C eR Hntenge.., 31. Jahrgang. Königsvinter. Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis vierteljährlich 1 Mk. 25 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 1 Mk. 25 Pfg. Anzeigen: die 6spaltige Garmond=Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Redaction, Druck und Verlag Mittwoch den 29. September 1897. Agentur: Niederdollendorf. Wittwe Weder. Expedition: Königswinter, Hauptstraße Nr. 69. von A. Zillewein in Rönigswinter. 4 erste Enkel des Fürsten Bismarck aus der Ehe des Grafen Herbert Bismarck mit der Gräfin Hoyas, da das gräfliche Paar bisher nur zwei 1893 resp. 1896 geborene Töchter besaß. Aus der Ehe des Grafen Wilhelm Bismarck leben drei 1886, 1888 und 1892 geborene Töchter und ein 1896 geborener Sohn. — Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe kehrt in diesen Tagen nach Berlin zurück. — Der„Reichsanzeiger“ meldet die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den russischen Kriegsminister Wannowski und den General=Adjutanten Grafen MussinCuschkin, Ober=Commandirenden des Militärbezirks Odessa. — Nachdem Herr v. Bennigsen eine Candidatur für den z Reichstag definitiv abgelehnt hat, ist Dr. Sattler als natiol### nalliberaler Candidat im 18. Hannoverschen Wahlkreise proclamirt worden. — Samstag fand im Reichsamt des Innera unter dem Vorsitz des Staatssccretärs Grafen v. Posadowsky die Besprechung über handelspolitische Maßnahmen statt. Die anwesenden Vertreter der Landwirthschaft, der Industrie und des Handels beschlossen, daß ein Zusammengehen der drei Erwerbsgruppen erfolgen solle, um die Reichsbehörden bei der Ausarbeitung eines neuen autonomen Zolltarifs, wie bei der Vorbereitung neuer Handelsverträge mit sachverständigem Beirath zu unterstützen. Die Zuziehung von Vertretern anderer wirthschaftlicher Vereinigungen soll in Aussicht genommen werden. Die Verhandlungen werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. — Die deutsche Post= und Telegraphen=Verwaltung hat vom Beginn des laufenden Etatsjahres 1. April bis Ende August d. I. 128008 435 Mark d. i. 9262 136 Mark mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres vereinnahmt. Die Einnahmen der Reichseisenbahnverwaltung betrugen gleichzeitig 31 519000 Mark oder 1 696 000 Mark mehr gegen die vorjährigen vorläufigen Einnahmen und 1 177 159 Mark mehr gegen die endgültigen. — Die„Nordd. Allg. Ztg." erklärt die zahlreichen Nachrichten über beabsichtigte Postreformen für Phantasieartikel. — Der frühere Handelsminister v. Berlepsch hat bei dem in Cöln abgehaltenen Festmahl des Vereins für Socialpolitik eine Rede gehalten, welche er in folgender bemerkenswerthen Weise schloß: Er fühle sich frei von allen socialdemocratischen Gedanken, soweit sie sich gegen die Grundlagen unserer heutigen Cultur richteten; ihm stehe die Geschichte viel zu fest, als daß er glauben könnte, daß eine Gefahr für unsere geistigen und sittlichen Errungenschaften, die die Jahrhunderte überliefert hätten, bestehe. Aber wenn man mit dem nebelhaften Programm der Socialdemocratie zugleich die Berechtigung des Kampfes der Arbeiter um eine bessere Existenz, um Theilnahme an diesen geistigen und sittlichen Errungenschaften verwerfen wolle, so wäre das ein großer, verhängnißvoller Irrthum, vielmehr müsse man sich auf den Standpunct stellen, daß die gebildeten und besitzenden Klassen das Emporkommen eines vierten Standes zu dulden und zu fördern haben. Er schließe in der Hoffnung, daß unsere arbeitendr Bevölkerung sich immer mehr der Erkenutniß zuwenden werde, daß der Verein und seine Freunde der Arbeiter wahres Wohl im Auge haben, und in diesem Sinne trinke er auf das Wohl des vierten Standes. — Der Pastor a. D. Kötzschke soll anläßlich seines Auftretens in einer socialdemocratischen Versammlung durch das königliche Consistorium in Magdeburg darauf aufmerksam gemacht sein, daß eine Fortsetzung seiner Thätigkeit, die ihn in Berührung und Beziehungen zur Socialdemocratie brächte, dahin führen würde, ihm die Rechte des geistlichen Standes zu entziehen. Der Pfarrer Kötzschke ist ohne Pension aus seinem Amte entlassen, weil er auf eine Strafversetzung nicht eingehen wollte. Die Pfarrer Göhre, Naumann, Herr v. Egidi bitten in einem Aufrufe für den gemaßregelten Pfarrer. —(Ordensverleihung.) Dem katholischen Bischose von Utrecht(Holland) Migr. H. van te Wetering ist das Ehrenkreuz erster Klasse des Fürstlich Hohenzollern'schen HausOrdens vom Fürsten von Hohenzollern verliehen worden, wozu der Kaiser Allerhöchst seine Genehmigung ertheilt hat. Oesterreich=Ungarn. Sonnabend fand in Wien zwischen dem Ministerpräsidenten Grafen Badeni und dem deutschnational=antisemitischen Abgeordneten Wolf ein Pistolenduell statt, wobei Graf Badeni am rechten Oberarm durch eine Kugel leicht verwundet wurde. Graf Badeni hatte Wolf fordern lossen, weil dieser ihm wegen der angeblichen Verstärkung der Parlamentsdiener durch Polizisten zurief:„Schufter.!!" Wolf ist unverletzt geblieben. Graf Badeni reichte dem Gegner nach dem Duell die Hand. Die Bedingungen des Duells waren schwere: dreimaliger gleichzeitiger Kugelwechsel auf 25 Schritte Distanz mit ungezogenen Pistolen. Die Verwundung erfolgte bei dem ersten Kugelwechsel. Die im Oberarme stecken gebliebene Kugel wurde operativ entfernt.— Der Kaiser hat telegraphisch dem Grafen das Duell erlaubt und erkundigt sich eingehend nach seinem Befinden. —. Die„Neue Freie Presse" tadelt das Vorgehen Badenis, der zur Hütung der Gesetze berufen sei. Wenn er nicht die Nerven besitze, die durch ihn hervorgerufenen Ausbrüche wilder Leidenschaften mit Ruhe zu ertragen, so hätte er den Kampf nicht anfangen oder lieber zurücktreten sollen, als sich eines im Gesetz als Verbrechen verpönten Vergehens schuldig machen, weungleich aus achtenswerthen Gründen. Die halbamtliche„Wiener Abendpost“ nimmt von der ganzen Duellsache keinerlei Notiz. — Graf Badeni ist seit dem 2. October 1895 österreichischer Ministerpräsident. Er ist am 14. October 1846 zu Lemberg geboren und trat 1886 in den österreichischen Staatsdienst ein. Im Jahre 1888 wurde er zum Statthalter von Galizien ernannt und erwarb sich in dieser Stillung den Ruf eines außerordentlich energischen und schneidigen Deutschland. Berlin, 27. September. Der Regent von Mecklenburg, Herzog Johann Albrecht, hat den Tod des Herzogs Friedrich Wilhelm durch folgenden Erlaß bekannt gemacht: Einen neuen schweren Verlust hat unser großherzogliches Haus nach Gottes Willen erlitten. Unser viel geliebter, theurer Bruder, die Freude und der gerechte Stolz seiner nun so tiefgebeugten Mutter, Seine Hoheit der Herzog Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg, hat am gestrigen Tage in der Blüthe seiner Jahre im Dienste der kaiserlichen Marine den Tod in den Wellen gesunden. Wir geben uns der tröstlichen Ueberzeugung hin, daß der Seemannstod dieses braven Sohnes Mecklenburgs im ganzen Lande den schmerzlichsten Widerhall findet, und verordnen, daß in hiesiger Residenz zwei Wochen hindurch, im übrigen Lande aber am Tage der Beisetzung ein Trauergeläute mittags von 12 bis 1 Uhr in allen Kirchen anzustellen ist. — Die„Meckl. Ztg.“ veröffentlicht folgendes BeileidsTelegramm des Kaisers an die Großherzogin Maria anläßlich des Todes des Herzogs Friedrich Wilhelm: Trakehnen, 23. September: Der schwere Schlag, der Ihr Mutterherz getroffen, berührt auch Mich auf's schmerzlichste. Ich werde Ihrem geliebten Sohne, auf dessen Character und Tüchtigkeit Ich hohe Hoffnungen setzte, ein treues Andenken bewahren. Gott stärke Sie in Ihrem schweren Leid. — Der Kaiser beabsichtigt, die zum Andenken an Kaiser Wilhelm I. den Großen gestiftete Medaille unter gewissen Ausnahmefällen allen rechtmäßigen Inhabern der preußischen Kriegsdenkmünze für 1864, des preußischen Erinnerungs= kreuzes für 1866 oder der Kriegsdenkmünze von 1870/71 ohne Rücksicht auf ihr Combattanten= oder Nichtcombattanten= Verhältniß zu verleihen. — Fürst Bismarck hatte Sonnabend einen rechten Freudentag. In Kiel wurde das mächtige Panzerschiff„Ersatz Leipzig“ vom Stapel gelassen und erhielt auf Befehl des Kaisers, wie Staatssecretär Tirpitz in der Taufrede sagte, „den Namen des größten Staatsmannes unseres Jahrhunderts, den Namen, der untrennbar mit der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches verbunden ist.“ An der Feier nahmen theil Prinz Heinrich, Graf und Gräfin Bismarck, Graf Rantzau, Finanzminister Dr. von Miquel, Staatssecretär von Thielmann und Oberpräsident von Köller. Nach der Taufrede sagte die Gräfin Bismarck:„Im Namen Sr. Majestät des Kaisers taufe ich dich„Fürst Bismarck!" Nach dem Stapellauf begaben sich Graf und Gräfin Bismarck sowie Graf Rantzau gemeinsam mit dem Vicepräsidenten des Staatsministeriums Dr. v. Miquel und den Staatssccretären Tirpitz und Freiherr v. Thielmann nach Friedrichsruh. Die Kaiserliche Marine hat dem Fürsten ein vier Meter großes Schiffsmodell des neuen Panzerkreuzers zur Erinnerung verehrt, welches Admiral Tirpitz überreichte.— An demselben Tage ist die Gemahlin des Grafen Herbert Bismarck in Schönhausen von einem Knaben glücklich entbunden worden. Das ist der Auf der Spur. Erzählung von Lady Majendie. Autorisirte deutsche Uebertragung. (Nachdruck verboten.) (32. Fortsetzung.) Arthur schien es, als ob in ihrer Haltung. in der Zusammenpressung ihrer kleinen Hände auf ihrem Schoße ihr Leid sich ausdrücke. Er war von Natur theilnehmend; für dieses vereinsamte, liebliche Mädchen aber quoll seine Theilnahme so unwiderstehlich hervor, daß er fühlte, er müsse, selbst auf die Gefahr hin, sie zu beleidigen, sie fragen, was sie so kleinlaut mache. „Sicherlich, theueres Fräulein,“ sagte er sanft,„müssen Sie Etwas auf dem Herzen haben, sonst,“ setzte er lächelnd hinzu,„glaube ich kaum, daß Sie gegen den Zug, den wir im Rücken sühlen, oder die unaufhörlich klappernde Thür oder die Wolken von schändlichem Tabak und den Absinth= geruch, den unsere früheren Reisegefährten zurückgelassen haben, so gleichgiltig sein wücden. Sie fuhr leicht auf.„Ich bedauere sehr, daß Sie sich so unbehaglich fühlen," versetzte sie.„Bitte, bleiben Sie nicht bei mir. Ohne Zweifel würden Ihre Mittel Sie in den Stand setzen, ganz anders zu reisen. Es war selbstsüchtig von mir, es zu gestatten. Auf der nächsten Station also.“ „Nicht um die Welt!" rief Arthur.„Nur Ihretwegen habe ich daran gedacht, mich zu beklagen. Bitte, verzeihen Sie mir. Ich kann nicht umhin, zu fürchten, etwas Trauriges beschäftigt Ihre Gedanken. Vielleicht sollte ich dies nicht sagen; es ist dreist von mir." „Nein,“ sagte Antoinette.„Sie sind sehr gütig. Ja, Sie haben ganz Recht. Etwas beschäftigt meine Gedanken sehr stark und schmerzlich, ich weiß aber nicht, ob ich es Ihnen wittheilen kann; Sie würden mich vielleicht auslachen.“ „Sie auslachen? Um des Himmelswillen, wofür halten Sie mich?“ rief er verletzt aus.„Habe ich Etwas gesagt oder gethau, was Sie zu denken veranlaßt, daß ich so hartherzig, so gefühllos, noch dozu gegen Sie sein könnte, für die ich vom ersten Augenblick an, wo ich Sie in meinen Schutz nahm, das tiesste Interesse empfunden habe, die äußerste—“ Er hielt an sich, er hätte sonst zu viel sagen können; sein besorgtes Antlitz und sein einstes Wesen aber ergriff sie. „Sie wollen mich also nicht für sehr thöricht halten?“ „Stellen Sie mich auf die Probe,“ sagte er. Sie blickte ihn einen Moment zweifelhaft an, dann sagte sie:„Herr Denstone, ich habe Sie erst seit kurzer Zeit kennen gelernt; ich bin aber so völlig verlassen, und Sie sind so gut gegen mich gewesen, daß ich in Folge dessen vielleicht mehr wage, als ich sollte.“ „Alles auf der Welt, was ich habe oder thun kann, steht zu Ihren Diensten,“ sagte er rasch. „Ich danke Ihnen,“ erwiderte sie, wobei ein Lächeln von seltener Schönheit ihr süßes Gesicht verklärte.„Dann will ich Ihnen das seltsame, schreckliche Geheimniß mittheilen, welches mich nicht allein durch sein eigenes Gewicht erdrückt, sondern auch mit beängstigenden Ahnungen erfüllt.“ Sie hielt inne, als wollte sie eine Empfindung des Druckes von sich abschütteln, schöpfte tief Athem und fuhr dann fort. „Haben Sie vielleicht zufällig je von Aymar, Jaques Aymar, aus Cröle, gehört?" „Nein, ich glaube nicht, daß ich je von ihm gehört; doch halt! ich kann es nicht ganz bestimmt sagen. Sie meinen doch nicht den Mann, der mit der Wünschelruthe genannt war? Ich erinnere mich, einst vor langer Zeit über iyn gelesen zu haben. Wenn mich mein Gedächtniß nicht täuscht, so hatte seine Gabe die Eigenthümlichkeit, daß die Ruthe in seinen Händen nicht nur in der gewöhnlichen Weise wirksam war, das Vorhandensein von Wasser oder Mineralien an irgend einer Stelle aufzufinden, sondern er gab vor, sie befähige ihn auch, Diejenigen, welche Verbrechen begangen hätten, anzudeuten und Verbrechen zu entdecken. Mein Vater interessirte sich früher einmal sehr für den Mesmerismus und alle Geheimnisse dieser Art und verschaffte sich merkwürdige Auskunft über Jaques Aymar, der am Ende, wie ich glaube, als Betrüger sich erwies. Ist das der Mann, den Sie meinen?" „Sie glauben, er war ein Betrüger?" fragte sie sehr gespannt. „Das weiß ich nicht, es ist unmöglich, ein Urtheil darüber zu fällen,“ erwiderte er, erstaunt über ihren Eifer.„Ich glaube, Medien und solche Leute finden zuweilen, daß ihre natürlichen Gaben sie im Stich lassen, und dann nehmen sie ihre Zuflucht zum Betruge, um die Thatsache zu verbergen. Es kann so mit Aymar sich verhalten haben. Ich denke mir, er war nichts als ein einfacher Landjunker, als er zuerst seine Gabe entdeckte; die Umständlichkeiten der Behörden und Gensdarmes und neugierige Menschen haben dieselbe wahrscheinlich vertrieben; ich spreche jedoch nur nach Muthmaßungen. Interessirt Sie die seltsame Geschichte dieses Mannes?" „Ich glaube nicht, daß es Betrug war,“ sagte sie, indem sie die Hände nervös zusammenfaltete.„Der Himmel aber weiß, wie gern ich es glauben würde, wenn ich nur könnte. Sie sind erstaunt; aber vielleicht werden Sie mein Interesse an ihm besser verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß meine Mutter Jaqueline Aymar hieß, und daß bei Vielen in unserer Familie, und, ich fürchte sehr, in mir selbst die Gabe sich als erblich erwiesen hat.“ „Der Gebrauch der Wünschelruthe?“ rief Arthur.„Ist es möglich, daß Sie wirklich solchen Unsinn glauben können? Bitte, verzeihen Sie mir, daß ich das sage.“ (Fortsetzung folgt.) Verwaltungsbeamten. Dieser Ruf ließ ihn als den geeigneten Mann erscheinen, die Autorität der Regierung in den schwierigen und verworrenen Parteiverhältnissen Oesterreichs mehr zur Geltung zu bringen, als es dem Ministerium Kielmannsegge gelungen war. Graf Badeni, der„Mann mit der eisernen Faust“ hat jedoch die hochgespannten Erwartungen, mit denen man seiner ministeriellen Laufbahn entgegensah. nicht erfüllt; seine unseligen Sprachenverordnungen haben vielmehr die nationalen Leidenschaften und den Haß der Parteien zu einer Gluthhitze entflammt, wie sie bisher in Oesterreich nie erlebt wurde. Das Duell, an dessen Folgen Graf Badeni jetzt darniederliegt, ist auf diese beklagenswerthe Verbitterung zurückzuführen, die seine falsche Politik in Oesterreich hervorgeaufen hat. Dem Pester Gemeinderath liegt ein Antrag vor, wonach die im Centrum der Stadt gelegene Tjedgasse, durch die der deutsche Kaiser mit einzog. Wilhelmgasse genannt werde. In Schulkreisen verlautet, es sei beabsichtigt, daß in den in ungarischen Schulen benutzten deutschen Lehrbüchern der Toast des deutschen Kaisers als classisches Lesestück aufgenommen werde. Griechenland. Die Uebergabe des Friedensprotokolls sollte Montag stattfinden. Die Kriegsentschädigungsanleihe ist gesichert. Vermischte Nachrichten. □ Königswinter, 25. Sept. Heute wurde der Grundstein zu dem Hotel=Neubau„Westfälischer Hof“, welchen der Gastwirth Herr Fritz Klein hierselbst in der Kirchstraße errichtet, gelegt. In den Grundstein wurde eine Büchse versenkt, welche eine auf die Handlung bezügliche Urkunde, verschiedene Münzen und die Ausgabe des„Echo des Siebengebirges" vom heutigen Tage enthält. Die hübsch ausgestattete Urkunde, welche kurz besagt, daß am 25. Sept. 1897, im 9. Regierungsjahre des deutschen Kaisers Wilhelm II., im 83. Lebensjahre des Alt=Reichskanzlers Fürsten Bismarck, in der Zeit der Verwaltung der Stadt durch Bürgermeister Kreitz die Grundsteinlegung vorgenommen wurde, trägt die Namen des Bauherrn, des Architecten Schwister zu Bonn, des Bauunternehmers Johann Scheidgen zu Königswinter und einiger Pathen. Am Schlusse befindet sich folgender, vom Bauherin und seiner Familie unterschriebener Sinnspruch: Friede wohn' in diesen Hallen, Eintracht ziere dieses Haus, Gottes Segen ruh auf Allen Die hier kehren ein und aus! Gliesgrämige Menschenkinder, Ob von nah sie oder fern, Lügner, Heuchler auch nicht minder, Sieht man hier im Haus nicht gern. Hier mög' stets In Zukunft walten, Deutsche Urgemüthlichkeit. Trautes Heim für Jung und Alten Mög' es bleiben allezeit. Uns're sieben Bergesauen, Dieses Kleinod, ja fürwahr Paradies in deutschen Gauen, Bleibe deutsch unwandelbar. Königswinter, 26. Sept. Wie schon seit einigen Jahren so gibt auch in diesem Jahre der Krieger=Verein den kürzlich zur Entlassung gekommenen Reservisten Gelegenheit, zu ermäßigtem Eintrittsgeld dem Vereine als Mitglied beizutreten. Während sonst für den Eintritt 5 Mark berechnet werden, wird von ihnen, wenn sie sich bis zum 1. Jannar l. J. anmelden, nur ein solcher von 3 Mark erhoben. Hoffentlich machen die Reservisten von dieser Vergünstigung ausgiebigen Gebrauch. In seiner heute stattgehabten außerordentlichen General= versammlung faßte der Verein u. A. den Beschluß, eine Vergnügungskasse zu gründen. Die Mitglieder zahlen monatlich einen Beitrag in dieselbe, worüber sie eine Quittung erhalten. Bei einem stattfindenden Ausfluge wird ihnen das eingelegte Geld, welches bei der städtischen Sparkasse zinsbar angelegt wird, zurückgezahlt; es wird den Mitgliedern durch diese Einrichtung die Theilnahme an einem Ausfluge wesentlich erleichtert. (*) Königswinter, 26. Sept. In Winzerkreisen heirscht die Ansicht, daß die Traubenlese hier auf Mittwoch den 6. October festzustellen sei. Auch in der heutigen Versammlung des hiesigen Ortsverbandes des Rhein. Bauernvereins war dies die einstimmige Ansicht, da bei einem längeren Hängen die Trauben nichts mehr gewinnen würden. Die letzten schönen Tage haben die Reife der Trauben erheblich gesördert und dürste die Qualität des 97er Rothen immerhin die eines guten Mittelweins werden. Die Winzer erhoffen demzufolge wenigstens den doppelten Preis des vorjährigen weit minderwerthigen Jahrgangs zu erzielen. Königswinter, 26. Sept. Der Fernsprechverkehr zwischen Köln, Mülheim(Rhein), Berg.=Gladbach. Bonn, Enskirchen, Gummersbach, Königswiuter und Siegburg einerseits und Mörs andererseits ist zugelassen. Die Gebühr für das gewöhnliche einfache Gespräch beträgt eine Mark. Königswinter, 26. Sept. Am Schlusse der Saison, mit welcher auch ein günstiger Witterungsumschlag zu verzeichnen ist, wurde unser Städtchen noch von 2 größeren Gesellschaften besucht und zwar gestern und heute. Den gestrigen Tag hatte aus Anlaß seiner Silbernen Hochzeit der Chef der Firma Schuiewind& Schmidt aus Elberfeld mit dem gesammten Fabrikpersonal(etwa 450 bis 500 Personen) zu einer Fahrt ins Siebengebirge gewählt. Per Extraschiff kam die Gesellschaft gegen 4 Uhr hier an, zog zur Restauration Bellinghausen, setzte sich dort zum Mittagstisch nieder und lenkte nach Beendigung desselben ihre Schritte zum Drachenfels. Bei ihrer Rückfahrt von hier erstrahlten erstgenanntes Restaurant und der Drachensels in schöner Beleuchtung. Zum Beschluß der Schießübung auf der Wahner Heide wurde von der Unterofficierschule von Jülich in einer Stärke von über 400 Mann, 30 Unterofficieren und 13 Officieren heute ein Ausflug nach dem Drachenfels gemacht. Ein Extrazug brachte die Unterofficierschule bis Obercassel und von da ging es zu Fuß hierher, ein stattliches Musikcorps an der Spitze. Im Restaurant J. Schlemmer(Gasthof zum Drachenfels) wurde gastliche Einkehr gehalten und das Mittagsmahl eingenommen. Ein Commando von 6 Soldaten war schon Tags vorher eingetroffen, um mit dem Gastgeber die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Die Bewirthung der großen Schaar ging. Dank der practischen Anordnungen des Gasthofsbesitzers, glatt und schnell von Statten und fehlte es demselben nicht an lobenden Worten für die guten Leistungen aus Küche und Keller. Nach stattgehabter Mahlzeit ward der Drachaufels besucht und gegen Abend ging es unter Musik und Gesang wiede: nach Obercassel, wo der Extrazug harrte zur Fahrt in die Garnnisonstadt Jülich. * Königswinter, 29. Sept. Mit nächstem Freitag den 1. October tritt folgender Dampfschiff=Fahrplan der KölnDüsseldorfer Gesellschaft in Kraft: Ab Königswinter zu Thal 8 ½8 bis Köln, 12¼ bis Rotterdam, 3 und 4¾(Schnellf.) bis Köln, 5½ bis Düsseldorf bezw. Rotterdam; ab Königswinter zu Berg 12¼ Nachts bis Mannheim, 9¼(Schnellf.) bis Mainz, 10¼ und 1½ bis St. Goar, 4½ bis Coblenz.— Die Schnellfahrten werden gegen Mitte October eingestellt. 2 Königswinter, 28. Sept. Der beaachbarte Honnefer Gesellen=Verein wurde mit dem gestrigen Tage in den großen Verband der Katholischen Gesellen=Vereine ausgenommen; bekanntlich ist der hiesige Gesellen=Verein schon seit Jahresfrist ein Glied desselben. —(Sonntagsdienst an den Postschaltern.) Auf Auregung einiger Handelskammern läßt die oberste Postbehörde jetzt abermals wegen Einschränkung oder Verlegung des Schalterdienstes an den Sonntagen Erhebungen anstellen. Es wird wie wir hören, beabsichtigt, den Nachmittagsdienst von 5 bis 6 Uhr ganz fallen zu lassen, dafür aber außer den Vormittagsstunden von 7 bis 9 noch Mittage von 11 bis 1 Uhr die Schalter offen zu halten. — 25. Sept. Die Ziehung der vierten Klasse der 197. königl. preußischen Klassen=Lotterie beginnt am 22. Okt. — Die Rekruten, welche über kurz in den Militärdienst eintreten, werden darauf aufmerksom gemacht, daß sie ihre Quittungskarten über die geleisteten Beiträge zur Altersund Invaliditätsversicherung gut aufbewahren müssen, da solche nach der Entlassung bei Wiedereintritt in die versicherungspflichtige Beschäftigung abzugeben sind. Die Militärdienstzeit wird den Versicherten später so angerechnet, als hätten sie während dieser Zeit Beiträge gezahlt In nächster Zeit soll eine amtliche Darstellung der letzten Eisenbahnnnfälle, deren Ursachen sowie der erneut getroffenen Vorkehrungen zur Verhütung von Eisenbahnunfällen veröffentlicht werden. Vom Rhein, 24. Sept. Die Eisenbahn=Directionen sind jetzt durch Erlaß des Eisenbahn-Ministers angewiesen worden, den Buchhandel auf den Bahnhöfen streng zu kontrolliren. Zu dem Zwecke haben die Colporteure den Directionen ein Verzeichniß ihrer Bücher usw. einzureichen. Vom Mittelrhein, 27. Sept Während man an der Mosel und im Rheingau stets eine Vorlese hält und dann die Weinberge wieder einige Zeit schließt, ist dies hier und an der Ahr, im Rothweingebiete, nicht der Fall, die Weinlese wird vielmehr von der Mehrheit der Winzer auf einen Tag bestimmt und dann vollständig abgeschlossen, ganz gleichgültig, ob Trauben noch in ihrer Entwickelung zurückgeblieben, andere in ihrer Ueberreise geplatzt und die Beeren abgefallen sind. Eine gleichmäßige Reise findet nie statt. In diesem Jahre scheint es aber besonders angezeigt, mit den alten Gewohnheiten zu brechen und im Rothweingebiete eine Vorlese eintreten zu lassen, da in Folge der naßkalten Witterung vielerorts der Pilz sich bereits eingestellt und der Sauerwurm sehr viel Schaden angerichtet hat. In der Regel erhalten wir Ende October noch schöne warme Tage, welche den weniger entwickelten Trauben noch sehr zu Gute kommen. Man hört dann immer die Klagen, daß die Weinlese zu früh festgestellt worden sei. Helfe man diesem Uebelstande durch eine Zweitheilung der Lese ab. Die Winzer, welche einer Genossenschaft angehören, haben ein ganz besonderes Interesse daran, möglichst vollkommene Trauben zu liefern, da es nicht auf die Brühe ankommt, sondern ihre Trauben nach dem Mostgewicht bezahlt werden. Sie werden hiernach ihre Trauben nach den Lagen getrennt halten und diejenigen aus den Berglagen nicht mit denen aus der Ebene, wie bisher, vermengen. Es hält zwar schwer, gegen alte Gebräuche anzugehen, aber die Winzer dürften doch in ihrem Interesse sehr wohl daran thun, in diesem Jahre ein Mal den Anfang zu machen und die Weinlese auf zwei Termine festzustellen, bei welchem Verfahren sich die Arbeiten auch nicht so auf eine Zeit drängen, wie bisher. Bonn, 25. Sept. Der Rechnungsführer des hiesigen Schlachthofes wurde gestern wegen Unterschlagung und Fälschung verhaftet. Es soll sich laut der„K. Vztg." um einen Betrag von etwa 1000 M. handeln, die durch die Caution gedeckt ist. Die That des schon bejahrten und als vermögend bekannten Beamten erscheint vorläufig unerklärlich. Erpel, 23. Sept. Gestern Nachmittag wurde von einem Dampfschiff ein großer Kohlennachen abgerissen, welcher mit aller Wucht auf das an der Arsbrücke bei Herrn Etzweiler liegende Schiff des Herrn Willkomm von Oberwinter anstieß. Leider ist heute Nacht das Schiff von Willkomm, welches Schrot geladen hatte, gesunken. Das Traurigste bei der Sache ist, daß mit dem Unfall auch der älteste 20jährige Sohn des Schiffers Willkomm spurlos verschwunden ist. Für den alten Schiffer Willkomm ist der Schicksalsschlag um so härter, weil er selbst nicht mehr in der Lage ist, etwas zu verdienen, und gerade der Vermißte Derjenige war, der die Familie ernähren mußte. Das Schiff war auch nicht versichert. Willkomm ist ein alter Veteran, der jetzt mit Sorgen dem Winter entgegen sieht. — In Niederbreifig herrschen unter den Kindern se stark die Masern, daß die Schulen sängst nicht mehr die Hälfte der Schüler zählen. — In Altenahr sind die Schulen wegen der unter den Kindern auftretenden Diphtheritis geschlossen. Andernach, 22. Sept. Herr Bürgenmeister Bock aus Emmerich, welcher zur landwirthschaftlichen Ausstellung hier anwesend war, wurde heute Morgen todt im Bette seines Logis aufgefunden. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben ein schnelles Ziel gesetzt. Der Verstorbene litt an der Zuckerkrankheit. Nenwied, 24 Sept. Herr Direktor Doye, der über 7 Jahre hier thätig gewesen, ist als Regierungs= und Schulrath nach Düsseldorf versetzt worden und wird die neue Stelle am 1. Oktober antreten. Ein Nachfolger ist noch nicht ernannt. * Neuwied, 27. Sept. Gestern wurde unter Anschluß an den hiesigen Generalanwaltschaftsverband(Raiffeisen) zu Oberlahnstein ein Winzerverein und zu Brohl a. Rhein ein Spar= und Darlehnskassenverein gegründet. Beide Genossenschaften werden zweifellos bei geordneter Leitung zum Segen ihrer Bezirke gereichen. Die Winzer in Oberlahnstein sollen thatsächlich vorher für gute Frühburgundertrauben von den Händlern nur 8 Pfg. erhalten haben. Der Winzerverein wird hier in Zukunft merklich Wandel schaffen. Die besten Lagen sollen durch die angeschlossenen Mitglieder vertreten sein.— Die Brohler Gründung besonders füllte eine schon lange bestehende Lücke aus, indem ringsum Dahrlehnsgenossenschaften für die betreffenden Gemeinden bestanden. Was lange währt, wird endlich gut! Hoffen wir, daß der Ort den Vorsprung, den die Nachbargemeinden schon lange vor ihm hatten, einholen wird, zugleich ein Stück soziale Frage lösend,— wozu eben die Raiffeisen=Vereine hervorragend berufen sind. Wiederholt sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Mutterstelle dieser Vereine, die Generalanwaltschaft ländlicher Genossenschaften für Deutschland hierselbst, gerne durch Rath und That zum Zustandekommen neuer Gründungen unentgeltlich mitwirkt. Koblenz, 24. Sept. Auf Grund des Lehrer=Besoldungsgesetzes wurde das Anfangsgehalt für Lehrer auf 1150 Mt., das Grundgehalt auf 1400 Mk., die Alterszulagen auf 165 Ml.; das Anfangsgehalt für Lehrerinnen auf 900 Mk., das Grundgehalt derselben auf 1050 Ml. und die Alterszulagen auf 110 Mk. festgesetzt; ferner die Wohnungsentschädigung auf 450 Mk. für verheirathete Lehrer, auf 300 Mk. für unverheirathete Lehrer und Lehrerinnen, und die Funktionszulage für Rectoren und Hauptlehrer auf 200 Mt. festgesetzt. Die Volksschullehrer hatten in einer Eingabe um ein Grundgehalt von 1600 Mk. für die Lehrer und 1200 Mk. für die Lehrerinnen, sowie um Steigungssätze von 175 bezw. 100 Ml. gebeten. Aachen, 28. Sept. Bei einer Schlägerei in der gestrigen Nacht zwischen Ciilisten und Unterofficieren des 40. InfanterieRegiments wurden fünf Civilisten verwundet. Einer ist an der Verletzung, die er durch einen Stich mit dem Seiten gewehr in den Hals erhielt, im Spital gestorben. Hagen, 27. Sept.(Eisenbahn Unglück.) Heute Mittag ist ein Personenzug bei der Einfahrt in den Personenbahnhof Hagen mit einer Rangirmaschine zusammengestoßen. Ein Reisender wurde ganz unerheblich verletzt. Die beiden Locomotiven sind erheblich, ein Packwagen unerheblich beschädigt. Der Betrieb ist nicht gestört. Düsseldorf, 24. Sept.(Ein Religionslehrer vor dem Strafrichter.) Vor dem Schöffengericht hier stand heute Morgen der Religionslehrer Kaplan Hubert Schmitz von hier, angeklagt, die Offizierc und Unteroffiziere des Rheinischen Feldartillerie=Regiments Nr 8 in Metz beleidigt zu haben. Die Beleidigung wird in Folgendem gefunden: Der Bruder Wilhelm des Angeklagten dient bei dem genannten Regiment als Kanonier. Dieser schrieb nun seinem Bruder, er sei wegen einer Wunde am Bein im Lazareth gewesen, von dort aber wieder entlassen worden, trotzdem das Bein noch geschwollen und die Wunde noch offen gewesen sei. Er habe dann Kniebeugungen und ähnliche Uebungen machen müssen. Der Oberstabsarzt habe ihn für dienstunfähig, der Generalarzt aber für dienstfähic erklärt. Kaplan Schmitz schrieb nun einen Brief an den kommandirenden General des 16. Armeecorps Grafen Häseler, in dem er die seinem Bruder Kanonier Wilh. Schmitz zu Theil gewordene Behandlung als rücksichtslos und menschenunwürdig bezeichnete und es als nothwendig erklärte, daß sein Bruder von einem unparteiischen Arzte untersucht werde. In diesem Brief wurde die Beleidigung gefunden. In der heutigen Verhandlung hatte der Angeklagte den Oberarzt des hiesigen Marienhospitals Dr. Straeter als Sachverständigen laden lassen und dieser erklärte, es sei ihm unbegreiflich, daß man den obenbezeichneten Kanonier noch Kniebeugung habe machen lassen.— Das Gericht schien das auch nicht begreiflich zu finden, denn Kaplan Schmitz wurde freigesprochen; er habe in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, hieß es im Urtheil. * Berlin, 27. Sept. Die Sammlungen bei den Postämtern und Poststellen, Post= und Telegraphen=Vereinen usw. zur Errichtung eines Grabdenkmals für den verstordenen Staatssekretär v. Stephan haben bis jetzt 47495 Mark ergeben. Am 15. Oct. werden die Sammlungen geschlossen. — Wie für die Provinz Schlesien, besonders für den Bezirk Liegnitz, so ist jetzt auch eine Summe, und zwar eine halbe Million, für die Ueberschwemmungsgebiete der Provinz Brandenburg zur Befriedigung der dringlichsten Bedürfnisse bereit gestellt worden. — Die Pianistin Maria Gerdes, die auf den Vater ihres Kindes Reibenstein geschossen, ist freigesprochen worden nachdem die gerichtlichen Sachverständigen ausgeführt, daß sie zur Zeit der That nicht im Vollbesitz ihrer geistige Kräfte gewesen sei, und der Zeuge Reibenstein es als möglich hingestellt hatte, daß der Revolver sich infolge eine Hiebes mit seinem Seitengewehr entladen habe. — Auf unsere Eisenbahn=Zustände fällt ein grelles Licht durch die Vernehmung des Lokomotivführers Müller in Proceßz Grütter, welche folgenden Verlauf nahm: Präs. Wer war Zugführer?— Zeuge: Ich. Ich war Lokomotivführer und Zugführer.— Präs.: Wie ist das möglich? Sie müssen doch als Zugführer den Zug kontroliren. Wie ließ sich denn das vereinigen? Können Sie denn den Zug allein laufen lassen?— Zeuge: Nein. Ich steige auf, wenn ich kontrolirt habe.— Präs.: Wer besorgt denn die Maschine während der Zeit, wo Sie nicht oben sind?— Zeuge: Der Heizer.— Präs.: Und was machen die Schaffner im Zuge? — Zeuge: Es sind gar keine Schaffner im Zuge. Ich besorge die Schaffnerdienste mit.— Präs.: Also kein Zugführer, kein Schaffner, nichts, gar nichts,— das ist doch gar nicht möglich. Wenn Ihnen nun etwas passirt?— Zeuge: Dann hat der Heizer die Pflicht, den Zug zum Stillstand zu bringen und solange zu warten, bis Hilfe kommt.— Präs.: Also fahren kann der Heizer nicht?— Zeuge: Nein.— Präs.: Ist das immer so? Fahren Sie stets ohne Zugführer und Schaffner, auch wenn der Zug länger ist wie sonst?— Zeuge: Wenn der Zug sehr lang ist, kommt noch Jemand mit.— Präs.: Ich meine, daß es schon Zeit und Aufmerksamkeit fordert, die Billets im Zuge zu kontroliren. Und eine Nothleine war auch nicht im Zuge?— Zeuge: Nein. Das heißt, sie ist da, aber außer Thätigkeit.— Präs.: Was machen denn nun die Leute da, wenn etwas passirt?— Zeuge schweigt. — Der Abgeordnete v. Schenkendorff eröffnete Sonnabend in Altona die aus allen Theilen Deutschlands gut besuchte Hauptversammlung des Centralausschusses für Volks= und Jugendspiele. Kassel, 26. Sept. Der Erste Staatsanwalt Schumann aus Hanau, welcher zum gestrigen 50jährigen Dienstjubiläum des Oberstaatsanwalts Bartels hierher gekommen war, stockte inmitten seiner vor einer großen Festversammlung gehaltenen Ansprache an den Jubilar plötzlich, sank in die Knie und starb. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Aalen, 26 Sept.(Eisenbahn=Unglück.) Gestern Abend 8½ Uhr überfuhr der Schnellzug von Stuttgart=Nördlingen zwischen Essingen und Aalen bei dem Bahnwärterposten 82 ein vierspänniges Müllerfuhrwerk. Die Frau des Bahnwärters, welche den Dienst versah und es unterlassen hatte, die Barriere zu schließen, wurde überfahren und sofort getödtet. Der Wagen wurde zertrümmert und die Pferde getödtet. Der Fuhrmann, die Passagiere des Schnellzuges und das Fahrpersonal blieben unverletzt. Die Lokomotive wurde erheblich beschädigt. Der Zugführer versuchte vergeblich, den Zug zum Stehen zu bringen. Durch das rasche Bremsen zerriß der Zug unbemerkt in 2 Theile, sodaß nur die Lokomotive und 3 Wagen in Aalen ankamen. Die übrigen vier Wagen, welche auf dem Geleise stehen geblieben waren, mußten von einer Hilfsmaschine(aus Aalen) geholt werden. Lüttich, 26. Sept. In Lüttich ist der falsche Erzherzog alias Behrendt verhaftet worden. Der Polizeichef entbot den Bruder Marias zu sich und stellte ihn dem Paar gegenüber. Husmann erkannte auf der Stelle den Entführer seiner Schwester. Behrendt wurde infolgedessen sofort wegen Führung eines falschen Namens verhaftet. In seinem Besitz fand man 7000 Frcs. vor, welche Marias Eigenthum sind. Diese ist mit ihrem Bruder unverzüglich nach Cöln abgereist. Das Paar war im Hotel Dinand hierselbst unter dem Namen Herr und Frau Hertel abgestiegen. Borbeck, 24. Sept. Der Rector Joseph Husmann in Vorbeck erläßt folgende Erklärung:„Nachdem wir nicht mehr darüber im Zweifel sein können, daß wir das Opfer einer Täuschung geworden sind, halten wir uns für verpflichtet, öffentlich unser Bedauern darüber auszusprechen, daß unsere Stellungnahme in der bekannten Angelegenheit mit dazu beigetragen hat, die unerwartete Bedeutung, welche die Sache gewonnen hatte, noch zu steigern. Daß für unsere in der Erklärung vom 19. Sept. ausgesprochene Ansicht gewichtige Gründe maßgebend gewesen sind, braucht nicht besonders betont zu werden. Man wird es aber bei der eigenthümlichen Entwickelung der Verhältnisse uns nicht verübeln können, wenn wir von allen weiteren Erörterungen absehen. Vorbeck, 24. Sept 1897. Im Namen der Familie: Josepl Husmann, Rector.“ Meppen, 25. Sept. Ein surchtbares Feuer wüthet hier. Bis jetzt sind achl Häuser eingeäschert. Der Brand hält an. —(Selbstthätige Kegelaufsetzer.) Aus Weingarten schreibt man: Eine Erfindung von weitgehender Bedeutung hat Herr Bierbrauer Georg Stark von hier gemacht, nämlich eine Vorrichtung für Kegelbahnen, welche den Kegelbuben vollständig entbehrlich macht. Vom Anwurf aus lassen sich sämmtliche Kugeln hereinbefördern. Auch sieht man am Anwurf, wie viel Kegel getroffen sind. Eine ebenso einfoche wie sicher funktionirende Einrichtung zeigt das sog.„Bandeln“ an. Herr Stark hat bereits zu Anfang des Sommers in seinem z. Z. verpachteten Wirthschaftsanwesen eine solche Kegelbahn aufgestellt, welche sich vorzüglich bewährt hat. Auch nach Kaiserslautern und Speyer hat der Erfinder bereits solche verkauft. Die Einrichtung(Preis 300 Mk.) kann an jeder Kegelbahn angebracht werden. Die Erfindung ist geschützt durch D. R. P. Nr. 91944. Landwirthschaftliches. Gegen das Faulen der Kartoffeln im Keller ist ungelöschter Kalk sehr gut. Man lege beim Einkellern der Kartoffeln je nach Größe des Vorraths an eine oder mehrere Stellen einige größere Stücke Kalk, die man mit Reisig oder Stroh umgeben oder in einen Korb oder Sack eingelegt hat, damit sie nicht direkt mit den Kartoffeln in Berührung kommen. Der Kalk zieht die Feuchtigkeit in hohem Maße an, und somit erhält er die Kartoffeln trocken. Versuche haben gezeigt, daß die Kartoffeln vor dem Faulen verwahrt blieben, während Kartoffeln von derselben Sorte ohne Anwendung von Kalk start saulten. Dazu läßt sich dieser Kalk nach Verbrauch der Kartoffeln noch zur Kalldüngung des Feldes benutzen. Wer also mit Kalk düngen muß, thut gut, den erforderlichen Kalk schon im Herbst anzufahren und ihn erst zum Schutze der Kartoffeln gegen Fäulniß und dann zur Düngung zu benutzen. Am 29./9. Trockenes, vielfach heiteres, ziemlich warmes Wetter. Stellenweise Morgennebel. 30./9. Trocken, schön und warm. ./10. Keine wesentliche Aenderung. Wasche mit Luhn's Wasch-Extrakt! Sparsam und billig, ohne Schärfe!— Anzuwenden ohne Seife, ohne Soda!— Kein Anschmieren der Wäsche nöthig! — Zum Reinigen der Haus= und Küchengeräthe. Treppen 2c. äußerst beliebt! Ueberall in Schachteln per ½ Pfd. zu haben.— Bitte versuchen! Stieldorf. Um den vielen Anfragen zu genügen, wird Mittwoch den 29. September noch eine Aufführung an Wochentagen stattfinden. Anfang 3 Uhr. Ende 7 Uhr. * * * * * * K * * * Neues illustriertes Handbuch für Radfahrerinnen. Soeben erschienen: Das Radfahren der Damen vom technisch-praktischen und ärztlich-gesundheitlichen Standpunkte von Dr. med. C. Fressel. — Preis elegant gebunden Mk. 5,00.— Das Werk ist unentbehrlich für jede Radlerin. Zu beziehen durch: jede Buchhandlung, sowie auch direkt durch Lonis Heasers Verlag in Neuwied. neue Serien bei A. Tillewein. Gerichtl. Verrauf. Am Donnerstag, 30. Sept. cr., Morgens 10 Uhr, sollen im Hofe des Johann Mettelsiefen zu Königswinter, Grabenstraße, 2 Pferde, eine Schlagkarre, circa 600 Ctr. Steinkohlen, ca. 32000 Stück Brikets, ein zweirädriger Handkarren, ein Schreibpult, ein Schrank mit Glasaufsatz, 1 zweithür. Kleiderschrank, 1 einthüriger desgl. und 2 complette Betten öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigert werden. Boving, Gerichtsvollzieher. .B. Der Verkauf findet voraussichtlich statt. Pbelweiß (seinstes Kaisermehl) GoldstaubColumbiaDiamant u. la. Vorschutzmehl. Maizena, Mondamin Eleme= u. Sult. Rosinen Vostizza Korinthen, süße u. bittere Mandeln, Citronat u. Oreangat, Monopol Backpulver Vanille, Banillzucker Citronen u. Citronenessenz sowie täglich frische Eier und Butter empfiehlt billigst Jos. Roemerscheidt. Sonntag, auf dem Wege nach dem Petersberge ein grün und roth gestreifter verloren. Wiederbringer erhält Belohnung in der Exped. dieses Blattes. Petersbergbahn. Fahrplan vom 15. Mai ab. Aufwärts 7,50 .15 10.30 12,10 12.50 1,55 .00 .45 4,55 .25 6,20 6,55 .25 Ergänzungszüge Abwärts .05 .30 10.50 12,25 .05 2,10 3,15 .00 5,10 5,40 6,35 7,10 7,40 nach Bedarf. Jeden Mittwoch Nachmittag Gross. Frei-Concert ausgeführt von dem gesammten Trompetercorps des CürassierRegiments(Graf Gessler) Rheinisch Nr. 8 unter persönlicher Leitung des Köngl. Musikdirigenten Herrn Reinhold Fellenberg. Bei ungünstiger Witterung werden die Concerte in den Sälen abgehalten. Drachenfelsbahn Fahrplan vom 15. Mai ab. Kleines Haus freundlich gelegen, 5 Räume und Speicher, zu vermiethen. Näheres Hauptstr. 100. Fert. Schuhwaaren Ercänzungszüge nach empfiehlt Th, Müller, Schuhmachermeister, Klotzstr. 15 Anfertigung nach Maaß und Reparaturen. Mineral=Wasser stets am Lager Michael Schoop. der Stadtverordneten=Versammlung v. Königswinter am Freitag den 1. October 1897, Nachmittags 5 Uhr im Rathhause. Tagesordnung: 1. Festsetzung der Traubenlese. 2. Vorlage des zwischen den Herren Stadtverordneten Georg Schäfer und Carl Spindler einerseits und dem Herrn Anselm Bachem andererseits betr. Abtretung des Stenzelberger Weges vereinbarten Vertrages. 3. Gesuch des Herrn Joh. Linden betr. Bebauung des Drachenfelser Fuß= und Reitweges. 4. Antrag der Herren Bonn und Genossen auf Abänderung des Fluchtlinienplanes der Mittelstraße. 5. Entscheidung über die Qualität des Gäßchens neben der Gasanstalt. Königswinter, 28. September 1897. Der Bürgermeister Kreitz. Bemerkung: Vor Beginn der Stadtverordneten=Versammlung findet die Traubenschau statt, zu welcher ich hiermit gleichfalls einlade. Die Theilnehmer bitte ich, sich Nachmittags 3½ Uhr im Rathhause zu versammeln. D. O. „„„ 8 Jeden Mittwach Nachmittag Grosses Militär-Frei-Cöncert Rusgeführt von dem gesammten Trompeter-Corps des KürassierRegiments„Grat Gessler“(Rheinisch) Nr. 8, unter porsönlicher Leitung des Königlichen Musikdirigenten Herrn Reinhold Fellenberg Letzter Zug ab Petersberg 10 Uhr Abends. Wegen beendigter Saison läßt die unterzeichnete Gesellschaft am Montag den 4. October, Morgens 10 Uhr zu Honnef(Lohmarstraße) div. gut gehaltene Pferde öffentlich gegen Baar versteigern. Honnef=Königswinterer Omnibus=Gesellschaft. Kenherten in Laqliettes. Capes empfiehlt billigst in größter Auswahl R. Rolarz, Konigswinter, Hauptstr. 113/15. zu 50 Pfg.— 1,25 Mk., Mk. 1,50(für 100 Postkarten) „.—„ 150 „ 2,50„ 200 und zu höheren Preisen empfiehlt A. Tillewein. Eine neue Suppen-Würze, hergestellt aus 25 Procent Fleischsaft und den Extracten und Essenzen der feinsten französischen Champignans und der auseriesensten Suppenkräuter und Gewürze. Dieselbe besitzt einen hohen Nährwerth und dient sowohl zur sofortigen Herstellung einer kräftigen Bouillon wie auch zur Hebung des Wohlgeschmacks u. Kräftigung der Suppen u. Saucen, der Mayonnaisen und der Gemüse aller Art. Ein kleiner Zusatz genügt. Preis der Flasche 50 Pfg u. höher. Ausgewogen 50 Gramm 25 Pfg. Ueberall käuflich. Höchste Ausseichnungen: Berlin, Brüssel, Baden, Wien, Marseille, Nizza, Suez etc. Patontirt in England, Frankreich, Belgien etc. Polizei=Verordnung über Bierdruck=Vorrichtungen. Auf Grund der§§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883(.=S. S. 195) und der§§ 6, 12 und 15 des Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850(.=S. S. 265) erlasse ich hiermit unter Zustimmung des Bezirksausschusses für den Gebrauch von Bierdruckvorrichtungen bei dem gewerbsmäßigen Bierausschanke innerhalb des Regierungsbezirkes Köln die nachstehende Polizei=Verordnung. § 1. Inkrafttreten der Polizei=Verordnung und Uebergangsbestimmungen. Bei dem gewerbsmäßigen Ausschanke von Bier dürfen vom 1. Januar 1898 ab nur solche Bierdruckapparate gebraucht werden, welche den nachstehend in den§§ 3 und ff. angegebenen Vorschriften entsprechend eingerichtet sind. Die Fortbenutzung vorhandener Apparate kann von der Ortspolizeibehörde noch bis zum 1. Oktober 1898 gestattet werden, falls nachgewiesen wird, daß sie vor dem Erlasse dieser Verordnung bereits im Betriebe waren und daß sie den Bestimmungen der Polizei=Verordnungen vom 14. Juli 1880 (.=Bl. S. 164) und vom 8. Juni 1884(.=Bl. S. 104) genügen. § 2. Unzulässige Bierdruckvorrichtungen. Der Gebrauch von Handspritzen, Spritzhähnen und dergleichen, durch welche die Luft dem Biere in den Trinkgesäßen unmittelbar zugeführt wird, sowie der Gebrauch von Pumpen, welche das Bier unnittelbar aus den Lager= nach den Verbrauchsräumen heben oder das Bier unmittelbar aus dem Fasse aufsaugen, ist verboten. § 3. Zulässige Druckmittel. Als Druckmittel darf nur reine atmosphärische Luft oder flüssige Kohlensäure verwendet werden. § 4. Bierdruckvorrichtungen mit atmosphärischer Luft als Druckmittel. a) Die Bierdruckvorrichtung(Lustpumpe) ist in einem hinlänglich großen und reinlich gehaltenen Raume aufzustellen. b) Die als Druckmittel zu benutzende Luft muß aus dem Freien und zwar von einem Orte entnommen werden, welcher seiner Lage nach eine Verunreinigung der Lust nicht befürchten läßt. Die Zuführung der Lust zur Lustpumpe hat durch ein ins Freie mündendes Nohr zu erfolgen, das an seinem äußern Ende in einen mit einer seinen Sichplatte versehenen mindestens 3 m über dem Erdboden befindlichen Trichter auslausen muß. Das äußere Ende des Rohres muß mindestens 5 in von etwaigen Bedürfnißanstalten und Düngergruben entsernt sein. Das Lustzuführungsrohr ist mit der Lustpumpe sest und lustdicht zu verbinden; diese Verbindung darf bei den Pumpen nicht unterb chen sein. c) Zwischen der Li umpe und dem Windkessel(vergleiche Absatz e) ist senkrecht ein cylinderförmiger Reinigungsapparat (Oelsänger) in die Rohrleitung einzuschalten. Derselbe soll in dem cylinderischen Theile aus hinreichend starkem Glase lustdicht hergestellt sein, eine Länge von mindestens 16 cm und eine Weite von mindestens 6 cm haben. Die Endstücke müssen abnehmbar oder mit luftdicht verschließbaren, mindestens 3 em weiten Reinigungsöffnungen versehen sein. An der tiessten Stelle des Bodens muß sich ein Ablaßhahn befinden. Die beiden oberen Drittel des Innenraumes müssen mit gereinigter entsetteter Baumwolle z. B. mit Salicylwatte fest ausgestopft sein, das unterste Drittel ist stets leer zu halten Das von der Lustpumpe kommende Rohr muß in dem untersten Drittel, das nach dem Windkessel führende Rohr in dem obersten Drittel der Seitenwandung des Reinigungs= apparates mit dem letzteren in Verbindung stehen. Die Watte ist mindestens alle 14 Tage und stets dann zu ernenern, wenn sie sich schmutzig zeigt. Der Reinigungsapparat ist stets rein und sauber zu halten; namentlich darf kein Oel in demselben belassen werden. d) Alle zur Leitung von Luft dienenden Rohre dürfen aus Metallen jeder Art und, soweit sie sich innerhalb eines Gebäudes befinden, auch aus bleifreiem Kautschuk hergestellt sein. Der innere Durchmesser der Rohre soll mindestens 10 inm betragen. c) Bei jeder Bierdruckvorrichtung ist zwischen der Luftpumpe und dem Fasse ein Windkessel einzufügen. Derselbe muß aus Metallblechen gefertigt sein, frei stehen, leicht zugänglich und in dem untersten Drittel mit einer fest verschließbaren mindestens 10 cm weiten Reinigungsöffnung versehen sein. Der Druck in dem Windkessel darf 1 ½ Atmosphären nur dann und zwar bis 2 Atmosphären überschreiten, wenn der Kessel einem Probedrucke von mindestens 4 Atmosphären Ueberdruck unterworsen worden ist. *) In dem Spundaussatze(Faßhahn) ist ein Rückschlagventil anzubringen, wodurch das Eindringen des Bieres aus dem Fasse in das Luftleitungsrohr wirksam verhindert wird. g) Zwischen dem Rückschlagventile und dem Windkessel ist ein vollkommen durchsichtiger Bierfang aus Glas von mindestens 5 cm lichter Weite einzuschalten, welcher gestattet, ein Versagen des Ventils festzustellen. Der Bierfang muß durch einen Hahn völlig entleert werden können. .) Die Rohre, durch welche das Bier beim Zapsen fließt (Stecher, Bierleitungsrohr. Krahn), müssen einen überall gleichen inneren Durchmesser von mindestens 1 cm haben und frei von Einknickungen sein. Das Bierleitungsrohr zwischen Faß und Zapfloch muß so eingerichtet sein, daß jedes Stück der Leitung mit einer an einem biegsamen Drahte befestigten Bürste durchstoßen werden kann. Kühlapparate, welche in diese Rohrleitung eingeschaltet werden, müssen abnehmbar sein. Sie müssen sich durch Bürsten leicht reinigen lassen; salls jedoch die Ortspolizeibehörde auf Grund des§ 8 eine andere Art der Reinigung gestattet, so darf die Behörde auch die Benutzung von glatten, spiralförmig gewundenen Kühlapparaten zulassen, muß jedoch hierbei Einschaltung von Glasröhren und die Anbringung eines Controlhahnes vorschreiben. Die Rohrleitung und die innere Auskleidung der Durchgangsöffnung des letztgenannten Controlhahns müssen aus reinem oder aus höchstens ein Prozent Blei enthaltendem Zinn gefertigt sein. Die Einschaltung von Kautschukstücken an den Biegungsstellen der Bierleitung ist nicht gestattet; jedoch ist es erlaubt, zur leichteren Auswechselung der Bierfässer zwischen dem Faßhahne und dem festen Zinnrohre einen bleifreien Kautschukschlauch bis zu 25 cm Länge in die Rohrleitung einzuschalten. Stecher und Krahn können aus allen Metallen oder Metallmischungen bestehen, die auch bei längerem Gebrauche keine die menschliche Gesundheit schädigende Bestandtheile an das Bier abgeben. Sind sie aus anderen Metallen z. B. Kupfer oder Messing hergestellt, so müssen sie an den Stellen, wo sie bestimmungsmäßig mit dem Biere in Berührung kommer, in dauerhafter Weise mit in dem vorigen Satze bezeichneten Metallen oder Metallmischungen belegt, z. B. verzinnt oder vernickelt sein. Die Stecher dürsen an dem unteren Ende nicht fest verschlossen sein. i) In der Nähe des Zapfkrahnes muß ein für die Zapser sichtbarer Druckmesser mit Bezeichnung des höchst zulässigen Druckes im Fasse angebracht sein. Der Druck muß durch eine geeignete Vorrichtung so geregelt werden, daß er den äußeren Luftdruck höchstens um 1 ½/ Atmosphären übersteigt. (Fortsetzung folgt.) Bekanntmachung Nachdem durch Verfügung des Königlichen Staatsministeriums zur Vereinfachung des Geschäftsverkehres im Verkehr mit den Behörden unter einander die Anreden Wohlgeboren, Hochwohlgeboren usw. beseitigt worden sind, bitte ich auch in den an mich gerichteten Schreiben, Eingaben usw. von derlei überflüssigen Wendungen abzusehen. Ich zeige hiermit zugleich an, daß ich auch meinerseits in von mir an Privatpersonen gerichteten Schreiben mich dergleichen Anreden nicht mehr bedienen werde. Königswinter, 29. September 1897. Der Bürgermeister Kreitz. Die wegen Regulirung der oberen Bahnhofstraße daselbst beseitigten Birnbäume, deren Stämme und Reiser an dem Eingang zum Nachtigallenthal lagern, sollen öffentlich an den Meistbietenden verkauft werden. Der Termin hierzu ist auf Samstag den 2. October 1897, Vormittags 9 Uhr, an Ort und Stelle festgesetzt. Königswinter, 29. September 1897. Der Bürgermeister Kreitz. Arztlich empfohlen. In allen Preislagen Flasche Mk. 2,— bis Mk. 5,— Cognac zuckerfrei Flasche Mk..— Weindestillat. Bevorzugte Marke für Reconvaleszenten u. Zuckerkranke. Laut amtlicher Analyse franz. Cognac gleich. Alleinige Verkaufsstelle: II. Bungenstock, vorm. J J. Ittenbach, Königswinter, Hauptstrasse. Neu! W1:1:* Neu „Munaltia des Iundes gesetzl. geschültzt, befreit jeden Hund von Schmutz u. Ungeziefer, ohne Anwendung von Wasser und Seife, macht das Haar geschmeidig und glänzend und schützt gegen Krank heiten der Haut und des Haares. Preis pro Büchse 50 Pfg. Voss'scher Blattlaustod, das sicherste Mittel zur schnellen und radicalen Vertilgung der Blattläuse auf Blumen und Pflanzen, à flacon 50 Pig. Beides erhältlich in der Niederlage der Voss'schen Vogelfutter-Specialitäten bei Eduard Sasse in Königswinter, zugleich Verkaufastelle für Dollendorf u. Rhöndorf.