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Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, unsere liebe gute Mutter, Großmutter, Tante und Schwiegermutter, die wohlachtbare Frau Anna Maria verwittwete Schüller, geb. Städtchen, im Alter von 61 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit, vorher mehrmals gestärkt mit den Heilsmitteln der römisch=katholischen Kirche, in die Ewigkeit zu sich zu nehmen. Am Sarge trauern ihr Gatte, 8 Kinder und 14 Enkel. Das Begräbniß findet statt am Mittwoch den 20. Februar., Vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause, Achterstraße 38, aus. Die trauernden Hinterbli. benen. Kölner Local-Anzeiger Nr. 49 1 Vinstag, 19. Februar 1895. Feuilleton des Kölner Local=Anzeiger. 19. Febr. 1890. Die Winningtens. Roman von W. E. Norris. 34) Autorisirte deutsche Bearbeitung. Die Oper und Philipp's künftiger Ruhm bildeten das Hauptthema in den Unterhaltungen des Brautpaares. Meistens brachte Nelly es zur Sprache; aber Philipp war es ebenfalls durchaus nicht unangenehm, und auch heute sprach er darüber, bis es Zeit war, nach Hause zu gehen. Leise pseisend verfolgte er seinen Weg bis an Herrn Langley's Pfarrgarten, wo er zu seiner größten Belustigung eine stattliche Gestalt, in schwarze Seide gekleidet, stehen sah, die augenscheinlich auf ihn wartete. „Die alte Prosser scheint dieses Mal in großer Angst zu sein,“ dachte er,„und will mich bitten, ein gutes Wort für sie einzulegen. Sou ich Grete eine Wohlthat erweisen und die alte Sünderin zu Kreuze kriechen lassen? Ich glaube, ich thue es.“ Frau Prosser machte eine Verbeugung und sagte:„Guten Abend, mein Herr." „Guten Abend, Frau Prosser. Nun, haben Sie sich gebessert? Weshalb sind Sie auch so mürrisch und zänkisch? Die Menschen können doch nicht bis in alle Ewigkeit mit Ihnen Geduld haben.“ Philipp war stets Frau Prosser's Liebling gewesen. Ihre harten Züge verzogen sich auch jetzt zu etwas, das ein Lächeln vorstellen sollte und sie antwortete:„O, ich weiß wohl, mein Herr, daß die Schuld auf beiden Seiten lag, wenn ich und Frau Stanniforth nicht so gut miteinander ausgekommen sind, als wir gesollt hätten. Ich trage es Frau Stauniforth nicht nach, aber ich glaube nicht, daß ich noch länger in ihren Diensten bleiben kann.“ „Seien Sie doch keine so dickköpfige, alte Närrin, Frau Prosser! Gute Wirthschafterinnen sind für gutes Gehalt in Masse zu haben, aber Sie würden so bald keine so gute Stelle finden, wie hier in Longbourne.“ „Ich sagte nicht, daß ich Longbourne verlassen wollte, mein Herr“ sagte Frau Prosser mit ruhigem Nachdruck. .. meinen Sie wohl, daß Frau Stanniforth es verlassen sollte?“ rief Philipp lachend.„Ich glaube, Sie brächten so etwas fertig!“ „Nun, mein Herr, ich weiß wenigstens, daß ich so etwas zu Stande zu bringen vermöchte. Ich habe hier eine Zeit lang auf Sie gewartet, um Gelegenheit zu haben, Ihnen etwas zu sagen, das mir auf dem Gewissen lastet. Wenn Sie mir die Freiheit verzeihen wollen, möchte ich bis zum Hause neben Ihnen gehen.“ „Kommen Sie mit, liebste Frau Prosser, ich würde stolz sein, wenn mich die ganze Parochie in Ihrer würdigen Gesellschaft sähe.“ „Sie sind sehr gütig, mein Herr!" Dann räusperte sie sich und begann mit großer Feierlichkeit:„Was ich Ihnen jetzt sagen werde mein Herr, habe ich zwanzig Jahre lang keiner menschlichen Seele mitgetheilt, außer dem Pfarrer als Beichtgeheimniß. Zwanzig Jahre lang habe ich geschwiegen, aber jetzt ist die Zeit gekommen, da ich es nicht länger mehr mit meinem Rechtsgefühl vereinbaren kann. Ehe ich Ihnen aber mehr sage, mein Herr, muß ich Sie bitten, mir Ihr Wort darauf zu geben, daß Sie das Geheimniß nicht weiter verbreiten, ehe nicht die Richtigkeit meiner Vermuthung völlig erwiesen ist.“ „Frau Prosser, Sie können sich auf meine absolute Verschwiegenheit verlassen.“wn Frau Prosser warf Philipp einen scharfen Seitenblick zu.„Es ist kein Gegenstand zum Scherzen, mein Herr!“ sagte sie etwas beleidigt.„Weder Herr Brune, noch Frau Stanniforth, noch Fräulein Nelly dürfen etwas davon wissen— wenigstens nicht eher als bis die Zeit gekommen ist, wo es jedermann erfahren muß.“ „Bitte, Frau Prosser, fahren Sie fort, Sie spannen mich auf die Folter. Ich will schwören, keinem menschlichen Wesen ein Wort zu sagen, bis Sie es mir erlauben. Genügte Ihnen das?“ „Ja; ich danke, mein Herr, das genügt. Ich weiß nicht, ob Sie schon von meinem alten Herrn sprechen hörten— von Herrn George Brune, Herrn Neville's älterm Bruder? Er war ein hochsinniger Herr, aber in mancher Beziehung etwas eigenthümlich und ein schrecklicher Sonderling. Er war immer unterwegs, von einem Land in das andere, und konnte seine eigene Heimath nie leiden; aber doch kam er hierher zurück, um zu sterben.“ „Nun, und er vertraute Ihnen wohl auf seinem Todtenbett ein schreckliches Familiengeheimniß an? Ich will Sie nicht zur Eile drängen, Frau Prosser; aber es wird schon spät.“ „Ich werde Sie nicht lange aufhalten, mein Herr! Wie ich schon sagte, war Herr George immer unterwegs und sagte uns nie, wie lange er wegbleiben würde und wann wir ihn erwarten sollten. Manchmal blieb er einen Monat, manchmal nur ein paar Tage aus, und ein Mal ließ er vier volle Jahre hindurch nichts von sich hören. Damals war er, so viel ich weiß, in Italien. Ich glaube wohl, mein Herr, Sie werden wissen, daß Dienstboten vieles hören vorüber sie schweigen, und ich hörte von Herrn George's Diener. Parsons, daß der Herr in Italien eine Frau hätte. Parsons war immer ein sehr verschlossener Mann— er ist schon vor vollen fünfzehn Jahren gestorben— und sprach nie wieder davon, aber damals war es ihm im Laufe der Unterhaltung entschlüpft. Zuerst dachte ich, es wäre eine jener Verbindungen, von denen eine anständige Frau nicht wissen dürfte; aber als der arme Herr George im Sterben lag, änderte ich meine Meinung. Ich dachte allerdings sicht, als ich den Phantasieen des armen Herrn zuhörte, daß ich Ihnen, mein Herr, zwanzig Jahre später in diesem Park wiederholen würde.“ „ grau Prosser, ich möchte um keinen Preis Ihre schöne Rede vererben; aber ich weiß bereits genau, was nun kommen wird. Ich have kein feuerrothes Mal auf dem linken Arm, und wo ist Herrn Brune's Trauschein?“ „Wirklich, mein Herr, wenn Sie mich so verwirren, werden wir zu Ende kommen. Glauben Sie, daß ich gewagt haben würde, inen Trauschein zu verheimlichen, wenn einer da gewesen wäre? pu weiß durchaus nichts Gewisses, und das, was ich weiß, muß das erste allein zwischen uns beiden bleiben. Ich pflegte den [Umen Herrn George während seiner letzten Krankheit Tag und Nacht in0 Iunte unmöglich meine Ohren gegen das verschließen, was er Delirium sagte. Er sprach fortwährend sehr erregt von seiner „ Sie können die Heirath nicht aufechten,“ sagte er, des alles ganz regelrecht.. Als ich ihn dann fragte, welche Heirath und wo sie stattgefunden hätte— Sie verstehen mein Herr, nur um ihn zu beruhigen—, öffnete er die Augen ganz groß und sagte:„Nun, in Florenz, Sie Närrin, und dieser Balg ist der Erbe.= was er nachher sagte, konnte ich nicht verstehen; aber ich hörte ihn später noch ein Mal murmeln:„Der arme Neville thut mir leid.“ ## rief er auch— verzeihen Sie, daß ich es wiederhole: „Was war ich für ein verdammter Esell Ich mußte ihm auch, gerade ehe es so schlimm wurde, ein Kästchen voll Briefe holen und sie vor seinen Augen verbrennen. Sie waren meist in einer fremden Sprache geschrieben; aber da sie keine Briefumschläge mehr hatten, so weiß ich nicht, ob sie aus Italien waren. Und=Prosser,e sagte er zu mir,=Sie sind ein treues Wesen, und ich habe Sie in meinem Testament nicht vergessen= Dabei legte er sich auf das Kopfkissen zurück und lachte. Er lachte so sonderbar, der arme Herr Gorge, und ein Testament ist leider nie zu finden gewesen. Jetzt wissen Sie alles, was ich weiß, mein Herr, und Sie können selbst beurtheilen, ob es in Ihrem Interesse liegt, weiter nachzu forschen oder nicht.“ „Auf mein Wort, Frau Prosser,“ antwortete Philipp, der überraschter und aufgeregter war, als er zeigte,„ich glaube nicht, daß es sich lohnt. Haben Sie überhaupt außer der Thatsache, daß ich in Italien geboren bin, noch irgend einen Grund für die Vermuthung, daß ich der Balg sein soll, von dem Ihr Herr so höflich sprach?“ „Sehen Sie in den Spiegel, mein Herr," antwortete Frau Prosser, „und Sie werden selbst einen sehr guten Grund sehen. Wie ist es nur möglich, daß Sie so lange Jahre hier gelebt haben, ohne daß irgend Jemand bemerkt hat, daß Sie, bis auf die Augen, Herrn Neville's leibhaftiges Ebenbild sind? Ich begreife es nicht! Ich habe vom ersten Augenblick an nie daran gezweifelt. Sobald ich den Namen Merryskulker hörte, sagte ich mir:„Er ist es!“ „Ich kann diese Folgerung nicht recht einsehen, aber es ist möglich, daß etwas an der Sache ist. Ich möchte übrigens wissen weshalb Sie bisher noch nie davon gesprochen haben?“ „Mein Herr,“ antwortete Frau Prosser ernst,„es war mir eine Gewissenssache. Ich fragte mich, ob ich das Recht hätte, Dinge zu verrathen, die gar nicht für mein Ohr bestimmt waren, und die ich wie man sagen kann, fast auf unrechte Art erfahren hatte. Und dann sagle ich mir:„Was nützt es? Wenn es wahr ist, wird die Wahrheit auch ohne meine Einmischung an den Tag kommen, und weshalb sollte ich der Familie, der ich nächst der Vorsehung alles verdanke, einen Schaden zufügen? Sie sehen, mein Herr, ob Sie nun ein Brune sind oder nicht, so wie für Herrn Neville könnte ich für Sie nie fühlen.“ „Das ist ehrenhaft, Frau Prosser, wenn auch ein wenig casuistisch. Ich glaube übrigens, die Versuchung, Frau Stanniforth von Haus und Hof zu verjagen, war zu unwiderstehlich für Sie.“ „Ihr armer Herr Vater hätte mir so etwas nie gesagt; der kannte mich besser. Nein, ich hatte einen andern Beweggrund. Als ich hörte, wie die Sachen zwilchen Ihnen und Fräulein Nelly ständen war mir meine Pflicht sofort klar. Ich dachte, Herr Philipp und Neville werden sich jetzt freundschaftlich einigen, wie Vater und Sohn. Diese Stanniforihs können nach und nach ihr Kaufgeld wiedererhalten, und es wäre nur recht und billig, wenn ihnen das, was sie durch die Eisenbahn gewonnen haben, davon abgezogen würde, und so würde Niemand darunter leiden, und die Familie bekäme ihr Eigenthum wieder.“ „Sehr wa r, aber trotzdem glaube ich, daß es ein Truggebilde ist.“ kann sein, mein Herr, aber ich glaube, es würde sich doch lohnen, danach zu forschen. Erinnern Sie sich, bitte, daß es in der Stadt Florenz und um das Jahr 1853 oder 1854 gewesen sein muß. Das Datum können wir ziemlich sicher als die Zeit vom März bis Juni annehmen. Ich forschte Parsons sehr genau aus, was sie in Italien in diesem Jahre gemacht hätten, und was er von der italienischen Dame wüßte; aber es war nichts aus ihm herauszubekommen. Ich glaube, er wußte selbst nicht so viel, als er vorgab; denn Herr George schickte ihn oft wochenlang weg, um eine Villa zu miethen, dann die Wohnung einzurichten und dergleichen mehr. Ich glaube nicht, daß Parsons etwas von der Trauung wußte, wenn sie überhaupt stattgefunden hat.“ Philipp nahm sein Notizbuch hervor und schrieb hinein:„Florenz vom März bis Juni 1853,“ aber diese Vorsicht war ziemlich unnöthig; denn das Datum stand die ganze schlaflose Nacht über klar vor seinen Augen, und je mehr er über Frau Prosser's Ent hüllungen nachdachte, desto fester wurde er überzeugt, daß ihre Vermuthungen begründet seien. Er hatte sich aufmerksam im Spiegel angesehen, als er sich zum Diner anzog, und hatte in den feingeschnittenen Zügen und der dunkeln Gesichtsfarbe eine entschiedene Aehnlichkeit mit Herrn Brune entdeckt. Sein Gesichtsausdruck war allerdings von dem seines vermeintlichen Onkels so verschieden, als nur möglich, und vielleicht lag darin die Lösung des Räthsels, daß bisher noch Niemand unter den nächsten Freunden ihre große Aehnlichkeit bemerkt hatte. 9% Philipp gehörte nicht zu jenen undankbaren Menschen, die nie auerkennen wollen, daß das Schicksal sie begünstigt, und nie mit dem, was es ihnen bietet, zufrieden sind. Er hatte stets zugegeben daß er ungewöhnlich viel Glück habe, und auch am Morgen nach seinem Gespräch mit Frau Prosser, als er von dem kurzen Schlummer, in den er beim Tagesgrauen gefallen war, erwachte, war sein erster Gedanke, daß auch in seiner gegenwärtigen Lage sein Glücksstern ihm geleuchtet habe. Es war sehr charakteristisch für ihn, daß er viel weniger durch den Umschwung der Verhältnisse, der ihn vom armen Habenichts zum angesehenen Gutsbesitzer erheben sollte, überrascht war, als durch die merkwürdig glückliche Verkettung von Umständen, welche die Aufgabe der Nachforschung so erleichterten. Von allen Städten Europa's war gerade Florenz diejenige, wo er am besten hingehen konnte, ohne Aufsehen und Verdacht zu erregen. Er hatte ohnehin die Absicht gehabt, noch vor dem Herbst seine Reise nach Italien anzutreten, und seit einiger Zeit drängten ihn sowohl Margarethe als Herr Brune, er solle keine Zeit verlieren, um seine musikalische Ausbildung zu vollenden. Herr Steinberger, dem der ganze Plan zuerst nicht recht gewesen war, wollte auch lieber, daß er gerade dann von London abwesend sei, als späler im Jahre, kurz, es stand ihm nichts im Wege, zu gehen, wohin er wollte, und dabei konnte er sich noch den ungewohnten Luxus erlauben, in Betreff seines Reiseziels und seiner Bestimmung ein Mal die Wahrheit anzugeben. (Fortsetzung folgt.) * Wasserrohrbrüche. In den letzten Tagen und Nächten ist die städtische Feuerwehr wiederm des öftern zur Hülfeleistung bei Wasserrohrbrüchen herbeigerufen worden, und zwar handelte es sich in den meisten Fällen um Schäden an der Hausleitung. Wir machen deshalb nochmals aufmerksam darauf, daß die Alarmirung der Feuerwehr zu Haus=Wasserrohrbrüchen mit Strafe bis zu 30 M. belegt wird. Unter dem Haus=Wasserrohr ist die mit dem im Keller befindlichen Absperrhahn beginnende, im Hause verzweigte Bleirohrleitung zu verstehen, während die Straßenrohre von der Straße aus bis an den erwähnten Absperrhahn führen. Abgesehen von der drohen den Strafe, welche unnachsichtig beantragt wird, mögen die betreffenden Hauseinwohner auch berücksichtigen, daß doch die Feuerwehr jederzeit zur Hülfeleistung in wirklicher Gefahr, in erster Linie bei Bränden, bereit sein muß. Unfall. Gestern Nachmittag wurde im städtischen Krankenhause eine Dame aufgenommen, welche auf der Straße gefallen war und einen Fuß gebrochen hatte. * ievstähle. Auf einem Hofe in der Nähe von Longerich wurde Abends der Schafstall erbrochen und aus demselben ein Schaf gestohlen; der Dieb hatte dasselbe am Orte der That abgeschlachtet, so daß man die Blutspuren eine große Strecke verfolgen konnte, jedoch führten dieselben nicht zur Entdeckung des Diebes.— Ferner wurden gestohlen: vom Hofe eines Hauses an der Siegburgerstraße zu Deutz drei Betttücher, ein Herren=Faltenhemd, ein Frauenhemd, eine roth=weiße Tafeldecke, mehrere Kinderschürzen, vier Kinderhemden, vier weiße Taschentücher und vier Handtücher; aus einem Keller an der Aachenerstraße etwa 20 Flaschen Wein. Gerichts=Verhandlungen. g Das Schwurgericht verhandelte gestern gegen den einundvierzigjährigen Schuhmacher Anton Untertusch aus Rodenkirchen, der beschuldigt war, am 13. November v. J. zu Köln den Tagelöhner Kaspar Schäfer vorsätzlich getödtet zu haben. Der wiederholt vorbestrafte Angeklagte hatte bei einem Streite dem Schäfer einen Stich #un leib versetzt, an dessen Folgen derselbe am nächsten Tage narb. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang und verneinten die Frage nach mildernden Umständen. Das Urtheil lautet auf 15 Jahre Zuchthaus. m Strafkammer. Ein Reisender aus St. Denis sandte an eine ganze Reihe hiesiger Hotels je einen mit einer größern Summe declarirten Geldbrief an seine eigene Adresse. Die Briefe enthielten nur Papierschnitzel. Wenn er bald darauf in den Hotels erschien, um den Werthbrief in Empfang zu nehmen, gelang es ihm leicht, unter falschen Vorspiegelungen einen Kellner oder sonstigen Angestellten des Hotels um eine großere oder kleinere Geldsumme zu beschwindeln. Wegen Betrug in zwölf und Betrugsversuch in vier Fällen erkannte das Gericht auf ein Jahr Gefängniß.— Das Schöffengericht sprach einen hiesigen Zahntechniker von der Anklage der Uebertretung der Gewerbe=Ordnung frei. Letztere stellt denjenigen unter Strafe, welcher sich einen Titel beilegt, der geeignet ist, im Publicum den Glauben zu erwecken, er sei eine im Inlande geprüfte Medicinalperson. In der Berufungs=Instanz wies der Angeklagte, welcher sich den Titel Zahnarzt beigelegt hatte nach, daß er sich an einer Universität in America diesen Titel erworben habe. Die Berufungs=Instanz erkannte auf 100 M. Geldbuße.— Wegen einfachen Bankerotts bestrafte das Gericht einen hiesigen Schirmfabricanten mit einem Tag Gefängniß. Schöffengericht. Wegen Verfälschung von Milch mit Wasser wurde eine Ehefrau aus Ensen zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt.— Ein Tagelöhner aus Zülpich, zu Köln wohnend, der ohne Veranlassung einen Schlosser mißhandelte und diesem einen Stich in den Kopf und einen in die Schulter versetzte, erhielt ein Jahr Gefängniß. Das Maskenfest der Funken=Infanterie, welches im großen Gürzenich=Saale am Samstag=Abend stattfand, erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches und nahm einen überaus schönen Verlauf. Schon gegen 9 Uhr war der Saal von Tausenden von Theilnehmern besetzt die sich dem neckischen Mummenschanze hingaben. Auffallend war, daß der Saal bis dahin fast dunkel blieb, indem nur die Armleuchter brannten. Um so überraschender war die Wirkung, als plötzlich die Kronen angezündet wurden. Gegen 12 Uhr erschien die Funken=Wachparade und vollführte unter ihrem Commandanten von Klatschmann und Feldwebel Brummpott ihre tollkühnen Exercitien, die mit einem Sturm auf die zahlreichen Schönen endigten. Eine Reihe schöner Charakter= masken verliehen dem ganzen Feste ein bunt bewegtes Bild. Die Casino=Gesellschaft wird ihren Mitgliedern auch in diesem Jahre ein schönes Faschings=Vergnügen bereiten, indem sie am Rosenmontag in den sämmtlichen Räumen des Civil=Casino's ein Maskenfest veranstaltet. Auch Nichtmitglieder konnen Karten zu diesem Feste sich erwerben. g0 Dem Rheinischen Kochkunst=Verein Gasteria wurde vor einigen Tagen vom Hoflieferanten Grunewald zu Berlin ein stattlicher Bär und zwei Bärenschinken zur Verfügung gestellt. Vergangenen Donnerstag wurde Meister Petz, der nach dem Urtheil der Sachverständigen höchstens 1½ Jahr alt war, zerlegt und das Fleisch in Rochwein gelegt. Ein Theil des Fleisches wurde zur Pastete bestimmt, welche Hr. Hoflieferant Stahl hierselbst anfertigte. Gleichzeitig trafen auch drei an der Luft getrocknete Murmelthiere als Geschenk des Hrn. Directors Edelmann aus Chamounix ein. Gestern wurde von Seiten des Vereins im Hotel=Restaurant Bavaria ein großes Probekochen veranstaltet, zu welchem sich zahlreiche Damen und Herren eingefunden hatten An der Zubereitung der Speisen betheiligten sich die HH. Feindel, Ches des Hotel du Nord; A. Ulmer, Lese=Gesellschaft; G. Foerster, Chef des Hotel Continental; Moseck, Hotel Ewige Lampe. Hr. Bädorf hatte die erforderlichen Champignons, Hr. P. Oß russisches Brod von fast 1½ Meter Länge, Hr. Spettmann russisches Dessert, Frau Hoftraiteur Harms russische Vorspeisen usw. zur Verfügung gestellt. Die von Murmelthierfleisch hergestellte Suppe, Bärenfilet und Pastetchen mundeten den Theilnehmern vorzüglich. Der Vertreter des Verbandes deutscher Köche, Hr J. May, hielt einen Vortrag über die Art und Weise der Zubereitung und über die Kochkunst im Allgemeinen. Abends fand in demselben Local ein Diner statt, dessen Speisefolge lautete: Kraftsuppe von Murmeltyieren, Moskauer Leckerbissen, Bärenbraten, Champignon=Gemüse trüffirte Bärentatzen, Bärenpastete und Bärenschinken, russisches Compot und französischen Salat, sibirischer Bären=Nachtisch usw. 2. Ehrenfeld, 18./rebr.95. Der hiesige St. Vincenz=Verein hielt gestern Abend im großen Saale des Leo=Bau seine jährliche General=Versammlung ab. Nach dem Jahresbericht bezifferte sich die St. Josephs=Confelc. auf 2433., die Ausgabe auf 1699., die der St. Paul=Conferenz auf 1482 M. bzir. 1380 M Hr. Präses Kaplan Schaaf hielt an die Mitglieder eine zu Herzen gehende Ansprache über die edeln Zwecke des Vincenz=Vereins, dessen Förderung er auf das wärmste empfahl. heutigen Nummer ist eine Hasergrütze, beigelegt. Rheluhöhe am 15. Febr., Abends 7 Uhr mn 1,12— 0,04. Seite 4. Local-Anzeiger Nr. 49 1 Dinstag, 19. Februar 1395 Gas=, Elektricitäts= u. Wasserwerke der Stadt Köln. Panorama international. 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Barthel Haanen, über dessen Befinden wir vor einigen Tagen eine ungünstige Nachricht bereits bringen mußten, ist am Sonntag hierselbst im Alter von 82 Jahren in Folge von Altersschwäche verschieden. Der Verstorbene war geboren am 1. August 1813. Nachdem er das Gymnasium in Neuß absolvirt hatte, widmete er sich zunächst dem Kaufmannsstande. Den öffentlichen Interessen sich mehr und mehr zuwendend, erhielt er 1856—58 das Abgeordneten-Mandat für Köln, 1863—66 für Geldern=Kempen. 1873 wurde er LandtagsAbgeordneter für den Kreis Saarburg=Merzig=Saarlouis, 1871 war er bereits Reichstags=Abgeordneter für denselben Bezirk geworden. Er behielt diese Mandate bis zur vorigen Legislatur=Periode. Die gemeinnützige Thätigkeit des Verstorbenen erstreckte sich auf die verschiedensten Gebiete; er war Ehren=Präsident des Kirchen=Vorstandes der Pfarre zur h. Maria in der Kupfergasse, Vorstands=Mitglied des DombauVereins, sowie Mitbegründer und Vorstands=Mitglied des St. Marien= * Die Kölner Handelskammer hat an den Reichstag eine Eingabe beschlossen, welche sich gegen den Wortlaut des Gesetz=Entwurfes betr. Abänderung der Gewerbe=Ordnung ausspricht aus dem jetzt vorliegenden Wortlaute hervorgeht, wendet sich die Eingabe hauptsächlich gegen Artikel 7, in welchem unter anderm bestimm wird, daß„das Aufsuchen von Bestellungen auf Waaren, so weit nicht der Bundesrath für bestimmte Waaren Ausnahmen zuläßt, nur bei Gewerbetreibenden geschehen darf, in deren Gewerbebetriebe Waaren der angebotenen Art Verwendung finden". Die Abneigung gegenüber den Detail=Reisenden, wie sie in den Bestimmungen des Entwurfes sowie in der Begründung hervortritt, sei völlig ungerechtfertigt. Das Detail=Reisen sei vom Hausirhandel, dem dasselbe jetzt gesetzlich gleichgestellt werden soll, hinsichtlich sowohl seiner wirthschaftlichen Aufgaben wie der socialen Stellung der betheiligten Personen ganz wesentlich verschieden. Die auf diesem Gebiete neuerdings hervorgetretenen Unzuträglichkeiten werden nicht abgeleugnet; indeß bedürfen dieselben einer sehr sorgsamen Prüfung und Erwägung. Daß solche Ermittelungen von Seiten der berufenen Staatsbehörden angestellt worden sind, gehe aus der Vorlage nicht hervor und sei um so eher zu bezweifeln, als dieselbe sich auf einen Standpunkt stelle, wonach das Detail=Reisen generell untersagt sein soll, ein Weg, der freilich einfach sei und rasch zum Ziele führe, aber die legitimen wirthschaftlichen Interessen weiter Kreise auf's äußerste gefährde. Viele Zweige unsers Handels seien auf das Detail=Reisen unbedingt angewiesen, so der Weinhandel, der Cigarrenhandel, die Leinen= und Wäsche-Branche, die ManufacturwaarenBranche, der Vertrieb gewisser Hauseinrichtungen, der Buchhandel usw. Die Bestimmung, wonach der Bundesrath für gewisse Waaren Ausnahmen zulassen darf, sei keineswegs geeignet, die Bedenken zu zerstreuen. Sei es schon aus principiellen Gründen, im Interesse der Verkehrsfreiheit nicht zu billigen, daß dem Ermessen des Bundesrathes anheimgestellt sein soll, über das Wohl und Wehe ganzer Handelszweige zu entscheiden, so dürfte diese Behörde auch beim besten Willen gar nicht in der Lage sein, alle diejenigen Ausnahmen zu treffen, welche erforderlich sind, um den Bedürfnissen des Handels gerecht zu werden. Die Kammer würde es für sachentsprechender halten, wenn der Bundesrath diejenigen Waarengattungen zu bestimmen hätte, für welche das Detail=Reisen verboten sein soll. Aber auch hier ware es zur Vermeidung von Mißgriffen wünschenswerth, daß der Beschluß des Bundesrathes an das vorgängige Befragen der Handelskörperschaften gesetzlich gebunden wäre. Die Kammer richte deshalb an den Reichstag das Ersuchen, die gedachte Bestimmung des vorliegenden Entwurfes in obigem Sinne avzuändern. Sollte dies nicht beliebt werden, so bitte dieselbe, eine Abänderung des Entwurfes dahin treffen zu wollen, daß diejenigen Waarengattungen, hinsichtlich deren der Vertrieb durch DetailReisende zweifello# nicht entbehrt werden kann, also unter anderm der Wein, von den Bestimmungen des Artikels 7 im Gesetze selbst ausdrücklich ausgenommen werden, und gleichzeitig der Bundesrath ermächtigt wird, weitere Ausnahmen zuzulassen.„" e Kölner Stadt=Theater. Heute: 157. Ab.=Vst. Zum 1. Mal: Zwei Wappen. Schwank in 4 Acten von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Anf. 7, Ende nach 912 Uhr.— Mittwoch, 20. Febr.: 58. Ab.=Vst. Hänsel und Gretel. Märchenspiel in 3 Bildern von Adelheid Wette. Musik von Engelbert Humperdinck. Blitz-Cravatten. R. Nagel, Fettenhennen 4. Uhrenhdlg. J. Willichs=Adam, Obenmarspf. 1. Reparat. billigst. CDrUar.— Dames sans gene. den 22. Februar: Rührende Komödie in sechs Abtheilungen und einem Prolog von Ludovicus Cornu, Musik von Henricus Homofelix. Personen: aber Niobe, verwittwete Amphion, geborene Tantalos, eine Nippfl. ur. Andreas Knubbel, Rentner und Stamm-Actionair der Flora. Agosto, Clown und Thierbändiger vom Scandal-Theater in London. Tippo, Pol’zist, er- Gesang- Verein Disharmonia, Gürzenich-Concert-Abonnenten, Gäste im Apollo-Theater etc. etc. Verkauf der Karten und der Texte bei J. F. Weber, Hof-Musikalienhandlung, Schildergasse 6. Freidenloge K 5, Loge# 4. Tribüne u. Sperrsitz K 3. I. Rang numerirt K. 2. I. Rang M..50, II. Rang K. I, Am 20. und 22. c. Karten-Verkauf von 6 Uhr ab im Cirous Carré. Manon Lescault, ein armes prächtiges Mädchen. 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