hinzugekommener Gäste an. „Wir können auch das Lokal wechseln, Madame“, schlug Aristide Maréchal, Jakobes noch immer treuer Begleiter, vor. Sie schüttelte den Kopf.„Wir bleiben, es hätte keinen Zweck. Sobald einer seine schärfste Konkurrenz kennenlernen will, setzt er es auch durch, ob hier oder anderswo. Wir bleiben, Aristide.“ Kurz darauf erschien Michael Troyer. Jakobe erkannte ihn sofort, nur erschreckte sie sein schlechtes Aussehen. Sie hatte ihn nicht halb so ernst in Erinnerung. Sie war froh, daß sie sich heute in Aristides Gesellschaft befand. Dem alten Maréchal würde sich Michael, so wie sie ihn in Erinnerung hatte, nähern und dadurch sie kennenlernen. Bei dem jungen Ingenieur wagte er es wohl nicht. Sie tanzte mit Aristide und begegnete einmal flüchtig Michaels Blick. Also hatte Charles ihm schon ihre Anwesenheit verraten. Eine Sekunde wollte alle ihre Selbstsicherheit sie verlassen. „Heute nicht“, dachte sie erregt,„nur heute soll er mich in Frieden lassen. Ich muß mich erst an ihn gewöhnen, an ihn und an die Tatsache, daß er mir noch immer nicht gleichgültig ist. Ich hasse ihn ja gar nicht, und damit muß ich mich erst abfinden!“ Sie irrte sich, wenn sie glaubte, Michael Troyer würde sich ihr nähern. Er saß einsam an einem kleinen Tischchen, er tanzte nicht ein einziges Mal, rauchte unzählige Zigaretten und ließ keinen Blick von ihr und Aristide. Wie weit war Troyer davon entfernt, die kleine ungeküßte Jakobe mit der berühmten Jacqueline, die ihm das Leben sauer machte, in Beziehung zu bringen. Er wunderte sich nur, daß sie keineswegs eine guterhaltene Vierzigerin war, sondern die DreiBig wahrscheinlich noch nicht erreicht hatte. Dieses junge Ding legte es anscheinend darauf an, ihm hier überall das Wasser abzugraben. Das machte die Sache für ihn noch weitaus beschämender. Er wagte sich zu keiner Filmgesellschaft mehr, da er das lächelnde:„Bedaure, der Auftrag ist bereits vergeben“, fürchtete und hinterher erfuhr er stets, Madame Lieven hätte ihn. Mit dem Namen Lieven verband sich für ihn ein aufgetakeltes, krampfhaft jung verbleibendes Geschöpf, und nun tanzte dort in den Armen eines gut aussehenden jungen Mannes eine zauberhafte, goldblonde Französin, ein mädchenhaftes Wesen, dem seine Sympathie ungeteilt gehören würde, wenn es nicht zu seinen schärfsten geschäftlichen Gesnern zählte,#.#g nlaut „Also, der ist es“, sagte Aristide Maréchäl ruhig, vielleicht ein wenig zu ruhig, zu Jakobe.g „Wiek“ fuhr Jakobe auf, die geraue wieder einmal zu Michael Troyer hinüberblickte. „Der, den Sie lieben! Irgend einmal mußte mir der Mann ja zu Gesicht kommen. Ich paßte all die Jahre scharf auf. Keiner war es. Bleibt nür Michael Troyer.“ „Das ist reine Geschäftssache. Konkurrenz, verstehen Sie, Aristide.“ „Gräfin Jacqueline, habe ich nicht ein wenig Anrecht auf Ehrlichkeit? Benahm ich mich einmal daneben? Müssen Sie mich jetzt anlügen?“ „Nein, Aristide, ich— darüber kann man doch nicht sprechen, Aristide. Seien Sie mir nicht böse.“ „Danke, das genügt mir.“ Er küßte zart ihre Fingerspitzen.„Dagegen komme ich auch nicht auf. Er ist stärker als ich, mehr Persönlichkeit. Schade. Bleibt nur die Freundschaft, aber um die, Jacqueline, um die kämpfe ich mit jedem!“ Krampfhaft umschloß ihre Hand die seine. „Ihre Freundschaft macht mich glücklich, Aristide. Es gab eine Zeit, da lebte ich ganz allein, ohne Freunde, ohne einen Menschen. Ich hätte in meinem Atelier sterben können, es wäre niemandem aufgefallen.“ Sie sah ihn herzlich an.„Ich vermag Freundschaft zu schätzen, wie nichts auf der Welt. Ich danke Ihnen, Aristide.“ * Eine Woche, nachdem das Haus Jacqueline Lieven die Frühjahrs- und Sommermodelle gezeigt und Jakobe in entzückender Weise die Hausfrau gespielt hatte, flog sie wieder in die Heimat. Der Schloßbau von Lievenau war fertig, und das sollte mit einem kleinen Fest gefeiert werden. Herma hatte sich in aller Stille mit Frau Gertler trauen lassen, ein Grund mehr, sich dankbar und zufrieden zusammenzusetzen. „Weißt du, Renatus“, fand Jakobe, als sie neben dem Grafen vor dem neuen Haustrakt stand,„ich hätte große Lust, auch den Rest wieder aufzubauen. Es sicht doch irgendwie verstümmelt aus.“ „Nein, Kind, der Architekt hat seine Aufgabe sehr gut gelöst.“ (Fortsetzung folgt.) 3. Juli 1962 e HONNEFER VOLKSZEITUNG Ooppelte Ankuntt in Venedig : A u f g e z e i c h n e t v o n H E R M A N N L I N D E N. 13 2. Blatt Mit zwei Stunden Verspätung kam der Zug von Paris in Venedig an. Die Gondolieri, die auf André Larron zusprangen, ei sprachen nicht seiner Vorstellung. Mit ihren breiten, hohen, spitzen Hüten und ihren lan„Hotel Hungaria“, sagte Larron zug dien Peachon Ber Gerenslichen Behr. und Paläste aus dem gurgelnden Wasser. verharrten die beiden Begieiter, niedrigen, flachen Hause. Andre Larron jolika geschmückte Fassade, die einladende beiden Spiebbrhgen Hestürsten Pariser, der keinen Wicherstand waste, eine lange, gerade e Naurm, durch dessen einzige Penster, wericht be.. Andrt arron dermit Der Textilreisende Alldre Larten, Bicht i gmmetg, sondern hockte auf der ten Hotelzimmers, schaenn Hockte auf kalten Steinbank eines obekuren Heiterggngg Trübselig starrte er auf das Scha. geun## an den farblosen Wänden. Eine,au Mann, der hinter einer grünen Larve sein Bbubue un u ende uf Gesicht verbarg. Der Femde liche Situation bringen mußten, die wie Freiheitsberaubung aussicht, aber nur eine Anvorgehabt, im Café Florian mit Ihrer FreunAn dinieren.“.„, Ic, gusfertigen, und „Einen Scheck soil#r ausferugen, die Bagatelle von einer Million Lire, sieur Lafitte!“ Larron straffte sich. Mit lauter, entschlossener Stimme rief er:„Wieso reden Sie mich immer mit Monsieur Lafitte an, mein Herr? Mir scheint, ich bin das Opfer einer Verwechslung geworden! Ich heiße nicht Lafitte! Ich bin der Textilreisende André Larron aus Paris!“ Eine kurze Pause folgte diesen entschiedenen Worten. Einer der Männer deutete auf den Koffer Larrons, der in einer Ecke stand. Die Buchstaben A. L. leuchteten im Flackerschein der Pechfackeln. Der Mann mit der froschgrünen Larve trat dicht vor Larron hin. Er sagte mit möglichster Milde im Ton: „Monsieur Lafitte, lassen Sie doch die Komödie! Denken Sie nicht, uns bluffen zu können. Wir sind besser orientiert, als Sie glai ben! Sie sind der Bankier Alphonse Lafitte, auch wenn Sie sich hier als der Textilreisende André Larron ausgeben. Wo ist Ihr Schesksbuch!“ Hierauf rief Larron, während die Adern an seiner Stirn anschwollen:„Ich bin, ob es Ihnen paßt oder nicht, der Textilreisende André Larron, und demnach kann ich Ihnen keinen Scheck ausstellen, der von Bankier Lafitte unterzeichnet sein muß!“ Der Mann mit der Larve ließ jetzt die Maske fallen— die Maske der Höflichkeit. Er packte Larron am Rockaufschlag.„Ich sehe, Monsieur Lafitte“, zischte er,„daß man mit Ihnen anders reden muß! Hören Sie jetzt mein letztes Wort.“— Er winkte einem der Spitzbärtigen, der in seinen Kavaliermante griff und dem Anführer einen Hammer überreichte. Der Mann mit der Froschlarve trat an das Fenster und schlug das dicke Glas des Bullauges mit mehreren Schlägen ein. Sofort schoß Wasser durch die Luke.„Hören Si nun mein letztes Wort, Monsieur Lafitte“, schrie der Brigant jetzt mit schrecklicher Stimme.„Sie befinden sich hier am Ufer der Adria! Sollten Sie wieder zur Vernunft zurückfinden und bereit sein, als Bankier Lafitte den Scheck über eine Million Lire auszuschreiben, so klopfen Sie an die Tür, hinter der Benedetto warten wird! Sollte Ihnen aber Ihr Starrsinn wichtiger sein als Ihr Leben, so verenden Sie in Teufels Namen in dieser Zelle!“ Darauf verließen die drei Briganten den Raum. Blaugraues Wasser rauschte, plätscherte, stieg zusehends. Larron, der kein Lafitte werden konnte, auch wenn er es gewollt hätte, stellte sich auf die Bank. Seine Knie zitterten. Der Tod in seiner schimpflichten Form ebdlen km eerih. eemdenr u Da erreichte sein Ohr ein donnerndes Er ris die Augen auf, er griff mit den Armen um sich. Ein seltsames Klopfen erhielt sich hartnäckig. André Larron begriff. Er lag auf dem den elnen Roteldimumen. Er war wach. Er war aus dem Dert geiallen in seiner Todesangst. André Larron war zweimal in Venedig angekommen: einmal in Wirklichkeit und einmal im Traum. Einmal im weißlackierten Motorboot an glitzernden Lichterreihen vorbei— und einmal in schwarzer, kahler Gondel, von rotbärtigen Gaunern in die Falle ge Er stand auf, atmete tief und glücklich. Es gab keinen Bankier Lafitte, keinen Erpresser mit Froschlarve und keine falschen Gondolieri. Der Unsinn versank. Und doch wieder dieses Klopfen—— Larron verstand nun endlich auch die Stimme des Zimmerkellners: „Signor, sieben Uhr, sieben Uhr, Signor!“ „Danke, Anselmo!“ antwortete Larron. Dann öffnete er weit die Fensterflügel. Ein heißer Tag „Diese Hitze! Diese Hitze!“ stöhnte der berühmte Psychiater. Die Kapazität legte sich einen Eisbeutel mittlerer Größe auf die Denkerstirn. Da schellte das Telefon. Dr. Ziez griff nach dem Hörer. Ein zufriedenes Lächeln umspielte die sympathischen Züge des berühmten Mannes. Endlich hatte er erreicht, was er seit langem erreichen wollte. Bankkonto, Postschekkkonto, Fernsprecher und Wagen trugen ab sofort alle das gleiche Kennzeichen: Nr. 1111. „Hier Dr. Ziez.“ „Ist dort die Nervenheilanstalt? Ich will die Nervenheilanstalt!“ verlangte eine männliche Stimme. „Hier ist Dr. Ziez.“ „Ich will aber die Nervenheilanstalt! Geben Sie mir endlich die Nervenheilanstalt!“ schrie der Mann. „Immer mit der Ruhe, mein Lieber“, begütigte der Psychiater.„Ruhig durchatmen. Sie wollen...“ „Die Nervenheilanstalt! Sonst nichts. Wer ist denn dort?“ „Ich sagte es schon wiederholt“,— leichter Tadel lag in der Stimme der Kapazität—, „Sie Döskopp, was geht mich das an?“ klang es deutlich aus der Hörmuschel.„Wenn es dort zieht, machen Sie doch einfach Türen und Fenster zu!“ Lächerliche Kleinigkeiten Geräucherter Schinken. Die Reisenden des Eisenbahnzuges befinden sich im Speisewagen. Eine Dame wendet sich an den Kellner: „Ich möchte geräucherten Schinken!“ „Bedaure", erwiderte der andere,„aber wir haben keinen geräucherten Schinken mehr, seit die Strecke elektrifiziert wurde!“ Der Beweis. „Helga hat sich sehr ähnliche Photos machen lassen!“ „Woraus schließt du das?“ „Weil sie die Bilder keinem Menschen zeigt!“ Sie Wühteh Sie Wiesen! Am 8. Juli müssen Sie sich entscheiden! Auf der einen Seite eine tüchtige CDURegierung, der wir unseren Aufstieg nach dem Zusammenbruch verdanken. Auf der anderen Seite Parteien mit einer wetterwendischen Politik. Parteien, die den Erfolgen der CDU nichts entgegenzusetzen haben und darum an Einzelheiten herumnörgeln. Die CDU hat unser Land gut regiert. Nur von 1956 bis 1958 wurde die Arbeit unterbrochen. Damals hatten SPO und FDP die Regierung Karl Arnold gestürzt und ihre„Zweckehe“ geschlossen. Eine„Zweckehe“, vor der wir auch künftig nur sicher sind, wenn die CDU die regierungsfähige Mehrheit behält. Kann man heute die Reglerung einer SPO anvertrauen, die ihre paar bekannten Männer nach den Streitereien der Funktionäre ausgebootet hat? Was ist heute von einer FDP zu erwarten, der jede Kursänderung zuzutrauen ist? 905 SPD und FDP sind eben nicht regierungsfähig. Darum: am 8. Juli Cou! Jacqueline erccett PARIS ROMAN VON HERTA CARLSEN Presserechte: Lauxmann-Verlag, Rheine 1. W. 46. (Nachdruck verboten.) Darauf erwiderte Michael nichts. Es war nicht einfach gewesen, bis hierher zu, gelan: gen, nun wollte er sich nichts durch en#e vor„Sie erwähnten, Monoleur Flaubert, das Sie den Film„Der blaue Traum“ gesehen haben“, begann Troyer und man merkte ih nicht an, wie wenig er von dem Anruf M. dame Lievens begeistert war. Wo er hinkam, hörte er ihren Namen. Unlängst hielt man ihn sogar für einen Angestellten der berühmten Madame Lieven! Das fehlte ihm Es genügte ihm, Monsieur Rameau zwar al stillen, aber doch vorhandenen Gesellschafter zu besitzen. Unerträglich wäre ihm ein weib„Ja, Monsieur Trover, ich habe mir den Film dreimal hintereinander vorspielen 1: sen, ehe ich Sie zu mir bat. Sie wügden, sog fort erfassen, auf was es ankommt. Sie mit der Materie vertraut.“ Nun lächelte er ein wenig zynisch.„Aber Madame Li ist leider mit unserem Produktioneleiter traut, das zu übersehen kann icl Ihr nicht leisten. Ich sobald Madame Lieven mich verläßt.“ Die beiden Herren drüekten einander die Hände und Michael begab sich ziemli ärgert in das Atelier Kameau zurück. Er hatte sich daheim Schwierigkeiten gemacht, die ihn hier teten. Vor zehn Jahren schied er von dem damals schon alten Rameau, der in ihm so etwas wie einen Lieblingsschüler sah, und kam nun wieder voller Hoffnungen und fand ein völlig heruntergewirtschaftetes Atelier vor, dessen Kunden sich längst verlaufen hatten. Sein Plan, Großaufträge von Filmfirmen hereinzubekommen, wurde vielleicht heute nachmittag von dieser Jacqueline Lieven vereitelt, denn sie besaß etwas, über das er leider nicht verfügte: weiblichen Charme und wahrscheinlich auch weibliches Raffinement! Die aber, die beim Film ein Wort zu reden hatten, waren durchwegs Männer, die ihm auf das Können sahen— das brauchte er nicht zu scheuen— aber bei Madame Lie ven schauten sie... Seine Mundwinkel bogen sich abwärts... wahrscheinlich auf die weis der Teutel, ihm war dieses Frauenzimmer zuwider bis dort hinaus. Hatte Kunden genug, sollte die Finger vom Film lassen. Habgier nennt man so etwas! Ihm stand das Wasser bald an der Kehle, sie konnt gewiß ohne Massenaufträge leben! Nachmittags verhandelte Regisseur Flaubert mlt Jeiche. „Ich ließ mir schon einiges von dem künftigen Film erzählen und bringe Probeentwürfe mit“, erklärte sie, ehe sie die Mappe vor den erstaunten Regisseur hinlegte. Der wandte keinen Blick von ihr. So eine fehlte uns beim Film, dachte er. Ein sauberes, klares Gesicht. Wenn ich wüßte, wie sie sich photographieren läßt. Und jung ist sie obendrein. Ich erwartete eine gefärbte und geschminkte„noch junge' Person. „Ja, aber“, er sah huldigend in ihr schönes Gesicht,„ich erwartete eine bezaubernde Künstlerin“, log er, hingerissen von ihrem Anblick,„nun, das trifft ja auch zu, doch ich glaubte nicht, auch eine tüchtige Geschäftsfrau in Ihnen zu finden, Madame.“ „Ist das in Ihren Augen— ein Mangel?“ fragte sie lächelnd. „Oh, durchaus nicht, das heißt, ich werde trachten müssen, meine fünf Sinne beisammen zu halten, sonst bringt mich die Geschäftsfrau zur Strecke.“ Mit ruhiger Selbstverständlichkeit lenkte Jakobe die Aufmerksamkeit des Regisseurs von sich ab und der Arbeit zu. Er bemerkte es gar nicht, wie sehr er ihren Wünschen nachgab, aus dem Bestreben heraus, sich ihr angenehm zu machen. Zwei Stunden später hatten beide heiße Köpfe und waren schon mittendrin in der Arbeit. Die Zeichenkartons häuften sich und Jakobe verstand es, kaum ausgesprochenen Worten des Regisseurs Form zu geben. Sie malte die Bilder, die er dachte, sie fühlte die Farben, die er sich vorstellte. Der Diener brachte einen Imbiß herein, doch er stand nach Stunden noch unberührt da. Endlich lehnte sich Flaubert zufrieden und beinahe dankbar zurück. „Noch nie habe ich so gern gearbeiter wie mit Ihnen, Madame. Wir haben uns in dem Nachmittag, verzeihen Sie, Madame, es ist bereits Nacht geworden, mindestens drei Tage erspart. Ich glaube, Sie wissen jetzt so ziemlich Bescheid.“ „Ja, Monsieur. Uebermorgen hoffe ich, Ihnen schon die Gesamtkosten nennen zu können.“ Sie erhob sich.„Auch mir war die B 4 uness 18 3 .41 eg KONETER VOIE 4 Ton S Z EITUNG „Mütter-kochht Verbesser! Wenn junge Ehemänner quengeln.— Ein„Rezept“ zur Vernunft. Von TANJA IHIAU. O 16 „Ich weiß nicht“, sagt der junge Mann und wirft seine Serviette mit einer ärgerlichen Bewegung auf den Tisch,„meine Mutter hat alles anders gemacht. Nimm zum Beispiel den Salat. Früher habe ich nie gewußt, daß Salat wie Gras schmecken kann. Ich bin doch nicht auf der Weide, glaubst du etwa, ich wäre ein..?“ Und so weiter, und so weiter. Der Pudding ist nicht, wie er ihn zwanzig Jahre lang gewöhnt war, die Soße zu scharf und der Braten nicht gespickt! Seine Mutter hat dies so, seine Mutter hat jenes so gemacht! Selten nur bringt eine junge Frau es über sich, zur schwiegermütterlichen Rivalin zu gehen und sie zu bitten:„Zeig’ mir doch mal, wie du den Salat zubereitest. Und: Was ißt Werner denn am liebsten?“ Dabei wäre das genau das Richtige! Voraussetzung ist allerdings, daß man eine vernünftige und nicht die schon sprichwörtlich„böse“ Schwiegermutter hat. Die dann zu ihrem Sproß sagt:„Siehst du, hättste lieber die Helga vom Metzger geheiratet, die hätte wenigstens kochen können, und Geld wäre auch noch vorhanden gewesen!“ Aber wie gesagt, meistens kommt es gar nicht zu dieser Aussprache. Die junge Frau zieht in ihrem beleidigten Stolz vielmehr das Näschen kraus und murmelt wie ein WuduPriester eine Beschwörungsformel vor sich hin. Der Tag ist verloren, jedes Word wird auf die Waagschale gelegt, und sie freut sich, wenn sie ihm vielleicht jetzt auch irgendeins auswischen kann. Das Endergebnis ist eine saftige Verstimmung. Vielleicht überlegt sie sich zum ersten Mal:„Warum hast du ihn denn eigentlich geheiratet!“ Liebe, von der Mutter verzogene Ehemänner—(jawohl„verzogen“, ich wage es zu schreiben, denn was kann mir auf dem anonymen Papier schon geschehen?)—, habt doch ein wenig Nachsicht mit euren Frauen. Ueberlegt einmal, wie lange eure Mütter schon Hausfrauen sind, Zeit gehabt haben Salate, Braten und Soßen zuzubereiten, und wie oft wohl euer Vater über einen ähnlichen„Versager“ aus der Haut gefahren ist. Eure Mutter war meistens immer Hausfrau, denkt doch mal daran, wie anders es aussicht, wenn die eigene Gefährtin plötzlich auch im Beruf ihren„Mann steht“. Nein Niann, der Dajazzo Eine Studie über angesäuselte Ehemänner## Von SIBYLLE „Ich könnte ihn erschießen!“ murmelt die Gattin und saugt mit allen Anzeichen ohnmächtigen Zorns hektisch an ihrer Zigarette. Der, dem ihre unfreundlichen Gefühle gelten, sitzt ihr gegenüber am Tisch, voll des süßen Weines und singt mit Donnerstimme„Bei Sedan auf der Höhe“. Die übrigen Gäste sind bester Laune und amüsieren sich königlich über die Stimmungskanone.„Laß ihn doch!“ sagen sie gutmütig zu seiner besseren Hälfte, „er ist doch so drollig mit seinem Schwips!“ Aber die Gattin kann nichts Drolliges an am entdecken. Sie ärgert sich grün und blau über ihren Mann, der wieder einmal nicht weiß, wann er aufhören muß.„Bei Sedan auf ler Höhe“ ist sie übrigens schon öfter mit hm gewesen. Das singt er immer, wenn er „einen Schluck zuviel hat. Sie wirft ihm zornige Blicke zu und sitzt, wie man sagt, auf der Stimmung. Viele Ehefrauen„sitzen auf der Stimmung“, wenn es ans Feiern geht. Bei Betriebsausflügen und ähnlichen Geselligkeiten im großen Kreis kann man das immer wieder beobachten. Da demonstrieren die Ehepaare den unverheirateten Teilnehmern das tragikomische Schauspiel der männlichen Versklavung in der Ehe. Verbindungen, die allgemein für glücklich und ##rmonisch galten, entblößen ihre wunde elle. Da sieht man Frauen, die hinter ihren ännern hertrollen, wenn diese sich einmal r ein Stündchen der hübschen Sekretärin hres Kgllegen widmen. Andere drängen pauenlos auf zeitige Heimkehr, erinnern ihren lann an die Kinderchen daheim oder pochen " Arbeit Freude.“ Er empfand ihre Worte wie ein unverdientes Geschenk. „Nun erlauben Sie mir aber noch, Sie einzuladen. Ins„Ambassador’, falls es Ihnen angenehm ist?“ Kannte er ihre Vorliebe für dlieses Hotel? Jakobe nahm die Einladung an. Sie aß mit dem Regisseur in der Bar, da sie dort auch Baron Duval treffen und ihm die angenehme Nachricht vom Gelingen seines Planes bringen konnte. Flaubert bemühte sich in der reizendsten leise um Jakobe und bewunderte vor allem ire Sicherheit für jedes Jahrhundert soleich die wichtigsten Modemerkmale zu ue und isie mit wenigen Strichen festlten, Seine Art, sie zu unterhalten, gefiel welt besser als die seines Chefs. Er war nau so wie sie von seiner Arbeit erfüllt nd sprach in amüsanter Art darüber. Während seines Lobes dachts Jakobe inkbar an Renatus Lieven. Wäre sie ohne so sicher? Vergißt man Schulwissen nicht h, sobald man keine Gelegenheit mehr st, es auch anzuwenden? ät trennten sich die beiden, und erst am isten Tag, kurz ehe Regisseur Flaubert lie Kantine zum Essen ging, entsann er seines Versprechens, Michael Troyer zu tändigen. Mit einem ungemütlichen Empen rief er ihn an. eider, Monsieur Troyer, es ging nicht anMadame Lieven ist nicht unbegabt. Ich sie beim besten Willen nicht ablehine Schwferigkeiten dafür zu ernten. stehen!“ de noch ein paar höfliche Redens1, ehe er erleichtert abhing. Fel verstand sehr gut. Madame LieVen eine Frau— und wie man ihr eine sehr charmante und hübsche d noch jung, wahrscheinlich also haltene Vierzigerin— und der Reauf seine Ritterlichkeit, indem sie Kopfschmerzen vortäuschen. Dies Verhalten erklärt die weitverbreitete Neigung der Männer zum Feiern ohne Ehefrauen. Es wird von den Herren mit einem einzigen Wort abgetan: Eifersucht. Diese Erklärung ist jedoch zu sehr vereinfacht. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man mit einigen Matronen beisammensitzt, auf dem toten Gleis sozusagen, während der Mann irgendeine flotte Dame hoflert. Bei einer intakten Ehe braucht einen so etwas aber nicht gleich aus der Fassung zu bringen. Außerdem kann die Ehefrau mit ein bißschen Mut zu einigen Schnäpsen und mit dem Vorsatz, sich auch ihrerseits zu amüsieren, ebenfalls ein bißchen flirten. Das hebt auch ihre Stimmung und würde sie viel gelassener machen, wenn ihr Angetrauter sie einmal eine Weile allein ließe. Aber die Eifersucht allein ist es eben nicht. Jede Frau muß mit ihrem Mann nach Hause. Nur sie weiß, was ihr dann bevorsteht. Nur sie kennt seinen empfindlichen Magen, seinen Brummschädel und seine Katerstimmung. Sie hat die Last mit ihm. Und noch ein Motin treibt sie, ihren Mann mit dem berühmten „Mein Mann dankt“ am Trinken zu hindern: Sie möchte nicht, daß er sich würdelos oder lächerlich benimmt. Er soll nicht den Bajazze spielen für die anderen. Es sind nicht unbedingt die schlechtesten Ehefrauen, die es ihrer Liebe nicht zumuten mögen, ihren Mannsinnlos betrunken zu schen. Dieser Anblick, zu oft genossen, kann eine Liebe kaputtmachen. gisseur konnte als Mann soviel Reizen nicht widerstehen. Seufzend wandte er sich der Winterkollektion wieder zu, auf die allein er alle Hoffnungen setzen mußte. * Auch Michael Troyer machte in Paris seinen Weg. Jakobe beobachtete ihn genau, wenn sie auch so tat, als interessiere sie der Klatsch über den neuen Kollegen nicht im geringsten. Aber er flackerte auch ohne ihr Interesse immer wieder auf, besonders dann, wenn eine Kundin sich zu Troyer wandte. Dann lächelte die Direktrice spöttisch, und die Nähmädchen steckten die Köpfe zusammen und meinten:„Na, ja, der Troyer ist eben ein Mann. Er hat es ihr angetan. Ob sie ihm auch gestehen wird, daß sie eine schiefe Hüfte hat? Oder muß er erst alleine daraufkommen?“ Selten genug wurde eine Kundin untreu, und nicht zuletzt lag der Grund darin, daß sie zu Madame Lieven mit ihren Sorgen und ihren Zweifeln an sich selbst kommen konnten, während sie einem Manné wie Michael Troyer unbedingt imponieren wollten. Bei Jakobe fühlten sie sich aufgehoben wie in den Händen einer Mutter, während sie bei Michael Troyer keine Sekunde vergaßen, dass er ein Mann war, und welch ein Mann! Michael erfuhr durch einen Zufall, daß eine Filmgesellschaft einen historischen Film zu drehen beabsichtige, und bemühte sich sofort, den Auftrag für die Kostüme zu erhalten. Man zeigte sich durchaus nicht abgeneigt. Zwei Tage später erhielt Jakobe ihn, und nur deshalb, weil Regisseur Flaubert seinem Kollegen telephonisch mitteilte, daß es für historische Kostüme nur einen Menschen in Paris gäbe, und das sei Madame Jacqueline Lieven. „Soviel Einfühlungsvermögen wie diese Frau bringt ein Mann niemals auf“, erklärte Beides können nur die wenigsten auf Anhieb gleich gut beherrschen. Erkennt doch einmal die Arbeit eurer Frauen an! Lobt sie einmal, selbst dann, wenn Ihr glaubt, es handle sich um Selbstverständlichkeiten. Durch eure Aufmerksamkeit beglückt, wird sie nun versuchen, öfters euer Lob zu erringen, und die häßlichen kleinen Streitereien bleiben aus. Selbst wenn ein Gericht nicht ganz so schmackhaft ist, quält euch ein Kompliment ab. Wer weiß, wie lange die Gute am Kochtopf gestanden hat. Oder helft ganz einfach mal mit. Bindet euch ein großes weißes Handtuch um den Bauch und sagt:„Nun wollen wir mal gemeinsam... Mir würde es mal riesig Spaß machen, mitzuhelfen!“ Auf der Stelle hat sie eine andere Einstellung zu euch. Sie wird glauben, nun da Ihr selbst einmal„hineingerochen“ habt, verstündet Ihr ihre Kümmernisse sehr viel besser. Falls Ihnen das, lieber verhätschelter Ehemann, etwas zu anstrengend sein sollte, wählen Sie ein einfacheres Mittel: Kaufen Sie Ihrer Gattin ein feines Kochbuch. Es gibt reizende Büchlein, mit Zeichnungen und humorvollen Abhandlungen, bei denen das Anschauen schon Freude bereitet. Ihre Frau wird dann sehen, daß Sie ihre Arbeit ernst nehmen und ihre persönliche Ehre dreinsetzen, noch besser zu kochen als die Schwiegermutter. Und damit wäre das leidige Problem aus der Welt geschafft. Sonnenbad nur für Gesunde. Nervöse sollten nur mit allergrößter Vorsicht Sonnenbaden. Bei ihnen sind anschlieBende Appetitlosigkeit, Entzündung der Augenlider, Augenflimmern die erstbesten Anzeichen, daß man es an genügend Umsicht fehlen ließ, wenn man sich, um„braun“ zu werden, der allzu starken Sonnenbestrahlung aussetzte. Herzkranke, Leberleidende und Lungenkranke gehören gar nicht in ein ausgesprochenes Sonnenbad. Für sie ist das Luftbad viel wichtiger. Auf jeden Fall sollten sie den Arzt fragen. Allerhöchste Genehmigung... nämlich die des Präsidenten Kennedy, erhielt ein neu geschaffener Posten in der amerikanischen Armee: Modeberaterin für die Frauen der in Europa stationierten US-Offiziere. In einer Pariser Zeitung... gab ein Ehepaar die Geburt ihres siebten Kindes bekannt und zwar mit dem Zusatz: „Immer noch hocherfreut!“ Blinde Wut. Eifersüchtig war Georges Lescure in Hautefort(DordognefFrankreich), weil seine Frau am Briefkasten immer mit dem Postboten plauderte. Voller Wut riß Georges den Briefkasten ab und warf ihn in die Gosse. Dafür mußte er 160 Mark Strafe zahlen. Der Briefkasten kommt wieder an seinen alten Platz. er dem Kollegen.„Du hast mit ihr halbe Arbeit. Sie ist Künstlerin bis in die Fingerspitzen, aber ohne Eigensinn, der oft die Nerven auf härteste Proben stellt.“ Das war der zweite große Auftrag, den Jakobe ihm vor der Nase wegschnappte. Die beiden kleinen wollte Michael gar nicht rechnen, die dazwischen lagen und die er als bloßen Zufall wertete. Er kam auf die absonderlichsten Ideen. Was ihm noch vor Jahresfrist nicht eingefallen wäre, tat er nun. Er half dem Zufall ein wenig nach und lernte eine Angestellte aus dem Atelier Lieven kennen. Er war sehr nett zu ihr, was ihm nicht weiter schwer flel, da Angéle reizend aussah. Aber sie hielt dicht. Sie sprach nicht über die Frühjahrskollektion und äußerte überhaupt nichts über ihre Arbeit. Als er ein wenig deutlicher wurde, ließ sie ihn glatt abfallen. „Wir gehen für Madame Lieven durchs Feuer“, erklärte sie spöttisch.„Falls Sie sich aber für Madame interessieren: sie ist öfters abends in der Ambassador-Bar. Trachten Sie doch, Madame selbst kennenzulernen. Sie kann Ihnen alles sagen, was Sie anscheinend so gern wissen möchten, Monsieur. Wahrscheinlich gehen auch Sie dann für Madame durchs Feuer. Sie wären nicht der erste, Monsieur.“ Michael schämte sich vor dem Mädchen. Erst, da er sich durchschaut sah, erkannte er, auf welchem Wege er sich soeben befand. Seiner gesellschaftlichen Routine gelang es wohl, Angéle zu beruhigen. Es wurde ein netter Abend, aber Michael ging danach die Nacht in seinem Schlafzimmer auf und ab. Die Frauen hatten in seinem Leben immer eine merkwürdige Rolle gespielt. Nie fand er die richtige Partnerin. Oft war er leichtsinnig mit ihnen umgegangen— leichtsinnig auch mit der Liebe. (Fortsetzung folgt.) Wns WE Ke Fn Siien We Wetinn Artinersel „Aus dem kullurellen Leben unserer Stadt nicht wegzudenken“ Konzert des Hohner-Orchesters ein musikalisches Ereignis.- Ehrung für Reinhard Weber. Bad Honnef, den 3. Juli. Zu einem sensationellen Erfolg wurde das Gastspiel des Hohnerorchesters im Kursaal, das der Höhepunkt der Feiern zum 10jährigen Bestehen der Honnefer„Cantulianer“ war. Eine verdiente Ehrung wurde an diesem Abend auch Cantulianer-Dirigent Reinhard Weber zuteil: Bezirksleiter Königsfeld zeichnete ihn und die Geschwister Mesenholl mit der Silbernadel des Bezirks aus. Kreistagsabgeordneter Hummes überreichte den Geehrten Blumenangebinde. Ihm dankte Bezirksleiter Königsfeld für die glänzende Organisation des Bezirkstreffens. Die Cantulianer während des Jubelfestes. Poto: HIVZ Der Kursaal vermochte beim Konzert die Gäste kaum zu fassen. Unter ihnen konnte Kreistagsabgeordneter Hummes u. a. auck: Bürgermeister Weidenbach, der die Schirmherrschaft über das Fest übernommen hatte, stellv. Bürgermeister Westhoven, Stadtdirektor Schloemer, Kurdirektor Salfner, mehrere Ratsmitglieder und zahlreiche Vereinsabordnungen begrüßen. Hummes dankte allen, die im vergangenen Jahrzehnt die Cantulianer gefördert hätten. Bürgermeister Weidenbach überbrachte der Jubelvereinigung die Grüße und Glückwünsche des Rates.„Die Cantulianer“, so betonte das Stadtoberhaupt,„sind aus dem kulturellen Leben unserer Stadt nicht mehr wegzudenken.“ In der Pause dankte Bürgermeister Weidenbach dem Orchester aus Trossingen für den seltenen Kunstgenuß, den es den Konzertbesuchern schenke. Dem Dirigenten und Komponisten Würthner überGefangenenchor aus„Nabucco“ begeisterle 94. Stiftungsfest des Männergesangvereins Rhöndorf. A K 1 F K Der Rhöndorfer Männergesangverein beim 94. Stiftungsfest. Foto: IIVZ Vordergrund. Karl Kerenthaler brachte eine Bearbeitung von„La Campanella“(Paganini) zum Vortrag. Erstaunliche Fingerfertigkeit stand in wahrem Einklang mit musikalischer Reife. Der Solist Günther Wertz bewies seine Technik auf der Chromonika durch die Zigeunerweise von Sarasate. Die„Ungarische Rhapsodie“ von Franz Liszt war ein weiterer Höhepunkt, der stürmischen Beifall aufrauschen ließ. reichte er ein Gemälde eines Honnefer Kunstmalers. Das Hohner-Orchester begann die Reihe seiner Darbietungen mit einer Fantasie von Ludwig Stiel. Sehr geschickt in der Registrierung und genau in der Rhythmik lieferten die Musiker schon einen Beweis ihres Könnens. Eine abgerundete Leistung zeigte Kurt Gelück in dem Konzert für Cembalet und Orchester von K. H. Graun. In seiner barocken, anmutigen Spielfreude war es doch ein Werk romantischen Charakters, wie das ganze Programm aus Werken der Spätromantik zusammengestellt war. Dynamisch differenziert bot das Orchester die Vagabundenmusik von Hans Sachsse. Waren die Leistungen im ersten Teil des Programms schon beachtlich, so steigerte sich das Orchester nach der Pause noch mehr. Hier standen die solistischen Darbietungen im Für das Stiftungsfest hatte der MGV Rhöndorf ein ansprechendes Programm zusammengestellt, zu dem er selbst unter Leitung seines Dirigenten Kurt Flocke zwei nette Tanzlieder beisteuerte. Auch der Kirchenchor Rhöndorf, der von Willi Offermann geleitet wird, trug einige Lieder vor. Eine besondere Ehrung bereitete der Männergesangverein Rhöndorf dem Kirchenchor, der zum zehnten Male hintereinander an einem Stiftungsfest der Rhöndorfer Sänger teilnahm. Siegreiche Selhofer Schützen. Die Selhofer Hubertus-Schützen haben nun die Hälfte ihrer auswärtigen Schützenfeste mit Erfolg besucht: Rüngsdorf: 1. Ehrenpreis Jugend: Kurth Hans, 2. Ehrenpreis Jugend: Rottländer H. Jos., 1. Wertpreis: Rosenblühe, 5 Wertpreise: für Mannschaft, 1. und 3. Serienpreis: Kurth Hans; Niederbachem: 2. Ehrenpreis: Gilbert Peter, 3. und 8. Wertpreis: Rottländer H. Jos., 6. Wertpreis: Rottländer Jos.; Küdinghoven: Den Wanderpreis zum zweitenmal errungen und zwar im 50 m KK-Schießen, 1. Wertpreis(KK) Rottländer Jos., 2. Wertpreis (KK) Bott Hans, 6. Wertpreis(KK) Winterscheid Joh., 8. Wertpreis(KK) Kliesing Jos., 4. Serienpreis: Bott Hans, 5. Serienpreis: Schraaf Albert; Bonn-Tannenbusch: 1. Ehrenpreis: Rechmann Wilh., 2. Ehrenpreis Jugend: Fernsehbericht „Menschen in unserem Land“ Mittwoch, den 4. Juli, um 19.05 Uhr im 1. Programm WDR Köln Ministerkritik am Bahnhofsvorplatz Rhöndorf. Hanglinie im Raum Oberkassell Oberdollendorf. Vorwürfe gegen die Stadt Bad Honnef erhob Bundesverkehrsminister Seebohm gestern bei einer Besichtigung des Bahnhofsvorplatzes in Rhöndorf. Im jetzigen Zustanc sei der Platz keine gute Visitenkarte fü Rhöndorf. Land, Landschaftsverband un Bund hätten sich beim Bau der Straße und Unterführung mit den Plänen der Stadt Bad Honnef abgestimmt und die Bereinigung des Wer die Ferien will genießen, braucht im Ausland stets Devisen. Klug im Inland sich erweist, wer mit Reisescheck verreist! Alle Reisezahlungsmittel erhalten Sie bei Ihrer Die Menschen prägen das Gesicht der Landschaft zwischen Rhein und Weser. Wenn Plum Heinz, 1. Ehrenpreis Mannschaft: Rosenblühe Matth.; Lannesdorf: 1. Ehrenpreis Altersklasse: Wendeler Theo, 1. Ehrenpreis Schützen: Gilbert H. Jos., 1. Ehrenpreis Jugend: Schneider Hans, 1. Serienpreis: Schneider, 2. Serienpreis: Reusch, 3. Serienpreis: Wendeler, 4. Serienpreis: Rottländer H. Jos., 2. und 3. Geldpreis: Schneider Hans; Limperich: 2 Pokale: für Mannschaft, 2 Pokale: Rosenblühe Matthias. Das vielseitige Geldinstitut Vorplatzes abgesprochen. Man habe sich bereit erklärt, Ersatzwohnungen für die StraBenverdrängten zu bauen und sei sogar bereit gewesen, zuerst einmal die Betroffenen provisorisch unterzübringen, bis die Ersatzwohnungen fertig seien. Esärgere ihn, meinte Seebohm, daß der Platz nicht jene Form erhalten habe, die in der Planung vorgesehen gewesen sei. Als schwierig bezeichnete Seebohm den Abbruch der Wohnhäuser am Rande des Platzes. Seit zwei Jahren würde um eine vernünftige Lösung gekämpft. Er vermisse dabei aber die Unterstützung der Stadt Bad Honnef. Ein letztes Schreiben an die Stadt sei seit vier Monaten keiner Antwort gewürdigt worden. Er lege größten Wert darauf, daß die häßliche Häusergruppe verschwinde und der Blick zur Stadt und dem Berg freigemacht werde. Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm hat gestern bei der Besichtigung der Umgehungsstraße weiter entschieden, daß die geplante vierspurige Bundesstraße 42 im Raum Oberkassel Oberdollendorf über die Hänge der Gebirgsausläufer geführt wird und damit nicht im Rheintal verläuft. Landesrat Meyer von der Straßenbauverwaltung des Landschaftsverbandes Rheinland erklärte, daß allein die Planungen für die Hangführung der B 42 mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen werden. Die Kosten werden auf 30 bis 32 Millionen Mark gegenüber 18 Millionen Mark bei einer Führung durch das Rheintal geschätzt. Minister Dr. Seebohm teilte mit, daß die Straße vom Steinchen bis zur Abfahrt an der Siebengebirgsstraße in Königswinter hinter dem Bahnhof der Petersbergbahn bis zum September dem Verkehr übergeben werde. In einem weiteren Bauabschnitt soll dann die Siebengebirgsbrücke gebaut werden, die sowohl die Bundesbahn wie die Autoschnellstraße überbrückt. Durch die Verlegung der Trasse bei Oberkassel und Oberdollendorf in den mittleren Hang werde sich der Weiterbau der Straße um drei Jahre verzögern. Kühn für Gesprüch CDU—SPD Wahlversummlung der SPO Honnef im Kursaal. Heinz Kühn, der Spitzenkandidat der SPD bei der kommenden Landtagswahl, sprach am vergangenen Samstag im Saal des Kurhauses zur Landtagswahl. Er setzte sich in erster Linie mit der CDU, der großen Rivalin der SPD, und den Erfolgen bzw. Mißerfolgen der bisherigen Landesregierung auseinander. Er beleuchtete unter Vermeidung jeder Schärfe kritisch die nun zu Ende gehende Legislaturperiode. Der Jägerchor aus dem„Freischütz“ und der Gefangenenchor aus der Oper„Nabucco“ waren die gesanglichen Höhepunkte des 94. Stiftungsfestes, das der Männergesangverein Rhöndorf am Wochenende im Rhöndorfer Hof feierte. Dargeboten wurden die beiden Chöre vom MGV Ittenbach und vom MGV Aegidienberg unter Stabführung von Chorleiter Sutor. Vorsitzender Kirwald überreichte als Dank für diese Treue Chorleiter Offermann ein Chorwerk. Neben den Mitgliedern, Sängern und ihren Familien hatte Vorsitzender Hubert Kirwald eingangs die Gastchöre, den Männergesangverein Ittenbach, den MGV Liederkranz Aegidienberg, den Kirchenchor der Pfarrgemeinde Rhöndorf, das Ehrenmitglied Franz Xaver Merk und stellverträtenden Bürgermeister Siegfried Westhoyen willkommen heißen können. e 7 Kühn vertrat die Meinung, daß die innenunnd außenpolitische Entwicklung der letzten Zeit in der CDU Spannungen und Nervosität eerzeugt habe, zumal das hohe Alter des KanzJers die Frage nach seinem Nachfolger immer brennender habe werden lassen, ohne daß sich eine Lösung dieser Frage zeige. Das habe eine weit um sich greifende Unsicherheit innerhalb der CDU und besonders an ihrer Spitze zur Folge gehabt, die sich sowohl in der Außenpolitik wie innenpolitisch stark fühlbar mache. Dazu komme die unzuverlässige Haltung des Koalitionspartners, der FDP, die sich ja auch in ihrer Stellungnahme zur Fibag-Affäre erwiesen habe. Kühn schloß seinen Vortrag mit der Bemerkung, daß für die SPD die FUP keine Koalitionspartei sein könne, weil ele vom Großkapital unterstützt werde, daß aber auch eine Alleinregierung der EDU zu einem nationalen Unglück führen müsse. Die absolute Mehrheit Habe die CDU bereits verloren. Sie sei daher zu einer Koalition gezwungen. Er halte eine Annäherung, ein Gespräch verständnisvoller Auseinandersetzung zwischen CDU und SPO nicht nur für möglich, sondern für entscheidend wichtig im Interesse des ganzen Landes. Mit Nachdruck stellte Kühn fest, daß das Christentum kein Alleinbesitz einer einzelnen Partei sein könne. Alle Parteien seien christlich gehalten. Ihre Unterscheidungen lägen lediglich auf politischem und sozialem Gebiet. In allen Parteien gebe es gute und auch zahlreiche schlechte Christen.„Wir würden, auch wenn wir dazu in die Lage kommen sollten, die Schulgesetze nicht ändern. Verhindern aber wollen wir eine einseitige Bevorzugung bestimmter christlicher Bekenntnisse.“ Als Ursache der„uns bedrohenden Wirtschaftskatastrophe“, bezeichnete Kühn das Fehlen einer bewußten Energie-Politik, die z. B. im Bergbau bereits zu verhängnisvollen Störungen des Arbeitsfriedens geführt hat. Auch der immer lauter werdende Ruf nach einer energisch durchzuführenden Gesundheitspolitik habe bisher den CDU-Ministerpräsidenten Meyers nicht zum tatkräftigen Eingreifen aufgestört. Dabei sei nicht abzusehen, welche Schäden das besonders durch die Industrie verseuchte Wasser und die durch ihre Abgase verpestete Luft an GesuntheitsFrau Wwe. Bauer, Selhoker Straße 24, wurde dieser Tage 96 Jahre alt. Sie ist die älteste Selhofer Einwohnerin. —— h— — K 0 K schädigungen verursacht. Auch das Wohnungsbauprogramm der Landesregierung kritisierte Kühn scharf. Im Verhältnis zu dem Jahreseinkommen des Landes von 8½ Milliarden und zu der im Land Nordrhein-Westfalen trotz gegenteiliger Behauptung der Landesregierung bestehenden erheblichen Wohnungsnot habe die Landesregierung hier versagt. Es fehlten immerhin noch etwa 500000 Wohnungen. Mangelnde Energie warf Kühn der CDU-Regierung auch in der Versorgung des Schulwesens vor.„Wir müssen uns darüber klar sein“, sagte der Redner,„daß die Existenz des deutschen Volkes von der Mobilisierung der Intelligenz und der Talente abhängt.“ Nach Kühn nahm der für den Siegkreis aufgestellte SPO-Kandidat Oberregierungsrat Dieter Deneke kurz Stellung zu aktuellen Fragen und unterstrich die Ausführungen Kühns. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bad Honnef, Gottfried Lüning, wies zum Schluß auf„Auswirkungen der Regierungsversäumnisse in unserer Stadt“ hin: auf die Wohnungsnot und auf das Krankenhausproblem. Das seien„zwei Notstände, die nur durch die Hilfe des Landes beseitigt werden können“...L. Mit dem Lustspiel„Mal drunter— mal drüber“ tritt Dänemarks vielbelachtes Komiker-As Boyd Bachmann, durch das Fernsehen bereits populär geworden, als kleiner Mann in tausend grotesken Nöten auf. Der von Helmut Weiss inszenierte und von Michael Jary musikalisch betreute Film, der ab heute im AtriumTheater gezeigt wird, nennt als weitere Besetzung Susanne Cramer, Mara Lane, Gardy Granass, Jan Gendriks, Hans Nielsen, Lucie Englisch, Werner Fink, Günther Lüders und Barbara Valentin. „Sein Freund, der Lederstrumpf“ heißt der Wildwestfilm, der ab heute im Capitol-Theater läuft. Bilanz eines erfolgreichen Fußballjahres Mox Paul Linder neuer Vorsitzender des HFV.- Vor großen Aufgaben. Der ungünstige Zeitpunkt mag der Hauptgrund dafür gewesen sein, daß die diesjährige Generalversammlung des Honnefer Fußballvereins nicht so zahlreich besucht war wie in früheren Jahren. Immerhin konnte der Vorsitzende Alfons Gilgen im Vereinslokal„Lindenhof“ rund 50 Mitglieder begrüßen. In seinem Bericht betonte der Vorsitzende, daß die positive Entwicklung des Vereins im letzten Jahr nicht zuletzt auf die gute Vereinsarbeit zurückzuführen sei. Sein besonderer Dank galt daher den Mitgliedern des Vorstandes, die sich aufopfernd für den Verein eingesetzt hatten. Geschäftsführer Budde berichtete ausführlich über das Spielgeschehen in der abgelaufenen Saison und stellte zufrieden fest, daß der Verein zwar nicht zahlenmäßig, aber leistungsmäßig weiterhin mit an der Spitze der Fußballer des Siegkreises steht. Der HFV sei besonders stolz auf seine erste Mannschaft, die nach einjähriger Abwesenheit aus der Bezirksklasse wieder in die höhere Klasse aufstieg. Kameradschaft und Einsatz eines jeden Spielers trugen zu diesem stolzen Erfolg bei. Die weiteren Berichte bestätigten die allgemeine gute Jahresarbeit. Beim Nachwuchs schnitt die-Jugend unter der Leitung von Willi Bärhausen bei den Meisterschaftsspielen am besten ab. Nach dem Bericht der Kassenrevisoren, der die gesunde wirtschaftliche Lage des Vereins deutlich machte, wurde dem Gesamtvorstand mit dem Ausdruck des Dankes die erbetene Entlastung erteilt. Nachdem sich der bisherige 1. Vorsitzende Alfons Gilgen und der 2. Vorsitzende Heinrich Schönenbach aus beruflichen Gründen nicht zur Wiederwahl stellten, wurde von der Versammlung folgender neuer Vorstand gewählt: Als neuer 1. Vorsitzender fungiert nunmehr Max Paul Linder, 2. Vorsitzender wurde Rolf Braun. Das Amt eines Geschäftsführers nimmt Karl Ockenfels wahr. In ihren Aemtern verbleiben für das nächste Spieljahr: Hans Lindlahr(Kassierer) und Rudolf Budde(Pressewart), während für weitere wichtige Positionen gewählt wurden: 2. Kassierer: Helmut Kloß, Spielausschußmitglieder: Moser und Kolfenbach, Kassenprüfer: Gilgen und Karl Braun. Einen guten Zusammenklang gab es auch in der Wahl der Mitarbeiter für die Jugendabteilung. Jugendleiter wurde Rudolf Budde. Ihm stehen als Mannschaftsbetreuer zur Seite: Willi Bärhausen, Josef Schumacher und Manfred Stumpf. Von dem einmütigen Vertrauen aller Mitglieder getragen, sollte es dem neuen Vorstand nicht allzu schwer fallen, die ihm für die Spielzeit 1962/63 gestellten umfangreichen Aufgaben zu lösen. Rudolf Budde SEM Bonn.(Rabiater Motorradfahrer.) Aerger bereitete ein 27jähriger Mann einer Funkstreife in der Münsterstraße. Der Mann war den Beamten aufgefallen, weil er in vermeintlich betrunkenem Zustand auf seinem Motorrad fuhr. Als sie den Zick-Zack-Fahrer anhalten wollten, sah er rot: er ignorierte die Haltezeichen und fuhr mit Schwung auf den zweiten Polizeibeamten zu, der sich vor dem Ueberfahrenwerden nur durch einen beherzten Sprung zur Seite retten konnte. Bei diesem Manöver kam der Fahrer zu Fall und wurde festgenommen. Aber auch dabei gebärdete er sich als wilder Mann und schlug um sich. Auf der Wache schließlich wurde festgestellt, daß er das Motorrad gestohlen und mit einem anderen, bereits aus dem Verkehr gezogenen Kennzeichen versehen hatte. eee Geführlicher Italiener schoß im Polizei-Auto. Düsseldorf. Einen gefährlichen Fahrgast hatten zwei Polizeibeamte auf der Fahrt von Neviges zum Flughafen Düsseldorf. Der Mann, ein 27jähriger Italiener, der wegen eines in Italien verübten Raubüberfalls in seine Heimat zurückgebracht werden sollte, zog plötzlich eine Pistole und schoß. Der erste Schuß blieb in der Rückenlehne des Sitzes stecken, ein zweiter Schuß ging in die Windschutzscheibe. Der Italiener, der in seiner Heimat noch über drei Jahre Gefnägnis abzusitzen hat, wird nun wegen versuchten Mordes vor ein deutsches Gericht gestellt werden. Er war in einem Walzwerk in Neviges beschäftigt. Autoschmüggler verhaftet. Düsseldorf. Eine internationale Autoschmuglerbande ist in Wien und Düsseldorf zerschlagen worden. In der österreichischen Hauptstadt wurden zwei Mitglieder der Bande verhaftet, in Düsseldorf wurden mehrere andere Bandenangehörige festgenommen. Die Bande schmuggelte im Rheinland gestohlene Autos nach Wien und brachte sie dort auf den Markt. Zwei Wagen wurden auch nach Ungarn verkauft. Die Motor- und Fahrgestellnummern der gestohlenen Autos wurden in einer eigenen Werkstätte in Deutschland verändert. Dann wurden die Autos mit dem Nummernschild eines gemieteten Leihwagens nach Oesterreich gebracht. Millionenraub kommt vor Gericht. Drei Franzosen überfielen Düsseldorfer Juweliergeschäft. Düsseldorf, 3. Juli.(dpa) Der Düsseldorfer Millionenraub vom November vergangenen Jahres findet jetzt sein gerichtliches Nachspiel. Wegen Mordversuchs und Raubes müssen sich die französischen Staatsbürger Jean Charles Bruch, Jacob Cohen und Claude Margueritat sowie der staatenlose Gabriel Reich vom 9. bis 11. Juli vor dem Düsseldorfer Schwurgericht verantworten. Am Vormittag des 24. November 1961 überfielen die maskierten, mit Maschinenpistolen und Pistolen bewaffneten Banditen Bruch, Cohen und Margueritat ein Juweliergeschäft auf der Düsseldorfer Königsallee. Reich wartete mit einem gestohlenen Wagen vor dem Geschäft. Mit Feuerstößen aus der Maschinenpistole, wobei ein Passant verletzt wurde, schüchterte Margueritat Passanten und das Geschäftspersonal ein. Bruch und Cohen raubten dann aus einer Dekoration Juwelen und Schmuck im Werte, von vier Millionen Mark. Eine Angestellte konnte aber unbemerkt den Alarmknopf drücken. Von Funktaxis und Polizeistreifenwagen wurden die Räuber schon nach Minuten in dem Nachtlokal „Elysee“ eingekreist. Als die Polizei in das Lokal eindrang, lagen auf der Bar Pistolen und Maschinenpistolen. Die verdutzten Banditen kamen mit dem Ruf„Nicht schießen!“ einer nach dem anderen bald die Wendeltreppe aus dem Keller rherauf. Knapp eine halbe(Stunde nacht dem Ueberfall saßen alle, einschließlich des wegen Begünstigung mitangeklagten Nachtlokalbesitzers Michel Chumez, hinter Schloß und Riegel. Mutters Boxhieb truf Justizwuchtmeisters Auge. Duisburg. Turbulent ging es im Quisburger Schwurgerichtssaal zu, als ein wegen Diebstahls zu mehreren Jahren Jugendstrafe verurteilter jugendlicher Ukrainer abgeführt werden sollte. Die Eltern versuchten, ihren Sprößling zu befreien, wobei die Mutter mit einem Boxhieb das Auge eines Justizwachtmeisters traf. Auch als ein zweiter Wachtmeister und ein Staatsanwalt in das Handgemenge eingriffen, dauerte es noch Minuten, ehe der Kampf zugunsten der Justiz entschieden war. i Neues Aunallen Wel Lüneburger Fliegerhorstes erschoß ein Bundeswehrposten während des Wachdienstes aus Versehen seinen Kameraden. Einzelheiten des Unfalls wurden noch nicht bekannt. Radfahren wird wieder beliebter. Bad Soden, 3. Juli.(dpa) Das Radfahren wird wieder beliebter. Wie der Verband der Fahrrad- und Motorradindustrie mitteilte, hat der Absatz von Fahrrädern im Jahre 1961 mit mehr als 1,4 Millionen einen neuen Höchststand erreicht. Seit 1957, als er weniger als eine Million Räder betrug, ist er ständig gestiegen. Insgesamt wurden in den letzten fünf Jahren 6,2 Millionen Fahrräder verkauft. Der Verband habe in großen Industriebetrieben festgestellt, daß der Weg zur Arbeitsstelle häufiger als vorher„strampelnd“ zurückgelegt werde. Düsenjäger bei Allend abgeherkl Altena, 3. Juli.(dpa) Ein belgischer Düsenjäger stürzte am Montagnachmittag in Herringhausen bei Valbert im Kreis Altena ab. Bei dem Unglück hat die Besatzung den Tod gefunden. Nach Augenzeugenberichten soll das Flugzeug unmittelbar vor dem Absturz an beiden Tragflächen gebrannt haben. Es raste auf ein Bauernhaus zu. Dem Piloten gelang es jedoch im letzten Augenblick, die Maschine hochzureißen, so daß nur der Dachstuhl des Bauernhauses gestreift wurde. Er brannte nieder, während die Bewohner mit dem Schrecken davonkamen. Das Flugzeug explodierte in etwa fünfzig Meter Entfernung. Da Teile der Maschine in einem Umkreis von mehreren hundert Metern verstreut wurden, konnte die Besatzung bis zum Abend noch nicht identifiziert werden. Auch über die Zahl der Besatzungsmitglieder ist noch nichts bekannt. Flüchtiger Postschaffner in Griechenland gestelll Frankfurt, 3. Juli. Der mit den Tageseinnahmen eines Frankfurter Postamtes in Höhe von 184000 Mark geflüchtete Postschaffner Georg Lischka ist in Griechenland verhaftet worden, wie die Frankfurter Polizei gestern mitteilte. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Es hieß lediglich, daß der 21jährige Lischka zuletzt in Saloniki gesehen worden war. Damit hatte die Jagd nach dem Postschaffner rund vier Tage nach dessen Verschwinden Erfolg. Wie die Ermittlungen ergaben, fuhr Lischka nach dem Diebstahl am Donnerstagabend mit einem Taxi zum Frankfurter Flughafen. Dem Fahrer gab er zusätzlich 50 Mark, damit er schnell fahre. Auf dem Flughafen kaufte er sich eine Reisetasche, in der eer seine alte Tasche mit dem Geld verstaute, und flog unter seinem richtigen Namen nach Athen. Aus Versehen erschossen. Lüneburg, 3. Juli.(dpa) In einem Munitionsdepot der Bundeswehr in der Nähe des Sprengston-Aheinale Sechronigen-Lozenn Luzern, 3. Juli.(dpa) Geheimnisvolle Sprengstoffanschläge richteten in Luzern erhebliche Sachschäden an und verletzten drei Menschen. Die Täter und ihre Motive sind noch unbekannt. Die Serie von Explosionen begann im Fahrstuhl eines Luzerner Restaurants. Eine zweite Sprengladung zerstörte wenige Stunden später ein auf der Straße abgestelltes Auto. Die Detonation einer dritten Sprengladung im Lift einer anderen Gaststätte hatte bei drei Menschen zum Teil schwere Verletzungen zur Folge. Fast alle Fensterscheiben des Hauses wurden zertrümmert. Ein weiterer Anschlag mit großem Sachschaden ereignete sich im Treppenflur eines Luzerner Privathauses. Mordversuch mit„Schwarzer Witwe“. Kalifornien, 3. Juli. Einen Mordversuch mit giftigen Spinnen hat in Kalifornien ein Ehemann an seiner Frau begangen. Während eines Streites hatte er giftige Spinnen, darunter eine „Schwarze Witwe“, der Frau an den Nacken. gesetzt. Die Frau liegt im Krankenhaus. Die vorläufigen Gewinne. Deutscher Toto-Block. Dreizehner-Wette: 1. Rang 14 805,40; 2. Rang 630.—; 3. Rang 39,65; 4. Rang 4,45 DM.— Zehner-Wette: 1. Rang 245,85; 2. Rang 9,20; 3. Rang 1,45 DM.— Auswahlwette(6 aus 28): 1. Rang 850.—; 2. Rang 26.—; 3. Rang 2,30 DM.(Ohne Gewähr) Deutscher Lotto-Block. Gewinnklasse 1: 500 000.—; Gewinnklasse II mit Zusatzzahl: 235 000,—, ohne Zusatzzahl: 3100.—; Gewinnklasse III: 75,—; Gewinnklasse IV: 3,50 DM. (Ohne Gewähr) Nee 17.00 17.15 17.30 18.30 19.15 20.00 20.20 21.10 22.15 22.25 19.30 20.00 20.20 21.00 Die gesegneten Hände.(Kinderstunde) Der Brief nach Mainz.(Kinderstunde) Spiel mit René. Eine Sendung für Kinder. Hier und Heute. Sag' die Wahrheit. Tagesschau.— Das Wetter morgen. Unsere Zukunft wird schon verbaut. Ein kritischer Bericht über Städteplanung. Ein Fremder kam vorbei. Ein Spielfilm. Tagesschau. Berliner Bilderbogen. Musen und Menschen an der Spree. 2. Programm: Prisma des Westens. Tagesschau. Das Weiter morgen. Willi Winzig. Ein Heinz-Erhardt-Film. Mit den Augen einer Israell. Beobachtungen in der Bundesrepublik. Wir verweisen auf eine Beilage„thema. vom tage“, herausgegeben im Auftrage der Constructa-Werke GmbH, Lintorf/Bez. Düsseldorf, in unserer heutigen Ausgabe. 100 Jahre-Staut Bad honneram Uber die Entwicklung unserer Stadt wird die Sonnefer Dolkszeitung — seit 82 Jahren die in Honnef hergestellte und in jeder Familie gelesene Heimatzeitung— in einer Festausgabe berichten. In Wort und Bild wird die Festausgabe rückblickend 100 Jahre Stadt“ aufzeichnen und einen umfassenden Ausblick auf die Festwoche vom 14—#-21 Juli 1932 geben. In dieser Ausgabe Ihre Repräsentativ Anzeige aufzugeben, sollten Sie nicht versäumen. Wir beraten und besuchen Sie gern. Verlag der Honnefer Volkszeilung, Hauplstr. 38 1, Tel. 2722 Buchdruckerei Werber, Bad Honnef am Rhein 10