U 8 o 5 # SFFFFTSTTFFFFFS## Nr. 53. Senntag, 31. Dezember 1905. Sonntagsbeilage zum Kölner Local-Anzeiger. mit besonderer Abteilung: Für die Frauen und Kinder. Rsste Jahreswende. Tritt leise auf, sprich flüsternd nur, Das alte Jahr stirbt hin! Ein neues folgt schon seiner Spur Mit lachend heiterm Sinn. So gib die Hand mir, eh' du gehst, Viellieber Kamerad! Vor meinem Blick du wieder stehst Mit jeder guten Tat. Und hast du Leid mir auch gebracht, Du warst mir doch ein Freund, Der treu bei Tage und bei Nacht Mit mir gelacht, geweint. O sag', was kann ich für dich tun, Bevor du von mir ziehst? Du sollst an meinem Herzen ruh'n Noch einmal froh gegrüßt. Dann nah' ich erst dem neuen Gast, Der Einlaß schon begehrt, Und biet' ihm die gewünschte Rast An meinem warmen Herd. Marg. Mirbach. M Winter auf dem Lande. In der Großstadt wissen viele Leute kaum, wie die Jahreszeiten draußen auf dem Lande aussehen. Da drinnen im eintönigen Steingewirr ist der Sommer eigentlich nur ein gruner Winter und der Winter ein weißer Sommer. Ob die Bäume belaubt oder kahl dastehen— man merkt den Unterschied kaum. Der Schnee bleibt wenig oder nicht lange liegen, und ist der Asphalt nur erst trocken, so spaziert sich's gerade so gut auf den breiten Trottoirs wie im Sommer; Blumen blühen hinter den Spiegelscheiben der Privathäuser wie der zahlreichen Blumenläden, und aus den Körben der Blumenverkäuferinnen schimmern uns um Weihnachten Veilchen und um Neujahr Maiglöckchen entgegen! Die frühe Nacht mag ruhig sich niedersenken, das künstliche Licht in allen seinen Schattierungen, bald hell wie die Sonne oder bläulich wie der Mond, läßt schnell all die Herrlichkeiten und prächtigen Luxusartikel der Schaufenster aufblitzen, und treten wir in die Häuser, so lassen uns die trefflich ausgedachten und tadellos wirksamen Heizeinrichtungen schon im elektrisch erleuchteten Flur nicht die milde Sommerwärme verKein Wunder also, wenn so viele Großstadtmenschen den Winter mit all seinen Vergnügungen und Genüssen mehr lieben wie den Sommer. Der Winter auf dem Lande dagegen ist die Zeit der Stille und der Ruhe, des Winterschlafes. Wie weltfern, einsam und abgeschieden liegt oft wochenlang ein Dorf da, wenn im November der kalte Regen eintönig Tag für Tag herniederrauscht und die niedrigen Hütten und Häuser und die entblätterten Gärten von dichtem Nebel in den grauen Schleier der Melancholie eingehüllt werden! Wie klirren die Schindeln und klappern die Dachziege#, wenn die entfesselten Winterstürme den entblätterten grauen Wald durchfegen oder über das öde kahle Blachfeld dahinbrausen. Wie undenkbar für den blasierten, modernen Uebermenschen, hier draußen zu leben, hinter diesen kleinen Fenstern, die keine Gardinen brauchen— da das Wasser an den kahlen Scheiben hinunterrinnt, die Bewohner so gut von der Außenwelt abschließt, wie es Stores und Gardinen nur immer tun können! Warm und zugfrei will es der Bauer vor allem in seiner Stube haben— auf etwas üblen Geruch kommt es ihm dabei wenig an. Trotz Tabakrauch und Speisenduft pflegen au dem Lande die Leute ihre Fenstern und Türen meist fest geschlossen zu halten. Nur ungern gehen sowohl Mann wie Frau außer zu ihren Arbeiten aus— Schlammbäder auf den schmutzigen Dorfstraßen zu genießen, ist auch wirklich kein Vergnügen. Muß aber irgendein weibliches Wesen über die Straße, so kann man sicher sein, daß es ihre Hauptsorge ist, den Kopf und die Hände gut einzudrehen und zu versorgen. Komisch genug sieht es für den Städter, der gerade den entgegengesetzten Grundsatz befolgt, aus, wenn er die kleinen Mädchen schon mit mächtigen Wollkapuzen und Fäustlingshandschuhen— dafür aber sehr oft ohne jede andere Winterhülle als Mantel oder Jacke umhergehen sieht. Der Kenner ländlicher Verhältnisse weiß freilich, daß sie doch nicht zu frieren brauchen, defür sorgen schon Unterwämser unter dem Sonntagskleide, so daß so eine kleine Person ma mal fast so viele Leibchen anhat, wie die Zwiebel Häute besitzt. Am erträglichsten ist es auf dem Lande, wenn bei frischer Kälte Schnee fällt und liegen bleibt. Nur darf die Decke nicht so tief sein, daß die Wege verschneit sind und man allmorgentlich erst mühsam eine Bahn ausschaufeln und kehren muß, wenn die Glocke zur frühen Noratemesse ruft! Wie leicht weicht da der Fuß im Dunkeln von der gewohnten Bahn ab in die weiche, tiefe Schneemasse. Aber tröstlich winkt da in hellem Lichtscheine, der lieblich durch die bunten Fenster bricht, schon die Kirche, und erhebend klingt dem frommen Landvolke die Verheißung der Erlösung entgegen:„Tauet Himmel den Gerechten. Auch der Sonntag hat auf dem Lande seine Vorzüge: der Tag, an dem der Geist aus der trägen Winterruhe auf leichtere Höhen sich erhebt. Mag auch das Wetter noch so schlecht, die Wege noch so weit und schmutzig sein— wer nicht ganz alt oder krank ist, möchte um keinen Preis den sonntäglichen Gottesdienst entbehren, selbst wenn die Kirche oft recht weit vom einsam gelegenen Hofe entfernt ist. Irgendein paar verwandte Seelen finden sich immer schon zusammen, die sich den Weg verkürzen, indem sie ihre Erfahrungen über die Welt im allgemeinen und im besonderen austauschen— das Klappern der derben Schuhe schlägt den Takt dazu— die Hüte, Pelzhogs oder gar Muffe der neuen Generation liefern den Gesprächsstoff. Am Nachmittag besuchen sich dann abwechselnd die barinnen, wenn die Männer bei dem wohlbeleibten Dorfwirte zu einem Glase Dünubier oder einem Schoppen Neuen sich zuammenfinden, um mit Kartenspielen oder Politisieren sich die Zeit zu vertreiben. Und sie verwundern sich redlich über die junge Welt, in der heutzutage auch die Frauen mitgehen ins Gasthaus und Bier trinken, anstatt Sonntags bei ihren Kindern zu bleiben und ihnen Geschichten aus der alten Hauspostille vorIc die Welt schreitet auch auf dem Dorfe voran, und an sonntagen sieht man am besten den Fortschritt. Wenn dann zur Martinikirmes die Geige geht oder Dreikönigen und Fastnacht, da sitzen auch die Alten gern dabei, und reden von der Welt, wie sie heute ist, und von der guten alten 6„BIumenstreun.“ Eine unrühmliche Erinnerung von M. Herbert. Neulich sagte mir ein Bekannter, der mir offenbar ohne tiefere Kenntnis meiner berechtigten und unberechtigten Eigentümlichkeiten ein„Kompliment“ machen wollte:„Sie sind zum Repräsen Ich muf, innerlich lachen. Ich glaube, mit der Zeit gelingt es einem, die Menschen über seine Dummheiten und Schwachheiten wirklich hinwegzutäuschen. Schon spät im Leben habe ich nämlich nur sehr schwer eine nervöse Scheu vor vielen fremden Menschen überwunden. Die Leute schienen mir immer mehr feindlich als freundlich, immer bereit zu tadeln und zu kritisieren, und daher fürchtete ich sie. Es war mir fast eine Unmöglichkeit, mit Unbekannten eine Unterhaltung anzuknüpfen, und zeremonielle Besuche und Gegenbesuche hasse ich noch heute bis Und se geartetes Wesen sollte zum Repräsentieren geboren sein? Nun, mein Freund wird sein„unnützes Wort“ verantworten müssen. Aber über seiner ungerechten Anschuldigung fällt mir eine Episode aus meiner Kinderzeit ein, die ihn gründlich Ich weiß, in meinen lang aufgeschossenen, klapperdürren Backfischjahren pflegte meine arme Mama mich mißbilligend anzusehen und kopfschüttelnd zu bemerken:„Ich kann nicht begreifen wie du dich ausgewachsen hast. Wenn ich's so bedenke, du warst wirklich ein sehr niedliches kleines Mädchen.“ Der Umstand, daß ich von meinem zweiten bis zu meinem vierten Jahre„niedlich“ war, wurde mein Verhängnis. Nämlich sd um meinen vierten Geburtstag herum, als ich gerade über unseren runden Wohnzimmertisch hinausschauen konnte, machte Taute Emma— Mamas beste Freundin— Hochzeit. Ich weiß noch ganz genau, was zwischen Mama und Papa über diesen Fall geredet wurde. Jedenfalls waren sie der Ansicht, daß ich noch auf nichts achte, was Große sagten, allein ich hörte und verstand alles ganz genau. Ich mochte Tante Emma leiden, und das war wohl der Grund, weshalb ich aufpaßte, wenn von ihr die Rede war. Tante Emma gefiel mir. Sie war fein, blond und schlank, besaß eine sanfte, liebe Stimme und hatte mir eine rote Korallenkette geschenkt. Sie ging leise, sang, wenn sie uns abends besuchte, schöne Lieder zum Klavier und hatte immer helle Kleider an. Sie kam mir viel netter vor, als alle anderen Menschen. Ich fand es sehr schade, daß sie„Emma“ hieß, denn ich konnte den Namen nicht leiden und meinte, er passe nicht auf sie. Ich glaube, Tante Emma war nicht mehr ganz jung, gewiß war sie hoch in den Zwanzigern, als sie heiratete. „Emma tut mir so leid!“ sprach Mama.„Der Mann ist ja vier Jahre jünger als sie... und so dick. Ich begreife nicht, wie man einen dicken Mann heiraten kann. Papa, der sehr schlank war, lachte.„Na, das Dicke könnte man ihm noch hingehen lassen. Aber wie mau einen Menschen heiraten kann, der aus alten Lappen und Papieren Oel macht— das wird mir ein ewiges Rätsel bleiben.“ „Emma sagt, er sei sehr gelehrt.. Ein dummer Junge ist er. Auf keinen Fall versteht er eine Frau wie Emma zu schätzen. Und der Altersunterschied wird sich schon rächen... aber natürlich, geheiratet muß sein! Tante Emma war aber sehr glücklich. Wenigstens lachte sie mit dem ganzen Gesicht, als ich ihr Mamas Hochzeitsgeschenk brachte: ein Fußkissen aus rosa Seide. Mir kam letzteres riesig „Di Füße darfst du aber nicht drauf stellen!“ ermahnte ich Tante Emma bei der Ueberreichung. Sie hatte riesig viel schöne Sachen gekriegt— meistens Lampen und Blumenvasen. Die standen alle auf einer langen Tafel in ihrem Wohnzimmer; es waren auch sehr viele Flaschen für Essig und Oel dabei.„„ „Nicht wahr, Röserl, du streust mir Blumen auf meiner Hochzeit!“ sagte Tante Emma und küßte mich. Mama hatte auch schon davon gesprochen. Ich konnte mir nicht recht vorstellen, was„Blumenstreun" bedeutete, doch mußte es wohl etwas Ehrenvolles sein, weil Mama mir ein weißes Mullkleid mit zwei Volants für diesen Zweck verfertigte. Auch wurde ein weißes Weidenkörbchen mit Goldbronze angestrichen und mit himmelblauen Tragbändern versehen. Diese Vorbereitungen interessierten mich aber nur wenig, weil damals Nachbars Ziege Junge kriegte, und kleine Ziegen für mich der Inbegriff aller Wonne. Nun— Tante Emmas Hochzeitstag nahte heran. Sie war jetzt ein wenig blaß und ernst geworden. Alle hatten ihr von der Heirat abgeredet. Einmal war sie weinend zu Mama gekommen: Die abscheulichen Menschen sagen, er nimmt mich ums Geld... und erstens hab' ich doch nicht viel, und dann haben wir einander doch so lieb!“ Vielleicht denkt er, du seiest sehr reich,“ hatte Mama geantwortet— aber das hatte Tante Emma furchtbar übel ge„Otto ist so ideal! Otto ist eines solchen Gedankens gar nicht fähig.“ Dabei warf sie den Kopf stolz in den Nacken. Ich hatte den„Otto“ der Tante Emma niemals gesehen, aber meine Sympathie für ihn war schwach. Ich stellte ihn mir dumm, dick und schmutzig vor— da er Oel aus alten Lappen“ machte. Aber obgleich er Tante Emma nicht glücklich machte, galt er doch später für„eine Kapazitä Dann kam der Hochzeitstag Am Vorabend saßen Emmas Freundinnen alle bei einander und wanden Kränze aus Tannenzweigen und Georginen. Ich durfte die Zweige reichen und den Bindfaden aufknoten, wenn er sich verschlungen hatte. Man war dabei ziemlich gerührt und sang: Wir winden dir den Jungfernkranz Mit veilchenblauer Seide. Ich höre noch die hohen, dünnen Stimmen. Der Bräutigam war aus Berlin angekommen. Er war in der ersten Klasse des Zuges gefahren, und das hatte alle Leute in der Stadt aufgeregt. Man sprach sich sehr mißbilligend darüber aus. Er wäre ein„Obenhinaus". Mama und Papa waren natürlich unter den Hochzeitsgästen, Mamas seidenes Brautkleid war rot gefärbt worden, und der Schneider hatte Papas Frack aufgebügelt. Mama wollte gelbe Rosen im Haar tragen. Meine Haare waren mit Klettenöl aufAr Moro;, des großen Tages inspizierte ich die Kirche. Das Haus von Tante Emma lag nur einige Schritte von der kleinen Kirchhofspforte entfernt. Durch die Pforte, an Gräbern und Kreuzen vorbei, ging's zur Kirche unserer kleinen Stadt. Der ganze Weg vom Haus bis zum Hochaltar war dicht mit Blättern und Blumen bestreut. Um die Pfeiler des kleinen Gotteshauses waren die Kränze der Freundinnen gewunden. Es roch wie Weihnachten. Der Küster saß an der Orgel und probierte eine Fuge aus Bach.„Tante Emma liebt Bach über alles,“ sagte er. Ich stellte mir„Bach“ wie ein hübsches Rieselwasser vor, ein Rieselwasser, das Musik machte. Auf dem Altar standen große Sträuße aus Malven und Sonnenblumen— das sah sehr nett Dann kam Martha, das Kindermädchen, um mich zu suchen. „Du sollst doch Blumen streun! Du mußt dich anziehen In dem Augenblicke faßte mich zuerst eine seltsame Angst. „Du, Martha..., wie macht man eigentlich das BlumenMartha aber schien sich über den Fall selber nicht recht klar zu sein, sondern zog mich eilig mit sich fort. Zu Hause stand Mama schon angekleidet. Sie sah wunderschön aus. Ich fand Mama immer sehr schön, Papa weniger. Ich mochte Männer in Zylinderhüten nicht leiden, weil der Schornsteinfeger einen trug. „Wenn Tante Emma aus der Kirche kommt,“ sagte Mama, dann trittst du vor den Zug, gehst langsam vor ihr her und wirfst eine von den Rosen nach der anderen vor ihre Füße“ Damit gab mir Mama einen Kuß und rauschte die Treppe hinab. „Ich dachte, Mama würde mich an der Hand führen," sagte ich kleinlam zu Martha, während mein Herz laut zu schlagen begann aus Angst vor der Aufgabe. * * * 895# Nr.8. Zeit, wie sie in ihrer Jugend gewesen. Die Petroleumlampen breunen und schwelen dunstig in dem Staub, den alle die dicht benagelten Schuhe aufwirbeln, und von Zeit zu Zeit erscheint eine derbe Magd mit dem Wischtuch oder mit der Wasserkanne zum Spritzen. Die„Sieben Brüder“ spielen kurze Tänze, und alle Augenblicke ist der Tanzgroschen fällig. Die Burschen tanzen die ganze Nacht nur mit„ihrem Mädchen“, die ihre Auserkorne fürs Leben sein wird. Und zwischen den verschiedenen Tänzen werden nicht selten die sentimentalen und die rührenden, oft mehr kirchlichen alten Volkslieder gesungen, und den Alten wird's ganz eigenartig sanft zumute. Dann versinkt das Dorf wieder in die Winterruhe des Alltags und des Schnees. Nur das Bellen der Hunde unterbricht die Stille und zuweilen das Krähen der Hähne. Früher hörte man dazu aus jedem Hause die eintönige Musik der Dreschflegel, eintönig, aber doch das beklemmende Schweigen unterbrechend. Schon früh von sechs Uhr an wird bei der Laterne auf der Tenne gedroschen; was Arme hat, muß herau. Erst, wenn man das Frühstück sich verdient hat, wird gegessen, und zwar meistens eine tüchtige Suppe, denn die kräftige Bewegung macht einen Hunger, der von der sparsamen Hausfrau nicht mit gewöhnlichen Mitteln zu befriedigen ist. Heute beginnt die Maschine den Landleuten auch diese Arbeit allmählich abzunehmen. Selbst das Langstroh geht wie das Saatkorn tadellos aus den Trommeln der sinnreich aufgebauten Dreschmaschinen hervor, und der„Flegel“ wird bald nur mehr in Museen und im Schimpfwort zu finden sein. Die Männer wenden sich anderen Arbeiten zu, die leider nicht immer zu finden sind. Irgendeine kleine Hausindustrie wäre daher für ganze Gegenden ein wahrer Segen, selbst wenn auch nur geringes Verdienst damit verbunden ist. So drücken sich die„Mannsleut“ an manchen Tagen mit der kalten Pfeife um den überheizten Ofen und sehen den Frauen bei deren Arbeit zu. Auch für diese haben sich die Zeiten geändert. Schon lange spinnen die fleißigen Frauenhände nicht mehr, und das Stricken und Flicken hilft ihnen lange nicht so gut über den langen Winter weg, als es einst die nützliche Arbeit am Rocken tat! So geht langsam auf dem Lande Stück für Stück des Wiuters vorbei— und mit jedem Tage wächst die Sehnsucht, aber auch die Hoffnung auf den kommenden Frühling! Welt und Wissen. K Ueber die Dienstmädchen in Rom wird uns aus der ewigen Stadt unter dem 19. Dezember geschrieben: Die in Rom beschäftigten Mädchen kommen gewöhnlich vom Lande her und beginnen ihren Dienst mit 16 Jahren, häufig auch früher, manche vermieten sich schon mit 12 Jahren. Der Lohn schwankt zwischen 6 und 80 Lire monatlich. In großen Familien werden durchschnittlich 30 Lire gezahlt. Im großen und ganzen sind die Löhne sehr knapp bemessen, hauptsächlich ist dies im gewöhnlichen Bürgerstand der Fall, wo in der Regel einem einzigen Wesen alle häuslichen Obliegenheiten übertragen werden, das dann mit 50 oder 25 Centimes täglich ausgelöhnt wird. Für diesen Verdienst muß das Mädchen kochen können, die Wäsche besorgen, die Kinder zur Schule begleiten und abholen, die Zimmer in Ordnung halten und für die verschiedenen Befehle der Herrschaften bereit stehen, essen, eben so gut es geht, schlafen Gott weiß wie! Mit der Kündigung werden nicht viel Umstände gemacht; nach alter Gewohnheit können die Mädchen nach vierzehntägiger vorheriger Benachrichtigung entlassen werden, in manchen Familien sieht man darüber hinweg und verabschiedet die Person stehenden Fußes. Für Anstellung der Dienstboten gibt es viele Gesindebureaus, deren Inhaber damit häufig unlautere Zwecke, immer aber eine Ausbeutung verbinden. Abends, wenn die Familie ausgeht, wird das zur Bewachung der Wohnung zurückgelassene Dienstmädchen eingeschlossen. Diese Gewohnheit ist Martha wusch mich, zog die Papilloten aus den Locken, warf mir die raschelnden, gestärkten Unterröcke über den Kopf, dann das weiße Mullkleid, und hing mir den mit Rosen gefüllten Korb um. Dann zog sie mich schnell die Treppe hinab. Der ganze Kirchhof stand dicht gedrängt voll neugieriger Leute, sogar auf den Rändern der Gräber standen sie und auf den Sockeln der Denkmäler. Auf der Kirchhofmauer saßen lauter Jungen und ließen die nackten Füße herunterbaumeln. „Röserl!“ schrien sie, als sie meiner ansichtig wurden.„Hast ja lauter Pfropfenzieher am Kopf!“ Martha hatte vergessen, meine Locken auszukämmen. Alle Menschen starrten mich an. Jetzt standen wir vor der Kirchentüre. Ganz nahe über mir dröhnten die Glocken im Turm. Mir wurde immer banger. Dann kam Tante Emma aus dem Portal geschritten. Aber ich hätte sie fast nicht gekannt. Sie sah ganz fremd und vornehm aus in ihrem langen Schleppkleid, und ihr Gesicht war vom Weinen dunkelrot. Neben ihr ging strahlend der dicke Bräutigam. und hinter ihr blitzten Uniformen und Orden. schämte mich furchtbar. Nicht um die Welt wäre ich auch nur einen Schritt vorwärts gegangen. „Willst du wohl gehen, du alberne Gaus!“ drohte Martha und gab mir einen Puff in den Rücken. Ich faßte krampfhaft in die Blumen und warf einige zur Erde, aber keine Macht hätte mich vermocht, in der Mitte des Weges vor Tante Emma herzuschreiten— es ging über meine Kraft. Tante Emma und der Bräutigam winkten mir— umsonst. Mama warf mir einen befehlenden Blick zu— umsonst. Alles umher lachte. Mama schritt dunkelrot vor Scham über mein Betragen an mir vorbei. Papa tat, als bemerke er den ganzen Vorgang nicht. „Ist das aber ein dummes Kind!“ sagten die Umstehenden zu Martha.„„ Martha aber packte mich auf, brachte mich nach Hause, zog mir den Nachtkittel an und steckte mich ins Bett— das schlimmste Strafmittel unseres häuslichen Systems. Ich heulte den ganzen Nachmittag. „Du hast dich auf ewige Zeiten blamiert!“ sagte Martha— und diese Ueberzeugung hatte ich auch. In der Tat dauerte es lange, ehe irgend jemand im Haus wieder auch nur das Geringste von mir erwartete. Mein Ruf war ruiniert. Und dabei soll ich Talent zum Repräsentieren haben? Zolonia. Sonntagsbellage rum Koiner I3. Dezember 1005. so gang und gebe, daß sich keiner darüber mehr wundert. Macht die Familie einen Ausflug in die Campagna, so kann die Gefangenschaft der Küchenfee ohne die geringste Besorgnis einen ganzen Tag lang dauern. Katholischerseits ist die Vorsorge getroffen, daß die Mädchen an ihren Ausgangstagen sich in bestimmten Klöstern zusammenfinden, wo sie Unterricht in Handarbeit usw. erhalten und wo sie gleichzeitig zur regelmäßigen Uebung ihrer kirchlichen Pflichten aufgefordert werden. Den deutschen weiblichen Dienstboten hat der unermüdliche Prälat Dr. de Waal eine Sparkasse eingerichtet und ihnen Gelegenheit verschafft, allsonntäglich bei den Grauen Schwestern von der h. Elisabeth einer mit deutscher Predigt verbundenen kirchlichen Funktion beizuwohnen. Hier ist den Mädchen ein deutsches Heim in der Fremde geboten; im Schwesternhause werden ihnen Vorträge über die Sehenswürdigkeiten und Heiligtümer der ewigen Stadt gehalten; ferner werden gemeinschaftliche Besichtigungen der vatikanischen Gärten, Katakomben usw. vorgenommen. Hier feiern die Mädchen unter dem strahlenden Tannenbaum auch das heilige Christfest. 00 (0) 600 Perpetua mobilia. Die Hoffnung, eine Maschine zu erfinden, die, einmal in Gang gesetzt, in ständiger Bewegung bleibt, läßt auch heute den Erfindergeist nicht ruhen. Diese überraschende Tatsache erfährt man aus einem Artikel in Cassiers Magazine, in dem mitgeteilt wird, daß in den Jahren 1901, 1902 und 1903 in England 13, 10 und 9 Anmeldungen von Patenten, die ein Perpetuum mobile darstellen sollten, an das Patentbureau gelangt sind. Vom Jahre 1617, in welchem das erste Patent gegeben wurde, bis zum Jahre 1903 sind schon über 600 Anträge auf Ausstellung eines solchen Patents bei diesem Bureau eingelaufen. 5 (60 Ein Ministerium von Schriftstellern. Das neue englische Ministerium, das sich unter der Leitung von Campbell Bannerman gebildet hat, weist wohl unter allen englischen Kabinetten, die je bestanden haben, die meisten Schriftsteller auf. Wohl haben auch schon früher Dichter und Literaten englische Ministerposten bekleidet, wie Disraeli, Bulwer=Lytton, Macaulay, aber das neue Kabinett ist ganz besonders literarisch. An erster Stelle ist da der neue Staatssekretär für Indien, John Morley, zu nennen, der auf eine lange Reihe von wissenschaftlichen Werken zurückblicken kann. Er hat Voltaire, Rousseau und Diderot in drei Biographien geschildert, in Plaudereien und Skizzen, literarischen Essays und geschichtlichen Werken seine reiche Belesenheit bewiesen und sein Werk durch die große Biographie Gladstones gekrönt, die ein Standard=Work der englischen Literatur ist. Sein Kollege, der neue Staatssekretär für Irland, Bryce, ist der Verfasser einer Geschichte der katholischen Kirche und einer sehr geschätzten Geschichte der Vereinigten Staaten. Der Minister des öffentlichen Unterrichts, Birrel, ist neben diesen ernsten Gelehrten der ironische Causeur und geistvolle Dilettant, wie er sich in seinen reizvollen Essays gezeigt hat. Der Kriegsminister Haldane, der als Student der Universität Göttingen deutscher Bildung viel verdankt, ist bekannt als der englische Uebersetzer Schopenhauers, er hat eine Biographie von Adam Smith geschrieben und sich in eigenen philosophischen Abhandlungen bestätigt. Der Dichter des Ministeriums ist Lord Crew, der vor 15 Jahren einen Band mit Gedichten veröffentlicht hat. Sir Edward Grey ist der Verfasser eines Werkes über Fischerei; John Burns hat eine Menge Broschüren verschiedenartigsten Inhaltes geschrieben. Winston Churchill ist ein sehr geschätzter Romanschriftsteller. X Ueber eine Milliarde Fünfpfennig-Briefmarken sind zum erstenmal im Jahre 1904 von der Reichspost seit ihrem Bestehen in einem Jahre abgesetzt worden. Bis zum Jahre 1901 war das am meisten gebrauchte Wertzeichen die Zehnpfennig=Marke. Seit 1902 ist an deren Stelle die Marke zu 5 Pfg. getreten, die nicht nur im Ortsbriefverkehr, sondern auch für Ansichtskarten mehr und mehr gebraucht wird. Ihre Verwendung hat im letzten Jahre 1 033052532 erreicht. Zehnpfennig=Marken, die seit 1902 an zweiter Stelle stehen, wurden„bloß“ 935 Millionen abgesetzt. An dritter Stelle kommt die Briefmarke zu 3 Pfg. mit 476 Millionen, an vierter die Zweipfennig=Marke mit 268, dann die zu 20 Pfg. mit 179½; Fünfzigpfennig=Marken wurden 89 Millionen, solche zu 25 Pfg. 61, zu 30 Pfg. 46, zu 40 Pfg. 21¾ Millionen verbraucht.„Auch Marken zu 80 Pfg. brauchte man nahezu 6 Millionen Stück Selbst die höheren Werte bürgern sich mehr und mehr ein. So wurden von der Marke zu 1 M. im Jahre 1900 noch nicht 4 Millionen, 1904 dagegen schon über 7¼ Millionen Stück gebraucht. Selbst Marken zu 2 M. wurden 1 116 009 verlangt. Auch der Verkauf von Briefmarken zu 3 M. ist weiter auf 208 837 und der zu 5 M. auf 91 593 gestiegen. Von den„Ganzsachen" behauptet die erste Stelle die Fünfpfennig=Karte mit 315 Millionen einschließlich der Antwortkarten. Selbst ZweipfennigKarten wurden nur 137 Millionen einschließlich der Antwortkarten verlangt. Der Absatz von Weltpostkarten geht dauernd zurück. Er beträgt nicht ganz mehr 5¼ Millionen einschließlich Antwort. Der Grund liegt ohne Zweifel in der Verbreitung der Ansichtskarte. Die Gesamtzahl der von der deutschen Reichspost abgesetzten Wertzeichen hat 1904 3624½ Millionen überschritten. Der Erlös dafür beträgt über 325½ Millionen Mark. ** Dampfergeschwindigreit. Eine Güterzuglokomotive der preußischen Staatsbahnen, welche zur Beförderung von schweren Güterzügen auf stark steigenden Strecken dient, hat vier gekuppelte Triebräderpaare und wiegt mit Tender 85 Tonnen. Eine solche Lokomotive kann sechzig beladene zweiachsige Kohlenwagen, deren Gewicht 18 Tonnen beträgt, mit der höchsten Geschwindigkeit eines Schnelldampfers des Norddeutschen Lloyd, nämlich 43,5 Kilometer pro Stunde(= 23,5 Knoten) fortbewegen. Das Gewicht des Schnelldampfers Kaiser Wilhelm II. nebst allem, was er zu tragen hat, beträgt 26500 Tonnen. Da nun einer der obenerwähnten Güterzüge 1080 Tonnen wiegt, so würden rund 24 solcher Züge gleich dem Gewicht des Schnelldampfers sein und 24 schwere Güterzugslokomotiven den auf Räder gesetzten Schnelldampfer fortziehen. Jede dieser Lokomotiven würde dabei rund 800 Pferdestärken, die 24 Lokomotiven zusammen 19•200 Pferdestärken entwickeln. Die Maschine des Schnelldampfers müssen dagegen 46 000 Pferdestärken leisten. Brauchte der Schnelldampfer nur etwa die Hälfte der obigen Geschwindigkeit— 12 Knoten= 22¼ Kilometer— zu erreichen, so genügten dafür Maschinen von rund 6100 Pferdestärken. Ließe man die zum Vergleich herangezogene Güterzüge ebenfalls mit dieser geringeren Geschwindigkeit von 22¼ Kilometer laufen, so genügten weit schwächere Lokomotiven, deren Leistungen etwa 285 Pferdestärken betragen würden. Die 24 Lokomotiven würden im ganzen rund 7000 Pferdestärken, also jetzt mehr als die Schiffsmaschinen, erzeugen. Man sieht hieraus, wie außerordentlich der Wasserwiderstand bei zunehmender Schiffsgeschindigkeit wächst. Wollte man die Lokomotiven in den Maschinenräumen des Schiffes aufstellen und sie mittels geeigneter Vorrichtungen die Schraubenwellen treiben lassen, so brauchte man dazu 57 bis 58 Lokomotiven für die große, 7 bis 8 Lokomotiven für die zweite Geschwindigkeit. Die Länge eines der oben erwähnten 24 Züge würde etwas mehr als einen halben Kilometer betragen, so daß die 24 Züge hinter einander aufgestellt eine Länge von fast 1¾ deutschen Meilen haben würden. Diese Strecke legt ein rüstig ausschreitender Fußgänger in etwa zweieinhalb Stunden zurück. Allerlei von nah und fern. 60 Humperdinck im Weißen Haus. Man schreibt uns aus New York, 12.Dez.1905: Herr und Frau Engelbert Humperdinck wurden am 10. Dezember vom Präsidenten und Frau Rvosevelt im Weißen Haus empfangen. Der Präsident bediente sich mit Hrn. Humperdinck der deutschen Sprache, welche er, wie er sagte, seit langen Jahren nicht mehr gesprochen habe. Er erzählte, Kaiser Wilhelm habe ihn durch Uebersendung eines interessanten Abdruckes des Nibelungenliedes erfreut; er habe sich mit dem Buche redlich Mühe gegeben, ohne daß das Mittelhochdeutfch ihm bis jetzt seine intimen Geheimnisse enthüllt hätte. Der Präsident sagte, er freue sich schon darauf, die Oper Hänsel und Gretel anläßlich einer Festvorstellung im New Yorker Metropolitan Opera House zu hören, wozu er seine Frau und alle Kinder mitnehmen wolle. Im Anschluß daran sagte Frau Roosevelt, sie habe in ihrer Kindheit außerordentliches Interesse an deutschen Märchen gefunden und sich nicht satt daran lesen können. Sei sie unartig gewesen oder habe sie—„was häufig vorkam“— ihr Haar nicht gekämmt, hätte man sie durch zeitweise Entziehung ihres Lieblingsbuches recht empfindlich gekrossen. 15 ** Ein Amateur als Detektive. In einem Marktflecken bei Cincinnati ist durch Zufall eine sehr interessante Photographie zu stande gekommen. Ein junger Amateur machte mit seinem neuen Apparat eine erste Aufnahme im Freien und war so besorgt, alle Vorschriften richtig zu besorgen, daß er die Details des Bildes, das er ganz in seinen Apparat hineinbringen wollte, nicht beachtete. Es handelte sich um eine Jahrmarktsszene, bei der etwa 200 Menschen einen Zirkus umdrängten. Als er den Film entwickelt hatte, erkannte er erst, welche merkwürdigen Fische er in seinem Netze gefangen. Ganz im Vordergrunde waren drei Männer eben dabei, einem Zuschauer im Publikum die Uhr und einen Hemdknopf, der, wie sich später herausstellte, mit einem wertvollen Diamanten geschmückt war, zu stehlen. Von den drei Dieben stand einer hinter dem Opfer, der zweite zu seiner Rechten und der Hauptdieb, der die Arbeit verrichtete, drängte sich links an den Herrn heran und sprach mit ihm. Alle drei waren nach der Photographie leicht zu erkennen, und die Polizei konnte sie schon am darauffolgenden Tage ausforschen und in Haft nehmen. ** Eine Million ausgeschlagen. Die Annahme einer Erbschaft von rund einer Million Dollar hat ein Mann namens J. Eads How mit der Begründung verweigert, er habe das Geld nicht verdient. How verbringt gegenwärtig täglich 16 Stunden in dem armseligen Viertel von St. Louis, wo er allgemeine Brüderlichkeit predigt. Er schläft in einem Heim der Heilsarmee und bereitet sich seine Malzeiten selbst auf einem Petroleumkocher. Seinen Unterhalt erwirbt er sich durch Verkauf von Zeitungen und durch Gelegenheitsarbeiten. ** Einem raffinierten Gaunerkniff sind in Karlsruhe in diesen Tagen zwei Geschäfte zum Opfer gefallen. In ein Pelzwarengeschäft kam ein elegant gekleidetes Paar und suchte sich dort einen Pelz im Wert von 300 M. aus, der mit einem Tausendmarkschein bezahlt wurde. Als der Geschäftsmann die Banknote prüfte, ersuchte ihn der Gauner dringend, sich die Echtheit im nächsten Bankhaus bestätigen zu lassen. Ein Lehrling besorgte dies und erschien nach wenigen Minuten mit der Antwort des Bankiers, daß die Note echt sei. Nun nimmt der Gauner die Miene des Gekränkren an und sagt zu dem Geschäftsmann, sie hätten sich anders besonnen und wollten ihren Bedarf in einem anderen Geschäft decken. Nach einer halben Stunde erschien das Schwindlerpaar wieder im Laden, erklärte, das Gewünschte bei der Konkurrenz nicht gefunden zu haben und erstand einen Pelz im Werte von 300 M. Erst nachdem das saubere Paar verschwunden war, fand der Geschäftsmann, daß er nun wirklich einen falschen Tausendmarkschein in Zahlung genommen. Auf den gleichen Trick fiel ein Antiquitätenhändler herein, bei dem das Schwindlerpaar Kunstgegenstände gekauft hatte. ** Eine Gemsenepidemie. Wie der Voss. Ztg. aus Graz berichtet wird, ist im Bezirk Gröbning in Obersteiermark unter den dortigen Gemsen eine epidemische Krankheit, die sogenannte„Gemsräude", ausgebrochen. Wie amtlich erhoben wurde, sind bereits bei tausend Gemsen eingegangen. Ein Bauer aus dem Sölkergebiet wurde beim Transportieren einer kranken Gemse infiziert und ist an der fürchterlichen Krankheit infolge Blutvergiftung gestorben. ** Das Einkommen des Mikado. Eine englische Zeitschrift macht über die Einkünfte des Mikado einige interessante Angaben. Seine jährliche Zivilliste beträgt 6 000 000 M. Außerdem betragen 2000000 M. die Zinsen aus dem Vermögen von 40000000., das ihm aus der vor zehn Jahren von China empfangenen Kriegsentschädigung ausgezahlt worden ist. 1000000 M. bezieht der Kaiser aus den Erträgen, die ihm von seinem Privatvermögen, das sich auf etwa 20000000 M. beläuft, zufließen. 2000000 M. bringen dem Mikado die ausgedehnten Wälder, die sich in seinem Besitze befinden, eine Fläche von 5 124873 Acres bedecken und über 2000 000000 M. wert sind. So beläuft sich sein jährliches Einkommen auf über 11000000 M. Da aber die kaiserliche Familie aus sechzig Mitgliedern besteht, zu denen elf verheiratete und vier verwitwete Prinzessinnen gehören, und der Kaiser für sie alle im größeren oder geringeren Maßstabe zu sorgen hat, so ist die Summe als ziemlich gering zu bezeichnen. In einem Cunnel gefangen. Ein merkwürdiger Unglücksfall wird aus New York gemeldet: Dort wurde bei einem Tunnelbau für die Pennsylvania=Eisenbahn der Tunnel am Montag morgen um 3 Uhr plötzlich überflutet. Gegen 8 Uhr hörten Arbeiter Klopfen, das augenscheinlich aus einer Luftkammer kam, die am Ende des Tunnels gerade über dem Niveau des überfluteten Teils lag. Sie befindet sich etwa 75 Fuß unter der Oberfläche und ist mit der Außenwelt durch ein dünnes Rohr verbunden, durch das man das Klopfen deutlich wahrnehmen konnte. Sofort wurden Arbeiterabteilungen organisiert, die unaufhörlich gruben, um die augenscheinlich in der Luftkammer eingeschlossenen Leute zu retten. Es war eine äußerst schwierige Arbeit, da man durch felsigen Boden und Beton dringen mußte. Das Klopfen wurde allmählich immer schwächer. Zu Tausenden umstanden Menschen die Unglücksstelle. Am Dienstag früh gelang es Tauchern, durch den überfluteten Tunnel zu den Eingeschlossenen vorzudringen und nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie auch durch diesen zu retten. Es waren zwei Italiener, die ohnmächtig zusammenbrachen, als sie ins Freie kamen; aber man hofft, daß sie sich wieder erholen werden. X ** Ueber die Doktorpromotion eines Friseurs berichten österreichische Blätter: Jüngst wurde an der Wiener Universität Herr Millivoy Jakopljevic zum Doktor der Rechte promoviert. Er ist aus Ruma in Slavonien gebürtig, kam als Friseurgehülfe nach Wien, wo er später ein selbständiges Friseurgeschäft betrieb. In seinem Wissensdrange benutzte er die freie Zeit, die ihm sein Beruf übrig ließ, zum Studium, und legte die Gymnasial= und Universitätsprüfung ab. Hierauf studierte er die Rechte an der Universität, wo er vor drei Jahren die erste Staatsprüfung ablegte. Nachher absolvierte er den Abiturientenkurs an der Wiener Handelsakademie und setzte seine juristischen Studien bis zur Beendigung fort, wobei ihm sein Friseurgeschäft den Lebensunterhalt bot. Am 17. November 1905 machte er das letzte Rigorosum und wurde nun zum Doktor der Rechte promoviert. Nr. 53. Zolonia. sonntagsbellage zum Kölner Local-Anzeiger, Weihnachten in Madrid. G Madrid, 18.Dez.1905. Seit einigen Tagen ist es hier gehörig kalt, und der empfindliche Südländer hüllt sich bis über die Ohren in seine Capa, so daß ein Spanier dem andern gleicht. Von silbernen und goldenen Sonntagen im deutschen Sinne merken die hiesigen Geschäftsleute nicht viel, die Läden sind um die Weihnachtszeit, hier nicht mehr besucht als auch an anderen Tagen des Jahres, um nachtsabend, wenn in Deutschland alles mäuschenstill auf den Straßen ist, zieht der Pöbel mit Deckeln, Hörnern und sonstigen Radauinstrumenten bewaffnet durch die Straßen und macht einen Läirm, daß man sich die Ohren mit Wate austopien göchte. Nach Mitternacht, wenn die sogenannte misa del gallo(Hahnenmesse) beendet ist— von der religiösen Feier sehen wir in dieser Skizze ab—, findet bekanntlich in fast allen Familien ein ovulentes Essen statt, bei dem es hoch hergeht und auf keinem Tische der Besugo(Meerbrassen) sowie Pavo(Truthahn) fehlen darf, Ganze Herden dieser rotlehigen solz echt ganuischz,eieher. schreitenden Tiere werden von Bauern in die Hauptstadt ge bracht und auf der Straße verkauft. Die spanischen Familien beschenken sich gegenseitig mit großen, huntverzierten, Kuchen, Süßigkeiten, Früchten, Wildpret, Wein, überhaupt mit allem, was zu einer vorzüglichen Mahlzeit gehört. Christbäume sieht man hierzulande selten, es sei denn in ausländischen Familien. Die Hauptanziehungskraft vor Weihnachten hat die Weihnachtslotterie. In Spanien hält diese Lotterie(die größte der Welt) alt und jung, reich und ar.,„ in Aufregzughe vegeger alse Loses oder eiges Allelse,., Vele, Gerechsen, eu. 95 heimen schon, was sie mit all dem Gelde anfangen werden un träumen von Schmucksachen, Pferden, Wagen, Automobilen, einem Sommersitz in dem Modebad Sau Sebastian oder dergleichen schönen Sachen und sind meistens am Weihnachtsabend nach erfolgter Ziehung schwer enttäuscht und am andern Morgen noch entäuschter. Nur die Inhaber der Leihhäuser, die vier in erstaunlicher Anzahl in fast jeder Straße vorhanden sind, reiben sich vergnügt die Hände, denn sie machten gute Geschäfte und das bei einem Zinsfuße von 60. Prozent.— sage und schreiß sochzia Prozent! In diesem Jahre sind die Gewinne der Weih nachtslotterie auch gar zu verlockend, el gordo(das 6 Millionen Pesetas, der zweite Gewinn 3 Millionen, der drit 2 Millionen, der vierte 1 Million usw. Es werden 42000 Los à 1000 Pesetas ausgegeben, was die ungeheure Summe von 4. Millionen Pesetas ergibt. Von diesen 42 Millionen kommen nur 29 400000 wieder zur Auszahlung, sicherlich ein brillantes Geschäft. Vor der Casa de la Moneda, woselbst die Ziehung stattfindet, beginnt der Janhagel schon ein oder zwei Tage vor der Ziehung hintereinander sich aufzustellen, da der Eintritt zum Ziehungslokal für jedermann frei ist. In dieser Stellung ver bleiben die Leute, ausgerüstet mit den nötigen Lebensmitteln, Tag und Nacht bis die heißersehnte Stunde der Ziehung kommt. Nun fangen sie an, ihre im wahren Sinne des Wortes erstan denen Plätze an den Meistbietenden zu verkaufen, und ziehen — vergnügt von dannen, um, wenn irgend möglich, ihr soeben erworbenes Kapital noch in einer Beteiligung an der Lotterie anzulegen, denn wie leicht könnte es sein, daß der Gordo auf die erstandene Nummer fiele! In früheren Jahren, als der Andrang zum Ziehungslokale noch größer war, gab es Liebhaber, die 25 Pesetas und mehr für einen guten Platz bezahlten, jedoch scheinen die Aktien inzwischen bedeutend gefallen zu sein, so daß heute schon gute Plätze für—5 Pesetas und im letzten Augenblicke selbst für einen Puro(Zigarre) zu haben sind. Der tätige neue Bürgermeister sowie der Gouverneur von Madrid haben die Golfos Straßenjungen) und Professionsbettler in Asylen unterbringen lassen, und so wird dus Bild vor Ar Sun.— diesem Jahre jedenfalls nicht vlehr so interessant sein, wie es in den Vorjahren war.( Schon einige Tage vor der Zieyung erscheinen in den Zeitungen spaltenlange Artikel über das bevorstehende Ereignis, müßige Köpfe haben ausgerechnet, wie wiel man im günstigsten Falle bei einer Beteiligung mit 5 Centimos(3 Pfg.) gewinnen kann. Am Ziehungstage suchen die Berichterstatter der Provinzialblätter einander zuvorzukommen, um die Nachricht, wohin der Gordo gefallen ist, zuerst zu telegraphieren und so die versprochene Prämie einzuheimsen. Alle Welt steht vor den Schaufenstern der Firmen, welche die Gewinnnumern veröffentliche und notiert, Radfahrer fahren in größter Eile hin und her, die Telephone arbeiten unausgesetzt, die Straßenbahnen kommen in den Hauptstraßen wegen der vielen Menschen nicht weiter und müssen, ob sie wollen oder nicht, halten, kurz Madrid und mit ihm ganz Spanien befindet sich in höchster Aufregung uno wartet ungeduldig der Dinge, die da kommen werden. ** Tuccheni, der Mörder der Kaiserin Elisabeth, ist bekanntlich der Irrenanstalt zur Beobachtung seines Geisteszustandes überwiesen worden. Vor einigen Monaten, so wird der Augsb. Postztg. ans Genf berichtet, griff er den Direktor mit einem Hobel an. Er bekam Sirafverschärfung, kaum war aber diese beendet, als er ein neues Attentat beging. Er meldete sich krank. Als abends der Aufseher in seine Zelle kam, fand er ihn am Boden wie leblos liegen. Man beobachtete ihn, plötzlich sprang er auf und suchte den Aufseher zu erdrosseln. Es folgte ein schrecklicher Kampf. aus dem der Aufseher nur durch das Dazwischentreten eines Kollegen lebend hervorging. Luccheni wurde zur Strafe an die Wand gekettet. Die Aerzte beschlossen aber, ihn versuchsweise in die Irrenanstalt zu überführen. Von einer definitiven Entscheidung ist noch keine Rede.„ ** Amerikanische Falschmünzerei. In welch großem Stil Falschmünzerei in Amerika betrieben wird, davon legt ein Bericht der Bundesregierung ein interessantes Zeugnis ab. In Washington wurden Falschmünzerwerkzeuge und=Fabrikate vernichtet, die in einem Jahre von Agenten des Geheimdienstes ausfindig gemacht worden waren. Ihre Anzahl war so groß, daß man sie nicht mehr „ in den Magazinen bergen konnte. Auf mehreren Wagen wurden Druckerpressen, lithographische Steine, Münzformen, Platten, photographische Apparate, große Haufen falschen Papiergeldes und ganze Säcke voll falscher Silberdollars und anderer Münzen fortgefahren. Andere Gefährte wieder transportierten die aus Eisen und Stahl bestehenden Gegenstände nach der Gießerei, damit sie dort umge schmolzen würden. Das Papiergeld im Betrage von mehreren hunderttausend Dollar wurde im großen Ofen des ESchatzamtes vernichtet. Die gefälschten Münzen wanderten nach der Münze in Philadelphia, wo das Edelmetall ausgeschieden wurde. Dabei stellte sich heraus, daß einige falsche Silberdollars mehr Silber enthielten (60 In der Bettlerschule. Aus Paris wird berichtet: Mehr als je zu dieser Jahreszeit sieht man jetzt an den Pariser Straßenecken Bettler herumlungern. Einige tragen ihre wirklichen oder angeblichen Gebrechen zur Schau, andere bieten den Vorübergehenden ganz unmögliche Gegenstände zum Kauf an, wieder andere erklären, daß sie arbeitslos und dem Verhungern nahe waren. Man weiß aber von alten Bettlern, die bei ihrem Tode 200000 M. und sogar 400000 M. hinterließen. Es gibt seit Jahrzehnten sogar Schulen, in denen Männer, Frauen und Kinder im Betteln und in Verkleidungen ausgebildet werden, damit sie lernen, wie man die Herzen der wohltätigen Pariser am besten rührt. Eins Institute wird von einem früheren Schauspieler geleitet, der der Ansicht ist, daß schließlich durch diese Bettelei kein großer Schaden angerichtet wird, da jeder sich auf irgendeine Art ernähren müsse und der Geber nicht ruiniert werde, wenn er gelegentlich ein oder zwei Sous ausgibt. Einem Besucher dieses merkwürdigen Instituts zeigte sich eine ganze Gesellschaft von Individuen, die darauf warteten, daß sie für ihren„Beruf“ ausgebildet würden. Da sah man ein schönes, gesundes, junges Mädchen, das durch Behandlung mit Puder und kosmetischen Mitteln in eine sehr interessante Invalidin verwandelt wurde. Nachdem der Künstler wohlgefällig sein Werk betrachtet hatte, zeigte er ihr, wie sie sich die Straßen entlang schleppen sollte und von Zeit zu Zeit seufzen. Mit der Bemerkung:„Wir werden heute abend abrechnen“ entließ er sie. Dann kam ein kräftiger Mann von dreißig Jahren an die Reihe, der schnell in eine eyrwürdige Persönlichkeit verwandelt wurde. Er bekam einen langherabfallenden weißen Bart und trug schwer auf einem Stocke einen zerrissenen, mit Brotkrusten gefüllten Sack. Nun folgten eine alte Frau, die Bleistifte feilhielt, ein blinder Mann mit einem kleinen Hunde, ein Individuum, das seinen rechten Arm unter seinen Kleidern verborgen trug usw.„Nun geht, wir werden heute abend abrechnen sagte der„Professor" zu jedem einzelnen beim Abschiede: er ist sehr stolz auf seine Schüler und recht zufrieden mit ihnen, sie verdienen durchschnittlich 12 Franken täglich, und manche bringen es sogar auf noch mehr. Abends müssen sie den vierten Teil ihrer Einnahmen abliefern. Der„Professor“ findet, daß er nicht zu reichlich entschädigt wird; er muß den Leuten die Rollen einstudieren, die sie spielen sollen, und liefert ihnen überdies Perücken, Bärte und Toilettenartikel, die sie brauchen, und Schminke, Puder und andere kosmetische Mittel, verursachen auch Kosten. Die Erfahrung hat ihn gelehrt, daß je unglaublicher die Leidensgeschichte ist, sie um so eher Beachtung findet. Als Beispiel führte er den Fall eines„Blinden an, der auf Grund einer wirklich rührenden Lebensgeschichte niemals ohne 15—18 Franken in der Tasche zurückkehrte. X ** Ueber einen Schülerkrawall in Wien berichtet die Neue Freie Presse: Vor einigen Tagen begab sich die an der lechsklassigen Mädchenschule in Ottakring angestellte Lehrerin Albertine Peter nach Hause. Auf dem Heimwege stieß sie auf freiem Felde auf eine Schar von Schuljungen, von denen sich zwei in heftigster Weise balgten. Die Leyrerin suchte die Burschen zu trennen. Als ihr dies durch gütlichen Zuspruch aber nicht gelang und die Burschen Schimpfworte und Drohungen gegen sie ausstießen, nahm sie einem der beiden Jungen den Hut weg, um die Raufer bei der Schulvorstehung agnoszieren zu können. Im nächsten Moment stürzte sich eine größere Anzahl von Jungen auf die Dame, um ihr den Hut zu entreißen. Die Menge der sie verfolgenden und stoßenden Schulkinder wuchs binnen wenigen Minuten auf fast 500. Die Mädchen heulten und schrien, die Jungen schlugen die Lehrerin, zerrissen ihre Jacke und warfen mit Steinen nach ihr. Ein Steinwurf traf die Dame auch empfindlich. Ein Bursche suchte eine tote Ratte, die er im Straßengraben gefunden hatte, der Lehrerin ins Gesicht zu schlagen. Frau Peter mußte sich in eine nahegelegene Tischlerwerkstätte flüchten. Noch schlimmer wird der Vorgang in der Reichspost geschildert: Die Volksschullehrerin Albertine Peter stellte kürzlich ein Schulmädchen während des Unterrichtes wegen eines Versäumnisses zur Rede. Das Mädchen erwiderte darauf:„Spiel'n S' Ihna net mit mir. I bin bei einer Platten!" Kurze Zeit darauf wurde sie von einer ganzen Bande von Schulkindern mit Steinwürfen angefallen, dann gingen die Kinder auf sie los, schlugen sie blutig, rissen ihr die Kleider herunter und suchten ihr mit Gewalt eine tote Ratte in den Mund zu stecken. Es hat sich herausgestellt, daß der Ueberfall infolge eines Beschlusses der„Platte“ erfolgte, welcher tatsächlich jene Schülerin angehörte. Es ist nicht der erste Fall, daß man von dem Bestehen solcher jugendlichen Verbrecherbanden in Wien Kenntnis erhält, aber es ist einer der krassesten Fälle. Dabei werden die sittlichen Zustände unter den Schulkindern geradezu schauerlich und spotten jeder Beschreibung. b d„ h Weiß. Weiß zieht und setzt mit dem 2. Zuge matt. Rätsel mit Füllrätsel. Ein welkes Blatt, so fall— nieder O Mensch, von deinem Lebensbaum! Und tausend—— folgen wieder Mir nach in der Versenkung Traum. Ihr hofft, ich mög' das— Euch bringen, Das Ihr vergebens Euch erfleht; Mög' Eure Bitt'— Himmel dringen, Daß Ihr mich nicht verwünscht und schmäht! Vermag ich's nicht Euch zu erfreuen, Getrost, nie hab ich lang gelebt! Ihr mögt der Wünsche Zahl er——, Am— estag, der mich begräbt! Nun ratet mich, und wer's verstehet, Und füllt, was fehlet, richtig aus, Der hat die Rede, die jetzt gehet Von Mund zu Mund, von Haus zu Haus! Fragmentaufgabe. Die nachstehenden neun Wortfragmente Ci Ma Al. Lu Fe Lo Jo Le Oh— sollen durch Hinzufügung je eines Buchstaben am Schlusse zu Worten umgestaltet werden, die alboann— die Reihenfolge wird nicht verändert einen bestimmten Kalendertag nennen. Rätsel. Unsern Lesern sei beschieden, Daß sie jederzeit zufrieden. Dieses wird der Fall stets sein, Fehlt das„Eine“ nur allein. Ergänzungsaufgabe. Aar Au Bad Brett Dampf Eck Eis Kreuz Land Lauf Mann Null Plan Punkt Reise Weg. sind acht neue Worte zu bilden, und zwar derart, daß zwei derselben immer ein neues ergeben. Sind diese gefunden und richtig geordnet, so nennen die Anfangsbuchstaben uns eine Einteilung des Jahres. Städtenamen=Anggramm. Pillich, 2. Belgern, 3. Grimma, 4. Doberan, 5. Edenkoben, 6. Breslau sollen durch Umstellen der Buchstaben je zwei im Zusammenhang stehende Worte gebildet werden. Wie lauten diese? Bilderrätsel. Zur Erheiterung. ** Ein Idyll von der Brandenburgischen Städtebahn. Auf der Station Premnitz im Kreise Osthavellond stand der Zug zur Abfahrt bereit. Man hatte an die Lokomotive des Abendzuges einen Güterwagen gehängt, diesen aber vergessen, an die neuen folgenden Personenwagen zu koppeln. Der Zug fuhr, los, aber die Wagen, die mit zahlreichen Personen besetzt waren, blieben stehen. Erst kurz vor der Station Mögelin wurde das Versehen bemerkt. Das kam so. Der Zugführer, freudig erstaunt, daß ein kleiner Hügel, über den man sonst nur langsam hinwegkeuchte, so schnell genommen war, wurde dann aber mißtrauisch. Als er an einer Kurve hinaussah, um nach seinen lieben Wagen auszublicken, fand er die Aufklärung. Er hielt und dampfte zurück nach Premnitz, wo die Passagiere im vollen Vertrauen auf den„Defraudanten sitzen geblieben waren. Ein zerstreuter Minister. Holländische Minister sind jur gewöhnlich jeglichem Zeremoniell abhold und die Einfachheit in Person. Posten, wie die eines Reisesekretärs oder Kammerdieners für ihre Person übernehmen sie selbst. Diese löbliche Gewohnheit wurde, so erzählt die Deutsche Wochenschrift für die Niederlande und Belgien, einer der verflossenen Exzellenzen verhängnisvoll. Dieser hohe Staatsmann, der oob seiner Vergeßlichkeit eine wahre Berühmtheit genießt, übernachtete in einem Nordbrabantschen Hotel. Er stand sehr früh auf, um mit dem ersten Zuge abreisen zu können und fand infolgedessen die Stiefel sämtlicher Logisgäste auf einer Reihe stehen. Guter Rat war teuer. Wohl hatte iym die Gattin eingeprägt, daß in die Strippen der Stiefel die Anfangsbuchstaben seines Namens eingezeichnet seien, aber, Hargg, dachte 45 soagz 9t, Site. berkdiertegdeu Hokelser gab der Minster zehgn konstatierte, seine eigenen Stiefel angezogen (Die Auflösung folgt nächsten Sonntag.) Auflösungen der vorigen Weihnachts=Rösselsprung. Christnacht. Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen Steigst du feierlich herauf: O, so geh in unsern Herzen, Stern des Lebens, geh uns auf! Schau, im Himmel und auf Erden Glänzt der Liebe Sonnenschein: Friede soll's noch einmal werden Und die Liebe König sein. Rätsel. Christbaum. Charade. Weihnacht. Diamanträtsel. F Ger Pa sch Pro test Frie drich Württemberg Fest der Freude Schlaf sueht Osterfest Nehemia Laute A da e Bilderrätsel. Neue Pflichten, neue Rechte. Verierbild. Bild auf den Kopf stellen. Genau in der Mitte des Bildes. Nachdruck und Nachbildung aller Teile untersagt.) Verantwortlicher Redacteur: B. Reuter in Köln. Rotationsdruck und Verlag von J. P. Bachem in Köln. Nr. 53. Zelonia. Sonntagsbellage zum Kölner Lecal-Anzeiger. 31. Dezember 1005. & Silvestergedanken. Nur wenige Stunden noch, und die goldene Pforte aus welcher uns das neue Jahr entgegentritt, jugendschön, lichtumflossen, glückverheißend. Freudig strecken wir ihm die Hand entgegen zum Willkommgruß, aber zagend schauen wir auf das große Buch mit den sieben Siegeln, das es geheimnisvoll in den weiten Falten seines Mantels birgt— welches Kapitel ist für uns bestimmt?— Doch: Allwissender, ich rütt'le an der Zeiten Verschloss'ner Urne nicht, mutig und vertrauend gehen wir dem Dunkeln, Unbekannte entgegen. Einen langen, wehmutsvollen Abschiedsblick aber werfen wir noch auf das scheidende Jahr, welches im Begriffe steht, hinabzutauchen in das unendliche Meer der Ewigkeit, in schon Jahrtausende ruhen. In aufwallender Daurvarreit ergreifen wir noch einmal die müde, welke Hand, die uns so manche Blume pflückte, so manchen Freudenbecher reichte, die so manche Last tragen half, so manche Sorge verscheuchte. Und indem wir Abschied nehmen von dem treuen, bewährten Freunde, um dem jungendlichen Fremdling zu folgen, beleuchtet die Sonne noch einmal mit strahlendem Licht die Bahn, die wir an seiner Seite durcheilten. Blumenauen wechselten mit ödem Heideland, frische Matten mit sandigen Wüsten, liebliche Täler mit starren Felsen, immer aber dergestalt, daß die Schönheit und Erquickung des einen hinweghalf über die Beschwerden und Klippen des Wohl kam manche schwere Sorgenstunde, und zitternd mochte man das Haupt verhüllen vor der drohenden Lawine, aber langsam verstummte das Grollen und Tosen, und bald wölbte sich wieder lichter Himmel über unserer kleinen Welt. Düster umkreiste der Todesengel unser glückliches Heim und streckte seine kalten Arme aus, eines unserer Lieben zu rauben. Aber noch war ihm die Beute nicht bestimmt, und das teuere Familienglied kehrte lebenswarm an unser glückströmendes Herz zurück. Oder ist der dunkele Bote doch leise eingeschlichen und hat mit sanftem Druck ein treues Auge geschlossen? O, so lebt uns ja der selige Glaube, daß dies teuere Wesen nur auf kurze Zeit von uns getrennt, nimmermehr aber von uns geschieden ist. Das fortschreitende Jahr lehrte uns den Schmerz ruhiger und ergebener tragen und brachte uns mit jedem Tage dem WiederHat das Jahr hier einen müden Wanderer zur ewigen Ruhe gebettet, so legte es dort ein zartes, hoffnungsvolles Leben in die Wiege. Knie nieder, du junge Mutter, bei dieser holden, reinen Menschenknospe, bei diesem kostbaren Kleinod, welches die ewige Vatergüte an dein Herz legte, und laß dein überströmendes Glück in ein flammendes Dankgebet ausklingen. Und du, glückliches Paar, das dieses Jahr zum unzertrennlichen Bunde vereinte, lege heute einen duftigen Strauß auf den geweihten Hausaltar. Ihr Eltern, die ihr inmitten einer blühenden Kinderschar stehet, die ihr den Sohn die Palme erringen sahet, nach welcher er in heißem Bemühen strebte, die ihr den Murtenkranz um die reine Stirn der Tochter wandet und sie nun in sicherer, treuer Hut geborgen wisset, die ihr ein beweintes und verirrtes Kind wieder in euere schützenden Arme schließet: laßt heute den Weihrauch frommen Dankes aufsteigen zum Throne dessen, der die Geschicke lenkt. Wehre nicht der Dankesträne, du sorgender, treuer Familienvater, die langsam über deine Wange perlt. Der drohende Ruin ist abgewandt, die Geschäftskrisis glücklich überstanden, die Zukunft deiner Lieben wieder gesichert; mit einem Segenswunsch scheidest du vom alten Jahr! Laß auch du die Dankesglockn erklingen, du Armer, Bedrückter, Verirrter! Erhebe deine Hände zu dem, der den barmherzigen Samaritan in dein finsteres, verlassenes Kämmerlein führte, der dir einen weisen, liebevollen Führer sandte, dich zurückzuleiten auf den Weg des Heiles überschaue die Wohltaten des Jahres und preise den Geber alles Gewiß hat auch manchen ein schweres Leid getroffen, mauch' frohe Hoffnung ging zu Grabe, und manch' ehrliches Ringen schien vergebens. Aber scheidet deshalb nicht in Groll vom alten Jahr, die harte, bittere Schale, die es euch reichte, enthält vielleicht einen süßen Kern voll segenbringender Heilkraft; zürnt dem treuen Freunde nicht, er hat es gut gemeint. Ja, es war ein gutes Jahr! Ungestört durften wir unter seinem Szepter Kunst und Wissenschaft pflegen. Schützend breitete es seine Fittiche über Industrie, Handel und Gewerbe, und friedlich konnte der Landmann seine Furchen ziehen durch die heimische Scholle und den Lohn seiner Mühen ernten. Der Friedensengel mit all seinen Segnungen steht an der Bahre des alten und an der Wiege des neuen Jahres. Kann da wohl ein anderes Gefühl als das heißen Dankes unser Herz bewegen in dieser weihevollen, ernsten Abschiedsstunde des alten Jahres! Man nimmk so gern all das Gute: Frieden, Gesundheit, Lebensunterhalt, ja sogar Luxus und Vergnügen als Gerechtsame im irdischen Dasein, und doch sind es nur freie, unverdiente Gnadengeschenke des Himmels. Ein Blick in die Welt lehrt, wie wandelbar sie sind, wie mitleidslos das Schicksal und oft auch eigenes Verschulden dieselben raubt. Uns sind sie geblieben, möge eine allgütige Hand sie uns auch ferner erhalten. Und doch lassen sich gar manche Geschäftshäuser nicht mehr auf den Umtausch ein, denn sie haben die Erfahrung gemacht, daß dabei der erste Verdruß besser ist wie der letzte. Welche Zumutungen da von seiten des Publikums gemacht werden, ist auch unglaublich! Nicht nur, daß die Frist bis aufs letzte ausgedehnt wird und noch nach Neujahr Sachen umgetauscht werden, die nun, nach beendigter Geschenksaison, kaum mehr angebracht werden können und nun als Ladenhüter da liegen— recht oft tragen auch solche Sachen Spuren der Zeit, da sie auf dem Weihnachtstisch lagen und von Dutzenden von Händen zum Betrachten aufgehoben wurden, daß man sich wirklich über die Kaltblütigkeit wundern muß, mit der weibliche Wesen das Ansinnen des Umtauschens stellen! Sie wissen ja ganz genau, daß der Gegenstand nahezu wertlos geworden ist, daß sie dem Ge schäftsinhaber einen direkten Schaden zufügen. Aber sie bestehen auf ihrem Schein— der Umtausch ist ihnen ja zugesichert worden! Viele Damen wählen dazu dann mit Vorliebe eine Stunde, zu der immer Geschäftsandrang herrscht, und sind nicht wenig stolz auf ihre Schlauheit, wenn ihnen die Ueberlistung gelungen ist. Oder sie pochen darauf, daß man ihnen in den Geschäften, in denen sie öfters kaufen, nicht gut den Umtausch Ich habe es selbst erlebt, daß eine Dame, die bei mir zu Be such war, eine rote Tuchbluse wiedergab, weil ihr der Kauf nicht vorteilhaft genug erschien, trotzdem sie schon etwas am Stehkragen aufgetrennt, ja sogar abgetrennt hatte, um die Bluse für ihre Figur zurechtzumachen. Sie bügelte sie fein säuberlich auf, steckte sie im Karton wieder mit unzähligen Stecknadeln kunstvoll ins Fasson und hatte nun wirklich den Triumph, daß niemane Non und hatte nun wirtlich ern=r tiefere Nachforschungen anstellte. Daß die Bluse nun nachher hundert Personen vielleicht einer paßte, genierte die Umunter hundert Personen tauschlustige auch nicht einen Augenblick! Viele Geschäfte in Großstädten, und zwar nicht die schlechtesten, gestatten daher in neuerer Zeit nicht mehr den Umtausch mancher Gegenstände, die schon außer dem Hause gewesen sind. Und wenn man es recht überlegt, sollte man gerade in solchen Läden kaufen; denn die Sache hat doch auch ihre hygienische Seite. Es läßt sich ja nicht vermeiden, daß fertig gekaufte Mäntel, Jacken, Hüte schon von andern aufprobiert worden sind— bei Blusen und Kleidern ist es sogar entschieden als ein Uebel zu betrachten. Freilich es ist ein unvermeidliches. Immerhin handelt es sich doch nur um Minuten, und es ist doch noch etwas ganz anderes, wenn wir harmlos Sachen kaufen, die stunden= ja tagelang in anderer Leute Wohnung gewesen oder gar von ihnen getragen worden sind. In der heutigen Zeit mit ihren weitgehenden hygienischen Forschungen über Krankheitsübertragungen ist es daher ganz erklarlich, wenn die Geschäftsinhaber ihre Kunden dadurch vor unangenehmen Erfahrungen sichern, daß sie prinzipiell keine Waren zurücknehmen, wenn sie über die Schwelle des Hauses gegangen sind, und jeder billig denkende Mensch muß sich doch eigentlich über die Garantie freuen, die ihm selber damit fur Neuheit und Sauberkeit so mancher„empfindlicher“ Gegenstände Rechnet man auch noch dazu die ungehenere Arbeit, die so vielen Geschäften erwächst— eine Arbeit, welche die nachweihnachtliche Woche zu einer fast so schlimmen Zeit macht wie die Weihnachtszeit, so wird man vielleicht über die„Ungefälligkeit mancher Geschäfte anders denken! Man überlege sich wohl, was man kaufen will, höre sich bei seinen Verwandten und Freunden um, damit man nicht dasselbe Geschenk doppelt kauft! Im Falle äußerster Ungewißheit schenke man lieber einen Bou auf dieses und jenes, die Weihnachtspreise dauern doch in den meisten Geschäften noch die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr Und hübsche Sachen bekommt man in größeren Städten Jedenfalls wird es für beide Teile, Käufer und Verkäufer, von Vorteil sein, wenn ein Umtauschen, wie es jetzt Unsitte geworden ist, möglichst vermieden wird! Und wer in der Woche nach Weihnachten die Erfahrung macht, daß nicht bereitwillig umgetauscht wird, sei nicht unwillig, sondern gehe in sich und mache sich die Erfahrung für ein anderes Jahr zunutze! 60 Umtauschen. Die Woche vor Weihnachten ist dem Einkaufen gewidmet, Weihnachten dem Schenken. Und dann kommen die Tage des Das Umtauschen folgt dem Schenken so sicher, wie die Träne auf den herben Zwiebel. Jeder Geschäftsmann muß damit rechnen, ja manche Geschenke sind nur unter der Bedingung des Umtauschens gekauft. Wer da nicht mitmacht, gilt als unkulant und verliert die Weihnachtskundschaft bei manchem Kaufe. * Die„Neujahrsgeister". Eine Geschichte zur Bekehrung für Hasenfüße. : V o n M a x R u p p r e c h t. Fürchtest du dich, lieber junger Leser oder liebe Leserin? Natürlich nicht! Ist das wirklich wahr? Ich kann's nicht so recht glauben. Nun, ich will euch heute von drei Knaben, Hans, Fritz und Kurt erzählen, die sich auch fürchteten, aber sie haben sich inzwischen gebessert. Es war am Silvesterabend vor zwei Jahren; die drei Freunde saßen zusammen, und ein älterer Vetter Kurts, der zu Besuch war, ein Student, erzählte ihnen eine Menge Spukgeschichten. Franz, so hieß der Student, wählte indessen nur Geschichten, die sich auf natürliche Weise aufklären, und schloß für die Knaben die Mahnung daran, sich ja nicht zu fürchten, wenn ihnen einmal etwas begegnete, was sie nicht gleich begreifen könnten. Erst spät trennten sich die Knaben; jeder ging nach Hause und legte sich zu Bett, aber sie waren doch aufgeregter und für Ein rücke der Furcht empfänglicher als sonst. Am nächsten Vormittag erschien Hans schon zeitig bei Fritz. „Denke nur, was mir diese Nacht begegnet ist,“ rief er dem Freunde schon von weitem zu. „Also dir auch? Ich habe auch eine ganz unheimliche Erblind ich auch, rief Kurt, der eben hereintrat und die letzten Worte gehört hatte. Bm I M „Na, da erzählt mal,“ meinte Franz, der Student, der gleichfalls zugegen war.„Ihr wart gewiß aufgeregt und habt schwer geträumt.“„ „D nein, es war durchaus kein Traum,“ berichtete Hans. „Denkt nur, als ich gegen Morgen erwachte— es war noch ganz dämmerig in der Schlafstube—, da werfe ich zuföllig einen Blick nach der Wand hinüber. Im selben Augenblick schreie ich auf— ich sah mich nämlich in eigener Person an der Wand hängen, ein schrecklicher Anblick! Ich schlafe ganz wie Ihr wißt, um so mehr fürchtete ich mich und zog die Bettdecke über dem Kopf zusammen. Da dachte ich an deine gestrigen Worte, Franz, ich faßte Mut, stand auf und brannte mein Nachtlicht an. Ich hatte gar nicht nötig nach der Wand hinzugehen und das Gespenst zu untersuchen, denn beim Scheine des Lichts löste sich die häugende Gestalt in meine eigenen Kleider auf, die ich dort hingehängt hatte. Die Jacke hing da, darauf war der Hut gestülpt, die Hosen guckten unter der Jacke vor. Nun lachte ich über meine Furcht.“ „Mir ist es ähnlich ergangen,“ nahm nun Fritz das Wort. „Nach schlechtem Träumen erwache ich im Halbfinstern von einem schweren Druck auf der Brust. Ich öffne die Augen und sehe vor mir ein Paar funkelnde Augen und einen zottigen, furchtbaren Kopf; das Gespenst sah schauerlich aus und lag so schwer auf mir, daß es mir den Atem raubte. Vor Schreck zitterte ich am ganzen Leibe und machte die Augen wieder zu. Da fiel mir ein, ich träume vielleicht nur, und ich wagte von neuem einen vorsichtigen Blick nach der Stelle. Nein, alles hatte seine Richtigkeit. Das Gespenst starrte mich immer noch an, und ganz entsetzlich nahm es sich aus. Ich sprach mir Mut ein und führte einen plötzlichen Schlag nach dem vermeintlichen Gespenst. Da fing die Erscheinung an zu bellen, und zwar mit der bekannten Stimme unseres Affenpinschers Telly. Nun wußte ich, wer das Gespenst war. Der Hund hatte sich auf meinem Bett einen bequemen Schlafplatz gesucht und war allmählich bis zu meiner Brust hinaufgeklettert. „Und was ist dir passiert, Kurt?“ fragte der Student. „Mein Erlebnis ist das allerunheimlichste," erwiderte dieser, „und wenn ich nicht zufällig noch Aufklärung erhalten hätte, so würde ich mein ganzes Leben lang bestimmt daran glauben, etwas Gespensterhaftes gesehen zu haben, und die Leute, denen ich es erzählte, würden glauben, ich sei nicht recht bei Verstand gewesen. Ich unterlag auch keiner bloßen, durch das Zwielicht bewirkten Täuschung, die Erscheinung konnte jederman sehen, und mein Vater hat sie auch wirklich gesehen. Sie kam auch nicht im Dunkeln, sondern bei hellem Lampenlicht.“ „Das ist ja eine lange Vorrede," bemerkte Hans. „Nun ja, aber ihr werdet auch staunen. Ihr wißt, daß ich mit meinem Vater in demfelben Zimmer schlafe. Mein Vater ging gestern zu Silvester später als sonst zu Bett; und während er noch ein wenig las, schlief er ein und ließ das Licht brennen. Ich aber wachte infolge der ungewohnten Helle plötzlich auf. Ich lag wohl schon mehrere Minuten munter im Bett, da sah ich, daß einer meiner Strümpfe, die ich an das Kopfende meines Bettes zu legen pflege, hinuntergefallen war. Ich greife mit dem Arm aus dem Bett und beuge mich etwas hinab, um ihn aufzuheben— da— ich denke, ich sehe nicht recht— bewegt sich der Strumpf von mir weg und rollt ein ganzes Stück auf dem Boden hin. Ein Strumpf, der sich bewegt— das ist denn doch etwas wirklich Wunderbares. Anfangs dachte ich, ich sei noch verschlafen, rieb mir die Augen und guckte nochmals hin. Kein Zweifel, der Strumpf bewegte sich wieder, und zwar wieder nach meinem Bette zu. Da trat mir der Angstschweiß auf die Stirne, mein Herz klopfte wie ein Hammer, und ich rief laut meinen Vater. Der fuhr auf und fragte, was es gäbe. Ich erzählte es ihm. „Unsinn, du träumst,“ rief er und sprang aus dem Bett, um sich den Strumpf anzusehen. Der Strumpf lag jetzt ruhig, als aber mein Vater danach greifen wollte, rollt er sich plötzlich unter das Bett.„Na, das ist doch eigentümlich,“ sagte mein Vater und nahm den Strumpf in die Höhe, um ihn zu betrachten— da fuhr wie ein Blitz ein Mäuschen heraus und flüchtete sich unter den Waschtisch. Nun war das Rätsel gelöst— ich atmete auf, wie von einem Alp befreit, und wir lachten alle beide über das Wunder. Und das gleiche taten jetzt auch Franz und die beiden anderen Knaben, welche mit großer Spannung zugehört hatten, und der Student sagte:„Seht ihr, wie recht ich hatte. Solcher Spuk klärt sich auf natürliche Weise auf; man muß nur der Mut haben, ihn zu untersuchen.“ neue Jahr. Kinderlied. Hast ein weißes Mützchen auf, Liebes, neues Jahr, Und viel Päckchen und Pakete Unter dem Talar. Einen Beutel voll Gehorsam, Einen Topf mit Fleiß; Einen Sack gefüllt mit dem, Was ich noch nicht weiß. Bringst viel Lieb' und Dankbarkeit, Die ich spenden soll. Füll' mir, gutes, neues Jahr, Beide Hände voll. Und das Herze füll' mir auch, Mach es fromm und rein, Daß der liebe Gott sich freut, Und die Eltern mein. 0