Suppen, Sau ndustrie gebot zu Kolonialwa rtenvorverk Sonntag geschlosse nglische Meil h. Meisterfal mmich, Schi usaring; Fr K.50, M G. i Rhein; e 3 n K.— bends: siker) unter pfboote enburg. a carte. uhr: t. u 25 Pfg. 101, en ab: Geschäftsstelle und Marzellenstraße 37, im Neubau. S Anzeigen-Preis; 15 Ofg. die einspaltige Zeile. etägtigen Pteia:— Bevorzugt verlangte Anzeigen (erste und letzte Seite) 20% höher.— Kölner Stellenund Arbeits=Gesuche, sowie Miet=Anzeigen für kleine Wohnungen bis zu 10 Zeilen bei Vorausbezahlung 8 Ofg. die Heile. Offerten=Annahme 25 Ofg. Reklamen 40 Ofg. S 1ird täglich in jedes Haus von Röln sowie in Deutz und fast allen Vororten unentgeltlich getragen. Für Stockwerke und Hinterhäuser mit Sonntags-Veilage 30 Ofg. monatlich. IZTTT TZNTTTT Kölner für die rheinische Hauptstadt und Fremdenblatt. * 2. Nr. 21.(Colonia.) Feuilleton des Kölner Local=Anzeiger. 26. Mai 1901. Ein falsches Signal. Eine Kriegsgeschichte von Carit Etlar. Uebertragen von E. Brausewetter.*) Es war in Kriegszeit. Das Lazarett eines kleinen Landstädtchens nahe beim Kriegsschauplatze war von Verwundeten überfüllt. Lange Bettreihen standen dicht aneinander in dem großen Saal. Ueberall fah man hohläugige Gesichter, deren scharfe, verzerrte Linien Schmerzen verrieten. Von einem Fenster her hörte man ab und zu ein ungeduldiges Stöhnen. Dort lag ein kleiner verwundeter Trompeter, dessen Wangen im Wundfieber glühten. Er warf sich auf seinem Lager hin und her, starrte zum Fenster hinaus und lauschte, wenn die Thüre ging, jedesmal mit gespannter Aufmerksamkeit. „Ich halt' es nicht mehr aus," flüsterte er schließlich und sank auf sein Kissen zurück, als ein Krankenwärter auf einem Tragbrett dampfende Hafersuppe hereintrug. „Du hast wohl große Schmerzen, Kleiner?" fragte ein Sergeant, der erst an diesem Tage in die Krankenstube gebracht worden war und nun in dem Bett neben dem des Spielmanns lag.„Was du für Eltern haben mußt, daß sie so ein Muttersöhnchen hinausschicken, uns Soldaten was vorzuheulen!“ „Vater schlug selbst die Trommel im Kriege zu seinen Lebzeiten,“ erwiderte der junge Mann, indem er sein glühendes Gesicht dem Sergeanten zuwandte.„Und ich heule nicht, weil ich Schmerzen habe, sondern weil ich hier liegen und faulenzen muß, während die andern sich schlagen.“ „So, darum heulst du..... Ach so... ja, ja, warum denn nicht! Aber für wen willst du denn da draußen blasen? Den Feind zurücktrompeten kannst du doch nicht, und für uns ist das Kunststück nun oft genug gemacht worden. Sei froh, daß du hier liegst und mir Gesellschaft leisten kannst, wenn ich wach bin.“ Der Bursche schwieg; ihm behagten die Scherze des Sergeanten nicht; mit geschlossenen Angen lag er da und schob den Kopf hin und her. Ein Weilchen darauf hielt er seine beiden Hände vor den Mund, als wenn er seine Trompete umfaßt hielte, und brachte einige Töne hervor, die sich wie ein Hornsignal anhörten. „Unsinn, Junge, du bläst ja ganz falsch! Das ist ja entsetzlich falsch!“ rief der Sergeant, richtete sich auf seinen Ellbogen empor und schlug den Takt auf dem Bettrande.„So was giebt es sicher nicht in deinem ganzen Signalbuch!“ „Das ist das feindliche Rückzugssignal,“ erwiderte der Bursche. hörte es draußen beim Kampf; es fehlen nur noch ein paar Töne in der Mitte... Ha, das Rückzugssignal! Das soll ihnen in die Ohren gellen, wenn ich wieder hinauskomme.“ Er verstummte und drehte sein Gesicht nach dem Fenster herum. Es schneite, und große Flocken blieben an den Scheiben hängen. „Na, du Kleiner," begann der Sergeant wieder,„wo hast du denn den Stecknadelriß da bekommen?" „Nirgends.“ „Puh! Hat ihn!“ sagte der Sergeant und lachte.„Was werden sie aber bei dir zu Hause dazu sagen, wenn du schon heimkommst? Sie glauben ja geradezu, daß du das Hasenpanier ergriffen hättest!“ Der kleine Trompeter fuhr im Bett in die Höhe und starrte sprachlos den Vorgesetzten an; dann kurz entschlossen richtete er sich stramm militärisch auf, hielt die Hand grüßend an die Stirn und streckte gleichzeitig unehrerbietig seine rote Zunge aus dem Munde heraus. „So ist's recht, mein Jungchen,“ sagte der Sergeant und nickte zustimmend.„Disciplin und Courage gehören dazu, wenn aus uns was werden soll.“ Eine Krankenpflegerin, die vom anderen Ende des Raumes her Zeuge des Gespräches gewesen war, trat zwischen die beiden Betten und ließ ihre Hand beruhigend über das zerzauste Haar des jungen Mannes hingleiten. „Hasenpanier ergriffen, Hasenpanier ergriffen!“ wiederholte der Trompeter weinerlich.„Ich bekam die Kugel doch, als ich stand und auf die feindlichen Siquale lauschte.“ „Sie müssen mir den Kleinen nicht aufregen, Sergeant Daniels,“ mahnte die Krankenpflegerin sanft und bestimmt zugleich; seine Wunde ist noch nicht geheilt, er hat noch Fieber.“ „Na, na, ich wollte ja den lustigen kleinen Kerl bloß ein bißchen ermuntern," brummte der Angesprochene und drehte ihnen seinen breiten Rücken zu. Ein Weilchen später, als die Krankenpflegerin hinausgegangen war, streckte Daniels seine Hand dem Trompeter entgegen: „Her mit der Pfote, Junge... So ist's recht; sieh nun zu, daß du schläfst! In vierzehn Tagen sind wir beide wieder auf den Beinen; dann wollen wir zusehen, wie wir die Kerle aus dem Lande hinausjagen und noch ein gut Stück weiter. Das gelobt dir Sergeant Daniels vom vierten Linienregiment.“ 29 Abdruck ist nicht gestattet. Gesetz v. 11. Juni 1810,§§. 7 u. 10. D. Red. Sonntags=Beilage. Einige Zeit später wurden der Sergeant und auch der Hornist gesund geschrieben, und sie meldeten sich wieder zum Dienst bei ihrer Abteilung. Wenige Tage darauf wurde diese, als sie Vorpostendienst versah, vom Feinde überfallen. Die Gegend, wo das geschah, war weiches Moorland, durchzogen von Gräben und dicht mit Gebüsch bewachsen, durch das der Feind die überrumpelte Abteilung mit seiner Reiterei und seinem Artilleriefener verfolgte. Noch tobte der Kampf an einigen Stellen, die Wege waren aufgeweicht, der Boden ein lehmiger Morast, der unter den ermatteten Soldaten nachgab und schwer an ihren Füßen kleben blieb. Mancher mutige Mann stolperte und fiel, erhob sich wieder entkräftet, um sich in die Gräben zu werfen, aus denen er stumpfsinnig den dahersprengenden feindlichen Reitern entgegenstarrte. Hier und da bildete ein Häuflein Flüchtiger eilig Carré, wurde umringt, gefangen genommen oder niedergemacht. Keine Rettung! Der schützende Wald war nur wenige Büchsenschüsse von der ermatteten Abteilung entfernt, aber sie machte vergebliche Anstrengungen, dorthin zu gelangen.Unter den Flüchtlingen befanden sich an diesem Nachmittage auch der Sergeant Daniels und der kleine Trompeter. Dieser war ständig einige Schritte dem dicken und daher müderen Unteroffizier voraus. Ab und zu stand er still, sah sich nach dem Freunde um und rief ihm kurze, ermunternde Worte zu, wie: „Noch ein paar Hupfer, dann sind wir da!... Spar' deinen Atem zum Finale auf, Sergeant!... Was sagst du zu einem Warmbier heute Abend bei=Madame:“— womit die Marketenderin gemeint war. Trotz all diesen wohlgemeinten Ermunterungen blieb der Alte schließlich doch erschöpft stehen. „Wir können uns lieber gleich zu Frikassee hacken lassen!“ rief er, nach Luft schnappend, und blickte nach den anstürmenden Reitern zurück, für die es schwierig war, in dem Morast festen Weg zu finden. „Noch lange nicht!“ antwortete der Trompeter und sprang zu seinem großen Freunde hin, um ihm weiter zu helfen. „Warum hinkst du nicht davon, Jungchen?" fragte der Sergeant rauh.„Solche Musikanten lassen sie wohl davonlaufen.“ „Was machen sie denn mit dir?“ fragte der Trompeter und sah ratlos nach den Reitern, die immer näher kamen. Daniels zuckte die Achseln und blickte zum grauen Himmel empor.„Ich bekomme wohl Abendbrot heute zusammen mit den Kameraden dort oben,“ antwortete er und warf sich in den Graben. „Zieh die Stiefel aus, dann geht's leichter; wir können vielleicht noch den Wald erreichen!" brüllte Georg und riß wie rasend an den lehmigen Stiefeln des Sergeanten, während das Hurrarufen der Verfolger schon in der Nähe tönte. Der Hornist sprang entschlossen auf den Weg hinauf. Daniels sah, wie er den anstürmenden Reitern einige Schritte entgegenlief, dann machte er mitten auf dem Landwege Halt, setzte keck die Trompete an den Mund und blies das feindliche Rückzugssignal, daß es schmetternd über die Heide tönte. „Der Leichtfuß! Was ist das für ein Unsinn, den er da tutet!“ schalt der Sergeant, der sich die Stiefel ausgezogen hatte und sich nun mit dem Säbel in der Faust rasch erhob. Im nächsten Augenblick wurde er Zeuge eines Schauspiels, das auf dem Exerzierplatze nicht so selten ist. Das vorderste Pserd hielt beim Klange des wohlbekannten Siguals an, wieherte unruhig und wollte Kehrt machen. Das nächste Pferd folgte seinem Beispiel, während der kleine Trompeter aus Leibeskräften das Signal weiter blies. „Nun kriegen sie ihr eigenes Kommando: Zurück=, Hurra!“ schrie er, und der Sergeant vergaß niemals den kriegerischen Ausdruck seines Gesichtes: voll von flammendem Zorn und Triumph und mit einem flehenden Hinweis nach dem Walde. Der eine Reiter wurde schnell seines Pferdes Herr und trieb es gegen den Hornbläser an. „Keinen Pardon!“, rief er einem Kameraden zu, der heransprengte.„Haut die Hunde nieder bis auf den letzten Mann!“ Im selben Augenblick stand der Sergeant an der Seite des Trompeters und gab ihm einen so starken Stoß, daß er in den Graben hinabtaumelte. Mit dem Säbel parierte er den Lanzenstoß des Reiters, und im nächsten Augenblick fiel er über ihn her und brachte ihm einen tödlichen Schlag bei. Der Reiter schwankte und glitt vom Pferde. „Fort!“ rief Daniels, dem die Lebensgefahr neue Kräfte verlieh. Während er von einigen Reitern verfolgt auf den Wald zulief, blieb Georg im Graben liegen. Sein spähender Kopf erhob sich über das Gras. Das falsche Signal schien Verwirrung unter die Verfolger gebracht zu haben; ein strahlendes Lächeln fuhr über das Gesicht des Trompeters hin, als er von seinem Versteck aus, von Büschen und Bäumen umgeben, Zeuge der Wirkung seines Signals wurde. Sobald die Reiter an der Stelle vorbei waren, wo er lag, sprang er auf und sandte ein neues kräftiges Rückzugssignal hinter ihnen her, dessen schmetternSonntag, 26. Mai 1901. der Laut wieder über die Ebene hinhallte— und jetzt von fernen Hörnern wiederholt zu werden schien. Die Reiter stutzten und spähten nach allen Seiten. Da gewahrten sie Georg, der hinter den Büschen versteckt, den Tornister auf der Schulter, keck seine Signale nach Ost und West hinausschmetterte. Nach kurzer Beratung sandten sie dem flüchtenden Daniels ein paar Karabinerkugeln nach— er machte einen Sprung in die Höhe und fiel dann als getroffen hin— und sie kehrten zu dem Trompeter zurück, drohend ihre Lanzen schwingend. Plötzlich duckte sich Georg und verschwand im Graben. Die Reiter sahen noch ein paar dünne Beine eilig in ein steinernes Abzugsrohr hineinschlüpfen; dann kam ein langer Arm zum Vorschein und zog den Tornister, der in der Eile zur Seite geglitten war, hinter sich in das Loch hinein. „Der Kerl hat durch sein Signal unsere Leute irregeführt, daß sie die Verfolgung aufgeben. Seht nur, sie kehren um!“ rief der eine Reiter ärgerlich.„Das soll er büßen!" Er forderte mehrmals den Trompeter auf, sich zu ergeben. Als dieser nicht antwortete, stieg er vom Pferde und in den Graben hinab. Sein Kamerad folgte seinem Beispiel; sie stellten sich jeder auf eine Seite des Rohres und stießen ihre Lanzen in verschiedenen Richtungen hinein. Ein heiserer Schrei ertönte von drinnen. „Da traf ich wohl den Braten!“ sagte der eine Reiter fröhlich und sandte noch einen stärkeren Stoß in dieselbe Richtung. Der Schrei drinnen in dem Loche ging in ein langgezogenes Kreischen über, das plötzlich in einem schmerzvollen Röcheln erstarb. „Nun heult er wohl seinen letzten Rückzug,“ meinte der Wachtmeister spöttisch und stieg wieder zu Pferde.„Damit ist das Spiel für heute zu Ende.“ Er hatte recht. Das Rückzugssignal schien eine unerwartete Wirkung gehabt und an diesem Abend viele Landsleute des Trompeters vor Tod und Gefangenschaft bewahrt zu haben: die Verfolgung war aufgegeben. Die Reiter ritten zur Haupttruppe zurück. In dem Wasserrohr war der Schrei verstummt. Ueberall trat Stille ein, und die letzten Flüchtlinge verschwanden in dem naheliegenden Walde. Die Blutarbeit des Tages war vollbracht; der Nebel senkte sich auf die Ebene herab. Nicht lange darauf kam über dem Grabenrand ein zerzauster Lockenkopf zum Vorschein. Er spähte vorsichtig nach allen Seiten— dann sprang der kleine Trompeter lebend und unversehrt auf den Weg hinauf und duckte sich hinter einem Weidenbusch. „Das war ein nettes Loch! So da zu liegen, während die Bande meine Tasche durchbohrte,“ rief er und hielt seinen durchlöcherten Tornister in die Höhe. Er machte ein paar Sprünge hinter dem Busch hin und her in seliger Freude über seine Rettung, warf den Tornister in die Luft und fing ihn wieder auf. Dann sah er sich um. Es begann dunkel zu werden. Einige Meter von ihm entfernt lag der tote Reiter, den der Sergeant niedergehauen hatte. Ein wilder Ausdruck flog über Georgs Gesicht, wie er sich der Leiche näherte. Die Miene des Mannes war verzerrt, der Mund stand offen. Der Trompeter kehrte dem gefallenen Feinde den Rücken zu und schritt mit der Trompete unter dem Arm zu der Stelle hin, wo er Daniels hatte fallen sehen. Die Leiche des Freundes war nirgends zu erblicken. Er stieg schnell auf einen kleinen Hügel am Waldsaum, von dem sich eine Aussicht bot. Hier und da kam er bei einem gefallenen Landsmann vorbei; er steckte das Gewehr des Gefallenen, mit dem Kolben nach oben, in die Erde als Kennzeichen für die Ambu lanz= soldaten. Als er die Spitze des Hügels erreicht hatte, setzte er sich hin und starrte in die nebelige Landschaft hinaus mit der Hand unter dem Kinn. An diesem Nachmittag kam sich der kleine Bursche wie ein Mann vor. Die Gefahr und der bewiesene Mut hatten seine Jünglingsseele gereift. Plötzlich fuhr er zusammen und streckte sich in dem wassen Grase aus, als wollte er sich verbergen. Nahte eine neue Gefahr? Georg starrte voll gespannter Aufmerksamkeit auf einige diinkle Gestalten, die sich vorsichtig den Waldweg entlang bewegzten. Der Abendwind sauste über ihm hin und beugte die weelken Grashalme; er selbst lag, ohne sich zu rühren, und wartete, die Trompete fest an sich gedrückt. Aber kein Feind näherte sich diesmal. Ein breitschulteriger Unteroffizier in Begleitung einiger Gemeinen schritt an dem Hügel vorbei, und sie setzten vorsichtig ihren Weg fort, bis sie zu dem Graben gelangten. Hier machten sie Halt. Der Sergelant, in dem Georg Daniels wiedererkannte, zeigte vor sich hin. Soldaten stiegen in den Graben hinab, bückten sich, als wenn sie nach etwas suchten, und kamen nach einiger Zeit wieder hervior, anscheinend ohne das Gesuchte gefunden zu haben. Es wurde eine kurze Beratung abgehalten, und die Männer gingen in verschiedenen Richtungen an den Gräben und den Hecken entlung über das Feld. Ein frohes Lächeln spielte um die Lippen des kleinen Trompeters. Er sprang auf, setzte seine Trompete an den Mund, ails E1 S *, Seite wollte er eine jubelnde Fanfare hinausschmettern senkte sie aber wieder, und die jubelnde Fanfare wurde zu leise rufenden Tonen. Der Sergeant wandte sich der Richtung zu, aus der die Töne kamen, erblickte den Trompeter oben auf der Höhe und näherte sich ihm schnell. Als er den Fuß des Hügels erreichte, blieb er stehen und entblößte das Haupt vor seinem tapfern Retter. Da stand der junge Bursche„stramm“, hob seine Trompete in die Höhe und blies das feierliche Signal noch einmal über die Ebene hin. „Bravo, kleiner Trompeter!" rief Daniels und breitete seine Arme gegen den jungen Burschen droben auf der Spitze des Hügels aus. Die Thränen liefen an seinem bärtigen Gesichte herab.„Komm' an meine Brust, laß dich umarmen: Ich sah sie zweimal ihre Lanze unter der Brücke hinembohren; du mußt ja ganz zerstochen sein!“ Der junge Bursche hängte die Trompete Eir funge Warsche chuliger Die Trompete über die Schulter und stürzte sich in die Arme des Freundes. „Dreimal, Sergeant, dreimal! Sieh, hier sind die Wunden. Er zeigte ihm seinen Tornister wie eine Trophäe und strich liebkosend über die tiefen Risse.„Aber weißt du auch, was ich sah, ehe sie mich stachen?" fragte er schelmisch und legte den Kopf zurück. Nein!“ „Ich sah wirklich und wahrhaftig den großen Sergeanten Daniels aus Leibeskräften das Hasenpanier ergreifen. Daniels drückte Georg noch fester an seine Brust, aber gleich darauf riß dieser sich los und rief: Wir hatten sie doch zum Narren! Bekomme ich nun bald das Warmbier mit Syrup und recht vielen Eiern darin, das du mir vorhin versprochen hast, als wir dort unten vor ihnen davonliefen?“ alte Der kleine Trompeter Georg ist heute Offizier. Der Daniels ist stolz auf seinen ehemaligen Pflegebefohlenen. Er wird noch General über das Ganze, wenn wir das nachste Mal Krieg führen,“ sagt er jedes Mal, wenn er seine furchtbaren Kriegsgeschichten erzählt hat.„Aber dann blasen wir den Feind— hol mich der Kuckuck— über die ganze Linie zum Rückzug, bis in sein eigenes Land hinein, und noch ein gutes Stück weiter! Nicht wahr, das machen wir, Trompeterchen?"„ „Dann kann man ja aber nicht das Hasenpanier ergreifen, erwiderte Leutnant Georg. 8 Bonn, 22.Mail9o.. Margarine hatte der Händler August Daufenbach aus Siegburg durch seinen Adoptivsohn Peter auf folgende Weise als Naturbutter vertreiben lassen. Der Sohn wurde in einen Bauernkittel gesteckt und packte dann eine Kiepe mit Margarine auf den Rücken, die nach Art der Bauernbutter in Pfande abgeteilt war. So zog er in der ganzen Gegend rund und verkaufte die Margarine als feine Bauernbutter. Er gab dabei an, er heiße Schmitz und komme aus Donrath, wo seine Eltern zehn Kühe im hätten. Das Geschäft ging lange gut, bis Daufenbach schließlich zu einem Käufer kam, der aus der Nähe von Donrath stammte, aber keinen Ackerer Schmitz mit zehn Kühen kannte. Er erkundigte sich genauer und ließ auch die feine Naturbutter untersuchen, die sich als minderwertige Magarine erwies. Der Vater Daufenbach wurde am 15. von der Strafkammer wegen Anstiftung zum Betrug zu sechs und einer Mache Gefängnis. der Sohn wegen Betrugs zu Hochwasser zurückgeführt. Die Stadt hat alle Mittel ergriffen, um der Seuche Einhalt zu thun, besonders sind Brunnen und Rohrleitung desinfiziert worden. Neue Erkrankungen sollen nicht meyr vorgekommen sein. Die hiesigen Gewerbetreibenden, wie Wirte, Backer, Metzger usw. leiden geschäftlich sehr unter der Seuche, weil dem Militär verboten wurde, hiesige Geschäftshäuser zu besuchen. ch.=Gladbach, 22.Mai 1901. Wie wir erfahren, soll am 1. Juni hierselbst eine Volkswirtschaftsschule ins Leben gerufen werden. Zweck derselben würde sein, geeignete Mitglieder unserer katholischen Arbeitervereine usw. zu Arbeitersekretaren auszubilden. Als Lehrer würden fungieren die gegenwärtigen Leiter der Centralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland. 9 Düsseldorf, 20.Mai1901. Heute Morgen wurde in der Nähe der neuen Brücke ein mit dem Messer übel zugerichteter Mensch gefunden und zum Karmelitessenkloster gebracht, wo er infolge der tötlichen Verletzungen bald nach seiner Einlieferung starb. 0 Düsseldorf, 21.Mai1901. Wegen Entführung eines minderjährigen Mädchens, der 16 Jahre alten., war die in Solingen wohnende Hausiererin S. vom Landgerichte zu Elberfeld zu einer Gefänguisstrafe von drei Tagen verurteilt worden. Die S. hatte dem Mädchen infolge trauriger Familienverhältnisse und auf deren flehentliches Bitten hin zur Flucht aus dem Vaterhause verholfen und seine Unterkunft in einem Kloster zu Almelo ermöglicht, weil ihr zuvor ein Amtsgerichtsrat in Solingen Auskunft dahin erteilt hatte, daß niemand das Mädchen hindern tönne, ins Kloster zu gehen. Thatsächlich wurde festgestellt, daß die S. ihr Leben der Wohlthätigkeit widmet und Gründe materieller Art in keiner Weise ihr Handeln beeinflußt hatten. Nichtsdestoweniger war die Elberfelder Strafkammer zu einem verurteilenden Erkenntnis gekommen, daß jedoch in der Revisionsinstanz vom Reichsgericht kassiert wurde. Es könne nicht als Entführung angesehen werden, wenn für die Angeklagte nur ein Interesse moralischer Art vorgelegen habe, einer Minderjährigen zu helfen. Die rechtswidrige Absicht sei nicht festgestellt, und sie erscheine auch ausgeschlossen, da die Angeklagte wiederholt mit einem Amtsrichter, der allerdings nicht Vormundschaftsrichter war, über die Angelegenheit gesprochen habe. Die hiesige Strafkammer, welche sich gestern aufs neue mit der Sache zu befassen hatte, machte diese Auffassung zu der ihrigen und sprach die Angeklagte frei.— Auf der Roßstraße wurde heute ein zehn Jahre alter Schüler von einem Radfahrer überrannt und trug eine so schwere Gehirnerschütterung davon, daß der Junge bald darauf starb. Duisburg, 20.Mai1901. Gestern Nachmittag geriet aus dem Hauptbahnhofe ein etwa 60 Jahre alter Eisenbahnarbeiter beim Räderschmieren unter eine sich in Bewegung setzende Lokomotive. Der Unglückliche wurde eine Strecke weit mitgeschleppt und so schwer verletzt, daß alsbald der Tod eintrat. sg Solingen, 23.Mai1901. Infolge des trockenen Wetters und der beschränkten Leistungsfähigkeit des alten Wasserwerkes herrscht hier eine Wassernot. Nicht nur die Hausfrauen empfinden den Wassermangel, sondern auch in den Fabriken macht sich derselbe unliebsam bemerkbar; es müssen verschiedentlich Betriebsunterbrechungen eintreten. Gestern Nachmittag war die ganze Stadt mehrere Stunden ohne Wasser. Das neue Wasserwerk, die Thalsperre im Senkbachthale, wird wohl Ende Juli in Betrieb genommen werden können. bg Essen, 22.Mai1901. Die andauernde Geschäftsstockung in der Eisen= und Kohlenindustrie nötigt zahlreiche fremde Arbeiter, in die Heimat zurückzukehren, um hier nicht subsistenzlos zu werden. So 7 Eversloh, 23.Mai1901. Lebendig verorannt ist hier die Dienstmagd des Landwirtes Lütke. Die Kleider des Mädchens hatten am offenen Herdfeuer Feuer gefangen, in ihrer Angst stürzte die Unglückliche einer brennenden Fackel gleich ins Freie, wo die Flammen vom Winde noch mehr angefacht wurden. Hülfe kam leider zu spät, sodaß die Aermste unter schrecklichen Qualen alsbald verschied. X Münster(Westf.), 18.Mai1901. Der Rendant Franz Börger vom Amte Mauritz, welcher nach Veruntreuung von 20 008 M. geflüchtet war, ist in Spa verhaftet worden. Er hat dort die ganze Summe verspielt. ∆ Kassel, 22.Mai 1901. Wegen schweren Einbruchsdievstahls, Urkundenfälschung und Brandstiftung wurde vor der Strafkammer hierselbst gegen den Buchhändler Karl Schneider verhandelt. Im Jahres 1895 ging der Papiergroßhändler I. Volmar auf die Hochzeitsreise, auch seine Eltern verreisten, und seine Mutter hatte den Schlüssel zu der Wohnung der Frau Buchhändler Schneider anvertraut, die im selben Hause eine Treppe höher wohnte. Wenige Tage nach ihrer Abreise wurde die Frau Volmer telegraphisch aus Hanau zurückberufen, weil in ihrer Wohnung ein Brand ausgebrochen war. Neben verschiedenen Möbelstücken war auch das Aktenschränkchen in der Schlafstube verbrannt, worin sich ein Stoß Hypothekenpapiere, Lospapiere und bares Geld befunden hatte. Man konnte sich den Brand in der sorgfältig verwahrten, unbewohnten Etage nicht erklären, indessen auf den Schneider fiel schon seiner ganzen socialen Stellung wegen kein Verdacht. Volmar mußte nun die ganzen verbrannten Hypothekenpapiere gerichtlich amortisieren, darunter auch zwei Oldenburger Prämienlose im Werte von 300 M. Als dieses geschehen sollte, wurde von der Finanzverwaltung in Oldenburg widersprochen, da die Losnummern noch existierten. Eingehende kriminalistische Ermittelungen führten nach Frankfurt a.., und die dortige Polizei ermittelte, daß die Oldenburger Prämienlose am 16. Juli 1895, einen Tag vor dem in der Volmarschen Wohnung ausgebrochenen Brande, in einem Frankfurter Bankgeschäfte angeboten und auch abgekauft worden waren. wurde die höchst auffallende Thatsache ermittelt, daß der Losverkäufer mit dem Namen des Bestohlenen I. Volmar die Quittung über den empfangenen Geldbetrag beim Bankier unterschrieben hatte. Die Kriminalpolizei untersuchte nun die Handschriften der Hausbewohner, wobei diejenige des Angeklagten sofort als verdächtig auffiel. Ein Schreibsachverständiger stellte mit Hülfe der Photographie usw. eingehende Untersuchungen an und kam zu der Ueberzeugung, daß die Handschrift des Angeklagten mit derjenigen auf der Quittung in Frankfurt a. M. übereinstimme. Der Angeklagte leugnete hartnäckig, gab aber zu, daß er an jenem 16. Juli 1895 in Frankfurt gewesen ist. Das kam mit der Anklage zu der Ueberzeugung, daß die fr haben z. B. im Borbecker und Recklinghauser Bezirk im Laufe Monaten und einer Woche Gefängnis, der Sohn wegen Betrugs zu einem Monat und einer Woche Gefängnis verurteilt. (?) Aachen, 21.Mai1901. Ein hiesiger Kaufmann, Inhaber eines Großbazars, hatte vor einiger Zeit in dem Schaufenster seines Geschäftes einen Gegenstand ausgelegt mit der Bezeichnung:„Nachtjacke, Preis 15 Pfg.“ Bei diesen Nachtjacken fehlte jedoch der Rücken. Wer seine Kinder mit einer solchen Nachtjacke bekleiden wollte, von dem mußten zuerst umfangreiche Näharbeiten an dem sonderbaren Kleidungsstück vorgenommen werden. Da das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes keinerlei Handhabe zu. Bekämpfung dieser Geschäftsmethode bot, zeigte der hiesige Detailistenverband die Sache dem Staatsanwalt an. Dieser erhob Anklage wegen Betruges. Doch mußte, wie ein hiesiges Blatt mitteilt, Freisprechung erfolgen, da die angeklagte Firma nachweisen konnte, daß die Käufer auf die fehlenden Teile aufmerksam gemacht worden (8) Aachen, 22.Mai1901. In der verflossenen Nacht hat sich einer der Hauptangeklagten in der Aachener Sternbergaffaire, ein früherer Offizier, in seiner Zelle erhängt. m Heinsberg, 20.Mai1901. In dem benachbarten Ratheim kamen mehrere Radfahrer, die einen steilen Weg ins Dorf hinabfuhrer, durch Zusammenstoß zu Fall. Einer erlitt so schwere Kopfverleizungen, daß er am folgenden Tage starb. (?) Montsoic, 23.Mai1901. Bei dem Erweiterungsbau der Bahnstrecke Montjoie=Lammersdorf wird Dynamit in größeren Mengen gebralucht. Das Dynamit wird in einem Lagerschuppen aufbewahrt. Diebe haben nun diesem Schuppen einen Besuch abgestattet und 1000 Sprengkapseln und 12 Kilo Dynamit gestohlen. Die Polizei entwickellt eine fieberhafte Thätigkeit, da durch das Spreugmaterial mög licher weise ungeheures Unheil angerichtet werden kann. Man nimmt an, Daß das gestohlene Dynamit nach Belgien geschafft worden ist (?) Von der belgischen Grenze, 20.Mai1901. In Stavelot wurk#e ein deutscher Arbeiter verhaftet, welcher einen der großen Waldbrände bei Malmedy durch leichtsinniges Wegwerfen eines glimrnenden Streichholzes verursacht hatte. Die Verhaftung erfolgte auf Veranlassung der deutschen Behörden. m Trier, 19.Mai1901. Verhaftet wurde der Mensch, der den Schn eidergesellen Karl Molz in der Nacht zum 8. Mai auf dem hiesigzen Bahnhofe ermordet hat. Vor einigen Tagen gelangte die Meldung hierher, daß ein mehrfach vorbestrafter Korbmacher und Die tistknecht, der 25jährige Wilhelm Honnecker aus Heilenbach, Aeu ßerungen gemacht, die ihn der That dringend verdächtigten. Man fahradete nach ihm, und gestern Abend wurde er in Messerich bei Bit burg verhaftet. Bei seiner ersten Vernehmung vor dem Untersuchfungsrichter gestand er die That ein. ia Trier, 21.Mai1901. Das Kriegsgericht der 16. Division verurteilte gestern einen Unteroffizier des Infanterieregiments Nr. 69 wegen fortgesetzter Mißhandlung der ihm untergebenen Soldaten zu einem Jahr Gefänguis und zur Degradation. 4. Neunkirchen(Bez. Trier), 22.Mai1901. Durch herabfallendes Gestein sind gestern Abend auf der hiesigen Grube Dechen zwei Bengleute zu Tode gekommen. I. Ehrenbreitstein, 20.Mai1901. In unterer Stadt herrscht seit einiger Zeit der Typhus. Nach amtlicher Mitteilung wurden seit den 15. April bis zum 17. Mai 66 Fälle von Typhois bzw. Typhus fest gestellt, darunter beim Militär nenn. Gestorben sind insgesamt siebben Personen, darunter zwei vom Militär. Die Ursache wird von fachmännischer Seite auf Verseuchung des die städtische Wasserleitung mit Wasserzufuhr versorgenden Grundwasserstromes nach dem letzten des Frühlings mehrere hundert Arbeiter, darunter zahlreiche Ausländer, die Heimreise angetreten, nachdem sie die Ueberzeugung erlangt, daß die Arbeitsgelegenheit für sie hier in den letzten Monaten sich immer mehr verringert hat. In den Fällen, wo die Eisenwerke und Kohlenzechen zu Arbeiterentlassungen sich veranlaßt sehen, werden meistens nur fremde Arbeiter von der Kündi* Essen, 23.Mail901. Auf dem Schacht I der Zeche Lothringen bei Bochum stürzten von den beim Transport von Röhren beschäftigten Schachthauern zwei in die Tiefe. Beide sindtot. Ein dritter wurde verletzt. 48— § Vergevorbeck, 20.Mai1901. In den Waldungen des Freiherrn v. Vittinghoff=Schell hierselbst brannten gestern Abend etwa fünfzig Morgen Kiefern nieder. Das Feuer ist durch schulpflichtige Knaben angelegt worden. 1 Bocholt, 19.Mai1901. Die mechanische Weberei der Gebrüder Oberem an der Krenzstraße brannte gestern Abend vollständig a Clarholz(Kr. Wiedenbrück), 19.Mai 1901. Ein Jagdunglück ereignete sich gestern in der Nähe unseres Ortes. Ein Jagdpächter B. hatte einen Rehbock krank geschossen, und da dieser in das Jagdgebiet von Harsewinkel lief, machte er dem betreffenden Jagdpächter Mitteilung. Darauf begab sich B. mit dem Pächter, dessen Sohn und mehreren Treibern auf der Suche nach dem Bock. Nach kurzer glaubte einer der Treiber den Bock in einem Gebüsch zu sehen, er machte den Sohn des Pächters aufmerksam, dieser legte sofort an, drückte ab, und wie man hinzutritt, liegt ein Mann in den mittleren Jahren schwer verletzt in seinem Blute. Es war ein Arbeiter, der das Gebüsch durchschritt, um bei einem Unternehmer um Arbeit anDortmund, 22.Mail901. Die Ehefrau des Ackerers Diedr. Fröllete, Maria geb. Bengemann aus Enkesen bei Soest, geb. am 24. Juni 1873, stand vor dem hiesigen Schwurgericht unter der Anklage, ihren vier Jahre alten Stiefsohn Wilhelm vorsätzlich und mit Ueberlegung geroret zu haben. Der Ackerer Fröllete hatte seine erste Frau verloren und heiratete am 19. Sept. v. J. die heutige Angeklagte. Aus der ersten Ehe war der 4 Jahre alte Sohn Wilhelm vorhanden. Vor seiner zweiten Verheiratung mußte Fröllete den Vermögensbestandteil, den der Knabe zu beanspruchen hatte, festlegen. Das Vermögen wurde auf 5000 M. bemessen. Es war bald ein offenes Geheimnis, daß das vorhandene Kind der Angeklagten ein Dorn im Auge war. Der Knabe, der bis dahin gesund und munter war, verfiel von Tag zu Tag, er mußte hungern, die Nachbarn nahmen sich des Knaben des öftern an und stillten seinen Hunger. Am 3. Oktober kam nachmittags gegen 1 Uhr die Frau zu den Nachbarsleuten und teilte diesen mit, daß der Knabe schwer krank daniederliege. Man ließ den Vater des Kindes holen, der den Knaben noch lebend traf und sofort den Arzt herbeirief. Bei der oberflächlichen Besichtigung des Knaben, der inzwischen seinen Geist aufgegeben, fand der Arzt sofort, daß eine Vergiftung stattgefunden haben müsse. Durch die chemische Untersuchung ist festgestellt worden, daß eine Vergiftung durch Phosphor und Lyful stattgefunden hatte. Letzteres Gift ist in der Landwirtschaft bei Viehsenchen gebräuchlich; die Angeklagte konnte es sich demnach leicht beschaffen. Die Obduktion ergab ferner, daß der Knabe am ganzen Körper Spuren fortgesetzter Mißhandlung aufwies, die an und für sich schon geeignet waren, Tod oder Siechtum des Knaben herbeizuführen. Wie die Verhandlung ergab, wollte das entsetzliche Weib auch ihren Mann aus dem Wege räumen, um das ganze Besitztum an sich zu bringen, um dann einen Menschen zu heiraten, mit dem sie früher ein Verhältnis hatte. Die Geschworenen sprachen die Angeklagte des Mordes schuldig, worauf das Gericht die Todesstrafe aussprach. Vor Verkündung des Urteils suchte der anwesende Geistliche die Angeschuldigte, die leugnete, zu einem Geständnisse zu bewegen; seine Bemühungen waren indes erfolglos. Gleichgültig und ruhig nahm das Weib das Urteil entgegen. Gericht kam mit der Anklage zu der Ueberzeugung, daß die fragliche Unterschrift von Schneider gefälscht worden ist, er also auch die Wertpapiere gestohlen hat. Dieses war nur durch Erbrechen des Schränkchens möglich. Weil aber Schneider das Schränkchen demoliert hatte, legte er vorsätzlich Feuer an, um die Spuren seiner verbrecherischen That zu beseitigen. Dadurch ist der Brand entstanden. Schneider habe zweifellos angenommen, in dem Schränkchen einen Stoß Wertpapiere, die er sofort realisieren konnte, zu finden. Diese waren jedoch in die Stahlkammer des Bankiers gebracht worden. Das Gericht erkannte unter Annahme mildernder Umstände auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten, worauf drei Monate Untersuchungshaft angerechnet werden. §§ Osnabrück, 21.Mai1901. Ein größerer Brand entstand heute auf Gut Schelenburg bei Osnabrück. Die Wirtschaftsgebäude sind ganz abgebrannt, ebenso wurde der große Viehbestand durch das Feuer vollständig vernichtet, das Schloß dagegen gerettet. 8 Bentheim, 21.Mai1901. Zwischen den Orten Ohne und Ochtrup, in der Wettringer Gemarkung, wütete heute Nachmittag ein heftiger Waldbrand, dem große Tannenbestände zum Opfer gefallen sind. Der Schaden trifft Besitzungen des Fürsten zu BentheimSteinfurt. (d) Vom Eichsfelde, 18.Mai1901. Auf der Station Waterloo der Kleinbahnstrecke der Gartethalbahn stieß gestern Abend der von Rittmarshausen eintreffende Personeuzug infolge falscher Weichenstellung auf mehrere Personenwagen, die zum Teil besetzt waren. Dem Lokomotivführer gelang es, sich noch rechtzeitig durch einen Sprung zu retten. Einige Passagiere wurden leicht verletzt. * Frankfurt a.., 19.Mai1901. Die entsetzliche Katastrophe im benachbarten Griesheim hat nachträglich npch ein Opfer gefordert, indem eine bei der Explosion schwer verletzte Ehefrau im Krankenhause zu Höchst ihren Verletzungen erlegen ist. a Frankfurt a.., 20.Mai1901. Gestern feierte hier der Erste Staatsanwalt v. Reden das Fest der silbernen Hochzeit. Zu dieser Feier war auch der König von Württembera, ein Studienfreund des Herrn v. Reden, erschienen. Der König fuhr um 11 Uhr abends wieder zurück.— Ein von Berlin zugereister Amerikaner ist an den schwarzen Blattern erkrankt; er wurde in das städtische Krankenhaus gebracht. 4 Frankfurt a.., 21.Mai1901. Der bekannte Schachschriftsteller v. Minkwitz, welcher sich am Mittwoch voriger Woche von der elektrischen Straßenbahn in Biebrich überfahren ließ, und welchem infolgedessen beide Arme amputiert werden mußten, ist gestern im Krankenhause zu Biebrich gestorben. 8 Heidelberg, 20.Mai1901. In den letzten Wochen hat die großherzoglich badische Eisenbahnverwaltung mit verschiedenen der bei dem hiesigen Eisenbahnunglück am 7. Oktober v. I. Ver letzten Vergleiche bezüglich der Entschädigung getroffen. Eine Dame aus Münster i.., die bei der Katastrophe beide Beine verlor und in den letzten Tagen aus dem akademischen Krankenhause entlassen wurde, erhält eine jährliche Rente von 6000 M. oder das diesem Betrag entsprechende Kapital. Ferner erhielt ein Großhändler in Mannheim, der selbst mit seiner ganzen Familie schwer verletzt wurde und dessen eine, 20 Jahre alte Tochter noch leidend ist, während die um ein Jahr jüngere nur auf Krücken sich bewegen kann und dauernd siech bleibt, eine Abfindungssumme von 225 000 Mark. Nicht erledigt sind Verhandlungen mit verschiedenen Heidel berger Verletzten. a Was draußen vorgeht. gab, daß da Revancheurs Reichskanz Hoflager in ruhe gereist. dem politisch deutschen Bi angesagt hat Die hochv der Marke durch protest wird, hat so Offiziösentun und Genosse Apunkte es ni nellen Helfer glaubte aber schuldig zu deutschen fü seiner GebiDeutschen R dieselben, di Hin zu Pre deutsche Offi solchen Pers daß sie diea #land aus ur ziehen.— Auswärtige: Stand der führungen h die bevorste! kommen. E Einvernehm Sicherheitsg Balkanhalbi Dieses Einv Oesterreich Nächte sich Interessen Im nächsten Warnung d gemünzt, da schen Gedan gung bildet, in Macedon annehmen, panslavistisch land in Ab von der par versichert w Bei den lo und so v Einne der fällt, da die sie auch die Fralen allerle Amit der ReDer alljährliche Aufenthalt des Kaisers in Metz fiel diesmal zusammen mit dem Datum des Geburtstages des Zaren. Aus Anlaß dieses Festes wurde eine Hoftafel veranstaltet, zu welcher der Kaiser den Vertreter des Zaren in Berlin einlud. Es war nun zu erwarten, daß die Teilnahme des russischen Botschafters an einer Veranstaltung auf dem ehemals französischen Boden bei den Franzosen alte und noch immer junge Empfindlichkeit wecken würde, wie dies bei dem roi Uhlan Alfons XII. und dem nunmehrigen Könige von Italien der Fall gewesen ist. Nur handelte es sich diesmal um den Vertreter des mächtigen Rußland, dem gegenüber man doch nicht so recht von der Leber weg reden kann, nachdem man es in den letzten Jahren so ofl verhimmelt hat. Dennoch fehlte es nicht an idealen sauersüßen Ausfällen gegen Fen großen Verbündeten. der durch die Zulassung der Reise des Botschafters nach Metz aufs neue zu verstehen denn auch haft. In Bewegung derselben fü ebensowenig vom spanisch ergebnis in sich schon i schließlich di separatistisch wieder. Der Post beigelegt we die türkische fremden Da land, Frank rungen der Berlin gekt zurückhalten Deutsche Re hilt. Rußl Prädikat zi Schiffen for Die Rück größten Tei Metz in bal Mann dort Regiernug starkes Kon für entfern mit ein paa Zurückziehn Mann sind Dauer aufzi Hauptau nehr Dank irnsthafter jroß das dauernde ii verzeichnen: der Truppes zeleistet wor sefriedigen, zeschlagen, befriedigend eichen, we vollte, weil ille anderei ommen au scheint mehr loszusch Kölner Loral-Anzeiger Nr. 141= Sonntag, 26. Mlai 1901. Seite 3. gab, daß das französisch=russische Bündnis nicht im Sinne der Revancheurs zu verstehen sei. Reichskanzler Graf Bülow hat nach der Teilnahme an dem Hoflager in Metz Straßburg besucht und ist dann nach Karlsruhe gereist. Man bringt diese Reise in Zusammenhang mit dem politischen Gedankenaustausch der Vertreter der wichtigeren deutschen Bundesstaaten, welchen Graf Bülow auf Mitte Juni angesagt hat. Die hochverräterisch=alldeutsche Hetze in Oesterreich, die unter der Marke Los von Rom auch von reichsdeutschem Boden aus durch protestantische Prediger und durch Preßorgane unterstützt wird, hat solche Formen angenommen, daß das reichsdeutsche Offiziösentum nicht mehr umhin konnte, wenigstens den Schönerer und Genossen den Text zu leseu, wenngleich vom deutschen Standpunkte es noch näher gelegen hätte, den reichsdeutschen konfessionellen Helfershelfern dieser Leute auf die Finger zu klopfen. Man glaubte aber wohl, der österreichischen Regierung eine Erklärung schuldig zu sein angesichts der Agitation der österreichischen Alldeutschen für den Eintritt Oesterreichs mit Ausschluß einiger seiner Gebietsteile in ein bundesstaatliches Verhältnis zum Deutschen Reiche. Die Befürworter eines solchen Anschlusses sind dieselben, die soeben noch gerufen haben: Los von Oesterreich! Hin zu Preußen! und man kann es ahnen, wie dringend reichsdeutsche Offiziöse das Bedürfnis empfunden haben mögen, von solchen Persönlichkeiten abzurücken. Das alles hindert aber nicht, daß sie die auf den Zerfall Oesterreichs hinarbeitende, von Deutschland aus unterstützte Los von Rom=Bewegung keiner Kritik unterziehen.— Der Oesterreich und Ungarn gemeinsame Minister des Auswärtigen, Graf Goluchowski, hat den Delegationen den Stand der auswärtigen Politik auseinandergesetzt. Diese Ausführungen hatten nicht gerade einen beruhigenden Klang, soweit die bevorstehenden Ereignisse auf der Balkanhalbinsel in Betracht kommen. Graf Goluchowski pries zwar das bezügliche bisherige Einvernehmen mit Rußland hoch, warnte aber vor allzu großem Sicherheitsgefühl, als ob dank diesem Einvernehmen auf der Balkanhalbinsel alle unangenehmen Ereignisse ferngehalten würden. Dieses Einvernehmen beruht auf einem vor vier Jahren zwischen Oesterreich und Rußland geschlossenen Abkommen, worin beide Mächte sich gegenseitig gewisse Bürgschaften geben gegen ihren Interessen schädliche Veränderungen der Lage auf dem Balkan. nächsten Jahre läuft die Frist dieses Abkommens ab. Die Warnung des Grafen Goluchowski war nur wohl auf Bulgarien gemünzt, das sich mehr und mehr in den Dienst des panslavistischen Gedankens stellt und damit ein Element großer Bennruhigung bildet, mag auch neuerdings offiziell die bulgarische Wühlerei in Macedonien etwas gedämpft worden sein. Man darf wohl annehmen, daß gerade das Mißtrauen gegen Bulgarien und die panslavistischen Pläne die Könige von Rumänien und Griechenland in Abbazia zusammengeführt hat, eine Zusammenkunft, die von der panslavistischen Presse Rußlands der höchsten Ungnade versichert wurde. Bei den neuen Corteswahlen in Spanien machte man zum so und so vielten Male die Erfahrung, daß die Mehrheit im Sinne der gerade am Ruder befindlichen Parteiregierung ausfällt, da die Liberalen das Heft in der Hand haben, bekommen sie auch die meisten Sitze. Allerdings giebt es unter den Liberalen allerlei Abstufungen, und so ist es keine so einfache Sache mit der Regierungsmehrheit; aus diesem Grunde äußern sich denn auch selbst der Regierung näherstehende Blätter zweifelhaft. In Catalonien machte sich naturgemäß die separatistische Bewegung bei den Wahlen ganz besonders geltend; die Anhänger derselben fürchteten, die Regierung, die, wenn auch liberal, doch ebensowenig wie die Konservativen die Lostrennung Cataloniens vom spanischen Staatsverband dulden kann, werde das Wahlergebnis in Barcelona vergewaltigen, so daß die Separatisten sich schon in abenteuerlicher, bedrohlicher Weise rüsteten. Als schließlich die Verkündigung des Ergebnisses der Mehrheit nach separatistische Abgeordnete ergab, beruhigten sich die Gemüter wieder. Der Poststreit mehrerer Mächte mit der Pforte ist wieder beigelegt worden; es bleibt alles beim alten, und die Not, der die türkischen Postsachen wegen Entziehung der Unterstützung der fremden Dampferlinien ausgesetzt waren, hat ein Ende. Engand, Frankreich und Oesterreich zeigten sich von den Zusicherungen der türkischen Regierung befriedigt, während die über Berlin gekommenen Stimmungsnachrichten anfänglich ziemlich furückhaltender Natur waren; das fällt um so mehr auf, als das eutsche Reich allenthalben für den besten Freund der Türkei hilt. Rußland sucht wie in China so bei der Türkei dieses Prädikat zu gewinnen, indem es die türkische Post mit seinen Schiffen fortgesetzt unterstützte. Die Rückkehr der deutschen Truppen, wenigstens zu ihrem rößten Teile, aus China hat nun auch der Kaiser selbst zu lletz in baldige Aussicht gestellt; immerhin sollen noch an 7000 Mann dort bleiben, um die Erfüllung der von der chinesischen stegierung gegebenen Zusicherungen zu überwachen. Ein solch starkes Kontingent beabsichtigt keine der anderen Mächte auch für entfernt dort zu lassen; Rußland und Amerika begnügen sich ein paar hundert Mann, Frankreich ist auch auf möglichste Zurückziehung seiner Streitkräfte bedacht und einige Tausend Nann sind das höchste, was England sich in China für längere Lauer aufzuerlegen denkt. So würde Deutschland nach wie vor se Hauptaufgabe auf sich nehmen und damit wahrscheinlich nicht nehr Dank ernten als bisher, auch wohl kaum die Chinesen knsthafter beeinflussen, als mit einer kleinen Truppenzahl. So sroß das jetzige Aufgebot ist, abschließende, umfassende und auernde militärische und selbst polizeiliche Erfolge sind nicht zu berzeichnen: Räuber und Boxer sind nach wie vor im Bereich er Truppen vorhanden, und was gegen die regulären Chinesen Pleistet worden ist, kann die Sieger auch schon deshalb nicht befriedigen, weil man denselben General Lin, den man soeben Leschlagen, sich jetzt als Helfer gegen die Boxer gefallen läßt. Ein Pefriedigendes, bestimmtes Ziel war auch überhaupt nicht zu erreichen, weil man nicht bestimmt wußte, was man sollte und ooute, weil jeder Tag einen neuen Operationsplan bringen und e anderen umstürzen konnte, und weil man in Details vollommen aufging. Das wurde manchem unerträglich, und es heint mehr als einmal losgeschlagen worden zu sein, eben um er loszuschlagen, der kriegerischen Motion halber, die augenblickliche Ueberzeugung in allen Ehren, daß man wirklich etwas Notwendiges, ja ganz Unerläßliches thne. Das deutsche Panzergeschwader soll ebenfalls aus den ostasiatischen Gewässern zurückkehren; mit ihm wird wohl Graf Waldersee heimkommen, ohne Asbesthaus, ohne vollzogene Rache, ohne die Lorbeeren, auf die für ihn schon so reichlich Vorschuß genommen worden ist. Diese Art der Heimkehr wird für den Feldmarschall nicht der am wenigsten unerquickliche Teil beim Vollzug seiner Aufgabe sein. Der erste weltpolitische Ausflug Deutschlands nimmt damit ein stilles Ende, das beste, das man bei der Spannung der Mächte ihm noch wünschen kann. Die Buren haben in größerer Anzahl wieder eine Schwenkung nach der Kapkolonie gemacht, und es heißt, daß Dewet neuerdings deren Führung übernehmen wolle. Womit das zusammenhängt, ist noch nicht ganz klar: ob, von der Not getrieben, die Buren sich in die Kapgefilde retten oder ob sie militärische oder politische Vorteile daselbst jetzt in sicherer Aussicht zu haben glauben, ist ungewiß. Letzteres wäre schon wahrscheinlicher, wenn sich bestätigte, daß Lord Kitchener wesentliche Verstärkungen verlangt hat, widrigenfalls er das Oberkommando niederlegen wolle. Für den gesunkenen Mut der Buren, für ihre wachsende Entblößung von Kriegsmitteln würde das um so weniger sprechen, als nach englischer Meldung durch Errichtung eines neuen einfacheren— ob aber auch wirksameren?— Systems der Ueberwachung der Bahnlinien 6000 Mann Engländer für Operationen gegen die Buren freigeworden sein sollen. Wieder wird von Einzelerfolgen der Engländer verschiedenes gemeldet, aber anderseits wird zugestanden, daß wichtige Punkte, deren man so ganz sicher zu sein glaubte, daß man sie ziemlich außer acht ließ, wieder ganz neu haben besetzt werden müssen, ferner daß Delarey ungehindert seine Versorgung mit Pferden aus dem Oranjefreistaat betreibt, wobei es für die Engländer ein geringer Trost ist, zu lesen, daß diese Pferde in schlechter Verfassung seien, da die englischen Pferde noch weniger leisten. Die Burenkommandanten Hertzog und Brand bleiben ebenfalls unbehelligt, da die augenblicklich auf Kreuzund Querzügen begriffenen englischen Generale Blood, Babing= ton und Methuen dem gefährlichen Kriegshandwerk mit aller angebrachten Vorsicht nachgehen. Ein völkerrechtliches Verbrechen, wie es zu Anfang des Krieges in Einzelfällen verübt wurde, scheint man von verzweifelter englischer Seite in größerem Maßstabe geplant zu haben, nämlich die Wilden gegen die Buren loszulassen. Bekannt wurde das durch ein Mitglied der gesetzgebenden Körperschaften von Natal, welches in einer Zeitung die öffentliche Mitteilung machte, die Zulus seien unter Mitwissen der höchsten englischen Militärbehörde in Natal in den Südzipfel des Transvaal, den Bezirk Vrijheid losgelassen worden, um die Burenfarmen auszurauben; es sei ihnen ein Anteil an dem Raube amtlich zugesichert worden. Man kann annehmen, daß die Kriegsleitung wenigstens diesem völkerrechtlichen Skandal, sobald er einmal bekannt wurde, schnell ein Ende bereitet hat, wenngleich man bei derselben keine allzugroße Empfindlichkeit in völkerrechtlichen Fragen vorauszusetzen braucht. Die Frage der Entschädigung der durch die Engländer willkürlich aus Transvaal ausgewiesenen Ausländer wird jetzt auf holländischer, österreichischer und deutscher Seite lebhafter erörtert. In London berät deshalb schon seit Monaten eine besondere Kommission, deren Verhandlungen auch ein Vertreter der beteiligten Mächte beiwohnen darf, aber die Engländer zeigen sich recht zähe und haben beispielsweise dem deutschen Auswärtigen Amte für die vorläufige Unterstützung von Opfern offenkundiger englischer Willkür jeden auch noch so bescheidenen Vorschuß verweigert. Da die Londoner Kommission auch noch in Afrika an Ort und Stelle durch Augenschein über die verflossene Lage sich erkundigen will, kann man ermessen, wie viel Geduld die armen Betroffenen werden haben müssen. Mancher wird die endliche Entscheidung wohl überhaupt nicht mehr erleben. 60 Ein lustiger Schweineschmuggel wird uns aus Bocholt i. W. berichtet. Auf nicht mehr ungewöhnlichem Wege zog ein Bauer, zwei muntere Schweinchen am Strick führend, im Schatten des Waldes über die Grenze der Besitzung seines Freundes entgegen. Zu seiner unangenehmen Ueberraschung sah er an der Chaussee, die nahe an dem einsamen Gehöft vorbeiführt, mehrere Grenzbeamten. Unter diesen Umständen wagte er es nicht, seinen Transport abzuliefern. Er band die Ferkel einstweilen an einen Baum und schlich auf Umwegen zu seinem Freunde, dem er sein Leid klagte. Da war guter Rat teuer; denn die Grenzbeamten machten keine Anstalten, ihren Platz zu verlassen. Es mußte aber etwas geschehen, um die Ferkel, die sich durch Grunzen leicht bemerkbar machen konnten, vor der drohenden Beschlagnahme zu retten. Der Freund zog bedächtig einige Dampfwolken aus seiner kurzen Pfeife und sagte dann:„Lat de Puggen loopen, ick sallt wall maken!" Der Bauer that wie ihm geheißen und ging, den weiteren Verlauf des Unternehmens abwartend, seiner Wege. Ein fürchterlicher Spektakel bewog ihn, nach der Besitzung seines Freundes hinüber zu spähen. Dieser stand vor dem leeren offenen Schweinestall, aus dem er die Insassen vorher schleunigst„ausquartiert“ hatte, und schimpfte und wetterte. Die Grenzbeamten kamen herbei und erkundigten sich nach der Ursache des heftigen Lärms. Der Freund beteuerte, demjenigen den Hals zu brechen, der ihm vermutlich vor kaum fünf Minuten die„Puggen“ aus dem Stalle gelassen, die nun„natürlich“ in den Wald gelausen wären und von den Grenzbeamten beschlagnahmt würden. Die letzteren verwahrten sich gegen eine solche Zumutung und erboten sich bereitwilligst, suchen zu helfen. Es dauerte nicht lange, so waren die Ferkel gefangen und im Stalle untergebracht, der schleunigst verriegelt wurde. Natürlich ließ der Bauer es sich nicht nehmen, den gefälligen Grenzbeamten, die von der Aufregung der Jagd in Schweiß geraten waren, eine kleine Erfrischung anzubieten. J ** Der alte Preyer. Auf 94 Jahre hat es der alte Wiener Domkapellmeister gebracht. Geboren am 15. März 1807 zu Hausbrunn in Niederösterreich, wurde Gottfried Preyer, nachdem er bei S. Sechter studiert, 1835 Organist an der evangelischen Kirche in Wien, 1846 Hoforganist und 1853 Kapellmeister am Stephansdom. Er komponierte mehrere Messen, eine Symphonie, ein Streichquartett, ein Oratorium Noah usw. Von der Geistesfrische, die dem Greise bis in seine letzten Lebensstunden beschieden wär, legt folgender Vorfall Zeugnis ab, über den die Reichswehr berichtet. Vorgestern ließ die Fürstin Liechtenstein sich nach dem Befinden des Erkrankten erkundigen. Man fragte Preyer, was man dem Boten antworten sollte. Da gab er zur Antwort:„Sagen Sie der Durchlaucht, ich liege im Sterben!“ ** Einen schlauen Scher; vom älteren Dumas erzählt ein französisches Blatt. Eines Tages erschien bei Dumas der Schriftsteller Auguste Maquet und brachte ihm einen Novellenstoff, aus welchem Dumas dann den Roman Chevalier'Harmental machte. Aus diesem litterarischen Societätsverhältnis entspann sich aber ein langjähriger Prozeß zwischen Dumas und Maqnet. Eines Morgens besuchte Dumas den Gerichtspräsidenten, unter dessen Vorsitz die Prozeßsache erledigt werden sollte. Dumas war ein berühmter „Canseur“ und bezauberte in dreistündiger Unterhaltung den Richter derart, daß dieser vollständig seine Amtsgeschäfte vergaß.„Teufel!" rief er plötzlich aus,„ich hätte schon längst im Gerichtssaal sein müssen; bei Ihrer entzückenden Konversation habe ich das ganz vergessen.„Sehen Sie!“ sagte Dumas,„jetzt lassen Sie einfach Maquet holen, dann werden Sie sofort urteilen können, wer von uns der Verfasser des Romans ist!" Allerlei. 7 Berlin, 23.Mai1901. Als heute Vormittag nach glücklichem Aufmieg ein Ballon der Luftschifferasteilung landen wollte, stürzte er infolge nicht richtigen Funktionierens eines Ventils plötzlich mit rapider Schnelligkeit herab. Während es dem einen Insassen gelang, durch einen Sprung aus der Gondel glücklich zur Erde zu kommen, trug Leutnant Hahn bei dem heftigen Aufschlag des Korbes mehrere Knochenbrüche davon, sodaß er von Mannschaften der Luftschifferabteilung vom Platze geschafft werden mußte. ** Berlin, 23.Mai1901. Ein in Berlin zu Studienzwecken sich aufhaltender japanischer Professor zündete in der vergangenen Nacht in seiner Wohnung die Möbel an, die er mit Petroleum begossen hatte, und schloß seine Wirtin, deren Tochter und einen Bankbeamten ein, der zum Schutz der Frauen sich in der Wohnung aufhielt. Auf ihre Hülferufe erschien die Feuerwehr und löschte das Feuer. Der Professor, der auch den Bankbeamten mit einem Küchenbeil angegriffen hatte, ist für geisteskrank erklärt und in eine Irrenanstalt übergeführt worden. Wegen unlauteren Wettbewerbs wurde, wie der Artist berichtet, eine Singspielgesellschaft in Elberfeld angezeigt. Sie gab sich für ein Indianerquintett aus und imponierte durch die Wildheit und Unbändigkeit ihres Benehmens. Die Polizei untersuchte jedoch die ihr verdächtig vorkommenden Gestalten und stellte nach einer gründlichen Reinigung fest, daß es eine aus Pommern stammende Musikgesellschaft war, die sich als wilde Indianer auch schon in anderen Städten hatte bewundern lassen. Es sollen übrigens nicht die einzigen biederen Deutschen sein, die als Wilde, Menschenfresser, Schlangenbeschwörer usw. auftreten. ** Sagan, 22.Mai1901. In Pechern, Kreis Sagan, kamen bei einer„euersbrunst, welche vier Besitzungen zerstörte, zwei Personen in den Flammen um. ** Pesth, 22.Mail901. In der Ortschaft Mandok, im Komitat Szabolsz, sind bei einem Feuer, welches bei Sturmwind ausgebrochen war, 72 Häuser und 125 Nebengebäude niedergebrannt. ** Paris, 23.Mai1901. In einem Wagen erster Klasse der Pariser Gürtelbahn tötete gestern Abend ein einundzwanzigjähriger Buchhalter ein junges Mädchen durch mehrere Revolverschüsse, und wa, als der Zug durch einen Tunnel fuhr, den Leichnam auf die Geleise. Der Mörder wurde verhaftet. München, 21.Mail901. Der verstorbene Mitbesitzer des Spatenbräu, Johann Sedlmayr, vermachte letztwillig lder Stadt München 200000 M. zu einer Stiftung, welche die Förderung, Wohlfahrt und Verschönerung der Stadt bezweckt. ** St., Petersburg, 22.Mai1901. Das Amtsblattder Präfertur meldet: In dem auf dem Wege nach Schlüsselburg gelegenen Dorfe Alexandrowsky weigerten sich in den dortigen Eisenwerken am 20. Mai nach der Mittagspause rtwa 200 Arbeiter verschiedener Abteilungen die Arbeit wiederaufzunehmen und begannen mit Gewalt die Maschinen zum Stillstand zu bringen. Alsbald wurden zwei Eskadrons Gendarmen und eine Abteilung berittener Polizisten, sowie 200 Schutzleute an Ort und Stelle entsandt. Inzwischen hatten die anderen Arbeiter, an Zahl etwa 3600, die Arbeit eingestellt und begannen unter Pfeifen und Lärmen das Werk zu verlassen. Ein Wächter, der im Thorweg stand, wurde von einem Arbeiter durch einen Messerstich verwundet; der Arbeiter wurde verhaftet. ** Die Hebung der Maine, des amerikanischen Kriegsschiffes, dessen Versenkung auf der Reede von Havanna die Ursache zum Kriege zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien wurde, ist bisher nicht gelungen. Es sind zahlreiche Versuche zu seiner Rettung gemacht worden, aber noch immer liegt er auf dem Meeresgrunde in Sand und Schlamm gebettet. Jetzt hat, nach einer Meldung der Zeitschrift Yacht, eine Gesellschaft aus Chicago das Anerbieten gemacht, die Hebung des Schiffes auf eigene Kosten vorzunehmen, und zwar auf einem neuartigen Wege. Es soll nämlich um das ganze Wrack ein riesiger Verschlag herumgebant werden, der es von allen Seiten derart dicht umgiebt, daß es ausgepumpt und somit samt der Umhüllung gehoben werden könnte. Die Kosten würden sich auf etwa anderthalb Millionen stellen; aber trotzdem würde das Unternehmen im Falle des Gelingens noch erheblichen Rutzen bringen, da der Materialwert des Kriegsschiffes und seiner Ausrüstung diese Summe sehr bedeutend übersteigt. ermischte [□] Die Bakterien roher Gemüse sind selbst durch sorpfältige Reinigung nicht in genügendem Maße zu beseitigen. Der italienische Arzt Ceresole hat sich durch eingehende Untersuchungen über die Bedeutüng roh verspeister Gemüse und(Salate für die Verbreitung ansteckender Krankheiten vergewissern wollen. Er kaufte auf dem Markt von Padua Kopfsalat, Endivien, Rettich, Sellerie und andere Gemüse und schüttelte sie dann in Wasser derart, wie es bei einem gewöhnlichen Waschen für den Gebrauch zu geschehen pflegt. Selbstverständlich war das von ihm benutzte Wasser keimfrei gemacht, damit er erkennen konnte, welche und wie viele Keime aus dem Gemüse hineingekommen waren. Das Mikroskop zeigte ihm nun eine ganze Flora von Bakterien, außerdem aber auch zahlreiche Eier von Würmern und noch andere niedere Tiere. Die Zahl der Mikroben war außerordentlich groß, und unter ihnen befanden sich auch zahlreiche Eiterbacillen und andere schädliche Kleinwesen. Auch der Bacillus des Typhus und des Starrkrampses waren nicht zu verkennen. Die Gefahr, der jeder Mensch durch den Genuß von rohem Gemüse ausgesetzt ist, wenn dessen Behandlung nicht außerordentlich sorgfältig gewesen war, geht daraus klar hervor. Die ungewöhnlich starke Besiedelung dieser Pflanzen mit schädlichen Keimen ist hauptsächlich durch die Düngung des Gartenbodens und durch das Begießen mit düngenden Flüssigkeiten zu erklären. Als Vorsichtsmaßregel empfiehlt Ceresole, die Gemüse nach vorläufigem Waschen eine halbe Stunde lang in eine dreiprozentige Lösung von Weinsteinsäure zu legen, die von angenehmem Geschmack ist, wenig kostet und die schädlichen Keime sicher abtötet. Ein mit Cholerabacillen behafteter Salat ist in einem solchen Bad schon nach fünf Minuten völlig desinfiziert. Xp Wie Komponisten arbeiten. Ueber wenige Dinge herrscht so allgemein eine falsche Auffassung, so plandert ein wohlbekannter Musiker in einer englischen Zeitschrift, wie über die Art, wie Musik komponiert wird. Es giebt Tausende, die fest davon überzeugt sind, daß eine Komposition mühselig mit Hülfe eines Klaviers oder eines anderen Instrumentes aufgebaut wird, wozu es noch einige Blatt Papier giebt, auf das die Noten schnell hingeworfen werden, sobald sie gefunden sind. Wer indessen nicht ohne Hülfe eines Instrumentes komponieren kann, hat sicherlich seinen Beruf verfehlt. Viele der besten Werke eines meiner Freunde sind in der Eisenbahn oder auf dem Omnibus gemacht, deren Bewegung ihm die nötige Inspiration zu liefern scheint. Dann wird die Musik, wie sie ihm einfällt, auf die Rückseite von Converts oder irgendwelchen Stückchen Papier geschrieben, wie er sie gerade in der Tasche hat. Auch Sir Arthur Sullivan konnte unter allen möglichen Bedingungen arbeiten. er konnte in einem von Gästen gefüllten Zimmer ebenso fließend komponieren und dabei in Zwischenräumen an der Unterhaltung teilnehmen, wie in seinem Arbeitszimmer. Ein großer Teil seiner besten Musik wurde im Bett zwischen heftigen Schmerzaufällen geschrieben, und The Last Chord konzipierte er, als er am Bette seines Bruders wachte. Mr. Chevalier schrieb den Text wie die Musik zu My Old Dutch bei dem Licht von Straßenlaternen, als er an einem nassen Winterabend nach Islington ging. Es giebt überhaupt kaum eine denkbare Situation, in der nicht gute Musik geschrieben worden wärc, und der Komponist kann ihre Wirkung ebenso gut beurteilen, als wenn er sie von dem besten Orchester spielen hörte. Was dem Laien vielleicht weniger verständlich ist, ist die Schnelligkeit, mit der ein Musiker seine Kompositionen für jedes Instrument eines großen Orchesters instrumentieren kann; denn er schreibt seine Noten mit fast blitzartiger Schnelligkeit nieder. Beim Schreiben kann er das Orchester in vollem Gange hören, und er kennt genau den Anteil, den er jedem Instrument zur Erzeugung der Gesamtwirkung mit allen ihren Feinheiten von Licht und Schatten zuweisen muß. Die Instrumentierung ist die mehr mechanische Arbeit im Leben eines Komponisten und manchen sehr lästig, während andere, wie der verstorbene Sir Arthur Sullivan, geradezu darin schwelgen. Er vollbeachte Wunder sdabei, arbeitete oft zwölf Stunden hintereinander und verrichtete eine so große Arbeit wie die meisten Menschen in ebenso viel Tagen So wie ein tüchtiger Maler das vollständige Gemälde geistig sieht, ehe er den Pinsel auf die Leinwand bringt, ebenso hört ein Komponist, der dieses Namens würdig ist, beim Instrumentieren die vollständige Komposition genau so, wie sie das Publikum zum erstenmal hört. — Von der Indianerin giebt der Schwäb. Merk. folgende interessante Charakteristik. Die Mischung weißen und roten Blutes, wie sie im Indianerterritorium vor sich ging, hat dort eine Frauenrasse erzeugt, die an Schönheit und Grazie sich vollkommen mit derjenigen ihrer weißen Schwestern im ganzen Lande messen kann. In der Vorstellung des großen Publikums, auch in Amerika, ist allerdinan die Indianerin selbst heute noch entweder die squaw des romantischen Geschichtsbuches oder das stumpfsinnige Weib, das man zu Dutzenden auf den Eisenbahnstationen Arizonas und Neu=Mexikos herumlungern sieht. Doch die jungen Mädchen des Territoriums bieten uns ein völlig abweichendes Bild. Sie stehen vielmehr an Erziehung und Bildung auf völlig gleicher Stufe mit ihren weißen Schwestern, mit dem einzigen Unterschied, daß das fenerige indianische Blut in ihren Adern ihnen vielleicht reichere Farben, ein glänzenderes Auge und eine lebhaftere Grazie verleihen. Viele dieser Indianerinnen wird man heute der Abstammung nach mehr zur kaukasischen als zur eingeborenen amerikanischen(der indianischen) Rasse zählen dürfen. Dies hat jedoch auf ihre politische und sociale Stellung keinerlei Einfluß geübt; keines dieser oft hochgebildeten Mädchen wird je ohne die zwingendsten Gründe die Zugehörigkeit zu seinem Stamme aufgeben. Und das ist auch psychologisch leicht erklärlich. Ob in den Adern eines solchen Mädchens ¼, 1/8 oder auch nur 1/16 indianischen Blutes fließt— das indianische Blut hat sich stets als das stärkere erwiesen auf lange Generationen hinaus. Selbst wenn der Gesichtsausdruck nur noch leise Anklänge an den ursprünglichen indianischen Typus ausweist, so wird sich das Indiauerblut in jedem Falle noch äußern in der bereits oben erwähnten, ganz eigenartigen Grazie, die vor drei Jahrhunderten bereits die Kolonisten Neu=Englands an der Häuptlingstochter Pocahontas entzückte. Sogar die ausgesprochenen Blondinen des Territoriums, an denen es nicht fehlt, können ihre indignische Abstammung nicht verleugnen. Aber nicht bloß die Grazie und liebliche Form des Antlitzes, vor allem auch die meist herrliche Figur dieser Mädchen ist ein Erbteil der in ungebundener Freiheit lebenden Eltermutter. Der glücklichen Rassemischung verdanken diese Mädchen auch noch eine andere der schönsten Zierden des Weibes, eine reine, saufte, überaus melodische Stimme, in der man vergebens nach jenen allen Indianermundarten eigentümlichen Kehllauten suchen würde. Das Indianer= mädchen des Territoriums ist stolz auf sein Blut, wenn es auch beim Besuch östlicher Stäote, wo nach dieser Richtung hin noch viele Vorurteile herrschen, seine Abstammung keineswegs immer kundgiebt. Ein feinsinniges junges Mädchen der Cherokesen drückte sich vor turzem hierüber folgendermaßen aus:„Ich schäme mich nicht meines Blutes: aber wenn ich in Gesellschaft von Leuten bin, die meine Abstammung nicht kennen, so enthülle ich meine Rasse niemals. Das führt nur zu unliebsamem Aufsehen, und es würde mir doch fast niemand, trotz allen Versicherungen, glauben, daß ich mich eines auf viele Jahrhunderte zurückgehenden indianischen Stammbaumes rühmen kann.“ Köllter Local-Anzeiger Nr. 141• Ronnkac. 20. zulat 1901. * Momentbilder eines Frühlingsspazierganges. Wenn man an einem schönen Frühlingstage seine Schritte zum Walde lenkt, wird man vielleicht einem Herrn begegnen, aus dessen schwammigem, von der Stubenluft gebleichten Gesichte eine Brille wie ein Sternenpaar erster Ordnung hervorglänzt. Ungeachtet die mittlere Vorderpartie seines Körpers etwas ungebührlich hervortritt, giebt er sich alle Mühe, auch die Brust herauszudrücken, indem er zu diesem Zwecke den Spazierstock zwischen den rechtwinkelig gekrümmten Ellbogen eingeklemmt trägt. Seine Kinder, die ihn begleiten, müssen es ebenso machen. Allein es genügt ihm nicht, sie in der Lust und Freiheit des Waldes wie Demonstrierpuppen der Gesundheitslehre einherwandeln zu lassen. Er gebietet auch:„Kinder, jetzt müßt ihr tief, sehr tief atmen, denn hier ist die Luft ungemein sauerstoffhaltig, und ihr wißt, daß es für den Organismus nichts besseres giebt. Also pumpt euch tüchtig die Lungen voll!“ Natürlich haben die Kinder nichts Eiligeres zu thun, als sofort mehrere Kubikmeter tief Atem zu schöpfen, wobei sie den Mund so weit aufreißen, als sie es irgendwie vermögen. „Nein,“ wettert der Herr,„das ist verkehrt, das ist ganz verkehrt. Ihr dürft nicht mit dem Munde atmen, der Bacillen und Mikroben wegen, die sich überall in der Luft befinden können. Ihr müßt mit geschlossenem Munde durch die Nase atmen. Denn seht, in den Schleimhäuten der Nase verfangen sich diese mikroskopisch kleinen Krankheitserreger und werden durch kräftiges Schnänzen ohne weiteres wieder entfernt."— Worauf er sein Schnupftuch zieht und die Kinder desgleichen, so daß alsbald die liebliche Stille sich belebt wie von Posaunen= und Trompetenstößen. Dieser Herr ist nicht etwa ein bestimmtes Individuum, das vereinzelt irgendwo sein Wesen treibt, er ist ein Typus, den man allenthalben antrifft. Man könnte ihn den nichtmedizi nischen Mediziner nennen, den Freund der Doktoren und den Stammgast der Apotheker. Er besitzt eine förmliche Leidenschaft für neue Medikamente, deren unaufhörliche Vermehrung er mit wahrem Enthusiasmus begrüßt. Wie die Vorsilben all der heilkräftigen Ine. Yle und One auch lauten mögen, er kennt jedes einzelne und hat es erprobt. Kaum daß ein leiser rheumatischer Schmerz ihm anfliegt, rasch schluckt er ein Salicylpulver; bei dem unbedeutendsten Unbehagen greift er zu Chinin; Benzonpflaster und mancherlei Salben und Spiritusse vervollständigen seine Methode. Auf diese Weise ist es ihm gelungen, trotz seiner Bureauthätigkeit und den vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen, die ihm obliegen, sich vor den zahlreichen Krankheiten noch glücklich zu bewahren, deren Keime er schon im Körper fühlte, und von deren Gefahren er sich im Geiste häufig bedroht sieht. Ueber die Großen geben die Kleinen, wenn sie in holder Naivetät sich in ihrem angeborenen Schauspielertalente vergnügen, den richtigsten Aufschluß. Indem sie spielend Vater und Mutter nachahmen, schaffen sie Karikaturen, die bei aller Anmut von trefflicher Charakteristik sind. Es wird sich vielleicht der eine und andere Leser eines alten hübschen Bilderbuches erinnern, darin man ein Knäbchen abgebildet sah, das in des Vaters Lehnstuhl saß, das Hauskäppchen auf dem Kopfe, seine Brille auf der Nase, seine Pfeife im Munde hatte, während es in den Händen eine große Zeitung, natürlich verkehrt, hielt und dazu mit wichtigem Ernste sprach: „Will jetzt in der Zeitung lesen, Was in der Welt ist los gewesen; Ob in Frankreich sie die Drachen Größer als bei uns hier machen; Ob der Kaiser von Rußland weiß, Daß ich heute Vater heiß.“ Das war damals. Wenn heute die Kinder Papa spielen, machen sie es anders, denn die Papas sind eben andere geworden. Ueber das Wie hat uns neulich eine junge Mutter belehrt, die, wie sie sagte, selbst sehr begierig war zu erfahren, was bei dem Papaspiel ihres ältesten Söhnchens zum Vorschein käme. Der Kleine hatte sich an den Tisch gesetzt. In diesem Augenblicke ließ sein Schwesterchen, das mit dem Baukasten spielte, einen Stein fallen. Sofort hielt sich der kleine Mann die Ohren zu, und eine ärgerliche Grimasse schneidend rief er entsetzt:„Kind mache doch nicht so'n Spektakel! Ich halte das nicht aus! Meine Nerven— meine Nerven!" Dabei sprang er vom Stuhl und lief verzweifelt im Zimmer umher, kurz, er spielte den Papa in der Blüte seiner Nervosität. Die Nervosität, die heute so viele befällt, kaum daß sie trocken hinter den Ohren geworden sind, wird hauptsächlich auf den immer erbitterter sich gestaltenden Kampf um die materielle Existenz, sowie auf das thörichte Mittel, womit man sich dabei bei guter Laune zu erhalten sucht, den Alkohol, zurückgeführt. Was die wachsenden Ansprüche, die das Leben stellt, betrifft die Schwierigkeit des Erwerbs, die Größe des Wettbewerbs, so werden diese Thatsachen und die dadurch geschaffene Gesamtlage allerseits beklagt, während man diejenigen, welche am meisten darunter zu leiden haben, merkwürdigerweise ganz und gar nicht beklagt. Im Gegenteil, man beneidet sie sogar und preist sie glücklich. Das sind jene edlen Philosophen, jene kleinen Rentner und Rentnerinnen, die sich aus den Wogen des Erwerbslebens wohl oder übel auf ein Inselchen gerettet haben. Aber da sie hier in Ruhe und Frieden und mit der sorglosen Sicherheit der Genügsamen ihre Tage zu verbringen gedachten, sehen sie mit Schrecken, wie die Fluten des Daseinskampfes mächtiger und mächtiger anschwellen und ihr festes Eiland zu unterspülen drohen. Ist es nicht so? Entschlagen wir uns der Bilder und reden wir in schmuckloser Deutlichkeit. Werden die Steuern nicht immer höher? Die Miete und Lebensmittel nicht immer teurer? Schlagen die Handwerker nicht auf? Werden die Händler etwa billiger oder die Dienstboten anspruchsloser? Nein, es geht jegliches in die Höhe. Das einzige, was denselben Tiefstand beibehält und dabei die verhängnisvolle Neigung zeigt, noch tiefer zu sinken, das ist ihr Einkommen. Da sehen wir z. B. einen Rentner, dessen Miene eine gewisse Sentimentalität ausdrückt, die zu der fröhlichen Frühlingswelt, darin er lustwandelt, nicht stimmen will. Noch immer ein stattlicher Herr, hat er schon vor einer Reihe von Jahren sich vom Geschäfte zurückgezogen, da er ein großer Freund der Natur, einem ruhigen, zeitungslesenden Leben zugethan, in und außer dem Hause ein Muster der Genügsamkeit, kurzum ein Philosoph ist. In dem philosophischen Frieden seiner Rentnerschaft wurden ihm aber nachträglich noch zwei Kinderchen geschenkt, worauf, wie sich nachträglich herauszustellen beginnt, sein Einkommen doch nicht ganz zugeschnitten ist. Er spaziert mit seinem Vetter, einem Spekulanten und Tausendsasa, dem das Geld nur so in der Tasche klimpert, der trotz seinen vielen Geschäften ein lustiges Leben führt. „Ja,“ sagt der Spekulant,„du hast es gut. Nichts zu thun, kannst immer promenieren, keine Sorge, keinen Aerger, hast deine schöne sichere Rente aus lauter erstklassigen Papieren.“ Der Rentner sagt nichts, er denkt aber dies:„Immer das dumme Geschwätz von gut haben. Keine Sorge, nichts zu thun, jawohl, wenn man fortwährend überlegen muß, daß man auskommt. Erstklassige Papiere! Hätte ich doch meine vierprozentigen Pfandbriefe nicht gegen die verwünschten Bankaktien vertauscht. Da habe ich mich das ganze Jahr auf eine fette Dividende gespitzt, und jetzt mache ich kaum drei Prozent damit. Schöne Geschichte! Wär' ich sie doch ohne Schaden wieder los!“ „Was ich mich abrackern muß!“ hebt der Spekulant von neuem an.„Diese ewigen Laufereien! Es wird mir schon nichts anderes übrig bleiben, als mir Wagen und Pferde anzuschaffen. Denn Zeit ist Geld, sagt der Amerikaner, und der versteht es. Ha, ein Landauer mit einem Paar Halbblut davor, wird sich ja noch erschwingen lassen. Soviel springt schon heraus.“ „So ein Protz!“ denkt der Rentner.„Eine Equipage! Und mir gehen die Haare aus, wenn ich mir vorstelle, daß im Herbst meine Tochter aus Pension kommt und in Gesellschaft geführt werden will.“ Das Geld liegt ja heutzutage auf der Gasse,“ fährt der Spekulant fort und erzählt von seinen neuesten Unternehmungen. Der Rentner aber hört ihm schon gar nicht mehr zu, er denkt nur immer, daß er noch niemals Geld auf der Gasse gefunden. soviel er auch umherspaziert, auch noch in keiner Lotterie gewonnen hat, weder in einer Dombau= noch in einer Pferdelotterie, von der preußischen Klassenlotterie gar nicht zu reden. Doch genug. Die Philosophen müssen in diesem unphilosophischen Zeitalter eben immer philosophischer werden. Rälselecke. (Nachdruck und Nachbildung aller Teile untersagt.) Zum Es wird kein Ding so schön gemacht, Es kommt ein Spötter, der's veracht'. Drum gehe hin, und schweige still; Es baut ein jeder wie er will. Aus den Wolken muß es fallen. Aus der Götter Schoß, das Glück; Und der mächtigste von allen Herrschern ist der Augenblick. Schachaufgabe. Schwarz. b d* g B D E EE P H M P R R R U Dichsladen Ind in die Felder drs Bneieas Verart Fhalrugrnr Tu, die drei A ßenseiten und die drei mittleren wagerechten Reihen Wörtn bilden von folgender Bedeutung: 1 ein hilfsbereiter, zumal auf dem Lande vielbegehrter Mann, 2 Mitteilung, 3. Teil des Körpers, 4. Maß, 5. alier ein hilfsbereiter, zumal auf dem Lande Eintergehlere Eiam,2 Amlenung, 3. Teil des tärmans 4 Maß 5 alie afrikanischer Häuptlingstitel, 6. hohes Gut. Kapselrätsel. Gallert, Schneider, Blei, Orden, Kohlen, Banner, Blitzzug, Thekla, Eigenschaft. In vorstehenden Wörtern sind, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung nenn Silben versteckt, die. im Zusammenhang gelesen den Sinnspruch eine deutichen Fürsten ergeben. Abstrichrätsel. Frau, Mohr, Sitz, Unna, Kisten, Weib, Ring, Banten, Organe. Stab Von jedem Wort ist die Hälfte der Buchstaben zu streichen, derart, das die stehenbleibenden Buchstaben zusammenhängen. Diese Gruppen müsser dann sinngemäß verbunden ein Sprüchwort ergeben. Zahlenrätsel. 1 2 3 4 5 6 7§ 6 7 5 3 4 Sommervergnügen. 4 2 6 1 5 6 afrik. Hasenplatz. 7 8 6 4 8 3 Geschäftsraum. 3 2 4 4 5 Nagetier. 4 21 Zeitabschnitt. 4 8 6 6 5 Gefäß. 7 2 3 7 5 3 Gefängnis. 6 5 3 8 römischer Kaiser. 6 5 1 5 3 fremde Rasse. Scherzrebus. (Die Auflösung folgt nähsten Sonntag., Auflösungen der vorigen Sonntags-Beilagt Statauf fabe. Kartenverteilung: V. ab; hK, D, 9, 8, 7; dA, 10, D. 7 M. a, b. c. dB, aA, 10, K; bA; cA; d8. H. a9, 8, 7; b10: e10, K, D, 9. 8. 7. Skat: dK, 9. Spiel: 1. V. dA, d8, b10(— 21).„. 2. V. bK. bA, a9(— 15). 3. H. 610, al), cA(— 24). Die andern Stiche nimmt der Spieler, abl die Gegner haben bereits 60. Anagramm a. Tors, Emil, Rain, Abel, Made, Rose, Eris b. Fort, Leim. lran. Elb#, Dame, Cros, Reis.— Flieder. Arithmogriph. Eile mit Weile.— Emil, Imme, Leim, Wette, Wille, Welt. Logogriph. Ader, Hader. Bilderrätsel. Hoffen und Harren macht Manchen zum Narten. Verlag und Druck von J. P. Bachem. Verantwortlicher Redacteur: 8. Reuter in Köuj.