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Weihbischof und Domdechant Dr. Fischer celebrirte um 10 Uhr ein feierliches Pontifical=Amt. Nachmittags hielt Hr. Domcapitular Msgr. Schäffer die Festpredigt und Hr. GeneralVicar und Domcapitular Msgr. Dr. Kreutzwald die feierliche Complet. Eine große Zahl Andächtiger wohnte der erhebenden Feier bei. Reliquien des Heiligen waren zur Verehrung ausgestellt. nn Neue Pferdebahngeleise. In der Christophstraße wird jetzt vom Gereonsdriesch ab bis zur Abzweigung ein zweites Geleise gelegt. Mit Rücksicht auf die verhältnißmäßig geringe Breite der Straße war ursprünglich nur die Anlage eines Geleises gestattet worden. Hiervon ist die Polizei anscheinend inzwischen abgekommen, wohl auf Antrag der Pferdebahn selbst, welche auf die Steigerung des Betriebes durch die neue Schlachthausbahn hinweisen konnte, für die Polizei freilich eigentlich ein Grund mehr, auf dem ursprünglichen Standpunkt zu beharren. Für die Bahn bedeutet die Anlage des zweiten Geleises auch einen Zeitgewinn, da fast regelmäßig die Wagen am Gereonsdriesch ein paar Minuten warten mußten, ehe der den„Berg“ heraufkommende Wagen das eine Geleise frei gemacht hatte. Die städtische Lehrerinnen-Bildungsanstalt ist aus dem bisherigen Schulgebäude am Georgsplatz, dessen Säle zum Theil für die im Herbst zu eröffnende Haushaltungsschule benutzt werden, in das Schulhaus am Klingelpütz Nr. 3 verlegt worden. Die bis Ostern hier untergebrachte Bezirksschule IV ist bekanntlich in das Schulgebäude am Gereonswall verlegt worden. Die beiden neu errichteten Vorklassen der Lehrerinnen=Bildungsanstalt werden von 26 bzw. 28 Schülern besucht. Gerichts=Verhandlungen. Strafkammer. Am 1. März d. J. wurde der Director der Provincial=Arbeitsanstalt zu Brauweiler, Schellmann, von der Beschuldigung, eine Corrigendin durch Anwendung der sogen. Mundbinde fahrlässig getödtet zu haben, von der Strafkammer freigesprochen. Im Zusammenhang mit dieser Verurtheilung brachte die social=demokratische Rheinische Zeitung am 6. März einen Artikel über das Arbeitshaus zu Brauweiler, in welchem sie einen Brief einem ihr nahestehenden Reichstags=Abgeordneten veröffentlichte, worin dem Director Schellmann die schwersten Beschuldigungen vorgeworfen wurden, wie Tödtung und Mißhandlung von Gefangenen und Mißbrauch seiner Amtsgewalt gegen die ihm unterstellten Beamten. U. a. finden sich in dem Artikel folgende Ausführungen:„Von seinen Vorgesetzten und von verschiedenen andern Seiten wird er(Schellmann) als das Ideal eines musterhaften Beamten gefeiert. Aber leider hat bis jetzt noch Niemand danach gefragt, welcher Mittel sich dieser Mann bedient, um seine Triumphe zu feiern. Die Anstalt soll glänzen, innen und außen, es werden dazu keine Unkosten gescheut. Arme Künstler und Arbeitskräfte sind genug vorhanden. Aber die armen Gefangenen werden durch die rohesten Mittel zur Arbeit angetrieben. Alte Leute von 60—70 Jahren werden durch Hungerleiden bis zum Umfallen, durch Schläge mit dem Gummischlauch, Lager-Cntziehung usw., durch Anlegen einer Zwangsjacke oder Handeisen zur Arbeit angetrieben. Es kann sich Niemand einen Begriff machen, wie viele arme Geschöpfe durch diese Behandlung ihren verfrühten Tod gefunden. Ein Gefangener, der es wagt, gegen diesen Menschen vorzugehen, hat schon seine Hungercur unterschrieben, die ihn in's Jenseits befördert." Ferner wurde in dem besagten Artikel dem Landesdirector der Rhein provinz, Geheimer Oberregierungsrath Dr. Klein, der Vorwurf gemacht, er habe es gegenüber dem Director Schellmann an der nöthigen Beaufsichtigung fehlen lassen. Wegen dieses Artikels hatte sich der verantwortliche Redacteur der Rheinischen Zeitung zu verantworten, und zwar wegen der Anschuldigung, den Director Schellmann sowie den LandesDirector der Rheinprovinz, Geheimer Oberregierungsrath Klein, durch Verbreitung und Veröffentlichung unwahrer Thatsachen beleidigt zu haben. Nach kurzer Verhandlung beschloß der Gerichtshof auf Antrag des Vertheidigers, den englischen Journalisten James Pollit in London über seine Wahrnehmungen in der Brauweiler Strafanstalt gelegentlich eines Besuches derselben commissarisch vernehmen zu lassen und die Sache auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Vereins-Nachrichten. Der Verein zur Förderung des Naturhistorischen Museums, der jüngst hier gegründet wurde, will nicht nur durch Aufbringung von Mitteln die Vervollständigung des Naturhistorischen Museums bewirken, sondern auch seinen Mitgliedern und deren Familien= angehörigen die Möglichkeit gewähren, sich die Schätze des Museums in höherm Maße zu Nutzen zu machen, und die naturwissenschaftliche Bildung durch Vorträge mit geeigneten Demonstrationen verbreiten. Für den Sommer sind mehrfache gemeinsame Besuche des städtischen Schulgartens in Aussicht genommen. Das Naturhistorische Museum ist den Mitgliedern zu allen Besuchszeiten unentgeltlich zugänglich. Jeden Donnerstag von—7 Uhr werden die Hru. Oberlehrer Dr. Hilburg, Leiter des Naturhistorischen Museums, und Dr. Esser, Leiter des städtischen Schulgartens, in den Räumen der Eigelstein=Thorburg anwesend sein und den Mitgliedern des Vereins Erläuterungen der ausgestellten Objecte geben. In der ersten Sitzung des Vereins hielt Hr. Dr. Hilburg einen sehr beifällig ausgenommenen, lichtvollen Vortrag über die Ursachen der chemischen Vorgänge. Der Verein, dessen Vorsitzender Hr. Sanitätsrath Dr. Leut ist, zählt bereits 220 Mitglieder. * Reichstags=Stichwahl in Köln. Bei der gestrigen Stichwahl wurden Stimmen abgegeben für: Landgerichtsrath Greiß(Centr.) 12,494, Dr. Lütgenau(Soc.=Dem.) 7915. Mithin gewählt Landgerichtsrath Greiß mit 4579 Stimmen Mehrheit. Bei der Hauptwahl am 13. Mai erhielten bekanntlich Greiß 10,353, Lütgenau 7366 Stimmen. Die Mehrheit des Centrums ist mithin von 2987 auf 4579, also um 1692 Stimmen gewachsen. Das ist ein erfreuliches Endergebniß. Ziffermäßig bleibt es ja weit hinter der Stichwahl von 1893 zurück, wo das Centrum schon im ersten Wahlgange 7000 Stimmen mehr hatte, als die Social=Demokratie, welche dann die Partie verloren gab, in der Stichwahl noch stark abnahm und schließlich noch nicht ein Drittel der Stimmen zusammenbrachte. Aber ein Vergleich ist hier aus dem bekannten Grunde unzulässig, weil vor zwei Jahren die Vororte mitwählten. Das Centrum hat seinen Sieg aus eigener Kraft erfochten. Das national=liberale Wahl-Comité hatte ausdrücklich Stimm=Enthaltung verkündet, und zweifellos ist die große Mehrzahl der 3887 Wähler, die am 13. Mai für Hrn. v. Wittgenstein stimmten, dieser Weisung nachgekommen, wenn auch eine genaue Feststellung nicht möglich ist. Nur der Vorstand des Vereins selbständiger Handwerker hat zur Unterstützung der Candidatur Greiß in der Stichwahl aufgefordert, aber die liberalen Mitglieder des Vereins, für welche diese Aufforderung überhaupt einen Zweck hatte, haben zu dem starken Stimmenzuwachs des Centrums ganz gewiß kein erhebliches Contingent gestellt. Wir stellen Gott dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, unsere einzige, unvergeßliche, innigstgeliebte Tochter und Schwester nach schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden, wohlvorbereitet durch den andächtigen Empfang der h. Sterbe=Sacramente der römisch=katholischen Kirche, im Alter von 15 Jahren heute aus diesem Leben zu nehmen. Um stille Theilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Köln, 26. Mai 1895. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch den 29. Mai, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause Roonstraße 17 aus. Die feierlichen Exequien werden gehalten am Donnerstag den 30. Mai, Morgens 9 Uhr, in der Pfarrkirche zum h. Mauritius. Sollte Jemand aus Versehen keine Einladung erhalten, bitte diese als solche zu betrachten. Unserm werthen Kassenvater Herrn Wilh. Pfeil die herzlichsten Glück= und Segenswünsche zu seinem Namenstage. Wir kommen mit Verehrungsschwingen Zu Euch, heut' unsern Dankesgruß, Euch unsern Glückwunsch darzubringen Und unsern wärmsten Herzensgruß. Wohl eine schöne Reih' von Jahren Habt Ihr bei manchem Erdenleid Doch reich des Himmels Gunst erfahren Und Euch an stillem Glück erfreut. Noch lang, recht lang mög' es Euch blühen An Eurer lieben Frauen Hand, Mit der zu theilen Freud und Mühen Euch einst des Himmels Huld verband. Gewidmet vom Vorstand der Krankenkasse„St. Peter“ zu Longerich. Suchard's Chocoladen, van Houten’s Cacao Englische scults in circa 40 Sorten, stets frisch: Kaffee, roh und gebrannt, in bester Qualität. Zucker in Broden, gemahlen, in Würfel. Thee, grün und schwarz, holl. und franz. Liqueure, Cognac flne champagne, Beutsche Schaumweine. griech. und span. Weine, englische Biere. Alle Colonialwaaren billigst in prima Sorten. Wirz& Schlösser, straise-8. Die einzige Niederlage von Christofle& Co., Fabrik schwer versilberter Tafelgeräthe, * befindet sich bei Fahrbach, Köln, Hohestrasse 135. diese Dinge ausdrücklich fest, damit nicht später wieder ein Mal die Erfindung auftaucht, das Centrum habe sein Kölner Mandat liberaler Unterstützung zu verdanken. Für die Social=Demokratie bedeutet die Stichwahl eine bittere Enttäuschung. Am 13. Mai war sie eingestandenermaßen an dem allgemeinen Stimmenrückgang procentualiter noch etwas stärker betheiligt wie das Centrum und also zum ersten Mal in Köln thatsächlich zum Stillstand gebracht worden; sie hat es in der Zwischenzeit an Anstreugungen wahrlich nicht fehlen lassen, mehrere bekannte Parteigenossen von auswärts zu Hülfe gezogen, Dreesbach aus Mannheim, sogar den Parteichef Liebknecht aus Berlin, und nun dieses bescheidene Plus von 549 Stimmen gegenüber der Hauptwahl, gegenüber 2141 Stimmen des Centrums! Diese Niederlage ist eine wohlverdiente. Was die Partei, auch führende Elemente derselben, an grober Verdrehung und wüsten Wahlkniffen geleistet haben, ist bisher noch nicht dagewesen. Noch in letzter Stunde prangte an den Straßen=Ecken ein Placat, angeblich vom social=demokratischen Wahl=Comité verfaßt, worin dem Centrum wieder ein Mal Wortbruch bezüglich der vereinbarten Stimmzettel vorgeworfen wurde. Es ist rechtzeitig dafür gesorgt worden, daß die Lüge dies Mal noch kürzere Beine hat, als vor vierzehn Tagen. Vorläufig erklären wir das Placat und eine entsprechende Notiz der Rhein. Ztg. für eine abgeschmackte Verleumdung, behalten uns aber vor, auf diese kostbare Geschichte noch eingehender zurückzukommen. Sie ist derartig, daß auch den social=demokratischen Wählern dies Mal die Augen aufoder übergehen werden. Gleich nach Schluß des Wahl=Actes versammelte sich vor dem Geschäftshaus der Kölnischen Volkszeitung wieder eine immer gewaltiger anwachsende Menge, welche die Bekanntmachung der allmälig eintreffenden Bezirks=Ergebnisse(durch große Tafeln auf dem Eck=Balcon) mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgte. Bald standen in der Bahnhofstraße, Marzellenstraße und An den Dominicanern viele hundert Menschen, so daß die Polizei Mühe hatte, die Geleise der Pferdebahn freizuhalten. An dem Sieg des Centrums mit sehr starker Mehrheit war schon nach dem Ergebniß der allerersten Bezirke nicht zu zweifeln. Jede neue Bekanntmachung wurde mit lauten Hochrufen begrüßt, in die sich vereinzelte Pfiffe mischten. Um 7¾ Uhr erschien die Schlußziffer, noch ein kräftiges Hoch und langsam verlief sich die dicht gedrängte Masse. Zur Feststellung und Verkündigung des Wahl= Resultates hatten sich gestern Abend die Wähler der Centrumspartei im Fränkischen Hofe so zahlreich eingefunden, daß der große Saal nebst den Galerieen dicht besetzt war. Die Verkündigung des endgültigen Ergebnisses wurde von der Versammlung mit stürmischem Beifall ausgenommen. Hr. Abg. Fuchs wies darauf hin, daß die ansehnliche Vermehrung der Stimmen der Centrumspartei um so bedeutungsvoller sei, da wir die Stichwahl ganz allein ausfechten mußten, ohne Unterstützung von einer andern Seite. Vor allem aber ist das Wahl=Ergebniß deshalb für uns so erfreulich, weil es uns wiederum gelungen ist, die sonst in allen deutschen Großstädten in fortschreitendem Wachsthum begriffene socialistische Hochfluth hier in Köln zu stauen. Neben den wackern Wählern gebührt dafür unsern Dank den Vertrauensmännern, den Pfarrvorstehern usw., die unter der umsichtigen Leitung und sichern Führung des Hrn. Rechtsanwalts Karl Trimborn mit so hingebendem Eifer gearbeitet. Ihnen allen widmete Redner zum Ausdruck des Dankes ein von der Versammlung begeistert ausgenommenes Hoch. Hr. Rechtsanwalt Karl Trimborn bekundet ebenfalls seine hohe Freude über die wackere Arbeit, die bei der diesmaligen Wahl geleistet worden ist, spricht aber doch den Wunsch aus, daß noch immer mehr arbeitswillige Vertrauensmänner den Pfarrvorstehern sich zur Verfügung stellen. Namentlich erscheine diese Mahnung im Hinblick auf die kommenden Stadtrasswahlen sehr angebracht. Der glänzend bestandene Wahlkampf habe sicherlich das Gute für uns, daß er unsere Kräfte neu belebt und gestärkt habe. Redner gedenkt dann des Führers der Kölner Centrumspartei, der seit 25 Jahren das unbefleckte Centrumsbanner von Sieg zu Sieg getragen, des Abg. Fuchs, auf den er ein Hoch ausbringt, in das die Versammlung jubelnd einstimmt. Hr. Abg. Fuchs wies seinerseits auf die rühmenswerthe geschlossene Einigkeit der Kölner Centrumspartei hin und feierte alsdann in zündenden Worten die Centrumspartei als die feste Säule und Stütze der Ordnung. Hr. Landgerichtsrath Greiß, den die Versammlung bei seinem Erscheinen im Saale mit nicht enden wollendem Jubel begrüßt, gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Stadt Köln sich wieder als eine feste Burg des Centrums erwiesen habe und dankt in herzlichen Worten für die ihm zu Theil gewordene große Ehre. Es sei eine schwere Last und Verantwortung, die man auf seine Schultern gelegt; er werde aber nach besten Kräften das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen suchen und unentwegt in alter Treue, wie bisher, so auch in Zukunft zum Centrum halten.(Stürmischer Beifall.) Mit einem Hoch auf den h. Vater wurde hierauf gegen 8½ Uhr die glänzende Versammlung geschlossen. Die Abstimmung in den einzelnen Bezirken des Stadtkreises Köln weist folgendes Ergebniß auf. Uhrenhdlg. I. Willichs=Adam, Obenmarspf. 1. Reparat. billigst. Ströhmer& Co., Schildergasse 88. An- und Verkauf von Werthpapieren, Einwechselung aller Geldsorten, Coupons, Checks&. Reelle und coulante Ausführungen von Börsen-Aufträgen. * R h e i n h ö h e a m 2 7. M a i, M o r g e n s 7 U h r m 3, 6 5— 0, 1 0. * Wasserwärme am 27. Mai, Mitt. 12 Uhr: 120, Abds. 7 Uhr: 120. „„ 2d. Mai, Morgens 7 Uhr 120. 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