49. Jahrgang— Nr. 15 477 Dienstag, 3. März 1936 Geündungssatze des Verlags 1725 Bezugspreis:.... monatlich.# Illustrierte 308 frei Haus einschließlich Botenloyn und Versandkosten. Postbezugspreis monatlich.3002.# mit Illustrierte einschließl. Postülverweisungsgebühr, ausschließl. Postzustellgeld. Einzelverkaufspreis 10.8. Anzeigengrundpreis für die Großspalte(46 mm) mm 18. Textanzeigen(78 mm).mm 1003 Einspaltige Anzeigen bis 100 mm Höhe... mm 15.3 Vereins=Anzeigen... mm 10.9 Priv. Familien=Anzeigen mm 10.3 Stellengesuche....... mm 5. Gelegenheits=Anzeigen Wort.3 Zisser= und Auskunftsgebühr 30.3 Nachlässe: Malstafsel I. Mengenstafsel B. Anzeigenpreisliste Nr. 4. Durchschn.=Aufl. 1/36 über: 18 900. „„ fur Vonn und Amgegene Bonter Nachrichten Godesberger Nachrichten= Siegburger Nachrichten; Euskirchener Nachrichten Druck und Verlag: Bonner Nachrichten G. m. d. H. Geschäftsstelle Bonn a. Ry., Bahnhofstraße 12. Sammelruf: 3851—53. Ferngesprache 3853. Postscheckkonto Köln 18672. 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Auch gibt es keinen Geschäftsmann, der sich nicht von Herzen freute, wenn es seinen Kunden wirtschaftlich recht gut geht. Das sind solche Binsenwahrheiten, daß man sich fast sträubt, sie niederzuschreiben. Aber seltsam! Jenen„großen“ Politikern, die in Versailles ein großes Volk wirtschaftlich in der unerhörtesten Weise knechteten, die ihm jeden Lebensraum und jedes Lebensrecht nehmen wollten, waren nicht bis zu der Erkenntnis dieser Selbstverständlichkeit durchgedrungen. Sie vergaßen oder wollten vergessen, daß die einseitige Anhäufung von Reichtümern auf der einen Seite und die Enteignung eines Nachbarvolkes auf der anderen Seite eine wirtschaftliche Dummheit darstellt, die den am meisten trifft, der sie ersann. Es ging den Versailler Diktatoren wie einst dem König Midas, unter dessen Händen sich alles in Gold wandelte, auch Speise und Trank, sodaß er bei allem Reichtum verhungert wäre, hätte man den Fluch nicht von ihm genommen. Der heutigen Weltwirtschaft ist der Fluch des Goldes geblieben. Das Gold übt nicht mehr die ihm zustehende Funktion im Zahlungs" und Warenverkehr aus, sondern irrt wie ein Nomade ruhelos von Erdteil zu Erdteil, wird von Politikern für ihre Geschäfte und von Spekulanten für ihre Bereicherung mißbraucht. Amerika besitzt fast die Hälfte des gesamten Goldbestandes der Welt und hat doch 9 Millionen hungernde Arbeitslose. Das Schicksal des Königs Midas wiederholt sich in neuer Form! Wie mit dem Golde, so ist es auch mit den Rohstoffen. Einzelne Länder ersticken in ihrer Fülle, sehen sich gezwungen, sie verkommen zu lassen oder zu vernichten, während in Ländern, die sie zum Nutzen aller, auch der Rohstoffländer, verarbeiten könnten, bitterer Mangel an ihnen herrscht. Reichsminister Dr. Goebbels hat, wie gestern berichtet, anläßlich der Eröffnung der Leipziger Messe, in der ihm eigenen Art klarster und schärfster Formulierungen auf die Gefahren dieser wirtschaftlichen Unvernunft hingewiesen. Durch den Mißbrauch des Goldes sind wir zu Formen des Warenverkehrs zurückgekehrt, wie sie vor Jahrhunderten üblich waren. Deutschland mußte sich, um überhaupt Rohstoffe zu erhalten, auf die Abnahme aus solchen Ländern beschränken, die auch unsere Kunden waren. Dabei verbietet es der Ausgleich der Handels=, Zahlungsund Devisenbilanz mehr abzunehmen als wir selbst liefern können. Sehr plastisch veranschaulichte Dr. Goebbels diese primitivste Art des Warenverkehrs in der Feststellung, daß man heute gleichsam wieder Glasperlen gegen Elefantenzähne austausche. Zu der Tatsache, daß wir nicht mehr einführen können als wir ausführen, erklärte der Minister, daß dies ungefähr so sei, als wenn der Inhaber eines Herrenartikelgeschäftes seinen Tabaklieferanten mit Hosenträgern bezahlen müsse, und dann nur so viel rauchen könne wie der Tabaklieferant Hofenträger annehmen wolle. Noch plastischer war der Vergleich mit der Gemüsefrau, die ihren Zahnarzt mit Kohlköpfen bezahlt und sich nur soviel Zähne plombieren lassen kann als der Zahnarzt Kohlkopfe verbraucht. Diese Vergleiche treffen den Nagel auf den Kopf. Der Warenverkehr spielt sich tatsächlich in solchen Formen ab. Wir haben schon häufig auf den Tausch zwischen Erholungsreisenden und Kohlen hingewiesen, wie er im Wirtschaftsverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz üblich ist. Verbraucht die Schweiz zu wenig Kohle, können weniger Deutsche zur Schweiz reisen. Elektrogeräte werden gegen Rosinen und Korinthen getauscht, Maschinen gegen Kaffee oder Zitronen usw. Zu all diesen Schwierigkeiten im Warenverkehr kommt der Währungs=Wirrwarr in fast allen Ländern, der sich gerade bei den Verrechnungsabkommen überaus störend auswirkt. Was Dr. Schacht oft in nüchternen Zahlen der Wirtschaft der Welt bewies, zeigte Dr. Goebbels an Hand treffendster Beispiele und in zwingender Logik. Wer im Ausland nicht ganz verblendet ist, mußte endlich einsehen, daß man sich durch Ausschaltung eines Kunden auch dann nicht bereichern kann, wenn er auf anderen Gebieten ein Konkurrent ist. Im Zeitalter des Verkehrs und der Technik muß das Gold mehr denn je seinem ursprünglichen Zweck als Austauschmittel dienstbar gemacht werden, sonst kann die Weltwirtschaft nicht gesunden. Deutscher Erfindungsgeist hat uns mehr als andere Länder, die in der gleichen Lage sind, von der Rohstoffrage unabhängig gemacht. Nicht aus Laune oder Spielerei kamen wir zur Kohlehydrierung, zu heimischen Faserstoffen und synthetischem Gummi. Wir haben nur keine Lust und keine Zeit, auf das Erwachen der wirtschaftlichen Vernunft in anderen Ländern zu warten, so sehr wir es herbeisehnen. Die Rede von Dr. Goebbels war ein Appell an die Vernunft der Welt, aber auch ein Bekenntnis zu eigener Kraft und unbeugsamem Willen. Wir haben das unsere getan, möge das Ausland das seinige tun.—W— Der Führer an das Leipziger Messeamt Der Führer und Reichskanzler hat zur Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse an das Messeamt in Leipzig folgendes Telegramm gerichtet: „Der Leipziger Frühjahrsmesse 1936 wünsche ich für die Erfüllung ihrer bedeutungsvollen Aufgabe besten Erfolg. Möge sie dazu beitragen, den Unternehmunngsgeist des deutschen Fabrikanten und Kaufmanns zu stärken und die Beziehungen der deutschen Wirtschaft zum Ausland zu erweitern. Adolf Hitler.“ * Auf einer großen Kundgebung anläßlich der Leipziger Messe sprachen der sächsische Wirtschaftsminister Lenk, der Vorsitzende der Wirtschaftskommission Bernhard Köhler- und Reichsorganisationsleiter. Dr.. Ley, Der 18er=Ausschuß der Sanktionskonferenz nahm am Montag um 16 Uhr in Anwesenheit des englischen und des französischen Außenministers seine Arbeiten in einer nichtöffentlichen Sitzung wieder auf. Er beschäftigte sich zunächst mit der Durchführung der bestehenden Sanktionen. Der schwedische Vertreter Westmann erstattete als Vorsitzender des hierfür geschaffenen Sachverständigenausschusses den Bericht. Im weiteren Verlauf regte der französische Außenminister Flandin an, dem Krieg in Abessinien möglichst bald durch einen neuen Versöhnungsversuch ein Ende zu bereiten. Zu diesem Zweck solle der 13er=Ausschuß des Bölkerbundsrates, d. h. der Nat ohne die streitenden Parteien, alsbald einberufen werden. Der englische Außenminister Eden stimmte diesem Vorschlag zu, und der Zusammenteitt des 13er=Ausschusses wurde bereits für Dienstag in Aussicht genommen. Es bleiben noch die Formalitäten seiner Einberufung zu regeln, da der 18er=Ausschuß als Organ der Sanktionskonferenz hierzu keine Befugnis hat. Die Sanktionsfrage soll auf Grund der Sachverständigenberichte inzwischen weiter geprüft werden. Für den Fall, daß die neuen Schlichtungsbemühnngen zu keinem Erfolge führen, hat Eden in der gestrigen Sitzung angekündigt, daß England der Petroleumsperre zustimmen werde, falls die für die Erzeugung und den Transport maßgebenden Länder sich daran beteiligen. In politischen Kreisen Roms wird zu den Genfer Verhandlungen erklärt, daß eine Verschärfung der Sanktionen unbedingt Italien dazu veranlassen müßte, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um auf eine derartige Aenderung der Lage zu antworten. Ueber die Möglichkeit der Einladung zu Friedensverhandlungen angesichts der entscheidenden italienischen Waffenerfolge äußert man sich zurückhaltend und abwartend. Man betont, daß Italien selbstverständlich keinerlei Interesse daran haben könnte, von sich aus derartige Vorschläge einzubringen. Falls sie von anderer Seite vorgelegt würden, wären sie unter Umständen, wenn sie nämlich sämtliche italienische Ansprüche(!) berücksichtigen, annehmbar. Selbstverständlich gingen die italienischen Bedingungen jetzt sehr viel weiter als vor wenigen Monaten. Eden bei Flandin und Paul=Voncour Außenminister Eden suchte gestern sogleich nach seiner Ankunft in Genf die Minister Flandin und Paul=Boncour auf, mit denen er eine längere Unterredung hatte. Anschließend unterhielt er sich mit dem Vorsitzenden des 18er=Ausschusses, Vasconcellos. Zu der ersten Besprechung zwischen dem französischen und dem englischen Außenminister berichtet Havas, es sei fast ausschließlich der italienisch=abessinische Streit und die Arbeit des 18er=Ausschusses behandelt worden. Die englischen und die französischen Minister seien der Ansicht, daß man für den Augenblick die Frage einer Verschärfung der Sühnemaßnahmen beiseite lassen müsse, um eine günstige Entwicklung der Verhandlungen zu ermöglichen. zwangsläufig zu einer Steigerung der polnischen Ausfuhr führen werden.“ Polen will also deutsche Waren haben. Es ist mir eine Genugtuung, auf diese positive Einstellung der polnischen Regierung hier in der Oeffentlichkeit noch einmal hinzuweisen. Gewisse anfängliche Schwierigkeiten des Uebergangs sind durch verständnisvolle Vereinbarungen ausgeräumt worden. Wenn trotzdem die von Polen gebotenen Möglichkeiten für die deutsche Ausfuhr nicht ausgenutzt worden sind, so liegt das in der Hauptsache auf der deutschen Seite. Ich stelle das ohne Vorwurf für die deutsche Wirtschaft fest. Ich verstehe, daß es nach einer zehnjährigen Unterbrechung nicht möglich ist, die alten Handelsbeziehungen von heute auf morgen wiederherzustellen. Es ist aber jetzt Aufgabe der deutschen Wirtschaft, die Ausfuhr nach Polen und parallel damit die Einfuhr aus Polen zu steigern. Die Leipziger Messe kann dabei besonders gute Dienste leisten. Unser Ziel muß sein, in den Monaten März und April die Ausfuhr nach Polen so zu entwickeln, daß das für 1936 vereinbarte Programm uneingeschränkt durchgeführt werden kann. Das Programm für 1936 soll nur ein Anfang sein. Es soll nur die Grundlage sein, um das Programm in späteren Jahren noch weiter auszubauen.“ Ergänzung zum Flottenvertrag? Besprechungen in London zwischen dem deutschen Botschaftsrat und Eden Wie Reuter aus den deutsch=englischen Besprechungen über ein zweiseitiges Ergänzungsabkommen zu dem deutsch=englischen Flottenvertrag vom Juni 1935 mitteilt, hat der deutsche Botschaftsrat Fürst Bismarck am Samstag den englischen Außenminister Eden im Auswärtigen Amt besucht und ihm die Mitteilung überbracht, daß Deutschland im Prinzip bereit sei, Unterhandlungen über eine solche Ergänzung auf der Grundlage des qualitativen Abkommens zu beginnen, das bei der gegenwärtigen Flottenkonferenz erreicht würde. Es besteht jedoch Einverständnis darüber, daß in diese Besprechung unter der Voraussetzung eingetreten wird, daß ein ähnlicher zweiseitiger qualitativer Vertrag zwischen Großbritannien und Sowjetrußland abgeschlossen werde. Es sei klar, daß Deutschland sich hinsichtlich der Größe der Schiffe, die es bauen wird, nicht binden könne, wenn die sowjetrussische Flotte nicht den gleichen Bindungen unterworfen sei. Bisher habe man nicht versucht, von Sowjetrußland zu erfahren, ob es zum Abschluß eines zweiseitigen Flottenvertrages mit Großbritannien geneigt sei. Allgemein werde aber erwartet, daß eine Anfrage in dieser Richtung in Bälde erfolgen werde. Sowjetrußland sei bisher bereits von Großbritannien über den Fortschritt der Besprechungen auf der Flottenkonferenz unterrichtet worden. Es bestehe kein Grund zu der Annahme, daß die Sowjetunion dem Vorschlage eines Abkommens mit Großbritannien ungünstig gegenüberstehen werde. Wie Preß Association berichtet, habe man sich darüber verständigt, daß die Vorschläge, die in das deutsch=englische Abkommen aufgenommen werden sollen, nur in Kraft treten, wenn ähnliche Vorschläge von den übrigen Flottenmächten vereinbart werden. Weder die deutsche noch die britische Regierung habe etwas darüber mitgeteilt, ob sie die Verhandlungen für einen zweiseitigen Vertrag fortsetzen werde, falls die Flottenkonferenz zusammenbrechen sollte. Dieser Punkt sei nicht erwogen worden. Die Möglichkeit für ein solches zweiseitiges Abkommen sei indessen auch dann nicht unter allen Umständen ausgeschlossen. Vor einer Militärdiktatur in Griechenlans? Der Führer der griechischen Liberalen Partei, Sosulis, wurde vom König in Audienz empfangen. In seiner Unterredung mit dem Herrscher schilderte Sofulis den Verlauf seiner Besprechungen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Tsaldaris und die Gründe der dabei zutagegetretenen Meinungsverschiedenheiten. Der Kriegsminister bestätigte den Schritt des Heeres, das sich für die Bildung einer Regierung ohne Unterstützung der Kommunisten einsetzt. Es verlautet, daß die Offiziere die Bildung einer Militärdiktatur befürworten. Die Thronrede des Königs In seiner bei der gestrigen Eröffnung des Parlaments verlesenen Rede erklärte König Georg, daß die auswärtige Politik Griechenlands sich getreu an die geschlossenen Verträge und insbesondere den Balkanpakt halte und halten werde, der von größter Wirksamkeit für die Erhaltung des Friedens sei. Am Schluß seiner Rede wandte sich der König an die Vaterlandsliebe der Abgeordneten und forderte sie auf, der Regierung ihre wirksame Unterstützung zu leihen, damit im ganzen Lande wieder Ruhe und Ordnung zurückkehrten. man ihn in das Reich unklarer Gefühle verweist und sogenannte positive Vorschläge vermißt.“ Nach einer eingehenden Widerlegung dieser französischen Beanstandung durch nochmaligen Hinweis auf die von Frankreich versäumten Gelegenheiten, die vernünftigen deutschen Vorschläge in der Zeit der Abrüstungskonferenz und in der Saarfrage sowie die dreizehn Punkte der Mai=Rede des Führers und nach einer Richtigstellung der von Havas gebrachten Darstellung des deutschen Verhaltens gegenüber den Luftpaktvorschlägen gelangt die Deutsche Diplomatisch=Politische Korrespondenz zu folgenden Schlußfolgerungen: „Der Verständigungswille weitester Kreise in Frankreich soll gewiß nicht bestritten werden. Maßgebliche politische Kreise wollen indes aus Gründen der„hohen Politik“ diese natürlichen Regungen nicht hochkommen lassen. Der Geist, in dem das Interview in einer gewissen, nicht unmaßgeblichen Schicht Frankreichs aufgenommen wurde, scheint zu befürchten, daß für Frankreich, wenn sich das Gefühl einer wirklichen Sicherheit innerhalb des französischen Volkes durchsetzen würde, die Möglichkeiten für eine Interventionspolitik— auf die man nicht verzichten möchte— rein psychologisch erschwert werden könnten. Diesen Geist muß Deutschland — unter Inanspruchnahme der Gleichberechtigung zum Mißtrauen— zu seinem aufrichtigen Bedauern in Rechnung stellen. Das offizielle Frankreich sucht noch nicht Verständigung, sondern hält, betont der französischen Tradition folgend, an seiner Bündnispolitik fest. Früher war es der türkische Sultan, der gegen das alte Deutsche Reich, den Kaiser in Wien, eingesetzt wurde. Vor dem Kriege sicherte man sich durch Rußland gegen Deutschland; nach dem Kriege suchte man Polen gegen das Die heutige Rummer umfaßt 14 Seiten Meyr Hander mir Hoien! Reichsaußenminister von Neurath über die ungenutzten Möglichkeiten der deutschen Wirtschaft Zur Eröffnung der diesjährigen Leipziger Frühjahrsmesse hat die Schriftleitung der Leipziger Tageszeitung unter dem Leitwort„Das Schaufenster der Welt“ eine Sondernummer erscheinen lassen. Der Reichsminister des Auswärtigen, Freiherr von Neurath, hat in einem Geleitwort zu dieser Sondernummer auf die traditionelle Bedeutung der Leipziger Messe für die deutsche Wirtschaft hingewiesen und etwa folgendes ausgeführt: „Ich stelle der deutschen Wirtschaft und insbesondere der Leipziger Messe mit ihren alten Handelsbeziehungen nach dem Osten für das Jahr 1936 eine ganz besondere Aufgabe: die Entwicklung der deutschen Ausfuhr nach Polen und parallel damit der deutschen Einfuhr aus Polen. Die beiden Regierungen haben mit dem Wirtschaftsvertrag von 1935 die rechtliche und handelspolitische Grundlage für einen neuen Aufschwung des deutsch=polnischen Warenaustausches geschaffen. Es ist jetzt Sache der privaten Wirtschaft, die von den Regierungen geschaffenen Möglichkeiten auszunutzen und die politische Annäherung zwischen den beiden Staaten durch die Verflechtung der beiden Wirtschaften zu ergänzen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Die beiden benachbarten Länder sind nach ihren natürlichen Bedingungen und nach ihrer Erzeugung dafür geschaffen, sich zum beiderseitigen Nutzen zu ergänzen. Gleichwohl haben die ersten Monate nach Abschluß des Handelsvertrages nicht voll befriedigt. Die Lage in Deutschland hätte erlaubt, mehr polnische landwirtschaftliche Erzeugnisse abzunehmen, als es tatsächlich geschehen ist. Allein die Tatsache, daß Deutschland nicht genug nach Polen ausgeführt hat und daß deshalb nicht genug Zahlungsmöglichkeiten für die polnische Einfuhr nach Deutschland zur Verfügung standen, hat die beiden Regierungen gezwungen, das vereinbarte Programm für die Abnahme polnischer Erzeugnisse vorübergehend zu beschränken. Der Grund war nicht, daß die Regierung und die Wirtschaft in Polen die deutschen Waren nicht haben wollen. Bei den Verhandlungen zwischen den Regierungsausschüssen im Januar 1936 hat die polnische Regierung in dem gemeinsamen Communiqué der Regierungsausschüsse erklärt:„Eine ungenügende Entwicklung" der deutschen Ausfuhr nach Polen muß unbedingt zu einer Drosselung der polnischen Ausfuhr nach Deutschland führen... Um für die Zukunft eine weitere starke Einschränkung der polnischen Ausfuhr nach Deutschland zu vermeiden und der reibungslosen Abwickelung des beiderseitigen Warenverkehrs den Weg zu bereiten, haben sich die beiden Regierungsausschüsse über Maßnahmen verständigt, die zu einer Steigerung der deutschen Ausfuhr und damit Wolkenkratzer ohne Fahrstuhlbetrieb Streik der Neuyorker Fahrstuhlführer legt den Geschästsverkehr still Am Sonntagabend traten 17.000 Fahrstuhlführer im Westen Neuyorks und im Stadtteil Bronx in den Ausstand. Dadurch sind die Aufzüge von über 1800 Wohnhäusern, darunter viele, die über 40 Stock hoch sind, völlig stillgelegt. Am Montag ordnete der Präsident der Gewerkschaft der Gebäudeangestellten, Bambrick, die Ausdehnung des Streiks der Fahrstuhlführer, Pförtner und des sonstigen Hausdienstpersonals auf die Großwohnhäuser, Bürogebäude und Warenhäuser der verkehrsreichen und dichtbevölkerten Ostseite von Neuyork an. Präsident Bambrick erklärte, daß von dem Streik insgesamt 6000 Gebäude und 75000 Angestellte betroffen seien. Der Ausstand hat am Montagnachmittag weiter um sich gegriffen. Er erfaßte die Wolkenkratzer des Finanz: Der faische Weg Wann werden die Ersahrungen der Geschichte in der französischen Politik zur Geltung kommen? Die Diplomatische Korrespondenz zur Aufnahme des Führer=Interviews in Frankreich Unter der Ueberschrift„Der falsche Weg“ kommt die Deutsche Diplomatisch=Politische Korrespondenz darauf zu sprechen, daß der tiefe Eindruck, den die neuen Friedensworte des Führers in der französischen Oeffentlichkeit hervorriefen, in gewissen Kreisen offenbar als störend empfunden wurden.„Sonst hätte man sich nicht beeilt, eine Art Störungsfeuer zu geben, dessen gleichmäßige Tendenz in den Kommentaren der französischen Presse zu spüren ist. Besonders bezeichnend ist in diesem Zusammenhang eine Havas=Meldung über den angeblichen Eindruck der Unterredung in den Pariser„politischen und diplomatischen Kreisen". Dort möchte man den Appell des Führers an die Vernunft, die in einem neuen kriegerischen Zusammenstoß der beiden Völker nur den beiderseitigen Ruin sieht, dadurch entwerten, daß und Konfektionsviertels. In diesen besonders belebten Geschäftsgegenden standen Tausende von Büroangestellten auf den Straßen umher, die nach der Mittagspause nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen auffahren konnten, da inzwischen die Fahrstühle den Betrieb eingestellt hatten. Die gesamten Polizeikräfte der Stadt sind alarmbereit. Bisher ist es jedoch nur zu wenigen Ruhestörungen gekommen. Etwa 30 Personen wurden verhaftet.— Bürgermeister Laguardia hat in einer Proklamation den öffentlichen Notstand erklärt und angekündigt, daß die Behörden der Stadt zum Schutze der Gesundheit und Sicherung der Bevölkerung in allen über sechs Stockwerke hohen Wohnhäusern den Fahrstuhlbetrieb übernehmen werden. Für diese Nothilfe werden etwa 40000 Stadtangestellte eingesetzt. * Seite 2. Nr. 15.477 General=Anzeiger für Bonn und Umgegend Bonner Nachrichten 3. März 1936 Nachkriegsdeutschland zu gewinnen. Jetzt ist von neuem Sowjetrußland an die Reihe gekommen. Immer wird dem französtschen Volk dabei gesagt, diese Allianzen machten Frankreich mächtig und sicherten den Frieden. Aber praktisch kam es dann immer wieder anders. Es wäre zu wünschen, wenn endlich die Erfahrungen der Geschichte in ihrer wahren Bedeutung wie beim deutschen so auch beim französischen Volk in der Politik zur Geltung kommen würden. Nur die Verständigungspolitik, nicht die Allianzpolitik kann zu dem Ziele führen, das sich das französische wie das deutsche Volk gesteckt haben: Zum Frieden in Ehre und Sicherheit.“ „Mau muß zu Hitler gehen“ Pichot für Verständigung mit Deutschland Henri Pichot, der Vorsitzende des großen linksstehenden Frontlämpferverbandes, erläßt im Oeuvre einen dringlichen Aufruf für eine unmittelbare sofortige Aussprache französischer Staatsmänner mit dem Führer. Eine deutsch=französische Verständigung, so schreibt er, sei stets wünschenswert gewesen. Nach der schlechten Aufnahme des französisch=sowjetrussischen Paktes in Deutschland sei diese Verständigung dringlich geworden. Es handele sich nicht darum, von Kanzlei zu Kanzlei Offiziere auszutauschen, nicht um Reden im Parlament oder auf Kundgebungen. Man müsse zu Hitler gehen und persönlich mit ihm sprechen. Franzosen seien nach Moskau gegangen, um mit Stalin zu reden. Dann müßten die Franzesen logischerweise auch nach Berlin fahren. Es sei weder angebracht, noch vernünftig, noch ehrenhaft, die Annäherungsversuche Deutschlands mit Stillschweigen zu übergehen oder sie mit Mißtrauen zu beantworten. Die Interessen Frankreichs erforderten es, auf die Einladung des Reichskanzlers zu antworten. Ribbentrop sei nach London gegangen, Laval nach Rom und Moskau und die französischen Staatsmänner wollten nicht nach Berlin gehen? Wollten sie ihre Vorsicht bis zur Furcht steigern? Furcht vor wem? Furcht vor was? Die Stunde der unmittelbaren Verständigung habe geschlagen. Zwischen Deutschland und Frankreich sei ein Gang bereits getan. Es gebe zwischen ihnen keine Grenzfrage mehr. Es sei ein französischer Staatsmann nötig, dessen Ansehen über ministerielle Zwischenfälle erhaben sei, und der mit Hitler sprechen könne. Die deutsche Verlehr Kiccheit Der Reichsverkehrsminister vor dem Krastsahrgewerbe Die Hariser und Tonboner Presse zum„Haller=Iulerbirw“ Das französische Echo Das Interview, das der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dem Paris Midi gegeben hat, und in dem er erneut Frankreich die Versöhnung anbietet, hat in Frankreich ungeheures Aufsehen hervorgerufen. In politischen Kreisen war zunächst von nichts anderem die Rede als von dem Hitler=Interview, und die gesamte Presse setzte sich mit den Ausführungen des Reichskanzlers auseinander, die von den Blättern als sensationell bezeichnet werden. In den Wandelgängen der Kammer wurde vielfach das Bedauern darüber geäußert, daß das neue Verständigungsangebot Hitlers nicht 24 Stunden früher, d. h. vor der Abstimmung über den Russenpakt, bekannt geworden sei. Der nationalistische Jour äußert sogar den Verdacht, daß Ministerpräsident Sarraut die Veröffentlichung des Interviews um zwei Tage verzögert habe, da seine Veröffentlichung auf die Natifizierung des Russenpaktes Einfluß gehabt hätte. Der sozialistische Abgeordnete Andraud erklärte, er betrachte die deutsch=französische Annäherung als den Schlüssel zum Frieden Europas und bekenne sich daher zu dieser Annäherung. Die Worte des deutschen Reichskanzlers eröffneten eine große Hoffnung. Der ehemalige kommunistische Abgeordnete Dorkot bezeichnete es als unerläßlich, die neuerdings sich darbietende Gelegenheit zu einer offenen Aussprache mit Deutschland und zur Stabilisierung des Friedens zwischen den beiden Ländern zu ergreifen. Da Hitler in einem Augenblick, in dem er bereits mit der Ratifizierung dieses Paktes habe rechnen müssen, die Aussprache mit Frankreich anbiete, müsse man die Gelegenheit benutzen, um aufzuklären, auf welcher Grundlage friedliche Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland geschaffen werden könnten. Der Abgeordnete Morinaud von der radikalen Linken erklärte, er begreife nicht, daß ein einziger Franzose die von Hitler hingestreckte Hand verweigern könne. Der linksungbhängige Abgeordnete Creyssel schreibt, daß die Worte Hitlers aufs neue zeigten, wie unvorsichtig Frankreich durch den Abschluß des sowjetrussischen Paktes gewesen sei. Die englische Presse Der diplomatische Mitarbeiter der News Chroniele, Vernon Bartlett, äußert sich u. a. wie folgt: Hitler habe viel Friedensangebote gemacht, seit er vor drei Jahren an die Macht kam. Keines sei in einem wichtigeren Augenblick gekommen als sein jetziger Appell an Frankreich. Die deutsche Presse habe kürzlich daran erinnert, daß die Angebote, die der Führer im Jahre 1933 für die Begrenzung oder Abschaffung der Rüstungen auf einer Grundlage völliger Gegenseitigkeit gemacht habe, niemals zurückgezogen wurden. Diese Angebote seien damals auf taube Ohren gestoßen. In einem Augenblick, führt Bartlett weiter aus, wo die Nationen der Welt sich zu einem neuen Rüstungswettrennen vorbereiten, komme von Hitler ein neuer Aufruf zum Frieden. Wahrscheinlich sei es sein letzter Appell. Aus Paris werde berichtet, daß die französischen diplomatischen Kreise skeptisch seien. Sie seien immer skeptisch gewesen seit dem Kriege und infolgedessen hätten sie Jahr für Jahr neuen Grund für den Skeptizismus g habt. Morning Post meldet, daß Hitler in einem feurigen und gefühlvollen Interview Frankreich erneut um seine Freundschaft ersucht habe. Er überschütte die französische Nation mit Komplimenten und erkläre sich bereit, das Buch„Mein Kampf“ nicht durch Worte, sondern durch Taten der Politik richtigzustellen. Von den beiden Blättern Times und Daily Telegraph wird das Interview seither überhaupt nicht erwähnt. Die Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe, die alle gewerblichen Unternehmen der Fachgruppe Personenverkehr, Güternahverkehr, private Kraftfahrlehrer, kommunaler und gemischt=wirtschaftlicher Kraftomnibusverkehr und Güterfernverkehr umfaßt, trat am Montagfrüh in Krolls Festsälen zu ihrer ersten stark besuchten Reichstagung zusammen. Direktor Bennighoff, der Leiter der Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe, eröffnete die Veranstaltung mit Begrüßungsworten an die Ehrengäste. An den Führer und Reichskanzler wurde ein Telegramm gesandt, in dem der Dank ausgesprochen wird für die tatkräftige Förderung des Verkehrs. Darauf nahm Reichsverkehrsminister Freiherr von Eitz=Rübenach das Wort, der ausführte: Neben Reichsbahn und Reichspost sind die Reichsverkehrsgruppen Kraftfahrgewerbe. Seeschiffahrt, Binnenschiffahrt, Spedition und Lagerei. Schienenbahnen, Fuhrgewerbe, Hilfsgewerbe des Verkehrs entstanden und mit den großen Organisationen der Wirtschaft, des Nährstandes und der sonstigen Verkehrsnutzer im Reichsverkehrsrat unter meinem Vorsitz vereinigt worden. Die Organisation ist klar und durchsichtig. Aber Organisation ist nur Form und eine Form bekommt ihren eigentlichen Inhalt erst durch die Menschen, insbesondere durch die Führer, die in ihr tätig sind. Ich halte nach wie vor an der Auffassung fest. daß die Reichsverkehrsgruppen freie Selbstverwaltungskörper mit überwiegend eigenen Aufgaben sein sollen, die nur sparsam und nur in wirklich nötigen Angelegenheiten vom Reich sozusagen als Auftragsverwaltungen in Anspruch genommen werden sollen. Die Reichsverkehrsgruppen und die beiden großen staatlichen Verkehrsanstalten marschieren nebeneinande: auf ein gemeinsames Ziel los: Die Verkehrseinheit. Sie bilden gewissermaßen die einzelnen Armeen Es ist ein Ringen um Haltung... Reichsminister Kerrl über weltanschauliche und religiöse Fragen Jur Abschlußtagung des Arbeitslagers für die Wettkampfleiter und Gruppenleiter des Reichsleistungswettkampfes der Studierenden an den deutschen Hoch= und Fachschulen im Haus der Jugend in Berlin=Neukölln sprach Reichsminister Pg. Kerrl in einer längeren Rede über Weltanschauungs= und religiöse Fragen. Mit dem Appell an die Studierenden:„Ihr seid berusen, für die Zukunft Führer des deutschen Geisteslebens zu werden, und Euch muß es deshalb vorbehalten sein, das auszubauen, was wir begonnen haben“ beginnend, kam Minister Kerrl auf den gewaltigen seelisch=geistigen Umbruch in unserem Volk zu sprechen. Der Umbruch, in dessen Gewalt wir heute stehen, ist nicht das Ergebnis von einem Jahr oder einem Jahrzehnt; seine Wurzeln liegen vielmehr in einem Jahrtausende währenden Ringen deutscher Menschen um die wesensgemäße seelisch=geistige Selbstentfaltung und Selbstbehauptung. Der Universalismus der vergangenen Epoche ist schrittweise durch den erwachenden Nationalismus in der Gestalt großer deutscher Menschen zurückgedrängt worden. Heute steht der Nationalsczialismus im Begriff, die letzten Reste des Universalismus, der sich bis in unsere Zeit hinein auf den einzelnen Gebieten des Lebens ausgewirkt hatte, völlig zu überwinden. Eine universalistische Weltanschauung mußte in dem Maße in sich unsinnig werden und zusammenbrechen, wie die Menschen lernten, auf die natürlichen Gegebenheiten ihres Lebens und die Schöpfungsordnung zu achten. In der Besinnung auf die Voraussetzungen des Lebens fand der germanische Mensch sich selbst. Dem Nationalsozialismus blieb es vorbehalten, den einzelnen auf seine Bindung an die Gemeinschaft des Volkes hinzuweisen. Volkstum, Blut, Boden und Geschichte sind die natürlichen Ordnungen, die schöpfungsmäßigen Voraussetzungen des Lebens deutscher Menschen. Dieser Gemeinschaft zu dienen, heißt, den Willen des Schöpfers zu ersüllen. Hier geht es nicht um Glaubenssätze, sondern handeln ist alles, Besinnung und Tat. Wir stehen in einem Umbruch, wo alte Werte fallen, neue Werte aufsteigen. Es ist kein Ringen um Worte und Formeln, es ist ein Ringen um Haltung, um ein nach den natürlichen Ordnungen ausgerichtetes Leben. Es gilt, dieses Ringen als wirklich deutsche Menschen durchzuführen. Der Minister ermahnte eindringlich, über jede Gespaltenheit nach Konfessionen, Klassen und Vermögen in keinem Augenblick die blutmäßig gegebene Einheit und damit gottgewollte Gemeinschaft aller Deutschen zu verleugnen oder zu übergehen.„Ich achte den nicht hoch“, so hämmerte Reichsminister Kerrl den Studenten ein,„der den Nächsten in dem beschimpft, was ihm heilig ist. Du hasd nicht hineinzugreifen in das Recht des einzelnen, du hast Ehrfurcht zu haben vor der Würde der autonomen Persönlichkeit. Glaubst du, daß du ein großer Mann bist, wenn du dich hinstellst und den Volksgenossen um seines Glaubens willen lächerlich machst? Wer das tut, ist bestimmt nicht des rechten Glaubens!“ Neues in Kürze In der Nacht zum Montag ist in Amorbach(Odenwald) die Großfürstin Kyril in der Villa ihres Schwiegersohnes, des Erbprinzen zu Leiningen, verstorben. Der frühere Mainzer Oberbürgermeister Dr. Ehrhard ist unerwartet in Berlin bei einer Sitzung am Herzschlag verschieden. Wie im Prager Amtsblatt mitgeteilt wird, wurde das tschechische Konsulat in Posen aufgehoben. Es wird der Gesandtschaft in Warschau zugeteilt. Der polnische Außenminister Oberst Beck stattete am Montagvormittag dem Ministerpräsidenten und Außenminister van Zeeland einen Höflichkeitsbesuch ab. Der neue Handelsvertrag zwischen Polen und der belgisch=luxemburgischen Zollunion wurde durch die Außenminister Beck und van Zeeland unterzeichnet. des Verkehrs. Diese Armeen sind unterteilt. Jede Reichsfachschaft, jede Untergliederung hat ihren Führer, der im Rahmen der ihm erteilten Weisungen selbständig handeln soll. Ueberall muß gerechte, fürsorgliche, vorausschauende, mit einem Wort nationalsozialistische Arbeit geleistet werden. Die Sondergliederung des Güterfernverkehrs im Reichskraftwagenbetriebsverband darf nicht zu einer Abtrennung dieses Verkehrszweiges von der Gemeinschaft des Kraftverkehrsgewerbes führen! Wie Sie die Zusammenfassung regein wollen, möge Sache der Beteiligten bleiben. Ich habe nur drei Wünsche auszusprechen: 1. Die Erfahrungen des Güterfernverkehrs dürfen in der Verwaltungsarbeit der Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe nicht unbekannt und unverwertet bleiben. 2. Der Reichskraftwagenbetriebsverband darf nicht eine Entwicklung nehmen, als ob nur bei ihm Kraftverkehrsinteressen beheimatet wären und er darf die schwierigen, im Nahverkehr liegenden Fragen niemals aus dem Auge verlieren. 3. Durch die Zusammenfassung des Reichskraftwagenbetriebsverbandes und der Reichsverkehrsgruppe Kraftfahrgewerbe darf keine Erhöhung der Beiträge für die Mitglieder entstehen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mitteilen, daß ich die Aussicht habe, in kürzester Zeit einem gemeinsamen Vorschlage der Reichsbahn und des Reichskraftwagenbetriebsverbandes über die zukünftige Tarifgestaltung beim Kraftwagen entgegenzusehen. Das bodenständige Verkehrsgewerbe leidet nicht unter der zunehmenden Motorisierung, sondern unter der Preisschleuderei, welche besonders von ungefestigten auf Schulden gegründeten Unternehmen betrieben wird. Alte gute Unternehmungen geraten in Schwierigkeiten, weil Schleuderfirmen ihnen auf anderer Leute Kosten die Aufträge unterbieten. Ich will diesen Erscheinungen verwaltungsmäßig in jeder Beziehung entgegenwirken. Wenn ich das im Personenverkehr und im Güterfernverkehr eingeführte Konzessionsverfahren auf den gesamten Nahverkehr ausdehnen sollte, so könnte ich unmöglich am Werksverkehr vorübergehen, der sich in der Nahzone oft als unechter Werksverkehr betätigt, und dann würde ich ein Gebiet treffen, dessen Einengung ich als unvereinbar mit der vom Führer und Reichskanzler angeordneten Motorisierung ansehe. Ich stehe nicht an, die Hoffnung auszusprechen, daß die tüchtigen Unternehmer im Güternahverkehr sich schon durchsetzen werden. Ich glaube nicht an die Möglichkeit, alles wirtschaftliche Glück von staatswegen und von oben imputieren zu können. Auf den wirtschaftenden Menschen kommt es an— gestern, heute und in alle Zukunft! Der Staat soll sich auf möglichst wenige Hoheitsaufgaben beschränken und die Reichsverkehrsgruppen sollen sich auf die Verkehrswirtschaft beschränken. Die Reichsregierung blickt heute mit Vertrauen auf die einheitlichen Reichsorganisationen, unter denen die Reichsverkehrsgpuppe Kraftverkehr eine besonders interessante ist. Leistungssteigerung des Sütersernverkehrs Im weiteren Verlauf der Reichstagung hielt der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, einen Vortrag über die Bedeutung der Reichsautobahnen für den Güterfernverkehr. Noch vor Pfingsten würden die Reichsautobahnstrecken zwischen Braunschweig und Hannover, zwischen Halle und Leipzig, zwischen Köln und Düsseldorf, zwischen Bremen, Hamburg und Lübeck, zwischen Königsberg und Elbing, zwischen München und Rosenheim dem Verkehr übergeben werden. Der Kraftwagen im Dienste des Güterfernverkehrs erhalte durch die Reichsautobahnen eine gewaltige Förderung. Zurzeit würden etwa 250 Fernstrecken mit Entfernungen von durchschnittlich 300 Kilometern je zehnmal im Monat befahren. Nach der Fertigstellung der Reichsautobahnen werde dieser Verkehr wesentlich erweitert werden können. Rund 90 v. H. dieser regelmäßig befahrenen Strecken werden auch eine wesentliche Verkürzung erfahren. Die Reilegeschwindigkeit, die heute 25 bis 32 Stundenkilometer beträgt, werde um etwa 33 v. H. zunehmen, d.., es können täglich 200 Kilometer mehr als bisher an einem Werktage gefahren werden. Drittes volkstümliches Sonder=Konzert Lorenz— Tschaikowsky „Heitere Musik“, hieß das Losungswort dieser Veranstaltung des Städtischen Orchesters, die ursprünglich für den karnevalsfrohen Januar vorgesehen war. Heitere Musik braucht nicht unbedingt bloße Unterhaltungsmusik zu sein. Und sie war es auch im vorliegenden Falle nicht. Vielmehr handelte es sich hier um jene Heiterkeit, die ein großer Dichter und Denker den Himmel nennt, unter dem alles Gute und Schöne gedeiht: Erhebung des Herzens und Läuterung der Seele. So stand denn auch das Programm keineswegs im Gegensatz zu jener ernsteren Stimmung, zu der nach Aschermittwoch die Menschheit zurückzukehren pflegt. Denn ernste Lebensauffassung schließt keineswegs Taseinsfreude aus. Im Gegenteil.„Mehr Freude!“, wie einst ein weiser Bischof der Welt zurief und das zeitnahe Wort von der Kraft, die durch Freude gestärkt wird, zeigen, daß man sich dieser Tatsache bewußt war und ist. In demselben Sinne hatte denn auch Gustav Classens eine Vortragsfolge sich ausgedacht, die auf allseitige Zustimmung rechnen konnte. Schon die Einleitung überzeugte davon: unseres trefflichen Hugo Lorenz„Fünf deutsche Tänze“. Ein sinnenfrohes Werk, das den lebhaften Beifall, der ihm zuteil ward, in jeder Beziehung rechtfertigte. Lorenz gibt sich hier ganz unproblematisch. Seine glücklichen melodischen Einfälle fesseln Ohr und Herz, zumal sie von einer vornehmen, von wählerischem Geschmack geleiteten Harmonik getragen und gehoben werden. Dazu eine abwechslungsreiche Verteilung der Stimmungsmomente, die die ganze Skala vom derben, blechbeschwerten Bauerntanz mit stampfenden Dreivierteltatt=Rhythmen bis zu romantisch im Zwielicht traumhafer Dur=MollImpressionen verschwebenden Notturno=Empfindungen beherrscht und in farbenreicher Instrumentierung aufleuchten läßt. Auch die zweite Nummer des Programms sah ein Mitglied unseres ausgezeichneten Orchesters im Vordergrund des Interesses: Alfred Lücke, der Konzertmeister am Cellopult, spielte den Solopart in Tschaikowskys„Rokoko=Variationen“. Der russische Meister ist hier ein anderer als der, der aus seinen Symphonien spricht. Der tändelnde Geist des Rokoko schwebt nicht nur über dem graziösen Thema, sondern — Lalo— Beethoven beflügelt auch des Komponisten Phantasie bei der Gestaltung der sieben Variationen und stellt den Solisten vor mannigfache, einen ganzen Künstler und Virtuosen fordernde Probleme. Tschaikowjky kennt die technischen Möglichkeiten der Instrumente und weiß sie zu nutzen. Alfred Lücke aber, der diesen zahlreichen Passagen in schwer zu intonierenden Höhen, diesen Bogeneffekten, Arpeggien, Doppelgriff=, Triller= und FlageolettKünsten mit großem Ton und überlegenem Können Herr ward, konnte sich, wie sein Kollege für sehr herzlichen Beifall bedanken. Ein Violinkonzert von Ed. Lalo,„Symphonie espagnole“ genannt, führte in Heinrich Schiffer einen„neuen Mann“ auf das Podium, einen jungen, kaum der Hochschule entwachsenen Bonner Künstler, dem man mit steigendem Interesse lauschte. Denn auch Lalo, der selbst ein ausgezeichneter Geiger war, erspart seinem Solisten nichts. Es ist ein fesselndes, abwechslungsreiches Stück, diese spanische Symphonie des französischen Meisters. Ein Stück, das in allen Sätzen die Arbeitsgemeinschaft Reichssender Köln und Staatliche Hochschule für Musik in Köln Zwischen dem Reichssender Köln und der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln ist eine Arbeitsgem. inschaft gegründet worden, die den Studierenden der Hochschule und den Gasthörern die Möglichkeit geben soll, die musikalische Arbeit des Rundfunks kennen zu lernen. Die Arbeitsgemeinschaft wurde am Sonntagvormittag im Großen Senderaum des Kölner Funkhauses min einem kleinen Festakt eröffnet. Nach dem Vortrag des Beethovenschen Werkes„Weihe des Hauses" durch das Orchester der Hochschule für Musik unter Leitung von Direktor Professor Dr. Hasse machte der Intendant des Reichssenders Köln, Dr. Glasmeier, einige grundsätzliche Ausführungen über die Bedeutung des Rundfunks als Musikvermittler sowie über Sinn und Zweck der Arbeitsgemeinschaft. Im März ds. Is. werde die neue Arbeitsgemeinschaft ihren ersten vierwöchigen Kursus teils im Funkhaus, teils in der Musikhochschule abhalten. In ihm solle ein Ueberblick über den musikalischen Anteil des Rundsunks am romanische Stammeszugehörigkeit ihres Schöpfers in leicht spanisch eingesärbtem Kolorit aufzeigt. Schiffer erwies sich der technischen Seite wie auch dem Geist des eleganten Werkes, das einst eine Paradenummer in des großen Geigers Sarasate Reiseprogramm war, in so hohem Grade gewachsen, daß auch er wiederholt vor der Rampe erscheinen mußte. Einen glänzenden Schlußpunkt setzte Gustav Classens mit Beethovens 8. Symphonie hinter sein Programm. Es ist Haydn'scher Geist, der hier noch einmal in der Strahlenbrechung Beethovenscher Kunst spürbar wird; aber es ist auch unverkennbar, daß wir uns bei dem Werk bereits im Vorhof der Neunten befinden. Diese beiden Welten in Einklang zu bringen ist Sache des Dirigenten. Und hier zeigte sich abermals Classens' inniges Verhältnis zur Kunst unseres Bonner Meisters. Klarheit im Thematischen, ein herzhaftes, von allem Grüblerischen befreites Musizieren, wie es der Sinn des Werkes verlangt, und vor allem eine herzerfreuende Herausstellung des Beethovenschen Humors, der in allen Sätzen hervorbricht, das waren die wesentlichen Vorzüge, die der Wiedergabe starken Widerhall bei den Zuhörern und ihren Interpreten dankbare Anerkennung eintrugen. T. L. Musikgeschehen, eine Einführung in die technischen Gegebenheiten des Funks und eine Behandlung der Fragen der Programmgestaltung in Verbindung mit praktischen Uebungen vor dem Mikrophon gegeben werden. Im Verlaufe des Sommersemesters würden dann diese Uebungen fortgesetzt und gleichzeitig die Probleme der Unterhaltungsmusik erörtert werden. Dr. Glasmeier schloß seine Ausführungen mit dem Wunsch, daß die Zusammenarbeit in der neuen Arbeitsgemeinschaft dem einen Ziele zustreben möge, dem deutschen Menschen Freude ins Haus zu bringen, ihn mit der alten deutschen Musikkultur bekannt zu machen und dem Neuen den Weg zu bereiten. In diesem Sinn erklärte er die Arbeitsgemeinschaft für eröffnet. Nachdem das Streichquartett des Reichssenders Köln den nachgelassenen Satz in=moll für Streichquartett von Schubert zu Gehör gebracht hatte, ergriff der Direktor der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln, Professor Dr. Hasse das Wort. Mit der heutigen Feier sei der Anfang einer Entwicklung gekennzeichnet, die fruchtbare Arbeit verspreche. „Die eisernen Engel“ Das ist der Titel eines Buches über die„Geburt, Geschichte und Macht der Maschinen“, das kürzlich im Berliner Verlag Ullstein erschienen ist(331 Seiten mit vielen Bildern im Text und auf Tafeln), und das gerade heute im Zeitalter der Technik allgemeine Beachtung verdient.„Die eisernen Engel“ hat der Verfasser Walter Kiaulehn das Buch getauft, weil man so die ersten Dampfmaschinen nannte. die zu Ende des 18. Jahrhunderts den Cornwaller Grubenbezirk, das Herz des industriellen England, vor dem Ersaufen retteten. Das Buch ist ein packender Versuch, die Geschichte der Maschinen vom Altertum bis zum Beginn der französischen Revolution neu zu erzählen, dadurch, daß der Verfasser das Thema weniger vom Technischen als vielmehr vom Menschlichen her anpackt. Aus dem Kapitel über das Eisen sei daher hier der Anfang wiedergegeben, der deutlich zeigt, wie der Verfasser den Stoff packend zu gestalten weiß: „Wir spätgeborenen Kinder des technischen Zeitalters nehmen Eisen als etwas Selbstverständliches hin. Für uns ist eine eiserne Brücke etwas ganz GeHauptschriftleiter: Dr. Egon=Erich Albrecht. Stellvertretender Hauptschriftleiter: Heinz Dohm. Verantwortlich für Politik: Dr. Egon=Erich Aldrecht. Verantwortlich für Lokales: 1..: Eomund Els. Verantwortlich für Umgegend, Wirtschaft: Tom Weinand Verantwortlich für Kultur, Unterhaltung und Bild: Willi Dünwald. Verantwortlich für Sport: Hermann Dircksmeier. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Alvert Dubberke. Alle in Bonn. Durchschnitts=Auflage 1/36 über 18 900, Unverlangte Einsendungen ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt. Sprechstunden der Schriftleitung 9½—10½ und 17—18 Uhr Druck und Verlag: Bonner Nachrichten G. m. v. H. Sammelruf 3851—53. Ferngespräche 3853. Posticheckkonto Köln 18672. Bankkonto: Girokonto Reichsbankstelle Bonn. Deutsche Bank und DiscoutoGesellschaft Bonn. Bezugspreis für den General=Anzeiger monatlich.—K. für die Jünstrierte monatlich 30 S, frei Haus einschließlich Botenlohn und Versandkosten. Poswezugspreis min Illustrierte .30 M. einschließlich Postuverweisungsgebühr, ausschließlich Postzustellgeld. Einzelverkaufspreis 10 H. Anzeigengrundpreis(Großspalte 46 mmn) 18 J. Tertanzeigen 78 mm breit.— M. Alle einspaltigen Anzeigen bis zu 100 min Höhe mm 15 H. Anzeigen für die Schiffahrt für Bäder, Gasthöse. Fremdenheime und Gaststatten mm 15 J,. Amtliche Anzeigen mm 15 J. Vereins=Anzeigen, die nicht der Wirtschaftswerbung dienen, min 10 H. Private Familten=Anzeigen mmn 10 J. Stellengesuche mm 5 3, Wortanzeigen, einspaltig in der Grundschrift nur in einheitlicher Breite von 46 mm, von Privatperionen ausgegeben, bis 50 mm Höhe, jedes Wort in der Grundschrist 5 H. Zissern= und Auskunfts=Gebühr (Porto besonders) 30 S. Nachlässe: Malstaffel 1 und Mengenstalsel B. Gültig ist die Anzeigenpreisliste 4. Erfüllungsort tonn=Abeld. 3. März 1936 General=Anzeiger für Bonn und Umgegend 7 Bonner Nachrichten Nr. 18477. Seite 3 Die Kabinettsbildung in Tokie Fürst Saionji in Tokio eingetrossen Der Fürst Saionji traf am Montag in Tokio ein und hatte sofort eine Besprechung mit dem Kaiser und anschließend mit dem Präsidenten des Geheimen Staatsrates Ikki. Noch wichtiger dürfte die Aussprache mit dem Kriegsminister Kawaschima gewesen sein, der die augenblickliche Lage unter dem Gesichtspunkt der militärischen Forderungen erläuterte. Nach„Domei“ und Extraausgaben der Blätter wünschen die Armeekreise eine stärkere Berücksichtigung der Vertreter einer entschiedenen Heerespolitik, die das Vertrauen der gesamten Armee genießen. In politischen Kreisen wird angenommen, daß der Vizepräsident des Geheimen Staatsrates Hiranuma, der dem Kreis um Mazaki und Araki nahesteht, als Ministerpräsident in Frage kommt. Möglich ist ferner, daß Hirota Außenminister bleibt. Amtlich wird gemeldet, daß Major Amano vom 3. Infanterieregiment Selbstmord begangen hat, weil sein Versuch, die Aufständischen zur Rückkehr in die Kasernen zu bewegen, vergeblich geblieben war. Ferner wird bekannt, daß Major Katakura aus dem Kriegsministerium von einem Hauptmann schwer verwundet worden ist, als er versuchte, dem Kriegsminister Vorschläge für die Versöhnung mit den Aufständischen zu machen. Die Leiche des von den Aufständischen getöteten Finanzministers Takahaschi wurde am Montagvormittag nach einer großen Feier im Sterbehaus nach dem Krematorium gebracht. Der Kaiser hat die Opfer des Aufstandes, Takahaschi, Watanabe und Saito, durch nachträgliche Rangerhöhungen und Ordensauszeichnungen geehrt. Raub! Wie die„Rigaesche Rundschau“ meldet, hat das lettische Finanzministerium im Zusammenhang mit den bekannten lettischen Wirtschaftsgesetzen die keineswegs wirtschaftlichen oder berufsständischen Organisationen, den Gewerbeverein in Windau und den Gewerbeverein in Bauske, aufgefordert, ihre Tätigkeit einzustellen. Auf Grund dieser Verfügung wird das Eigentum dieser Vereine, zwei schöne Häuser, ohne daß in dem betreffenden Gesetz eine Entschädigung vorgesehen ist, in das Eigentum der Handels= und Industriekammer Lettlands bezw. der Gemeindeverwaltung übergehen. Auflösung der deutschen landwirtschaftlichen Vereine In Auswirkung des neuen Gesetzes über die Landwirtschaftskammer Lettlands haben jetzt die beiden größten landwirtschaftlichen Vereine in Lettland, die „Kurländische, Oekonomische Gesellschaft in Mitau“ und die„Gemeinnützige und Landwirtschaftliche Gesellschaft für Süd=Livland“ neben einer Reihe lettischer landwirtschaftlicher Vereine vom lettischen Landwirtschaftsministerium die Anordnung erhalten, ihre Tätigkeit einzustellen und sich aufzulösen. Das Eigentum der genannten deutschen landwirtschaftlichen Vereine— ein schönes Haus in Mitau und ein Gut bei Wenden— geht entsprechend den neuen Bestimmungen, ohne daß im Gesetz eine Entschädigung vorgesehen ist, in das Eigentum der Landwirtschaftskammer Lettlands über. Der Jahrestag der Saar=Rückgliederung Das ganze Saarland stand am Sonntag anläßlich des ersten Jahrestages des Vollzuges der Saar=Rückgliederung wieder in festlichem Flaggenschmuck. Von besonderen politischen Kundgebungen hat man an diesem Tage abgesehen, da für alle Zeiten der Abstimmungstag, der 13. Januar, der große nationale Festtag des Saarvolkes sein soll. Stattdessen brachte der Tag eine Reihe kultureller Veranstaltungen. Die„Kämpfer“ an der Saar Bedeutsame Erklärung des Sauleiters Bürckel In einer Sitzung des saarländischen Führerkorps der NSDAP, die in Homburg(Saar) stattfand, wurde eine bedeutsame Erklärung von Gauleiter Bürckel über den künftigen Aufbau der NSDAP an der Saar abgegeben. Die Erklärung kommt u. a. zu der Feststellung, daß an der Saar jeder, der unter dem jahrelangen Trommelfeuer der vereinigten Gegner Deutschlands an der Saar standhielt, im wahrsten Sinne des Wortes den Ehrentitel„Kämpfer" verdient. Es sei irrig, annehmen zu wollen, daß an der Saar der Titel„Kämpfer“ an das Parteiabzeichen oder die Mitgliedsnummer gebunden sei. Man ziehe gewiß den Hut ab vor den alten Gesinnungstreuen, aber diese nähmen es für sich nicht in Anspruch, bessere Deutsche sein zu wollen als andere. Gauleiter Bürckel stellt dazu Krastwügen in eine Albeisvienstroidnne gefahren Bedauernswerter Unfall bei St. Goar— Ein Schwerverletzter Am Arbeitsdienstlager zu Fellen unterhalb St. Goar ereignete sich ein bedauernswerter Autounfall. Ein 32 Mann starker Marschzug des Arbeitsdienstes befand sich mit geschultertem Spaten auf dem Marsch nach St. Goar, um bei der Hochzeit eines Feldmeisters das Ehrenspalier zu bilden. Das Einmarschieren in die Rheinstraße wurde durch den Zugführer unter den üblichen Vorsichtsmaßnahmen vorgenommen. Die Truppe marschierte quer über die Straße und schwenkte vorschriftsmäßig auf die rechte Seite ein. Inzwischen näherte sich von Hirzenach aus mit erheblicher Geschwindigkeit ein kleiner Personenwagen, der die marschierende Truppe erreichte, als die letzte Reihe bereits die Straße kreuzte. Der Wagen stoppte nicht ab, sondern versuchte links hinter der letzten Reihe über das Bankett vorbeizukommen. Dabei streifte er einen Baum und suhr in die Truppe hinein. Sechs Mann der äußeren Reihe wurden angefahren und verletzt. Die Verletzten wurden sofort mit Kraftwagen nach Koblenz ins Lazarett gebracht. Dabei stellte sich heraus, daß die Verletzungen eines der Arbeitsdienstmänner sehr erheblicher Natur sind. Er ist bei dem Unfall zwischen Windschutzscheibe und Richtungsanzeiger des Personenwagens mit dem Kopf eingeklemmt und am Hals schwer verletzt worden. Die übrigen Verletzten konnten wieder zum Lager zurückkehren, während der Schwerverletzte im Gaulazarett des Arbeitsdienstes in Koblenz verblieb. Deim Alchungen an Einen Ammous schwer vericht Gegen die Straßenbahn gefahren und getötet— Zwei Verkehrsunfälle in Krefeld In der Nacht ereignete sich in Krefeld ein schwerer Verkehrsunfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Ein aus Krefeld kommender Personenkraftwagen fuhr in voller Fahrt auf einen entgegenkommenden Straßenbahnwagen auf. Der Lenker des Kraftwagens, der allein im Wagen saß, wurde auf der Stelle getötet und beide Fahrzeuge schwer beschädigt. Nach den bisherigen Feststellungen scheint dem Kraftwagenführer die Schuld beizumessen zu sein. Die leidige Unsitte, sich an Fahrzeuge anzuhängen, hat wiederum einen schweren Unfall zur Folge gehabt. Als ein Kraftomnibus an der Kreuzung Zwingenbergstraße— Wallerspfad seine Fahrt fortsetzen wollte, hingen sich mehrere Schuljungen am Hinterteil des Wagens an. Während die übrigen Jungen bei der schneller werdenden Fahrt glücklich abspringen konnten, blieb ein Knabe mit seinem Mantel am Reservereifen hängen und wurde bis zur nächsten Haltestelle mitgeschleift. Das unglückliche Kind wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, wo es bedenklich darniederliegt. Lastwagenanhänger in den Rhein gestürzt Im Bopparder Hamm löste sich während der Fahrt ein Anhänger, der mit Brettern beladen war, von dem Motorwagen, durchbrach das Geländer und stürzte dann, die Böschung hinuntersausend, in den Rhein. Dort überschlug er sich, so daß sich die Ladung selbständig machte und davonschwamm. Einen Teil der Bretter konnte man mit Hilfe von Nachen wieder an Land bringen. Viel Mühe verursachte die Bergung des Anhängers aus dem Rhein. Der italienische Heeresbericht besagt, daß die zweite Tembien=Schlacht mit einem glänzenden Sieg über die Streitkräfte des Ras Cassa und des Ras Seyoum abgeschlossen worden sei. 16 Nasierklingen verschluchkt In Köln wurde nachts ein 50 Jahre alter Schreiner in völlig unbekleidetem Zustand aufgegriffen. Der Mann wurde der Polizeiwache zugeführt, wo er erklärte, in selbstmörderischer Absicht 16 Rasierklingen verschluckt zu haben. In der Krankenanstalt Lindenburg, wohin man den seltsamen Lebensmüden geschafft hatte, wurde tatsächlich festgestellt, daß der im Magen zahlreiche Stücke von Rasierklingen hatte. Wie wir ekfahren, soll Lebensgefahr bei dem Schreiner nicht bestehen. Granatsplitter nach 18 Jahren entsernt Im Weltkrieg wurde ein Mann aus Enkirch(Mosel), durch mehrere Granatsplitter schwer verletzt. Damals blieb bei der Operation ein Splitter in dem Körper des Mannes zurück, der vor einiger Zeit plötzlich wieder Schmerzen verursachte, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Im Krankenhaus zu Traben=Trarbach wurde der Mann nun wieder operiert, wobei der Splitter, der 18 Jahre sich in dem Körper des Mannes befand, entfernt werden konnte. Gelbstmord auf der Heimfahrt vom Karneval In Cornelimünster fand man an der Eisenbahnstrecke Breinig=Walheim eine unbekannte männliche Leiche. Die eingehenden Ermittlungen, die unter Zuhilfenahme der Mordkommission durchgeführt wurden, ergaben, daß es sich um einen 26jährigen Mann aus Breinig handelt, der seit Mittwoch vermißt wurde. Der Mann war an den Karnevalstagen nach Aachen zu seiner Braut gefahren, von wo aus er am Mittwoch die Heimfahrt antrat. Von diesem Tage an wurde er nicht mehr gesehen. Es liegt einwandfrei Selbstmord vor. Lokomotivtender tötet 13 Arbeiter Aus Revelstoke in Britisch=Columbien wird ein entsetzlicher Arbeitsunfall gemeldet, bei dem den bisherigen Nachrichten zufolge 13 Arbeiter getötet und acht schwer verletzt wurden. Zwei Arbeiter werden noch vermißt. Die Arbeiter hatten versucht, einen entgleisten Tender wieder in die Schienen zurückzuheben. Aus bisher unbekannter Ursache kam der Tender auf der abschüssigen Strecke ins Rollen. Ein Teil der Arbeiter wurde überfahren, während mehrere andere gegen die Lokomotive gedrückt wurden und einen entsetzlichen Tod fanden. Dus Marthrium einer Frau Reichlich milde Strafe für einen gewissenlosen Rohling fest, daß der Stichtag für die Kämpfer des Saargebiets nicht der 30. Januar 1933, sondern der 13. Januar 1935 ist. Die Mitgliedsnummer an der Saar habe nur eine technische, nie aber eine qualitative Bedeutung. Was war, darunter müsse einmal ein Strich gezogen werden. Ewige Rache üben sei gewiß nicht Sache einer anständigen Gesinnung. Deutschlands Beispiel Amerika kündigt Fernsehrverbindung Neuyork— Philadelphia an Die Einführung von Fernsehgesprächen zwischen Berlin und Leipzig hat in den Vereinigten Staaten stärkstes Aufsehen erregt. Die bahnbrechende Leistung Deutschlands wird von allen Blättern auf der ersten Seite, wenn auch etwas neidvoll, gemeldet. Einige Blätter beeilen sich, ihren Berichten hinzuzufügen, daß demnächst zwischen Neuyork und Philadelphia die Kabel für einen Fernsehtelephonverkehr gelegt werden sollen. Mißglückter Ausbruchsversuch eines Mörders Eine Art Meuterei brach im Gefängnis von Dijon aus. Wie der Paris Soir berichtet, soll ein in dem Gefängnis untergebrachter Russe, der drei Personen ermordet hatte, aus seiner Zelle ausgebrochen sein, nachdem er einen Wärter niedergeschlagen hatte. Er versuchte darauf, einen wegen Doppelmordes zum Tode verurteilten Italiener aus seiner Zelle zu befreien. Die übrigen Gefängnisinsassen ergriffen jedoch sonderbarerweise Partei gegen die beiden Ausbrecher und schlugen sie mit einer Stange nieder. Der Russe wurde dabei schwer verletzt. Erdbeben in Süd=Kansu Nach einer erst jetzt aus Kansu eingetroffenen Meldung wurde der Klanglu=Bezirk in Süd=Kansu an der Schensi=Grenze in der vergangenen Woche von einem schweren Erdbeben heimgesucht. An vielen Stellen entstanden große Erdspalten. Mehrfach fanden Erdrutsche statt. Rund 1100 Häuser sind eingestürzt. 50 Menschen wurden getötet oder verletzt. Bei den Erdstößen kam auch viel Vieh um. Das Krefelder Schwurgericht verurteilte den 54 Jahre alten Heinrich Jansen aus Uerdingen wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todeserfolg zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren, wobei ihm der§ 51 Absatz 2 zugebilligt, mildernde Umstände dagegen versagt wurden. Jansen hatte jahrelang seine Frau drangsaliert, sie für sich arbeiten lassen und sie schließlich noch gezwungen, seine Geliebte unter ihrem Dach zu dulden. Das Geld, das seine Frau verdienen mußte, setzte er in Alkohol um. Als der Angeklagte am 16. November vorigen Jahres wieder angetrunken nach Hause kam, beschimpfte er seine krank darniederliegende Frau und verging sich tätlich an ihr. In ihrer Not sprang die Frau aus dem Fenster und blieb tot im Garten liegen. Jansen kümmerte sich weiter nicht um seine Frau und legte sich ruhig zu Bett.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte seine Mißhandlungen, er wurde aber durch die Aussagen seiner Nachbarn überführt, so daß das Gericht ihn im Sinne der Anklage für schuldig erachtete. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust beantragt. Ein Pirat des Verkehrs Kassenbote angefahren und dann entflohen In Oberhausen wurde der Kassenbote Richard Schröder von einem aus Richtung Mülheim kommenden Personenkraftwagen angefahren und zu Boden geschleudert. Der Kassenbote befand sich mit seinem Fahrrad auf dem Nachhauseweg. Er fuhr vorschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite, der Personenkraftwagen dagegen verbotswidrig links. Darauf ist es zurückzuführen, daß der Zusammenstoß erfolgte. Der Radfahrer erlitt einen schweren Schädelbruch und starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Der Fahrer des Personenkraftwagens hatte, ohne sich um den Verletzten zu kümmern, die Flucht ergriffen. Der Polizei gelang es jedoch in Kürze, ihn zu ermitteln. Nach anfänglichem Leugnen gestand er, den Radfahrer angefahren zu haben. Da er den Eindruck eines Angetrunkenen machte, wurde er zwecks Entnahme einer Blutprobe dem Krankenhaus zugeführt. Im Anschluß daran wurde er vorläufig festgenommen und dem Richter vorgeführt. Der Führerschein ist ihm entzogen worden. Der Dachhaken löste sich Dachdecker bei der Arbeit abgestürzt Der Dachdecker Berg in Niederlahnstein war auf dem Vorderhaus einer Gastwirtschaft mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Während der Arbeit gab plötzlich der Dachhaken nach und Berg stürzte mitsamt der Leiter von dem etwa 10 Meter hohen Dach auf die Straße ab. Außer einem Armbruch trug er schwere Verletzungen im Gesicht und am Kopf davon, so daß nach der ersten ärztlichen Hilfeleistung seine Ueberführung in das Krankenhaus notwendig wurde. Bei Brioude in der Auvergne wurde ein Kraftwagen auf einem Bahnübergang vom Zuge erfaßt. Von den fünf Insassen des Wagens kamen drei ums Leben. Am Steuer des Wagens saß eine ungelernte Fahrerin. Der Vau-Crama Fün jedon Zwuech wöhnliches, und daß die Erdkugel mit den vielen Ringen der Eisenbahnschienen ganz umschmiedet ist, erscheint uns kaum bemerkenswert. Die gewaltigen Hängebrücken, die sich über Ströme und Meeresbuchten schwingen und die man vor 50 Jahren als Wunderwerke anstaunte, sind für uns zu unbeachteten Alltäglichkeiten geworden. Daß man Schiffe nicht mehr aus Holz, sondern ganz aus Eisen macht, daß die Skelette unserer Häuser Eisen sind, daß man gar Mauersteine aus Eisen macht, daß überall Eisen ist, wohin wir blicken, ist uns so natürlich, als wäre es immer so gewesen. Daß ein Assyrerkönig vor zweittausendfünfhundert Jahren einen Eisenschatz bewahrte, der ihm köstlicher dünkte als alles Gold, erscheint uns unfaßbar. Wir können kaum glauben, daß der Held der griechischen Sage Achilles um einen Eisenklumpen von vierzig Pfund einen anderen Helden erschlug und dann aufjauchzte, weil er und seine Leute, Hirten und Pflüger, so viel Eisen hatten, daß sie fünf Jahre nicht zur Stadt zu gehen brauchten. Jede Pflugschar, jede Lanzenspitze aus Eisen war eine Kostbarkeit, und als Alexander der Große inmitten seiner bronzegewaffneten Krieger zum Zuge ins Morgenland aufbrach, trug er, der König, als einziger, einen Stahlhelm. Alle anderen hatten nur Helme aus Bronze. Was das Eisen einmal bedeutet hat, können wir vielleicht aus jener Zeile bei Homer ahnen, wo der Greis seinem Sohn, ehe der Schmaus der Krieger beginnt, den Befehl gibt, die Waffen von der Wand zu nehmen:„Denn Eisen zieht Männer an!“ Das Eisen zieht den Mann nicht nur an, weil man daraus die besten Waffen machen kann, sondern weil ihm eine geheimnisvolle Macht innewohnt. Alle unsere Bezeichnungen für Eisen und Erz gehen auf das Sanskritwort„Ayas“ zurück. Es heißt: das Leuchtende. Ayas hat sich gespalten in isen, eisarn, iron, järn, hierro, serrum und fer, das sind die Worte für Eisen, und in éren und ehern, was dasselbe bedeutet wie Ehre.“ Die Verteilung des Westmarkpreises 1936 Im Saarbrücker Stadttheater“ fand eine feierliche Kundgebung anläßlich der Verteilung des Westmarkpreises 1936 statt. Die Verkündung der drei diesjährigen Preisträger erfolgte durch Gaukulturwart Kurt Kölsch. Den Kurt Faber=Preis im Betrage von 2000 RM. erhielt der Tichter und Schriftsteller Albert Bauer, vor allem für seine beiden Romane„Das Feld unserer Ehre“ und„Folkert, der Schöffe“, in denen er besonders geschildert hat, welche starke Kraft in unverfälschtem Bauerntum steckt. Den Johann Stamitz=Preis in Höhe von 2000 RM. erhielt der saarländische Künstler Fritz Neumeyer, vor allem für seine musikalischen Verdienste um das Wiederaufleben„Alter Musik“ und namentlich auch für seine Werbearbeit, die er für die Saar betrieben hat. Den Albert Weißgerber=Preis erhielt der Maler Albert Haueiser. Der Gaukulturwart betonte, daß gerade in diesem Maler eine starke Kraft nationalen Schöpfertums stecke. Prosessor Dr. Franz Bender gestorben In Köln starb im Alter von 60 Jahren der bekannte Historiker Prof. Dr. Franz Bender, der sich namentlich als Geschichtsschreiber der Stadt Köln große Verdienste erworben hat. Bender wurde 1876 in Wissen an der Sieg geboren. Er studierte in Bonn Philologie, Geschichte und Erdkunde und promovierte über„Antikes Völkerrecht". Nachdem er sein Probejahr in Wipperfürth versehen hatte und seine Militärzeit als EinjährigFreiwilliger beim Infanterieregimnet 65 in Köln abgedient hatte, wurde er 1904 zum Oberlehrer am Gymnasium in der Kreuzgasse in Köln ernannt. An der Handelshochschule und später an der Universität hielt er Vorlesungen über Kölner Heimatkunde. 1916 wurde er zum Professor ernannt, 1918 zum Mitglied der Prüfungskommission für Einjährig=Freiwillige bei der Regierung und 1921 zum Mitglied der wissenschaftlichen Prüfungskommission der Universitäten KölnBonn für Geschichte. 1920 wurde ihm die Stelle als Direktor der stadtkölnischen Volksbücherei und Lesehallen übertragen. Ferner war er Vorsitzender der geschichtlich=geographischen Fachgruppe des Rheinischen Philologenvereins, Ortsgruppe Köln. Von der großen Zahl historischer Werke, die Professor Bender verfaßte, ist als bedeutendstes die„Geschichte der Stadt Köln“ zu nennen. Furtwängler nimmt seine Dirigententätigkeit an der Berliner Staatsoper wieder auf Wie uns von der Generalintendanz der Preußischen Staatstheater mitgeteilt wird, sind mit Staatsrat Dr. Furtwängler vertragliche Abmachungen getroffen worden, wonach Dr. Furtwängler seine Dirigententätigkeit an der Berliner Staatsoper gastweise wieder aufnehmen wird. Tonlichtspiele„Volkswohl“ „Schwarzer Jäger Johanna“, der TerraFilm nach dem gleichnamigen Roman von Georg von der Vring aus der„Berliner Illustrirten“ ist in Bonn bestens bekannt und zog auch Sonntag in der Mensa wieder ein großes Publikum an. Die Geschichte des mutigen Mädchens Johanna Luerssen, das wegen seiner aufrechten und mutigen Haltung in den Freiheitskämpfen gegen Napoleon in Soldatenuniform fliehen mußte, ist, wenn auch nicht historisch, so doch glaubwürdig geschildert. Marianne Hoppe ist eine gewandte Reiterin und spielt die vaterlandstreue Soldatin, die mehr als einmal ihr Leben für ihr Land aufs Spiel setzt, mit draufgängerischer jugendlicher Begeisterung. Gustav Gründgens ist wieder, wie auch im Napoleon=Film„100 Tage“, der unergründliche Intrigant, der jede Situation für sich auszunutzen versteht. Paul Hartmann spielt den Major Korfes, der das„schwarze Korps von Braunschweig“. befehligt, mit überlegener Ruhe. Besonders schön sind die Bilder der norddeutschen Landschaft, überzeugend getreu und lebendig die Schlachtenszenen.— Außerdem läuft der Kulturfilm„Ueber allen Wipfeln ist Ruh“ und das Lustspiel„Die lustigen Holzacker“, das mit seinen herrlichen Gebirgsbildern, den alten Volkstrachten und=Tänzen einen Einblick in die Kultur der Bewohner der Ramsau gibt. ba. Der Buchhandel in Sowjetrußland— 72 Millionen Verlust Der beim Rat der Volkskommissare und dem Zentralkomitee der Partei bestehende Kontrollausschuß beschäftigte sich mit den zahlreichen Unregelmäßigkeiten in den staatlichen Sowjetverlagen und auf dem Büchermarkt, wobei der Ausschuß, wie die Blätter berichten, zu ungeheuerlichen Feststellungen gelangte. Der Buchhandel in Stadt und Dorf gehe ohne jede Ordnung und völlig unkontrollierbar vor sich. Niemand interessiere sich dafür, was gelesen werde, und welche Bücher der Leser brauche. Dem Dorf würden Bücher vorgesetzt, die kein Mensch verstehe. Dazu seien in den letzten drei Jahren Bücher in einem Gesamtwert von drei Millionen Rubel verschleudert worden. Der größte Verlust erwachse dem Staat aber durch die Korruption und die gewissenlose Arbeit der Angestellten und der Verlagsleiter. Allein durch Diebstahl, Unterschlagungen, Herstellung von unbrauchbaren Büchern, die eingestampft werden müßten, und durch den Mangel an Papier seien dem Staat in den letzten drei Jahren verluste entstanden, die 72 Millionen Rubel ausmachten. Der Verband der staatlichen Verlage habe jedenfalls bisher seiner Aufgabe, den Sowjetleser mit Büchern zu versorgen, nicht gerecht werden können. Deshalb habe der Ausschuß beschlossen, die ganze Frage des Buchhandels in der Sowjetunion neu zu regeln. Zeitschrüftenschau Das Februarheft der Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leven,„Das Innere Reich“(Verlag Albert LangenGeorg Müller, München) wirbt zunächst um Verständnis für die zeitgenössische niederdeutsche Dichtung und macht uns dabei mit dem eigenwüchsig kraftvollen Dichter Moritz Jahn bekannt, der in der Ballade„De Fister un sien Fro“ diese bekannte Fabel in ostfriesischem Platt erzählt und dabei seldst dem Kenner der niederdeutschen Mundart manches Rätsel aufgibt, sodaß man die im Anhang beigegebenen Erläuterungen sehr begrüßt. Auch Hermann Claudius, unseren Lesern ja nicht unbekannt, ist mit einem Beitrag, nämlich dem Zyklus „Dütt Gen is not“ vertreten und endlich auch der durch seineu prächtigen Wassergeusen=Roman bekannt gewordene Martin Luserke mit einem stimmungsstarken Landschaftsbildnis. Aus dem weiteren Inhalt des wieder sehr vielseitigen Heftes soten noch genannt die Essays Willi Steinvorns über Luserke und keines Geringeren als Josef Nadlers über den viel zu früh dahingegangenen Deutschrussen Henry von Heiseler, sowie Karl Troebs' geschichtsphilosophische Studie über„Ranke und das Reich". Der Fastnachtszeit entrichtet Max Unold mit seiner Plauderei„Von Belanglosigkeiten, vom Nichtssagenden und vom Geschwätz oder Die Schaffnergeschichte" seinen zur Selbstbesinnung führenden Zolk 6 Westermanns Monatshefte dringen in der Fedruarnummer von Arnim Schönberg einen Bilderaussatz„Werktätige Hände malen“, einen brauchbaren Beitrag zum Verständnis des Verhältnisses zwischen Volk und Kunst. Marga Garnich stellt in ihrer Sammlung„Rosen und Vergißzmeinnicht" heitere Stilbiltten aus dem Poeste=Album zusammen. Z. B.„Und wenn die irdische Hülle zerbricht, so stammelt der Geist noch: Veralßmeinnicht".— Ueber den„Gesellschaftstanz auf neuen Wegen“ weiß Friedrich Herzseld viel Aufschlußreiches zu sagen. Er tritt für die neuerliche Pflege des Gemeinschaftstanzes ein. Außerdem enthält das Heft u. a. zahlreiche gute Kunstblätter und erzählertsche Weiträge. Seite 4. Nr. 18 427 Oeneral=Anzeiger für Vonn und Umgegend] Bonner Nachrichten 3. März 1930 Sonnet Nachtichten Miüt Gesang und„Auetschebüggel“ phot. Els. Wenn in schweren Alltagsplagen Uns kein Hoffnungsstern beglückt Und uns auf den Seelenmagen Alle Last der Erde drückt, O— dann rufen wir willkommen Jenen braven Männern zu, Die uns manchen Schmerz genommen, Fördernd unsre Seelenruh. Was sie von der Heimat singen, Von der Mutterlieb' und=treu, Muß uns ins Gemüte dringen, Rührt mit jedem Mal uns neu. Und das Mädchen, das am Rande Eines Teiches weinend saß, Jener, dem im fremden Lande Heimweh an der Seele fraß, Ach— und dann der arme Knabe, Dem sein Liebchen durchgebrannt, Und der drauf an seinem Grabe Klagend schon im Geiste stand— Und dann all die andern Lieder, O, wie machen sie uns froh! Liebste Sänger, kommet wieder, Kommt— und singet weiter so! Austritt von Beamten aus der NSDAP In einem Runderlaß gibt der Reichs= und Preußische Minister des Innern bekannt, daß künftig der Austritt eines Beamten aus der Partei durch den Stellvertreter des Führers der obersten Dienstbehörde des Beamten mitgeteilt werden wird. Ueber die Gründe, die zum Austritt führten, wird dann in jedem Falle eine eingehende Prüfung vorgenommen werden. Ist der Beamte ausgetreten, weil er das Programm oder die politische Haltung der Partei ablehnt, so wird er nicht Beamter bleiben können. Aber auch wenn dieses nicht der Fall sein sollte, kann der Austritt eines Beamten aus der Partei bei den engen Beziehungen zwischen Partei und Staat darauf schließen lassen, daß dem Beamten die innige Verbundenheit mit dem nationalsozialistischen Staat oder daß ihm jedenfalls der erforderliche Opfersinn fehlt. Er muß dann mindestens damit rechnen, daß er bei bevorzugten Beförderungen ausgeschlossen und bei normalen Beförderungen zurückgestellt werden wird. Die Eintopfgerichte am 8. März Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten= und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den 6. und letzten Eintopssonntag am 8. März 1936 folgende drei Eintopfgerichte für die Gaststätten vorgeschrieben sind: 1. Suppentopf mit Gemüseeinlage, 2. Fisch=Eintopfgericht nach freier Wahl, 3. Pichelsteiner Fleisch. Die Festlegung dieser Eintopfgerichte gilt nur für Gaststätten. Den Hausfrauen bleibt die Wahl der Eintopfgerichte selbst überlassen. Es hat sich hier und da die Auffassung herausgebildet, daß das Eintopfgericht in Gaststätten dem Gast nur einmal verabfolgt werden darf. Diese Ansicht beruht auf einem Irrtum. Der Eintopf soll nicht eine unzulängliche Mahlzeit sein, die den Hunger notdürftig oder nur zum Teil stillt. Der Sinn des Eintopftags ist vielmehr der, daß an einem Tage im Monat vom ganzen deutschen Volk ein im Eintopf einfach bereitetes Mahl gegessen und das dadurch ersparte Geld dem Winterhilfswerk zugeführt wird. Damit soll jeder Deutsche seine Verbundenheit mit den notleidenden Volksgenossen bekunden. In den Gaststätten kann daher an den Eintopfsonntagen dasselbe Gericht selbstverständlich auf Wunsch gegen entsprechende Bezahlung mehrfach gereicht werden. Vom Gesundheitspolizeiamt In der Woche vom 23. bis 29. Februar erkrankten an Scharlach 3 und an Diphtherie 2 Personen. Arbeitsschulung der Deutschen Arbeitsfront Mittwoch, 4. März, 20,15 Uhr Fachgruppe Volkspflegerinnen: Vortrag Schw. E. Schmitz: Die Neuordnung des Gesundheitswesens. Donnerstag, 5 März, 20,15 Uhr, Fachgruppe Organisation Berufsgruppe Kaufleute: Lichtbildervortrag, Organisator Quiel, Düsseldorf:„Das Lochkartensystem". Freitag, 6. März, 20,15 Uhr, Fachgruppe Baugewerbe: Lichtbildervortrag Dr. Heim, Linz=Natursteine, ihre Gewinnung und Verwendung. Alle Vorträge finden Poppelsdorfer Allee.29 statt. * Volksbildungsstätte Heute, Dienstagabend 20 Uhr, findet im Hörsaal 4 der Universität(Eingang Hofgarten) der erste Vortrag der Volksbildungsstätte Bonn statt. Pg. Berchem wird einen Vortrag halten„Der Schicksalsweg des deutschen Volkes“. * Noch eine KoF=Fahrt zum Wintersport Für die Skibegeisterten, die bisher noch wenig Gelegenheit hatten, Winterfreude zu erleben, ist von den westdeutschen Sportämtern der NS=Gemeinschaft Kraft durch Freude eine Sonderfahrt in die schneesicheren Skiorte Nesselwang und Pfronten eingelegt worden, wo außerordetnlich gute Wintersportmöglichkeiten vorhanden sind. Erstklassige Lehrkräfte sorgen für interessanten Uebungsstoff. Der Ski=Lehrgang dauert vom 7. bis 19. März und kostet einschließlich Fahrt, bester Verpflegung und Unterkunft 63.60 Mark. Anmeldungen nehmen die DAF= und KdF=Dienststellen entgegen. Abfahrt Samstag. 7. März, abends. Drei Memeidsantiagen vor dem Bonner Schwargericht Zuchthausstrafen für zwei Frauen wegen Meineid und Beihilfe zum Meineid— Drei Jahre Zuchthaus für den Hauptangeklagten (1. Tagdes Schwurgerichts) Unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Baumann nahm gestern vormittag die erste Schwurgerichtsperiode dieses Jahres ihren Anfang. Angeklagt war die 62jährige Ehefrau Katharina aus M. wegen Meineides, der 37jährige Jakob wegen Verleitung der erstgenannten Angeklagten zum Meineid und endlich die Tochter von Frau Katharina, Frau Barbara aus ., weil sie ihrer Mutter bei deren Meineid mit Rat und Tat Hilfe geleistet haben sollte. Während die beiden Frauen in der gestrigen Hauptverhandlung reuig und geständig waren, bestritt Jakob, der bereits wegen Beleidigung und Bedrohung, schweren Hausfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung sowie Mißhandlung vorbestraft ist und sich seit 7. August des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft befindet, die Frau zum Meineid verleitet zu haben. Jakob war im Juli des vergangenen Jahres unter Anklage gestellt worden, weil er in der Nacht vom Pfingstsonntag zum Pfingstmontag in Spich einen Kriegsinvaliden mit einem feststehenden Messer niedergeschlagen und dann noch durch Fußtritte mißhandelt haben sollte. Da er bereits wegen Roheitsvergehens vorbestraft war und eine mindestens zweimonatliche Gefängnisstrafe zu erwarten gehabt hätte, suchte er nun nach„Zeugen“, die bekunden sollten, daß nicht er den Invaliden angegriffen habe, sondern daß er von diesem angegriffen worden sei. Da fiel ihm Frau Barbara, bei der er seine schmutzige Wäsche waschen ließ, und deren Mutter ein, und er setzte der alten Frau solange zu, bis diese sich trotz anfänglichen Sträubens bereit erklärte, vor Gericht nach Anweisung Jakobs auszusagen. Da die Greisin mit der Oertlichkeit der Kirmesschlägerei vertraut gemacht werden mußte, man sich aber scheute, mit ihr gemeinsam dorthin zu gehen, da der Weg an der Wohnung des Verletzten vorbeiführte, nahm Jakob zunächst die Tochter an den Tatort mit und diese unterrichtete am Sonntag darauf nach dem Kirchgang ihre Mutter. Nun war alles soweit vorbereitet, daß die alte Frau zum Termin in Siegburg erscheinen konnte. Dort bekundete sie, daß sie an dem betreffenden Abend von Köln gekommen sei, in Spich auf ihren Schwiegersohn gewartet, ihn aber verpaßt habe; sie habe dann noch eine Tasse Kaffee getrunken und sei darauf nach Hause gegangen. Dabei habe sie die Schlägerei beobachtet und gesehen, daß Jakob von dem Invaliden angegriffen und bedroht worden sei. Der angreifende Invalide sei betrunken gewesen und zur Erde gefallen, wobei er sich die Verletzung zugezogen habe. Diese Aussage der alten Frau Ab ersten Aprn Holel=Gatscheine Eine Neuerung im deutschen Reiseverkehr— Wie wird der Hotelgutschein gebraucht? Wir wir kürzlich berichteten, fanden in Berlin Besprechungen der Fachkreise über die Einführung von Hotelgutscheinen statt. Die Besprechungen haben zu folgendem Ergebnis goführt: Ab 1. April werden wir in Deutschland Hotelgutscheine haben. Bereits vor zwanzig Jahren hatte man einen Versuch mit Hotelgutscheinen unternommen. Da aber damals nicht alle Hotels und Pensionen den Hotelgutschein in Zahlung nahmen, blieb es bei dem Versuch. Heute ist das einfacher. Der Hotelgutschein ist durch die Fachgruppe Beherberungswesen in der Wirtschaftsgruppe Gaststätten und Beherbergungswesen eingeführt. Dadurch ist die Sicherheit gegeben, daß er in allen Gaststätten und Pensionen innerhalb des deutschen Reiches angenommen wird. Träger des Hotelgutscheins ist das ME.=Reisebüro. Man hat daher für den Gutschein den Namen„MER=Hotelgutschein“ gewählt. Für den Reisenden liegt der erste Vorteil des Gutscheins darin, daß nicht der volle Tages=Einzelpreis zu zahlen ist, sondern daß eine Pauschalierung eintritt. Der zweite Vorteil ist der, daß der Gutschein dem Reisenden schon vor der Reise genau sagt, wie hoch sich die Kosten seiner Reise belaufen werden. Sehr wesentlich ist, daß der Gutschein volle Freizügigkeit in der Wahl des Aufenthaltsortes, des Beherbergungsbetriebes und der Aufenthaltsdauer gestattet. Die deutschen Hotels und Pensionen sind für den Hotelgutschein in sieben Preisklassen eingeteilt, und zwar von fünf bis vierzehn Mark. Der MerHotelgutschein wird als Stammgutschein mit fünf Mark für die Preisgruppe 1 herausgegeben. Die Mindestabnahme beträgt fünf Stück. Der Gutschein ist sechzig Tage gültig. Er berechtigt zu einer Abendmahlzeit(ab Preisgruppe 4 mit großem Menü), einer Uebernachtung(Beleuchtung, Heizung, Schuhputzen Veallte ZAHNCREMT große Tube 40 Pfennig miteingerechnet) und erstem Frühstück. Weiter ist durch den Hotelgutschein das Bedienungsgeld abgelöst. In Bädern und Kurorten ist auch die Kurtaxe für zwei Tage eingerechnet. Zu dem Stammgutschein kann man Zusatzgutscheine zu je.50 Mark erwerben und zwar je Preisgruppe einen Gutschein. Der Zusatzgutschein dient als Zusatzzahlung für Betriebe in der höheren Preisgruppe. Selbstverständlich dient der Zusatzschein auch zur Begleichung zusätzlicher Leistungen in dem Hotel der gleichen Preisgruppe. Jedem Reisenden, der Mer=Hotelgutscheine erwirbt, wird ein Verzeichnis der Beherbergungsbetriebe gegeben, in dem alle Hotels und Fremdenheime nach Preisgruppen eingeteilt sind. In der Hauptreisezeit und bei Ueberfüllung an einzelnen Orten wird es sich wie bisher auch empfehlen, sein Zimmer vorauszubestellen. Es ist natürlich erwünscht, daß die Unternehmen eine Zusage erteilen. In normalen Zeiten sorgt das Vertragshotel oder das Fremdenheim bei eigener Vollbesetzung für entsprechende Unterkunft in einem gleichwertigen Hotel. Die Mer=Hotelgutscheine sind in allen Mer=Reisebüros des In= und Auslandes erhältlich. Das Beherbergungswesen hat mit ihrer Einführung eine neue Erleichterung für den gesamten Reiseverkehr geschaffen, die sicher während der Sommerreisezeit sich günstig abswirken wird, weil jetzt jeder bereits im Voraus die Kosten seiner Reise bis ins Kleinste berechnen kann und vor unliebsamen Ueberraschungen geschützt ist. Neben dem Hotelgutschein bleibt der Pauschalaufenthalt bestehen. Diese Form wird sehr gern für den Wintersport oder im Sommer für einen längeren Aufenthalt an der See oder in einer Sommerfrische gewählt. Man ist aber dabei stets an den Aufenthaltsort gebunden, während der neue Mer=Hotelgutschein freizügig ist. Eine dritte sehr beliebte Form der Reiseerleichterung sind die Pauschalkuren, die vor allem von Kranken und Erholungsbedürftigen in Anspruch genommen werden. Diese erstrecken sich gewöhnlich auf drei bis vier Wochen. trug wesentlich dazu bei, daß Jakob mit der gelinden Strafe von drei Wochen Gefängnis davonkam. Die beiden Frauen gaben auch zu, daß sich die ganze Angelegenheit so abgespielt habe, der Angeklagte behauptete aber, er habe der alten Frau von der Schlägerei erzählt und da habe diese von sich aus gesagt:„Du jecke Tünnes, weshalb gibs de mich nich als Zeuge an!“ Das habe er dann natürlich auch getan, da er angenommen habe, die Frau habe tatsächlich den Vorgang beobachtet. Diese Ausrede half Jakob aber nichts, denn die Hauptverhandlung hatte den wahren Tatbestand einwandfrei ergeben. Der Staatsanwalt beantragte gegen die beiden Frauen die geringst zulässige Zuchthausstrafe von 1 Jahr, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren und der Fähigkeit vor Gericht als Zeuge vernommen werden zu können. Mit scharfen Worten geiselte er das Verhalten Jakobs, durch den die beiden bisher unbestraften Frauen zum Verbrechen des Meineids verleitet worden seien. Wegen der Rücksichtslosigkeit, mit der er die Unerfahrenheit der Frauen ausgenutzt hatte, beantragte der Vertreter der Anklage für ihn 3 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und dauernde Aberkennung der Fähigkeit vor Gericht als Zeuge vernommen werden zu können. Das Urteil lautete antragsgemäß, nur wurde den Frauen die Aussagefähigkeit vor Gericht nicht aberkannt. Jakob wird außerdem noch lebenslänglich unter Polizeiaufsicht gestellt. Worte zum Nachdenken: Es rechnet nie der kluge Mann Als Schande sich die Armut an. (Altgotisches Sprichwort 1184—1286.) heute: Horst=Wessel=Gedenkseier der 62 Um 20,30 Uhr in der Beethovenhalle Heute abend gedenkt in einer Feierstunde die Bonner SA ihres leuchtenden Vorbildes, des Sturmführers Horst Wessel. Zur Aufführung gelangt ein chorisches Werk, das von getragener Musik umrahmt ist. Sämtliche Mitwirkende gehören der SA an. Veranstalter sind die beiden Bonner SA=Standarten 160 und R 160. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, jeder Volksgenosse ist willkommen. Gefallenengedenkseier in der Beethovenhalle Die von der Nationalsozialistischen Deutschen ArbeiterPartei und der Ortsgruppe Bonn des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. veranstaltete Gedenkfeier für unsere Gefallenen findet am Sonntag, 8. März, vormittags 11 Uhr in der Beethovenhalle statt. Die Festfolge wird noch bekannt gegeben. Handtaschenräuber festgenommen Am Sonntagabend gegen 23 Uhr wurde einer Frau auf dem Kreuzbergweg die Handtasche entrissen. Vorübergehende, die den Räuber sofort verfolgten, konnten ihn auf der Meckenheimer Straße stellen und der Polizei übergeben. Wem gehört das Fahrrad? Sichergestellt wurde ein Damenfahrrad. Die Eigentümerin kann sich im Rathaus, Markt, Zimmer 113, melden. Rücksichtsloser Radfahrer Gestern abend wurde am Neutor eine Frau von einem Radfahrer angefahren. Der Radfahrer fuhr davon, ohne sich um die Verunglückte zu kümmern. Straßenpassanten leisteten der Frau, die bei dem Unfall ein Bein gebrochen hatte, die erste Hilfe. Sturz durch eine Obstschale Als gestern morgen ein Mann einen Sack Kohlen die Treppe, die von der Sternstraße zum Florentiusgraben hinabführt, hinuntertrug, rutschte er über eine achtlos weggeworfene Obstschale aus und stürzte die Treppe hinunter. Der Mann erlitt bei dem Fall Verletzungen am Arm. Eine heftige Prügelei Gestern nachmittag gerieten auf der Oppenhoffstraße, Ecke Heerstraße, zwei Burschen in Streit und verprügelten sich so heftig, daß einer von einem Passanten zum nächsten Arzt gebracht wurde. Herzlichen Glückwunsch! Geschäftsjubiläum Sein 50jähriges Geschäftsjubiläum begeht heute Bäckermeister Jos. Nettersheim, Bonn, Bonngasse Nr. 42. Gleichzeitig ist er 60 Jahre im Bäckerberuf tätig und Mitgründer der Bonner Bäcker=Innung, die im Herbst ihr 50jähriges Bestehen feiert. Die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk bestand vor der Prüfungskommission der Kölner Handwerkskammer Herr Josef Drodten, Bonn, Belderberg 11, mit der Gesamtnote„gut“. Auf dem Arberfahrungsbad un der Keuterstraße Der Fertigstellung entgegen— So werden künftig die Kraftfahrer ins Stadtgebiet einfahren Während der Unterführungsbau an der Meckenheimer= straße noch im Stadium des Baubeginns steht, geht der Bau der Ueberführung an der Reuterstraße nun seiner Fertigstellung entgegen. Die großen Erdmassen, die zur Aufschüttung der An= und Abfahrrampen notwendig waren, wurden bereits herangeschafft und auf beiden Seiten mit großen Mauern aus schweren Sandsteinblöcken eingefaßt. Auch die große Betondecke, die die Eisenbahngleise an dieser Stelle überbrückt, wurde schon hergestellt, in Tagesund Nachtarbeit wurde sie aus einem Stück gegossen, nun hängt sie, von starken Eisenklammern gehalten, in der Holzverschalung. Oben: Große Erdmassen wurden für die Ueberführungsrampe angeschüttet, die von der Reuterstraße auf die Ueberführungsbrücke hinaufführt. Rechts: Blick von der Ueberführungsbrücke in die Reuterstraße; so werden künftig die Kraftfahrer die Stadt vor sich liegen sehen. phot. Engelbertz 2. Hoheitszeichen an der 94F-Mütze Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert Ley, hat folgende Anordnung erlassen: Der Stellvertreter des Führers hat den DAF=Waltern und KdF=Warten in Anerkennung ihrer Verdienste das Recht zum Tragen des Hoheitszeichens der NSDAP an der DAF=Mütze verliehen. Zu dieser Anordnung sind, wie das Presseamt der Deutschen Arbeitsfront mitteilt, folgende Ausführungsbestimmungen ergangen: Das Hoheitszeichen darf nur von den DAF=Waltern und KdF=Warten an der DAFMütze getragen werden, die sich im Besitze eines vorschriftsmäßigen Personalausweises befinden. Das silberne Hoheitszeichen(Flügelspannweite 49 mm, Höhe 33 mm) wird in der Mitte des oberen Mützenteils getragen. Die Anbringung sonstiger Abzeichen und Kokarden, insbesondere am unteren Mützenteil(Kopfband mit schwarzer Eichenlaubverzierung) ist untersagt. Die DAF=Mütze wird seitens der DAF=Walter und KdF=Warte ohne Ausnahme mit Lacklederriemen getragen. Das Hoheitszeichen ist von der Reichszeugmeisterei bzw. deren zugelassenen Verkaufsstellen zu beziehen. In Abänderung der Anordnung des Reichsorganisationsleiters Nr. 2/35 vom 19. Januar 1935 wird zur RSBO=Uniform die DAF=Mütze mit Hoheitszeichen, wie vorstehend ausgeführt, getragen. 3. März 1936 General=Anzeiger für Bonn und Umgegend] Bonner Nachrichten Nr. 15 427. Seite 5 Bonner Nachrichten Es hat geklingelt Wer heute ein Haus oder eine Wohnung betreten will, klingelt. So bequem hat es uns die Technik gemacht: wir brauchen nur auf den Knopf zu drücken, und schon ist unser Warten vor der Tür drinnen angezeigt. Seit 1870 haben wir durch die elektrische Klingel diese Annehmlichkeit. Eine Vorstufe dieser Neuerung war die Druckluftklingel, die im Jahre 1860 ersunden ist. Bis dahin gab es, dreieinhalb Jahrhunderte hindurch, den Klingelzug. Auch heute ist er noch nicht ganz ausgestorben, wenn man ihn auch an neuen Häusern nicht kennt. Mehr als vier Jahrhunderte wurde so an der Haustür geklingelt. Ob durch den Klingelzug oder die elektrische Klingel: mehr als vier Jahrhunderte hindurch haben Menschen daheim im Zimmer einander„Es hat geklingelt“ gesagt, wenn der Ruf der Glocke ertönte. Vorher war selbst der bescheidene Klingelzug nicht bekannt. Auch die einfachsten Dinge müssen erfunden werden. Auch das kleinste Ding braucht seine Zeit. Es muß darum damals etwas Besonderes gewesen sein, als ein„moderner“ Bürger sich in seinem Hause zum erstenmal den Klingelzug geleistet hat. Vielleicht war die Neuerung damals aufsehenerregender als später die Umwandlung des Klingelzuges zur elektrischen Klingel. Denn vor der Einführung des Klingelzuges machte der Besucher sich in ganz anderer Weise bemerkbar. Da hat er den Türklopfer benutzt. Wir kennen ihn alle und wissen, wie er dem künstlerischen Gestaltungsbedürfnis des handwerklich schaffenden Menschen Gelegenheit zu schöpferischem Werke gewesen ist. Gerade in jener Zeit, da das künstlerische Handwerk besonders blühte, gab es ja den Türklopfer. Er wurde im Jahre 1150 erfunden, und fast 400 Jahre hat es gedauert, bis seiner Poesie durch den Klingelzug allmählich ein Ende bereitet worden ist. Und doch ist der Charakter des Türklopfers bis heute geblieben. Bis heute blieb das Bedürfnis nach dem Persönlichen, wenn jemand seine Ankunft bemerkbar machen will. Da war das Klopfen einst so verschieden. Laut und schwach war es, und seine Melodie klang anders, je nachdem, wer den Türklopfer gegen die Tür schlug. Man hörte am Klopfen, wer da war. Der Mechanismus der elektrischen Klingel ließ dieses Persönliche etwas verblassen, aber durch die Art des Klingelns, die Zahl der Klingelrufe und die Dauer der einzelnen Klingeltöne machen wir uns bekannt. Es ist nicht nur die Anzeige, daß jemand aus der Familie draußen ist, wenn das bekannte Klingelzeichen ertönt. Es ist auch unser Zeichen. Es ist zugleich unsere Eigenart, die da zum Ausdruck kommen will. Es ist das Bedürfnis, selbst gegenüber dem Mechanischen der Technik das Persönliche zu wahren. Wie es die Menschen, an der Tür wartend, machten durch viele Jahrhunderte. Gäste, die Vonn gerne sieht Bonner Fremdenwerbung in Berlin— Die Welt soll sehen, was die Beethovenstadt bietet Im vorigen Jahr weilten annähernd 50 000 Fremde in Bonn, vom Ausland kamen 6000 Reisende in die Beethovenstadt. In diesem Jahr wird der Bonner Fremdenverkehr, wenn der Sommer die Menschen ins Rheinland lockt, sicherlich noch zunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden zahlreiche Vorbereitungen getroffen. Dabei fehlt es nicht an zielsicheren Werbemaßnahmen der zuständigen Bonner Stellen. Das Olympiajahr wird einen großen Fremdenstrom nach Deutschland bringen. Der rheinische Verkehrsverband, in dem die verschiedenen rheinischen Städte zusammengeschlossen sind, tut das Notwendige, um den ausländischen Sportlern nahezulegen, von Berlin aus das Rheinland zu besuchen. Im Berliner Olympiadorf befindet sich auch ein Haus, in dem Bonn gezeigt wird im Schmucke seiner landschaftlichen Umgebung und der Sehenswürdigkeit der Universitäts= und Beethovenstadt. Die Fremdenwerbung im Ausland anläßlich der Olympiade wird einheitlich durch die verschiedenen Verkehrsverbände geleitet. Damit wird eine sinngemäße Werbung gesichert und verhindert, daß der Ausländer von hunderten einzelstädtischen Werbetrommeln in Verwirrung gebracht wird. Wenn jede Stadt einzeln für sich werben würde, so würde damit niemandem gedient. Zeitschriften und Prospekte sind in den verschiedenen Sprachen von den Verkehrsverbänden herausgegeben worden. Der Reichsfremdenverkehrsverein hat gemeinsam mit den Landes= und Städtischen Verkehrsämtern ein reichbebildertes Deutschland=Heft in allen Ländern verbreitet, in dem die Stadt Bonn würdig vertreten ist. Die Welt ersieht daraus, was unsere Stadt und unser mittelrheinisches Heimatgebiet an Sehenswürdigkeiten und Schönheiten zu bieten hat. Bonn hat in den letzten Jahren eine große Anzahl wichtiger Tagungen beherbergt. Auch in diesem Jahre werden mehrere große Verbände ihre Beratungen in unserer Stadt abhalten. So wird u. a. voraussichtlich der Reichsverband deutscher Adreßbuchverleger in Bonn tagen. Das diesjährige Reichstreffen=der deutschen Radfahrer wird ebensalls in Bonn stattfinden. Die radfahrenden Sportler aus ganz Deutschland werden sich dabei von den guten Straßenverhältnissen im Rheinland überzeugen können. Wie bisher werden auch zahlreiche Urlauberfahrten der „NS Kraft durch Freude" nach Bonn vorbereitet. Solche Fahrten bringen viele hunderte Reisende für einige Tage in unsere Stadt. Aber die für den Fremdenverkehr zuständigen Stellen haben durchaus den falschen Ehrgeiz, unter allen Umständen eine Rekordziffer von Fremdenbesuchen zu erreichen. Es kommt nicht darauf an, am Jahresende mit einer ungeheuer großen Zahl von Fremdenbesuchen auswarten zu können. Dem Bonner Wirtschaftsleben ist viel mehr gedient mit einer stattlichen Zahl von Besuchern, die längere Zeit in Bonn verweilen. Wer nur für wenige Stunden auf einer Durchfahrt nach Bonn kommt, ist gewiß einer zuvorkommenden und gastlichen Aufnahme sicher. Aber zwanzig Reisende, die eine Woche in Bonn bleiben, sind uns lieber als hundert, die nur einige Stunden hier bleiben. Vom Bonner Verkehrsamt wird die Betreuung größerer Gesellschaften gewissenhaft durchgeführt. Aber auch der einzelne ausländische und auswärtige Reisende findet mit seinen Fragen und Wünschen hier jederzeit ein williges Ohr. Und da der gut bediente und zufriedene Reisende nach seiner Rückkehr im Freundeskreis von seinen Erfahrungen ausgiebig plaudern wird, ist damit eine wirksame Werbung von Mund zu Mund in der Fremde für unsere Stadt gesichert. Gute Werbung arbeitet auf lange Sicht und benötigt nicht immer der lautesten Mittel. Auch beim Bonner Verkehrsamt huldigt man diesem Grundsatz, man ist bisher damit keineswegs schlecht gefahren. Ausruf an die ehemaligen Mitglieder der früheren Angestelltenverbände Die Mitglieder der ehemaligen Angestelltenverbände (DHV, VWA, Werkmeister=Verband, Techniker=Verband etc.) werden aufgefordert, ihre alten Mitgliedsausweise zwecks Ausstellung eines neuen Mitgliedsbuches ihrer zuständigen DAF=Ortswaltung umgehend abzugeben, da in Kürze diese Mitgliedsunterlagen für ungültig erklärt werden, sie somit nicht mehr im Besitz eines rechtsgültigen Ausweises sind und die in den früheren Verbänden erworbenen Anwartschaften verlieren. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß zur ordnungsgemäßen Umschreibung sämtliche Unterlagen, die als Ausweis über frühere Mitgliedschaft dienten, einzureichen sind. Deutscher Reichskriegerbund(Kyshäuser) Bonn=Stadt . In den Führerstellen von vier Kameradschaften sind Aenderungen eingetreten, und zwar bei der Kameradschaft sämtlicher Waffengattungen(Schröder), Kameradschaft ehem. 69er(Böckert), ehem. Kavalleristen (Strull) und ehem. 25er(Talchan). Gleichzeitig mit diesen Ernennungen wurde den ausscheidenden Kameradschaftsführern der Dank für ihre Tätigkeit im Dienste der Bundessache ausgesprochen.— Es sind neue Mitgliedsbücher mit den Bundessatzungen ausgegeben worden.— Ueber die Unterstützungstätigkeit des Bundes ist zu berichten, daß in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres an die Kameradschaften des Kreisverbandes Bonn 710 Mark Unterstützungen aus Bundesmitteln gezahlt wurden. In demselben Zeitabschnitt erhielten sämtliche Verbände des Kyffhäuserbundes einschließlich der Zahlungen an Altveteranen und Ehefrauen 568 221,50 Mk. für notleidende Kameraden und Ehefrauen ausgezahlt— ein schönes Zeichen der Hilfsbereitschaft und Verbundenheit. Vom„Schüntelmänn“ zum Mann Verkauf von Orden, Ehrenzeichen, Ordensbändern In den Ausführungsbestimmungen zum Ordensgesetz vom 14. November 1935 ist u. a. ausgeführt, daß Orden, Ehrenzeichen und Ordensbänder nur von solchen Verkaufsstellen vertrieben werden dürfen, die von dem Reichswirtschaftsminister oder den von ihm bezeichneten Stellen zugelassen sind und daß das Nähere der Reichswirtschaftsminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern bestimmt. Diese Bestimmungen sollen verhindern, daß künftig Orden, Ehrenzeichen und Ordensbänder von Einzelhandelsgeschäften zusammen mit Waren und in einer Umgebung vertrieben werden, die mit der für einen solchen Vertrieb erforderlichen Würde nicht in Einklang gebracht werden können. Der Vertrieb von Orden, Ehrenzeichen und Ordensbändern wird daher nur in den Verkaufsstellen zugelassen, in denen er nach Art des Betriebes und nach Art der übrigen feilgehaltenen Waren üblich und mit der Würde der Orden, Ehrenzeichen und Ordensbänder vereinbar ist. Die erste Voraussetzung ist hiernach, daß der Vertrieb in den betreffenden Verkaufsstellen üblich ist. Dadurch wird der Vertrieb in Warenhäusern, Einheitspreisgeschäften, Serienpreisgeschäften oder anderen durch die besondere Art der Preisstellung gekennzeichneten Geschäften ausgeschlossen. Dies gilt auch für den Vertrieb in solchen Einzelhandelsgeschäften, in denen die übrigen feilgehaltenen Waren sich mit dem Vertrieb von Orden, Ehrenzeichen und Ordensbändern nicht vereinbaren. Eine weitere Voraussetzung ist, daß der Vertrieb mit der Würde der Orden, Ehrenzeichen und Ordensbänder in Einklang steht. Es kommen unter diesen Voraussetzungen insbesondere in Betracht: Verkaufsstellen für Militäreffekten und Uniformen, für Vereinsgegenstände, für Ehren= und Sportpreise, für Schmuck und Schmuckgegenstände(Juweliere und ähnliche). Diese Aufzählung von Geschäftsarten ist nicht erschöpfend; sie bringt nur Beispiele grundsätzlicher Art. Die Ausführungsanordnung bestimmt weiter, daß nur solche Verkaufsstellen zuzulassen sind, deren Inaber eder verantwortliche Leiter Reichsbürger sind. Für den Vertrieb ausländischer Orden können Ausländer zugelassen werden; die Zulassungen bedürfen der Zustimmung des Reichswirtschaftsministers. Der Reichswirtschaftsminister hat die Zulassung zum Vertrieb von Orden, Ehrenzeichen und Ordensbändern übertragen und zwar für Preußen den Regierungspräsidenten, für Berlin dem Polizeipräsidenten in Berlin, für die übrigen Länder den Landeszentralbehörden. An diese Stellen sind also die Anträge zu richten. Vonner Universitätsnachrichten Professor D. Mensching, der vor kurzem als Nachfolger des emeritierten Professors Mulert vertretungsweise nach Kiel berufen worden war, ist jetzt mit der Wahrnehmung der Aufgaben der vergleichenden Religionswissenschaft in der philosophischen Fakultät der Universität Bonn beauftragt worden. Beim Herrn denkt man an steifen Kragen, An„Schäntelmänn“ und Kavalier, An Bügelsalte und Betragen Und etwas auch an„hohes Tier“. Beim„Kerl“ da sieht man Muskeln schwellen, Da steht vor einem„dicke Luft“, Man hört'ne heis're Stimme bellen, Ein echter Kerl steckt nur in„Klust“. Das Mannsbild ist voll Energien, Ein Abenteuer lockt es sehr, Es hat der Frauen Sympathien, Sein Anzug ist kompakt und schwer. Ein Männchen ist von scheuer Sorte, S' ist nur so viel wie Hampelmann, Ist äußerst süßlich, fremd dem Sporte Und zieht sich wie ein Mädchen an. Und nun der Mann, die beste Stufe. Er steht mit gradem Rücken da, Und auch in allerbestem Rufe Als Gatte, Vater, Opapa. Er schafft und wagt, ist fast bescheiden. Hat Sorgen, kämpft, ihn sicht nichts an, Er ist nicht immer zu beneiden, Ist brauchbar, weil er etwas kann. Er pflegt sich nicht zu übertrieben. Er prahlt nicht mit dem Muskelspiel, Nie wird er Abenteuer lieben, Doch gilt die reine Bahn ihm viel. Er schützt die Schwachen, hilft den Guten Und schafft vom Morgen bis zur Nacht, Gönnt selbst sich wenige Minuten Und tut die Arbeit mit Bedacht. Es gibt viel männliche Geschöpfe, Doch sucht man eines, das was kann, Braucht man Berater. Kämpfer, Köpfe, Dann ruft man immer nach dem Mann. Die„Honigsmöhne“ sammelten fürs WHW Bei der Weibersastnachtsveranstaltung der Honigsmöhne" im Drei=Kaisersaal wurden für das W5W 60 Mark gesammelt. Ein altes Bonner Verkehrsproblem: Stockentor-Koblenzerstraße Die neue Fahrstraße durch den Hofgarten— Verkehrsenklastung des Koblenzertors Die Koblenzer Straße ist vom Kraftfahrer trotz ihrer Schönheit und Breite immer etwas kritisch angesehen worden. So schön der Asphalt in der Sonne glänzte, so tückisch war er bei Regen. Namentlich die Strecke von der Neuterstraße zur Stadtmitte erfreute sich in Kreisen der Kraftfahrer von nah und fern einer gewissen„Berühmtheit". Inzwischen ist die Straßendecke einer gründlichen Bearbeitung unterzogen worden, damit hat die Koblenzer Straße viel von ihren Tücken verloren. Aber der„Engpaß“ am Koblenzer Tor ist immer noch ein Problem von besonderer Bedeutung. So schön der Anblick des historisch bemerkenswerten Koblenzer Tores auch ist— der Fahrer kann allenfalls einen flüchtigen Blick darauf werfen, dann aber muß er alle Sinne schärfen, denn Straßenbahn, Verkehr von der Stockenstraße, Fußgänger vom Hofgarten zum Alten Zoll und zurück und Fahrzeuge, die vom Belderberg kommen, sind Anlaß genug; vorsichtig zu fahren. Das Gehupe am Koblenzer Tor setzt infolgedessen auch kaum aus und unter der Torwölbung klingt das Echo verdreifacht zu den Anwohnern der Straßen auf. Viel ist über diesen Verkehrslärm gestöhnt worden! Bald wird es besser! Man kann das Koblenzer Tor nicht erbreitern; alle Erörterungen darüber mußten bekanntlich wieder eingestellt werden. Es wäre ja auch bedauerlich, wenn dieses einzigartige historische Bauwerk dem Verkehr zum Opfer fallen sollte. Stattdessen ergab sich die Möglichkeit, einen Teil des Verkehrsstromes, der bisher durch das enge Koblenzer Tor ging, abzufangen und umzuleiten; nämlich durch das Stockentor. Inzwischen ist der breite Fufgängerweg vom Stockentor zur Koblenzer Straße quer durch den Hofgarten am Simrock= Denkmal vorbei, schon aufgebrochen worden; eine neue Fahrstraße wird hier angelegt, damit werden die hemmenden Barrieren für den Durchgangsverkehr vom Stockentor bis zur Koblenzer Straße(Königshof) in Wegfall kommen. Der Verkehr vom Markt soll künftig durch das Stockentor, das voraussichtlich erbreitert wird, geleitet werden, so daß die Einfahrt ins Koblenzer Tor von der Ecke Belderberg=Stockenstraße aus eine starke Verkehrsentlastung erfährt. Damit ist der Verkehrssicherheit ebenso gedient wie den hupbedrohten Nerven der Anwohner am Koblenzer Tor. Allerdings wird der Hofgarten etwas von seiner parkähnlichen Ruhe und Stille verlieren. Bei den Sonntagmorgenkonzerten im Hofgarten war der Fußweg zwischen Simrock=Denkmal und Koblenzer Straße oft von Spaziergängern dicht bevölkert und werktags tummelten sich die Kinder hier. Aber der mehr zum Kaiserplatz hingelegene Teil des Hofgartens kann für diesen Verlust reichlich entschädigen. Jedenfalls wird mit der neuen Fahrstraße zwischen Stockentor und Koblenzer Straße einem alten Verkehrsübel abgeholfen, dafür wissen vor allem die Kraftfahrer den zuständigen Stellen Dank und Anerkennung. Flotter Verkauf aus dem Vonner Frühgroßmarkt Amtlicher Bonner Marktbericht vom 3. März Der Frühgroßmarkt war reich beschickt. Die kleinen Bauern aus der Umgegend brachten in großen Mengen Spinat, Wirsing, Rosenkohl, Feldsalat, Schwarzwurzeln u. a. Auch der Großhandel hatte seine Verkaufsstände mit Kohlgemüse und Obst gut gefüllt. Der Verkauf vollzog sich flott und zu festen Preisen. Eine Ausnahme machte lediglich Feldsalat, der langsamer abging. Gezahlt wurden im Großhandel(in Pfennig für 1 Pfund und für rheinische Ware, wenn nichts anderes vermerkt): Speisekartoffeln gelbe.—; Wirsing 12—18, Weißkohl 8. Rotkohl 10—11, Blumenkohl ausl. 20—40, Krauskohl 10—12, Rosenkohl 25, Chikorie 22—25, Knoblauch 50—70, Möhren—5, Karotten—6, Rettich weiß und schwarz—10, Meerrettich 15—20 Pfg,. das Stück, weiße Rüben—6, Schwarzwurzeln Gebund 12—18, ausl. 22—25, Spinat—6, Sellerie—18, Breitlauch —8, Kopfsalat ausl. 20—22, Endivien ausl.—20 Pfg. das Stück, Feldsalat 28—40, Tomaten ausl. 20—30. Eßäpfel 22—30, Kochäpfel 16—20, Ananas 120—150, Apfelsinen—15, Bananen 24—26, Zitronen—6, Feigen 20—30, Haselnüsse ausl. 40—60, Walnüsse ausl. 40—55, Paranüsse 40—80, Kokosnüsse 18—30 Pfg. das Stück, Erdnüsse 45—50, weiße Trauben ausl. 50—60, Eier —11 Pfg. das Stück, Molkereibutter 150—160. Holländer Käse 100—135, Schweizer Käse 100—115, Edamer Käse 70—100. Der erste Jag des Jubiläums-Verkaufes Bendimte uls Ear Vones Hahp? Diese Verbundenheit der Runöschaft mit unserem Hause freut uns ausserorbentlich lücht weniger freut es uns, dass so zahlreiche Käuter von unserem Jubiläumsbank—unseren ausgewählten Aubilkumenworen. 3u Honderpreisen bereits vortell gehabr haben! Wir erwarten Allel-Dir überraschen Jeden mit unseren Jubiläums-Leistuligel: Seite 6. Nr. 13 477 General=Anzeiger für Vonn und Umgegend] Bonner Nachrichten 3. März 1936 In den achtziger Jahren, als Direktor Hofsmann die Köln=Bonner Bühne leitete, wurden Sonntags im Bonner Stadttheater fast ausschließlich Lustspiele aufgeführt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die Kölner an diesem Tage Opern verlangten. Die Lustspiele: Köpenickerstraße 120, Kyritz=Pyritz, Der Mann im Mond, Reiff=Reifflingen usw. fanden beim Sonntagspublikum solchen Anklang, daß das Theater jedesmal bis unters Dach besetzt war. In diesen lustigen Stücken hatten die ausgezeichneten Komiker Ecker, Wander, Hans Porz und nicht zuletzt Frau Lanius Bombenrollen. Wenn in Kyritz=Pyritz Wander als Bäckermeister Rux und Frau Lanius als sein resolutes Ehegesponst auftraten, dann gab es wahre Lachsalven, namentlich auf dem Olymp. Aber auch lange vor Theaterbeginn fehlte es nicht an Unterhaltung. Da die Theatertore erst eine halbe Stunde vorher geöffnet wurden, sammelten sich die „Nichtnumerierten“ in hellen Haufen auf der Theaterstraße, um einen Sitzplatz zu erwischen. Und daß es während der Wartezeit nicht langweilig wurde, dafür sorgten einige unverwüstliche Stammkunden. Beneidet wurden natürlich diejenigen, die das Glück hatten, unmittelbar an der Eingangstüre zu stehen; sie konnten den anderen über die Köpfe weg sehen und bekamen außerdem noch frische Luft, wenn das Gedränge immer größer wurde. Ein sehr beliebter Trick der Vornstehenden war, von Zeit zu Zeit am Türschloß zu rappeln. Dann hieß es:„Et wied opgemaht!". Bei diesem blinden Alarm entstand dann ein derartiges Gedränge, daß die eingepreßten Frauen und Mädchen oft Mord und Brand schrien. Hätte man den Ulkbrüdern an den Kragen kommen können, wäre es ihnen schlecht ergangen. Bei einer solchen Gelegenheit fiel einem jungen Mann der Hut vom Kopf und verschwand in der Versenkung. Als das Gedränge etwa nachließ, tauchte der Jüngling unter und suchte nach dem Ausreißer. Da schrie eine Frau, die bis dahin eifrig an einem Strumpf strickte, laut auf:„Höllep, et es mir eene an de Been!“ Allgemeines Hallo! Nach einigen Minuten tauchte der junge Mann wieder auf und ehe er noch recht wußte. was los war, erhielt er von der aufgeregten Frau eine gewaltige Ohrfeige. Der arme Kerl wurde erst später gewahr, was er verbrochen haben sollte. Einem von den Glücklichen, die an der Tür Posto gefaßt hatten, widerfuhr das Mißgeschick, daß er, als die Tür von innen geöffnet wurde, zwischen Tür und Wand eingeklemmt wurde. Hier wurde er so lange festgehalten, bis die Letzten im Theater waren. Als er nach seiner Befreiung die Galerietreppe hinaufsauste, war es natürlich zu spät; die Sitzplätze waren alle besetzt. Auf der Galerie fehlte es natürlich auch nicht an Zerstreuung. Fast in jeder Sitzreihe gab es Krach, wenn Späterkommende versuchten, sich noch einzureihen. Zwischendurch begrüßten sich Freunde und Bekannte über die ganze Breite der Galerie hinweg. Der wachhabende Schutzmann hatte einen schweren Stand, um für Ordnung zu sorgen. Großen Spaß bereitete den Theaterfreunden eines Abends ein„Unfall“, der einem in der ersten Reihe sitzenden Bonner Meister widerfuhr. Er hatte es sich bequem gemacht, legte das Programm auf die Brüstung und zog dann ein großes Stück Leberwurst aus der Tasche, um noch vor Beginn der Vorstellung sein Abendbrot einzunehmen. Da entführte ihm ein Luftzug von der Tür her das Programm. Erregt sprang der Meister auf und suchtelte mit beiden Händen nach dem fliegenden Blatt. Dabei kam er der Wurst zu nahe, und ehe der Meister es verhindern konnte, rollte sie ins Parkett. In das Gelächter der Umsitzenden hinein rief der Meister, der seiner entschwundenen Wurst nachgesehen hatte:„Ach du liebe Zeit, do es die Wuesch nem Här op de Kopp gefalle!“ Oben lag die ganze erste Reihe über die Brüstung, um sich die Geschichte da unten anzusehen, und im Parkett reckten alle die Hälse nach der Galerie. Man hörte entrüstete Rufe nach der Polizei. Und einige Minuten später erschien auch schon ein Polizeibeamter auf der Bildfläche. Er bahnte sich eine Gasse nach vorn und erkundigte sich nach dem Missetäter, der den Unfug angestellt habe.„Wat heesch Unfug", meinte der Meister trocken,„Här Wachmeeste, glöven Sie wirklich, dat ich met Absich ming got Wuesch erondegeworfe hätt? Für su jäck werden Sie mich doch net hale! Dat es eben Malör, on ich benn de Domme bei der Geschichte!“ Das sah der Schutzmann auch ein und ging wieder nach unten. Die Auseinandersetzung über den interessanten Fall wurde schließlich durch das Klingelzeichen von der Bühne her unterbrochen. Franz Ohrem. Der erste Missionstonfilm „Die Schwarze Schwester“ wird vom Verfasser und Hersteller, Oblatenpater Stephan, vom 1. bis 3. März im Bonner Bürgerverein und am 4. und 6. März im Pfarrheim Poppelsdorf vorgeführt. Es handelt sich um eine spannende, lebenswahre Spielhandlung, die Neues aus den Missionen zeigt. Man sieht Originalaufnahmen vom Leben und Treiben der Zulus, ihre Arbeiten, Häuserbau, Kriegstänze, Hochzeit usw. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Leben und Sterben der Zulukönigstochter Tokosile. Novene in der Herz=Jesu=Kirche Vom 4. bis 12. März findet in der Herz=Jesu=Kirche eine Gnadennovene zu Ehren des hl. Franz Taver, far-Aar Karkertmer MIMNM MM n g mng nnan ROMAN VON ALEXANDER LERNET-HOLENIA 9) Er legte Consuelo nahe, seine Partnerin zu werden, und sie entschloß sich dazu, weniger weil sie an ihre Karriere glaubte, als vielmehr, weil sie Montemayor liebte. Aber sie hatten Glück, sie hatten starken Erfolg, hauptsächlich allerdings Consuelos Schönheit wegen, denn Montemayors Stärke war eigentlich nicht so sehr der Gesang selbst, als vielmehr der neue musikalische Einfall und das Modernisieren alter Lieder. Von Palm Beach aus, wo sie zuletzt aufgetreten waren, wurden sie nach Neuyork engagiert. Montemayor begann damals schon, Liender zu veröffentlichen, doch fehlte ihm zum eigentlichen Schlager die letzte Verve. Er sah ein, daß er große Musik e studieren müsse, um banale Musik machen zu können. Seine und Consuelos eigentliche Einnahmequelle war immer noch das allabendliche Auftreten. Er spielte Gitarre, und Consuelo tanzte und sang, im spanischen Kostüm, einen fußhohen Kamm im Haar. Sie verdienten Geld, er trug gute Anzüge, und Consuelo hatte ein paar hübsche Kleider. Auch schenkte er ihr Schmuck, aber es waren noch sehr kleine, bedeutungslose Sachen. Er liebte Consuelo immer noch so sehr, daß er sogar glücklich war, wenn sie den grösten Erfolg hatte. Denn mit seinen eigenen Talenten kam er eigentlich kaum zur Geltung. Auch war er letzten Endes immer noch der Peon geblieben, der er gewesen war, ein paar seiner Gedanken galten der Musik, alle anderen der Geliebten. Hätte er Consuelo nicht gehabt, so wäre er sehr unglücklich gewesen. Denn er paßte nicht in die Stadt. Er träumte von den Prärien. Nie aber träumt eine Frau von dem, was vorüber ist. Consuelo hatte Erfolg, sie war umworben, ein paar ihrer Gedanken galten Montemayor, alle übrigen ihrem neuen Leben. Eines Abends ward ihnen durch ihren Manager eine Karte überbracht, ein gewisser Jack Mortimer bäte sie, nach der Vorstellung in seine Wohnung zu kommen und vor seinen Gästen zu singen. Dieser Mortimer, fügte der Manager, für den Fall, daß sie es nicht wüßten, hinzu, sei der Sohn des Bankiers. Ja, sie wüßten es, sagte Consuelo, und der Manager nannte ein verhältnismäßig sehr hohes Honorar. Montemayor allerdings wußte nicht, wer Mortimer war. Man empfing ihn und Consuelo in Mortimers Wohnung ausgezeichnet und stellte sie beide sogleich auf denselben Fuß mit den Gästen, mehrern jungen Leuten der reichsten Gesellschaft und auffällig hübschen Mädchen oder Frauen. Mortimer mochte damals dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Jahre alt sein. Er schwärmte von Montemayors und Consuelos Liedern. Man ging zu Tisch, zu trinken gab es natürlich in Menge. Ein Teil der Anwesenden begann, sich, auf Art der Amerikaner, möglichst rasch zu betrinken, und lag dann in den Nebenräumen auf den Sofas herum. Mortimer machte eine wegwerfende Handbewegung. Es sei gut. sagte er, daß man die Leute los sei, man hätte jetzt Ruhe vor ihnen, und dann bat er Consuelo, etwas zu singen. Copyright Lit. Agentur Wegner An der Tafel sitzend sangen Consuelo und Montemayor ein Lied und die Anwesenden überschütteten sie mit Beifall, doch kam das Gespräch dann sogleich auf andere Themen, vom Singen war nicht mehr die Rede. Mortimer erhob sich schließlich und bat, daß man ihm das Vergnügen machen wolle, sein Haus anzusehen. Man zerstreute sich, in Gruppen, in der weitläufigen Wohnung. Als man sich wieder zusammenfand, fehlten Consuelo und Mortimer. Die zwanzig Minuten, die vergingen, bis die beiden endlich erschienen, wurden der Gesellschaft fast ebenso peinlich wie Montemayor selbst. Wo waren die zwei? Eben einfach nicht da. Es sah wie Absicht aus, daß sie immer noch nicht kamen, sie gingen über ein Herz hinweg, und als sie endlich eintraten, war Consuelo gespielt gleichgültig. Die Zeit, die folgte, wurde für Montemayor zur unerträglichsten Qual. Consuelo entwaffnete ihn, indem sie gar kein Hehl daraus machte, daß sie ihn nicht mehr liebte. Eifersucht kann nur existieren, wenn man hofft, sich getäuscht zu haben. Consuelo aber bewies ihm durch ihre Gleichgültigkeit, daß er sich nicht getäuscht hatte. Er machte ihr natürlich Szenen, aber sie reagierte nicht darauf. Man hat kein Recht mehr auf ein Herz, das einem kein Recht mehr gibt. Wäre er noch in seiner Heimat gewesen, so hätte er gewußt, was tun. Eine Frau ist dort nicht frei. Sie gehört dem, der sie verteidigen kann. Aber hier war sie frei. Sie konnte tun, was sie wollte. In den Städten hat kein Mann mehr ein natürliches Recht auf eine Frau. Sie braucht seinen Schutz nicht mehr, sie tut, was sie will. Auch Mortimer sagte ihm das. Montemayor hatte ihn in eine Auseinandersetzung verwickelt, um ihn, am Ende des Gesprächs, niederzuschlagen, Mortimer aber sagte: „Ich weiß gar nicht was Sie wollen. Sie glauben, daß Consuelo mich liebt? Ich glaube, Sie irren sich. Man verliebt sich nicht so schnell. Es sind zu viele andre Gelegenheiten da. Es war mir natürlich ein Vergnügen, mich mit Consuelo hie und da zu unterhalten, aber ich glaube, sie interessiert sich wirklich nicht für mich. Sie wollte Karriere machen. Sie sollten sie daran nicht hindern. Ich selbst habe für sie getan, was ich konnte. Hat sie Ihnen davon nicht erzählt? Ich habe sie vielen Leuten vorgestellt, die ihr nützlich sein konnen. Sie irren sich wirklich, wenn Sie glauben, ich hätte weitergehende Interessen gehabt. Ich war wirklich nur ein Mittelsmann. Ich habe Consuelo schon seit zwei oder drei Tagen nicht mehr gesehen habe sie George Astruther vorgestellt. Kennen Sie Anstruther? Nicht? Nun er ist jedenfalls sehr einflußreich. Er soll sich sehr für Consuelo interessieren.“ Damit zündete Mortimer sich eine Zigarette an. Montemayor sah ihm noch einen Moment lang ins Gesicht, dann wandte er sich auf dem Absatz herum und ging. Apostel von Indien und Japan, statt. Abends 8 Uhr ist Andacht und Predigt eines bekannten Kanzelredners aus dem Jesuitenorden. Wallfahrt nach Heisterbacherrott Die Wallfahrt zur Verehrung des hl. Judas Thaddäus nach Heisterbacherrott findet für die Teilnehmer von Bonn und Umgegend morgen Mittwoch, 4. März, statt. Der Deutsche Sprachverein, Zweig Vonn veranstaltet am Montag, 9. März, abends, im Bonner Bürgerverein einen Familienabend. Dabei spricht Studienrat Hauprich über„Ernst Moritz Arndt als politischen und völkischen Kämpfer“. Der Vortrag dürfte gerade in Bonn lebhafte Aufmerksamkeit erwecken. Turnen, Sport und Spiel SpB Fr.=Wilh.=Hütte— TuspB Wolsdorf•2 Das nackte Ergebnis ließ tatsächlich auf einen Klassenunterschied schließen, der dann auch tatsächlich bestand. Nur im umgekohrton Verhältnis, weil eben die Hütte auf dem Papier als rangtiofere Mannschaft stcht. Die Wolsdorfer waren nicht in bester Verfassung, sie datten dazu aber noch das Pech, don Gogner in so großer Form anmtroffen. Währond die Wolsdorfer mit erfolglosen und in der Anlegung schon aussichtsloson Spielereien aufwarteton zogen die Hütter in kräftigen und unaushaltsamen Vorstößen aufs WolsWie wird das Wetter? Ausgabeort Köln, vom 2. März 1936, 18 Uhr: Das am Samstag über dem Mündungsgebiet der Weser und Elbe liegende Tief ist zunächst mit Nordwestkurs gezogen und wendet sich jetzt wieder nach Südsüdwesten. Infolgedessen finden wir es heute morgen vor der Themsemündung. Um den Tiefkern herum ist feuchte Luft, auf ihrem Weg stark abgekühlt, wieder nach Westdeutschland gelangt und bringt uns mit einiger Verzögerung stark bewölktes und leicht veränderliches Wetdorfer Tor, wo sie alsbalb mit:0 führen. Zwar verringert Wolsdorf auf:2, aber zwei weitere Tore ergeben die sichere Halbzeitführung für die Hütte. Nach der Pause ein kurzes Aufflackern der Wolsdorfer, ein 2. Gegentor, doch dann sind die Hütter an der Reihe und sie kassen bis zum Schluß nicht locker. Mit:2 wurden sie verdienter Sieger. hertkallsishete ter. Der Druck steigt im Bereich der langgestreckten, vom Bottenbusen nach der Nordwestspitze Afrikas reichenden Störung allgemein an, ausgenommen über der östlichen Ostsee und im südwestlichsten Teil der Störung. Infolgedessen wird bei uns ruhiges, diesiges Wetter herrschen. Ein Druckfallgebiet im Nordwesten kündet das Vorrücken eines Tiefes von Ostgrönland nach dem Nordmeer an. Wetteraussichten für Dienstag: Schwachwindig, bewölkt und diesig, geringe Niederschläge, naßkalt. Bei nächtlichem Aufklaren leichter Frost. Weitere Aussichten: Bei Winden aus Süd bis West vorübergehend leichte Besserung, dann wieder Eintrübung und geringe Niederschläge. Beobachtung der Wetterstaßen Benet. Sonnenaufgang.15, Sonnenuntergang 18.14, Mondaufgang 13.12, Monduntergang.04, absolute Dunkelheit 19.49, bürgerliche Dämmerung(abends) 18.55,(morgens).34. Beobachtungen um 7 Uhr morgens: Luftdruck 751,5, red. auf NN. 756,6, Tendenz steigend, Temperatur 1,2, Max. gestern 9,2, Min. der Nacht 1,0, Windrichtung und Stärke m Sek. SW 3,3, Niederschlagsmenge der letzten 24 Stunden 0,3 Utrigm, Bodenoberflächentemp. 0,2. Regekskand: Der Pegelstand von gestern: Rheinfelden 2,28 (minus 12), Maxau 4,14(minus), Mannheim 3,38 (minus), Lohr.62(plus 25), Mainz 1,37(unv.), Bingen 2,32(minas), Kaub 2,62(minus), Trier 1,23(minus), Koblenz 2,77(minus), Köln 2,81 (minus 11), Düsseldorf 2,24(minus 12), Duisburg 1,32 (minus 13), Mülheim=R. 1,17(minus 10), Ruhrort 1,56 (minus 16), Wesel 1,56(minus 17), Emmerich 2,88 (minus 14). Der Bonner Pegel zeigte heute morgen.69(.75) Meter, der Kölner Pegel.75(.81) Meter. Er hatte Consuelo in der letzten Zeit nur mehr an den Abenden gesehen, wenn sie gemeinsam auftraten. Er kehrte in seine Wohnung zurück, packte ein paar Sachen in einen Koffer und verließ Neuyork, ohne Consuelo noch einmal gesehen zu haben, ja sogar ohne seinen Manager zu verständigen, daß er sein Engagement abbrach. Das Intermezzo war zu Ende. Er würde, dachte er, wieder ein Peon werden, nichts weiter. Zwei Tage später verließ er den Zug in einer kleinen Station im Süden. Es regnete. Der Regen zog in Schleiern über die Prärien, prasselte auf das Dach des Vahnhofsgebäudes, stand in Lachen zwischen den Gleisen. Am Horizont schienen die paar aus Brettern zusammengeschlagenen Häuser im Schlamm zu versinken. Er starrte in das Wehen der Prärien. Ein paar Pferde, mexikanisch gesattelt, standen an einer Hausecke, die Kruppen dem Wetter zugewendet. Das hohe Gras wehte, der Regen, die Dämmerung, die Nebel wehten dahin. Er erkundigte sich nach dem nächsten Zug, der hier durchkäme. Er hatte zwei Stunden zu warten, bis der Zug kam. Er wartete nicht unter dem Bahnhofsdach, er stand draußen im Freien. Seine Schuhe, sein Mantel, sein städtischer Anzug wurden vom Regen ganz naß. Aus dem Haus, vor dem die Pferde angebunden waren, tönte Singen, Gröhlen und Lachen. Niemand kümmerte sich um ihn. Endlich kam der Zug. Er reiste nach New Orleans. In New Orleans hatte er einen Tag zu warten. Die „Jeanne'Arc“ brachte ihn nach Frankreich. In Paris trat er mit Partnerinnen auf, die er oft wechselte. Tagsüber studierte er Musik. Nach einem Jahr übersiedelte er nach Berlin, dann wieder zurück nach Paris. Er ließ sich französische und englische Texte zu seinen musikalischen Einfällen schreiben und veröffentlichte sie. Die„Juanita“ machte ihn berühmt. Er kehrte nach Amerika zurück, hielt sich aber nur kurze Zeit in Neuyork auf, reiste wieder nach dem Süden und kaufte sich in Florida, in der Nähe von Palm Beach, an. Hier komponierte er seinen zweiten großen Erfolg, die„Castilliana“. Er verdiente damit mehrere hunderttausend Dollar. Er schrieb sie ganz schnell nieder, binnen weniger Minuten, abends, bevor er nach Palm Beach fuhr, sich mit Freunden zu treffen, und die Mondnacht über dem Meer war eine gleiche wie damals über Monterey. Er lebte von nun an teils in Palm Beach, teils in Neuyork und Paris. Die ganz groß lancierte„Sonora“ war ein Mißerfolg. In Neuyork erfuhr er, Mortimer lebe nicht mehr da, sondern sei nach Chikago gezogen, wo er nun die Bank seines Vaters leite. Nach Consuelo erkundigte er sich nicht, und man vermied es selbstverständlich, in seiner Anwesenheit von ihr zu sprechen. Niemand wußte, ob sie noch an ihn dachte. Auch fiel ihr Name in der Oeffentlichkeit nicht. Er fand ihn auf keinen Programmen und auf keinem Plakat. Eines Tages lernte er George Anstruther kennen. Er war ein sehr gut aussehender Mensch von etwa vierzig Jahren. Sie sprachen natürlich nicht von Consuelo. Sonderbarer Weise aber ließ Montemayor ein paar Wortg über Jack Mortimer fallen. Anstruther lächelte sonderbar. Montemayor schoß das Blut sofort zu Kopf, und Anstruther, um über eine falsche Deutung der Situation hinwegzukommen, sah sich genötigt zu erklären, warum er das Gesicht verzogen hätte: Ob Montemayor denn nicht wisse, fragte er, daß Mortimer.... Nun? stieß Montemayor hervor, und sein Herz setzte aus... Daß Mortimer, sagte Anstruther, mehr Gangster als Bankier geworden sei, wie so und so viele andre Bankleute, Richter und Kaufleute in den Staaten.— Ach so, murmelte Montemayor, und sie sprachen noch ein paar Worte über Mortimers immerhin wirklich denkbare Beziehungen zur Unterwelt, und dann von anderen Dingen. Mortimers Bank, dachte Montemayor, schien schlecht zu gehn. Daß aber sogar reiche Leute schließlich zu Vertrauensmännern der Verbrecher wurden, geschah nicht selten. Ein paar Tage später erfuhr Montemayor durch blanken Zufall von Leuten, die von seiner Tragödie nichts wußten, Consuelo sei lungenschwindsüchtig gewesen und in einem Sanatorium in den Felsengebirgen gestorben. Vor drei Jahren schon. Zwei Monate darauf heiratete er Winifred Benson Parr. Im Spätherbst reiste er mit ihr nach Paris. Eines Abends nach der Oper, als sie bei Ciro soupierten, sah er, daß Winifred jemandem, der in seinem, Montemayors, Rücken saß, zunickte, offenbar einen Gruß erwidernd. Er wandte sich um, es war Jack Mortimer. Mortimer kam sogleich an den Tisch. Er kannte Winifred flüchtig von früher her. Er sprach ein paar gleichgültige Worte und tat, als sei zwischen ihm und Montemayor nie etwas vorgefallen. Winifred, ehe Montemayor es hindern konnte, bat Mortimer zum Tisch. Was nun und in den nächsten Tagen folgte, vollzog sich ganz zwangsläufig. Mortimer hatte sich nie sonderlich für Winifred interessiert. Als er aber sah, daß sie nun Montemayors Frau war, interessierte er sich sofort für sie. Manchen Leuten, wenn sie einem Menschen schon einmal eine Frau weggenommen haben, wird es fast zum Zwang, ihn auch um die nächste zu bringen. Auch Montemayor spürte sofort, daß in Mortimers Augen nicht Winifred, sondern eigentlich immer noch Consuelo an seiner, Montemayors, Seite saß. Nur liebte er Winifred nicht halb so sehr, als er Consuelo geliebt. Er ward sich sofört klar, daß er sie besser verteidigen könne als die andere. Winifred wußte nichts von Consuelo, allein sie spürte instinktiv sofort die Spannung zwischen den beiden Männern, und sie reagierte darauf, wie eine hübsche, aber belanglose Frau in einer solchen Situation reagiert. Sie genoß sogleich hemmungslos das Interesse Mortimers. Wäre er Montemayor gleichgültig gewesen, so wäre er es auch für sie geblieben. Da sie aber Montemayors Eifersucht merkte, gab es keinen größeren Ansporn für sie als dies, sich in Mortimer zu verlieben. Montemayor wäre es zunächst allerdings noch ein leichtes gewesen, die Hoffnungen, die die beiden ineinander setzten, illusorisch zu machen. Er hätte mit Winifred abreisen können, und die Sache wäre erledigt gewesen. Aber es kam ihm, nach dem momentanen Widerwillen des ersten Augenblicks, geradezu gelegen, daß Mortimer da war. Die Rechnung zwischen ihm und Mortimer war noch nicht beglichen. Eine Gelegenheit ergab sich nun, alles so hinzustellen, als ob er, Montemayor, sich aus Mortimers Bemühungen nichts mache. Er würde Winifred halten können, wie er wollte. 3. März 1936 General=Anzeiger für Bonn und Amgegend 7 Bonner Nachrichten Nr. 15477. Seite 7 Todesurteile im Neuköllner Kommunistenprozeß nach sechsmonatiger Verhandlungsdauer In dem großen Mord= und Landfriedensbruchprozeß gegen die 25 Neuköllner Kommunisten wegen der Beteiligung an dem feigen Feuerüberfall auf das SAVerkehrslokal in der Richardstraße in Neukölln am 15. Oktober 1931 verkündete das Berliner Schwurgericht nach fast sechsmonatiger Verhandlung das Urteil. Für die Urteilsverkündung war ein verstärkter Polizeischutz durch uniformierte Schutzpolizisten und Justizwachtmeister eingerichtet. Die Angeklagten Paul Zimmermann(Neukölln), Bruno Schröter(Neukölln), Helmut Schweers (Köpenick), Bruno Blank(Oberschöneweide) und Walter Schulz(Neukölln) wurden wegen gemeinschaftlichen versuchten und vollendeten Mordes in Tateinheit mit schwerem Landfriedensbruch zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt. Wegen Beihilfe zum versuchten und vollendeten Mord wurden fünf Angeklagte zu je 14 Jahren Zuchthaus und je 10 Jahren Ehrverlust und je einer zu 12 Jahren, 10 Jahren und sieben Jahren Zuchthaus und 10 bezw. fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Wegen Beihilfe zum versuchten und vollendeten Mord sowie wegen Beihilfe zum schweren Landfriedensbruch wurden drei Angeklagte zu sechs, fünf und drei Jahren haus verurteilt. Ein Angeklagter erhielt wegen Beihilfe zum versuchten und vollendeten Totschlag neun Monate Gefängnis. Bei sieben Angeklagten wurde das Verfahren aufgrund des Straffreiheitsgesetzes vom 20. Dezember 1932 eingestellt. Eine Angeklagte wurde freigesprochen. Die Urteilsbegründung Bei der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus: Bei seinem Urteil hat das Schwurgericht, so betonte der Vorsitzende, nach gesundem Volksempfinden entschieden und die Auffassung der heutigen Zeit berücksichtigt. Andererseits wurde aber auch alles in Rechnung gezogen, was damals durch jüdisch=marxistische Einflüsse zur Verhetzung der Volksmassen geführt hat. Der Vorsitzende ging im einzelnen auf die Vorgeschichte des feigen Feuerüberfalls ein, bei dem der Inhaber des Sturmlokals, der Gastwirt Heinrich Böwe, getötet und drei SA=Männer schwer verletzt wurden. Die fünf zum Tode Verurteilten hätten mit voller Ueberlegung gehandelt und seien deshalb des gemeinschaftlich versuchten und vollendeten Mordes schuldig zu sprechen gewesen. Todesurteil Der 59jährige verheiratete Christian Hammer aus Stillau, der mit seiner 26jährigen Tochter Frieda wegen Blutschande und Mordes an ihren zwei Kindern angeklagt war, wurde vom Schwurgericht Ellwangen wegen des Mordes an den Kindern zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilt, ferner wegen dreier Verbrechen der Blutschande und Verleitung zum Meineid zu 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Sicherungsverwahrung. Frieda Hammer wurde wegen Mordes mit Rücksicht auf ihre verminderte Zurechnungsfähigkeit zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Verfahren wegen Blutschande gegen die Angeklagte wurde eingestellt. Kindesmörder zum Tode verurteilt Der 22jährige Albert Roestl aus Wardenburg in Oldenburg, der am 9. Dezember 1935 vorsätzlich und mit Ueberlegung seinen zwei Jahre alten Sohn getötet hat, indem er das Kind in die Hunte, einen Fluß in Oldenburg, warf, wurde vom Oldenburger Schwurgericht zum Tode verurteilt. Ein Kin ausgesetzt In Recklinghausen wurde in einem Vorgarten der Wikingstraße die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Die sofort benachrichtigte Kriminalpolizei hat unverzüglich die Ermittlungen nach der unnatürtichen Kindesmutter ausgenommen. Rheinischer Mietertag in Köln Am 21. und 22. März findet in Köln der Rheinische Mietertag 1936 statt, an dem insgesamt 115 Mietervereine aus Rheinland, dem Bergischen Lande und aus Westsalen teilnehmen. Während die einzelnen Verbände bereits am 21. März ihre Sondertagungen beginnen, veranstaltet der gastgebende Mieter=Schutzverein Kölne. Vam Samstag, den 21. März, abends, im großen Festsaal der Kölner Lesegesellschaft einen Festabend mit großem künstlerischen und humoristischen Programm im Rahmen eines Frühlingsfestes. Der erste Teil des Festabends ist einem Vortrag des Bundesführers Johannes Herrmann, Dresden(Bund Deutscher Mietervereine e..) über die Wohnungswirtschaft vorbehalten. Der diesjährige Westsalentag Auf einer Vorbesprechung in Soest über die Durchführung des Westfalentages 1936 wurde der Termin des Westfalentages endgültig auf den 15. bis 17. Mai festgesetzt. Das Programm des Westfalentages 1936 wurde noch nicht endgültig festgelegt. Wie wir erfahren, werden jedoch führende Männer der Partei, des Staates, Dichter und Künstler aus dem niederdeutschen Raum auf dem Westfalentag sprechen. Karneval. Eine alte Abonnentin möchte den Tert eines Liedes aus den siebziger Jahren haben. Das Lied war betitelt: Coventsmöhne Gedanke! Die erste Strophe lautet platt: kölsch: „Ich setze stell en minge kleine Stüvche, Und sinn erunder ob der Girgunsdresch, Dhun dann die Nas traktiere met nem Schulische, Dann kume mir die lev Gedanken ersch.“ Es war nämlich zu Köln(Steinfeldergasse, Ecke Gercous= driesch ein Heim für alte Frauen.) Steuer. Die Steuer beginnt nach der Einkommensteuertabelle für Ledige bei einem steuerpflichtigen Einkommen(nach Abzug der Werbungskosten und Sonderausgaben) von mehr als 560 Mark jährlich. Bei kinderlos Verheirateten beginnt die Steuertabelle bei einem Einkommen von mehr als 675 Mark jährlich. Das Einkommen der Ehegatten wird stets zusammengerechnet und vom Ehemann versteuert. Eine Ausnahme ist nur dann gegeben, wenn die Eheleute dauernd getrennt leben. Bei einem Ruhegehaltsempfänger mit zwei minderjährigen Kindern beginnt die Lohnsteuer bei einem Einkommen von mehr als 143 Mark monatlich. K. B. 10. Sie haben als Witwe bei der Vermögenssteuer 10 000 Mark steuerfrei ab 1. April 1936. Da Sie aber über 65 Jahre alt sind und ein Einkommen von unter 3000 Mark haben, tritt eine weitere Freigrenze von Mark 10 000 hinzu, sodaß Sie insgesamt für ein Vermögen von 20 000 Mark keine Vermögenssteuer zu zahlen brauchen. Für den übersteigenden Betrag müssen Sie für je 1000 Mark, 5 Mark jährlich an Vermögenssteuer zahlen. Armenrecht. Die gesetzliche Gebühr eines Rechtsanwaltes für die Absafsung eines Armenrechtsgesuches nach einem Streitwert von 3000 Mark beträgt 31.50 Mark. Wenn Sie dem Anwalt unter Vorlegung des Armenattestes Ihre außerordentlich knappen Vermögensverhältnisse schildern, so ist es wahrscheinlich, daß er von einer Vorschußzahlung Abstand nimmt. Kurt. Kurt ist die Kurzform von Konrad, Namenstag am 19. Februar und 26. November. Mia. 1. Stirbt Ihr Mann vor Ihnen, so sind selbstverständlich seine vier Kinder überhaupt nicht irgendwie bezüglich Ihres Eigentums erbberechtigt. 2. Sterben Sie vor Ihrem Mann, so erbt nach dem Gesetz Ihr Mann die Hälfte, und Ihre drei Geschwister erben die andere Hälfte Ihres Vermögens. Außerdem erbt Ihr Mann die zum ebelichen Haushalt gehörigen Gegenstände und die Hochzeitsgeschenke als Voraus. Sie können Ihren Mann selbstverständlich auf den Pflichtteil setzen. Er würde dann immer noch ein Viertel Ihres Vermögens erben. 3. Selbstverständlich können Sie auch das in Aussicht genommene Testament machen und darin bestimmen, das Ihr Mann nur die Nutznießzung Ihres Vermögens bis zum Lebensende hat und daß dann Ihr Vermögen an Ihre Geschwister fallt Sokrates. Zu Ihrer Anfrage teilt uns die Stadtverwaltung mit: Vorerst läßt sich der Kosten wegen nichts ändern. Sobald die Unterführung an der Poppelsdorfer Allee fertig ist. treten jedoch grundlegende Aenderungen ein. Besuch. Wir haben Ihre Frage schon einmal dahin beantwortet, Sie möchten sich an das Amerikanische Konsulat. Köln, Kaiser=Friedrich=User 21,(Geschäftszeit—4, Samstags—1 Uhr), wenden. „Rechtsfront“. Wenden Sie sich an den NS=Juristenbund z. H. v. Herrn Dr. fur. Willy Schumacher I. Sternstraße 3. März. In heißer Milch wird möglichst viel Seife aufgelöst, auf ½ Liter Flüssigkeit ein zu Schaum geschlagener Eldotter eingerührt und etwas Aether oder Salmiakgeist zugeseut. Man zieht die Handschube über die Hand und reibt sie mit der Seifenlösung mit Hilfe eines seinen wollenen weiten Läppchens sanft ab. Hierauf hängt man sie zum Trocknen im Schatten auf. Musikalische Ecke 111. Da wir die Art der Schminke nicht kennen, geben wir Ihnen ein Universal=Fleckenmittel. In eine Mischung von zwei Teilen Benzin und je einem Teil Spiritus und Salmiakgeist(oder Spirttus. Essig) taucht man eine Bürste, mit der man das betreffende Stück abbürstet. 2. Wir kennen ein soches Rezept nicht, glauben aber, daß die Selbstherstellung kaum billiger sein wird, als der Kauf. Nachruf! Nach 26 Jahren aufopfernder und erfolgreicher Arbeit an der Dr. Hertzschen Privatklinik nahm uns der Tod den leitenden Arzt Prof. Dr. Hans König Tief erschüttert von diesem schweren Verlust, betrauern wir den vortreftlichen Arzt, den Hiebenswürdigen Menschen und treuen Sachwalter. Wir werden ihm ein dankbares Andenken bewahren. Für die Erbengemeinschaft Hertz Hermann Obkircher. Danksagung! Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Gatten, unseres guten Vaters, sowie für die vielen Blumen- und Kranzspenden sagen wir allen unsern innigsten Dank; be sonders der Verwaltung der Stadt Bonn, dem Bonner Turnverein(1860), der Bonner Tischler-Innung, der Vereinigung ehemaliger Minoritenschüler(Männebröder), dem kath. Gesellenverein, der SA der NSDAP Pionier-Sturm R 160, der Technischen Nothilfe, dem Verein ehemaliger Pioniere, sowie der ganzen lieben Nachbarschaft. Frau Jos. Becker und Kinder. Bonn(Giergasse 20), im März 1936. Das jahrgedachtnis für meinen lieben Gatten, unsern guten Vater Karl Clemens findet Mittwoch 9½ Uhr in der Münsterkirche statt. Frau Ciemens und Kinder Beethoven-Diogerie. Heute ist unser Fritz Jörg angekommen Anneliese u. Fritz Piepenbring Sonntag, den 1. März 1936 z. Zt. Elisabeth-Krankenhaus Ich bin nunmehr auch bei dem Landgericht Bonn als Rechtsanwalt zugelassen Hans Klösgen Rechtsanwalt Eitorf(Sieg), Bahnhofstraße 14, Fernruf 436. Riahlag Wregg1.1 Am Mittwoch den 4. und Donnerstag den 5. März 1936 werde ich jeweils um 10 Uhr, in der Villa des verstorbenen Masors Tenge, Bonn, Kalser=Friedrichstraße 8, die nachstehend verzeichneten, gebrauchten, aber sehr gut erhaltenen Gegenstände öffentlich meistbietend gegen gleich bare Zahlung versteigern: 1 Salon(Mahagoni, Sofa, 2 Gessel, 1 Rippschrank, 1 Tisch, 2 Stühle, 1 Schreibtisch, 1 Spiegel), 1 Kirschbaum=Damen=Zimmer(bestehend aus Vitrine, Kommöde, rundem Tisch, 2 Gessein, 2 Stühlen), 1 Doppelschlafzimmer(Ital. Nußbaum mit Roßhaareinlagen), 2 Doppelschlafzimmer(poliert und gestrichen), 1 Speisezimmer, Eiche, 1 ant. Schreibtisch, 1 Büfett, 2 Eckschränke, verschied. Oesen, 4 Sessel, 1 Sosa, 1 Chaiselongue, 1 Geldschrank, 1 Spiegel mit Goldrahmen, 1 Gas=Kamin, 4 Waschkommoden, 11 verschied. Kleider= und Vurratsschränke, 2 Bücherschränke, 2 Korbsessel, 1 Korbbank, 2 Rollwände, 3 Spanische Wände, 1 Bett mit Roßhaareinlagen, 1 Kinderbett, Kindermöbel, Kinderspielsachen, 1 Wickel kommode, 12 verschied. Stühle, 1 Küchenschrank, 1 Küchenherd, 1 Gasherd. Kronleuchter, Dekorationen, Porzellane, Küchengeräte, Bilder, 1 Mangel, Treppenläuser. 1 Bettumrandung, 1 Bücherschrank, 1 Damen=Fahrrad, 1 Partie Bücher, 2 Teppiche, 2 echte Teppiche, 1 Bodenbelag(Plüsch,:7 Meter), 2 echte Läufer, 5 Brücken, verschied. Gemälde, 1 Klavier(Bechstein) und vergleichen mehr. Versteigerung bestimmt. Besichtigung zwei Stunden vorher. Carl Virnich, Versteigerer und Schätzer Bonn, Wilhelmstraße 16. Nut 3160. — Uebernahme von Versteigerungen aller Urt.— Sehr richtig— aus seinen Erfahrungen soll man lernen. Und das muß ich sagen: ich bin bei Gentrup immer höflich und liebenswürdig bedient worden. Stets war die Auswahl groß und die Ware gut. ich bleibe bei Gentrup Stammkunde. Wer ist der Glückliche? Nachdruck verboten. 5. Klasse 46. Preußisch=Süddeutsche(272. Preuß.) Klassen=Lotterie 20. Ziehungstag. 2. März 1936. In der heutigen Vormittag über 150 wurden Gewinne geiggen 4 Gewinne zu 5000 M. 22953 102286 4 Gewinne zu 3000 M. 259600 830721 ..18 Cewinne zu 2000 M. 62689 64090 212932 40091s 289337 298353 814251 346319 353614 56 Gewinne zu 1000 M. 24113 24615 27865 42235 64978 82933 117306 120539 128824 143324 143385 146958 153873 156326 157261 189395 191196 219752 254758 267250 272003 279670 301814 812330 332423 354063 355676 392493 78 Gewinne zu 500 M. 10942 21471 36030 40196 52573 66867 69324 76900 87717 88692 103108 133094 150599 157934 165139 166258 177230 178768 187950 198751 205944 212859 216326 223006 225763 225973 226152 244172 265356 271385 273765 290670 825174 329499 340637 353482 385319 393243 398695 398 Gewinne zu 300 M. 1567 3071 4081 15435 16486 16558 16936 21035 21071 22661 25669 25980 30744 90796 31184 32585 32733 33214 33761 35596 37487 87748 43320 44426 45474 53241 53348 64946 59236 60882 61826 63007 64197 64876 65395 69750 70536 72479 73489 74003 74469 74687 78159 78234 78381 79027 83730 84642 89842 92180 94318 94535 94876 98144 103668 106335 109219 110664 118479 121606 125134 126670 128173 129142 132541 136700 137651 138370 140605 144521 147673 148089 149173 149221 149796 150274 152232 152776 152823 164603 154800 157179 158582 162297 163072 163076 164962 174148 176501 177425 180495 182433 182496 183681 184655 187449 194942 196017 196593 196847 199931 202892 205774 207675 209076 210102 210114 215266 217363 220601 221996 228945 231728 236396 240495 241375 243231 244823 245811 246625 248602 248617 253802 262911 264823 265666 268660 269077 278811 279650 279706 283976 284201 284310 290604 290785 291009 291598 294063 294861 296231 296367 297161 297311 297384 298924 299507 300424 302471 308524 812887 816019 316492 817672 817801 319306 323767 324136 826409 327065 827173 327935 333354 334130 834429 337333 338473 339267 339915 340900 347390 347691 347831 349795 350897 353276 353610 854583 357778 358923 359278 359295 360093 361114 361462 361878 365655 368356 874163 376004 381105 382273 387943 393357 393913 396544 395929 396935 396765 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 5000 M. 23071 318408 10 Gewinne zu 3000 M. 156787 200328 218073 384449 394181 20 Gewinne zu 2000 M. 153996 163324 190309 213950 221103 227381 253636 264891 310255 834875 80 Gewinne zu 1000 M. 993 10240 13692 16312 18054 24166 26564 27926 38763 65453 68606 73658 102393 107273 110726 127571 135859 166903 168640 177736 180614 181816 189738 190897 196731 221850 223215 272520 272997 275968 290606 305019 807136 311143 328509 832442 339652 863123 390295 392612 78 Gewinne zu 500 M. 2460 10691 10699 18756 29044 54737 62825 80891 103063 108575 12428 126253 130677 135946 140285 156224 161226 171387 173426 210138 218285 221127 225666 242884 269909 270638 272809 288377 289859 303226 338910 341593 357174 369959 874576 875796 383673 384764 394771 322 Gewinne zu 300 M. 378 5683 6132 13728 18489 24006 27930 33048 35415 36202 36289 38706 40672 40703 41575 42262 45116 63490 64269 67896 61062 63817 63903 64801 68454 72937 75245 76721 77965 79270 81567 84075 84392 94880 86534 93952 98393 99370 101586 101647 102361 105615 107695 108137 109040 109724 111511 111959 115969 116066 118295 122573 122944 124992 132711 135848 136916 139633 140567 140634 141284 141935 142170 145555 145782 146399 150014 156204 165099 ## n: ung 173590 191000 166314 166843 1676p5 168214 772116 174754 191185 185439 186919 187958 191900 192465 193499 194291 197089 198676 203893 204291 206865 206025 212672 216047 220871 222886 223334 224061 226121 229935 230175 232364 240208 240007 241013 241132 255468 259165 259221 260073 262923 264613 265562 267201 269851 272733 273631 274279 278724 280990 284718 289336 290532 296103 298995 800301 811814 816903 817050 318814 823205 823914 325468 826463 829062 337529 338530 338999 338938 842564 342776 350682 856969 357483 357517 358145 859428 360040 360279 361372 363120 363315 363940 366642 370114 370578 375048 375512 379347 385946 386466 394175 394729 Gor. 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Lustspiel von Axel Ivers. Pr. II:.40 bis.90. A. 19.30, Ei. 22.00. Veuische Fün-Abrech u Heute neues Programm: Nur 3 Tage bis einschl. Donnerstag allabendlich.15 Uhr Wolt „tgang Liebeneiner Lien Deyers Milde Hildebrand in dem herrlichen Heiterkeitserfolg: „Die selige Exzellenz“ „Der Film liet in Köln 2 Wochen vor dauernd ausverkauftem Hause“ „Alle Zeitungen sind voll des Lobes!“ se schreibt man in München: „Seit der Engl. Heirat; hat man nicht mehr so gelacht“ Im greß. Vorpregramm: 1. Der aufklärende Kerztitm: Diefrauen haben es leicht 2. Der erklärende Ku. furfilm: Unsichtbares Geld. 3. Fox tönende Wochensenau (Donnerstag letzter Tag!) Ab Freitag neues Programim Gutes 3türiges Rußzbaum: Boppei=Ochlafzimmer mit schönen neuen blauen Einlagen 295.—. fl. gut. Doppelschlafzimmer 165.—, 4 Chaiselongues 23.— usw., Tische, Stüble, fast neuer kl. Teppich 22.—, Vertikow, 2 Küchen 58.— u. 89.— 5 Auszichtische 27.— usw., kl. mod. Trümospiegel, Nußzb.=Bücherschrank 47.—, U. 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Auf die einzelnen Orte entfallen: Dönz=Stadt 358.90 Mk., Leubsdorf 82.46 Mk., Dattenberg 27.60 Mk., Hargarten 35.57 Mk., Kusbach 24.09 Mk., Ohlenberg 12.73 Mk. und Ockenfels(bisher) 12.03 Mk. Was die Arbeitsfront in Linz leistete (Linz): Die Ortsgruppe Linz der DAF zählte am 1. März rund 1800 Mitglieder, das sind etwa 250 mehr als vor drei Monaten. Der Zugang hält dauernd an. Die soziale und wirtschaftliche Förderung der Arbeitskameraden war vorbildlich. Auch die Rechtsberatung kann mit ihren Erfolgen zufrieden sein. In den Sprechstunden, die Dienstags von 15—17 Uhr im Hause der Staatsjugend stattfinden konnten 95 Prozent aller Fälle in Güte beigelegt werden. Auch die Organisationsfrage ist gut gelöst worden, was sich besonders bei der am Samstag und Sonntag für das WHW durchgeführten Sammlung bewies. Die Arbeitskameraden konnten zum Teil schon am Samstagmorgen gefüllte Büchsen auf dem Büro zur Ablieferung bringen. Pfarrer Schütz bei der Pfarrgemeinde (Linz): Pfarrer Schütz, der am Donnerstag vor acht Tagen in sein Amt als Verwalter der katholischen Pfarrei St. Martin in Linz eingeführt wurde, stellte sich am Sonntagabend der Gemeinde in einem Pfarrfamilienabend im„Europäischen Hof“ vor. Unter den Begrüßungsreden sind die von Studienrat Zillickens, Bürgermeister Weyand, Professor Keiffenheim sowie der beiden Kapläne an St. Martin zu vermerken. Studienrat Dr. Backes begrüßte den neuen Pfarrherrn als Landsmann von der Saar. Auf all die freundlichen Willkommensworte dankte Pfarrer Schütz in einer längeren Ansprache. Die Einwohnerzahl von Linz=Stadt und=Land (Linz): Die Einwohnerzahl von Linz=Stadt ist im Februar leicht zurückgegangen. Sie belief sich bei 30 Zu= und 42 Abgängen auf 5600 Personen. Linz=Land verzeichnete 18 Zu= und 13 Abgänge. Die Gesamteinwohnerzahl betrug am 1. März 4248 Personen. Im Gedenken an Horst Wessel (Linz): Im SA=Heim gedachte der Linzer SASturm des unvergeßlichen Berliner Sturmführers Horst Wessel, dessen Leben Truppführer Erich Schlimper in einem Vortrag den Kameraden schilderte. Sturmführer Rudolf Billing mahnte zum Schluß, den kämpferischen Geist in der SA wachzuhalten. Nasenbeinbruch bei einem Verkehrsunfall (Linz): Ein junger Motorradfahrer fuhr auf der Asbacherstraße mit einem Radler zusammen. Der Motorradfahrer mußte sich in das Krankenhaus begeben, wo der Arzt außer Fleischwunden einen Nasenbeinbruch sestelle. Die Verminderung des Fehlbetrages in Linz In zwei bis drei Jahren hofft man, ihn völlig abgedeckt zu haben— keine Steuererhöhung (Linz): In der letzten Sitzung der Ratsherren wurde, wie schon kurz berichtet, der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1936 von Stadtbürgermeister Weyand vorgetragen und mit den Ratsherren beraten. Während der Etat 1935 noch mit einem. Fehlbetrag von 128000 RM abschloß, weist der neue Etat nur noch einen solchen von 92220 RM auf. Diese Senkung des Fehlbedarfs ist auf die Herabsetzung der Kreisumlage auf 80 Prozent der umlagefähigen Steuersätze, die Verminderung der Wohlfahrtslasten und die Zurückstellung größerer außerordentlicher Arbeiten zurückzuführen. Es ist anzunehmen, daß bei dieser Weiterentwickelung der Fehlbetrag in zwei bis drei Jahren abgedeckt sein wird. Erst dann ist die Zeit gekommen, wo mit einer Senkung der Gemeindesteuern gerechnet werden kann. Im Haushaltsplan erscheinen folgende Posten, die wohl für die Oeffentlichkeit von Interesse sind: Zuschuß an den Verkehrsverein 4000 RM, hinzu kommt noch ein besonderer Zuschuß für die Auslandspropaganda. Diese hat sich bereits im vergangenen Jahre durch den zahlreichen Besuch von Ausländern(besonders Engländer) gezeigt.— Die Instandhaltung des neuen Friedhofes und die Beschaffung der Türe am Friedhofseingang erfordert eine Summe von 2700 RM.— Die Anlage eines Kanals an der neuangelegten Beethovenstraße(am Halfensberg), wo bereits eine Anzahl Neubauten stehen, hat sich als dringend notwendig erwiesen; hierfür sind 2000 RM eingesetzt worden; ebenfalls muß für die Anlage eines Kanals in der Hundelsgasse, der die Abwässer aus Schlachthäusern abführt, ein Betrag von 600 RM aufgewandt werden. — Am Schwimmbad an der Altenbachstraße sind im Interesse der Volksgesundheit umfangreiche Aenderungen erforderlich, wozu die Stadt einen Zuschuß von 1500 RM. zahlt.— Die Instandhaltung der städtischen Wohngebäude erfordert einen Kostenaufwand von rund 7000 RM; dieser Betrag kommt fast restlos dem heimischen Handwerk zugute. Der ordentliche Haushaltsplan schließt ab in Einnahme mit 496 760 RM, und in Ausgabe mit 588 980 RM, sodaß, wie bereits oben erwähnt, ein Fehlbetrag von 92220 RM verbleibt. Ein außerordentlicher Haushaltsplan ist nicht aufgestellt worden.— Trotzdem der Etat noch mit einem hohen Fehlbetrag abschließt, ist eine Steuerhöhung nicht vorgesehen. Die Umlagen für die Grundvermögenssteuer und die Gewerbesteuer halten sich auf der Höhe des Vorjahres; die Bürgersteuer wird— wie im Vorjahre— mit dem 5fachen des Reichssatzes erhoben. Nur bei den Berufsschulbeiträgen der Gewerbetreibenden mußte infolge der erhöhten Personalkosten an der Gewerblichen Berufsschule(Einstellung einer 3. nebenamtlichen Lehrkraft) der Schulbeitrag von 50 Prozent auf 60 Prozent auf die Gewerbeertragssteuer und von 100 Prozent auf 120 Prozent der Gewerbekapitalsteuer erhöht werden. Der Bürgermeister legte sodann den Ratsherren die Jahresrechnung der Stadtkasse für das Rechnungsjahr 1934 zur Kenntnis vor. Die Rechnung schließt ab in Einnahme mit 932118,20 RM und in Ausgabe mit 973586,73 RM; der Fehlbetrag beträgt also 41 468,53 RM. der im Haushaltsplan 1936 vorgetragen worden ist. Die Steuerückstände aus diesem Rechnungsjahre betragen rund 40000 RM, die allerdings im Laufe des Jahres 1935 ziemlich abgedeckt worden sind. Zum Schluß fand noch eine Anzahl Grundstücksangelegenheiten ihre Erledigung. Die Mütterberatungsstunden (Linzer Höhe): Die Mütterberatungsstunden sind in dieser Woche folgendermaßen festgesetzt worden: Lorscheid, Freitag, 6. März, 14 Uhr, St. Katharinen 14.30 Uhr, Vettelschoß 15 Uhr. Ein Nebschnittkursus in Hönningen (Hönningen): Die Zeit der Frühjahrsbestellungen in den Weinbergen rückt heran. Um alle Winzer und Winzerinnen mit der zweckmäßigen Rebschnittarbeit im„Wingert“ vertraut zu machen, wurde am Montagnachmittag in den Hönninger Gemarkungen unter Leitung von Weinbaulehrer Faust vom Linzer Weinbauamt ein Rebschnittkursus gehalten, der starkes Interesse fand. Von der Thermalbad=S. m. b. 5. Hönningen (Hönningen): Die Hönninger ThermalbadG. m. b. H. schließt ein gutes Geschäftsjahr ab. Nach den gesetzlichen Abschreibungen und Rückstellungen ist aus dem Geschäftsjahr 1935 ein Reingewinn von 735.01 Mark verblieben. Dieser Betrag soll dem Reservefonds überwiesen werden. Eine Gewinnverteilung auf die Geschäftsanteile der G. m. b. H. ist in diesem Jahre nicht erfolgt. Der Buchprüfer der Treuhand=A. G. in Köln berichtet in seinem Prüfungsbericht über das Geschäftsjahr 1935:„Indirekt fließen der Gemeinde Bad Hönningen durch das Bad nicht zu unterschätzende Vorteile zu, die einerseits, abgesehen von bisher noch nicht gezahlten Dividenden, in Kostenzuschüssen der ThermalG. m. b. H. zu den Aufwendungen des Verkehrs= und Verschönerungsvereins bestehen(1935 insgesamt etwa 250 Mark, 1934 500 Mark), anderseits jedoch insbesondere eine Förderung des Wirtschaftslebens der Gemeinde bedingen die sich ihrerseits in einer Steigerung der Steuerkraft, Vermehrung der Beschäftigung der Handwerker usw. auswirkt". Wiederherstellung des„Limes Romanus“? (Rheinbrohl): Bei den zuständigen Stellen ist der Antrag eingegangen, einen römischen Wachtturm und ein Stück des Pfahlgrabens von dem in der Gemarkung auslaufenden„Limes Romanus“ in den alten Zustand setzen zu lassen. In dieser Angelegenheit hat Landrat Dr. Reppert schon Erkundigungen eingezogen. Man darf erwarten, daß der Plan vetwirklicht werden kann. Eröffnung der Neuwieder Moikerei im April Bauschwierigkeiten durch ein eömisches Kastell (Neuwied): Die neue Molkerei in Neuwied wird am 1. oder am 15. April eröffnet. Wie notwendig der Bau war, zeigt eine Statistik der Anlieferung bei der Sammelstelle in Neuwied. Gegen 1650 Liter Milch von ehedem werden jetzt 16000 Liter angefahren, am 1. Mai 1936 sind es vielleicht schon 20 000 Liter, und aus der Produktion von 15 Zentnern Butter monatlich im Jahre 1934 sind heute 200 Zentner geworden. Der Beschluß, die neue Molkerei zu bauen, kam am 31. März 1935 zustande. Damals wurden 125000 Mark als Kostenbetrag vorgesehen. Später führten Vorstand und Aufsichtsrat der Molkereigenossenschaft einen neuen Beschluß mit 180 000 Mark herbei. Bei der Finanzierung werden 100 000 Mark Kredit aufgenommen, 50 000 Mark aus Geschäftsanteilen gezogen, 20000 Mark sind sicher und 10000 Mark dürften die alten Maschinen erbringen. Das römische Kastell, auf das man bei der Ausschachtung stieß, dürste den Voranschlag um—15 000 Mark wegen dadurch eingetretener Bauschwierigkeiten erhöhen. Bis zum 31. 12. 1935 waren 66 687 Mark verbaut. Das 300jährige Pestkreuz von Gemünd Während des 30jährigen Krieges wütete die Pest auch in der Eisel— Das sog. Pestkörchen (Gemünd): Auf dem Vorplatz der Pfarrkirche steht ein Steinkreuz, dessen Bedeutung Vielen noch unbekant ist. Es ist das sogenante Pestkreuz, das vor 300 Jahren errichtet wurde. Früher stand es auf dem Kirchhof im Schatten einer hohen Tanne. Die Wurzeln der Tanne hatten das Kreuz gesprengt. Man entfernte es deshalb und stellte es auf dem Kirchvorplatz wieder auf. Das Kreuz stammt aus den Jahren 1635—1637. Damals hatte der dreißigjährige Krieg seine Wellen bis in unsere Lande geschlagen und überall war das Elend groß. Noch schlimmer als Krieg und Hungersnot wütete die Pest, von der viele Menschen in diesen Jahren hingrafft wurden. In die Berge und Schluchten versteckten sich die Menschen, um dem„schwarzen Tod“ zu entrinnen. In Gemünd und den Nachbarorten hat die Seuche besonders viele Opfer gefordert. Die Chronik weiß zu berichten, daß einer Familie Breuers, die damals ausstarb, dieses Steinkreuz gesetzt wurde. In heutiger Sprache lautet die Inschrift:„Im Jahre 1635, am 7. März starb Lorenz Breuers und dessen Hausfrau Mavia Breuers und Agnes Breuers starb im Jahre 1636 am 10. Mai und seine Tochter Agnes Breuers starb im Jahre 1637, am 6. März. Gott tröste die lieben Seelen, Amen.“ Das Kreuz ist aus Sistiger Kalkstein errichtet und Inschrift und Embleme sind von künstlerischer Schönheit. In Olef, das schon vor hunderten von Jahren Pfarrort war und zu dem auch Gemünd gehörte, wird das Gedenken an die Schreckensjahre von 1635—1637 bei der Bevölkerung bis heute noch wach gehalten. Die Olefer gelobten vor 300 Jahren, wenn sie von der Seuche verschont blieben, jeden Sonntag nach dem Hochamt fünf„Vater Unser“ zu beten. Sie sind ihrem Versprechen nicht untreu geworden, und heute noch werden phot. Esser, Commern. nach Urväters Sitte nach dem Hochamt die fünf„Vatel Unser“ gebetet. Lange Zeit bestand auch das sogenannte Pesttörchen auf dem Friedhof, durch das die nach Olef eingepfarrten Gemeinden ihre Toten auf den Friedhof bringen mußten. Ein Verkehr mit den Bewohnern der umliegenden Orte war den Olefern bei hoher Strafe verboten. Eine Warnung und Mahnung an alle Eltern Ein 60jähriger Invalide vor Gericht— Strafanträge richtig und zeitig stellen! (Königswinter): Schon seit langem wurde in Dollendorf von einem dortigen Einwohner berichtet, daß er nicht allein weibliche Sommergäste auf Spaziergängen belästige, sondern auch immer wieder Schulkinder anspreche. Der Mann, ein 60jähriger Unfall=Invalide, der früher im Gebirge eine Verkaufsbude hatte, stand jetzt vor dem Köngiswinterer Richter wegen Beleidigung von Schulkindern in neun Fällen. Neun Kinder im Alter von 12—14 Jahren wurden als Zeugen vernommen. Sie waren von dem Betreffenden angesprochen worden, der zweideutige Bemerkungen fallen ließ und das eine oder andere Kind zu einer Zusammenkunft bestellte. Die Kinder hatten in fast allen Fällen der Mutter Mitteilung gemacht, die sie dann entsprechend warnte. Die Beweisaufnahme, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wurde, ergab, daß die betreffenden Bemerkungen in allen Fällen gefallen waren. Zum großen Bedauern mußte man hören, daß nur zwei Fälle strafbar waren. Eine Anklage wegen Beleidigung muß innerhalb 3 Monate nach dem Bekanntwerden erstattet werden. Da mehrere der Mütter das erst später getan hatten, wurde die Anzeige wirkungslos. In einigen weiteren Fällen mußte das Verfahren eingestellt werden, oeil die Mutter die Goldene Hochzeit auf der Linzer Höhe Ehepaar Heinrich Thol im goldenen Kranz—. Ein Jest aller— Die Glückwünsche des Führers (Linzer Höhe): Das Ehepaar Heinrich Thol und Katharina geb. Frorath feierte am gestrigen Montag in dem zwischen Rosbach und Linz gelegenen stillen Ort Reifert seine goldene Hochzeit. Das ganze Dorf und phot. Seurer, Linz. auch die Nachbarorte nahmen an dem Fest herzlichen Anteil. Reifert prangte in schönstem Schmuck, besonders das Wohnhaus des Paares war sinnvoll mit Girlanden und Fahnen geziert. Morgens fand zunächst in der Kirche zu Rosbach das Jubelamt statt, Pfarrer Möhren, Waldbreitbach, hielt eine Ansprache, in der er die vorbildliche Treue der beiden Alten lobte, deren Haupt heute der goldene Jubelkranz ziert. Nach der Heimkehr nach Reifert erschienen mittags die Schulen unter Führung der Lehrer Persch und Männesdörfer, um dem geschätzten Ehepaar ihre Huldigung zu bringen. Recht groß war der Kreis der Gratulanten, der im Laufe des Tages eintraf. Seitens der Behörde sprachen Bürgermeister Rahms, Waldbreitbach, und Gemeindevorsteher Hermann, Rosbach, im Hause des Paares vor. Nachdem der Führer und Reichskanzler bereits am Wochenende seine Glückwünsche brieflich ausgesprochen hatte, traf im Laufe des Tages auch ein Glückwunschschreiben von Gauleiter Staatsrat Pg. Simon ein. Am Abend fand vor dem Hause des Jubelpaares noch eine weltliche Feier statt. Fast kein Volksgenosse aus der Umgebung fehlte, als hier der Familie Thol eine schöne Ehrung bereitet wurde. Der Kirchenchor sang mehrere Lieder. So verlief das Fest in dem kleinen Ort, der sonst nur harte Arbeit kennt, in festlicher Weise. Hoffen wir mit der ganzen Gemeinde Rosbach, daß das Paar in weiteren zehn Jahren in gleicher Rüstigkeit und Freude die Feier der„Diamantenen“ erleben kann. Anzeige unterschrieben hatte. Der Antrag hätte aber oom gesetzlichen Vertreter des Kindes, das ist der Vater(falls er noch lebt), unterschrieben werden müssen. In den beiden Fällen, die dann noch übrigen blieben, weil der Antrag form= und fristgerecht eingereicht wurde, erhielt der Angeklagte wegen Beleidigung je eine Woche, also zusammen zwei Wochen Haft. Den Eltern möge dieser Fall wieder einmal zeigen, wie wichtig es ist, die Kinder vor solchen Leuten zu warnen, dann aber auch, daß Strafanträge zur rechten Zeit und in der richtigen Form gestellt werden müssen. Neuer Schmuck in der Königswinterer Kirche (Königswinter): Die Pfarrkirche erhielt einen neuen Schmuck, eine Ergänzung des Hochalters durch eine Mandorla(mandelförmiger Strahlenkranz) hinter der Madonnenfigur. Eine solche Mandorla ist früher vorhanden gewesen, später aber entfernt worden. Man entschied sich jetzt mit Zustimmung des Provinzialkonservators für den Entwurf des Kölner Künstlers Colombo. Die Anfertigung der Mandorla in Lindenholz sowie ihre Vergoldung wurde Königswinterer Handwerkern übertragen. Primiz in Honnef (Honnef): Am Sonntag feierte der Jungpriester Heinz Vobbe von hier in der katholischen Pfarrkirche sein erstes feierliches Meßopfer. Die Pfarrgemeinde nahm an der Feier regen Anteil. Die kirchlichen Vereine mit ihren Fahnen gaben dem Primiziant vom und zum Elternhaus— der Weg war mit frischem Grün geschmückt— das Geleite. In dem feierlichen Meßopfer sang der Kirchenchor eine stimmungsvolle Messe. Ergreifend war die Ansprache des Pfarrers Wüsten, der vom Priestertum und seiner hohen Aufgabe sprach. Ueber 700 Mark wurden gesammelt (Honnef): Die sechste Reichsstraßensammlung am Sonntag erbrachte in Honnef 723.33 Mark. Die vorigjährige Februarsammlung wurde hierbei um 115 Mark übertroffen. Emsige Bautätigkeit im Gier (Honnef): Während der nördliche Teil der neuen Straße im Gier jetzt fast vollständig bebaut ist, hat nunmehr auch die Besiedelung des Zuganges vom Rheingoldweg eingesetzt. Hier ist bereits mit den Ausschachtungsarbeiten für zwei Landhäuser begonnen worden. Wenn die Baulust in dieser Weise anhält, kann damit gerechnet werden, daß in zwei Jahren an beiden Straßenfronten, wo nur offene Bebauung zugelassen ist, sich Neubau an Neubau reiht. Leben und Tod im Februar (Honnef): Das Standesamt beurkundete im Monat Februar 7 Geburten, 12 Sterbefälle und 5 Eheschließungen. kuri welchem Wasser schaumten Wasthitkirl und Seist! Verrühren Sie deshalb jedesmal etwa 1s Uinuten vor Bereitung der Waschlauge einige handvoll Henko Bleich-Soda im Wasser. Henko macht hartes Wasser weich und waschbereit! M 801136 1 Seite 19. Nr. 13 477 General=Anzeiger für Bonn und Umgegend] Bonner Nachrichten 3. März 1939 Gerkerngn Nachrichten Von der Kolonial=Gesellschaft Der Abteilungsleiter Godesberg der Deutschen Kolonialgesellschaft, Major a. D. Hartmann, erstattete zuerst den Geschäftsbericht. Mit der örtlichen Abteilung der Frauengruppe der Kolonial=Gesellschaft ist ein Ortsverband gebildet worden, der beide Abteilungen jedoch selbständig in ihrer Arbeit beläßt. Als Leiterin der örtlichen Frauengruppe begrüßte der Redner Frau Sieburg und dankte besonders der Presse für ihre Mitarbeit. Zur Werbung soll allmonatlich, jeweils am 2. Donnerstag, im Jagdzimmer des Aennchens ein Kolonialabend veranstaltet und beim Rathaus ein Schaukasten angebracht werden. Der Kassierer Schenk konnte günstig berichten und die Prüfer Napp und Pauer demgemäß Entlastung beantragen. Nach einem Bericht des Leitenden zur Kolonialfrage mehren sich die Stimmen im Auslande, die sich für die Rückgabe seiner Kolonien an Deutschland einsetzen. Professor Koernicke=Bonn sprach in fesselnder Weise von Menschen und Leben in Niederländisch=Indien und Major a. D. Kreuser berichtete über seine Jagd= und Forschungsexpedition in Deutsch=Ostafrika, von der er umfangreiche Sammlungen heimbrachte und den Museen in Köln und Berlin zuführte. Nicht zugelassener Personenverkehr Ein mit Ausflüglern dicht besetztes Lastauto wurde zur Anzeige gebracht, weil die Insassen auf Bänken und Stühlen saßen, die nicht befestigt waren. Hierdurch entstanden Gefährdungen für sie und den Straßenverkehr, auch fehlte die polizeiliche Zulassung für Personenbeförderung. Reiseprüfung am Deutschen Kolleg Am 27. und 28. Februar fand am Deutschen Kolleg in Bad Godesberg die diesjährige Reifeprüfung unter Vorsitz des Oberschulrats Dr. Herfs statt. Alle 30 Abiturienten, 13 Gymnasiasten und 7 Realgymnasiasten haben bestanden, davon 4 mit„Gut“. 30jähriges Arbeitsjubiläum Ihr 30jähriges Jubiläum feierte am 1 März Frau Heinrich Vollmar, Bad Godesberg, Bonnerstraße 11, als Filialleiterin der Färberei Hans Schober. Umherirrend angetroffen Auf der Kölner Straße wurde eine Frau umherirrend angetroffen Sie war aus einer Pflegeanstalt entlaufen und wurde von der Polizei dorthin zurückgebracht. Erkrägreiches Kustariand in Kirverpiets Zehn Jahre ohne Düngung— Der erste Arbeitsdienst im Siegkreis (Niederpleis): Viermal ist nun auf den 90 Morgen Gemeindeland, die der erste freiwillige Arbeitsdienst im Siegkreise in Kulturland umwandelte, geerntet worden. Bis zum Jahre 1929 war dieses große Gebiet westlich des Gemeindewaldes, die sogenannte „Kuhweide“, noch mit Birkenbüschen, Heide, Erika und vereinzelten Bäumen bewachsen. Beispielgebend für die Kultivierung des 90 Morgen großen Geländes war der Heideumbruch mit Hilfe von Dampfpflügen in den Jahren nach dem Kriege nördlich des Allnerwaldes. Die Erfahrungen hatte man sich zu Nutzen gemacht, und ein Landwirt aus Niederpleis ging 1929 dazu über, einen Teil der 90 Morgen in Kulturland umzuwandeln. Der Anfang war gemacht, und der Wert des Landes hatte sich durch gute Ernteerträge erwiesen. Mit Hilfe von Reichszuschüssen konnte man den ersten freiwilligen Arbeitsdienst im Siegkreise einsetzen. Die Gemeinde Niederpleis hatte im Ganzen nur geringe Auslagen. Sie werden sich ungefähr auf etwa rund 2000 RM gestellt haben. Man legte Rohre für die Abwässer, zog Gräben, hob einen großen Weiher aus, der die Abwässer aufnahm und auf dem sich heute die Jugend des Ortes Niederpleis im Sommer und Winter erfreut. Daß die Arbeiten sich gelohnt haben, zeigten die Ernten. Wenn auch zu Anfang verhältnismäßig stark das Unkraut wucherte, so ist doch heute hier mit Landgüte 6 bis fast 1 zu rechnen. In der Nähe der früheren Wassergräben und der sumpfigen Stellen liegt der Humusboden durch die abgestorbenen Pflanzenreste derartig hoch, daß man vielleicht erst in zehn Jahren zu düngen braucht. Prächtig gedeihen hier Getreide und Kartoffeln. Durch Wald ist das Gelände von Westen und Norden her gegen rauhe Winde geschützt. Es bildet heute für die Gemeinde, insbesondere für die Pächter, Mitglieder des Gartenbauvereins, die hier auch Anbauversuche vornehmen, einen wesentlichen Ernährungsfaktor. Aus der Bürgermeisterei Benel Pfarrerwahl in Beuel (Beue!): Die Beueler evangelische Gemeinde wählte am Sonntagabend in öffentlichem Gottesdienst in großer Gemeindevertretung unter dem Vorsitz von Superintendenten Rentrop einstimmig den 36jährigen Pfarrer Friedrich Drobny aus Geilenkirchen bei Aachen zum Nachfolger von Pfarrer Ammer. Gegen eine Mauer gefahren (Beuel): Ein Motorradfahrer aus Beuel erlitt zwischen Mayschoß und Rech auf einer Ahrfahrt einen schweren Unfall. Er fuhr gegen eine Mauereinfassung der Ahr und wurde in den Fluß geschleudert, der zudem noch sehr niedrig stand, sodaß der Fahrer mehrere Knochenbrüche erlitt. Es wird behauptet, daß die große Fahrgeschwindigkeit an dem Unfall schuld sei. 845 Mark bei der letzten Straßensammlung (Beuel): Bei der sonntäglichen Straßensammlung durch die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront kam ein Betrag von 845.59 Mark ein. Dieses Sammelergebnis gehört mit zu den besten des letzten Winters. Vermögenszuwachs konnte der Kassenbestand als gut bezeichnet werden. Nach eingehender vorausgegangener Prüfung wurde dem Vorstand und dem Rendanten Entlastung erteilt. Johann Schäfer wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. In den Vorstand kamen durch Wiederwahl ferner Eduard Reichard und Josef Schafhaus, durch Neuwahl Peter Hambüchen und Emil Wieser. Der neue Vorsitzende versprach, seine ganzen Kräfte in den Dienst der Sache zu stellen. Schnitter Tod hielt Ernte (Siegburg): Ende der vorigen Woche starb hier Heinrich Schweinheim, Louisenstraße. Der Verstorbene war 50 Jahre als Schneidermeister tätig. Ueber seine Goldene Hochzeit konnten wir noch im vorigen Jahre berichten.— In Siegburg=Mülldorf starb der Besitzer des Heyderhofes, des ältesten Anwesens der Gemeinde, Josef Heyder, im Alter vom 74 Jahren. Seine Leiche wird am heutigen Dienstag zum Friedhof nach Niederpleis übergeführt. 85jährige in Siegburg (Siegburg): Am Montag feierte hier Frau Wwe. Friedrich Derkum, Hermann=Göring=Straße 32, ihren 85. Geburtstag. Die Jubilarin erfreut sich bei ihren Bekannten einer großen Wertschätzung. Gemeinderatssitzung in Troisdorf (Troisdorf): Am Samstag hielt der neue Bürgermeister von Hirschfeld eine Gemeinderatssitzung. Des verstorbenen Bürgermeisters Jakobs wurde ehrend gedacht. Die Beratung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1936 und die Festsetzung der Steuerumlagen, sowie der Erlaß einer Ortssatzung über die Müllabfuhr in der Gemeinde Troisdorf, die Vorlage zur Aufteilung und Bebauung des gemeindeeigenen Waldgebietes am Prinzenwäldchen wurden vertagt. Die Beschaffung und der Verkauf der Müllgefäße wurde den Orts=Eisenwarenhändlern übertragen. Von den am 24. Januar 1936 öffentlich zur Versteigerung ausgestellten 32 Baustellen sind zwei Baugrundstücke verkauft worden. Ueber das Angebot zum Erwerb eines Grundstückes wird mit dem Eigentümer weiter verhandelt. Gardekameradschaft Troisdorf (Troisdorf): Die Kameradschaft Garde hielt am Sonntag in der Wertschenke der Dynamit.=G. ihre Jahreshauptversammlung ab, die für den verhinderten Kameradschaftsführer Keller vom zweiten Vorsitzenden, Engländer, geleitet wurde. Kamerad Bennerscheidt gab den Jahres=, und Kamerad Hauer den Kassenbericht. Beide Berichte lauteten günstig. Die Kameradschaft zählt 130 Mitglieder. Fünf Kameraden wurden im Berichtsjahre zur großen Armee abberufen. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils blieben die Kameraden im Beisein ihrer Frauen noch einige Stunden fröhlich beisammen. Vorher hatte auf dem Schießstand der Dynamit.=G. ein Preisschießen zu Gunsten des Winterhilfswerks stattgefunden. Aumeldung der schulpflichtigen Kinder (Sieglar): Die Eltern und Erziehungsberechtigten der Gemeinde Sieglar fordert der Bürgermeister auf, die in diesem Jahre schulpflichtig werdenden Kinder bei dem zuständigen Schulleiter unter Vorlage eines Geburtsscheines oder Familienstammbuches sowie des Impfscheines anzumelden. Es handelt sich um die Kinder, die in der Zeit vom 1. Juli 1929 bis 30. Juni 1930 geboren sind. Die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1930 geborenen Kinder können auf besonderen Antrag der Erziehungsberechtigten in die Schule aufgenommen werden, wenn sie die erforderliche körperliche und geistige Reife besitzen. Diesbezügliche Anträge sind schriftlich bei, dem zuständigen Schulleiter anzubringen. Die Anmeldung der Kinder erfolgt bis spätestens 5. März. Ein neues Fahrrad für 20 Mark (Hennef): Ein junger Mann aus Lückert bot einem hiesigen Einwohner ein neues Herren=Fahrrad zum Preise von 20 Mark an. Dem Käufer erschien die Sache jedoch bedenklich und er benachrichtigte die Polizei. Ehe die aber zur Stelle war, hatte der Verkäufer die Flucht ergriffen. Man verfolgte ihn mit einem Auto und nahm ihn am Käsberg fest. Der junge Mann der mehrfach vorbestraft ist, wurde dem Untersuchungsrichter in Siegburg vorgeführt. Motorrad und Kraftwagen stießen zusammen (Hennef=Warth): An der Ecke Adolf=Hitler= Straße und Bröltalstraße stieß ein aus Richtung Uckerath kommendes Motorrad mit einem in die Bröltalstraße einbiegenden Personenkraftwagen zusammen. Der Motorradfahrer erlitt hierbei erhebliche Verletzungen im Gesicht. Ein auf dem Sozius sitzender junger Mann kam mit geringen Verletzungen daoon. Die Insassen des Kraftwagens blieben unverletzt. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt. Stromausschaltung in Neunkirchen (Neunkirchen): Wegen Umbauarbeiten am Ortsnetz im Dorfe Neunkirchen muß am heutigen Dienstag der elektrische Strom zeitweise ausgeschaltet werden. Von dieser Maßnahme wird nur das Dorf Neunkirchen betroffen. Vom Ihein zur Ahl Niederbreisigs Kriegerkameradschaft (Niederbreisig): Im großen Saal zur alten Post war am Sonntagabend die Kriegerkameradschaft zu dem fast traditionell gewordenen Erbsensuppen=Essen versammelt. Kameradschaftsführer Brug begrüßte die Erschienenen herzlich. Der vor 20 Jahren bei Verdun gefallenen Helden wurde durch ein stilles Gebet besonders gedacht. Umrahmt war der Abend von Liedern und Musikvorträgen des Tambourkorps. Kamerad Dr. Huyeng erntete viel Beifall für das von ihm komponierte und vorgetragene Lied„Die Aezesupp“. Eisenbahnbeamten a. D. Stefan Lewandswski, bestand im Mutterhaus vom Roten Kreuz in Gelsenkirchen ihr Staatsexamen mit„Sehr gut“. Mütterberatungsstunde (Bad Neuenahr): Morgen, Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, findet in der Mädchenschule wiederum eine Mütterberatungsstunde statt. Die Inanspruchnahme ist kostenlos. Der Besuch der Sprechstunden kann nur empfohlen werden. Nach Koblenz versetzt.„. Betgungene and zuränstige Ardeit im Jangergau 1o Eine inhaltsreiche Tagung in Siegburg— 174 Vereine mit über 5000 Sängern— Guter Kassenstand (Siegburg). Die erste Jahreshauptversammlung des Sängerkreises 19 im Saale des Hotels„Zum Stern“ wurde nach einem Begrüßungschor„Vom Rhein“ von Max Bruch, vorgetragen durch den Männuer=Gesang=Verein Siegburg=Wolsdorf, unter Leitung des Musikdirektors Königshausen, von Kreissängerführer Klefisch eröffnet. Klefisch begrüßte vor allem das Erscheinen des Vertreters der Stadt, Stadtdirektor Schmitz, des Kreiswalters der DAF. Becker, des SA=Sturmhauptführers Brüstle, des Gauchormeisters Dr. Collignon und des Gaupressewartes Schiel. Später erschien noch Landrat Dr. Buttlar. Der Kreissängerführer gab einen Rückblick über das erste Jahr des Aufbaus, das die Trennung vom Sängerkreis Bonn gebracht habe, dem aber eine Aufteilung in die einzelnen Bezirksgruppen parallel gegangen sei, damit alle Vereine erfaßt würden. Zwingende Notwendigkeit sei es gewesen, die bisherige Bezirksgruppe 4 Eitorf abermals aufzuspalten in die Gruppen 4, Eitorf, und 7, Schladern, unter Leitung des Lehrers W. Walter, der die Führung kommissarisch übernommen habe. Geschäftsführer Klein gab den Jahresbericht. Der Sängerkreis, der aus den Kreisen Sieg und Altenkirchen bestehe, umfasse heute insgesamt 174 Vereine mit über 5000 Sängern. Kreiskassenwart Lintener konnte berichten, daß sich die Ausgaben auf 5407,04 Mk. und die Einnahmen auf 6140,02 Mk. im verflossenen Jahre gestellt hätten. Der Kassenbestand betrage 732.98 Mark. Davon beziffere sich der Gauanteil auf 85.06 Mark und der Kreisanteil auf 330,17 Mk. Die Richtikeit der Kasse wurde festgestellt und dem Vorstande Entlastung erteilt. Kreissängerführer Klefisch gab dann bekannt, daß die Gutachten über die abgehaltenen sieben Wertungssingen von Kreischormeister Dr. Butz in Buchform zusammengefaßt worden seien und jedem Verein zugestellt würden. Kreispressewart Herkenrath verbreitete sich dann im besonderen über die Wertungssingen, die vor allen Dingen eine straffe Organisation gezeigt hätten. Rühmliche Dankesworte fand er hier für die Unterstützung durch die beiden Landräte Dr. Buttlar und Dr. Gorges. Kreischormeister Dr. Butz verlas anschließend sein Geleitwort über das neuerschienene Buch der Wertungssingen und stellte besonders heraus, daß der Chorleiter eine richtige musikalische Ausbildung besitzen müsse, um einen Chor in der richtigen Weise führen zu können. Landrat Dr. Buttlar fand als Sängerfreund herzliche Worte der Freude, unter Sangesbrüdern zu weilen. Er stellte fest, daß gerade die Westmark des deutschen Reiches und in ihr der Sängerkreis 19 mit die besten und meisten Stimmen aufweise. Gauchormeister Dr. Collignon überbrachte die Grüße des Sängergauführers Fischer. Er betonte, daß die Frage ob Polyphonie. Homophonie= ob 3= oder 4stimmig längst überholt sei. Die einstimmigen Chöre gehörten jedenfalls nicht auf das Konzertpodium. Glücklicherweise habe das Wertungssingen den Wettstreit verdrängt. und der Gau danke gerade dem Sängerkreis 19, daß er es als einziger vermochte, seine sieben Wertungssingen ordnungsgemäß durchzuführen. Anregend wirkte auch die Rede des Kreischormeisters De. Butz über die Programmgestaltung. Ein gutes Konzertprogramm müsse logisch geordnet sein und eine Erlebnisreihe andeuten, zweitens psychologisch sein, d. h. sich dem Zuhörerkreis anpassen, und drittens künstlerisch einwandfrei sein. Gaupressewart Schiel wies auf die Bedeutung der propagandistischen Tätigkeit hin. Ein Hand=in=Hand=arbeiten mit der Presse sei unbedingt vonnöten. In begeisterten Worten legte zum Schluß der Kreiswalter der DAF, Becker, dar, daß der deutsche Männergesang ein gutes Erziehungsmittel für das Volk sei. Nach der Führerehrung klang das „Schlußgebet“ von Wüst, vorgetragen durch den Männer=Gesang=Verein Siegburg=Wolsdorf unter Musikdirektor Königshausen auf, und zum Abschluß brachte der Männer=Gesang=Verein Siegburg=Zange unter Jakob Hambüchen die beiden Chöre„Sängergruß ans Vaterland“ von Keucker und„Lützows wilde Jagd“ von C. M. v. Weber, zu Gehör. 21 900 Mark Sterbegelder ausgezahlt (Siegburg): Die Allgemeine Sterbekasse hatte am Sonntagabend im Siegburger Hof ihre Jahreshauptversammlung. In ehrender Weise gedachte man der im verflossenen Geschäftsjahre verstorbenen 45 Mitglieder, für die insgesamt 21900 Mk. an die Angehörigen ausgezahlt wurden. Durchweg wurden im Einzelfall 500 Mark ausgezahlt. Das Vorstandsmitglied Johann Schäfer gab den Jahresbericht und stellte fest, daß gegenüber der Zahl der ausscheidenden Mitglieder der Zuwachs recht gering sei. Eine Mitgliederwerbung tue unbedingt not. Kassenführer Johann Schmidt konnte berichten, daß die Kasse über eine Rücklage von 206 235,39 Mark und ein versichertes Sterbegeld in Höhe von 1124 500 Mark verfügt. Am 31. Dezember 1935 hat man insgesamt 2323 Mitglieder gezählt. Ab 1. Januar 1935 ist das Kassenvermögen von 191 442,57 Mark auf 206 235,39 Mark gestiegen, also bis Schluß des Rechnungsjahres um 14792,82 Mark. Mit diesem Umban der Hirsch=Apotheke (Niederbreisig): Die seit 100 Jahren bestehend, Hirsch=Apotheke wird augenblicklich einem Umbau unterzogen. Der Apothekerraum wird bedeutend vergrößert und erhält einen neuen Eingang. Ferner werden große Schaufenster eingebaut. Vom Standesamt Niederbreisig (Niederbreisig): Im Amtsbezirk Niederbreisig wurden im Februar beurkundet: 10 Geburten, 3 Heiraten und 6 Sterbefälle. Im gleichen Monat des Vorjahres waren es 9 Geburten, 3 Heiraten und 10 Sterbefälle. Bestandene Prüfung (Niederbreisig): Schwester Irene, Tochter des (Bad Neuenahr): Mit Wirkung vom 1: März wurde der Postsekretär Maxain von Bad Neuenahr zur Oberpostdirektion nach Koblenz versetzt. Postsekretät Maxain war lange Jahre auf dem hiesigen Postamt tätig und erfreute sich bei Kollegen wie bei der Bevölkerung der größten Beliebtheit. Gemeindeland wird gerodet (Bad Neuenahr): Auf der rechten Ahrseite an der Hemmessener Brücke liegt ein großes Stück unbenutztes Wiesenland, das eine sehr gesunde Ackernahrung aufweist. Die Gemeinde läßt jetzt das Gelände roden und urbar machen. Das aus der Rodung gewonnene Gartenland wird bedürftigen Volksgenossen zur Bebauung überlassen. Festliche Primiz in Euskirchen Neupriester Josef Gail feierte sein erstes hl. Meßopfer— Die Würde des Priesterkums (Euskirchen): Am Sonntag feierte der Neupriester Joseph Gail in der Pfarrkirche St. Martin seine Primiz. Vor dem Elternhause in der Kolpingstraße war ein Triumphbogen errichtet worden, und von hier an schmückten Fahnen und Girlanden den Weg, den der junge Priester zu seinem ersten Meßopfer ging. Die Pfarrgeistlichkeit von St. Martin, der Onkel des Primizianten Dechant Hack(Arnrath), Pfarrer Körfer von Herz=Jesu, sein früherer Religionslehrer Professor Heinrichs, jüngere Confratres und die näheren Anverwandten geleiteten den Neupriester zur Kirche. Vorauf hinter den Pfarrsahnen schritten weißgekleidete Kinder. Die feierlichen Gesänge des Kirchenchores und die frohen Klänge der Musik erhöhten noch die Feststimmung bei diesem Ereignis. Am ersten heiligen Amt des Neupriesters assistierte sein geistlicher Onkel Dechant Hack, während ihm die Diakone Hermesdorf (Euskirchen) und Ollbrück(Rheinbach) ministrierten. Die Festansprache hielt Professor Heinrichs, der Von der vorken Rg Opernaufführung in Eitorf (Eitorf): Die NS=Kulturgemeinde bringt am 18. März im Saale Biesenkamp den Waffenschmied von Lortzing zur Aufführung. In Szene gesetzt wurde die Oper von Dr. Ludw. Buttlar. Neben den aufführenden Künstlern wirken das 30 Mann starke große Orchester der Hochschule für Musik in Köln, sowie der gemischte Chor des MGV„Cäcilia“ Troisdorf mit. Tagung der Kriegerkameradschaften (Wissen): In Auermühle versammelten sich die Kriegerkameradschaften zu einer Tagung, in der Kreisschießwart Stunz einen Bericht über die Tagung der Kreisschießwarte in Boppard gab. Noch mehr als bisher soll der Schießsport in den einzelnen Kameradschaften als guter Volkssport gefördert werden. Im Zuge dieser Förderung werden im Laufe des Jahres noch eine große Anzahl Schießstände errichtet, wofür entsprechende Beihilfen gezahlt werden. Im Laufe des Sommers sollen in den einzelnen Vereinen des Kreisverbandes Wettkampfschießen durchgeführt werden, um dadurch eine breite Leistungsgrundlage zu schaffen. Gedenkseier für Horst Wessel (Wissen): Zum Gedenken an Horst Wessel hatte die SA eine Gedenkfeier, die in der Stadthalle durchgeführt wurde. Nach einem Marsch durch die Stadt wurde die Feier durch den Vertreter des Sturmbannführers eröffnet. Im weiteren Verlauf der Feier wechselten Sprechchöre und Musikvorträge, während Sturmführer Schmidt die Gedenkansprache hielt. Ein wackerer 82jähriger (Winterscheid): Herr Jakob Beiert aus Bechlingen bei Winterscheid wird heute 82 Jahre alt. Er geht jeden Morgen noch eine Stunde weit nach Winterscheid zur Kirche. Jedes Jahr wanderte er noch einmal zu Bekannten nach Asbach, ein Weg von je 6 Stunden hin und zurück. Der Altersjubilar ist seit langen Jahren Abonnent unserer Zeitung. Auch sein Sohn in Eltorf bezieht schon über 20 Jahre unsere Zeitung. daran erinnerte, daß die erste Primiz, die er in Euskirchen im August 1899 miterlebt habe, die des heutigen Dechanten Hack gewesen sei. Der Pfarrer und die meisten Priester, die damals dem Hochamt beigewohnt hätten, weilten nicht mehr unter den Lebenden. Professor Heinrichs pries dann die Würde des Priestertums und ermahnte die Gläubigen, den von Gott berufenen Seelsorgern in Glaubenstreue und Eifer zu folgen. Nach dem feierlichen Amt wurde der Primiziant wieder in festlichem Zuge zu seinem Elternhause geführt. Hier richtete er an die Versammelten ein herzliches Dankeswort, in dem er seiner Freude über diesen Tag und über alles, was zu dessen Verschönerung beigetragen hatte, Ausdruck verlieh. Nächtlicher Unsug (Euskirchen): In der Nacht zum Sonntag haben Unbekannte auf der Commerner Straße groben Unfug getrieben. Ein Verkehrsschild fiel ihrer Zerstörungswut zum Opfer und die Türe eines Vorgartens fand man morgens auf einer Wiese gegenüber der Georgstraße wieder. Allem Anscheine nach hatten sich die Störenfriede vor ihrem nächtlichen Streifzug reichlichen Zecherfreuden hingegeben. Verdienter Gemünder zu Grabe getragen (Gemünd): Am Wochenende trug die Gemünder Bevölkerung einen verdienten Bürger zu Grabe, den Malermeister Karl Mittag, der im Alter von 71 Jahren gestorben war. An der Entwicklung des Städtchens hat der Verstorbene einen nicht unbedeutenden Anteil gehabt. Mit noch anderen gründete er den Verkehrsverein und setzte sich besonders für das Herbergswesen ein. Er war auch Gemünds erster Herbergsvater, und bis zu seinem Tode verbanden ihn noch gute Bezie:: gen mit vielen, die bei ihm einkehrten. Drei Einbrüche in Duisdorf (Duisdorf): In der Nacht zum 1. Mänz wurde in Duisdorf an drei Stellen eingebrochen. Bei der vierten Stelle blieb es nur bei dem Versuch. Den Dieben fielen nur Sachen von geringem Wert in die Hände. Der Motorraddiebstahl aufgeklärt (Alfter): Das Motorrad, das kürzlich in Alfter gestohlen wurde, konnte in Euskirchen beschlagnahmt und dem Besitzer wieder ausgehändigt werden. Der Dieb, ein Mann aus Alfter, ist noch flüchtig. 3. Mörz 1933 General=Anzeiger für Vonn und Umgegend] Bonner Nachrichten MAosleletenl Berliner Börse vonn 2. März 1936 Festverz. Wertel 445%(9) Bonuer Stadt-Anleihe v. 98 4½4%(9) Bonner Stadt-Anleihe v. 29 4½%(81 Pr. Ld. Pfd.A. Ptd. R. 19 4½%(D. Pr. Ld.Pfd.A. erd. k. n 4 ½%(8) Pr. Ld. Pfd. A. Komm.=G. R. 20 4½%(8) Pr..-.Gpfdhr. 9 4½%(8) PLdptd.-A. 17, 160) 4½%(8) Rb.-Weatf. Gold 4, 6 10. 12*) 4½% Westd. Bod.-.Pf. 3,—12, 14 0) Dt. Ablös.-Anl. mit Ausl.*) Verkehrs-Aktien Hamburg-Amerika Hamburg-Südam Norddeutscher Lleyd Banken Allg. D. Kredit Berl. Handels-G. Commers u. Priv. Deutsche Benk und Disk.-Gesellsch. Dresdner Bank Reichsbank Westd. Bodenkr. Industr.-Aktien Aachen-München“) Aeeumulat.-Fabr. A. E. G. Augsburg- Nürnberg Rasalt-Aktien Linz Bemberg Bergmann Elektr. Berlin-Karlsr. Ind. Berl. Naschinen-Bau Bonner Bergwerkeu. Hütten-Verein“) Brannk.-Zuk.-Akt. 9) Buderus-Eisen Charlottenb. Wasser 107.75 Chem. v. Heyden Chem. Albert C. Gummi-W Hann. Dahlbusch Berzw.“) Daimler Bens D. Atl.-Telegr. Deutsche Erdöl Deutsche Gold- u. Silb.-Scheide-Anst. Deutsche Kabelw. Dtech. Linoleum-W. Dtsch. Spiegelgla# Dortmunder Aktien Dortmunder Union Dürener Metall Dynamit Nobel Elektr. Lieferungen EI. Licht u. Kraft Farbenindustrie Feldmühle-Papier Felten u. Guilleaume Ges. f. ei. Untern. Glas Schalke Goldschmidt Th. Hackethal Harpener Bergbau Hllgers Akt.-Ges. Hoesch-.Neuessen Hohenlohe-Werke Hubertus-Braunk. IIse Bergbau Kallw. Aschereieben Keramag Klöckner-Werke Koksw. u. Chem. F. Kronprinz Metall Lahmeyer Laurahütte Lorens C. Mannesmannröhren Mansfelder Bergbau Maschinenb. Untern. Metallgesellschaft Orenstein u. Koppel Rasquin Farben Rhein. Braunkohlen Rhein. Stahlwerke Rh.-Westf. Kalkw. Rh.-Westf. Elektr. Riebeck Nontanw. Roddergrube Brühl Rositzer Zucker Rütgerwerke Saladetfarth Kall Sarottl-Schokolade Schuckert Elektr. Schultheiß Brauerei Siemene u. Halske Stöhr Kammgarn Stolberg Zink Stollwerek Gebr. 95.5o Tuchfabrik. Auchen Ver. Dt. Nickelw. Ver. Glanzstoff Elb. Ver. Staulwerse Voxel Dr. u. Kab. Westd. Kaufhof sterezeln Wicküler Küpper Zellstoff Waldhof Kolonialwerte Deutsch-Ostafrika Neu-Guinea 79.25 Otavi-Minen u. Elb. 98333 414.— 129.— 160— 5 .50 121.— 185 141— 120 25 96.75 18 375 *) Rheiniseh-Westfällsche Börse. Berliner Mark-Netierung vom 2. Geld Briel März 1936 teld Briet Holland 168.83 169.17 Italien 19.76 19.80 Oesterreich 48.25 49.04 18.25 1 Schweis 91.23 91.31 Berliner Metallbörse vom 2. März 1936 2828: 289 .8 per ag. Veir. e. Drabberr. 148.— 37.00—40.00 *, Sei killem Geschäft freundlich Berliner Börse Tas Geschäft kam zum Wochenbeginn angesichts der vielsach noch nicht erneuerten Zimite nur zögernd in Gang. Unverkenndar war aber wieder ein freundlicher Grundton, da infolge Fehlens fast jeglichen Angebots schon kleine Rückkäufe des berufsmäßigen Börsenhandels in der Lage waren, am Aktienmarkte kleine Kursbesserungen dervorzurufen. Die große Rede Dr. Goebbels' bei Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse findet allgemein starke Beachtung. Am Montanmarkt wurde der sreundliche Grundton durch die Bilanz der Ver. Stahlwerke unterstützt. Am Rentenmarkt sah man meist Samstagnotierungen. Altbesitz und Umschuldungsanleihe, sowie Reichsschuldbuchforderungen blieben unverändert. Im Verlauf wurde das Geschäft an den Aktienmärkten sehr stil, sodaß getingste Betätigung der Kulisse zu Kursschwankungen nach beiden Seiten führten. Am Rentenmarkt begegneten Liquidationspfandbriefe wieder geringer Kaufneigung, sodaß verschiedentliche Kursbesserungen eintraten. Die Börse schloß in außerordentlicher stiller Haltung zu kaum veränderten Kursen. Nur sehr vereinzelt wurden überhaupt Schlußnotierungen vorgenommen. Nachbörslich blieb es still. Rheinisch=Westsälische Börse Zum Wochendeginn eröffnete die Rheinisch=Westsätische Börse nur wenig verändert. Am Montanaktienmarkt ergaben sich nur kleine Kursabweichungen nach oven und nach unten. Nicht ganz gehalten waren Stahltrust, Hosch, Mannesmann und Harpener, die ¾ Prozent abbröcketten. Festverzinsliche stih. Reichsbabnvorzüge waren zu letzten Kursen im Verkehr. Die Börse schloß sti#. Futtermittelvorräte durch künstliche Trocknung Für die Sicherung der Volksernährung aus eigener Scholle ist die ausreichende Versorgung der Landwirtschaft mit Futtermitteln von maßgebender Bedeutung. Besonders schwerwiegend wird die Frage der Futtermittelbeschaffung in den Jahren geringen landwirtschaftlichen Ertrages. Der Wille, auch dann mit den heimischen Futtermitteln auszukommen und eine Verringerung des Viehbestandes zu vermeiden, veranlaßt die Landwirtschaft in immer größerem Umfange zu dem Streben, die überschüssigen Vorräte ertragreicher Jahre für die Zeiten des Mangels aufzubewahren. Der Schaffung genügender Vorräte steht aber die Tatsache hindernd entgegen, daß die pflanzlichen Futtermittel in frischem Zustande stark zum Verderben durch Fäulnis und Schimmeln neigen. Eine länger dauernde Aufspeicherung setzt also eine wirksame Haltbarmachung voraus. Da die hochwertigen Konservierungsverfahren, wie Kühlung, Gefrieren und Sterilisieren zu teuer sind, kommt für das Haltbarmachen großer Futtermittelmengen nur die Einsäuerung in Gärfutterbehältern und die Trocknung in Frage. Die Einsäuerung in Gärfutterbehältern liefert dem Landwirt ein Futtermittel, das für den Verbrauch im eigenen Betrieb gut geeignet ist. Die Trocknung auf etwa 8 bis 10 Prozent Wassergehalt aber ermöglicht es, ein Futtermittelgut herzustellen, das hinsichtlich des Geschmacks und Vitamingehaltes einwandfrei, das jahrelang haltbar und gewichts= und raummäßig so zusammengeschrumpft ist, daß es leicht und billig transportiert und aufbewahrt werden kann. Damit ist eine Marktware geschaffen, die es erlaubt, die guten und schlechten Ernten der einzelnen Jahre sowie die Verschiedenheiten der Ernten in den einzelnen Landesteilen auszugleichen. Die Konservierung durch Trocknen hat besondere Bedeutung bei der Erhaltung des stärkehaltigen Futtermittels Deutschlands, der Kartoffel, der weißhaltigen Futtermittel, wie Klee, Luzerne, lupine, Esparsette, Seradella und Wiesengras, sowie der stärke= und eiweißhaltigen Zuckerrübe, insbesondere ihrer Die Reichsrichtzahl für die Lebenshaltungskosten im Februar Die Reichsrichtzahl für die Lebenshaltungskosten ist für den Durchschnitt des Monats Februar 1936 mit 124,3(1913/14= 100) gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben. Die Richtzahl für Ernährung beträgt— wie im Vormonat— 122,3. Eine Evhöhung der Preise für Kartoffeln und Gemüse ist durch einen Rückgang der Preise für Fleisch(hauptsächlich Kalbfleisch) sowie für Eier ausgeglichen worden. Die Richtzahlen für die übrigen Bedarfsgruppen sind nahezu oder ganz unverändert geblieben; im einzelnen betragen die Richtlinien für Bekleidung 118,6(minus 0,1 v..), für„Verschiedenes“ 141,3(plus 0,1 v..), für Heizung und Beleuchtung 127,1(unverändert) und für Wohnung 121,3(unverändert). Erzeugergroßmarkt Vonn Versteigerungsbericht vom 2. März Es wurde gezahlt in Pfennig für ½ Kilo wenn nicht anders vermerkt: Wintersptnat—7,2, Feldsalat 30,1—39.4, Wirsing 12.—14,3, Dauerrotkohl 7,8—.5, Rosenkohl 24,2 bis 25.4, Grünkohl 9,1—10,3, rote Möhren 3,3—3,9, rote Beeie .—7,6, Sellerie 12.—17,5, Porrec—5. Anfuhr sehr gut. Nachfrage gut. Versteigerungen täglich. Die Samstagsversteigerung beginnt um 13 Uhr. Schalbendienst und Kapilaimartt Der Reichsfinanzminister über Kredit und aktive Konsunkturpolikik— Die natürliche Grenze Gelegentlich eines Besuches in Lübeck hielt Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk vor der Industrie= und Handelskammer eine Rede, in der er u. a. ausführte: Es habe kaum je einen Augenblick gegeben, in dem eine Regierung vor schwierigeren Entscheidungen gestanden habe als im Januar 1933. Denn der Zustand der Krise, wie er damals vielleicht am schärfsten zum Ausdruck gekommen sei, sei nicht etwas Neues gewesen. Tatsächlich hätten wir schon seit dem Kriege in einem Krisenzustand gelebt, und die Ansätze hierzu reichten in die Zeit vor dem Kriege zurück. Für die einzelne Volkswirtschaft komme hinzu, daß sich das Gesetz der steigernden Staatsaufgabe während des Krieges und nachher zu einer ungeahnten Wirklichkeit entwickelt habe. Infolgedessen habe wie in allen anderen Ländern so auch bei uns der Staat im Wege der Besteuerung immer mehr an alle Vorgänge der Wirtschaft sich anhängen müssen, um die notwendigen Einnahmen für die Staatsausgabe zu erzielen. Als Folge davon hätten wir dann die Abhängigkeit der öffentlichen Finanzen von jedem Wechsel der Wirtschaft und so schließlich mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft den der öffentlichen Finanzen erlebt. Auch die seit 1931 befolgte Deflationspolitik habe die Krise nicht beseitigen können. Erst im Frühjahr 1933, als mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler die Voraussetzungen für das Vertrauen in eine starke, bleibende und auf lange Sicht disponierende Regierung geschaffen gewesen seien, habe der Staat sein einziges Aktivum, den Kredit, in die Bresche werfen und eine aktive Konjunkturpolitik führen können. Naturgemäß könne diese nicht am laufenden Bande fortgesetzt werden, sondern sie habe ihre Grenze in der Tragfähigkeit des Etats für den Schuldendienst der aufgenommenen Kredite und in der Leistungsfähigkeit des Kapitalmarktes für die Fundierung der kurzfristigen Kredite. Die normalen Ausgaben müßten daher wieder auf den laufenden Etat übernommen werden, und man müsse unter allen Umständen jetzt zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen. Auf der anderen Seite müsse der Kapitalmarkt für manchen volkswirtschaftlichen und privatwirtschaftlichen Bedarf ausfallen, bis die letzten großen Aufgaben durchgeführt seien. Die hierdurch aufgestaute Reserve würde uns später sehr zugutekommen. Die Kartosselpreise im März Im Regierungsbezirk Köln bleiben die Verbraucherhöchstpreise für Speisekartoffeln in den Städten Köln, Bonn, Bergisch=Gladbach, Brühl, Godesberg, Gummersbach, Honnef, Königswinter, Siegburg und in den Gemeinden Bensberg, Beuel, Frechen, Hürth und Troisdorf auf dem Stande vom Monat Februar. Der Verbraucherhöchstpreis für gelbe Speisekartoffeln beträgt: bei Abgabe von 10 Pfund 0,46 RM. „„ in Zentnern(frei Haus).—„ Für weiße, rote und blaue Speisekartoffeln beträgt der Verbraucherhöchstpreis in den erwähnten Städten und Gemeinden: bei Abgabe von 10 Pfund 0,43 RM. „„ in Zentnern(frei Haus).70„ In den vorstehend nicht genannten Gemeinden des Köpfe und Blätter. Geeignete Trockner sind von der deutschen Industrie geschaffen worden. Die künstliche Trocknung, die größere Eiweißgehalte ergibt als die natürliche, ist geeignet, den Mangel an eiweißhaltigen Futtermitteln in Deutschland erheblich zu vermindern. Wie stark sich eine Erhöhung der Eiweißgehaltes in Futtermitteln auswirkt, zeigt die Tatsache, daß eine Steigerung des Eiweißgehaltes des in Deutschland jährlich geernteten Heues um 1 Prozent eine Vermehrung der Eiweißmenge um 350 000 To. ergehe würde. Gefährlicher Unsug (Mechernich): Auf den vier Wegen blendeten am Samstagabend mehrere Burschen einen Autofahrer mit einer Taschenlampe. Der Fahrer, ein Kaufmann aus dem Saargebiet, mußte seinen Wagen derart abbremsen, daß er sich quer auf die Straße stellte. Es hätte nicht viel gefehlt, und der Wagen wäre eine etwa 2 Meter tiefe Böschung heruntergestürzt. Dem Wagenführer gelang es, einen der Burschen zu erwischen, der vorerst eine ordentliche Tracht Prügel einstecken mußte. Damit ist dieser Unfug aber noch lange nicht bezahlt. Die Eltern und Erzieher sollen die Kinder doch mehr auf die Gefährlichkeit dieses Tuns aufmerksam machen. Der Stadionwatd soll verschwinden (Mechernich): Längs der Straße MechernichCommern dehnt sich zum Teil jahrzehntealter Waldbestand aus. Bodenuntersuchungen haben ergeben, daß sich dieses Gelände als Ackerland eignet. In das Programm der vielen Notstandsarbeiten hat man auch die Kultivierung eines Teiles dieses Waldes aufgenommen. Der fast 100 Jahre alte Buchenbestand in der Talmulde fällt jedoch der Abholzung nicht zum Opfer. Den Mechernichern kommt diese Neulandgewinnung in unmittelbarer Nähe des Ortes sehr gelegen. Ein altes Blockhaus verschwindet (Erpel): Die Reichsbahnverwaltung läßt zur Zeit das alte Blockhaus bei Blockstelle 48 oberhalb Erpel abreißen. Das kleine Gebäude wurde durch ein neuzeitlicheres, das bereits vor einigen Wochen in Betrieb genommen wurde, ersetzt. Regierungsbezirks beträgt der Verbraucherhöchstpreis für gelbe Speisekartoffeln: bei Abgabe von 10 Pfund 0,44 RM. „„ in Zentnern(frei Haus).80„ Für weiße, rote und blaue Speisekartoffeln beträgt der Verbraucherhöchstpreis: bei Abgabe von 10 Pfund 0,41 RM. „„ in Zentnern(frei Haus).50„ Liefert der Erzeuger unmittelbar an den Verbraucher, darf er im Höchstfall bei Lieferung von gelben Speisekartoffel je Zentner 3,45 RM., bei Lieferung von weißen, roten oder blauen je Zentner.15 RM. verlangen. Kennzahl der Großhandelspreise Die Kennzahl der Großhandelspreise stellt sich für den 26. Februar 1936 wie in der Vorwoche auf 103,6 (1913 gleich 100). Die Kennzahl der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe 104,6(minus 0,1 v..), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 93,8(plus 0,1 v..) und industrielle Fertigwaren 119,9(unverändert). 2234 3 33-34— 43 Kölner Schlachtviehmarkt (Preise für 50 Kilogramm Bedendgewicht) 2. 3 Tchien, vollfleischige, ausgemästete lensuss, vonlfletschige fleischige gering genährte Ausnahmetiere Bullen, jüngere vonlfleischige sonfüge, vollteischige sleischige gering genäbrte Kühe. jüngere vollfleischige sonstige vollfleischige fleischige gering genährte Gürsen vollfleischige, ausgemästete vollfleischige fleischige gering genaorte Fresser. mäßig genährtes Jungvied Külder, Doppellender bester Mast.... beste Mast= und Sauakälver mitttere Masi= und Saugkälder geringere Sauakälber geringe Kälber Lämmer und Hammel. deste Mastlämmer 1. Stallmastlämmer 2. Holsteiner Weidemastlämmer deste jüngere Masthammel 1. Stalmasthammel 2. Weidemastbammel.. mittlere Mastlämmer. Altere Masthammel Schase: heste... Sammel.... mittlere geringere Schweine. a) über 300 Pfd Lebenda. 1. fette Speckschweine 2. vollfleischige Schweine bi 240—Aim Psd Lebendg. c) 210—240 Wsd Lebendg. d) 164—219) Psd Lebendg. e) 121—161 Pid, Lebendg. ei unter 120 Psd. Lebendg. I. sette Specksauen 2 andere Sauen Auftried 477, zuletzt 475 Stück Großvieh, und zwar 147(92) Ochsen, 24(32) Bullen, 284(335) Kübe, 22(16) Färsen, —(—) Fresser, 1008(832) Kälber, 114(8) Lämmer, Hammel, Schafe. 4002(3732) Schweine. Die Preise sind Markwreise für nüchtern gewogene Tiere und schließen sämtliche Spesen ab Stall sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich also wesentlich über die Stallpreise erheven. 83— 45—54 36—42 2 57 Die Bebealung der deutschen Voziaidersicherung Garanlie der Leistung— Beiträge und Rechtsansprüche— Die Krankenversicherung Die deutsche Sozialversicherung stellt wohl den großartigsten Versuch dar, den werktätigen Menschen gegen die aus seiner Berufsarbeit entstehenden Bedrängnisse und Schäden zu schützen. Das können sein Krankheiten, Unfälle, Invalidität und Arbeitslosigkeit. Danach gliedert sich die deutsche Sozialversicherung in Kranken=, Unfall=, Invaliden= und Arbeitslosenversicherung. Die Privatangestellten haben ihre besondere Invalidenversicherung und die Bergleute— einschließlich Angestellte— in der„Knappschaft" die Krankenund Invalidenversicherung zusammen. Außer der Arbeitslosenversicherung unterhalten die vorbezeichneten Versicherungszweige auch die Alters= und Hinterbliebenenfürsorge. Die Grundlage der deutschen Sozialversicherung sind Zwangsbeiträge für Unternehmer und Versicherten, und zwar in der Invaliden= und Angestelltenversicherung zu gleichen Teilen, in der Krankenversicherung und Knappschaft für die Unternehmer zu einem Drittel, für die Versicherten zu zwei Drittel. Aus dieser Zwangsbeitragsleistung resultiert auch der Rechtsanspruch auf die Leistungen. Der reine Versicherungscharakter, der darin besteht, daß für einen bestimmten Beitrag eine bestimmte Leistung garantiert wird, mußte im Interesse der Erhaltung der Sozialversicherung leider geopfert werden. Durch die Inflation und nachherige falsche Beitrags= und Leistungspolitik war sie Ende 1932 finanziell derartig herunter gekommen, daß der Zusammenbruch bevorstand. Der Nationalsozialismus hat sie davor bewahrt durch die Gesetze vom 7. 12. 1933 und 5. 7. 1934, wodurch die Sozialversicherung verwaltungsmäßig und versicherungstechnisch wieder auf eine gesunde finanzielle Grundlage gestellt wurde. Denn das beste an jeder Versicherung ist schließlich doch die Garantie der Leistung für die weitere. Zukunft. Die Beitragseinnahmen aller Versicherungszweige(Kranken=, Invaliden=, Angestellten=, Knappschafts=, Unfall und Arheitslosenversicherung) beliefen sich im Jahre 1934 auf ca. 4 bis 4,5 Milliarden RM; die Gesamtausgaben betrugen etwa 3 Milliarden RM. Ohne die Arbeitslosenversicherung beliefen sich die Beitragseinnahmen auf 2,73, die Gesamteinnahmen auf 3,13 Milliarden RM; die Gesamt ausgaben betrugen 2,7 Milliarden RM. Von diesen entsielen 2,4 Milliarden oder 90 Prozent auf Leistungen an die Versicherten; auf die Beitragseinnahmen bezogen machten die Leistungsausgaben 89 Prozent aus. An Verwaltungskosten wurden 8,4 Prozent der Beiträge ausgegeben. Das Vermögen der Versicherungsträger betrug am Schluß des Jahres 1934 5,2 Milliarden RM. Das Vermögen stieg in der Invalidenversicherung um 185, in der Knappschaftlichen Pensionsversicherung um 22, in der Angestelltenversicherung um 195 Millionen RM. Nach dem Jahresbericht des Reichsversicherungsamtes für das Jahr 1934, dem diese Zahlen entnommen sind, wird für das Jahr 1935 mit einer weiteren Steigerung der Beitrags= und Gesamteinnahmen gerechnet. Diese dürften sich belaufen: in der Invalidenversicherung auf 940 bezw. 1023, in der Angestelltenversicherung auf 350 bezw. 513 Millionen RM. Dem werden gegenüberstehen an Ausgaben: in der Invalidenversicherung 820 Millionen, davon 758 Millionen an Versicherungsleistungen, in der Angestelltenversicherung 319 Millionen RM. In der knappschaftlichen Pensionsversicherung wird dagegen mit einem Fehlbetrag in Höhe von 80 Millionen RM zu rechnen sein, obwohl auch hier die Finanzlage seit 1932 sich erheblich besserte. Der Fehlbetrag dürfte vom Reiche gedeckt werden. Auch in der Krankenversicherung konnten die Ausgaben durch die Einnahmen nicht voll beglichen werden. Der geringe Fehlbetrag wird jedoch aus der Rücklage gedeckt werden, so daß mit irgendwelcher Beitragserhöhung nicht zu rechnen ist. Von besonderem Interesse dürften auch noch folgende Zahlen sein: In der Krankenversicherung erhalten 18 Millionen Versicherte in einem Jahr etwas mehr als 1 Milliarde an Leistungen. In der Invalidenversicherung bekommen 3000 Männer, 2000 Frauen und 1000 Witwen im Alter von mehr als 90 Jahren eine Rente in einer durchschnittlichen Höhe von monatlich 38 RM, der Höchstsatz beträgt 70 RM. Vorstehende Zahlen geben ein anschauliches Bild von der großen Bedeutung der Sozialversicherung für Volk und Staat. Wenn Tiere Theater spielen... Ohne Zweifel hat das Schwein Jolanthe von allen Theatertieren heute die größte Berühmtheit erlangt. Aber dieses prominente Tier, das den„Krach um Jolanthe“ entfesselt, hat Kollegen, sogar in der Titelrolle. Man denke etwa an Aristophanes Komödien„Die Vögel“, und„Die Frösche“, an Wildenbruchs„Haubenlerche" oder Birch=Pfeiffers„Grille“. Oft müssen sich Menschen auf der Bühne als Tiere verkleiden. So wird die Wildsau in der Wolfsschlucht des„Freischütz“ gewöhnlich von einem Ballettkind gemimt. Einmal frage ich eine solche Tanzelevin:„Du bist doch neu bei uns, ich habe dich noch nicht gesehen“. Prompt antwortet die Kleine:„Sie kennen mich, ich bin doch— die Wildsau.“ In München verwendeten wir in der Oper„Undine“ kaschierte Schwäne, die in dem Schloßteich hin und hergezogen wurden. In jedem Schwan saß ein kleiner Junge. der die Stahlspirale für die Kopfbewegungen des weißen Vogels zu ziehen hatte. Diese Lausejungens hatten sich nun verabredet: wie sie in der Mitte der Bühne aneinander vorbeigondelten, nickten sie einander wohlgefällig zu, so daß das Publikum darüber in lautes Lachen ausbrach. Seit jenem Theatertag fahren die Schwäne unbeweglich,„unbemannt", von Kulisse zu Kulisse. In München hatte der Requisiteur neben allerhand angeforderten Kaninchen, Kanarien und Papageien auch einen allerliebsten Affen in voller Verpflegung. Er wurde zum„Grand Lever“, der Marschallin im „Rosenkavalier“ auf die Bühne gebracht. Im Laufe der Zeit hatte dies merkwürdige Tier gemerkt, daß sich die Mitglieder des Schauspiels und die der Oper nicht gerade hold gesinnt waren. Er zog hieraus seine Konsequenzen, grüßte huldvoll=kollegial die Opernkräfte. indessen er gegen das Schauspielerpersonal in hohem Bogen spuckte. Im„Rosenkavalier“ sah er nun, wie der Ochs von Lerchenau, der ihn zu gern auf der Bühne stichelte, nach seinem Auftritt sich die ominöse heiße Perücke rasch vom Kopf nahm. Als bei der nächsten Aufführung dieser Straußoper ihn jener Sänger wieder nicht in Ruhe ließ, riß der Affe mit einer hastigen Bewegung dem Sänger die Perücke ab, und der arme Baßbuffo mußte unter dem Gelächter des Publikums mit eigenem Lockenschädel die Szene verlassen.... Bei einer Vorstellung von„Alt=Heidelberg“ kam ein Schauspieler mit seinem Dackel an und versicherte hoch und teuer, daß dies der bravste aller braven Hunde sei, und er wolle mit diesem dekorativen Tierchen als Student die Bühne betreten. Der Köter besah sich zuerst wohlgefällig schweifwedelnd das Publikum; dann aber gewahrte er den Souffleur. Das war so etwas wie ein Mensch unter einem Bett. Er zog den soeben noch lustwedelnden Dackelschwanz blitzschnell zwischen die krummen Beine und knurrte. Bellte dann laut, daß das liebe Publikum zu lachen begann. Dieses Benehmen= forderte seine empfindliche Hundeseele noch mehr heraus. Zu allem Unglück war der Souffleur eine Souffleuse, die außerdem arge Angst vor diesen treuen Haustierchen hatte. Sie stöhnte daher verhalten auf. Das war nun für„Waldmann“ das Stichwort für den Beweis eines bösen Gewissens. Mit einem erbosten Satz sprang der lammfromme Dackel jählings in den Souffleurkasten...“ Der Vorhang mußte fallen, ein Feuerwehrmann zog vor dem brüllenden Publikum zuerst die fassungslose Souffleuse und dann den vierbeinigen Mitspieler an die Rampe. Schon auf den Proben fügen sich die Tiere nicht immer den Anordnungen der Regie. In der Oper „Kolumbus“, die an der Berliner Staatsoper uraufgeführt wurde, hatte eine Taube aus dem silbernen Käfig enthuschend zum Schnürboden aufzusteigen. Aber das verscheuchte Tierchen flog bei der ersten Probe gegen den Zuschauenrraum, setzte sich dort auf die ungangbarsten Gesimse hin, flatterte endlich ganz oben hinauf an den Kronleuchter. Und fast hätte dieser lose Vogel die Abendvorstellung gefährdet; denn man kann doch wirklich nicht das Publikum in den Zuschauerraum einlassen, wo eine Taube herumflattert. Man setzte ihren ständigen Käfig in den Schnürboden, damit sie während der Vorstellung mit ihrem angeborenen Orientierungssinn zu dem festen Futterdominizil gradezurückkehrte—„ Enil Piechan. — Seite 12. Nr. 13 477 General=Anzeiger für Vonn und Umgegend 7 Bonner Nachrichten 3. März 1936 VVrlnon, Orelt und Spiel Köln=Vonner Hockeyels gegen Nieder=Mittelrhein Oster=Jugendturnier im Hockey in Köln— Probespiel der Saumannschaft Die Interessengemeinschaft Kölner Hockey=Vereine hielt in Köln unter dem Vorsitz von W. Funke=Kaiser eine Sitzung ab, auf der bekannt gegeben wurde, daß für die Ostertage in Köln ein Jugend=Turnier geplant ist, an dem 18 deutsche, vier englische und zwei holländische Mannschaften teilnehmen sollen. Von den englischen Mannschaften wird allerdings nur eine im Nahmen des Turniers spielen, die andern drei werden unmittelbar vor und nach Ostern gegen Kölner Jugendmannschaften antreten. Die Mannschaft der Gaugruppe Nieder=Mittelrhein wird am 21. März in Köln ein Probespiel gegen eine Köln=Bonner El] bestreiten, das zur Vorbereitung dienen soll für das am 28. März in Deventer stattfindende Treffen gegen Holland B. Die Tura muß umstellen Beim sonntäglichen Spiel wurde der Linksaußen der Tura vom gegnerischen Läufer im Strafraum unsair gelegt. Schiedsrichter Taschke schien dies übersehen zu haben. Betzgen blieb liegen, er hatte sich anscheinend den Arm verletzt. Nach dem Spiel hat sich herausgestellt, daß er eine schwere Verletzung an der Handwurzel davongetragen hat, sodaß er die beiden letzten =Spiele wohl kaum mitspielen kann. In der Frage der Umbesetzung bleibt nichts anderes übrig, als Herbst auf den Linksaußenposten zu stellen, Aretz in den Sturm und Laupsien in den Mittellauf. So bleibt immer noch eine Umstellmöglichkeit in der Halbzeit, um den noch jungen Laupsien im Mittellauf nicht zu belasten. Inwieweit brauchbare Ersatzspieler vorhanden sind, ist uns nicht bekannt. Fußball der Hota .=Spiel der Kölner„Hota“—„Hota“ Vonn Zum zweitenmal stehen sich beide Mannschaften in der diesjährigen Spielzeit gegenüber. Trotzdem bei der Hota Köln eine starke Formverbesserung festzustellen ist und den Westdeutschen Meister.Gladbach mit:1 besiegen konnte, soll nicht gesagt sein, daß die Hota Bonn keine Siegesaussichten auf dem Postsportplatz hat. Hota Bonn: Göbel; Löllgen, Weilerswist; Giese, Meier, Urbach; Rößler, Baumeister, Mompour, Juchem, Reuter. Kampfplan der Bezirksklasse am Sonntag Gruppe 1:.=Gladbach— Blauweiß, Zündorf gegen Viktoria, BfL Poll— Troisdorf, Siegburg gegen Deutz 05, Bayenthal— Union 05, Kölner BV 05 gegen Wolsdorf. Gruppe 2: Kölner BE— Jugend Kalk, Vingst 05 gegen Rhenania, Nippes 1912— Schwarzweiß, Beuel gegen Preußen, Phönix— Kölner FV 02, Bonner BE gegen Godesberg. Handball 2B Köln=Kalk— 2B Köln=Ehrenfeld, PSV Koblenz gegen Gummersbach, BfR Köln— Mülheimer SB. Sport Ipiegel des Tages Das vorzügliche Abschneiden der Bonnerin Leni Lohmar in Berlin ist in Bonn mit großer Freude aufgenommen worden. Da sie in Bonn nur auf einer 20=Meter=Bahn trainieren kann, so kann sie nicht so zur Geltung kommen wie auf einer 50=Meter=Bahn. Zuletzt wurde Brewitz in Kassel auf die Bonnerin aufmerksam, als sie auf einer 50=Meter=Bahn sehr gute Zeiten schwamm. Sie wurde zu dem Internationalen Schwimmfest nach Berlin eingeladen und hat jetzt das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt. Sie gehört heute zu den sechs besten deutschen Kraul= schwimmerinnen. Heute abend wird sie in Krefeld gegen beste deutsche und ausländische Konkurrenz u. a. wieder gegen Hveger, Arendt, Pollack usw. starten. Brewitz äußerte in Berlin dem Begleiter Herrn Hermann Henze gegenüber: „Na, sehen Sie, was habe ich Ihnen damals in Kassel gesagt, auf einer 50=Meter=Bahn ist Fräulein Lohmar besser als die meisten deutschen Schwimmerinnen.“ Wir wünschen der sympathischen Bonner Schwimmerin weiterhin gute Erfolge, vor allen Dingen auch bei dem Olympiakurs im nächsten Monat in Berlin, zu dem sie eingeladen worden ist. Bei den Deutschen Schwimmeisterschaften wird es sich endgültig entscheiden, welche Verwendung die Bonnerin bei der bestimmt zu erwartenden Formverbesserung finden wird. * Die Tischtennisspieler sind die Jongleure mit dem kleinen Ball. Künstler des Liliputballes, wirklich grotesk einmal die ungarischen Meister spielen zu sehen. Wohl kaum ein Sport erfordert solch blitzschnelle Konzentration wie gerade das Tischtennis. Bonn besitzt immer noch eine große Anzahl von Spielsälen, in denen wöchentlich eifrig geübt wird. Am 15. März wird in Bonn wiederum ein Großereignis gestartet und zwar steigen hier die Gaumeisterschaften. Wenn auch geringere Aussichten für die Bonner bestehen als früher, so wird man doch diesen oder jenen Spieler aus den Bonner Vereinen plaziert finden. * Am 22. März wird in Köln mit einem großen Streckenrennen die Radrennsaison offiziell eröffnet. Die Radfahrer haben sich eifrig auf die Saison vorbereitet. Die Sturmvogelleute ließen es sich nicht nehmen und spielten im Winter eifrig Fußball, um stets für lockere Beingelenke zu sorgen. Am letzten Sonntag spielte man in Köln. Ein Teilnehmer schreibt uns dazu: Radrennsportler spielten Fußball! Radsportklub„Durch“ Köln=Merheim— Radsportklub „Sturmvogel“ Vonn:6! Am Sonntagmorgen trafen sich die Bonner Radrennsportter und fuhren gemeinsam auf dem Rad nach Köln=Merheim, um hier auf dem Turnvereinsplatz gegen den Radsportklub Durch, Köln=Merheim, in die Schranken zu treten. Sturmvogel spielte mit der Mannschaft: Klöckner, Schäfer, M. Hammerschlag. Duppelseld, Thiebes, Engels, Görtz, Kerzmann, Meier, Bachemest und Petmecy (Radsportfreunde).„Durch“ Köln zog mit dem bekannten Nachwuchsfahrer Schneider an der Spitze in den Kampf. Bereits kurz nach Spielbeginn erzielten die Kölner den ersten Troffer, jedoch hatten die Bonner bald ausgeglichen. Bis zur Halbzeit kamen die Kölner, nach dem 2. Bonner Treffer kann nochmals bis:2 auf. Nach der Pause hatten die Bonner dann, als bedeutend besser eingespielte Mannschaft, weit mehr vom Spiel. Die Kölner kamen auch zu keinem Erfolg mehr, sodoch erzielten die Bonner deren noch 4. Das Spiel wurde von einem Mitglied des Merheimer Turnvereins gut geleitet. Für Köln war Kremer zweimal erfolgreich. Für Bonn waren Meier zweimal, Engels zweimal, Kerzmann und Petmecy je einmal die Torschützen. Nach dem Spiel traf man sich dann zu einem gemütlichen Zusammensein im Klubheim des„Durch“ im Restaurant zur Post in Merheim. Bei der üblichen Fachsimpelet verlebte man schöne Stunden. Gelegentlich des Reichstreffens der Radfahrer in Bonn, wo sich auch der Kölner „Durch“ am Korso beteiligt, wird der Bonner„Sturmvogel" in seinem Klublokal mit den Kölner Kameraden eine gemütliche Zusammenkunft veranstalten! * Die Olympiatrainingsgemeinschaft der Frauen hat sich am Sonntag bei dem herrlichen Wetter erstmalig wieder hinaus auf die freie Bahn gewagt. Das war ein Genuß, nach langen Wintermonaten endlich den öldumpfen Hallenfußböden entwichen zu sein. Eine Teilnehmerin, Frl. M.., schreibt uns begeistert folgendes: Uns allen, die wir uns nach Sonne, Luft und Betätigung sehnen, ist dieses erste Freilufttraining mehr als rein sportliche Arbeit. Wir können uns austoben, können die im winterlichen Hallentraining gesammelten Kräfte loslassen und erproben. Zuerst eine Runde locker gelaufen wärmt und macht die von der Kälte steifen Muskeln geschmeidig. Dann können wir es schon mal mit den Hürden versuchen. Die vorjährige zweite bei den Gaumeisterschaften, Annemie Linden, schaffts natürlich. Und wir Andern? Na, es geht besser als erwartet. Jedenfalls, keine drückt sich! Wie könnte man auch an diesem sonntäglichen Sonnentag tatenlos beiseite stehn? Nach den Hürden zum Ausgleich Armarbeit: Diskus und Kugelstoßen. Danach noch ein paar Start und Hochsprünge und dann merken wir, daß das erste Mal draußen auch uns Hallentrainierte noch ein wenig müde macht. Fugbau im Reglteis Siegburger SB 04— ViR Siegburg:1(.0) Schwach war der Bosuch dieses Lokalspiels aber auch schwach die Leistungen dioser Auseinandersetzung. Die Siegbunger, als erklärter Favorit, boten ein zusammenhangloses Bild und da einige Spieler versagten, blieben die Handlungen eben nur Stüchwerk. Seyr schwer tat sich vor allem der Sturm, der sich gogen die mit gesicherter Tordeckung(verteidigender Mittelläufer) spielenden Zanger nicht durchwinden konnte. So blieb die erste Spielzeit auch ohne Erfolg und sie verging bei dem abgohackten und monotomem Gang der Spielhandlungen recht langweilig. Erst der Zanger Füyvungstroffer brachte eine Steigerung des Tompos, wenn auch die Loistungen davon unberührt blieben. Als Werth am Ball vorbeitritt und der heute überragonde Tormann seinen Laden verlassen hatte, rollt der Ball ins Netz. Erst in der allerletzten Minute kann der vollkommen ausfallende Stühmer einen schwach abgewohrten Strafstoß noch im Nachschuß unterbringen. Wagen dieses Tores war man übrigens verschiedener Meinung. Schiedsrichter Eschweiler war der Leiter des Spiele 65B Troisdorf 05— Tus Oberlar 07:0(:0) Mit einigen Ersatzstürmern hatten die Troisdorfer sich vorgostellt und auch bei Oberlar fehlte der Verteidiger Par. Jodenfalls aber kam der Troisdovfer Sturm lange nicht zur freion Entwicklung, weil die Ersatzleute den Gang der Handlungen störten. So hatten die Oberlarer in der ersten Hälfte nicht nur kleine Vorteile, sondern sogar die Möglichkeit gehabt, sich einen Vorsprung zu erkämpfen. Ihr schußschwacher Sturm ließ es aber dazu nicht kommen. Die 2. Hälfte brachte das gleiche Bild solange allerdings, bis der Läufer Küster einen Strafstoß ins Oberlarer Tor gesunkt hatte und so seine Stürmer auf ihren Zweck aufmerksam machte. Sie verstanden nun, worum es ging und bald war das 2. Tor fällig. Willms war verantwortlich für die folgenden zwei Einschüsse in die sonst gut gebütete und verteidigte Oberlarer Feste, Schiedsrichter Bloch(VsL Reichsbahn) ging in Ordnung. SpBBg Eitorf— 5pB Hurst:1(:1) Mon kann es verstehen, daß die Eitorser angesichts des kommenden schweren Spieles gegen Bnachbach nur das taven, was zum Sieg auch unbedingt notwendig war. Sie ließen dem Gegner zunägst etwas Bewegungsfreiheit, die dieser mit einem erfolgnüichen Torschuß dankond gutvierte. Toch dann hatte er nichts mehr zu bestellen. Eitoris Sturm lief gut, wonn auch nicht auf höchste Tourenzahl, immerhin aber so, daß man zum Schluß einen dicken Siog zu Hause hielt. BfL Reichsbahn Siegburg—FC Hertha Rheidt:0 Das nachträglich durchgefüyrte Punklospiol sah den ViL in der ersten Hälfte beicht im Vorteil. Zwei Tore konnte man schließlich aubringen, die die später stärker aufkommenden Rheidter aber nicht mahr wettmachen konnten. Bei ihnen krankte es diesmal im Sturm, der sich trotz guter Unterstüvung bei der allerdings auch aufmerrsamen gegnerischen Abwehr nicht durchsetzen konnte. Blau=Weiß Birk— SpL. Stoßzdorf. Zu dom vorverlegten Punktespiel traten die Stoßdorfer nicht an, sie hatten vorher allerdings abgosagt. Hocker Pädagogium Godeoberg— 5XC. Bad Neuenahe :7(:2) Unerwartet doch mußten sich die Godesberger Schüler geschlagen bekennen. Die Neuenahrer fanden lediglich in der ersten Spielhälfte Widerstand. Vergebens versuchten die Verteidiger— von denen der rechte Überragte— in Gemeinschaft mit dem ebenfalls guten Mittelläufer das Spiel offen zu halten, immer wieder stürmten die Gäste vor und schossen nach und nach die Tore. Tisch=Tennis HXC Bad Neuenahr— TTB Mayen 26:5 Der Hockey= und Tennisklub Bad Neuenahr empfing den TTV Mayen zu einem freundschaftlichen Turnier im Casé Marienhof. Mit Aufgebot von 9 Damen und 12 Herren kämpften beide Klubs. Im ganzen war der Gastgeber überlegen, ließ z. B. in den Herrenspielen den Gästen nur einen Punkt, einen weiteren im gem. Doppel und die restlichen 3 Punkte in den Damenspielen. hausball vom Sonntag XV. Beuel— SC. Euskirchen:7(:4) Odwohl Beuel mit Ersatz antrat, konnte gegen die starken Guskirchener ein Aberraschendes Unentschieden herausgeholl werden; dald wäre es sogar ein Sieg geworden, wenn in den letzten Minuten die Beueler Hintermannschaft besser ausgepaßt hätte. XV. Beuel=Rheindorf— TV. Oberkassel:7(:3) Oberkassel hatte reichlich Schußpech.— Die Tadellenführung düvfte jetzt eine Angelegenheit zwischen Oderkassel und Cuchenbeim sein. Zwischenrunde der Vox=Meisterschaft in Vonn! Nach der Abwicklung der Vorrunden der Meisterschaft des Gaues Mittelrhein wird am Samstag, 7. März, in Bonn durch den Post=Sportverein in der Beethovenhalle die Zwischenrunde durchgeführt. Es steht fest, daß Leute wie Grommes, Stein, Fluß, Ulberich und Rustemeier in Bonn an den Start gehen werden. M Ipien der Kreistässen Mussendorf— Berkum:0(:0) Meckenheim— Beuel Res.:4 Plittersdorf— Ippendorf:2(:2) Mehlem— Buschhoven:2. Die Meisterschaftsanwärter Ippendorf und Mufsendorf setzten sich diesmal glatt durch. Mussendorf hatte allerdings eine Halbzeit lang Mühe, um den Widerstand der Berkumer zu brechen. In der zweiten Spielhälfte klappte es dann um so besser. Schwach spielte der Gästesturm, der gegen die eiserne Verteidigung der Mussendorfer nichts ausrichten konnte. Ippendorf mußte nach Plittersdorf und hatte dort das Glück, daß die Plittersdorfer keine Tore schießen können, sonst wäre vielleicht eine Niederlage fällig gewesen. Die erste Halbzeit ging zwar an den Gruppenführer, der bereits nach 20 Minuten mit:0 in Führung lag. Die Plittersdorfer liesen erst nach Halbzeit zur vollen Form auf und belagerten nun zeitweise das Tor der Ippendorfer, aber kein Stürmer brachte es fertig, aus den vielen gesunden Torgelegenheiten einen Treffer zu erzielen. Hätte der Sturm weniger gesummelt und mehr geschossen, dann wäre ein Punkt in Plittersdorf geblieben. Die Meckenheimer melden abermals eine Niederlage. Diesmal war es die Reservemannschaft der Beueler, die dort nach spannendem und wechselvollem Kampf mit:2 gewinnen konnte. In Mehlem zeigten sich die Buschhovener trotz der Niederlage von ihrer besten Seite. Die Gäste führten lange Zeit mit:0, während die Mehlemer trotz allem Eifer nicht das Tor finden konnten. Erst die Verwandlung eines Strafstoßes zum 1. Gegentreffer brachte dem Spiel insofern eine Wendung, als die Mehlemer die restlichen Spielminuten die Gäste vollständig überrumpelten. Es hatte also noch eben so geklappt. Tabellenstand vom 1. Marz: Merten— Keldenich:2 Sechtem— Bornheim:1 Hemmerich— Brenig:4 Oedekoven— Hersel:1. Der Gruppenführer der Gruppe 3 büßte in Sechtem seinen zweiten Punkt ein. Bereits im Hinspiel hatten die Bornheimer Mühe, die Mannschaft aus Sechtem abzuschütteln. Diesmal wäre beinahe eine Niederlage aus der zweiten Begegnung geworden, denn die Platzmannschaft ging mit großem Elan ans Werk und hätte wohl auch gewonnen, wenn die Bornheimer Hintermannschaft und vor allem der Torwart nicht so gut gewesen wären. So mußten sich die Sechtemer mit einem Treffer in der ersten Halbzeit begnügen. In der zweiten Spielhälfte gaben sich die Bornheimer alle Mühe, um den Ausgleich zu erzielen, der dann auch etwa Mitte der Halbzeit gelang. Beim Gruppenführer konnte der Angriff nicht sonderlich gefallen. Mit einer hohen Niederlage wurden die Keldenicher von Merten nach Hause geschickt. Der Tabellenzweite bewies wieder einmal, daß er den Platz verdient hatte. Die Mannschaft lieferte ein gutes und erfolgreiches Spiel, dem die Gäste nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnten. Bereits bei Seitenwechsel hatte Merten den Sieg sicher. Etwas überraschend sind die beiden anderen Ergebnisse. Den Brenigern hatte man einen so glatten Sieg nicht zugetraut, zumal es auch bei dieser Mannschaft im Sturm hapert. In der ersten Halbzeit sah es allerdings nach einem Siege nicht aus, erst nach Seitenwechsel konnten die Gäste ihren knappen :=Vorsprung erhöhen. Hersel mußte in Oedekoven Sieg und Punkte lassen. Obwohl das Spiel gar nicht so eindeutig für den Sieger verlief, mußten die Herseler eine Niederlage einstecken, da der Sturm durch sein Spiel für einen Torerfolg nicht fähig war. Oedekoven bleibt auch weiterhin zu Hause ein gefährlicher Gegner. 3. Kreisklasse, Gruppe 1 Eisenbahn—. Bonn=Nord:4 Pützchen— TV Rheinland:5. In der 3. Kreisklasse gab es nur 2 Spiele. Der Gruppenführer Bonn=Nord weilte beim Tabellenletzten und schlug diesen nach eintönigem Kampf mit:1. Interessanter dagegen war die Auseinandersetzung zwischen Pützchen und TV Rheinland. Die Kessenicher Turner spielten in der ersten Halbzeit ganz hervorragend und lagen bei Seitenwechsel mit:1 in Führung. Nach Wiederbeginn nahm man den Kampf zu leicht, sodaß Pützchen, bis zum Abpfiff den großen Vorsprung wieder einholen konnte. Bonn=Nord Roisdorf TV Rheinland Pützchen Heimerzheim Eisenbahn 8 10 8 9 7 1— 2 4 8— Die Gruppe 2 war spielfrei. 31: 7 19:27 22:21 28:15 13:18 :29 15: 1 10:10 9: 7 9: 9 5: 9 :14 Aus dem Täger der Schwetathieten Die erstmalige Austragung einer verartigen Veranstaltung wurde für den Kraftsportverein Godesberg zu einem in jeder Beziehung vollen Erfolg. Die Kampfstätte, die große Godesberger Tonhalle, war am Sonntag überfüllt. Leider waren die Kanonen O. Möchel, Köln=Mülheim, Cremer=Ehrenseld und Müller=Mülheim nicht am Start. Auch Pinsch=Siegburg fehlte, und Thelen=Duisdorf konnte das Gewicht nicht bringen. Eine recht angenehme Ueberraschung war es für das Godesberger Publikum, daß die Vertreter des Kreises Bonn=Siegerland Albus, Wendtland und der Jugendringer Neuschwander, die Kölner Ringer glatt ausschalten und sich in die Spitzengruppe vorschieben konnten. : Erste Runde: Divernich=Godesberg gegen Schlangen=Köln Gleich im ersten Treffen gibt es den einzigen Mißton der Veranstaltung, denn beide Ringer werden wegen unsportlichen Benehmens von der Konkurrenz ausgeschlossen. Stanko=Worringen gegen Scheer=Köln=Ehrenfeld Bei gleichwertigem Standkampf kann Stanko sich einen glatten Punktsieg sichern. Klug=Duisdorf gegen Wendtland=Godesberg Der schönste Kampf des Tages. Beide legen sofort mächtig los und versuchen eine Entscheidung herbeizuführen. Nachdem man sich gegenseitig des öfteren der Niederlage nahe gebracht hat, gibt der 2. Deutsche Jugendmeister sich eine Blöße, die der Godesberger geschickt ausnutzt und ihm nach 10 Minuten die Brücke eindrückt. Albus=Siegburg gegen Neuschwander=Bonn 99 Der jugendliche Bonner greift tüchtig an. Aber der aus der Desensive kämpfende Kreismeister ist ihm an Kraft überlegen. Albus holt sich im Bodenkampf Vorteile und kann nach neun Minuten durch Eindrücken der Brücke sogar entscheidend siegen. Klein Köln=Langel hatte Freilos. Leui Lohmar in Berlin Auf dem Jubiläumsschwimmen des Schwimmvereins Poseidon Berlin trasen sich die besten deutschen und däuischen Schwimmerinnen. Die Bonnerin Lent Lohmar konnte sich am ersten wie auch am zweiten Tag sehr gut placieren, einmal landete sie aut dem zweiten Platz hinter Gisela Arendt, am zweiten Tag schwamm sie totes Rennen mit Frl Pollack Berlin. Auf unserem Bild ist der Start zum 10 =Kraul zu sehen. Vo rechts nach links: Halbant. Lohmar, Hveger, Arend und Pollack. phot. Scher 2. Runde: 1. Kampf: Scheer gegen Klein Bis zur Halbzeit ein ausgeglichener Kampf. Im Bodenkampf ist Klein überlegen und siegt leicht nach sieben Minuten durch Eindrücken der Brücke. Scheer scheidet aus. 2. Kampf: Wendtland gegen Stanko Bei beiderseitigen lebhaften Angriffen konnte bis zur Hälfte nichts erzielt werden. Im angesetzten Bodenkampf entzieht Stanko sich durch von=der=Matte=Rutschen den Angriffen des Godesbergers und erhält deswegen eine Verwarnung, die Wendtland den verdienten Punktsieg einbringt. 3. Kampf: Albus gegen Klug Der Duisdorser liegt dauernd im Angriff. Albus wird vom Kampfleiter mehrere Male zum Kämpfen aufgefordert. Klug, hierdurch sicher geworden, kämpft viel zu offen und wird nach sechs Minuten von Albus überrascht, der ihn mit einem Untergriff von vorne auf beide Schultern wirft. Klug scheidet aus. 3. Runde: 1. Kampf: Neuschwander gegen Stanko Neuschwander beweist in diesem Kampf, daß er ein ausgezeichneter Techniker ist. Im Standkampf kann Stanko den Bonner infolge seiner Kraft beherrschen. Im Bodenkampf dagegen ist Neuschwander tonangebend. Er sammelt durch einige wunderbar ausgeführte Kopfdrehgriffe Punkte und siegt durch denselben Griff nach neun Minuten entscheidend. 2. Kampf: Klein gegen Wendtland Ein temperamentvoller Kampf. Wendtland überrascht seinen Gegner durch Kopfschleuder. Klein erfaßt die Lage und gleicht durch Armzug aus. Nochmals erzielt Wendtland durch Armzug eine kleine Wertung. Aber der Gegner geht durch denselben Griff sogar in Führung, indem er Wendtland der Niederlage nahebringt. Nur dessen eiserne Brücke kann ihn retten. Klein, in Führung liegend, muß sich nach sechseinhalb Minuten gänzlich unerwartet geschlagen bekennen. En hat einen mörderischen Nackenhebel angesetzt, den der Godesverger aber aus der bedrängtesten Lage mit einem Armzus glänzend parirt und den Gegner auf die Schultern drückt. Schluß=Runde 1. Kampf: Neuschwander gegen Klein Letzterer kommt zu einem überraschend leichten Sieg, indem er seinem Gegner nach drei Minuten durch Hüftschwung mit nachträglichem Eindrücken der Brücke das Nachsehen gibt. 2. Kampf: Albus gegen Wendtland Hier werden alle Hoffnungen der Godesberger Ringsport= anhänger über den Hausen geworsen. Wendtland, der einwandfrei beste Ringer und Techniker des Turniers, wird von dem immer auf Nummero Sicher kämpfenden Siegburger entscheidend besiegt. Nach beiderseitig vorsichtig geführtem Standkampf unterliegt Wendtland plötzlich einem verkehrten Armzug am Boden, den Albus überraschend anbringen konnte. Schlußkampf: Klein gegen Albus Beide Ringer wissen, worum es geht und kämpfen daber recht vorsichtig, sodaß sie vom Kampfleiter zum Angriff ermahnt werden. Nach ausgeglichenem Standkampf holt Albuc im ausgelosten Bodenkampf sich durch Armschlüssel zwei Wertungen, denen Klein nichts entgegensetzen kann. Der Punkt sieg des Siegburgers war glatt und verdient. 1. Sieger: Albus=KSV Siegburg, 2. Wendtland=KSV Godesberg, 3. Klein=Köln=Langel, 4. Neuschwander=Bonner Athl. Ges., 5. Stanto=Worringen. Den Kreisliga=Meisterschaftskampf KSV Siegburg gegen KSB„Einigkeit“ Wesseling konnten die Siegburger mit 15:6 Punkten für sich entscheiden Rietb, Poggel, Pinsch, Albus und Hohn holten für Siegbur, die Punkte. Für Wesseling flegten Quadt und Stupp. Ins Olympia=Ausscheidungs=Turnier der Schwergewichtsklaff 1 wurde Hohn=Siegburg Bezirksbester. 3. März 1936 General=Anzeiger für Bonn und Umgegend Bonner Nachrichten Nr. 15427. Seite 13 12) Uilser--Saucistte V O N I. G. E R 1 E A Dann stieß man auf ein ungeheures Wattenmeer, auf ein„aestuarium“, eine Lagune,„die das Meer bald betritt und bald wieder verläßt". Der Kaufmann vermerkte auch das. Und auf dieser weiten, nicht übersehbaren Lagune dehnten sich Moore, standen Eichen= und Föhrenwälder, dicht, undurchdringbar... Auch mit den Menschen, die jenes Land bewohnten, muß Pytheas in Verbindung getreten sein und mit ihnen um Bernstein gehandelt haben. Von seinen Aufzeichnungen sind nur Bruchstücke der Nachwelt erhalten geblieben. Bruchstücke sind auch die Inseln der Ambronen, abgerissen vom einstigen Mutterland. Bruchstücke sind die Inseln der Halligen: Langeneß, Nordmarsch, Hooge, Gröde, Appelland, Nordstrandischmoor, Oland, Südfall, Süderoog, Hamburger Hallig, Norderoog und Habel. Das sind die Namen der zwölf Halliginseln, die einst zum Festland gehörten, ums Jahr 1873 schon nur noch Erdsetzen waren mit einer Gesamtfläche von 2750 Hektar und im Jahre 1912 kaum 1750 Hektar umfaßten. 480 Menschen wohnen auf ihnen. Vierhundertachzig Menschen bieten hier dem Schicksal Tag und Nacht Trotz, ein ganzes Leben lang. Ein paar große Inseln liegen wie Wehre um die Halligeilande: Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand. Man nennt sie„die nordfriesischen Inseln", und wenn man sich tief in die entschwundenen Jahrtausende hineindenken will, um sich ein Bild der Halligen von„Damals" zu machen, dann muß man auch diese nordfriesischen Inseln durchstöbern. Ihr Schicksal ist das gleiche; ihr Bestand nur größer, weil sie als mächtigere Landschollen im Meere stehen. * Zur Zeit etwa, als Alexander der Große aus dem Orient zurückkehrte und der Kaufmann und Gelehrte Pytheas von Massilia dem Sturm trotzte, wird FöhrAmrum die größte Geestfläche des Aestuariums gewesen sein. Die Menschen, die damals hier wohnten, hießen die Aviones oder Ambronen, wie uns heute noch der Name der Insel Amrum verrät, die im Jahre 1662 noch Ambrum genannt wurde. Auch heute bezeichnen sich die Bewohner von FöhrAmrum als Amringer und Föhringer. Das Festland, dem sie zugehörten, hieß Chersonesus Cimbrica und wurde von den Stämmen der Charuden, Teutonen, Zimbern, Saxonen und anderen bewohnt. Wir wissen aus den Aufzeichnungen des lateinischen Schriftstellers Plutarch, daß einst Teile dieser Völkerstämme südwärts wanderten, landhungrig und mit dem Verlangen nach wärmeren Gegenden. In furchtbaren Kämpfen sind sie aufgerieben worden oder dort, wo sie sich zu behaupten wußten, in anderen germanischen Stämmen aufgegangen. Von den Ambronen=Inseln sind auch jene Auswanderer gekommen, die sich um die gleiche Zeit etwa am Südsaum der Nordsee auf keitischem Gebiet ansiedelten, sich ost= und westwärts bis Bremen und Brügge anbauten und Friesen genannt wurden. 850 Jahre nach Christi Geburt sind Friesenenkel wieder nordwärts in die alte Heimat gefahren, um dort den Kampf gegen den„Blanken Hans“ und das Versinken weiterer Landflächen aufzunehmen. Und wiederum Ambronen sind es, die sich den Heeren der Angelsachsen anschließen, um das unter der Römerherrschaft aufgeblühte Britannia zu erobern. Land, Land und immer wieder Land mußten sie suchen, um Raum zu finden für sich und ihre Nachkommen. Ein letztes Mal noch um die Zeit der großen Wikingerzüge mögen Ambronen auf Kolonisationsfahrt gezogen sein; dann jedoch sind sie seßhaft geblieben und haben ihre Gebiete gegen den„Blanken Hans“ im Westen und den Dänenkönig im Osten verteidigen müssen. Das Meer riß ihnen Land um Land aus den Händen und schlug ihre Küsten zu steilen, rauhen Felsenklippen. Die Dänenkönige fielen ihnen in den Rücken, unterwarfen sie und trieben Zins und Gült ein. Das Leben der Freien wurde Knechtschaft; da bäumten sie sich auf, und ein Kampfruf ging über die umbrandeten Eilande: „Lewwer duad üs Slaav!“ Und abermals hängt das Schicksal düstere Wolken über die nordfriesischen Inseln, bis endlich im Jahre 1426 ein heller Sonnenstrahl sie erleuchtet: Unter Wahrung ihrer alten Stammesrechte schlagen sie sich zum deutschen Fürstenhause der in Holstein regierenden Schauenburger. * Das Schicksal des Landes ist ebenso dunkel wie das seiner Menschen. In seinen flachen und von tiefen Abstürzen begrenzten Geestgefilden steckt der Kern uralten Grundgebirges, das sich unter ganz Schleswig=Holstein hinzieht. Es ist nicht der tiefste Untergrund, der aus hartem Gestein gewachsen ist; Bodenschichten sind zutage getreten, die der„Uebergangszeit zwischen den vollkommen fremdartigen Gesteinsbildungen des Landes und der Formation seiner heutigen Oberfläche angehören, Bodenarten aus dem Zeitalter der Braunkohlen, Glimmerton, der sich in einer Urnordsee, die weit in das jetzige Schleswig=Holstein reichte, als Bodenschlamm abgelagert hat“. Wer zählt die Millionen der Jahre nach, vor denen es einmal da oben ein Klima gegeben, das dem Spaniens und Süditaliens glich, vor denen in den Nordseetiefen Schnecken, Muscheln und anderes Getier lebten voller Farbenpracht, fremd dem Leben der uns bekannten Zeiten? Bleich, zerfressen und hauchdünn liegen ihre Schalen im Glimmerton der Steilhänge. Und dann kam eine andere Zeit, in der sich die Urnordsee mehr und mehr zurückzog; schlickiger Meeresgrund tauchte auf, Strand bildete sich aus tonigem und reingewaschenem Sand, Schicht um Schicht verklebte und verkittete sich zur festen Steinmasse der Kliffe. Brauneisenerz, sagt die Wissenschaft. Damals folgte dem Meere ein Fluß. Weither kam er, aus einem Lande, das einst an Stelle der Ostsee sich ausbreitete. Schneeweiße Sandschichten schwemmte der Fluß an die roten Kliffe der Inseln und deckte sie mit einer hellen Decke zu, bis der„Blanke Hans“ seine Wogen dagegen schlug und den feinen Ueberzug wieder abwusch. Doch das Morsumkliff, das Weiße Kliff bei Braderup und der untere Teil des Roten Kliffs zwischen Westerland und Kampen, sie tragen heute noch den Gürtel weißen Schwemmsandes. (Fortsetzung folgt.) Halligen. Priel mit Bandixwarf. Deri Hadeimann spien=Beleino Als Herr Havelmann zum zweitenmal aus dem Fenster blickte, sah er, daß der blinde Bettler auch zum zweitenmal die Augen geöffnet hatte. Bei dieser Wahrnehmung stieg ihm ein angenehmes Kribbeln bis in die Kopfhaut, denn es geschah hier etwas Unrechtmäßiges und dem nachzuspüren forderte die innere Berufung Havelmanns. Er nahm seinen Hut, ging die Treppe hinunter, wandte sich erst unbefangen nach rechts, querte den Damm und pirschte sich dann mit schleichenden Schritten zu dem vermeintlichen Blinden hin. Der Mann saß auf einem Feldstühlchen am Gartenzaun, trug eine gelbe Binde um den Arm und hatte einen Kasten mit Streichhölzern vor sich. Als er Schritte hörte, setzte er die kleine Blechschale mit Pfennigstückchen, die vor ihm stand, klappernd in Bewegung und sagte mit einer Monotonie, die wahrhaft meisterlich schauspielerisch war:„Kauft Streich= hölzchen,. bitte kauft Streichhölzchen.“ Herr Havelmann war einen Augenblick verlegen. Er glaubte sich geirrt zu haben. Er beugte sich vor und sah dem Mann in die Augen. Der hielt sie krampfhaft geschlossen. Herr Havelmann hatte nicht umsonst den kleinen Kriminalisten in der Westentasche studiert. Er sprang auf einmal mit beiden Beinen in die Luft, was bei seiner Behäbigkeit ein schweres Stück war, und schrie dazu schauerlich:„Hu— hu“. Das hatte Erfolg. Der Blinde sperrte entsetzt die Augen auf. „Aha“, sagte Herr Havelmann,„dann kommn Sie mal mit.“ Der Bettler schüttelte entschieden den Kopf. Er beugte sich vor und hielt die Hand vor den Mund, Herr Havelmann bückte sich neugierig, um zu hören. Pst, pst, um Gotteswillen“, sagte der Bettler,„machen Sie doch nicht solchen Lärm, drüben ist man schon aufmerksam geworden. Ich bin doch Kriminalbeamter.“ Er ließ für einen Augenblick unter der Rockklappe etwas Blitzendes sehen. Herr Havelmann schöpfte tief Luft.„Was ist denn los?“ flüsterte er. „Drüben ist eingebrochen!“ entgegnete der Mann, „langgesuchte Bande— hohe Belohnung! Seien Sie ganz still. Tun Sie nur so, als ob Sie mir etwas abkauften... Streichhölzchen, bitte kauft Streichhölzchen!“ wimmerte er gellend. Herr Havelmann fuhr mit der Hand in die Tasche, fand aber seinen Geldbeutel nicht, den hatte er oben gelassen. Aber die Brieftasche war da. Mit zitternden Händen nahm er einen Zwanzigmarkschein heraus und sagte:„Ich habe leider kein Kleingeld, lieber Mann.“ „Das macht nichts", wimmerte der Bettler,„ich nehme auch großes", und tastete nach dem Zwanzigmarschein.„Ich werde wechseln gehen.“ Herr Havelmann wurde etwas besorgt. Aber der Bettler sagte:„Setzen Sie sich an meine Stelle hierher und passen Sie auf, ich hole Verstärkung, es sind mindestens fünf Mann, wie ich gesehen habe. Schnell, setzen Sie sich, es sieht grade niemand her.“ Herr Havelmann wollte nicht gern auf dem Stühlchen Platz nehmen, er genierte sich. Dann aber besann er sich darauf, wie Sherlock Holmes und Nat Pinkerton ebenfalls die anrüchigsten Verkleidungen nicht gescheut hatten, um zum Ziel zu kommen. Er setzte sich, streifte die gelbe Binde über, die der Bettler ihm hingeworfen hatte, und nahm den Kasten auf den Schoß. Der Mann entfernte sich schon.„Aber... aber mein Zwanzigmarkschein“, stammelte Havelmann, „aber es ist doch garnicht nötig, bitte, bemühen Sie sich nicht.“ „Den Schein nehme ich mit, als Sicherheit, daß Sie hier bleiben“, sagte der Blinde,„Sie könnten sonst einfach fortlaufen und den Posten verlassen,— nein, mein Lieber, dafür bin ich Kriminalist.“ Herr Havelmann lächelte. Er hatte heute entschieden schon viel gelernt. Er begann also mit der kleinen Blechbüchse zu rütteln und kniff die Augen zusammen. Er kniff sie so zusammen, daß, als er sie endlich öffnete, ihm ganz schwarz vor den Augen war. Drüben im Haustor zeigte sich lange Zeit nichts. Dann endlich lugte ein Mann mit einem steifen Hut, der ein großes Bündel über der Schulter hatte, vorsichtig heraus. Darauf entfernte er sich schnell nach rechts die Straße hinunter. Gleich darauf kamen ein zweiter und ein dritter heraus und verschwanden. Herr Havelmann befand sich in großer Bedrängnis. Er wußte nicht, ob er um Hilfe rufen sollte oder lieber selbst einem nachsetzen. Aber er hatte versprochen, auf seinem Posten zu bleiben. Wieder zeigte sich eine verbeulte Ballonmütze im Haustor. Der Mann darunter machte eine ausholende Bewegung, die wie ein Winken war, und rannte aus Leibeskräften davon. Was war das? War das etwa sein Freund in einer neuen, genialen Verkleidung? War er etwa den Dreien schon auf den Fersen? Herr Havelmann warf den Kasten mit Streichhölzchen prasselnd auf die Erde und rannte hinter dem Mann her. Irgendwo vorne glaubt er den steifen Hut vor sich zu sehen.„Haltet den Dieb!“ schrie er,„haltet den Dieb!“ Seine Stimme überschlug sich, er glaubte platzen zu müssen. Der Mann vor ihm war auf einmal verschwunden, er mußte in ein Haustor geschlüpft sein oder er war um die Ecke gebogen. Havelmann verdoppelte seine Schnellingkeit. Seine Beine flogen ihm fast an den Kopf. Er baumelte mit den Armen und nach und nach sprangen ihm alle Knöpfe von der Weste. Seinen Hut hatte er bereits verloren. Trotzdem schrie er unentwegt und strebte vorwärts. Plötzlich hörte er, daß jemand hinter ihm herlief. Er drehte sich um. Ein Schupo rannte in gestrecktem Galopp hinter ihm drein, sein Gummiknüppel tanzte in den verwegensten Sprüngen, seine schwarzen Gamaschen blitzen angriffsfreudig. „Dort... dort“, schrie Havelmann und zeigte immer nach vorn...,„gerade muß er um die Ecke sein.“ Der Schupo antwortete nicht, er rannte stumm und ingrimmig. Er holte allmählich auf, wie Herr Havelmann mit Freuden feststellte, er war jung und sehnig und hatte viel längere Beine als er. Jetzt rannten sie beinahe Schulter an Schulter. Es war, als hätten sie sich zu einem scherzhaften Wettlauf zusammengetan, der junge dünne Schupo und der ältliche Herr Havelmann. Er deutete immer eifrig mit der Hand nach vorn. Aber plötzlich schwirrte etwas durch die Luft und fiel auf seine Finger nieder. Havelmann schrie auf, ließ den Arm sinken und stand still. Mit der rechten Hand hielt er die schmerzende Linke. Seine Lungen rangen nach Luft... Luft! Er lehnte sich halb ohnmächtig an ein Gartengitter. Aber dann hatte ihn der Schupo auf einmal gepackt. Herr Havelmann wehrte sich nur schwach und deutete nach vorn. „Dort dort“, keuchte er. „Kennen wir“, sagte der Schupo,„auf den Trick fallen wir nicht herein!“ Herr Havelmann kam endlich etwas zu Atem.„Aber Sie irren sich, dort läuft der Dieb.“ „Natürlich— dort läuft er“, echote der Schupo,„er läuft immer wo anders.“ „Aber so hören Sie doch!“ schrie Herr Havelmann aufgeregt,„ich habe doch die Diebe verfolgt. Einen Mann mit einem steifen Hut.“ „Gewiß doch, mit einem steifen Hut... und een blaues Auge hatte er ooch—“, er packte Havelmann fester. „Ich heiße Havelmann, Xaver Havelmann, und wohne in der Teichstraße.“ „So?“ sagte der Schupo.“„Ich werde Ihnen sagen, wer Sie sind: Du bist Bullerheinrich und kommst gerade aus Nummer Sicher.“ Herr Havelmann riß die Augen auf.„Bullerleinrich“— sagte er,„wieso Bullerheinrich?“ Plötzlich machte Herr Havelmann einen Luftsprung.„Mein Zwanzigmarkschein!“ schrie er.„So hören Sie doch. Herr Wachtmeister... ich habe doch den Bettler vertreten, der sagte, er sei Kriminaler, ich will meinen Zwanzigmarkschein haben“. Herr Havelmann weinte fast.„Sie sind doch Hüter Zdes Gesetzes, da kann ich verlangen, daß man mir meinen Zwanzigmarkschein wieder verschafft.“ „Nu aber Schluß!“ drängte der Schupo.„Machen Sie mir keine Fisematenten, was geht mich Ihr Zwanzigmarkschein an und der Mann mit dem steifen Hut und dem blauen Auge.“ „Er hatte gar kein blaues Auge“, murrte Herr Havelmann,„das haben Sie nur dazugedichtet.“ Der Schupo beförderte darauf Herrn Havelmann unsanft zur Wache. Ein Haufen Neugieriger folgte. Dort konnte der Schupo die Behauptung, daß Herr Havelmann mit Bullerheinrich identisch sei, nicht lange aufrecht erhalten, denn die Wirtschafterin Havelmanns wurde auf sein dringendes Verlangen zitiert und er als Xaver Havelmann aus der Teichstraße Nr. 32 festgestellt.“ „Lassen Sie den Herrn frei“, sagte der Reviervorstand. Der Schupo ließ ihn nur ungern und knurrend los. Herr Havelmann schüttelte sich.„Und was wird mit meinem Zwanzigmarkschein?“ jammerte er. Die Polizisten grinsten. Dann wurden sie ernst.„Na also— dann aber los, der Bande nach“, sagte der Reviervorsteher.„Und seht zu, daß ihr den Bettler kriegt— das war Bullerheinrich, der hat Schmiere gestanden.“ Als sie gerade aus der Tür drängten, begegneten ihnen zwei Schupos, mit dem Bettler, den Herr Havelmann vertreten hatte, zwischen sich. Herr Havelmann fuhr auf ihn zu.„Wo ist mein Zwanzigmarkschein?“ Dann aber merkte er, daß Bullerheinrich nicht imstande war, zu antworten, er wankte hin und her und roch nach Schnaps sieben Meilen gegen den Wind. „Dabei haben wir ihn gekriegt!" verkündete der Schupo strahlend.„In seinem Suff hat er uns die ganze Geschichte erzählt,— die andern kommen auch schon.“ Diese Geschichte gab Herrn Havelmann oft Gelegenheit, seine Erzählungen mit den Worten zu beginnen: „Als ich damals die Bande von Bullerheinrich gefangen nahm...“ Die Erzählung war allerdings etwas lückenhaft, denn die Szene auf dem Polizeirevier fehlte vollkommen. K Das unverbeserliche„Nachztgespenk“. Die Berliner Kriminalpolizei hat dieser Tage erneut den 44jährigen gewerbsmäßigen Gewohnheitseinbrecher Johann Janoschka hinter Schloß und Riegel gebracht. Janoschka, der vor Jahren in Berlin das gefürchtete „Nachtgespenst“ war, wurde erst im Sommer 1935 nach Verbüßung einer sechsjährigen Zuchthausstrafe aus der Haft entlassen. Es konnte ihm damals bei einem Bauunternehmer eine Arbeit zugewiesen werden. Eines Tages verließ er ohne Angabe von Gründen die Arbeit und wurde daraufhin auf Grund des Erlasses des preußischen Ministerpräsidenten über die planmäßige Ueberwachung von Berufsverbrechern unter kriminalpolizeiliche Aufsicht gestellt. Bald aber entzog er sich seiner Anmeldeverpflichtungen, um in den Nächten sein altes Treiben wieder aufzunehmen. Janoschka hatte sich nach Verlassen seiner Arbeitsstelle von abends 9 Uhr bis morgens 6 Uhr in seiner Wohnung aufzuhalten. Bei den ersten beiden Kontrollen trafen ihn die Kriminalbeamten auch an; jedoch bereits bei der dritten Kontrolle wurde festgestellt, daß er aus seiner Wohnung verschwunden war. Eine umfassende Fahndung nach ihm konnte jetzt nach einigen Wochen mit seiner Festnahme im Berliner Norden abgeschlossen werden. Ein Postaute gestohlen und beraubt Das Postauto, das den Dienst zwischen dem Hauptpostamt in Besancon und dem dortigen Bahnhof versieht, ist auf rätselhafte Weise gestohlen und erst 24 Stunden später seines Inhalts beraubt an dem Ufer des Doubs wieder aufgefunden worden. Der Wagen enthielt 14 zum Teil sehr wertvolle Postsäcke. Das Auto hatte vor der Abfahrt am Bahnhof gehalten. Als der Fahrer abfahren wollte, mußte er feststellen, daß man ihm während seiner Abwesenheit ein Stück des Starters gestohlen hatte. Daraufhin kehrte er ins Bahnhofsbüro zurück, um seinen Vorgesetzten telephonisch zu benachrichtigen. Diese neue kurze Abwesenheit benutzten der oder die Diebe, um mit dem Wagen das Weite zu suchen. Augenwurmkrankheit in der Tschechei Im Krankenhaus von Sillein(Tschechei) wurde dieser Tage ein Fall von Augenwurmkrankheit behandelt, eine Krankheit, die bisher in Europa nur in sechs Fällen aufgetreten ist. Hinter der Hornhaut eines plötzlich erblindeten Knaben fand man einen 1½ Zentimeter großen Wurm, die Larve einer Fliege, die nur am Südrand der Wüste Gobi lebt. Wie weiter bekannt wurde, sind in den letzten Wochen in der Slowakei drei gleiche Fälle festgestellt worden. Es müssen also einige Exemplare der Fliege unter besonderen Umständen bis nach Mitteleuropa gelangt sein. Die Larven der Fliege klammern sich mit Vorliebe an die Hornhaut des Auges, nachdem sie von der Fliege auf dem menschlichen Körver abgelegt worden sind. Diebe bestahlen ihre Hehler Drei Burschen im Alter von 19 bis 23 Jahren, die mit Unterstützung einer 23jährigen Aufpasserin in der letzten Zeit zahlreiche Diebesfahrten durch Duisburg unternahmen, konnten jetzt festgenommen und dem Richter zugeführt werden. Sie hatten es hauptsächlich auf Tabokwagengeschäfte und Trinkhallen abgesehen. Die gestohlenen Waren verkauften sie an einen Händler, dessen Frau ein Tabakwarengeschäft unterhielt und vornehmlich Trinkhallen belieferte. So kam es vor, daß Hehler, die die gestohlenen Waren ankauften, ihre eigenen Waren noch einmal erhielten, wobei das vierblättrige Kleeblatt das Geschäft machte. Beim Zusammenstoß 50 Meter weit geschleudert Ein Autobus der Linie St. Avold=Merlebach(bei Metz) stieß mit einem Privatkraftwagen zusammen. Durch den Zusammenprall wurde dem Autobus die linke Wagenhälfte aufgerissen. Von den Reisenden wurde ein Kriegsinvalide schwer verletzt und dessen Sohn getötet. Der Privatkraftwagen wurde etwa 50 Meter weit geschleudert und stürzte in einen Graben, wobei der Wagenbesitzer einen sehr schweren Schädelbruch erlitt. Seine Frau ist ihren Verletzungen während der Einlieferung ins Krankenhaus erlegen. Lastauto in die Wupper gestürzt Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich in Kräwinklerbrücke. Ein mit Möbeln beladener Lastkraftwagen, mit dem ein Umzug von Opladen nach Plettenberg unternommen wurde, konnte die enge Kurve unmittelbar vor der Wupperbrücke in Kräwinklerbrücke nicht nehmen. Der Wagen überfuhr eine Steinmauer und das Brückengeländer am Anfang der Brücke und stürzte in das obere Wupperbett. Hier kam der Wagen glücklicherweise auf die Räder zu stehen. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, daß der Unfall kein Menschenleben forderte. Von den sechs Insassen des Lastkraftwagens wurden vier leicht verletzt, während eine Frau mit einem Beckenbruch und ein Mann mit einem Schlüsselbeinbruch in das Krankenhaus übergeführt werden mußten. Sanitäter und SA hatten den Verletzten die erste Hilfe geleistet. Die Möbelstücke, die bei dem Sturz in die Wupper gesallen waren, konnten bald wieder herausgeholt werden, dagegen dauerte es bis Sonntagmittag, ehe es den vereinten Bemühungen von Feuerwehr und SA gelang, den Lastkraftwagen aus dem allerdings nicht tiefen oberen Wupperbett heraus und wieder auf die Straße zu bringen. Briefdiebstahl im Fall Hauptmann Der Sohn des früheren amerikanischen Botschafters in Mexiko, Dwight Morow, hat dem Polizeichef von New Jersey angezeigt, daß ihm die Briefe seiner Schwester, der zurzeit in England lebenden Gattin des Obersten Lindbergh, gestohlen worden seien. Die Briese, die nach Angabe Dwight Morrows angeblich wichtige Informationen über die Entführung des Lindbergh=Kindes und den Hauptmann=Prozeß selbst enthalten sollen, seien ihm aus seiner Wohnung in Cambridge(USA), wo er gegenwärtig an der Haward=Universität studiere, wahrscheinlich von einer jungen Dame entwendet worden, die sich als Vertreterin einer Zeitung vorstellte und eine Unterredung haben wollte. Dies sei vor zwei Wochen geschehen. Nachforschungen haben ergeben, daß die Zeitung, deren Mitarbeiterin die bewußte Dame hat sein wollen, gar nicht bestehe. Auch die Journalistin sei seither spurlos verschwunden. Von Schneemassen in die Tiese gerissen Bei Axams westlich von Innsbruck, riß ein Schneebrett von 300 Metern Breite, das sich plötzlich ablöste, zwei Skiläufer aus Innsbruck mit sich in die Tiefe. Der eine Skiläufer konnte sogleich unversehrt geborgen werden, der andere war, obwohl die ganze Nacht hindurch nach ihm gesucht wurde, bis Montagfrüh noch nicht gesunden worden. 49. Jahrgang— Nr. 1342 monutinch Illustrierte 308 stel Haus einschließlich Boteniob. und Verlandtosten Vondezugepreis Monntlich.30c mil Juustrierte einschließt. Wostüber. Weifungsgebubt. ausschließt Pollzu neugetd Einzelbertaufspreie 10•5 unzeigengrundpreis für die Großspalte 146 imn) mmn Tertanzeigen(78 mm) mmn 1003 Emspallige Anzeigen oi6 1N am Hobe mmn Vereins Anzeigen mmn 108 Priv Familien=Anzeigen mm 11 Stellengesuche mm 5. Gelegenbeits=Anzeigen Wort#9 Zilfer= und Auskunftsgebübr 3113 Nachlässe: Malstaffel 1. Mengenstaffel B. Anzeigenpreisliste Nr. 4. Durchichn.=Aufl. 7136 über: 18 900. Dienstag. 5. März 1930 „E sur Vonn und Amgegene Bonnttel=Frachtin, Godesberger Nachrichten= Siegburger Nachrichten* Euskirchener Nachrichten Gründungsjahr des Vertags Nrs Orua und Verlag: Bonner Nachrichten G m o. H. Geschaftsneule in Eonn Bahnoossraße 12. Sammelrus: 3ub1=53. Ferngesprache 3853 Ponscht ntonto Koln 18672 Gankkonten: Girokonto: Reichsbani Bonn. Deutiche Bank u. Disconia=Gesellich Annahme von Zeitungshestellungen und Anzeigen: Bonn..... Bahnhosstraße 12 Godesberg.. Baynholstraße 30 Euskirchen.... Bahnbofstraße 13 Beuel Adolf;ier Straße 6 Obercassel Hauptstraße 144 Overdollendorf. Heilterbacherstr. 51 Königswinter“. Hauptstraße 87 Honnes....... Hauptstraße 49 Siegburg. Adolf=Ditler=Platz 16 Troisdort Kölner Straße 77 Hennes...... Bahnhofstraße 11 Wissen........ Kalser=Allee 16 Linweihungsseier des Dienstgebändes der Reicheleitung des Reichsarbeitsdienstes in Berlin=Grunewald In Anwesenheit des Reichsarbeitsführers Hier. Ehrenarbeitsfuhrer Reichsorganisationsleiter Dr Ley und Reichsleiter Alfred Rosenberg sowie Vertretern der Wehrmacht, der SA, SS, des NSNN der 5I und zahlreicher füyrender Persönlich teiten' der Bewegung und des Staates sand die feierliche Einweitung des neuen Reichsieitungsgebäudes des Reichsarbeitsdienstes in BerlinGrunewald, am Bismarckplav, statt.— Der Große Zapsenstreich vor dem neuen Gebäude als Abschluß der Einweihungsfeierlichkeit.—# Carmen Sylva 20 Jahre tot Am 2. März 1916 verstarb die Königin Elisabeiy von Rumänien, eine Prinzessin von Wied, die unter dem Psendonym Carmen Sylva eine überaus umfangreiche literarische Tätigkeit entfalt: hatte. 22—) Fernseh=Sprechbetrieb Berlin—Leipzig Am Sonlagm wurde durch ein Gespräch zwischen dem Reichsverkehrsminister Freiherr von Eltz Rübenach mit dem Leipziger Oberbürgermeister Dr Gördeler der bis zum Schluß der Leipziger Frühjabrsmesse dauernde Fernseh=Sprechverkehr der Oefjentlichkeit übergeben. Bild zeigt den Minister in der Berliner Fernseh=Sprechzelle.—) Krofta zum Außenminister ernannt Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Dr. Hodza hat Staatspräsident Dr. Benesch den bisherigen Stellvertreter des Außenministers, Dr. Comille Krofta, zum Minister für auswärtige Angelegenheiten ernann (Kreis). Leipziger Frühjahrsmesse 1936 Am Sonntag wurde die Leipziger Frühjahrsmesse 1936, die einen Retordbesuch an Ausstellern aufzuweisen hat, feierlich eröffnet. Bild rechts oben zeigt die technische Messe. 1KADSUy 90 Olympiawerbung auf der Leipziger Messe Auf der diesjährigen Leipziger Frühjahrsmesse zeigt die mit der deutschen Verschrswerbung im Ausland betraute Reichsvahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr eine eindrucksvolle Schau zur Werbung für die Berliner Olympischen Spiele. Drei berühmte Fernseh=Erfinder Der Direktor des Elektronie Research Laboratoriums, Pros. Dr. Zworyrin, hielt auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Technische Pyysik in der Technischen Hochschule in Berlin einen Vortrag über „Elektronenoptische Spsteme und ihre Anwendung:. Von links nach rechts: Pros. Dr. Zwoxptin, Pros. Schröter und Prof. Carolus.— Seisetzung dentscher=Bootohelden in Bulgarien Auf dem Kriegerfriedhof in Warna wurden die dreizeon Gefallenen des=Bootes 45, das am 6. November 1916 auf eine russische Mine gelausen und gesunken war, feierlich beigesetzt. Die Garnison und die Marineabieilung von Warna nahmen an dem Begräbnis teil. Das Reich vertraten Konsul von Ungelter und Militärattachs Generalmasor Friderict. Vor der Betsetzung defilierte bulgarisches Militär an den aufgebahrten Särgen vorbei und erwies so den Waffentameraden aus dem großen Kriege die letzte Ehre.— (Scherl##0