Nr. 34. Lolonia Sonntag, 25. August 1907. Sonntagsbeilage zum Kölner Local-Anzeiger. Mit besonderer Abteilung: Für die Frauen und Kinder. Se Se Se Se Se. Wilhelmshöhe. Der Weg zur Berühmtheit ist das Bekanntwerden. Es gibt gar manchen schönen Erdenfleck, der unbeachtet bleibt, weil kein Sommerfrischling, kein Forschungsreisender, kein Gesundheitsapostel mit dem Finger darauf hinweist. Ist es nun ein Fürst, der die Rolle des Wegweisers übernimmt, so wälzt sich alsbald hinter ihm her der Strom von Ausflüglern und Fremden. Seitdem Kaiser Wilhelm II. die Wilhelmshöhe bei Kassel zur Sommerresidenz erhoben hat und die kaiserliche Familie alljährlich mehrere Wochen daselbst zubringt, ist die Anziehungskraft des Schlosses gewaltig gestiegen Wilhelmshöhe ist eigentlich mehr als ein Königsschloß; es gehören dazu reizvolle Parkanlagen mit den weltberühmten Wasserkünsten. Wer einmal unter dem Baune und Zauber dieser harmonischen Vereinigung von Natur und Kunst gestanden, pflichtet vielleicht dem vielgereisten Franzosen bei, der nach einem Besuche niederschrieb:„Wahrlich, in meinem ganzen Leben habe ich nichts Aehnliches gesehen.“ Poesievoller drückte Klopstock sein Entzücken aus:„Mein Gott, welch einen schönen Gedanken hat euer Fürst in Gottes Schöpfung hineingeworfen!" Der Fürst, den er meinte, war ein hessischer Landgraf. Genau genommen, haben mehrere Landgrafen an diesem lieblichen Stück deutscher Erde gearbeitet. Steht man in der von Kassel nach Wilhelmshöhe führenden schnurgeraden Lindenallee, so hat man ein reizendes Bild vor Augen. Vorn auf einer geringen Terrasse das große weißgraue Schloß, von dunklem Waldesgrün umhegt, hinter dem Schloß den bewaldeten Berg hinauf und in gerader Richtung eine grüne Schneise mit den Kaskaden, und hoch oben auf dem Bergeskamm das massige Oktogon, das Riesenschloß mit der hohen Pyramide, auf welcher der Riese Herkules steht. Nach beiden Seiten dehnt sich der Habichtswald aus mit seinen romantischen Höhen und Kuppen, Tälern und Schluchten. Die Anlagen von Wilhelmshöhe haben einen Flächenraum von 252 Hektar. Die Geschichte von Wilhelmshöhe erzählt uns ein Poet: Einst brauste hier das Meer, Es stürmte Berge hin und Täler her, 0 Niederhubers in der Von M. Henle. Heimkehr. In drei Tagen geht's heim! Der Sommer will scheiden, schon seit einigen Tagen blickt die Sonne so verdrossen zwischen den Wolken hervor, als ob sie es müde wäre, immer lachend zu scheinen. Für heute hat Herr Niederhuber noch einen kleinen, gemütlichen Ausflug mit allen Fünfen inklusive Amme geplant, morgen soll gepackt werden, und übermorgen— Hurra!— geht's heim. Dieses eingeklammerte Hurra hat seine eigene Bedeutung; es getraut sich nämlich keines zu gestehen, wie froh es eigentlich ist, wieder in die Stadt zu kommen, weil jedes einen Zornausbruch des gestrengen Herrn fürchtet. Der freut sich aber am meisten, denn sieben Wochen Sommerfrische sind für einen Mann, der sich nicht zu beschäftigen weiß, doch noch viel schlimmer als für alle anderen. Früh sieben Uhr regt sich's im Niederhuberschen Schlafgemach. perr Niederhuber dehnt sich und reckt sich eine geraume Zeit, dann erhebt er sein zerzaustes Haupt, blickt schlaftrunken nach der Stätte, wo die Gattin, ach, die teure, schlummert, und ruft: „Was für Wetter haben wir?“ Keine Antwort— erstaunt reißt er seine schwarzen Augen mit Gewalt auf und sieht— nix. Frau Niederhuber hat sich nämlich schon vor einer Stunde erhoben und ist ihren häuslichen Arbeiten nachgegangen, denn sie at viel zu tun. Im Zimmer sind die Läden geschlossen, so ann Herr Niederhuber das Wetter nicht beurteilen; er springt deshalb schnell, aber ungraziös aus dem Bett, tritt auf einen nagel, reibt sich die große Zehe und hinkt ans Feuster, den Laden zurückschlagend, daß es kracht. Welch ein Anblick! Himmel, gerge, Gegend und Umgegend, alles in Nebel gehüllt; schwarze, sicke Wolken häugen tief unten am Berg, der Wind rauscht, und s ist empfindlich kühl. Schaudernd schlupft Herr Niederhuber seinem einsamen Lager und pfeift den Familieupfiff— segfriedmotiv. Auf diesen Pfiff ist alles dressiert: Frau, Kinder, iume und Köchin rennen bei den bekannten Tönen atemlos ##rvei, allein Frau Niederhuber winkt ab und betritt, freundlich guten Morgen wünschend, das Schlafgemach.„Guten Morgen, st sich was zu guten Morgen,“ brummt Herr Niederhuber de Stirne finster gefaltet,„was ist denn das für a Wetter?" „ frägt dies mit einem Tone des Vorwurfs, als mache er eine bessere Hälfte verantwortlich für die dicken, schwarzen Volken.„Ein schlechtes, Robertl,“ sagt sie begütigend,„aber # macht nix, es wird sich schon bald wieder ändern.“„Nein, Frau dumm red't, ein Weib hat aber doch gar keine Warum soll's sich denn schon wieder ändern, es ändert doch erst jetzt:„I mein' halt nur—“„Geh' weiter, geh' Bring mir was zum Frühstücken, bei Wetter steh' i no’ nöt auf.“ Frau Niederhuber eilt hinaus Dann warf sie Flammen aus, die schaffende Natur, Schuf Felsen hier und Wald und Flur, Die Mönch' und Nonne in der Andacht Zeiten Zur frommen Zelle betend weihten. Karls Schöpferblick sah einst den Schauplatz an, Auf welchem Wunder die Natur getan, Und rief der Kunst, dem Lavastein, Den Quellen hier, zum Karlsplatz sie zu weih'n! Die Umgebung von Kassel besitzt aus der Landgrafenzeit zwei herrliche Schätze: Wilhelmshöhe und Wilhelmstal. Letzteres ist ein fürstliches Idyll, eine Perle des Rokoko; Wilhelmshöhe dagegen bedeutend größer und ein Buld der ruyigen, großartigen Noblesse. Das Schloß besteht aus drei einfach gehaltenen steinernen Flügeln, die durch zwei bogenförmige Bauten miteinander verbunden sind. Die der Stadt zugekehrte Fassade ist durch sechs jonische, 47 Fuß hohe geziert, die ein Fronton tragen. In der Mitte des Schlosses erhebt sich ein runder, hoher Kuppelbau. Der unter der Kuppel befindliche große Saal enthält die Oelgemälde von sämtlichen hessischen Fürsten, von Heinrich I. bis zum letzten Kurfürsten. Die glanzvollen inneren Räume bergen wertvolle Malereien von Tischbein. In der Nähe des Schlosses stehen das von einem lebensmunteren, gleich zu erwähnenden französischen König erbaute Ballhaus, ein vielbewundertes Gewächshaus, ein Marstall, der bisher als Artilleriekaserne diente, ein großes Hotel; auf der anderen Seite liegt der„Lac“, ein größerer Teich. Wilhelmshöhe hat den Wechsel irdischer Dinge geschaut. Der Erbauer des Schlosses, der Landgraf und Kurfürst Wilhelm, mußte 1807 dem von Napoleon zum König von Westfalen gestempelten Jeröie das Haus räumen. Als der kleine, magere, 23jährige Emporkömmling in goldbestickter grüner Uniform, in weißer Hose, mit feinen Stiefeletten und vergoldetem Degen, an der Seite seiner ihm kurz vorher gegen alles Kirchenrecht, aber auf Wunsch des großen Kaiserbruders angetrauten jungen württembergischen Prinzessin auf„Napoleonshöhe“ einzog, da begann die tolle Zeit des„Morgen wieder lustik“. Könnte jemand das Rauschen der alten Eichen und Buchen und das Plätschern des über ihrem holden Gatten auf einem Brett ein gutes Frühstück, Kaffee mit Honigbrötchen; die erste Tasse wird heruntergestürzt, bei der zweiten meint er, der Kaffee sei miserabel, er tränke lieber Kakao; davon werden noch zwei weitere Tassen getrunken; dann kriegt's„Mockerl“ ein Bussi, er legt sich auf die andere Seite und schlummert noch ein biss'l. Draußen fängt's an zu gießen, aber wie! Der echte sogenannte Schnürlregen klappert gegen die kleinen Scheiben, cer Wind saust, es wird immer kühler, ungemütlicher. Die Kinder, nicht mehr gewohnt, in der Stube zu sitzen, hocken trübselig und verdrossen herum; die Amm' hutscht's Buwi und schiebt den Wagen im Takt hin und her, daß die Wände zittern; dabei singt sie mit melodisch kreischender Stimme:„Oh, du himmelblauer See!“ Die ganze Familie ist grantig, die Köchin kann nirgends aufräumen, es ist halb elf Uhr, und der Herr Niederhuber ist noch zu Bett. Endlich wagt's seine Gattin, ihn zu fragen, ob er nicht aufstehen möchte.„Ja, zu was denn?“ brummt er ingrimmig,„bei dem Wetter hat's immer noch Zeit — kriag i wenigstens was zum Frühstücken?"—„Es ist schon herg'richtet,“ ist die Antwort,„a saure Leber, a Kas, a Butter a Bier, was d’ magst!“ Dieser verlockenden Aufforderung kann er doch nicht länger widerstehen. Er kriecht aus seinem Bette, macht notdürftig Toilette, denn bei dem Wetter ist's ganz Wurscht, wie man aussieht; dann wird mit erneuter Kraft gefrühstückt. Alles wird vertilgt, dabei beteiligt sich alt und jung, der Maxl verschluckt sich an einem heimlich gekripsten Stück Käs, wird tüchtig auf den Buckel geklopft, was gegen Verschlucken und Unart von großartiger Wirkung sein soll, und nach einiger Zeit tritt Waffenstillstand ein. Frau Niederhuber ist schon wieder vom Tisch aufgestanden und rennt hin und her.„Ja Alte, kannst jetzt du net fünf Minuten ruhig sitzen bleiben; was tust denn jetzt schon wieder?“— „„ n,# kann net alles auf einmal tun, und was heut' 'scheh'n ist, dös braucht's morgen nimmer; ich hab' keine Zeit mich in den Leynstuhl zu setzen und Zigarren zu rauchen!"— auch recht schad', müßt'st dich gut ausnehmen mit dem Verzug und den Zigarren im Mund,“ lacht Herr Niederhuber, „mir kann's recht sein; jedes wie's ihm gefällt.“ Allein er hat selbst keine rechte Ruh', die Kinder rennen um ihn herum, und so beschließt er denn, bis zum Mittagessen in die Bauernstube zu gehen und das„Volk“ mit seiner Gegenwart zu beglücken. In der Bauernstube ist geheizt, alle Fenster sind hermetisch verschlossen, der Mayer sitzt da und raucht, die Bäuerin bügelt mit dem Kohleneisen, die feuchte Wasch' hängt zum Trocknen am Ofen, eine Temperatur und ein Parfum zum Umsinken. Allein Herr Niederhuber hat selbst eine Ziaarr=: außerdem friert er, und so setzt er sich resiguiert aus Fenster und trommelt mit den Fingen an die Scheiben.„Mayer, was „Rig“, sagt der Bauer lakonisch und bläst dicke Wolken süßduftenden Knasters in die dicke moosbedehte Felsen hinschleichenden Waldbaches verstehen, er vurde eine unglaubliche Historie vernehmen von einem fremdändischen, verschwenderischen Hofstaat, galanten Abenteuern, Bällen und nächtlichen Festen, zu denen Anstand und Sittlichkeit keinen Zutritt hatten; der erwachte patriotische Geist fegte den französischen Plunder hinweg. Das ist ein Getümmel, das ist ein Geschrei Das sind todblasse Gesichter! Jäh stiebt auseinander, vom Schreck gescheucht. Tus feige Spatzengelichter, singt F. W. Weber. Sechzig Jahre später schleppte sich, sechs Monate lang, ein besiegter, gefangener, verstoßener, ein kranker und gebrochener Mann durch die glanzvollen Räume des einen Schloßflügels: es war Kaiser Napoleon III., nachdem vier Jahre zuvor der e. Kur ist von Hessen von seiner Lieblingsresidenz hatte Abschied nehmen müssen. Daß an der Steu., wo fürstlicher Glanz strahlte und vere und wo heutzutage kaiserlicher Prunk sich von neuem entaltet, ehemals Mönche und Nonnen in stiller Einsamkeit gelebt haben, daran denken wohl wenige Ausflügler und Touristen 03., iu der#sten pälfte des zwölften Jahrhunderts erbaute Kloster Weißenstein wurde vom reformsüchtigen Philipp von Hessen aufgehoben und in ein Jagdschloß umgewandelt, dann im gemocht6, als es zu verfallen drohte, dem Boden gleichWie der Diamant seinen vollen Glanz erst durch die richtige Fassung erhellt, so verdankt das Kaiserschloß seinen europäischen Zutzu. de ezgenartigen reizvollen Anlagen. Der kunstsinnige Landgraf Karl(er regierte von 1670—1730) schuf aus dem Karlsberge einen„Wunderberg". Von einer Reise nach Italien war er mit reichen, fruchtbringenden Ideen und großartigen Unterricht, Meusit, Theater, Architektur, Gartenkunst, alles verspürte italienischen Antrieb. Der italienische Baumeister Francesco Guerneri entwarf den Plan zu den Wasserkünsten. Von der ersten Terrasse, wo das Schloß steht, erblickt man hoch oben eine über 200 Meter lange und 10 Meter breite steinerne Riesentreppe, von Basalttuffmassen eingeschlossen und Bauernstubenluft.„Nix", wiederholt Herr Niederhuber,„dös is net viel. Wissen's wos, i mein' alleweil, i reis’ morgen in ....„„ genae's, schreibens ma mei Rechnung'samm und schicken's mer's nach Tisch aufi.“„Scho' recht, hob’ i glei' wos z toa!“ Herr Niederhuber geht wieder, es ist ihm doch zu heiß und ungemütlich drunten. Jetzt schaut er in die Küch' hinein.„Ja, Köchin, was nehmen denn Sie für a Mordsstück Butter, was kuchen's denn?“„Maccaroni!“„Da brauchen Sie so viel Butter dazu? Jetzt wundert's mi nimmer, wenn wir so viel Geld brauchen!“„So, z' viel Geld brauch' ma Eahna?“ wettert die Küchenfee, indem sie Teller, Schüsseln und Tiegel wütend durcheinander wirft;„jetzt dös hätt''rad no''fehlt, daß d’ Männer in die Kuchen'reinreden; wenn i Eahna z' viel brauch', kann i ja gehen!“ Herr Niederhuber verschwindet denn er fürchtet, grob zu werden, und dann ging am End' die Käthi, und der Verdruß mit seiner Frau: er zieht am End“ den Kürzeren und geht hinein.„Warum schreit denn heut' dös Juwi„. fragt er die Amme.„Ja, warum soll denn der allein net schreien, der'spürt dös Wetter'rad a so, wie die Großen!" Nach dieser etwas anzüglichen Antwort schlägt sie die Tür dem Herrn vor der Nase zu. Jetzt sitzt er wieder im Wohnzimmer, schaut wieder durch die Scheiben— es regnet immer noch, wenn möglich stärker.„Mei dös Wetter, dös Wetter!" seufzt er,„Alte, wann krieg'n mir was'essen?"„Bald, Robertl, bald, aber wie kann man denn ger. ganzen Ta, essen?“.„Dös is jetz mei' einzige Zerstreuung.“ Löffel und Teller klappern, es wird zuMittag gegessen, aber in „#se.„ cweigen, alles ist verstimmt. Die Kinder unterhalten sich flüsternd, die Mama blickt besorgt nach der Köchin, welche die Platten und Schüsseln alle mit einem hörbaren Krach und Ruck auf den Tisch stellt,’rin heult das Buwi, und die Amm' singt:.„O, du schöne Adelheid.“ Während der Braten und das Gemüs' auf dem Tisch steht, bringt's kleine Liserl die Rechnung Ien Valex. Fexr vgeoerhuver onnet sie gedankenlos während des Essens. Plötzlich schlägt er mit der Faust auf den Tisch, daß alle, auch die Gläser und Teller, in die Höhe hüpfen.„Da hört sich aber doch alles auf!"„Was hast deun, was gibt's denn?"„Nein, so etwas, du Alte, da paß auf, dös is'rad' wie eine Hotelrechnung. Denk' nur, der Mayer rechnet für „ utzung der keuche pro Tag siebzig Pfennig; dös macht die sieben Wochen dreißig bis vierzig Mark. Dös laß' i mir net 'fallen, und für Nudel, zwei Stück zehn Pfennig, jede Woch' hat er uns drei al vier Stück, raufg'schickt, und dös wird jetzt alles aufg'rechnet. So etwas!“ ei g#e##eglos, Herr Niederhuber schiebt den Teller mit Wucht zurück, dadurch fällt's Bierglas um, das Bier läuft übers Tischtuch in die Teller, es gibt ein Geschrei, das reinste unterbrochene Opferfest. Alles steht vom Tisch auf, der Privatie. ennt hinunter in die Stuben, von wo man Zanken und Streiten bis herauf hört. Erhitzt kommt Herr Niederhuber Dr. 3 wegen Vermeidung der Eintönigkeit durch kleine Wasserbassins und Felsengrotten unterbrochen. Ueber die tischhohen, abgeschrägten Stufen dieser Treppe stürzt sich das Wasser, das in Teichen, die auf dem Gebirgskamm angelegt sind, gesammelt worden ist, herunter. Das ist ein entzückendes Bild. Ein Lächeln fliegt über das Gesicht der Beschauer, wenn sie sehen, wie das Wasser von oben im Sturmschritt herangeschossen kommt, in seinem Zorne und seiner wilden Unbändigkeit aber plötzlich gehemmt wird. Denn es muß von Stufe zu Stufe der Treppe springen, in einem fort springen. Das Rauschen, der weiße Schaum, die Wogenschnitzer nach rechts und links, das sind Zeichen seines Zornes. Schöner wird das Bild, wenn die Sonne mit ihren hellen Pfeilen das zürnende Kind neckt und auf seinem Gesicht einen freudigen Schimmer hervorzuzaubern versucht. Der Sonnenstrahl schmiegt sich liebkosend an das flüssige Element herau und spielt mit ihm. Dann sind die Felstische mit einem glitzernden filbernen Mantel bedeckt, und ein reicher Segen von Krystallen glänzt in der Luft und an allen Steinen. Zu gleicher Zeit umschwirren tiefe Töne unser Ohr. In einer Felsgrotte blasen ein Centaur und ein Triton auf kupfernen Hörnern. Der Druck des Wassers erzeugt diese Musik. Wer stramme Waden hat und das eigenartige Schauspiel aus nächster Nähe betrachten will, der stellt sich am besten oben an den Kopf der Treppe und läuft mit dem Wasser die neben den Kaskaden aus Basalt gebauten 842 Stufen hinunter. Zweimal in der Woche, Mittwoch= und Sonntagnachmittag, fließen die Wasser eine Viertelstunde. Bei gutem Wetter zählt man am Fuße der Kaskaden viele Tausende von Zuschauern. Das eben Geschilderte ist aber nur die Ouvertüre zur Wasserkünste=Oper. Die Menge flutet weiter zum Steinhöferschen Wasserfall. Wiederum ein„Haha“ des Staunens und der Verwunderung! Aus einer breiten, von hohen Buchen beschatteten Felspartie dringt ein Waldbach in vielfachen Klüften und Rinnen schäumend hernieder. Die Zuschauer ziehen jetzt zum Wasserfall unter der Teufelsbrücke, dann zum Aquädukt, zur Fontäne, zum großen neuen Wasserfall. Daß man eine Anlage habe schaffen wollen, die der schweizerischen Teufelsbrücke gleicht, das ist keineswegs unverständlich. Große Augen machen aber die meisten, wenn sie vor den Ruinen einer auf hohen Pfeilern und Bogen gebauten, römischen Wasserleitung stehen. Ein Weltbummler hat vielleicht einen großartigeren Wasserfall gesehen, als den in Wilhelmshöhe, wo an dem scheinbar eingestürzten Aquädukt das Wasser in eine 34 Meter tiefe Felsschlucht herabbraust; aber einen über 50 Meter emporschießenden starken Wasserstrahl mag er vielleicht doch nicht oft bewundert haben. Vom inneren Schloßraum, wo die Zuschauer die herrliche Fontäne bewundern, senden sie einen letzten Blick hinauf zum Herkules, der einen würdigen Abschluß und die schönste Krönung der Kaskaden bildet. Von unten sieht das Oktogon mit dem Halbgott=Riesen klein aus. Ganz anders das Urteil, wenn man dabei steht. Der gewaltige achteckige Bau, der gleichsam aus dem Felsen herauswächst und 29 Meter sich emporhebt, macht mit seinen großen Kreuzwölbungen und gigantischen Fensteröffnungen einen geradezu schauerlichen Eindruck. Das ist eine genügende Masse Steine für ein ganzes Dorf. Auf dem flachen Dache des Oktogon erhebt sich die 32 Meter hohe Pyramide, und auf dieser thront der 9½ Meter hohe kupferne Herkules, das Wahrzeichen von Kassel, aus weiter Ferne sichtbar. Der Gedanke an das Wasser, das vom Herkules herab in die Tiefe stürzt, mag wohl daran schuld sein, das das Volk den Helden dort oben als den„großen Christoffel" bezeichnet, jenen Riesenheiligen, der das göttliche Kind durchs Wasser trug. Was soll nun eigentlich der von einem Augsburger Gold- und Kupferschmied geschaffene metallne Herkules, der in der rechten Hand erbeutete Hesperidenäpfel hält und mit der linken auf seine Keule, die Raum für mehrere Personen bietet, sich stützt, uns sagen? Weshalb wählte man einen Vertreter der griechischen Mythe? Landgraf Karl hatte die berühmte Herkulesstatue im Farnesischen Palast zu Rom gesehen. Dieser Herkules, Riese und Halbgott, war ein mächtiger Kämpe gewesen, er paßte demnach zu einem Denkmal, das die Siege der hessischen Truppen durch die Lande verherrlichen sollte. Er mußte hoch oben auf den Berg zu stehen kommen, weil er die Giganten, welche den Olymp zu erstürmen sich erkühnten, zurückstieß und mit gewaltigen Felsblöcken bombardierte. In den Kaskaden ist noch nach einiger Zeit wieder herauf, trinkt schweigend und finster blickend seinen Kaffee und beantwortet keine Frage seiner Frau. Schweigend zieht er sich in sein Zimmer zurück, wirft sich aufs Sofa und schläft. Um vier Uhr steht er auf, teilt seiner Frau mit, daß er unbedingt den anderen Tag reist, und wenn's noch so regnet, zieht Wasserstiefel an, rennt fort und bestellt in Dillen zwei Zweispänner; denn gehen können's bei dem Wetter nicht. Dann setzt er sich in die Wirtsstub'n zu einigen Bekannten und hört dort noch haarsträubendere Geschichten von Rechnungen. Der eine muß das Sofa frisch überziehen lassen, weil ein Tintenfleck draufgekommen ist, der andere den Boden frisch streichen lassen, weil er abgetreten, wieder einer muß Schüsseln, Teller und Gläser kaufen, alle müssen sie Küchenabnützung extra bezahlen, eine schöne Beutelschneiderei. Nach Haus zurückgekehrt, muß er fast lächeln über seinen Reinfall mit der billigen Sommerfrische; die Kinder sitzen alle um den gedeckten Tisch, zum Abschied gibt's Entenbraten— das Bier muß noch ausgetrunken werden, sie trinken alle und werden kreuzsidel. Draußen ist's pechschwarze Nacht geworden: zu essen und trinken gibt's nichts mehr, die Kinder schlafen, der Regen klappert noch immer eintönig gegen das Fenster; was kann man da Gescheiteres tun, als sich schlafen legen. Herr und Frau Niederhuber suchen denn auch bald ihr Lager auf; es ist still geworden, nur nebenan heult noch der Buwi, die Amme schiebt den Wagen hin und her und singt, bis sie selbst einschlummert:„Eduard und Kunigunde!“ Den anderen Tag lacht die Sonne am wolkenlos blauen Himmel, die ganze Niederhuber=Familie lacht, die Wagen ziehen an, und fort geht's nach Hause. Am meisten aber lacht der Mayer, streicht seine Goldstückeln ein und denkt:„Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ Zolonia. sonntagsbeilage zum Kölner Local-Anzeiger. einer von den Giganten geblieben, von Felsmassen erdrückt, nur Kopf und Brust ragen hervor. Mit blitzenden Augen und unter zornigen Flüchen speit er aus seinem Riesenmaul einen zwölf Meter hohen Wasserstrahl dem stolzen Ueberwinder zu. Dem Berge von Wilhelmshöhe fehlte noch etwas. Das Altertum zupfte uns moderne Menschen wiederholt an den Rockschößen, Griechenland und Römerkunst zeigten sich uns, nur das finstere Mittelalter, das man trotz vielen Schimpfens immer gerne wiedersieht, ein Andenken an die stolze Ritterherrlichkeit, kurz, eine mittelalterliche Burg, die fehlte noch. Jeden Berg muß nun einmal eine alte Burg krönen, so will es der romantische Germaue. Und diese ist wirklich da, versteckt im Waldesgrün, umrauscht von alten Baumriesen, ein wahres Dornröschenschloß. Die „Löwenburg“ mit den Türmchen, Spitzen, Erkern, mit zerfallenen Mauern, efenumsponnenen Söllernischen, mit Rüsterkammer, Turnierplatz, Burggarten. Diese Burg möchte uns gar so gern zwingen, an ihre graue Vorzeit und an ihre ruhmreiche Geschichte zu glauben. Die Phantasie der Leichtgläubigen träumt auch sofort von Scharen geharnischter Rittermänner, die über die Zugbrücke zum Turnier und Kampfe gezogen. Für den Kenner aber ist klein Fräulein Burg erst 100 Jahre alt. Die Löwenburg ist ein großartiges Mausoleum für den Erbauer von Wilhelmshöhe, Kurfürst Wilhelm., der unter dem Altar der Burgkapelle ruht. Die Parkanlagen sind ebenso wie das Schloß das ganze Jahr hindurch dem Puplikum zugänglich. Nur wenn die kaiserliche Familie im Sommer hier weilt, wird die nächste Umgebung des Schlosses abgesperrt. Wilhelm II. billigt wohl nicht die Gepflogenheit König Karls., der während seines Aufenthaltes auf dem Schlosse von Fontainebleau alle Tore und Zugänge offen ließ und seine getreuen Franzosen sogar auf die Galerie des Speisesaales zuließ, um die Majestäten dinieren zu sehen, aber er vertraut auf die Untertanentreue und das Anstandsgefühl seiner Casselaner und begibt sich frei und furchtlos unter die Menge, macht gewöhnlich jeden Morgen um 7 Uhr mit Gefolge seinen Ritt weit in die Wälder hinein, und lacht recht herzlich, wenn die Leute nach dem Kaiser Umschau halten, der mitten im Gewühle steckt. Mit der Ankunft der kaiserlichen Familie zieht Leben in die sonst toten Räume des Schlosses ein. Das frohe Lachen und die aus jugendlicher Heiterkeit hervorquellenden Laute der kleinen Prinzessin Luise hat schon viele Kasselaner selbst froh gestimmt. Ein junger Gymnasiast, der mit mir vor kurzem unter den rauschenden Baumkronen spazieren ging, erzählte mir, wie er als Kaulquappe mit der Hohenzollerntochter gespielt und er gefunden habe, daß sie viel gesprächiger und lustiger gewesen als alle anderen Kinder. Die Kaiserin soll nach eigener Aussage in Wilhelmshöhe stets die schönste Sommerfrische gefunden haben. Wilhelmshöhe ist in der Tat wegen seiner Anlagen nicht nur ein Erquickungsort für Gemüt und Herz, sondern auch ein Sanatorium für den Körper. Aus den dunklen Tannengruppen weht dir ein würziger Harzduft entgegen; der Laubwald, die breiten Baumkronen halten die Sonnenglut ab, lassen aber zahlreiche Tupfen der Sonnenstrahlen auf den gut unterhaltenen Wegen hin= und herirren und=flirren; überall eine reine, frische Bergesluft; bei jeder Biegung neue Baumgruppen, neue Szenerien, immer Abwechselung; breite Wege, dicht umbuschte Pfade, lauschige Plätzchen, schöne Rasenplätze und Blumenbeete, herrliche Durch- und Ausblicke— kurzum, man muß den Kasselanern den alten Ruhm lassen, verständnisvolle Freunde der Gartenkunst zu sein. Was besonders gefällt, ist, daß die Einfachheit und Maßhaltung der künstlerischen Arbeit mit der großartigen Ruhe und Majestät des Naturberges sich wohltuend ergänzen. Komme einmal an einem schönen Nachmittage hierher. Allein auf weiter Flur wirst du nicht sein. Man sollte meinen, die Beamten und Geschäftsleute, welche einen sehr hohen Prozentsatz der Bevölkerung Kassels bilden, hätten die Worte des alten Rückert beherzigt: Aus der staubigen Residenz In den laubigen, frischen Lenz Wer sich rettete, dankt's dem Glück. Auf der einen Seite der Stadt liegt das schöne Autal an der Fulda, auf der entgegengesetzten Seite der Park von Wilhelmshöhe. Es gibt wenige deutsche Städte, die in allernächster Nähe zwei so vorzügliche Apotheken für Appetit und rote Backen besitzen. Am Pfingstmontag kommen Ausflügler und Besucher aus allen Enden, von der Schwalm, vom Eichsfeld, aus allen Teilen Hessens, vom nahen Westfalen. Die Elektrische befördert die Fremden vom Bahnhof in einer halben Stunde entweder an den Fuß des Schlosses oder in den südlichen Teil des Parkes, in das mit einer Pagode versehene chinesische Dörfchen Mulang, dessen Häuser von Parkaufsehern bewohnt werden. Ein elektrischer Strang geht um den Berg herum und bringt den Besucher auf den Gebirgskamm zum Herkules, also in eine Höhe von über 520 Meter. Auf ein rauhes Lüftchen darf er sich dort oben zu jeder Jahreszeit gefaßt machen. Die gewaltige Lücke in den Bäumen zeigt, daß der arme Herkules oft ganz abscheulich vom Winde umbraust wird. In den letzten Jahren ist eine Villenkolonie am vorderen Rande der Wilhelmshöher Waldungen entstanden und eine Reihe von Kur= und Heilanstalten, die viel besucht werden. Das ist Wilhelmshöhe. Mögen wir uns hineinversenken in die Betrachtung ihrer tausend Naturschönheiten und außerordentlichen Naturschauspiele, der schönen Harmonie von Gottes Natur und Menschenkunst, oder mögen wir vom Herkules herab unsere Blicke über die alte Hauptstadt des Kattenlandes schweifen lassen, die moderne Burg Chassala, die unberührt ist vom Ruß und Qualm der Fabrikschlote, sich ihren vornehmen Charakter zu wahren weiß, dann weiter über die reichen Dörfer in der weiten Ebene, die von einem Kranz bewaldeter Höhen eingerahmt ist, in jedem Fall nehmen wir ganz gewiß ein Wort des geistreichen Ebeling für Wilhelmshöhe in Anspruch:„Die Berge sind ein Gedicht Gottes, am Abend des Schöpfungstages gedichtet, als Krone des unendlichen ewigen Werkes, und als Bild zugleich den Menschen für die heilige Größe des Herrn!" Tausende haben dies herrliche Gedicht gelesen, Tausende haben es gesungen im Jubel ihrer Seele nach der Melodie, die ein Fürst zum Texte geschrieben und sie werden mit dem Singen nicht müde und kommen immer wieder gern nach Wilhelmshöhe zurück. 25. August 1907. Welt und Wissen. m Die Konnenraupe(Ocueria quercifolia). Es gibt Namen deren Klang eine förmliche Niedergeschlagenheit in uns hervorruft. uno zu diesen gehört die Bezeichnung Nonnenraupe oder Nonne Sie ist der bestgehaßte und gefürchtetste Feind unserer Nadel, waldungen, und die Förster lassen wehmütig ihr Haupt sinken, sobald sie an den stolzen Baumriesen das Zerstörungswerk des Schädlings bemerken. Man sollte es nicht glauben, daß ein so kleines Wesen solche Verwüstungen anrichten könne. Die Nonne trägt ein recht lebhaftes Gewand. Hinter den weißen, mit schwarzen Zick, zacklinien versehenen Vorderflügeln zeigt sich ein schwarzer Hinterleib mit roten Ringeln und einer Reihe weißer Punkte. Fast träge (okueros= träge) flattert das Weibchen an den Fichtenstämmen und legt die Eier in Häufchen von 20 bis 70 Stück zwischen die Rindenschuppen, wo im Mai des folgenden Jahres die jungen Raupen auskriechen und sogleich das Vernichtungswerk beginnen. Sie fressen nämlich die Nadeln in der Mitte durch, wobei die obere Hälfte zur Erde fällt. Zuweilen siedeln die Raupen auch auf Eichen, Birken und andere Laubhölzer über und beschädigen sie, Wer einen mit Nonnen bedeckten Wald durchwandert, kann an Stämmen und Zweigen die braunroten Puppen hängen sehen, welche mit gelbweißen Haarbüscheln besetzt sind. Von Nonnenfraß stark heimgesucht ist die im Samlande gelegene Kaporner Heide, die sich von Fischhausen bis zum Dorfe Moditten längs des Frischen Haffes erstreckt. Fichten(in Ostpreußen Tannen genannt) bilden den hauptsächlichsten Bestand dieses Waldes. Zeitungsmeldungen zufolge hat die Forstverwaltung von Vertilgungsmaßregeln ganz abgesehen, weil sich besonders gegen die Nonne noch keine bewährt hat. Dasselbe habe ich vor etwa zwanzig Jahren aus dem Munde eines ergrauten Oberförsters gehört, welcher angesichts der von der Nonne befallenen Reviere die Worte gebrauchte:„Wenn hier nicht die Natur eingreift, so stehen wir machtlos da.“ Die Kaporner Forstverwaltung will vielmehr im künftigen Winter das jetzt kahl gefressene Holz einschlagen lassen, was etwa 100 Arbeiter besorgen können. Nach ungefährer Berechnung wird die Holzmenge 20= bis 30000 Festmeter betragen. Das ganze Gebiet des diesjährigen Raupenfraßes umfaßt etwa 1500 preußische Morgen(nicht ganz 400 Hektar). Ein Kahlschlag auch in kleinerem Umfange findet nicht statt. Es werden nur die kahlgefressenen Tannen zwischen den Kiefern herausgenommen. Wie sich das Bild im nächsten Jahre gestalten werde, entzieht sich der Kenntnis. Der Flug der Falter ist sehr rege, und der andauernde Regen hat den Raupen nicht geschadet. Von Interesse ist es, zu sehen, wie ungeheure Schwärme von Staren die Puppen vertilgen. Trotzdem können an einzelnen Stämmen über 600 Falter gezählt werden. Der Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke veröffentlicht soeben seinen Geschäftsbericht über das Jahr 1906. Die Zahl seiner Mitglieder hat im Berichtsjahre um rund 3000 zugenommen, sie beträgt gegenwärtig etwa 23.000; die Höhe der geleisteten Beträge ist 25 681,42 M. Die meisten Mitglieder stellen die Königreiche Württemberg(1700) und Sachsen(1500), die Großherzogtümer Baden(1200) und Hessen(982) sowie die preußischen Provinzen Westfalen(2600), Rheinprovinz, Schlesien und SchleswigHolstein(je etwa 1700), Hannover(1600) und Ostpreußen(1000). Noch wenig eingeführt ist der Verein in Bayern, wo er nur 695 Mitglieder und Anhänger zählt; doch hat er hier mehr als 100 Mitglieder gewonnen, während er in Berlin und Brandenburg auffallend zurückgegangen ist. Den größten Zuwachs weist ElsaßLothringen auf, wo sich in einem Jahre die Zahl der Mitglieder mehr als verdoppelt hat. Der Verein hat den Staatssekretär a. D. Grafen v. Posadowsky, der„die Notwendigkeit einer planmäßigen Bekämpfung des Alkoholismus für die Beseitigung der sozialen Notstände und für die Fortsetzung und erfolgreiche Durchfuhrung der Sozialreform voll gewürdigt und diese Ueberzeugung auf Kongressen, im Parlamente und in der gesamten Amtsführung in wirtungsvollster Weise vertreten“ habe, zu seinem Ehrenmitglied ernannt. ** Einen alten Hohenzollernorden in nur diesem einen Exemplar besitzt die Kaiserin. Es ist dies der sogenannte Schwanenorden. Dieser Orden wurde von dem Kurfürsten Friedrich II. „mit den eisernen Zähnen“. 1443 gegründet, um die märkischen Edelleute mehr an den Hof zu fesseln. Die Verteilung des Ordens stellte er meist seiner Gemahlin anheim. Doch im Laufe der Zeit ging er ein. Erst Friedrich Wilhelm IV. erneuerte ihn am 24. Dezember 1843, und zwar mit der Bestimmung, daß dieser Orden ein gemeinschaftliches Band, ein leitender und anregender Mittelpunkt für alle Gesellschaften und Vereinigungen zu mildtätigen Zwecken, die in Preußen bestanden, bilden sollte. Nach mehrjährigem Bestehen geriet auch der erneuerte Orden in Vergessenheit. Die alleinige Inhaberin desselben ist nunmehr die Kaiserin, die sich im Besitze einer kostbaren mit Rubinen und Diamanten geschmückten Kette dieses Ordens nebst dem angehängten Zeichen des Schwans befindet. Diese Dekoration ließ König Friedrich Wilhelm IV. für seine Gemahlin Elisabeth bei Erneuerung des Ordens anfertigen, indem er bestimmte, daß nur die preußische Königin diesen Ordensschmuck trage. Das einzige noch vorhandene Originalexemplar des älteren, am 29. September 1443 gestifteten Ordens befindet sich im Königlichen Krontresor im Königlichen Schloß zu Berlin. Allerlei von nah und fern. ** Wenn man nicht Maper heißen will. Wegen einet sonderbaren Falschmeldung hat, wie die Wiener Blätter berichten, der Volksschullehrer Johann Mayer aus Sachsen die Bekanntschaft des Wiener Bezirksgerichtsarrestes gemacht. Mayea war am Sonntag in einem dortigen Hotel abgestiegen und hatte sich als Kaufmann Eenst Walter aus Leipzig gemeldet. Am Montag kam er nach Mitternacht aus dem Prater nach Hause und fand sein Zimmer nicht. Er fragte den Portier nach Nr. 56.„Ist besetzt!"— ist doch mein Zimmer.“—„Sie heißen?"... Der Fremde stockte. Er hatte offenbar in der Weinlaune nicht nur die Zimmernummer, sondern auch den angenommenen Namen vergessen. Er gab dann dem Hotelier und Portier an, daß er sich falsch gemeldet habe. Da bis zur Aufklärung schon ein Detektiv in Kenntnis gesetzt worden war, wurde Hr. Mayer verhaftet und dem Bezirksgericht Leopoldstadt eingeliefert, wo er wegen Falschmeldung vorgeführt wurde. Der Fremde gab an, er habe sich Walter genannt, weil man wegen des Namens Mayer, der den Spott herausfordere, auf Reisen stel2 gehänselt werde. Richter:„Dieses Motiv ist doch kaum glaubhaft Wenn alle Mayer sich deshalb falsch melden würden, könnte man jährlich 500000 Verhandlungen durchführen." Der Angeklagte, der erklärte, daß er von seinem Besuch in Wien genug habe und g; wieder nach Sachsen heimkehren wolle, wurde zu fünf Kronen Geiestrafe verurteilt, die er sofort erlegte. ** Ein Ferientraum. In einer der letzten Nächte unglückte in Berlin ein zehn Jahre alter Knabe, indemer" Traume aus dem Fenster der im ersten Stock gelegenen Schlafft“ fiel. Der Knabe hatte die Ferien bei seiner Grußmutter in Kons“ berg in der Neumark verlebt und war abends nach Berlin zu“ dr. 34. tammen. Seine Mutter holte ihn vom Bahnhof ab. Gleich fing mit großer Lebhaftigkeit von seinen Ferienerlebnissen zu begten. Mit wachsender Aufregung erzählte er bis 11 Uhr. Auch un gelang es den Eltern nur mit Mühe. ihn ins Bett zu ingen. Eine Stunde später fiel er aus dem Fenster auf den Hof zab und zog sich eine Verletzung an der rechten Hüfte und eine die Gehirnerschütterung zu. Im Krankenhaus am Friedrichshain zhlte er am folgenden Tage, wie das Unglück gekommen war. „Knabe träumte sehr lebhaft von seiner Eisenbahnfahrt, glaubte, er eben erst auf dem Bahnhof angekommen sei, und wollte m Abteilfenster hinaussehen, um seine Mutter zu begrüßen. Erst grankenhause wurde er sich wieder bewußt, daß er schon vorangekommen und mit seiner Mutter nach Hause gegangen war Rückgang der Geburtenzissern in Berlin. Die Zahl geburten nimmt in den großen Städten bekanntlich mit auffallender zigreit ab. Im Jahre 1876 waren in Berlin pro 1000 Personen 5 472 Geborene, im Jahre 1905 nur mehr 25,5. Würde die surtenziffer in dem Verhältnis, das sie 1876 zur Gesamtbevölung der Reichshauptstadt hatte, fortgeschritten sein, so hätte sie ß etwa 95000 Geborene betragen müssen; es waren aber 51 282. Die Durchschnittszahl der Ehefrauen betrug in dem mnten Jahre 388 968, die Zahl der ehelich geborenen Kinder zz, es kommen demnach auf 1000 Ehefrauen nur 110 Geborene, uund es vor 30 Jahren 240 waren. Wenn man auch die hohe kutenziffer nach einem Kriege nicht als eine normale ansehen #i so zeigt doch die Vergleichung der Zahlen aus dem Jahre mit den entsprechenden aus früheren Perioden überhaupt, die Geburtenziffer Berlins in einem anscheinend unaufhaltsamen azang begriffen ist. wegen fünf Ofennigen fand der Kaufmann I. S. in elin an seiner Wohnungstür das„Siegel" des Gerichtsvollhers vor. Vor kurzem hatte er seine Steuer der Bequemlichkeit hen durch Postanweisung entrichtet, ohne die Bestellungsgebühr füür zu berücksichtigen. Einer Mahnung der Steuerbehörde en dieser 5 Pfg. wollte er bei der nächsten Steuerzahlung nachmen, doch erschien inzwischen der Exetutor, und da gerade der #sverwalter, der diese„Summe“ gewiß vorgestreckt hätte, absend war, machte der Beamte von seinem Recht Gebrauch, denn J. S. fand in seiner Wohnung die Benachrichtigung, er sei 5 Pfg. im Rest, Wohnungsöffnen koste 50 Pfg., die Pfändung Pfg., es seien daher für diese 95 Pfg. drei Stühle beschlagom worden. Nun war das Vaterland gerettet! Entdeckter Schmuggel. Die englische Zollbehörde kam auf Idee, aus Holland kommende„Pferdekuchen" aufzuschneiden und in jedem dieser Kuchen einen Behälter mit 14 Zigarren. Der aber der Londoner Firma, an den diese Kuchen adressiert waren, särte vor Gericht, daß er annehme, daß die holländische Firma habe eine Ueberraschung bereiten wollen. Der Richter machte e mißglückte Ueberraschung wieder gut, indem er ihn zu einer dstrafe von 50 Pfd. Sterling verurteilte. Ein heiteres Stücklein aus dem Schwarzwälder Uhrherausstand wird jetzt mitgeteilt. Bei der Arbeiteraussperrung der Uhrenindustrie auf dem badischen und württembergischen warzwald wurden von den Streikleitern auch Streikposten beiei Geschlechtes vor den Fabriken, Bahnhöfen usw. der betroffenen schaften ausgestellt. Ein Fabrikant in Schramberg, der sich aninend auch im Kampfe ein menschliches Rühren— oder schwäsen Humor— bewahrte, ließ, als er sah, von welcher Langele die Leute geplagt wurden, ihnen eine Bank in den Schatten en, mit dem Bemerken, daß sie ja müde würden, wenn sie ohne seit herumstehen müßten; er sei auch bereit, ihnen noch ein hchen und ein Kartenspiel zu liefern. Ein Schilderhaus vom Manöver stellte er auch zur Verfügung, falls Regenwetter nen sollte. Diese Erleichterungen machten sich die Streikposten szunutze, aber nur einen Tag lang; denn es kam sofort die erder seitens der Streikleitung, daß derartige Vergünstigungen hegszeiten nicht angenommen werden dürfen. P Zolonia. sonntagsbeilage zum Kölner Local-Anzeiger. Vermischtes. Taubstumme Lehrlinge. Für das Auslehren taubstummer sunge bestehen Prämien, die von der Regierung verteilt werden. deren Festsetzung sind vom Handelsminister neue Bestimmungen ofien worden. Die volle Prämie von 200 M. soll nur bei sgiens dreijähriger Lehrzeit in Zukunft bezahlt werden. Bei Lehrzeit von kürzerer, jedoch mindestens zweijähriger Dauer, höchstens 160., bei einer ein= bis zweijährigen höchstens M. zu gewähren. Bei einer Lehrzeit von weniger als einem wird eine Prämie überhaupt nicht bewilligt. Eine Prämie nicht gewährt werden, wenn die Eltern des Lehrlings oder er ein Lehrgeld oder eine Entschädigung an den Lehrherrn zahlen en. Im allgemeinen ist es Bedingung, daß die zu prämieMeister den taubstummen Lehrling zu sich nehmen und rend der ganzen Lehrzeit für seinen Unterhalt sorgen. Davon nur ausnahmsweise abgesehen werden, wenn die Verhältnisse kehrherrn oder des Lehrlings dies begründen. Es kann dann ven Umständen etwa die Hälfte bis dreiviertel der Prämie werden. Wenn ein taubstummer Lehrling die Lehre seit, so wird die Prämie grundsätzlich nur an den Meister, der ung vollendet hat, gewährt. Doch kann dem früheren meister oder dessen Erben ein entsprechender Teil der Prämie ligt werden, wenn der Lehrling die Lehre ohne Schuld des sters gewechselt hat. ba us dem Leben eines Nabobs. Aus New York schreibt Nar.=Ztg.: Die berühmten La Palmilla=Gold= und Silber#eren Eigentümer der vielgenannte mexikanische Krösus Alvarado ist, wurden von ihm an Eugen Davis in Washing# ein französisches Kapitalistensyndikat auf die Dauer ## in verpachter. Die genaue Pachtsumme ist nicht bedoch haben die Pächter eine Offerte zur weiteren Mtung fur 12500000 Dollar jährlich abgelehnt. Alvarado ##### unermeßlich reichen Gruben bereits 150000000 ### Gold und Silber bezogen. Er ist so reich, daß er sich bir#ren erboten hatte, die ganze Nationalschuld der zu tilgen, doch lehnte Präsident Diaz das Angebot mm###Offerte eines englischen Syndikats, das seinen geLinenbesitz für 150 000 000 Dollar in bar kaufen wollte, konäre. kuhl zurück. In der Reihe der internationalen # ammt dieser Minenkrösus eine besondere Stellung ein. id beus den als einfacher Minenarbeiter begonnen, und seine uu###s, unter harter Plage und schweren Entbehrungen. upplötzlich das Glück herein; er entdeckte eine reiche eisten: fand dann im Jahre 1901 die gewaltigen Goldsto uung der von La Palmilla, die nicht nur die größten von er denn rn zu den ertragreichsten der Welt gehören. So en angehäustin weniger als zehn Jahren ein ungeheueres Verauch im Far nan auf 100 bis 200 Mill. Dollar einschätzt. che mann eine dieses märchenhaften Reichtums blieb er der n.### ver frische Naturbursche, der er als Arbeiter getvollen gal## haben ihn endlich dazu überredet, sich einen mückter weiran zu lassen, mit einer Flucht herrlich ausr Räume, in deren jedem ein Klavier steht, das nie geöffnet wird. Aber sein Lieblingsaufenthalt ist ein kahler, kalter Keller, in dem er seine Mußestunden verbringt. Ein englischer Zeitungskorrespondent, der diesen millionenschweren Sonderling interviewte, fand ihn im Keller auf einer leeren Champagner= kiste sitzen, die seine Freunde ausgetrunken hatten, während er sich ein Glas Bier gut schmecken ließ. Die Hauptstadt Mexikos hat Alvarado noch nie besucht; er ist überhaupt mit Ausnahme einiger Fahrten nach der nächstgelegenen größeren Stadt aus seinem Heimatsorte Perral noch nie herausgekommen. Alvarado ist erst 37 Jahre alt; er fühlt sich am wohlsten in seinen Bergwerken, die er nach jeder Richtung hin vervollkommnet und mit elektrischem Licht und anderen modernen Einrichtungen versehen hat #0 Was braucht eine Dame in London? Man schreibt aus Lonoon: In den nächsten Tagen wird in London ein amerikanischer Gerichtsdelegierter eintreffen, um festzustellen, was eigentlich eine junge Dame braucht, um den Anspruchen der englischen Gesellschaft„in einwandfreier Weise" zu genügen. Das New Yorker Vormundschaftsgericht ist es, das diese seltsame Studienreise veranlaßt hat; man will ergründen, welche Summen eine junge Amerikanerin zur Verfügung haben muß, um„anständig“ in London leben zu können. Denn was die jungen Amerikanerinnen im allgemeinen in Europa verbrauchen, kommt den Herren vom New Yorker Vormundschaftsgericht wohl etwas zu hoch vor. Ein englisches Blatt hat nun nach eingehenden Beratungen mit den fashionablen Modehäusern berechnet, welches Sümmchen ein junges Mädchen zur Verfügung haben muß, wenn sie ihre Eroberungskünste würoig entfalten will. 15300 M. werden als eine mittlere Durchschnittssumme angesehen nur für die Erfordernisse der Toilette während einer Londoner Saison. Aber man kann nicht das ganze Jahr in London sein; die junge heiratsfähige Amerikanerin muß auch nach Cowes oder nach Goodwood gehen. Und das bedeutet wieder eine Extraausgabe für Toiletten und Zubehör, die mit 5200 M. nicht zu hoch angesetzt ist. Für kleine Ausgaben, Taschengeld, Vergnügungen und Geschenke wird man mindestens 16000 M. für das Jahr in Rechnung stellen müssen. Mit rund 40000 M. insgesammt kann eine junge Amerikanerin, die„keine übertriebenen Ansprüche" stellt, sich zur Not in London durchschlagen. Die schönen Töchter der neuen Welt müssen also schon immerhin einiges anlegen, ehe die Bräutigamschau Aussicht auf Erfolg bietet. Findet sich dann ein Gemahl mit einem angemessenen Titel, so ändern sich diese Zahlen mit einem Schlage um ein Bedeutendes. Denn die verheiratete Frau, die in London ein Haus machen will, muß mindestens zwei Bälle und vier oder fünf Diners geben, will sie ihren gesellschaftlichen Pflichten nachkommen. Rechnet man zu diesen nicht unerheblichen Kosten noch die Hausmiete, Toiletten usw., so ergibt sich ein Budget von 226000 M. Und dabei wird sie sich noch hüten müssen, besondere Liebhabereien zu kultivieren. 58 Felsbüsten Napoleons in der Pfalz. Der 15. August weckt— so schreibt der Pf. Kur.— in der Pfalz Erinnerungen an einen Kriegsheros, welcher in der Geschichte dieses Landes eine hervorragende Rolle spielt. Es ist der Geburtstag Napoleons. Viele Erinnerungen hat die Pfalz für ihn aufbewahrt, es sei aber hier nur auf einige natürliche Felsengebilde hingewiesen, in denen das Volk Bildnisse des unvergessenen Helden sehen will. Es sind dies zwei Steinmassen, welche man als Napoleonsfelsen bezeichnet. Auf dem Wege zwischen Bergzabern nach Dahn, unweit des Dorfes Elenbach, hat man Gelegenheit, ein interessantes Naturspiel, einen Felsen zu erblicken, welcher einer Napoleonsbüste sehr ähnlich sieht Sobald man Birkenhörd im Rücken und das Ende des Waldes bald erreicht hat, findet man von einer Anhöhe, gerade vor sich aussehend, diese Felsbüste leicht. Ein anderes durch einen Felsen gebildetes Monument des Kaisers findet sich bei Bruchweiler. Auf dem Wege von diesem Dorfe nach Dahn, steigt über einer Anhöhe dieses sonderbare Bildnis vor uns auf. Ein Dogelnest aus blühenden Vergißzmeinnicht. In der Monatsschrift Kosmos(Kosmosverlag Stuttgart) teilt H. Schliephake(Rohrsheim) folgende Merkwürdigkeit aus dem Tierleben mit: „Seit zwölf Jahren beobachte ich in meinem Garten ein ganz allerliebstes Vogelidyll; es baute nämlich ein Stieglitz=Pärchen in dieser langen Reihe von Jahren sein Nest stets und ausschließlich aus blühenden Vergißmeinnicht. Jedes Jahr wird eigens für die Tierchen ein Beet mit diesen Blumen bepflanzt; das eine pflückt die blühenden Stengel ab, das andere sitzt auf dem nächsten Aste und sieht zu, dann fliegen beide zum Neste. 1905 war das Nest zwei Tage ganz blau von all den Blüten; leider photographierte ich damals noch nicht, und im letzten Jahr war es nicht möglich, das Nest auf die Platte zu bekommen: es saß zu sehr in den Zweigen einer Linde versteckt. Hoffentlich gelingt es mir nächsteneinmal. Sollte dieses Pärchen die zwölf Jahre hindurch stets das selbe gewesen sein?" 60 Graphologie. Wer interessiert sich am meisten für Graphologie? Diese Frage weiß ein graphologischer Briefkastenonkel auf Grund seines angesammelten Handschriftenmaterials zu beantworten. Die Sichtung seiner Handschriftensammlung hat ergeben daß auf 100 Handschriften 85 Frauen= und 15 Männerhandschriften entfallen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß der größte Teil der weiblichen Interessenten den graphologischen Briefkasten mehr aus Neugierde, als aus Interesse für die Graphologie in Anspruch genommen hat. Dagegen spricht aus den Schriftstücken der Männer meistens wirkliches Interesse und Wissensdrang. Zweifellos ist das der Grapholoaie von heute weit mehr zugetan, als die Männerwelt. In den niederen Ständen wird die Handschriftendeuterei vielfach noch als eine Art Wahrsagekunst angesehen, ähnlich dem Kartenschlagen. Solange die Graphologie als eine vogelfreie Kunst von jedermann betrieben werden kann und darf, wird sie sich auch von solchem zweifelhaften Nimbus nicht befreien können. = Zur Bezeichnung von„Mark“ wird nach Beschluß des Bundesrats erneut in Erinnerung gebracht, daß das Wort„Mark“ in seiner Abkürzung durch ein großes lateinisches M ohne jeden Zusatz, Punkt oder Komma, zu schreiben ist; also weder Mk., M bei der Ausstellung von Wechseln, Schecks, Kreditbriefen usw. besonders zu beachten. 25. August 17 Zur Erheiterung. ** Karlchen Mießnick über den Sport. Folgenden Aufsatz von Karlchen Mießnick über den Sport bringen die Leipziger Neuest Nachr.: Es gibt viele Spördte, am häufigsten is der Möbeltranspordt, aber nur in der Zihzeit, sonst is das Automobihl belibter weils feiner is. Die meisten Automobihle findet man in den Straßengraben und polizeihligen Strahfverfühgungen, indem si zu schnel faren un nicht getutet haben, was Hupe geuannt wird, weil alles beiseide hupt, wenn ein Auto tutet. Es gibt auch Radfarspordt, der is billiger, aber nich fein, indem das doch die Radfarer sogahr die Luft pumpen missen. Die Farreder sin vernickelt, mein grohser Bruder aber hat seins versilberd un nu is er radlos „um Ruhderspordt gehört Wasser un ein par tichtige Arme. Wenn si ruhdern, daß si Trenen schwitzen sin si im Trening un dann fahren st Rehgatte, wo si sich Preihse holen, mannigmal auch blos n Schnuppen. Ein schöner Spordt is auch der Kletersport, wenn man nicht abstürzt, was aber auch nichts tut, weil man da gleich todt is oder wenigstens bald. Die Kleterer haben Eispickek, aber nich ins Gesicht, sondern blohs in der Hand, indem daß sie Stuhfen damit hakken. Sie werden von Fürern an kurzer Leine gefürt aber wenn eine Alwine kommt, sin si futsch. Der Turnspordt is sehr gesunt, dabei kann nichts bassieren, darum rufen si auch egal gut heil, indem es gut gegangen ist, un si heil geblieben sind. Die Turner sin immer sehr lustig und haben 4 f in einem Gürtel, das heißt fergnügt, forsichtig, follkommen und figilant. Der Reitspordt is auch sehr beliebd, sbeziell beis Rennen, wo aber mancher sich todt stürzt, weshalb si gleich einen Todtalisiator dort haben. Am Anfang, das heist ehs losgeht, starrt alles auf die Ferde, weßhalb man von Starrt spricht. getbe, weßh ** Ein Jopll aus Aganda. Der Globetrotter berichtet von einem Vorkommnis auf der Ugandabahn, das bei aller Gefährlicheit für dei Eurovaer einer gewissen Komik nicht entbehrt. Am gus. trifft von dem Stationsmeister Babu aus Simba bei dem Verkehrsdirektor folgendes Telegramm ein:„Dringend..45. Löwe auf der Veranda. Bitte Lokomotive und Zugführer instruieren, vorsichtig und geräuschlos Station einfahren. Passagiere Vegtssimmen. u au..“„Vorsicht auf dem Wege zum Amtszimmer.“ Während der unglückliche Babu, von dem Löwen belagert, in seinem Stationszimmer saß, kam als zufällige Rettungsexpedition ein Jäger vorüber und befreite mit einem wohlgezielten Schuß den bedrängten Beamten aus seiner ungemütlichen Lage: Fünfzig Meter von der Station entfernt stieß er auf eine Löwin, die die Schienen beschnüffelte und konnte auch diese erlegen. Eine Weile später trifft der Jäger wiederum am Bahndamm ein neues Löwenpaar; der eine fällt von einer Kugel getroffen, der zweite nur verzoundet und areist den Schützen an. Inzwischen hat der Simba weitere Abenteuer mit einem Löwen. Um 9 Uhr abends trifft beim Verkehrsdirektor ein zweites Telegramm ein:„Ein Afrikaner 6 Uhr wieder durch einen Löwen verwundet, mit Draisine nach Makindu=Hospital gesandt. Bitte mit Vieruhrzug sicher Patronen schicken"; und ein paar Stunden später kommt ein neues Telegramm, die mal„Extradringend":„Signal= wärter von zwei Löwen umzingelt, auf Rückkehr von Signalposten angegriffen, sitzt jetzt auf Telegraphenstange bei dem Wasserbehälter. Zug dort halten, mitnehmen und weiterfahren. Verkehrsdirektion bitte nötige Maßnahmen treffen"... Der Beruf eines Bahnbeamten der Ugandabahn scheint danach doch gewisse Schattenseiten zu haben. Ausziehrätsel. Krampf Stiel Geber Karree Wange Bruder Oheim Regal Oktave Pfand. is jedem de, vorstehenden 10 Worte ziehe man je einen Buchstaber Ausziehen muß in der Weise erfolgen, daß nach Fortnahme des Zuchnagen ein neues Wort entsteht. Werden alsdann die ausgezogenen Buchstaben aneinandergereiht, so ergeben diese eine Naturerscheinung. Dnfe„ Logogriph. den Namen einer Stadt in Anhalt, und du erhältst 1. eine Stadt in der Schweiz. 2. eine Stadt in der Provinz Sachsen. Literarisches Versteckrätsel. Recht als ein Palmbaum über sich steigt, Hat ihn erst Regen und Sturmwind gebeugt. So wird die Lieb in uns mächtig und groß Nach manchem Leiden und traurigen Mähicht des Dinn; ergeben die fettgedrackten Buchstaben den Streichholzscherz. Auf welche Weise kann man mit nur 8 Streichhölzern 2 Quadrate legen und auch zugleich 4 Dreiecke Rätsel. Ein Zeichen vorn, Rücke zum Schluß, Führt sicher dich Ueber Bach und Fluß. Bilde: K (Die Auflösung folgt nächsten Sonntag.) Auflösungen der vorigen Pilzrätsel. Steinpilz. Rätsel. Pflaster. Diamanträtsel. D o n K M a P a r 0 F n A F a M a F 1 a n a S 8 b Tume 1s e 6 T S P A mt ∆ Buchstabenrätsel. Edelfische. Rösselsprung. Fester Grund sei deinem Ich: Nie dein Wort zu brechen; Drum vor allem hüte dich, Großes zu versprechen. Aber, auf dich selbst gestellt, Handle groß im Leben, Gleich als hättest du der Welt Drauf dein Wort gegeben. Bilderrätfel. JJulius Hammer) Skatturnier. m. Verierbild. Bild auf den Kopf stellen, der Strauß ist dann im Strauß zu sehen. (Nachdruck und Nachbildung aller Teile untersagt.) Verantwortlicher Redacteur: B. Reuter in Rotationsdruck und Derlaa von J. O. Bachem in K11# Dr. 34. Zolonia. sonntagsbellage zum Kölner Local-Anzeiger. 29. August 1907. Für die Frauen und Kinder. st- Krankenbesuche. Am Krankenbett gern gesehen sind die aufheiternden Besucher, die einen frischen Zug von draußen mitbringen, die mit ihrem freundlichen Gesicht und ihrem ablenkenden Geplauder eine Abwechselung in das trübe Einerlei bringen und für ein Stündchen den Patienten sein Leid und seine Schmerzen vergessen machen. Diejenigen verstehen ihre Aufgabe aber falsch, die um jeden eine vergnügte Stimmung erzielen wollen und statt dessen mit ihrem lauten Lachen und ihren forcierten Scherzen einen Mißklang in den Dämmerton der Krankenstube tragen, oder die von sich, von ihren Erfolgen, ihren Vergnügen farbenreiche Bilder entwerfen, auf denen die Lichter so grell aufgetragen sind, daß sie dem Leidenden sein Los noch düsterer, seine Unbehülflichkeit noch schlimmer erscheinen lassen. Am deprimierendsten aber wirken die— oft recht wohlmeinenden Besucher, die glauben, ihr Antlitz schon von vornherein in lange Falten legen und ihre Miene auf den Grad des Bedauerns herabstimmen zu müssen, den die Schwere des Falles erfordert; die wie Unglücksraben die Leidensstätte umgeben und mit ihrem zu stark betonten Mitgefühl das schwere Herz von Pfleger und Kranken noch schwerer machen. Und dann das Bemühen, verwandte Fälle herbeizusuchen, die ebenso schlimm oder vielleicht noch schlimmer waren; oder die Erzählungen von dem Loose dieses oder jenes Bekannten, der auf so traurige Art geendet hat, wobei sich natürlich in dem Leidenden Alles in banger Vorahnung, es möge ihm ebenso ergehen, zusammenkrampft, während die barmherzigen Samaritane hochbefriedigt von der Stätte ihres Wirkens scheiden. Da verließen kürzlich zwei ältere Bekannte eine junge Frau, die tapfer einer Operation entgegensah; die beiden alten Damen, die bei dieser Nachricht voller Teilnahme herbeigeeilt waren, hatten es aber in kurzer Zeit mit ihren Erzählungen aus dem Bekanntenkreis, wo diese während, jene nach der Operation gestorben sei oder sonst Komplikationen eingetreten seien, fertig gebracht, die Patientin furchtbar aufzuregen, obwohl sie immer wieder versicherten: Sie, liebes Kind, sind ja jung und gesund; bei Ihnen ist so etwas nicht zu befürchten. Daß der Gatte, der die Aermste in Tränen aufgelöst fand, die beiden Alten mit ihren Unkenrufen zum Pfeffer wünschte, ist ihm nicht zu verargen. Ein anderes Mal traf ich wohlmeinende Besucher, die ein junges Mädchen, das gerade von Scharlach und Dyphtheritis genesen war, auf erhebende Art mit allen Folgen bekannt machten, die nachträglich eintreffen und den Organismus schädigen könnten, wobei sie allerdings von einem Dritten auf etwas brutale Art gestört wurden. Meist aber werden diese Erzählungen von schrecklichen Schicksalen und traurigem Ende ununterbrochen angehört und üben ihre aufregende Wirkung auf die Zuhörer, obwohl das durchaus nicht in der Absicht dieser Besucher ist. Im Gegenteil: sie beabsichtigen durch die Gegenüberstellung eines weit härteren Schicksals dem Leidenden sein Los als erträglich und annehmbar hinzustellen, ihn im Hinblick auf schlimmer Betroffene zu trösten; aber selten erreichen sie ihren Zweck dadurch. Um Kranke, selbst Rekonvaleszenten, ist es ein eigenes Ding, und sie sind oft von der nächsten Umgebung schwer zu behandeln, besonders solche, bei denen es sich um lange Leiden handelt. Meist wollen sie selbst über ihre Beschwerden klagen und ihr Schicksal bejammern, hören sich aber nur ungern bedauern. Manche, bei denen die Befürchtung maßgebend ist, man könne ihre Krankheit für eine erbliche, unheilbare halten, verheimlichen sogar die Symptome ihres Leidens und tragen Fremden gegenüber eine heitere, zufriedene Miene zur Schau. Auch hier heißt es zu Recht: Tout comprendre est tout pardonner— Alles verstehen heißt alles verzeihen. Man begreift die Schwäche des Patienten und handelt danach. Direkt taktlos sind die teilnehmenden Bemerkungen:„Wenn es dir nur nicht geht, wie deinem Vater," oder„so hat dein Bruder auch angefangen.“ Bei wirklich Schwerkranken, besonders in akuten Fällen, sind Besucher meist verpönt oder nur für kurze Zeit zugelassen; dann gilt es nur ein freundliches Wort zu sagen, eine Blume oder eine Erfrischung zu bringen und mit dem Wunsche für gute Besserung baldigst zu scheiden. Aber bei allen denen, die ein langwieriges Krankenlager durchzumachen haben, sind verständnisvolle Besucher willkommen. Nächst dem Kranken fühlt die Umgebung am meisten die Wirkung der Abwechselung; einmal findet man ihn heruntergestimmt, mutlos; ein anderes Mal angeregt, hoffnungsfroh. Daß jemand, der soviel Zeit und Muße hat, über sein Leiden nachzudenken, egoistisch und durch die Schmerzen nervös und reizbar wird, ist nicht zu verwundern; man setze sich nur selbst in solch eine bedauernswerte Lage und man wird es verstehen und Launen und Grillen ertragen lernen. Bei näherem Verkehr und bei Erkenntnis der Eigenheiten lernt man auch den Patienten behandeln, der sich meist bei Fremden liebenswürdiger gibt als bei seiner Umgebung, und dann versteht man den Wert der Ablenkung zu würdigen. Nicht selten, daß ein Kranker bei einer anregenden Unterhaltung, die vielleicht seine geistigen Interessen berührt und ihn fesselt, seine Schmerzen vollständig vergessen hat, während ihn umgekehrt die gar zu bedauerlichen Fragen nach seinem Befinden, die beständige Unterhaltung über das Krankenthema, immer wieder daran erinnern und ihn förmlich zu dem so schädlichen Nachgrübeln zwingen. Daran erinnere man sich, wenn man nach dem Gebote:„Die Kranken besuchen“, handelt, damit die Wirkung auch der guten Absicht entspreche. Ob Selbstkritik. Krtiisch ist fast jeder Mensch veranlagt, nur zu sehr. Schon die kleinen Mädchen auf der Straße lassen es nicht an dem über alles fehlen. was ihnen an ihren Gefährtinnen in Peitre—.——"— Kleidung, Sprechweise, Benehmen, Lebensweise als anders geartet gegenübertritt. Man kann bei ihnen nun mitunter sehr stark ausgeprägt die Ueberschätzung der eigenen Art bemerken, die meistens mit der Neigung verbunden ist, alles Fremde von vornherein von der Seite zu betrachten, von der sich die Sache am wenigsten günstig zeigt. Später wächst diese Neigung, besonders beim schöneren Geschlecht, dann erst recht, wenn nicht beizeiten Einhalt getan wird. Ja, sie ist dann zur Gewohnheit geworden, die dem Menschen selber kaum noch zum Bewußtsein kommt. Es gibt genug Frauen, die mit bester Ueberzeugung von sich sagen:„Ich rede niemand etwas Böses nach“, die in der Tat aber, fast ohne es zu wissen, immer heftig herumkritisieren und alles ganz anders machen würden, wenn sie an Stelle von Frau X. oder Fräulein Y. wären. Vor diesem unleidlichen Kritisieren anderer bewahrten wir uns am besten, wenn wir unser kritisches Talent einmal vorzugsweise auf uns selber richteten. Selbstkritik, strenge Prüfung unserer Handlungen und unserer Motive, wie selten findet sie sich bei Frauen! Es gehört eben schon eine gewisse Fähigkeit zum objektiven Beobachten dazu, eine Ueberwindung des subjektiven Standpunktes, von dem aus unser liebes Ich sein Tun in schmeichelndem Lichte sieht, und auch die Handlungen, die sich wirklich nicht beschönigen lassen, vor sich selber noch immer mit besseren Absichten rechtfertigen möchte. Eine vorurteilsfreie Selbstkritik ist uns Frauen wirklich sehr notwendig. Sie bewahrt uns vor der Ueberhebung, zu der auch die guten Hausfrauen oft bedenklich neigen, sie beugt aber auch der Gefahr vor, recht kleinlich zu werden, indem wir im engen Kreise unser Interesse immer mehr auf die Fehler unserer Nächsten richten, als es für die Bildung unseres Charakters gut ist. Muß denn immer alles nach der gleichen Schablone gehen? Ist wirklich unsere Art, wenn wir sie einmal unparteiisch betrachten, so viel besser, als die unseres Nächsten, daß wir sie ihm gerne aufzwingen möchten? Die Welt ist ja gerade so reizvoll in der Vielheit ihrer Erscheinungen, in der Mannigfaltigkeit, indem jedes Ding seine Eigenart ausprägt. Und es ist niemals sicher, ob das, was bei uns gut und richtig sein mag, auch anderswo so am Platze wäre. Es ist so häßlich, wenn manche Frauen, die auf Bildung Anspruch machen, niemand vorbeigehen lassen können, ohne ihn dreimal durchs kritische Sieb zu werfen, zu beleuchten, warum er ausgeht, zu untersuchen, ob er etwas versäumt, oo er nicht zu großartig oder zu geschmacklos gekleidet ist. Laß die Leute doch, du hast es ja nicht zu verantworten, du besserst ja auch nichts daran. Die Hauptsache ist es doch, wenn du dich selbst auf rechten Wegen weißt, mit deiner Kleidung zufrieden sein kannst, dein Hauswesen wohl versorgt hast, wenn du in jeder Beziehung vor deiner Selbstkritik bestehen kannst. Niemand kann ja in die Haut des anderen schlüpfen und ihn ganz verstehen. Denjenigen aber, den wir am besten tadeln und am strengsten beurteilen sollten, lassen wir gar zu gerne mit mildernden Umständen durchschlüpfen. Eine strenge Selbstkritik läßt nicht die wohlgefällige Selbstgerechtigkeit aufkommen, die den Verkehr mit manchen Leuten so unleidlich macht. Wer kennt sie nicht, die Menschen ohne Fehler, die für die wunderlichsten Eigenheiten ihrerseits immer noch eine Auslegung finden, welche sie hoch über alle anderen stellt! Niemals können sie eingestehen, daß sie unrecht haben, aus dem einfachen Grunde, weil sie es wegen Mangel der einfachsten Selbstkritik nicht einsehen. Ja, das liebe Selbst! Es hält uns Augen und Ohren vor uns selber zu. Und die Töchter kritischer, selbstgefälliger Mütter werden auch beizeiten kritisch, wo nicht kritischer. Man kann die kleinen Mädchen daher nicht früh genug zur inneren Bescheidenheit erziehen, indem man die Neigung zu frühreifer Kritik nicht als Witz belacht oder gar als Aeußerung eines überlegenden Verstandes beurteilt, sondern indem man die kritischen, kleinen Wesen bei solcher Gelegenheit unbarmherzig zur Selbsteinkehr bringt und auf die eigenen Mängel verweist. Am besten wirkt freilich das eigene Beispiel. ** Die älteste weiße Frau in Amerika, Frau Mary Ramsey Lemons Wood, hat im Mai das außergewöhnliche Alter von 120 Jahren erreicht. Sie wohnt in Portland, Oregon. Am 4. Juli wurde sie von General H. Williams, dem einzigen noch lebenden Mitgliede des Ministerkabinetts unter Präsident Grant, unter großen Feierlichkeiten als Königin von Oregon gekrönt. Frau Wood ist nachweislich am 20. Mai 1787 zu Knoxville, Tennessee, geboren. Sie war zweimal verheiratet; ihr erster Gemahl, Hr. Lemons, starb 1839. Sie zog 1852 von Missouri nach Oregon, wo sie sich in Washington County niederließ. Die lange Reise dorthin hatte sie im Sattel zurückgelegt. Ihren zweiten Mann, Hrn. John Wood, heiratete sie am 28. Mai 1854. Die vier Kinder, welche sie ihrem ersten Manne schenkte, wurden alle sehr alt, jedoch lebt zurzeit nur noch die 1830 geborene Tochter Frau Katherine B. Southworth Reynolds. Frau Wood ist englischer Abstammung. Ihre Eltern hatten sich in Carolina niedergelassen und zogen von da nach Tennessee. Ihre Mutter erreichte ein Alter von 110 Jahren. Frau Wood wiegt jetzt 130 Pfd., ist lebhaft und rüstig und sehr unterhaltlich. Ueber die Laufbahn von Napoleon Bonaparte, der ein junger Mann von 18 Jahren war, als sie geboren wurde, spricht sie, als ob dessen Taten der Jetztzeit angehören. Sie war eine gereifte Frau von 34 Jahren, als Napoleon auf St. Helena starb, und ihr jüngstes Kind wurde nur neun Jahre nach dessen Tode geboren. Als Georg Washington starb, war sie ein Mädchen von 12 Jahren. Friedrich der Große von Preußen und Benjamin Franklin waren noch am Leben, als Frau Wood das Licht der Welt erblickte. Sie war schon Muter, ehe Abraham Lincoln und Gladstone geboren waren. Da man Beispiele gehabt hat, daß Frauen mit 31 Jahren Großmütter wurden, wäre Frau Wood alt genug gewesen, um die Großmutter der 1819 geborenen und 1901 verstorbenen Königin Viktoria von England zu sein. Als Wilhelm l. 1797 geboren wurde, war Frau Wood bereits zoh Jahre alt. General Williams, der diese patriarchalische Frau Königin von Oregon krönte, ist selbst schon ein alter Mann v# 83 Jahren; trotzdem könnte die um 37 Jahre ältere Frau Waseine Großmutter sein. ha Die Frauenstadt. Die Einwohnerzahl von Charlottenb## ist für den Anfang des Monats Juni vom Statistischen Am Stadt vorläufig auf 257432 festgesetzt worden. Im Laufe## Monats Mai ist die Stadt noch etwas gewachsen, da anfangs# nur 256 898 Köpfe gezählt wurden. Von den Einwohnern lottenburgs sind nach einer letzten endgültigen Feststellung 11760 männlich, dagegen nicht weniger als 139 295 weiblich. Esl#### also dort zurzeit fast 22000 Frauen mehr als Männer. alte Buch. Märchen von Eva-Marie Stosch. Es war einmal eine kleine Prinzessin, die war schön unda und freundlich zu jedermann, gleich, ob hoch oder gering. I1 alle Untertanen ihres Vaters, des Königs, hatten die klei Prinzessin daher auch sehr lieb, und wenn sie von ihr sprachso sagten sie nur:„Unser Prinzeßchen.“ Darin lag ihre gan Liebe. Nur ein Mensch war im ganzen Reich, dem machte d Königskind rechten Kummer. Und das war der Hofmeister,d den Unterricht erteilen sollte. Prinzeßchen wollte durchaus nie lernen. „Liebes, gutes Prinzeßlein," bat er gar oftmals freundli „lerne doch dieses nette kleine Abc, es ist wirklich nicht schwer, wie du fürchtest. Und wenn du es gelernt hast, bi ich deinen Vater, daß er dir ein neues Pferdchen schenkt.“ „Lieber, guter Hofmeister," erwiderte darauf die Kleine so freundlich,„ich würde schrecklich gern das Pferdchen habe aber das Abe kann ich nicht lernen. Es geht wirklich nicht.“ So vermochten die glänzendsten Versprechungen das Prinze chen nicht zum Lernen zu bewegen. Wurde der Hofmeister ab gar einmal ärgerlich, so fing es an zu weinen. Das aber kom der brave Mann nicht sehen; das heiße, klare Tränenbächle brannte ihm ins Herz hinein, und er wurde gleich freundlich. Prinzeßchen aber blieb so lieb und schön und dumm, wie immer gewesen. Nicht weit vom Schlosse, in weinumsponnenem Häusch aber wohnte des Königskindes alte Kinderfrau. Die Kleine ha sie sehr lieb und besuchte sie fast alle Tage. Dann saß dien am Rocken, und das Rädchen schnurrte, und die Frau erzäh ein Märchen. Die kleine Prinzessin aber hörte eifrig zu, schnurrenden Rad und dem Märlein. Eines Tages aber, da fand sie die Alte nicht spinnend Fensterplatz, nein im Bett lag sie und war recht krank. Nun kam das kleine Prinzeßchen dreimal am Tage, brat die besten Suppen und bat den Papa König, daß er der A seine weisesten Aerzte sende. Das tat der gute König auch, a keiner konnte die Krankheit heilen. Immer schwächer wurde Frau, und Prinzessin weinte bitterlich. Da, eines Nachts, träumte das Königskind gar seltsam. das goldene Kinderbettchen kam wackelnden Ganges eine m würdige Gestalt. Fast schien es, als sei es die alte Kinderst Aber nein, nur die gebückte Gestalt erinnerte an diese. Zwisch den Schultern aber saß— es war fast grausig anzusehen statt des Kopfes ein großes, altes, dickes, schweinsledergebunden Buch. Auf dem Deckel des Buches saßen zwei große Augen, Prinzeßchen unheimlich anstarrten. Und nun fing das schreckl Wesen gar zu sprechen an, indem es die Deckel auf= und zuklapp wie zahnlose Kiefern. „Prinzessin, ich weiß ein Mittel.“ „Welches— Mittel?“ hauchte das träumende Prinzeßch ganz bang. „Durch das deine alte Freundin gesund wird.“ Da vergaß die Kleine alle Furcht.„O, bitte, sag' es mit rief sie und streckte flehend die Hände aus. Aber unheimlich verneinend wackelte das schweinslederne 3 auf den hochgezogenen Schultern. Noch einmal klappten die 20 auseinander und dumpf klang es aus ihrem Innern: „Ich wohne in der kleinen Rumpelkammer im Schoriste winkel.“ Da wachte Prinzeßchen auf. 6 O wie lief sie am nächsten Morgen eilig die Treppe hin zur Rumpelkammer. Und richtig, da lag im Winkel neben# Schornstein das große, dicke, schweinsledergebundene Buch. nigst rief die Prinzessin nun den Hofmeister, daß er lese. Aber merkwürdig, der Mann konnte das Buch nicht blicken. Man holte andere Leute herbei, der ganze Hofstau schließlich sogar der König selbst. Aber keiner sah das nur das Prinzeßchen selbst. Und wiederum weinte das Kind bitterlich. Ach, er gern die geliebte Alte vom Sterben errettet. Aber wie das Mittel kennen lernen, das in jenem geheimnisvollen: stand, das niemand sehen konnte— außer ihm selbst? Da nahm der Hofmeister sein großes, geblümtes Tasc und trocknete die Tränen der Weinenden. Und dann gab das Abc. Nun lernte Prinzeßchen. Und dann hat es wieder das dicke Buch vorgenomme da es unn lesen konnte, fand es das verheißene Mittel—“1 als die Frau sich zum Sterben legen wollte. Sie ist dann wieder gesund geworden und hat noch Jahre gelebt. Prinzeßchen aber hat das Abc und## sehr lieb gewonnen.