TTTT Dr. 30 Colonia. 23. Juli 1916 Sonntagsbeilage zum Kölner Local-Anzeiger. Mit besonderen Abteilungen: Unseren Frauen sowie Gartenarbeit und Blumenpflege. Trrt-tItrrrrrrTsrts c Unser tägliches Brot. Es war im letzten Jahre der öffentlichen Wirksamkeit Jesu, wenige Wochen nach dem Osterfeste. Der Herr weilte in der Nähe des Sees Genesareth und lehrte und predigte. Von allen Seiten kamen die Leute herbeigezogen, um den großen Meister zu sehen und zu hören. Der Herr läßt sich mit seinen Jüngern I auf einem Berge nieder, wie ein Vater inmitten seiner Kinder. Stumme und Blinde, Lahme und Schwache werden ihm zugeführt, und er macht sie alle gesund. Die Not und die Leiden der armen Kranken sprechen wirksam zum liebenden Gottesherzen; alle finden Erbarmen. Inzwischen ist die Volksmenge immer mehr angewachsen. Getreu halten die Gläubigen beim Heiland aus und hören auf seine wunderbaren, herrlichen Lehrvorträge. Sie übemachten I mit ihm unter freiem Himmel, um am anderen Tage sich aufs neue vor ihm zu sammeln. Bereits war der dritte Tag heranI getommen, und noch immer sind sie nicht müde, den göttlichen Worten zu lauschen. Da spricht der Herr:„Mich erbarmet des Volkes. Schon drei Tage harren sie bei mir aus und haben nichts zu essen.“ Hier offenbart der Heiland in ergreifender Weise sein offenes Auge und sein liebevolles Herz für die Bedürfnisse derer, die sich vertrauensvoll unter seine Hirtensorge S stellen. Er, der unendlich vollkommene, unendlich erhabene Gott fühlt doch so menschlich tief und teilnehmend auch für die kleinsten Anliegen seiner Geschöpfe. Er fühlt die Not und das Leid, die das Herz seiner Schäflein bedrücken, als eigene Not und eigenes Leid in seinem Herzen, so rein, so tief und so warm von Liebe, wie es niemals die Welt gesehen hat. Der Herr sieht, wie die Zuhörer um seinetwillen große Beschwerden auf sich nehmen. Das bewegt ihn zu helfen. Und Gottes Allmacht wird zur Quelle der Speise. Unter den segnenden Händen des Erlösers mehren sich die wenigen Brote und Fische auf wunderbare Weise. Gegen viertausend Menschen wurden gespeist und sie wurden satt, und von I dem, was übrig geblieben war, hob man noch sieben Körbe voll auf. Das Volk, das in verlassenem, fremdem Lande in mancherlei Leiden und Krankheiten um den Herrn sich schart und Trost, Hülfe und Nahrung findet, ist ein Bildder Christenheit, # die im Jammertal des Erdenlebens keinen anderen Helfer und Retter kennt, als Jesus den guten Hirten, der seine Herde speist #### mit dem göttlichen Himmelsbrot des heiligsten Sakramentes. Der Gottessohn gibt uns allen ein Brot, das uns nährt zum Scionia. Snnagseitagt 1 O E fründlich Wellkumme. Et kütt bun dem Bahnhoff'ne fremde Zaldat; Ne Oest'richer eß et, dat süht mer glich. Ganz lantsam geit hä un allein durch de Stadt, Un schwer op’ne Stock deit hä stötze sich. Hä kennt he kei Minsch un hä kennt he kei Hä föhlt sich jet einsam un jet bedröck. Do kütt'ner Schull hä elans, die eß uus, Un de=Köttle springen eruus all flöck. Dä Oest'richer han kaum die Pööschcher gesin, Do laufe se im ald entgäge glich; Se recken im fründlich ehr Pütcher hin, „Daag, Oest'richer!“— höt dä no größe sich. Mänch Kinderhängche su wärm un su klein, Grief noh singer große un schwere Hand. Hä dröck all die Pütcher, ob knüs'lig, ob rein, Wie mäht dat doch stolz su'ne kött'lige Quant. Et trick däm Zaldat grad wie Sonnesching Uebver't ähnzte Geseech, un et Hätz im laach. Dat hä esu fründlich zo Kölle am Rhing Begröß wööd, dat hätt hä sich nit gedaach. Gertrud Elisabeth. Als Rind im wilden Westen. Von Minnie Hauk, k. preuß. Kammersängerin. Eine wunderbare Verkettung von Umständen hat es gefügt, daß ich innerhalb weniger Jahre aus den wilden Prärien Esstlich des Mississippi nach Paris kam, um dort im jugendlichen lälter von sechzehn Jahren als Nachfolgerin von Adelina Patti in der italienischen Oper aufzutreten. Meine ganze Kindheit serscheint mir heute, wo ich meine Künstlerlaufbahn beendigt habe, wie ein Kaleidoskop von ewig wechselnden bunten Bildern, uind ich sehe mich selbst wie in einem schönen Traum von einem lsum andern schweben. Meine früheste Erinnerung führt mich kach der Stadt Providence im Staate Rhode Island, wohin ewigen Leben. Ohne dieses Brot müßten auch wir erliegen; denn weit ist der Weg zur Ewigkeit, und zahllose Feinde umgeben uns, die uns irre führen und in den Abgrund stürzen wollen. Aber noch immer spricht das gütige Hirtenherz des Erlösers: Mich erbarmet des Volkes! Und durch die Tat beweist er allen Zeiten und allen Geschlechtern, daß er immer noch der gütige Heiland ist, der die Seinigen nicht verschmachten läßt; er reicht ihnen das Brot des ewigen Lebens. Wenn wir dieses Brot würdig genießen, sind wir auf das innigste mit Gott verbunden und die Gnade des Himmels leuchtet uns auf allen Wegen. Und wie der Herr unserer Seele Nahrung und Speise gibt, sosorgterauchnoch immerfürunsereleiblichen Bedürfnisse. In Kriegszeiten haben viele einmal wieder gelernt, was die inhaltsreichen Worte bedeuten:„Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Aber wenn wir auch jetzt einfach und bescheiden leben müssen und manche Sorge haben für unsere tägliche Nahrung, so sollen wir doch nicht kleinmütig und verzagt sein. Kein Geschöpf, mag es auch noch so klein und unscheinbar sein, ist von der Liebe des göttlichen Herzens ausgeschlossen. Das ist für uns ein großer Trost. In dieser Hoffnung und mit diesem Troste wollen wir unverzagt weiter kämpfen und arbeiten bis zur Krönung unseres Strebens. F. S Ein Kriegsprophet des bergischen Landes. Unter dem Titel Die Provnezeiungen Spielbähns ist in den deutschen Landen seit Jahrzehnten eine Spruchsammlung von etwa 120 Versen bekannt, die in der inund ausländischen Kriegsliteratur unserer Tage mehrfach besprochen, verschiedentlich mit gewichtigem Kopfnicken als Grundlage für rosige nationale Zukunftsträume gepriesen, in weiten Kreisen gar mit einer Ehrfurcht bedacht wurde, wie man sie nur geheiligten Urkunden entgegenbringt. Eine Geschichte der Handschriften und Drucke des Heftchens ist deshalb so schwierig, weil die Gläubigen dieser Prophetenworte mehr eine geheime Gemeinde waren und weil zu einer geschichtlichen Nachforschung brauchbares Material fehlt. 1846 ließ der Schulmeister Scharrenbroich aus Widdig(bei Hersel) in Bonn die erste Auflage auf seine Kosten drucken, nachdem er bereits 1840, so erzählt er uns im Geleitwort, das Manuskript für die Drucklegung fertiggestellt hatte. Seine Quelle war angeblich eine aus dem Jahre 1756 stammende Handschrift eines alten bergischen Landpfarrers, die ihm als echt galt. Eine Nachprüfung dieser Angaben und der Handschrift ist unmöglich, aber die inhaltliche Erforschung der Verse schafft für ihrewahre Beurteilung eine Fülle von Kriterien zutage. Geradezu köstlich ist die Beobachtung, daß die Genauigkeit des prophetischen Bildes für den ersten Teil des Machwerks fast zu aufdringlich wirkt, während die Schlußvision verschwommen, mehrdeutig, chaotisch über kraftlosen Worten geistert. Auf das Warum antworte ich: der erste Teil der Prophetie ist eine Weissagung nach dem Ereignis, d. h. der„Prophet“ gibt eine Darstellung der Vergangenheit so, als habe er vor dieser Vergangenheit gelebt und sie in prophetischem Bilde geschaut. Der erste Teil ist also ein literarisch minderwertiger, historisch lückenhafter und oberslächlicher Sang auf die Zeit von der großen Revolution bis in die Anfangsjahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Diese Behauptung erhält starke Stützen in der Tatsache, daß die Zeitangaben mit einer wahren Wut gehäuft werden— füneine Prophezeiungimmer ein bedenkliches Zuviel— und daß Zeitangaben von geschichtlicher Denkwürdigkeit neben solchen von unbedeutender Heimatgeschichte stehen, wie etwa die Abtragung des Käsberges an der Frankfurter Straße. Unser Literat war eben ein naiver Künstler, der die vom Fenster seines Studierzimmers aus gesehenen Jahresund Tagesereignisse der Welt= und Heimatgeschichte kritiklos und gleichwertig nebeneinander stellte. Den Verräter machen vollends einige Verse, die er sicherlich mit großer Liebe schrieb, und das ist zugleich seine kleine Tragik. Unser Prophet treibt nämlich Wortspielerei mit geschichtlichen Namen. Napoleon ist ihm eine Gottesgeißel, die den König der Tiere im Namen führt (Napo-leo-n; leo=Löwe). Ein, anderer Vers lautet:„Auf dem Bischofsstuhle sitzt ein Mann, an dem sich viele spiegeln werden.“ Dieser Bischof ist zweifelsohne Ferdinand August Graf Spiegel(1824—1835). Der Pseudoprophet hat sich ganz das abfällige Urteil, das nach dem Tode des fähigen Organisators hartnäckig sich festbiß bis in unsere Tage, angeeignet. Diese wenigen Blüten des Prophetengartens lassen über Art und Rasse keinen Zweifel. Der erste Teil ist auf keinen Fall Weissagung. Führte uns die bisherige kurze Untersuchung bis hinauf in die letzten Jahre des Erzbischofs Spiegel, so geben eine Menge weiterer Verse noch genaueren Anhalt über die Abfassungszeit und Tendenz des Poems. Die Akten der Dekanatsarchive des bergischen Landes sind Belege dafür, daß die damalige leichte Charakterisierung der Hermesianer sich in den Worten unseres Literaten erschöpfte:„Also werden die Geistlichen stolze Kleider tragen, wollen nicht mehr zu Fuße gehen, und weil der Hirte nachlässig, wird die Herde verderben.“ In den letzten 70 Versen ist eine scharfe Spannung zwischen meine Eltern aus meiner Vaterstadt New York übersiedelten, als ich kaum fünf Jahre zählte. Ich sehe mich in einem großen hell erleuchteten Raum auf dem Schoß meiner Mutter sitzen, umgeben von vielen hunderten Frauen, die alle mit großer Aufmerksamkeit mehrere phantastisch gekleidete Menschen auf einer schön geschmückten Plattform beobachteten. Ich wunderte mich, warum sie so ganz andere Trachten trugen und sich so anders gebärdeten, als die Leute in Providence; sie schienen sich zu zanken, schließlich zogen zwei Männer ihre Schwerter und stachen einander tot. Darauf senkte sich ein Vorhang, alle Zuseher klatschten in die Hände oder wehten mit den Taschentüchern, und als meine Mutter das gleiche tat, hielt ich weinend ihre Hände fest und rief:„O, tu das nicht, das sind so böse Menschen!" Nun erklärte sie mir, es wäre ja nicht die Wirklichkeit, sondern nur die Darstellung einer Geschichte aus einem anderen Lande und einer anderen Zeit, durch Menschen, die dazu ausgebildet worden seien. Jedenfalls mußte die Theatervorstellung, denn eine solche war es natürlich, tiefen Eindruck auf mich gemacht haben. Als ich nämlich heimkehrte, kümmerte ich mich nicht um meine Puppen, sondern suchte die Schränke nach bunten Bändern und Hutfedern aus, schmückte mich damit und tanzte vor dem großen Wandspiegel. So überraschte mich mein Vater. Ich flog in seine Arme, erzählte ihm ganz aufgeregt, was ich gesehen hatte, und richtete gewiß mehr Fragen an ihn, als er beantworten konnte. Die Nacht über schlief ich sehr wenig, und als wir beim Frühstück saßen, hörte ich wie mein Vater sagte: ich solle nicht wieder ins Theater mitgenommen werden. Die zweite lebhafte Erinnerung aus dieser Zeit war unsere große Reise nach den Prärien. Mein Vater hatte eine Professur an der neugegründeten Hochschule von Kansas City am Missouri in Aussicht genommen, und war vorausgefahren, um vorher alles für unser Kommen vorzubereiten. Auf der Fahrt hörte er von dem außerordentlichen„Boom“(Aufschwung) einer neuen Stadt am Missouri, weiter nördlich, Sumner City genannt; Stadtpläne mit Bauplätzen für großartige Bauten, Schulen, Theater, Rathaus, Parks und Kirchen erschienen in allen Zeitungen, und zufällig traf er einen Agenten der Stadt, der ihm für ein Spottgeld einige der wertvollsten Baugründe an belebten Straßenecken anbot, mit einer gut bezahlten Professur an dem neu zu gründenden„College“. Mein Vater nahm an, und kurz darauf schrieb er uns, ihm zu folgen. Kansas war damals noch recht wildes Prärie= und Steppenland, auf welchem die Rothäute eben ihre letzten blutigen Kämpfe gegen den Ansturm der weißen Zivilisation ausfochten; Eisenbahnen gab es noch nicht, und die einzige Postverbindung mit Kalifornien und den Küsten des Stillen Ozeans erfolgte durch kühne Reiter, die häufig genug durch das Skalpmesser der Indianer ihr Leben einbüßten. Der große Missouristrom bildete die Westgrenze der Kultur, und keine Lokomotive hatte noch den jungfräulichen Boden der unendlichen Prärie berührt. Selbst im Mississippital war das Eisenbahnreisen damals, einige Jahre vor dem Ausbruch des großen Sklavenkrieges, für alleinreisende Frauen eine recht abenteuerliche Sache; als ich in späterer Zeit die prächtigen Schilderungen meines Freundes Brei Harte aus den Sierras und den Minenregionen der Felsengebirge zu lesen bekam, kam mir so manche Szene, so manches Ereignis während meiner ersten Fahrt durch Ohio und Missouri ins Gedächtnis zurück. Meine Mutter war eine schöne Frau von etwa fünfundzwanzig Jahren, und die Mitreisenden wetteiferten, uns mit Aufmerksamkeiten zu überhäufen. Niemals hatte ich so viele Süßigkeiten und Obst erhalten, die Reisenden spielten mit mir und herzten mich, bis ich müde und schläfrig war, und wenn ich mich in Mutters Schoß zur Ruhe legte, war ich überzeugt, daß es auf Gottes weiter Erde nichts Schöneres geben könne als Eisenbahnreisen. Nach dreitägiger Fahrt erreichten wir Kansas City, damals eine erst in der Entwickelung begriffene Stadt von Holzhäusern, die sich vom gelben trüben unheimlichen Missouri die steilen hohen Lehmufer hinauf zogen. Es regnete fürchterlich, und die pflasterlosen Straßen waren in ebenso viele trübe wasserreiche Bäche verwandelt. Ich fühlte mich recht unglücklich, aber mein Weinen und Schreien wurde durch das Erscheinen meines Vaters beendet, der mit einem Buggy(Präriewagen) von Sumner gekommen war, uns nach unserem neuen Heim zu bringen. Nach einer scheinbar endlosen Fahrt durch die weiten Prärien und Urwälder, den Missouri entlang, erreichten wir Sumner, wo ein bequemes, ganz neues Holzhaus von zwei Stockwerken für uns bereit stand, umgeben von einem großen neu augelegten Garten. Die Stadt selbst bestand nur aus einigen " an—— * 4 Nr. 30 23. Juli 1910 dem Verfasser und der Dynastie Hohenzollern mit beiden Händen greifbar, ein schwer verhaltener Groll, ein offenes Drohen gegen die Machthaber, die auf ihre Stärke pochen, die aber dem mächtigen Arm Gottes zur rechten Stunde nicht entgehen. Und schließlich ist sein schönster Trost die Schlußvision, in der er sich auch formell auf erstaunlicher Höhe hält. Diese Vision erzählt knapp, wuchtig; es klingt hindurch wie Schwerterklang und Siegesruf und trotziger Männerstreit. Das ist aber auch das einzige im ganzen Werkchen, was Prophezeiung genannt werden kann. Die Frage nach ihrem Wert fällt mit der viel allgemeinere Bedeutung beanspruchenden Untersuchung über die Prophezeiung von der Schlacht am Birkenbäumchen zusammen; denn unser Pseudoprophet gibt nur eine freie Bearbeitung dieser Weltlegende. Selbständigen Wert kann also die Prophezeiung des Spielbähn in keinem Verse beanspruchen. Auf die rechte Spur für den genauen Zeitpunkt der Entstehung führt die Erkenntnis, daß der Verfasser in scharfer Opposition zur Dynastie Hohenzollern steht. Warum? Das Kölner Ereignis, das weckend wie ein Donnerhall die Gewissen der rheinischen Katholiken ausschreckte, hat ees auch unserem Manne angetan; die Lorbeeren eines Görres, vor dem er in dem Verse: Es wird ein Mann aufstehen, der die Welt aus ihrem Schlafe schreckt, eine Verbeugung macht, haben ihn nicht schlafen lassen. So ging der bergische Pfarrer unter die streitbaren Federhelden. Ich sage: der bergische Pfarrer. Der Stil weist nämlich auf den bibelfesten Theologen, die Entrüstung über die sittliche Zügellosigkeit auf den Sittenprediger, die genaue Kenntnis geistlicher Gepflogenheit und die ein wenig scharf betriebene correctio fraterna auf den Konfrater. Das Schlußurteil faßt sich dahin zusammen: Die Kölner Wirren drücken einem heißblütigen, schwarzgalligen Pfarrherrn des bergischen Landes, der ein waschechter Schwarzseher in seinen stillen Bergen geworden ist, die Feder in die Hand. Er will warnen, mahnen, bessern, moralisieren, trösten. Sein Wort gewinnt starke Kraft, weil es in prophetischem Gewande vor das leichtgläubige Volk tritt. Das Ganze wird so eine Sittenpredigt, die für spätere Geschlechter den Reiz prophetischer Zukunftsweisheit erhält. Wie sehr unser Pfarrer dem Schema der Sittenpredigt treu war, offenbart der Schlußvers:„Denn vieles Ungemach kann gewendet werden durch Gebet zu Gott, dem allbarmherzigen Vater der Menschen durch Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit.“ Wer ist nun Spielbähn, den der bergische Pfarrer zum Träger seiner„Prophezeiung“ machte? Spielbähn hatte in jenen Jahren innerhalb der Grenzsteine der bergischen Lande einen guten, von Sage und Legende geschaffenen Prophetennamen. Es war daher natürlich, daß unser Autor seine Hand auf ihn legte, wodurch der Name des harmlosen Mannes in die deutschen Gaue getragen wurde und er so zu einer unverdienten Berühmtheit kam. Bis in die Dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts lebte Spiclhähn nur in spärlichen, sagenhaft ausgesponnenen Familienüberlieferungen fort. Was die Akten über ihn hergeben, ist recht dürftig. 1689 wird er, der Sohn eines Leinewebers in Eschmar, einem kleinen Dorfe bei Troisdorf, geboren. Das Taufregister nennt ihn Johann Bernhard Rembold. Der arme Vater setzt seine groben Tuche meist bei den Benediktinermönchen auf dem Michelsberg in Siegburg ab und nimmt den ausgeweckten Bernhard auf diesen Geschäftsreisen gern mit, der gar bald der Liebling der schwarzen Brüder wird. Er nimmt Dienst bei ihnen, und da er zuverlässig ist, wird er der wandernde Bote zwischen den Klöstern Siegburg, Heisterbach und Oberpleis. Die einsamen Botengänge durch Nacht und Nebel, durch die schwermütigen Walder der Sieg, der Verkehr mit den weltabgeschiedenen Mönchen erzog den von Natur zur Schwärmerei und zu sinnenden Träumen veranlagten Knaben zu einem eigenartigen DoppelStraßen mit unscheinbaren Gebäuden und einer„Levee", d. h. Uferstraße, die sich den Strom entlang hinzog, und die die einzigen Geschäftshäuser und Kaufläden für den Dampserverkehr besaß. Wie ich später hörte, war die Stadt von einigen Abenteurern mit wenig Geld aber viel Reklame als Spekulation angelegt worden, eine städtische Seifenblase, die, nachdem sie einige Zeit geglänzt, in nichts zerplatzte. Mein Vater weilte tagsüber außer dem Haus, und da meine Mutter an Fieber litt, stand ich unter Aussicht der Dienerin, die sich indessen wenig um mich kümmerte. Gespielinnen meines Alters gab es keine, und so streifte ich denn Tag für Tag in der Umgebung des Ortes umher, wanderte mit meinem Eßkörbchen, das sie mir mitgab, durch die Prärie, auf der schon hier und dort wogende Weizenfelder zu sehen waren, pflückte Mohn und Kornblumen und sang wie eine Lerche, unbekümmert um irgend welche Gefahr. Hatte ich doch stets als treue Begleiter einige herrenlose Hunde, die weniger durch mich, als durch meinen Eßkorb angezogen wurden. Besonders schloß ich mit einem riesigen, gutmütigen Tier Freundschaft, mit dem ich mein Essen teilte, und der bei jeder Annäherung eines Menschen durch Knurren zeigte, daß mit mir nicht zu spassen war. Ich lauschte dem Gesang der Vögel, beobachtete die fleißigen Ameisen und pflückte köstliche Früchte, die in der Umgebung wild wuchsen. An Markttagen brachten halbwilde Indianer Pferde nach Sumner zum Verkauf, und es gewährte mir den größten Spaß, ihr Zeltlager wohl eine Stunde außerhalb der Stadt auf offener Prärie zu besuchen. Ich ahnte natürlich nicht die Gefahr, von den Rothäuten geraubt und fortgeschleppt zu werden; die seltsamen Menschen in ihren mit Glasperlen bestickten Lederanzügen, ihren bunten Adlerfedern im rabenschwarzen Haar und Ledermokassins, die eigenartigen bemalten Lederzelte, das ganze wilde Leben und Treiben fesselte mich in hohem Maße, und ich verbrachte ganze Tage bei ihnen. Sie schienen mich liebzugewinnen, gaben mir den Namen Prärieblume, setzten mich auf ihre kleinen Ponys und ließen mich reiten, schoßen mit Bogen und Pfeilen Aepfel von den Bäumen, und wenn amerikanische Reiterpatrouillen in der Ferne erschienen, versteckten mich die Squaws(Frauen) hinter den Büffelfellen in ihren Zelten. Wenige Stunden von Sumner lag ein starkes Fort der merikanischen Armee, Fort Leavenworth, das zur Sicherung Leionia. Sonntagsbenage zum Kölner Loon. leben. Man tut gut, der Behauptung, er sei ein Mensch mit dem zweiten Gesicht gewesen, nicht zu widersprechen. Allerdings hat ihn diese seine Sehergabe nie über die Kleinwelt seines Verkehrs hinaus berühmt gemacht, in der sie auch nach alten Erzählungen ihre Gegenstände suchte. Spielbähn war mehr für ihm bekannte Familien der Familienrat und Familienprophet. Selbst sein Heimatdorf hat in ihm keinen bedeutenden Bürger gesehen. Beleg dafür ist eine erstklassige Geschichtsquelle, nämlich die Chronik eines Zeitgenossen Spielbähns, des Ortsvorstehers Johann Kurth aus Eschmar, die der beste Jeuner der Lokalgeschichte des sieg=rheinischen Treiecks, Herr Hauptlehrer Cronewald in Bergheim an der Sieg ausgegraben hat. Kurth, der peinlichst seine Tagebuchaufzeichnungen gemacht hat, ein Mann mit weitem Blick und für die Seltsamkeiten der stürmischen Zeit sehr empfänglich, tut für Spielbahn keinen Federzug. Auch seine engen Geschäftsbeziehungen zum Abt von Siegburg haben ihm über Spielbähn nichts Erwähnenswertes gebracht. Spielbähn, der demütige Mönchsknecht, der sich am wohlsten sühlte, wenn er zum Spiel seiner Geige das jinnige Ave Maria sang— daher die erste Silbe des Namens, Bähn ist Abkürzung für Bernhard — hat sicherlich nie viel Wesens von sich gemacht. Die späteren Lebensjahre führten ihn wieder als Knecht zu den Franzislanern nach Köln; auf Melaten ruht er nun von seinen Wanderjahrten aus. Mit vorliegender Untersuchung, die weder vollständig noch tiefgehend sein will, ist für die bergische Geschichte der Anfang einer Korrektur gemacht. Ob aber unsere zähen bergischen Leute ihren Propheten so balo preisgeben werden? Koplan Ludwig(Köln=Zollstock.) : Kleines Feuilleton: X Mort Homme. Zu dem wiederholt erörterten Toten MannKapitel schreibt man uns weiter aus dem Felde: Es gibt in dem östlichen Frankreich nicht nur eine Höhe„Toter Mann“, eine Höhe „Das tote Mädchen“ und eine„Toter Mann=Mühle“, die Bezeichnung nach dem Toten Mann wird auch für eine ganze Häusergruppe, eine Ortschaft gebraucht. Drei Kilometer nördlich von dem mehrfach genannten Städtchen Grand Pré liegt auf halber Strecke der von dort nach Briquenay führenden Landstraße ein Weiler mit Namen„Le Morthomme“,„Der Tote Mann“. Vielleicht stand hier früher— wie dort in den Westargonnen— eine einzelne Mühle namens Toter Mann oder ein gleichnamiger Einödhof, deren Name dann auf die spater um das Gehöft herum entstandene Ortschaft überging. Auch in unserer deutschen Heimat gibt es wohl Totenhöhen. So hat z. B. die Rhön iyren Toten Mann, der„Todlemannsberg". Dieser Todtemannsberg mit seiner etwas altertumlichen Schreibweise auf den Rhönkarten liegt südwestlich von dem vielbesuchten Wallfahrts= und Ausflugsorte Kreuzberg, in dem bayerischen Teile der Rhön, nicht neit von dem Bade Brückenau. Für die Namensbezeichnung dieses Berges gibt es meines Wissens noch keine befriedigende Erklärung, doch geht unter den Bewolmern der dortigen Gegend folgende Sage:„Ein Reisender verirrte sich zur Winterszeit in diese etwas unwirtbare und ide Gegend, in welcher die Törfer ziemlich einzeln liegen. Die Nacht übereilte den Mann, er suchte Schutz gegen die Kälte, fand aber keinen anderen, als einen Busch, in welchen er, da er vor Ermattung nicht weiter konnte, sich niederkauerte und einschlief. Er erwachle mt wieder aus seinem Schlafe, und niemand wußte, woher der Reisende gekommen. Er ward vermißt, überall gesucht und sein Signalement in Zeitungen beschrieben. Doch vergebens; er kehrte nicht zurück. Erst im Vorsommer ließ ein Zufall auf einem hohen Baume am Berge einen toten Körper entdecken. Der Baum war so tief eingeschneit und der Schnee so fest gewesen, daß der Reisende den Baumgipfel für einen Busch gehalten, in welchem er sin gebettet, und als der Schnee hinwegtaute, war sein Leichnam droben ruhig hängen geblieben. Taher vom tolgefundenen Mann des Berges Name.“ So in: Ludwig Bechstein, Rhönsagen S. 121; dichterisch bearbeitet bei Kuno Kortau, Sagen des Rhöngebirges und Umgegend. der Weißen gegen die Indianer eine bedeutende Garnison hatte, und von dort wurden häufig Sreifpatrouillen durch r Prärien gesandt. War es doch eine recht böse Zeit, und ich wundere mich heute noch, warum die Rothäute mich wirklich nicht mit sich in die Wildnis nahmen, wie es so vielen Kindern Weißer damals geschah. In Kalifornien, später auch in Kolorado, war Gold in großen Mengen entdent worden, und unzählige Abenteurer aller Vöiker rüsteten sich in Sumner, Leavenworth oder Kansas City mit„Prärieschonern", d. h. gedeckten Karren aus, um durch die einsamen Prärien Hunderte von Meilen gegen Sonnenaufgang nach den Felsengebirgen zu ziehen und dort ihr Glück zu versuchen. Der Weg dorthin wurde nur durch leere Konservenbüchsen und die bleichenden Sklette von Tieren und Menschen bezeichnet, die den Entbehrungen oder dem Blutdurst der Rothaute zum Opfer gefallen waren. Diese Goldsucher zu schützen, gab es in den Prärien zahlreiche befestigte Wachtposten mit Kavalleriebesatzung. Meine einsamen Ausflüge kamen endlich durch Zufall zur Kenntnis meiner Eltern und wurden, wie man sich leicht denken kann, ein- für allemal eingestellt. Die Dienerin hatte mir eines Abends gestattet, von einem Farmhause, das auf dem Hügel hinter der Stadt lag, Milch zu holen. Als ich mit meinemn Milchkrug oben ankam, war man gerade im Begriff, eine weiße Taube zu schlachten. Ich ließ es nicht zu und weinte und hat so lange, bis ich sie zum Geschenk erhielt. Das hübsche Tierchen mit zusammengebundenen Füßen in einer Hand und den Milchtopf in der anderen, trat ich wie gewöhnlich singend, den Rückweg an. Nahe einem sprudelnden Bächlein, das ich zu übersetzen hatte, sah ich reife Heidelbeeren. Sie waren so verführerisch, daß ich meine Lasten ins Gras legte, und sie pflückte. Als ich nach dem unerwarteten Schmaus meinen Weg fortsetzen wollte, bemerkte ich zu meinem Schrecken, daß die Taube, in ihrem Streben sich frei zu machen, den Milchtopf umgeworfen hatte! Das war eine schöne Geschichte! Nach Hause gekommen, hielt ich es für die beste Politik, auf mein Abendbrot zu verzichten und mich unbemerkt in mein Schlafzimmer zu stehlen. Inzwischen hatte Mama in ihrer Angst über mein langes Ausbleiben bei allen Nachbarn nach mir suchen lassen; endlich fand sie mich in meinem Versteck in tiefen Schlaf versunken, C0 Fremder Frühling. Frühling am Rhein, und Frühling in Flandern— Wähnst du, es gleiche der eine dem andern, Täuschst du dich schwer. Wähnst du, dein Herz könne selig werden, Wo du auch weilest und stehst auf Erden? Ach, nimmermehr! Wähnst du, dich freue das Knospen und Schwellen Hier so wie an des Rheinstroms Wellen, Tauschst du dich schwer. Vöglein am Rhein und Vöglein in Flandern— Singen die einen so süß wie die andern? Ach, nimmermehr! Mädchen am Khein und Mädchen in Flandern—.13 Wähnst du, es glichen die einen den andern, Täuschst du dich schwer. Können sie hier so herzig küssen?— Sind sie der Treue so fromm beflissen? Ach, nimmermehr! Frühling am Rhein— helljauchzende Lieder, Blitzende Wellen, duftender Flieder, Prangende Wälder— das war nor ein Glück! Himmel, o Himmel, was wollt' ich drum geben, Gäbst du mir endlich dies selige Leden Wieder zurück! Gefr. Hugo Kasten(im Felde). ck Der Kraftwagen als„Eisfabrik“ an der Front. Die Konservierung der Lebensmittel bei einem über mehrere Sommer sich erstreckenden Stellungskrieg spielt für die Front keine geringere Nolle als im Inland. Die Zuhülfenahme der Kälte stößt nun bei den primitiben Lebensbedingungen, unter denen die Truppen im Felde, auch noch in der Etappe, naturgemäß zu leben haben, auf große Schwierigkeiten. In manchen Fällen hat man sich durch Aufspeicherung von Natureis in zu diesem Zweck teilweise dicht bei der Front eingerichteten Eiskellern zu helfen vermocht. Der Ausbau solcher„Kriegseiskeller" ist aber schon durch die auf großen Strecken volikommen ungeeigneten topographischen Verhältnisse sehr eingeengt, außerdem aber noch in seiner Verwendbarkeit von den Zufälligkeiten kleiner Frontverschiebungen u. a. beeinträchtigt. Es ist darum der hochentwickelten deutschen Kältetechnik als ein besonderes Verdienst anzurechnen, daß sie auch den hier vorliegenden, ganz neuen Anforderungen in verhältnismäßig kurzer Zeit durch den Bau von Eiserzeugungskraftwagen zu entsprechen vermochte. Diese sollen, wie aus der Zeitschrift für Eis= und Kälteindustrie zu ersehen ist, überall dort, wo ortsfeste Erzeugungsanlagen sich von selbst verbieten, besonders also in nächster Nähe der Front, das benötigte Kunsteis zu liefern imstande sein. Der ganze Apparat ist bei diesen Wagen auf einem einzigen schweren Lastautomobil untergebracht. Die Eiserzeugung erfolgt mit Hülfe eines besonderen, vom Fahrzeugmotor unabhängigen Benzinmotors, der auch während der Fahrt seine Arbeit fortsetzen kann. Um Platz bei der Austeilung der erzeugten Eismenge zu schaffen, sind die Seiten= und Stirnwände des Wagens zum Herabklappen eingerichtet und mit Stützen versehen, so daß sie Bedienungsbühnen bilden, welche die ganze Anlage bequem zugänglich machen. dr„Wasserkarten“ in der h. Schrift. In unserer Zeit der Brot=, Butter=, Fleisch= usw. Karten dürfte der Hinweis nicht unintereisant sein, daß in der y. Schrift des Alten Testamentes an einer Stelle(Jud. 7, 11) von einer Noteinrichtung die Rede ist, auf die man wohl die Bezeichnung„Wasserkarte“(im Sinne der Zuteilung eines bestimmten Tagesquantums) anwenden könnte. Es wird dort bekanntlich erzählt, wie der assyrische Feldherr Holofernes die jüdische Festung Bethulia belagerte und den Bewohnern die Wasserquellen abschnitt. Die Not in der Stadt wurde so groß, ita ut non esset intra civitatem unde satiarentur vei una die, quoniam ad mensuram dabatur populis aqua quotidie“,„io daß nicht so viel(Wasser) in der Stadt war, womit sie auch nur einen Tag genug hatten, weil den Cinwohnern nach dem Maße Wasser verabreicht wurde Tag für Tag“. die Taube fest in meinen Armen. Ueberglücklich, mich gesund und wohl zu wissen, schenkte sie mir die beabsichtigte Strafe, wer mein Vater nahm mich desto handgreiflicher vor, und von nun an war es mit meinen heimlichen Ausflügen zu Ende. Dafür machte ich Hühnerhof und Garten zum Schauplatz meiner Streiche, tletterte wohl auch über die Zäune in die Nachbargärten, um Obst zu erwischen, und kein Baum war mir zu hoch. Eine Nachmittags, es war gerade der Tag von Mamas wöchentlicher Teegesellschaft, muß ich wohl recht unartig geweien sein, denn ne verbannte mich in mein Schlafzimmer und schloß mich ein. Vom Fenster beobachtete ich das Treiben der im Hühnerhof, wie sie einander jagten ooer auf das Stalldach unter meinem Fenster slogen. Da kam mir der Gedanke, ob ich denn nicht auch fliegen könnte—? Was diese dummen Hunner iun konnten, war mir sicher auch möglich. Ohne lange„u überlegen, kroch ich auf das Tach, breitete meine Arme zum Flügelschlag aus, und sprang in die Luft... Die Damen bei Mama sohen einen Schatten vor dem Fenster vorübergleiten und hörten einen schweren Fall. Erschreckt stürzten sie heraus, und fanden mich blutend auf dem Boden liegen. Als ich zu mir kam, lag ich mit verdindenem Kopf und wund geschlagenen Beinen im Bett, und faßte sofort den Entschluß mich nie wieder mit Fliegerversuchen zu beschäftigen. Ich hatte eine kleine aber tiese Wunde in der linken Backe, und bin der Meinung, daß das Grübchen, das sich noch heute zeigt, von meinem kindlichen Fliegersturz herrühre. Ein anderes Mal hatte ich ein neues weißes Kleidchen, weiße Schuhe und Strümpfe und rosa Schleifen an, um meine Eltern zum Sonntagsspaziergang zu begleiten. Während ich unten auf sie wartete, bemerkte ich, daß einige schwarze Maulbeeren auf dem nächsten Baume reif geworden waren. Ich aß sie für mein Leben gerne, und ohne mich lang zu besinnen, kletterte ich hinauf. setzte mich rittlings auf einen Ast und begann sie zu verspeisen. So sah mich Mama endlich, nachdem sie mich lange gerufen hatte. Papa drohte mit dem Stock, das beste Mittel, mich zur Folgsamkeit zu bringen, und so entschloß ich mich schweren Herzens wieder auf die böse Erdenwelt herunter zu kommen. Den letzten Ast verfehlend, fiel ich gerade in eine Pfütze, und mein Aussehen war nun so jammervoll, daß ich auch ohne die Strafe zu heulen vegrnnen hätte. Hr. 30 Zolonia. Sonntagsbellage zum Kölner Local-Auzeiger. 23. Juli 1916 BecrerORRBORe BRon Felde). nt. Die Sommer geringere nun bei ppen im ben, auf ch durch dicht bei er Ausf greßen nisse sehr von den tigt. Es 3 ein beiegenden, eit durch ermochte. eindustrie lagen sich ront, das Apparat utomobil eines betors, der Um Piatz sind die ngerichtet in bilden, Zeit der nicht unientes an Rede ist, Sinne der n könnte. err Holoewohnern e so groß, und die, die“,„so auch nur m Maße gesund Strafe, und von 1 Ende. meiner Kachbarzu hoch. 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Aber sie folgte lieber dem Fluß der schwarzen Druckzeilen als dem anmutigen Lauf des Eiselbaches, sie freute sich mehr an dem eintönigen Feld der Lettern. aus dem sie ihre Luftschlösser herauswachsen ließ, als an den bunten Märchenwiesen mit den blauen Glockenblumen und violetten Malven und weißen Margariten und gelben Johanniskräutern, die das Tal durchzogen und von den Ufern des schäumenden Baches hinausstiegen zu den Höhen, wo Burgruinen von ritterlichen Tagen erzählten. tto Webers Bücherei wußte ihr mehr zu sagen als die bewaldeten Eiselberge und die verträumten Täler mit ihren friedvollen Dörfern und romantischen Wassermühlen. Ihre kranke Phantasie verzichtete auf den wundervollen Anblick der Eifelhöhen im goldenen Ginsterkleide. Ein, zwei, drei Bücher hatte sie schon verschlungen, aber immer greift sie neue Büchernahrung aus den unergründlichen Tiefen ihres Koffers. Als sie endlich aussah und den Blick draußen ruhen ließ, konnte sie gerade noch den Schlußakkord von der erhebenden Symphonic erhaschen, die an uns vorbeigerauscht war und konnte nur noch ahnen, was sie versäumt hatte über ihren toten Büchern. Wie viele fahren durchs Leben wie diese Frau, sitzen in ihrer Lammer und stumpfen den Blick ab über den Büchern, über diesen Abdrücken des Lebens, die oft kranke Wünsche und lebensunfähige Gedanken wecken, anstatt ins Leben hinauszuschauen und ins Leben hineinzufühlen und zu wirken und sich selbst das herrlichste, einzig wertvolle Buch zu schreiben mit eigenem Arbeitsschweiß und eigenem Herzblut. Erst dann können die Bücher ihre eigentliche Aufgabe an uns erfüllen, daß sie unsere Erfahrungen erweitern und vertiefen. Beides sollen wir tiin, leben und lesen, aber jedes zur rechten Zeit. Und es ist besser die Bücher über der uns bewußten Fülle des Lebens zu vergessen, als das wahre warme Leben, das überall nach Menschen schreit, über der toten Welt der Bücher. nOn 0 für die Rüche (Ks) Blumen in der Küche. In der Küche Chinas und Japans spielen die Blumen seit jeher eine bedeutsame Rolle, vor allem bei Wr mit besonderer Liebe die Zucht eßbarer Blumen und Blumenknollen betrieben, und von dort hat sich die Neigung, Blumen zu essen, in erster Reihe auf Amerika übertragen, dank den Bemühungen, die sich der ehemalige chinesische Botschafter in Washington, Wu=TingJang gab, unter den Amerikanern dem chinesischen Blumensalat Freunde zu werben. Wichtig für die Geschmackserhaltung ist es dabei, daß die Blumen, die in der Küche zum Salat Verwendung finden, nicht gekocht werden, da unter dem Kochprozeß der Wohlgeschmack leidet. Im Gegensatz zu den Blüten werden dagegen Knollen und Wurzeln vieler der in der Küche verwandten Blumen stets gekocht, so z. B. die Knolle der Georginen, die als Gemüse rasch beliebt geworden ist. Sie wird auch ungekocht als Salat gegessen, wobei die in Scheiben geschnittenen Knollen erst mit Olivenöl gebraten und dann, mit etwas rohem Pfeffer und Salz angerichtet, aufgetragen werden. Ebenso werden auch die Knollen ünldenmer anm a i sm.nu ien n. mmssnen Meine geplagten Eltern hatten nun genug von ihrem ungeratenen einzigen Kinde, und ich hörte, wie sie beschlossen, mich schon im Laufe derselben Woche in eine Mädchenschule nach Leavenworth zu bringen. Mit Freuden packte ich meine Puppen und Siebensachen, nahm zärtlichen Abschied von allen Hühnern, enten und Hunden, und kletterte auf den Wagen zu Mama. Als die Schulvorsteherin mich erblickte, meinte sie, ich sei noch viel zu jung und nur dringende Bitten von Mama konnten sie endlich zu meiner Aufnahme bewegen, zumal als sie erfuhr, ag es sich hauptsächlich darum handelte, mir gutes Betragen kund nicht die Schulweisheit beizubringen. Der Abschied von Acama wurde durch die Aussicht erleichtert, nunmehr als sechsjähriges Kind in Gesellschaft von Mädchen zu bleiben, die doppelt und dreimal so alt waren wie ich, und ich muß mich wirklich eine Zeitlang recht anständig betragen haben. Jeden Nachmirtag wurden wir durch die graße Stadt geführt, und ich lernte viel von dem Leben und Treiben im„wilden Westen“ kennen. Leavenworth war damals der große„Lutfitting Place“— ich möchte sagen, die Hasenstadt für die abenteuerliche Reise über die mehrere hundert Meilen breiten Prärien nach Kolorado, posten, Minenlagern und Ansiedelungen jenseits der Prärien dienten, und für uns Mädchen war es von hohem Interesse, zu beobachten, wie die Karren von halb mexikanischen, halb indianischen Knechten beladen, mit je fünf bis sechs Ochsenpaaren bespannt und dann in langen Karawanen in die Prärien gefuhrt wurden, die sich unübersehbar, wie ein Meer, gegen Westen ausdehnten. Die Stadt war mit einem Kranz von Bretterhutten, Zelten, Wagenburgen und Trinkbuden umgeben, in denen eine lose Gesellschaft von Cowboys, Trappern, Viehhändlern, Büffeljägern on und„Prospekters“(Goldsuchern) in toller Weise der Rosenmalve mit Butter oder Sahne gekocht, während deren Blumen und die jungen Blätter als Salat besonders geschätzt sind. In Ostasien wird deshalb auch die Rosenmaibe getrocknet und aufbewahrt, damit man im Winter ein delikates Gemüse zur Hand hat. Einen sehr guten Salat soll auch die Kugelblüte der Ringelblume geben, deren Blütenblätter gelegentlich mit geriebener Nuß vermischt und zur Füllung anderer Speisung verwandt werden. In gleicher Weise dient die Magnolie dem Zweck der Salatbereitung. Allerdings dürfte hier der starke Geruch nicht nach jedermanns Geschmack sein. Als sehr schmackhaft und sehr gesund wird der Salat gerühmt, der aus den Blättern und Blumen des bescheidenen Stiefmütterchens zubereitet wird. Auch aus der weißen Wasserlilie bereitet man einen guten Salat. Zu diesem Zweck pflückt man die Blätter der Blumenkrone, biegt sie mit Mandeln und vermischt sie mit Honig und Olivenöl. Andere beliebte Blumensalate geben die Blätter der Blumenkronen von Nelken, Verbenen, spanischen Bohnen, der meisten Leguminosen, Hyazinthen und Chrysanthemen. Japan und China verwerten auch noch eine ganze Reihe von Blumengattungen, die man in Europa gar nicht kennt. Hierher gehört besonders die Alfalfa, die als besonders nahrhaft gerühmt wird, und der man auch wegen ihres Reichtums an mineralischen Bestandteilen eine starke Heilkraft bei Nervenleiden nachrühmt. m1 4o kulnss W 12 * G Doppelte Ernte. Wir haben in diesem Jahre alle Veranlassung, möglichst viel aus den deutschen Aeckern herauszuziehen. Jedes abgeerntete oder in naher Zeit abzuerntende Land muß sofort noch einmal bepflanzt und kultiviert werden. Nach Wintergerste, Frühroggen, Erbsen, Frühkartoffeln, Frühkohl, Zwiebeln usw. müssen sofort wieder andere Pflänzchen gesetzt werden. Zur neuen Saat ist es natürzu spät. aber gepflanzt werden kann noch den ganzen Juli und unter Umständen sogar noch den ganzen August hindurch. Man kann Kohl- oder Steckrüben pflanzen, die sowohl Nahrungs= wie Futtermittel sind, Dauerkohlsorten, Blätter= oder Grünkohl, Spätgemüse. Man soll ferner nicht nur den abgeernteten Boden benutzen, sondern überhaupt jeden Raum. Täglich soll man immer wieder nachsehen, wo etwa freie Sellen enstehen, zum Beispiel durch Mäuse= oder Rattenplage oder Wetterschäden, wo das Gepflanzte oder Gesäte zu schwach oder etwa krank geworden ist, mithin doch kein genügendes Ernteergebnis verspricht. Nicht lange zögern, sondern sofort diese Stellen freimachen und neu ausnutzen, ehe es zu spät ist! Man kann weiterhin zwischen die alten Reihen, zum Beispiel von Bohnen oder Kartoffeln, neue junge Pflänzchen der Spätgemüse aller Art, Gurken, Salate, Kohlrabi usw., setzen. Es erfordert dies zwar etwas mehr Sorgfalt beim Abernten, ist aber außerordentlich lohnend. Also nachpflanzen, zwischenpflanzen, wo immer es nur geht, nicht nur zum eignen Vorteil, sondern zu dem der deutschen Volkswirtschaft! 0 Eine neue Art, Heu zu trochnen. Die mannigfachen Regenfälle in der Heimat zurzeit der Heuernte legen ein neues Mittel nahe, durch das das Heu vor allzu viel Nässe bewahrt werden kann. Man zieht das Heu auf einen Streifen von etwa zwei Schritt Breite und acht bis zehn Schritt Länge mit einer Harke, möglichst gleichmäßig verteilt, zusammen. Dann faßt eine Person das eine Ende dieser Schwade und beginnt mit den Händen ein Seil zu drehen, während eine zweite Person, rückwärts gehend, das Gras dort, wo es sich zu drehen beginnt, fest zusammendrückt. Es wird so lange gedreht, bis das Seil fest ist. Dann nimmt die erste Person das Seil an beiden Enden zusammen, und die zweite erfaßt die Mitte und beginnt ihrerseits die beiden Hälften zusammenzuwickeln. Schließlich werden die Enden geknüpft, und der„Heuzopf“ ist fertig. Er wird nicht aufgehen und kann nun ohne weiteres daheim in einer Scheune oder einem andern Raum an der Decke an Stangen oder Schnüren oder dergleichen der Reihe nach aufgehängt werden. Man muß jedoch darauf achten, daß die„Heuzöpfe“ nicht zu dicht aneinander hängen. Die Luft muß stets hindurchstreichen können, damit sich kein Schimmel bildet. Die Zöpfe trocknen freilich langsam, aber ohne sich zu erhitzen. Sie sind aber ein nicht zu verachtendes Mittel, um auch bei anhaltendem Regen gutes, trocknes Heu zu erhalten. Gerade kleinen Landwirten sei dringend empfohlen, bei ungünstigem Wetter mit dieser neuen Methode einen Versuch zu machen, wozu der zweite Schnitt vielleicht Gelegenheit bietet. Aber um das einige Meilen weiter auf einer Anhöhe am Missouri gelegene Militärfort zu besuchen, mußten wir doch durch dieses Stadtviertel gehen. So sahen wir vom„wilden Westen“ mehr, als später Buffalo Bill in seinen bekannten Schaustellungen vorführte. Im Fort gab es zuweilen Militärmusik, zu welcher die Offiziere und viele Städter der besseren Kreise erschienen, und wo wir Mädchen mit Wonne etwas vom Soldatenleben kennenlernten. Der Kommandant war damals General Marcy, später Generalstabschef des amerikanischen Feldherrn General Mac Clellan, Befehlshabers der Potomac Armee im Großen Sklavenkriege. Seine Tochter wurde die Gattin Mac Clellans, und in späteren Jahren meine beste mütterlich um mich besorgte Freundin. Kaum war ich in der Schule wieder etwas warm geworden, da kam das tolle Teufelchen in mir wieder zum Ausbruch, und ich wurde der Anstifter aller möglichen Streiche. Die erste Theatervorstellung, der ich als Kind in Providence beigewohnt hatte, wollte mir nicht aus dem Kopf. Alles, was mit Theater zusammenhing, interessierte mich viel mehr als der Schulunterricht, ich verschlang alle Theaterstücke, deren ich habhaft werden konnte, und endlich beschloß ich, in unserer freien Zeit Theaterstücke aufzuführen. Meine Freundinnen waren dazu mit Freuden bereit, und die„Externen“ brachten heimlich alle möglichen Sachen, Federn und Säbel, Fächer und Sporen, Bänder und Pistolen und Uniformstücke in die Schule. Ich setzte aus allen möglichen Shakespeare=Dramen ein schauderhaftes Trauerspiel von ich weiß nicht mehr wie vielen Akten zusammen. Das Lehrerpodium war die Bühne und als Requisitenkammer diente ein Verschlag hinter dem Lehrerpult, der sonst zur Aufnahme von Kehrbesen und Kohlenkübeln diente. Kaum war die Schulstunde vorüber, putzten wir uns phantastisch zurecht, malten uns Schnurbärte oder kleideten uns als Indianer, je nach dem Wunsch jeder einzelnen Mitspielerin und spielten. Zwei Vorstellungen waren glücklich abgelaufen, als ein abscheuliches Mädel aus Zorn darüber, daß sie nicht mitspielen durfte, uns O Vom Anpflanzen von Gemüse. Aus Passendorf wird uns geschrieben: Sie empfehlen das Anpflanzen von Gemüse zu dieser Zeit. Eines vermisse ich darunter, dessen Anbau sich sehr empfiehlt, weil es bezüglich Standort anspruchslos ist: den sog. Ewigen Kohl. Im August reißt man einfach von den Strünken gute Sprößlinge ab und setzt sie etwa bis zur Hälfte in die Erde, wo sie bald Wurzeln treiben. Rasch entwickelt sich der Kohl, trotzt dem Winter und bietet um Östern schon, wann oft noch der Spinat versagt, leckeres Gemüse bis in den Juni hinein. Die blaue Art ist vorzuziehen. Lustige Ecke O Eine poetische Warnung. Man schreibt aus Halle: An der Oeblitzer Schleuse auf dem Wege von Leißling nach Naumburg werden die Spaziergänger jetzt durch Warnungstafeln, die in folgender Weise Poesie und Prosa mischen, vom Betreten der saftigen Wiesen abgeschreckt: Das liebe Vieh braucht Futter Und Brot das Vaterland, Das ist so klar wie Butter, Wird selbst vom Rind erkannt. Drum tritt nicht auf die Wiesen, Du schadest in der Tat, Sonst mußt du dafür büßen: Fünf Mark. Der Magistrat. Die poetische Warnung soll gut gewirkt haben. Bisher ist noch kein Fall von einer Beschädigung dieser Wiesen vorgekommen. Spiel= und Rätsel=Ecke 33 rrtst Auszähl-Rätsel. lein glück muß be geld macht lich es sit al nicht man auch zen. Vorstehende Silben sind in bestimmter Reihenfolge auszuzählen; die dann entstehenden Worte ergeben eine scherzhafte Redensart. Die ausgezählten Silben zählen beim weiteren Auszählen immer wieder mit. Aufgabe. Wie viel Schläge macht eine nur die Stunden schlagende Uhr in der Zeit von Mittag bis Mitternacht? Unagramme. Aus den nachfolgenden je zwei Worten ist durch Umstellung der Buchstaben ein Städtename zu bilden. Welche sind dies? 1. Bar Geld. 2. Ein Maul. 3. Hu Mus. 4. Ist nett. 5. Wach raus. Magisches Dreieck. Die Buchstaben aabdeeegik lrrsu stelle man derart in nebenstehendes Dreieck ein, daß die drei äußeren Reihen, wie die drei wagerechten Mittelreihen Worte mit folgender Bedeutung. ergeben: 1. Tischgerät. 2. Suppenbeigabe. 3. Männlicher Personenname. 4. Flächenmaß. 5. Asiatischer Herrschertitel. 6. Planet. Auflösungen der vorigen Sonntags-Beilage. Buchstaden=Rätsel: Feige Feile. Wortbau=Rätsel: di a na a ma ti na ti on Magische Gleichung: = Schlamm, b Lamm, c Oase, d As, e Nacht, k Acht, g Welfe, h Elf, i Kabinett, k Kabine, 1 Gericht, m Gicht, X Schön Wetter. Jusammenstell-Aufgabe: Beil Eid= Beileid, Met Rum— Metrum, Wal Ache= Walache Hau Stier— Haustier, Don Au— Donau, Kar Affe= Karaffe. Homonym: Spaten. (Nachdruck und Nachbildung aller Teile untersagt.) Verantwortlicher Redakteur i..: H. Müller in Köln. Rotationsdruck und Verlag von J. P. Bachem in Köln. verriet. Ich, als Anstifterin des Ganzen mußte büßen, und eines Tages erschien Mama, um mich als unverbesserlich wieder aus der Schule zu nehmen. Mein einziger Trost war, daß die Schulmeisterin mein Talent für Theaterspielen warm anerkannte. In der Zwischenzeit war der erhoffte„Boom“ von Sumner immer noch ausgeblieben, und statt Ansiedler anzuziehen, hatten viele ihr Anwesen um jeden erhältlichen Preis losgeschlagen und waren wieder fortgezogen. Die Grundstücke, die mein Vater in Erwartung guten Gewinnes erworben hatte, sanken immer mehr im Wert, und er dachte, schon mit Rücksicht auf die schwankende Gesundheit meiner Mutter, bereits daran den wärmeren Süden aufzusuchen, als eine Katastrophe unserem Verbleiben in Sumner ein plötzliches Ende bereitete. Einige Tage nach meiner Rückkehr von Leawenworth kam ein furchtbarer Tornado und Wolkenbruch, von einer Heftigkeit, wie er nur in diesen Gegenden vorkommt. In wenigen Stunden hatte Sumner aufgehört zu sein. Alle Bäume waren entwurzelt, dicke Stämme wie Streichhölzer abgedreht, Dächer, ja ganze Häuser abgerissen oder in Trümmer verwandelt, und die trüben schäumenden Schlammfluten, die von den Anhöhen herab durch die Straßen nach dem hochgeschwollenen Missouristrom stürzten, schwemmten alles mit sich fort. Unser Haus, auf Holzpfeilern über dem Boden, im Schutz eines steilen Hügels stehend, blieb verschont, aber wir erwarteten mit Schrecken jeden Augenblick, daß die wirbelnde Flut, die unter dem Hause zwischen den Pfeilern durchwütete, auch uns mitreißen würde. Ich stand weinend am Fenster und wagte kaum hinauszublicken auf die fürchterliche Verherung. Unser Garten war mit allen Bäumen und Blumen, ja selbst mit der Erde, die sie trugen, verschwunden, und an ihrer Stelle gähnte ein weiter Abgrund. Meine lieben Hühner, Gänse, Hunde waren fort und schwammen wahrscheinlich in Gemeinschaft mit allem Vieh und anderen Tieren den Missouri abwärts. Sumner selbst hatte aufgehört zu bestehen. 1 —* * 1 * — *—„* 4 * Nr. 80 Tolonia. Lonntagsbestage rum Kölner Local-Auzeiger. 23. Juli 1916 Ebrentatel. Einzelschilderungen von Beldentaten deutscher Soldaten. Heldenhafter Kampf gegen englische Uebermacht. Am 30. September 1915 erhielten die 2. und 4. Kompagnie des 4. Thüringischen Infanterie=Regiments Nr. 72 den Befehl zum Angriff auf eine von den Engländern mit Maschinengewehren dicht besetzte Stellung, den sogenannten„Artilleriegraben“. Am Abend, bei Einbruch der Dunkelheit, wurde zum Sturm angetreten, nachdem schwere Mörser und Feldartillerie die feindliche Stellung sturmreif gemacht hatten. Trotz lebhaften Infanterie= und Maschinengewehrfeuers aus Front und Flanke ging es unaufhaltsam vorwärts, heran an den Feind. Die letzten 50 Meter wurden unter lautem Hurra im Sturmlauf zurückgelegt. Durch Handgranaten wurde der sich wehrende Feind niedergemacht. Der eroberte Graben hatte eine Breite von 250 Meter. Am linken Flügel waren der Vizefeldwebel Erb(aus Ravensburg i. Wttbg.), der Unteroffizier d. Res. Hentzsch(aus Croebeln, Kreis Liebenwerda) und der Gefreite Hobusch(aus Jeßnitz i. Anhalt), sämtlich von der 4. Kompagnie, allen anderen weit voraus, als erste in den feindlichen Graben eingedrungen. Sofort errichteten sie nach links eine Barrikade und sicherten dadurch Kölner Local-Anzeiger. 2 Köln, 23. Juli 1916. Unterhaltendes c Kregsbilder IIC. E kölsch Verzällche vun Heinrich Koch. Hä wor do, der Kölner Männer=Gesang=Verein, hä wor ganz ähnz un wohrhaftig en Wahn un hätt gesunge un uns Hätze metgenomme. Golt et doch, we ming Lesere wesse, för de got Saach widder enzostonn un jet beienein zo bränge för de Angehürige vun uns gefalle Pioniere. Un do hätt et gode kölsche Hätz dä Häre kein Rauh gelohße, un wann och natörlich dä ganze Verein nit kom un kumme kunnt, su han sich doch am vörrige Sonndag em ganze sechsunsibbezig Metglidder op der Zog no Wahn gesatz, an ehrer Spetz der allverehrte Prufesser Schwartz. Un nor eine Gedanke, nor ei Geföhl wor et, dat se allemole durchdrung un beherrsche dät: Wat mer dunn, dat du'mer för et Vaterland, dat dumer nit öm irdische Luhn, sondere en dem Gedanke, dat dodurch widder mänche Tron avgewäsche, mänch bedröv Hätz widder getrus wääde kann. Un dat Bewoßsinn eß uns Luhn genog. Un wann et Pottluh rähnen dat— mer fahren doch no Wahn! Un wann och kein Pottluh vum Himmel gefalle eß, su hätt et ävver doch gerähnt, als wann en zwette Sündflut üvver de Aed kumme sollt, un als ich nommedags met mingem Pareplü, dat ävver nor ne ganz kleine Nutbehelf wor, op dem Bahnhoff stund, öm die Häre avzoholle, do schlog mi Hätz unger mingem extra opgebügelte un no ganz verkrünkelte Rock doch e besche bang en dem Gedanke: Ov bei dem Wedder die Hären och kumme? Un et Fräulein Henny Wolff, wat esu nett zogesaht hätt, ov die kein Augs öm ehr Stemm, ehr Hötche un Kleidcher hätt? Doch, ming Angs wor vergäbens gewäs, denn als der Zog heel, do klomme esu vill unger Laache un Jugaxe erus, dat ich mer em Stelle säht: Der Kölsche liht sich su leich nit ungerkrige, un wann et och hatt op hatt geiht. Wat hä versprich, dat hält hä och! Un dann trocken se allemole en langem Zog an mer elans, un manch leev bekannt Geseech kunnt ich do begröße. Och et Fräulein Wolff kom ganz löstig erangetippelt un schung vum Rähn kaum jet zo merke. Einer vun dä Häre ref mer zo:„Et schingk, Här Pastur, dat ehr Wahner nit bedde künnt, söns dät et nit esu rähne.“ Ich ävver goov im zor Antwoot:„Em Gägendeil, mer han noch vill zo vill gebäät, söns köm nit esu vill Säge vun bovve.“ Un endlich kom och der Prufesser Schwartz, un et wor mer en besondere Ehr, in begröße un im rääch hätzlich de Hand schöddele zo künne. Bei im wor ene Här met ensem staatse griese Baat, dä sich met dä Woot vörstelle dät: „Mein Name ist Adam.“ Ich bin der erste Mensch.“ „Dann hatt' Ehr Uech ävver got gehalde,“ säht ich drop, un do wor er uns allebeids, als walmer uns ald ville Johre gekannt hädde. Trotzdem no dä Rähn de Wahner Wäg, die söns ald vill Aehnlichkeit met de„Masurische Seen“ han, esu opgeweich hatt, als wa'mer üvver luuter Schukeladeballe gingk, su trook doch die ganze Gesellschaff'om Scheeßplatz, öm do et Gefangenelager zo besinn. Dat eß nämplich söns gar nit mügelich, un wor extra för der Kölner Männer=Gesang=Verein erlaub woode. Zom Glöck verlangde nümmes, dat ich metgingk, zomol ne gode Fründ vun mer, dä em Kreg ald e ganz Johr op der Heid gewäs wor, de Föhrung uvvernohm. Un we se no allemole pp de Heid an dötzte, do säht der Prufesser Schwartz zo mer: „Ich werde nicht mitgehen, da ich das Lager schon kenne.“ „Un ich gonn och nit met,“ säht do der Här Adam,„ich han et och ald gesinn. Ich denke, mer blieve be en Wahn.“— „Dann goht'er ävver met en de Pasterat!“ reef ich do voll Freud, esu ene berühmte Mann, we der Prufesser Schwartz eß, en mingem Huus empfange zo künne. Do goov et zwor ene kleine Disköösch, doch die Häre sohche selver en, dat dat et Beste wor, wat se dunn kunnte, un während der Himmel e wohr Trommelföör vun Rähndroppe, we ne Dahler su deck, op uns Pareplüs falle leeß, gingke mer genöglich un friddlich no der Wahner sasterat. Do sooß ungerdeß ming Mutter met der Frau vun mingem Fründ, vun dem ich evvens verzallt, bei'em Köppche Kaffee, dat epaar Bunne mih we gewöhnlich gesinn. Och Koche stunnd om Desch, dä mer hatte, weil ming Mutter grad sibbezig Johr alt gewoode wor, un, wat noch vill mih wäät wor, un we ene sööße Draum us Friddenszigge schung— e Schösselche met goder, frescher Botter stunnd do un glänzdeu ns verföhre risch entgäge.„ Als mer drei Häre no en dat Zemmer erenntrote, do wor dä Kaffeedesch un die genöglich bubbelnde und käuende Fraue för die Stellung gegen die noch in der linken Flanke stehenden starken gegnerischen Kräfte. Vizefeldwebel Erb wurde leider bald verwundet. Schwer verwundet wurde auch Offizierstellvertreter Weser(aus Groeden, Kreis Liebenwerda), seit Wochen im Besitz des Eisernen Kreuzes l. Klasse, der die vorderste Sturmwelle führte und kurz vor dem Einbruch in den Feind durch Kopfschuß zusammenbrach. Auch Vizefeldwebel Galuba(aus Leopoldshall i. Anhalt) wurde schwer verwundet. Sobald alle gefechtsfähigen Mannschaften den eroberten Graben erreicht hatten, teilte Leutnant d. R. K. schnell neue Züge ein und begann unverzüglich mit der Verteidigungseinrichtung. Der Feind lag in der Front etwa 100 Meter, in der linken Flanke 10 bis 20 Meter gegenüber. Durch en rasendes Infanteriefeuer erschwerte er die Arbeiten zur Verteidigungseinrichtung. Bald erschienen starke feindliche Patrouillen und warfen Handgranaten. An der Barrikade ermunterte Unteroffizier Hentzsch seine Leute unermüdlich zum Ausharren. Er warf selbst Handgranate auf Handgranate, bis er verwundet zusammenbrach. Musketier Sturm (aus Altenroda, Kreis Querfurt) von der 4. Kompagnie, der als Beobachtungsposten ausgestellt war, feuerte, sich auf den Grabenrand stellend, kaltblütig und wirksam auf die sich heranschleichenden Engländer. Leider traf den Braven noch am Abend die tödliche Kugel. Inzwischen ließ der Kompagnieführer an der Barrikade am linken Flügel einen Verteidigungsstand anlegen. Kaum waren einige gute Handgranatenwerfer hier aufgestellt, als die EngWs uns wee Bild us ahle, bessere Zigge, un en echter, kölscher Gemötlichkeit hatt sich bahl alles rääch hätzlich zosammegefunge. Nit we Lück, die sich hück zom eetste Mol sohche un sproche, enä, we gode, ahle Bekannte sooße mer beenein. Ein Woot goov et andere, einer woß noch bessere we der andere, un besondersch der Här Adam verzallt esu vill schön unlöstige Streich us singer Jugendzick, dat mer us dem Laache nit erus kome. Op eimol reef hä:„Saht, Här Pastur, we eß dat hück Ovend met der Verflägung? Krige mer Häre och jet en der Mage? Die andere han kein Pasterat, we mer zwei, gefunge, un wa'mer vun nommedags drei bes ovends elf Uhr ungerwägs eß un kritt nix zweschen de Rebbe, dann hööt mer allmählich de Engelcher fläute. Saht, we eß dat?“ Bei där Frog moot ich leider en ähnz Geseech maache. Hatt ich doch selvs dran gedaach un, wenn och ohne Erfolg, gedonn, wat ich kunnt. Dröm säht ich:„Jo, dat eß ene ärg dunkle Punk. Als unse Bürgermeister säht, hä künnt nix dran dunn, dat dä Weet, wo dat Kunsät avgehalde weed, jet mih Levvensmeddele, we geöhnlich, enschlage künnt, do han ich selvs an unse Landrot dröm geschrevve. Aevver och dä goov zor Antwoot: Die Herren müssen zu müffelen selbst mitbringen! Dorop ben ich esugar noch wiggeschter un hühter gegange, en dem Gedanke, dat, wann die Häre vum Kölner Männer=Gesang=Verein esu en Offere för et Vaterland bränge, et Vaterland för sei och e paar Botteramme üvvrig hätt. Aevver alles hätt nix genötz, et eß nix bewellig woode, un su mösse mer kicke, we mer fädig wääde.“ „Süch, ich ha'mer et gedaach“, meint do der Här Adam,„un ha' mich vörgesinn. Kickt ens he, ich han de fingste Koddeletts bei mer.“ Met dä Woot trook bä en große Blos us der Täsch,— un raggeweg, wenn et och nit grad ussohch, we Karmenate, wat hä uns do zeigte, su woren et doch winnigstens staatse Frikadelle, die hä uns zo korre goov. Mallich dät ens probeere, un ich kann sage, dat et schmeckte, als wann et fingste Fleisch drenn gewäs wör. Un doch wor och nit eine Nüsel Fleisch drenn, sondere dat Ganze wor us Plantestoffe zosammegesatz. We ich no an dem wirklich gode Züg am käue wor, do kom mer op eimol ene Gedanke. Ich goov minger Mutter ene leise Rebbestoß un gingk dann erus. Kaum wor ich e paar Minüttcher druße, do kom och ming Mutter mer no un frogde:„Wat eß loß, wat häßt'?“—„Jo, Mutter,“ säht ich do,„do häß doch gehoot, dat die arm Häre disen Ovend nix zo müffele han. Dat ärme Stöck Koche un de klein Botteramm, wat der Här Prufesser Schwartz krägen hätt, hält doch nit widder, un wann hä dodrop disen Ovend dirigere sall, dann fällt im winnigstens der Tackstock us de Häng. Weißt'e wat? Mer han doch dä Kalvsbrode, dä de dise Morge su lecker gemaht häß. Zwor eß hä jo et einzige Fleisch, wat mer han un sall de halv Woch halde. Aevver ich mein, mer han nit alle Tag der Kölner Männer=Gesang=Verein= he, un ganz besondersch nit der Här Prufesser Schwartz. Mer sin et im schöldig, dat mer dä Brode opschnigge. Do kritt hä winnigstens e öntlich Gebünn en der Liev, un der reetste Minsch=, der Här Adam, kann sich och noch jet der Minschheit erhalde.“ „Jung, dat salle Woot sin,“ reef do ming Mutter.„Ich wääde tireck för et Nüdige sorge. Sag dä Hären ävver nix, dann eß die Uevverraschung öm su größer.“ Un ich gingk met däm unschöldigste Geseech widder en et Zemmer erenn, un als glich drop och ming Mutter widder kom, do quinkde se mer'em Aeugelche, un ich woß, dat uns Huushäldersche alles got besorge wöbd. Et Bubbele, Laache un Verzälle gingk wiggeschter, als er op einmol an der Döör kloppte, un dann uns Huushäldersche der Kopp erenn stoch un en zemlicher Oprägung säht:„Och, Frau Koch, kommen Sie doch mal bitte eben her.“ Ming Mutter gingk un blevv lang, ärg lang, un kom nit widder. Ich rötschte ald unräuhig op mingem Stohl hin un her un kunnt mer nit denke, wat loß wor. Do gingk de Döör widder op, un ming Mutter, där ehre Kopp esu rut wor, we ene gekochte Krebs, reef:„Heinrich, bitte mal für einen Augenblick!“ Do gingk och ich erus un reef däm Herr Adam zo, hä mög singe Wetz, dä hä grad am verzälle wor, zo Engk föhre, wann ich widder köm. Als ich ävver en de Köch troot, wo ming Mutter un de Huushäldersche wore, do hätt ich beinöks de Begovung kräge. Allebeids stunnten do esu stief un verbas, dat et„Lots Weib“ noch de reinste Glidderpopp gägen se wor. Nümmes säht jet, nor die veer Auge sprochen en stumme, verzwiefelte Sproch, un we ne Feldhär op et verlore Schlaachfeld, su weß ming Mutter on en große leddige Schössel, die ming Huushäldersche en de Häng heel, die leich am zeddere wore. „Mutter, wat eß passeet?“ reef ich do en banger Ahnung „Wo eß dä Brode, dä gode, dä leckere, dä su stats gebrode Kregskalvsbrode? Dat eß jo die Schössel, wo hä drop wor! Hä eß doch nit gestolle woode?“ Un we ich dat frogde, do länder auch schon angriffen. Durch zwei bis drei Mann, die aus dem Graben sprangen und aufrecht stehend Handgranaten in die feindlichen Kolonnen warfen, wurden die herandrängenden Gruppen der Engländer zurückgeschlagen. Am Nachmittag des 1. Oktober ging ein furchtbares Trommeleuer auf den„Artilleriegraben" hernieder. Granaten aller Kaliber schlugen von 4 Uhr nachmittags bis.30 Uhr abends ununterbrochen ein. Der Graben wurde fast völlig eingeebner und die Kompagnie erlitt erhebliche Verlufte. Aber die tapfere Schar ließ den Mut nicht sinken; flugs ging es daran, den Graben wieder herzustellen und als der Morgen des 2. Oktober graute, war die Arbeit vollendet. Den ganzen Tag über ging heftiges feindliches Artilleriefeuer auf den Graben nieder, abends nach 9 Uhr griff der Feind in Kolonnen frontal an. Doch die aufmerksame Grabenbesatzung empfing ihn mit Schnellfeuer, die Handgranaten flogen ihm entgegen, sodaß er unter Zurücklassung einer großen Anzahl von Toten und Verwundeten weichen mußte. Bald darauf erfolgte noch ein starker feindlicher Angriff auf die linke Flanke, der ebenso abgeschlagen wurde. Der englische Massenansturm war an jener Stelle durch die tapferen Thüringer endgültg abgewiesen. nickten allebeids met de Köpp, un met dumper Stemm säht ming Mutter:„Do häß et gerode. Hä eß gestolle woode, un och nit ein, och nit et kleinste Nüselche eß övvrig geblevve. Un weiß'te, wä dä Deev eß?“ „We kann ich dat wesse!“ reef ich do.„Et kann sich doch nümmes en et Huus geschleche un dä Brode usgerechent us dem Keller gestolle han. Dat hätt secher keine Fremde gedonn?“— „Enä, et wor och keine Fremde,“ säht do ming Mutter, et wor esugar einer us dem Huus. Kannst'et dann nit rode? Et wor unsen Hungk, der Prinz.“—„Ija, der Prinz,“ kom et do verzwiefelt vun de Leppe minger Huushäldersche, un dobei sohch se on die leddige Schössel en ehr Häng, we der Veerverband op de Dardanelle. „Jo, we eß dat dann mügelich?“ platzten ich do erus.„We kunnt dä Hungk dann an dat Fleisch kumme?"—„Och, et eß jo esu schrecklich am Rähne,“ säht ming Mutter,„un domet der Prinz nit zo naaß wood, un och nit luuter belle dät, wann ha die fremde Häre sohch, su ha'mer in en der Keller gedonn. Natörlich woren do unger alle Dürre got zogemaht, ävver dat kütt dovun, wann esu en Dheer dresseet eß. Do weiß doch, dat hä sich selvs de Döör opmaache kann, un als Pulizeihungk hätt hä en,ärg fing Nas.“ No jo, un do hätt hä geroche, wo dä Brode stund, un esu lang an der Döör erömfisternölt, bes hä se op hatt.“ „Jia,“ feel do de Huushäldersche minger Mutter en et Woot, „un als ich en der Keller kom, öm do dä Brode zo holle, do sohch ich zo mingem Schrecke die Döör op, de Schössel leddig un en'er Hött log der Prinz, leckte sich der Schnäuzer un schwenkde mem Stätz, als woll hä sage: Du'mer nix, et hätt got geschmeck! Och, Här Pastur, wat eß dat en Aelend, wat eß no zo dunn?“ Jo, wat wor zo dunn? Dä Brode wor vör alle Iwigkeit fott, un kei Klage un Jömere kunnt in widder op die Schössel bränge. Dat ich zoeets och nit vör Glöcksilligkeit strohle dät, ka'mer sich denke, denn en'e Kalvsbrode eß en jitzige Zigge en Wohrheit en Tilikateß. Doch, ich bekickte mer noch ens die Schössel, we der Tantalus et fottfleßende Wasser, daach dann, wat dat doch e ärg klein Leid wör gägen all dä Jammer en der Welt, un säht:„Besser, we e Bein gebroche. Er eß nor got, dat mer dä Häre noch nix gesaht un inne der Mungk nit han wässerig gemaht. Aevver esse mössen se doch jet. Wat häßt'e noch do, Mutter?“ „Wat ich noch han?“ meinte ming Mutter, die anfingk, vum eetste Schrecke sich jet zo erholle.„Nix, raggeweg nix, we Brut un Kies, un Kies un Brut. Eßdat avver en Esse för su ne Besöök?“ —„Besser, we gar nix,“ reef ich do,„su kriggen se doch winrigstens jet en der Mage, un wä nit weiß, dat hä ne Kalvsbrode krigge sollt, eß üvver en Kiesbotteramm nit bedröv. Lohße mer nor der Mungk halde üvver dat, wat nit hätt sin solle.“ Un mer han der Mungk gehalde. Als wann nix passeet wör, gingke mer met dem unschöldigste Geseech widder en ei Zemmer erenn, un der Här Adam kunnt finge Wetz zo Engk verzälle. Als ävver no'er Veedelstund ming Huushäldersche met en'er große Schössel Kiesbotteramme en er Zemmer trot, un ich zor Entschuldigung säht, dat mer leider nix andersch em Huus hädde, wat jo och wohr wor, do frauten sich ming Gäß, dat se bei dä schläächte Zigge winnigstens dat kräge, un ich gläuv, et hätt inne rääch got geschmeck. Wann se ävver jitz lese, wat inne lans de Nas eß gegange, dann well ich hoffe, dat se nit zo ärg schänge. De Schold triff io ganz allein den Prinz, un dä eß bloß en'en Hungk. Un dann künnen se sich och an uns trüste, do mer bis hück Nudele un Prumme un esu en ähnliche Saache gegesse han. Trotz dä Kiesbotteramme es dä Ovend ävver su herrlich un esu schön verlaufe, wie Wahn wahl noch selden eine gesinn hätt. Wat sall ich drüvver schrieve? Der Kölner Männer= gesang=Verein un de Kunsätsängerin Henny Wolff lovve, dat heiß Wasser en der Rhing drage. Ovschöns dä große Saal, en dem dat Kunsät stattfung, picke=packe voll wor, su dat nümmes mieh erenn gingk, wor et doch mügesstell, wann dä wunderbare Gesang erklung, un mänche Pastur kann fruh sin, wenn en singer Kirch nit mih gebubbelt weed, wie an dem Ovend beim Kunsät. Mallich wor durchdrunge vun dem Gedanke: Wat'e he hösch, dat eß ene seldene, ne wohre Kunsgenoß, dat geschüch ävver och all för et Vaterland, för die, där ehre Vatter, Männer, Bröder un Sönn för et Vaterland gestorve sin! Un dä Gedanke goov dem ganze Ovend sing Weih un maht in zo'em wohrhaff patriotische. Un we an dem Ovend unse bövveschte Gineral, dä dem Kunsät beiwonnte, dä Wunsch ussproch, dat der Kölner Männer=Gesangverein rääch bahl ens widder för uns Kregere he singe mööch, su wünschen ich och et vun ganzem Hätze, un dann sall der Prufesser Schwartz ganz bestemmv keine Kies, sondere ene Kalvsbrode krige— dat heiß, wann der Prinz nix dogäge hätt.