K Sche ees Will„ 32. Jahrgang. Rodgsuodnter Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis vierteljährlich 1 Mk. 25 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 1 Mt. 25 Pfg. Anzeigen: die Gspaltige Garmond=Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Retosten Drack und flert 7123 Mittwoch den 4. Mai 1898. N8 36. Agentur: Niederdollendorf, Wittwe Weber. Expedition: Königswinter, Hauptstraße Nr. 69. is er che. Deutschland. Berlin, 2. Mai. Der Kaiser wird nunmehr bestimmt am 18. Juni der Enthüllung des Kaiser Wilhelm Denkmals in Altona bei“ wohnen. Ob auch die Kaiserin an der Feier theilnehmen wird, steht noch nicht fest. Nach der Enthüllungsfeier wird der Kaiser das neue Rathhaus besuchen und im großen Rathhaussaal, woselbst die beiden städtischen Collegien versammelt sein werden, einen Ehrentrunk seitens der Stadt entgegennehmen. Sodann wird der Kaiser zum Hafen fahren und dort sich auf einem Aviso der kaiserlichen Marive einschiffen, um längst der Elbufer elbabwärts und nach Cuxhaven zu fahren. — Prinz Heinrich wird Dienstag in Kioutschou eintieffen. Bei allen Kennern Chinas erregt es das größte Staunen, daß der Kaiser von China, was bisher noch niemals geschehen ist, einem Gast neben sich den Ehrenplatz anbieten will, wie dies dem Prinzen Heinrich zugedacht ist. Noch bedeutsamer erscheint der demselben in dem festgesetzten Empfangsceremoniell vom Kaiser von China zugedachte Gegenbesuch. Eine derartige Entschließung der„himmlischen" Majestät mußte für Jeden, der die Auffassung der Chinesen über das höchste irdische Wesen ihres Kaisers kennt, bisher für völlig undenkbar gelten! Streift ja damit der Kaiser selbst vor der Außenwelt den Begriff seiner alle Welt überragenden Superiorität ab, um die Ehre seines Besuches dem efremden Prinzen zu erweisen. — Der Herzog von Sachsen=Coburg=Gotha ist aus Egypten zurückgekehrt. — Das Abgeordnetenhaus hatte Sonnabend eine große Debatte über die Frauenfrage anläßlich der Interpellation des Abg. Gothein(Fr. Vgg.) über die versagte Genehmigung zu der von der Stadt Breslau beabsichtigten Errichtung eines Mädchengymnasiums. Nachdem Abg. Gothein(Fr. Vgg.) die Interpellation begründet, erklärte der Cultusminister Bosse, er habe nicht zugeben können, daß die Ablegung des Abiturientenexamens an der geplanten Schule zum Besuch der Universität berechtigen sollte. Der Erweiterung der Möglichkeit für wissenschaftliche Fortbildung der Mädchen stehe die Regierung durchaus freundlich gegenüber. Die privaten Gymnasialkurse seien ausreichend und haben den Vorzug, daß der Entschluß zum Studium von gereiften Personen gefaßt wird, während das Breslauer Mädchengymnasium schon 12jährigen Mädchen zugänglich sein sollte. Ein Bedürfniß für eine solche Anstalt sei nicht nachgewiesen. Die meisten Familien wünschten, daß ihre Töchter sich verheiratheten. Im Wettbewerbe mit Männern seien die Frauen im Vortheil, weil sie die allgemeine Wehrpflicht nicht haben. Gegen die Errichtung eines öffentlichen Gymnasiums lägen erhebliche, öffentliche technische und pädagogische Bedenken vor. Abg. Rickert(Fr. Vgg.) rieth, bei Zeiten die derechtigten Forderungen der Frauen zu erfüllen. Abg. Graf Limburg=Styrum(cons.) war mit der Erklärung des Ministers Dämonen des Hasses. Eine Geschichte von der hannoversch=holländischen Grenze. Von Th. Schmidt. (Unbefugter Abdruck wird gerichtlich verfolgt.) (4. Fortsetzung.) Dicht vor das erbleichende und ängstlich zurückweichende Mädchen hintretend, zog der rohe Mensch plötzlich ein dolchartiges Messer und hielt es dem erschreckt aufschreienden Mädchen vor die Augen. „Sieh, Ungetreue, diesen Stahl bohre ich ihm in die Brust an dem Tage, an dem Du mit ihm vor den Altar trittst— erst ihm, dann Dir und zuletzt mir.“— Das bedauernswerthe Mädchen war vor dem wuthverzerrten Antlitz Horst's und der schrecklichen Morowaffe in die äußerste Ecke der Küche geflüchtet und stieß in dem Glauben, der Wütherich wolle sie erstechen, laute Hülferufe aus. 2. Kapitel. Die beiden Gegner. Unterdeß in dem einsamen Wirtyshause an der Grenze ein junges unschuldiges Mädchen vor der Wuth eines rohen Menschen zitterte, schritt ein junger Herr in der kleidsamen Tracht der preußischen Steuerbeamten tief in Gedanken versunken auf der Landstraße hin, welche an ersterem vorbei und ins Holländische führt. Der Regen, der vor einer Weile vom Winde gepeitscht noch klatschend niederfiel, hat an Stärke nachgelassen, im Westen bricht sogar die im Untergehen begriffene Sonne noch einmal strahlend durch die Wolken. Der Beamte scheint es nicht sehr eilig zu haben unter Doch zu kommen, obschon das Wetter und sein durchnäßter, reocnschuerer Dienstmantel ihn dazu veranlassen könnten. von Zen zu Zeit bleibt er stehen, reckt seine große, kräftige Gestalt in die Höhe und stößt die Worte hervor:„Nein, es ist nicht wahr, der College Schmelzer muß sich irren.“ Das Antlitz des Beamten ist zwar kein auffallend schönes, einverstanden. Abg. Wedekamp(Fr. Vp.) meinte, wenn der Minister die Mädchen zu Hausfrauen erzogen wissen wolle, solle er die nöthigen Männer zu heirathen besorgen. Abg. Stöcker(wilde.) verlangt, daß die Mädchen zunächst Frauenbildung und dann erst Gelehrtenbildung erhalten sollten. Redner erkannte das Bedürfniß nach weiblichen Aerzten an, doch sei hierzu weibliche nicht männliche Vorbildung erforfolgte der Bericht der Staatsschuldencommission, wobei Abg. Lückhoff(Frc.) erklärte, daß wegen des Falles Grünenthal Grund zu Besorgnissen nicht vorhanden sei. — Der Reichstag erledigte Sonnabend in dritter Lesung ohne Debatte den Weltpostvertraz, das Handelsvertragsprovisorium mit England und das Gesetz über die electrischen Maßeinheiten, desgleichen in zweiter Lesung die einzelnen Paragraphen des Gesetzes über Naturalleistungen für das Heer im Frieden. Einstimmig nahm hierauf das Haus die Antrage Bachem und Münch=Ferber auf Herabsetzung des Zolles für Rohseide bezw. zollfreie Einfuhr derselben und entsprechende Verzollung des Veredelungsproductes an. Von den alsdann zur Berathung gelangten Petitionen wurde eine solche über Revision der medicinischen Prüfungen der Regierung zur Erwägung, eine über Vogelschutz zur Berücksichtigung, eine über den Betrieb von Bäckereien und Conditoreien als Material überwiesen, während das Haus über eine Petition betreffend die Verzollung von Häringen zur Tagesordnung überging. — Die Regierung wünscht, daß der Schluß, nicht nur des Reichstages, sondern auch des Landtages jedenfalls vor Pfingsten erfolgt. Ein Termin für den Schluß des Reichstages ist noch nicht festgesetzt. — Das„Volk" veröffentlicht einen Wahlaufruf der christlich=socialen Partei, die bei den bevorstehenden Wahlen zum ersten Mal nicht als Gruppe der conservativen Partei sondern selbstständig auf den Plan treten wolle. Die Partei habe in sieben Wahlkreisen feste Candidaturen aufgestellt und in zwei Wahlkreisen schwebten noch die Verhandlungen. Dentschlands answärtiger Handel zeigt auch im März d. J. Zahlen von einer früher noch nicht erreichten Höhe. Die Einfuhr belief sich auf 32,55 Millionen Dz. gegen 29.28 Millionen im März 1897, 25,61 im März 1896 und 17,75 im März 1895. Die Zunahme gegen das Vorjahr beträgt also.27 Mill. Dz. oder 11,2 v. H. Im ersten Vierteljahr d. J. sind aus dem Auslande 87.72 Mill. Dz. Waaren nach Deutschland eingeführt worden gegen 78,58 Mill. im gleichen Zeitraum des Vorjahres, also.14 Mill. Dz. oder 11.6 v. H. mehr. Der Werth der Einfuhr im ersten Vierteljahr d. I. beträgt 1302 Mill. Mark gegen 1133 im ersten Vierteljahr 1897, also 169 Mill. Mark oder 14,9 v. H. mehr. Die Ausfuhr belief sich im März d. J. auf 23,93 Mill. Dz. gegen 22,56 im März 1897. 20,31 im März 1896 und 18,43 im März 1895, so daß gegen das Vorjahr eine Zunahme um 1,37 Mill. Dz. oder 6,1 v. H. stattgefunden hat. In den ersten 3 Monaten sind 68,89 Mill. Dz. Waaren ausgeführt gegen 60,71 im aber die hohe Stirn und das breite, etwas vorstehende Kinn, die kräftige, leichtgebogene Nase und die ebenmäßige hohe Stirn, sowie die lebhaften dunkelbraunen Augen lassen es interessant erscheinen; es sprüht aus ihm männlicher Ernst, ein hoher Grad von Intelligenz und eine starke Willenskraft. Gustav Günther war vor etwa Jahresfrist nach der„Zollstation Heede“, einem kleinen Grenzdorfe im Hannoverschen versetzt worden, um den Grenzdienst kennen zu lernen. Da er für den höheren Steuerdienst bestimmt war, so galt die Beschäftigung im Grenzwachtdienst für ihn als eine Art Durchgangsstellung. Bereits im nächsten Frühjahr hoffte Günther eine seinen Kenntnissen und Fähigkeiten angemessenere Stellung zu erhalten, da er sich großer Beliebtheit bei seinen Vorgesetzten erfreute, ohne, wie das in solchen Fällen leider oft zu beobachten ist, gerade ein„Streber" und„Kriecher" zu sein. Von hohem Pflichtbewußtsein erfüllt und wissend, daß seine Vorgesetzten ihn absichtlich, sozusagen zur Probe seiner Umsicht und Geschicklichkeit, an einen Punkt der Grenze versetzt hatten, an dem seit langer Zeit hin= und herüber ein lebhafter Schmuggelhandel stattfand, war er eifrig bemüht, diesem Treiben in seinem Revier energisch zu steuern und so das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Und in der That, Günther hatte, Dank seiner Rührigkeit und Geschicklichkeit, es bald dahin gebracht, daß sein Revier, aus dem früher sich die Anzeigen über abgefaßte Schmuggler häuften, bald als das„unverdächtigste" galt. Aber dieser erfreuliche Zustand hielt nicht lange an. Der von Günther und einem älteren Collegen von Schmugglern rein gehaltene Bezirk, wimmelte sozusagen seit einigen Monaten wieder von Leuten, die den Schleichhandel gewerbsmäßig betreiben mußten, und zwar waren es jetzt, nicht wie früher, Grenzbewohner, sondern Fremde, Männer aus aller Herren Länder. Günther und seinem Collegen waren die Schmuggler zwar bald bekannt, aber es war, als wenn sich diese Menschen auf ihren Schuuggelgängen zusichtbar machen konnten, denn es wollte Vorjahr, also 8,18 Mill. Dz. oder 13.5 v. H. mehr. Der Ausfuhrwerth wird für das 1. Vierteljahr d. J. auf 917,22 Mill. Mark berechnet gegen 849,29 Mill im Vorjahre, also auf 64,93 Mill. Mark oder 8 v. H. mehr. — In einem Artikel zur internationalen Lage weist die „Köln. Zeitung" die Gerüchte über eine angebliche Abkühlung in den deutsch=russischen Beziehungen als gänzlich unbegründet zurück. Unseres Erachtens, schreibt das Blatt, zeichnet sich die deutsche Politik durch eine erfreuliche Klarheit und Durchsichtigkeit aus. Sie gibt Rußland nicht den geringsten Anhalt, an der altüberlieferten deutschen Zuverlässigkeit zu zweifeln. Sie hindert ein gutes Zusammengehen mit England nirgends, wo die deutschen Interessen ein solches wünschenswerth machen. Sie hat allerdings aber auch jeden Zweifel darüber beseitigt, daß sie sich nicht zum englischen Vorspann hergeben wird, wo keine entsprechend wichtigen deutschen Interessen mit in Frage kommen. Frankreich. Im Ministerrathe kündigte der Ministerpräsident an, er wolle Dienstag die ständige Abtheilung des obersten Ackerbauraths zusammenberufen, um die Getreidefrage zu prüfen. Die eingeforderten Berichte der Präfecten seien widersprechend und ließen eine sichere Consequenz nicht ziehen. Meline will nun die ständige Abtheilung auffordern, ihre Ansicht zu äußern.— Im neuen Zolaprocesse soll ein Dr. Gibert, Arzt in Havre, eidlich aussagen, daß Präsiden! Faure während eines Mahles im Hause des Arztes vor allen Geladenen erklärte, Dreyfus sei das Opfer eines Bubenstreiches. Amerika. Mit ihrem Bombardement und andern kriegerischen Heldenthaten haben sich die Amerikaner vorläufig gründlich blamirt. Die Spanier haben zwar auch noch nichts ausgerichtet, aber sie haben sich auch keiner Siege gerühmt. Auch so furchtsam sind sie nicht wie die Amerikaner, die aus einer Besorgniß in die andere fallen. Zuerst zitterten sie für Newyork, dann für ihre Flotte, die sie durch spanische Spione und Dynamitbolde bedroht wähnten, ihre neueste Sorge gilt Key West. Es herrscht einige Befürchtung, daß Key West zum ersten Angriffspuncte der spanischen Flotte gemacht werde. Viele meinen, daß die spanischen Kriegsschiffe„Vizcaya" und Almirante Oquendo" allein binnen wenigen Stunden Key West erobern könnten. — Der britische Botschafter und der französische Botschafter haben von ihren Regierungen Instructionen erhalten wegen des Tonnengeldes, das nach dem Gesetze über die Kriegskosten erhoben werden soll. Man glaubt, daß auch der deutsche Botschafter Instructionen erhalten werde, und daß gemeinsame Vorstellungen gegen die Härte dieser Abgabe erhoben werden würden. Die Vertreter der großen Staaten hegen die HHoffnung, daß diese Vorstellungen zu einer Aenderung der Bestimmungen führen würden, bevor die Vorlage Gesetz wird. Sonst würde der englische, französische und deutsche Seehandel nach canadischen und mexikanischen Häfen geleitet werden. den Beamten, welche sich die größte Mühe gaben, die Schmuggler auf ihren geheimen nächtlichen Gängen abzufassen, nicht gelingen, hinter die Schliche der Menschen zu kommen. Die Steuerbehörde verstärkte infolgedessen das Aufsichtspersonal, erhöhte die Prämien für eingebrachte Schinuggler und deren Kontrebande, alles vergebens. Hatten die Steuerbeamten bislang mit den Grenzbewohnern auf friedlichem Fuße gelebt, so begann nunmehr für letztere eine Zeit unangenehmer Plackereien und mißtrauischen Beobachtens seitens der ersteren. Fast täglich wurden Haussuchungen bei Einwohnern der Dörfer Rhede, Neu=Rhede, Dersum. Heede u. a. abgehalten. In einer Nacht hatte sogar eine ganze Schmugglerbande den Grenzbeamten eine regelrechte Schlacht geliefert, bei der zwar einer der Schmuggler schwer verwundet und verhaftet wurde, die übrigen aber sämmtlich entkamen. Da sämmtliche Schmuggler sich vor der Affaire unkenntlich gemacht hatten und der verhaftete Komplize keinen der Bande verrieth, so verlief die gegen sie eingeleitete Untersuchung zuletzt im Sande. Bei den Beamten stand es indeß längst fest, daß der vor mehreren Monaten aus Amcrika zurückgekehrte„schwarze Dierk“ das Haupt dieser Schmugglerbande sei, und Günther brannte vor Begierde, diesen Mann einmal aus einem Schmugglergange abzufassen. War er es doch, der ihn Tag und Nacht nicht zur Ruhe kommer ließ und ihn um die Früchte seiner Arbeit bei seinen Vorgesetzten gebracht hatte. Bei den fast resultatlosen Bemühungen der Beamten, dieser neuerdings auftauchenden äußerst geriebenen und fühnen Schmugglerbande das Handwerk zu legen, hatte die vorgesetzte Behörde bereits einmal die Abberufung Günthers von seinem Posten ziemlich ungnädig verfügt, und nur dem koatrolirenden Vorgesetzten, der dem jungen Beamten das beste Zeugniß ausstellte, hatte jener es zu verdanken, daß er noch an der Grenze verbleiben durfte. (Fortsetzung folgt.) ∆ Der spanisch=amerikanische Krieg. Madrid, 2. Mai. Wie aus Mauila amtlich gemeldet wird, kündigten in der Nacht zum Sonntag Kanonenschüsse, welche am Eingang des Hasens fielen, an, daß das feindliche Geschwader die Einfahrt in den Hafen zu erzwingen suchte. Heute Vormittag erschien das amerikanische Geschwader vor Cavila. Vom Arsenal des spanischen Geschwaders wurde das Feuer eröffnet. Nach heftigem Kampfe zog sich das amerikanische Geschwader nach dem westlichen Ufer der Bai zurück. wo es hinter den ausländischen Schiffen Stellung nahm. Wegen der Ueberlegenheit der Amerikaner erlitten die spanischen Schiffe beträchtlichen Schaden. An Bord der „Christine brach Feuer aus. Ein Schiff flog in die Luft Die Verluste auf spanischer Seite sind groß. Unter den Gefallenen befindet sich der Commandant der„Christine". Berlin, 2. Mai Nach zuverlässigen directen Telegrammen ist die Niederlage der Spanier vor Manila weit größer, als die Madrider Depesche zugesteht. Das Geschwader ist so gut wie vernichtet. Madrid, 3. Mai.(Telegramm.) Manila ergab sich den Amerikanern. Ueber Madrid ist der Belagerungezuiand versängt. Vermischte Nachrichten. * Königswinter, 1. Mai. Wiewohl der GesellenVerein am verflossenen Mittwoch ganz und voll mit dabei war, als es galt, das 25jährige Priccker=Jubiläum des Herrn Kaplan Commes festlich zu begehen, so glaubte er doch, das Jubiläum seines geliebten Präses im engern Rahmen extra feiern zu müssen und hatte hierzu die Mitglieder zu einer Festversammlung im Vereinslokale auf heute Abend eingeladen. Der Einladung hatten die Gesellen und Ehrenmitglieder zahlreich Folge geleistet; das Vereinslokal selbst war auf das Herrlichste mit Blumen, Guirlanden und Fahnen geschmückt, das Bild des Jubilars hatte man mit einem schönen Silberkranze umrahmt. Eingeleitet wurde die Feier mit einem gemeinschaftlichen Liede. Dann feierte der Vizepräses des Vereins, Herr Lehrer Julius Becker, den Jubilar in einer längeren Rede. Der Verein habe seine Mitglieder, so führte er aus, zu einer kleinen Feier eingeladen. Daß diese Feier dem Herrn Präses gelte, sei allen bekannt. Er danke dem Jubilar im Namen des Vereins recht herzlich für sein Erscheinen. Ein schöner Tag sei es, den man für die Feier ausersehen; 1. weil der heutige Tag schon ein Festtag für die Mitglieder des Vereins sei durch die heute Morgen stattgehabte gemeinschaftliche Oster=Communion; dann sei 2. heute das Schutz fest des hl. Joseph und 3. halte ja heute der Wonnemonat seinen Einzug. Wie beliebt der Herr Präses bei allen Mitgliedern sei, sei hinlänglich bekannt, ebenso, wenn mal Differenzen zwischen einzelnen Mitgliedern zu Tage träten, daß allein die Liebe zum Präses dieselben schon ausglichen. Einen Herzenswunsch hobe er aber am heutigen Abend; daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch lange, lange Jahre zum Segen der ganzen Gemeinde, speciell aber des GesellenVereins, hier in Königswinter zu wirken. Daraushin bringe E ein Boc.. goch felate ain auf k Dem brausend ausgenommenen Hoch feign ein auf den Jubilar eigens verfaßtes Festlied. Dann wurde von dem Vereinssecretär nachstehender Prolog declamirt: Wo so Viele freudig sich vereinen. Idres Hirten Etrentag begebn, Wollen Kolpings Södne auch erscheinen, Grüßend heut' um ihren Präses stehn. Alles, was die Seele uns durchziebet, Kindliche Verebrung, Preis und Lod, Das begeistert uns im Herzen glübet, Und die Wünsche all', die Liede wod, * Soll is bringen Dir in dieser Stunde Als Tribut der tiefsten Dankbarkeit, Immerdar genährt in unserm Bunde, Der das Wort nur schwachen Ausdruck=leibt. Galt nicht uns besonders Deine Liebe? Riefst Du nicht in's Leben diesen Kreis, Daß in arger Welt er standdast bliebe, Gott und Glauben treu um jeden Preis? O wie segensvoll Dein Erdenwallen, Wie an Früchten reich Dein Amt so schwer! Bester Hirt erwiesest Du Die Allen, #der uns Gesellen warst Du mehr Ja. Du bist ein Vater uns gewesen, Der's mit seinen Kindern treu gemeint, Unserm Weg ein Vorbild auserlesen, Unsrer Jugend Lehrer, Führer, Freund. Wenn des Tages Schaffenszeit zu Ende, Bist Du freundlich bei uns eingekehrt, Hast dadurch die Arbeit schwiel'ger Hände Und den schlichten Handwerksstand geehrt. Und in solchen Stunden dursten fühlen Wir uns All' von einem Band umsaßt, Frod vereint in gleichgesteckten Zielen. Und gemeinsam tragend Lust und Last. Laß uns Dir denn das Gelödniß geben, Das uns däucht die beste Dankesart: Allezeit nach Kolpings Geist zu leben, Der durch Dich uns erst erschlossen ward Und zum Himmel senden wir die Bitte, Daß er unsern theuern Jubilar Wandeln lass' in der Gemeinde Mitte Noch durch weit're fünf und zwanzig Jahr! Nachdem nun ein mehrstimmiges Festlied. und ein solches, welches die Wirksamleit des Jubilars schilderte, verklungen und das Vereinsmitglied August Lenfers noch ein schönes Gedicht declamirt, nahm der Gefeierte das Wort und führte end and. Meine verehrten Herren Ehrenmitglieder, meine lieben Gesellen! Das schöne Fest, welches die Pfarrgemeinde, ja die ganze Stadt aus Anlaß meines 25jährigen Priester=Jubiläums gefeiert hat, wird mir unvergeßlich bleiben. Die Gesellen haben einen hervorragenden Antheil an diesem Feste. Sie haben es sich aber nicht nehmen lassen, eine besondere Feier zu arrangiren. Ich begreife dies sehr wohl und freue ich mich herzlich über diese treue Anhänglichkeit; stehe ich doch zum Gesellen=Verein durch meine Stellung als Präses des Vereins in einem besonders innigen Verhältniß. Am Mittwoch sind mir bereits durch den Vorstand die Glückwünsche des Vereins übermittelt worden und habe ich schon meinen wärmsten Dank dafür ausgesprochen. Ich erachte es aber als meine Pflicht. heute nochmals hier meinen von Herzen kommenden Dank auszusprechen, und zwar einem jeden einzeln von ihnen. Der verehrte Herr Vizepräses stellte in seiner Anrede meine Verdienste um den Verein in ein zu rosiges Licht; aber das darf ich mir sagen, daß ich stets ein warmes und treues Herz für den Verein gehabt und in Zukunft haben werde. Daß meine Liebe zu den Mitgliedern von diesen mir gegenüber erwidert wird, habe ich nie bezweifelt, aber bei meinem Jubiläum ist sie in eclatantester Weise zum Ausdruck gekommen durch das herrliche Geschenk, welches die Gesellen mir verehrt. In den letzten Monaten habe ich mich oft gewundert, daß die Einlagen in die Sparkasse nicht allzu flott waren, jetzt habe ich des Räthsels Lösung; vielfach große Opfer haben Sie gebracht, wie manches Glas Bier mußte weniger getrunken werden, um den Beitrag für das Geschenk zu steuern. Ich freue mich aber, daß die Gesellen so hervorzagend ihre Liebe zum Präses bekundet und nehme die Ehren gabe dankbaren Herzens an. Meinem Danke aber kann ich wohl keinen bessern Ausdruck geben, als daß ich Ihnen verspreche, so lange Gott mir Kraft verleiht, zum Wachsen und Blühen des Vereins das meinige beizutragen. Den Wunsch möchte ich aber aussprechen, daß sie nicht allein Liebe zum Präses bekunden, sondern auch Liebe zum Verein und demselben fest und treu anhangen, wie es ja die Intention unseres seligen Vaters Kolping war. Ebenso wie der Herr Vizepräses begrüße auch ich es mit großer Freude, daß zu der Fesi= Feier gerade der heutige Tag gewählt wurde, wegen der angeführten 3 Punkte. Zum Schlusse aber erinnere ich an die letzte Strophe des ersten Festliedes, welche da sagt: „Mag auch'mal ein Stürmchen sausen, Zu Dir halten wir ja doch;“ und beziehe diese Worte auf unsern Verein. Erheben Sie denn Ihre Gläser und rufen Sie mit mir aus: Der Katholische Gesellen=Verein von Königswinter lebe hoch, hoch, hoch Im Verlaufe des Abends, welcher in schönster Harmonie verlief und an welchem noch manches schöne Lied verklang. gedachte ein Ehrenmitglied des Vereins. Herr Brünggel, noch einmal des Wirkens des Jubilars, ihn als einen würdigen Nachfolger Kolpings schildernd und sprach zum Schlusse den Wunsch aus, daß es uns vergönnt sein möge, ihn mit dem Goldenen Kranze geschmückt zu sehen.„Gott segne das ehrbare Handwerk!" □ Königswinter, 2. Mai. Der erste Mai war von herrlichem Wetter begünstigt. In Folge dessen war der Fremdeubesuch hier ein ganz gewaltiger. Manche Localitäten waren bis auf das letzte Plätzchen besetzt und auf den Bergen herrschte reges Leben. Dem Vorschiff„Adolf“, welches 3¾ Uhr hier eintraf, entstiegen 576 Personen, zur selben Zeit brachte die Ponte 176 Personen. Diese Zahlen schon ermöglichen einen Schluß auf den lebhaften Zustrom, den der ganze Nachmittag brachte. * Königswinter, 3. Mai. Das neu erbaute schöne Hotel der Geschwister Rings am nördlichen Ende der Stadt wird demnächst auch dem Betrieb übergeben; es ist an einen Gastwirthen Herrn Franz Kalisch aus Köln verpachtet Königswinter, 3. Mai. In welch' kürzester Zeit läßt sich zu Fuß von der Marktstraße in Königswinter aus die Strecke bis zum Petersberge(Hotel) und zurücklegen? Dies wurde heute Abend gegen 10 Uhr Gegenstand einer Wette in der Restauration Reinarz. Man wettete, in 1 Std. und 10 Min. Der ausführende Herr Contrahent gewann die Wette gemäß Vorlegung einer Bescheinigung des Hotelbesitzers auf dem Petersberg, indem er im Dunkel der Nacht den Petersberg von der Marktstraße aus bestieg und zur Marktstraße zu Fuß in 42 Minuten zurückkehrte. Königswinter, 4. Mai. Heute findet zum erstenmal in dem naturschön gelegenen, neu erbauten Hotel auf der Rosenau Frei=Concert statt. Als Musikkapelle sind die Deutzer Kürassicre engagirt. (“) Aus dem Siegkreise, 4. Mai. Am Montag den 23 ds. Vormittags 11 Uhr, findet im Hotel zum Stern in Siegburg ein Kreistag statt. Die Tagesordnung umfaß: 15 Punkte, u. A. Bericht des Kreisausschusses über die Verwaltung und den Stand der Kreiskommunal=Angelegenheiten, sowie Feststellung des Kreis=Haushaltetats für 1898/99, Ersatzwahlen für die Einkommen= und Gebäudesteuer=Veranlagungslommissionen, Kreis=Hundesteuer, Sieg=Regulirung. KreisKleinbahn=Projecte 2c. Vom Rhein, 28. April. Die königl. Regierungen sind ermächtigt worden, den Schulaufsichts=Organen die Genehmigung zu ertheilen, daß da, wo in diesem Jahre die Maikäfer in einer für die Feld= und Forstwirthschaft besenders gefahrdrohenden Menge auftreten, die Schulkinder zum Einsammeln von Maikäfern vom Schulunterricht befreit werden. Bonn, 30. April. Der unter eigenthümlichen Umständen in Poppelsdorf erfolgte Tod der Gertrud Vosen aus Crefeld wird kein gerichtliches Nachspiel haben. Laut Beschluß der Strafkammer werden die beiden Dr. med. Bellinger und Strour außer Verfolgung gesetzt, da sich keine Beweise dafür ergeben haben, daß fahrlässige Tödtung oder ein Verbrechen im Sinne des§ 218 Str.=.=B. vorliege. Bonn, 28. April. Vor der Civilkammer des Landgerichts stand ein ziemlich ungewöhnlicher Fall zur Verhandlung. Ein Wirth aus Hönningen, der bei seinem Schwiegervater in Honnef 37 Schweine zur Mast eingestallt hatte, war von dem dortigen Bürgermeister wiederholt zur Fortschaffung des angeblich den Umwohnern lästigen Borstenviehs aufgefordert und mit Ordnungsstrafen belegt worden. Vergeblich jedoch. Schließlich gab der Bürgermeister in der Zeitung bekannt, falls seiner Aufforderung bis zu einem bestimmten Tage nicht Folge geschehe, würden die Ferkel auf dem Marktc öffentlich verkauft. Und so kam es denn auch. Da die Thiere für einen Spottpreis abgingen, verlangte der Eigenthümer, der jene Bekanntmachung nicht gelesen zu habe behauptet, von dem Bürgermeister Schadenersatz, und zwar nicht weniger als 3000 Mark. Der Beklagte, der als Civilperson und als Vorstand der Gemeinde von dem Kläger belangt ist, bestritt in der gestrigen Verhandlung die Zuständigkeit des Gerichts und machte geltend, daß die von ihm getroffene Maßregel als Amtshandlung nur einem Verwaltungsstreitverfahren unterliege, mithin vor den Kreisausschuß gehöre. Die Civilkammer hat ihre Entscheidung bis zur nächsten Woche vertagt. Köln, 30. April. Die Finanzcommission der Stadtverordneten hat den Bau und die Ausrüstung eines zweiten Theaters beschlossen. Köln, 29. April. Von der hiesigen Eisenbahndirektion sind 6 Eisenbahnwagen mit Vorrichtungen zur Aufbewahrung von Fohrrädern ausgerüstet worden, die auf verschiedenen Strecker zur Probe eingestellt sind. Die Köln=Düsseldorfer Dampfsa fffahrts=Gesellschaft hat die Gebühren für den Transport von Fahrrädern von 2 auf 1 Mk. ermäßigt. Düsseldorf, 28. April. Ein Stammtisch junger Kaufleute von hier sandte ein Telegramm an die Königin Regentin von Spanien, worin sie derselben und dem spanischen Volke recht erfolgreiches Waffenglück für die gerechte Sache wünschten. 24 Stunden später schon tras die Antwort der Königin mit folgendem Inhalt ein:„Die Königin bedankt sich sehr für den Ausdruck Ihrer Sympathie=Kundgebung für das spanische Volk und Heer: I.: Graf Morphy." Crefeld, 30 April. Anläßlich seiner goldenen Hochzeit stiftete Herr Konrad Krahnen 50000 Mk., deren Zinsen für alte, hülfsbedürftige Arbeiter der Fabriken Krahnen und Gobbers in Crefeld und Wassenberg bestimmt sind. Aachen, 27. April. Gegen den Kaufmann Siegelin von hier war am 19. April wegen Verletzung des Einkommensteuergesetzes verhandelt, die Urtheils=Verkündigung aber auf gestern vertagt worden. Der Angeklagte war beschuldigt, sich zu niedrig eingeschätzt zu haben. Obwohl die Gutachten der Sachverständigen sich widersprachen, hatte der Staatsanwalt beantragt, den Angeklagten zum zehnfachen Betrage der umgangenen Steuer zu verurtheilen. Das gestern verkündete Urtheil lautete auf die Zahlung des siebenfachen, auf 6658 Mark angenommenen Steuerbeirages, also auf insgesammt 46 606 Mark. Der Kaufmann will von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch machen. Cochem, 28. April. Von einer hiesigen Weingroßhandlung werden in diesen Tagen 7000 Flaschen Wein in Kisten verpackt, nach Kioutschon versandt. Berlin, 2. Mai. Die Schlußsitzung des Central= Comitces zur Unterstützung der durch Unwetter Geschädigten in Deutschland hat stattgefunden. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilte Oberbürgermeister Zelle mit, daß bis zum Augenblick eingegangen sind 3 205982 Mark, ausgegeben 3171031 Mark, sodaß ein Bestand von 34951 Mark verbleibt. Bei Gelegenheit der nun folgenden Rechnungslegung beantragt Bürgermeister Kirschner, den Restbestand den Hilfsbedürftigen zuzuwenden, welchen die Unwetter neben Hab und Gut auch den Ernährer geraubt haben. Das Comitee beschließt, den Restbestand in dem beantragten Sinne zu verwenden und beauftragt auf Vorschlag des Oberbürgermeisters mit der Realisirung dieses Wohlthätigkeitswerks die beiden Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher Augsburg, 27. April. Auch unser gesegnetes Schwaben weist noch Leute auf. die vom krassesten Aberglauben befangen sind. In der Stadt Kaufbeuren an der Werlach starb vor einem Jahre ein Mädchen der Bauerssamilie Kotterich. Diesen Fall beutete die Frau des Fabrikschreiners Wohlfahrter in schamloser Weise aus. Die Wohlfahrter richtete an 50 Briefe an die Kotterich'schen Eheleute, in denen sie auf ihre sehr guten Verbindungen mit dem Jenseits hinwies. Die Briefe sollten der Schwindlerin angeblich von der„Muttergottes“ diktirt, oder Nachts auf den Tisch zur Besorgung niedergelegt worden sein. In einem Briefe wurde den Eltern des verstorbenen Mädchens mitgetheilt, daß dieses im Himmel eine Ehe geschlossen habe. Die Braut befinde sich wohl und es gehe ihr recht gut, die„Muttergoltes" lasse aber um die Aussteuer bitten. Und in der That, die Eltern händigten das hierfür nöthige Kleingeld der Wohlfahrter zur Uebermittlung aus. Alsbald kam die Bestätigung und ein neues Anliegen. Auch dieses wurde befriedigt, und in nicht langer Zeit war eine regelrechte Post mit dem„Himmel“ hergestellt. Alles wickelte sich schnell und glatt ab, der„himmlische Bote“ Wohlfahrter erschien mit dem Brief aus dem Jenseits, tieferte ihn ab und nahm Geld oder Schmucksachen in Empfang. Es waren ganz erhebliche Summen, die die weite Reise machten; denn der Briefwechsel„der Verstorbenen“ mit ihren. Eltern kostete letzteren im ganzen 8400 Mark. In einem heißt es, die Tochter sei Mutter dreier Kinder geworden, die jetzt getauft und gekleidet werden müßten. Ein anderer überbringt die betrübende Muttheilung, daß sich die Tochter im Himmel schwer versündigt habe und nur durch 1600 Mark vor einer Jahrtausende langen Qual im Fegfeuer geschützt werden könnte. Ein andermal wurde gemeldet, daß für die 12 Apostel neue Kleider angeschafft werden müßten; ferner, daß im Himmel eine Hungersnoth ausgebrochen sei, an der alle Engel sterden müßten, wenn die Familie Kotterich nicht ein Schwein senden würde. Hia und wieder zeigte sich die „Muttergottes“ auch erkenntlich, so schickte sie ein Canapee, einen neuen Hut usw., wofür die Familie aber immer nachträglich bezahlen mußte. Für das Canapee schickte ein Kaufbeurer Sattlermeister die Rechnung, für den Hut eine Modistin. Durch Zufall kam der Polizeiwachtmeister Wurmann der Sache auf die Spur und stellte den Briefwechsel ein. Die Wohlfahrter wurde verhaftet. München, 27. April.(Analphabeten und Volksschule.) Ein reizendes Geschichtchen gab am Sonntag in der Bauerbundversammlung zu Feldkirchen(bei München) der Gutsbesitzer Persch von Hollern zum Besten. Darnack hatte vor einigen Jahren ein Abgeordneter eine Agitation für die Abschaffung das siebenten Volksschuljahres in Sceue gesetzt und sich zu diesem Zwecke in einem Circular an seine Wähler gewendet. Persch constatirte uun, daß dieses Circular in sechs Zeilen nicht weniger als siebzehn orthographische Fehler enthielt!! Der Redner fügte unter Zustimmung der Versammlung bei, daß ein solcher Art gebildeter Mann statt in eine parlamentarische Körperschaft selbst noch volle sieben Jahre in die Volksschule gehöre. — Die Zahl der im städtischen Leihhause zu München verpfändeten Fahrräder nimmt ganz ungewöhnlich zu, sodaß, wie Rechtsrath Heilgemayr im Magistrat mittheilte, in der Leihanstalt München II etwa 1400 Räder versetzt sind. Heilgemayr beantragte daher, für diese Fahrzeuge einen Aufbewahrungsverschlag mit 3800 M. Kostenaufwand herzustellen. Bürgermeister v. Brunner bemerkte scherzweise, es könnte noch nothwendig werden, für versetzte Fahrräder ein eigenes Leihhaus zu bauen. Der Antrag des Rechtsraths Heilgemayr wurde angenommen. —(Selbstmord einer Hundertjährigen.) Aus Teplitz wird berichtet: Die 99jährige Johanna Wahrhusen, der nur noch weuige Tage zum hundertsten Geburtstag fehlten, beging Selbstmord in der Art, daß sie den Kopf in einen Wassertümpel hinter dem Bahnhofe der Aussig=Teplitzer Eisenbahn steckte und auf diese Weise ertrank. Die Greisin, die durch die Unterstützung ihrer Verwandten ein sorgenloses Leben führen konnte, hatte wiederholt geäußert, sie ertrage ein so langes Leben nicht, sie wolle nicht hundert Jahre alt werden und wenn sie nicht vor Erreichung des hundertsten Lebensjahres sterbe, so werde sie sich selbst das Leben nehmen. Nun hat sie diesen Entschluß ausgeführt. —(Ein neuer Phonograph.) Die N. Fr. Pr. schreibt: Wir hatten Gelegenheit, einen neuen Phonographen kennen zu lernen, der sich als eine sehr gelungene Verbesserung des Apparates darstellt, den der geniale Edison in Llevelyn Park construirt hat. Der Erfinder des neuen Phonographen ist ein Wiener Ingenieur, Hr. Philipp v. Wouwermans. Er hat die ursprüngliche Type des Edisons Phonographen so umgestaltet, daß die meisten Mängel desselben, vor allem die höchst störenden Nebengeräusche, beseitigt sind. Der Apparat von Wouwermans sieht dem Edison'schen sehr ähnlich, ist aber bedeutend kleiner und die Wiedergabe des gesprochenen Wortes, des Gesanges und der Instrumentalmusik ist weit klater und schärfer als jene, die mit den Phonographen erzielt wurde, die man bisher in Wien kennen gelernt hat. Wouwermans Apparat, der durch ein Uhrwerk in Bewegung gesetzt wird, eignet sich besonders zur Aufnahme und Wiedergabe von Diktaten, denn eine sinnreiche Vorrichtung ermöglicht es dem Nachschreibenden, jederzeit das Diktat zu unterbrechen und den Apparat erst dann weitersprechen zu lassen, bis der Schreiber mit dem Bleistift nachgekommen ist. Eventuell kann diese Vorrichtung in Zukunft auch in einer Druckerei für den Setzer, der das Gehörte rasch nachsetzt, verwendet werden. Der Apparat kostet blos 50 fl. Die Aufnahme von Phonogrammen geht, wie beim alten Edison'schen Apparat. rasch von statten. Ein Trichter wird aufgesetzt, man spricht oder singt durch denselben auf eine Wachswalze, die Tonwellen lassen ihre Spur in Wellenlinien auf dem Wachs zurück, und die Rolle ist für den Gebrauch fertiggestellt. Mehrere Redaktionscollegen sprachen in den Apparat kürzere und längere Sätze, und der Phonograph gab die ihm anvertrauten Redaktionsgeheimnisse mit verblüffender Deutlichkeit und Tonstörke wieder; es waren frappant ähnliche Stimmporträts, die man sowohl durch die Hörrohre vernahm, als auch durch den Trichter, der die gesprochenen Sätze in einem geräumigen Zimmer für alle klar verständlich wiedergab. v. Wouwermans hat auch einen ganz kleinen, mit Handbetrieb eingerichteten Phonographen hergestellt, der um 15 fl. zu haben ist. Die neuen Apparate werden auch in der Jubiläumsausstellung zu sehen sein. —(Die Schwimmkunst des Elephanten.) Im Allgemeinen wird der Elephant für einen ausgezeichneten und daher auch freudigen Schwimmer gehalten, der sich trotz seiner ungeschlachten Größe mit einer wahren Lust dem feuchten Elemente anvertraut, unbekümmert um dessen Tiefe. Der Engländer Sanderson, dem wir so viele werthvolle Mittheilungen über das Leben der indischen Elephanten verdanken, erzählt, daß er einmal 79 zahme Elephanten nach einem anderen Landestheile zu versenden hatte, die auf ihrem Wege den unteren Ganges mit seinen vielen Acmen kreuzen mußten. Einmal mußten sie auf ihrer Reise sechs Stunden hinter einander in einem Wasser schwimmen, wo sie keinen Grund fanden, hielten dann eine kurze Rast auf einer Sandbank und schwammen dann noch weitere drei Stunden. Diese Leistung, die dem plumpen Elephanten wohl wenig andere Landsäugethiere nachmachen würden, schien der Heerde nicht viel auszumachen, wenigstens ging kein einziges Stück verloren oder zeigte auch nur eine sichtliche Uebermüdung. Die ganz kleinen Elephantenbabies wurden von ihrer Mutter auf den Rücken genommen. — Ueber den Schwalbenmord an den Gestaden des adrigtischen Meeres erhält die„Tribuna“ von einem Leser folgende Mittheilung: Von der Spitze des Gargano=Vorgebirges bis zum Monteronero und nach Ancona hin hat jetzt wieder der große Vernichtungskampf gegen die Vögel aller Art, besonders aber gegen die zierlichen Schwalben, begonnen. Am frühen Morgen ziehen die sogen.„Cacciaroli“ hinaus und spannen auf dem Strandsande ihre Netze aus, die zwischen zwei Stöcken ruhen. Zu Tausenden kommen die Schwalben und fliegen zwitschernd in engem, geschlossenem Zuge, kaum einen Meter vom Boden entfernt auf und ab; sie sind müde, weil sie einen weiten Weg gemacht haben und doch sind sie voll Freude, denn das Ziel ist nahe. Die rohen Jäger nehmen die günstige Gelegenheit wahr und ziehen das Netz an, welches, sich halbkreisartig zusammenziehend, in einem Nu 300—500 Schwalben fängt. Die Vögel, die dem ersten Netze entgehen, finden in einer Entfernung von 100 Metern andere Jäger und andere Netze usw. So groß ist der Vogelmord, daß gegenwärtig in den Landbezirken und in den Villen der vornehmen Leute die kleinen Vögel tagaus, tagein auf den Tisch kommen, obwohl sie als „Tafelwild" nicht den besten Ruf haben. Die Jäger sind leichtfüßige Leute, auf den kleinen Hügeln und zwischen den Dänen des Jagdgedietes stehen ihre Aufpasser. Sobald sich Carabinieri nähern, ertönt ein kurzer Pfiff. und in einem Augenblick haben die Jäger ihre Netze zusammengepackt und Reißaus genommen. — Eine alte Schuldforderung gegen einen Chinesen ist bei Gelegenheit der Verhandlungen bezüglich Kioutschon durch die deutsche Regierung geregelt worden. Eine in Tientsin ansässige Firma, deren Hauptsitz sich in Hamburg befindet, hatte seit Jahren vergeblich die Einziehung einer alten Schuldforderung in Höhe von ungefähr 100000 Mk. gegen einen durchaus zahlungsfähigen Chinesen betrieben. Der Schuldner fand immer wieder Schutz bei chinesischen Beamten. Jetzt ist es indeß gelungen, der deutschen Firma zur Befriedigung ihrer Forderung in voller Höhe nebst Verzugszinsen zu verhelfen. — Was ein Krieg in den Teopen kostet, illustrirt ein amerikanisches Fachblatt durch folgende Ziffern: Um den Indianerstamm der Seminolen in Florida in der Gesammtstärke von 4000 Köpfen„zur Ruhe" zu bringen, brauchte man 7500 Mann. Von diesen fielen 58 vor dem Feinde, 1493 erlagen dem Fieber und die übrigen anderen tropischen Krankheiten. Der Feldzug kostete rund 10 Millionen Dollars in Baarem, außerdem an Pensionen bis jetzt 53 Mill. Dollars. Daraus kann man leicht schließen, was eine Landung auf Cuba und ein Krieg dort während des Sommers kosten wird. * Die Mai=Nachtfröste. Bekannt ist, daß, obwohl der Mai den Namen„Wonnemond“ führt, er doch in jedem Jahr uns auch noch Nachtfröste bringt, die oft den jungen Trieben recht verderblich werden. Die Gärtner haben häufig nicht eher Vertrauen, empfindliche Blumen in's Freie zu bringen, ehe nicht die bekannten 3 Eisheiligen„Mamertus, Pankratius und Servatius", der 11, 12. und 13. Mai, vorbei sind. Wird doch vielfach angenommen, daß dann die Fröste vollständig zu Ende sind. Werfen wir nun die Frage auf, ob dies wirklich der Fall ist, so müssen wir diese unbedingt verneinen. Aus Aufstellungen langer Jahre ist ersichtlich, daß es für durchaus nicht besonders exponirte Orte fast keine Nacht im Mai gibt, die im Laufe der Jahre nicht hin und wieder einmal von Nachtfrost betrossen wurde. Daß die in den letzteren Tagen des Mai vorkommenden Nachtfröste weniger beachtet werden, liegt vielleicht daran, daß zu dieser Zeit die niedere Temperatur nur kürzere Zeit dauert und daß die Pflanzen schon kräftiger, also weniger empfindlich geworden sind. Selbst im Juni kommt noch ein Kälterückfall vor, der die Temperatur bis nahezu auf„Null“, an exponirten Lagen sogar bis „unter Null“ erniedrigt. Ueber die Frage, ob es gefroren hat oder nicht, entsteht oft Streit. Da hören wir, daß der Landmann klagend von seinem Felde kommt, seine Pflanzen seien ihm erfroren, und dabei hatte ein fleißiger Beobachter zur Zeit des Sonnenaufgangs, also zur etwa kältesten Zeit, eine Temperatur von etwa+ 4° C. abgelesen. Der behauptet nun einfach, bei 4° Wärme könne es nicht frieren; dem Landmanne aber sind seine erfrorenen Pflanzen der beste Beweis für seine Behauptung, daß es gefroren hat. Es muß nun also wohl das Thermometer des Beobachters falsch zeigen? Mit nichten! Man hat durch fleißige Beobachtung die Erfahrung gemacht, daß nur dicht über dem Erdboden die Temperatur bis zu so niedrigen Graden sinkt, während schon 1 Meter über dem Boden von Frost absolut nichts mehr zu spüren sein kann. Wir haben uns diesen Prozeß in folgender Weise vorzustellen. In der klaren Nacht verliert nämlich der Erdboden Wärme durch Ausstrahlung gegen den kalten Weltraum; in Folge dessen kühlt derselbe sich ab. Erst allmählig werden durch Leitung die darüber befindlichen Luftschichten auch etwas abgekühlt, die weiter vom Boden entfernten aber nur wesentlich geringer. So kann es kommen, daß die Temperatur am Boden ganz gut bis auf 2 und mehr Gras Kälte sinken kann, während der erwähnte Beobachter in einiger Höhe über dem Erdboden seine 4 Grad Wärme völlig richtig beobachtete. Für den Eintritt von Nachtfrost ist vor allen Dingen absolut klarer Himmel erforderlich; vorhandene Wolken wirken wie ein Schirm, der die Wärme an der Erde zurückhält. Witterung. Am./5. Kühles, windiges, meist wolkiges bis trübes Wetter mit Regen. ./5. Theils heiteres, theils wolkiges, in der Temperatur wenig verändertes, meist trockenes Wetter. ./5. Ziemlich heiter und wärmer. bis Nk. 5,85 per Meter— japanesische, chinefische 2c. in den neuesten Dessins und Farben sowie schwarze, weiße und fardige Henneberg-Seide von 75 Pfg. bis Mk. 18,65 per Meter— in den modernsten Geweben, Farben und Dessins. 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Jeder, welcher Forellen in Ortschaften oder Städte einbringt, oder außerhalb derselben transportirt oder versendet, muß, wenn er nicht selbst der Fischereiberechtigte ist oder diesen vertritt, oder in dessen Diensten steht, oder in dessen Auftrage handelt, welches alles auf Erfordern nachgewiesen werden muß, und sofern ersterer nicht selbst anwesend ist, mit einer von der Orts=Polizeibehörde als glaubhaft attestirten Bescheinigung des Fischereiberechtigten oder dessen Stellvertreters versehen sein, worin der Name des Transportanten und der Tag der Uebergabe der Forellen genannt sind. Die Gültigkeit der Bescheinigung erstreckt sich mit Einschluß des Tages der Ausstellung nur auf eine Zeitdauer von 4 Tagen. § 2. Die in§ 1 genannte Bescheinigung muß den Polizeiund Forstschutzbeamten, insbesondere auch den Feldhütern und Fischereiaussichts=Beamten auf Verlangen vorgezeigt werden. § 3. Forellen, welche aus dem Markte oder in einer Fischhandlung gekauft werden, sind im Ankaufsorte und auf dem Transporte bis zur Wohnung des Käufers von der Legitimation befreit. § 4. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Vorschriften werden mit Geldstrafen von 3 bis 30 Mark und im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft. Köln, den 20. Januar 1886. Königliche Regierung. Im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten wird vorstehende Polizei=Verordnung hiermit in Erinnerung gebracht. Königswinter, den 2. Mai 1898. Der Bürgermeister Kreitz. Beleuchtungsplan pro Monat Mai 1898. Vom.—31. Nachtslaternen von 9, 9¼. 9½ 9¼—3 Uhr je nach Eintreffen der Dunkelheit. Königswinter, den 3. Mai 1898. Der Bürgermeister J..: Volkmuth. Bekanntmachung. Das Abladen von Schutt und Unrath am Rheinufer ist bei Strafe verboten. Die Königl. Wasserbauinspection ehn St. Sebast.-Junggesellen-Bruderschaft zu Königswinter. Sonntag den 8. 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