Bezugs-Preis. mit Sonntagsbeilage Lolonia, durch die Crägerinnen wöchentlich 10 Pfg., monatlich 40 Pig. Anzeigen-Preis: 15 Pig. die einspaltige Zeile(letzte Seite 18 Pig.). Kölner Stellen= und Arbeits=Gesuche sowie MietAnzeigen für kleine Wohnungen bis zu 10 Zeilen bei Vorausbezahlung 10 Pfg. die Zeile. Auswärtige Anzeigen 20 Pfg.(letzte Seite 25 Pfg.). Reklamen 50 Pfg. für hiesige, 60 Pfg. für auswärtige. Offerten-Annahme 25 Pig. Postpreis mit der Sonntags=Beilage Colonia M. 1,50(3 Mon.), M. 1,—(2 Mon.), M. 0,50(1 Mon.). Kölner Geschäftsstelle und Anzeigen-Annahme: Marzellenstrasse 37. S A General-Anzeiger kür die rheinische Hauptstaat.* Kolner Fremdenblatt. Nr. 145, 22. Jahrgang. Geschäftsstelle: Fernspr. 420. Köln. Dienstag, 26. Mai 1908. Redakt.: 5231. 5232, 5233,5234 Heute 12 Seiter. Politische Tagesschau. Der neue Dreibund. Rußland, England und Frankreich. Der Zar von Rußland erhält eine Reihe von Besuchen, die hohe politische Bedeutung haben; es kommt der Präsident der französischen Republik, Fallieres, nach St. Petersburg, und noch vor ihm wird dort König Eduard von England seine Einkehr halten. König Eduard hat dann, von Konstantinopel abgesehen, allen europäischen Residenzen von Ruf seinen Besuch abgestattet, nur in Berlin war er noch nie, obwohl unser Kaiser schon zweimal in London gewesen ist. Diese eine Tatsache sagt viel, jasagt alles. Der englische König kam wohl schon zur Segelregatta nach Kiel und wurde dort so überschwänglich gefeiert, daß er seither den Geschmack an der deutschen Gastfreundlichkeit verloren hat. Man denke nur an die militärische Begleitung seines Schiffes zu beiden Seiten des Kanals, an die Tanzfestlichkeiten, denen man solche hohe Bedeutung beilegte, daß selbst Minister das Tanzbein schwingen mußten und die wichtigsten Landtagsarbeiten im Stiche ließen. Dann kam 1906 der König zum Besuche seiner Nichte, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, nach Friedrichskron, bei„welcher Gelegenheit sich der Kaiser und König trafen", wie Bassermann im November 1906 im Reichstage diesen Besuch kennzeichnete; im Vorjahr kam der mehrstündige Besuch in Wilhelmshöhe, nach welchem der englische König solche Sehnsucht empfand, daß die Ankunft seines Sonderzuges sich um mehrere Stunden verspätete, was sonst diesem Herrscher noch nie passiert ist, besonders nicht, wenn er nach Paris fährt. Diese Tatsachen sprechen für sich allein, hält man noch das stete Ableugnen daneben, das von englischer Seite immer erfolgt, wenn von einem Besuche des englischen Königs in Berlin die Rede ist, so muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß Eduard VII. nur als Sieger in die Reichshauptstadt einziehen will, daß ihn aber keine Liebenswürdigkeit der Welt hierzu bewegen kann, den Besuch unseres Kaisers im eigenen Hause zurückzugeben. Man braucht über Fürstenbesuche nicht allzu hoch denken, man kann sie nur als einen rein persönlichen Besuch ansehen, aber man muß doch zugestehen, daß es bei den Reisen des englischen Königs anders ist. Auch die bevorstehende Rußlandreise wird in der Geschichte eine Rolle spielen. In den maßgebenden Kreisen Deutschlands ist man voller Sorge ob dieser Zuspitzung unserer ausländischen Politik. Es kam die Reise des Reichskanzlers Fürst Bülow nach Wiesbaden mit den vielen Vorträgen beim Kaiser; letzterer sagte seinen schon angekündigten Besuch beim Fürstentag in Frankfurt ab und fuhr sofort nach Berlin: hier wurden die Besprechungen fortgesetzt. Für den Kundigen sind das genug Anzeichen, daß etwas vorgeht; man weiß außen nur noch nicht, wohin sich die Sache zuspitzt. Also doch! Die Erhöhung der Zivilliste des Königs von Preußen, von der in der letzten Zeit wiederholt in der Presse die Rede war und nur ganz zaghaft von der offiziösen Presse abgeleugnet wurde, dürfte doch in Aussicht genommen sein. Eine Berliner parlamentarische Korrespondenz teilte bereits mit, daß Besprechungen zwischen dem Oberhofmarschallamt und dem Ministerium des Innern eingeleitet worden seien. Zur Begründung der Forderung der Erhöhung der Zivilliste wird geltend gemacht, die Steigerung der Kosten der Lebensführung, die sich auch beim kaiserlichen Haushalt und bei der gesamten Hofhaltung bemerkbar machten. „Man“ habe deshalb angeregt, die Gehälter aller Beamten, die von der Krone besoldet werden, zu erhöhen, da ihre Wünsche, daß ihre Beamten nicht schlechter wie die vom Staate besoldeten gestellt werden, berechtigt seien. Zur Zeit erhält der König von Preußen eine Apanage von 15719296., von der er sämtliche Bedürfnisse seines Hauses und aller preußischen Prinzen und Prinzessinnen seines Hauses, also auch die seiner verheirateten und unverheirateten Kinder bestreiten muß. Die Summe reiche aber bei weitem nicht aus. Für den Fall, daß eine Erhöhung der Zivilliste beim Landtag beantragt werden sollte, werde ihm eine solche Vorlage erst dann zugehen, wenn durch Besprechungen mit den Parteiführern festgestellt sei, daß eine Mehrheit dafür vorhanden sei. Eine Erhöhung der Zivilliste über 17 Millionen Mark insgesamt dürfte nicht eintreten. Zeugenvernehmungen im Falle Eulenburg, die im Münchener Justizpalast durch den Berliner Untersuchungsrichter Schmidt stattfinden, sind in den letzten Tagen fast ununterbrochen vorgenommen worden. Von den Münchener Zeugen beansprucht besonderes Interesse das Galerieaufseher=Ehepaar Bauereiß. Frau Bauereiß war vor ihrer Verheiratung eine Zeitlang in einem Gasthofe zu Murnau am Staffelsee bedienstet, wo sie verdächtige Wahrnehmungen über Eulenburg machte. Ihre damaligen verdächtigen Wahrnehmungen fand die spätere Frau Bauereiß in München bestätigt. Der Vernehmung der Eheleute Bauereiß hat auch der bekannte Irrenarzt Dr. v. Gudden beigewohnt. Eine eindringliche Seit Monaten tobt in Marokko ein harter Kampf zwischen Franzosen und Marokkanern. Bedauerlicher noch als dieser Krieg ist die Tatsache, daß in Marokko viele deutsche Söhne für Frankreich ihr Blut vergießen. Unter den Kämpfern auf französischer Seite sind nämlich viele Hunderte von Fremdenlegionären, die sonst in Algerien stehen. Im französischen Militärwochenblatt France militaire steht über das für die Franzosen siegreiche Gefecht bei Manabba vom 16. April Feuilleton des Kölner Local=Anzeiger. 26. Mai 1908. c Die weiße Frau von Oldensloe. [27] Original=Roman von O. Elster. „Herr Graf,“ sagte ich stockend und zögernd und mit dem Ausdruck kämpfend,„Sie waren vorhin so gütig, mir einen Vorschlag zu machen...“ „Welchen Vorschlag?“ „Sie wollten... ich sollte... Ihren Namen tragen, ich sollte Ihr Sohn werden...“ „Ja, altes Unrecht sollte durch diese Adoption gesühnt werden. So war es zwischen meiner Mutter und mir verabredet worden. Jetzt verstehe ich meine Mutter! Jetzt weiß ich, daß sie beiden Teilen gerecht werden wollte. Das geht nun nicht mehr an.“ „Weshalb nicht? Herr Graf?“ Er sah mich groß an. „Weil dadurch das wirkliche Unrecht nicht gesühnt wird,“ sagte er nach einer Weile.„Weil die Unehre, welche auf dem Namen, auf dem Leben Ihres Vaters lastet, nicht von ihm genommen wird. Es wäre ein neuer Betrug, den wir der Welt vorspiegelten. Ich mag mich nicht dazu hergeben. Lassen Sie mich den geraden Weg gehen, er kann uns beiden nur zur Ehre gereichen. Morgen schon werde ich in die Residenz fahren, um die geeigneten Schritte vorzubereiten. Der Herzog wird mir ein gnädiger Herr sein...“ „Nein, nein,“ rief ich in Verzweiflung,„es darf auf keinen Fall geschehen.“ „Und doch schienen Sie vorhin selbst Bedenken zu tragen, auf meinen Vorschlag der Adoption einzugehen?“ „Ja, aber aus einem ganz anderen Grunde.“ „Darf ich den Grund nicht wissen?“ „Ja, Sie sollen alles wissen, Herr Graf. Ihr Edelmut macht es mir zur Pflicht, offen und frei zu Ihnen zu sprechen. Ich kann ja jetzt auch frei den Grund meines Bedenkens sagen, denn Amalgunde liebt mich nicht.. Wie soll ich Sie verstehen? Was hat Amalgunde damit zu schaffen?“ „Ich trug Bedenken, Ihren edelmütigen Vorschlag anzunehmen, weil— weil ich Amalgunde nicht wie eine Schwester lieben könnte..." „Nicht wie eine Schwester?“ „Nein, sondern wie dasjenige Wesen, von dem man das höchste Glück seines Lebens erwartet— wie meine Braut— meine Gattin...“ Das Wort war gesprochen. Ich atmete tief auf und stand in zitternder Erregung da. „Und davon haben wir nichts geahnt?“ fragte der Graf, wie in einem Traum befangen.„Und weiß Amalgunde von Ihrer Liebe?“ „Ich glaube, sie ahnt sie— aber ich habe niemals gewagt, von meiner Liebe zu sprechen— und jetzt— jetzt ist ja doch alles vorüber... sie selbst sagte es ja vorhin...“ Des Grafen Auge ruhte mit tiefem Ernst auf mir. Dann reichte er mir die Hand und sprach mit vor Rührung bebender Stimme:„„ „In dieser Stunde habe ich Sie erst ganz kennen und lieben gelernt, Gundokar. Ich danke Ihnen für Ihre Mitteilung— ich danke Ihnen aus vollem Herzen. Lassen Sie uns für heute unsere Unterredung abbrechen— wir sind beide verwirrt und betäubt— es war zu viel auf einmal. Sie sollen meinen Entschluß in einigen Tagen hören, bis dahin bitte ich Sie, noch hier zu bleiben. Wollen Sie mir das versprechen?“ „Ja, ich verspreche es.“ „Ich danke Ihnen. Und nun verlassen Sie mich, ich muß mit mir selbst ins Reine kommen.“ Er gab mir nochmals die Hand, die ich gern in ehrerbietigem Kuß an die Lippen geführt hätte. Dann wandte er sich ab und ich verließ das Zimmer, durchwühlt von einem Sturm der verschiedensten Gefühle und Gedanken. Auf meinem Zimmer fand ich folgenden Brief: Mein lieber Neffe und Stiefsohn! Obgleich du mich im Zorn verlassen und jeden Verkehr mit S Kölnischer Geschichtskalender. hunderkh 26. Mai. 1877 Durch Kabinettsordre werden der Lese=Gesellschaft zu Köln auf Grund ihres Statuts vom 14. April die Rechte einer juristischen Person verliehen. Die Gesellschaft hat zum Zweck„Förderung der geistigen und sittlichen Bildung, Pflege und Verbreitung nationaler, patriotischer Gesinnung, Bekämpfung reichsfeindlicher Bestrebungen, gesellschaftliche Unterhaltungen.“ 1887 Beginn der Abbruchsarbeiten zur Erbreiterung der Becher1888 Bei den Kanalarbeiten legt man zwischen der Schule von St. Peter und dem Gebäude der Armenverwaltung Teile eines römischen Mosaikbodens bloß. 1894 Offizielle Uebergabe der Schlüssel des neuen Hauptbahnhofs an Minister Thielen durch den Eisenbahnbauinspektor Adams. folgender Bericht:„Gruger, Vizefeldwebel, hat seinen Zug mit Tatkraft und Kaltblütigkeit geführt. Die Gefreiten Lucke und Heumann, die Soldaten Meyer, Koffer und Heintz zeigten vorzügliche Haltung im Feuer. Gefreiter Petzold bewies als Führer eines Außenpostens, der von einem stark überlegenen Feinde angegriffen wurde, im heftigsten Feuer Kaltblütigkeit und Entschlossenheit. Morgenstern hielt sich im Gesecht ausgezeichnet.“ Also lauter deutsche Namen sind in dem Bericht genannt. Es ist wohl anzunehmen, daß noch mehr glänzende Waffenerfolge der Franzosen mit großenteils deutschem Blute erkauft sind. Sicher ist auch wohl, daß die Anerkennung nur den überlebenden deutschen Fremdenlegionären gezollt wird. Man liest nichts davon, daß man auch der gefallenen deutschen Söhne ehrend gedenkt. Unstreitig sind doch in den vielen Gefechten viele deutsche Fremdenlegionäre geblieben. Wieviele mögen es sein, deren Namen niemand nennt! Es sind ja„nur Fremde"! Die braucht man nicht zu nennen, genug, wenn sie ihr Blut gegeben haben! Wieviele deutsche Elternherzen mögen trauern um Söhne, die in Marokko gefallen für die Eroberungsgelüste Frankreichs. Wie sind die Deutschen in die Fremdenlegion hineingekommen? Viele trieb die Abenteuerlust, und sie ließen sich freiwillig anwerben in der Hoffnung auf ein freies, freudenvolles Leben. Viele werden auch von den Werbern für die Fremdenlegion einfach mit Gewalt und List verschleppt. Die, die mit den schönsten Hoffnungen in diese französische Truppe eintraten, sind sämtlich aufs bitterste enttäuscht worden. Das Leben dort ist nichts weniger als frei und freudenreich, es ist hart und barbarisch in jeder Beziehung. Für immer von der Heimat, von Vater und Mutter und Verwandten getrennt, wenn nicht ein glücklicher Zufall die Befreiung bringt, gegen stark 310 aller Fremdenlegionäre einem ruhmlosen Untergang entgegen Es ist schon häufig das Leben in der französischen Fremdenlegion geschildert worden, dennoch sind immer wieder viele deutsche Jünglinge so töricht, den Lockungen der Werber zu folgen. Haben sie sich verkauft, so gibts kein Zurück mehr. So ehrenvoll sich auch die deutschen Fremdenlegionäre geschlagen mir abgebrochen hast, habe ich mir doch genug verwandschaftliches Gefühl für dich bewahrt, um für deine Zukunft zu sorgen. Du bast mir verboten, über das Geheimnis deiner Abstammung zu sprechen, du hast mir sogar gedroht, und ich muß gestehen, daß ich eine Zeitlang so ärgerlich über dein Betragen war, daß ich beschloß, mich gar nicht mehr mit der Angelegenheit zu befassen. Nach und nach aber kam mir zum Bewußtsein, daß deine Droyungen nur leere Worte waren, denn wolltest du deine Drohung wahr machen, dann würde ja gerade der Zweck, jenes Geheimnis nicht der Oeffentlichkeit preiszugeben, vereitelt. Ich dachte auch an deinen Vater, der sein ganzes Leben gestrebt hatte, jene Papiere zu bekommen, die ich dir übergeben habe. Er würde rücksichtslos seine Rechte geltend gemacht und die Ehre seiner Mutter und seine eigene wieder hergestellt haben. Das alles erwog ich bei mir und kam zu dem Schluß, daß man dich auch gegen deinen Willen glücklich machen müsse. Ich wartete nur auf eine passende Gelegenheit, denn ich wollte nicht den Anschein erwecken, daß ich aus eigennützigen Gründen handelte. Mein Vorteil oder Nachteil bleibt dabei ganz aus dem Spiele. Die Gelegenheit fand sich bei dem Begräbnis des jungen Grafen, der Tod desselben enthebt dich jeder Bedenklichkeit, deine Rechte geltend zu machen, denn nun bist du der letzte Erbe des alten Namens. Ich kam zur Beisetzung. Durch den alten Martin, dessen Freundschaft ich mir zu erwerben wußte, erfuhr ich, in welch freundschaftlichem Verhältnis du zu der gräflichen Familie stehst, erfuhr auch, daß deine Großmutter noch lebt und daß du auch mit ihr in Verkehr stehst. Durch den alten Martin wurde mir auch die Zusammenkunft mit der jungen Komtesse ermöglicht. Diese, als letzte ihres Stammes, schien mir die geeignetste Persönlichkeit, ihr diejenigen Mitteilungen zu machen, deren Geheimhaltung du mir aus ganz unbegreiflichen Gründen anbefohlen hattest. Sie nahm die Mitteilungen zuerst sehr ungläubig auf, bis ich ihr unzweifelhafte Beweise der Wahrheit gab. Ihr Erschrecken war gewiß ganz natürlich; aber ich bewunderte ihre Fassung, mit der sie mir erwiderte: wenn sich alles so verhalte, wie ich ihr gesagt, dann solle dir dein Recht werden. Ich habe nun den Grund gelegt, auf den du weiterbauen kannst, wenn du klug bist. Ich fordere keinen Dank von dir und keinen Lohn, ich habe ganz uneigennützig gehandelt. Ich rate dir nur, einen guten Vergleich einem teuren und immerhin ungewissen Prozeß vorzuziehen. Solltest du mich hier aufsuchen wollen, so wäre das vergebliche Seite 2. Kölner Local-Anzeiger Nr. 145&a Dienstag, 26. Mai 1908. haben, so bleibt doch richtig, daß deutsche Söhne zu schade sind, für Frankreich zu bluten und zu sterben. Es ist die heilige Pflicht jedes deutschen Mannes, unsere Jungens unablässig und eindringlich vor der Fremdenlegion zu warnen. Der Landarbeiter=Streik in der italienischen Provinz Parma ist nunmehr in die schärfste Phase eingetreten. Die Ausständigen haben das Streikgebiet eingeschränkt, den Streik in der Provinz Piacenza aufhören lassen und ein Anerbieten der Landarbeiter der Provinz Ferrara, aus Solidarität in den Streik einzutreten, mit der Bitte abgelehnt, lieber weiter zu arbeiten und Geldunterstützung zu senden. Hunderte von Kindern der Streikenden und viele Arbeiter wurden aus der Provinz Parma entfernt und in Mailand, Sampierdarena und anderen Städten untergebracht. Von Montag an wird der Streik in der Provinz Parma verschärft, indem auch die Halbbauern die Arbeit auf den Feldern und in den Ställen verlassen, und indem die öffentlichen Arbeiten, sowie die bei denjenigen Grundbesitzern, die die Forderungen der Knechte bewilligt hatten, eingestellt werden. Kronprinzenpaar in Köln. Das Festmahl im Gürzenich. Kunstgeübte Hände, die dem städtischen Hochbauamt und der Gartenverwaltung in genügender Zahl zur Verfügung stehen, hatten dem Gürzenich gediegenen und wirkungsvollen Schmuck gegeben. Die Treppen waren mit bunten Teppichen belegt, die Fluren mit Lorbeerbäumen und Kränzen in stilvoller Verschlingung geschmückt. Die Kunst des Architekten und des Gärtners hatten gewetteifert, dem großen Gürzenichsaale einen Schmuck zu geben, der seine Schönheiten noch mehr hervorhob. Vor der Stirnseite des Saales prangte das große Stadtbanner und davor breitete sich ein reizendes Zierbeet aus Palmen, Azaleen und anderen Blumen aus. Vor dem Palmenbeet hatte die Ehrentafel Aufstellung gefunden. Die vornehmsten Stücke des Kölner Ratssilbers und Orchideen in den zartesten Farben schmücken die Tafel. In vier langen Reihen sind die übrigen Tische aufgestellt. Ein gotischer Säulenumbau, vor dem sich unter Zierpflanzen und Blumen die Kaiserbüste erhebt, schließt die Rückseite des Saales vorteilhaft ab. Einen besonderen Schmuck durch freihängende vergoldete Körbe mit reichem Rosenflor haben die Lichterkronen des Saales erhalten, um ihnen den Eindruck des Provisorischen in etwa zu nehmen. Sie sind gewiß nicht einwandfrei, eben nur als vorübergehender Ersatz der großen Kronleuchter zu betrachten, die bis vor wenigen Jahren eine Hauptzierde des Raumes bildeten. Die Abgängigkeit des Materials(Zinkguß) und der alten Gasleitung, insbesondere die gefahrvolle Aufhängevorrichtung waren zwingende Gründe zur Beseitigung der Kronleuchter. Ihr Ersatz durch stilgerechte, den neuzeitlichen Anforderungen der elektrischen Installation entsprechende Beleuchtungskörper wird nicht zu umgehen sein, wenn dieselbe auch beträchtliche Kosten verursachen dürfte, erforderten doch die alten Kronleuchter und Wandarme beim Umbau des Gürzenichs(1857) den Betrag von 42000 M. Um 7¼ Uhr erschien das Kronprinzenpaar im Gürzenich, der Kronprinz in der Galauniform der Kürassiere, die Kronprinzessin in einem weiß=blauen Seidenkostüm mit Courschleppe. Im Isabellensaale fand zunächst Vorstellung statt und dann begaben sich die hohen Herrschaften zur Tafel. An der Ehrentafel nahmen Platz der Kronprinz, die Kronprinzessin, Prinzessin Adolf zu Schaumburg=Lippe, Prinz Oskar von Preußen, Prinz Adolf zu Schaumburg=Lippe, Erbprinz Adolf zu Schaumburg=Lippe, Kardinal Dr. Fischer, Freifrau v. Schorlemer, Oberbürgermeister Wallraf, Oberpräsident v. Schorlemer, Hofmarschall v. Trotha, Freifrau v. Tiele=Winckler, Oberlandstallmeister Graf v. Lehndorff, General v. Plötz, General und Gouverneur v. Sperling, Weihbischof Dr. Müller, Regierungspräsident Dr. Steinmeister, Generalleutnant Gallwitz, Reichsund Landtagsabgeordneter Trimborn, Hofdame Fräulein v. Trotha, Generalmajor Liman, Stadtverordneter, Sanitätsrat Dr. Joesten, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Erdmann(Bonn), Oberbürgermeister Spiritus, Hofdame Fräulein v. Blücher, Geheimer Kommerzienrat Heidemann, Stadtverordneter, Geheimer Kommerzienrat Michels, Stadtverordneter Thönissen, Beigeordneter Farwick, Landeshauptmann, Regierungspräsident a. D. Dr. v. Renvers, Frau Oberbürgermeister Wallraf, Stadtverordneter Kyll, Stadtverordneter, Geheimer Kommerzienrat vom Rath, Generalleutnant Lauter, Geheimer Kommerzienrat Andreae, Generalmajor v. Henning auf Schönhoff, Stadtverordneter, Kommerzienrat Schmalbein. Nach dem zweiten Gang brachte Hr. Oberbürgermeister raf den Trinkspruch auf das hohe Paar mit folgenden Worten aus: Eueren Kaiserlichen Hoheiten entbietet die Stadt Köln durch meinen Mund ein ehrerbietigstes Willkommen! Der Freude, die heute in allen Herzen loht, die Eueren Kaiser lichen Hoheiten entgegenlacht aus jungen und alten Augen, der Freude, die sich hervordrängt in Böllerdonner und Bannerwehen, ihr darf ich hier an denkwürdiger Stätte getreuer Verkünder sein. An denkwürdiger Stätte! Klingt und singt es doch in diesem Saale von alter und neuer Kaiserpracht und vaterlandsfrohem Bürgersinn. Kaiser Friedrich III. aus Habsburgs Stamm und sein Sohn Maximilian haben zuerst diesen Saal geweiht. Von hier zog Maximilian mit reisiger Kölner Schar zur Brautfahrt aus nach Brabant, um in der Ehe mit Maria von Burgund wohl den schönsten fürstlichen Liebesbund des Mittelalters zu schließen. Hier hielt Kaiser Maximilian den großen Reichstag ab, und den Fackeltanz vor dem Kaiser eröffnete der junge Herzog Albrecht von Mecklenburg, der durch seine Heirat mit einer Tochter des Kurfürsten Joachim von Brandenburg der Stammvater des erlauchten Geschlechtes unserer Frau Kronprinzessin geworden ist. Und eine lange Reihe gekrönter und fürstlicher Gäste ist dann im Laufe der Jahrhunderte hier gefolgt, vor allem auch der große kaiserliche Neubegründer des Reiches, die Heldengestalt seines ritterlichen Sohnes und mit der allgeliebten Landesmutter unseres jetzigen Kaiserlichen Herrn in Kraft und Hoheit regierende Majestät. Und in diesem Saale, von stolzen Erinnerungen durchweht, grüßt froh der heutige Tag die Zukunft und Hoffnung des Reiches. Euere Kaiserliche Hoheit der Kronprinz sind uns ja längst kein Fremder mehr. Als Jünger der Rheinischen Almamater in froher Studentenzeit, als Vertreter Sr. Majestät an der Seite des nun in Gott rühenden Großherzogs von Baden und seiner hohen Genahlin haben Euere Kaiserliche Hoheit hier geweilt, und die Liebe der Kölner Bürgerschaft ward Ihr Geleit, vor allem auch an den Tagen, da Euere Kaiserliche Hoheit eine Prinzessin aus kerndeutschem Stamme heimgeführt und Gott diesen Bund mit zwei hoffnungsvollen Prinzen gesegnet hat. Und wir wissen, welches Glück Euerer Kaiserlichen Hoheit in diesem Bunde zu eigen ward. Denn selbst hohe Anmut und seltener Liebreiz üben nur solche Allgewalt, wenn sie ausstrahlen aus einem Herzen, das mitfühlender Menschenliebe weit sich erschlossen hat. Möge Gottes Segen auch fürder auf Euerer Kaiserlichen Hoheiten jungem Familienglücke ruhen, moge dieses Glück werden zur nimmer dorrenden Wurzel der Kraft in allen Pflichten, die Euere Kaiserlichen Hoheiten dereinst zu tragen berufen Wie des Rheines grünes Gewell, das unserer Stadt uralte Zinnen grüßt, kommen und gehen die Generationen. Aber auf Felgebaut, hochragend und ewig wie unser Dom, steht in kölnischem Herzen die Treue zu Kaiser und Reich begründet. Dem Erben der Kaiserkrone und Seiner Erlauchten Gemahlin gilt der heutige Und was unsere Herzen fühlen, des sollen die Lippen begeisterte Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten, der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen, sie leben hoch, hoch und zum dritten Male hoch! Der Kronprinz erhob sich gleich nach den Worten des Oberbürgermeisters zu einer längeren Rede, die bei der schlechten Akustik des Saales nicht auf allen Plätzen verstanden werden konnte. Er erklärte, daß der heutige Tag mächtig die Erinnerungen in ihm wachrufe an die schönen Jahre, die er als Student in der herrlichen Rheinprovinz glücklich und sorglos verleben durfte. Mit dem Gedanken daran kehre auch die Erinnerung lebhaft zurück an all die Freundlichkeit, die Liebe und Freundschaft, die ihm hier in Köln, in Bonn und Düsseldorf und sonst am herrlichen Rheinstrom zuteil geworden. Er sei überzeugt, daß die Gefühle, die ihn an diesem Tage beseelen, auch von seiner geliebten Frau geteilt würden. Dieses gilt besonders mit Bezug auf die Stadt Köln. Einen besonders tiefen Eindruck habe auf ihn der Dom gemacht, in dem er heute eine so schöne Stunde habe verbringen dürfen. Er hoffe, daß es nicht das letzte Mal gewesen sein werde, wo er und seine Frau in dem schönen Köln sein durften. Der Kronprinz schlon: Alles, was mir an Dankbarkeit in dieser Stunde durch mein Herz geht, lassen Sie mich in den Ruf zusammenfassen: Die Stadt Köln, ihre Bürger und ihr verehrter Oberbürgermeister hurra, hurra, hurra! Gegen 8½ Uhr wurde die Tafel aufgehoben und das Thronfolger paar begab sich, wiederum herzlich begrüßt von einer zahlreichen Menschenmenge, die trotz des fortwährend herniederrieselnden Regens die Straßen besetzt hielt, zunächst zum v. Guilleaume'schen Hause und dann zur Abnahme der Flottenparade und zur Besichtigung der Illumination und des Feuerwerks. Die Beleuchtung von Stadt und Rhein. Der Regen hat gegen Abend mit erneuter Stärke eingesetzt. Am Rheine und in den anstoßenden Straßen drängen sich die Menschenmassen, die zur Besichtigung der Schiffsparade, der Beleuchtung des Domes, des Rathausturmes und des gesamten Rheinpanoramas zusammengeströmt sind. Ob sie auf ihre Kosten kommen werden? Soweit Beleuchtung durch elektrische Flammen in Betracht kommt, wird ja der leidige Regen keinen allzugroßen Schaden ausüben können. Auch die Beleuchtung des Domes wird vermutlich ungestört vor sich gehen können. Aber das große Feuerwerk, das seitens der Stadt geplant ist? Es ist aufs höchste gefährdet. Das Publikum, das am Ufer sich drängt, beschäftigt sich immer wieder mit der Frage: Was mag es mit der Illumination geben? An einzelnen Häusern und Schaufenstern der anstoßenden Straßen flammen schon die ersten Lichter auf, tiefer senkt sich der Abend. Ein Maiabend auf dem Rhein! Mit dem Wort verbinden sich angenehme Vorstellungen von milden Lüften, freundlichem Kosen der Wellen, lieblichem Mondenschein, rheinischem Sang und rheinischer Lust! So mag es auch dem Kronprinzen aus seiner Bonner Studentenzeit noch in Erinnerung sein, so mag er sich den heutigen Abend, als er die Einzelheiten seiner Rheinreise festsetzte, gedacht haben! Die Wirklichkeit sieht heute leider nüchterner aus (Fortsetzung siehe Seite.) Mühe. Wenn du meinen Brief erhältst, bin ich schon abgereist. In meiner Wohnung in der Stadt bin ich jedoch für dich jederzeit zu sprechen. Dein dir stets wohlgesinnter Onkel und Stiefvater. Dieser heuchlerische Brief setzte mich in höchste Erregung. Ich erkannte in ihm den ganzen intriganten Charakter meines liebenswürdigen Oheims wieder und sehnte mich förmlich danach, ihn zur Rechenschaft ziehen zu können. Aber wie sollte ich diesem schlauen Fuchs beikommen? Er hatte ganz recht, wollte ich das Geheimnis bewahren, so durfte ich auch seine Gaunerei nicht an die Oeffentlichkeit ziehen. Auf andere Weise, wie es unter Ehrenmännern Sitte ist, von ihm Rechenschaft zu fordern, würde bei seinem Charakter vergeblich gewesen sein; ihn zu behandeln aber, wie er es verdiente, dazu hielt ich mich für zu gut; zu Tätlichkeiten wollte ich mich nicht hinreißen lassen. So mußte man ihn denn seinem Schicksal überlassen, hoffend, daß dieses ihm schon die gebührende Strafe für all seine Gaunereien zusenden würde. Es war ja jetzt auch einerlei, was aus ihm wurde. Jetzt galt es, einen Ausweg aus all den Wirrnissen zu finden, in welche seine Indiskretion uns alle gestürzt hatte. Den ganzen Tag über sann und grübelte ich darüber nach, ohne einen Ausweg zu finden. Von der gräflichen Familie sah ich niemanden. Auch die Gräfin=Witwe ließ sich nicht sehen, obgleich ich sehr wünschte, mit ihr zu sprechen und ihr, meiner mütterlichen Freundin, mein Herz auszuschütten. So kam der Abend heran, ein dunkler, regnerischer Spätsommerabend. Ruhelos ging ich auf meinem Zimmer auf und ab. Der Wind brauste um den alten Turm und wühlte in den regennassen Wipfeln der Bäume draußen im Park, während ab und zu ein Regenschauer gegen die Feuster prasselte. Wenn ich dem Grafen nicht versprochen hätte, seine Nachrichten abzuwarten, so wäre ich sicherlich noch am gleichen Tage abgereist; was sollte ich noch hier, wo alle meine Hoffnungen vernichtet waren? zu schmerzlichem Sinnen gedachte ich der schönen Tage im vorigen Sommer, wo mir die Welt noch in voller Blüte zu stehen schien. Ich dachte an Amalgunde, die mir damals in Unterzeichneter eröffnet am 27. Mai im Hause Sternengasse 22 ein Geschäft in Süssrahm-Tafelbutter, Landeiern und Geflügel und ist mir eine Niederlage von dem königlichen MolkereiProdukten-Vertrieb übertragen worden. Ich halte mein Geschäft bei Zusicherung reeller und prompter täglicher Hausbedienung bestens empfohlen. Herm. Schücker. Im wunderschönen Monat Mai ist die günstigste Zeit für den Hausputz, und die meisten Hausfrauen sind auch jetzt dabei, alles, was überhaupt gereinigt werden nann, vorzunehmen. Wie viel schneller und leichter würde manche Frau aber mit der Arbeit fertig sein, wenn sie die gute Wirkung von Luhns Salmiak=Terpentin=Kernseife schon erprobt hätte. Wer Luhns SalmiakTerpentin=Kernseife einmal gebraucht hat, läßt sie nicht wieder aus dem Haushalt, weil man aus ihr eine billige, sparsame und milde Abseiflauge macht, wie sie jede tüchtige Hausfrau gerne hat. Deshalb ist auch jetzt in jedem besseren Geschäft echte Luhns zu haben. Schnell hergestellt und bekömmlich sind Milch-Flammeries für Kinder, Puddings usw. wenn man bei der Zubereitung harmloser Freundschaft entgegengekommen war, die, wie ich wohl fühlte, sich allmählich in ein wärmeres Gefühl verwandelt hatte. Ich gedachte der Abschiedsstunde an dem Grabe meines Vaters, wo wir beide in unserem Herzen gelesen, wo wir Abschied nahmen mit dem beglückenden Bewußtsein gegenseitiger Liebe. Ich dachte an unser Wiedersehen, als schon der Tod am Lager des armen Lothar stand; ich dachte an ihre Tränen, und auch an das sanfte, freudige Lächeln und den innigen Druck ihrer Hand, womit sie mich begrüßte. Ich dachte an all die schönen, stillen, von den innigsten Gefühlen erfüllten Stunden, die ich an ihrer Seite hatte verleben dürfen; ich dachte an die traurigen, von Todesschatten umflorten Tage der letzten Wochen, an die Schmerzen, an die Tränen der letzten Tage, die wir gemeinsam verlebt— ich dachte an all das— an unsere Liebe, an unsere gemeinsame Trauer, an unseren gemeinsamen Schmerz— und die Tränen perlten mir brennend heiß über die Wangen. Alles war jetzt vorüber. Ihre Liebe, ihr Vertrauen, ihre Freundschaft! Ich hatte keinen Teil mehr an ihrem Leben, da ich ihr Vertrauen verloren. Ich war ein Fremder für sie geworden, der sogar die Hand nach ihrem Namen, nach ihrem Gut ausstreckte, der dem toten Bruder im Grabe noch seine Ehre, seinen Namen rauben wollte. Selbst wenn es einen Ausweg aus diesem Labyrinth gab, selbst wenn ich auf alles verzichtete und die Vergangenheit ein Geheimnis bleiben sollte, gingen unsere Lebenswege auseinander. Die Vergangenheit stand wie ein Gespenst zwischen uns, das immer in jenen Augenblicken sein grinsendes Haupt erheben würde, wenn sich unsere Herzen einander wieder nähern wollten. Die Vergangenheit war die gespenstische, weiße Frau, die unglückverkündend ihre Hände über unser Leben ausbreitete. Da gab es keine Versöhnung! Die Vergangenheit war nicht auszuloschen, die weiße Frau fand keine Ruhe, keinen Frieden— der Fluch der alten Schuld lastete auf uns allen und erdrückte unser Glück. * In solchen düsteren Grübeleien versunken, hatte ich nicht bemerkt, daß die Gräfin=Witwe durch die Türe, welche in die gebraucht. Rezepte für schmackhafte Speisen befinden sich auf den bekannten gelben Paketen. Bibliothek führte, eingetreten war. Als sie mich anredete, fuhr ich erschreckt empor. „Frau Gräfin— Sie hier?" „Ich bin gekommen, um Ihnen in Ihrem Kummer zur Seite zu stehen,“ sprach sie mit sanfter Stimme. „Wie sehnte ich mich danach, Ihnen mein Herz auszuschütten, aber ich glaubte, auch Sie hätten mich verworfen.“ Wie können Sie daran denken? Weiß ich nicht alles? Kenne ich nicht alle Ihre Gedanken? Sind Sie nicht mein lieber Sohn geworden?“ „O meine Mutter....“ „Ja, nenne mich so... aver wenn du mein Sohn willst, dann hättest du mir voll vertrauen sollen! Weshalb hast du mir nichts von deiner Liebe zu Amalgunden gesagt?“ „Wie konnte ich? Würde es nicht wie Eigennutz und Selbstsucht geklungen haben, ja, wie eine dunkle Drohung?“ Die Gräfin lächelte.„Die Dichter haben recht, wenn sie den Verliebten die klare Ueberlegung absprechen,“ entgegnete sie. Wie hätte alles ganz anders kommen können! Aber jetzt komm, die arme Edith verlangt nach dir. Laß uns zu ihr gehen.“ Ich folgte ihr durch das Archiv in das alte Schloß und in die Wohnung meiner Großmutter. Im Vorzimmer trat uns die Pflegerin entgegen. „Was macht unsere Kranke?“ fragte die Gräfin. „Sie hatte einen sehr unruhigen, bösen Tag,“ entgegnete die Pflegerin.„Erst seitdem Komtesse Amalgunde bei ihr ist, ist sie ruhiger geworden, und jetzt ist sie entschlummert.“ Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen. „Amalgunde ist bei ihr?“ fragte ich erstaunt. „Ja,“ entgegnete die Gräfin mit leichtem Lächeln,„ich hab' sie selbst zu Edith geführt. Und nun tritt ein.“ Sie öffnete die Tür, uno ein lieblicher Anblick bot sich mir dar. Das Zimmer war durch eine Ampel sanft erleuchtet. Auf einem Ruhebett lag Edith, von leichten Decken umhüllt, in sanftem Schlummer. Neben ihr saß Amalgunde auf einem niedrigen Tabouret und hielt die Hand der Schlafenden in ihren beiden Händen. (Fortsetzung folgt.) * Seite 3 iner Lscal-Auzeiger Nr. 145* Dienstag, 26. Mai 1903. Feinheit des damit erzielten Wohlgeschmacks, Ausgiedigkeit, weil größte Würzekraft und deshalb Billigkeit. Probefläschchen 10 Pfg. Man lasse MAGGIs Würze nur in MAGGls Originalstäschchen nachfüllen, weil in diese gesetzlich nichts anderes als echte MAGGI=Würze gefüllt werden darf. Maggls gute, sparsame Küche“. Für die Neu= und Umbauten der Krankenanstalt Lindenburg (Infektionsabteilung) sind die Anstreicherarbeiten zu vergeben. Nähere Auskunft wird während der Geschäftsstunden—12 und 3—6½ Uhr auf dem Baubureau Cöln=Lindenthal Gleuelerstraße 88(neues Pförtnerhaus) erteilt. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Samstag den 30. Mai d. Is., vormitlags 11 Uhr, an das Hochbauamt, Krebsgasse, Zimmer 10, einzureichen. Cöln, den 19. Mai 1908. Hochbauamt. * K l e e f i s c h. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Cöln belegene, im Grundbuche von Kriel, Band 39, Blatt 1551, auf den Namen des Gesellschaftsdirektors Gottfried, des Gesellschaftsdirektors Gottfried, genannt Fritz Zimmermann in Cöln, Mozartstraße 27, eingetragene Grundstück: Flur 63, Parzelle 6102/62 usw., Sülzburgstraße, Acker, groß 6 Ar 83 Quadratmeter, Grundsteuerreinertrag 1 47/100 Taler, am 5. Juni 1908, vormittags 9¾ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Appellhofplatz, Zimmer Nr. 4, versteigert werden. Königliches Amtsgericht, Cöln, Abt. 39. Ecke Joachimstr. am Königs-Denkmal. Gegründet 1872. Fernsprecher 1452 Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Cöln belegene, im Grundbuche von Cöln=Altstadt, Band 24, Blatt 936, auf den Namen der Eheleute Anstreicher Heinrich Joseph Oster und Gertrud, geb. Coßmann zu Cöln, eintragene Grundstück: Flur 3, Parzelle 587/165, Spulmannsgasse 22, Hofraum, a. Wohnhaus mit Anbau und Hofraum, b. Hinterbau(links), c. Hinterbau gerade aus, groß 2 Ar 19 Quadratmeter, Nutzungswert zu a. 420 Mark, zu b. 240 Mark, zu c. 750 Mark, am 5. Juni 1908, vormittags 10½ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Appellhosplatz,— Zimmer Nr. 4, versteigert werden. Königliches Amtsgericht Cöln. Abt. 39. Für den Neubau der Volksschule am Manderscheiderplatz Die Lieferung der im GymnaS' sium an Marzellen, im Friedrich Wilhelm=Gymnasium, im Gymnasium an der Apostelnkirche, im Kaiser Wilhelm=Gymnasium und in unserem Verwaltungsgebäude Gereonshof 6 hierselbst bis 15. Mai 1909 erforderlichen Brennmaterialien — Kohlen. Briketts, Brandholz, Feueranzünder— soll im Wege der öffentlichen Ausbietung verdungen werden. Lieferungslustige werden eingeladen, ihre versiegelten Anerbieten mit der Ausschrift„Kohlenlieferung“ uns bis spätestens den 10. Juni 1908 zukommen zu lassen. Um welche Arten und Mengen von Feuerungsmaterialien es sich handelt und unter welchen Bedingungen die Lieferungen zu erfolgen haben, kann auf Zimmer Nr. 2 des 2. Stockwerkes unseres vorbezeichneten Verwaltungsgebäudes eingesehen werden.„ Verwaltungsrat der Gymnasial= und Stiftungsfonds. Annahme von Spareinlagen und Giro-Geldern. Verzinsung bis zu 4% Eröffnung von laufend. Rechnungen. An- und Verkauf von Wertpapieren Diskontierung von Wechseln zu coulanten Bedingungen. Prima Seit mehr als einem Jahrzehnt die führende Marke. Allerbeste Qualität. * Längste Haltbarkeit.— Centrum Troy des billigen Preises als wirklich zuverlässiger Reifen jedem Radfahrer zu 4 empfehlen. Unsere Die Ausführung von 382 laufenden Meter Rohrkanal in Cöln=Ehrenfeld soll öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen und Zeichnungen liegen während der Dienststunden auf dem Tiefbauamt, Rathausplatz 5, zur Einsicht aus. 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Bestellungen nehmen alle Vertreter und alle Trägerinnen entgegen. (Fortsetzung von Seite.) Einem weiteren Berichte über die Schiffsparade entnehmen wir folgendes: Ein großartiges Schauspiel war es, mit dem gestern der Besuch des Kronprinzenpaares abschloß. Der Regen hielt zwar den ganzen Abend an, aber der Kunst der Pyrotechniker gelang es doch, sich siegreich durchzusetzen gegenüber allen Hindernissen. So gestaltete sich die Schiffsparade mit Beleuchtung und Feuerwerk zu einem Schauspiel, das allen, die es erlebten, lange im Gedächtnis Das Boot Kaiserin Friedrich legte am Landstoß der Schiffsbrücke an, um die Gäste aufzunehmen. Zarter Blumenschmuck zierte das Deck, dazwischen waren kleine blaue Glasbirnen geflochten, die ein sanftes Licht ausströmten, gerade soviel, um die Gegenstände erkennen zu lassen. Ein kleiner Salon, vom gleichen mattblauen Lichte, wie in träumerische Dämmerung gehüllt, mit zartblauen Polstermöbeln ausgestattet, war auf dem Hinterdeck für die hohen Herrschaften eingerichtet. Jetzt war das Königsdenkmal in die Purpurglut bengalischen Lichtes getaucht und kurz darauf erschienen Prinz Oskar, Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg=Lippe mit dem Erbprinzen. Endlich kommt die Kronprinzessin in heller Toilette, empfangen vom Oberbürgermeister Wallraf, der sie vom Wagen zum Schiff begleitet. Es regnet in Strömen, und der Oberbürgermeister ist bemüht, mit einem Schirm die rasch vorwärtsschreitende Kronprinzessin einigermaßen zu schützen. Dann kommt auch der Kronprinz in der Kürassieruniform mit Mütze. Vom Kopf des Industriehafens ertönen Böllerschüsse, das Zeichen zur Abfahrt des Festschiffes. Nun bietet sich ein Ueberblick über die Gesamtbeleuchtung, die immer reicher und glänzender sich entwickelt. Am Eingang zum Landstoß der Schiffbrücke erheben sich zwei Torpfeiler; aus elektrischen Flammen sind daran die Initialen C und W gebildet; gekrönt sind sie von je einer Leuchtpfanne, in der eine mächtige Gasflamme emporloht. Von da schlingen sich Lichtgirlanden stromabwärts bis dahin, wo das Schiff gelegen. Die kleinen Häuschen Vor St. Martin, die das Rheinpanorama Kölns so charakteristisch gestalten, sind illuminiert. Glühende Linien laufen die Schauseiten entlang, sie bringen Bewegung und Leben in die dunklen Häuserreihen. Eine lange, ruhige Lichtlinie läßt die lange Flucht des Stapelhauses erkennen. Rheinaufwärts zieht die dunkelrote Beleuchtung des Hauses der Firma Vrancken, auf dessen Dach überdies die blutroten Flammen emporlodern, die Aufmerksamkeit auf sich. Auf Deutzer Seite taucht der Bahnhof aus dem Häusermeer empor, von einer üppigen Lichtgirlande bezeichnet. Am Deutzer Industriehafen sieht man eine gewaltige Krone aus elektrischen Flammen, von ebensolchen Girlanden umgeben. Das Schiff fährt zu Berg. Um den Malakoffturm loht grünes Licht und hebt seine Formen scharf hervor; das Hafenamt ist in rote Glut gehüllt, ebenso der Bayenturm; den ganzen Zollhafen entlang laufen rote Lichterketten. Die Ufer sind dicht besetzt mit Menschen, deren Hochrufe über den Strom schallen; auf den Schiffen, die das Boot Kaiserin Friedrich umkreisen, stimmt man in den Jubel ein. Dazwischen hört man Musikklänge. Jetzt tritt die Handelshochschule aus dem Dunkel hervor, noch leicht beschattet von dem gewaltigen Silo des Hafens. In der Ferne steigt elegant und zierlich der Bayenthaler Kirchtum auf, scharf umrissen und in zartrote Glut getaucht. Das Schiff gleitet durch den Gerüstwald des Neubaues der Südbrücke. Ein neues Bild entrollt sich, wo die Bismarcksäule emporragt, aus der mächtigen Leuchtpfanne schlägt eine gewaltige Lohe empor, und die Gestalt des ehernen Kanzlers in der eigentümlichen Auffassung, die ihr der Schöpfer der Säule gegeben, hebt sich, umspielt vom Scheine bengalischen Feuers, markant hervor. Das burgartige Haus des Herrn Stollwerck auf der einen, die stattliche Villengruppe auf der anderen Seite des Denkmals gibt dem eigenartigen Bilde den geschlossenen Rahmen. An den beleuchteten Bootshäusern der Rudergesellschaften und im Lichterglanz strahlenden Villen vorvei zieht der Blick— von der Höhe grüßen die Lichter der Marienburg nieder— bis Rodenkirchen. Wie eine einzige wuchtige Burg hebt sich dort am Rhein eine Gruppe Villen vom Ufer ab, dank einer ehr geschickten, gute Wirkung erzielenden Beleuchtung. Nun wendet das Schiff. An der Deutzer Seite nehmen die in arade liegenden Schiffe die Aufmerksamkeit in Anspruch. Es mistert und knattert, kracht und donnert, wenn von den einzelnen Schiffskörpern die Raketen zum nächtlichen Himmel emporzischen nd buntfarbige Leuchtkugeln auffliegen oder mächtige Feuergarben sochsteigen. Fast ermüdet das Auge über all den Wundern der Feuerkunst. luf dem Oberdeck bricht unter dem Zeltdach her auf allen Seiten er Regen herein. Wer die gebotenen Lichtaffekte erhaschen will, irf aber vor dem naßkalten Regen nicht zurückscheuen. Angenehmer reilich ist der Aufenthalt im Decksalon, wo die hohen Herrschaften #erweilen. Der Kronprinz und die übrigen Prinzen ewegen sich frei unter den Gästen, die Kronprinzessin hat ihrer Begleitung hinter einem Fenster Platz genommen, von to aus sie dem gesamten Schauspiel gut folgen kann. Ober#rgermeister Wallraf macht sie auf die Einzelheiten und die etlichen Punkte aufmerksam, die in der Illumination besonders hervortreten. Das anmutige Wesen der Kronprinzessin, ihre unJezwungene Haltung, ihre Frische und Natürlichkeit lassen einen ungenehmen Eindruck ihrer Persönlichkeit zurück. Von Deutz herüber winken jetzt die beiden schlanken romanischen Türme der Heribertuskirche, und kaum sind sie im Dunkel verschwunden, steigen die Formen der alten Garnisonkirche empor. Auf der linken Seite liegt jetzt das ganze Rheinpanorama lichtumflutet vor den Augen der Fahrgäste der Kaiserin Friedrich. Plötzlich flammt es am Dom auf; wie wenn eine gewaltige Jeuersbrunst in seinen Türmen rase, loht es auf, steigt höher an den Helmen und hüllt auch noch die Spitzen in glühende Pracht! Jede Linie ist am imposanten Bau erkenntlich, jeder Gedanke, dem der geniale Baumeister durch die vollendeten Formen Ausdruck verlieh, lebt in diesem warmen Glanz auf, die wunderbare Harmonie des Baues ergreift, und staunend haftet das Auge an dem zauberischen Bild! Es überwältigt den Beschauer das stolze Bewußtsein, daß dieser Wunderbau das Werk der Menschenhand ist, zwar fußend auf dem Erdengrund, aber hineinragend in die Weiten des Himmels! Immer noch fesselt der wunderbare Anblick, während das Schiff schnell zu Tal gleitet, und es will fast scheinen, als sollen die folgenden Bilder erblassen vor diesem einen gewaltigen! Die zur Rechten liegenden Schiffe lenken aber durch unermüdliches Emporschleudern prächtiger Feuerwerkskörper die Aufmerksamkeit ab. Am linken Ufer strahlt ein Lichtermeer, das sich immer klarer und schärfer entwickelt, und aus dem zuletzt die lichtumsäumten Umrisse von Villa Türmchen hervortreten. Wie ein Wunderschloß aus dem Märchenreich von Tausend und eine Nacht erhebt sich das Gebäude, scharf umrissen, jede Linie von einer Lichterreihe bezeichnet, aus der Hauptmasse des Gebäudes heben sich die lichten Erker und Balkone ab, und in die Höhe ragt, in seinen Umrissen auch vom strahlenden Licht gezeichnet, der Turm. Inzwischen ist das Schiff auf der Bergfahrt wieder in die Höhe des Stapelhauses gekommen. Von einem Schiff auf der Deutzer Seite zeigt sich ein packendes, teilweise rotierendes Feuerwerk, es verbreitet mächtige Helle über den Strom und wie der Feuerzauber langsam erlischt, dünkt manchem das Ende all der Herrlichkeiten gekommen. Da wallt es auf der festen Brücke nochmal auf, fast in ihrer ganzen Länge steigt ein Leuchten auf, und schon fällt es in glänzenden glühenden Wogen nieder in den Rhein. Feurige Caskaden rauschen nieder, goldener Gischt spritzt auf, und ein gewaltiger, fast die ganze Rheinbreite einnehmender Wasserfall, der statt des nassen das glühende Element enthält, stürzt nieder. Es wird das letzte Mal sein, daß die dem Abbruch verfallene alte Rheinbrücke der Schauplatz derartiger Pracht ist. Von dem letzten Turm, der heute noch von dem Bauwerk steht, wird ein Feuerwerk in die Luft geschleudert, dessen buntes Farbenspiel den Abschluß des eigenartigen Schauspiels bildet. Das Boot Kaiserin Friedrich legt wieder an, die ersten, die aussteigen, sind der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Oskar und die Schaumburgschen Herrschaften. Ein Zug der Rheinuferbahn steht bereit und entführt sie alsbald aus dem wogenden Gedränge der ungeheueren Menschenmenge, die sich an den Ufern Noch liegt der Feuerschein über Stadt und Strom, nur allmählich erlöscht Licht um Licht, bis sich endlich die Nacht über den Strom breitet und die Menschenmassen sich verlaufen. Bonn entgegen eilt durch die stille Nacht der hellbeleuchtete Zug der Rheinuferbahn mit den kronprinzlichen Herrschaften. Der Kronprinz und der Kölner Reichstagsabgeordnete. Im Rathaus wurde gestern auch der Abg. Justizrat Trimborn in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter für Köln dem Kronprinzen vorgestellt. Der Kronprinz bemerkte zu dem Hrn. Abgeordneten, daß seine Frl. Tochter ihm beim Empfang ein Bukett mit überreicht habe; das sei sehr liebenswürdig. Hr. Justizrat Trimborn hatte die Bemerkung offenbar nicht gehört, und da er in seiner Eigenschaft als Abgeordneter vorgestellt war und glaubte, der Kronprinz habe eine diesbezügliche Bemerkung gemacht, antwortete er:„Stadtverordneter in Köln zu sein ist viel gemütlicher als Reichstagsabgeordneter in Berlin, Kaiserliche Hoheit!" Das kleine Mißverständnis löste allgemeine Heiterkeit aus; der Kronprinz besonders lachte herzlich mit und unterhielt sich dann mit Hrn. Trimborn längere Zeit über die letzten Sessionen des Landund Reichstags. Vor dem Westportal des Domes wurden gestern nach Eintreffen des Kronprinzenpaares auf Wunsch des Kronprinzen die beiden Vorsitzenden des Kreiskriegerverbandes Hauptmann a. D. Derichs weiler und Hauptmann d. R. Nagelschmied, sowie die beiden Vorsitzenden des Deutschen Kriegervereins Kaiser Friedrich, dessen Protektor der Kronprinz ist, nämlich Oberleutnant d. R. C. Menzen und Lehrer Jos. Schmitz, empfangen und vorgestellt. Der Kronprinz reichte jedem der Herren die Hand und hatte für jeden derselben freundliche Worte. Er bedauerte namentlich das nasse Wetter und äußerte wiederholt seinen herzlichen Dank für den schönen Smpfang— Neues aus Köln. * Zoologischer Garten. Das Nachmittagskonzert am Sonntagnachmittag wurde eingeleitet mit einem neuen vom Oberpostassistenten F. Krekeler(Köln) komponierten und dem Großherzog von Baden gewidmeten Marsch, dessen Vorzüge schwungvolle Melodien, Rhytmus und Schneid sind. Auch dem verstorbenen Großherzog hat Hr. Krekeler einen Marsch gewidmet. Sehr gut machte sich die für Posaune arrangierte Ballade die beiden Grenadiere von Schumann. Die Hauptnummer des Konzertes war die große Fantasie aus dem Musikdrama Die Walküre von R. Wagner. Der Walkürenrritt, mit dem die Fantasie begann, wäre, etwas breiter gespielt, wirkungsvoller gewesen. Alle Stücke wurden von der 16er Kapelle unter Leitung des Kgl. Musikdirektors W. Beez meisterhaft vorgetragen und mit Beifall ausgenommen. ∆ Leichenfund. Gestern nachmittag wurde an einer Gartenhecke in der Mevissenstraße die Leiche eines neugeborenen Kindes weiblichen Geschlechts, welche in ein schwarzes Tuch eingewickelt war, gefunden. ( Geschäftsverkehr. In den Bäckereibetrieben und in solchen Konditoreien, in denen neben Konditorwaaren auch Bäckerwaaren hergestellt werden, ist am 27. Mai(Vorabend vom Christi Himmelfahrtstag) Ueberarbeit gestattet.— Da der Feiertag Christi Himmelfahrt ein gesetzlicher Feiertag ist, unterliegt an diesem Tage der Verkehr in den offenen Verkaufsstellen den gesetztichen Bestimmungen wie an den gewöhnlichen Sonntagen. Der Verkauf der Genußartikel von Tabak und Zigarren Blumen und Kränzen, ist also infolge des abgeänderten Ortsstatuts vom 23. Dezember 1907 von 7 bis 9 Uhr morgens und von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, für Milch bis 4 Uhr nachmittags, für alle übrigen Artikel nur von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr gestattet.„ Unsitte. Gestern abend hängten sich auf der Bonnerstraße zwei 10—12 Jahre alte Knaben an ein Geschäftsfuhrwerk und ließen sich nachschleifen. Hierbei kam einer der Knaben zu Fall und zog sich einen Handbruch, sowie eine erhebliche Kieferverletzung zu. A Festgenommener Fahrraddieb. Gestern nahm die Kriminalpolizei einen jungen Mann fest, als dieser versuchte, bei einem hiesigen Fahrradhändler ein in Hitdorf a. Rh. gestohlenes Fahrrad zu verkaufen und der sich auch über den Erwerb desselben nicht ausweisen konnte. # Verhaftung. Die Kriminalpolizei nahm einen Arbeiter aus Köln=Longerich fest, der wegen Diebstahls, u. a. wegen Fahrraddiebstahls, von der Polizei gesucht wurde. # Unangenehme Austritte entstanden gestern abend gegen 11 Uhr zwischen jungen Burschen und den Bewohnern eines unsaubern Hauses in der Kammachergasse. Die letzteren hatten die Fenster und Türe verriegelt und schütteten ohne Rücksicht auf die dort nach dem Abbrennen des Feuerwerks Vorübergehenden Wasser und Schmutz aus den oberen Fenstern heraus. Sofort sammelte sich eine große Menschenmenge an, die ihren Unwillen über diese Frechheit zum Ausdruck brachte. Es dauerte nur kurze Zeit, da wurden die Fenster der Haustüre unter allgemeinem Beifall eingeschlagen. Die Erregung mehrte sich, als wiederholt Wasser von oben herunter in die dicht gedrängte Menge, welche die Kammachergasse, den Plückhof und das Botengäßchen füllte, geschüttet wurde. Es erschallten Stimmen„Fenster einhauen", denen ein Bravo=Gejohle folgte. Nun wurden die Fensterläden abgerissen und demoliert. Unter Gejohle wurden sämtliche Scheiben, eine nach der anderen, eingeschlagen und zwar mit einer Wucht, daß die Splitter weithin flogen. Unterdessen erschien ein Schutzmann, der sich mühevoll durch die Menge drängte und sehr vernünftig und sachlich sich nach dem Vorgang erkundigte. Plötzlich erloschen die Straßenlaternen und alles war in Dunkel gesetzt. Die vom Feuerwerk zurückkommende Schutzmannschaft wies nun das Volk aus den Gassen und sperrte sie nach beiden Seiten ab. Es ist in diesem Falle nicht ungünstig gewesen, daß die Schutzleute später erschienen sind, nachdem das Volk seiner Empörung über die Frechheit des Dirnengesindels bereits Ausdruck gegeben hatte; andernfalls hätte es sehr leicht zu großen Ausschreitungen kommen können. Die Schuld an diesen unerquicklichen Zuständen trägt in letzter Linie die Polizei selbst, die sich nicht entschließen kann, diese Straßen am Dom endlich von dem Dirnengesindel zu säubern, trotz der dringlichen Vorstellungen aller anständigen Bürger. Es ist weit gekommen in Köln, wenn die Bürgerschaft sich derartiges unter den Augen der Polizei bieten lassen muß. Einbruchsdiebstähle. In einer Metzgerei an der Breitestraße wurde eingebrochen und etwa 350 M. in bar gestohlen.— In einem Engroswarengeschäft in der Sternengasse wurde in einer der letzten Nächte eingebrochen und eine Anzahl Panama=HerrenHüte, Herren=Doubléketten und noch sonstige Sachen gestohlen. e Anfälle. Gestern mittag glitt eine junge Dame am Deutschen Ring aus, stürzte zu Boden und schlug mit dem Gesicht auf die Kante des Bürgersteiges, wodurch sie sich schwere Verletzungen am Hinterkopf und einen Handgelenkbruch zuzog. Sie wurde per Droschke zu einem Arzte gebracht.— Ein siebenjähriges Mädchen vom Eigelstein stürzte gestern nachmittag die Domtreppe herab und zog sich eine schwere Stirnverletzung zu. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde sie zum Vinzenzhaus gebracht.— Bei der großen Menschenansammlung bei der Anwesenheit des Kronprinzenpaares leisteten die Kolonnemannschaften des Zweigvereins vom Roten Kreuz in über 40 Fällen bei Unglücksfällen erste Hülfe. Allein im Dome kamen zehn Ohnmachtsanfälle vor. Ueberfälle. Von einem Trupp junger Burschen überfallen wurde in der Nacht von Montag zum Dienstag gegen 12½ Uhr an der Städtischen Markthalle ein ruhig seines Weges gehender Mann aus der großen Spitzengasse, wobei er außer anderen Verletzungen einen tiefen Stich mit einem Messer in den Kopf erhielt. Um 1¾ Uhr nachts, auch an der Städtischen Markthalle, wurde ein auf dem Heimwege begriffener 21jähriger Fuhrmann von der Johannisstraße hinterrücks angegriffen und mit einem Schlagring und Gummischläuchen mißhandelt, wobei er eine schwere Verletzung am Hinterschädel und am Halse erlitt. Ferner wurde noch am Rhein ein Musiker überfallen und übel zugerichtet. Wie es heißt, handelt es sich in diesen drei Fällen immer um dieselben Uebeltäter. Die Verletzten fanden erste Hülfe auf der Woche an der Maximinenstraße. Aus Köln-Ehrenfeld. * Turm der St. Annakirche. Zur Aufbringung des Kreuzes und Hahnes auf den Turm des Neubaues teilt man uns noch mit, daß das Kreuz mit Hahn aus der Werkstätte des Hru. Schlossermeisters Ferdinand Lienen in Köln=Ehrenseld hervorgegangen ist. Aus Köln-Bocklemünd. 9 Jum Code des Feldhüters Rothkranz. Der flüchtig gewordene Leonhard Hofzimmer aus Bocklemünd hat sich in der Sonnlagnacht der Polize. freiwillig gestellt, worauf er festgenommen wurde. Hofzimmer gibt an, er habe sich die ganze Zeit in der Gegend von Lövenich in Kornfeldern aufgehalten und beteuerte sofort seine Unschuld. Er gab an, ein anderer in ihrer Begleitung gewesener Mann mit dem Namen Fritz habe auf den Feldhüter geschossen und er nicht. Zu dem Totschlage erfahren wir noch, daß gestern mehrere 15—16 Jahre alte Jungen als Zeugen sich meldeten, die gesehen haben wollen, wie fünf Männer den Feldhüter mißhandelt hätten. Der Feldhüter soll nach Aussagen von Augenzeugen, nachdem er den tödlichen Stich mit einem Messer in den Oberschenkel erhalten hatte, etwa 50 Meter fortgelaufen sein. Als er sich dann mit dem Taschentuche seine Wunde verbinden wollte, sei er wieder von den fünf Männern fortgejagt worden; schließlich sei er tot zusammengebrochen. Aus Kalk. 2 Zentrumsversammlung. Morgen, Mittwoch den 27. d.., findet bei Brücker, Hotel Kronprinz, eine große Zentrumsversammlung statt, in welcher die Herren Justizrat Dr. Krüsemann(Krefeld) sowie Kreisschulinspektor Dr. Heß als Redner gewonnen sind. Letzterer ist als Landtagsabgeordneter für Köln=Land, Euskirchen und Bergheim aufgestellt worden. Alle Parteifreunde sind zu dieser Versammlung höflichst eingeladen. *; Der gemischte Chor Eintracht(Dirigent Hr. Fritz Esobach) veranstaltet am Donnerstag(Christi=Himmelfahrt) im Schorodtschen Saale ein Konzert zum Besten ortsarmer lungenkranker c Jubiläum. Am Donnerstag den 21. d. M. konnte der Maschinist Johann Schlimbach auf eine ununterbrochene 25 jährige Tätigkeit bei der Kalker Brauerei, Aktiengesellschaft, vormals Jos. Bardenheuer, zurückblicken. Der Jubilar hat es verstanden, sich durch seinen biederen Charakter das volle Vertrauen seines Chefs und seiner Kollegen und Mitarbeiter zu erwerben. Diese ließen es sich nicht nehmen, ihrer Verehrung Ausdruck zu geben. Die Arbeitsstätte war aufs schönste geschmückt. Die Kollegen überreichten dem Jubilar eine goldene Uhr mit Widmung. Der Chef, Herr Bardenheuer, schenkte dem Gefeierten ein Sparkassenbuch mit einer namhaften Summe. Nach Schluß der Arbeit waren alle Freunde und Kollegen in seine Wohnung eingeladen, wo die Feier einen würdigen und schönen Abschluß fand. — Falsches Geld. Von der Polizei wurde ein falsches Einmarkstück mit der Jahreszahl 1907 beschlagnahmt. Ein 14jähriger Schlosserlehrling will es auf der Straße gefunden, aber als falsch nicht erkannt haben. Um es zu verausgaben, schickte er einen sechsjährigen Knaben in ein Geschäft, um Karamellen zu kaufen. Indes erkannte der Geschäftsinhaber die Unechtheit des Stückes und hielt es fest. — Unglücklicher Schütze. In der Mülheimerstraße vergnügte sich am Freitagnachmittag ein Schulknabe damit, aus einer Luftbüchse mit Holzpfeilen zu schießen. Hierbei traf er einen anderen Knaben ins Gesicht und verletzte ihn erheblich. Kölner Local-Anzeiger Nr. 145* Dienstag, 26. Mai 1903 Ruhestuhl und andere anerkannt wertvolle Gegenstände bei Benützung von Elammore C9IkS nur eingewickell Cöln, Unter Sachsenhausen—7. Depositenkassen in Cöln: Aurippastrasse 14, Hahsburgerring 24(beim Rudolfplatz), Heumarkt 60/62 Depositenkasse in Kalk: Hauptstrasse 135. Aktienkapital 80 000000 M. Beserven 16 000000 M. Eröffnung von laufenden Rechnungen, Gewährung von Krediten, Vorschüsse auf Wertpapiere unter günstigsten Bedingungen. Scheck-Verkehr franko Provision. Annahme von Geldeinlagen zur Verzinsung je nach Kündigung und Vereinbarung. Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren. Ausführung von Aufträgen an allen Börsen des In- und Auslandes. Einlösung sämtlicher Zins- und Dividendenscheine. An- und Verkauf von Kuxen, Bohranteilen und Obligationen der Kohlen-, Kali- und Erz-Industrie, sowie von Aktien als die besten für Wäsche u. Haus millionenfach erprobt. Meiner werten Kundschaft zur gest. 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Trimborn über die Bedeutung der In der großen Versammlung der Zentrumswähler, die am Sonntag den 22. d. M. in der Bürgergesellschaft zu Köln stattfand, führte der Führer der rheinischen Zentrumspartei aus: Die diesjährigen Landtagswahlen sind von besonderer Bedeutung. Anfänglich schien es, als ob die Frage der Wahlrechtsreform im Mittelpunkt des Wahlkampfes stehen würde. Sie ist indes zurückgetreten. Die Entwickelung im Reiche hat es mit sich gebracht, daß eine andere Frage in den Vordergrund gerückt ist, nämlich die der Uebertragung der Blockpolitik vom Reich auf Preußen. Diese Zurückdrängung der Wahlreformfrage ist auch eine der vielen bedauerlichen Folgen der Blockpolitik. Schon heute konnte in Preußen Blockpolitik getrieben werden. Dafür war eine Mehrheit vorhanden, wenn sich hierfür Konservative, Freikonservative und Nationalliberale zusammenfanden. Aber dieser Mehrheitsbildung gegenüber war auch eine andere moglich, die aus Konservativen und Zentrum bestand. Diese Möglichkeit verschaffte den Konservativen Bewegungsfreiheit; gegenüber den Anforderungen der Blockpolitik konnten sie immer noch sagen: wir können auch anders! Hierin lag ein erhebliches Hindernis, eine starke Einschränkung für das freie Schalten einer Blockpolitik. Dieser Sachlage ist es vor allen Dingen zu verdanken, daß der Blockpolitik auf dem Gebiete, auf dem sie sich entsprechend ihrem kulturkämpferischen Charakter am liebsten betätigen möchte, auf dem der Kirchen= und Schulpolitik, wenigstens einigermaßen Zügel angelegt wurden. Das Bestreben der reinen Blockparteien— der Freikonservativen, der Nationalliberalen und der Freisinnigen— geht nun dahin, das so unangenehm empfundene Hindernis für ihre Blockpolitik aus dem Wege zu räumen. Zentrum und Konservative müssen nach dem Willen dieser Elemente so geschwacht werden, daß sie zusammen keine Macht mehr bilden können. 43 Mandate müssen diesen Parteien genommen werden. Gelingt dies, dann ist freie Bahn für eine schrankenlose Betätigung der Blockpolitik, namentlich anf dem Gebiete, der Schul= und Kirchenpolitik. Und das hat dann natürlich seine Rückwirkung auch auf den Konsequenzen, die sich hieraus für uns als Landtagswähler ergeben, liegen auf der Hand: 1. Das Zentrum muß in alter Stärke wiedereine Stimme einem Kandidaten, der die Reihen der eigentlichen Blockmänner verstärkt. 3. Unterstützung der Elemente, die außerhalb dieses Blocks Auf der Linie v. Zedlitz=Kopsch— da steht der Feind!— Ihm kein Pardon!(Bravo!) Nach dieser Gesamtorientierung lassen Sie mich einige besonders wichtige Spezialgebiete behandeln, damit Sie ein Bild von der Richtung erhalten, in der sich meine parlamentarische Tätigkeit bisher bewegt hat und im Falle der Wiederwahl auch weiter bewegen wird. Die Herren vom Block tun sich viel zu gut auf die Schaffung des neuen Vereinsgesetzes. Nun, der Kommission, die mit dem bezüglichen Gesetzentwurf befaßt war, habe ich von Anfang bis zu Ende angehört und in derselben eine lebhafte Tätigkeit entwickelt. Es soll nicht geleugnet werden, daß das Gesetz einige Fortschritte gebracht hat: vor allem die Berechtigung der Frauen, am öffentlichen Versammlungsleben ebenso wie die Männer teilzunehmen; ferner die Befreiung der politischen Vereine, namentlich der Gewerkschaften, von der Verpflichtung, ihre Mitgliederlisten einzureichen. Aber vieles ist nicht erreicht worden, was hätte erreicht werden müssen und bei festerer Haltung des Freisinns auch hätte erreicht werden können.(Sehr richtig!) Die politischen Organisationen der einzelnen Parteien sind nicht davor geschützt, daß ihre vertraulichen Komiteesitzungen zu öffentlichen Versammlungen erklärt werden und damit der polizeilichen benwochung, and Verbände der einzelten Verufstände, der Die Vereine und Geronner„v Bauern, Handwerker, Arbeiter, Privatbeamten usw. unterliegen in ihrer Betätigung, namentlich in ioren öffentlichen Versammlungen all den Beschränkungen, denen politische Versammlungen unterworfen sind, insbesondere der Anzeigepflicht und der polizeilichen Ueberwachung— sobald sie eine Einwirkung auf die Gesetzgebung und Verwaltung bezwecken. Nur die Streikversammlungen der Arbeiter sind von der Anzeigepflicht befreit; aber auch nur von dieser. Was das bedeutet, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß alle jene Berufsvereine ihrem Wesen nach eine Einwirkung auf Gesetzgebung und Verwaltung erstreben müssen. Das schlimmste aber ist, daß das Vereinsgesetz unter der eifrigen Mitwirkung der Freisinnigen und Demokraten den Charakter eines gehässigen Ausnahmegesetzes erhalten hat, uno zwar nach zwei Richtungen hin. Während nach dem bisherigen preußischen Vereinsgesetz nur Schüler und Lehrlinge von politischen Versammlungen ausgeschlossen waren, sind nach dem neuen Gesetz alle Personen unter 18 Jahren von dieser Einschränkung betroffen. Als dem Staatssekretär des Innern entgegengehalten wurde, daß dies eine schwere Beeinträchtigung der Gewerkschaftsbewegung bedeute, wurde von ihm erklärt: den christlichen und den Hirsch=Dunckerschen Gewerkschaften gegenüber werde in der Praxis eine solche Einschränkung nicht platzgreifen. Von den sozialdemokratischen sprach der Staatssekretär nicht. Das bedeutet nichts anderes, als daß diese anders behandelt werden sollen. Damit war die Bestimmung zu einem sozialen Ausnahmegesetz gestempelt.(Sehr richtig!) Das ist unzulässig.— Zu einer derartigen Bestimmung durfte ein freiheitlich gesinnter Mann nie seine Zustimmung geben.(Sehr richtig!) Es doch zu tun, war wohl leichtsinnig, aver nicht freisinnig!(Levhafter Beifall!) Und nun der Sprachenparagrapy, im Entwurf§ 7, im Gesetz§ 13. Sie kennen alle seinen Inhalt. Er richtet sich gegen die Polen. In den Kreisen, in welchen die polnische Bevölkerung weniger als 60 Prozent ausmacht, darf in öffentlichen Versammlungen, also auch in nichtpolitischen, ohne Genehmigung der Regierung kein Polnisch gesprochen werden!(Hört, hört!) Damit sind Hunderttausende preußischer Staatsbürger polnischer Zunge des Rechtes beraubt, im öffentlichen Leben, also nicht etwa nur im Verkehr mit den Behörden, sich ihrer Muttersprache zu bedienen!(Pfui!) Das Recht auf die Muttersprache ist aber ein Naturrecht, das jeder zivilisierte Staat zu respektieren hat.(Sehr richtig!) Und dieses Naturrecht erstreckt sich nicht nur auf das private, sondern auch auf das öffentliche Leben.(Seyr richtig!) Einem Teile der Staatsbürger dieses Recht nehmen, heißt sie zu Staatsbürgern zweiter Klasse degradieren, sie in ihren heiligsten Gefühlen Der Sprachenparagraph ist ein häßliches Ausnahmegesetz. So ist er denn auch in weiten Kreisen der Freisinnigen selbst auf das schärfste verurteilt worden. Gothein nannte es in Frankfurt„ein Ausnahmegesetz der Theodo, Barth sprach sich dahin aus:„Alle Vorteile, die das neue Vereinsgesetz etwa bietet, wiegen federleicht, wenn es sich auf der anderen Seite um die Preisgabe der wichtigsten Grundsätze des Liberalismns handelt, um die Verletzung der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit, das wichtigste Prinzip des demokratischen Liberalismus. Nachdem die Freisinnigen zugestimmt, daß dieser Grundsatz den Polen gegenüber verletzt wurde, werden sie ihn nicht mehr geltend machen können, wenn künftig Ausnahmegesetze kommen. „Der Freisinn klagt über den rechtswidrigen Ausschluß der Juden von vielen Aemtern. Er hat dieser preußischen Verwaltungspraxis Decharge erteilt!“(Sehr richtig!) Diesen letzten Gesichtspunkt empfehle ich den israelitischen Mitburgern zur besonderen Erwägung.(Sehr gut!) Wohin soll es führen, wenn im Staate die natürlichsten Rechte nach dem Maße, nach den Prozentsätzen verteilt werden, in denen ein Bevölkerungsteil vertreten ist? Das ist ja herrliche Musik für antisemitische Ohren.(Sehr richtig!) Und diese Musik ertönt aus den Reihen derer, welche die israelitische Bevölkerung als ihren besonderen Schützer betrachtete. (Sehr richtig!) Auch die Frankfurter Zeitung— da Dr. Wiemer zur selben Zeit in der Lese redet, müssen Sie mir schon gestatten, ihm von hier aus den Spiegel vorzuhalten— sprach sich gegen die Annahme des Vereinsgesetzes aus. Sie meinte:„Der etwaige Fortschritt, den das Vereinsgesetz bringt, wird durch den§ 7 mit seinen schwerwiegenden Konsequenzen, mit dem Abweichen vom klaren Wege mehr als aufgewogen. Wir meinen, die Linke hatte wohl die Verantwortungs tragen können und sollen, wenn um des strengen Festhaltens des Prinzips der Gleichheit willen schließlich das Vereinsgesetz gescheitert wäre. Wir fürchten sehr, daß die Zustimmung zu§ 7 der freiheitlichen Entwickelung schaden wird, weil von einem freiheitlichen Grundsatze abgewichen wird. Alle Milderungsversicherungen haben das eine nur noch klarer hervor treten lassen, daß es sich um einen Ausnahmeparagrahen gegen die Polen handelt, also um eine Unterstützung der preußischen Politik der letzten Jahrzehnte, die wir für ebenso töricht wie ungerecht halten. Die Muttersprache darf unter keinen Umständen angetastet werden, und wenn sie nach dem Kompromißbeschluß auch nur für einen Teil der öffentlichen Versammlungen unterdrückt wird, so ist dieses Teilunrecht genau so zu verurteilen, wie wenn es sich um eine vollständige Unterdrückung handelte. sollte das Gesetz scheitern lassen, selbst auf die Gefahr hin, daß dann die preußische Landesgesetzgebung noch schärfer gegen die Polen vorgehen würde, was aber nur möglich ware unter Bruch der feierlichsten Zusicherungen.“(Sehr richtig!) Was war es denn, was die Freisinnigen bewog, trotz aller Mahnungen ihre alten Grundsätze so offen preiszugeben? Sie wollten im Block und damit in der Macht bleiben. „Praktische Politik",„Politik des Erreichbaren“—nannten sie das Sie vergaßen nur eins: In großen Prinzipienfragen gibt es nur ein„Entweder— oder!"(Sehr richtig!) Da kann von einer Politik des Erreichbaren keine Rede sein.(Lebhafter Beifall.) Waren es beim Vereinsgesetz vor allem die Freisinnigen und Demokraten, welche ihre Grundsätze Preis gaben, dann bei der Ostmarkenvorlage, dem sogenannten Enteignungsgesetz die Konservativen. Die Ansiedelungspolitik, die bereis 350 Millionen verschlungen hat(Hört, hört!), ist auf einen toten Strang geraten. Man ist in die Unmöglichkeit versetzt, auf dem Wege freihändigen Kaufs weiteres Land von Polen zu erwerben. Da ist die Regierung auf den horrenden Gedanken verfallen, vom Landtag die Ermächtigung zu verlangen, Polen, die ihr Land nicht freiwillig hergeben wollen, zu enteignen.(Pfui!) Das Ungeheuerliche ist geschehen: Der Landtag hat diese Ermächtigung für eine Fläche von 70000 Hektar erteilt und für fernere Landerwerbung und Ansiedelung weitere 250 Millionen bewilligt.(Hört, hört!) Damit hat man die preußische Verfassung angetastet und so die unverruckbare Grundlage des preußischen Staatswesens gelockert.(Sehr richtig!) Nach§ 4 der Verfassung sind alle Preußen vor dem Gesetze gleich. Hier werden nur die polnischen Mitbürger betroffen. Wiederum schafft man ein Ausnahmegesetz der schlimmsten Art. Nach§ 9 der Verfassung ist das Eigentum unverletzlich. „Gründe des öffentlichen Wohles“ können die Enteignung recht fertigen. Nie und nimmer können diese Gründe darin bestehen, daß bestimmte Bevölkerungsschichten zur Regierung in einem Ver hältnis stehen, daß dieser unerwünscht erscheint.(Sehr richtig!) Wohin sollen wir dann kommen? Schon fordern freisinige Stimmen, das Recht der Enteignung auf den gesamten Großgrundbesitz auszudehnen.(Hört, hört!) Und die Sozialdemokraten verhehlen nicht ihre Schadenfreude darüber, daß das sozialistische Prinzip der Enteignung unter Niederreißung der bisherigen verfassungsmäßigen Schranken in die preußische Gesetzgebung eingeführt worden ist. Was das schlimmste ist: das Rechtsgefühl im Volke ist auf das tiefste verletzt und erschüttert. Noch zittert in unseren Herzen die Erregung über diesen Rechtsbruch in Gesetzesform nach. Hochgestellte Richter, die unserer Partei absolut fernstehen, habe ich in den Ausdrücken größter Entrüstung sich über dieses Gesetz äußern hören.(Hört, hort!) Weite Kreise können sich des schmerzlichen Gefühls nicht erwehren, daß durch dieses Gesetz ein Schatten auf den preußischen Ehrenschild gefallen ist, der das stolze suum cuique verdunkelt.(Sehr richtig! Lebhafter Beifall.) Konnte doch die dem Kanzler so nahestehende Frankfurter Zeitung nicht umhin, zu schreiben: „Der 27. Februar 1908(der für das Zustandekommen des Gesetzes entscheidend war) ist im Herrenhause ein dies ater(ein verhängnisvoller Tag) geworden; der Umsturz des Rechts hat die feierliche Sanktion erhalten. Nicht das Recht, sondern der brutale Machtstandpunkt, nicht die verständige Einsicht, sondern die Halsstarrigkeit, nicht die guten Gründe, sondern Blindwütigkeit haben die Entscheidung herbeigeführt.(Sehr wahr!) Daß die Nationalliberalen bei der Partie waren, braucht uns weiter nicht zu wundern.(Gelächter.) Der Begriff des omnipotenten Staates, der vor keinem Recht Halt zu machen braucht, der unchristliche Nationalitäts=Egoismus, für den es keine Schrante gibt, sind ja wesentliche Bestandteile ihrer Weltanschauung. (Sehr gut!) Daß aber die Konservativen des Abgeordnetenhauses bis auf zwei feste Männer einem Gesetze ihre Zustimmung geben konnten, das so absolut unverträglich mit der christlich konservativen Weltanschauung ist, das haben viele von uns doch für unmöglich gehalten. Wie anders standen sie beim Kanal da! Geschlossene, unerbittliche Opposition bis auf den letzten Mann. Daß es sich beim Kanal nur um rein wirtschaftliche Interessen, hier aber um hohe ideale Güter handelte— gerade dieser Gegensatz ist tiefbeschämend für die Konservativen des Abgeordnetenhauses. (Sehr wahr!) Das einzig Erfreuliche in dem ganzen Trauerspiel war die klare und entschiedene Haltung der Herrenhaus=Minderheit, in der unseren neuen Oberbürgermeister zu sehen uns zu besonderer Genugtuung gereicht hat.(Stürmischer Beifall.) Ich spreche sicher in Ihrem Sinne, wenn ich an dieser Stelle unseren Respekt vor der aufrechten und gerechten Haltung der Herrenhaus=Opposition zum Ausdruck bringe.(Beifall und Händeklatschen.) Vereinsgesetz und Enteignungsvorlage haben wieder einmal ins helle Licht gestellt, wie ungerecht und verfehlt die ganze preußische Polenpolitik ist. Eine Politik, die nach solchen Gesetzen verlangt und sie als unentbehrlich bezeichnet, erklärt sich als bankerott. (Sehr wahr!) Ziel jeder vernünftigen inneren Politik muß doch sein, daß schließlich friedliche und erträgliche Zustände auch in den polnischen Gebieten wieder zurückkehren. Diese Politik aver kann nicht zum Frieden führen. Die Polen müßten ein allen Selbst. bewußtseins bares erbärmliches Volk sein, wenn sie sich nun nicht erst recht zusammenschlössen, um ein solches System auf Tod und Leben zu bekämpfen.(Brausender Beifall.) Inzwischen leidet auch unser Ansehen im Auslande schwer unter dieser Politik.(Sehr richtig.)„Deutschlands und Preußens guter Name wird aufs Spiel gesetzt!“ schrieb die Freisinnige Zeitung. Und jeder anständige Mann muß doch auf seine Reputation halten! In dieser überaus wichtigen Frage hat das Zentrum wieder einmal Recht behalten, wie in so manchen anderen großen Fragen. Schon beim ersten Polengesetz 1886 hat unser Windthorst gewarnt: Dieses Gesetz ist kein Gesetz des Friedens, das ist ein Gesetz des Kampfes, des Kampfes auf Leben und Tod!“(Sehr richtig!) Heute verurteilt die erdrückende Mehrheit des Volkes diese ganze Politik. Gerade aus dem Osten mehren sich die Gegner, und gerade in den Ostmarken wird die Sehnsucht nach Frieden immer lauter. Der angesehene Publizist Karl Jentsch nennt den Polenfeldzug: die größte politische Dummheit des 19. Jahrhunderts.(Sehr richtig!) Daran ändert auch nichts, daß sie von Bismarck herrührt. Es wird mit dieser Politik gehen, wie mit aller Gewaltpolitik, mit dem Kulturkampf und dem Sozialistengesetz: Schließlich wird man zurück mussen, und dann will es keiner getan haben!(Sehr richtig!) Noch etwas anderes lehren uns Vereinsgesetz und Enteignungsvorlage. Die einzige bürgerliche Partei, die bei diesen überaus bedeutsamen Gelegenheiten unentwegt an der Verfassung, an Recht und Freiheit festgehalten hat, war mit den Polen das Zentrum.(Großer Beifall.) Nie ist die Versuchung, vom Zentrum nach rechts oder links abzuschwenken, in der Partei so gering gewesen als in den gegenwärtigen Zeitläuften.(Bravo!) Wer möchte denn auch von uns aus demokratischen Neigungen etwa zum Freisinn übergehen(Heiterkeit), nachdem er beim Vereinsgesetz das wichtigste Prinzip des demokratischen Liberalismus, das der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit, so schmählich verleugnet hat?(Sehr wahr!) Und trotz Deutscher Vereinigung und Bund der Landwirte wird keiner von uns die geringste Neigung verspüren, sich einer konservativ=gouvernementalen Partei anzuschließen, welche gegenuber der ersten und vornehmsten Aufgabe einer konservativen Partei, die Unverletzlichkeit des Eigentums und die Grundlagen der Verlassung zu wahren, so schwächlich versagt hat!(Bravo!) So kann der Schluß auch dieser Betrachtung der neuesten parlamentarischen Vorgänge nur sein: Treu zum Zentrum!(Stürmischer Beifall.) Damit fördern wir auch am besten die Lösung der so wichtigen und dringenden Wahlrechtsfrage. Die Blockparteien sind in dieser Frage schroff gespalten. Dies wird Ihnen speziell in Köln dadurch deutlich vor Augen geführt, daß von den liberalen Gegenkandidaten, die in einer Schlachtreihe kämpfen, der eine sich für die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen erklärt hat, während der andere sich energisch dagegen verwahrte.(Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Die Zentrumsfraktion hat diese Forderung zuerst von allen Parteien schon im Jahre 1873 erhoben und stets festgehalten. Im Jahre 1906 haben beide Fraktionen des Zentrums einmütig erklärt: daß, was das Reich auf dem Gebiete des Wahlrechts seinen Bürgern gewährt hat, auf die Dauer auch in den Einzelstaaten den Bürgern entsprechend gewährt werden müsse. Und noch am 22. Januar 1908 ließ die Reichstagsfraktion durch ihren Führer, den-ken Hompesch, erklären:„Das Zentrum steht unentwegt auf dem Boden des allgemeinen, direkten, geheimen Wahlrechts und erachtet dessen Uebertragung auf Preußen als unvermeidlich.“(Bravo!) Der vor einigen Wochen erschienene Wahlaufruf der rheinischen Zentrumspartei hebt noch einmal besonders hervor, daß die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen ein Ziel sei, das nach wie vor unablässig anzustreben sei. Ich habe die Ehre gehabt, als Vorsitzender des Provinzialausschusses diesen Aufruf an erster Stelle unterschreiben zu dürfen. Mein Bemühen wird es sein, mit in der vordersten Reihe in der Richtung des Aufrufs für eine Wahlrechtsreform tätig zu sein.(Bravo!) Wenn in irgend einem Punkte, so können Sie sich in diesem auf mich verlassen.(Bravo!) An freiheitlichem Sinn nehme ich es mit jedem Liberalen auf.(Anhaltender Beifall.) Man wirft dem Zentrum vor, daß es der Neueinteilung der Wahlkreise widerstrebe. Der Standpunkt des Zentrums in dieser Frage ist der folgende: Wir erkennen an, daß durch die seit 1860 eingetretene große Verschiebung und Vermehrung der Bevölkerung außerordentliche Ungleichheiten in den Wahlkreisen entstanden sind, die einer Korrektur bedürfen. Hierbei kommt die Seelenzahl gewiß zunächst in Betracht, daneben aber auch andere Momente: so die geschichtliche Entwickelung, der Unterschied zwischen Stadt und Land, insbesondere der Interessenausgleich zwischen Handel und Industrie einerseits und Landwirtschaft anderseits. (Sehr richtig!) Weiter ist nicht zu verkennen, daß zwischen der Wahlkreis einteilung und dem Wahlsystem ein enger Zusammenhang besteht. Deshalb muß zuerst die Frage entschieden werden, ob das bisherige Wahlsystem auf Jahrzehnte beibehalten oder ob es durch ein besseres System ersetzt werden soll. Gerade diejenigen, welche eine Reform des Wahlrechts ernstlich wollen, dürfen sich zurzeit auf eine umfassende Neueinteilung der Wahlkreise nicht einlassen; denn diese würde das jetzige Wahlsystem Kölner Eocal-Auzeiger ürs 145 8 Dienstag, 26. Mai 1908. Seite 7. gutheißen und auf Jahrzehnte hinaus von neuem festigen.(Sehr richtig!) Nun wird von nationalliberaler Seite ein sogenanntes Pluralwahlrecht angestrebt, derart, daß neben einer Grundstimme ein erhöhtes Wahlrecht zu geben sei: 1. für höhere Steuerleistung, 2. für höhere Bildung, 3. für größeren Besitz.(Hört, hört!) Nach der Erklärung vom 10. Januar 1908 scheint die Staatsregierung diesem Gedanken nicht abgeneigt. Solchen Plänen kann man nur mit größter Vorsicht, um nicht zu sagen Mißtrauen, gegenübertreten.(Sehr wahr!) Wenn auf Grund von Erhebungen sich die Wirkungen eines solchen Wahlsystems werden übersehen lassen, so wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach herausstellen, daß das System schließlich auf eine Erhaltung des Klassensystems herauskommt(Sehr richtig!), bei dem weder die Masse des Volkes, noch die Mittelstände zu ihrem Rechte kommen.(Sehr wahr!) Wenn eine Partei, so ist die unserige in der Lage, die Frage der Wahlreform ovjerriv zu prüfen. Denn eine Partei, die bei dem Dreiklassenwahlsystem ebensogut abschneidet, wie beim Reichstagswahlrecht, wird auch bei einem Zwischensystem schon auf ihre Rechnung kommen.(Sehr wahr!) Eine wirklich objektive Prüfung wird aber ergeben, daß das Reichstagswahlrecht das fortgeschrittenste und relativ beste bleibt. In einem Staatswesen, in dem die allgemeine Wehrpflicht, die allgemeine Schulpflicht, die allgemeine Steuerpflicht besteht, ist das natürlichste, das gerechteste und dem allgemeinen Wohl Förderlichste, daß alle Bürger gleiches Recht in der Entwickelung der öffentlichen Angelegenheiten haben. Neuerdings sind Bestrebungen zutage getreten, den Beamten das passive Wahlrecht zu entziehen.(Hört, hört!) Charakteristisch hierfür war ein jüngst erschienener Artikel der Kölnischen Zeitung. Demgegenüber betonen wir mit aller Entschiedenheit, daß wir an der politischen Gleichberechtigung unserer Beamten mit den übrigen Staatsbürgern absolut nicht rütteln lassen.(Bravo!) Diese werden wir ebenso energisch verteidigen, wie wir stets das unbeschränkte Petitionsrecht der Beamten vor jeder Beeinträchtigung geschützt haben.(Beifall.) Auch der wirtschaftlichen Tage unserer Beamten und Lehrer werden wir wie bisher so auch fernerhin die wärmste Fürsorge zuwenden. Ein Antrag aus dem Jahre 1907, der meinen Namen trägt, verlangte u..: a. Gewährung persönlicher Zulagen an die mittleren und unteren Beamten; b. allgemeine Gehaltserhöhung für Beamten und Lehrer im Jahre 1908. Bezüglich der Teuerungszulagen wurde im Jahre 1907 auf Antrag des Zentrums wenigstens das erreicht, daß für die mittleren Beamten, die leer ausgehen sollten, 5 Mill. M. verfügbar gemacht wurden.(Bravo!) Und im Jahre 1908 gelang es dem Zentrum seine Anträge durchzusetzen, wonach sämtlichen mittleren Beamten, und nicht nur denen mit einem Jahresgehalt von nicht mehr als 4200., eine Teuerungszulage zu gewähren ist. (Beifall.) Was die Gehaltsaufbesserung für Beamte und Lehrer angeht, so haben wir es auf das lebhafteste bedauert, daß dieser durchaus berechtigten Forderung nicht schon längst Rechnung getragen ist, trotzdem die letzte Thronrede ein bezügliches feierliches Versprechen enthielt.(Hört, hört!) Daß die Regierung nicht alles daran setzte, diese königliche Zusage einzulösen, ist ein tief beklagenswertes Vorkommnis.(Sehr wahr!) Wir lehnen alle Verantwortung dafür ab. Wenn die nunmehr für den Herbst in Aussicht gestellte Vorlage erscheint, werden wir uns auf das eifrigste bemühen, unter Berücksichtigung der auf allen Gebieten herrschenden Teuerungsverhältnisse eine angemessene Erhöhung des Einkommens der Staatsbeamten, sowie der Arbeiter in den Staatsbetrieben, der Geistlichen und der Volksschullehrer herbeizuführen.(Bravo!) Hier handelt es sich nicht bloß um eine wirtschaftliche Standesfrage: hier kommt auch ein wichtiges, allgemeines Staatsinteresse in Frage. Die Allgemeinheit hat ein dringendes Interesse daran, daß unsere Beamtenschaft von ihrer Tüchtigkeit und Berufsfreudigkeit nichts einbüßt.(Sehr richtig!) Bezüglich der Lehrer bin ich persönlich noch der Meinung, daß bei einer Neuregelung ihrer Gehälter die Vertreter des Westens auf der Hut sein müssen, daß die Lehrer des Westens nicht zu kurz kommen. Die wesentlich höheren Teuerungsverhältnisse des Westens dürfen doch nicht unberücksichtigt bleiben. Vielfach wird im Zusammenhange mit der Gehaltsfrage der Lehrer die Frage erörtert, wie deren Landflucht zu begegnen sei. Ich beklage diese Landflucht außerordentlich. Die erste und notwendigste Gegenmaßnahme scheint mir die Beseitigung des Lehrermangels zu sein, wozu vor allem eine überall auskömmliche Be soldung erforderlich ist.(Beifall.) Bezüglich der Pensionsverhältnisse ist es dem Zentrum gelungen, wenigstens einen Erfolg zu erzielen. Hauptsächlich dem Eintreten eines Zentrumsabgeordneten ist es zu danken, daß die Anrechnung der Dienstzeit vom 18. bis 20. Lebensjahre bei der Pensionierung durchgesetzt wurde— eine Maßnahme von immerhin erheblicher Tragweite für die pensionierten Beamten wie auch für die Beamten=Witwen und=Waisen. Dieselbe Maßnahme wurde auch auf die Volksschullehrer ausgedehnt, und der Reichstag trat hinsichtlich der Reichsbeamten dem Vorgang in Preußen bei und nahm einen dahingehenden, gleichfalls vom Zentrum gestellten Antrag an. Auch der Wohnungsgeldzuschuß soll eine Neuregelung erfahren. Sie wissen, daß ich mich viele Jahre hindurch redlich bemüht habe, Köln in die Servisklasse A zu bringen, was schließlich ja gelungen ist.(Bravo!) Ich brauche Ihnen nicht zu versichern, daß ich alles daran setzen werde, daß Köln bei der Neuregelung nicht zu kurz kommt.(Beifall.) Obwohl nach Ausbildung und Stand Jurist, bin ich während meiner mehr als zwölfjährigen parlamentarischen Wirksamkeit stets darauf bedacht gewesen, entsprechend dem Charakter der von mir vertretenen Stadt den Verhältnissen von Industrie, Bandel und besondere Beachtung zu schenken.(Bravo!) Dazu bot sich mir besonders reiche Gelegenheit als Vorsitzender der Kommission für Handel und Gewerbe. ein Ehrenamt, welches ich im Abgeordnetenhause seit sechs Jahren mit besonderer Freude wahrgenommen habe.(Bravo!) Einstimmig hat das Abgeordnetenhaus auf meinen Antrag im Jahre 1902 ein Programm zur Förderung des Handwerks und gewerbes genehmigt. Es gereicht mir zu besonderer Genugtuung, feststellen zu können, daß bei der jährlichen Beratung des Etats für Handel und Gewerbe immer wieder auf dieses Programm zurückgegriffen wird. Ich selbst habe nicht unterlassen, mich an diesen Debatten zu beteiligen.(Beifall.) Jahr für Jahr habe ich bei diesen Gelegenheiten unter anderem gedrungen auf eine scharfe Abgrenzung von Handwerk und Fabrik, damit der Handwerkskammer nicht die leistungsfähigsten Mitglieder entzogen würden; auf Berücksichtigung der Handwerkergenossenschaften bei Vergebung öffentlicher Arbeiten: auf möglichst weitgehende Berücksichtigung des Handwerks in den staatlichen und kommunalen Submissionsbedingungen.(Bravo!) Eine bedeutsame Frucht der Gewerbeförderungsbestrebungen ist die im Etat 1905/06 zuerst vorgesehene Begründung eines Landesgewerbeamtes und eines ständigen Beirates für die Angelegenheiten der Gewerbeförderung wie solche in dem erwähnten Gewerbeförderungsprogramm vorgesehen war. Ich selbst bin von der Staatsregierung in den Beirat als Mitglied berufen worden. (Bravo!) Wenn wir hier in Köln im Herbst 1907 die Eröffnung der großen rheinischen Zentralstelle für die Gewerbeförderung feiern konnten, so ist auch diese bedeutsame Neuschaffung eine Frucht der Gewerbeförungsbestrebungen, die durch das Zentrumsprogramm von 1902, das meinen Namen trägt, einen neuen Impuls erhielten.(Lehafter Beifall.) Neben der Handwerkerfrage beginnt das Abgeordnetenhaus in den letzten Jahren ein Problem zu beschäftigen, welches immer dringender nach Behandlung verlangt, aber auch besondere Schwierigkeiten bietet, das ist die Frage: wie dem kleinen, durch die Uebermacht des Großkapitals hart bedrängten kleinen Kaufmannsstande zu helfen ist? Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß auch hier wie beim Handwerk die Gewerbeförderung durch staatliche und kommunale Verwaltung und ferner die zeitgemäße Selbsthülfe eingreifen muß. Wiederholt habe ich im Abgeordnetenhause und im Reichstag die Aufmerksamkeit auf die einschlägigen Fragen gelenkt und vor allem verlangt: bessere Vertretung des Kleinhandels in den Handelskammern; Förderung des Genossenschaftswesens auch im Detailhandel; weiteren Ausbau der kaufmännischen Fortbildungsund Fachschulen; Reform des kaufmännischen Lehrlingswesens. Inzwischen ist ein Erfolg erzielt worden; der Reichstag hat einstimmig einen Zentrumsantrag angenommen, welcher eine umfassende Enquete über die Lage des kaufmännischen Mittelstandes in Stadt und Land verlangt. Hoffentlich geben die verbündeten Regierungen diesem Antrage statt. Damit wäre eine wertvolle Grundlage für die Weiterarbeit zugunsten des kaufmännischen Mittelstandes geschaffen.(Beifall.) Der Abgeordnete muß, wenn er auch Vertreter des ganzen Volkes ist, doch den speziellen Verhältnissen und Wünschen seines Wahlkreises besonders Rechnung tragen. Daß ich dieses nicht außer acht lasse, glaube ich durch meine, leider erfolglosen Bemühungen gegen die Teilung unseres Oberlandesgerichts bewiesen zu haben.(Sehr richtig!) Für die möglichst günstige Gestaltung der für Köln so wichtigen Eisenbahnverhältnisse habe ich mich in stetem Einvernehmen mit der städtischen Verwaltung redlich bemüht.(Bravo!) Neuerdings bin ich noch für eine elektrische Schnellbahnverbindung zwischen Köln und Düsseldorf eingetreten.(Bravo.) Ich habe mich eifrig bestrebt, das neue Polizeikostengesetz, welches für die Städte mit königlicher Polizeiverwaltung erhebiche Mehrbelastungen, so für Köln jährlich über eine Viertel Million, mit sich bringt, möglichst günstig für die betroffenen Gemeinden zu gestalten.(Bravo!) Zu meiner Freude sind diese Bemühungen nicht ganz ohne Erfolg geblieben. Die so überaus bedauerliche Mehrbelastung ist wenigstens einigermaßen gemildert worden. Insbesondere ist speziell auf meinen Antrag das Inkrafttreten des Gesetzes auf ein Jahr hinausgeschoben worden(Bravo!), womit für Köln ein ganz erhebliches Ersparnis gewonnen worden ist. (Beifall.) Die Bedeutung des Landtags beruht für uns nicht sowohl in den materiellen Interessen, die dort behandelt werden, als vielmehr in den idealen Gütern des Volkes, für die gerade in diesem Parlament die entscheidenden Kämpfe geführt werden müssen. Hier ist vor allen Dingen der katholische Volksteil interessiert. Auf kirchenpolitischem Gebiete ist noch lange nicht erreicht, was zu erreichen die preußischen Katholiken ihrer Ehre schuldig sind: gleiches Recht und gleiche Freiheit im Vergleich mit den Mitbürgern evangelischer Konfession.(Starker Beifall.) Wir ruhen nicht ever als bis die immer noch bestehende und tiefverletzende ungleiche Behandlung der katholischen und evangelischen Ordensgemeinschaften aufgehoben ist.(Bravo!) Jede neue Ordensniederlassung, selbst wenn es sich um eine Kleinkinderbewahranstalt oder eine dringend nötige Krankenpflege handelt, bedarf der Genehmigung zweier Minister, nämlich des Ministers des Innern und des Kultusministers. Evangelische Ordensgenossenschaften sind von jeder ministeriellen Genehmigung frei. Ferner: Die Minister können für einzelne katholische Orden oder Niederlassungen die Zahl bestimmen, die bei neuen Aufnahmen nicht überschritten werden darf.(Hört, hört!) Zu Anfang jeden Jahres müssen die Oberen einer jeden katholischen Ordensniederlassung eine Nachweisung über den Bestand der Niederlassung am 31. Dezember des Vorjahres bei der Bezirksregierung einreichen, in der die detailliertesten Personal=Angaben zu machen sind.(Hört, hört!) Wenn ferner eine Ordensniederlassung, die bisher z. B. eine Kleinkinderanstalt geführt hat, nunmehr daneben die Krankenpflege übernehmen will oder eine Haushaltungsschule oder Handarbeitsschule errichten will, so ist in allen Fällen wieder die Genehmigung der beiden Minister erforderlich.(Hört, hört!) Die Ordenseinrichtungen der evangelischen Konfession wissen von allen diesen Erschwerungen und Belästigungen nichts!(Hört, hört?) Das Schlimmste aber ist, daß die sämtlichen katholischen Orden in Preußen mit einem Federstrich, durch bloße königliche Kabinettsorder, aufgehoben werden können.(Hört, hört! Das sind Zustände, die wir Katholiken uns nicht gefallen lassen können.(Bravo! und Händeklatschen.) Unmöglich dürfen wir uns dabei beruhigen, daß in den letzten Jahren durch eine entgegenkommendere Praxis sich die Verhältnisse bezüglich der Zulassung der Orden erträglicher gestaltet haben. Auch damit soll man uns nicht kommen, daß eine Aufhebung der Orden durch königliche Verordnung für immer ausgeschlossen erscheine. Vor allem in der Politik soll man niemals„niemals" sagen!(Sehr wahr!) Wer hätte z. B. eine Enteignungsvorlage noch vor einem Jahre für möglich gehalten. Heute ist sie Gesetz!— Das höchste Mißtrauen und die großte Vorsicht ist aber in einer Zeit geboten, wo der Kulturkampf à la Emil Bau(Gelächter) sich wieder zu regen beginnt, der Kulturblock am politischen Horizont auftaucht und der Liberalismus Morgenluft wittert und auf die Rückgewinnung seines früheren Einflusses hofft.(Bravo!) Da kann es nur heißen: Zentrum halte Wache! Zentrum bleibe stark!(Beifall.) Das wichtigste Ergebnis der abgelaufenen Legislaturperivde war die Schaffung des Schulunterhaltungsgesetzes vom 28. Juli 1906. Hierbei ist es dem von der konfervativen Partei unterstützten Zentrum gelungen, trotz des heftigsten Widerspruchs der Freikonservativen und Liberalen den durch die Verfassung garantierten konfessionellen Charakter der Volksschule für die Zukunft gesetzlich festzulegen.(Bravo!) Inwieweit aber das Gesetz wirklich der Erhaltung und Stärkung der konfessionellen Schule dienen wird, das wird lediglich von seiner Ausführung abhängig sein.(Sehr richtig!) Schon macht der Liberalismus rücksichtslose Versuche, die Unklarheiten des Gesetzes für seine Zwecke auszubeuten. Das neue Gesetz wird er nach dem mitunter dehnbaren und zweideutigen Wortlaut im Sinne der Simultanisierung zu handhaben suchen, um das zu erreichen, was das Gesetz verhindern wollte: die Simultanisierung.(Sehr richtig!) Eine der vornehmlichsten Aufgaben der Zentrumspartei in der nächsten Legislaturperiode wird es sein, dafür zu sorgen, daß diesem Bestreben Halt geboten wird; darüber zu wachen, daß mit dem Schulunterhaltungsgesetz kein Mißbrauch im Sinne liberaler Reformen getrieben wird.(Starker Beifall.) Vielfach hat man sich dem Glauben hingegeben, daß mit der Verabschiedung des Schulunterhaltungsgesetzes der Schulkampf in Preußen erledigt sei. Das ist eine arge Täuschung. Im Gegenteil! Wir kommen immer mehr in den Kampf hinein und die Entscheidung rückt immer näher.(Sehr wahr!) Dieser Kampf ist eben eine notwendige, unvermeidliche Episode in dem Widerstreit der beiden Weltanschauungen.(Sehr richtig!) Was der Liberalismus bisher, insbesondere beim Schulunterhaltungsgesetz, nicht hat durchsetzen können, das wird er in den Fragen der Schulaufsicht, des Schulplanes und vor allem der Lehrerausbildung mit verdoppelten Kräften anstreben.(Sehr wahr!) Da heißt es ernst und umsichtig Wache halten und mit allem Nachdruck dafür sorgen, daß der christliche Charakter der Volksschule nicht hinterher doch noch untergraben werde.(Sehr richtig!) Es muß eine zuverlässige Gewähr dafür erhalten bleiben, daß die gesamte unterrichtliche und erziehliche Wirksamkeit der Schule vom christlichen Geiste durchdrungen ist. Dazu ist vor allem nötig, daß die Heranbildung des Lehrernachwuchses in christlichem Geiste erfolgt.(Sehr richtig!) Weder das eine noch das andere Verlangen bedeutet die Herrschaft der Schule über die Kirche. Es sind vielmehr Forderungen, die jedem ganz natürlich und selbstverständlich erscheinen müssen, der die christliche Grundlage unseres ganzen Volkslebens, des privaten wie des öffentlichen— und damit das einzig solide Fundament für Staat und Gesellschaft erhalten wissen will.(Bravo und Händeklatschen.) Diese Forderungen bilden Kern und Stern unserer Schulpolitik, und an ihnen werden wir unverbrüchlich festhalten!(Beifall.) Vor kurzem schrieben die Mitteilungen des Vereins zur Erhaltung der evangelischen Volksschule ungefähr wörtlich:„Schon Anfangs der 70er Jahre bestand die größte Gefahr für die Konfessionsschule; sie war handgreiflich. Im Bunde mit der katholischen Kirche war es ein Leichtes, die Regierungen zur Besinnung zu bringen. So wurde der damalige Sturm abgeschlagen.“ Ich sage: Auch der neue drohende Ansturm, für den sich schon ein sog. Kulturblock zu rüsten beginnt, kann und wird zurückgeschlagen werden, wenn nur der evangelische Volksteil in genügender Zahl solche Vertreter ins Abgeordnetenhaus sendet, denen es mit der Betätigung christlichkonservativer Grundsätze wirklichErnst ist.(Bravo!) Dann wird es ein Leichtes sein, dem Kulturblock einen auf dem Boden der christlichen Weltanschauung stehenden Gegenblock gegenüberzustellen, der die schwankende Regierung„zur Besinnung bringt“ und den Kultusminister auf der richtigen Bahn festhält.(Bravo!) Dann wäre die Partie gewonnen!(Beifall.) Ueber die Bahnen der Schulfragen hinaus würde dieser Gegenblock der beste Schutz sein gegen eine Entwickelung in der Richtung eines Großblocks der Linken, nach badischem Muster, die vielen heutigen Blockmännern als Ziel ihrer Wünsche vorschwebt und offen angestrebt wird. Der Gefahr einer solchen Entwickelung gegenüber sollte man beizeiten vorbauen.(Sehr richtig!) In Baden haben Regierung und Konservative diese Fürsorge aus dem Auge gelassen. Heute stehen sie äußerst schwierigen Verhältnissen gegenüber. Was aber auch die Zukunft an Parteigruppierungen und Blockbildungen bringen mag, wir im Zentrum sehen der Entwickelung der Dinge mit Ruhe entgegen. Wir vertrauen auf die sieghafte Kraft unserer Grundsätze, an denen wir unentwegt festhalten.(Bravo!) Aus diesem Vertrauen schöpfen wir jene zähe Geduld, ohne die eine Politik im großen Stile sich nicht durchführen läßt. Darum lassen wir uns auch in der Festhaltung unserer Bahn nicht irre machen durch eine so vorübergehende und unhistorische Erscheinung wie der gegenwärtig im Reichstag fungierende Block. Dieses grundsatzlose Gebilde ist nicht von der Art, daß es ein dauerndes Hindernis für die große historische Gesamtentwickelung sein könnte.(Sehr richtig!) In dieser Gesamtentwickelung bleiben schließlich diejenigen oben, welche die christlichen Grundsätze der Wahrheit, der Freiheit und des Rechtes hochhalten.(Brausender Beifall.) Wir vertrauen aber auch auf die Treue unserer Wähler, die uns bisher in allen, auch den schwierigsten Lagen nicht im Stiche gelassen haben. Wohlan denn! Auf zum Kampf! Auf zum Sieg!(Langanhaltender, stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Sport. 40 Köln, 26.Mai1908. Dem Besuch, welchen das Kronprinzenpaar der rheinischen Metropole gestern abstattete, hatten es die Rennsportfreunde der letzteren zu verdanken, daß sich ihnen auch im Mai die sonst um diese schönste Zeit des Jahres verschlossenen, nun im Frühlingsschmuck prangenden Merheimer Anlagen öffneten. Sehr starker Besuch, wie ihn dieselben vielleicht noch nicht erlebten, war der Dank an den Kölner Rennverein, welchem es gelungen war, trotz der um diese Zeit sehr lebhaften Inanspruchnahme unserer Rennställe noch hinreichend Teilnehmer an sechs Rennen zu gewinnen, an deren Einschiebung in das Rennprogramm für das Jahr 1908 bei dessen Festsetzung noch niemand gedacht hatte. Das so entstandene Mai=Meeting Kölns war aber um so bedeutsamer, als mit ihm das erste offizielle Erscheinen des deutschen Kronprinzenpaares auf einer Rennbahn verbunden war. So wurde der gestrige Tag zu einem Ehrentag in der Geschichte des Kölner Rennvereins und zu einem Festtag für den ganzen deutschen Rennsport. Auf dem Kölner Turf waren denn gestern auch, trotz der Ungunst des Wetters, die Anhänger des Rennsports in überaus großer Zahl erschienen, mit ihnen die ersten Kreise der Stadt in bisher an dieser Stelle nie gekannter Vollzähligkeit. Allein neun Viererzüge zählten wir auf dem Wagenplatze der Rennbahn! Selbstverständlich hatte gestern die Damenwelt auf ihre Toiletten ganz besondere Sorgfalt verwendet und sich davon auch durch die ungünstige Witterung nicht abhalten lassen, während die Offiziere, Seite 8. Kölner Local-Anzeiger Nr. welche überaus zahlreich erschienen waren, durch die Uniformen das belebte Bild auf dem Merheimer Rasen bunter, als je, gestalteten. Ihm fehlte leider der lachende Sonnenschein, welcher von allen Seiten schmer lich vermißt wurde. Das allgemeine Interess aber naturlich., fgg## dem Kronprinzenpas gewand, welches um 3 Uhr 38 Min auf der Rennbahn erschien, und zwar erfolgte die Anfahrt auf dem Geläuf vom Weidenpescher Paxk her an den(mitlichen Zu, schauerplätzen entlang, was besonders freudig vermerkt wurde, weil dadurch alle Besucher der Rennbahn in die Lage kamen, das hohe Paar zu sehen und ihm ihre Grüße zu senden. Es benutzte einen offenen Zweispänner, der noch von fünf Wagen begleitet war. Die Frau Kronprinzessin trug eine Ivoire=Robe aus Seide und Spitzen, reich mit Blumen bestickt, und einen Pelzumhang, ferner runden, hellblauen Hut mit Federn und hellen Rosen, sowie einen weißen Sonnenschirm, den sie zum Schutze gegen den leider herunterrieselnden Regen aufgespannt hatte. Der Kronprinz hatte wieder die Uniform der Königin=Kürassiere mit Mantel und Mütze angelegt. Lebhaft für die lauten Grüße des Publikums dankend, fuhr das hohe Paar langsam an den Zuschauern vorbei bis zum Teehäuschen, wo es vomn Präsidium des Rennvereins ehrerbietigst begrüßt wurde. Dort hatten sich bereits vorher Prinz und Prinzessin zu Schaumburg=Lippe, der Erbprinz zu Schaumburg=Lippe und Prinz Oskar von Preußen eingefunden, die Herren in Uniform mit Mantel, welche ihre hohen Anverwandten herzlich begrüßten. Die Frau Kronprinzessin nahm mit der Frau Prinzessin * Schaumburg=Lippe am vordersten Fenster des Teehäuschens sitzend an den Vorgängen auf der Rennbahn lebhaftes Interesse und konnte von dem das Teehäuschen umlagernden Publikum recht deutlich gesehen werden. Dem Kronprinzenpaar wurden auch zahlreiche Personen vorgestellt, namentlich der Leutnant Braune von den 15. Ulanen, welcher das große Glück hatte, alle drei Ehrenpreise des Tages zu erringen, darunter den der Frau Kronprinzessin, welchen die hohe Frau ihm selbst überreichte, wie auch den zweiten Ehrenpreis des 4. Rennens, dem Reiter des zweiten Pferdes, Leutnant v. Sydow. Was nun die Rennen selbst betrifft, so waren die Felder, abge sehen vom Ereignis des Tages, dem Kronprinzessin=Cecilie=Jagd Rennen, welches acht Pferde an den Start brachte, und dem von acht Pferden bestrittenen Preis der Stadt Köln, klein, was bei einem Meeting, das nicht von langer Hand vorbereitet werden konnte, nicht auffallen konnte. Muß man doch heuer ohnehin überall in Deutschland mehr, denn je, mit kleinen Feldern rechnen, weil im Vergleich mit der raschen Zunahme der Zahl der Rennplätze und Renntage in Deutschland die Zahl der zur Verfügung stehenden Pferde viel zu klein geblieben ist. So werden z. B. am 28. d. M.(Himmelfahrtstag) an nicht weniger als elf Stellen in Deutschen Reich Rennen abgehalten werden: Bezüglich der H# nisrennen aber, welche hier gestern fünf Sechstel des Rennpro pramms ausmachten, kommt noch hinzu, daß zwischen den Flaggen die ausländischen Pferde ausgeschlossen sind und daß es auch an Herrenreitern gebricht, da manche der jungern unter denselben Offiziere in ziemlich entlegenen Garnisonen sind, von denen aus sie die gcoßen Rennplätze nur unter bedeutendem Zeitaufwand, den der Dienst nicht immer gestattet, erreichen können. Wenn die mittleren und kleinen Ställe bei den Nennungen sparsam verfahren, so ist ihnen das auch gar nicht übel zu nehmen; denn die wenigen großen Ställe, welche wir haben, machen fast alle Rennen von höherm Werte sozusagen unter sich aus. Man wird also mit kleinen Feldern in unserm Rennsport überhaupt solange rechnen müssen, bis die Zucht von Vollblütern bei uns erheblich zunimmt.nse Der Verlauf der einzelnen Rennen war nun folgender: I. Eröffnungs=Flachrennen. 1400 M. dem ersten, 300 M. dem zweiten, 200 M. dem dritten, 100 M. dem vierten Pferde. Für 3jährige und ältere inländische Pferde. 1600 Meter. 1. Lenore, Fuchsstute des Hrn. M. Wolf(Groneberg); 2. brauner Wallach des Hrn. E. v. Kracker; 3. Jodler, brauner Wallach des Hrn. J. Rosak. Leicht mit einer Länge gewonnen, ein Kopf zwischen dem zweiten und dritten, ein Hals zwischen dem dritten und vierten Pferde. Außerdem liefen Pinke=Pinke, Pavane, Merkur I, Sonne. Tot.: Sieg 33:10, Platz 14, 40, 14: 966 Lenore war heiße Favoritin; sie kommi auf tiefem Boden, der den meisten Pferden nicht gefällt, gut voran; das Gegenteil gilt IV Offizier=Jaad=Rennen. Ehrenpreis dem siegenden Reiter. 1800 M. dem ersten, 400 M. dem zweiten, 200 M. dem dritten, 100 M. dem vierten Pferde. Offizier=Rennen für vierjährige und ältere Pferde aller Länder. 3000 Meter. 1. Caneton, braune Stute des Hrn. Leutnant C. Feldt(Leutnant Braune); 2. Nickelkönig, brauner Wallach des Hrn. Majors Frhrn. v. Reitzenstein; 3. Earthstopper, brauner Wallach des Hrn. Leutnant Fusban. Sicher gewonnen; eine Länge zurück Nickelkönig, den zwei Längen vom dritten, fünf vom vierten Pferde trennten. Außerdem lief Mystic Circle II. Tot. Sieg 14:10; Pl. 12, 18:10." Heiße Favoritin war bei diesem Rennen die freilich im Maule etwas diffizile Stute Caneton.— 82 III. Preis der Stadt Köln. Ehrenpreis im Werte von 1000 M. dem siegenden Reiter und 2000., gegeben von der Stadt Köln: dem zweiten Pferde 500., dem dritten 300 M. JagdRennen. Handikap. Herren=Reiten. 3200 Meter. 1. Farry Godmother, Fuchsstute des Hrn. K. Utzschneider(Leutnant Braune); 2. Greville, brauner Wallach des Hrn. H. Blender; 5. Raosa, braune Stute des Hrn. E. v. Kracker. Leicht gewonnen, eine Länge vor Greville, welcher Raosa um eine halbe Länge schlug; vier Längen zurück das vierte Pferd. Außerdem liefen Mir auch mal, Ader, Black Mark, Belted Lad, Sweet Boy. Tot. Sieg 25:10; Pl. 12, 21, 12:10. Hier erfreuten sich vor allem Mir auch mal und Fairy Godmother des Vertrauens der Wettenden; letztere hatte das schwerste Gewicht vom ganzen Felde zu tragen, was bei dem tiefen Geläuf besonders in die Wagschale fiel, sie aber nicht am Sieg hinderte. Auch Raosa hatte viele Freunde. IV. Kronprinzessin=Cecilie=Jagd=Rennen. Ehrenpreis der Kronprinzessin dem siegenden Reiter und 6000 M. dem ersten Pferde, 2000 M. dem zweiten, 1000 M. dem dritten, 600 M. dem vierten, 400 M. dem fünften Pferde. Ferner dem Reiter des (Fortsetzung siehe Seite.) Kölner Local=Anzeiger. Köln, 26. Mai 1908. E Unterhaltendes. sE 6 Der blinde Passagier. Von Georg Persich. Der alte Steenhop behauptete, daß es wohl kaum einen Kavitän gebe, der nicht einmal einen blinden Passagier auf seinem Schiffe gehabt hätte. Die größten Schlauköpfe würden von ihnen hinters Licht geführt, und wenn man im Hafen auch noch so scharf Ausguck halten ließ— es schliche sich doch mal einer an Bord und käme zum allgemeinen Hallo erst zum Vorschein, wenn man auf hoher See wäre und an Umkehr nicht mehr denken könne Wie die Ratten verkriecht sich die Bande,“ sagte er.„Und glaubt mir, Kinder, es sind Jüngelchen darunter— oha! Die sollte man lieber gleich in den großen Kessel schmeißen. Aber das ist unchristlich und ist auch von Rechts wegen verboten. Meinen ersten blinden Passagier erlebte ich als junger Kapitän. Er hatte sich in Kapstadt auf meinen Dampfer geschmuggelt und wollte die Fahrt nach Old England mitmachen. Es ware bald schief gegangen. Zwischen Kisten und Packen hatten sie ihn im Laderaum beim Verstauen so fest eingekeilt, daß er erst nach zehn Tagen einen Ausgang fand. Der ganze Kerl war nur noch Haut und Knochen und konnte kaum auf den Beinen stehen. Wochen hat's gedauert, bis er wieder menschlich aussah. Und weil er so jammerte, und auch sonst kein übler Bursche zu sein schien, nahm ich mir vor, ihn drüben laufen zu lassen und nicht an die Polizei auszuliefern. Er hat's aber gar nicht abgewartet sondern ist von selber gelaufen. Hatte auch guten Grund, sich chnell unsichtbar zu machen! Wie ich nämlich später erfuhr, war's ein ausgerissener Sträfling, für den sie am Kap die hänferne Halsbinde schon zurechtgelegt hatten. Die Nummer Zwei hab' ich nach langen Jahren genossen hatte schon graue Haare. Es war auf'ner Reise von NewOrleaus nach Havre. Wir waren vorm Kanal angelangt, als der Steuermann meldete, daß die Mannschaft'nen blinden Passagier aufgestöbert hätte. Ich ließ ihn mir gleich vorführen. Ein Strolch war’s— ein Galgenvogel— zerlumpt, schmierig Ie habe ihn nicht übermäßig höflich begrüßt,'s war doch auch wahrhaftig kein Anlaß danach— aber was erwiderte mir „Kapitän, ich bin ein Edelmann und wünsche als solcher behandelt zu werden.".16 Sun u kr2t, 12. ud kaslt Ein vollendeter Edelmann seid Ihr,“ sagte ich,„und behandelt werden, wie Ihr's verdient. Aber erst das Nationale. Notieren Sie, Steuermann! Der Name?“ „John Smith, amerikanischer Bürger.“ Wir mußten lachen. Der wievielte John Smith in den Vereinigten Staaten? „Der achtmalhunderttausendneunhundertunddreiundsiebzigste,“ gab er ohne Besinnen zurück, als handle es sich um die Beantwortung einer ernsthaften Frage. „Und wo und wann geboren?“ In Jamestown in Wisconsin, im Jahre des großen Hurricanes, wobei dem letzten Büffel am Michigan das Lebenslicht ausgepustet wurde." Er will seinen Witz mit uns machen!“ giftete sich der Steuermann und hielt dem Burschen die Faust unter die Nase. „Nicht, Mister!“ riet ihm der und blinzelte mit den Augen. „Ich bin Preisboxer und schlage mit zwei Hieben dem stärksten Mann alle sieben Rippen ein.“ Der Steuermann wollte es darauf ankommen lassen, ich untersagte aber alle gegenseitigen Liebkosungen. „Sie werden eingelocht werden," erklärte ich dem Gentleman und Preisboxer kurz,„und ich empfehle Ihnen, sich zu fügen. Sonst lasse ich Sie in Eisen legen und, wenn's not tun sollte, krumm schließen.“ Er grinste.„„ Well, aber ehe Sie mich einsperren, Kapitän, möchte ich ein paar Worte mit Ihnen unter vier Augen reden.“ Ich wollte erst nicht, da er aber bat und bat, ließ ich den Steuermann hinausgehen Kapitän,“ meinte nun mein Gegenüber, als wir allein waren, „ich liebe die Freiheit, liebe sie so sehr, daß Sie sie mir nicht nehmen sollten!“ „Es bleibt dabei!“ 44t 1i „Hm— es ist auch von wegen— ich möchte nicht gern lebendig gebraten werden, Kapitän. War das ein Irrsinniger?“ O— hier oben ist alles in Ordnung!“ versicherte er, meine Gedanken erratend, und tippte mit dem Zeigefinger gegen die Stirn.„Sie sollten mir schon glauben, Kapitän, sonst— sonst könnten Sie auch lebendig gebraten werden!" Zweifellos ein Verrückter! Ich machte Miene, den Steuermann wieder hereinzurufen. Er vertrat mir den Weg. „Kapitän, was ich sagte, ist weder Tollheit noch'n Spaß, Und es ist auch ebenso wahr, daß ich nicht der einzige blinde Passagier auf Ihrem Schiffe bin.“ Bgge“ „Es sind außer mir noch zwei drauf. Ich erschrak nun doch. „Noch zwei? Und wo?“ Er grinste wieder. „Die sind gut aufgehoben, Kapitän, sehr gut. Aber herauskommen möchten sie trotzdem. Sie trauen sich nur nicht. „Wir werden ihnen nachhelfen!“ drohte ich. Wird nichts nützen. Sie sind nicht mal auszuschwefeln, so haben sie sich verkrochen. Weil sie aber möglichst glatt an Land wollen, haben sie mich beauftragt, auszukundschaften, was Sie für'n Mann sind, Kapitän. Ob sich mit Ihnen vernünftig reden läßt oder nicht.“ Außerordentlich schmeichelhaft für mich“ lautete meine Entgegnung,„daß Sie und Ihresgleichen freundschaftlich mit mir verhandeln wollen. Ich kann die Zeit nicht erwarten, wo ich das seltene Vergnügen haben werde: darum sollen meine Matrosen die Herren herbeibitten, und zwar mit Tauenden.“ „Kapitän,“ sprach er da fast feierlich,„vor einer halben Stunde finden sie meine Kameraden bestimmt nicht. In längstens einer Stunde wollten sie aber Nachricht von mir haben, und wenn diese ausblieb, sollte das bedeuten, daß mit Ihnen nichts anzu fangen sei. Eine halbe Stunde ist um— reichlich...“ „Und wenn die ganze um ist?“ Die Ladung besteht aus Baumwolle und Oel! „O Ihr Schurken! Wolltet Ihr etwa Feuer anlegen?“ Jetzt streckte ich dem Burschen beide Fäuste unter die Nase. Er rührte sich nicht. Jeder Augenblick war kostbar. Die gefährlichen Gesellen unten im Schiffsraum in einer halben Stunde finden zu wollen, war tatsächlich aussichtslos, es war auch kaum fraglich, daß sie ihr Vorhaben sofort ausführen würden, sobald sie die Bemühungen bemerkten. Was hatten sie denn zu verlieren außer ihrem bißchen jammervollen Dasein? Bei mir standen mein schönes Schiff, die wertvolle Ladung, stand eine große Anzahl Menschenleben auf dem Spiel! Die Mannschaft und einige fünfzig Passagiere, die sich meinem Dampfer für die Europareise anvertraut hatten! Ihre Sicherheit mußte mir über alles gehen. Ich zwang mich deshalb zur Ruhe. „Also freie Ueberfahrt wollt Ihr haben? „So ist es, Kapitän.“ Nun gut, ich werde mir's überlegen.“ „Wir landen aber wahrscheinlich schon morgen!" wandte er ein. „So sollt Ihr bis heute abend Bescheid haben.“ Er war noch nicht zufrieden. „Sagen wir in spätestens drei Stunden." „Meinethalben! Aber wie erfahren's die beiden im Schiffsraum?"„. 10„ a Durch ein verabredetes Signal. Es ist alles vorgesehen. Aber Ihr Wort, Kapitän, daß Sie vor Ablauf von drei Stunden nichts gegen uns unternehmen werden!“ Ich versprach's. „Darf ich jetzt das Zeichen geben?“ Ich begleitete den ehrenwerten Herrn selbst hinunter in den Schiffsraum, indem ich dem verwundert dreinschauenden ersten Steuermann bedeutete, daß ich mir den Ort zeigen lassen wollte, wo jener sich verborgen gehalten. Unten angekommen, entlockte John Smith einem Pfeifchen drei langezogene schrille Töne. Das würde verstanden werden, sagte er. Dann folgte er mir wieder auf Deck. Es war regnerisches Wetter, und die Reisenden hielten sich fast sämtlich in den Kajüten auf. So war der ungewöhnliche Vorfall hoffentlich ohne unbequeme Zeugen geblieben. Ich führte meinen interessanten Passagier nach einer leeren Kabine in der Nähe der meinigen, ließ ihm zu essen geben und schloß ihn ein. Drei Stunden zerbrach ich mir nun den Kopf, was zu beginnen sei. Es widerstrebte mir, mich einschüchtern zu lassen und den Schuften zu Willen zu sein. Auf der andern Seite stand fest, daß ich Passagiere und Mannschaft nicht einer Gefahr aussetzen durfte, die ich abzuwenden vermochte. Den kleinen Finger hatte ich den drei sauberen Gesellen schon gereicht, mit schwerem Herzen wurde ich mir bewußt, daß ich ihnen die ganze Hand nicht vorenthalten konnte. John Smith schlief den Schlaf des Gerechten, als ich nach Ablauf der Frist seine Kabine betrat. Er lag in der Koje und schnarchte. Als er geweckt war, hörte er meine Antwort wie etwas selbstverständliches an. Ich hätte ihn doch am liebsten krumm schließen lassen. Ist recht von Ihnen, Kapitän," belobte er mich mit der kaltblütigen Unverschämtheit, die einen zur Wut reizen konnte, „man muß immer human sein gegen seine edlen, aber armen Mitmenschen!“ Holen Sie Ihre Kumpane!“ schrie ich ihn an.„Sie werden zusammen diese Kabine bewohnen, bis wir vor Anker gegangen sind. Dann scheren Sie sich“——— Zum Teufel!" ergänzte er trocken.„Setzen Sie nur noch gütigst Ihren Namen auf diesen Zettel, damit ich meine sehr argwöhnischen Freunde vollkommen beruhigen kann." Er reichte mir ein bereit gehaltenes Stück Papier:„Freie Passage von New Orleans nach Havre für John Smith, William Copper und Harry Bloomfield.“ „Hier ist die Unterschrift. Nun aber"... Er schüttelte den Kopf, als begreife er nicht, weshalb ich so aufgebracht sei, steckte den Zettel in seine Hosentasche und verließ mit einem beleidigend wohlwollenden Seitenblick die Kabine. Ich wartete, daß er mit Mr. Copper und Mr. Bloomfield zurückkehre, wartete und wartete. Niemand kam. Sollten die Halunken sich eines andern besonnen oder sollten sie ihren verruchten Plan voreilig ins Werk gesetzt haben? Die Unruhe trieb mich hinaus. Aber was war das? Die Tür war von außen verschlossen. Ich hämmerte aus Leibeskräften dagegen. Eine Ewigkeit verging, bis man aufmerksam wurde und mich aus meinem Gefängnis befreite. Das ganze Schiff wurde abgesucht— Kajüten, Zwischendeck, Mannschaftslogis, Laderaum und sogar die Bunker. Stundenlang dauerten die Nachforschungen— nicht eine Spur— weder von John Smith noch von seinen Komplicen. Wir kamen in Havre an, die Passagiere verließen das Schiff, die Ladung wurde gelöscht——— Smith und Konsorten waren und blieben verschwunden. Aber zwei Tage nach unserer Ankunft erhielt ich einen Brief aus Paris. Da schrieb mir jemand mit verstellter Hand: „Freundlichen Gruß und nichts für ungut, Mr. Kapitän. Danke Ihnen auf diesem Wege, daß Sie mich tausend Dollar haben gewinnen lassen. War bald nach unserer Abfahrt in New=Orleans mit zwei Bekannten— Namen zu nennen verbietet Diskretion— eine Wette eingegangen. Beide hielten es für unmöglich, daß heutzutage ein blinder Passagier unbehelligt über den großen Teich kommen könnte. Ich erbot mich, iynen zu beweisen, daß gleich drei blinde Passagiere auf einmal das Kunststück fertig bringen würden. Verließ mich darauf, daß ich einst ein paar Monate geschauspielert habe. Entscheiden Sie als Unparteiischer, Kapitän: Wie gefiel Ihnen meine Deklamation: Wie war die Haltung? Wie das Kostüm? Möchten Sie so zufrieden damit sein, wie ich mit dem Honorar für das kleine Gastspiel. Nochmals Gruß und nichts für ungut! (pirn cu Ihr John Smith.“ Kölner Local-Anzeiger Nr. 145# Dienstag, 26. Mai 1908. Seite 9. (Fortsetzung von Seite 8) seiten Pferdes ein vom Kölner Rennverein gegebener Ehrenpreis. 5# reiten von aktiven oder Reserveoffizieren der deutschen Armee in Uniform. Für vierjährige und ältere Pferde aller Länder handikap. 5200 Meter. 1. Sonnenstrahl, brauner Hengst d# Hrn..v. Brandt=Schmerwitz(Lt. Braune); 2. Le Caire, FuchsWallach des Hrn. Field(Lt. v. Sydow); 3. Don Augusto, FuchsWallach des Hrn. Lt. Fusban. Sicher gewonnen, drei Längen vor de Caire, anderthalb Längen zurück das dritte Pferd, Ueberdies siefen Feretti, der ausbrach, Paddy, Argyll, Marauder, Souci. Tot. Sieg 35:10; Pl. 14, 18, 20:10. Die meisten Freunde hatte Paddy, der gestern freilich zum erstenmal in diesem Jahre an den Start ging und schon seit dem Juli * gefeiert hatte, mit welchem Monat er infolge einer Sehnenbeschädigung seine erfolgreiche Tätigkeit hatte beschließen müssen. Allein ihm ging ein guter Ruf voraus; war er doch Sieger im sortmunder Jagdrennen, im Großen Dresdener Jagdrennen und im Berliner Jagdrennen. Er hatte freilich das höchste Gewicht des anzen Feldes zu tragen, was bei einer Reise über 5200 Meter schon etwas heißen will. Ein anderer Teil der Wettenden schenkte sein Vertrauen Sonnenstrahl I, der ein glänzender Springer ist und sich unlängst in Karlshorst und Hoppegarten bewährt hatte. Nicht unbeachtet war auch der Franzose Le Caire, welcher vor kurzem bei der Badenia in Mannheim gezeigt hatte, daß er galoppieren kann; ihm pflegt weiches Geläuf sehr gut zu gefallen. e e Nach diesem Rennen verließ das Kronprinzenpaar, welches den Prinzen Oscar zu sich in den Wagen genommen hatte, unter begeisterten Hochrufen die Rennbahn auf dem gleichen Wege, wie es gekommen war, gleich darauf auch die Schaumburg=Lippeschen herrschaften. Nun setzte wieder ein feiner Regen ein, wie bei der V. Vereins=Jagdrennen. 1800 M. dem ersten, 400 M. dem zweiten, 200 M. dem dritten, 100 M. dem vierten Pferde. Für 4jährige und ältere inländische Pferde. 3800 Meter. 1. Reinhardsbrunn, schwarzbrauner Wallach des Herrn I. W. Neuß(Bastian); 2. Stern, Fuchswallach des Herrn E. v. Kracker; 3. Judith I, braune Stute des Herrn J. F. Jannink(gestürzt). Mit zweieinhalb Längen gewonnen. Tot. Sieg 31:10. Judith I erwartete man in Front; auch dem im Gewicht günstig stehenden Wallach Reinhardsbrunn fehlte es nicht an Anhängern. VI. Hürdenrennen. 1400 M. dem ersten, 300 M. dem zweiten, 200 M. dem dritten, 100 M. dem vierten Pferde. Für 3 jährige und ältere inländische Pferde. 2400 Meter. 5 Hürden. 1. Krefeld, Fuchshengst des Hrn. E. v. Kracker(Luda); 2. Kap Martin, Fuchswalach des Hrn. V. Herfeldt; 3. Pappenheimer, Fuchswallach es Hrn. M. Robert; 4. Ilona, schwarzbraune Stute des Frhrn. Nur um einen Hals gewonnen; 20 Längen zurück Lappenheimer, den nur ein Kopf von Ilona trennte. Außerdem „ Gat Sion I. 10. Mlatz Cl. v. Romberg. liefen Fischer(gestürzt) und Kaper. Tot. Sieg 14.10; Platz 17, 24:10. Cap Martin debütierte über Sprünge. Die meisten Freunde hatte wohl Crefeld; der schwer mit Gewicht bedachte Pappenheimer war aber trotzdemn nicht unbeachtet. Keinerlei ernster Unfall trübte den Verlauf der Rennen. Cheater und Ronzerte. 9 Opernhaus. Eingetretener Hindernisse wegen kann am Freitag den 29. d. M. Der Freischütz nicht gegeben werden; statt dessen geht Der Zigennerbaron in Szene. 0 Sommertheater an der Flora. Der Erfolg der Aufführung Der Tanzhusar veranlaßt die Direktion, diesen lustigen Schwank noch weiter auf dem Repertoire zu belassen. Am Mittwoch wird der Aufführung der Schriftsteller und Mitverfasser des Werkchens hru. Harry Pahlmann beiwohnen. Eleine Mitteilungen. 9 Union-Theater.(Hohestraße am Bismarckdenkinal.) Ein Programm von zweistündiger Dauer wird diese Woche gezeigt. Der erste Teil umfaßt aktuelle belehrende und dramatische Bilder, von denen namentlich hervorzuheben sind: Die Festlichkeiten am 25. Mai in Köln zu Ehren des Kronprinzenpaares. Das malerische Sicilien; Der Silhouettenzeichner; ein Drama Elend und Ehrlichkeit; Wiener Jubiläumstage usw., sowie mehrere kolorierte Sachen.— Der zweite Teil umfaßt nur Bilder humoristischen Inhalts. Zu den Landtagswahlen. 26.Mai1908. Die Liberalen versammelten sich am Sonntag in der Lese, um sich durch die Reden ihrer Führer Professor Moldenhauer und Dr. Wiemer für die Landtagswahlen vorbereiten zu lassen. Nach einem Klagelied des Herrn Moldenhauer über die Ohnmacht und Zerfahrenheit des Kölner Liberalismus redete Herr Dr. Wiemer über die politische Lage in Preußen und die Landtagswahlen nach blockpolitischem Rezept. Die Art und Weise, wie Herr Wiemer über seine Partei und die Politik zu sprechen beliebte, gab einigen sozialliberalen Herren Veranlassung, ihm in scharfer Weise entgegenzutreten. Die Herren Dr. Klein und Dr. Pohlschröder gingen mit dem Wiemerschen Liberalismus scharf ins Gericht. Das rief Herrn Rechtsanwalt Falk auf den Plan, der sich mit den Ausführungen Wiemers einverstanden erklärte und den Herren Klein und Pohlschröder den Stuhl vor die liberale Tür setzte, wie es am Dienstag voriger Woche bekanntlich Herr Moldenhauer mit Herrn Georg Fischer getan hatte. Ein Mitglied des Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereins erklärte, daß die Arbeiter kein Vertrauen zu den Liberalen hätten. Hr. Dr. Wiemer suchte den Eindruck der Kritik zu verwischen und ging mit tönenden Worten darüber hinweg. Einen guten Abgang glaubte er sich mit einem Zitat des freisinnigen Dichters Albert Träger sichern zu können. Die Versammlung verstärkte den Eindruck, den die liberale Trauerversammlung am Schlußtag der Stadtverordnetenwahl hinterließ, und worüber die sozialdemokratische Rhein. Ztg. unter der Ueberschrift,„Der sterbende Liberalismus“ berichtete. 6 Mülheim(Rhein), 26.Mai1908. Heute abend 8½ Uhr findet im Saale bei Mack, Freiheitstraße, für den Pfarrbezirk Maria Himmelfahrt eine Zentrums=Wählerversammlung statt, in der bewährte Redner sprechen werden. Bei der Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen ist auf zahlreichen Besuch zu rechnen. (0) Bensberg, 25.Mai1908. Gestern vormittag tagte im Rheinischen Hofe hierselbst eine Zentrums=Versammlung, in der sich unser Kandidat für die Landtagswahl, Herr Brors, seinen Wählern vorstellte. Herr Brors wohnt in Bockum=Crefeld. Er führte in einer längeren Rede aus, daß er in dem Wahlkreise wohlbekannt sei, da seine Eltern früher das Gut Plantage b. Kalk bewirtschaftet hätten. Er versprach die Interessen des Wahlkreises mit seinem ganzen Können zu vertreten und auch während der Legislaturperiode ganz besonders den politischen Versammlungen beizuwohnen, um sich zu orientieren und Fühlung mit den Wählern des Kreises zu haben. Ferner führte er aus, daß er nicht allein die Landwirtschaft vertreten wolle, sondern auch nach den Grundsätzen des Zentrums für Gewerbetreibende, Beamte und für die Arbeiterschaft eintreten werde. Nachdem noch einige Herren kurze Ansprachen gehalten hatten, wurde die Versammlung vor 1 Uhr geschlossen. Neues aus Köln. 4 Der Prozeß Peters—Kölnische Zeitung nahm heute in der Berufungsinstanz ein schnelles Ende. Die Verreidigung der Angeklagten Brüggemann und v. Bennigsen erhob den Einwand der Verjährung. Der Gerichtshof entschied: das Verfahren gegen Brüggemann ist ab zuweisen, gegen v. Bennigsen als unzulässig einzustellen. 1 Obdachlos. Am Sonntag trafen auf dem hiesigen Hauptbahnhof 20 russische Arbeiter ein, die auf einem Gute in der Eifel beschäftigt gewesen, aber wieder entlassen worden waren. Da die Arbeiter obdachlos waren, so wurden sie zur Heilsarmee gebracht. Unfälle wahrend der Rheinbeleuchtung. Gestern abend fiel am Bayenturm eine etwas kurzsichtige Frau aus der Zwirnerstraße und erlitt erhebliche Kopfverletzungen.— Am Oberländerufer fiel ein 16jähriger Junge, der sich das Feuerwerk ansehen wollte von einer Droschke, und zog sich einen Schulterbruch zu.— Auf dem Übierring kam im Gedränge ein schon bejahrter Mann während des Feuerwerks zu Fall und trug erhebliche Stirnverletzungen davon. Kölns Nachbarschaft. E Mülheim(Rhein), 24.Mai1908. Die Straßen unserer Stadt, die der Kronprinz und die Kronprinzessin heute vormittag zwischen 10 und 11 Uhr passieren sollte, hatten reichlich geflaggt und die Bürgersteige waren vom Publikum besetzt. Die Schulkinder sowie die verschiedenen Vereine waren zur Spalierbildung ausgerückt. Da kam die telegraphische Nachricht von Düsseldorf, daß die hohen Herrschaften des anhaltenden Regenwetters wegen den hier um 12,4 Uhr fälligen Zug benutzen würden. Enttäuscht hatten sich die Zuschauer zurückgezogen, als gegen 12 Uhr das Kronprinzenpaar im Automobil ankam, der Kronprinz in der Pasewalker KürassierUniform mit seiner Gemahlin im ersten, und in einem zweiten und dritten Automobil das Gefolge. Am Bahnhofe gab es für die Herrschaften einen kleinen Aufenthalt, weil die Schranken wegen des Schnellzuges geschlossen waren. Voller Neugierde umdrängte die Jugend des Kronprinzen Auto, woran der Kronprinz sichtlich seine Freude hatte. Nach dieser kurzen Unterbrechung ging die Fahrt ungestört weiter. a Urbach, 25.Mai1908. In der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr kam das Pferd des Bäckermeisters Buchmüller aus Urbach allein ohne Wagen in Urbach an. Als man gestern sich auf die Suche nach dem Bäckermeister begab, fand man den Wagen bei Westhofen im Felde in einem Loche liegend an der Rheindorfstraße vor. Den Hut des Bäckermeisters Buchmüller fand man ebenfalls im Felde in der Nähe des Wagens neben einem blutbefleckten Ziegelstein vor. Ob nun hier ein Verbrechen vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Auch hat man die Geldtasche des Buchmüller nicht gefunden. Die Kölner Kriminalpolizei hat sich der Sache angenommen. Bis jetzt hat man von., der etwa 45 Jahre alt und verheiratet ist, noch keine Spur. x Köln, 26.Mai1908. Amtlicher Bericht der städtischen Markt verwaltung. Niedrigster und höchster Preis im Kleinhandel. Rindfleisch, von der Keule M. 0,79-0,86, vom Bauch 0,68—0,76, Kalbfleisch 0,79-0,90, Hammelfleiseh 0,72-0,93, Schweinefleisch 0,89-0,93 (alles einsehliesslich Knoehenbeilage), Speck, hies, geräuchert, 0,82-0,84 das Pfund. Hähne, alte,.50-1,90, junge,.,25-1,50, Hühner, alte, 1,40-2,35 junge, 1,20—1,40, Tauben, alte,.30-0,35, junge 0,50—0,60 lebend das Stück. Gänse 7,25-.25, Enten 3,90-5,00, Hähne, alte, 1,60-2,00, junge .45-1,90, Hühner, alte,.60-2,75, Tauben, alte, 0,30-0,35, junge.55-— .70 geschlachtet das Stück. Rollmops.07 das Stück, Sardellen.60, Sardinen.60 das Pfund, Bratheringe 0,10 das Stück, Stockfisch.60. Molkereibutter 1,30-.40, Kochbutter 1,15-—.20, Landbutter.25-.35 das Pfund. Landeier, frische,.75-2,00 die 25 Stück. Schweizerkäse 1,00-— .20, Holländer 0,70-1,00, Tilsiter.85-0,90, Edamer 0,80-0,90, Lim burger.50-.55 das Pfund, Mainzer 0,05, Camembert.40-0,45 das Stück. Aepfel, Tiroler, Ess-.42-.50, austral. Ess-.65-0,75, Kirschen, susse, franz..40-.50, ital..40-.50, Erdbeeren, ausl..60-.80. Stachelbeeren 0,30—.35 das Pfund. Apfelsinen, Valencia 0,07—0,08, Messina 0,08 .10, Zitronen.04-.05 das Stück. Kartoffeln, rote, 0,04-.05, Nieren 0,07. weisse 0,04-0,05, Malta 0,08, ital..10-0,12 das Pfund, Kopfsalat, inl..05-C,08. holl. 0,05-0,08. Blumenkohl, ausl.,.25-0, 35, Wirsingkohl Petersilie.15—.20 die Portion, Sellerieknollen 0,20-.40, Meerrettic .20-.25 das Stück, Radieschen, inl. 0,03-—0,05, Sehwarzwurzel, hies. .10-0,12, Schnittlauch.03 das Gebund, Zwiebeln, ägypt. 0,10-0,12, das Pfund, Rhabarber 0,06-0,07 das Gebund, Spargel, Gemüse-.55-.60, Suppen-.30-0,34 das Pfund, Gurken, engl. 0,30-0,35, holl. 1.25Ss uas Btuchg Oinsiaken, 25.Mai1908. Zuchtviehmarkt. Aufgetrieben waren insgesamt 1339 Stück Rindvieh, 3 Kälber, 3 Fohlen. Die Preise stellten sich wie folgt: A. Kühe: 1. Beschaffenheit M. 540-630, einzelne höher. 2. M. 460-510, 3. 330-380. Tragende Rinder M. 290—450. B. Stiere M. 170—380. Geschäft mittelmässig. Ueberstand. Der nächste Zuchtviehmarkt findet am 9. Juni statt. Fruchtpreise. K Köln, 26.Mai1 908. Fruchtmarkt. Weizen 21,25-21,50, Roggen 19.75—20,00, Hafer 17,00-17,25, Heu 8,00-10,40, Maschinenstrob(Roggen) 3,70, Richtstroh(Flegeldrusch).00. Krummstroh.40 die 100 Kll. ap; Neuss, 26. Mai1908. Fruchtmarkt. Weizen, 1. Sorte M. 21.50, 2. 20.50. Roggen, 1. Sorte M. 19.50, 2. 18.50, Hater, 1 Sorte M. 17,00. 2. 16,00 die 100 Kil. Kartoffeln M. 3,00-.50, Heu M. 3,70-4,20, Luzernerheu M. 4,60 die 50 Kil. Krummstroh M. 17,00, Breitdruschstroh M. 19,00 die 500 Kil. Kleie M..40 die 50 Kil. Preise unverändert. Wetterbericht der Kölnischen Volkszeitung. Köln, 26 Mail908. Von der gestern erwähnten Depression scheint ein Teilminimum über Südschweden zu liegen; die Depression selbst hat sich verflacht und das Hochdruckgebiet hat sich von der Biskayasce nordwärts bis nach Schottland und ostwärts bis nach Russland ausgebreitet.„„ Das Wetter ist trüb bei südwestlichen und westlichen Winden. Der Osten meldet Gewitter, Mitteldeutschland Regen; im Westen haben die Niederschläge etwas nachgelassen. Mit Ausnahme von Ostdeutschland, wo jetzt auch kühle Witterung herrscht, ist es etwas wärmer geworden, doch liegen Edie Temperaturen noch weit unter normal. Mutmassliche Witterung für den 27. Mai: Mässig kühl; dabei noch immer bedeckt oder wolkl. Wasserstand am 26. Mai 1908. Mannheim, 11 vorm., 5,33--0,21 m1 Köln, 11 vorm., Caub, 9 vorm.,.75--0,30 m Wesel, 9 vorm., .75+.44 in .88-0,29 m Am Mittwoch den 27. Mai 1903, Nachmittags 3 Uhr, sollen zu Cöln gegen gleich hare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Sofa mit Plüsch und 1 nußb. Trumeauspiegel mit Konsole. Sammlung der Kaufliebhaber Ecke Reinold= und Bobstraße. Bardenheuer, Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwungs-Versteigerung. Am Mittwoch, 27. Mai 1903, vormittags 11 Uhr, sollen im Pfandlokale Marien= platz 24 zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Schreibtisch, diverse Hausmobilien u. a. m. Heidt, Gerichtsvollzieher in Cöln, Hansaring 76. Zwangs-Verkeigerung. Am Mittwoch den 27. Mai 1906, nachmittags 4 Uhr, sollen im Pfandlokale Weyerstraße 106 zu Cöln gegen gleich dare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: Büfettschrank in Nußbaum, I Pfeilerspiegel in Mahagoni mit Marmorplatte, 1 Pianino mit schwarzem Kasten u. a. m. Lauck, Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwangs-Verseigerung. m Mittwoch den 27. Mai 1906, nachmittags 4 Uhr, sollen im Pfandlokale CölnKlettenberg, Luxemburgerstr. 262, gegen gleich bare Zahlung offentlich meistbietend versteigert werden: I. 1 Vertiko mit Spiegel. „2. 1 Chaiselongue m. Decke, 1 Tisch mit Decke, 1 Wandteppich. 3. 1 Waschkommode mit Marmorplatte, Spiegel, 1 Nähmaschine. .,1 ovaler Tisch, 1 kl. Wandschränkchen mit Konsole, 1 Nähmaschine, 1 Hobelbank, 1 Vogelkorb, 1 Korb Werkzeuge. 5. 1 Vertiko. „ Eiser, Gerichtsvollzieher in CölnKlettenberg, Siebengebirgsallee 1. Am Mittwoch den 27. Mai 1908, mittags 12 Uhr, sollen im Pfandlokale Glockengasse 39 zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: a. 10 Kannen Luftlack, Lexikon, Wappen, Schränke, b. Geldschrank, Handwagen, Leiterwagen usw. Tervooren, Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Mittwoch den 27. Mai 1903, nachmittags 4 Uhr, sollen im Pfandlokale Rolandstraße 96 in Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meist bietend versteigert werden: D. B. Nr. 257. 30 Fl. Kognak, 2 Fässer in Eichen, D. B. Nr. 287. 1 Sofa, 1 Fahrrad, 1 Kleiderschrank, 1 Spiegel, D. B. Nr. 277. 1 Piano. D. B. Nr. 262. 1 Sofa in Plüsch D. B. Nr. 2036. 1 Spiegelschrank, 1 Büsett. D. B. Nr. 5. 1 Schreibsessel, Bauerntisch, 1 Regulateur. D. B. Nr. 270. 1 Geldschrank, 1 Magnetmaschine, 1 Dezimal wage, 1 Tisch, 1 Kondenstopf usw Linz, Gerichtsvollzieher in Cöln, Rolandstraße 96. Zwangs-Versteigerung. Am Mittwoch, 27. Mai vormittags 9½ Uhr, sollen im Bureau des Unterzeichneten Hildeboldplatz Nr. 23, 2. Etage gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Damen=Unterrock, sodann um 10½ Uhr im Pfandlokale Weidengasse 34: 1 kompl. Ladeneinrichtung, ca. 40 Mille dess. Zigarren. Verkauf der Zigarren voraussichtlich bestimmt. Gerichtsvollzieher in Cöln, Hildeboldplatz 23. Zwangs-Versteigerung. Am Mittwoch den 27. Mai 1908, Nachmittags 4 Uhr, sollen im Pfandlokale Thieboldsgasse 146 zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Pianino, 2 Vertikos, 2 Kleiderschränke, 1 Sofa, 2 Sessel, 2 Oesen, 2 Bettstellen usw. Walbroel Gerichtsvollzieher in Köln,* Ehrenstraße 73. Am Mittwoch den 27. Mai 1903, nachmittags 3 Uhr, sollen im Versteigerungslokale Friesenstraße 53 bezw. an Ort und Stelle gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: a. 1 Sofa, 1 Waschkommode b. 1 Schreibtisch mit Rohrsessel, 1 amerikanisches Schreibpult mit Rohrsessel, 1 Bücherschrank und 1 komplette Bade einrichtung mit Gasofen. Otto. Gerichtsvollzieher in Cöln. Iu-prrs Am Mittwoch d. 27. Mai 1908, nachmittags 5 Uhr, sollen im Pfandlokale Venloerstr. 265 zu Cöln=Ehrenfeld gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: a. 12 Otzd. Schweißblätter, 8 Meter Tüllspitze. b. zirka 1000 Blumentöpfe, emailliert, und Untersätze, 22 Büchsen flüssige Emaille, zirka 130 Kilo, Ofen. Verkäufe finden statt. Tervooren Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Mittwoch den 27. Mai 1903, Nachmittags 4 Uhr, sollen im Pfandlokale Rolandstraße 96 in Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Partie Haarnadeln, Knöpfe, Wollgarn usw. Anschließend: 1 Partie gebrauchte Möbel sowie 5 Bohrmaschinen und 1 Stauchmaschine. Linz, Gerichtsvollzieher in Cöln, Rolandstraße 96. Zwangsversteigerung. Am Mittwoch den 27. Mai 1903, nachmittags 5½ Uhr, sollen im Auktionslokale Freiheitstraße 35 in Cöln=Deutz gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Vertike. Wolf. Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwangs-Verkeigerung. Am Mittwoch den 27. Mai 1908, vormittags 11 Uhr, soll im Auktionslokale Sternengasse 10 gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden:“ Ein Pferdegeschirr. Wolf, Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Mittwoch den 27. Mai 1906, nachmittags 2½ Uhr, soll zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Eisschrank. Sammlung der Kaufliebhaber Ecke Hahnenstraße u. Mauritius= wall. Bardenheuer, Gerichtsvollzieher in Cöln.* m 27. Mai 1903, mittags 11 Uhr, sollen Pfälzerstraße 1 zu Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: Sofa in rotbuntem Bezug, 2 Kleiderschränke, 1 komplettes Bett, 1 Waschkommode, 1 Diwan in rotem Bezug, 1 Waschkomm. mit Marmorplatte und Spiegel, Serviertisch, 1 Tisch, 1 Vertiko, 1 Diwan in rotem Bezug, 1 eintür. Kleiderschrank. Urbau. Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Mittwoch, 27. Mai 1908, mittags 12 Uhr, sollen im Auktionslokale Ursulagartenstraße 16 in Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Kleiderschrank, 1 Waschkommode und 1 Chaiselonque mit Decke. Strey, Gerichtsvollzieher in Cöln. Zwangs-Versteigerung. Am Mittwoch den 27. Mai 1908. vormittags 10 Uhr, sollen im Auktionslokale Rolandstraße 96, Wirtschaft Schwinge, gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden:“ 19 Bände„Die Baugewerbeschule". Meyer, Gerichtsvollzieher in Cöln. Am Mittwoch den 27. Mai 1908, vormittags 11 Uhr, sollen Trutzenberg 26 in Cöln gegen gleich bare Zahlung öffentlich meistbietend versteigert werden: 1 Herd, 1 Lampe, 1 Tür, 1 Stück Bohle, 1 Partie zugeschnittenes Holz, 1 Partie unfertige Billards. de Laforgne, Gerichtsvollzieher in Cöln. für Salon, Schlafzimmer, Küche und Flur, zu bedeutend herabgesetzten Preisen. S. Schall, Neumarkt 48, Nähe Laach. Postkarten en gros Grösste Auswahl. Nur für Wiederverkäufer. 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Dirigent: Otto Lohse.— Inszeniert von Alexander'Arnals. Mitwirkende: Die Damen: Huhn a.., Widhalm, Dux. einlaß 7 Uhr. Anfang 7½ Uhr. Ende ungefähr 9½ Uhr Große Preise. Donnerstag den 28. Mai 1908. 248. Ab.=Vorst. Serie D. (220. Ab.=Vorst. im Opernhaus.) Anfang 6½ Uhr. Genesius. Oper in 3 Aufzügen von Felix Weingartner. Große Preise. * Im Café täglich * n a c h m., a b e n d s: * Bradnitz* Konzeri. OpernhausRestaurant. Nachm.: Konzert im Caté abends im Wein-Restaut. 4 Bilards. Soupers. Carl Staack. A Köln, nur Schilderg. 72/74 Programm Dramatische Handlung. Ach, diese Schwie germutter Humoristisch. Vögel im Nest. Herrliche Naturaufnahme. Stadtbilder von Direktion: Max Martersteig Mittwoch den 27. Mai 1908. 297. Vorst. 38. volkstüml. Vorst. Cyklus klassischer Dramen VIII. Anfang 7 Uhr: Die Journalisten. Lustspiel in 4 Akten von Gustav Freytag. Inszeniert von Otto Kienscherf. Mitwirkende: Die Damen: Goth, Frey, Lipsky, Ullmann, Scholtz; die Herren: Borcherdt, Becker, Lindner, Aßmann, Kiesau, Tuerschmann, Rittschau, Diehl, Nitzgen, Doser, Thomas, Odemar, Cserwinka, Heber, Turrian. Einlaß 6½ Uhr, Anfang 7 Uhr, Ende ungefähr 10 Uhr. Volkstümliche Preise. Zu dieser Vorst. sind nur noch Galeriebilletts zu haben. Donnerstag den 28. Mai 1908. 298. Vorst. Lagsburh Eigene Aufnahme. Kleitze Automobilisten Sehr belustigend. Sonn- und Feiertags, Montags, Mittwochs und Freitags nachm. von 3½ Uhr a Trollhättafälle in Schweden. Herrliche Naturaufnahme. Die Geegrasernte a. d. breionischen Küste. An Sonn- u. Feiertagen vormittags 11 Uhr: 12000 Mark I Morgenmusik 2. Hypothek 11 Diners, Soupers gesucht vom Selbstdarleiher. I Abendplatten. Off. u. 866 an d. Gesch. d. Bl. Belehrende Naturaufnahme. Ein bißchen Musik. Humoristisch. Der orientalische Teppichhändler.— Herrl. bunt. Verwandlungsf. Preise d. Plätze 55 u. 35 Ab., Ver., Kind. u. Mil. Ermäß. Jed.Donnerstag neues Prog. 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Chor und Orchester sind mit Ausnahme einiger Bläser Schüler des Konservatoriums. Ende ungefähr 10 Uhr: Beginn des Kartenverkaufs im Opernhause vom 2. Juni ab, vormittags 10 bis 1 Uhr. Preise der Plätze(die volkstümlichen Preise des Opernhauses): Fremdenloge, Balkon, Balkonloge, Parkettloge M2.75. I. Parkett K 2,25, 2. Parkett, I. Rangloge, 1. Rang Seite N..75, 2. Rang Mitte 1. und 2. Reihe M..40, 2. Rang hintere Reihen M. 1,20, 2. Rang Seite 1. Reihe K..40, 2. Rang Seite hintere Reihen N. 1,20, Parterre M..20, Galerie K.50.* Der sidele Bauer Morgen, Mittwoch, zum 56. Male: Der sidele Bauer. Donnerstag den 28. Mai, nachmittags. Die lustige Witwe. Abends Der fidele Bauer. an der Flora. Dienstag den 26. Mai, abends 8 Uhr G. m. b. H. Köln, Schilderg. 72—74 (Antoniterhof). Als Zusatz zum Programm v. 23. bis 30. Mai 1908. Ohne Preiserhöhung. Novität Größter Lacherfolg. Novität Schwank in 3 Akten von Jacoby und Pohlmann. (Eigene Aufnahme des Union-Theaters.) 2. Am Adriatischen Meer. Malerische Szenen von der Insel Sizilien. 3. Ein Universalkünstler. Varieténummer. 1. Jubiläumstage in Wien. Aktuelle Aufnahme. 5. Elend und Ehrlichkeit. Ein dramatisches Lebensbild. 6. Die Spitzen-Fabrikation Lehrreiche Industrie-Aufnahme. 7. Vorsicht, eine Bombe. 8. Der Kaiser auf Korfu. Letzte aktuelle Aufnahme. 9. Puppenspiele. Kolorierte Phantasie. II. Teil: Humoristisch. 10. Die Weckuhr. Humoristisch. 11. Eifersucht macht blind. Zum Kranklachen. 12. Ein liebevoller Empfang. Posse 13. Welchen Schaden ein Durch ranrichtet. AmMittwoch den 27.und onnerstag den 28. Mai führt Salon=Schnelldampfer „Albertus Magnus“ Rhein-, Mosel- u. Ahrweine sowie Bordeaux- u. Südweine empfiehlt Weinhandlung und Restauration 5# unter Begleitung einer Musikkapelle nach Bonn-Königswinter-Rolandseck aus. Abfahrt ab Köln Station Schiffbrücke an der Friedrich=Wilhelm= Straße Punkt 1 Uhr. Ankunft in Königswinter gegen 4 Uhr, in Rolandseck 4½ Uhr. 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