Bezugs-Preis, mit Sonntagsbeilage Lolonia, durch die Crägerinnen wöchentlich 10 Pig., monatlich 40 Pig. Geschäftsstelle und Anzeigen-Annahme Marzellenstrasse 37. Anzeigen-Preis: 15 Pig. die einspaltige Zeile(letzte Seite 18 Pig.). Kölner Stellen= und Arbeits=Gesuche sowie MietAnzeigen für kleine Wohnungen bis zu 10 Zeilen bei Vorausbezahlung 10 Pig. die Zeile. Auswärtige Anzeigen 20 Pig.(letzte Seite 25 Pfg.). Reklamen 50 Pfg. für hiesige, 60 Pfg. für auswärtige. Offerten-Annahme 25 Pfg. General-Anzeiger für die rheinische Hauptstadt. 2 Kölner Fremdenblatt Postvreis mit der Sonntags=Beilage Colonia M. 1,50(3 Mon.), M..—(2 Mon.), M. 0,50(1 Mon.). IXIE Feuilleton des Kölner Local=Anzeiger. 23. Sept. 1908. E Sonnenleuchten. [14] Roman von Erich Friesen. „Willst du nicht wissen, wem das Brillanthalsband gehört, das der Brave sich angeeignet hat?“ „Was geht das mich an, Schwiegerpapa! Meinethalben der Kaiserin von Japan!“ Der Oberst macht eine ärgerlich abwehrende Bewegung. „Pah! Deiner— Frau!“ Jetzt endlich ist Orlandos Interesse erregt. „Wa—?“ ruft er mit allen Zeichen höchsten Erstaunens. „Hier!... Lies, mein Junge!“ Und der Oberst zieht eine Zeitung aus der Tasche und reicht sie seinem Schwiegersohn. Mit einer ihn selbst überraschenden Erregung entfaltet Orlando das Blatt. „Da! Das blau Angestrichene!“ hilft der Oberst eifrig nach. Lies laut, damit Teresita es auch gleich mit hört!“ Und Orlando liest: „Verhaftung eines notorischen Diebes und Hochstaplers. Gestern wurde von der Geheimpolizei ein Individuum festgenommen, das unter dem dringenden Verdacht des wiederholten Diebstahls und der Hochstapelei steht. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Bereits vorgestern abend beobachtete die Kriminalpolizei einen schäbig gekleideten Burschen, der längere Zeit vor dem kleinen Juweliergeschäft des M. Simoni in der inneren Stadt stand, sich häufig verdächtig umsah und dann in den Laden eintrat— unauffällig gefolgt von einem Kriminalschutzmann. Der Polizist bemerkte, wie der Bursche einen Brillantschmuck aus der Tasche zog, ihn dem Juwelier übergab, dafür eine bestimmte, augenscheinlich schon vorher vereinbarte Summe in Banknoten erhielt und rasch den Laden wieder verließ. Da der Polizei die Sache verdächtig vorkam, behielt sie den Burschen im Auge, der sich erst stundenlang am Kai herumtrieb, dann, als es dunkel geworden, nach einer der verrufensten Straßen am Hasen einbog und dort in einem Kellerlokal verschwand. Die Polizei drang in den Keller ein, gerade in dem Augenblicke, als der Bursche einem anderen Individuum eine Anzahl Hundertlirescheine zusteckte. Da beide sich nicht ausweisen konnten, wurden sie verhaftet und auf die Wache geschafft. Hier stellte sich heraus, daß der eine e bekannter und bereits wiederholt vorbestrafter Taschendieb namens Beppo ist, der andere aber der in den besten neapolitanischen Kreisen verkehrende Graf Riccardo Tosti. Es ist nun abzuwarten, ob die Vermutung der Kriminalpolizei, welche das in Betracht kommende Brillanthalsband sofort beschlagnahmte, richtig ist. Der Schmuck deckt sich nämlich aufs Haar mit der Beschreibung des vor beinahe zwei Jahren in der Villa Fortuna auf Capri gestohlenen, der damaligen Frau Teresita Bartley, jetzigen Signora della Rocca, gehörigen Brillanthalsbandes, dessen Haupterkennungszeichen ein großer schwarzer Diamant inmitten einer Reihe kleinerer wasserheller Brillanten bildet. Wenn diese Vermutung sich bestätigt, so hat die Polizei nicht nur einen notorischen internationalen Hochstapler und Dieb, sondern einen Mörder erwischt; denn man weiß, daß mit dem damaligen Raub in der Villa Fortuna auf Capri ein Mord Hand in Hand ging.“ Mit einem erneuten Ausruf der Empörung wirft Orlando das Zeitungsblatt auf den Tisch und geht mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. „Dieser Schurke! Dieser Hallunke!“ preßt er zwischen den Zähnen hervor.„Hast du gehört, Teresita? Es muß dich doch besonders interessieren!" Totenbleich, mit schwankenden Schritten, kommt Teresita aus dem Nebenzimmer hervor. Ohne ein Wort zu sagen, nimmt sie die Zeitung vom Tisch. Ihre Augen bohren sich förmlich hinein in die blau angestrichene Lokalnotiz. Aller Blicke sind auf sie gerichtet. Was wird sie sagen, daß man endlich dem Mörder ihres ersten Gatten auf der Spur zu sein scheint? Wird sie ihre lebhafte Genugtuung äußern? Wird sie aufjubeln, daß der Schuldige endlich dem Gericht überliefert werden soll:... Nichts dergleichen. Als Teresita zu Ende gelesen, entsinkt das Zeitungsblatt ihren kraftlosen Händen. Stützesuchend greift sie um sich. „Armes Kind! Daß die Erinnerung sie noch immer so mächtig augreift!“ meint der Oberst mitleidig, während sein Frau und Orlando um die ersichtlich mit einer Ohnmacht Kämpfende bemüht sind. Nur Mirra weiß, weshalb die Erinnerung an jene grauenvolle Nacht in Teresitas Seele nie entschwinden kann. Weshalb sie wachsen und wachsen wird und immer riesigere Dimensionen annehmen, bis das nagende Gewissen es nicht meyr zu ertragen vermag, so daß die Unglückliche daran zugrunde gehen muß. Was Teresita zu Anfang brennend gefürchtet, jedoch später als unwahrscheinlich stets in Gedanken zurückgewiesen hatte— es ist eingetreten: Der einzige Zeuge der Tat ist verhaftet, unter dem dringenden Verdachte, die Tat selbst begangen zu haben. Damit ist ihr Schicksal besiegelt. Vergebens kämpft sie noch an gegen die furchtbare Gewißheit; vergebens zermartert sie ihr Hirn, ob Graf Tostis weiteres Schweigen vielleicht durch eine große Summe zu erkaufen wäre. Unmöglich. Der Graf befindet sich bereits in Untersuchungshaft, ist also für sie nicht mehr erreichbar. Resigniert ergibt sie sich in ihr Schicksal. Mag kommen, was da wolle. Als sie bald danach eine Vorladung vom Gericht erhält, das fragliche Brillanthalsband zu rekognoszieren, macht sie noch einmal einen krampfhaften Versuch, zu entschlüpfen. Sie erklärt, sich nicht mehr genau entsinnen zu können, ob der vor ihr liegende Schmuck mit dem ihr gestohlenen identisch sei. Doch wird ihr mitgeteilt, diese unbestimmte Aussage tue nichts mehr zur Sache. Der Gefangene habe bereits gestanden, den Diebstahl damals in der Villa Fortuna ausgeführt zu haben. Dagegen bestreite er auf das entschiedenste, der Mörder des John Bartley zu sein. Also auch das noch! Immer mehr knickt Teresita zusammen. Ihr unstäter Blick irrt oft hülflos umher, als suche sie irgendwo einen Halt in diesem Seele und Körper gleich aufreibenden Dilemma. Wohl gewahrt Orlando die aufs neue mit alter Macht hervorbrechende Unruhe seines Weibes; aber er findet dieselbe begreiflich angesichts der immer näher rückenden Gerichtsverhandlung, in welcher alle jene, Teresita so tief berührenden Vorfälle nochmals in allen Einzelheiten aufgerollt werden sollen. Nr. 263. 22, Jahrgang. Geschäftsstelle: Fernspr. 420. Köln, Mittwoch, 23. September 1908. Redakt.: 5231, 5232,5233,5234. Heute 12 Seiten. Das Neueste vom Tage. von Station Werbellinsee nach Rominten abgereist. Prinzessin Viktoria Luise hat sich von Eberswalde ab angeschlossen. Die Ankunft in Groß=Rominten erfolgt heute vormittag um 10 Uhr (Wohnung im Jagdhaus Rominten). Der Aufenthalt in Rominten wird sich voraussichtlich bis in den Oktober hinein erstrecken. Bei der Reichstags=Stichwahl im 2. braunschweigischen Wahlkreise Wolfenbüttel=Helmstedt wurden für Kleye(national— liberal) 15 427 und für Ricke(Sozialdemokrat) 8894 Stimmen abgegeben. Kleye erscheint somit als gewählt. Reichskanzler Fürst v. Bülow reist heute wieder von Berlin nach Norderney ab und fährt am 8. Oktober zurück. Gestern nachmittag wurden in Berlin als choleraverdächtig ein russisch=polnischer Kohlenarbeiter und seine zwei Kinder nach dem Rudolf Virchow=Krankenhaus gebracht. Die Frau des Eingebrachten war an choleraähnlicher Diarrhoe gestorben. Der Beweis für das Vorliegen von Cholera ist nicht erbracht. Auf dem französischen Kreuzer Latouche Tréville explo dierte bei Salins’Hyeres ein Geschütz. Neun bis dreizehn Mann wurden getotet und 22 tötlich verletzt. Die Toten sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die Explosion soll durch die Entzündung einer Katusche hervorgerufen worden sein, würde also eine ähnliche Ursache haben, wie der Unfall an Bord des Schulschiffes Couronne. Wie bei jener Explosion stammen fast alle Opfer aus der Bretagne. Eine große Menge drängt sich an den Ufern und verlangt von der Seepräfektur Auskunft. Da diese sich weigert, Einzelheiten des Vorfalles und die Namen der Verunglückten bekannt zu geben, ereigneten sich mehrere Zwischenfälle. Es werden Anschuldigungen erhoben wegen des Schweigens der Präfektur. Gestern waren in St. Petersburg 417 Neuerkrankungen □ und 176 Todesfälle an Cholera zu verzeichnen. Die Zahl der Cholerakranken beträgt jetzt 1561. Die neuen Steuern. In der Deutschen Rundschau veröffentlicht Staatssekretär Sydow einen Aufsatz über Aufgaben und Wege der Reichsfinanzreform. Bezüglich der Steuerpläne wird hier ausgeführt, daß die Einkommensteuern bereits von Einzelstaaten und Kommunen stark ausgebaut seien. Ohne Besteuerung des Massenkonsums, die in Deutschland bis jetzt weit weniger entwickelt sei, als in anderen großen Staaten, lasse sich der Fehlbetrag nicht decken. Branntwein, Bier und Tabak seien besonders geeignete Steuerobjekte. Es müsse nur dafür gesorgt werden, daß die Steuer auch wirklich auf die Massen übergehen könne und nicht im wesentlichen auf dem Gewerbe hängen bleibe. Ob noch Steuern auf andere Gegenstände des allgemeinen Gebrauches zu schaffen seien, müsse mit Rücksicht auf die noch nicht abgeschlossenen Vorarbeiten und schwebenden Verhandlungen unerörtert bleiben. Daß sich darunter eine Steuer auf Schaum= und stille Weine in Flaschen befindet, wird angedeutet. Nach Ablehnung von Vorschlägen, wie Dividenden=, Umsatzsteuer usw., befürwortet der Minister ferner die Besteuerung der Erbfälle durch Einführung einer allgemeinen Nachlaßstener, die den Nachlaß als solchen trifft, und zwar unter Freilassung kleinerer Vermögen unter 10—20000 Mark und gewissen Sonderbestimmungen für den Grundbesitz, wonach die auf Grundbesitz fallenden Steuern in Form einer Rente bezahlt werden könnten. Endlich sollen die Matrikularbeiträge,(die Beiträge der einzelnen Bundesstaaten für den Reichshaushalt), über den gegenwärtigen Satz von 40 Pfg. hinaus erhöht, der Mehrbetrag aber durch Vereinbarung von Bundesrat und Reichstag für eine Reihe von Jahren festgelegt werden. Der Aufsatz schließt:„Die Ordnung der Reichsfinanzen ist eine Lebensfrage für das Deutsche Reich und seine Gliedstaaten. Sie muß gelöst werden und zwar jetzt, da jede Hinausschiebung die Lösung nur noch erschweren kann. Ich vertraue darauf, daß diese Erkenntnis sich im Reichstage wie im deutschen Volke in ihrem vollen Ernste durchsetzen wird. Es scheint mir kaum denkbar, daß das Gedeihen, ja der Bestand des Deutschen Reiches, das mit soviel Arbeit, soviel Idealismus, soviel Selbstlosigkeit und soviel Blut geschaffen und zusammengekittet ist, aufs Spiel gesetzt werden sollte, weil das deutsche Volk trotz seiner steigenden Wohlhabenheit nicht die zur Erhaltung des Reiches erforderlichen Mittel hätte aufbringen wollen.“ Haftentlassung des Fürsten Eulenburg. Gemäß dem Antrage des Verteidigers, Justizrats Wronker, wurde durch Beschluß der Strafkammer VII des Königl. Landgerichts I die Haft des Fürsten zu Euleuburg entgegen dem Antrage des Oberstaatsanwaltes aufgehoben. Der Antrag des Verteidigers und der Gerichtsbeschluß stützen sich auf das Gutachten des Geh. Medizinalrates Dr. Krause von der Charité und des Gerichtsarztes Dr. Stoermer, welches besagt, daß der Fürst in absehbarer Zeit nicht verhandlungsfähig sein werde und daß die Haft lebenverkürzend wirke. Der Gesundheitszustand des Fürsten habe sich fortdauernd verschlechtert.— Gegen die Haftentlassung des Fürsten zu Eulen burg legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, da die Haftentlassung ohne Stellung einer Bürgschaft erfolgt sei.— Das Befinden des Fürsten zu Eulenburg war gestern so ungünstig, daß trotz der Entlassung aus der Haft an eine Uebersiedelung des Kranken in seine Privatwohnung vorläufig nicht jedacht werden konnte. Ein Nahwort zum sozialdemokratischen Parteitag. Der Nürnberger sozialdemokratische Parteitag unterscheidet sich von dem Dresdener vielleicht nur dadurch, daß dort persönliche Kämpfe ausgefochten wurden, die durch sachliche MeinungsverS Kölnischer Geschichtskalender. Pinderrs 23. September 1861 Die Stadtv.=Vers. bewilligt 4125 Tr.(die Hälfte der Kosten) für Reparatur der evangelischen Antoniterkirche an der Schildergasse. 1873 Gen.=Lt. v. Bothmer. Gouverneur von Köln, 1 zu Köln, 56 Jahre alt.— Pet. Jos. Mülhens. verdienter Stadtverordneter, F zu Köln, 72 Jahre alt. 1876 Die Preisrichter für die Modelle des Bismarckdenkmals für Köln(Bauinspektor a. D. Pflaume von Köln, Prof. Schrader von Berlin und Bildhauer Wittig von Düsseldorf) erkennen dem Modell von Fritz Schaper den ersten und dem von E. Hundrieser, beide Bildhauer in Berlin, den zweiten Preis zu. 1877 Die neu erbaute kath. Kirche in Sülz wird eingeweiht. schiedenheiten verschärft wurden— Radikalismus und Revisionismus—, während in Nürnberg ein politischer Gegensatz unter der Einwirkung persönlicher Momente zu einer heftigen Fehde führte. In der Wirkung gleichen sich beide Tagungen. Beide Male ist der Parteitag ergebnislos auseinandergegangen, und nur der tiefe Zwiespalt ist zurückgeblieben. Einen eigenartigen Reiz gab dem diesmaligen Kampfe ein durch und durch unsozialistisches Moment: der Gegensatz zwischen Süd und Nord in der Sozialdemokratie, die„Los von Norddeutschland=Bewegung". Von Anbeginn an stand der diesmalige Parteitag im Zeichen großer Erregung. Die mehrwöchige Preßdebatte der führenden sozialistischen Organe in Süd und Nord hatte eine so starke Spannung gezeitigt, daß es zu einem Krach kommen mußte, wenn es nicht gelang, hinter den Kulissen eine Einigung zu erzielen. Letzteres vereitelten die Süddeutschen. Die Austragung auch rein persönlicher Auseinandersetzungen in der breitesten Oeffentlichkeit, die ganze Art der Verhandlung vor ungefähr 400 Delegierten, die im lautesten Massenversammlungston geführten Debatten brachten eine nervöse, gereizte Stimmung ganz von selbst mit sich und mußten die Leidenschaften zur Siedehitze steigern. Nicht Arbeiterfragen beherrschten die sechstägige Debatte, sondern innerer Parteizank. Zwei und einen halben Tag wurde über die„Bagatelle“, über die„Doktorfrage“ der Budgetbewilligung mit Aufwendung aller Kraft gestritten. Mit Kübeln schmutzigsten Schmutzwassers haben sich die Genossen begossen. Eine Empfindung dafür, wie arg sie sich und die Partei vor der ganzen Welt mit ihrem wüsten Geschimpfe blamierten und auch in den Augen denkender Arbeiter bloßstellten, schien den kleinen Herrgöttern vollständig abzugehen. Von den eben der „Bildungsschule" entlaufenen Schreihälsen und Schwätzern kann uns das ja schließlich nicht wundern, aber daß die älteren, erfahrenen und gebildeten Genossen dem Skandal nicht Einhalt taten, war erstaunlich. Wie kann überhaupt ein gebildeter und anständiger Mensch die Rüpeleien ansehen, ohne der ganzen Gesellschaft voll Ekel den Rücken zu kehren? Und warum der ganze Lärm? Um nichts! Ob die Genossen in den Landtagen bei der Schlußabstimmung über den Etat aufstehen oder sitzen bleiben, ist eine völlig gleichgültige Sache. Es ändert an der Seite 2. Kölner Lecal-Anzeiger Nr. 263* Mittwoch, 23. September 1908. Wirklichkeit nicht das Mindeste. Man hat es auch so und so oft tatsächlich als etwas Belangloses betrachtet. Der Masse der Arbeiter ist die„Frage“ vollständig gleichgültig. Es sind nur einige Fanatiker und Krakeeler, die eine Haupt= und Staatsaktion daraus machten und den Süddeutschen einen Strick daraus drehen wollten, um sie zu demütigen. Wenn die Herrschaften wenigstens konsequent wären! Darf man nicht für den Etat stimmen, so darf man auch für kein Gesetz stimmen, denn man spricht damit der Regierung das Vertrauen aus und erkennt die bestehende Gesellschaftsordnung an: ja man darf sich überhaupt nicht an der parlamentarischen Arbeit beteiligen, höchstens um alles herunterzureißen. Die Leute, die sich in Nürnberg wegen einer Lappalie so wütig in den Haaren lagen, halten sich für berufen, die Welt umzugestalten! Nicht acht Tage würden sie am Ruder sein und das Köpfen finge an. Wie auch die Nürnberger Balgerei enden möge, jedenfalls können alle Gegner der Sozialdemokratie nur ihre Genugtuung aussprechen, daß die Herren Genossen, bevor sie das Heft in Händen haben, der Welt jetzt schon zeigen, was man von ihnen zu erwarten hat. Ein besonderes wichtiges Moment dieses Parteitages ist, daß besonders deutlich die Unlust zu praktischer Arbeit zutage trat, fast möchte man sagen auch die Unfähigkeit. Die Referenten selbst begnügten sich mit alten Schlagworten. Für Soniatpolitik hatte die„Arbeiterpartei; ganze zwei tunden übrig, und in die Diskussion über dieses Thema griffen ganze fünf Delegierte ein. Nur der Gewerkschaftsführer Hue hatte ein Gefühl für diese Armseligkeit des sozialdemokratischen Parteitages und den Mut, den Vorwurf zu erheben, daß das„Arbeiterparlament“ von Nürnberg für die Nöten der Ar beiter keine Zeit übrig gehabt habe. Preisausschreiben. Die großartige Schimpferei auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Nürnberg hat den Dichter„Bahlhorn“ in der Germania zu folgenden Versen begeistert: Es hat sich neuestens wieder gezeigt, Wie mangelhaft unsere Prosa. Die Meisterschimpfer von Nürnberg, Sie klagen, besonders die Rosa. Die deutsche Sprach' ist ein' arme Sprach', Ein kraft= und saftlos Wesen. Die letzten guten Schimpfwörter sind Schon damals verbraucht in Dräsen(Dresden). „Lump“,„Schweinhund",„Judas“,„Schuft",„Kretin"— Was will das heute besagen! Wir brauchen was neues, damit sich's lohnt, Sich nachher zu vertragen. Zerschmetternde Kraftwörter brauchen wir, Saftwörter aus Kneipen und Gossen. Für die besten bieten wir hohen Preis.— Sucht und denkt nach, Genossen! Der glückliche Gewinner wird Sich mit Fräulein Baader vermählen. (Sollte Rosa inzwischen Witwe sein, So kann er auch diese wählen.) Sprachrichtigkeit wird nicht verlangt. Drum hofft man, daß sich am heil'gen Werke, gelockt durch den schönen Preis, Die Parteischüler stark beteil'gen. A. Jur Selbstverwaltung der Krankenkassen. Die Ortskrankenkasse 1 zu Köln=Ehrenfeld wollte ihr Statut dahin ändern daß den Angestellten neben dem Gehalte auch Pension und Hinterbliebenenversorgung gewährt werde. Dem Antrage des Oberbürgermeisters als Aussichtsbehörde gemäß hat der Bezirksausschuß im Beschlußverfahren die Genehmigung zur Statutenänderung versagt. In der Revisionsinstanz hat jedoch der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts die Entscheidung des Bezirksausschusses aufgehoben und die Genehmigung zur Statutenänderung erteilt, indem er begründend ausführte: Es besteht kein Zweifel, daß zu den Verwaltungskosten der Krankenkasse die für die Angestellten zu zahlenden Vergütungen gehören. Zu diesen Vergütungen rechnen auch Pension und Hinterbliebenenversorgung. Es ist nun gemäß § 30 des Krankenversicherungsgesetzes zu prüfen, ob die Genehmigung zur Aenderung der Statuten versagt werden könnte, wenn die Beiträge der Kassenmitglieder nicht genügten, um die durch die Zahlung von Pension und Gewährung von Hinterbliebenenversorgung entstehenden Mehrkosten zu decken. Diese Frage ist zu bejahen. Es ist aber keine Handhabe für die Annahme gegeben, daß jetzt eine Erhöhung der Beiträge bei Aenderung der Statuten eintreten müsse. Man muß die Entwickelung abwarten, ob etwa später die Mehrkosten nicht ohne Erhöhung der Beiträge oder Einschränkung der Kassenleistungen aufzubringen sind. Dann wäre nach§ 33 Absatz 2 des Krankenversicherungsgesetzes zu verfahren. In derselben Sitzung beschäftigte den Senat die Streitsache der Ortskrankenkasse für die im steyenden Gewerbe usw. beschäftigten Personen in Köln wider den Kommissar zur Wahrnehmung des öffentlichen Interesses. Diese Kasse hatte einen Nachtrag zu ihrem Statut dahin beschlossen, daß neben dem Rendanten ein Rechnungsführer angestellt werde. Auch hier hat der Senat im Gegensatz zum Bezirksausschuß die Genehmigung zur Statutenänderung erteilt und er führte aus: Es handelt sich hier um eine Organisationsfrage. Der Senat meint, daß das Gesetz keine Handhabe biete, die Versagung der Genehmigung zu rechtfertigen. Zweifellos sind die Aemter eines Kassen= und Rechnungsführers dem Wesen der Kasse nicht fremd. Ob es zweckmäßig ist, von der Kassenführung die Rechnungsführung abzutrennen, ist nicht von dem Verwaltungsrichter zu prüfen. □ Referendarprüfung. Am 22. September bestanden die erste juristische Prufung die Rechtskandidaten: Albert Luyken aus Duisburg, August Merziger aus Trier, Paul Engelbert aus Wattenscheid, Gottfried Noever aus.=Gladbach. Ausstellung des Zweigvereins vom Roten Kreuz für die Stadt Köln. Anläßlich der Tagung deutscher Aerzte und Naturforscher in Köln hat auch der Zweigverein vom Roten Kreuz in einer an der Maschinenbauschule aufgeschlagenen Baracke eine zwar kleine, aber sowohl für den Arzt als auch für den Laien interessante Ausstellung eröffnet. Beim Eintritt in die Baracke fällt der Blick auf einen Tisch, auf dem eine Anzahl Verbandkästen mit reichem Inhalt aufgestellt sind. Hier ist es vor allem das Notverbandpäckchen nach Dr. Ferd. Breuer l, in der VerbandstoffFabrik Colonia, Dr. Vogt u. Dr. Rosiny, Köln, Schaasenstraße, verfertigt, dessen Zweckmäßigkeit von den Besuchern der Ausstellung anerkannt wird. Der Hauptwert dieses Verbandpäckchens liegt darin, daß von Laien die Verbandanlage ohne jede Infektion der Wunde ausgeführt werden kann und daß dieselbe eine vorherige Desinfektion der Hände ganz unnötig macht. Weiterhin sind zu sehen Tragen verschiedener Systeme. Unter ihnen auch das Modell einer neuen Trage von Manner und Kamphausen. Die Trage ist doppelt zusammenlegbar, nimmt infolgedessen nur einen sehr beschränkten Raum ein und eignet sich daher zur Mitnahme in Straßen= und Eisenbahnwagen, wo sie unter dem Sitz leicht befestigt werden kann. Zwei Tragen sind in einem einen Eisenbahnwagen darstellenden Holzgestell befestigt und zwar mittelst Drahtseilspannsystem; ein System, welches sich sowohl durch Billigkeit als auch durch Einfachheit auszeichnet. 8 Schrauben, 8 Hangvorrichtungen und ein Drahtseil sind die ganzen Bestandteile zur Ausrüstung eines Waggons für 2 Tragen. In einem Waggon können bis zu 8 Tragen auf diese Weise untergebracht werden. Ferner ist hier ausgestellt die Straßenbahnwinde von Cornelius und Hans Meyer (Köln=Nippes), die bereits öfter praktisch erprobt wurde und sich tabellos bewährt hat. Palmblätter zur Schienung zerbrochener Gliedmaßen, ein Uebungskasten, eine Reihe Bilder und sonstige Kleinigkeiten vervollständigen die Ausstellung. C Entkommene Diebe. In der vergangenen Nacht gegen 4½ Uhr versuchten zwei Diebe in der Rosenstraße in einer Fabrik einzubrechen und die Türen aufzuschließen. Anscheinend gelang ihnen das nicht, und so versuchte einer über das Tor zu klettern. Als die Diebe einen Schutzmann bemerkten, flüchteten sie und entkamen unerkannt. m Mlanfardendieb. Gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr stieg ein Spitzbube in der Glockengasse vom Dache eines Hauses aus in eine Mansarde, indem er sich einer Leiter bediente, und stahl zwei Anzüge. Das Schlüsselloch der Türe hatte er mit einem Hätte er nur einmal den Blick tiefster Verzweiflung sehen können, mit dem Teresita während seiner Abwesenheit, zusammengekauert im Lehnstuhl, in die Weite starrt,— vielleicht würde eine Ahnung in ihm aufgedämmert sein von der furchtbaren Wahrheit, die bald nicht nur ihn, sondern ganz Neapel, ja die halbe zivilisierte Welt mit Staunen und Entsetzen erfüllen wird. 14. Vormittags gegen zehn Uhr. Der große Saal des Gerichtsgebäudes in Neapel vermag kaum die Zahl der Neugierigen zu fassen. „Raubmordprozeß!" Dies Wort allein schon elektrisiert die Massen und bringt alles auf die Beine. Um wieviel mehr noch, wenn auf der Anklagebank ein Mann sitzt, der jahrelang in der vornehmsten Gesellschaft Neapels verkehrte, ein Mitglied des „Klubs der oberen Zehntausend". Einige Minuten vor zehn Uhr hält vor dem breiten Portale des Gerichtsgebändes ein Automobil. Orlando della Rocca steigt aus, in Begleitung zweier tief verschleierter Damen. Zehn Uhr. Unter Aufsicht zweier Karabineri betritt Graf Tosti den Saal und nimmt auf der Anklagebank Platz. Er macht nicht den Eindruck eines Angeklagten. Kaltblütig lächelnd blickt er sich im Saale um, diesem und jenem zunickend. Die Verhandlung beginnt. In kurzen Worten werden die dem Angeklagten zur Last gelegten Verbrechen verlesen. Auf die Frage des Präsidenten, ob er sich schuldig fühle, erwidert Graf Tosti mit fester Stimme: „Des Diebstahls— ja. Des Mordes— nein.“ Als Zeugen werden nur wenige Personen vernommen. Schon in der Voruntersuchung hatten sämtliche Bewohner der Villa Fortuna, vom Oberst angefangen bis herab zum kleinsten Küchenmädchen, ausgesagt, daß sie absolut nichts Näheres über den Mord wüßten. Die einen hatten überhaupt nichts gemerkt, bis sie durch einen Schuß aus dem Schlaf geweckt wurden. Die anderen waren schon etwas vorher durch verdächtige Geräusche, wie Fußtritte im Korridor und leises Oeffnen und Schließen von Türen, ausgewacht. Gesehen hat niemand etwas von dem Mörder. Als einzige wichtige Zeugin wird Frau Teresita della Rocca, die frühere Gattin des Ermordeten, aufgerufen. Lebhafte Spannung im Zuschauerraum, als die ganz in Schwarz gekleidete Zeugin vortritt und mit zitternden Händen den Schleier zurückschlägt. Beim Anblick des bleichen Gesichts durchzittert tiefe Teilnahme die Herzen der Menge. Selbst der Mann dort auf der Anklagebank empfindet etwas wie Mitleiden — vielleicht zum ersten Male in seinem abenteuerlichen Leben. Und in dieses Mitleiden mischt sich ein bei ihm seltenes Gefühl der Ritterlichkeit des Mannes der Dame gegenüber— einer Dame, der er zu Dank verpflichtet ist, gleichviel wofür. „Sie haben bereits in der Voruntersuchung ausgesagt, Zeugin," beginnt der Vorsitzende mit besonderer Höflichkeit,„daß Ihr verstorbener Herr Gemahl Sie in der fraglichen Nacht geweckt habe, weil er ein verdächtiges Geräusch im Korridor vernahm. Ist es so?“ „Ja,“ erwidert Teresita leise. „Aeußerte Ihr Herr Gemahl die Vermutung, das Geräusch rühre von Dieben her, die in das Haus eingebrochen waren?“ „Ja.“ „Sagte er Ihnen auch, er wolle aufstehen, um nachzusehen?“ „Jawohl.“ „Glauben Sie, daß er dies Vorhaben ausführte?“ „Sicherlich.“ „Halten Sie es für wahrscheinlich, daß er dabei mit den Dieben, die er in ihrer Arbeit störte, zusammenprallte?“ „Ich kann es mir nicht anders erklären.“ „Haben Sie sonst noch etwas Verdächtiges bemerkt?“ „Nein. Da ich an das Vorhandensein von Dieben nicht glaubte, war ich ruhig und schlief sofort wieder ein.“ „Wann wachten Sie auf?“ Die Zeugin zögert einige Augenblicke, bevor sie erregt herausstößt:„Als ich einen Schuß fallen hörte.“ „Was taten Sie dann zuerst?“ „Ich.— ich——“ Sie sucht nach Worten. Dabei ist es, als versagten ihr die Knie den Dienst und sie müsse umsinken. Orlando eilt herbei, um seine Frau zu stützen. Tuche behangen und die Leiter hat er in dem Zimmer zurückgelassen. Sie ist gezeichnet:„P..“ Streitigkeiten. Gestern vormittag entstand auf dem Waidmarkt zwischen mehreren Burschen eine Schlägerei. Ein Schutzmann stellte die Ruhe wieder her und brachte zwei der Streitenden zur Wache. Wie sich dort herausstellte, wurde einer der Burschen bereits steckbrieflich von der Polizei gesucht.— In der Spulmannsgasse sowie in der Großen Spritzengasse kam es gestern ebenfalls zu Schlägereien, wobei es blutige Köpfe absetzte. Aus Köln-Ehrenfeld. □ Ein Gardinenbrand entstand gestern abend gegen 9¼ Uhr in einem Hause in der Glasstraße. Die Feuerwehr löschte das Feuer in kurzer Zeit. X Windthorstbund Köln-Ehrenfeld. In der am Mittwoch abend stattfindenden Versammlung kann infolge unvorhergesehener Umstände über das auf den Einladungen bezeichnete Thema nicht referiert werden. Ein auswärtiger Redner wird die Geschichte und die Ursachen des Kulturkampfes in den 70er Jahren behandeln. Ein vollzähliger Besuch wird hierfür, wie auch für die künftigen Versammlungen, mit denen in die Winterarbeit eigetreten werden soll, bestimmt erwartet. Aus Köln-Nippes. * Ein seltenes Fest feierte in vergangener Woche die Frau Witwe Heinrich Holzapfel in Köln=Nippes. 25 Jahre sind verflossen, seitdem sie bei Familie Peter Orth in Dienst trat; auch steht sie 25 Jahre der Schulreinigung des III. Systems vor. Bei einer kleinen Familienfeier im Hause der Frau Witwe Peter Orth wurde die Jubilarin gebührend gefeiert. Roheit. Am Montag mittag übersiel ein Mann am Leipzigerplatz ein Mädchen und verletzte es erheblich, sodaß es ärztliche Hülfe nach suchen mußte. Dem rohen Patron wurde eine gehörige Tracht Prügel verabfolgt und die Sache zur Anzeige gebracht. Katholischer Gesellenverein. In der Generalversammlung des hiesigen katholischen Gesellenvereins, die Sonntagabend stattfand, hielt der Senior des Kölner Vereins einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Bedeutung und Aufgaben der katholischen Gesellenvereine. Der Grundgedanke, der Adolf Kolping vorschwebte, als er zur Reform des Handwerkerstandes den Gesellenverein schuf, war der, daß wirtschaftlicher und moralischer Niedergang eines Standes im Wechselverhältnis stehen; deshalb den Handwerkernachwuchs den sittlichen Gefahren zu entziehen und ihn zugleich in den Stand setzen, wirtschaftlich konkurrenzfähig zu werden und zu bleiben, war und ist der Zweck des Gesellenvereins. Redner verbreitete sich über die vielverzweigte Tätigkeit des Vereins auf religiös=sittlichem und sozial=caricativem Gebiete. Die daran anschließende Diskussion verdichtete sich schließlich zu der einstimmigen Resolution, im kommenden Winter eine intensive Werbearbeit für den hiesigen Verein zu entfalten und besonders an die Väter der jungen Handwerker heranzutreten mit der Bitte, dieselben dem Verein zuzuführen. Die Wohlfahrtseinrichtungen sollen weiter ausgebaut, Unterricht im Rechnen, Kalkulation und Buchführung erteilt werden; auch eine apologetische Schulung der Mitglieder ist ins Auge gefaßt. So kann erwartet werden, daß der Verein zu frischem neuen Leben erblüht. Windthorstbund. Mit einem Vortrag über Bismarcks politische Tätigkeit bis zum 18. Januar 1871 eröffnet der Windthorstbund Köln=Nippes(Vereinslokal Dresia, Turmstraße 14,.) am kommenden Donnerstag den 24. d. M. eine Reihe geschichtlichpolitischer Vorträge, welche den Zweck verfolgen, die Zuhörer in die Geschichte und den politischen Entwickelungsgang Deutschlands einzuführen. Parteifreunde sind eingeladen. Eitele Frauen u. Mädchen sind besorgt, dass ihre Schube immer eleganten Lackglanz haben und sich dem Fusse angenehm anschmiegen. Das wird unfehlbar erreicht mit Erdal, dem preisgekrönten Schubcreme, welches im Privatgebrauch deutscher Fürstenhöfe ist. Hber verlangen Sie ausdrücklich Erdal. Erdal ist überall erhältlich. General-Vertr.: Theodor Morawe, Machabäerstr. 33, Tel. 9300.“ Der vorliegenden Ausgabe dieses Blattes ist ein Prospekt der Firma Hrch. Frauck Söhne Ludwigsburg betr.„Eurilo", der neue Ersatz für Bohnenkaffee, angefügt. „Nur noch eins—“ bemerkt der Präsident.„Halten Sie den Angeklagten für den Täter?“ Zum ersten Male hebt Teresita den Blick zu dem Manne, der dort vor der Anklagebank steht— die Hände in den Hosentaschen, ein höhnisches Lächeln um die schmalen Lippen. Die Blicke beider treffen sich— flammend, drohend, ihre Kräfte einander abmessend. Jedes von beiden— der skupellose Abenteurer dort auf der Anklagebank und die bleiche, verängstigte Frau, die gegen ihn zeugen soll— jeder von beiden weiß: die nächsten Stunden entscheiden über Leben und Tod; eines von beiden bleibt auf der Strecke. Zuerst ist es, als könne Teresita den drohenden Blick nicht ertragen. Doch der Mut der Verzweiflung gibt ihr Kraft. „Zeugin, halten Sie den Angeklagten für den Täter?" fragt der Präsident nochmals. „Ja.“ Laut, klar, überdeutlich schrillt das Wort durch den Saal Eine entlassende Handbewegung des Präsidenten— die Zeugin tritt zurück. Doch macht sie einen weiten Bogen um den Angeklagten. Ihre Lider sind gesenkt, und auf ihren vorher so bleichen Wangen brennen zwei rote Flecke. Mirra, die in der ersten Reihe neben den Eltern sitzt, und Todesangst im Herzen, dem Laufe der Verhandlung folgt, war bei Teresitas Aussage freudig zusammengezuckt. Ist es möglich? Sollte Teresita wirklich unschuldig sein? Sie faltet die Hände. Leise bewegen sich ihre Lippen in stillem Gebet. Die Beweisaufnahme ist geschlossen. Das Plaidoyer beginnt. Die Anklagerede des Staatsanwalts ist ein kleines Kabinettsstück an juristischer Auslegekunst. Sie verfehlt ihren Eindruck auf die Geschworenen und das Publikum nicht. Jedermann im Zuschauerraum ist überzeugt, daß der Angeklagte der Mörder ist — obgleich nicht ein einziger Beweis dafür erbracht wurde. Jetzt hat der Verteidiger das Wort. In einer wohldurchdachten, scharfpointierten und von Begeisterung flammenden Rede führt er aus, daß auf einen noch dazu schwachen Indizienbeweis kein Mensch als des Mordes überführt erklärt werden kann. (Fortsetzung folgt.) Kölner Lecal-Anzeiger Nr. 263" Mittwoch, 23. September 1903. Seite 3. Offene Stellen Militärfreier ledig. Diener mit guten Zeugnissen, für Hausund Gartenarbeit zum.Oktober gesucht. Bonn, Villa Havanna. Handelsmühle im rheinischwestfälischen Industriebezirksucht per 1. Oktober jungen Mann für Kontor und Reise. 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Begeisterte Zustimmung fand P„ Wettstein von Westersheim(Wien), der den Toast auf den deutschen Kaiser ausbrachte. Einleitend auf die nationale Bedeutung der Versanemlungen der Naturforscher und Aerzte hinweisend, pries er ven deutschen Kaiser als den Schirmherrn des Friedens, den treuen Bundesgenossen des österreichischen Kaisers. #in hluß al Jus dem deutschen Kaiser ausgebrachte Hoch verlas Prof. Dr.##imann nachstehende Antwort, welche auf das an den Kaiser gerichtete Begrüßungstelegramm eingegangen war:„Se. Majestät der Kaiser und König haben sich über das freundliche Gedenken der 80. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte bei Beginn ihrer Tagung herzlich gefreut und lassen bestens danken, aucch den Beratungen reichen Erfolg wünschen Auf Allerhöchsten Befehl: der Geh. Kabinettsrat i. V. v. Eisenhart=Rothe.“ #### Dr. Fuhner(Berlin), widmete der gastlichen Stadt Köln sein Glas. Mit seiner ruhmreichen Geschichte kann sich das Köln der Gegenwart recht gut messen. Die Tatkraft der Bürgerschaft hat Großes zustande gebracht, das um so höher zu bewerten ist geschaffen worden ist. Die Errungenschaften der Wissenschaft hat Köln sich zu Diensten gemacht und in seinen vielfachen hervorragenden Einrichtungen ein Denkmal gesetzt, das der Mit= und Nachwelt zeigt, daß das gegenwärtige Geschlecht der Vorfahren würdig ist. Die Hoffnung sei berechtigt, daß die Ent# ung der Zukunft mit der Vergangenheit in Harmonie gebracht Oberbürgermeister Wallraf erklärte, daß es eine Ehre für Köln stce#e se pormet:„ Gesellschaft bei sich aufzunehmen. Daß die Gesellschaft Köln zu ihrem Tagungsort ausersehen, verdiene Dank Aber noch aus einem anderen Grunde schulde Köln der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte herzlichen Dank: sie hat durch den Vortrag des Prof. Stadler(München) die Augen der Kölner Bürgerschaft wieder auf das Wirken des Albertus Magnus gelenkt welcher der Wissenschaft so reiche Quellen erschlossen hat, aus denen noch heute geschöpft werden kann. Doctor universalis nannten ihn die Zeitgenossen. Dieser Titel paßt auch für die Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte. Daß die Gesellschaft hier eine gute Aufnahme finden würde, war selbstverständlich und ein herzliches Willkommen werde ihr, wie heute, entgegenschallen, wenn sie wieder ihre Zelte bei uns aufschlage. Der Geschäftsführung gedachte mit anerkennenden Worten Prof Dr. Wien(Wurzburg). Die Herren der Geschäftsführung haben eine Arbeit übernommen, die man im Altertum dem Herakles übertragen haben wurde. Was in Köln zur Vorbereitung und glatten Abwickelung der Geschafte geschehen sei, verdiene ebenso rückhaltlose Anerkennung wie die den Gästen dargebotenen geselligen Unterhaltungen. 8% 44 .. Dr. Tiln. un erklärte, daß von der Geschäftsführung die Arbeiten gern übernommen worden seien; durch den guten Verlauf der Tagung fühle sie sich reichlich belohnt Die Reihe der Toaste beschloß Dr. Boden(Köln) mit einer geistreichen Rede auf die Damen, des heimischen Herdes Hüterinnen Leider gingen seine Worte zu einem großen Teile bei der im Saale herrschenden Unruhe verloren. Neben den gehaltvollen Reden würzten gemeinschaftliche Lieder nd Musikvortrage der Kapelle des Pionierbataillons Nr. 7 unter Kapellmeister Weber das Mahl. Wer in den Pausen einen Blick warf in das Versammlungstageblatt, dem vom„Prof. Spaß“ ein humoristisches Gewand gegeben war, hatte das nicht zu bereuen. Vit gutem Humor wurden dort u. a. als Nachträge zum Plan der wissenschaftkichen Verhandlungen angekündigt: Mathematik: Prof Dr. U. Nion(Dortmund) Berechnung des Einfallswinkels an der neuen Südbrücke zu Köln; Dr. Perkeo(Berlin): Ueber die Konstruktion einer Tangente vom Bülowschen Block aus an einen politischen Kreis, dessen Zentrum bekannt ist; Physik und Elektrotechnik: Prof. Fallières(Paris) Berechnung des englisch=deutschen Spannungs=Coeffizienten; Chemie: Prof. Dr. Pax(Algeciras) Aufund Abbau der sauren Verbindungen in Marokko; Meteorologie; Dr. H. Arden(Berlin) Beobachtung von Sonnenflecken auf der Sternwarte Liebenberg. Man tagte eben in Köln, und da war es. selbstverstandlich, daß der Kölner Witz mit einigen Proven aufKöider Local-Auzeiger Nr. 263* Mittwoch, 23. Sepiember 1903. Lächerlich will sich mit aller Gewalt das hiesige sozialdemo tratische Blatt machen. Das Blatt leidet an einer neuen Krank heit, die man Zilkens=Manie nennen könnte, eine pathologisch inter essante Spezialität der in Nürnberg wieder aufs glänzendste bewiesenen sozialdemokratischen Schimpfmanie. Es erfaßt jede Gelegenheit, Herrn Zilkens anzurempeln. Weil Herr Zilkens als Schutzvorstand des Gesellenvereins Ehrenfeld diesen Verein zu seinem neuen Heim beglückwünscht hat, ergeht sich das famose Blatt in einer Schimpfiade auf Herrn Zilkens. Wir haben keine Veranlassung, für Herrn Zilkens als Ehrenretter aufzutreten, das hat die Berufungskammer des Landgerichts getan, als sie seinen gewissenlosen Beleidigern eine empfindliche Strafe zudiktierte. Der Feldzug, den gewisse Kreise gegen Herrn Zilkens einleiteten, verlief ja so erbärmlich, daß die vorgeschobenen Strohmänner, von ihren Hintermännern verlassen, sich an die Gnade des Gerichts und den Großmut des Herrn Zilkens wenden mußten, um vor dem Gefängnis bewahrt zu bleiben. Zu den Ausführungen Zilkens, er habe gerade in Ehrenfeld gefunden, daß aus dem Gesellenstande tüchtige Meister hervorgegangen seien und er wünsche, daß die junge Generation diesen Vorbildern nacheifern möge, schreibt die Rhein. Zeitung folgendes:„Franz Zilkens hat also gewissermaßen den Gesellen moralische Vorhaltungen gemacht. Im übrigen muß dieser Mann sehr viel wissen, daß die Klerikalen ihn nicht zum völligen Rücktritt zwingen können.“ Lächerlich! Ueber die Moral des Herrn Zilkens sich abfällig äußern zu wollen, ist geradezu eine blöde Vermessenheit bei Leuten, die sich vor wenigen Tagen in Nürnberg so skandalös auffuhrten, daß anständige Menschen sich mit Widerwillen von ihnen abwenden. Rückkehr der Revelaerpilger. Die hiesigen vorgestern (21./9.) in zwei Sonderzügen nach Kevelaer gefahrenen Pilger trafen gestern nachmittag um 6½ und 6¾ Uhr ebenfalls in zwei Sonderzugen auf dem hiesigen Hauptbahnhof wieder ein. B Betriebsunsicherheit. Die Züge der Vorortbahnen KölnBrück,.49 Uhr ab Bhf. Ost(Kalk) und 7 Uhr ab Brück in der Richtung nach Köln, fuhren heute Morgen.10 Uhr auf freier Strecke in dem gleichen Geleise aufeinander zu; sie konnten jedoch in einem Abstand von ungefähr 100 Meter zum stehen gebracht werden. Der von Brück kommende Zug hatte, da die vorgeschriebene Kreuzung in Mehrheim ausblieb, die Strecke bis nach Unterführung, Ende Kalk blockiert. Auf dem von Kalk kommenden Zuge war der Betriebsauseher. Die Blockade von Kalk aus muß nicht in Ordnung gewesen sein. Beim Eintreffen des Brücker Zuges war die Station Mehrheim nicht blockiert. Diese Zustände können nicht zur Beruhigung der Fahrgäste dienen. Trotzdem der von Brück kommende Zug vorschriftsmäßig blockierte und hierdurch freie Fahrt hatte, mußte er doch wieder bis nach Mehrheim zurückkehren. # Verhafteter Mansardendieb. Gestern nahm die Kriminalpolizei den Dachdecker fest, der in der letzten Zeit wiederholt Mansardendiebstähle ausgeführt hat. Den Vorwand, auf dem Dache des Hauses Reparaturen auszuführen, benutzte er zur Ausübung seines Diebeshandwerkes. Der Verhaftete ist schon wiederholt wegen Diebstahls vorbestraft. Bis jetzt konnten ihm etwa ein Dutzend Mansardendiebstähle nachgewiesen werden. — krsol getrunken. In der Roonstraße trank vorgestern abend eine Frau Lysol. Sie erlitt schwere innere Brandwunden. Die Unglückliche wurde im städtischen Krankenwagen zum Augustahospital gebracht.—64 Heute morgen wollte in einem Hause an der Moltkestraße eine Herrschaft ihr noch junges Dienstmädchen, das nicht zur gewohnten Zeit zur Arbeit erschien, wecken. Beim Eintritt in das Zimmer fand man das Mädchen tot mit Schaum vor dem Munde vor. Es hatte sich vergiftet. Auf einem vorgefundenen Zettel hatte die Selbstmörderin geschrieben, daß sie die Tat aus Schwermut begehe. Die Leiche wurde nach Melaten geschafft. O Herbst-Anfang ist heute zu verzeichnen. Die Sonne ist nämlich heute mittag 12 Uhr in das Zeichen der Wage getreten, w Ansang des Herbstes bedeutet. Tag und Nacht sind nun gleich. * F e s t n a h m e. G e s t e r n a b e n d w u r d e i n d e r N ä c h e l s g a s s e i n einem Kuppelhause ein 17jähriger Fürsorgezögling aus Kalk bemerkt und nach heftigem Widerstand festgenommen. Er hatte sich der Fürsorgeerziehung entzogen und in das Kuppelhaus begeben. u Dech beim Umzuge. Als gestern nachmittag mehrere Männer mit einem mit Möbeln beladenen Handwagen von der Komödienstraße auf den etwas höher gelegenen Appellhofsplatz fahren wollten, fiel eine Nähmaschine und Porzellan von dem Wagen herunter. Die Gegenstände wurden zertrümmert.— Auf dem Katharinengraben fiel vorgestern nachmittag beim Umzuge eine Kommode mit Porzellan von einem schwerbeladenen Handwagen auf die Straße, wodurch die Kommode schwer beschädigt und das Porzellan zertrummert wurde. Ueberfahren. Gestern abend wurde auf dem Hohenzollernring ein Laternenanzünder von einem Rollwagen überfahren. Er erlitt einen Knöchelbruch. Im städtischen Krankenwagen wurde er nach seiner Wohnung in der Metzerstraße gebracht. 0 Ausschreitung von Reservisten. Am Montagabend verübten in der Kammachergasse zwei Reservisten Unfug. Sie lärmten und schlugen an einem Hause eine Fensterscheibe entzwei. Den einschreitenden Schutzleuten gegenüber benahmen sie sich auch ungebührlich, sodaß sie abgeführt werden mußten. L. Gestürzter Radfahrer. Auf dem Hohenzollern=Ring erlitt ein Radfahrer bei einem Sturz vom Rade einen Armbruch. Man schaffte den Verunglückten zum Bürgerhospital. C. die Schulter gebrochen. Auf der Riehlerstraße fuhr ein Radfahrer gegen einen Karren; er zog sich dabei einen Schulterbruch zu. Im Bürgerhospital fand er Aufnahme. C. Von der Leiter gestürzt. Auf dem Trutzenberg fiel ein Mann von einer Leiter und brach beide Hände. Er wurde zum Bürgerhospital gebracht. " uensau. In der Buschgasse geriet ein Schreiner mit der Hand in eine Fräsmaschine. Er trug erhebliche Verletzungen davon. Man schaffte ihn zum Bürgerhospital. ∆ Selbstmord. Gestern nachmittag wurde in einem Hause am Gereonswall ein etwa sechzigjähriger Witwer erhängt aufgefunden. u Einbruchsdiebstahl. Auf dem Weichserhof wurde dieser Tage in die Wohnung eines städtischen Beamten eingebrochen, alle Schränke und Pulte gewaltsam geöffnet und u. a. eine goldene Herrn= und Damenuhr gestohlen. Die Diebe demolierten einen Teil des Mobiliars. Aus Köln-Nippes. 2 Ein falscher Lokomotivführer, der an verschiedenen Orten, besonders bei Geistlichen, Schwindeleien verübte, wurde gestern abend durch einen hiesigen Schutzmann hierselbst verhaftet und heute morgen der Königlichen Staatsanwaltschaft in Köln vorgeführt. Aus Kalk. ( Bei den Renovierungsarbeiten am hiesigen Postamt wird mit gutem Erfolge Sandgebläse verwendet. Die beschmutzten und verwitterten Steine erhalten dadurch ein vollständig neues Ansehen. ( Das Infanterie-Regiment Nr. 53 kommt am Donnerstag, den 24. d.., früh gegen 7 Uhr auf dem Bahnhof KölnDeutz aus dem Manövergelände zurück. 2 Die Vereinigung der Orivatbeamten für Kalk und Umgegend zur Erstrebung einer Pensions= und Hinterbliebenenversicherung auf staatlicher Grundlage veranstaltet am; Samstag den 26. September 1908 abends 8½ Uhr, im Saale des Hrn. O Schiebler, Kalk Hauptstraße 247 eine große öffentliche Versammlung in welcher Hr. Franz Krell aus Dortmund einen Vortrag über das Thema:„Der Stand unserer Bewegung nach der 2. amtlichen Denkschrift" halten wird. Der Referent ist ein gründlicher Kenner des gegenwärtigen Standes der Frage und dürfte sich daher der Besuch der Versammlung bestens empfehlen. □ Einen unangenehmen Besuch hatte eine hiesige Familie Eine befreundete Frau von auswärts hielt sich mit einem kleinen Kinde bei ihr auf, vergaß aber bei der Abreise das kleine Wesen wieder mitzunehmen; sie überließ es vielmehr der hiesigen Freundin, die allerdings nicht sehr erbaut darob war. Aus Bingst. Die Fußballabteilung des hiesigen Kathol. Jünglings= vereins spielte am vergangenen Sonntag zum erstenmale in den neuen Kostümen Rot=Weiß. Die erste Mannschaft spielte in Urbach gegen die erste Mannschaft des dortigen Jünglings=Vereins, und konnte nach einem schönen Siege das Feld mit:1 verlassen. Die zweite Mannschaft spielte in Porz und schlug die Mannschaft dieses Jünglings=Vereins mit:0. Des Abends vereinigte man sich in Urbach in der Wirtschaft Zaß zu einer gemütlichen Unterhaltung. Hr. Pfarrer Meinertz begrüßte den Vingster Jünglings=Verein und dessen Präses Hrn. Kaplan Blum. Hr. Baum, Mitglied des Vingster Jünglings=Vereins, erntete für seine humoristischen Vorträge reichen Beifall. Hr. Kaplan Blum aus Vingst dankte für den schönen Empfang. Nach·8 Uhr trat man den Heimweg an. Gesellschafts= und Vereinsleben. ∆ Der katholische Beamtenverein gab seinen Mitgliedern Gelegenheit, in besonderer Weise dem Jubelpriester Pius X. ihre Huldigung darzubringen. Im Saale des Fränkischen Hofes bot sich ein festliches Bild. Zwischen denbunten Uniformen leuchteten die hellen Kleider der Damen, und in dieser Umgebung verschwanden fast die wenigen Träger des bürgerlichen Rocks, die sich auch zur Papstfeier eingefunden. Auf der Bühne erhob sich die Papstbüste inmitten uppigen Pflanzenschmuckes, von der prächtigen Fahne des Vereins überragt. Der Präses des Vereins, Hr. Pfarrer Breuer, faßte in seiner Begrüßungsrede die Gründe zusammen, die den Beamtenverein zu dieser erhebenden Feier veranlaßt haben und betonte unter Hinweis auf die schöne Losung des Vereins, die lautet Für Kreuz und Krone, daß die katholischen Beamten mit der innigen Liebe zum Vaterland auch verbinden die treue Liebe zur Kirche. Der Glaube gibt dem Beamten die Kraft, mit Treue und Liebe seines Amtes zu walten. Ein poetischer Vorspruch, den die Schülerin Gertrud Cöllen vortrug, verlieh den Gefühlen der Festversammlung sinnigen Ausdruck. Ein rhetorisches Meisterstück war die Festrede des Hrn. RechtsPaul v. Cöllen, der ein großzügiges Bild der Papstgeschichte entwarf, dessen Grundlinien die Entwickelung der vier D. eim e der Kirche Apostolizität, Einheit, Katholizität und Heiligit a stellten. Dr. Kaplan Dr. Loebbel zeichnete in der Papstrede das Lebensbild Pius., ihm liebevoll auf seinem Werdegang fol gend und zum Schluß seine Wirksamkeit als Papst schildernd. Ben er hob er seine Sorge für die Reinheit der Bibel und seine Enzyklika gegen den Modernismus, deren Hauptgedanken er volkstümlich erläuterte, hervor. Redner endigte mit einem Hoch auf den päpstlichen Jubelpriester, das begeisterten Widerhall fand. Es schloß sich daran ein schönes lebendes Bild, die Huldigung der Beamten vor dem Papste, das so lebhaften Beifall fand, daß der Vorhang immer wieder in die Höhe gehen mußte. In den musikalischen Teil des Programms teilten sich die Hannemann'sche Kapelle und der Mandolinenklub Espana, der mit seinen Konzertstücken den Zuhörern einen seltenen Genuß bereitete. Herr Musikdirigent Hannemann trug überdies ein Solo für Cornet a Piston vor. Im zweiten Teil des Programms kam der Humor zu seinem Recht; nach dieser Richtung machten sich verdient Hr. Joseph Oebel und u dem flott gespielten Theaterstück.„Die beiden Theaterhelben“, die Herren Hermann Terstappen und Joseph Cremer. Allgemeine Lieder, die großen Anklang fanden, hatten die Herren Präsident Hermann Krahe und Heinrich Schmitz verfaßt. Aus Kölns Nachbarschaft. #s Wpiesdorf, 22.Sept.1908. Gestern fand man hier einen unverheirateten Zimmermann in seinem Schlafzimmer erhängt am Bettpfosten vor. Der Grund der Tat ist unbekannt. (0 Sieabura, 23.Sept.1908. Dem Arbeiter Heinrich Steffens und dem Vorarbeiter Wilhelm Volten von der Könglichen Geschoßfabrik wurde das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. vonn, 21.Gept. zu der heutigen ersten Hauptversammlung ##s#angwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen, der zu Wied und die Regierungspräsidenten von Köln und Nachen beiwohnten, wurden vom Ministerialdirektor Thiel aufsbesiten## e# au5 ge#schnungen bekannt gegeben: dem Gutsbesitzer Pauli(Köln), Präsident des Vereins, der Rote Adler= orden 3. Kl. mit der Schleife, dem Landesökonomierat Dr. Haventen der Rote Adlerorden 3. Kl., dem Landrat v. Groote der Konigl. Kronenorden 3. Kl., dem Gutsbesitzer Engels, Vorsitzenden der Lokalabtetlung Bonn, der Rote Adlerorden 4. Kl., dem Rendant Feldmann der Kronenorden 4. Kl., der Titel Oekonomierat dem Rittergutsbesitzer Herpott zu Schmitthausen bei Cleve und dem Rittergutspächter Fühling zu Horbell bei Frechen. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm gesandt. von Nah und Fern. ** Explosion auf einem französischen Kreuzer. Touion, 22.Sept.1908.(Drahtber.) Auf dem Kreuzer Latouche Treville explodierte bei Salin’Hyeres ein Geschütz; 9 bis 13 Mann wurden gerötet und 22 tödlich verletzt. Die Toten sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. ris, 2. Sept.1908.(Trahtber.) Aus Anlaß des Unglücks auf bogin ger Latouche Treville ist der Marineminister nach Toulon Toulon, 23.Sept.1900.(Drahtber.) Die Explosion soll durch die Entzunoung einer Kartusche hervorgerufen worden sein, rde also#ne ähnliche Ursache haben, wie der Unfall an Bord des Schulschiffes Couronne. Wie bei jener Explosion stammen fast alle Opfer aus der Bretagne. Eine große Menge drängt sich an din Ufern und verlangt von der Seepräfektur Auskunft. Da diefe sich weigert, Einzelheiten des Vorfalles und die Namen der Verunglückten bekannt zu geben, ereigneten sich mehrere Zwischenfalle. Es werden Anschuldigungen erhoben wegen des Schweigens der Präfektur. ** Die Cholera in Berlin?(Drahtber.) Berlin, 22.Sept 1908. Ueber den Krankheitsfall bei dem russischen Ehepaar Grigoewski wird gemeldet: Es ist zweifelhaft, ob asiatische Cholera vor liegt. Heute nachmittag wurden als choleraverdächtig ein russischpolnischer Kohlenarbeiter und seine zwei Kinder nach dem Rudo. Virchow=Krankenhaus gebracht. Die Frau des Eingebrachten war an choleraähnlicher Diarrhve gestorben. Der Beweis für da: Voriegen von Cholora ist nicht erbracht. ** Den Kanal durchschwommen.(Drahtber.) London, 20.Sept.1908. Der bekannte Kanalschwimmer Wolff, der gestern von Dover abgeschwommen war, wurde neben der Landungsbrücke in Calais in erschöpftem Zustande aus dem Wasser gehoben. Fruchtpreise. K Köln, 23.Sept.1908. Fruchtnarkt. Heu, neues M. 6,00-.00 #ch###(Roggen).20, Richtstroh(Flegeldrusch).60, Krummstroh Neuss. Weizen, neuer Roggen, neuer Alter Hafer Neuer Hafer Gerste 1. Sorte M. 14,00 die 100 Kilo Neue Kartoffeln M. 2,70—.00 eu,„" M..60—.20 Luzernehen M..40 dic 30 Kilo Krummstroh" 14,00 Breitdruschstroh 16,00 die 500 Kilo Kleie M..80 die 50 Kilo Raps 1.„„ 27.50 „ 2.„„ 25.50 Wetterbericht der Kölnischen Volkszeitung. Köln, 23.Sept.1908. Das Barometer ist im allgemeinen etwas getalen, so uass uns Hochdruckgebiet im Osten sich abgeflacht hat und die Depression im Westen sich über den Kanal und Frankreich hat ausdehnen können, ohne dass sie jedoch an Tiefe zugenommen hätte. Das Wetter ist trocken und in Deutschland meist heiter, nur im Westen ist Bewölkung eingetreten. Bei schwachen südöstlichen Winden waren die Morgentemperaturen ungefähr die gleichen wie gestern. Mutmassllohe Witterung für den 24. September: Bei wenig sich vera. d. nden Temperaturen bleibt das Wetter wolkig; geringe Niederschläge ment ausgeschlossen Wasserstand am 23. September 1908. Mannheim, 8 vorm., 4,24—0,11 m Köln, 11 vorm.,.76—.10 m Caub, 9vorm.,.65—0,10 m Wesel, 8 vorm.,.80—0,12 m * Wasserwärme am 23. September, morgens 11 Uhr: 15° C. Kölner Lecal-Hnzeiger Nr. 263* Mittwoch. 23. September 1908. Seite 5. genau nach Vorschrift! Jede Preislage! Anerkannt prima Qualitäten in grosser Auswahl! Johann Pennis, Köln Heumarkt 8300 am Königsdenkmal. Kersett Imperial D. R. D. angm..=S. 268 639 Sensat.Neuh.! DasKorsett ist i. Rücken get., schnürt Leib u. Hüften sep. u gibt hocheleg Fig. Gerade Front. Kein Druck auf den Mag. Aeuß. bequem. Sitz. Pr.: 6.10, 12,15 M. b. zu d. feinst. Alleinverkauf für Könn:* Korsetthaus Imperial Hohenzollernring 4. Tel. 9304. 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Die Gartenanlagen sowie die Terrassen waren durch Hunderte buntfarbige Ballons wirkungsvoll beleuchtet, eine große Lichtfontäne vervollständigte das anmutige Bild, das sich den Gästen darbot. Einen hervorragenden Genuß boten die Vorträge des Lehrer= und Lehrerinnengesangvereins unter Leitung des Musikdirektors G. Pielken. Selten wurden Nachtgesang von Rheinberger, In der Marienkirche von Löwe, Wanderers Nachtlied von Reuther, Frühlingsfeier und O Täler weit von Mendelssohn, BröllopsMarsch von Soedermann, Häuserl am Rhein von Eck=Irmer in solcher Vollendung gehört. Auch die beiden Musikkapellen boten ihr Bestes dar. So konnte es nicht ausbleiben, daß das Fest bestens verlief und den Teilnehmern eine angenehme Abwechselung in den arbeitsreichen Tagen vermittelte. „. Wissenschaftliche Ausstellung. Die mit der 80. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte verbundene Ausstellung ist, wie festgesetzt war, am Sonntag in der Königlichen Maschinenbauschule eröffnet worden und war bereits am Nachmittag dem Publikum gegen 50 Pfg. Eintrittsgeld zugänglich. Sie ist das Ergebnis, der seit Mai d. J, geleisteten Arbeit des zu diesem Zwecke eingesetzten Ausstellung=Ausschusses, der seine Beratungen unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Romberg oder von Herrn Dr. Corsopius abgehalten hat. Die schon bei der Eröffnung durch den Vorstand der Versammlung unter Führung der letztgenannten, fast ganz vollständige Ausstellung umfaßt fünf Gruppen, die, soweit die Raumverhältnisse dies zulassen, je für sich vereinigt untergebracht sind. Der Katalog gibt über die Gruppen und die einzelnen Aussteller Auskunft. Die ausgestellten Objekte gehören vorwiegend in das ärztliche und hygienische Gebiet, doch sind, was das Publilum besonders interessieren wird, viele Gegenstände vorhanden, die als Lehrmittel auf naturwissenschaftlichem Gebiet zu bezeichnen sind, oder die, wie etwa die mustergültigen Ausstellungen von Mikroskopen Projektionsapparaten und Röntgen=Einrichtungen, durchaus allgemein beachtenswert sind. Im Uebrigen ist die Ausstellung so viellseitig, daß die vom Begriff Köln unabtrennbare Stollwerck'sche Schokolade, wie die vielen auf in endigenden chemisch=pharmazentischen Präparate, die chirurgischen Einrichtungen, Modelle und Uebersichtspläne von Kranken=Baracken und Heilanstalten und die vom Zoologischen Garten selbst gezüchteten Schmetterlinge fehlen. Hervorragend ist die chemische Groß=Industrie vertreten. Dem Unternehmen kommt besonders zu statten, daß die Lage eine besonders günstige ist und mancher wird überrascht sein, daß die Zahl der Aussteller etwa 150 beträgt und kaum derjenigen der früheren in Ausstellungspalästen abgehaltenen Ausstellungen der Versammlung nachsteht. Die Aussteller haben sich aber auf Interessantes, Mächtiges und Neues beschränkt und Dinge allgemeiner Natur, die man sonst vielfach als Füllmaterial findet, fehlen. Dies dürfte geeignet sein, dem Ganzen einen vornehmen wissenschaftlichen Charakter zu wahren. An den Tagen von Donnerstag bis Sonntag wird das Publikum wieder Zutritt haben. Es soll noch bemerkt werden, daß sich in der oberen Ausstellungsetage eine Erfrischungsstelle(Bufett) befindet. 8 Erschossen. Zu der in Nr. 261 gebrachten Notiz über die Bluttat, die sich in der Nacht zum Sonntag auf dem Thurnmarkt abspielte, bittet uns Herr Schlossermeister Wilhelm Stark, Dagobertstraße 80, mitzuteilen, daß er mit dem Täter Packer Wilh. Stark, Niederichstraße 6 weder identisch noch verwandt ist. Diebstahl auf dem Hauptbahnhof. Am Montagnach mittag wurde einer Damne an der Gepäckannahme des hiesigen Hauptbahnhofes ein sehr wertvoller Schirm gestohlen. Die Dame bemerkte den Dieb, als er mit dem Schirm davonlief. Trotz aufgenommener Verfolgung gelang es jedoch nicht, den Dieb, einen etwa vierzehnjährigen Bengel, zu ergreifen. Aus Köln-Sülz. Der katholische Jünglingsverein veranstaltete am Sonntagabend im Saale von Eiserfey eine Abschiedsfeier für seinen Präses, Herrn Kaplan Ditges. Herr Kaplan Pütz begrüßte die zahlreich Erschienenen und hieß gleichzeitig auch die Mitglieder des katholischen Arbeitervereins und die Ehrengäste herzlich willkommen. Nach einem gemeinschaftlichen Liede und einem Theaterstück sang der Kirchenchor ein mehrstimmiges Lied. Herr Pfarrer Becker betonte in der Festrede, daß es seit seiner Wirksamkeit in Sülz nunmeyr das vierte Mal sei, daß er einem lieben Amtsbruder eine Abschiedsrede halten müsse. Je mehr aber man solches übe, je schwerer falle es einem. Sodann schilderte er die Tätigkeit des Herrn Kaplan Ditges in der Gemeinde und hob insbesondere seine mühevolle Wirksamkeit im katholischen Jünglingsverein, dessen Gründer und Leiter der Scheidende gewesen war, hervor. Er hoffe, daß sich die Jünglinge ihres ersten Präses noch oft erinnern. Es folgten inn Theaterstücke, von Mitgliedern des Jünglingsvereins ausgeührt, gemeinschaftliche Lieder und Chorgesänge des Kirchengesangvereins. Herr Renn überreichte dem Scheidenden ein schönes Gechenk als Andenken an den Jünglingsverein. Herr Kaplan Ditges dankte allen und gelobte, die katholischen Vereine, denen er ein kraftvolles Wirken empfahl, noch häufig in Sülz zu besuchen. Herr Krengel dankte dem Scheidenden im Nainen des katholischen Arzeitervereins. Gesellschafts= und Vereinsleben. Wanderklub Union, Köln. Bei den am Sonntag den 13. 9. M. vom Kölner Verband der Leichtathletik veranstalteten Olymdischen Spielen errang der Wanderilub Union Köln im 100 Kiloneter=Wettgehen zwei Preise und zwar erhielt Herr L. Holstein den 9. und Herr Konrad Klüsener den 11. Preis. Theater und Konzerte. * Hr. Opernsänger Peter Lambern vom Stadttheater in Blauen i.., der bekanntlich aus dem Kölner Liederkranz hervorzegangen ist und am hiesigen Konservatorium studiert hat, gab im Montag im Fränkischen Hof einen Liederabend, dessen äußerst ter Besuch von der Anhänglichkeit zeugte, die man dem beliebTanger in seiner Vaterstadt bewahrt hat. Mit Fleiß und Willenskraft hat sich Hr. embertz durchgerungen, und daß er unermüdlich bestrebt ist, sich immer mehr in der Gesangeskunst zu vervollkommenen, konnten wir im vorigen Jahre an gleicher Stelle feststellen. Ein umfangreiches Programm, das aus Liedern von Schubert, Schumann, Brahms, Hugo Wolf und Loewe bestand, darunter einige weniger bekannte, absolvierte Hr. Lambertz unter äußerst feinfühliger Begleitung von Gottfr. Huppertz mit großer stimmlicher Frische und schönem Ausdruck. In den ersten Gesangsnummern mochte ihn der Rahmen wohl etwas fremd anmuten, als er aber sah, daß seine alten Freunde ihm durch stürmischen Beifall Mut machten, da fühlte er sich wieder heimisch und ging aus sich ganz heraus. Namentlich erschöpfte er die Brahinsschen Lieder; dramatisch belebt waren die Loeweschen Balladen. Lambertz' Stimme hat an Schmelz etwas zugenommen, der Vortrag ist inniger geworden. Hans Sachs' Schlußgesang aus den Meistersingern, mit dem das Programm schloß, fand ihn noch frisch bei Stimme. Ein Lorbeerkranz zeichnete Hrn. Lambertz aus. Hoflieferant Joh. Schmitz hatte einen kleinen, aber volltönenden Mandflügel freundlichst zur Verfügung gestellt. Aus Kölns Nachbarschaft. Neunkirchen(Sieg), 21.Sept.1908. Der Volksverein für das katholische Deutschland hielt gestern nachmittag im Lokale Oberheuser hierselbst seine erste Bezirkskonferenz der Herren Geschäftsführer und Vertrauensmänner der Pfarrorte Neunkirchen Hermerath, Birk, Happerschoß, Winterscheid, Seelscheid, Schönenberg, Much, Ruppichteroth, Marienfeld, Kreuzkapelle und Waldbröl ab. Es waren sämtliche Geschäftsführer mit mehr als 250 Vertrauensmännern anwesend. Herr Dechant Boeckels(Winterscheid) leitete die Konferenz. Zum Bezirksgeschäftsführer wurde Herr Pfarrer Lapp(Ruppichteroth) gewählt. Beim Bericht über den Stand des Volksvereins an den einzelnen Orten konnte überall ein Vorwärtsschreiten unserer Bewegung festgestellt werden; mehr als 1500 katholische Männer sind im Bezirk schon organisiert. Herr Dr. Sonnenschein(.=Gladbach) sprach in fesselnder Weise über die Bedeutung und Aufgabe des Volksvereins und die Mitarbeit der Vertrauensmänner. Anschließend an den Vortrag setzte eine lebhafte Diskussion ein, die recht praktische Erfolge zeitigte. Ein weiteres Wachsen dem Volksverein hier im Bezirk! Siegburg-Mülldorf, 21.Sept.1908. Gestern abend veranstaltete der katholische Arbeiterverein der Pfarre Niederpleis im Lokale Roß hierselbst einen Familienabend, verbunden mit Rekrutenabschiedsfeier. Der Saal war voll besetzt. Der Verein unter Leitung des Herrn Vikar Klaßen hatte das möglichste getan, um seinen Mitgliedern mit ihren Angehörigen nach des Tages Last und Mühen einige vergnügte Stunden zu bereiten. Musikstücke, Gesangvorträge, Theateraufführungen wechselten schön miteinander ab. Herr Arbeitersekretär Nüsse(Siegburg) hielt die Festrede. Redner behandelte eingehend die Notwendigkeit und hohe Bedeutung der katholischen Arbeitervereinsbewegung in der Gegenwart. Die katholischen Arbeitervereine sind notwendig zum Schutze der katholischen Arbeiter gegen die drohenden Glaubensgefahren und zur Verteidigung unseres heiligen Glaubens gegen den Unglauben; zur Erziehung der Arbeiter zu einem recht christlichen Leben; zur wirtschaftlichen Hebung des Arbeiterstandes; zur Beteiligung der Arbeiter an der Gesetzgebung und Verwaltung in Staat und Gemeinde. Redner wandte sich hauptsächlich an die Frauen, um auch diese zur tatkräftigen Mitarbeit in den Arbeitervereinen zu begeistern. In dieser ernsten Zeit ist ein einmütiges Zusamenarbeiten aller Katholiken unbedingt notwendig. Sodann wurde nach einer kurzen Ansprache an die beiden scheidenden Rekruten durch den Herrn Präses diesen ein kleines Andenken des Vereins überreicht. Mögen die Scheidenden auch in der Kaserne dem Arbeitervereine treu bleiben und nach zwei Jahren zu demselben zurücklehren. Standesamt der Stadt Köln. 22. Sept. 1908. &4 Geburten. Kath., T. v. Wilh. Nell, Fuhrmann, Alte Mauer am Bach 93.- Barbara, T. v. Matth. Gumpertz, Tagel., Kl. Griechenm. 75. Marg., T. v. Karl Bronten, Maurer, Thieboldsgasse 26.- Theod., S. v Heinr. Wantz, Friseur, Benesisstr. 62.„ Emma, T. v. Georg Schmidt, Schreiner, Gr. Witschgasse 10.„ Fanny, T. v. Majer Biedermann, Zigarettenarb., Agrippastr. 81.- Theresia, T. v. Rich. Roltze, Kaufm., osengasse 11. Gertr., T. v. Karl Braun, Bäckermstr., Thieboldsgasse 413.- Rettchen, T. v. Ferd. Jehn, Schreiner, Ulrichsgasse 19. Karoline. T. v. Karl Linnartz, Friseur, Blaubach 84A. Cäcila, T. v. Joseph Reuter, Bierbrauer, Mauritiuswall 27 Margareta, T. v. Maximilion Wieland, Mechaniker, Raderbergerstr. 207 - Agnes, T. v. Adam Schieffer, Tagel., Buschgasse 8.„ Alfred, S. v. Aloisius Koerstgen, Tagel., Zülpicherstr. 64.- Christine, T. v. Wilh Buschmann, Packer, Hahnenstr. 25.- Elisabeth, T. v. Ludw. Faulstich, Rechner, Pfeilstr. 33.- Anna, T. v. Joh. Breuer, Tagel., Karthäuserw. 6. - Wilh., S. v. Jak. Ernst, Tagel., Zugasse 49.- Gustav, S. v. Christian Lewin, Abfüllmstr., Katharinengäßchen.- Gertrud, T. v. Peter Jacger Bohrer, Koblenzerstr. 10B.- Marianne, T. v. Hieronymus Eck. Kaufm Klingelpütz 4.- Johann, S. v. Christian Cronert, Eisenbahn=Hülfstelegraphist, Gereonswall 10.- Anna, T. v. Jak. Fleißig. Geschäftsreisend. Balthasarstr. 34.= Karl, S. v. Marr Oppenheimer, Immobilienmakler, Kasparstr..- Maria, T. v. Karl Meyer, Schreiner, Eigelstein 63. & Sterdefälle. Franz Feuger, 10 M. 14., Bonnerstr. 252. Kath Peffer, 10 M. 21., Hamburgerstr. 11.- Franz Gehlen, 4., Im Fer kulum 8.- Wilh. Manderfeld, 3., Röhrerg. 40.- Peter Lambera 7., Fleischmengerg. 28.- Franz Bramer, Steindruckerlehrl., 14., Gr. Telegraphenstr. 30A.- Wilh. Kan, Wirt, 46., Holzmarkt 77.- Jos. Odekerken, Metzger, 21., Venloerstr. 254.- Wilh. Münchrath, Wor 82., Quentelstr.-6.- Jos. Ehrenberg. VersicherungseDirek., 52 J Luxemburgerstr. 3.- Anna Perz. 1., Hamburgerstr. 1I.- Jos. Korpinger, 3., Klingelpütz 40. &a Heiraten. Friedr. Schulte, Buchhalter, v. Köln=Deutz, u. Agnes Diermann. v. Soest.- Ludw. Reutyer, Musiker, u. Elisab. Kalscheuer beide v. hier.= Heinr. Fuß, gesch., Tagel., v. Köln=Braunsseld, u. Christina Roß geb. Kessel, gesch., v. hier.- Anton Häverle, Fabrikarb., u. Anna Kelleter, beide v. hier.- Bonifazius Gieler, Fabrikarb., u. Elisabeth Peffer, beide v. hier.- Martin Rolshoven, Wwr., Lithogr., v. KölnDeutz, u. Anna Arnolds, v. Bochum.- Joh. Schlösser, Bäckermeister v. Unten=Pilghausen, u. Cäcilia Bilstein, v. Köln=Niehl.- Ludw. Plen, Uhrmacher, u. Magdal. Tröster, beide Allerheiligenstr. 14. &a Heirats=Antündigungen. Jakob Matzerath, Polst. u. Dekor u. Kath. Wirtz, beide Weidenbach 3.— Wilh. Heisterbach, Kaufmann, Weidenbach 66, u. Josepha Schwalbach, Elstergasse 8.- Jos. Natangel Schneider, Gr. Griechenmarkt 13, u. Gertruda Michels, Erftstr. 16.Peter Pick, Güterbodenarb., Krefelderstr. 57, u. Christina Langenhövel Friesenstr. 43.- Jos. Steffens, Schneider, Schillingstr. 45, u. Luise Birkhölzer, Thieboldsgasse 72. Dr. Arthur Schippers, Landrichter, v. Bochum, u. Josephina Uhles, Hohenzollernring 61.— Eduard Völkel Lagerarb., Frankstr. 4, u. Josepha Withelms, Venloerstr. 23.„ Erich Klauenflügel, Leutn. im Massur. Feldartill.=Rgt. Nr. 73, v. Allenstein u. Helena van Erkelens, Riehlerstr. 59.- Jos. Becker, Maurerges. Kl. Griechenmarkt 49, u. Emma Obschunke, Aachenerstr. 65.- August Kessel, Schlosserges., Karthäuserwall 8, u. Christina Schmitz, Achterstr. 28 - Karl Boden, Glaser, Ulrichgasse 24, u. Charlotte Neecke, Zwirnerstr. 16 Rich. Schirmeister, Schreinerges., Frankfurterstr. 20, u. Elis. Althaus, Zülpicherstr..- Jakob Toll, Geschäftsführ., Titusstr. 14, u. Meta Fuhrmann, Alteburgerstr. 20. 4n U. Hela g Standesamt Köln-Nippes.(Vom 13.—21. September 1908.) Geburten. Joseph, S. v. Peter Zimmermann, Eisenb.=Schaffn., Merheimerstr. lu8.— Gertrud, I. v. Heinr. Hackendroich, Straßenb.= Wagenf., Schillstr. 1.. Paul, S. v. Paul Pfeffer, Schlosserges., Merheimerstraße 123,- Odilia, T. v. Wilh. Lützenkirchen, Fabrikarb., Ackerweg 2.— Elisab., T. v. Karl Degen, Fabrikarb.. Hartwichstr. 43.- Anna, 1 Harl Hll=.r Gn Ma-L 4" G 011— 2 Iinhn=Kleistersit. 40.- Herdert, P. b. Jando Hübert Frings, Bankbuchhalt., Christinastr. 82.- Joh., S. v. Konrad Adams, Fuhrm., Merheimerstr. 82.- Heinr., S. v. Heinr. Scholten, Zwicker, Neußerstr. 283. Heinr., S. v. Ant. Vitt, Schlosser, Lohsestr. 66.- Peter, S. v. Jakob Vogel. Tagel., Zonserstr. 40.- Anton, S. v. Joh. Wegearb., Hartwichstr. 54.- Friedr., S. v. Joh. Menken, Güterbodenarb., Escherstr. 120.= Elisab., T. v. Simon Jnnck, Tagel., Kempenerstr. 50. Hans, S. v. Wilh. Reuter, Fabrikarb., Neußerstr. 377.- Gustav, S. v. Emil Rech, Kaufm., Escherstr. 42. &am Sterbefälle. Wilh. Schmitz, 81., Köln, Ursulastr. 24.- Christina Schröder, geb. Pelzer, 34., Holbeinstr. 36.— Friedr. Lucke, 1 J. Sie„„68.- Rik. Panzer, 7., Neußerstr. 362.— Math. Neufeind, ., Baudristr..= Heinr. Trommenschläger, 74., Lenbachstr..Eva Stahl, 1., Hartwichstr. 50.- Wilh. Franken, 1., Zonserstr. 11. 4 Heiraten. Jos. Lüster, Kaufm., Köln, Gilbachstr. 30, u. Christina Schneider, Nievenheimerstr. 21.— Werner Spohr, Maler u. Anstr., Sechzigstr. 107, u. Juliane Krahnenfeld, Niehlerkirchweg 64.. Daniel Schnorr, Eisenb.=Hülfsweichenst., Long.=Hauptstr. 25, u. Witwe Helene Schmitz, geb. Becker, Mauenheimerstr. 3.- Jos. Mörs, Kaufm., Merheimerstraße 127. u. Gertrud Klepper, Merheimerstr. 324.- Anton Wester, Postbote, Köln, Plankgasse 41, u. Anna Annerfeldt, Hartwichstraße 78.= Joh Wimmer, Eisenb.=Lokomotivführ., Merheimerstr. 88, u. Anna Scheidt, Merheimerstr. 78.- Jos. Voos, Kaufm., Kuenstr. 12, u. Gertr. Scheidtweiler, Kempenerstr. 105.- Karl Heimbrodt, Schlosser, Siebachstr. 52, u. Gertrud Thelen, Neußerstr. 222.- Paul Schiefenbusch, Metzger, u. Witwe Eleonore Jung, geb. Kuß, beide Stammheimerstr. 128. : Heinrich Brandenburger, Schlosser, Hartwichstr. 38, u. 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Und es war jedenfalls am besten gewesen, sich den lieblichen Rosenfesseln mit raschem Entschlusse zu entwinden, ehe sie zu schwer zerreißbaren Ketten geworden waren. Denn noch war ja eigentlich nichts geschehen— nichts wenigstens, das nach seinen Begriffen eine ernsthafte Verpflichtung gegen das Mädchen in sich geschlossen hätte. Er hatte der hübschen Gesellschafterin der alten grilligen Geheimrätin ein paar Sommerwochen hindurch die Kur gemacht— und an einem berauschend schönen Abend hatte er sie geküßt. Aber er hatte ihr keine Versprechungen gemacht und keine trügerisch lockenden Zukunftsbilder vor ihre Seele gezaubert. Wenn sie sich in irgend welche törichten Hoffnungen eingewiegt hatte, ihm konnte die Verantwortung dafür wahrlich nicht auferlegt werden. Im Laufe des gestrigen Tages schon hatte er sein Gepäck nach München vorausgeschickt, und zu derselben Zeit, die seit Wochen die Stunde ihres abendlichen Stelldicheins gewesen war, hatte er sich in dem verschwiegenen Garten der geheimrätlichen Villa eingefunden, um Abschied zu nehmen. Gleich nachdem er die ersten Worte gesprochen, hatte Eva trotz der schonenden Umschreibungen gewußt, daß es ein Abschied fürs Leben sein solle. Und er konnte ihr die Anerkennung nicht versagen, daß sie sich geradezu musterhaft benommen hatte. Keine Klagen, keine Vorwürfe und keine Tränen. Ueber die Blässe ihrer Wangen und den todestraurigen Blick ihrer schönen Augen hatte sie freilich keine Gewalt gehabt. Und er hätte ein Barbar sein müssen, wenn sie ihm nicht zu Herzen gegangen wären. Aber daß es nicht ohne einigen Kummer abgehen würde, hatte er ja vorher gewußt, und am Ende litt er für den Augenblick sicherlich nicht viel weniger als sie, die ihm eine tiefere und innigere Zuneigung erweckt hatte als je zuvor eine andere ihres Geschlechtes. Es war hart, aber sie mußten es eben beide überwinden. Daran, daß das„Ende des Romans“ für sie etwas ganz anderes bedeuten könne als für ihn, hatte er kaum gedacht, so lange sie noch in ruhig ernstem Gespräch bei einander saßen. Er hätte sonst wohl schwerlich versucht, ihre Gedanken dadurch abzulenken, daß er ihr lang und breit von den zwei oder drei Hochtouren erzählte, die er vor seiner Rückkehr nach München im Berchtesgadener Lande noch unternehmen werde. Der beinahe ungefährliche Hohe Göll sollte am nächsten Tage den Anfang machen, und der Watzmann an den beiden folgenden den Beschluß. Um sechs Uhr in der Frühe schon wollte er aufbrechen, und es war nicht wahrscheinlich, daß er während dieser drei Tage noch einmal in Berchtesgaden Nachtquartier nehmen würde. Sie hatte keine andere Erwiderung gehabt als die inständige Bitte, daß er vorsichtig sein und sich nicht in tollkühnem Wagemut Gefahren aussetzen solle, von denen sie, die Unkundige, sehr übertriebene Vorstellungen zu haben schien. Mit feucht glänzenden Augen hatte sie ihn beschworen, wenigstens nicht allein zu gehen. Aber er hatte ihrer Besorgnisse gelacht und sie mit der Versicherung zu beruhigen versucht, daß die projektierten Besteigungen bloßes Kinderspiel seien gegen die Hochtouren, die er in den Dolomiten ohne jede Begleitung unternommen. Da hatte sie geschwiegen, und schließlich war sie selbst es gewesen, die ihn zum Aufbruch drängte. Bis an das Gitter des Gartens hatte sie ihm das Geleit gegeben. Und da hatte sie noch immer gestanden, als er, wie von unwiderstehlicher Gewalt dazu gezwungen, nach den ersten zwanzig oder dreißig Schritten noch einmal den Kopf gewendet. So hell war das Mondlicht auf sie gefallen, daß seine adlerscharfen Augen deutlich jede Linie Kölner Local-Anzeiger.* Köln, 23. Sept. 1908. 256 Kleines Feuilleton. Im Golde gestorben. Buchstäblich mitten in seinem Golde gestorben ist vor einigen Tagen in dem pommerschen Dorfe Matschow ein rauher Sonderling, der Gastwirt und Kaufmann Johann Prcepke. Während er seiner Lieblingsbeschäftigung nachging, den im Schlafzimmer rings um ihn aufgehäuften, zärtlich geliebten und mißtrauisch bewachten Schatz zu zählen, wurde er vom Tode ereilt. Als man seinen Nachlaß aufnahm, stellte sich heraus, daß Prcepke, der seit Jahrzehnten wie ein Bettler gelebt und sich kaum das Notwendigste gegönnt hatte, ein Vermögen von über 200 000 Mark sein eigen genannt hatte, das er auf eine ganz eigenartige, an die Zeit des Hexenglaubens gemahnende Weise verwahrt hatte. In einem kleinen Raum, der ihm als Wohn= und Schlafzimmer zugleich diente, versteckte er seine Goldstücke in einer Unmenge von Streichholzschachteln, Zigarrenkisten, Düten, Beuteln und dergleichen. Zu Dutzenden lagen diese eigentümlichen Geld börsen in dem Raum umher. In jeder Schachtel oder Düte hatte Prcepke zu den Goldstücken irgend einen„Talisman“ gelegt, ein Bild oder einen Knopf. Durch diesen Talisman sollte der Schatz vor Dieben und Einbrechern geschützt werden. Und tatsächlich erreichte Prcepke so die gewünschte Wirkung. In der ganzen Gegend sprach es sich herum, daß der Gastwirt seine harten Taler und Goldfüchse behext habe, und selbst die abgebrühtesten Einbrecher wurden dadurch abgeschreckt, Prcepke einen nächtlichen Besuch abzustatten. Wenn Prcepke nach Geschäftsschluß allein in seiner Schatzkammer war, dann holte er die Schachteln und Zigarrenkisten, die überall in dem SchlafLecal-Anzeiger Nr. 263* Mittwoch, 23. September 1905. ihres blassen Gesichtchens hatten erkennen können. Und da erst war es ihm plötzlich wie eine Vorstellung gekommen von dem, was sie vielleicht in diesen Augenblicken durch ihn und um seinetwillen litt. Er wußte ja, daß die längst Verwaiste ganz allein und verlassen dastand, daß sie völlig vereinsamt war inmitten fremder, liebloser Menschen. Und eine heiße Regung des Mitleids, die ihn für den Moment aller seiner sonst so kühlen Ueberlegtheit beraubte, hatte ihn noch einmal an das Gartengitter zurückgetrieben. „Es soll noch nicht unser letztes Lebewohl sein, Eva,“ hatte er gesagt.„Morgen abend, wenn ich vom Hohen Göll zurückkehre, komme ich noch einmal hierher. Werde ich dich finden?“ Und mit einem rührenden Blick zärtlichster Dankbarkeit hatte sie die in Tränen schwimmenden Augen zu ihm erhoben. „Ja, Rudolf, ich werde auf dich warten.“ * Das war das Letzte gewesen. Und jetzt, während er im leichten Touristenkostüm rüstigen Fußes durch den herrlichen Spätsommertag der Höhe zustrebte, war es gerade die Erinnerung an dies Letzte, die ihn voll Unbehagen machte und voll ärgerlicher Unzufriedenheit mit sich selbst. Er sah wenig oder nichts von all den Schönheiten, die sich reicher und immer reicher drunten zu seinen Füßen entfalteten. Alle seine Gedanken waren bei Eva und bei dem törichten Versprechen, das er ihr gegeben. Denn über alle Maßen töricht war es ihm schon am Morgen beim Erwachen erschienen. Und als er um die Mittagszeit das kleinere der beiden Gipfelkreuze vor sich aufragen sah, hatte er sich nach stundenlangem Zweifeln und Ueberlegen zu dem Entschlusse durchgerungen, sein Versprechen nicht zu halten. Es wäre ja doch nichts anderes gewesen als eine nutzlose Wiederholung der gestern ausgestandenen Pein, und sowenig ein Ge winn für Eva wie für ihn selbst. Nachher, von München aus, konnte er ja an sie schreiben und sein Ausbleiben mit irgend einem Vorwande entschuldigen. Hatte sie ihm das Andere, Schwerere, verziehen, würde sie dem im Grunde so bedeutungs losen Wortbruch ihre Vergebung gewiß nicht versagen. Er schrieb seinen Namen in das Gipfelbuch und setzte nach kurzer Rast seine einsame Wanderung fort, um über das Hohe Brett nach Vorderbrand abzusteigen. Er hatte die Tour nie zuvor gemacht und sich ausschließlich auf die Wegmarkierung und auf sein oft erprobtes touristisches Orientierungs=Vermögen verlassen. Es beunruhigte ihn nicht im mindesten, daß jenseits des großen Langschneefeldes, über das er in sausender Fahrt herabgeglitten war, von einer Markierung nichts mehr zu entdecken war. Er brauchte ja nur zu dem langgestreckten Grat empor und dann nach rechts in der Brettriedel=Scharte abzusteigen, die nach den Angaben seines touristischen Handbuches nicht zu verfehlen war. Bei alledem war er immer nur darauf bedacht, den kürzesten Weg zu nehmen, denn die unerfreulichen Gedanken, von denen er sich nun einmal trotz allen Bemühens nicht losmachen konnte, beraubten ihn jeden Genusses, und noch nie hatte eine Bergfahrt ihm so wenig Freude bereitet wie diese. Einzig seiner Ungeduld war es dann auch wohl zuzuschreiben, daß er in die erste abwärts führende Felsenscharte einstieg, ohne sich zuvor durch sorgfältige Prüfung vergewissert zu haben, daß er wirklich auf dem rechten Wege sei. Der Abstieg war nicht schlechter, als er ihn zu finden erwartet hatte. Und so sicher war er seiner Sache, daß er unbedenklich über etliche drei und vier Meter hohe steile Felsterrassen absprang, die eine Rückkehr auf demselben Wege unmöglich gemacht hätten. Unten am Ende der Scharte winkte ihm ja eine größere, schräg abfallende Platte, unterhalb deren sich nach seiner Ueberzeugung ein gangbarer Weg fortsetzen mußte. Mühelos gelangte er bis dahin, um zu seiner Ueberraschung inne zu werden, daß er sich auf einem Felsenvorsprung befand, von dem nach drei Seiten hin die Wände beinahe senkrecht viele hundert Meter tief abfielen. Hier war an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken, und es gab nichts anderes als ein gebieterisches„Zurück!". Aber schon nach den ersten Versuchen mußte der erfahrene Hochtourist zu der Ueberzeugung gelangen, daß es ihm niemals möglich sein würde, aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe den Grat wieder zu gewinnen. Er war gleichsam festgenagelt an der steilen Wand, und er hegte nicht den geringsten Zweifel, daß er hier würde ausharren müssen, bis irgendein menschliches Wesen auf seine verzweifelte Lage aufmerksam geworden war. Die fünfte Nachmittagsstunde war noch nicht vorüber, als seine ersten Hilferufe von den Hängen und aus den Klüften widerhallten. Und um zehn Uhr abends kauerte er sich müde und erschöpft unter eine überhängende Schneewächte, um frierend und hungerig die endlose Nacht in der unheimlich grandiosen Hochgebirgseinsamkeit zu durchwachen. Stundenlange fruchtlose Bemühungen, auf irgendeinem Wege dennoch die Höhe wieder zu erreichen, verzehrten in den Morgenstunden des folgenden Tages den Rest seiner Kraft. Seinen Durst zwar vermochte er mit Schneewasser zu stillen; sein geringer Proviant aber war längst aufgezehrt und der Hunger wühlte wie ein gierig nagendes Tier in seinen Eingeweiden. Noch lebte die Hoffnung auf Befreiung in seinem Herzen, und von Zeit zu Zeit rief er aufs neue mit dem Aufgebot seiner ganzen Lungenkraft um Hilfe. Da— um die Mittagszeit— quoll plötzlich das heißeste Glücksgefühl, das er je empfunden, in seiner Seele auf. Er hatte auf der Höhe des Grates die Umrisse einer menschlichen Gestalt erspäht, die sich scharf von dem lichtblauen Himmel abhob. War seine Stimme vorhin schon beinahe klanglos gewesen vom vielen Schreien, so tönte sie jetzt noch einmal scharf und klar durch die majestätische Stille. „Hil—se!— Hil—fe!“ Ein gellender Jauchzer gab ihm Antwort von oben. Es war kein Zweifel, daß der Mann seinen Ruf wohl vernommen, aber seine Bedeutung nicht verstanden hatte. Dreimal noch wiederholte sich das nämliche grausame Spiel— dann verschwand die Silhouette des rüstig ausschreitenden Wanderers allgemach in der Ferne——— * Unter seine Schneewächte gekauert, bereitete sich Rudolf Harding auf die zweite Nacht und auf seinen Tod vor. Denn jetzt wußte er, daß er aus dieser Felseinsamkeit niemals zurückkehren würde in das fröhliche, rauschende Leben. Und wieder waren alle seine Gedanken bei Eva,— Gedanken voll bitterer Selbstanklage und brennender Reue. Was er gestern beim Anblick ihrer vom hellen Mondlicht umflossenen, gramgebeugten Gestalt nur flüchtig und unbestimmt empfunden hatte, heute— während der vermeintliche Retter in der Ferne verschwunden war, ihn gleichgültig zurücklassend in seiner Not— heute erst hatte er ihr ja mit vollem Verstehen nachgefühlt, was sie gestern um ihn gelitten. Und seit diesem Augenblick nahm er sein unabwendbares Schicksal hin als die wohlverdiente Strafe einer Grausamkeit, die seinen überreizten Nerven jetzt im Lichte einer ungeheuren Schlechtigkeit erschien. Er hegte keine Hoffnung auf Rettung mehr— nicht die allergeringste. Woher hätte sie ihm denn auch kommen sollen, da niemand auf den Gedanken verfallen konnte, ihn zu suchen Außer zu Eva hatte er zu niemandem von der beabsichtigten Hochtour gesprochen. Sein Berchtesgadener Wirt glaubte ihn auf dem Wege nach München, und niemand erwartete drunten seine Wiederkehr. Eine ganze Reihe von Tagen konnten vergehen, ehe seine Angehörigen durch das Ausbleiben eines Lebenszeichens beunruhigt wurden. Dann mochte man ja möglicherweise anfangen, nach seinem Verbleib zu forschen, und schließlich würde man hier oben auf einem Vorsprung der Archenwand die Ueberreste eines kläglich Verhungerten finden— vorausgesetzt, daß er es nicht doch vielleicht vorzog, durch einen Sprung in die Tiefe die grauenhafte Qual zu verkürzen. „Lebe wohl, arme, kleine Eva!“ sagte er vor sich hin.„Gut, daß du nicht weißt, wie grausam das Schicksal dich an mir gerächt hat!“—— 8 Dann fiel er in den tiefen traumlosen Schlaf der Erschöpfung. Mit dem ersten Morgendämmern war die von der alpinen Rettungsstation Berchtesgaden ausgesandte Expedition von vier erprobten Führern aufgebrochen, und um die Mittagszeit wurde einer der Männer des Bewußtlosen auf dem Felsenhange über dem Alpeltal ansichtig. Abends brachten sie ihn glücklich zu Tal— schwach, aber unversehrt und gesund. Schon auf dem Wege hatte er erfahren, daß man lediglich auf das dringende Verlangen eines durch sein Ausbleiben beunruhigten jungen Mädchens nach ihm gesucht hatte. Und als wieder die Sonne über den Bergmauern des schönen Berchtesgadener Tales emporstieg, war dies junge Mädchen seine verlobte Braut. raum umherlagen, an sein Bett und zählte seinen Schatz. Bei dieser Lieblingsbeschäftigung wurde er auch vom Tode überrascht. Als am nächsten Tage das Wirtshaus nicht geöffnet wurde drangen zwei Dorfbewohner in die Schlafstube des Prcepke. Dort fanden sie ihn, mit einem Flanellhemde bekleidet, zwischen seinen Goldstücken tot liegen. In einer Ecke stand das hölzerne Bett ohne Kissen und Ueberzüge, die Prcepke aus Geiz sparte. Es wurde der Bürgermeister geholt, und man machte sich daran, die auf dem Boden umherliegenden Goldstücke zu zählen. Die einzelnen Goldstücke klebten aneinander. Als die Zählenden bei 12000 Mark angelangt waren, wurde ihnen die Sache zu langweilig. Sie machten kurzen Prozeß, kehrten mit einem Besen alle Goldstücke auf einen Haufen zusammen und taten sie in einen großen Leinwandsack. Dann suchten sie im Zimmer alle Wertpapiere, Hypothekendokumente und dergleichen, deren Wert sich auf 80000 Mark belief, zusammen, luden alles auf einen Wagen und brachten den ganzen Schatz nach Demmin auf das Amtsgericht. Von dort wurden sie mit dem Bargeld an die Sparkasse verwiesen. Die Beamten hatten lange zu tun. bis sie sämtliche Goldstücke gezählt hatten. Als sie aber damit fertig waren, ergab sich, daß Prcepke über 130 000 Mark Bargeld hinterlassen hatte. Mit seinem übrigen Besitz beziffert sich der Nachlaß auf weit über 200·000 Mark. Das alles dürfte nun eine Schwester des Prcepke erben, die vor langer Zeit nach Amerika ausgewandert ist und um die sich der Bruder niemals gekümmert hat. * Berliner Akademie der Künste, arbeitet zurzeit an einem neu Kaiserbildnis. Es ist als Kniestück gedacht und stellt den Monarch in der Uniform der Gardedukorps dar. In der deutsch=amerik nischen Ausstellung, die Ende d. J. in New York veranstaltet wir soll dieses Porträt Platz finden. Lustige Ecke.ee Er weiß es nicht. Eine sehr geschwätzige Dame, deren Bekannte ihr auf der Straße in weitem Bogen auszuweichen pflegen hielt ihren Hausarzt, der es sehr eilig hatte, an und erzählte ihm u.., daß eine Tante von ihr plötzlich am Herzschlag verschieden sei.„Ist das nicht traurig für den armen Mann?“ schloß sie.— „Das weiß ich nicht,“ klang es ihr kurz zurück,„ich kannte Ihre Tante nicht.“ Erziehung. Mutter:„Hier im Salon darfst du die Kirschen nicht essen, mein Kind. Geh auf den Balkon, da kannst du die Steine auf die Straße spucken.“ * Verwandlung. Philosoph(vor einem Schweinemetzgerladen): „Tragisch, sehr tragisch! Gestern noch befanden sich die Gedärme im Schweine, und heute schon befindet sich das Schwein in den Gedärmen!" * In der Verlegenheit. Dienstmädchen:„... Das ist nicht wahr, daß ich an der Tür horche!... Mein Gehör ist so fein daß ich das gar nicht nötig habe!“ * Opferwillig. Junge Frau:„Aber Marie, Sie haben ja den Kuchen ganz verbrennen lassen.“— Köchin:„Mit Absicht, seien Sie nur froh, sonst hätt' der gnä' Herr ja doch'merkt, daß Sie ihn versalzen haben!" Sie 1 Ueberau in der gemacht habe.„Ich habe nur Postbote gespielt. ganzen Straße habe ich einen Brief abgegeben.“—„Woher hattest du denn die Briefe?"—„Du weißt doch, die aus der Kommode, die mit einem roten Bändchen zusammengebunden waren.“ Er hatte die Liebesbriefe seiner Schwester ausgetragen. Kölner Lecal-Anzeiger Nr. 263* Mittwoch. 23. Jeptember 1903. Seite 9. Zu vermieten Fortsetzung v. Seite 3. 3 Zimmer und 80 gm helle Werkstelle mit Heiz= u. Leuchtgas sosofort zu vermieten. Neue Mastrichterstr. 18. Besserer Herr, findet bei gut situierten kinderlos. Leuten gemütl. Heim. Frk.= Off. erb. u. P D 350 postlager. Mehlem am Rhein. 2 Zimmer 3. 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Sept. 1908, nachmittags 4 Uhr, sollen Landmannstr. 1 gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Tevpich, verschied. Bilder, Regulateur, 1 Nachtkommode, Hausapotheke u. dergl. Gäde, Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwangs-Verseigerungen. Am Donnerstag, den 24. Sept. 1908. nachmittags 4 Uhr. sollen im Pfandlokale Weyerstr. 106 zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: .1 Schreibtisch in Nußbaum, 1 Instrumentenschrank. II. Hieran anschließend: 8 Kisten Zigarren, 1 Fahrrad fast neu. Lauck. Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Donnerstag den 24. Sept. 1908, vormittags 11 Uhr, soll im Pfandlokale Marienplatz 24 zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Musikautomat u. a. m. Heidt, Gerichtsvollzieher in Cöln Hansaring 76. Zwangs-Verseigerung. Am Donnerstag den 24 Sept. 1908, vormittags 10 Uhr, soll im Pfandlokale Weyerstraße 106 in Cöln, gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Kiste mit Feiten. * Kruse, Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwangs-Versteigerung. Am Donnerstag. 24. Sept. 1908, nachmittags 4 Uhr, sollen im Pfandlokale Dürenerstraße 155 in Cöln=Lindenthal gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Garderobeständer in Eichen, 2 Büfetts in Eichen, I dreitüriger Kleiderschrank, kommode mit Marmorplatte und Spiegel, 1 Tisch in Eichen, 1 Kommode, 1 Gasherd, 2 Sofas, Regal, 1 größere Partie bess. Schwämme und Dinsel 2c. de Laforque. * Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwangs-Verseigerung. Am Donnerstag den 24. Sept. 1908, nachmittags 4 Uhr, sollen in Cöln, Alteburger= straße 75, Pfandlokal Gastwirt Plönes, gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: Eine Partie gebrauchter Möbeln aller Art. Linz. Gerichisvollzieher in Cöln, Rolandstr. 96. Zwangs-Versleigerung. Am Donnerstag, 24. Sept. 1903. nachmittags 4 Uhr soll in Cöln, Alteburgerstr. 75 (Pfandlokal) bei Gastwirt Plönes gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistdietend per steigert werden: 1 wertvoller Kriegs=Hund. Linz. Gerichtsvollzieher in Cöln.„ Rolandstr. 96. Am Donnerstag d. 24. Sept. 1906, nachmittags 4 Uhr, sollen im Auktionslokale des Wirtes Schwinge in Cöln, Rolandstraße 96. gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Gasmotor, 1 Wanduhr. Meyer, Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Donnerstag, 24. Sept. 1908. nachmittags 5 Uhr, sollen im Auktionslokale Freiheitstraße zu Deutz gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Sofa, 1 Pseilerspiegel, 1 Ausziehtisch, 1 Ofen, 1 Hängelampe mit Kerzen, 1 Küchenanrichte, 1 Waschkommode. Wolf. Gerichtsvollzieher in Cöln“ Zwangs-Versteigerung. Am Donnerstag den 24. September 1908. Nachmitt 4 Uhr, soll im Versteigerungslokale Jülicherstraße 1, hier. gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: Stück Damenkleiderstoff. Buchholz, Gerichtsvollzieher in Cöln* Aachenerstraße 41. Am Donnerstag, 24. Sept 1908, sollen zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: a. vormittags 10½ Uhr. Pantaleonswall 61, 3. Et.: Kommode, 1 ovaler Tisch, Sofa, 1 Konsolschränkchen mit Spiegel, 1 Vertiko, 1 Rauch tischchen, 1 Bücherregal. 3 Rohrstühle, b. vormittags 11 Uhr, im Pfandlokale Thieboldsgasse 146: I. 1 Vertiko, 1 Nachtkommödchen, 2. 1 Kleiderschrank. Verkauf a. bestimmt. Walbröl, Gerichtsvollzieher in Cöln. Ehrenstraße 73. Am Donnerstag d. 24. Sept 1903, nachmittags 4½ Uhr sollen in Cöln- Lindenthal, Dürenerstraße 165 gegen gleich bare Zahlung öffentlich meist. bietend versteigert werden: 1 B ü f e t t, 1 V e r t i k o, 1 W a s c h kommode mit Marmorplatte, 1 Diwan, 1 Tisch, 1 Teppich, Majolikaofen, 1 Uhr, 1 Nähmaschine 1 Küchenanrichte. Sodann um 5 Uhr gegen einen anderswo wohnenden Schuldner: 1 Spiegelschrank, 1 Waschkommode mit Spiegel, 1 Küchen schrank, 1 Eisschrank, 1 Kommode, 1 Füllofen, 1 Gasleuchter, 1 Büfett, 1 Bank, 1 Diwan usw. Steigliebhaber versammeln sich um 4½ Uhr wie oben. de Laforgue. Gerichtsvollzieher in Cöln. Holz- Holz-s s Arbeiten# 6 Schweifen, Dekupieren,## 0 Fräsen, Bohren, Schnitzen### ##n schnell und billig.## S Poststraße 23 3 3 Gg. Weineck. 2 Ripssammet uni Sammet für Kleider, Blusen, Anzüge nur 95.5, schwarze Taffet Seide K 1,50, Merveilleux, gebl. Seide KK. 1,80, uni Seide für Blusen 1 K. Marzellenstraße 15. Nur 5 Mark Bettflocken. Nachnahme. Bei 50 Pfd. fr. dort. Postkarte gen. 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Für die männlichen Angestellten des Gastgewerbes, welche in ihrem versuchungsreichen Beruf sich aufrecht erhalten wollen und in den Zeiten des Stellenwechsels an den Hauptverkehrsorten gern ein behagliches Heim mit christlicher Hausordnung aufsuchen, ist nun, wie bereits in neun Großstädten, auch hier ein solches geschaffen worden durch den Rheinischen Provinzialausschuß für Innere Mission in dem dazu erworbenen und einem besseren Gasthause ganz neu eingerichteten Hause Viktoriastraße 11; es hat 17 freundliche Zimmer mit 35 guten Betten, Speise-, Lese=, Schreib= und Versammlungsräumen(Dampfheizung und Linoleumbelag). Der Leiter der Bauarbeiten ist Hr. Baugewerksmeister E. Hänsel, der Verwalter Hr. Phil. Weth(erfahrener Oberkellner). Das neue Kellnerheim wird am Donnerstag eingeweiht. # Diebstähle. In einem Hause am Friesenwall wurde ein Fahrrad gestohlen.— Einem Fuhrmann wurde während der Fahrt von seinem Speditionswagen ein großes Paket mit Zigarren entwendet. # Mansardendiebstahl. In einem Hause an der Ehrenstraße wurde am Montag ein Mansardenzimmer erbrochen und einem Dienstmädchen die Schmucksachen gestohlen. „ Eine größere Verkehrsstörung entstand gestern mittag an der Dom=Apotheke, an der Ecke Komödienstraße und Unter Fettenhennen. Das Pferd eines Wäschewagens aus Ehrenfeld kam dort auf dem Straßenbahngeleise zu Fall. Erst nach längerer Mühe gelang es mehreren Männern, das Tier wieder auf die Beine zu bringen. Durch den Vorfall hatten sich an der sehr verkehrreichen Straßenecke über 20 Straßenbahnwagen angesammelt. Aus Köln-Lindenthal. ∆ Der katholische Bürgerverein Lindenthal hielt am Montagabend im Saale des Herrn Saddeler eine Mitglieder=Versammlung ab, die gut besucht war. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Rückblick auf die Tätigkeit des Vorstandes sowohl als den augenblicklichen Stand des Vereins, welcher noch weit größerer Unterstützung der katholischen Männer Lindenthals bedürfe, als dies bisher wirklich der Fall sei. Die Beratung der Tagesordnung, welche wichtige Fragen von öffentlichem Interesse als auch interne Vereinsangelegenheiten umfaßte, führte zu ausgedehnten aber sachlichen Verhandlungen, denen wir folgendes kur, entnehmen: die Versammlung gab ihrer vollen Zustimmung zu den Maßnahmen des derzeitigen Vorstandes betr. den äußeren und inneren Ausbau des Vereins und die Vermehrung der Mitgliederzahl lauten Ausdruck. Die Notwendigkeit der Regulierung der Landgrafenstraße von Bachemer= bis Herderstraße wurde allseitig anerkannt und beschlossen, an die Stadtverwaltung die Bitte zu richten, die auf der einen Seite weit über die Fluchtlinie in die Straße hineingewachsene Hecke zu beseitigen, um den, wenn auch schmalen Bürgersteig nutzbar zu machen und somit die vielen Passanten und Kirchgänger vor der Gefahr des Ueberfahrenwerdens zu behüten. Anderseits aber möge die Verwaltung veranlassen, daß der dort herrschende sehr üble Stallgeruch und die rein dörflichen Verhältnisse mitten im Herzen von Lindenthal, durch Erwerbung des fraglichen Grundeigentums, im öffentlichen Interesse beseitigt werden. Des weiteren wurde beschlossen: 1. die Verwaltung zu ersuchen, den berechtigten Klagen der Anwohner des Lindenthalgürtels zu entsprechen und die kurze Strecke von der Gleuelerbis Franzstraße, die sich in einem trostlosen Zustande befindet, endlich zu pflastern und das Trottoir mit Platten zu belegen; 2. die seit langer Zeit ersehnte Steuerzahlstelle für Lindenthal zu errichten; 3. die Grenze der Zahlstelle der Ortskrankenlasse Müngersoorf so zu verlegen, daß die Bewohner Lindenthals auch hierselbst in der Klosterstraße ihre Beiträge bezahlen tönnen; 4. die gegenüber der Geibelstraße gelegene Teilstrecke des Bürgersteigs an der Dürenerstraße wenigstens mit Platten zu belegen und endlich zur gefälligen Kenntnis zu nehmen, daß die Bewohner der Gleuelerstraße durch den Umstand, daß die ProvinzialVerwaltung die Irrenanstalt der Alexianer auf 3½ Jahre gepachtet hat, sich sehr beunruhigt fühlten und befürchteten, es könnte sich zum Nachteil ihres Besitzes sowohl als der dortigen Gegend überhaupt später eine Provinzial=Irrenanstalt entwickeln. Aus der Versammlung heraus wurde alsdann bewegte Klage geführt, daß die Auslegung von Straßen auf der westlichen Seite der unteren Hause und teiner Familie fehle. In kurzen Zügen feiert der Redner dann das Papsttum und den Jubelpapst und schließt mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf Papst Pius., womit die Versammlung ihr Ende erreicht hatte. Gesellschafts= und Vereinsleben. B Die Curnabteilung des katholischen Arbeitervereins Köln-Süd hielt am verflossenen Sonntag ihr diesjähriges Sommerfest ab. Der große Saal des Annohauses mit anschließendem Vorsaal war gut besetzt. Nachmittags begann bereits der erste Teil. Ein regelrechtes Jahrmarktstreiben entwickelte sich an den einzelnen Buden. Glücksrad, Schießbude, Puppenbude, Plattenwerfen usw. waren vertreten. Schauturnen der Abteilung, bestehend in Hochsprung, Turnen am Pferd und Barren, Pyramiden und Ringen wechselten in bunter Reihenfolge ab. Herr Bezirkspräses Schüller, der gegen nenn Uhr erschien, richtete an die Turner beherzigenswerte Worte, welche er in ein kräftiges„Gut Heil" auf unsern Jubelpapst ausklingen ließ. Zu dem Feste war auch eine Abordnung der Turner des katholischen Arbeitervereins KölnEhrenfeld erschienen. Die Veranstaltung kann in allen Teilen als recht gelungen bezeichnet werden. Die Musik wurde vom Musikverein Ossian ausgeführt. ## Der Bavernverein Köln, gegründet 1880 eröffnete Samstag die Reihe seiner Winterfestlichkeiten mit einem sehr zahlreich besuchten Herrenabend in seinem Vereinslokal im Pschorrbräu. Die in jeder Hinsicht als gelungen zu betrachtende Veranstaltung nahm unter Leitung des zweiten Vorsitzenden, Herrn Dietz, und unter Mitwirkung der besten Kräfte aus Mitgliederkreisen einen ensenden Verlauf. Dem Humor verhalfen in erster Linie die eren Ehnle und Berthle zu seinem Recht, wovon besonders der erstere mit seinen Vorträgen stürmischen Beifall erntete. te Sympathien aller erwarben sich rasch die als Gäste anwesenden Herren Näuber durch hervorragende Leistungen als Sänger und Nauel als Rezitator. Viel Beifall fanden auch die Lieder der Ferren Neumayer und Weppelmann, sowie Deklamationen von Herrn üb. Herr Fuß brachte mit einer humorvollen Ansprache die von ufang herrschende echt bayerische Gemütlichkeit auf den Höhehunkt, welche auch bis zum Schluß, der in eine ziemlich späte -tunde fiel, anhielt. Aus der Arbeiterwelt. &a Christliche Arbeiter im Rampf gegen die geplante Erhöhung der Tabaksteuer. Der vierte Agitationsbezirk des christlichen Tabakarbeiterverbandes hielt am 20. September in Herford eine Konferenz ab. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: Die heute in Herford tagende Agitationskonferenz des christlichen Tabakarbeiterverbandes protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die Mehrbelastung des Tabaks bzw. Fabrikate, weil dadurch der Schwerpunkt der Fabrikation immer mehr nach anderen Gegenden verlegt würde, und aus diesem Grunde, wie infolge des zu erwartenden Konsumrückganges, Arbeiterentlassungen in großem Umfange unvermeidlich sind. Nach amtlicher Berechnung ergeben sich folgende Anteile der in der Zigarrenfabrikation beschäftigten Arbeiter: Süddeutschland 1875 18 3/8 Prozent, 1887 25 Prozent, 1904 33 Prozent, Norddeutschland 1875 81 1/8 Prozent, 1887 75 Prozent, 1904 67 Prozent. Dieses Verhältnis würde eine weitere steuerliche Belastung noch erheblich verschärfen, weil die Herstellung der 5= und 6 Pfennigzigarre, die 85 Prozent der Gesamtproduktion ausmacht, dadurch in Norddeutschland unmöglich gemacht wird. Die Folge wäre der wirtschaftliche Ruin zahlreicher Existenzen des Arbeiter= und des Mittelstandes. Auch eine beträchtliche Anzahl Gemeinden würden dadurch ruiniert werden. Die Konferenz fordert sämtliche Ortsgruppen auf, unverzüglich in den Abwehrkampf einzutreten. Gerichts=Verhandlungen. Des Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz angeklagt war ein hiesiger Wirt. Er hatte Branntweinreste aus Gläschen, sowie den übergelaufenen Schnaps und, wie ein Zeuge sagte, den Schnaps, der aus Tüchern ausgewrungen wurde zusammengegossen und wieder verkauft. Der Angeklagte bestritt, aus Tüchern Branntwein ausgewrungen und wieder verwertet zu haben und behauptet, er habe den Schnaps, bevor er ihn weiter verwertet, erst wieder destilliert. Sachverständiger Dr. Grosse=Bohle bekundete, das Ausgangsprodukt sei ebenso wie das Endprodukt ekelerregend, der Anwalt beantragte 100 M. Geldstrafe. Das Gericht nahm an, daß eine Nahrungsmittelfälschung nicht vorliege und erkannte freisprechend. Der Amtsanwalt legte gegen das Urteil Berufung ein. 7„Wenn du eine Rose siehst—!“ Ein Montagearbeiter hatte sich durch Einschleichen in den Garten der Versicherungsgesellschaft Konkordia in der Eintrachtstraße begeben, wo er sich nach der Anklage einen Durchgang zu Geldschätzen im Innern habe bohren wollen. Der Mann ist aber tatsächlich nur sehr ideal veranlagt, denn er behauptel, er habe nur Rosen pflücken wollen. Man hielt ihm entgegen, diese Blumenbeete seien von draußen gar nicht sichtbar. Der Angeklagte wird aber nicht verlegen, er will den Duft der Königin der Blumen über die hohe Einfriedigung hinweg gerochen haben. Sonderbarerweise glaubten ihm seine Richter nicht. Sie schickten in vielmehr auf neun Monate ins Gefängnis. Sport. m. Schwimmsport. Das am nächsten Sonntag vom Schwimmsportklub Köln veranstaltete internationale Wettschwimmen und =Springen verspricht in jeder Beziehung ein erstklassiges Fest zu werden. Es werden 20 Vereine mit ungefähr 200 Meldungen um den Siegeslorbeer kämpfen. Sehr stark ist das Ausland vertreten Von Belgien starten der Meister über 100 und 200 m Hermann Meyboom(Brüssel), der Meister über 500 m J. Plotinkx(Brüssel), sowie der Meister im Brustschwimmen P. Strauwen(Brüssel) Antwerpen entsendet ebenfalls seine besten Schwimmer, wie Blitz Reiß, Delahaye usw. Diesen treten von Deutschland vorzügliche Kräfte aus Leipzig, Hamburg, Magdeburg, Dessau, Straßburg, Frankfurt, Bielefeld, Münster usw. entgegen. Von den Springern ist besonders Behrens(Magdeburg), der zweite Sieger auf den olympischen Spielen in London, hervorzuheben. Ihm werden sich die bekannten Springer Freyschmidt und Brambach(Köln) sowie Ribatscheck(Münster) anreihen. Die Hauptkonkurrenz ist das Stafettenschwimmen um den Bürgerwanderpreis der Stadt Köln Hier treffen die Stafetten aus Brüssel und Antwerpen mit den deutschen Stafetten zusammen, so daß großartige Kämpfe zu erwarten sind. Das Fest beginnt punkt 3½ Uhr im Hohenstaufenbade. Aus Kölns Nachbarschaft. e Mülheim am Rhein, 22.Septbra 908. Die hiesige Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehülfenverbandes veranstaltete gestern abend im Magdeburger Hof eine öffentliche Versammlung, zu der sich etwa 80 Interessenten einfanden. Der Vorsitzende, Hr. Hechler, bedauerte, daß von den 600 Handlungsgehülfen in Mülheim nicht eine größere Anzahl erschienen sei. In anderthalbstündiger Rede behandelte Hr. Jul Schellin aus Frankfurt a. M. das Thema Zeit= und Streitfragen im Handelsgewerbe, Frauenarbeit und Handlungsgehülfenkammern Er wies u. a. auf das seit 1891 bis jetzt schon Errungene hin, z. B. Gesetz über die Sonntagsruhe, den Ladenschluß, Kaufmannsgericht usw. Aber auch heute sei noch manches zu bessern. Hinsichtlich der anzustrebenden Handlungsgehülfenkammern bemerkte Redner, daß diese paritätisch sein und Handlungsgehülfen und Arbeitgeber zu gleichen Teilen als Mitglieder haben müßten. Reicher Beifall wurde dem Redner zuteil. Acht neue Mitglieder ließen sich aufnehmen. Horrem(Bez. Köln), 22.Sept.1908. Zu der gestern kurz vor Redaktionsschluß eingetroffenen Meldung über den Unfall eines Bahnbeamten wird uns geschrieben: Auf dem hiesigen Bahnhofe der Staatsbahn wurden heute einem Rangiermeister beim Ranaieren beide Beine avgefahren. Der Verletzte wurde sogleich mittelst Extrazug zur Aufnahme ins Krankenhaus nach Köln transportiert. &am Siegbura, 22.Sept.1908. Eine Frau hatte ein kleines Pöckchen an der Stirn aufgekratzt, jedoch nicht weiter darauf geachtet. Nach kurzer Zeit trat trotz aller Gegenmittel eine Anschwellung durch Blutvergiftung ein, an welcher die Frau gestorben ist 0o Siegbura, 23.Sept.1908. Am heutigen Tage begeht der älteste Bürger urserer Stadt, Herr Steuereinnehmer a. D. worye in seltener Frische seinen 90. Geburtstag. Der Männergesangverein erfreute den Jubilar durch eine Serenade. Aus dem Vergischen Land. r Bensbera, 22.Sept.1908. In der heutigen SchöffengerichtsIn der sitzung verhängte das Gericht eine empfindliche Gefängnisstrafe gegen eine Frau aus Gladbach, deren Tochter und zwei Söhne die am 16. Juni zur Schule in Katterbach gezogen waren, um hier den Hauptlehrer darüber zu interpellieren, weshalb ihr Sohn und Bruder der Fürsorgeerziehung überwiesen worden sei. Die Familie vollführte einen großen Skandal, der nach der Aeußerung des Vorsitzenden fast an Landfriedensbruch grenzte. Die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch, Beleidigung des Lehrers und groben Unfug. Die Mutter wurde zu 18 Tagen, die Tochter zu zwei Monaten und die Söhne zu zehn und drei Tagen Gefängnis verurteilt.— Ein Fabrikarbeiter aus Berg.=Gladbach hatte ein Fahrrad auf Abschlagszahlung gekauft, wobei sich der Verkäufer das Eigentumsrecht vorbehalten hatte, bis das Rad bezahlt sei. Trotzdem verkaufte der Arbeiter das Rad schon vorher. Er wurde wegen Unterschlagung zu 50 M. verurteilt. -„. Grasbach, 23.September 1908. Die Wahlen zum u. Gemeindevertretung finden am 28. d. Mts. statt. Die Vorstände der katholischen Vereine hatten sich dieserhalb Sonntagmorgen versammelt, um die neuen Kandidaten stimmfähig zu erhalten. Folgende elf Herren sind nun nach einer lebhaften Diskussion mit entsprechender Stimmenzahl in Vorschlag gebracht worden: Kaspar Müller, Graveur 40. Joh Heider, Redakteur 33, Professor Utsch 27, Adolf Kalsbach 26, Hub. Niedenhoff, Kaufmann 26, Dr. Rhode 24, Franz Eich 19, Wilh. Bechen 17, Hugo Rierspel 16, Wilh. Odenthal 16, und Wilh. Steinkrüger 15 Stimmen. Die ausscheidenden Mitglieder der Gemeindevertretung wurden somit wieder alle einstimmig aufgestellt. Vertrug nicht einmal Estug## Grafing(Oberbayern), 10. Dez. 1907. ## kleines Söhnchen Joseph konnte im Alter von 13 Monaten noch inen und den Kopf nicht heben; Appetit war ebenfalls nicht vorno der Kleine konnte noch nicht einmal die Milch vertragen. versuchte ich es noch mit Scotts Emulsion und kann ihnen berichten, daß ihr Präparat den großartigsten Erfolg#######tt hul. Ich habe dem Kinde drei= bis viermal täglich eine halbe mit enem Kaffeelöffel voll Emulsion gegeben und nachts Da uno ist so daran gewöhnt, daß es die Milch gar nicht mehr anders haben will. Heute kann es schon allein stehen, setzt sich in seinem Bettchen auf; kurz und gut, ich könnte es nicht frischer und lustiger wünschen, als es ist. Appetit in guter Ordnung. die kleinen Bäckchen sind rot geworden, und das Kind ist, alles in allem, im besten Zustand.“ (gez.) Theres Riedlechner. Aufs neue geht aus diesen Zeilen hervor, wie sehr Scotts Emulsion dem gewöhnlichen, widerlich schmeckenden Lebertran überlegen ist. Nur ihrem Wohlgeschmack und ihrer überaus leichten Verdau## lichkeit ist es zuzuschreiben, daß der Kleine das Marke=demsrischer Praparat mühelos vertrug und gern nahm. Diese Garantig Tatsachen dürften besonders für Eltern schwächlicher schen Verfa#rens und zurückgebliebener Kinder von hohem Werte sein. Scotts Emulsion .„muenon wird von uns ausschließlich im großen verkauft, und swar lose nach Gewicht oder Maß, sondern nur in versiegelten Originalflaschen in Karton Bestandteile: Jein,„ Medizinal=Lebertran 150.0, prima Glycerin 50,.0, unter.3, unterphosphorigsaures Natron.0. Pulv. Tragant.0 seinster grab. Gummi pulv. 2,0, bestill. Wasser 123,0, Alkohol 11.9. Hiere aromatische Emulsion mit Zimt=, Mandel= u. Gaultheria=Oel je 2 Tropfen. Hochfeiner, aromatischer Grünkerngeschmack, appetitanregende Wirkung und bequeme Zubereitungsweise sind die besonderen Vorzüge von Knorr’s Grünkernmehl. oche mir„Knorr“. 3½% 3 4 Deutsche Anlagepapiere. Wertstand am 22. September 1908. % D. Schatzanw. f. 1. 7. 12 99,7560 % Preuss.Schatz. f. 1. 4. 13 99.7550 Preuss. Schatz. f. 1. 7. 12 99.7550 D. Reichsanleihe 1908 100,300 desgl. 92,2550 desgl. 83,906 Preussische Consols 1908 100, 306G 90.10 0 3½% desgl. 3%" desgl. 4% Anleihe d. Rheinprovinz 3¾% desgl. 3 6% desgl., Reihe XXX 3½% desgl., Reihe III-VII, X, 92.2550 83,90 G 99.500 94.8000 93,10 G XII-XVII, XXIVXXVII und XXIX 3½% desgl., Reihe XXVIII 3½% desgl., Reihe XIX 3½% desgl., Reihe XVIII 3% desgl., Reihe 9, 11, 14 4% Anleihed. Prov.Westfalen 4% desgl., Reihe 4,5, uk. 1915 3¾% desgl. 3½% desgl., Reihe II, III, IV 3½% desgl. IV u. 1915 3% desgl. 4% Anleihe der Stadt Köln von 1900, unk- 1906 4% desgl. 1906, unk. 1911 3½% desgl. von 1894, 96, 98, 1901, 1902 90.2500 90.2500 90.2560 00.00 83.250 98.70G 99.500 95.256 90,6000 90.6050 82.500 3½% Anl. d. Stadt Düsseldorf 3½% Köln-Mind. EisenbahnPrämienscheine 132,100 % Pfandbr..Preuss.Centr.Bodenkr.-.-G..1890 % desgl.v. 1899, ukdb. b. 1900 % desgl.v. 1901, ukdb. b. 1910 % desgl. v. 1903, uk. b. 1912 % desgr. v. 1906, unk. 1916 % desgl. v. 1907, unk. 1917 3½% desgl. v. 1886. 1889 3½% desgl. v. 1894 u. 1896 3½% desgl., unkündb. 1904-13 4% Pfdbr. d. Rh.-Westf. Bo99.506 98.70G 98 900 91.10 G 97.255 97,1060 97.3000 97.400 97.900 98.206 90.10 G 90,000 90.00 denkr.-Bk., R. 1, 3, 5, 7 u. 7a 97,00t0 4% desgl.,.VIIl, ukdt.1910 97.20G 4% desgl.,.IX, unkdb. v. 1912 97.4006 4% desgl., R X, unkdb. b. 1915 97,90C 4% desgl., R 11 unkd.b. 1918 98,30G 3½2% desgl., R. II, IV, VI 89,500 4% Pfandbr. d. Westdeutsch. Bodenkr.-Anst., S. 1 u. II, k. 97.00G 4% desgl.,.V, unkdb. b. 1909 97, 6ö G 4% desgl.,.VI, unkdb. b. 1910 97. 20 G 4% desgl.,.VII, ukdb. b. 1913 4% desgl.,.VIII, ukb. b. 1915 3½% desgl., Reihe III 3½% desgl., Reihe IV 3½% desgl., R. IX, unkdb. b. 1916 97.500 98,000 90.500 91.006 91.800 Siegkried simon, Bankgeschäft. 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Musikalische Leitung: Albin Trenkler. Inszeniert von Alexander'Arnals. Mitwirkende: Die Damen: Arnoldson a.., Dux, Gardini, Rohr; die Herren: Batz, Liszewsky, Wiedemann, vom Scheidt, Neldel, Vanoni. Einlaß 6½ Uhr. Anfang 7 Uhr. Ende nach 1012 Uhr. Große Preise. Freitag den 25. September 1908. 25. Ab.=Vorst. Serie A. (22. Ab.=Vorst. im Opernhaus.) Anfang 7½ Uhr. Der Liebestrank. Komische Oper in 2 Akten von Gaetano Donizetti. Hierauf: Flotte Bursche. Komische Operette in einem Aufzuge von Franz von Suppé. Mittelpreise. Einladung zu der am Donnerstag den 24. d.., abends 9 Uhr, im Vortragsaale der Lese, Langgasse, stattfindenden Schauspielhaus. Donnerstag den 24. September 1908. 24. Vorst. Anfang 8 Uhr. Der Widerspenstigen Zähmung Lustspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. In Einrichtung und Inszenierung von Max Martersteig. Mitwirkende: die Damen: Harnischseger, Hensgen, Gaebler; die Herren: Turrian, Krüger, Aßmann. Odemar, Heber, Felden, Kiesau, Eckert, Portz, Wehwer, Diehl, Doser. Einlaß 7½ Uhr. Aufang 8 Uhr. Ende ungefähr 10¼ Uhr. Mittelpreise. Freitag den 25. September 1908. 25. Vorst. Anfang 8 Uhr. Simson. Schauspiel in 4 Akten von Henry Bernstein. Mittelpreise. Fernsprecher 8684. General-Versammlung. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung hitten wir die Kollegen um zahlreiches und pünktliches Erscheinen Der Vorstand. I..: Heinrich Graefen. Obermeister. friock: ff. Oleringsalat clans Ollikker, Okonditorei und Otr Dominskaner 1. Flernap##cher 7070. Ecke Marzellen- u. Bahnhofstr. Bier-Restaurant Diners 1,25 und.75(im Abonnement.10 und.60). Soupers zu.25. Speisen à la carte reichhaltig, billig und gut. Echte Biere. Dortmunder, Pilsener und Münchener. Wein-Restaurant Diners u. Souperg z..K. Speisen à la carte. Vorzügliche Weine. Täglich Konzert Helletntpersönlicher Leitung des Geigenvirtuosen Ostrowski vom kais. Opernhaus in Warschau. Fränkischer Hof Morgen Donnerstagabend 8 Uhr: Tokal- u. InstrumentalKonzert der 65er Kauelle unter Mitwirkung des Kölner Doppel-Quartett 1908. * Liederfolge: Weit draussen von Bischof. Wie hab ich Sie geliebt von Möhring. Nachtlied von Kreutzer. Gute Nacht ihr Blumen von Witt. Täglich Komert Hotel=Restaurant„Im Römer“, 48 Unter Goldschmied 48. Kaufe bei den Inserenten des(.A) Gerichts=Verhandlungen. V Kunstspeisefett. Gegen zwei hiesige Kolonialwarenhändler war Anklage erhoben, weil sie in ihren Läden das bekannte„Palmin“ feilgeboten hätten, ohne das vorgeschriebene Schild„Verkauf von Margarine bzw. Kunstspeisefett" angebracht zu haben. Das Schöffengericht kam zur Verurteilung auf Grund folgender Ausführung: Nach§ 1 des fraglichen Margarinegesetzes vom 15. Juni 1897 müssen die Händler in Margarine und sogenannten Kunstspeisefetten in ihren Läden Schilder mit der Aufschrift„Verkauf von Margarine“ bzw.„Kunstspeisefetten" anbringen. Kunstspeisefette aber sind solche dem Schweineschmalz ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich aus Schweinefett best eht. Ausgenommen nach§ 1 Absatz 4 seien unverfälschte Fette bestimmter Tier= oder Pflanzenarten, wenn sie unter einer ihrem Ursprung entsprechenden Bezeichnung in den Verkehr gebracht werden. Palmin sei nun ein Kunstspeisefett; die Ausnahme greife nicht Platz, da diese Bezeichnung nicht den Ursprung aus der Kokosnuß erkennen lasse. Auf die eingelegte Berufung hin bestätigte die Strafkammer des Landgerichts Köln das Urteil und führte aus: Palmin sei zwar ein unverfälschtes Fett einer bestimmten Pflanzenart, der Kokos, aber die Bezeichnung„Palmin“ sei keine seinem Ursprung entsprechende Bezeichnung im Sinn von§ 1 Abs. 4. Das Gesetz verlange, daß der Käufer eines Fettes sich bewußt werde, wenn ihm statt eines Naturproduktes ein Kunstfett angeboten wird. Mag auch das Gesetz für die Ursprungsbezeichnung, die dem Kunstfett gegeben werde, keinen sofort allgemein verständlichen Ausdruck verlangen, so muß doch die Möglichkeit bestehen, daß bei einiger Ueberlegung aus der Bezeichnung des Jettes auf seinen Ursprung geschlossen, werden kann. Die Bezeichnung müsse die bestimmie zur Herstellung benutzte Pflanzenart erkennen lassen. Die Bezeichnung „Palmin“ aber sei ein bloßer Phantasicname und lasse nicht als Ursprung die Palme bzw. aber nicht die einzelne Palmenart erkennen. Gegen dieses Urteil legte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. jur. Blatzheim Revision beim Oberlandesgericht Köln ein, welches das Urteil der Strafkammer nebst allen Feststellungen aufhob und die Sache an die Strafkammer aus folgenden Gründen zurückverwies: Die Rüge aus§ 59 des Strafgesetzbuches sei berechtigt. Die Angeklagten behaupten, sie hätten geglaubt, daß die Bezeichnung „Palmin“ genüge, um die Zubereitung als Produkt der Kokospalme, und ferner erkennen zu lassen, daß es sich nicht um Schweineschmalz, sondern um ein aus der Palme bereitetes Pflanzenfett handele. Das treffe insbesondere dann zu, weil doch das Fabrikat Palmin nach der Behauptung des Angeklagten in Paketen verkauft werde, deren Umhüllung die Aufschrift„feinstes Kokosfett" trage. Dies sei festzustellen. Werde das aber bei der neuen Verhandlung festgestellt, so werde sich die Strafkammer auch der nochmaligen Prüfung der Frage nicht entziehen können, ob den Angeklagten nicht auch noch der Ausnahmefall des§ 1 Abs. 4 Satz 2 zugute komme, daß sie nämlich unverfälschtes Fett einer bestimmten Pflanzenart, nämlich der Palme, unter der seinem Ursprung entsprechenden Bezeichnung in den Verkehr gebracht haben. Daß die Hinzufügung „feinstes Kokosfett“ dieser Bezeichnung genüge, könne nicht zweifelhaft sein. Zu erörtern bliebe nur, ob der Tatbestand von§ 1 Abs. 4 Satz 2 schon dann erfüllt sei, wenn die Umhüllung des zum Kauf gelangenden Palmin den Aufdruck„feinstes Kokosfett" trage oder ob dieser Aufdruck auch auf den zu Reklamezwecken angebrachten Schildern sich befinden muß. In der neuen Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer vom 22. d. M. kam nun die Strafkammer zu einem freisprechenmen Erkenntnis; aus den Ausführungen des Verteidigers der Angeklaaten, die das kaufende Publikum interessieren dürften und auf die sich das freisprechende Urteil zum Teil gründete, sei folgendes hervorgehoben: „Palmin“ falle gar nicht unter das Margarinegesetz, da es gar kein Kunstspeisefett sei. Denn dazu sei nötig, daß es„eine dem Schweineschmalz ähnliche Zubereitung sei. Die Aehnlichkeit bestehe aber nur in der weißen Farbe, nicht in der Form und Konsistenz, denn Schmalz sei weich und streichbar und werde in Fässern bzw. Kübeln verkauft, Palmin dagegen sei hart, lasse sich brechen und werde in rechteckigen Tafeln verkauft. Auch sei Geschmack und Geruch verschieden. Falls aber Palmin ein Kunstspeisefett sei, so falle es unter die Ausnahmebestimmung des§ 1 Absatz 4, daß es sei nicht nur ein unverfälschtes Fett einer bestimmten Pflanzenart(der Kokospalme bzw. Nuß) sondern dieser Ursprung sei auch hinlänglich durch die Bezeichnung Palmin zu erkennen, wie die Landgerichte Nürnberg, Mannheim und das Oberlandesgericht München anerkannt hätten. Jedenfalls aber sei der Ursprung aus der Bezeichnung Palmin mit dem Zusatz„feinstes Kotosfett" zu erkennen, ganz abgesehen davon, daß die vielen Reklamebilder und Annoncen der Palmin fabrizierenden Firma mit ihren Palmen, Negern und anderer Emblemnen sowie Aufschriften das Publikum über den Ursprung des Fettes aus der Kokospalme längst aufgeklärt hatten. Es genüge aber allein im Sinne des§ k Absatz 4, daß auf den zum Vertauf gelangenden Paketen sich die Aufschrift„Palmin“, seinstes colosfett, befinde; denn die Ware, eben diese Pakete, allein werde„In Verkehr gebracht," nicht die Reklamepatete, weshalb auch diesen„die dem Ursprung entsprechende Bezeichnung“ fehlen dürfe. Gleichwohl aber sei sie auf fast allen Paketen und Retlamen angebracht. Wie schon erwähnt, sprach die Strafkammer bei der erneuten Verhandlung die Angeklagten frei und bestätigte somit ihren Standpunkt, wonach die„Palmin“ vertreibenden Kolonialwarenhändler kein Schild mit der Aufschrift„Verkauf von Margarine“ bzw. „Kunstspeisefett“ in ihren Verkaufsstellen anzubringen brauchen. Aus Kölns e Rülheim(Rhein), 22.Sept.1908. Gestern abend fand die Eröffnung des Schuljahres 1908/09 für die hiesige kaufmännische Fortbildungsschule statt. Die Schule wurde auf Auregung der Kgl. Regierung von der hiesigen Handelskammer errichtet und am 29. April 1899 eröffnet. Die Stadt zahlt für dieselbe einen Zuschuß von 400 M. Eine Verpflichtung zum Besuche der Schule besteht nicht. Im Schuljahre 1907/08 wurde die Schule von 50 Schülern besucht. Als Lehrer sind tätig Direktor Dr. Erckmann von der städtischen höheren Mädchenschule und Handelsschullehrer Otto Wendt(Koln). Stommeln, 21.Sept.1908. Auf dem hiesigen Schulplatze fand man bei Ausschachtungsarbeiten für die Wasserleitung das Skelett eines Kindes. Nach Aussagen von Sachverständigen soll es sich um die Leiche eines—7jährigen Kindes handeln, die etwa 25 Jahre unter der Erde gelegen hat. 9 Dormagen, 22.Sept.1908. Das Dienstmädchen eines hiesigen Wirts stahl diesem dieser Tage einen Geldbetrag von 80 M. und flüchtete damit, vermutlich nach Köln. Bis jetzt konnte man die Diebin, welche erst seit acht Tagen bei dem Wirte in Stellung war, nicht ermitteln. Aus aller welt. ** Feuer in der Pariser Fernsprechzentrale. Paris, 21.Sept.1908.(Drahtber.) In der Pariser Telephonzentrale in der Rue de Louvre brach infolge Kurzschlusses Feuer aus. In dem Gebaude wurden gegenwärtig große Umgestaltungsarbeiten vorgenommen und die Arbeiter hatten sich gerade entfernt, als um 7 Uhr abends die Flammen emporschlugen und sich so rasch verbreiteten, daß die Telephonistinnen, noch mit dem Hörapparat versehen, flüchten mußten. Die Bemühungen der Feuerwehr sind darauf gerichtet, das nur durch einen schmalen Hof getrennte Hauptpostamt zu schützen. Menschenleben sind, wie die Polizei versichert, nicht zu beklagen, doch ist das Gebäude vollständig vernichtet. Man sieht schon jetzt, daß die Katastrophe die gänzliche Unterbrechung des Telephonverkehrs mit den Provinzen und dem Auslande zur Folge haben wird. Wie lange die Störung dauern wird, läßt sich nicht bestimmen, doch wird es notgedrungen lange währen, ehe auch nur eine provisorische Wiederaufnahme des Dienstes an einer anderen Stätte möglich ist. Um 9½ Uhr gestern abend erschien der Arbeitsminister auf der Vrandstätte. Die wichtigen Dokumente konnten geborgen werden. Von den Anlagen wurden nur die Akkumulatoren gerettet. Um 11½ Uhr schienen die Wehrleute des Feuers Herr zu werden. Der Arbeitsminister erklärte, es sei unmöglich, den Zeitraum festzusetzen, den die Wiederherstellung der Telephonleitungen in Anspruch nehmen würde. Um 1 Uhr war der Brand beinahe gelöscht. Die Feuerwehrleute und Truppen kehrten allmählich in ihre Kasernen zurück. Es verlautet, daß die Postverwaltung einen provisorischen Zweigdienst einrichten könne, der wenigstens während der Börsenzeit mit wichtigen Städten, vor allem mit London, eine Verbindung herstellen soll. ** Der Unfall des Wright=Aeroplans. Ueber den Unfall des Wright=Aeroplans bei einem Flugversuche bei Fort Meyer in Virginia(vgl. Nr. 807) wird berichtet: Wright, der Erfinder des Aeroplans, war mit dem amerikanischen Leutnant Selfridge in seinem Aeroplan aufgestiegen. Als die Maschine sich mit der Geschwindigkeit eines Eisenbahnzuges durch die Luft bewegte, sah die große Zuschauermenge plötzlich den Flügel der Schraube an der linken Seite des Luftschiffes abfliegen. Die Maschine begann sofort, wie ein verwundeter Vogel, unsicher zu flattern, überschlug sich sodann vollständig und stürzte aus einer Höhe von 75 Fuß zur Erde. Es erhob sich eine große Staubwolke, die das Wrack verhüllte. Der Kommandant des Forts ließ sofort durch Militär das herandrängende Publikum zurückhalten. Um die Verunglückten, die unter der Maschine lagen, vervorholen zu können, mußte man das ganze Wrack aufheben, wobei sich die vielen Drähte des Aeroplans sehr hinderlich erwiesen. Wright, der ein Bein gebrochen hatte, versuchte, mit verzerrtem Gesicht zu lächeln und zu sprechen, aber seine Worte verhallten in dem Getümmel. Die wirkliche Ursache des Unfalles war ein Bruch des Schraubenflügels. Wright hatte erst am Tage vor diesem unglücklichen Versuche die bisher gebrauchten Schrauben durch längere ersetzt, weil er glaubte, mit längeren Schraubenblättern größere Resultate erzielen zu können. Das Blatt war dicht am Schaft abgebrochen und fünfzig bis sechzig Fuß weit geschleudert worden. Man glaubt, daß der Luftschiffer die Schrauben zu sehr anstrengte. Als die linke Schraube aufhörte zu arbeiten, setzte die rechte ihre Drehungen fort; infolgedessen kippte der Aeroplan um. Daß die neuen Schrauben nicht ganz der Erwartung entsprachen, war daraus ersichtlich, daß die Maschine, nachdem sie von der Gleitschiene abgelaufen war, auf dem Boden aufschlug und Schwierigkeiten hatte, zu steigen. Diese Schwierigkeiten verschwanden jedoch, als eine Höhe von fünfzig Fuß erreicht war. Es wird getadelt, daß man den Aeroplan nicht genügend bewachte. Zahlreiche Neugierige drangen unbehelligt in den Schuppen, in dem der Apparat stand, drehten die Schrauben und betasteten auch sonst die Maschine. Der verunglückte Luftschiffer verlor auf dem Wege nach dem Hospital das Bewußtsein. Leutnant Selfridge, der Sohn des gleichnamigen Admirals, war ebenfalls erfahrener Luftschiffer und der amerikanischen Luftschifferabteilung zugeteilt. Der junge Offizier starb im Verlaufe des Abends. — Paris, 18.Sept.1908.(Drahtber.) Als Wilbur Wright die Nachricht ven dem Unfall seines Bruders Orville Wright erhielt verzichtete er auf einen neuen Aufstieg mit seinem Aeroplan. N #4 * Sodex was ist das? Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, heute morgen 6¼ Uhr meinen heiss- und innigstgeliebten Gatten, unsern treusorgenden, überaus guten, unvergesslichen Vater, Bruder, Schwager und Onkel, den wohlacht„ baren Herrn Josef Ehrenberg Versicherungs-Direktor nach längerem, schwerem Herzleiden, mehrmals gestärkt durch den andächtigen Empfang der hl. Sterbesakramente, im Alter von nahezu 53 Jahren, in ein besseres Jenseits abzurufen. Um ein andächtiges Gebet für den teuren Verstorbenen bitten die tielbetrübten Hinterbliebenen Köln, Lechenich, Velbert, den 22. September 1908. Die Beerdigung findet statt am Donnerstag den 24. September 1908, nachmittags 3 Unr. vo. Sterbehause Luxemburgerstrasse aus. Die feierlichen Exequien werden gehalten am selben Tage, morgens 9 Uh der Herz Jesu-Kirche. Sollte jemand aus Versehen keine be dere Einladung erhalten, so bitten wir als solche zu betrachten. Sodex wird statt Soda und Seifenpulver gebraucht! General-Verr. Ludwig Blatzheim, Köln Kamekestrasse 21. Fernsprecher 1865, 9913 ist garantiert rein, unSUuGX schädlich und äusserst sparsam im Gebrauch! Statt besonderer Anzeige. Im großelterlichen Hause zu Münster i. Westf. starb uns gestern Nacht nach kurzer Krankheit unser mikleines herziges im zarten Alter von vier Monaten Um bitten gille Teilnahme Anna geb. Eich. Köln=Nippes, ##. den 22. Sept. 1908. Scharnhorststraße 4. KA A das Sechswochenamt für Herrn findet am Donnerstag den 24. September, morgens ½9 Uhr in St. Aposteln statt, wozu hiermit freundlichst eingeladen wird. Feau Wwe. KES Das Jahrgedächtnis für unsere liebe Mutter geb. Baumann, findet morgen, vormittag um 9 Uhr, in der HerzJesu=Kirche statt. In der blumenreichen Zeit empfehle ich zur letzten Ausschmückung der lieben Verstorbe nen die schönsten Kränze zu den billigsten Preisen. Blumengesch. Franz Wilde 33 Hohestraße 33.“ Gütertrennung Rat u. Hilfe in Zahlungsschwierigk. u. 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