S N Hrenger!. Deutschland. Berlin, 17. März. Im Reichstag stand Mittwoch zunächst der§ 3 der Militärstrasproceß=Ordnung zur Verhandlung, der den Grundsatz enthält, daß die dem activen Heere und der Marine angehörenden Militärpersonen wegen aller strafbaren Handlungen, selbst wenn dieselben vor dem Dienstantritt begangen sind, der Militärstrafgerichtsbarkeit unterstellt sind. Abg. Bebel(Soc.) will die vor dem Diensteintritt begangenen Zuwiderhandlungen der bürgerlichen Gerichtsbarken unterstellen. General v. Viebahn bekämpft diesen Antrag. Abg. Grocber(Centr.) erklärt sich gleichfalls gegen den Antrag. Die Bestimmung der Commission, wonach die Entlassung des Mannes stauzufinden habe, wenn eine Verurtheilung zu 6 Wochen und mehr zu erwarten sei, sei ausreichend. In namentlicher Abstimmung wurde der socialistische Antrag mit 172 gegen 55 Stimmen abgelehnt und§ 3 unverändert angenommen. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Munckel (fr. Vp.) beir. Unterstellung der Duell=Vergehen der dem Beurlaubtenstande angehörenden Officiere 2c unter die bürgerlichen Gerichte mit 143 gegen 84 Stimmen abgelehnt und§ 2 ebenso wie die§§—7 unverändert angenommen. Eine lange Debatte findet über§ 8 statt, nach welchem die Militärgerichtsbarkeit für gewisse Vergehen gegen MilitärVorgesetzte nach der Vorlage noch 2 Jahre, nach dem Commissionsbeschluß 1 Jahr nach Ablauf der Dienstzeit Platz greifen soll. Abg. v. Puttkamer=Plauth(cons) beantragt die Wiederheistellung der Regierungsvorlage, die Angg. Bebel (Soc) und Beckh(fr. Bp) beantragen die Streichung des ganzen Parographen. Kriegsminister v. Goßler und General Lieutenant v. Viebahn treten nachdrücklichst für die Regierungsvorlage ein und Abg. v. Standy hält im Falle der Ablehnung des§ 8 die ganze Vorlage für ernstlich gefährdet. Schließlich werden alle Anträge sowie Commissionsbeschluß uns Regierungsvorlage zu§ 8 abgelehnt. — In der Budgeicommission wurde Mittwoch über die Deckung der Kosten der Marinevorlage verhandelt. Abg. v. Bennigsen(nl) hat seinem Vorschlag nunmehr folgende Fassung gegeben:„Soweit die Summe der fortdauernden und einmaligen Ausgaben der Marineverwaltung in einem Elatsjahre den Betrag von 117525 494 Mark übersteigt und die dem Reiche zufließenden eigenen Einnahmen zur Deckung des Mehrbedarfs nicht ausreichen, darf der Mehrbetrag nicht durch Erhöhung oder Vermehrung der indirecten Reichssteuern gedeckt werden.“ Abg. Dr. Lieber beantragt, hinter dem Worte„indirecten“ einzuschieben die Worte„den Massenverbrauch belastenden". Abg. v. Bennigsen erklärt sich mit diesem Zusatz einverstanden. Staatssecretär Graf Posadowsky erklärt, gegen den Antrag Bennigsen=Lieber würden die verbündeten Regierungen nichts einzuwenden haben und fährt wörtlich fort:„Auf Grund übereinstimmender Erklärungen der einzelnen Bundesregierungen bin ich in der Lage folgendes hier zu erklären: Sollte die Ausführung des Gesetzes über die Flotte die Erhöhung bestehender oder die Einführung neuer Landessteuern in den Einzelstaaten nothwendig machen, um den erhöhten Anforderungen des Reiches zu genügen, so werden die Einzelregierungen ihrerseits darauf Bedacht nehmen, bei einer derartigen financiellen Maßregel die stärkeren Steuerkräfte heranzuziehen. Auf Anfrage des Abg. v. Bennigsen bestätigt Graf Posadowsky, daß er die Erklärung auf Grund der Zustimmung sämmtlicher Bundesregierungen abgegeben habe. Die Adgcordneten Bennigsen und Lieber erklärten sich durch diese Ausführungen befriedigt. Der Antrag Bebel(Reichseinkommensteuer) fällt gegen 4 Stimmen. Der Antrag Richter(Vermögenssteuer) wird gegen 5 Stimmen abgelehnt. Der Antrag BennigsenLieber wird mit allen gegen 4 Stimmen angenommen. Das Abgcordnetenhaus hat in mehreren, zum Theil Abendsitzungen, den Cultusctat bis zum Copitel„Cultus und Unterricht“ einschließlich genehmigt. Aus der Verhandlung ist eigentlich nur zu erwähnen die Mittheilung des Cultusministers Bosse, daß auf Wunsch des Kaisers eine technische Hochschule in Danzig errichtet werden soll und mit der Ausarbeitung des Planes in allernächster Zeit begonnen werden wird. — Anscheinend officiös schreibt die„Köln. Ztg.:" Die Meldung, daß das Panzerschiff„Oldenburg“ mit voller Bemannung die Insel Kreta verläßt, läßt vermuthen, daß der Zeitpunct gekommen ist, daß Deutschland im europäischen Concert die Flöte still auf den Tisch legt und den Concert= saal verläßt. Die deutsche Regierung hat, namentlich jetzt, nachdem die griechische Staatsschuldenfrage in möglichst günstiger Weise geregelt ist, nicht genügend Interesse an der zukünftigen Gestaltung der Verhälinisse auf Kreta, um sich dem Einverständniß der meistbetheiligten Großmächte entgegenzustellen. Die Neuordnung der Dinge auf Kreta wird nunmehr vorwiegend Rußland, Frankreich und England zufallen. Dieses Zurücktreten Deutschlands von der weiteren Behandlung der kretischen Frage bedeutet jedoch keineswegs sein endgiltiges Ausscheiden aus dem europäischen Concert." — Bei der Gelegenheit sei gleich bemerkt, daß neuerdings verlautet, die russische Botschaft habe an die Pforte eine Note gerichtet, in welcher verlangt wird, daß die laut Abkommen auf 750000 Pfund reducirte vorläufige Zahlung der Rückstände aus der Kriegsentschädigung erfolge. — Ueberall im deutschen Kilimandscharo=Gebiet sind Schulen, Kosthäuser und kleine Kirchen entstanden und keine hat über zu geringen Besuch zu klagen. Hand in Hand mit der Colonisation macht das Christenthum Fortschritte. Die Dschagga=Missionare bereiten schon die Uebersetzung der Bibel in das Kidschagga vor. Angiliwa Luka, d. h. das Evangelium Lucae, ist z. B. schon in das Wakamba übersetzt und sogar schon gedruckt worden. Der Kaiser wird Donnerstag Abend einem vom Verein deutscher Ingenieure veranstalteten Vortragsabend beiwohnen. Geheimer Regierungs=Rath Professor Busley Die Wergmannsbraut. Erzählung von I. M. Foster. (Nachdruck verboten.) (18. Fortsetzung.) Seine Braut hatte ihm erzählt, daß ihre Eltern in Norddeutschland gelebt hatten; das stimmte also völlig mit der Anzeige überein. Auf jeden Fall mußte er mit Dora darüber sprechen. Er steckte die Zeitung zu sich und wenige Minuten später war er auf dem Wege zum Nachbardorf. Bald hatte er Doras Wohnung erreicht; auf sein Klopfen öffnete die Frau, mit der sie zusammenwohnte, die Thüre und gab ihm den Bescheid, daß Dora vor einer halben Srunde zu ihrer Freundin Fanny gegangen sei. Unverzüglich wandte er sich nun nach der bezeichneten Richtung. „Haben Sie meine Braut gesehen?" fragte er ein junges Mädchen, das ihm entgegenkam. „Ja, sie ist noch drinnen bei Fanny; soll ich sie rufen?" „Es wäre mir lieb,“ versetzte Hugo,„wenn Sie die Freundlichkeit haben wollten.“ Gleich danach kam Dora ihm fröhlich entgegen. „Ist etwas vorgefallen, Hugo?“ fragte sie, erstaunt in ihres Bräutigams erhitztes Gesicht blickend. „Ich glaube, ich habe eine gute Nachricht, Liebchen,“ antwortete er und gab ihr einen herzhaften Kuß. Dann gingen sie langsam auf und ab, während Dora den Aufruf las. „Ja, ich denke, das ist meine liebe verstorbene Mutter, sagte sie nach einer Weile, und ihre Augen standen vo Thränen.„Vielleicht kann ich nun endlich etwas Nähere über sie erfahren und über den Kummer, der sie so bedrückt Was müssen wir denn uun thun „Ich will gleich heute Abend noch an den Rechtsanwalt schreiben und ihm Mittheilung machen, daß ich im Stande bin, ihm die gewünschte Auskunft zu geben.“ „Wie gut Du bist, mein Hugo,“ sagte sie mit einem innigen Blick aus ihren schönen Augen. „Unsinn, Dorle, Du weißt doch, Dein Leid ist auch mein Leid, und Deine Freude ist meine Freude.“ Er sah ihr lange in das liebe Gesicht, und nach einem warmen Händedruck verließ er sie und eilte in seine Wohnung, um den versprochenen Brief zu schreiben, während Dora nachdenklich heimging, das Herz voll froher Hoffnung, daß der langgehegte Wunsch nun in Erfüllung gehen sollte.— — Eine Woche war seit Curt Denet's Rückkehr in das Dorf verstrichen; in tiefe Gedanken versunken saß er in dem bescheidenen Fremdenzimmer, das er sich im Gasthaus„Zur blauen Taube; gemiethet, als ihm das Hausmädchen einen Bricf brachte. Schnell öffnete er das Couvert und las: „Sehr geehrter Herr! Hiermit übersende ich Ihnen einen mir soeben zugegangenen Brief; wie ich daraus ersehe, wohnt der Schreiber ganz in der Nähe Ihres augenblicklichen Aufenthaltes, und dürfte es Ihnen somit ein Leichtes sein, persönlich mit ihm in Verbindung zu treten. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß weine Zeilen dazu beitragen möchten, Sie dem von Ihnen gewünschten Ziele näher zu bringen. Hochachtend, Dr. I. Willer, Rechtsanwalt.“ Runmehr machte Denet den geschlossenen Brief auf; er lautete folgendermaßen: „Euer Hochwohlgeboren erlaube ich mir mitzutheilen, daß ich in der Lage bin, nähere Auskunft über Frau Edith Fenton geb. Bland zu geben. Wenn Sie es wünschen sollten, bin ich bereit, Ihnen aus1 führlich darüber zu schreiben, da mir mein Berus die weite wird über„Unsere Flotte" unter Vorführung von Lichtbildern sprechen. — Die Kaiserin, die in letzter Zeit unpäßlich war, hat bereits wieder eine Ausfahrt unternehmen können. — Eine Dankadresse an den Kaiser zu richten, soll der preußische Episcopat bei seiner Zusammenkunft in Fulda beschlossen haben. Darin soll dem Kaiser der Dank des Episcopats dafür ausgesprochen werden, daß die Reichszegierung dem Christenthum im fernen Ostasien einen so thatkräftigen Schutz hat angedeihen lassen. Wir verzeichnen die Meldung in derselben Form, wie sie einem süddeutschen Blatte zugegangen ist. — Zur Jernsalemfahrt des Kaisers, welche, wie schon eiwähnt, auf diesen Herbst festgesetzt ist, schreibt der„Bote aus Zion“: „Naturgemäß rüstet man sich dazu von den verschiedensten Seiten. Nicht nur, daß viele Deutsche, die seit lange die Absicht hegen, Jerusalem einmal einen Besuch abzustatten, damit umgehen, auch zu dieser Zeit in Jerusalem anwesend zu sein; auch in Jerusalem selbst rüstet man sich. Zunächst muß das die türkische Regierung thun. Damit hängt es vielleicht zusammen, daß jüngst an die Stelle des im Herbst abgegangenen Ibrahim Pascha der der deutschen Sprache mächtige seitherige dritte Secretär des Sultans, Tausil Pascha, als Gouverneur von Jerusalem eingesetzt worden ist. Damit hängen auch die gründlichen Straßenreparaturen zusammen, die gegenwärtig zwischen Jerusalem und Bethlehem, zwischen Jerusalem und Jaffa und bald auch zwischen Jerusalem und Itricho vorgenommen werden. Damit hängt es endlich auch zusammen, daß die Wasserleitung, die von den Salomonischen Teichen bei lehem nach Jerusalem führt, wieder so weit hergestellt werden soll, daß das Wasser Jerusalem auch wirklich erreicht. Alles Dinge, die man hier mit Freuden begrüßt und als dankenswerthe Zugabe zu der Ehre des kaiserlichen Besuches gern hinnimmt.“ Oesterreich=Ungarn. In den nunmehr abgeschlossenen Besprechungen mit den Parteiführern betonte der Ministerpräsident Graf Thun, daß die Regierung nichts gegen die Deutschen und nichts gegen die Verfassung unternehmen wolle und entschlossen sei, an die gesetzliche Regelung der Sprachenfrage zu schreiten, jedoch eine gewisse Zeit hierzu benöthige. —(Die Hungersnoth in Slavonien.) Aus Essegg, 11. März, schreibt man: Wie bereits kurz gemeldet wurde, ist in Slavonien eine Hungersnoth ausgebrochen, die immer größere Kreise ziehl. Der Ursachen dieser traurigen Lage sind verschiedene, vor Allen die Mißernten der letzten Jahre und die Thierseuchen. Das Ackervieh, das der Seuche nicht zum Opfer fiel, mußte im Vorjahre verkauft werden, damit man Geld für Anbausamen bekam. Heuer gibt es auch kein Saatkorn mehr. Die Schweine werden sämmtlich von der Seuche hinweggerafft. Ställe, Keller und Vorrathskammern Reise nicht gestattet. Ihrer ferneren Weisung entgegensehend zeichne ich mit schuldiger Hochachtung Hugo Rain.“ „Wie merkwürdig,“ sagte Denet, als er mit dem Lesen des Briefes zu Ende war,„nun scheint es doch, als wären meine Nachforschungen endlich mit Erfolg gekrönt.“ Er stand auf und ging in die Küche. „Ist Herr Wünsche zu sprechen?“ fragte er das Mädchen. „Gewiß, Herr; ich will ihn gleich rufen.“ „Sagen Sie ihm, ich ließe ihn bitten, in mein Zimmer zu kommen; ich möchte etwas mit ihm besprechen.“ Es währte auch nicht lange, so trat der Gewünschte in Denet's Zimmer. „Kennen Sie vielleicht einen Herrn Hugo Rain; er soll, soviel mir bekannt ist, im Nachbardorfe wohnen.“ „Ja, ich habe ihn wiederholt gesehen; er ist noch nicht lange in hiesiger Gegend, ein netter, solider Mensch, der sich des besten Rufes erfreut. Vor einigen Wochen hat er sich mit einem jungen Mädchen aus unserem Dorfe, Dora Bland, verlobt.“ „Könnten Sie für mich einen Brief an den jungen Mann besorgen?“ „Mit Vergnügen, mein Herr," versicherte der Wirth dienstbeflissen. „Gut; in zehn Minuten werde ich Ihnen den Brief geben, den Sie dann gleich an seine Adresse befördern wollen.“ Unter dem erneuten Ausdruck seiner Bereitwilligkeit gine der Wirth aus dem Zimmer.— „Heute sind zwei Briefe für Sie angekommen, Herr Rain.“ Mit diesen Worten begrüßte die Wirthin den von der Arbeit Heimkehrenden. „Gleich zwei; das ist lange nicht der Fall gewesen,“ antwortete Hugo. „Den einen brachte ein Junge aus der blauen Taube, der andere kam mit der Post," berichtete die Frau weiter. sind leer. Die Weingärten sind von der Peronospora vernichtet. Die Zwetschenkulturen, die in manchen Gegenden ein wichtiger Erwerbszweig waren, sind im nassen Boden zu Grunde gegangen. Nicht die ärmeren Besitzer allein sind es, die am Hungertuche nagen, sondern Besitzer von 20 und 30 Joch Wiesen= und Ackerboden sind Bettler; die ganze Landbevölkerung ist von der Noth ergriffen. Manche Bauern reißen ihre Wohnhäuser ein und verkaufen das Bauholz, um nicht Hungers sterben zu müssen. Kinder, Weiber, Männer ziehen bettelnd im benachbarten Bosnien herum. Der früher stolze Slavonier steht gebrochen und gebeugt an den Hausthüren, auf ein Stück Brod harrend. In Bebrine bei Brod wurde ein Todesfall infolge Hungers amtlich konstatirt. Die kroatischen Blätter schließen ihre traurigen Ausführungen über die Hungersnoth der slavonischen Landbevölkerung mit einem Appell an alle Schichten der Bevölkerung um rasche Hilfe. Frankreich. In Brest und Cherbourg werden umfassende Vorbereitungen getroffen, alle dortigen Schiffe eventuell sofort in Dienst zu stellen. Es handelt sich angeblich um einen Flottenmobilmachungsversuch; nach einer anderen Veision soll das Geschwader für Ostasien bestimmt sein.— Frau Dreyfus veröffentlicht einen am 28. Februar von ihr an den Kolonial= minister gerichteten aber unbeantwortet gebliebenen Brief. in welchem sie bittet, zu ihrem Gatten nach der Teufelsinsel gehen zu dürfen. Diese Erlaubniß verweigere das Gesetz selbst geständigen Verdrechern nicht.— In Paris hat sich ein Komitee von Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern gebildet, welche eine Zola=Medaille prägen zu lassen beabsichtigen. Auf der einen Seite der Denkmunze sollen die Worte„Huldigung für Emil Zola 1898,“ auf der andern folgende Stelle aus einem Artikel Zolas eingravirt werden:„Die Wahrheit ist aus dem Marsche; nichts wird sie mehr aushalten. Emil Zola. Paris, 15. März. Der Advocat Monnard hat gestern seine Anträge zum Cassationsgesuch Zolas eingereicht. Man glaubt, daß die Verhandlung am 31. März stattfinden wird. Paris, 14. März. Die Lidre Parole forderte die Regierung auf, angesichts der Drohung Picquart's, daß neue Enthüllungen bevorstehen, die Führer der Dreysus=Campagne kurzweg festzunehmen. Paris, 14. März. Vierunddreißig Abgeordnete haben bereus erklärt, sie verzichteten auf die Wiederwahl; Rappel erklärt die Erscheinung des Massenrücktritte durch den Elel, den die einen vor der Politik empfinden, und durch die Erkenntniß, zu der die anderen gelangt sind, daß man im Palais Bourvon nichts ausrichtet und nur seine Zeit verliert. Die noch blieben, seien Verpflichtungen gegen ein Wahlcomitee eingegangen, andere könnten gewisse Geschäfte nicht fortsetzen, wenn sie nicht mehr Abgeordnete seien, und über dritte endlich wurden die Gläubiger herfallen, wenn ihnen die 9000 Franken jährlich nicht länger gesichert wären. Italien. Rom, 15. März. Heute, am Geburtstage des Königs, sollte eine Vertheilung von Gaben an die Armen der verschiedenen Stadtviertel vorgenommen werden. Um 7 Uhr früh begaben sich mehr als 2000 Einwohner in das Viertel, wo die Vertheilung der Gaben stattfinden sollte. Durch neuerliche Bestimmungen des Ausschusses war jedoch die Vertheilung in einen anderen Stadttheil verlegt worden. Darauf brach ein Tumult aus. König Humbert wurde auf dem Wege zur Parade mit den Rusen empfangen:„Wir wollen Brod und Arbeit!“ Dann zog die Masse zur fectur unter den Rufen:„Brod! Arbeu!“ Auf dem Wege dorthin wurde ein Bäckerwagen geplündert und sein Inhalt vertheilt. Schließlich griff die bewaffnete Macht ein. Es kam zu einem Handgemenge. Verschiedene Verhastungen wurden vorgenommen, aber nicht aufrecht erhalten. Unter den Manifestanten besanden sich zahlreiche Frauen und Kinder. England. Im Unterhause hat eine ergeduißlose Verhandlung stattgefunden über einen Antrag, wonach England, Schottland. Wales und Irland je ein besonderes Parlament erhalten soll. aus den Verhandlungen der Stadt verordneten=Versammlung zu Königswinter vom 18. März 1898. Anwesend waren Bürgermeister Kreitz als Vorsitzender, die Beigeordneten Volkmuth und Gilgenberg, die Stadtverordneten Bachem, Beckmann, Bellinghausen, Biesenbach. Edel hoff. Ittenbach, Mülhens, Pütz, Richarz, Schaefer, Spindlei. Es fehlten die Herren Bonn, Ermekeil, Lemmerz, Dr. Peusqucus, Schumacher, Rings. Ad pos. 1 der Tagesordnung„Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten" erstattete der Vorsitzende im Anschluß an den von ihm am 15. October v. J. herausgegebenen gedruckten Verwaltungsbericht Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeinde=Angelegenheiten der Stadtgemeinde. Ad pos. 2„Haushalteplon pro 1898 99“ legte der Vorsitzende den von der Finarzcommission vorgeprüften und nach Vorschrift der Städteordnung 8 Tage lang offengelegten Haushaltsplan der Stadt Königswinter pro 1898 99 der Versammlung zur Berathung und Beschlußfassung vor. Der Haushaltsctat der Armenverwaltung pro 1898/99 wurde in Einnahme und Ausgade auf 14740 Mark festgesetzt. Der hiernach erforderliche Zuschuß aus der Stadtkasse beträgt 10 500 Mark. Der Haushaltsetat der Elementarschulen pro 1898/99 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 19060 Mark sesigesetzt. Der hiernach erforderliche Zuschuß aus der Stadtkasse beträgt 15 700 Mk. Der Haushaltsctat der höheren Knabenschule pro 1898.99 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 11890 Mk. festgesetzt. Der hiernach erforderliche Zuschuß aus der Stedtkasse beträgt 4278 Mi Der Haushaltsetat des Wasserwerks pro 1898 99 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 19500 Mk. festgesetzt. Der Haupthaushaltsetat pro 1898/99 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 128 760 Mark festgesetzt. Hiernach beträgt der durch Erhebung eines Zuschlages auf die Staats=Einkommen=, Gemeinde=Einkommen=, ferner Betriebesteuer. sowie Erhebung von Realsteuern zu deckende Fehlbetrag 65 955 Mi. Die St.=.=V. beschloß wie im Vorjahre diesen Fehlbetrag durch Erhebung eines Zuschlages von 100% auf die Staats=Einkommen= und Gemeinde=Einkommensteuer, eines Zuschlages von 50% auf die Betriebssteuer, sowie durch Erhebung von 150% des Prinzipalbetrages der Grund=, Gebäude= und Gewerbesteuer zu decken. Vermischte Nachrichten. §§ Königswinter, 17. Marz In der statutarischen ordentlichen Generolversammlung des hiesigen ThierschutzVereins, welche am Samstag den 12 er stattfand, wurde der Bericht des Vorsitzenden Herrn Anselm Bachem mit Interesse vernommen. Die Versammlung war zahlreich besucht. Aus dem Berichte des Cassirers und Schriftführers Herrn Jos. Brünggel ging hervor, daß noch ein Cassenbestand von M. 112,91 vorhanden sei. Von allen Anwesenden wurde betont, daß gerade hier am Platze eine solche Bestrebung, die ein Thierschutz=Verein hat, sehr angebracht sei. Man war der Ansicht, daß nächstens an weniger Kutscher und Eseltreiber Prämien vertheilt werden sollten, jedoch in größerer Summe, um in jeder Weise anzuspornen, daß das arme Thier, welches sich nicht auf dem Instanzenwege bei der Behörde selbst beklagen kann, wenn ihm unnütze Quälereien zu Theil werden, durch solche Bestrebungen Gerechtigkeit erlangt. Hoffen wir, daß der Verein noch immer mehr Verständniß und Betheiligung in Zukunft findet. Zum Schlusse sei noch bemerkt, daß die Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt wurden. * Königswinter, 18. März. Dem Polizei=Sergeanten Altmaier wurde eine Prämie von 35 Mark zuerkannt aus Anlaß seiner rührigen Thätigkeit in Sachen des Fischereiwesens. □ Königswinter, 18 März Die hiesige Apotheke. Besitzer Herr A. Bauer, ist durch Kauf an den Apotheker Herrn Wutke, z. Z. in Ratingen, übergegangen. Der neue Eigenthümer wird bereits am 1. April das Geschäft übernehmen Königswinter, 19. Marz. Gestern ging an die Kgl Eisenbahn=Direktion eine mit über 200 Unterschriften versehene Petition ab, welche den Zweck hat, die Direktion zu ersuchen, den Morgens 7“ von Obercassel abgehenden Zug mit ent sprechendem frühern Zeitpunkte von hier abfahren zu lassen. Besagter Zug hat Anschluß von Troisdoif nach SiegburgGießen, von Köln nach Düsseldors. Elbeifeld und Nachen und sieht die Perition in der Bewilligung des Gesuches eine große Erleichterung nicht allein für das Fremdenpublikum, sondern weist auch speziell auf die bessere Verbindung mit Siegburg hin, besonders zur Zeit der Militär=Aushebung. wo man bekanntlich bieheran, um morgens 9 Uhr zur Stelle zu sein, den Fruhzug 6° benutzen mußte. Hossen wir, daß die Kgl. Eisenbahn=Direktion der Peiuion Entgegenkommen zeigt —(Automaten im Personenwagen.) Demnächst werden die Personenwagen der Preußischen Staatsbahn, in welchen sich Aborträume mit Waschvoriichtungen befinden, mit Automaten der Deutschen Automaten=Gesellschaft Stollwerk u. Co. in Köln ausgerustet werden, welche gegen Einwurf eincs Zehnpfennigstucks ein Päckchen mit 2 Stuckchen Seife und ein kleines Handiuch verabfolgen. —(Besteuerung des Kleinhandels.) Aus dem Kreise der Kleinhändler gehi der Köln. Vikoz folgende, allzu berechtigte Klage zu. In den drei letzten Jahren ist die Gewerbesteuer für den Kleinhandel stetig gewachsen. Gewerbetreibende, welche nachweislich keinen Handel in größerm Umfange betreiben, zahlten 1896 fast allgemein den Steuersotz von 18 Mark. Im folgenden Jahre waren sie durchweg zu 24 Mail veranlagt, und jetzt weisen die neuen Gewerbescheine eine Erhöhung auf 36 Mark und nicht seiten bis zu 48 Mark auf. Diese hohe Steuer wird selbst von Kleinhandlein verlangt, welche aus ihrem Geschäste jährlich nur einen Reingewinn von 800 bis 1000 Mark bei größtem Fleiße erziclen können. Anscheinend nimmt man in Regierungskreisen einen Aufschwung des Kleingewerdes an. Leider merken wir Kleinhändler davon nichts, sondern das gerade Gegeotheil. Die immer größer werdende Concuirenz, die zahlreich sich bildenden Vereinigungen drucken den Verdienst im Kieinhandel derart, daß derselbe stetig zurückgehen muß. Wie man unter diesen Umständen die Gewerbesteuer stetig erhöhen zu müssen glaubt, ist schwer verständlich. Wie viele Geweibetreibende werden bei fortdauernder Erhöhung ihr Gewerbe einstellen und zu einem andern Berufe greisen müssen. □ Oberdollendorf, 17. März. Herr Pfarrer 2. Tombach, der seit ca. 2 Jahren hier seine Amtsthätigkeit ausüdt, wird am 1. April Oberdollendorf verlassen. Von der erzbischöflichen Behörde ist er, seinem Wunsche gemaß. auf unbestimmte Zeit von seinem pfarramtlichen Wirken entbunden worden. Er wird nach Poppelsdorf übersiedeln, um sich dort wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen *. Obercassel, 18. März. Gestern Abend kurz vor 7 Uhr verunglückten in einem Steinbruch hierselbst zwei Arbeiter aus Erpel durch Verschüttung. Der eine blieb sofort todt, der andere starb auf dem Transpoit zur Bahn. Der erstere war verhcirathet. Bonn, 16. März.[Schwurgericht.) Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit hatte sich der öfters vorbestrafte Korbmacher Mathias Willer aus Niederpleis wegen Verbrechens gegen § 176 Abs. 13 Str.=.=B. zu verantworten. Die Verhandlung endete mit Verurtheilung des Angeklagten zu 3 Jahren Zuchthaus, da dem Angeklagten keine mildernden Umstände zugebilligt wurden. Diese Verhandlung bildete den Schluß der diesjährigen ersten, außergewöhnlich kurzen Schwurgerichtsperiode. Bonn, 16. März. Das unglückliche junge Mädchen, welches am vorigen Samstag in der Wohnung zweier Mediziner zu Poppelsdorf todt aufgefunden wurde, ist die 18jährige Ladengehülfin Gertrud Vosen aus Krefeld. Sie war zuletzt in einem Geschäfte in der Wesselstraße hier thätig. kündigte, bat die Kündigungsfrist abzukürzen und bezog ein Zimmer in der Poststraße. Seit dem 5. März hatten die Mediziner das Mädchen in ihrer Wohnung untergebracht. Sie nahmen ihrer Erklärung gemäß, an demselben zwei Operationen vor. Der Tod trat durch Blutvergiftung und Verblutung ein. Die beiden Mediziner Dr Belling aus Hagenau und Dr. Strucks aus Nassau befanden sich gerade jetzt im ärztlichen Staatscxamen. Der erstere, welcher, wie es heißt, mit dem unglücklichen Mädchen ein Verhältniß unterhielt, ist nach Angabe des„B..=.“ der Sohn eines Amtsgerichtsraths, der letztere der Sohn eines Gymnasial=Oberlehrers. Am Dienstag wurde Fräulein Vosen auf dem Poppelsdorfer Friedhofc zur letzten Ruhe bestattet Vom Rhein, 16. März Der Minister des Innern hat eine Verfügung erlassen, daß die Polizeibehörden von allen Strafverfügungen, welche sie gegen Schüler und Schülerinnen öffentlicher Lehranstalten erlossen, den Anstalts=Dircktoren bezw, wenn Schüler von Volksschulen in Frage kommen, den Schul=Inspektoren ungesäumt Kenntniß geben sollen. Koblenz, 16. März. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen die Mörder Held und Führ endete gestern Abend um 10“ Uhr mit der Verurtheilung beider Angeklagten zum Tode. Wegen des Einbruchsdiebstahls zu Clotten wurde eine Zuchthausstrafe von 10 Jahren über beide verhängt. Mainz, 14. März. Auf der Eisenbahnstrecke Mainz= Frankfurt wirde heute Nacht ein Schurkenstreich verübt. Als der letzte Peisonenuug, der um 11 Uhr 5 Min. in Frankfurt abfährt. auf die Strecke Rannheim=Rüsselsheim kam, bemerkte der Lokomotivführer auf den Schienen einen dunkeln Körper. Er gab Gegendampf und der Zug stieß nur langsam mit dem Gegenstand zusammen. Als der Zug stand, stellte man fest, daß auf die Schienen eine große eiserne Bahnschwelle gelegt worden war. Bei dem Zusammenstoß war sie in Trümmer gegangen. Trier, 9. März. Die Siadtverordneten beschlossen die Canalisation der Stadt mit einem Kostenaufwande von 1½ Million Mark .=Gladbach, 14. März. Hier wird ein BismarckDenkmal errichtet, für das unter der Hand schon 60000 Mt. gesammelt sind. Bochum, 14 März Aus dem Austermann'schen Goldgeschäfte wurden gestern Abend Werthsachen, zumeist echte Steine in guter Fassung. im Werthe von 4000 Mark gestohlen. Hagen, 14 März. Eine eigenthümliche Geschichte passirte in einer benachbarten Stadt einer kleinen Herrengesellschaft, die einen befreundeten Gastwirth besuchte, welcher gerade mit Weinobziehen im Keller beschäftigt war. Natürlich wurde seitens der Gesellschaft der Wein auf seine Güte hin untersucht und zwar lange und gründlich. Was lange währt, wird bekanntlich gut. In diesem Falle erzeugte der Geist des Weines bei der Gesellschaft eine äußerst qute Stimmung, so daß man sich, als der Wirth zufällig abgerufen wurde, behufs Entdedkung weiterer angenehmer Sachen in Keller etwas umsah. Bei dieser Umschau fanden sich in einer Ecke einige prächtige Würste, und da nun Essen und Trinken schon seit undenklichen Zeiten zusammenbört, schnitt sich jeder ein beträchtliches Stück Wurst ab und verzehrte es. Der eine, der als Feinschmecker bekannt war, äußerle:„Ich nicht, die Wurst hat ja einen eigenthümlichen Geschmack!" Der Zweite, ein guter Riecher:„Ja einen ganz merkwürdigen Geruch hat sie auch.“ Der Dritte wurde schon etwas ängstlich: „Sie wird doch nicht etwa vergiftet sein?“ und der Vierte entdrckte plötzlich ein an einer Wurst befestigtes Schild mit der Aufschrift„Rattenwurst!" Allgemeines Entsetzen und Durcheinanderrufen:„Wir sind vergiftet!“—„Schuell zum Arzt!"—„Ich belomme schon Bauchweh!“—„Hülfe!" — Sie stürzten zum Brunnen, tranken und gurgelten eine beträchtliche Quantität saltes Wasser in den Hals hinab. Inzwischen kam der Arzt.„Wir haben vergifiete Wutst gegessen!“ tönte es ihm im Quaitett entgegen. Ein Dienstmädchen mußte zur gegerüberliegenden Apotheke stürzen und kam mit Brechmitteln beladen zurück. Nun begann der Prozeß. Binnen jetzt und kurzer Zeit beyerbergte der Magen kein Atom der genossenen Wurst, aber auch kein Trörschen Wein mehr Die Vergifieten standen mit bleichen, abgespannten Gesichtein da, waren jedoch so nüchtern, daß sie über ein Drahtseil hätten gehen können. Der Wirth hatte der ganzen Procedur mit einem eigenthümlichen Lächeln zugeschaut. Etwas unfreundlich frogte ihn ein Freund:„Du kannst noch lachen?“ —„Warum soll ich das nicht?" antwortete der Gefragte, „die Sache ist doch ganz ungefährlich! Das Rattengift schadet keinem Menschen!"— Die Freunde sollen mit etwas langen und beschämten Gesichtern abgezogen sein. Berlin, 16. März. Der Entschuldigungszettel eines Impfgegners erregte der Berliner Presse zufolge im Sitzungssaale der vierten Strafkammer des Landgerichts II allgemeine Heiterkeit. Ein Tischlerlehrling aus Rixdorf war in einer Sache als Zeuge geladen worden, war aber nicht erschienen. Der Staatsanwalt legte jedoch ein ihm zugegangenes Entschuldigungsschreiben vor, dessen Inhalt folgendermaßen lautete: „An einen hohen Gerichtshof vom Londgericht II Rixdorf. den 10. März 1898. Als Vormund und Leermeister meines Leerlings und Mühndels N. N. zeige ick hiermit an, daß mein Leerling und Mühndel, der heit vorjeladen ist, nich kommen kann zum Temnin, weil er an dem Aussatz, wat man die Lepra nennt, leidet. Es ist dit erne ganz erschreckliche Kronkheit und ganz ekelhaft anzusehn. Det is eeue Folge von die Im=Pianzette und es is traurig, det man die Menschen so verjiften duht! Ergebener N.., Tischlermeister.“„Hier scheint eine neue Krankheit entdeckt worden zu sein!“ meinte der Stoatsanwalt, als er das Schreiben zu den Acten überreichte. Der Vorsitzende setzte aber hinzu:„Der Mann scheint wohl ein Impfgegner zu sein, denn das soll am Ende heißen„Imps=Lanzette". Jedenfalls hatte das Schreiben seinen Zweck erfüllt, denn der ausgebliebene Zeuge wurde als ansreichend entschuldigt erachtet. Berlin, 12. März. Der Ex=Jesuit Graf Hoensbroech übernimmt am 20. ds. die„Tägliche Rundschau“. — Im Hörsaale plötzlich wahnsinnig geworden ist ein Schüler der Maschinenbau=Abtheilung der technischen Hochschule in Charlottenburg, der aus Warschau gebürtigte Techniker G. Während einer Vorlesung Prof. Kammerers erhob sich der Unglückliche von seinem Platze und rief in polnischer Sprache:„Starrt mich nicht so an, seht Ihr nicht, daß ich verrückt geworden bin! Der Hunger hat mir den Verstand geraubt!“ Entsetzt blickten die Zeugen des peinlichen Vorgangs auf den Irren. Kollegen führten G. aus dem Hörsaal, bemühten sich aber vergeblich, ihn zu beruhigen. Einige Stunden später erschien er im Modellirsaal, wo er mehrere Landsleute antraf. Er erging sich in verworrenen, beleidigenden Redensarten und erklärte, die polnischen Kollegen seien an seinem Unglück schuld, sie hätten ihn verhungern lassen, ohne ihm zu helfen. Man brachte G. in ein Krankenhaus, wo die Aerzte eine akute Geistesstörung in Folge dauernder physischer Entbehrungen konstatirten; jedoch ist die Hoffnung auf eine Wiedergenesung nicht ausgeschlossen. G. zählt 28 Jahre, er besitzt, abgesehen von einer gänzlich mittellosen Mutter, keine Verwandten, auf deren Unterstützung er hätte rechnen können. Er war als menschenscheuer Sonderling bekannt und unterhielt mit seinen Kollegen nur wenig Verkehr. Hildesheim, 14. März. Der 1000jährige Rosenstock an der Apsis des Hildesheimer Domes, der von einem Schädling befallen war, scheint die Krankheit glücklich überstehen zu sollen. Nach sachverständiger Behandlung mit Kalkmilch und anderen Mischun, en ist die gegründete Hoffnung vorhanden, daß das alte Wahrzeichen Hildesheims demnächst wieder Schößlinge treiben wird. Uebrigens zeigte sich die allgemeinste Theilnahme für den„Patienten.“ So traf u. a. sogar aus England eine Pulversendung ein, mit dem wohlgemeinten Rathe, den Rosenstock damit zu bestreuen. —(Ein Kanibale.) In einer Wirthschaft in München klagte dieser Tage ein ebenda wohnender Mineralwasserfabrikant über große Hühneraugenschmerzen, so daß er die Absicht auesprach, sich die große Zehe abzuhacken.„Dös is net nöthig, erklärte daraus ein Sandwerfer,„die beiß Dir einfach ab!"„Wennst dös fertig bringst." replicirte darauf der Mineralwasserfabrikant,„dann beiß sie nur gleich ab!“ Mit diesen Worten entledigte er sich des Stiefels und hielt dem Tagelöhner den entblößten Fuß entgegen. Der Heilkünstler nahm noch einen kräftigen Schluck Bier und machte sich dann an seine schwierige Aufgabe. Er prüfte zunächst seinen Patienten durch einen leichteren Biß auf seine Empfindlichkeit, und als er sich überzeugt hatte, daß der Patient auch ohne Narcose die schwierige Operation überstehen werde, bis er ihm die Zehe auch vollständig ab. Der Mineralwasserfabrikant verfiel sofort in eine Ohnmacht und mußte nach Hause getragen werden, dort steht er gegenwärtig in ärztlicher Behandlung. —(Ein Aufsatz einer Zehnjährigen.)„Die Babies sind die kleinsten Menschen, die es gibt. Bei uns gibt es immer eins und wenn das anfangt zu laufen, kommt ein anderes und dann ist das das Baby. In unserer Stroße sind sehr viele Babies. In jedes Haus eins und jetzt wenn der Sonn scheint kommen alle auf die Straß und da sieht man erst, wie viel das sind. In manche Baky Carriage sitzen zwei, eins mit dem Kopp bin und das andere her— diese heißt man Zwillinge und sie sehen so ähnlich, daß wenn mon eins sieht, meint man alleweil es ist das andere. Die Babies sind sehr lieb und gut wenn sie schlasen. Wenn man sie aber wascht oder sie bei der Nacht aufwecken, dann schreien sie und man muß mit ihnen hin und hergehen, und sie schütteln und zu ihnen singen. Wenn man sie aber nicht schüttelt, schreien sie noch mehr. Jeder war einmal ein Baby Großpapa auch, er hat aber damals nicht so ausgesehen wie jetzt. Keine Haare hot er schon gehabt, aber weißen Bart nicht, so sagt meine Mama, was ihm domals schon gekannt hat. Die Babies ham keine Zöhne und nicht anders im Mund wie den Daum. Trinken thun sie nur Milch. In aller Anfang können die Babies nicht gehen und nicht essen, nicht trinken und nicht reden— nur screien, das verstehen sie aber besser wie ein Großer. Später lernen sie reden und das Eiste was sie können, ist Popa und Mama; bald sprechen sie auch anderes. Winn das Baby lacht, glaubt man es ist Wunder wie gescheit. Jede Mutter denkt, ihr Baty ist das schönste, und sie verzehlt immer, was es für gescheitt Sachen thut, aber das hat sie in die Zeitung gelesen oder sonst erfunden. Woher die Balys kommen, das weiß man nicht ganz sicher. Einer sagt, der Storch bringt sie und der andere sagt die Frau Müllern. —(Das böse Gewissen.) Prosessor:„Kommen Sie einmol in mein Lavoratorium, Jean, ich werde Sie einmal mit Röntgenstrohten durchleuchten!"— Diener(stotternd): „Ich... ich habe aber ganz gewiß den Cognac nicht ausgetrunken, gud Herr!“ Die Zeit der Konfirmation und ersten Kommunion naht und damit wandern wieder viele junge Myrtenbäumchen, das sinnige Geschenk der besten Freundin an die junge Konfirmandin, in das deutsche Heim. Hier soll die Myrtc nach dem Willen der Geschenkgeberin neben dem Arbeitsplätzchen der Freundir wachsen und gedeihen, damit sie einst ihre Blüthen und Zweige zum Brautkranz hergeben. Mehr und mehr bürgert sich der Gebrauch in Deutschland ein. Natürlich wird das Bäumchen streng gehütet und gepflegt und die Myrte ist so anspruchslos, daß es auch leicht gelingen würde, sie groß zu ziehen, wenn nur die einfachen Regeln der Myrtenpflege besser bekannt wären. So wird's meist e.. scon nach wenigen Monaten lassen Mhrte rochen traurig den Kopf hängen! Da ist es freundlich und zeitgemäß, daß Rovert Betten, einer der Redacteure des praktischen Rathgeders im Obst= und Gartenbau, die Pflege der Myrte in der soeben erschienenen Nummer der Zeitschrift eingehend beyandelt. Minna Laudiens Künstlerhand hat die erklärenden Abbildungen dazu gegeben. Wir sehen die Myrte vom zarten Steckling bis zum tugelgeformten bläthenbedeckten Stamme. Das Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder sendet die Nummer gern auf Wunsch zu. Muthmaßliche Witterung. Am 19./3. Veränderliches, mildes, nachher etwas kälteres, windiges Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. 20./3. Theils heiteres, theils wolkiges, ein wenig kälteres, windiges Wetter, keine erheblichen Niederschläge. 21./3. Ziemlich trübes, mildes, windiges Wetter mit Regen Sh Ackermann's Künstler=Karten—. Turner=Karten— Skat=Karten— Radfahrer=Karten— Sänger vom Drachenfels—Delft mit Roccoccorand— Ruderer— Jagd— Gemiethliche Bostkarten Gnomen=Postkarten— Kegel=Postkarten— Trompeter=Postkarten— Künstler=Postkarten nach Aquarellen: der Rhein 1 Serie von 33 Blatt empfiehlt A. Tillewein. Das Bansteuenterratn an der Niederdollendorferstraße, m Mittelpunkte der nördlichen Neustadt von Königswinter, gegenüber Edelhoff, Straßenronte ca. 62 m. Tiefe ca. 32m stpreiswerth zu verkaufen. Das Baustellenterrain eignet sich zum Ausbau von 7 großen Wohnhäusern, die einerseits an eine der schönsten Straßen der Stadt zu liegen kämen und anderseits sämmtlich Aussicht auf den Rhein erhielten. 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Der Bürgermeister Veranntmachung. Es wird auf die Polizei=Verordnung der Königlichen Regierung zu Köln vom 19. April 1882, betr. den Feld= und Forstschutz, aufmerksam gemacht, laut welcher die Eigenthümer und Nutznießer von Bäumen gehalten sind, die auf letzteren wachsende Schmarotzerpflanze„Mistel“ viscum album unverzüglich zu entfernen, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte und zwar bei Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 150 Mark oder Haststrafe. Königswinter, 18. März 1898. Der Bürgermeister Kreitz. 5 93 Maler- u. Anstreicher-Geschäft Pozeph Ptrack, Ftauptstr. 130 bestens empfohlen: Uebernahme aller ins Fach ein 8 schlagenden Arbeiten. Gute Ausführung. Prompte Bedienung. Uebernahme von Bau= u. Reparaturverglasung.# Besonders gepflegt 53 Schildermalerei. Ausführung in Gold u. Farben auf Glas, Holz, 52 Metall pp. 583 Referenzen zu Diensten. 36 Trachensers und „„ Am Sonntag, den 20. März wird der diesjährige Betrieb eröffnet. Königswinter, am 16. März 1898. 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Die noch rückständigen Rechnungen über die in den Monaten Jannar—März für die Stadt Königswinter geleisteten Arbeiten und Lieferungen sind möglichst bald, jedenfalls aber spätestens bis 10. April l. J. auf dem Bürgermeisteramte einzureichen Königswinter, 18. März 1898. Der Bürgermeister Kreitz. Bekanntmachung. Diejenigen Fuhrwerksbesitzer, welche im kommenden Sommer vom 1. April ein Personenfuhrwerk auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufstellen wollen, werden aufgefordert, sich aus dem Bürgermeisteramte zu melden Vom 1. April ab darf kein Kutscher zum Dienst zugelassen werden, welcher nicht mit einem auf seinen Namen ausgestellten Fahrschein pro 1898 99 versehen ist. Königswinter, 17. März 1898. Der Bürgermeister Kreitz. Bekanntmachung. Nachdem durch Verfügung des Königlichen Staatsministeriums zur Vereinfachung des Geschäftsverkehrs im Verkehr mit den Behörden untereinander die Anreden: Wohlgeboren, Hochwohlgeboren usw. beseitigt worden sind, bitte ich auch in den an mich gerichteten Schreiben, Eingaben usw. von derlei überflüssigen Wendungen abzusehen. Ich zeige hiermit zugleich an, daß ich auch meinerseits in von mir an Privat= personen gerichteten Schreiben mich dergleichen Anreden nicht mehr bedienen werde. Königswinter, 29. September 1897. Der Bürgermeister Kreitz. Bekanntmachung. Des Jahresschlusses wegen ist die städtische Sparkasse zu Honnef für Spareinlagen und Rückzahlungen vom 19. bis incl. 31. März er. geschlossen. Für Darlehnsgeschäfte und Zinszahlungen bleibt dieselbe in den sonst üblichen Geschäftestunden geöffnet. onnef, 7. März 1898. Die Sparkassen=Verwaltung J. A. Schmitz, Rendant. 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