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November, wird uns geschrieben: Die Schlagworte„Gold" und„Silber" werden jetzt nach vollzogener Präsidentenwahl nicht mehr so laut und reelamehaft in die Welt hinausgeschrieen, wie noch vor wenigen Wochen. Man weiß jetzt, daß Reden nur Silber ist, amerikanisches Geld aber Gold ist und bleibt. Bruder Jonathans Goldhunger ist vorläufig gestillt; er räkelt sich mit stillbeseligter Quäkermiene auf seinen beiden Stühlen, die jetzt wieder freundschaftlich zusammenstehen, dem Kontorstuhl des Nordens und dem Pflanzerfauteuil des Südens. Während er aber so still und friedlich wie eine gesättigte Bos Constrictor seine Siesta hält, überkommt ihn plötzlich ein seltsames Gelüste nach Perlen, nach den beiden Juwelen der spanischen Krone, Cuba und Portorico. Cuba, die große, zauberschöne Perle der Antillen, lockert sich schon bedenklich in dem altehrwürdigen Diadem, welches das noch immer edle und stolz erhobene Haupt der greisen Königin Hispania ziert. Bruder Jonathan, der pfiffig lächelnde Emporkömmling, meint, ein einziger Griff seiner riesenhaften Trapperhand genüge, um das Kleinod aus dem alten Gefüge zu lösen und es als kostbaren Schmuck in seine Cravatte zu stecken, in das rothseidene republikanische Foulard, das bereits fast über den ganzen amerikanischen Coloß herniederflattert. Aber in der edlen Spanierin regt sich das Blut ihrer kriegerischen westgothischen Ahnen. Sie greift nach dem Schwert, das die Maurenschlachten geschlagen, und ist bereit, jedem Widersacher, auch dem größten und stärksten, mit gewaffneter Hand entgegenzutreten. Aber sie thut es nicht in der Hoffnung auf Erfolg und Sieg, sondern nur um der Ehre willen, um dieses ritterlichen Ideals, das einst Spaniens Helden und Narren beseelte. Man weiß in Madrid nur zu wohl, daß ein offener Kampf mit den Vereinigten Staaten den Ruin des Landes bedeuten würde. Von amerikanischer Seite wird die Legende verbreitet, daß Spanien einen Zusammenstoß mit Amerika suche, um inneren Schwierigkeiten zu entgehen, die im Falle des Mißlingens der großen Operationen auf Cuba leicht zu einer Revolution und einen neuen Wechsel der Regierungsform führen könnten. Das ist alles echt amerikanischer Humbug, den Derjenige am Besten durchschaut, der mitten in diesem großen, erfindungsreichen Getriebe steht. In Wirklichkeit verhält sich die Sache genau umgekehrt. Die Vereinigten Staaten suchen Rempeleien nach außerhalb, um innere Krisen hinauszuschieben. Schon lange rüttelt die schwielige Faust des „Knight of labour“, des„Ritters der Arbeit“, an den ehernen Gitterpforten der Plutokratenpaläste. Sie hat große Fabriken in Asche gelegt, Eisenbahnzüge zum Stehen gebracht, ganze Gegenden monatelang in Furcht und Schrecken erhalten. Hierzu kommt in jüngster Zeit die heftige Silberbewegung unter den kleinen Gewerbetreibenden und einem Theil der Farmer.„Popocrats“ nennen sich die Bryanisten in einer echt amerikanischen, barbarischen Zusammenziehung aus den Worten„Popular democrats“. Im schroffen Gegensatz zu den sogenannten„Popokraten" stehen die alten Demokraten der Cleveland'schen Richtung, die sehr enge Fühlung zu großindustriellen und commerziellen Kreisen haben. Diese Richtung der amerikanischen Demokratie, die vorzugsweise den Süden, die ehemaligen Sklavenstaaten, beherrscht, will ihren industriellen Anhängern nicht durch hohe Zollschranken, sondern durch Beschäftigung, durch Aufträge dienlich sein. Es ist bekannt, was unter Cleveland für Unsummen für öffentliche Bauten, vor Allem für Marinezwecke, verausgabt worden sind. Die Vereinigten Staaten verfügen jetzt über eine stattliche Flotte zweiten Ranges##yals-: Sheil selben in Priese acher iin##o, dato wenn em Tyeit derwerden sollte, so werden die Werften, die Staylwerke, die Kanonenfabriken neue Arbeit haben. Man hätte in Amerika auch nichts dagegen, aus den vagabundirenden Elementen des Landes eine große Landarmee zusammenzustellen und mit diesem Ueberschuß der nationalen Kraft europäische Kanonen zu füttern. diesem Grunde scheut man vor keinem ernsten Conflict zurück. Kann man allein durch Drohungen den Gegner zum Zurückweichen veranlassen— um so besser! Die Erfolge gegen England im Venezuela=Conflict haben das amerikanische Selbstgefühl ungemein gehoben. *#In der ersten Hälfte des December tritt der Congreß zusammen, und es ist wohl möglich, daß Cleveland, um nicht seinem Nachfolger Me. Kinley das Prestige einer Vertretung der panamerikanischen Interessen zu überlassen, schon jetzt Stellung gegen Spanien nimmt und die Anerkennung der eubanischen Insurgenten als kriegführende Macht, wenn nicht selber beantragt, so doch in den gesetzgebenden Körperschaften indirect begünstigt. General Weyler sucht bekanntlich aus diesem Grunde rasch einen entscheidenden Schlag gegen die Insurgenten zu führen, aber es ist fraglich, ob er sie zu einer offenen Feldschlacht zwingen wird. Das zerschnittene Geländer der Insel begünstigt den Guerillakrieg ungemein und die Aufständigen sind nicht umsonst Stammesbrüder jener Spanier, die einst in Schluchten und Wäldern den großen Kampf gegen Napoleon I. geführt. General Weyler verfügt über 200,000 Mann, von denen etwa ein Zehntel in Spitälern und Lazarethen darniederliegt. Die Insurgenten sollen ein Heer von 75,000 Mann haben. Selbst eine offene Schlacht würde schwerlich zur völligen Vernichtung der Schaaren Maceo's führen. Unterdessen müht und quält sich das arme Mutterland, neue Truppen auf die Beine zu bringen, neue Geldmittel flüssig zu machen. Die Opferwilligkeit in einigen spanischen Kreisen, besonders in denen der Frauen, soll, soviel man aus Madrid hört, jene Höhe der patriotischen Begeisterung erreichen, die einst die Tage des nationalen Erwachens in Deutschland erklärte. Aber wird Spanien aus eigener Kraft in dieser schweren Krisis bestehen können? England, das seinen Interessen am nächsten steht, verhält sich kalt und selbstfüchtig iin immer. Und doch ist das arme Spauien bereit, wenn die nationale Ehre es gebietet, den nämlichen Kampf für die europäischen Interessen gegen die brutale Monroe=Doctrin aufzunehmen, vor dem das reiche England zurückscheut! gefaßt machen. Für den redegewandten Staatssecretär des Inneren, Herrn v. Bötticher, der sicherlich bei dem agrarischen Ansturm neben seinem Collegen am Ministertische stehen wird, entbehren solche „Plänkeleien" des Reizes der Neuheit.— Namentlich bei Berathung der Bestimmungen über die Zulassung von Werthpapieren zum Börsenhandel sind die agrarischen Forderungen, die nicht nur die Emission ausländischer, sondern auch mländischer Werthe zu erschweren bezweckten, großentheils unterlegen.„„ 6 Die„Naumannianer" oder„National=Socialen“, wie sie sich nennen, haben heute in Erfurt die Berathung ihres Parteiprogramms beendet. Was den in den ersten fünf Sätzen niedergelegten praktischen Theil des Programms betrifft, so verdient bemerkt zu werden, daß selbst das„Berliner Tageblatt“ sich mit dem Inhalt desselben im Wesentlichen einverstanden erklären kann. Der sechste Satz, der das Christenthum als Grundlage unseres sittlichen und öffentlichen Lebens hochhält, aber dem Parteikampf entrückt wissen will, bildet durch letz teren Nebensatz die Scheidung von den Stöcker'schen Christlich=Socialen, die es für ihre Aufgabe halten, gerade der Politik einen ausgesprochen christlichen Charakter zu geben. Der Hauptsatz aber dürfte ebenfalls kaum einem Widerspruch von irgend einer beachtenswerthen Seite ausgesetzt sein. Was der neuen Parteibildung fehlt, um viele Anhänger zu werben, ist nach der„Nordd. Allg. Ztg.“ gerade das, was ihren Vorzug vor den bisherigen Parteien bildet, namlich daß sie keinen egoistischen Privat=Interessen dienen will. Von besonderer Wichtigkeit soll, so wird in einigen Berliner Blättern versichert, der Besuch des Kaiserpaares beim Grafen Waldersee in Altona sein. Graf Waldersee weilte in den letzten Tagen in Berlin. Er ist so oft als der„kommende Mann“ für den Reichskanzlerposten bezeichnet worden, daß der erneuerte Hinweis kaum ernstlich erörtert werden dürfte. Auch im Reichstag verlautete bisher nichts über Demissionsabsichten des Fürsten Hohenlohe. Wer als einstiger Nachfolger in Betracht kommt, wüßte mit Sicherheit Niemand zu sagen. Vermuthungsweise wird General Graf Wartensleben genannt. * ** Auf dem national=focialen Parteitage in Erfurt begründete Pfarrer Naumann in fast dreistündiger Rede unter großem Beifall den folgenden Programm=Entwurf: „1. Wir stehen auf nationalem Boden, indem wir die wirthschaftliche und politische Machtentfaltung der deutschen Nation nach außen für die Voraussetzung aller größeren socialen Reformen im Innern halten, zugleich aber der Ueberzeugung sind, daß die äußere Macht auf die Dauer ohne Nationalsinn einer politisch interessirten Volksmasse nicht erhalten werden kann. Wir wünschen darum eine Politik der Macht nach außen und der Reform nach innen. „2. Wir wünschen eine feste und stetige auswärtige Politik, die der Ausdehnung deutscher Wirthschaftskraft und deutschen Geistes dient. Um sie zu ermöglichen, treten wir für die gesetzlich festzulegende ungeschmälerte Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht, für eine angemessene Vermehrung der deutschen Kriegsflotte sowie für Erhaltung und Ausbau unserer Colonien ein. Im Interesse der vaterländischen Macht und Ehre werden wir Mißbrauche in unseren militärischen und colonialen Einrichtungen stets offen bekämpfen. „3. Wir stehen fest auf dem Boden der deutschen Reichsverfassung und wünschen ein kräftiges Zusammenwirken der Monarchie und der Volksvertretung. Wir sind für Unantastbarkeit des allgemeinen Wahlrechts zum Reichstage und für Ausdehnung desselben auf Landtage und Communalvertretungen. Wir fordern Verwirklichung der politischen und wirthschaftlichen Bereinsfreiheit und ungeschmälerte Erhaltung der staatsbürgerlichen Rechte aller Staatsbürger. „4. Eine Vergrößerung des Antheils, den die Arbeit in ihren verschiedenen Arten und Formen in Stadt und Land unter Männern und Frauen an dem Gesammtertrage der deutschen Volkswirthschaft hat, erwarten wir nicht von den Utopien eines revolutionären und communistischen Socialismus, sondern von fortgesetzter politischer gewierkschaftlicher und genossenschaftlicher Arbeit auf Grund der vorhandenen Verhältnisse, deren geschichtliche Umgestaltung wir zu Gunsten der Arbeit beeinflussen wollen. „5. Wir erwarten, daß die Vertreter deutscher Bildung den politischen Kampf der deutschen Arbeit gegen die Uebermacht vorhandener Besitzrechte unterstützen werden, wie wir andererseits erwarten, daß die Vertreter der deutschen Arbeit sich zur Förderung vaterländischer Pildung#eend Kunst bereit finden werden. Ein neuer Federfächer billig zu verkaufen. Näheres Acherstraße 28. Große Bilderm. Goldrahmen M. Waschkommödchen polirt„ Waschtisch m. 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Die Einrichtung des Börsen=Ausschusses ist bekanntlich durch die Reform des Börsenwesens zu einer ständigen geworden und zwar soll es den Börsen= und Handelskreisen vorbehalten sein, die Hälfte dieser Ausschuß=Mitglieder in Vorschlag zu bringen, während auf die Besetzung der restlichen Stellen Vertreter der Landwirthschaft und der Müllerei Anspruch haben. Die Wahl der Mitglieder steht dem Bundesrath zu. Es wird ihm nun zum Vorwurf gemacht, daß er den Interessen der Landwirthschaft nicht entsprechende Berücksichtigung habe angedeihen lassen. Man ist auf agrarischer Seite auch insbesondere damit unzufrieden, daß in den Ausschuß zwei Vertreter der Wissenschaft und zwar Professoren der National=Oekonomie, berufen sind, von denen der eine auf dem Budapester Agrar=Congreß den Bimetallismus befehdete, während der andere durch Schriften und Vorträge gegen die Fideikommißbildung und den Großgrundbesitz bekannt ist. Die Agrarier sind gewillt, geharnischte Beschwerden über diese„einseitige“ Zusammensetzung des Ausschusses beim Etat des Reichsamts des Innern vorzubringen. Der preußische Handelsminister Brefeld kann sich also auf ein scharfes Gefecht mit den streitbaren Grafen v. Arnim, v. Kanitz, v. Schwerin=Lövitz und dem früheren Decernenten für Börsenwesen im Handelsministerium, dem Reichsparteiler Gamp, die sämmtlich dem Ausschusse angehören, reits mit einem Dutzend der benachbarten Häuptlinge derartige Freundschafts= und Waffenlieferungs=Verträge abgeschlossen, so daß er eigentlich schon der Herr über einen Theil des türkischen Gebietes sei, welches an Umfang der Größe seines eigenen Fürstenthums nahezu gleichNoume. * Die Sprachenfrage in Belgien. Die Blamen Belgiens haben in der Sprachenfrage einen großen Sieg errungen. Bisher wurden alle Gesetze, Erlasse des Königs und der Ministerien amtlich nur in französischer Sprache erlassen; der französische Text war bindend. Seit Langem forderten die Blamen für ihre Muttersprache die Gleichberechtigung, aber vergebens. Ihre Forderung war sehr berechtigt; denn von den 6 Millionen Einwohnern des Landes sind 2,600,000 nur des Blämischen mächtig. Jetzt hat die Kammer den Blamen fast einstimmig ihr Recht gegeben und ein Gesetz angenommen, welches bestimmt, daß fortab alle Gesetze, königlichen Erlasse und ministeriellen Verordnungen amtlich in französischer und vlämischer Sprache erlassen werden, in dem künftig zweisprachigen„Moniteur“ zur Veröffentlichung kommen und der französische und vlämische Tert gleich berechtigt und bindend is. 6. Im Mittelpunkt des geistigen und Kirtlichen Lebens unseres, Vokkes steht nach unserer Ueverzeugung der Glaube an Jesus Ches der nicht zur Parteisache gemacht werden darf, sich aber auch im öffentlichen Leben als Macht des Friedens und der Gemeinschaftlichkeit bewähren soll.“ * Vom Behring'schen Heilserum. Nach dem Bericht des Stadtbezirksarztes Dr. Niedner in Dresden ist im Jahre 1895 die Zahl der daselbst angezeigten Diphtheritisfälle zwar von 897 imn Jahre 1894 auf 1401 gestiegen, die Zahl der Todesfälle aber ist unter dem Einfluß des Behring'schen Heilserums von 349 auf 170 oder von 39 auf 12 pCt. zurückgegangen. * Der Landwirthschaftsminister und der Minister des Innern beabsichtigen, Regierungs=Assessoren, die sich eingehender mit landwirthschaftlichen Studien beschäftigen wollen, Gelegenheit zu geben, sich mit dem praktischen Betriebe der Landwirth= schaft auf rationell bewirthschafteten Staatsdomänen unter der Leitung tüchtiger Domänenpächter bekannt zu machen. Der Minister des Innern ist bereit, den Beamten, soweit es dienstliche Verhältnisse gestatten, einen auf sechs Monate zu bemessenden Urlaub zu ertheilen, welcher, damit er die für die Landwirthschaft wichtigsten Abschnitte der Frühjahrsbestellung, der Ernte und der Herbstbestellung umfasse, auf den Zeitraum von Anfang April bis Mitte October festgesetzt werden wird. ** Goldfunde. Ein bekannter Afrikaner, Herr Janke, hatte sich im Auftrage eines Syndikats in Ost=Afrika auf die Goldsuche begeben. Dieser Tage ist er in Dar=es=Salaam glücklich wieder angelangt und hat 2 Centner sehr reichhaltiges Golderz von seinem Ausfluge mitgebracht. Die Fundstelle wird vorläufig natürlich geheim gehalten. Es wäre verfrüht, an diese Entdeckung überspannte Erwartungen zu knüpfen, da heute noch gar keine Transportmittel existiren, um die Batterien u. s. w. nach diesen Gegenden hinzuschaffen, aber immerhin ist es schon sehr werthvoll, daß in dieser Breite das Goldvorkommen festgestellt worden ist. Denn für den Fall des Nachweises von werthvollen mineralogischen Funden würde die Entwicklung unserer Colonien mächtig gefördert werden. ** Muß ein Zeuge vor Gericht auf Verlangen seine Vorstrafen angeben? Ueber diese für die Betheiligten gewiß nicht unwichtige Frage hat sich nunmehr das Berliner Kammergericht geäußert. Ein Berliner Kaufmann sollte in einer auswärts schwebenden Strafsache als Zeuge vernommen werden. In der öffentlichen Gerichtssitzung richtete nun der Vorsitzende an den Zeugen die Frage, ob wieler schon bestraft sei, worauf dieser erwiderte, daß er im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte und wegen Meineides weder in Untersuchung gewesen, noch bestraft wäre. Der Vorsitzende war mit dieser Autwort nicht zufrieden und verlangte von dem Zeugen die bestimmte Erklärung, wegen welcher Vergehen er bereits bestraft worden sei. Der Zeuge weigerte sich, die Aussage zu machen, da er durch sie in öffentlicher Gerichtssitzung Schaden in seinem Geschäft zu gewärtigen gehabt hätte. Alle Versuche des Vorsitzenden, den Zeugen zur Abgabe der geforderten Aussage zu bestimmen, blieben fruchtlos, und so blieb nichts Weiteres übrig, als den Zeugen unter Auferlegung der Terminkosten wegen Zeugnißverweigerung in eine Geldstrafe von 100 Mark zu nehmen und einen neuen Termin anzusetzen. Auf die Beschwerde des Zeugen hat nun das Kammergericht nach genauer Prüfung des Falles angeordnet, daß der Richter bei Befragung des Zeugen nach seinen Vorstrafen mit Vorsicht zu Werke zu gehen habe. Der vorliegende Fall gebe keinen bestimmten Anlaß, davon abzuweichen. Auch liege die Gefahr nahe, daß aus der öffentlichen Gerichtssitzung Einzelheiten verbreitet werden, die das Ansehen des Zeugen und sein Fortkommen in der bürgerlichen Gesellschaft und Geschäftswelt in hohem Grade zu schädigen geeignet sind. In dem neuen Termin ist der Zeuge von der Angabe seiner Vorstrafen entbunden und ist die gegen ihn festgesetzte Geldbuße nebst Kosten niedergeschlagen worden. Nah und Fern. * Mülheim(Ruhr), 23. Nov. Die Stadtverordneten beschlossen einstimmig, die Garnison anzunehmen. * Hagen, 22. Nov. Einige Arbeiter einer hiesigen Fabrik wollten ihr Glück in der Lotterie versuchen und kauften sich gemeinschaftlich ein Loos einer mit großer Reklame angekündigten Lotterie von Werthaegenständen. Das Glück war ihnen hold, denn kurz nach der Ziehung kam von dem Looshändler die freudige Mittheilung, daß auf ihr Loos ein Sessel, antik Eichenholz, dessen Werth in der Gewinnliste auf 200 Mk. angegeben war, gewonnen sei. Darob natürlich große Freude bei den Arbeitern; flugs wurde dem Looshändler geschrieben, er möchte nur die 200 Mark senden, auf den Besitz des Sessels wollten sie verzichten. Postwendend traf die Antwort ein, der Erlös aus dem Verkauf des 200=Mark=Sessels würde sich auf höchstens sieben Mark belausen, er stelle es den Gewinnern anheim, die Wahl zwischen den sieben Mark oder dem Sessel zu treffen. Das gab unn eine arge Enttäuschung, da ließ man doch lieber den Sefsel kommen, und so gelangte er denn auch nach Bezahlung der nicht geringen Beförderungskosten glücklich in ihren Besitz. Ein Käufer wurde bald gefunden. So zogen die glücklichen Gewinner gemeinschaftlich zum Känfer, um den„Werth= sessel" abzuliefern. Zur Feier des Tages gönnte man sich natürlich vorher einen„Kleinen“. Auf dem Wege zum Käufer mußte man einen sehr schmalen Steg über den ziemlich hochgehenden Ennepefluß überschreiten, und dieser sollte dem Sessel verhäugnißvoll werden, denn ein Träger gerieth auf dem Stea ins Wanken, und— plumps lag er mit dem 200=Mark=Seffel im Wasser. Der Mann wurde von seinen Kameraden auf's Trockene gebracht, aber der Seffel schwamm fort, und„die Wogen gehen auf und nieder, den Sefsel aber bringt keine wieder!“ * Elberfeld, 16. Nov. Ein Opfer seines Berufes wurde gestern Abend in der Nähe der Station Schee ein Schaffner. Als in einem Coupé das Licht ausgegangen war, stieg der Schaffner während Fahrt auf den Wagen, um es wieder anzuzünden. In demselben Augenblicke fuhr der Zug in einen Tunnel ein, und dem Beamten, der in Folge defsen mit dem Kopfe an die Steinmauern stieß, wurde der Schädel zerschmettert. Er war sofort todt. * Berlin, 24. Nov. Der 23 Jahre alte frühere Maschinenmeister Nicolaus Leimbach aus Bonn, der zuletzt hierselbst Alte Jacobstraße 75 wohnte, hat sicherschofsen. Er hatte bei einem Sommerfeste die Bekanntschaft der Tochter eines Schuldieners gemacht und sich mit ihr verlobt. Bald darauf verlor er seine Stellung, und die Eltern seiner Braut erfuhren, daß er sich neuerdings einem recht leichtfertigen Lebenswandel ergeben hätte, und, als auch die Vorstellungen des jungen Mädchen nichts halfen, wollte sich deren Vater mit ihm am vorgestrigen Todtensonntag gründlich aussprechen. Auf eine Einladung theilte er unter unwahren Angaben mit, daß er nicht kommen könne, worauf ihm die Braut schrieb, daß, wenn er sich nicht bessere, aus ihrer Heirath nichts werden dürfte. Unterdessen ging es ihm so schlecht, daß er zuletzt seine Wirthin um den nöthigsten Lebensunterhalt bitten mußte. Diese Lage mag ihn zur Verzweiflung getrieben haben. Er begab sich nach der Wohnung der Eltern seiner Braut und tödtete sich auf dem Hausflur an der Wohnungsthür durch zwei Schüsse in die Brust. Der Vorfall rief eine große Aufregung in der ganzen Gegend hervor, bis die Leiche durch deu polizeilichen Leichenwagen nach dem Obductionshause gebracht wurde. * Hamburg, 18. Nov. Die größere Bedeutung, welche namentlich in Großstädten das Radfahren erhalten hat, hat die hiesige Baudeputation zu der zweckmäßigen Mittheilung an den hiesigen Radfahrergau veranlaßt, daß bei Anlage neuer Straßenzüge künftig für Radfahrer ein etwa einen Meter breiter Streifen reservirt werden soll. Bei der bevorstehenden Verdreiterung des Jungfernstiegs sei auf die Einrichtung bereits Rücksicht genommen. Letztere ist sowohl für Radfahrer, wie für das übrige Publikum sehr anzuerkennen. * Neustadt a. d.., 22. Nov. Ein großer Erbschaftsproceß gegen die Stadtgemeinde Neustadt, in dem am 25. November das Urtheil verkündigt werden soll, schwebt schon längere Zeit am Oberlandesgericht in Zweibrücken. Vor etwa zwei Jahren starb hier Frau Wittwe Apollonia Sauter, geb. Kronenberger, ohne Leibeserben zu hinterlassen. Der Werth der Hinterlassenschaft an Häusern, Mobilien und Immobilien wird auf 250,000—300,000 M. geschätzt. Nach dem Tode der Wittwe Sauter war kein rechtsgültiges Testament vorhanden, nur fand sich unter den Papieren ein eigenhändig geschriebener Zettel mit der Bemerkung, daß die Sauter bei dem Königl. Notar Neumayer ein Testament errichten und darin ihr ganzes Vermögen der Stadt Neustadt vermachen wollte. Dieser Zettel kam an das Landgericht Frankenthal und darauf an die Stadtverwaltung zurück mit dem Ersuchen, die näheren Verwandten der Erblasserin zu ermitteln, bezw. in Kenntniß zu setzen. Die Verwandten beschritten nun den Klageweg gegen die Stadt. Vor dem Landgericht in Frankenthal wurde entschieden, daß dieselben das baare Geld bezw. die Ausstände, die Stadt Neustadt aber das unbewegliche Vermögen erhalten sollten. Es stellte sich aber heraus, daß kein baares Geld und keine Ausstände vorhanden waren. Etwa 70 Fuder Wein, sowie die Crescenz der Güter ließ die Stadt versteigern, und sind die Gelder dafür, sowie die Güter bis zur ausgemachten Sache unter Sequester gestellt. Die Verwandten klagten unn weiter. Man ist hier allgemein gespannt auf das Urtheil des Oberlandesgerichts. * Leipzig, 18. Nov. Wegen Landesverraths war der Kohlenhändler Hanne aus Metz zu 7jähriger Zuchthausstrafe verurtheilt worden. Er hat jetzt im Zuchthaus ein umfassendes Geständniß abgelegt. In Folge dessen ist der frühere Depotfeldwebel Meinecke, der damals in den Proceß verwickelt, aber außer Verfolgung gesetzt wurde und inzwischen pensionirt worden ist, wieder verhaftet worden. * Dresden, 23. Nov. Zu der entsetzlichen Familientragödie, worüber wir bereits berichteten, wird noch gemeldet: Auch der jüngste Sohn des Mehlgroßhändlers Uhlmann ist im Stadtkrankenhause noch gestorben, ohne sein Bewußtsein wieder erlangt zu haben, so daß über dieses entsetzliche Familiendrama wohl niemals weitere Aufklärung zu erwarten ist. Außer Zweifel steht aber, daß die unselige That, welcher der 50jährige Uhlmann, seine Frau, zwei Töchter (wovon die eine 20, die andere 18 Jahre alt war) und zwei Söhne zum Opfer gefallen sind, in vollem Einvernehmen sämmtlicher Familienglieder ausgeführt worden ist. Die Familie erfreute sich des besten Rufes. Die Mädchen, von denen das älteste im Begriffe stand, sich zu verloben, werden als fleißig, wirthschaftlich und brav geschildert. Der älteste Sohn Alfred war ein begabter junger Mann. Nur der Vater soll wegen zerrütteter Vermögensverhältnisse in letzter Zeit stark getrunken haben. Die Familie hielt sich kein Dienstmädchen. Nur der für das Geschäft thätige Kutscher kam Sonntags regelmäßig in die Wohnung, um einige hauswirthschaftliche Besorgungen auszuführen. Als dieser keinen Eintritt in die Wohnung fand, machte er der Polizei Anzeige. Die Leichen lagen angekleidet auf den Betten in der Küche, an deren Kochmaschine die Klappe des Abzugsrohres geschlossen war, so daß ihr die giftigen Kohlengase ent* Abbazia, 18. Nov. Die Schauspielerin Minna Robert, welche sich hier seit einiger Zeit aufhielt, stürzte sich in der Nähe der Villa Augusta in's Meer und ertrank. Aus aller Welt. s Aus dem Zusammenbruch der Türkei, die über kurz oder lang bevorsteht, sucht sich jeder der großen und kleinen Nachbarn bei Zeiten sein Erbtheil zu sichern. So verfolgt Montenegro ehrzeizige Pläne auf das nördliche Albanien, wie bei Gelegenheit der sochzeit der Prinzessin Helene mit dem Kronprinzen von Italien zu age gekommen ist. Man meldet nämlich aus Rom, daß Fürst Nikita während des letzten Jahres mit großem Erfolge die Hauptlinge der umwohnenden altserbischen und albanischen Gebirgs=Bevölkerung, die also heute noch Unterthanen des Sultans sind, zu seinen Freunden und Basallen zu machen suchte. Zu diesem Zwecke verwende er auch einen großen Theil der Waffen, die ihm der Zar zum Geschenke gemacht habe, indem er die Häuptlinge reichlich mit Waffen versehe und dadurch also die von Rußland gelieferten Waffen in ziemlich offener Form auf türkisches Gebiet schaffe. Nach den Versicherungen der montenegrischen Hochzeitsgäste habe der Fürst beKöln, 25. Nov. Productenbörse. Werzen vorräthiger hiesiger 17,00—17,75., fremder 18.25—19,25., November 00,00., 00,00 G. Roggen vorräth. hiesiger 13,00—13,50 fremder 14,00—15,00 B. Nov. 00,00., 00,00., Hafer vorräthig hiesiger 12,75—13,30., fremder 14,50—15,50 B. Rüböl, vorräth.(in Posten von 5000 Kg.) 63,00.; Oct. 00,00., 00,00.: Mai 61,00., 60.50 G. Kündigungspreis 00.00 M. Köln, 25. Nov. Fruchtmarkt. Weizen 0000—00,00, Roggen 13,00, Gerste 00,00, Hafer 00,00—00,00 Mk.— Zufuhr 00 Weizen, 11 Sack Roggen u. 00 Sack Hafer.— Heu kostete 5,80—7,20 M. Roggenstroh.80., Weizenstroh 2,00 die 100 Kg. Neuß, 25. Nov. Fruchtmarkt. Weizen kl. 17.80, Ia engl. Sorte 17,30, IIa 00.00 Mk. Landroggen neuer la 13.20, IIa 12,70 Mt. Hafer Ia 12,80 Mk., IIa 11,80 Mk. Raps Ia 26.00, IIa 25.50 Mk. Aveel(Rübsen) 25,00 Mk. Kartoffeln 5,00 Mk. Rüböl 61,00, do. faßweise 62,50, gereinigtes Oel 64,00 Mk. für 100 kg. Heu 28 Mk., Weizeustroh 00 Mk., Roggenstroh 17 Mk. für 500 kg. eßkuchen 94 Mk. für 1000 kg., Kleien.00 Mk. für 50 kg. 26. November 1896. Seneral=Anzeiger für Vonn und Amgegend Nr. 2465 Seite 8 Die alten rechtsrheinischen Landstraßen. Der griechische Geschichtschreiber Herodot, welcher um 500 v. Chr. lebte, berichtet von der schönen Sitte der rohen Naturvölker im fernen Norden, daß ihnen die alten Handelswege heilig und die auf ihnen verkehrenden fremden Kaufleute als unverletzlich galten. Wie anders wäre es auch erklärlich, die griechischen Händler von Olbia am Schwarzen Meere nach dem fernen Gestade der samländischen Bernsteinküste, die etruskischen Kaufleute mit ihren Bronzewaaren, Glasperlen und Schmuckstücken über die östlichen Alpenpässe, sowie durch Gallien nach dem Rhein bis hinauf zur Nordsee wandern zu sehen? Damals schon Jahrhunderte alte Straßen, dem Terrain sich anschmiegend, ohne Hülfe der Kunst entstanden, ausgetreten von den lasttragenden Manlthieren und ihren wegeskundigen, unerschrockenen Führern— so müssen wir uns die uralten Verkehrsadern der Vorzeit ausmalen. Dem freudig empfangenen, der Landessprache mächtigen fremden Händler bot jede Hütte die althergebrachte Gastfreundschaft, führte er ja Waaren, an deren Glanz sich der Kelten= und Germanen=Weiber Augen erlabten, schilderte er doch den aufhorchenden Männern, vielleicht gar als Augenzeuge, die letzten Kriegsfahrten aus nahen und fernen Landen. Pelzwerk aus den unermeßlichen Waldungen, die Jagdbeute des freien Mannes, war wohl das Werthvollste der Tausch=Objecte, welche der Händler nach Italien heimbrachte. Das Alter dieser Straßen wird beglaubigt durch die Beigaben der benachbarten Grabhügel. Einer der, nach Professor Schneider ältesten Handelswege, welcher unser Gebiet hier theils streift, theils durchzieht, ist die vom fernen Süden her auf Castell bei Mainz einmündende Straße, welche sich von dort über Limburg, Altenkirchen auf Siegburg, den Mauspfad entlang über Immigrath, Hilden nach Esseuburg, dem altkeltischen Asciburgium, hinzieht, Das Rheinthal, von Neuwied abwärts, war in jenen frühen Zeiten der kunstlosen Wegebildung theils durch seine schmalen, felsigen Ufer, theils durch das weiter unterhalb liegende, zwischen alten Rheinarmen versumpfte Geläude völlig unwegsam. Erst die Römer mit ihrer hervorragenden Wegebaukunst verstanden es, diese Hindernisse zu besiegen. Das Sehnen und Wandern der im nördlichen wie auch MittelGermanien ansässig gewesenen alten Völker, der Kelten wie der Germanen, strebte zum Rheinthal, zum Strom der Kultur, von wo die italischen und gallischen Händler mit ihrem die Phantasie und Begier aufreizenden Schätzen ihre Fahrten in die unwirthlichen Waldgebiete antraten. Hatten die hier im rauhen Klima darbenden Völkerfamilien endlich den Rhein erreicht, so regte die Kunde von dem jenseits liegenden fruchtbaren Gallien die Raub= und Kampfeslust zu neuem Vordringen an. Da aus dem Innern immer wieder neuer Ersatz herraurückte, so ist die große Zahl der uralten Wege von Osten her, zumeist längs der in's Rheinthal verlaufenden Schluchten, wohl erklärlich. Wir erkennen schmale Fußpfade für den einzelnen Mann und Reiter, mehr lokalen Zwecken dienend, bei den alten Grenzgräben und Zwischencastellen; ferner etwas breitere Wege, auf denen sich einst in endloser Reihe die schwerfälligen rohen Karren der von Weibern und Kindern begleiteten Kriegs= und Wanderzüge bewegten. Diese alten Wanderstraßen sind an den geneigten Stellen tief ausgefahren, oft mit bedeutend hohen, steilen Rändern, wie der Weg von Königswinter am Eingang des Nachtigallenthals vorbei durch die sogenannte Hölle. Allerdings ist hierbei in Betracht zu ziehen, daß die Oberfläche der ganzen, weiten Umgegend des alten Vulkaus auf dem Rodderberg durch die Auswürfe desselben viele Meter hoch mit der leichten Asche bedeckt war, welche bei der jährlichen Schneeschmelze und nach starken Regenschauern ein schnelles Auswaschen der Hohlwege sehr beförderte. Einzelne dieser Straßen sind augenscheinlich sehr lange von keines Wanderers Fuß betreten; oft mit undurchdringlichem Gestrüpp verwachsen, machen sie den Eindruck alter Grenzgräben, und nur ihre Richtung zum Rhein charakterisirt sie als einstige Volkswege. Als die Römer an den Rhein kamen, werden sie sich von landeskundigen Führern, in erster Zeit hier wohl von Übiern, geleitet, dieser alten Wege bedient haben. Wo es im Aufang die militärischen, später die Handelsinteressen geboten, wurden diese Straßen verbessert, auch wohl stellenweise verlegt; doch dürfen wir hier nicht die breiten, kunstvoll hergestellten Staatsstraßen des linken Rheingebiets suchen: den dortigen Anforderungen des staatlichen und kulturellen Lebens entsprachen die rechtsrheinischen, hier meist verödeten Landschaften nicht. Professor Schneider hat festgestellt, daß die römischen Straßen der linken Rheinseite, welche senkrecht auf den Fluß gerichtet sind, am rechten Ufer stets ihre Fortsetzung finden, wenn auch in beschränktem Ausban. Selbst bei den wichtigeren rechtsrheinischen Heerstraßen fehle in der untersten, aus gröberen Steinen gebildeten Schicht, die sonst übliche Mörtelverbindung. Die Breite der Basis betrage durchschnittlich ca. 6 Meter; auf derselben befinde sich eine dünne Lehmschicht, und darüber kleinere geschlagene Steine oder Kies; je nach der Bodenbeschaffenheit finde man auch nur, ohne Steinunterlage, eine einfache oder doppelte Lage Kies. Zur Befestigung eines feuchten, sumpfigen Weges diente ein Holzbelag von Bohlen oder Knüppeln. Ein sicheres Merkzeichen römischer Straßen bilden die zu beiden Seiten befindlichen Gräben und Wälle, eine fortifikatorische Sicherung, zum Schutz der marschirenden Colonnen gegen plötzlichen Ueberfall. Wo diese Gefahr nicht vorhanden, also bei ebenem, freien, weithin übersichtlichem Terrain, verschwinden diese Straßenbefestigungen, um sich sofort in bergiger, waldiger Umgebung wieder zu zeigen. Ebenso fehlen dieselben da, wo sich die Straße an steilen, schwer zugänglichen Hängen hinzieht, endlich auch im sumpfigen Geläude. Ohne Nachrabungen ist Sicherheit in Bestimmung der hiesigen Römerstraßen nicht zu erzielen; wir möchten nur darauf hinweisen, daß das Castrum Bonnense als Ausgangspunkt so manches römischen Heerzuges über den Rhein, namentlich gegen die Chatten, von der Forschung viel zu wenig in Betracht gezogen ist. war feierliches Hochamt mit Predigt und um ½2 Uhr Besper. Gegen 3 Uhr nahm das Geding im Saale des Herrn Gasper seinen Anfang. Es waren dazu von den 300 Fischern, welche der Bruderschaft angehören, annähernd. 150 erschienen. Nach althergebrachter Sitte wurde das Geding von dem Brudermeister durch Gebet eröffuet, worauf jeder Fischer eine Flasche Wein nebst den üblichen Fischerbrödchen erhielt, welche in Salz und Pfeffer eingetunkt, den Theilnehmern trefflich mundeten. Mehrere Söhne der Fischerbrüder„thaten ihre Gerechtsame“. Die Fischerbruderschaft beabsichtigt, ein gemaltes fenster in die hiesige Pfarrkirche zu schenken. Da aber an der nöthigen 5umme noch einige Kleinigkeit fehlte, wurde eine Sammlung unter den Anwesenden abgehalten, welche den hübschen Betrag von 38 Mk. ergab. Das nächste Geding findet im künftigen Frühjahr Statt. m Siegburg, 25. Nov. Im März n. J. wird in Siegburg eine Geflügel=Ausstellung des Verbandes rheinischer GeflügelzuchtVereine stattfinden, und dem Siegburger Lokal=Verein die Leitung für dieselbe übertragen. 4 Siegburg, 25. Nov. Die gestrige Mittheilung betreffend die Bürgermeisterwahl in Siegburg bedarf noch folgender Berichtigung respective Ergänzung. Herr Bürgermeister Spilles ist nicht auf die Dauer von 12 Jahren wiedergewählt, sondern auf Lebenszeit ist seine Wahl erfolgt. Ferner hat das Stadtverordneten=Collegium einstimmig beschlossen, die ihm im Falle der Pensionirung zustehende Jahrespension, welche bisher 4000 Mark betrug, auf 5000 Mark zu erhöhen. * Siegburg, 25. Nov. Einem Antrage der Königl. Geschoßfabrik entsprechend, wird die Stadt ein neues weiteres, beziehungsweise ein zweites Hauptwasserrohr zur Fabrik legen, weil das vorhandene Zuleitungsrohr den erhöhten Anforderungen nicht mehr genügt. Die Direction der Geschoßfabrik hat sich bereit erklärt, zu den Kosten dieser Anlage, die auf 3500 Mark veranschlagt sind, den Betrag von 1500 Mark beizutragen. ∆ Stieldorf, 25. Nov. Zur Zeit ist man hier fleißig mit der Anfuhr der Bauhölzer beschäftigt, welche zum Aufbau der neuen Spielh lle verwendet werden sollen, in der im nächsten Sommer die Passionsspiele zur abermaligen Aufführung gelangen werden. □ Oberdollendorf, 25. Nov. Mit der Straßenpflasterung hat man nunmehr wieder begonnen und werden wir uns hoffentlich noch vor völligem Eintritt des Winters der schönen Straßen=Anlagen erfreuen. Das wirklich schön hergestellte Pflaster gereicht dem Orte zur Zierde und ist das Lob darüber ein allgemeines. 0 Godesberg, 25. Nov. Auf eine am hiesigen Staatsbahnhof rangirende Güterabtheilung wurde gestern Abend gegen 6 Uhr ein Schrotschuß abgegeben. Einem Bremser flogen die Schrote um den Kopf und schlugen rechts und links in die Wagenbretter ein. Der Schuß kam von dem oberhalb des Bahnhofs gelegenen Theile der Rüngsdorferstraße her. Die Untersuchung über den befremdlichen Borfall ist eingeleitet. J Münstereifel, 25. Nov. Gestern geschah bei Frohngau ein bedauerlicher Unglücksfall. Bei den Arbeiten der dortigen Wasserleitung konnten die Arbeiter nicht weiter, weil sie auf Felsen stießen, und mußten daher sprengen. Es wurden 2 Schüsse gebohrt, mit Sprengpatronen versehen und angezündet. Ein Schuß ging los, der andere wurde durch den ersten verdeckt. Ein junger Mann wollte die Steine unvorsichtigerweise wegräumen, da plötzlich ging der andere Schuß los und riß dem jungen Manne eine Hand ganz weg, die Backenknochen im Gesichte wurden total zersplittert. Der junge Mann wurde von der Unglücksstelle sofort nach Münstereifel in das Marien=Hospital geschafft; er ist der einzige Sohn armer alter Eltern und deren einzige Stütze. * Niederlahnstein, 23. Nov. Ein frecher Versuch, einen Diebstahl auszuführen, wurde in den letzten Nächten in einem Hause in der Brückenstraße ausgeführt. Der Dieb hatte es jedenfalls auf einen größeren Geldbetrag eines Einwohners abgesehen, den derselbe zur Auszahlung seines Neubaues in der Wohnung liegen hatte. Bis zum Ziel war der Gauner beinahe gekommen, wurde aber entdeckt und entkam ohne erkannt zu werden. * Köln, 24. Nov. Für den Ausbau der Eisenbahnstelle Köln Merheim waren 16 Angebote eingegangen; davon verlangte der Höchstfordernde 223,000, der Mindestfordernde 76,000 Mk. Ein Verhältniß von nur:31 * Düsseldorf, 24. Nov. Gestern Nachmitrag gegen 3 Uhr ereignete sich in der Nähe der Wirthschaft Mönchenwerth zu Niederlörick ein schweres Unglück. Mehrere Rheinarbeiter waren auf dem Strome zwecks Anlegung eines Pegels mit Messungen beschäftigt. Sie beabsichtigten, von einem Ufer bis zum anderen ein Drahtseil zu spannen; mitten in dieser Arbeit stellte es sich jedoch wider Erwarten heraus, daß das Seil, das sie an einem Ufer bereits befestigt hatten, zu kurz war. Sie banden deshalb das noch lose Ende des Seiles an der vorderen Sitzbank ihres Nachens fest, der nun aber plötzlich abtrieb, von der an der betreffenden Stelle herrschenden starken Strömung erfaßt wurde und— wahrscheinlich durch den unausbleiblichen heftigen Ruck— umkippte. Sämmtliche Insassen, vier an der Zahl, sielen in's Wasser. Trotz aller Anstreugungen konnte nur einer gerettet werden, die drei übrigen, von denen zwei Familienväter sind, ertranken. * Düsseldorf, 23. Nov. Bei Beginn der ersten Schwurgerichtsverhandlung verkündete der Vorsitzende, Herr Landgerichtsdirector Ludwig Schmitz, daß einstweilen zur Verhandlung acht Sachen angesetzt seien, darunter, ein trauriges Zeichen der Zeit, sechs Verbrechen gegen die Sittlichkeit. Ferner theilte er mit, daß einer der letzten Sessionen ein Geschworener aus Düsseldorf sich dadurch seiner Pflicht entzogen habe, daß er sich während der ganzen Dauer täglich vom Staatsanwalt oder Vertheidiger habe ablehnen lassen. Wenn Jemand zum Geschworenen berufen werde, dann müsse derselbe auch so viel Opferwilligkeit besitzen, sich der damit verbundenen Mühe zu unterziehen, sich aber keinesfalls auf solche Weise an derselben vorbeidrücken. Führer durch Münstereifel und Umgegend. 8 Während die meisten Eifelstädtchen sich eines regen Fremdenbesuches erfreuen, ist Münstereisel wohl manchem Touristen noch eine terra incognita. Und doch verdiente dieser Ort, welcher hevorragende Baudenkmale aus verflossenen Jahrhunderten birgt, bei seiner schönen Umgebung und der bequemen Eisenbahn=Verbindung etwas mehr bekannt zu werden. Der Verschönerungs=Verein von Münstereifel hat sich daher durch die Herausgabe eines Führers durch Stadt und Umgegend ein offenbares Verdienst erworben. Das mit guten Abbildungen ausgestattete Büchlein gibt zunächst einen Abriß der Geschichte Münstereifels; hier wie auch in einem anderen Abschnitte werden sehr interessante Angaben über den Römerkanal gemacht, der Köln mit Wasser aus der Eifel versorgte. Es folgt eine Beschreibung der Sehenswürdigkeiten, wie der alten Befestigungen der Burg, des Gymnasiums, der im 11. Jahrhundert erbauten Pfarrkirche u. s. w. Den Schluß bildet die Aufzählung lohnender Spaziergänge und Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung..64.igchen: IS is uuch Eine besondere Karte ist dem Führer nicht beigegeven; es ist auch für eine solche kein dringendes Bedürfniß vorhanden. Denn das Meßtischblatt Münstereifel der neuen Landesaufnahme ist dadurch so bequem, daß der Ort Münstereifel fast genau im Mittelpunkte der Karte liegt. Besser ist es auch, einem Führer keine Karte beizugeben, als eine schlechte. Gegen diesen Grundsatz wird leider so oft gefehlt. Eine gute Karte ist oft mehr werth als eine lange Beschreibung, eine schlechte dagegen führt irre und gibt zu falschen Vorstellungen Anlaß. Zu solchen falschen Vorstellungen verleitet auch die Höhenschichtenkarte des Eifelführers; diese stellt geradezu alle topographischen Verhältnisse der Umgebung von Münstereifel auf den Kopf. Vergleicht man das Meßtischblatt Münstereifel und das östlich sich anschließende Altenahr mit der genannten Höhenschichtenkarte, so erscheint in dieser letzteren das Terrain südlich von Rheinbach zwischen den Orten Queckenberg, Todenfeld, Hilberath, Freisheim, Houverath und Wald als zwischen 400—600m Meereshöhe liegend; aber nur ein Punkt dieser Gegend in der Nähe von Todenfeld erreicht die Höhe von 406,3m. Dahingegen ist auf dem rechten Ufer der Erft, östlich und südöstlich von Münstereifel, ein Terrain von ungefährem Umfange des Siebengebirges als zwischen 200—400m liegend gezeichnet, welches nicht blos zum großen Theile höher als 400m liegt, sondern auch durch eine ganze Reihe hervorragender Bergkuppen ausgezeichnet ist. Schen unmittelbar bei Münstereifel steigt der Radberg bis zu einer Höhe von 432m an. Mehr als ein halbes Dutzend der benachbarten Berge überragen den höchsten Gipfel unseres Siebengebirges, den Oelberg, um ein Beträchtliches; einige steigen gar bis zur Höhe von über 500m an. Zwischen diesen Bergen dehnt sich der Münstereifeler Stadtwald aus, ein prachtvoller Hochwald, der zu den genußreichsten Wanderungen Gelegenheit bietet. Nun sei noch erwähnt, was in dem Führer hätte etwas mehr hervorgehoben werden können, daß dem müden Wanderer in Münstereifel Erquickung an Speise und Trank geboten wird, wie er es besser und preiswürdiger nicht leicht anderswo finden wird. Aus der Umgegend. lgn Win a. d. Ses.#. Von. dr 66he iligen Katharina der Schutzpatronin der hiesigen Fischer Frudersaft, wurde von den Fischern,festlich begangen. Um 9 Uhr Morgens Nun begann ein Reiseleben durch die ganze Welt; kein Erdtheil blieb unberührt, jedoch Inlietta blieb ihrem Gatten treu, trotz aller Anfechtungen. Aber Julietta's Treue wurde von dem Zauberkünstler so schlecht gelohnt, daß Scheidung die Folge war. Er erschoß sich später in Californien, nachdem er an der Spielbank Alles verloren, während seine Gattin, von ihren Anverwandten verlassen, durch den Verkauf ihrer Pretiosen ein kleines Vermögen zusammenbrachte, von dessen Zinsen sie in einer deutschen Residenz zurückgezogen lebte. Eine unzlückliche Börsenspeculation beraubte sie dann ihres Vermögens. Sie siedelte nach Petersburg über. im Hause ihres Schwagers bei ihrer Schwester vergebens Unterkunft suchend. Kurz entschlossen fuhr sie nach Moskau, wo ihr durch Selbstmord aus dem Leben geschiedener Bräutigam einst beigesetzt wurde, um am Grabe ihres einstigen Freiers hrem Leben ein Ende zu bereiten. Vorher betrat sie den Laden eines Wechslers, um ihren noch einzigen Besitz von Werth, ein russisches Staatsloos zur Deckung ihrer Beerdigungskosten zu verkaufen.„Vor sechs Jahren ist das Loos mit 100,000 Rubel gezogen worden“, verkündete der Bankier nach Durchsicht der Looslisten,„seit sechs Jahren schuldet Ihnen der Staat diesen Betrag. Ich bin bereit, denselben nach Abzug meiner Provision sofort zu zahlen.“ Frau Juliette lebt heute noch... sie nimmt bei einem tüchtigen Reitlehrer Moskaus Unterricht, um demnächst— als Schulreiterin in europäischen Circussen zu glänzen. 0 Die Unterscheidung von echten und falschen Diamanten wird mittelst Röntgen=Strahlen ermöglicht. Das Verfahren gründet sich auf die Eigenschaft des Kohlenstoffes in seinen verschiedenen, in der Natur vorkommenden Formen, sowie in einigen seiner chemischen Verbindungen, ein großes Durchdringlichkeits=Vermögen in Bezug auf die=Strahlen zu besitzen; dieses wird also bei dem echten Diamanten der Fall sein, während aber sämmtliche Nachahmungen dieses Edelsteines die=Strahlen weniger gut durchlassen. Werden daher echte und unechte Steine zusammen nach dem Röntgen'schen Verfahren photographirt, so verschwinden bei andauernder Aussetzung die Bilder der echten Diamanten völlig, während die übrigen in Folge ihrer Eigenschaft als undurchlässige Körper ein Schattenbild auf der photographischen Platte hinterlassen. Das gleiche Verfahren läßt sich auch mit Erfolg zur Unterscheidung des echten Jet von seinen Imitationen(geringwerthiger, schwarz gefärbter Hartgummi) auwenden. O Ueber einen Triumph des menschlichen Geistes schreibt man der„Frankf. Ztg.“: Von der Licksternwarte in Californien kommt die Nachricht von einer astronomischen Entdeckung. Ein bislang unsichtbarer Stern ist aufgefunden worden. Zwei von den hellsten Sternen des Himmels,„Sirius" und„Procyon“, zeigten in ihrer langsamen Bewegung an der Himmelssphäre Unregelmäßigkeiten, die viel zu groß waren, als daß man etwa hätte annehmen können, daß die Beobachtungen derselben ungenau seien. Es war der kühne Geist eines Bessel, der als Erklärung dafür annahm, dicht bei den genannten Sternen stände je ein dunkler Fixstern, von ungefähr gleicher Größe, und nun drehten sich in jedem dieser Systeme der dunkle und der helle Stern gemeinsam um ihren Schwerpunkt, und dies veranlasse, daß sich, da der Schwerpunkt mit dem ganzen System in gerader Linie am Himmel sich fortbewege, die Bewegung des hellen sichtbaren Sternes in einer Schlangenlinie am Himmel darstelle. Die vielfach angefochtenen Ideen Bessels fanden eine glänzende Bestätigung, als im Jahre 1862 neben„Sirius“ ein schwacher Stern aufgefunden wurde, der sich als der hypothetische Begleiter erwies. Für den Stern „Procyon“ rechnete Auwers unter Zugrundelegung der Newton'schen Gravitationstheorie die Bahn, welche gemäß den Beobachtungen der Stern um den hypothetischen Schwerpunkt beschreiben müsse. Es sind viele Versuche angestellt worden, neben dem hellen Stern erster Größe einen zweiten Stern zu entdecken, um auch für„Procyon“ die Hypothese zu verificiren, aber vergeblich. Jetzt ist es in der Nacht vom 13. zum 14. November Prof. Schaeberle auf Lickwarte gelungen, mit dem 36zölligen Riesenfernrohr neben„Procyon“ ein Steruchen 13. Größe zu entdecken, welches 4,6 Bogensecunden von ihm abstand und dessen Verbindungslinie mit dem Hauptstern von der Nordrichtung 42 Grad nach Westen abwich. O Entdeckung neuer Reste des vorgeschichtlichen Menschen. Von einer wichtigen Entdeckung im Somali=Lande(Ostafrika) konnte neulich der Vicepräsident der Londoner Royal Society, Sir John Evaus dieser Gesellschaft Mittheilung machen. Es handelte sich um Werkzeuge aus der ältern Steinzeit, die Seton Karr in dem genannten Gebiete gefunden hat. Sie bestehen aus Kiesel und Quarzit und stimmen durchaus mit denen überein, die man in den jüngsten Erdschichten des nordwestlichen Europa(ganz besonders häufig im Thale der Somme) gesammelt hat, und diese Uebereinstimmung genügt, um die Zeit ihrer Verfertigung in die ältere Steinzeit(die paläolithische Periode) zu verlegen, obgleich in den betreffenden Bodenschichten des Somali=Landes noch keine Fossilien entdeckt werden konnten, nach deren Alter man dasjenige der Steinwerkzeuge unwiderleglich hätte bestimmen können. Aus der Uebereinstimmung dieser Werkzeuge mit den europäischen desselben Alters schließt John Evans, daß die damaligen Bewohner des Somali=Landes entweder zu derselben oder doch zu einer sehr nahe verwandten Rasse gehört haben, wie die des damaligen Europas. Ganz ähnliche Werkzeuge und Kiesel finden sich auch im Nilthal in Nordafrika, im Thale des Manzanares, in Mittel=Italien, im Osten ferner im Euphrat=Thal; Quarzit=Werkzeuge derselben Art wurden auch im Lateritboden Indiens und Südafrikas gesammelt. Evans nennt die Entdeckung von Seton Karr ein neues Glied in der Kette der Thatsachen, deren Verfolgung der Forschung vielleicht gestatten wird, bis auf die Wiege des Menschengeschlechts zurückzugehen. Diese Thatsachen scheinen auf den Beweis hinzuzielen, daß in der älteren Steinzeit die drei Erdtheile der alten Welt von nur einer Rasse des Menschen bewohnt wurden. Allerlei. O Der Kistenreisende Schneider Hermann Zeitung ist in Rom angelangt und in ein Krankenhaus gebracht worden. Er traf hier am Samstag Abend in einem Güterzuge als Eilgut in einer Kiste aus Basel ein, in die ihn seine dortigen Freunde verpackt hatten. Die Kiste wurde in einen Güterschuppen gestellt, und erst Sonntag früh um drei Uhr wurde er aus seiner Gefangenschaft befreit, nachdem der Nachtwächter durch sein Schreien in die größte Angst versetzt worden war. Der Bahnhofsinspector ließ sofort die Polizei herbeiholen. Zeitung war acht Tage unterwegs und natürlich sehr schwach, weil er während seiner ganzen Fahrt nur Wasser mit Anisette zu sich genommen hatte. Die Beine waren ihm erstarrt. Er wurde zuerst auf die Polizei, dann in das Krankenhaus St. Antonio gebracht. Später will er sich hier in einem Circus oder Café Chantant mit seinem Kugelpanzer, den er für besser hält als den seines Mannheimer Collegen, sehen lassen. Zeitung erzählte, daß dies bereits seine fünfzehnte, aber längste Reise gewesen sei. Er ist zuerst von Wien nach Paris zur Ausstellung, dann durch Spanien, Belgien und Holland, durch einen großen Theil von Nordamerika, immer in einer Kiste, gereist und stets unversehrt am Bestimmungsorte angekommen. In Spanien habe er sein ganzes Geld durch Speculationeu verloren. Einige Wochen habe er sich in Basel aufgehalten. Vorher habe er in Belfort gelebt. Er habe Rom gern kennen lernen wollen, und da er kein Geld hatte, habe er sich wiederum als Eilgut befördern lassen. Daß die Reise so lange dauern würde, habe er nicht gedacht, auch hätte man ihn, obwohl das Wort„Zerbrechlich“ auf der Kiste stand, achtmal mit großer Rücksichtslosigkeit umgeladen. Er habe meist sehr gut geschlafen, aber furchtbar gefroren. In Rom habe er sich so spär bemerklich gemacht, weil er anfänglich glaubte, er sei erst in Genua. Als er jedoch aus Gesprächen merkte, daß er in Rom sei, habe er angefangen zu schreien. Die Beamten hätten ein ganz entsetztes Gesicht gemacht, als sie ihn erblickten und er ihnen laut lachend zunickte. Die Kiste, in der er reiste, ist mit eisernen Reifen beschlagen und nicht von innen zu öffnen. In ihr befand sich im doppelten Deckel ein eingerahmtes Bild mit Zeitungsausschnitten zur Reclame und seine Photographie im Kugelpanzer, ein wenig Stroh, eine Flasche Wasser und ein Gummigefäß, am Deckel ein Strick, an dem er sich beim Umladen festhielt. Zeitung ist ein zwerg haftes Geschöpf mit dickem Kopf, hoher, breiter Stirn, aus der große Willenskraft spricht, und kleinen, schlauen Augen. Bisher hat keine seiner Reisen ein gerichtliches Nachspiel gehabt. Hier will ihn die Eisenbahn wegen Betruges verklagen. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhause wird er wahrscheinlich verhaftet werden, weil vollkommen mittellos ist.... 8218g Aum Misch. O Schicksale einer Artistin. Die Schiaksale einer russischen Zauberkünstlerin machen in Petersburg und Moskau viel von sich reden. Vor zehn Jahren war Julietta Dumniako, eine Dalmatinerin von großer Schönheit, in Petersburg sehr gefeiert. Kein Wunsch blieb der jungen Südländerin versagt. Selbst Fürsten strebten nach ihrer Hand. Ihr Einfluß reichte sehr hoch hinauf und manch armer Teufel, der Julietta um Hülfe bat, pochte nicht vergebens an ihre Thür. Da wurde eines Tages Petersburg durch die Nachricht von Julietta's Verlobung mit einem der reichsten Polen der Hauptstadt überrascht. * Prima feinsten Winterl frischen Rheinlachs, forellen, Forellen, Aale, Hechte Karpfen, frischen Zander, Ostender Seezungen, Steinbutt, Rothzungen, Schollen, Makrelen, MerlausSchellfisch und Cabliau, nur das Feinste, zewässerten Laberdan u. Stockfisch, echte gefüllte süße Monnikendamer Bratbückinge, Kieler Sprotten, Roheßbückinge empfiehlt in nur bester Waare zu reellen billigsten Tagespreisen Von Nah und Fern. * Mülheim(Ruhr), 23. Nov. Auf ein 160jähriges Bestehen blickt die Mülheim=Hattinger Lehrer=Wittwen= und WaisenKasse zurück, aus welchem Anlaß am Samstag eine Gedenkfeier stattfand. Hauptlehrer Hochweg=Broich hielt die Festrede, in welcher er ausführlich die Entwickelungsgeschichte der Kasse, die die erste PrivatLehrer=Wittwen=Kasse hier am Niederrhein gewesen, zum Ausdruck brachte. * Elberfeld, 23. Nov. Unter der Selbstbeschuldigung, er habe in der Nähe bei Grefrath einen Mann im Streit erschossen, stellte sich ein Büchsenmacher aus Sonnborn der hiesigen Polizei. Die Angaben bestätigen sich; in das hiesige Bürgerkrankenhaus wurde nämlich ein junger Mann Namens Hartkopf gebracht, den man erschöpft von Blutverlust in jener Gegend gefunden hatte. Der Verletzte ist gestern gestorben. * Grevenbroich, 18. Nov. Der Aufsichtsrath der Gilbacher Zuckerfabrik in Wevelinghoven hat für einen Eisenbahn=Anschluß an die neu zu erbauende Linie Köln=Grevenbroich einen Credit von 150,000 M. bewilligt, nachdem der genannten Firma die bezügliche Concession ertheilt worden ist. Eine Dividende hat die Gesellschaft für das letzte Jahr(Campagne 1895/96) nicht zahlen können, weil der erzielte Gewinn(etwa 120,000.) auf den aus dem Vorjahre herrührenden Verlustposten abgeschrieben wurde.— Der Zuckergehalt der Rüben soll dieses Jahr ca. zwei Procent geringer sein als im Vorjahre, so daß die Ausbeute an Zucker der vorjährigen nachsteht. * Aus dem Kreise Daun, 18. Nov. Kaum stellt sich der Winter ein, so tritt auch wieder die böse Diphtheritis unter den Kindern auf. In Katzwinkel ist sie bereits so stark aufgetreten, daß auf landräthliche Anordnung die Schule geschlossen wurde. Es braucht uns nicht zu wundern, wenn in diesem Jahre noch mehr Kinderkrankheiten zum Vorschein kommen, da viele Kinder sich beim Viehhüten im verflossenen Herbst Krankheitskeime zugezogen haben. * Winnigen, 24. Nov. Unter großer Betheiligung auswärtiger Gäste, namentlich aus Coblenz, wurde gestern der erste Tag unseres [Winzerfestes gefeiert. Die Compagnie zählte auch in diesem Jahre eine stattliche Anzahl Paare. * Paris, 24. Nov. An einem der jüngsten Abende wurde in der Nähe des Trocadero ein 65 Jahre alter Priester das Opfer eines frechen Betruges. Zwei elegante Männer gingen auf ihn zu, gaben sich für Polizisten aus und erklärten ihn für verhaftet. Sie legten ihm Handschellen an und führten ihn in der Richtung gegen das Commissariat. Auf dem Wege schloß sich ein drittes Individuum an, welches angeblich ein Zeuge des Verbrechens sein sollte, dessen der Priester beschuldigt worden war. Die falschen Polizisten machten Andeutungen über ihre Bestechlichkeit, worauf der eingeschüchterte Greis seine Uhr und sein Geld im Werthe von 300 Frcs. für seine Freilassung anbot. Zwei der Strolche begleiteten den Pfarrer in dessen Wohnung, wo ihnen derselbe noch 150 Frcs. aushändigte. Von den falschen Polizisten hat man keine Spur. * Rom, 23. Nov. Ueber den Verlauf der Entführungsgeschichte der Tochter des Don Carlos telegraphirt man dem„B..“: Wie man sich in den Kreisen der hiesigen Aristokratie erzählt, hat der Liebesroman der Infantin Elvira eine schnelle Aufklärung gefunden; das durchgegangene Pärchen ist nämlich, da es seitens des Prinzen Don Carlos keine gerichtlichen Schritte zu befürchten hatte, gestern nach Italien zurückgekehrt und hat in einem Städtchen am tyrrhenischen Meere eine reizende Villa gemiethet, wohin— der Gipfel des Wunderbaren— der Entführer auch seine Frau und seine Kinder hat „üheung ate Kaum waren vier Wochen verflossen, da machte der junge Bräutigam nachkommen lassen. Als Grund der Entführung wird die Absicht seinem Leben gewaltsam, ein Fude, nicht ohne seine sämmtlichen Ju= des Malers angesehen, die bereits volljährige Prinzessin zur, Herausseinem Leben gewaltsam, ein Ende, nicht ohne seine sämmtlichen Ii welen seiner Braut zu hinterlassen. Die Braut verwand rasch den Tod ihres Verlobten. Nach weiteren vier Wochen war sie die Gattin eines Zauberkünstlers geworden, eines der schönsten Männer Rußlands, der seine colossalen Einnahmen in den europäischen Hauptstädten ebenso schnell verschwinden ließ, wie die Objecte seiner Kunst. Hoflieferant, Brüdergasse 2, Hundsgassen=Ecke. Selephon=Anschluß Nr. 128. NB. Der Fischmarkt ist diese Woche wegen des marktes nicht auf dem Mülheimerplatz, sondern auf dem Gemüsemarkt. welcher perfect ist im Fahren und in der Pferdepflege, wird für Anfang December in eine kleine Stadt gesucht. Frco.=Anerbieten u. J. K. 55. an die Geschäftsstelle des General=Anzeigers. Sohn draver Eltern als Schuhmacher=Lehrling gesucht. Daselbst für sofort ein Schuhmacher=Gehnise für dauernde Areit gesucht. 10 Breitestraße 10. .Zerzkaulen Ein praktischer Kaufmann mit gediegener kaufmännischer Bildung und besten Referenzen empfiehlr sich, im Beischreiben von Geschäftsbüchern für ganze oder halbe Tage. Off. unter 0 W 13 an die Exped. 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Der Schauplatz ist im Wirthshaus. Zum Schluß, zum ersten Male: Der Bürgergeneral. zu Thatsachlien auffaliona Gir abgegeben. GODPFEaeid Hoflieferanten. Bekanntmachung. Unter dem Rindviehbestande des Ackerers und Ziegelei=Besitzers Peter Faßbender in Endenich ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen, was hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht wird. Poppelsdorf, den 25. Nov. 1896. Der Bürgermeister: Benuaner. Peslczlczleleelczlee. Seemiglas Ersang 4r Welcher Edeldenkende leiht einem armen strebsamen Handwerker 800 Mnnrn! Rückzahlung nach Uebereinkunft. sicherheit kann gestellt werden? Gefl. Offerten unter M. H. 50. an die Exped. des Gen.=Anz. 2mal 4500 Mk. auf 1. Hypothek vom Selbstdarleiher gesucht. Offerten unter 0 C. 904. an die Expedition des Gen.=Anz. 18,000 Mlurk auf beste 1. Hypothek sofort ges. Offerten unter„Gut 22.“ an die Expedition des Gen.=Anz. zu miethen gesucht in nächster Amgebung —8 Räume, hübscher Garten und Stallung für zwei Pferde. Gefl. Offerten unter C. 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Hamburger Hähnchen, Compot. Obstkuchen. Freitag Abend: Spanferkel, Sauerkraut und Purrée. Gasthof zum„Hater Arnor“. Heute Donnerstag, von Abends 8 Uhr ab: Ströteh Senseh. Es ladet freundlichst ein A. Beiderbeok. Hötel Restaurant Beethoven, Münsterplatz 23. Heute Donnerstag: Grosses Concert. „Wiener Damen=Orchester“. Fräulein Emmy Reinold, Instrumentalistin. Direction: Willibald Quinta. Anfang Nachmittags 4½ Uhr. Ds Beuel. A Sonntag den 29. November: Grösses Minltal-Cohdert, ausgeführt von der Capelle des 3. Westfäl. Inf.-Regts. Nro. 16 (Freiherr von Sparr) aus Köln, im grossen Saale des Herrn Weiler. Abonnementskarten haben Gültigkeit. Kasseneröffnung ½6 Uhr. Anfang punkt 6 Uhr. Programm an der Kasse.— Entrée 50 Pfg. Frische Sendung Sambdcherim Anstich. Restaurant Tuschmann. mit Wohnung zu vermiethen, Kölnstraße 23. Ein angebender Bäckergeselle gesucht. Kessenich, Mechenstraße 19. für alle Hausarbeit gesucht. (Fin gebrauchter aber noch guter Wiegen= und Ladenblock zu kaufen gesucht. 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Anzeigen von Auswärts: 20 Pfg. pro stebenspaltige Pertzelle oder deren Roum. Reklamen g Bss. pro Textzable. Allle lokalen Anzeigen werden bei verheriger Baerzahlung für Smal das dtemal frei ausgenommen. Kleine lokale Inserate bis zu 10 Zellen kosten nur 5 Pfg, pre Zeile und das dtemal frei, wenn vorder daar bezahlt wird. Wohnungs= Anzeiger 50 Bie, pre Zeile und Monat. Telephon Nr. 66. Bei Husten, eiserreit, Verschleimung. Er von J. G. Mauss in Honn u. Platten à 15 und 30 Pig. Vouhous in Paketen à 25 und 40 Pig. Seit 1850 weltberühmt. Zu haben in den meisten geeigneten Geschäften, sowie beim Erfinder: J. G. Maass, Maargasse 11. ORie- Phlleie Arische Empfeble in hof 16 Sternthorbrücker 16. Billige Bezugsqnelle für Lebensmittel, nur in prima Qualitäten. Käse. Echt. Emmenthaler p. Pfd. 100 Pfg. Echten Goudaer p Pfd. 80 Pfa Echten Tilsiter v. Pfd. 85 Pfg. Echten Edamer v. Pfd. 85 Pfg. Fetten Limburger p. Pfd. 30 u. 45. Fette Mainzer 10 St. 45 Pfg. Hochf. Appctitkäse 10 St. 110 Pfg. 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B. „ 3. C. Mainz-Ludwgsh. Oest.-Ung. Staatsbahn " Ergänz.-Netz " Gold-Prior. Sadöst. Bahn(Lmb.) *" neue " Gold gar. „(Gold) Kurek-Kiew Mosco-Rjäsan Rjäsan-Koslow Büdwestbahn Transkaukasische Ob. Wladkawkas Chicago-Burlington Denver Rio Grande Illinols-Central Manitoba(St. Pl.) North.-Pacifie I. " II Gotthardbahn IV. 8. Ital. Eisenbahn gar. Portugiesische Eisnb. 90 G. 80 ba.G. .50 bz. .75 bz. 10 G. 00 ba. .30 G. 10 bz.G. .00 B. 80 ba.G. 90 bx. G. 75 bs. 86 90 bz.G. 50 ba.G. 100.25 G. 25 bz.G. 25 G. .10 G. 60 bz.G. 30 bz. G. Bank- Actien. Eisenbahn-Actien Ludwigsh.-Bexb. Mainz-Ludwigsh. Südöst.(Lmb.) Warschau-Wient Amstram.-Rttdm. Gotthardbahn Wechselzinsfuss Lombardzinsfuss ZI.Dv. 1895 9% 1— .45 117.80 bz. 1% 40.80 bs. 72 1165 00 B. . 4% 4½ und 50 S„— „fürHandlungsCommis von (Kaufmännischer Verein), Hamburg, Kl. Bäckerstr. 32. Ueber 52,000 Mitglieder. Kostenfr. Stellenvermittelung. In 1895 wurden 4467 Stellen besetzt. 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Der Grund dürfte wohl darin liegen, daß diese Debatten wenig für die Partei Erfreuliches zu Tage gefördert haben. Wie verlautet, erging man sich in Betrachtungen über den geringen politischen Erfolg, den die Partei im letzten Jahre aufzuweisen gehabt habe und der mit den weitgespannten, seiner Zeit in der Tivoli=Versammlung aufgestellten Forderungen peinlich contrastire. Herr v. Manteuffel ging soweit, die Antisemiten, die damals mit so lärmendem Jubel begrüßten und auf den Schild gehobenen Bundesgenossen, deren Programm seitdem die conservative Partei so getreulich befolgt hat, für den Niedergang der conservativen Sache und für den Mißcredit, in welchen diese bei den Wählern gefallen, verantwortlich zu machen. Die„Kreuzzeitung" rechnet heute der„Staatsbürgerzeitung", welche diesen Vorwurf zurückzuweisen versucht hatte, in gereiztem Tone vor, daß von 15 antisemitischen Reichstagsmandaten nur 5 den liberalen Parteien, hingegen alle andern 10 den Conservativen abgewonnen worden sind. In der Mehrzahl der conservativen Wahlkreise haben die Antisemiten, auch wo an einen Wahlsieg nicht zu denken war, doch mindestens Zählcandidaten aufgestellt, Organisationen begründet und eine, natürlich in erster Linie gegen die im Bezirk herrschende conservative Partei gerichtete Agitation ins Werk gesetzt, von der sie später Früchte zu ernten hoffen. Das Komischste an der Sache ist, daß diese ganze politische Arbeit mit conservativem Gelde bezahlt wurde, denn die Antisemiten nehmen lieber als sie geben, das ist vielleicht der einzige Punkt, über den alle ihre Führer der gleichen Meinung sind. Von den 5 Kreisen, in denen sie 1893 oder seitdem die Liberalen verdrängt haben, können diese, wenn nicht alle, so doch einige bei nächster Gelegenheit zurückerobern; daß hingegen die 10 Kreise, die in Folge der antisemitischen Bewegung sich vom Conservatismus abgewandt haben, jemals wieder zu diesem zurückkehren sollten, erscheint fast ausgeschlossen: wenn sie auch des Antisemitismus überdrüssig werden sollten, so werden sie sich weit eher einer der liberalen Parteien, der eine oder andere dieser Kreise vielleicht auch der Social demokratie oder der soeben in Erfurt in Neubildung begriffenen„national=socialen Partei“ anschließen; für die conservative Sache dürften sie aber endgültig verloren sein. Kein Wunder daher, wenn auf dem Berliner Parteitag eine recht gedrückte Stimmung herrschte. Die Partei hat den Glauben an sich selbst verloren; sie lebt nur noch von der Gunst des Hofs, der Behörden und einer täglich im Genuß ihrer Vorrechte angefochtenen, selbst unsicher gewordenen Aristokratie. Unter diesen Umständen haben die vom Parteitag gefaßten Resolutionen wenig zu bedeuten. Die von früheren Jahren wiederholte Forderung des Befähigungs=Nachweises ist nicht ernst zu nehmen, da ja die Regierung in ihrer Handwerks=Vorlage nichts von dieser Forderung wissen will; auch erklärte der Referent Herr Jakobskötter=Erfurt in der Debatte selbst den Befähigungs=Nachweis für praktisch undurchführbar. Offenbar will man sich mit solchen Beschlüssen, deren phantastische Natur man selbst einsieht, nur das Gefolge der Handwerker und Landwirthe auch für die Zukunft sichern. Wenn das wirklich nur möglich ist, in denen man ihnen die kata morgana des Zunftzwangs und des GetreideMonopols vorspiegelt, so liegt hierin kein günstiges Zeichen für die Zukunft der könservativen Partei. Briefkasten des General-Anzeigers. Kleine Else. Daß die Wallnüsse ansangen zu keimen, beweist, daß dieselben an einem warmfeuchten Orte anstatt an einem trockenen und kühlen aufbewahrt worden sind. Einpflanzen kannst Du sie, was aber recht tief geschehen muß. Vielleicht kommen sie in etwa zwei Jahren als Pflänzchen zum Vorschein. Nr. 50. Wenden Sie sich an den Leiter der„Handwerkerschule der Stadt Bonn“, Herrn Mechaniker Wolz, Beethovenstraße 32.— Wenn Sie einen größeren Posten der Rollen haben, dann fragen Sie in einem kleinen Inserat im „General=Anzeiger“ nach einem Känser dafür. Rudi. Sie können die kleine Erzählung von Groller durch jede hiesige Buchhandlung beziehen. Der Inhalt ist einfach eine ungemein komisch wirkende Darlegung der mannigfachen Umstände, die es kostete, ehe eine Photographie des kleinen Burschen hergestellt war. Uhrweiler. Das Buch ist noch nicht erschienen. Ihre beiden Fragen erledigen sich sehr einfach durch die Erwägung, daß die Entlassung dann berechtigt ist, wenn eine Verschlechterung der Mineralqualität eintritt und deshalb der Betrieb eingestellt wird. Ist dies am 1. Februar 1896 geschehen, so versteht es sich ganz von selbst, daß der Entlassene nur vom Tage seiner Entlassung bis zum 1. Februar 1896 Entschädigung fordern kann. Julius Sch. Die hiesigen großen Restaurationen, welche bayerisches Bier führen, erhalten von Zeit zu Zeit gedruckte Nachweise darüber, wieviel Bier die 20—30 größeren Münchener Brauereien, die alle namentlich aufgeführt werden, in einer gewissen Zeit gebraut haben. Wenn Sie sich also an Adtorf oder Rieck im „Hähnchen“ oder an eine andere dieser Restaurationen wenden, werden Sie die schnellste und beste Antwort auf Ihre Fragen erhalten. K. N. 100. Da wird Ihnen nicht zu helfen sein. Auf keinen Fall darf das Geschäft auf Ihren Namen geführt werden. S. M. Weiße, d. h. also ziemlich blutlose Hände, sind noch lange nicht die schönsten. Gesunde, wohl gepflegte Hände, d. h. solche, die nicht zu viel der Sonne und dem Licht, sowie grober Arbeit ausgesetzt sind, zeigen ein zartes Rosa. Uebrigens empfehlen wir zum Waschen neutrale Seifen. Unglückliche Frau. Nach dem Gesetz ist der Mann Herr über die Verwaltung des Vermögens beider Ehegatten; er hat also auch das Haushaltungsgeld zu bestimmen. Der Mann darf seine Frau nicht verlassen und kann ihr nicht zumuthen, getrennt von ihm zu leben. Eventuell kann die Frau auf Ehescheidung klagen. Der Mann wird dann auch verurtheilt, seine Frau standesgemäß zu unterhalten. Die Höhe der Unterhaltssumme bestimmt das Gericht. In Ihrem Falle würden Sie dann zunächst das von Ihnen in die Ehe gebrachte Vermögen zurückerhalten. I. W. H.„Meine Mutter hat vor 4 Jahren für 385 Mk. Möbeln auf Ratenzahlung gekauft. Sie hat Alles abbezahlt bis auf 87 Mk. 50 Pfg. Kann der Verkäuser jetzt noch meiner Mutter die Sachen wegholen, weil sie augenblicklich nicht bezahlen kann, und die Sachen schon theilweise wegen schlechten Verdienstes verbraucht sind?“ Antwort: Ja, da der Verkäufer sich wahrscheinlich das Eigenthum bis zur gänzlichen Zahlung des Kaufpreises vorbehalten haben wird.— Ihre zweite Frage beantworten wir demnächst. „Eine treue, aber vergeßliche Nichte“ bittet, ihr die Inschrift auf dem neuen Düsseldorfer Kriegerdenkmal, die ihr so gut gefallen, die sie aber trotzdem nicht im Kopfe behalten, mitzutheilen. Antwort: Hier ist sie: Ruhm ward den Siegern genug, und Jauchzen und grünender Lorbeer. Thränen von Müttern geweint schusen dies steinerme Bild. Nr. 96. Der Kölner hat Euch nicht angeulkt, sondern die Wahrheit gesagt; es ist der richtige alte Name. J. W. fragt, ob ehegestern und vorgesteru nicht gleichbedeutend sind. Antwort: Jawohl. Zeitungsleser. Du fragst nach dem Gregorsorden, weil Du kürzlich über die Verleihung desselben gelesen hast. Dieser Orden ist ein päpstlicher, von Gregor XVI. am 1. September 1831 gestifteter Verdienstorden, welchen auch Officiere erhalten können. Er hat 3 Klassen: Großkreuz, Commandeurkreuz und Ritterkreuz. Heinr. B. in A. Wenden Sie sich an Herrn med. Dr. A. Schmitz hierselbst, Lennöstraße 24. Franz K. Die Gallerie unseres Stadttheaters faßt 250 Personen. Alter Abonnent V.„Als Besitzer mehrerer in einem Grundstück hintereinander eingetragener 4½procentigen Hypotheken cedire ich auf Verlangen des Schuldners eine davon fällige auf einen Anderen. Dieser verlangt im Einverständniß des Schuldners in dem betr. Akte jetzt eine 5procentige Berzinsung.— Bin ich zur Einwilligung dieser Zinsenerhöhung verpflichtet?“ Antwort: Die Erhöhung des Zinssußes ist Sache des Schuldners und bedarf Ihrer Einwilligung nicht. Dagegen ist die Cession Ihr freier Entschluß. Solange Sie sich dazu nicht verpflichteten, können Sie nicht dazu gezwungen werden. A. B. 100. Die gewünschte Adresse ist: Professor Dr. H. Walb, Poppelsdorfer Allee 29 und 31. Sprechstunden sind Sonntags nicht, sondern nur an den Wochentagen von 10—1 Uhr in Nr. 31. Aber fragen Sie einmal brieflich an. Irma. 1) Das Verfahren, in kleinerem Maßstabe aus Wein Essig zu bereiten, besteht darin, daß man in eine große Steingutkanne oder ein kleines Faß ½ Liter guten Weinessig schüttet, ein nußgroßes, mit etwas Salz und Pfeffer vermischtes, in Leinwand eingebundenes Stückchen Sauerteig hineinhängt, und dann 1/8 Liter etwas erwärmten Wein hinzugießt: alle 2 Tage fügt man aufs Neue 1/2 Liter erwärmten Wein hinzu, bis das Gesäß voll ist, worauf man den Sauerteig herausnimmt und nach —10 Tagen den Essig benutzen kann. Wenn man von Zeit zu Zeit den verbrauchten Essig wieder durch Hinzusetzen von Wein ersetzt, kann man das Gefäß so lange zur Essigbildung benutzen, bis sich soviel Hese unten angesetzt hat, daß es einer völligen Entleerung und Reinigung bedarf.— 2) Halévys„Jüdin“ ist am 10. ds. Mis. zuletzt hier gegeben worden. Wenn Sie die am solgenden Tage darüber im„General= Anzeiger“ erschienene Notiz nachlesen, finden Sie noch Näheres über die letzten Vorstellungen der Oper dahier.— Herr Milan, welcher in Folge seines Beruses natürlich sehr viel auf Reisen ist, hat sein Domieil in Frankfurt a. M. Ueber die anderen Herrschaften können wir Ihnen keine Auskunft ertheilen: Sie wenden sich am Besten an einen Theater=Agenten. „Casino". Die silbernen und versilderten Bestecke(welch letztere Sie natürlich aufs Neue versilbern lassen können), putzen Sie am Besten so: Legen Sie dieselben einige Minuten in eine fledend heiße Lösung von Weinstein und putzen sie dann mit einem zarten Leder. Sie können auch in einer heißen Lange etwas Alaun auflösen und etwas Seife dazwischen mischen, wodurch ein alkalisches Seisenwasser entsteht. Dann putzen Sie die silbernen Sachen damit und trocknen sie sorgfältig mit alter weißer Leinwand ab.— Polirte Eisen= und Stahlwaaren putzt man mit einer Mischung aus 40 Gramm Zinnasche, 9 Gramm präparirtem(gebranntem) Hirschhorn und 30 Gramm 90 procentigem Alkohol. Man trägt diese Mischung auf weiches Leder auf und reibt die betrefsenden Gegenstände damit ab. F. E. 100.„Mein Schwiegervater starb vor 3 Jahren und lebte in zweiter Ehe. Aus erster Ehe stammten zwei und aus zweiter Ehe sieben Kinder. Die Kinder erster Ehe erhielten die Ländereien, welche der Vater von seiner ersten Frau vermacht bekommen hat, schon vor 20 Jahren zur eigenen Benutzung. Muß ich das anerkennen? Die zweite Frau hat 5340 Mk. als Sondergut mitgebracht, welche der Vater in der ganzen Masse verbraucht hat. Können die Kinder zweiter Ehe diese mit Zinsen zurückverlangen? Ferner hat die Mutter Vieh, Mobilar und sämmtliche Ländereien mit Ausnahme des Hauses verkauft, um noch Schulden abzumachen. Hat die Mutter nun noch ihr volles Anrecht auf das Haus, oder ist selbiges durch den Verkauf aufgehoben? Dürsen die Kinder, welche jetzt in dem Hause Ackerwirthschaft auf ihr eigenes Conto betreiben, Neuanlagen resp. Beränderungen vornehmen, ohne der Anderen Einwilligung? Muß ich 8 Jahre warten, ehe ich zur Abrechnung von dem Notar aufgefordert werde?“ Antwort: Ihre zum Theil nicht ganz genauen Fragen beantworten wir dahin. daß Sie wahrscheinlich anerkennen müssen, wenn der Bater die betreffenden Grundstücke den Kindern erster Ehe zur eigenen Benutzung überließ. Dagegen können die Kinder zweiter Ehe verlangen, daß die 5340 Mk., wenn sie wirklich Sondergut waren, in die Masse zurückgebracht bezw. dem Nachlasse der zweiten Mutter erstattet werden. Die Mutter verliert ihr Anrecht auf das Haus nicht. Die betreffenden Neuanlagen sind zulässig. Die Abrechnung vom Notar können Sie verlangen, sobald die betreffende Angelegenheit erledigt ist. W9. 800. P.„Wo finde ich Schutz, wenn ein Miether(Student) sich unpassend beträgt und unberechtigte Anforderungen an mich stellt? Ich bin Wittwe, habe kein Vermögen und vermiethe möblirte Zimmer, um den Lebensunterhalt für meine Familie zu gewinnen. Der Student miethet bekanntlich semesterweise, und das ist beim Vermiethen festgestellt. Jetzt will der Jüngling ohne Grund, nur weil es ihm paßt, die Wohnung wechseln. Wie kann ich dem entgegentreten? Auf den Miethbetrag verzichten kann ich nicht, da meine Verhältnisse dies nicht gestatten.“ Antwort: Daß der Student die Wohnung wechselt, werden Sie schwerlich hindern können. Sie können aber auf seine Sachen Beschlag legen lassen und müssen zu dem Zweck einen sogenannten Arrestbefehl beantragen. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt. A. B. Wir sehen nicht ein, weshalb der Königliche Förster nicht auch noch die beiden andern„Dienste", von denen der eine dazu nur ein Ehrenamt ist, versehen dürfte, zumal wenn er seine Hauptbeschäftigung darüber nicht vernachlässigt. Nieta. Hier ist es Ortsgebrauch, daß Derjenige, welcher das Unterhaus bewohnt, für die Beleuchtung des Hausflurs, die Bewohner der verschiedenen Stockwerke hingegen für die Beleuchtung der zu ihren Wohnungen führenden Treppen und Gänge zu sorgen haben. „Ein Junggeselle.“ Wie weit Sie das Rohr Ihres Nargileh ins Wasser stecken sollen, das müssen Sie selbst ausprobiren. Der beste türkische Tabak ist der richtige. H. B.„Ich habe von meinem Schwager Kartoffel gekauft, die aber vom Frost gelitten haben, denn sie schmecken suß. Auch sind sie nicht so schön wie die Probe war. Ich habe ihm sagen lassen, er sollte doch einmal zu uns kommen und sich von der Sache überzeugen, er solle die Kartoffeln wiederholen und uns andere bringen, oder das Geld wiedergeben; er hat sich aber nicht sehen lassen. Um die Sache im Guten zu schlichten, bin ich heute zu ihm ins Haus gegangen. Da ist er direkt mit Schimpfwörtern über mich hergefallen. Deshalb bitte ich, lieber Briefkasten=Onkel, mir zu sagen, ob wir die Kartoffeln behalten müssen, und ob ich meinen Schwager wegen der Beschimpfungen verklagen kann, und an wen ich mich zuerst wenden muß?“ Antwort: Die Kartoffeln brauchen Sie allerdings nicht zu behalten. Aber das Mißliche ist, daß Sie dieselben schon bezahlten. In Folge dessen werden Sie mit der Klage vorgehen müssen. Auch können Sie wegen der Beleidigungen Privatklage erheben. Zu dem Zwecke müssen Sie Ihren Gegner zunächst vor den Schiedsmann laden. Dort erhalten Sie ein Attest über die Erfolglosigkeit der Sühne und dann müssen Sie sich ans Gericht wenden. „Eine Neugierige." Die beim Bleigießen erhaltenen Gegenstände: zwei Ringe, einen Kranz und ein Huseisen„bedeuten“ natürlich„heidenmäßiges Glück“ im Ehestande. August. Der ausgefallene Backzahn, von dem Sie geträumt haben,„bedeutet" in Verbindung mit der Thatsache, daß Sie„Promenadenbesitzer" und„Professor für Förderung der Bummelkunst“ sind, daß Sie nächstens auf einer Ihrer Bummeleien in Schwulitäten kommen und eins oder mehrere Ihrer Kauwerkzeuge einbüßen werden. A. B. 22.„Ich bin ungefähr 3 Jahre bei einer Herrschaft in Dienst. Ich hatte am Sonntag meine Arbeit verrichtet und fragte meine Herrschaft am Sonntag Abend, ob ich mit meinem Bruder nach Bonn fahren dürfe. Als dies verweigert wurde, bin ich ohne Erlaubniß mitgegangen. Als ich Montag Morgen anfangen wollte zu arbeiten, sagte der Herr zu mir, ich brauche hier nicht mehr anzufangen. Ich bin aufs Jahr gemiethet und möchte gerne wissen, ob der Herr dazu das Recht hat, oder ob ich 6 Wochen Kündigung verlangen kann?“ Antwort: Das Gesetz sagt, daß die Herrschaft das Gesinde wegen hartnäckigen Ungehorsams sofort entlassen kann. Im Falle des Processes wird es also darauf ankommen, ob der Richter Ihr Weggehen gegen den Befehl der Herrschaft als hartnäckigen Ungehorsam ansieht. Das kann leicht der Fall sein. Deshalb rathen wir Ihnen, sich in die Entlassung zu fügen und einen neuen Dienst sich zu suchen. M. Sch. So schreiben Sie Ihrer Geliebten die folgenden Verse von Bodenstedt ins Album: Wer meinem Herzen fremd geblieben, Dem mag ich fremd auch selber bleiben— Weil Du ins Herz Dich mir geschrieben, Will ich mich Dir ins Album schreiben— Und wird mein Bild aus Dir vertrieben: Nie werd' ich Deins aus mir vertreiben. D. U. Der Kreuznacher Park ist der größere; wer aber von beiden der schönere ist,— darüber entscheidet der Geschmack. ., Friedrichstraße.„Kann ich mein Vermögen auf meine Enkel vermachen, indem daß ich eine Tochter habe und mit meinem Schwiegersohn nicht auf gutem Fuße stehe?“ Antwort: Nur in soweit, daß Sie den Pflichttheil Ihrer Tochter nicht verletzen. 2. L. Da der Name Therese von dem griechischen Worte theran(wilde Thiere jagen) herkommt, wird er auch von uns mit Th geschrieben. A. Z. 100. Wenn der Blutandrang zum Kopfe in der That so stark ist, dann thust Du am Besten. einen Arzt zu befragen. Hausmittel dagegen gibt es nicht. Niedercassel.„Wenn ich sämmtliches Werkzeug in einer Werkstatt kaufe, darf ich dann die Form aus dem Heerde auch mitnehmen nebst dem Blasebalg?“ Antwort: Das ist lediglich eine Sachverständigenfrage, die davon abhängt, ob die sog. Form auch als Werkzeug angesehen wird. Der Briefkasten=Onkel ist darüber nicht unterrichtet. Küchenhexe will einen Versuch machen, Ochsenzungen einzusalzen, und wir sollen ihr sagen, wie sie das anstellen kann. Antwort: Das ist nicht sehr schwer. Die Zunge wird mit Koch= und etwas Salpetersalz gut eingerieben und 24 Stunden in dem Salz gelassen. Während der Zeit reibt man etwas Basilicum, Majoran, Thymian und Lorbeerlauch zu Pulver, hackt ein klein wenig Knoblauch sein dazwischen und reibt die Zunge damit kräftig ein. Nun kocht man Salzwasser und gießt es nach dem Erkalten über die Zunge, läßt sie vierzehn Tage lang darin liegen und kocht sie dann ab. Man kann dieselbe auch 10—14 Tage lang räuchern. Adelaide. Ja, so können Sie's machen; einen ähnlichen hübschen grünen Zimmerschmuck erhalten Sie, wenn Sie Kresse auf einem stets feucht zu haltenden Lappen Werg oder dergleichen aubauen. R. Das ausführlichste Werk über diesen Gegenstand ist neben demjenigen Brehm's die„Naturgeschichte der deutschen Singvögel“ von Fridrich(bei J. Hoffmann in Stuttgart erschienen). Die beiden Bände kosten 27 Mk.— Ferner nennen wir Ihnen Dr. Karl Ruß„Handbuch für Vogelliebhaber,=Züchter und=Händler“, in dessen zweitem Bande Sie finden werden was Sie suchen. Derselbe handelt über die einheimischen Stubenvögel, und kostet(3. Auflage) 6 Mr.— Das Buch ist bei Creutz in Magdeburg erschienen und in den hiesigen Buchläden(auch antiquarisch) zu haben. Max und Moritz.„Bekannt“ muß im 66=Spiel werden, sobald alle Karten des Stockes aufgehoben sind oder gedeckt worden ist. So lange das nicht der Fall ist, kann man auch nach Belieben jede Karte, die der Andere aufspielt, mit Trumpf stechen.„Decken“ heißt, durch das Umkehren der offenliegenden Trumpfkarte die Erklärung abgeben, daß man das Spiel mit den in der Hand befindlichen Karten gewinnen will, ohne daß weiter abgehoben werden darf. „Rost". Die Stahlwaaren in Ihrem Schaufenster können Sie(ebenso wie Gegenstände aus Eisen, Bronze, Kupfer, Messing u. s..) dadurch vor Rost und„Anlaufen“ schützen, daß Sie denselben eine Politur aus einer Mischung von Tischlerpolitur und Leinöl geben, wobei man eben so verfährt wie bei Holz.— Gegen das „Beschlagen“ der Fenster haben wir in der letzten Zeit mehrere Mittel angegeben. Stellen Sie Schälchen mit ungelöschtem Kalk in die Nähe derselben. Freiwilliger 1897. Ihr Junge scheint auf gutem Wege zu sein. Lassen Sie ihn den Winter über und auch den nächsten Sommer so fortarbeiten, wie bisher, und gehen Sie mit ihm dann nach Köln oder Ehrenbreitstein und melden ihn, unter persönlicher Vorstellung und Vorlage seiner Schulzeugnisse bei einem Fußartillerie= Regimente an. Sagen Sie dabei zugleich, daß Sie ihn später auf die Oberfeuerwerkerschule haben möchten. Alles Weitere wird dann vom Regimente besorgt, da er vor dem Eintritt in die genannte Schule erst 8 Jahre mindestens in der Front gedien: und die Regimentsschule besucht haben muß.— Bei der Kavallerie kann er auch eintreten, um später eine Civilstelle zu erlangen; auch kann er von da zum Zugpersonal übergehen, aber das ist mit größeren Umständen verknüpft, und um eine Civilstelle zu erlangen, muß er wenigstens 12 Jahre gedient haben. Wir halten Eintritt bei der Fußartillerie in Ihrem Falle für das Richtigste. „Goldfische“. Ein Freund unseres Blattes theilt uns mit, daß die in Nr. 2463 des„General=Anzeigers" beschriebene Krankheit der Goldfische von der sogenannten Karpfenlaus herrührt, die sehr verbreitet ist. Von dieser Karpsenlaus, die sich auch auf Forellen und Salmoiden überträgt, kann man die Goldsische bis jetzt durch kein anderes Mittel als mechanische Reinigung befreien. Am Einfachsten ist es, man bürstet die Goldsische mit einer Zahnbürste. Große Karpfen kann man auch mit einer Pferdebürste reinigen. Die Thiere befinden sich nach einer solchen Reinigung bedeutend wohler als vor derselben. Nach der Reinigung setzt man die Fische dann in reines, klares Wasser.— Am Besten wird es immer sein, lausekranke Goldfische von anderen Goldfischen abzusondern, da sich die Läuse sofort von einem Fisch auf den anderen übertragen. Sprechsaal. 118801 Schutz wider Schutz. Wer soll leiden? Die Arbeiter im staubgeschwängerten Arbeits=Saal der Kessenicher Jute=Spinnerei oder die Anwohner der Umgegend? Seit ca. 4 Wochen nämlich dröhnt Tag für Tag ein in jener Spinnerei auf Verlangen der GewerbeJuspection aufgestellter Ventilator in einer tiefen grausigen Terz so furchtbat und so gehör= und nervenerschütternd, daß die Umgegend geradezu unbewohnbar werden wird, wenn Abhülfe nicht möglich ist. Wer die Nähe der Fabrik beim Vorübergehen passirt, möge nicht urtheilen. Wer aber an's Haus gebannt, Stunde für Stunde das furchtbare Dröhnen hören muß, glaubt wahnsinnig zu werden. Wer will heute in unserer social weich gestimmten Zeit dem Arbeiter nicht jede Wohlthat und jede Erleichterung bei seiner Arbeit gönnen, sollte aber die Gewerbe=Inspection nicht verpflichtet sein, der Technik nur solche Schutzvorrichtungen zu entlehnen, die Andere nicht auf's Empfindlichste schädigen?! Die direct gefährdeten Umwohner der Jute-Spinnerei. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.; Bonn. (Nachbruck nur mit Quellenangabe gestattet.) Bonn, 26. November. 8 Dr. Gaufinez zeigte am Dinstag in seinem dritten Vortrag, wie der geschichtliche Roman in Frankreich ebenfalls von idealistischen Eingebungen ausgegangen ist. Während aber Devigny und der ältere Dumas sich nie zur Wirklichkeit durchrangen, kam der realistische Zug der Zeit in der langen Schaffensthätigkeit Victor Hugo's endlich siegreich zum Durchbruch. Beide Richtungen finden sich bei ihm am schärfsten gekennzeichnet in den Romanen„Unsere Liebe Frau von und„Die Elenden“, Grundverschieden von dem ersten, inhaltlich durch den Vortragenden kurz erläuterten Roman, ist Chateaubriand's geschichtlicher Roman„Genius des Christenthums“. Dieser ist für Gebildete geschrieben, der andere für die breite Masse. Chateaubriand geht auf in Bewunderung vor der Glaubenstreue des Mittelalters, Victor Hugo wendet sich ihm nur deshalb zu, weil die Gegenwart seiner Phantasie nur einen kleinlichen Maßstab läßt: in fernen Zeiten däucht ihm eben alles größer und schöner. Aber auch das Ungeheuerliche, Häßliche und Schreckliche nimmt er gern in Kauf. bietet ihm die Schlagschatten, um das Große, Erhabene und Schöne um so lebhafter hervortreten zu lassen. Mit Vorliebe pflegt er auch das Groteske, sowie die Contraste, in den einzelnen Zuständen sowohl, wie bei den Personen seines Romans. Je lebhafter aber seine Einbildung, desto schwächer sein seelisches Erkennen. So weiß er den todten Dingen Leben einzuhauchen, seine Helden dagegen entbehren der Wirklichkeit. Eine seiner Hauptschwächen in der Darstellung ist jedoch seinem ganzen Naturell gemäß der Hang zur Uebertreibung. Ein abschließendes Urtheil über Victor Hugo behielt sich der Vortragende bis zur nächsten Vorlesung vor, die des Schriftstellers realistische Schaffensthätigkeit an Hand des Romans„Les Misérables“ schildern soll. * Die Rathhaus=Uhr, welche erst kürzlich das Viertelschlagen länger als acht Tage ausgesetzt hatte, ist neuerdings in denselben Strike eingetreten. Eine gründliche Abstellung dieser Unart wird wohl erst nach Einführung der ersehnten— und„im Princip beschlossenen“— elektrischen Regelung der öffentlichen Uhren erfolgen. * Verhaftet. Gestern wurde hierselbst ein Reisender unter dem Verdachte, Unterschlagungen und Fälschungen ausgeführt zu haben, in Haft genommen. A Das Stiftungsfest der„Grielaria“ wurde, wie alljährlich auf Kathrinentag, gestern festlich begangen. Hatten doch die alten Grielaren in diesem Jahre besondere Veranlassung eine würdige Feier an dem Tage zu veranstalten, an welchem sie auf 80 Semester zurückblicken konnten. Morgens 11 Uhr fand in dem farbenprüchtig decorirten Vereinslokal bei Schmitz=Ruland ein Frühschoppen bei italienischer Nacht Statt. Zahlreich hatten sich die Aktiven, die alten Herren und Ehrenmitglieder um die Vereinsstandarte geschaart. Festreden wechselten mit Chorliedern und Quartettvorträgen eines befreundeten Gesangvereins ab. Grüße und Glückwünsche der mit der Grielaria in Cartell=Verbindung stehender Vereine aus Köln, Düsseldorf und Cottöus überbrachten deren gesandte Vertreter, wie ebenfalls Telegramme aus Hannover, Berlin 2c. Sinnig und pietätvoll hatte man den Bildnissen ehemaliger, nicht mehr unter den Lebenden weilender Grielaren Blumenschmuck geweiht. Auf den Frühschoppen, der recht spät endete, folgte am Abend die eigentliche Festsitzung. Wieder gaben zündende Reden, Lieder und Musikvorträge, gewürzt von echt rheinischem Humor der Bedeutung des Tages angenehmen Ausdruck, und man trennte sich erst in weit vorgerückter Stunde, einig in der Ueberzeugung, die„Grielaria“ werde wie bisher stets wachsen, blühen und gedeihen. Im Gartenbau=Verein, der gestern Abend in der Kaiserhalle seine zahlreich besuchte Monats=Versammlung hielt, brachte der stellvertretende Vorsitzende Gartenbau=Inspector Beißner zunächst zur Kenntniß, daß sich zu dem Cursus für Obst= und Gemüsebau in oppelsdorf im Ganzen bisher 15 junge Leute gemeldet haben. leichzeitig richtete er an die anwesenden Gärtner die Bitte, zu diesem unentgeltlichen Unterricht die Lehrlinge pünktlich hinzuschicken. Alsdann wurde Näheres über den Haubold'schen Räucherapparat mitgetheilt, der die Vertilgung von Milben und Blattläusen bezweckt. Belästigungen durch Qualm, die andere Apparate dieser Art verursachen, sind bei den Versuchen, die der Vorsitzende des GartenbauVereins Rentner Christian in seinem Treibhause damit angestellt hat, nicht wahrgenommen worden. Eine Besprechung von allgemeiner Wichtigkeit galt der Düugung der Obstbäume. Die Ertragsfähigkeit wird erheblich gesteigert, wenn, wie der Vorsitzende ausführte, das Erdreich rings um den Baum mit Albert'schen Nährsalzen durchetzt wird. Leider unterbleibt gar oft die Düngung. Wenn in Folge dessen der Ertrag hinter den Erwartungen zurückbleibt, braucht man sich nicht zu verwundern. Bedarf doch der Obstbaum gerade so gut wie jede andere Culturpflanze der Düngerzufuhr. Als weiteres Dungmittel wurde Torfmull befürwortet, das den Boden lockert und die Feuchtigkeit aufspeichert. Wie Herr Gartenbau=Inspectdr Bouché hervorhob, bewährt sich Torfmull namentlich auch bei der Rosenzucht und der Ueberwinterung von Stauden. Nachdem sodann die übliche Verloosung stattgefunden hatte, beschloß Herr Beißner in fesseluder Darstellung seinen Bericht über die Reise zum Zerbster Verbandstag. Der an interessanten Beobachtungen reiche Vortrag erntete lebhaften Beifall. * Die preußische Regierung will versuchen, mit dem Bureaukratismus zu brechen. Zu dem Zwecke soll ein Theil der RegierungsAssessoren die Landwirthschaft, die diese Herren meistens nur sehr oberflächlich kennen, gründlich studiren. Das ist sehr zu loben, daß man so anfangen will, den Assessoren auch das praktische Leben zu zeigen. Das wird ihre Anschauungen erweitern und ihre Auffassung verändern und vertiefen. Nur sollte die Regierung ihre Assessoren nicht auf das Studium der Landwirthschaft allein beschränken. Vielmehr ihut dreierlei noth: 1. daß der Regierungs=Afsessor in demselben Jahre, das er auf einer Staatsdomäne zubringen soll, das Wesen der Landwirthschaft auch wirklich kennen lernt; 2. daß er aber nicht später die Landwirthschaft ausschließlich bevorzugt, und 3. daß in den industriellen Bezirken den Regierungs=Assessoren auch die Möglichkeit gegeben wird, die Industrie kennen zu lernen. Wird der Plan der Regierung in dieser Weise aufgefaßt, erweitert und durchgeführt, so könnte man in ihm den Versuch sehen, mit dem Bureaukratismus allmählich aufzuräumen. Ein Güterbahnhof in Niederdollendorf. Man schreibt uns aus Niederdollendorf, 25. Nov.: Endlich wird unser Ort bald seinen lange geplnnten Güterbahnhof erhalten. Der bereits im Jahre 1894 von Seiten der Eisenbahn=Direction zu Frankfurt a. M. mit der Gemeinde Niederdollendorf abgeschlossene Vertrag wird nun seiner Ausführung entgegengehen. Es finden umfangreiche Grunderwerbungen Statt. Dabei muß man bedauern, daß von einzelnen starrköpfigen Besitzern die Sache immer noch in die Länge gezogen wird. Daß die in Frage kommende Anlage für die Heaung aller Geschäfte des Ortes von großer Bedeutung ist, braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden. Die Anlage des Bahnhofes bedingt zugleich eine Haltestelle für Güterzüge. Die Gemeinde zahlt zu den Baukosten 2c. einen Zuschuß von 5000 Mk., welcher Betrag von den Hauptinteressenten Niederdollendorfs und der benachbarten Gemeinden durch freiwillige Zeichnungen aufgebracht wird. 1000 Mark sollen an zehn Invaliden aus dem Feldzuge 1870/71 vertheilt werden, welche den Feldzug im Königin=Augusta= Garde=Grenadier=Regiments Nr. 4(früher zu Coblenz in Garnison) mitgemacht haben, und während oder in Folge des Feldzuges Juvalide geworden sind. Es kommen aber nur solche Invaliden in Vorschlag, die einer Unterstützung würdig und bedürftig sind. Die diesen Ansprüchen genügenden ehemaligen Krieger wollen sich umgehend schriftlich an den Schriftführer des Vereins ehemaliger Kameraden des Königin=Augusta=Garde=Grenadier=Regiment Nr. 4, Herrn Polizei=Wachtmeister W. Herrmann, Hochstraße 28 in Berlin wenden. Detailreisen. Die lange erwarteten Ausnahmebestimmungen bezüglich des Detailreisens sind endlich erschienen. Befreit von dem Verbot sind nur der Weinhandel, der Handel mit Erzeugnissen der Leinen= und Wäschefabrikation und der Handel mit Nähmaschinen. Die Kaufleute aller anderen Zweige müssen also in Zukunft für jeden Detailreisenden einen Wandergewerbeschein haben, der— abgesehen von Elsaß=Lothringen— vorlaufig wenigstens steuerfrei ausgestellt werden wird. Der Wandergewerbeschein ist bekanntlich nicht erforderlich, wenn eine ausdrückliche Aufforderung zum Besuch vorliegt, 2 Die französische Revolution und die Kunst bildete den Gegenstand eines lichtvollen, in ansprechende Form gekleideten, einstündigen Vortrags, den der Provinzial=Conservator der Rheinprovinz Dr. Clemen gestern zum Besten des Milchvereins im„Stern“ hielt. Ausgehend von den Heimstätten des heiteren Rococo und des Barock zu Versailles und dem Eidschwur im Ballhaus, der am 20. Juni 1789 die Revolution gebar, ließ er in heller Beleuchtung den Charakter der zugleich mit ihr der Kunst aufgedrängten Umwälzung hervortreten. Diese sog. Revolutionskunst ist vermöge einer Ironie des Schicksals am schärfsten in David ausgeprägt, einem Neffen und Schüler Bouchers, des großen Rococo=Meisters. 1793 auf den Gipfel ihrer Entwicklung angelangt, stellte sie als Programm den Satz auf: Die Kunst hat nur dann Platz in der Staatsverfassun, menn se 26 November 1896. General=Anzeiger für Vonn und Umgegend hilft,„Bürgertugend“ zu wecken. Als Ideal aller Tugenden schwebte den Jüngern der Revolution gleich wie in der Staatsform die sittenstrenge, starre römische Republik vor. Das Erziehliche und Lehrreiche in der neuen Kunstrichtung hatte sich um so schneller Bahn gebrochen, als es schon von Diderot als Ziel aufgestellt und durch Tugendschilderer wie Greuze in Frankreich und Hogarth in England durchgeführt worden war. Unter dem Einfluß der Antike hatte der sog. Classicismus mit seinen steifen, gradlinigen, dürftigen Formen auch in Deutschland sich einzunisten versucht und auch Anwendung gefunden, so auf Schloß Benrath und selbst hier in Bonn. Die Revolutionskunst tritt uns sogar in der Mode entgegen, im Kleide der„Freiheit“, einer lächerlichen Caricatur antiker Tracht. Gleichzeitig verfielen die alten bürgerlichen Denkmäler und Darstellungen dem fanatischen Vandalismus der Zeit. Ganze Wagenladungen wurden nach Paris geschleppt und dort vernichtet. An 30 Millionen werthvoller Gegenstände mußten in die Münze wandern, namentlich Alles, was mit dem einstigen Königthum zusammenhing. Houdon, der von David tödtlich gehaßte und verfolgte Hauptvertreter des dem Untergang geweihten„Salons“, konnte die Figur einer hl. Enstachia nur dadurch retten, daß er sie durch Veränderung einiger Attribute in eine„Philosophia“ umwandelte. Seit 1719 Alleinherr= scher im Reiche der„Kunst", setzte David mit rücksichtsloser Härte durch, was er von ihr fordern zu dürfen glaubte. 1791 ging der alte Salon ein, 1793 die Akademie. David lieferte die Pläne zu den maßlosen Festen der Revolution, vor Allem zum Constitutionsfest, zu dem der alte Platz der Bastille sich mit einer geradezu abgeschmackten Gruppe plastischer Verkörperungen der Revolution schmückte. Dauernden Werth beanspruchen jedoch Porträts seiner Zeitgenossen, namentlich das Marats, den er mit ergreifend naturalistischer Treue in dem Augenblicke der Ermordung durch Charlotte Corday schilderte. Berühmt ist auch unter vielen anderen das Porträt Napolcons beim Uebergang über den Kleinen Bernhard, das der Corse ihm mit den Worten in Auftrag gab:„Malen Sie mich ruhig auf einem wilden Pferde!" Das Original befindet sich in Berlin und bildet einen schwachen Ersatz für die unzähligen Kunstschätze, die der Eroberer Deutschland entführt hat. Ihren Ruf wahren diese Bildnisse Davids deshalb, weil in ihnen der Künstler nur der Stimme der Natur Gehör gegeben hat. Neben David verkörperte Hondon in erster Linie die Helden der Revolution. Er darf mit Recht als der größte Plastiker des ausgehenden Jahrhunderts und wohl aller Zeiten gelten. Dauernder noch als seine Idealgestalten, wie die der Diana des Louvre, sind seine Bildnisse der beiden Väter der Revolution: Roussean mit dem verständigen ernsten Gelehrtengesicht und Voltaire mit dem lebendigen und sarkastischen, ausgemergelten und doch so geistreichen Kopf. Unter seinen 18 Porträts von Voltaire ist unstreitig das beste die Sitzfigur, die im Idealcostüm ohne Perrücke im Foyer des Théätre français auf die Nachwelt so witzig=bissig herniederschaut. Ebenso berühmt ist das Bildniß, das er von Mirabeau, dem größten Redner jener Zeit, dem Gewaltmenschen geschaffen hat, den Madame de Staël in seiner eindruck weckenden Häßlichkeit als den„Ausdruck irregulärer Macht" bezeichnet. Die eigentliche Programmkunst der Revolution, die in den Darstellungen der Feste, in den Decorationen und in den Historienbildern nichts als die klassische Bürgermoral predigte, ist längst von ihrem Schicksal ereilt und der Verachtung der Nachwelt anheimgefallen. Heute ist die Menschheit auf den richtigen Standpunkt angelangt: Der Staat verlange nicht von der Kunst eine Hülfe im Kampf gegen irgend welchen Feind! Er mache dem Genie nur die Bahn frei, weiter nichts! Das ist die Lehre aus der Zeit der französischen Revolution. cX Der hochw. Herr Weihbischof Dr. Schmitz traf gestern in der Frühe in unserer Stadt ein, um sich von hier nach Hersel zu begeben. Dort spendete der Herr Weihbischof im Kloster der arsulinen die hl. Firmung. Der Vertrag, welcher am 6. August d. J. zwischen der Gemeinde Duisdorf und der hiesigen Universitätsbehörd wegen der Wasserleitung abgeschlossen wurde, hat nunmehr die Genehmigung des Culiusministers erhalten. Der Gemeinderath von Duisdorf beschloß in seiner letzten Sitzung, mit der Ausführung der erforderlichen Arbeiten sofort zu beginnen. 9. Die Temperatur ist über Nacht empfindlich gewichen. Heute Morgen zeigte das Thermometer 2 Grad unter Null. Die Wege waren vielfach mit einer leichten Eisdecke überzogen. * Kreistags=Ersatzwahl. Bei der Kreistags=Ersatzwahl für den Landkreis Bonn, welche gestern stattfand, wurden die ausscheidenden Kreistags=Abgeordneten Jos. Frings zu Hersel, Theod. Pingen zu Dicobshof, F. A. Engels zu Marienforst, Edmund Stein zu Metzdorf, Fr. Soennecken zu Poppelsdorf, Jos. Schüller zu Hemmerich, Ludwig Schopp zu Buschdorf, Heinrich Zimmermann zu Wesseling wiedergewählt. 44chn g. 8".19 a Die gerichtsarztliche Unterfachung der Leiche des in Dulsdorf verstorbenen Ackerers Sch. hat am Dinstag um 11½ Uhr begonnen. Erst um 2 Uhr entfernte sich die Gerichtscommission. Die Beerdigung des Sch. hat gestern Morgen um 10½ Uhr stattgefunden. & Vor der hiesigen Staatsanwaltschaft hat heute Vormittag 9 Uhr die erste Vernehmung in der israelitischen Friedhofsangelegenheit bei Endenich stattgefunden. Ein Zeuge, ein in Bonn wohnender junger Mann, hatte sich nach der ersten Grabmäler=Zerstörung selbst gemeldet und gibt an, die Thäter bei der Arbeit beobDie Vonner Carnevals=Gesellschaft„Frohsinn“, welche sich im Lokale des Herrn Rolef(Meckenheimerstraße) wiederum konstituirt hat, hält am nächsten Sonntage daselbst eine Versammlung mit Damen ab, auf welche hierdurch besonders aufmerksam gemacht sei.(Siehe die Anzeige.) 0 Der Katharinen=Markt erfreut sich in diesem Jahre eines seit langer Zeit nicht beobachteten starken Zuzugs sowohl an Verkaufsbuden als auswärtigen Kaufliebhabern. Vielen Besuch brachten wohl dank der jetzigen trockenen Witterung die gestrigen Mittagszüge vom Vorgebirge und von Euskirchen her; auch die Brölthalbahn war gestern stets gut besetzt. Das Gesammtbild des Marktes ist so ziemlich das Alte geblieben, diesseits bei den frischen Waffeln angefangen, jenseits am Eselsgraben bei der Kölschen Brüsseler Spitze aufgehört. Viel betrachtet wurde ein großer Verkaufsstand in der untersten Reihe am Mülheimer Platz, woselbst Porzellan=Nippfigürchen in der erdenklichsten Form und Dekoration zu mäßigen und spottbilligen Preisen ausgestellt waren; ferner die Anpreisung von guter Literatur und Bildern durch„wahre Jakob's“ für wenige Pfennige. Wohl in Folge der günstig verlaufenen Ernte war die Kauflust der Landbevölkerung eine ungewöhnlich rege. Die Jahrmärkte scheinen zwar nicht mehr für die heutigen städtischen Verhältnisse zu passen, da unsere kleineren Orte sogar eine Menge solider Waarenlager aufweisen. Daher sieht man mit Verwunderung, wie die Landleute noch immer so eifrig dem Markte zusprechen. Noch mehr muß man sich darüber wundern, wie die meisten der Budenbesitzer umfangreiche Waaren durch kostspielige Eilfracht direkt von.=Gladbach(wo vorige Woche Jahrmarkt war) hierher führten. Sie scheinen also bei den billigen Preisen noch immer ihre Rechnung zu finden. Auch von der rechten Rheinseite war der gestrige Katharinenmarkt rege besucht. Ununterbrochen waren an der Mondorfer Fähre 4 Fährleute thätig, um die Leute alle überzusetzen. Das Passagierboot „Mondorf“ war sogar genöthigt, um 6 Uhr noch eine Extratour zu machen, da man voraussah, daß es bei seiner letzten Fahrt die Marktbesucher nicht alle werde fassen können. Auch an der Bergheimer Siegfähre herrschte ein sehr reger Verkehr. darüber geführt worden, daß Musterungsjünglinge sich in schmutzigem, ungewaschenem Zustande der Commission vorgestellt haben. Um für die Folge derartigen Ungehörigkeiten vorzubeugen, hat der Regierungspräsident Frhr. v. Richthofen unter Zustimmung des Bezirksausschusses folgende Polizei=Verordnung erlassen:„Militärpflichtige, die in dem Musterungs= oder Aushebungstermine nicht rechtzeitig, oder in betrunkenem oder unreinem Zustande erscheinen, während des Musterungs= oder Aushebungsgeschäftes ohne Erlaubniß ortgehen, oder von einem ihnen gestatteten Ausgange nicht innerhalb der festgesetzten Frist zurückkehren, oder welche die Ruhe und Ordnung stören, werden mit Geldstrafen bis zu 30 M. bestraft. V Kalk, 25. Nov. Die Stadtrathswahlen dritter Klasse haben gestern Abend mit dem Sieg der von dem Comité für parteilose Wahlen aufgestellten vier Candidaten geendet. In der heute stattgehabten Wahl der zweiten Klasse sind die von dem genannten Comité aufgestellten Candidaten Lamertz und Bendheuer, sowie die von dem Comité der Bürger= und Centrumspartei aufgestellten Candidaten Lehmacher und Schmahl gewählt. Zwischen Herrn I. Engels(Candidat des Comités für parteilose Stadtrathswahlen) und Herrn Kramm(Candidat der Centrums= und Bürgerpartei) haben Stichwahlen stattzufinden. * Mainz, 25. Nov. Heute Nachmittag ereignete sich in der Neustadt ein gräßliches Unglück. Das Fuhrwerk des Husarenofficiers Krell, dessen Pferde plötzlich scheu wurden, rannte den 71jährigen Fabrikarbeiter Siebert um und schleifte ihn ein Stück Weges mit. Schließlich gerieth der Arbeiter unter die Hufe der Pferde, welche ihm den Schädel zertrümmerten, so daß der Tod sofort eintrat. Die Insassen des Wagens, nämlich die Gemahlin des Officiers, welche die Lenkerin des Fuhrwerks war, und der Bediente waren kurz vorher ausgestiegen, um das Kind eines Majors aus dem Wagen zu heben. In demselben Augenblicke scheuten die Pferde und gingen durch. Brannschweig, 23. Nov. Der aus dem hannoverschen Spielerproceß bekannte Lieutenant v. Schierstädt, der mit schlich tem Abschied entlassen wurde, war vor etwa einem Jahre als Lientenant der Reserve des 8. Ulanen=Regiments wieder angestellt und ist jetzt in die active Armee übernommen, indem er beim 17. HusarenRegiment in Braunschweig angestellt ist. Er hat hierbei ein Patent vom März 1888 erhalten und damit 1½ Jahre gegenüber seinem früheren Dienstalter eingebüßt. * Konstantinopel, 17. Nov. Das am jenseitigen Ufer des Bosporus gelegene Skutari war gestern der Schauplatz eines furchtbaren fünffachen Mordes. Ein türkischer Rosselenker Namens Ali Pehlivan hegte in Folge eines Liebes=Verhältnisses gegen einen Muhadschir, der Chukri heißt, unbesiegbare Feindschaft. Ali fand nun gestern im Kaffeehause eine günstige Gelegenheit, um mit seinem Nebenbuhler Händel anzufangen, wobei er ihm ein Dolchmesser so tief in die Kehle bohrte, daß der Muhadschir nach wenigen Minuten schon seinen Geist aufgab. Der Polizist Kurd Ali Effendi, der von dem Morde unterrichtet wurde, suchte Pehlivau zu verhaften, was er mit dem Leben bezahlen mußte, denn der Wütherich brachte auch ihm mit dem Dolche tödtliche Wunden bei. Ebenso erging es einem zweiten Polizisten, Jonous Effendi, der trotz herkulischer Stärke von Pehlivan überwunden und erdrosselt wurde. Der Mörder flüchtete nun in seine Wohnung, wobei sich ihm ein Student der Medicin in den Weg stellte und den Rasenden aufzuhalten trachtete— auch er wurde durch einen fingerdicken Stich in die Schläfe getödtet. Zu Hause angekommen, wo man noch keine Ahnung von den durch Ali verübten Metzeleien hatte, machte ihm sein Onkel Hamdi Agha ob seiner fürchterlichen Aufgeregtheit Vorwürfe. Ali war aber nicht zu besänftigen, und nun entspann sich zwischen Neffen und Onkel ein Streit, den der Neffe damit beendete, daß er dem Onkel den Bauch aufschlitzte. In diesem Augenblick trat ein starkes Polizei=Aufgebot in die Wohnung, dem es endlich gelang, den fünffachen Mörder nach verzweifelter Gegenwehr zu fesseln und in's Gefängniß abzuführen. 88 Berlin, 25. Eehir Host. Nov. In e * Sürther Maschinenfabrik. In der vorgestern abgehaltenen Sitzung des Aufsichtsraths gelangte die Rohbilanz dieses Unternehmens auf 30. September 1896 zur Vorlage, welche für die ersten neun Monate des laufenden Betriebsjahres einen Rohüberschuß von 138,369 Mark gegen einen solchen von 88,009 Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahrs ausweist. Der Gesammtumsatz bis 30. September d. J. belief sich auf 903,068 Mark, gegen 668,303 Mark für den gleichen Zeitraum im vorigen Jahre. Für das letzte Viertel dieses Jahres erwartet man, wie vorstehender Mittheilung hinzugefügt wird, ein dem bisherigen entsprechendes Ergebniß. Auch ist das Werk weiterhin mit reichlichen Aufträgen versehen. * Waggonfabrik vorm. Herbrand in Köln=Ehrenfeld. Der Aufsichtsrath hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, für das abgelaufene Geschäftsjahr 9% Dividende bei reichlichen Abschreibungen und Rücklagen der am 19. December stattfindenden HauptVersammlung vorzuschlagen. Im Vorjahre wurden 7% Dividende gezählt. Von Nah und Fern. 4 Königswinter, 25. Nov. Im nächsten Jahre wird hierselbst aller Wahrscheinlichkeit nach wieder ein neuer Hotelbau erstehen. Herr C. Ermekeil, Eigenthümer des Gasthofes„Düsseldorfer Hof", kaufte das neben seinen Gebäulichkeiten gelegene Besitzthum der Gräfin du Parc, welches bis jetzt schon zum Betriebe des„Düsseldorfer Hofes“ mitbenutzt wurde; ferner ein daran stoßendes Wohnhaus mit Garten. Diese Gebäulichkeiten will Herr Ermekeil nun im nächsten Frühjahre niederlegen und an deren Stelle einen größeren HotelNeubau, der Bauart der Jetztzeit entsprechend, aufführen lassen. □ Köln, 25. Nov. Mehrfach ist es in letzter Zeit zu Ausschreitungen bei Aushebungen und Musterungsgeschäften gekommen, sowohl in Köln wie in den ländlichen Bezirken. Auch ist vielfach Klage einem Leitartikel der„Nordd. Allg. Ztg.“ über den Officierstand des deutschen Heeres heißt es zum Schluß:„Als aus den Siegen des deutschen Volkes in Waffen die lange vergeblich ersehnte und erstrebte Einheit der Nation hervorging, da gab es in ganz Europa nur eine Stimme der Bewunderung für die Organisation und den Geist dieses Heeres, als dessen charakteristischer Vorzug eben die Ausbildung und Stellung des Officiers gepriesen wurde.„Den macht uns keiner nach“, sagte der Staatsmann, der uns die Einheit schuf. Heute wetteifern unsere demokratischen„Philanthropen“ mit denjenigen Fremden, die uns am grimmigsten hassen, in dem Bestreben, den Officierstand des deutschen Heeres zu lästern und herabzusetzen. Die Folgen müßte das deutsche Volk tragen, wenn es nicht mit rechtzeitiger Energie diesem vaterlandsfeindlichen Beginnen entgegenträte.“ ss Berlin, 26. Nov. In der Reichstagssitzung vom 24. d. M. wurde das Privatklage=Verfahren auf die schwere Körperverletzung, die Bedrohung, den Hausfriedensbruch und die Sachbeschädigung ausgedehnt.— Anträge auf Strafverfolgung in diesen Fällen sollen also nach Inkrafttreten der Justizuovelle nicht mehr durch den Staatsanwalt erfolgen. §§ Berlin, 25. Nov. Wie dem„B..=.“ aus Metz gemeldet wird, sind der Redacteur Patry und zwei Gefangenenwarter verhaftetet worden. Die Untersuchung werde geheim gehalten. §s Berlin, 26. Nov. Der frühere Rechtsanwalt Dr. Fritz Friedmann dementirt die Zeitungsnachricht, mit der Ausweisung des Barons Grivot de Grandcourt in Zusammenhang zu stehen. Er kenne diesen Menschen überhaupt nicht. Bekanntlich soll Herr de Grandcourt der französische Assistent bei der Friedmann=Broschüre gewesen sein. §§ Berlin, 26. Nov. Die Befürchtung, daß die preußische Regierung beim Richterbesoldungsgesetz den Assessorenparagraphe wieder einbringen werde, soll vollständig unbegründet sein. §§ Berlin, 26. Nov. Bekanntlich haben in Dresden und auch in anderen Städten die Bankiers verzichtet, sich in die Terminregister eintragen zu lassen. Dazu schreibt ein Regierungsblatt, dieser Verzicht verscharfe die Wirkung des Gesetzes, das Börsenspiel Unberufener einzuschränken; da die Eintragung die Rechtswirksamkeit begründe, werde es alsdann klagbare Termingeschäfte überhaupt nicht geben. Die Gesetzgebung habe keinen Grund, mit der Wendung der Dinge unzufrieden zu senng....„... 9. §§ Berlin, 25. Nov. Der Arbeits=Ausschuß der Beruner G werbe=Ausstellung versandte ein Rundschreiben an die Garantiefondszeichner, in dem er dieselben zur Zahlung von zunächst 30 Procent der gezeichneten Beiträge auffordert. ss Hamburg, 26. Nov. Die Zahl der Strikenden beläuft sich bereits auf über 7000. Auch die Werftarbeiter beabsichtigen eine Solidaritäts=Erklärung. Verschiedene abgehende Dampfer ließen einen Theil der Ladung zurück. Trotz lebhafter Agitation verhalten sich die Strikenden durchaus ruhig. §s Hamburg, 25. Nov. Der Strike der Hafenarbeiter nimmt an Ausdehnung zu. Die Zahl derselben beträgt 10,000. Die 500 Quaiarbeiter der Paketfahrt=Gesellschaft haben sich bis auf 19 den Strikenden angeschlossen. Die Breiner Hafenarbeiter und Lübecker Kohlenarbeiter haben sich ebenfalls für den Anschluß erklärt. Tom Mann und Wilson sandten aus England ein Telegramm, in welchem sie die Hülfe der Internationalen Vereinigung zusagten und daß die Hamburger Schiffe in London nicht gelöscht werden würden. ss Bremen, 26. Nov. Hier striken 500 Lagerarbeiter. Heute früh meldete sich nur ein ganz geringer Theil zur Arbeit. Die Strikenden verlangen einen Tagelohn von.50 M. als Mindestsatz die Direction der Bremer Lagerhaus=Gesellschaft erklärte, 3,30 M zahlen zu wollen.„ s8 Kiel, 26. Nov. Der Kreuzer dritter Klasse„Arkona" ist zum Schutze deutscher Interessen auf den Philippinen, namentlich auf Luzon und Mindoro, nach Manila abgegangen. §s Haunover, 26. Nov. Der Vorstand des Hannover'sche Städtetages beschloß, wegen des drohenden Lehrerbesoldungsgesetzes den Hannover'schen Städtetag zu einer außerordentlichen Tagung einzubernfen.„„„„„ 6 88 Marienburg, 26. Ncov. Hier fand eine Conferenz Statt zur Berathung über den weiteren Ausbau der Marienburg. Es ist beabsichtigt, eine große Schloßbaulotterie zu veranstalten. ss Dresden, 26. Nov. Ein 20jähriger Buchbindergehülfe erschoß Nachts in seiner Wohnung seine 22jährige Geliebte, die bei eine hiesigen Herrschaft bedienstet war, und dann sich selbst. 88 Erfurt, 26. Nov. Leipzig ist der Sitz des neuen nationa socialen Vereins. Erster Vorsitzender ist Pfarrer Neumann. Vorstandsmitglieder sind Professor Sohm, Professor Gregory u. a. Zu Vereinszeitungen wurden die„Hülfe“ und„Die Zeit“ gewählt. Dann wurde der Congreß geschlossen. 88 Lissa, 25. Nov. Die Wittwe Mathilde Heintze aus Sarnowko, welche vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt wurde, weil sie in Gemeinschaft mit ihrem Geliebten, dem Handlungsgehülfen Oscar Heilmann, ihren Ehemann mit Arsenik vergiftet hatte, wurde heute durch den Scharfrichter Reindel hingerichtet. Heilmann wurde zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Die Heintze und Heilmann waren nach Verübung der That geflohen, in Pennsylvanienlaber verhaftet worden.„ D.... Gart 91## 8s Königsberg, 26. Nov. Die„Konigsb. Hali. Hig., gegen deren Chefredacteur Walter ein Zeugniß=Zwangsverfahren wegen der Börsengarten=Angelegenheit schwebt, will ebenso wie die„Frankfurter darauf gegebenen Falls mit einer Denunciation der„Hamb. achr.“ wegen Landesverraths antworten. s8 Aachen, 26. Nov. Wegen öffentlicher in vier Fällen im Volksfreund" begangener Beleidigung des Polizei=Inspectors Bünther wurde der Verleger Hubert Immeln zu 800 Mk. und der Redacteur Johannes Koerfer zu 400 Mk. verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte je acht Monate Gefängniß beantragt. 88 Amsterdam, 26. Nov. Die Dynamit=Verbrecher Haines und Genossen, die in Rotterdam verhaftet waren, wurden wieder in Freiheit gesetzt. ss Brüssel, 25. Nov. Zur Begrüßung des Herzogs von Orleans sind bisher etwa 400 Mitglieder des royalistischen Adels hier eingetroffen. Der Herzog wird hier einen formellen royalistischen Congreß abhalten. ss Budapest, 25. Nov. Kaiser Frauz Joseph wird heute zur Eröffnung des Reichstages hier eintreffen. Er gedenkt—8 Tage zu verweilen.„„„„„„ 88 Rom, 25. Nov. Der Beweis für die Schuld des Generals Albertone soll nunmehr erbracht sein; derselbe wird vor ein Kriegsgericht gestellt werden. General Baratieri wirft auf Albertone die volle Verantwortung für die Niederlage bei Adua. Albertone wird sich selbst vertheidigen.,„„" enheit e is 88 Rom, 26. Nov. In der„Doelwyr=Angelegenheit wilb eine neue Gerichtssitzung, in der die Entscheidung fallen soll, voraussichtlich am 7. December stattfinden. ss Rom, 25. Nov. Als der König gestern von seiner Villa spazieren fahren wollte, näherte sich demselben ein anständig gekleideter Mann, um eine Bittschrift zu überreichen und zwar in drohender Weise. Sofort stürzten mehrere Polizeibeamten auf denselben und verhafteten ihn. Bei dieser Gelegenheit zerriß der Unbekannte einen Militärpaß. Der Attentäter erwies sich als ein aus Afrika kommender mittelloser Korporal. s8 Belgrad, 24. Nov. In den überschwemmten Gegenden herrschen typhöse Fieber. An das Hülfs=Comité ist die Bitte um Absendung größerer Mengen Chinin gestellt worden. g 900„ s8 London, 25. Nov. England rüstet. Die„Pall Mau Gazette“ versichert, die Regierung beabsichtige, vom Parlament eine Erhöhung der Forderungen für das Heer von mehreren Millionen Pfund Sterling zu verlangen, um eine neue Artillerie=Bewaffnung durchzuführen, zahlreiche neue Linien=Bataillone zu errichten und das Transportwesen neu zu ordnen. §s London, 25. Nov. Wie aus Bombay gemeldet wird, seien in Rawutpindi ernstliche Meutereien ausgebrochen, an welchen sich 200 Sepoys des 27. Pungab=Infanterie=Regiments betheiligt hätten. ss London, 26. Nov. Dr. Jameson wird wahrscheinlich in einigen Tagen wegen seines Gesundheitszustandes freigegeben werden. §8 Moskau, 25. Nov. Der sehr wohlhabende Edelsteinhändler Kosin wurde in seiner Wohnung erdrosselt aufgefunden. Sämmtliche Juwelen und Werthsachen waren geraubt. Die Thäter sind §8 Schorkow, 25. Nov. Die Eisengießerei und Maschinenfabrik Pilstrem, die bedeutendste Südrußlands, ist vollständig nieder gebrannt. §8 Port Louis, 26. Nov. Mauritius will zugleich mit den westindischen Colonien bei der britischen Regierung wegen der aus ländische.##um ggannen ngrn. ss Sydney, 25 N. werden en von 6 bis 10 Pfund Sterling pro Kopf Fällen wurden die Eingevorenen grausam behandelt. §8 Peking, 26. Nov. Der Kaiser ernannte Lo=Feng=Lo zum Gesandten in London, Wu=Ting=Fang zum Gesandten in Washington und Hwang Isun Schien zum Gesandten in Berlin. Die Gesandten wurden heute vom Kaiser in Audienz empfangen. Der chinesische Gesandte in Washington, Yang Ju, wurde nach Petersburg vrsch.„„„ §§ Yokohama, 25. Nov. Aus Söul wird telegraphirt: Eineunzahl von koreanischen Officieren wurde verhaftet, weil sie sich verschworen haben sollen, sich des Königs zu bemächtigen und ihn zur Rückkehr nach seinem Palast zu zwingen. Drei russische Officiere mit 80 Seeleuten und einem Feldgeschütz rückten gestern früh in Söul ein. ss Teheran, 26. Nov. Der Ministerwechsel ist beendet. Der Posten des Großvezirs bleibt vorläufig nicht besetzt. 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Der Reichstag genehmigte in fortgesetzter zweiter Berathung zur Strafproceß=Ordnung die Commissionsfassung des Paragraphen 244. Diese berechtige das Gericht zur Ablehnung von Beweiserhebungen in der Hauptverhandlung vor der Strafkammer in erster Instanz, wenn der Beweis als unerheblich gilt. Nach einem ebenfalls angenommenen Antrag Strombeck kann die Beweiserhebung auch dann unterbleiben, wenn die zu beweisenden Thatsachen als zu Gunsten des Angeklagten erwiesen erachtet werden. Ebenfalls gelangte Paragraph 245 zur Annahme, daß eine Beweiserhebung nicht deshalb abgelehnt werden darf, weil das Beweismittel oder die zu beweisende Thatsache zu spät vorgebracht seien; feruer ein Zusatz=Antrag Beck, daß auch die verspätete Einbringung einer als Beweismittel dienenden Urkunde kein Ablehnungsgrund sein soll. Alsdann wandte sich die Berathung dem Abschnitt zu, der von dem Schwurgerichtsverfahren handelt, sowie dem über die Einführung der Berufung. Letzterer wird ohne Abänderung angenommen. §§ Berlin, 25. Nov. Der Landtag trat heute in die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. Tilgung von Staatsschulden und Bildung eines Ausgleichsfonds. Der Finanzminister Dr. Miquel führte zunächst aus, daß der vorliegende Gesetzentwurf in seiner Bedeutung falsch beurtheilt und übertrieben werde. Zu Unrecht charakterisire man ihn als eine wesentliche Aenderung im bisherigen Finanzsystem, als eine Schmälerung der constitutionellen Rechte und als einen Versuch, demnächst eine Steuererhöhung zu erzwingen. Der Gesetzentwurf sei vielmehr ein bescheidener Versuch, die nach der Erfahrung hervorgetretenen Mängel zu beseitigen. Er sei zwar nicht absolut nothwendig, biete aber eine zweckmäßige und nützliche Maßregel für die Zukunft und die Gegenwart. Der Entwurf zerfalle in zwei Theile, der eine strebe eine gesetzlich feste Grundlage für eine Mindestschuldentilgung an. Es sei eine Fabel, zu behaupten, mit der Vorlage solle dauernd die Grenze der Schuldentilgung aus den Ueberschüssen aufgestellt werden. Trotz gegentheiliger Vorhersagung sei es möglich gewesen, Schuldentilgung in angemessenen Raten bisher schon durchzuführen. Der Entwurf wolle eben weiter auch nichts, als die gesetzliche Festlegung einer festen ununterbrochenen Schuldentilgung bis zu einer Minimalgrenze. Als solche schlage er ein halbes Procent vor. Die meisten übrigen Staaten hätten ebenfalls eine obligatorische Schuldentilgung. Irgendwelche Nebenabsichten bei dem Entwurf lägen der Regierung fern. Wolle der Landtag aber noch mehr Bürgschaften, so gehe er auch darauf ein. Eugen Richter erklärt: Die ausführliche Begründung des Ministers beweise, wie wenig die Regierung ihrer Sache sicher sei. Mi Recht denke man im Volke: Der Finanzminister nimmt, was er kriegen kann. Das ganze Budgetrecht im Abgeordnetenhause besteht in dem Recht der Ausgabenbewilligung, und dies wird beschränkt, wenn ein Theil der Ausgaben in der Schuldentilgung festgelegt wird und alle Ueberschüsse von vornherein in den Ausgleichsfonds fließen. Der neue Entwurf führt eine gewisse Pflicht ein, neue Steuern zu bewilligen. Die früher bewilligten Anleihen seien nicht einmal, ganz begeben worden. Das beweise zur Genüge, im Verein mit den erfolgten Amortisationen, daß die bisherige Schuldentilgung durchaus nicht so ungünstig gewesen sei. Die Nothwendigkeit einer festen Amortisation sei dem gegenüber vom Finanzminister nicht dargethan. Bei dem Ausgleichsfonds von 80 Millionen komme der Minister in die Lage, über Summen aus nicht bewilligten Mitteln frei zu verfügen, ja, Gelder für solche Zwecke auszugeben, für die der Landtag kein Geld bewilligen würde. Er sehe in der Vorlage leider nichts, als die Absicht, das Haus in der freien Bestimmung über die Verwendung der Ueberschüsse einfach zu beschränken. Dies sei um so weniger angängig, als die preußischen Finanzen durch die bereits getroffenen automatischen Verzierungen in Einnahmen und Ausgaben so unklar und unübersichtlich geworden seien, daß es überhaupt sehr schwer halte, sich ein Bild von der wirklichen Finanzlage und dem thatsächlichen Stande der Schulden zu machen. Gi# Finanzminister Dr. Miquel erwidert auf die Bemertung Richters, daß Preußen in den letzten vier Jahren kein Deficit gehabt habe, nach seiner Ansicht habe der Staat erst dann kein Deficit, wenn er in jedem Jahre seine Pflichten erfülle und seine Schulden tilge. Die Einstellung der Ueberschüsse in den Etat würde zu einer übermäßigen Vergrößerung der Ausgaben führen. 4 v.. 6455h=s Graf Limburg(cons.) sieht in dem Buogerrecht kein politisches, sondern ein finanzielles Recht. Die Conservativen würden für die Vorlage stimmen.— Bachem(Centr.) ist für Schuldentilgung, aber nicht für obligatorische. Diese ist entweder ein Scheinmanöver oder sie schließt gegebenenfalls erhöhte Steuern in sich, weil anders eine Deckung nicht möglich sei. Ein Ausgleichfonds sei annehmbar, müsse aber der Staatsschulden=Verwaltung unterstellt werden. Er bitte, die Vorlage an die Budget=Commission zu verweisen.— Sattler (natl.) tritt für die Vorlage ein.— Gothein(Freis. Ver.) ist ber Vorlage nicht abgeneigt, bezweifelt jedoch, daß das Gesetz durch die Commission annehmbar gestaltet werde. Die Weiterberathung wurde auf morgen vertagt. Der Landtag wird morgen außerdem in die erste Lesung des Lehrerbesoldung gesetzes eintreten. Pension Wild. 65 PBig. Sagosuppe. Rindfleisch m. Häringsalat. Rosenkohl u. Lendenbraten. 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Druck und Verlag der Actien=Gesellschaft General= Anzeiger für Vonn und Umgegend.—— Für die Redaction verantwortlich: Hermann Rolshoven in Bonn. Expedition: Bahnhofstraße 7 und 3 Anzeigen=Annahme: grögzr;, Vuzeigen bis Abends vorher 8 Uhr, kleinere bis Morgens 9 Uhr. Genterar=Astgerr, für Bonn 40006— Der Druck des General=Anzeigers begian jeden Morgen um 10 Uhr— Jodermeus hat Zutritt. Achter Zahrgang. und Umgegend. Jede politische, fociale und religlöse Tendenz oder Erörterung ist abselut ausgeschlossen. (1 1 unseres Statuts.) Anzeigen aus dem Verbreitungsbezirk des General= Anzeigers 10 Pfg. dro stebenspaltige Petitzelle oder deren Raum. Anzeigen von Auswärts: 20 Pfe. pro siedenspaltige Peitzelle oder deren Raum. Reklamen 60 Pfg. pro Textzelle. Alle lokalen Anzeigen werden bei vorheriger Baarzahlung für Imal das Stemal frei aufgenommen. Kleine lokale Inserate bis zu 19 Zeilen kosten nur 5 Pfg. pro Zeile und das Stemal frei, wenn vorher baar bezahlt wird. 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Maria Anna Martha Beßler, zu Kessenich.— Joseph, S. v. Adolf Oleff. Gartenarbeiter, u. v. Elisabeth Hozenheuer, zu Dottendorf.— Peter Joseph, S. v. Mathias Joseph Schmitz, Metzger, und von Maria Boley, zu Endenich.— Anna Maria, 2. v. Peter Küth, Werkmeister, u. v. Elise Liermann, zu Poppelsdorf.— Agnes, T. von Mathias Bongardt, Porzellanmaler, u. v. Therese Drolshagen, zu Endenich.— Heinrich, S. v. Ferd. August Engels, Tagelöhner, u. v. Margaretha Kessel, zu Endenich. — Maria Jan. Pet., S. v. Math. Joseph Dick, Fabrikarbeiter, u. v. Helena Welter, z. Poppelsdorf.— Maria Anna, T. von Wilhelm Gundemann, Schreiber, und von Catharina Miesen, z. Kessenich.— Theodor, S. v. Heinrich Breuer, Fabrikarbeiter, u. v. Anna Maria Schneider, z. Duisdorf. Heiraths=Verkündigungen: Philipp Fritz, Fabrikarbeiter zu Bonn, mit Catharina Fendel, kzu Duisdorf. Heirathen: Franz Steinhauer, Tagelöhner z. Friesdorf, m. Anna Kieren, zu Kessenich.— Anton Kurscheidt, Stuhlmeister, mit Elisabeth Orth, beide z. Kessenich. — Bernhard Sturm, Tagelöhner, m. Maria Herscheid, b. z. Endenich. — Wilhelm Schulmeister, Fuhrmann, m. Helena Hüllen, beide z. Poppelsdorf.— Hermann Emil Kreutz, Installateur zu Köln, mit Anna Herschel, zu Endenich.— Heinrich Wilhelm Christian Stunz, Buchdrucker, mit Antonia Maria Schneider, beide zu Poppelsdorf. — Carl Schwickardy, Sergeant z. Ehrenbreitstein, mit Agnes Rieck, z. Poppelsdorf.— Johann Zimmermann, Fabrikarbeiter z. Lengsdorf, m. Maria Sticker, z. Duisdorf.— Heinrich Hasenbeck, Fabrikarbeiter z. Kessenich, m. Catharina Schmitz, z. Poppelsdorf.— Franz Weber, Maurer, mit Christina Wolter, beide zu Lengsdorf. Sterbefälle: Wilhelm Bauch, Tagelöhner, Ehemann v. Sophia Braun, 52 Jahre., z. Duisdorf. — Wilhelm Jakobi, 10 Wochen alt, zu Kessenich.— Catharina Schuhmacher, 1 Jahr 4 Monate alt, zu Röttgen. Arzt spec. für Hautleiden, Münsterplatz 3. 10—1 und—7 Uhr. Sonntags nur 10—1 Uhr. 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Frtr.. zu grauem Havelock Samstag Abend von Sandkaule bis Breitestr. verloren. Gegen Belohnung abzugeben Breitestraße 75. Ein„Arnimprocet“? * Man schreibt uns aus Berlin unterm 24. November: In den Wandelräumen des Reichstags erhält sich bartnäckig das Gerücht, gegen die„Hamburger Nachrichten“ werde anläßlich der bekannten divlomatischen Enthüllungen ein Strafverfahren ein geleitet. Nach der„Bad. Landeszeitung", die bekanntlich häufig mit Staatsanwälten zu thun hat, also nach dieser Richtung gut informirt sein könnte, sollte eine Anklage auf Landesverrath gegen das Blatt erhoben werden. Wie indessen heute ein einflußreicher Parlamentarier zu verstehen gab, liegt eine solche Absicht nicht vor, da weder bei dem Urheber noch bei den Werkzeugen der fraglichen Veröffentlichung ein auf Landesverrath gerichteter Vorsatz angenommen wird. Vielmehr handelt es sich um die Erörterung der Frage, ob nicht die Anwendung des sogenannten„Arnim=Paragraphen“ geboten erscheine. Diese gegen Veröffentlichung vertraulicher Staatspapiere, auch wenn nicht in böswilliger Absicht erfolgt, gerichtete Strafbestimmung wurde bekanntlich seiner Zeit erlassen, um die Wiederkehr von Fällen wie dem Arnim'schen zu verhindern, ohne gleich zu dem schweren Geschütz von Landesverraths=Processen seine Zuflucht nehmen zu müssen; einige Mitglieder der Regierung sind der Ansicht, es empfehle sich im Hinblick auf etwa weiter zu erwartende(und indirect sogar schon angekündigte) Indiscretionen, diese Schutzbestimmung nicht zum todten Buchstaben werden zu lassen. Den Vertretern dieser Meinung kommt natürlich die von der„Frankf. Ztg. gegebene Anregung höchst erwünscht, so daß der Gedanke ziemlich nahe liegt, diese Anregung sei keine ursprüngliche, sondern selbst wieder von Jemand, der mit einem der betheiligten Reichsbeamten gute Beziehungen pflegt, dem Blatte nahe gelegt worden. Wenn ein strafrechtliches Einschreiten erst jetzt erfolgt, so werde man jedenfalls nicht behaupten können, es sei im ersten Zorn beschlossen worden. Freilich wird es andererseits auch nicht mehr so leicht sein, den Thatbestand der incriminirten Handlung auf die Feststellung des oder der Urheber zu untersuchen. Cal Europa's jüngster König. Von Emila Pardo Bazen. Nachdruck verbeten. Am 17. Mai hat der zarte Sprößling des spanischen Königshauses, der nachgeborene Sohn des unglücklichen Alfons XII. von Bourbon, eines Monarchen von hohen Geistes= und Charaktereigenschaften, der zu großen Hoffnungen berechtigte, sein zehntes Lebensahr erreicht. In der Zeit allgemeiner Sorge, welche dem Ableben des Königs folgte, und in der die Königin Christine aus dem Hause Habsburg, vom Schmerze darniedergedrückt, von Allem sich abschloß, prophezeiten pessimistische Gemüther Unruhen und Katastrophen aller Art. Doch die Zeit linderte die Wunde und die Königin schenkte einem Knaben das Leben; aber nun behaupteten diese Schwarzseher, daß dieser Knabe, das Kind eines unglücklichen Vaters und einer vom Schmerz gebeugten Mutter, sich weder physisch noch geistig entwickeln und in frühester Kindheit sterben würde. Diese düstere Prophezeihung aber hat sich diesmal zum Glück nicht erfüllt, denn das Königskind— so nennt ihn das Volk— erfreut sich einer durchaus normalen Gesundheit und hat nichts weiter als die seinem Alter durchaus natürlichen Kinderkrankheiten überstanden; was seine geistigen Fähigkeiten anbelangt, so überrascht es durch eine scharfe und lebhafte Auffassungsgabe und eine Frühreife, die eher der lateinischen Rasse eigen ist, der es von väterlicher Seite entstammt, als der germanischen, der es von mütterlicher Seite angehört; allerdings hat die Königin in den letzten Jahren großen Einfluß auf seine Erziehung geübt. Man kann behaupten, daß die Gesundheit, deren sich das Königskind erfreut, zum großen Theil der außerordentlichen Sorgfalt und dem verständigen System zu verdanken ist, das seine Mutter in seiner Erziehung unerschütterlich verfolgt. Alfons XIII. ist keineswegs kräftig; seine außerordentlich vornehme und aristokratische kleine Gestalt ist äußerst zart und nervös, und die kleinste Vernachlässigung würde die weitgehendsten Folgen nach sich ziehen. Alfons XIII. ist für sein Alter normal entwickelt; er hat ein weißes blasses Gesicht; hat weiches hellblondes Haar, das er noch bis vor Kurzem in langen, natürlich gekrausten Locken trug, die seinen ausdrucksvollen Kopf auf das reizendste und anmuthigste verschönten; der Mund ist klein, die Augen groß und hell, die Nase spitz, die Stirn gewölbt, wie sie aufgeweckte Kinder zu haben pflegen, der Hals dünn, die Hände und Füße außerordentlich fein geformt und von einer Eleganz, die sofort die vornehme Abstammung verräth. Er sieht den Bildern einiger seiner Vorfahren aus dem Hause Bourbon und auch den letzten Habsburgern ähnlich, ebenso zeigen die Bilder der Söhne Carlos IV. große Aehnlichkeit mit Alfons XIII. Die Vorsicht der Mutter hat Früchte getragen; von dem Tage der Geburt des Königs, der auch der erste seiner Regierung war, dachte Königin Christine, die mit der Regentschaft betraut worden, vor Allem daran, ihrem Kinde das Leben zu sichern und seine Gesundheit kräftigen. Diesem Vorhaben entsprach auf das vortrefflichste, das fernere Verhalten der Regentin. Sie ließ den Palast Miramar in San Sebastian neu herrichten und die Gärten des königlichen Palastes in Madrid auf dem früheren Campo del Moro, das meist der Zufluchtsort von Bettlern und Räubern gewesen, mit neuen Anlagen versehen. Obgleich es kaum glaublich erscheint, so fehlte es doch den spanischen Königen, die so reiche Schätze an Gemälden, Statuen, Juwelen und Möbeln aufzuweisen haben, an einer Sommerresidenz am Ufer der Meeres und an einen Erholungspark für den Winter, und es blieb ihnen nichts weiter übrig, als nach den Königsschlössern von Aranjuez und Pardo à la Granja überzusiedeln. Die Königin Christine, die die Gesundheit ihres Sohnes im Auge hatte, ließ das Schloß Miramar herrichten, in welchem sie die warmen Monate zubringt, und wo der König am Strande lebt, sich den ganzen Tag im Sande vergnügt, mit seinen kleinen Gefährten spielt und wenn ihm auch der Arzt das Baden verboten hat, in der frischen Luft und bei dem starken Duft des Meergrases und der Seepflanzen in der erfreulichsten Weise entwickelt. Als der französische Romanschriftsteller Emile Zola sich in San Sebastian aufhielt, veröffentlichte er eine entzückende Skizze über den am Rande des Oceans spielenden Alfons XIII. Die Kleidung, die Speisen, die Spaziergänge, die Spiele und Leibesübungen des Kindes sind sorgsam nach dem hygienischen Plane seiner Mutter geregelt, und so lebt der König in seinem Palast in so absoluter Ruhe und Abgeschlossenheit, als wenn er sich in einem Stifte befände. Nie geht er später als 10 Uhr zu Bett, nie steht er nach 8 Uhr Morgens auf. Seine Nahrung besteht aus einfachen, aber kräftigen Speisen, und er bekommt Wein nur mit Wasser gemischt. Er macht weite Spaziergänge und fährt auf dem Rad,— ein Sport, den er mit vieler Liebe betreibt: vor einem Jahr hat er zu reiten anZefangen, und er steigt bereits mit großer Sicherheit und Eleganz zu Pferde. Er turnt viel und hat in den neuen Gärten des Palastes eine große Anzahl von modernen und künstlerisch ausgeführten Turngeräthen. Man kann überzeugt sein, daß das Kind keinen Schritt thut und keine Bewegung, die nicht von der Königin beaussichtigt wäre und dazu beiträgt, seine Gesundheit zu stärken und zu kräftigen. Wie ganz natürlich ist, beeinflussen die politischen Leidenschaften vielfach die Ansicht der Leute hinsichtlich des jungen Königs, und die Feinde der Dynastie und Monarchie werden nicht müde, zu widerholen, daß es Alfons XIII. nie gelingen wird, die erbliche Veranlagung zu besiegen; leidenschaftslose Personen aber sind überzeugt, daß Alfons XIII. bei dem System der Königin ein körperlich durchaus widerstandsfähiger Jüngling werden wird. Das sieht man an vielen Beispielen der spanischen Aristokratie. Leute, wie der junge Herzog von Cilba, der bei seiner Geburt schwach war und in dessen Familie viele erbliche Krankheiten vorgekommen sind, erfreut sich, Dank einer strengen Hygiene und beständigen Leibesübungen, einer vortrefflichen Gesundheit, und auch Alfons XIII. hat in seiner eigenen Verwandtschaft mehrere außerordentlich kräftige Persönlichkeiten, wie seine Tante, die Infantin Isabella, die bekannte SportDer physischen Entwicklung entsprechend, wird auch die geistige Erziehung des Königs geleitet; dieselbe wird nach denselben vernünftigen und rationellen Grundsätzen betrieben. Trotz seiner Jugend spricht Alfons XIII. bereits zwei lebende Sprachen(abgesehen vom Spanischen), nämlich Englisch und Französisch; außerdem lernt er Lateinisch und fängt jetzt an, sich mit dem Deutschen zu beschäftigen Außer der Geschichte und der Naturwissenschaft, wird er von einem Priester in der Religion unterwiesen. Seit er das zehnte Jahr vollendet, haben seine Erziehung eine Reihe von Professoren übernommen, von denen einzelne ein öffentliches Lehramt bekleiden. Diesen Lehrern hat die Königin ganze Vollmacht gegeben, damit sie ihrem königlichen Schüler nöthigenfalls mit der erforderlichen Strenge entgegentreten und ihn auch strafen können. Allerdings oft hat sich dieser Fall nicht ereignet. Eine jener Launen, welche selbst die fleißigsten und gelehrigsten Kinder zeigen, zwang einen der Lehrer des Königs, ihn auf kurze Zeit in eine Ecke zu stellen. Das Kind weinte und fragte „Was werden die Spanier sagen, wenn sie erfahren, daß ihr König in der Ecke gestanden hat!“„Sie werden sagen, daß sie einen sehr unartigen König haben, der so schlimm ist, daß er in der Ecke stehen mußte", erklärte der Lehrer darauf, und das Kind versprach, sich stets so zu betragen, daß so etwas nie wieder vorkommen sollte. Man ist allgemein überzeugt, daß Alfons XIII. für seinen künftigen Herrscherberuf nicht nur das scharfsinnige Verständniß seines Vaters und die außerordentliche Auffassungsgabe seiner Großmutter Isabella II. besitzt, er erfreut sich auch der beneidenswerthen Eigenschaft, sich im Fluge die Sympathien Aller zu erwerben und ist von leutseligem, großmüthigen Charakter. Man citirt auch nie ein Beispiel, in der er grobe Worte gesprochen, oder Hochmuth und Dreistigkeit gezeigt. Seine Ausdrucksweise ist stets höflich und zuvorkommend, und schon jetzt benimmt er sich mit einer Würde, die seiner hohen Stellung angemessen ist. Eines Tages sagte ihm einer seiner Lehrer, die Könige müßten sich ganz besonders vor den Schmeichlern hüten, denn diese wären die schlimmsten Feinde. Kurze Zeit darauf, als der König gerade seinen Reitunterricht hatte, lobte derselbe Lehrer die schöne Haltung und die Gewandtheit, mit der er sich im Sattel hielt. Das Kind lächelte, ritt nahe an den Lehrer heran und rief schlagfertig:„Haben Sie schon vergessen, was Sie mir von den Schmeichlern gesagt haben?“ Täglich sieht man den König ohne jedes Gepränge, im einfachen Matrosenkleid oder im schwarzen Sammetcostüm mit Spitzenbesatz; das letztere mit den schwarzen Strümpfen und Halbstiefel wird von den Malern bevorzugt, weil sich das blonde Köpfchen wirksamer von dem dunklen Hintergrunde abhebt. Bei den Feierlichkeiten, denen er beiwohnt, trägt er die Uniform eines Zöglings der Infanterieschule mit dem historischen goldenen Kragen, der seinem verstorbenen Vater gehörte. Die Tage, an denen es die Uniform anlegt, oder an denen es einer Parade beiwohnt, sind für das Kind große Festtage. Schon jetzt verräth sich in dem Kleinen der Sprößling Alfons XII., der stets geneigt war, sein Leben auf's Spiel zu setzen; auch er wünscht bereits eine Gelegenheit herbei, sich mit Ruhm zu bedecken; seine Augen strahlen und sein ganzes Gesicht verklärt sich bei dem Gedanken, daß es ihm einst vergönnt sein wird die Triumphe früherer Zeiten zu erneuern. Das Lieblingsspielzeug Alfons XIII. sind Kanonen, hölzerne und bleierne Soldaten, Musketen und mechanische Pferde, die er aber für richtige Pferde von Fleisch und Bein gern stehen läßt. Selbst die schlimmsten Feinde der Regierungsform, welche Alfons XIII. vertritt, haben dem Königskinde die Lebhaftigkeit des Verständnisses und seine überströmende Herzensgüte nicht streitig machen können, und wenn sich das gute Volk von Madrid über etwas beklagt, so ist es das, daß es nur zu wenig das Vergnügen hat, seinen Regenten zu sehen. Kommt Alfons XIII. aber zur Eröffnung der Cortes nach der Hauptstadt und durchfährt in seiner goldenen Galakarosse zur Seite seiner mit dem Brillantdiadem und dem weißen Spitzenschleier geschmückten Mutter grüßend und lächelnd die Straßen, dann erwacht der monarchische Geist, der den Spanier trotz alledem belebt und macht sich in Ausrufen der Freude, des Mitleids und des Jubels Luft:„Das Kind! Das Kind!“ hört man in den Gruppen rufen.„Gott, wie hübsch es ist! Wie es in einem Jahr gewachsen ist! Wie lebhaft! Wie kräftig es aussieht!“ Und aller Augen richten sich auf die stets schwermüthige, schlanke und mild herabblickende Mutter und das freudig bewegte, lächelnde Kind mit dem ausdrucksvollen Antlitz, das mit herzlichem Nicken die ihm zujubelnde Menge begrüßt. Trotzdem sieht man der Zukunft nicht ohne Besorgniß entgegen, da die Schwächlichkeit Alfons XIII. noch immer zu Befürchtungen Anlaß gibt. Die Großjährigkeit des Königs tritt mit dem sechszehnten Jahre ein, und man kann sich der Ansicht nicht verschließen, daß es gewagt erscheint, die Zügel eines Reiches in die Hände eines Jünglings zu legen. Allerdings bietet die Einrichtung des konstitutionellen Systems gewisse Garantien; doch immerhin bleibt der Versuch gewagt. Seltsam ist es auch, daß eine Frau mit dem höchsten Staatsamte betraut ist, und zwar gerade in einem Lande, wo keine Frau ein öffentliches Amt bekleidet. Dennoch kann man sagen, daß die Frauen, welche in Spanien herrschten, den Beweis ihrer Befähigung voll und ganz geliefert haben. Christine von Habsburg, die ihr Gatte im vertrauten Verkehr Christa nannte, und die zu Lebzeiten Alfons XII. den Eindruck einer schüchternen, sanften und zurückhaltenden jungen Frau machte, zeigte beim Antritt der Regentschaft, daß sie die Fähigkeiten einer ausgezeichneten Herrscherin besitzt. Daher hegen einige Personen, Angesichts der Thatsache, daß die Großjährigkeit des Königs die Geschicke Spaniens in die Hande eines Jünglings legt, die Hoffnung, daß die derzeitige Königin=Regentin ihren Sohn auch noch ferner mit ihren Rathschlägen unterstützen wird. Das wird doppelt nothwendig sein, falls Alfons XIII. vor seiner Großjährigkeit stirbt und seine Mutter den Thron für die junge Prinzessin von Asturien verwesen muß, bei der sich die Unerfahrenheit der Jugend mit der Unerfahrenheit des Geschlechts vereint. Das sind aber Fragen, die nur die Zeit lösen kann. Heute ist noch Hoffnung vorhanden, daß der junge König in Vollbesitz seiner Kräfte gelangen wird. Bis jetzt beschrankt sich sein Streben darauf, zu spielen, Soldaten anzusehen, seiner Mutter zu Gefallen zu leben, die er sehr liebt, und mit seinen Geschwistern zusammenzukommen, deren feine Züge sich verklären, wenn sie ihn erblicken. Wer die Pastellbilder der drei Kinder Alfons XII. auf der vorjährigen Kunstausstellung zu Madrid sich angesehen hat, dem wird der Unterschied der drei Kinderphysiognomien wohl aufgefallen sein. Die Gesichte der Infantinnen zeigen jenen ernsten, schwermüthigen Zug, den die Königin Christina auch jetzt noch nicht verloren hat. Das Königskind dagegen weist jene fröhliche Unerschrockenheit auf, die sein Vater stets zur Schau trug, und scheint die Worte zu wiederholen, die Alfons XII. eines Tages aussprach:„Wenn ich noch einige Jahre lebe, so habe ich die Empfindung, daß ich auch etwas Tüchtiges schaffen werde.“ Von Nah und Fern. Elberfeld, 22. Nov. Ein bemerkenswerther Rechtsstreit ist in diesen Tagen vom hiesigen Landgerichte entschieden worden. Anfangs 1890 stellte das hiesige Bankhaus S. Elsberg seine Zahlungen ein. Elsberg bot seinen Gläubigern ein Vergleich, nach welchem dieselben 25 Proc. ihrer Forderungen erhalten sollten, an, und dieser Vergleich wurde angenommen unter der ausdrücklichen Bedingung, daß ihm sämmtliche Gläubiger beiträten. Diese Bedingung wurde aber nicht innegehalten: einige Gläubiger erhielten unter der Hand mehr als 25 Proc. Nunmehr erachteten sich diejenigen Gläubiger, die nur 25 Proc. erhalten hatten, nicht mehr an den Vergleich gebunden, klagten vielmehr gegen Elsberg auf Nachzahlung der übrigen 75 Proc. ihrer Forderungen. Zunächst klagte ein hiesiger Bau=Unternehmer auf 4500 Mark Restforderung und gewann den Proceß sowohl am hiesigen Landgerichte, als auch am Oberlandesgericht in Köln. Dadurch ermuthigt, klagte ein Bierhändler wegen einer größeren Restforderung, doch schwebt diese Klage noch beim Oberlandesgericht, und neuerdings verurtheilte das hiesige Landgericht Elsberg wiederum zur Nachzahlung von 5625, 4644,45, 3681 und 1050 Mark, zusammen 15,000 Mark 45 Pfg. an vier andere hiesige Kläger. * Aus Elberfeld wird der„Berliner Volks=Zeitung" geschrieben: „Hier im Wupperthale gibt es jetzt nur noch elektrische Bahnen, von denen diejenigen der Stadt Elberfeld den Einheitssatz von 10, Pfg. haben. Die der Stadt Barmen gehörenden Bahnen berechnen Morgens und Mittags zu gewissen Stunden des Arbeiterverkehrs wegen sogar nur 5 Pfennige. Bis jetzt ist auf der mehr als 11 Kilometer langen Thalbahn je nach der Entfernung 10—40 Pfg. zu zahlen; jedoch hat sich die Verwaltung der Bahn in richtiger Erkenntniß ihres Vortheils aus eigenem Antriebe dazu entschlossen, vom 1. Januar 1897 ab ohne Rücksicht auf die Entfernung den Einheitssatz von 10 Pfg. einzuführen. * Remscheid, 22. Nov. Ein für Unbetheiligte lustiges Geschichtchen, welches sich gegenwärtig in unserer Industriestadt abspielt, verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Am 1. Mai ds. Is. wurde die mit einem großen Kostenaufwand verbundene Eisenbahnstrecke RemscheidBliedinghausen dem öffentlichen Verkehr übergeben. Eine mit Guirlanden und Blumen geschmückte Lokomotive brachte den ersten Gütertransport über die neue Strecke, und, glücklich am Ziele angelangt, machte man die Entdeckung, daß man total vergessen hatte, einen Zufuhrweg zum Bahnhof zu schaffen. Natürlich ging man sofort daran, das Versäumte nachzuholen. Verschiedene Projecte wurden ausgearbeitet, aber bis heute ist es noch nicht gelungen, über die Vorarbeiten hinauszukommen. So liegt denn die neue Bahnstrecke bereits mehrere Monate lang unbenutzt, kein Eisenbahntrain rollt über die Schienen, während die schweren Lastwagen des Manuesmannröhrenwerkes und vieler anderer industrieller Etablissements wie ehedem über die Landstraße nach dem alten Bahnhof am Birgderkamp gehen. Für die hierdurch den betreffenden Industriellen bis jetzt schon entstandenen Mehrkosten hätte man den prachtvollsten Weg bauen können. * Berlin, 21. Nov. Gegen die Butterverfälscher wird jetzt seitens der Gerichte mit empfindlichen Strafen vorgegangen, wie eine Verhandlung beweist, welche gestern vor der 188. Abtheilung des Amtsgerichts I. stattfand. Es waren seiner Zeit bei zwei hiesigen ButterKleinhändler Butterproben entnommen worden, welche sich als mit ca. 50 Procent Margarine verfälscht erwiesen. Als Lieferant dieser Butter wurde der Butterhändler Emil Schneider ermittelt. Der Staatsanwalt beantragte dafür 1 Monat Gefängniß, während der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schöps nachzuweisen suchte, daß eine Verfälschung gar nicht vorliege, da Margarine zu jener Zeit, im Sommer, ebenso hoch im Preise gestanden habe wie Butter. Der Gerichtshof konnte sich jedoch dieser Anschauung nicht auschließen; er hielt vielmehr eine obzective Verfälschung für vorliegend. Das Urtheil lautete deshalb nach dem Antrage des Staatsanwalts auf 1 Monat Gefängniß. * Berlin, 22. Nov. 400 Centner Kupferdraht, der an den Masten der im Bau begriffenen elektrischen Leitung für die Central= station der Allgemeinen Elektricitäts=Gesellschaft im Bezirk der Oberförsterei Coepenick befestigt war, ist mittels Zange abgezwickt und entwendet worden. Wahrscheinlich ist der Draht an Berliner Hehler verkauft worden. Der Werth des gestohlenen Gutes beträgt 4000 Mark. * Berlin, 22. Nov. Der Fehlbetrag der Berliner GewerbeAusstellung wird sich auf mindestens 1½ Millionen Mark belaufen. Die Garantiefondszeichner sollen mit etwa 35 vom Hundert herangezogen werden. * Freienwalde, 23. Nov. Eine Blutthat versetzt die Einwohner= schaft des Dorfes Bralitz in die größte Aufregung. In einem Wirthshaus gerieth der Arbeiter Falmer mit anderen Arbeitern in Streit, stürzte sich mit dem Messer auf seine Gegner und richtete sie furchtbar zu. Nicht zufrieden damit, verfolgte er sie bis auf die Straße und stieß und stach draußen nach Jedem, der ihm in den Weg kam. Dem zufällig vorübergehenden Arbeiter Sauer stieß er das Messer ins rechte Auge, so daß der Unglückliche in die Königliche Klinik nach Berlin geschafft werden mußte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Eine Frau erhielt zwei Stiche in den Rücken und so wurden im Ganzen sieben Personen meist lebensgefährlich verletzt. Falmer, der als ein sehr jähzorniger Mensch bekannt ist, wurde unter großer Mühe überwältigt und gefesselt nach Freienwalde geführt. * Plauen i.., 18. Nov. In der benachbarten Fabrikstadt Reichenbach ist, wie wir früher berichtet haben, der romanhafte Fall vorgekommen, daß ein von Zigeunern entführtes Kind acht Jahre später in der Gegend zurückgelassen worden ist und in Folge der behördlichen Nachforschungen von seinen Eltern wieder heimgeholt werden konnte. Das Kind ist die jetzt 14jährige Elsa Vetter. Sie hat von ihrem fünften Jahre an mit den Zigeunern große Wanderungen von Nord nach Süd bis Dalmatien und umgekehrt unternommen und von ihrer ehemaligen Reichenbacher Heimath nur schwache Erinnerungen bewahrt, die indeß in einzelnen Punkten so beweisend waren, daß weifel an ihrer Persönlichkeit nicht aufkommen konnten, zumal den Eltern auch gewisse andere Kennzeichen und die große Aehnlichkeit mit der Mutter die Gewißheit gaben, daß sie ihr lange verloren geglaubtes und betrauertes Kind wiedergefunden. Die Behörde hatte jetzt Anlaß, die Frage zu prüfen, ob die Aufgefundene wirklich die Vermißte sei, da ein Ehepaar aus der Gegend von Leipzig, dem ebenfalls ein Kind abhanden gekommen, auf Untersuchung des Falles drang. Die behördlichen Feststellungen haben ergeben, daß der Findling in der That und zweifellos die Elsa Vetter aus Reichenbach ist. Die Eltern lassen das Kind, das ohne allen Unterricht aufgewachsen war, in der höheren Abtheilung der Stadtschule zu Reichenbach unterrichten, und da zeigte sich denn zum größten Erstaunen der Lehrer, daß das mit wahrem Feuereifer lernende Mädchen schon nach einem halben Jahre die ersten Schülerinnen der obersten Klasse in allen Schulfächern und Fertigkeiten eingeholt hat und sich durch große Kraft und Klarheit des Denkens auszeichnet. Bereits nach einjährigem Besuch der Schule kann das Mädchen zu Ostern mit den übrigen 14jährigen Kindern entlassen werden, da es das Ziel der Schule vollständig erreicht hat. Diese wunderbaren Erfahrungen mit dem ohne Unterricht aufgewachsenen Kinde haben Manchem die Frage nahe gelegt, ob unser Unterrichtswesen sich jetzt wohl auf dem rechten Wege befindet. Rummelsburg i.., 22. Nov. In Folge Schminkens gestorben ist die 18jährige Tochter des Agenten N. von hier. Wie festgestellt wurde, war die Schminke mit Anilin versetzt, welches in die Poren der Haut eingedrungen war und Blutvergiftung herbeigeführt hatte. Delitzsch, 21. Nov. Durch Königlichen Gnadeuerlaß ist der unverehelichten W. Lumpe aus Kl.., welche wegen der im Jahre 1867 erfolgen Tödtung ihres Kindes danach zum Tode verurtheilt, später zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden war, der Rest ihrer Strafe erlassen worden, sodaß sie nach Hause zurückkehren konnte. Fast ein Menschenalter hat sie hier im Weiber=Zuchthaus zugebracht. * New=York, 21. Nov. Zwei Schnellwettreisen um die Welt werden demnächst von hier aus angetreten werden. Ein englischer Journalist, Namens James Sailor, wird in 66 Tagen die Welt auf folgendem Wege umreisen: New=York=Southampton(6 Tage), Southampton=Paris=Brindisi(3½2 Tag), Brindisi=Yokohama (42 Tage), Yokohama=San Francisco(10 Tage) und San=Francisco= New=York(4½ Tage). Der Amerikaner will in 33 Tagen um die Welt reisen und zwar auf folgendem Wege: New=York=Bremen(7 Tage), Bremen=Petersburg=Wladiwostok=San Francisco=New=York (26 Tage). * Mexico, 81. Oct. William Niven, ein Mineraloge aus NewYork, der den Staat Guerrero bereist hat, berichtet, daß er nordöstlich von Chilpancingo die Ruinen einer Stadt entdeckt habe. Die noch vorhandenen Reste von 22 Tempeln und von vielen Gebäuden lassen darauf schließen, daß diese Stadt von ziemlich großer Ausdehnung gewesen ist. Herr Niven berichtet ferner, daß in der Schlucht von Jilatlacn ein großer Tempel gestanden haben muß, und daß sich auf dem Hügel von Portrerio verschiedene Ppramiden befinden, von denen eine 60 Fuß hoch ist. * A t h e n, 2 2. N o v. D i e E r m o r d u n g d e s r e i c h e n B a u k i e r s Frankopulos in Patras durch einen Anarchisten hat der„Frankf. Ztg. zufolge überall in Griechenland große Aufregung hervorgerufen. Als sich am vorigen Sonntag die beiden Bankiers Frankopulos und Kollas um 12 Uhr auf einem der öffentlichen Plätze von Patras plaudernd ergingen, stürzte plötzlich der Schuhmacher Matsalis mit gezücktem Dolch auf sie zu und tödtete Frankopulos durch einen Stich in's Herz, während er Kollas, der zurückwich, nur leicht am Halse verwundete. Als sich der Mörder zu einem zweiten Stoß wieder auf ihn werfen wollte, flüchtete sich Kollas in den Laden eines Hutmachers und hielt den ihm folgenden Matsalis dadurch von sich fern, daß er ihm einen Tisch entgegen schleuderte. Mittlerweile war eine Menschenmenge herbeigeströmt und es gelang Kollas, in derselben zu verschwinden. Nachdem der Mörder erkannt hatte, daß ihm sein zweites Opfer entgangen war, bahnte er sich, in der einen Hand einen Revolver, in der anderen den blutbefleckten Dolch haltend, einen Weg durch die erschreckte Menschenmasse. Er lenkte dann selbst seine Schritte dem Wachtgebäude zu und gelangte so schließlich in Begleitung eines Gensdarmen in's Gefängniß, wo er seine Waffen abgab und in Ketten geschlossen wurde. Der aus Archos stammende Anarchist ist jetzt 45 Jahre alt und hat schon einmal eine fünfjährige Gefängnißstrafe verbützt. Seit 25 Jahren war er in Patras als Schuhmacher thätig, schloß aber vor drei Monaten seinen Laden und lebte nur für die Verbreitung auarchistischer Ideen, zu denen er sich offen bekannte, da ihn diejenigen des Socialismus nicht mehr befriedigten. Matsalis hat seit Langem den Mord der beiden Bankiers geplant und so groß seine Freude darüber ist, daß er das eine seiner Opfer tödtlich getroffen hat, so sehr bedauert er, daß ihm das andere entgangen ist. Der Mörder legt nicht die geringste Reue an den Tag und sieht der Todesstrafe mit größter Fassung entgegen. Er wünscht nur, daß man ihn„mit dem Rücken auf die Gullotine lege, damit er selbst im Stande sei, die Schnur des Fallbeils zu ziehen!“ Auf die Frage, welcher Nutzen der Sache des Anarchismus aus dem Morde eines einzelnen reichen Mannes erwachsen könne, da es doch so viele andere gäbe, erwiderte er:„Für die finden sich auch schon andere Anarchisten.(Der Mörder hat sich, wie telegraphisch gemeldet worden, im Gefängniß vermittelst einer Dynamitpatrone entleibt.) NONIUTE ein neues Nährmittel (patentirt und Name geschützt). Dargestellt von den Höchster Farbwerken in Höchst a. M. Nutrneg ist der Elweissstoff der Milch, rein und frei Nat. Os0 von allen Beimengungen. Nrtenco hat denselben Nährwerth wie die ElweissNutrost körper des Fleisches. Nlstrneg ist leicht löslich, leichter und vollkommener Nutross verdaulich als Fleisch. 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Aber es war ein fruchtloses Bemühen gewesen, und eine Minute später schon hatten sie Beide vor ihr gestanden, der Eine voll verbindlicher, lächelnder Beredtsamkeit, und der Anderes in seiner grenzenlosen Bestürzung voll schweigender Unbeholfenheit wie ein auf falschen Wegen ertappter Knabe. Sie hatte den Wortschwall des Regisseurs über sich ergehen lassen, ohne den Sinn seiner Mittheilungen zu verstehen, und dann war sie plötzlich dem Mann allein gegenüber, den sie als einen unwürdigen für immer aus ihren Gedanken wie aus ihrem Herzen und aus ihrem Leben hatte verbannen wollen. Wohl eine Minute lang schwiegen sie Beide; dann sagte Theodor Rudeck: „Sie werden mir glauben, Fräulein Forbach, daß ich dies Zusammentreffen nicht gesucht habe. Als ich einwilligte, für den erkrankten Organisten einzutreten, wußte ich nicht, daß es sich darum handeln würde, Sie zu begleiten.“ Besser als irgend ein anderes Wort war gerade dies darnach angethan, ihr über die Pein der aufgezwungenen Situation hinwegzuhelfen. Daß Rudeck es für möglich hielt, sich auf solche Art zu entschuldigen, weckte ihren Trotz, und damit war auch ihre Verwirrung überwunden. „Ich glaube Ihnen das ohne. Weiteres", erwiderte sie kühl und dann, wie zum Beweise, daß ihr der Anlaß dieser Begegnung ebenso gleichgültig sei als die Begegnung selbst, fügte sie in einem fast geschäftsmätzig trockenen Tone hinzu: „Aber Sie haben keine Probe gehabt. Es ist ein großes Wagniß, das Sie da unternehmen.“ „Allerdings.“ Und ich hätte vielleicht besser gethan, auf meiner anfänglichen Weigerung zu beharren. Nun aber ist es zu spät, denn ihm nicht ganz zu entgehen. Er veränderte die Farbe und preßte die Lippen zusammen, denn es kostete ihn wahrlich Mühe, das bittere Wort zu unterdrücken, das sich ihm hatte auf die Zunge drängen wollen. Von allen lebenden Wesen war sie ja gewiß die Letzte, die ein Recht hatte, ihm mit einer Miene überlegener Ironie zu begegnen. „Außerdem hoffe ich, daß das Publikum um des humanen Zweckes willen Nachsicht üben wird", setzte er nach einem kleinen Schweigen hinzu.„Die Compositionen sind mir an und für sich geläufig genug, daß ich sie vom Blatt spielen kann, und wenn Sie die Güte haben wollen, mir hinsichtlich der Stichworte und der Tempi noch einige Fingerzeige zu geben, werde ich mich meiner Aufgabe hoffentlich ohne all' zu klägliches Mißlingen entledigen. Sie nahmen ihre Hefte und traten in die Fensternische, um Dichtung und Musik gemeinsam durchzugehen. Obwohl ihr das Herz bis zum Zerspringen klopfte, zwang sich Ilse doch zu einem äußerlichen Gleichmuth, der ihm ihrer Ueberzeugung nach nichts von ihrem wahren Empfinden errathen lassen konnte. Rudeck machte sich nach ihren Angaben hier und da kleine Bleistiftnotizen auf den Notenblättern und was dabei zwischen ihnen gesprochen wurde, hätte sicherlich auch dem eifersüchtigsten Lauscherohr keinen Anlaß zum Mißtrauen gegeben. Da kamen sie an eine Stelle, die von der Vergänglichkeit irdischen Glückes und von der Eitelkeit menschlicher Hoffnungen sprach. Es war dem Dichter gerade hier gelungen, einen warmen und ergreifenden Herzenston anzuschlagen, und die Gemüthsstimmung, in der sie sich Beide befanden, gab den Versen für sie naturgemäß noch eine ganz andere, tiefere Bedeutung. Wie sie sich auch zusammen nahm, konnte Ilse doch nicht hindern, daß ihre Stimme die bisherige Sicherheit verlor, und ihrem Partner drang das Blut plötzlich so ungestüm zu Herzen, daß die mühsam erzwungene Gelassenheit nicht länger Stand hielt vor seiner mächtigen Erregung. Er ließ das Notenheft sinken und fragte leise: „Mußten wir uns denn wirklich unter solchen Umständen wieder sehen, Fräulein Ilse? Und hat sich in Ihrer Seele noch nie ein Bedauern darüber geregt, daß es so gekommen?“ Der schmerzlich=vorwurfsvolle Ton seiner Worte traf sie, wie bei jener ersten Wiederbegegnung auf der Straße sein todesfrauriger Blick sie getroffen hatte. Sie war nahe daran in Thränen auszubrechen, und zugleich empfand sie heißen Unwillen über ihre eigene würdelose Schwäche. Weil sie nicht noch einmal gegen ihren Willen der unwiderstehlichen Macht seiner Augen unterliegen wollte, wandte sie in heftiger, zorniger Geberde den Kopf, und ein hartes zorniges Wort würde ihm vielleicht auch als Erwiderung zu Theil geworden sein, wenn ihr Gespräch nicht gerade in diesem Moment eine Unterbrechung erfahren hätte. Meit verlegenen Entschuldigungen trat der Regisseur heran, um ihnen mitzutheilen, daß man das Publikum unmöglich länger auf den Beginn der Vorstellung warten lassen dürfe, und Ilse begrüßte seine Dazwischenkunft wie eine Errettung. Unbekümmert darum, daß sie nicht die Wahrheit sprach, sagte sie rasch: „Wir sind fertig. Lassen Sie also das Zeichen geben. Ich bin bereit.“ Und sie wich nicht mehr von der Seite des Regisseurs, bis die Ouvertüre verrauscht war und bis sie auf die Bühne hinaustreten konnte, um ihre Declamation zu beginnen. Als sie vorhin ihrem Verlobten geantwortet hatte, daß es nicht das öffentliche Auftreten sei, vor dem sie sich fürchte, war nichts Erlogenes in ihrer Versicherung gewesen. Diese geputzte Zuschauermenge war ihr vollkommen gleichgültig und es gelüstete sie nicht nach wohlfeilen schauspielerischen Erfolgen. Ja, in dem Augenblick, da der Vorhang vor ihr in die Höhe rauschte, dachte sie daran, daß unter diesen selbstgefälligen Damen und Herren, deren Wohlthätigkeit und Menschenliebe sie in pathetischen Versen preisen sollte, sichtlich auch diejenigen waren, die bei dem wirthschaftlichen Ruin ihres armen Vaters und bei seinem Tode nichts als schnödeste Selbstsucht und verächtliche Herzenshärte an den Tag gelegt hatten; sie dachte daran, daß unter den Hunderten vielleicht nicht Einer das schmeichlerische Lob verdiene, davon die hohlen Reime dieser schwächlichen Gelegenheitsdichtung förmlich überliefen, und es erfaßte sie beinahe wie Ekel vor der allzu bereitwillig übernommenen Aufgabe. Gleichgültig, gezwungen, und ohne daß ihr Herz auch nur den kleinsten Antheil gehabt hätte an dem, was ihre Lippen sprachen, begann sie ihren Vortrag. Wenn ihre holdselige äußere Erscheinung und der Wohllaut ihrer Stimme trotzdem eine große Wirkung hervorbrachten, so geschah es gegen ihre Erwartung und ohne ihr Bemühen. Sie empfand keine Freude bei der rauschenden Musik des Händeklatschens, die ihrem Ohr einst so köstlich gewesen war, und während sie dankend das Köpfchen neigte, hatte sie keinen anderen Wunsch als den, die ganze Production, die ihr so leer und unwürdig vorkam, möchte erst ein Ende haben. Aber eine seltsame Wandlung ging in ihrem Innern vor, als Rudeck sein Spiel hinter der Scene begann. Es war ja nichts Ueberraschendes für sie in diesem sanften Einsetzen der feierlichen Klänge, und doch erschrak sie, doch legte es sich beklemmend auf ihr Herz, und sie fühlte ihre Wangen brennen, wie wenn ein ängstlich gehütetes, großes Geheimniß plötzlich den brutal=neugierigen Blicken dieser fremden, gaffenden Menge preisgegeben worden wäre. Es kostete sie Ueberwindung, weiter zu sprechen, und sie bereute bitter, nicht vorhin mit aller Entschiedenheit erklärt zu haben, daß sie diesen Begleiter unmöglich annehmen könne. Ihre Unsicherheit, die sie bald Sekunden lang stocken, bald in übergrotzer Hast die Worte hervorKoßen ließ, hätte selbst einen geübten Musiker leicht dahin bringen können, die Fühlung mit der Deklamation zu verlieren: Theodor Rudeck fand sich in geradezu bewunderungswürdiger Geschicklichkeit mit seiner Aufgabe ab. Er schmiegte sich mit seinem Spiel den Eigenthümlichkeiten ihres Vortrages an, wie wenn diese Uebereinstimmung das Ergebniß zahlreicher Proben gewesen wäre, und Ilse empfand seine feinfühlige Art wie eine Beschämung, die sie dem Weinen nahe brachte. Als dann die bedeutsame Stelle kam, an der sie vorhin ihre Vergleichung abgebrochen hatten, war es mit ihrer Selbstbeherrschung zu Ende. Nie vorher hatte sie etwas wie Rührung bei diesen Versen empfunden; jetzt aber griff ihr die Musik ans Herz, als ginge die schwermüthige Klage über die Vergänglichkeit alles irdischen Glückes nur sie persönlich an, als ließe der Mann, der— für sie unsichtbar — dort am Harmonium saß, in ergreifenden Tönen ausströmen, was er ihr vorhin nicht hatte sagen dürfen. Und so gewaltig, so eindringlich und überzeugend war die Sprache dieser Töne, daß davor aller Groll und alle Verachtung dahinschmolzen, mit denen sie sich gegen die bestrickende Macht seiner Persönlichkeit so sicher umpanzert geglaubt. Ein tief inniges Mitleid und ein heißes Sehnen weiteten ihre Brust. Die schönen Augen starr ins Leere gerichtet, vergaß sie ihren Flißen, vergaß sie den Ort, an dem sie sich wenn es auch noch immer die vorgeschriebenen Worte der Dichtung waren, die ihre Lippen sprachen, so galten doch die weichen, verzeihenden, zärtlichen Töne, die in ihnen zitterten, nur einem Einzigen unter all' den Hunderten, die ihnen lauschten, und sie würde vielleicht voll Bestürzung mitten in ihrer Rede verstummt sein, wenn ihr die Erinnerung gekommen wäre, daß sie vor so vielen fremden, gleichgültigen Hörern die verborgensten Empfindungen ihrer Seele offenbarte. Das Spiel verklang— das letzte der lebenden Bilder wurde gezeigt und brausender Beifall lohnte Ilse's meisterlichen Vortrag. Sie aber wurde selbst durch das nüchterne Geräusch des Klatschens nicht aus ihrer Verzückung gerissen. Wie im Traume, ein glückliches Lächeln auf den Lippen, für das Keiner in dieser Menge die rechte Deutung hatte, verneigte sie sich gegen das Publikum, um dann, als der Vorhang endlich zum letzten Mal gefallen war, langsamen Schrittes die Bühne zu verlassen. Sie benutzte nicht, wie die anderen Damen und Herren, die in dem Bilde gestanden hatten, den hinteren Ausgang, sondern trat durch eine Seitenthür auf den nach dem Künstlerzimmer führenden Corridor. Mit einem Schrei des Entsetzens prallte sie zurück, als sie dort die lang ausgestreckte Gestalt eines Mannes auf dem Fußboden liegen sah. Sein Gesicht war der Wand zugewendet, so daß sie es nicht auf den ersten Blick erkennen konnte, aber als sie— trotz ihres Grauens von Mitleid getrieben— noch einen Schritt näher trat, wurde ihr mit einem Mal offenbar, wen sie da vor sich hatte. Und wie von einer eisernen Faust niedergezwungen, brach sie neben Franz Steinäcker in die Kniee. Sie hielt den Bewußtlosen für todt, und ihre traumhafte Glücksstimmung wandelte sich jäh in verzweifelte, zermalmende Reue. Mochte sie ihm immerhin nur in ihren geheimsten Gedanken die Treue gebrochen haben, vor ihrem eigenen Gewissen war und blieb es doch ein sträflicher Verrath, den sie an ihm begangen, und die Vorstellung, diesen Treubruch vielleicht gegen einen Sterbenden verübt zu haben, brachte sie im Augenblick der ersten, furchtbaren Ueberraschung dem Wahnsinn nahe. Sie wagte es nicht, ihn zu berühren; aber sie rief, unbekümmert um den Ort, an dem sie sich befand, einmal über das andere in herzzerreißenden Lauten seinen Namen, und es konnte natürlich nicht fehlen, daß sie dadurch innerhalb weniger Minuten sowohl aus dem Künstlerzimmer wie aus dem Saale selbst eine Anzahl erschreckter Menschen herbeizog, deren fröhliche Feststimmung beim Anblick dieser Scene einer nicht geringen Bestürzung wich. Man bemühte sich vor Allem, die Fassungslose zu beschwichtigen: dann suchte man eiligst im Publikum nach einem Arzt und trug, nachdem er glücklich gefunden, auf seine Anordnung den Erkrankten in dasselbe Zimmer, durch dessen Fenster er vorhin in wahnsinniger Angst um den Fortbestand seines gestohlenen Glückes lauschend gespäht hatte. das Publikum zu voren Fupen, vergas sie din Ort, an dim sie sich befand und all' das Freudlose, das sie draußen erwartete. In seliger Hingabe an die Wonne des Augenblicks antwortete sie aus überquehlendem Herzen auf jene Fragen, die nur sie allein verstand. Und Zur Lage der Landwirthschaft im Kreise Ahrweiler. CK Für die Landwirthe im Kreise Ahrweiler dürfte wohl die folgende auf amtlich=statistischen Quellen beruhende Uebersicht über die Reinerträge, die sich in den einzelnen Gemeinden aus der Ackerwirthschaft, dem Wiesenbau und der Holzcultur in diesem Kreise ergeben, von Interesse sein, da eine solche ziffermäßige Aufstellung ein ungefähres Bild von der Rentabilität dieser Erwerbszweige zu entwerfen im Stande ist. In Nachfolgendem sind nun die Reinerträge, die die genannten Theile der Landwirthschaft ergeben, pro Hectar(ungefähr 4 Morgen) auf ein Jahr in Mark berechnet, aufgeführt: Jahres=Reinertrag aus der Ackerwirthschaft in den Gemeinden Niederbreisig Mk. 49.7; Remagen 49.3; Sinzig 47.4; Bodendorf 47.0; Gelsdorf 46.6; Neuenahr 46.2; Brohl 45.0; Ringen 43.9; Eckendorf neck 32.5; Löhndorf 30.9; Bengen 30.2; Franken 29.8; Coisdorf 29.8; Birresdorf 29.0; Oberbreisig 27.8; Westum 27.4; Oedingen 26.6; Nierendorf 25.1; Unkelbach 25.1 Lohrsdorf 23.9; Rech 23.1; Dernau 22.7; Ahrweiler 22.3; Waldorf 22.3; Oberwinter 21.9; Holzweiler 21.1; Mayschoß 20.0; Rolandswerth 19.6: Gimmigen 18.0; Kirchdaun 17.2; Niederzissen 14.1 Kreuzberg 13.7; Altenahr 13.3; Gönnersdorf 11.4; Oberzissen.8 Kalenborn.2; Koenigsfeld.4; Nieder=Dürenbach.1; Dedenbach .9; Ober=Dürenbach.5; Schalkenbach.3; Kirchsahr.9; Ramersbach.9; Berg.5; Heckenbach.5; Blasweiler.7. Jahres=Reinertrag aus dem Wiesenbau in den Gemeinden Rheineck 75.6; Brohl 64.2; Bodendorf 56.0; Eckendorf 56.0; Karweiler 55.6; Remagen 55.6; Sinzig 55.2; Kirchdann 54.8: Leimersdorf 53.3; Lohrsdorf 51.7; Bengen 50.1: Heimersheim 49.4; Löhn= dorf 49.3: Coisdorf 49.0; Gönnersdorf 46.6; Lautershofen 45.8 32.5; Neuenahr 32.1; Mayschoß 31.7; Oberbreisig 31.7: Oberzissen 30.2; Gelsdorf 26.2; Westum 25.9; Koenigsfeld 25.5; Unkelbach 23.1; Nieder=Dürenbach 19.6; Ahrweiler 19.2; Dernau 18.4; Altenahr 17.6; Holzweiler 17.6; Rolandswerth 17.2; Ober=Dürenbach 16.1 Kalenborn 15.3; Schalkenbach 14.5; Dedenbach 14.1; Heckenbach 13.3; Rech 12.9; Ramersbach 10.2; Kirchsahr.8; Berg.8; Blasweiler.0. Jahres=Reinertrag aus den Holzungen in den Gemeinden Coisdorf 13.3; Rheineck 12,1; Oberbreisig 11.8; Vettelhoven 10.6 Neuenahr.8; Sinzig.8; Westum.8; Waldorf.4; Remagen.0; Franken.6; Karweiler.6; Löhndorf.6; Ringen.2; Bengen .4; Birresdorf.4; Gönnersdorf.4; Leimersdorf.4; Niederbreisig .4: Gelsdorf.0: Lohrsdorf.7; Oberwinter..; Unkelbach.7 Lautershofen.3; Niederzissen.3; Rolandswerth.3; Brohl.9 Nierendorf.9; Oedingen.9; Bodendorf.5; Gimmigen.5; Kirchdaun.5; Heimersheim.1: Ahrweiler.7; Holzweiler.7; Berg .3; Krenzberg.9; Altenahr.5; Kalenborn.5; Nieder=Dürenbach .1; Rech.1; Heckenbach.7; Koenigsfeld.7; Mayschoß.7 Ober=Dürenbach.7; Oberzissen.7; Dedenbach.4; Kirchsahr.4 Blasweiler.3; Dernau.0; Schalkenbach 2,0; Ramersbach.6. Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich, daß der durchschnittliche Reinertrag im Kreise Ahrweiler aus der Ackerwirthschaft rund Mk. 24.40; aus dem Wiesenbau rund Mk. 34.50 und aus der Holzcultur rund Mk..50 beträgt, während sich in den beiden benachbarten Kreisen Bonn(Land) und Rheinbach die Erträge für Bonn aus der Ackerwirthschaft belaufen auf Mk. 52.80; aus dem Wiesenbau auf Mk' 50.10 und aus der Holzcultur auf Mk. 10.30; im Kreise Rheinbach stellen sich die betreffenden Zahlen hinsichtlich der Ackerwirth= schaft auf rund Mk. 38.00; der Wiesencultur auf rund Mk. 43.00 der Holzcultur auf rund Mk. 10.00. Wenn der im Vergleich zu den beiden genannten Kreisen verhältnißmäßig geringere Ertrag im Kreise Ahrweiler aus der Landwirth= schaft, besonders in dem Ackerbau, auffällt, so ist dies wohl hauptsächlich dadurch zu erklären, daß im Kreise Ahrweiler ein großer Landcomplex gebirgiger Natur, der stellenweise nur schroffe unwirthliche Felsen aufweist. Zahnschmerzen. Von Alexius Becker. —(Nachdruck Wer kennt nicht jenes Prickeln, Ziehen, Reißen, Zucken in den Zerkleinerungswerkzeugen unseres Mundes, das man in die gemeinsame Bezeichnung„Zahnschmerzen“ zusammenfaßt! Wir sind diesem unholden Gefühl in jedem Alter ausgesetzt, ob wir noch als junge Menschenblüthen eine emailschimmernde Perlenreihe im Munde führen, oder ob unser Gebiß bereits angenagt, von einem anderen Zahne, demjenigen der Zeit, morsch, verwittert und wurmstichig geworden ist. Der Mann zahlt diesem Schmerz ebenso gut seinen Tribut wie das Weib, der König leidet darunter nicht minder als der Bettler. Er stört uns am Tage bei den Obliegenheiten, die wir in unserem Berufe zu verrichten haben, und scheucht Nachts den Schlaf von den Lidern. Es dröhnt, es hämmert in unserm Kopf, und ruhelos wälzen wir uns auf den Kissen. Zahnschmerzen inmitten der Nacht, wo die Gelegenheit fehlt, sie durch Zerstreuung vergessen zu machen— in der That, das ist der unleidlichste Zustand, von dem der Mensch während seines Erdendaseins heimgesucht zu werden vermag. Ich behaupte fest und steif: zu den Uebeln, die derzeit aus der Büchse der Pandora als böse Geschenke für den bedauernswerthen Sterblichen in die Welt hinausflatterten, hat unter allen Umständen auch der Zahnschmerz gehört. Hin und wieder ist er wenigstens so anständig, daß er sein Nahen durch die bekannten untrüglichen Zeichen ankündet. Aber ebenso oft überfällt er uns auch unvermuthet, hinterrücks, bei einer Arbeit, die all unsere Spannkraft erfordert, oder inmitten eines Vergnügens, auf welches wir uns schon lange gefreut haben und das nunmehr selbstredend völlig vergällt wird. Kurzum: es ist und bleibt ein feiger, hinterlistiger Gesell— der geschworene Feind des Menschen vom Urbeginn der Welt an bis auf den heutigen Tag... Wenn es noch wenigstens ein einziges Mittel gäbe, dieses Störenfrieds Herr zu werden oder seinen unheilvollen Wirkungskreis auch nur zu beschränken. Aber alle Bemühungen, mit denen man sich bisher gequalt, alle Hoffnungen, von denen man dabei geträumt, sind doch schließlich mehr oder weniger in die Brüche gegangen. Der Zahnarzt tröstet uns wohl, indem er mit sicherer Hand den Nerv tödtet und die Höhlung mit einer Plombe ausfüllt. Allein die Kur bei dieser Art der Jünger Aeskulaps hat für den, der sich ihr unterziehen muß, in den meisten Fällen einen höchst unangenehmen Beigeschmack. Denn erstens muß man ihre Kunst fast immer ziemlich theuer bezahlen, und zum Andern kommt es oft genug vor, daß selbst die geschickteste Plombe aus Edelmetall den einmal angefressenen Zahn nicht vor dem fortschreitenden Zerstörungsprozeß schützt. Vor Allem will mir eine Kunst, die nur den Reichen zu Gute zu kommen vermag, durchaus nicht beigen. Der arme Mann kann sich doch unmöglich das schadhafte Gebiß mit Goldplomben ausfüllen lassen; wohl oder übel muß er also ein Opfer jener gräßlichen Schmerzen bleiben, die hier ihren deerd aufgeschlagen haben. Die einzige Zuflucht, die ihm zu Gebote teht, bilden jene Hausmittel, an denen zumal die Landbevölkerung ür alle Uebel sowohl des Leibes wie auch der Seele ziemlich reich ist. Wirklich versteht sie, Zahnschmerzen, wenn auch nicht dauernd, so doch auf längerer Zeit annähernd sicher zu vertreiben. Das Mittel selber verdient schon wegen seiner Einfachheit und Billigkeit Jedem zugänglich gemacht zu werden. Man nimmt die Rinde des Faulbaums oder Kreuzdorns, kocht sie und spült damit den Mund in Pausen von fünf zu fünf Minuten. Noch besser, wenn man mit dieser Abkochung ein Stückchen Watte tränkt und dieses in den hohlen Zahn stopft. Dann wird der Schmerz nämlich auf längerer Zeit fortgebannt, und selbstverständlich in um so entschiedenerer Weise, je stärker die Abkochung war.„ Die letzte Rettung besteht natürlich stets darin, daß man sich den kranken Zahn ziehen läßt. Freilich ist das nicht Jedermanns Sache. Es gibt Leute, die Gliedmaßen haben wie ein Riese und Nerven wie ein Bär— allein vor dem Zahnarzt und seinen Instrumenten empfinden sie nun einmal ein nicht zu unterdrückendes Grauen. Allerdings verfügt die Wissenschaft über genug Mittel, uns bei der betreffenden Prodezur in einen Zustand zu versetzen, wo wir weder diese noch den sie begleitenden Schmerz verspüren. Aber sie versagen auch oft genug, und dann hat man das Zahnziehen in der ursprünglichen Form und mit all seinen Mißlichkeiten zu erdulden. Ohne das gefürchtete stählerne Instrument, ohne jedes Knirschen, das den Kopf bis in seinen letzten Nerv erdröhnen läßt, geht es doch nun einmal nicht ab.„ Sehr charakteristisch ist die Art und Weise, wie die Japaner den schadhaften Zahn aus dem Gebiß beseitigen. Vor Allem verzichtet man hier ganz und gar auf das entsetzliche Marterwerkzeug, die Zange. In dem Consultationszimmer eines japanischen Arztes sieht man weder Schläuche noch Phiolen; ein Bambusstuhl auf den sich der Patient setzt, ist das ganze Geräth, dessen jener bedarf. Man zeigt ihm den Zahn, den man gern entfernt sehen möchte; der Arzt umfaßt ihn mit zwei Fingern und entfernt ihn ohne jedes Instrument so sicher und schnell, als ob es sich darum handelt, ein abgestorbenes Reis vom Stamm loszulösen. Die Geschicklichkeit ist ebenso stannenerregend, wie die Kraft, über die der Finger nothgedrungen verfügen muß. Allerdings liegt das ganze Studium eines japanischen Zahnarztes vorwiegend in dem Bestreben, die Finger auf diesen dereinstigen Beruf hin zu stählen. Wer im Reich des Mikado den Drang in sich verspürt, der an Zahnschmerzen leidenden Menschen Helfer zu werden, geht zuerst zu einem Zahnarzt, um sich von diesem die Finger genau untersuchen zu lassen. Werden sie als tauglich befunden, so nimmt er den sich Meldenden als Schüler an. Der Unterricht selber ist ebenso einfach wie praktisch. Auf der Matte des Fußbodens liegt ein glattes Fichtenbrett, in das Löcher gebohrt sind. In jedem derselben steckt ein kurzer Zapfen, der gleichfalls aus dem weichen Holze dieses Baumes hergestellt worden. Unser Lehrling muß es nun dahin bringen, daß er diese Zapfen so schnell und sicher wie möglich, ohne an ihnen nach rechts oder links zu rütteln, herausziehe. Gelingt ihm dies, so ist er auf der ersten Etappe seines Berufs angelangt. Nun geht es zum Eichenblock über, in welchem sich Zapfen von diesem schon viel härteren Holze befinden. Darauf folgt ein Ahornbrett mit Tannenzähnen, dann ein ferneres, das mit kleinen Ahornstiften oder Eichenstücken gespickt ist. Später werden diese sogar mit dem Hammer eingetrieben, damit der Lehrling alle seine Kraft daran setzen muß, sie herauszubringen. Kann er das, so hat er damit seine Prüfung abgelegt, und man darf die Ueberzeugung hegen, daß kein Zahn, auch nicht der festgewurzeltste, der ehernen Kraft seiner Finger Widerstand zu leisten vermöge.)„„„ers Aber das Ausziehen des schadhaften Zahnes Steidr ooch immer nur die letzte Zustucht für Denjenigen, dem er die bekannten Schmerzen verursacht. Man wird selbstverständlich immer darnach trachten, ihn solange wie möglich zu erhalten, um dem Gebiß die Lücke oder etwa den falschen Zahn zu ersparen. Das kann allerdings nur geschehen, wenn man dem Gebiß ununterbrochen seine Sorgfalt und, damit verbunden, die nöthige Pflege zu Theil werden läßt. Stete Reinigung mit einer nicht zu harten Bürste, fleißiges Ausspülen des Mundes, Beseitigenlassen des den Zähnen so sehr schadenden Weinsteins; all das sind Grundsätze, die man wohl zu beherzigen hat, um sich ein gutes, lückenloses Gebiß zu erhalten. Sogar Speisen, die zu kalt oder zu warm in den Mund gebracht werden, vermögen den Zähnen schon zu schaden. Ihr größter Feind ist freilich das Alter, die Wucht der Jahre, die auf den Menschen einstürmen. Ihnen unterliegt denn auch schließlich der festeste und gesündeste Zahn. *) Anmerkung der Redaktion. Ohne dem geehrten Herrn Verfasser zu nahe treten zu wollen, möchten wir uns im gegebenen Falle doch für das sichere„Marterwerk“, die Zange unserer heimischen Zahnärzte, entscheiden. Wir haben eine leise Ahnung, daß die arme Kinnlade bei der japanischen Procedur zu Brei gequetscht wird. Kuerkei. O Radlerinnen in Paris. Eine amerikanische Dame, die auf ihrer Sommerreise nach Europa der Seinestadt einen Besuch abgestattet hat, entwirft in der„Radwelt“ folgendes Zeit= und Sittenbild:„Ich wünschte mir das Radfahren in Paris anzusehen, und man erzählte mir, daß der Treffpunkt der Radler bei dem Chalet im Bois de Boulogne sam Sonntag Morgen zwischen 10 und 12 Uhr sei. Ich folgte also dieser Auskunft und begab mich hinaus. Aber welch ein Anblick bot sich mir? Da waren Hunderte von Herren und Damen in-Radfahranzügen; sie kamen und gingen oder saßen an kleinen Tischen. Bock, wie sie alles Bier nennen, trinkend oder Kaffee aus kleinen Bechern schlürfend, oder auch„Syrups“, das sind eingemachte Früchte, genießend. Jede Dame fuhr ein Männerrad, und jede trug„Bloomers"; etwas Häßlicheres als ihre Anzüge kann man sich gar nicht denken. Die gewöhnliche Kleidung bestand aus schwarzen Pumphosen und einem weißen Segeltuchjacket; die meisten Damen trugen künstlich aufgeputzte Hüte und Schleier, und viele hatten sich ihr Gesicht entweder mit Schminke und Kohlenstift verunziert, oder sie hatten sich weiß gepudert, wie die Clowns im Cirkus. Das war schlimm genug, aber immer noch nicht das Schlimmste. Die meisten vorbeschriebenen Damen trugen niedrige Schuhe und Socken und die Beine nackt von dem Rande der Socken an bis über das Knie. Auf den Champs Elysees und im Bois ist dieser Anblick so alltäglich, daß sich Niemand nach ihm umwendet. Viele von den radfahrenden Damen tragen auch Strümpfe, keine aber Gamaschen, wenigstens keine von den Hunderten die ich sah. Die, welche Strümpfe trugen, hatten dazu die auffälligsten Muster und Farben, die sie finden konnten, gewählt. Da schwarze Pumphosen die beliebtesten sind, sah ich eine große Menge davon aus verschiedenen Stoffen. Einige wenige von den Damen trugen ebensolche Kopfbedeckungen wie die Herren, und sie liefen umher mit den Händen in ihren Pumphosen. Diese männliche Art und Weise paßte schlecht zu ihren gemalten Wangen und geschwärzten Augen und den Haaren, die ihnen über die Ohren herabhingen. Etwas Häßlicheres als diese Art, das Haar zu tragen, kann es gar nicht geben, es sieht aus, als ob man es eine Woche lang nicht gekämmt hätte. Die Herren trugen in der Regel den gewöhnlichen Sportanzug, nur einige von ihnen folgten der„Frauenmode“ mit den Socken und nackten Beinen..... Es war 12 Uhr Nachts, als die Geschichte zu Ende war. Wir kehrten nach dem Boulevard St. Michel zurück, und da war es so lustig, wie am hohen Mittag, ja noch lustiger. Unter der Menge bemerkteich Dutzende von Mädchen in Sport=Costümen, nackten Beinen und all dem Drum und Dran. Sie schlenderten entlang mit ihren Händen in den Taschen und die Mützen tief über ihre Augen herabgezogen. Man darf aber nicht etwa glauben, daß es darum Radfahrerinnen waren, weil sie Radfahrer=Costüme trugen. Als neulich achtzig von diesen Mädchen verhaftet wurden, und sie als Erklärung für das Tragen dieser Tracht in den Straßen angaben, daß sie Radfahrerinnen seien, sagte die Polizei gar nichts und befahl ihnen, zu fahren. Von allen Achtzig konnten gerade Bier allenfalls das Rad besteigen. O Ueber die Ernährung der Soldaten in den verschiedenen Ländern gibt ein amerikanisches Fachblatt interessante Aufschlüsse. So erhält der japanische Soldat täglich 7 Unzen Fleisch, der österreichische und spanische 8, der französische, türkische, deutsche und belgische 9, der italienische 11, der englische 12 und der russische 16 pro Ration. In der Armee der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist die Ration nach einer Mittheilung des Patentbureaus Lüders in Görlitz am höchsten, nämlich 20 Unzen. Die Brodration ist in der österreichischen Armee mit 82 Unzen am größten, in der englischen mit 16 Unzen am niedrigsten. In der deutschen Armee beträgt dieselbe 28, in der französischen, italienischen und der der Bereinigten Staaten 22 und in der russischen 17 Unzen. Die Unze entspricht reichlich 28 Gramm unseres Gewichtes.„ e##. * Bordeaux, 22. Nov. Die hiesigen Gasarbriter sind in den Ausstand getreten. Die Gasversorgung der Stadt ist theilweise durch Verwendung von Soldaten gesichert. Der Herbeibolung von Truppen seitens der Gas=Gesellschaft hat der seiner Mehrheit nach socialistische Gemeinderath zugestimmt. Civilstand der Oberbürgermeislerei Voua vom 19. bis 24. November. Geburten. Jacob, Sohn von Paul Hoffmann, Bäcker und Conditor, und von Gertrud Christina Stein. Carl Christian Wilh. Willibrord, Sohn von Michael Kramer, Gärtner, und von Wilhelmine Baier. Catharina Clara, Tochter von Theodor Schmitz, Anstreicher, und von Apollonia Margaretbe Wilhelm Joseph, Sohn von Wilhelm Halfer, Diener, und von Agnes Schlösser. Margaretha, Tochter von Heinrich Joseph Koch, Tagelöhner, und von Regina Kerschgen. Catharina, Tochter von Conrad Sponheimer, Schuhmacher, und von Elisabetha Schwarz. Christina, Tochter von Christian Wolter, Fabrikarbeiter, und von Juliana König. Theodora Helena Cornelia, Tochter von Heinrich Hudert Chamvion, Bäcker und Conditor, und von Helena Ehrenrand. Maria Theresia, Tochter v. Franz Gödderz. Fahnen= und Theatermaler, und von Gertrud Nürrenberg. Catbarina, Tochter von Nicolaus Damen, Schreiner, und von Catharina Maus. Heirathsverkündigungen. Johann Krings, Maschinist, mit Gertrud Roder. Johann Pet. Schwarz, Stuckateur, mit Anna Elisabeth Schmidt. Anton Joseph Bremer, Metzger, mit Maria Christina Menden. Friedrich Wilhelm Sommer, Hausdiener, mit Helena Steiger. Heirathen. Georg Dietz, Kaufmann, mit Anna Maria Schlagwein. Peter Klein, Tagelöhner, m. Anna Schmitz. Johann Anton Hennequin, Bäcker, mit Anna Althausen. Carl Julius Maria Schwarz, Kaufmann, mit Anna Christine Joachim. Christian Verführt, Anstreicher, mit Sophia Gräf. Andreas Joseph Krupp, Winzer. mit Adelheid Schwippert. Paul Otto Raasch. Schuhmacher. mit Elisabetb Quantius. Peter Heinrich Seiwert, Schlosser, mit Anna Johanna Becker. Sterbefälle. Margaretha Schmitz, Wittwe von Theodor Hambach, alt 68 Jahre. Gertrud Mans, alt 18 Monate. Theresia Söller, Wittwe von Aut. Dung. alt 76 Jahre. Emma Brückel, Ehefrau v. Joseph Sarter, alt 24 Jahre. Walther Siegfried Theisen, alt 7 Wochen. Jacob Meller, Buchbindermeister, alt 59 Jahre. Anton Grommes, Ackerer und Bäcker, Ehemann von Anna Maria Orth, alt 73 Jadre. Emma Veronica Umfrid, Ehefrau von Reinhold Friedrich Romig, alt 73 Jahre. Veronica Breidenbend, elt 50 Jahre. Anna Gertrud Brust, elt 18 Monate. Mathias Kurschilgen, Maurerlehrling, alt 14 Jahre. Johann Peter Weyand, Schriftsetzer, Ehemann von Elise Süc. alt 47 Jahre. Leonhard Arnold Marie Foerster, Ehemann von Alice Dupius. alt 44 Jahre. Gustav Adolf Böker, Fabrikant, Ehemann von Julie Grimm, alt 46 Jahre. Michael Foppen, Buchbinder, Ebemann von Gertrud Dick, alt 58 Jahre. Cornelius Noll, Schiffer, Ehemans von Maria Hanyel, alt 54 Jahre. Wilhelm Hardt, Ackerer, alt 49 Jahre. Maria Elisabeth Schäfer, Ehefras von Anton Loeffel, alt 61 Jahre. Heinrich Landsberg, alt 10 Mon. Tüchtige „„„ empfiehlt sich zur geschmackvollen Anfertigung von Hüten und Puparbeiten in und außer dem Hause. Cassiusgraben 20. Anständiges junges für Geschäft per 1. Januar gesucht. Dasselbe muß im Nähen erfahren sein und häusliche Arbeiten mit verrichten. Wo, sagt die Expedition des General=Anzeigers. Zu Lichtmes oder früher sucht eine Herrschft gegen hohen Lohn ein in der feineren Küche gründlich erfahrenes aPi.raftel das etwas Hausarbeit übernimmt. Offerten unter C. W. 12. an die Expedition des Gen.=Anz. 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Die Ausführung von Reben und Rebtheilen, gleichviel ob bewurzelt oder unbewurzelt, von Rebblättern— als Verpackungsmaterial oder sonst— von gebrauchten Rebpfählen oder Rebstützen aus einer der Gemarkungen Leutesdorf, Ober= und Nieverhammer stein ist verboten. 2. Die Ausführung von Tafeltrauben, Trauben der Weinlese und Trestern aus einer der Gemarkungen Leutesdorf, Ober= und Niederhammerstein ist nur gestattet, wenn die genannten Erzeugnisse nicht in Rebblätter verpackt sind. 3. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden gemäß 8 7 des Gesetzes vom 27. Februar 1878 mit Geldstrafe bis 150 Mark oder mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft. Coblenz, den 1. November 1896. Der Ober=Präsident der Rheinprovinz. In Vertretung gez.: zur Redden. Vorstehende polizeiliche Vorschrift wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Bonn, den 23. November 1896. Der Oberbürgermeister. I. V. Heuser. Atelier und Wohnung von Münsterstraße 21 nach Herwarthstraße 1. A. Ritzenhoft, Vorträtmaler. 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Break), 1 Walze, 2 hölzerne und 1 eisernen Pflug, 4 Eggen, davon eine 2spännige und eine eiserne, 1 Häckselmaschine, Rübenschneidmaschine, ein Viehkessel, 1 Decimalwagge nebst Gewicht, eine Partie Fruchtsäcke, 1 Milchschrank, 1 Küchenheerd, 2 Tische, 1 Anrichte und sonstiges Haus= und Ackergeräthe, ferner 2 6jährige zugfeste Pferde nebst Geschirr, davon 1 schweres Lastpferd, und 1 zu jedem Gebrauch geeignetes, 1 hochtragende Kuh, 1 Rind, 2 Ziegen, 15 junge Hühner u. s. w. unter günstigen Bedingungen gegen Zahlungsausstand versrigerti. Großrs Grschufts und Wohnhuns an 2 Straßen gelegen, mit 13 bezw. 10 Meter Straßenfronten, großen gewölbten Kellern, massiven großen Hintergebäuden, Lager, Thoreinfahrt, Stallungen, für Brauerei, Kaffeebrennerei, Baumaterialien= und jedes ähnliche große Geschäft sehr geeignet, billig zu verkaufen. Die Fabrikation eines Artikels kann mit übernommen werden. J. J. Heynen, Bahnhofstr. 14. 6 1800 Murn begen gegen gute Sicherheit zum Ausleihen bereit. 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