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Einer ersten Regung folgend, legte Herr Loschweiler Hut und Stock auf einen Tisch, um die Nichte willkommen zu heißen, trotz des unbehaglichen Gefühls, welches sich ihm sofort bei dem Gedanken an seine Frau aufgedrängt hatte. Vielleicht war dieses aber doch die Veranlassung, daß er sich Mäßigung auferlegte und mit ruhiger Stimme dem Diener den Befehl ertheilte, die Dame hereinzuführen. Der Diener aber blieb lange, viel zu lange für die Ungeduld seines Herrn. Dieser öffnete nach einigen Minuten die Thüre, um hinaus zu sehen. Im Vestibule war Niemand. Ein frischer Luftzug durchwehte dasselbe und ließ Herrn Loschweiler vermuthen, daß eine Thüre nach außen hin offen war. Er hatte sich nicht geirrt. Eine sich ihm ausdrängende Vermuthung fand er rasch bestätigt. Friedrich kam von draußen herein. „Fräulein Loschweiler hat das Haus schon wieder verlassen, gnädiger Herr. Sie ist über das Gitterwerk geklettert," stotterte der Diener. Einen Augenblick stand Herr Loschweiler wie erstarrt; es schien ihm unmöglich, nur ein Wort über seine Lippen zu bringen. Seine Gedanken verwirrten sich förmlich. „Ueber das Gitter gekleitert?„Was— wie— kann man das?“ Er brachte die Worte nur mit Anstrengung hervor. „Ja, sie hat es gethan; ich sah sie nach der Straße zu abspringen,“ entgegnete Friedrich. Ein Gedanke blitzte plötzlich in Herrn Loschweiler auf, und obgleich er es unter seiner Würde hielt, irgend eine Angelegenheit mit einem Diener zu besprechen, konnte er in diesem Falle doch nicht umhin, die hastige Frage aufzuwerfen, ob es möglich sei, daß die Dame etwas von der zwischen ihm und seiner Gattin geführten Unterhaltung gehört haben könne. Und als dieses von dem Diener zugegeben wurde, rief er, indem er selbst schon durch das Vestibule dem Ausgang zustürmte:„Sie muß zurück, Friedrich, um jeden Preis!“ Herr und Diener stürzten in's Freie, ersterer ohne Kopfbedeckung; denn das schwarze Sammetkäppchen, welches er nach Ablegen des Hutes aufgesetzt, war von dem Thürvorhang zurückgehalten worden. In feuchten, schweren Flocken fiel jetzt der Schnee auf das kahle Haupt des frühzeitig gealterten Mannes. Er bemerkte es nicht, seine ganze Aufmerksamkeit war auf die Spuren gerichtet, welche das junge Mädchen zurückgelassen, aber durch die in dichtem Gewimmel nachfallenden Flocken schnell verwischt wurden. Neben dem Eingangsthor, das sich durch Selbstdruck nach Flora's Eintritt wieder geschlossen, war sie übergeklettert. Bei der tageshellen Beleuchtung durch das elektrische Licht sah man auch noch eine Vertiefung im Schnee, die von dem Sprunge herrührte, den sie vom Gitterwerk auf die Straße gethan. Sie hatte bei demselben ein Stück ihres Kleides eingebüßt, welches nun von einer scharfen Eisenspitze herabhing. Weitere Eindrücke im Schnee zeigten auf etwa zwanzig Schritt, daß das junge Mädchen den Weg in die Stadt zurückgenommen hatte. Von da ab aber ließ sich keine Spur mehr entdecken, und alle Nachforschungen würden voraussichtlich ergebnißlos sein. Nichts desto weniger verfolgten Herr Loschweiler und der Diener die Straße bis zur Brücke, von wo dieselbe nach zwei entgegengesetzten Richtungen auseinanderging. Aber weit und breit war kein menschliches Wesen zu sehen. Kölner Loral-Anzeiger Ar 2. Mai 1893. In einiger Entfernung hörte man näherkommendes geläut, auch eine Stimme, oder hatte man sich getäuscht? Alles blieb still ringsum, die große Stadt lag wie in einem Grabe. Peinlich verstimmt sah Herr Loschweiler sich gezwungen, den Heimweg anzutreten. Er fühlte sich von einer zwiefachen Sorge auf das quälendste bedrückt. Entweder war es dem Kinde seines Bruders, der trotz aller gegen denselben gerichteten Angriffe den alten Platz in seinem Herzen behauptet, gelungen, die Stadt zu erreichen und irgendwo Aufnahme zu finden, oder es würde in dieser Nacht ein schreckliches Ende nehmen. Das eine war so schlimm wie das andere. Doch nein! Lieber noch die Verleumdung feindlich gesinnter Mitmenschen ertragen, als sich den Vorwurf machen zu müssen, durch Mangel an Energie den Untergang derjenigen verschuldet zu haben, die voll Vertrauen ihm zugesandt worNoch hatten Herr Loschweiler und sein Diener das Haus nicht erreicht, als abermals Schellengeläut in einiger Entfernung wurde. Weder der eine noch der andere gaben Acht darauf. Es verlor sich auch bald wieder in nächtlicher Stille. In die Villa zurückgekehrt, begab sich Herr Wilhelm Loschweiler unverzüglich in das Zimmer seiner Frau, um iyr von Vorgefallenen Mittheilung zu machen. Die durch den Gedanken an die öffentliche Meinung erregte Dame machte Miene, dem Gatten mit neuen Vorwürfen zu begegnen, verstummte aber vor dem Bli voll Zorn, mit welchem er sie maß. „Dein ist die Schuld, welche Folgen dieses unglückselige Ereigniß nach sich ziehen wird,“ sagte er mit einer Stimme, deren Beben ihr einen Zustand von Aufregung verrieth, wie sie einen gleichen bei dem Gatten kaum je zuvor gesehen hatte. Er schnitt ihr damit die Worte ab, welche der Haß auf ihre Lippen drängte. Und lag nicht doch in dem Gebahren dieses Mädchens eine Bestätigung alles dessen, was sie jemals gesagt? Aufnahme suchend hatte es die Schwelle dieses Hauses überschritten und war wie eine Sinnlose in Wind und Wetter hinausgelaufen, weil es durch Wahrheit sich verletzt gefühlt. Würde eine andere gehandelt haben wie sie? (Fortsetzung folgt.) S Köln,.Mai9s. Der Kölner Rad=Renn=Verein eröffnete gestern auf dem Sportplatze vor dem Riehlerthor seine Saison bei hellstem Sonnenschein; demzufolge war der Besuch recht befriedigend. einzelnen Felder waren zwar nicht so gut besetzt, wie die Meldungen es erwarten ließen, doch boten sie ab und zu recht interessante Momente. Die Abwickelung der Rennen ging glatt von statten; der ziemlich scharfe Südostwind machte den Fahrern auf der Zielseite viel zu schaffen. Die Ergebnisse sind folgende:....„„„ 1. Erstfahren. 16 Fahrer starten in drei Vorläufen über 800 Meter, deren Erste und Zweite und der beste Dritte den Entscheidungs= lauf über 1200 Meter fahren. Drei Fahrer kamen in der vorletzten Langseite zu Fall, verletzten sich indeß nicht. Erster: Heinr. Weygold, Köln. Zeit: 1 Min. 48 3/8 Sec. Zweiter: Conr. Huppertz, Röthgen. Dritter: Karl Günther, Düsseldorf.„ 2. Internationales Hauptfahren: Es starten elf Fahrer in drei Vorläufen über 1000 Meter. Die Ersten aus jedem Vorlaufe und der beste Zweite kommen in die Entscheidung über 2000 Meter Es sind dies Louis Grogna(Lüttich), Ose. Breitling(Ludwigshafen), Gust. Freudenberg(Mannheim), Jean Schaaf(Köln), welche in dieser Reihenfolge das Band passiren. Zeit des Ersten: 3 Min. 18-5 Bei dritten Vorlaufe stürzte Struth(Mainz) in der Curve, nur un bedeutende Verstauchungen davontragend. 3. Ermunterungsfahren. Zehn Fahrer in drei Vorläufen über 800 Meter am Start; die Ersten aus jedem derselben und die besten Zweiten kommen in die Entscheidung über 1600 Meter. Erster: J. Schlimbach, Köln in 4 Minuten 22 Secunden. Zweiter: Chr. Dorfmüller, Köln. Tritter: Ant. Bauer, Trier. 4. Vorgabefahren.(1. Klasse.) 2000 Meter. Acht Fahrer. Erster: Louis Grogna(Lüttich) ohne Vorgabe in 2 Min. 55#5 Sec. Zweiter: G. Freudenberg(Mannheim) mit 10 Meter Vorgabe dicht auf. Dritter: J. Bocquillon(Paris) mit 20 Meter Vorgabe. Schaaf (Köln) kam sehr schlecht vom Start weg; er konnte nach Aufholung der Vorgaben nur noch als Vierter landen. 5. Vorgabefahren(2. Klasse.) 2000 Meter. 17 Fahrer starten in zwei Vorläufen, deren Erster bis Vierter den Entscheidungslauf bestritten. Erster: Franz Surlemont(Trier) ohne Vorgabe in 2 Min. 56 Sec. Zweiter: J. Schlimbach(Kölns ohne Vorgabe. Dritter: Paul Böhmer(Hamm i..) mit 90 Min. Vorgabe. 6. Mehrsitzer=Vorgabefahren. 2000 Meter. Vier Paare Seite 3. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, und Tante, die wohlachtbare Frau " unsere schwester, liebe, gute Schwägerin Behmer, Therese, geb. heute Nachmittag 5½ Uhr im 74. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Die trauernden Hinterbliebenen. Köln=Melaten, 29. April 1898. Die Beerdigung findet statt Montag den 2. Mai, Nachmittags 5 Uhr; die Exequien am Dinstag den 3. Mai, Morgens ½10 Uhr, in der Pfarrkirche zu Müngersdorf. ntarten. Erste: Breitling=Freudenberg ohne Vorgabe in 2 Min. Sec. Zweite: Schaaf=Bocquillon ohne Vorgabe in 2 Min. 48 Dritte: Ricken=Uebele mit 70 Meter Vorgabe dicht auf. 333 Sec. Zum Bau eines zweiten Theaters. Den in der gestrigen Nummer des Kölner Local=Anzeigers veröffentlichten Beschluß=Entwurf betreffend Bau eines zweiten Theaters hat die städtische Verwaltung in einer Denkschrift näher erläutert, der wir Betrefs Beschafung der Baumitel für das neue Zheateg guie bessen und Grundstückskosten drei Millionen Mark neuer mit drei Procentz verzinsender Actien ausgebe und nach dem von der Stadt genehmigten Plane unter Aufsicht der letztern den Bau ausführe, wogegen die Stad zwei Procent des Actiencapitals gleich Mark 60,000 jährlich an den Verein zur Verzinsung und Tilgung abführe“, und ferner:„daß der Actien=Verein demnächst die Leitung und Verwaltung beider Theater Es kam dann außerdem bei der Berathung der verstärkten, FinanzCommission zum Ausdruck, daß der Actien=Verein jene drei Millionen Mark so lange, bis das noch vorhandene Actiencapital des alten Hauses getilgt ist, mit ½ Procent und demnächst mit 1½ Procent zu amortisire; habe, während die Stadt dem jetzigen Zuschuß von jährlich Mark 31,500 auch nach Abstoßung des ersten Actiencapitals bis zur Tilgung des zweiten weiter bezahle; ferner, daß die Stadt im Vor stände des Actien Vereins die Mehrheit oder ein Einspruchsrecht in be stimmten Fällen erhalte und jeder Zeit gegen Uebernahme der vorhandenen Verbindlichkeiten beide Theater in ihrer Hand zu vereinigen berechtigt sei. Diesen der Vorsitzende des Verwallungslathes dir..n. Vereins, daß der letztere keine Aussicht habe, drei### onen Mark Actien, wovon die Stadt nur zwei Procent garantire,y unterzubringen. Einerseits diese Erklärung, anderseits der leitende Gedanke, daß offent liche Unternehmungen, zumal wenn sie der ethischen Erziehung de Volkes dienen und nicht vom Staate übernommen sino, unter Verwaltung jedes größern Gemeinwesens gehören 2, die Stadt ab nur dann einen wirksamen Einfluß auf die Gestaltung und die Aufiesen Vorschlägen der zuständigen Commission gegenüber erklärte Vorsitzende des Verwaltungsrathes des Theater=Actien= gaben des neuen Theaters auszuüben befugt sei, wenn sie selbst baue und betreibe, riefen bei der Commission den einstimmigen Beschluß hervor, der Stadtverordneten=Versammlung den Bau des Theaters und dessen künftigen Betrieb als städtisches Unterney. vorzuschlagen. Gleichzeitig wurde dann ebenfalls von einer bedeutenden Mehrheit der Commission der weitere Antrag an das Collegium unterstützt, daß sich die Stadt diese Uebernahme des Theaters unte Verzichtleistung auf den jährlichen Zuschuß des Actien=Vereins dadurch erleichtern solle, daß sie das Grundstua zum Theaterbau, welches dem von letzterm aufzubringenden Bedarfs=Capital von drei Mark mit 500,000 M. vorgesehen sei, sich seion nicht anrechne. Diese freie Terrain=Abgabe rechtfertige sich um so mehr, als jenes Grundstück, das überdies in einem erheblichen Umfange zu einer öffentlichen Garten=Anlage verwendet werde, von vorn herein für ein kunftiges Theater reservirt worden sei, man also folgeweise von jeder Veraußerung abgesehen habe, damit es einem öffentlichen städtischen Zwecke diene. Endlich fiel bei diesem Antrage zur freien Hergabe des Grundstückes auch noch die Thatsache in's Gewicht, daß sich dadurch zwar das Baucapital um 500,000 M. verringere, nicht aber das Bedarfscapital der Stadt für die Theater=Unternehmung, indem bei letzterer noch mit folgendem Umstande zu rechnen ist. Die Stadt kann sowohl im Interesse einer durchgreifenden Einheitlichkeit der Theater=Verwaltung wie in dem weitern einer einträglichen Bewirthschaftung mittels desselben künstlerischen und technischen Personals nicht das neue Theater allein übernehmen; sie muß beide Instirure in ihren Besitz nehmen. Nun wird das jetzige Theater im Jahre 1902, also um dieselbe Zeit pachtfrei, wo die Fertigstellung des neuen Hauses zu erwarten steht, so daß in diesem Zeitpunkte, zumal der Gedanke an eigene Regie nach dem Dafürhalten der Commission ausgeschlossen erscheint, beide Theater neu in Pacht zu geben waren. Für das jetzige, dem Theater=Actien=Verein unterstehende Theater würde dann auch ein Rest des ursprünglichen Actien=Capitals von 500,000 M. abzustoßen sein, was die Stadt bewirken müßte, um nach Auflösung der jetzigen Verwaltung die eigene zu übernehmer. Locales. Die Feier der ersten h. Communion fand gestern in allen Kölner Pfarr- bzw. Rectorats=Kirchen statt. Heute spendeten die hochw. HH. Weihbischöfe den Neucommunicanten in den Pfarrkirchen St. Maria im Capitol und St. Severin die h. Firmung. s Zum gestrigen Namensfeste Sr. Eminenz des hochw. Cardinal=Erzbischofs brachte der Männergesang=Verein Polyhymnia, getren einer alten schönen Gepflogenheit, dem Kirchenfürsten am Samstag=Abend eine Serenade. Die stattliche Sängerschaar hatte in dem zur Zeit in herrlichster Blüthenpracht prangenden Garten Aufstellung genommen und sang unter Leitung des Gesangmeisters Hru. Otto Wagner zunächst das achtstimmige Graduale von Grell, dann Sehnsucht nach dem Rhein von Bungart und Volker's Schwanenlied von Mayer=Olbersleben, die in den weitläufigen Laubgängen entzückend schön tlangen. Im Auftrage Sr. Eminenz sprach der hochw. Hr. Weihbischof Schmitz, welcher mit dem Generalvicar Msgr. Dr. Kreuzwald und mehrern andern Herren der Serenade im Gartensaale zugehört hatte, der Sängerschaar den Dank aus, auch für die treuen Bemühungen des Vereins zu Gunsten der Herz Jesu=Kirche. Der hochw. Herr ermahnte die Sänger, in diesem schönen Thun in dankbarer Ver ehrung des h. Herzens fortzufahren. Er bat alle Erzdiöcesanen in besonderm Gebete des hochbetagten Oberhirten zu gedenken, damit seine Leiden abgekürzt und er recht bald seiner Erzdiöcese ganz wieder gegeben werde. Mit den Sängern vereinigten sich der Klerus und sämmtliche Erzdiöcesanen in dem Wunsche, daß der Allmächtige das theure Leben noch lange zum Segen der Kirche erhalten und kräftigen moge. In diesem Sinne brachte der hochw. Redner ein begeistert ausgenommenes Hoch auf Se. Eminenz aus. Der Präsident des Vereins, Hr. Dederichs sen., wurde darauf vom Hrn. Cardinal=Erzbischof empfangen, und konnte demselben als Ertrag des jüngsten Concertes für die Herzsesu Kirche 1500 M. überweisen, wofür der Oberhirt in herzlichster Weise dankte. Nachdem die Sänger noch ein prächtiges Rheinlied gesungen, wurden sie zu einer kleinen Erfrischung eingeladen, wobei der hochw. Hr. Weihbischof Schmitz in liebenswürdigster Weise den hohen Gefeierten vertrat. * R h e i n i s c h e r H a n d w e r k e r t a g. E i n e n A u f r u f z u m E i n t r i t t i n den allgemeinen deutschen Handwerkerbund richtet dessen rheinisches Provincial=Bundesamt an alle Innungen, Handwerker=Vereine und selbständigen Handwerksmeister Rheinlands und angrenzenden Bezirken, welche noch keine Organisation haben. Der Aufruf legt eingehend die Pflichten de- Handwerks angesichts des neuen Handwerkergesetzes dar und beleuchtet die Gefahren, die der sinngemäßen Ausführung des Gesetzes von den Gegnern des Junungswesens bereitet werden. Er fordert zur Bildung von Zwangs=Innungen auf und theilt zugleich mit, daß am 5. und 6. Juni im Fränkischen Hofe zu Köln ein rheinischer Delegirtentag, verbunden mit einer allgemeinen rheinischen Handwerker=Versammlung, stattfinden wird. Einziger Gegenstand derselben ist:„Maßnahmen zur Einführung der Innungen nach§ 100 des neuen Handwerkergesetzes.". Maifeier. Die hiesigen Social=Demokraten feierten gestern den 1. Mai durch einen Frühschoppen, gemeinsamen Spaziergang und eine Volksversammlung. Nachmittags gegen zwei Uhr versammelten sich die Festtheilnehmer im Volksgarten und zogen dann etwa in Stärte von 3000 Personen in Trupps durch die Neustadt nach Nippes, wo in einer Volksversammlung über die Bedeutung des 1. Mai gesprochen wurde. Auch eine größere Anzahl Frauen und Kinder nahmen, geschmückt mit rothen Rosen, an dem Spaziergang theil. Der Blumenmarkt wurde gestern auf dem Gereousdriesch eröffnet. Der Verkehr war, wie dies angesichts des Sonntaas zu erwarten war, ein überaus lebhafter. s Der Mai hat sich gestern an seinem ersten Tage in einer Weise eingeführt, daß alle Hoffnung besteht, er werde dies Mal wirklich ein Wonnemond werden. Das herrliche Wetter hatte unzählige Menschen aus dem Hause gelockt, so daß alle Spazierwege und öffentlichen Anlagen einen überaus belebten Anblick boten. Die Eisenbahn wurde von vielen zu Ausflügen in die weitere Umgebung Köln's benutzt. 4 Unfall. Ein Grubenarbeiter, welcher sich in Deutz durch einen Fall eine Knieverletzung zugezogen hatte, wurde in das Hospital daselbst aufgenommen. + Vermißt. Ein Mann aus Kalk zeigte auf der Polizeiwache an, daß seine vorübergehend bei ihm wohnende sechsundsiebenzigjährige Schwiegermutter mit seinem einjährigen Mädchen am Samstag=Nachmittag ausgegangen und nicht mehr zurückgekehrt sei. Es wird vermuthet, daß der alten Frau ein Unfall zugestoßen ist. Feuer. In der vorvergangenen Nacht wurde die Feuerwehr nach der Rosenstraße gerufen, wo ein Kaminbrand entstanden war. In einem Hause an der Alten Mauer am Bach waren Hobelspähne in Brand gerathen. Das Feuer wurde von der Feuerwehr gelöscht. * K ö l n e r S t a d t= T h e a t e r. H e u t e: Z u m B e s t e n d e r h ü l f s b e d ü r f tigen Hinterbliebenen(Wittwe mit sechs unmündigen Kindern) des verstorbenen Obermaschinisten des Stadt-Theaters, Emil Kretzer. Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Acten von F. v. Schiller. Anf. 7, Ende nach 10 Uhr. Gerichts=Verhandlungen. Strafkammer. Ein Bericht über eine Versammlung des„Vereins gegen Unwesen im Handel und Gewerbe“, der am 2. September 1896 im Kölner Local=Anzeiger veröffentlicht worden war, hatte dem früher in Köln. jetzt zu Langenberg wohnenden Kaufmann August Boecker Veranlassung gegeben, sowohl gegen den Kaufmann Julius Genske von hier, wie auch gegen die Kauffräulein Maria und Emilie Bremer von hier Privatbeleidigungsklage anzustrengen. Nach diesem Berichte hatte nämlich der Kaufmann Julius Genske, als Vorstandsmitglied des genannten Vereins, Mittheilungen über die„Geschäftspraktiken" des frühern Inhabers des hiesigen Köln=Hamburger Kaufhauses gemacht, dessen Inhaber der Privatkläger früher war. Herr Genske hatte nach diesem Berichte u. a. gesagt:„Der Inhaber habe s. Zt. in den Zeitungen angekündigt, daß ein Colonialwaaren=Geschäft mit 270—300 Mark täglichem Umsatz zu übertragen sei. Zwei Damen aus Werden a. d. Ruhr hätten sich hierauf gemeldet, seien von einem Herrn empfangen worden und hätten sich bereden lassen, sofort 4000 Mark für Waaren zu zahlen, die sie noch nicht ein Mal gesehen hatten. Den bis zum Jahre 1900 laufenden Miethsvertrag mußten die Käuferinnen mit übernehmen. Die letzten acht Tage vor der Uebernahme sollte eine der beiden Damen im Geschäfte zubringen; thatsächlich sei dieselbe auch acht Tage im Hause gewesen, habe aber den Laden nicht betreten können, da sie auf alle mögliche Weise aus demselben fern gehalten worden sei. Eine Waaren=Aufnahme sei mit Bleistift gemacht und ein Duplicat nicht angefertigt worden. Am ersten Tage hatten die Damen dann eine Einnahme von 40, am zweiten von 70, am dritten von 110 Mark. Bei der Uebernahme der Waaren sei auf die Frage, wo denn die angezeigten drei Buttersorten seien, geantwortet worden:„Ja, wenn Sie etwas verdienen wollen, dann müssen Sie drei Sorten aus einem Faß verkaufen. Mehl gab es zu 12, 14 und 16 Pfennig das Pfund aus einem Sack; Cacao zu 1,40 und.60 Mark, Oel zu.75, 0,95 und 1 Mark, aues von derselben Sorte. Cognac war in drei Sorten vorhanden, die indeß nur an den veränderten Etiquetten zu bemerken waren." Vorstehende Mittheilungen waren dem Beklagten, Herrn Genske, von den beiden Damen Bremer, die das betreffende Geschäft übernommen und sich geschädigt fühlten, gemacht worden. Herr Genske hielt sich als Mitglied bzw. Vorstandsmitglied des„Vereins gegen Unwesen im Handel und Gewerbe“ für verpflichtet, diese Thalsachen den Mitgliedern des Vereins zu unterbreiten. In dieser Sache war am 5. October v. J. am Schöffengericht verhandelt worden. Sämmtliche Angeklagte hatten damals den Beweis der Wahrheit für die aufgestellten Behauptungen angeboten, nach Ansicht de. Gerichts auch erbracht und waren freigesprochen worden. In der Begründung des Urtheils war ausgeführt worden:„Nach der vollen Ueberzeugung des Gerichts sei erwiesen, daß in dem Geschäfte des Privatklögers grobe Unterschleife und Betrügereien verübt worden seien. Eine und dieselbe Sorte Waare sei zu verschiedenen Preisen verkauft worden; u. a. sei Mehl und Oel von demselben Einkaufspreise zu verschiedenen Preisen feil gehalten worden. Aus derselben Sorte Cognac wurden drei, aus einem Fasse Weines sogar vier verschiedene Marken hergestellt, die zu verschiedenen Preisen verkauft wurden, während sie sich in Wirklichkeit durch nichts, als die ihnen aufgeklebte Etiquette unterschieden. Der Wahrheitsbeweis sei in einer für den Privatkläger geradezu vernichtenden Weise gelungen.“ Gegen dieses Urtheil hatte der Privatkläger Berufung an die Strafkammer erhoben, die aber verworsen wurde. Die neue Verhandlung ergab dasselbe Bild, wie die erste Instanz. Der Vorsitzende hob in der Begründung noch besonders hervor, daß der Verein gegen Unwesen im Handel und Gewerbe mit Recht gegen solche Geschäftspraktiken vorgehe. Seitens der Kaufmannschaft müsse es freudig begrüßt werden, wenn ein Mitglied sich einer so undankbaren und schwierigen Aufgabe unterziehe, wie es Hr. Genske mit Recht gethan habe. Er sei ja nicht aus böser Absicht oder Eigennutz vorgegangen und das gesammte Publicum habe ein Interesse daran, daß dergleichen Vorkommnisse aufgedeckt wirden. Wb Madrid,.Mai9s, Abends.15 Uhr.(Drahtbericht Eine amtliche Depesche aus Manila meldet: Gestern Nacht 11.30 Uhr kündigten Kanonenschüsse, welche am Eingang des Hafens fielen, an, daß das feindliche Geschwader die Einfahrt in den Hafen zu erzwingen suchte. Heute Vormittag erschien das americanische Geschwader vor Cavite. Vom Arsenal und dem spanischen Geschwader wurde das Feuer eröffnet. Nach heftigem Kampf mußte sich das feindliche Geschwader um 9 Uhr Vormittags nach dem westlichen Ufer der Bai zurückziehen, wo eshinter den ausländischen Handelsschiffen Stellung nahm. In Anbetracht der Ueberlegenheit des americanischen Geschwaders hat das spanische Geschwader beträchtlichen Schaden erlitten. An Bord der Christine entstand Feuer, ein anderes Schiff ist in die Luft geflogen. Die Verluste auf spanischer Seite sind beträchtlich. Unter den Gefallenen befindet sich auch der Comman= dant der Christine. so viel Wäsche kannst Du mit Grumer& Neu' Panama=Holz=Wasch=Extract reinigen, als mit den meisten anderen Waschpulvern. Spart Seife und Soda. Ohne Bleiche, schönste Wäsche. Zu Pfd. überall käuflich. * R y e i n h ö h r a m 1. M a i. A b e n d s 7 U h r m 2, 8 0+ 0. 0 9. Verlag und Druck von J. P. Bachem. Verantwortlich: für den allgemeinen Theil O. Brendgen, für den Anzeigen und Reclamentbeil C. Okle. Alle in Köln. Seite 4. Kölner Loral-Anzeiger Nr. 113* Montag, 2. Mai 1893. und versendet Metzer Dombau-Geld-Loose, Ziehung bestimmt 14.—11. Mai,„„ a Hauptgewinne.: 50,000, 20,000, 10,000 ulv. baar. F. A. JBGK6. 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Gerichts=Derhandlungen. Schöffengericht. Der Händler August Kalau, der ohne polizeiliche Erlaubniß in Wirthschaften Drucksachen und Bilder verkauft hatte, war durch Strafmandat mit 10 M. Geldbuße belegt worden, wogegen er Einspruch erhob. Ein Zeuge bekundete, daß es sich um schwindelhafte Waare handele, die der Mann verkauft habe. Dus Gericht erhöhte die Strafe aus 90 M.— Eine Frau muß 2 M. Strafe entrichten, weil sie es unterlassen hatte, ihr Dienstmädchen polizeilich anzumelden. Der Vorsitzende bemerkte, es wäre zu wünschen, daß es weiter bekannt werde, daß die Dienstherrschaft dafür verantwortlich sei, wenn sich ihre Dienstmädchen nicht anmelden.— Ein Schreiner von hier hatte Holz, das durch den Gerichtsvollzieher gepfändet war, verarbeitet. Da er aus Noth gehandelt, setzte das Gericht das Strafminimum von einem Tage Gefängniß fest.— Die Milchhändlerin Ehefrau Joseph Dünnwald aus Lind wurde wegen Milchsälschung zu einer Geldstrafe von 20 M. verurtheilt.— Ein in Haft sitzender Pferdeknecht aus Kerpen wußte sich auf leichte Weise Geld zu verschaffen. Er vermiethete sich zu Hammelrath, Mödrath und Hüscheln bei Ackersleuten als Knecht, ließ sich 6 bzw. 6 bzw. 9 M. Miethgeld zahlen und trat in keinem Falle den Dienst an. Der Gerichtshof setzte 14 Tage Gesäugniß fest.— Ein Kellner unterschlug hier in einem Hotel 19., die er dem Wirthe abliefern mußte. Die Strafe wurde auf eine Woche Gefängniß bemessen, aber durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erklärt.— Eine Kostwirthin hatte Streit mit Kostgängern bekommen. Sie und ein Tagelöhner, der zur Zeit eine sechsmonatliche Gefängnißstrafe verbüßt, schlugen über die Leute her. Die Frau, welche auch Kostgänger gehalten, ohne dies der Polizei anzumelden, muß 15 M. Strafe zahlen, der Tagelöhner erhielt eine Zusatzstrafe von zwei Wochen Gefängniß. Gut. Mittag= u. Abendtisch. auch im Abonnement. Unter Gottesgnaden 4. a. Hauptbahnb. Damenbinden, 12. qualität, Dtzd. M. 1,20. Nicht mit minderwerthigen, andern Fabricaten zu verwechseln! Halbmond-Drog., Altermarkt 58. Sonnen-Drog., Friesenstr. 70.