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Die Anbieter bleiben sechs Wochen lang an ihre Angebote gebunden. Köln, 18. December 1889. Tiefbau=Amt. I..: Genzmer. Concurs=Verfahren. Ueber das Vermögen der HandelsGesellschaft unter der Firma„G. Loosen& Schmahl" zu Köln, St. Agatha Nr. 33/35, wird heute, am 19. December 1889, Vormittags 9½ Uhr, das Concurs=Verfahren eröffnet. Der Herr Rechtsanwalt Dr. Karl Mayer in Köln wird zum ConcursVerwalter ernannt. Concurs=Forderungen sind bis zum 5. März 1890 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Wahl eines andern Verwalters, sowie über die Bestellung eines GläubigerAusschusses und eintretenden Falles über die in§. 120 der ConcursOrdnung bezeichneten Gegenstände auf den 18. Januar 1890, Vormittags 11 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf den 17. März 1890, Vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Mohrenstraße Nr. 27, Zimmer Nr. 5, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Concursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Concursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Concurs=Verwalter bis zum 5. März 1890 A“ ge zu machen. onigliches Amtsgericht zu Köln Abth. 7. Zur Beglaubigung: Keßler, Gerichtsschreiber nälnenza- Liqueur. Erwärmender, stärkender und wohlfühlender Magentrank, per Flasche Mark, beim Fabricanten Wilh. Scharrenbroich, Eigelstein 31, Köln. 13 25 D ** Gediegenes Festgeschenk. Frau aus 100 Stück onln M. und höher, VisitenWünschen 100 St. M. I,50 u. höher in schönst. Ausführun Seb. Avanzo Hohestr. 50 u. Marzellenstr. 17. von A. 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Die zu Beginn des Rechnungsjahres 1888/89 bereits vorhandenen und der städtischen Verwaltung zugewiesenen Stiftungen, deren Verfügungen über das gesetzlich bestimmte Maß der Armen=Unterstützung hinausgehen, haben während des Berichtsjahres eine Einnahme von 74,632 Mark und eine Ausgabe von 75,643 M. ergeben, während außerdem Rest=Ausgaben, d. h. noch zu verwendende Ueberschüsse, zum Theil auch aus den Vorjahren, von 24,300 M. vorhanden sind. Der VermögensBestand der besondern Stiftungen belief sich am 31. März 1889 auf 1,085,730 M. Die größern neuern Stiftungen Beyerle und Dr. Dormagen können, wie der Bericht sagt, erst im nächstjährigen Verwaltungsbericht behandelt werden, da solche erst im Etat für 1889/90 aufgeführt sind. Aus der allgemein zu Wohlthätigkeitszwecken bestimmten und einschließlich zugehöriger Immobilien auf einem Capital=Bestand von 58,587 M. zu veranschlagenden Stiftung Beyerle gelangten indeß auch bereits im Berichtsjahre Beträge zur Verwendung, und zwar vornehmlich zur Hergabe der Mittel zur Anschaffung von ärztlich verordneten orthopädischen Maschinen in solchen Fällen, in welchen mit Rücksicht auf die Verhältnisse der betreffenden Personen und deren nährpflichtigen Angehörigen eine Aufwendung aus öffentlichen Mitteln zwar nicht angängig erschien, die Vermögens=Verhältnisse und die Würdigkeit derselben es indeß wünschenswerth erscheinen ließen, denselben eine Beihülfe zu den fraglichen Anschaffungen zukommen zu lassen. Die Einkünfte der Stiftung Dormagen, bestimmt zur Errichtung eines Asyls für mit äußerlichen körperlichen Gebrechen behaftete — breßhafte— Personen, wurden im Berichtsjahre zur Vermehrung des Capitals verwendet. Erst nach Erreichung eines entsprechenden Capital=Bestandes soll der Stiftungszweck nach Beschluß der für diese Stiftung nach den Verfügungen des Erblassers gebildeten Commission zur Ausführung gebracht werden.— An Geschenken, Stiftungen und letztwilligen Zuwendungen für Armenzwecke wahrend des Berichtsjahres sind außer dem bereits im Vorjahre anerfallenen, aber erst im Berichtsjahre an die Armen=Deputation überwiesenen Legate der Freifrau Charlotte geb. Beyfuß, Wittwe des Geh. Commercienrathes Frhru. Abraham v. Oppenheim, im Nominal= betrage von 150,000 M. zu verzeichnen: 1. das im October 1888 zur Auszahlung gelangte Legat der am 3. August 1888 hier verstorbenen Frau Wittwe Edmund Helmentag zum Besten evangelischer Armen im Betrage von 3000.; 2. das am 22. November 1888 zur Auszahlung gelangte Legat der hier verstorbenen Frau Emilie Eltzbacher geb. Kauller zum Besten christlicher Armen im Betrage von 1000.; 3. ein am 11. December 1888 überwiesenes Geschenk der Eheleute Regierungsrath Dr. Paul Meyer im Betrage von 100.; 4. ein am 8. Januar 1889 übermitteltes Geschenk des Restaurateurs Heinrich Figge hierselbst im Betrage von 30 M. Außerdem wurden noch aus Anlaß von schiedsgerichtlichen Verhandlungen, von Vergleichen, Funden und aus ähnlichen Ursachen im Ganzen 52 M. an die Armenkasse abgeführt. Die Verwendung dieser Beträge, desjenigen zu 1. erst zu einem Drittel, hat stattgefunden durch Austheilung einer aus dem allgemeinen noch vorhandenen Geschenkfonds auf 3000 M. ergänzten Summe, welche am 23. Februar 1889 auf die sämmtlichen Armenbezirke, auch die der Vororte, umgelegt wurde. Die Bezirke haben die ihnen zugewiesenen Beträge bei dem damals herrschenden Frostwetter zu wohlthätigen Spenden außerhalb des Rahmens der öffentlichen Armenpflege verwendet. + Die städtische Bildungs=Anstalt für ElementarschulLehrerinnen unter der Direction des Hru. Dr. Blumberger veranstaltete am Freitag eine schöne Weihnachtsfeier im IsabellenSaale des Gürzenich, den die Stadt zu dem Zwecke bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte. Ein großer, schön gezierter Weihnachtsbaum war dort aufgestellt Hr. Religionslehrer van Gils hielt eine sinnige Ansprache an die 120 Schülerinnen der Anstalt über die Bedeutung des Weihnachtsfestes und des Christbaumes für jeden Christen und besonders für die Jugend, auf deren Herz und Gemüth die Schülerinnen als spätere Lehrerinnen besonders einzuwirken hätten. Zahlreiche auf das Fest bezügliche Declamationen verschiedener Schülerinnen aus jeder Klasse wechselten ab mit nicht weniger zahlreichen dreistimmigen Liedern unter Leitung des Lehrers Hrn. P. Esser. Der Chor verfügt über gute Stimmmittel; Aussprache, Reinheit des Tones, feines Pianissimo und mächtige Kraftentwickelung zeugen von trefflicher Schulung. Unter anderm kam ein größeres, von Professor Koenen contrapunctisch bearbeitetes Lied mit Harmoniumbegleitung zum Vortrag. Vereins=Nachrichten. I. Die Musikalische Gesellschaft, welche unausgesetzt bemüht ist, unter ihrem schaffensfreudigen Leiter, Hru. Professor Seiß, genußreiche Musik=Abende zu veranstalten, sah in der jüngsten Samstags=Aufführung einen hervorragenden Schüler des Professors Georg Japha, den Geigenkünstler Fritz Keller, unter den Mitwirkenden. Derselbe spielte mit überraschend sicherer Technik, richtiger Empfindung und dabei mit einem kräftigen, vollen Ton Mendelssohn's schönes Violin=Concert, welchs lauten Beifall der Zuhörer hervorrief. Das Orchester brachte Ouverture, Scherzo und Finale von Rob. Schumann zum Vortrag. X Närrische Südwester. Die am Mittwoch stattgehabte Wahl bzw. Proclamation des„Kleinen Rathes“ verlief in der schönsten Weise. Eine stattliche Anzahl von Mitgliedern hatte sich eingefunden, die Capelle des 40. Iufanterie=Regiments spielte recht lustige Weisen und die zahlreichen Redner bewiesen, daß die Gesellschaft„Südwester" tüchtige Kräfte zu den Ihrigen zählt. Alle Redner boten hübsche Gaben und blieben treu dem Wahlspruch:„Allen wohl und Niemand weh“. Mancher Trinkspruch wurde auf das Gedeihen der bereits 200 Mitglieder zählenden Gesellschaft ausgebracht. Stimmen aus 119 Bahnhoföbau. In Nr. 348 des Kölner Local=Anzeiger war bei Anführung der Schwierigkeiten des Kölner Bahnhofsbaues hervorgehoben, daß die Stadt Köln die Genehmigung für die Leitung der Lichtkabel der elektrischen Beleuchtung, der Wasserrohre der hydraulischen Anlage und der Heizungsrohre unter und über den Straßen zu ertheilen habe; ferner, daß eine Gruppe von Anwohnern der Dom- und Maximinenstraße, welche eine Schädigung ihrer Häuser durch die Anlage befürchten, gegen dieselbe Einwendung erheben. Sollte die Eisenbahn=Direction sich bereit finden, als Entschädigung für Stadt und Anwohner die früher geplante Fahrstrate in der Richtung der verlängerten Domstraße bis zum Bahnhofs=Vorplatz statt des gewährten Fußgängerweges ausführen zu lassen, so würde der Widerspruch und andere Hindernisse für die Anlage des Maschinenhauses von jeder Seite wegfallen. S. 120 Sprachverdrehung. Es ist eine abgemachte Thatsache, daß wir Kölner nicht die besten Repräsentanten unserer schönen deutschen Sprache sind, und ich will davon gar nicht lange reden; denn ein Bißchen Silbenverschlucken oder Artikelverwechseln gehört nahezu zur Kölnischen Gemüthlichkeit. Wer sagt nicht: Nachtswächter, das Schirm, das Schrank; es kommt vom lieben„Kölsch“, wo's heißt: Naxwächter, und: dat Schaaf. Wenn ich aber an einem fort nicht nur von gebildet sein wollenden alten, sondern auch jüngern Hausfrauen vom„Quatertempel“ reden höre und bei dem Wort durch mein unwiderstehliches Grinsen jedes Mal den Schein errege, als wollte ich diese Einrichtung. nicht aber das Wort allein bespötteln, so wird mir's doch ungemüthlich und ich komme endlich zu dem Einfall, die Zeitung zu bitten, mit fetten Lettern ein Mal darzuthun, daß das Wort„Quatember“ Civis. * 1 Kölner Local-Anzeiger Nr. 350= Montag. 23. December 1339. W. Krauss-Seidenfaden, Altermarkt 1 und 3, Köln, Ecke des Milchplätzchens. Wegen demnächstiger Verlegung der Mäntel-Confection in das gegenüberliegende im Neubau begriffene haus Marsplatz Nr. 11, Ecke von Unter Seidmacher, ändiger Au Zu WeihnachtsGeschenken. T Ke der noch vorräthigen Damen= und Kinder=Mäntel zu und unter Selbstkostenpreisen. 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In dem Briefe von meiner Braut, die jetzt erst Kenntniß von jenem anonymen Schreiben erhalten hatte, forderte sie mich auf, sie am Abend an einer bestimmten Stelle zu erwarten. Wenn je Ihr Herz für ein weibliches Wesen wahre Neigung empfinden wird, werden Sie begreifen, was ich litt. Ich eilte an den Ort der Verabredung und erfuhr zu meinem grenzenlosen Erstaunen aus dem Munde meiner in Thränen aufgelösten Braut, was für ein Gift man in die Seelen dieser wackern Leute geträufelt hatte. Meiner Braut gegenüber bedurfte es nur der Versicherung, daß alle jene Anschuldigungen nichts als elende Verleumdungen seien, um in ihren Augen rein von aller Schuld dazustehen. Ihren Eltern wollte ich mich jedoch erst dann wieder nähern, wenn ich den elenden Verleumder entlarvt haben würde. Das gelang mir schon nach wenigen Tagen, indem mir der Zufall den Entwurf jenes Schreibens, in mehrere Stücke zerrissen, aus dem Papierkorbe auf der Post, in welchem ich nach einem Briefumschlage suchte, in die Hände spielte. Die Empfindungen, die mich hierbei durchwogten, vermag ich nicht zu schildern; auch weiß ich nicht mehr, wie ich mich geberdet habe, als ich ihn, den Schreiber jenes Briefes, inmitten der Collegen, die sich allwöchentlich in einem Restaurant der kleinen Residenz gemüthlich bei einem Glase Bier zusammenfanden, sitzen und scherzen sah; ich kam erst wieder zur Besinnung, als ich mich von einem halben Dutzend Collegen in ein Nebenzimmer gedrängt sah, wo man mich festhielt und bat, keinen öffentlichen Skandal hervorzurufen. „Die Angelegenheit gelangte denn auch nicht weiter in die Oeffentlichkeit. Mein Rachedurst war durch die dem Verleumder vor allen Collegen entgegengeschleuderten vernichtenden Worte gestillt, und unser Chef, dem mein feindseliges Verhalten dem Manne gegenüber zu Ohren gekommen war, hatte Einsicht genug, uns schleunigst zu trennen. Ich wurde nach Thalheim, der biedere Freund aber nach einem entfernten größern Orte verbannt, aus dem er nach Jahren zu meinem Schrecken wieder in den hiesigen Bezirk als mein directer Vorgesetzter versetzt wurde. Ein sofortiges Gesuch meinerseits um Versetzung in einen andern Bezirk wurde mit der Bemerkung abgelehnt, daß keine Postmeisterstelle zur Zeit vacant sei. Ich bin, obschon ich dieselbe Berechtigung für die höhern Stellen halte wie jener Mann, geblieben, was ich kurz nach meiner Versetzung nach hier wurde, und habe gelernt zu resigniren. Aber eine Genugthuung wurde mir doch zu Theil, als ich den Mann nach Jahren wieder sah; ich beneidete ihn nicht auf seiner Höhe. Sie, der Sie den Namen jenes Mannes tragen, werden jetzt hoffentlich begreifen, daß eine Verbindung mit der Familie Berger für mich durchaus nichts Verlockendes haben kann. Sie kennen nun den Grund meines Ihnen auffällig erschienenen Verhaltens. Kraft meiner Rechte als Vater meiner minderjährigen Tochter fordere ich von Ihnen, daß Sie jede weitere Annäherung an mein unerfahrenes Kind unterlassen; im andern Falle werde ich sofort Ihre Versetzung von hier fordern. Einem Berger würde ich, selbst wenn ich nicht mein Ehrenwort gegen eine andere Familie betreffs der Zukunft meiner Tochter verpfändet hätte, niemals mein Kind anvertrauen,“ schloß Arndt. Dann ergriff er hastig seinen Hut und Stock und schritt stolz zur Thüre hinaus, Berger in einer schwer zu schildernden Stimmung zurücklassend. In der letzten Nacht hatte es wieder unausgesetzt geschneit; der Schnee lag jetzt nicht mehr zoll=, sondern fußhoch auf den Fluren und in den Straßen des Städtchens, so daß zuletzt der Schneepflug, als Menschenkräfte zur Beseitigung der Schneemassen von den Straßen nicht mehr ausreichten, Bahn schaffen mußte. Trotzdem kamen die Posten mit stundenlanger Verspätung am Ziele an. Da die Witterung verhältnißmäßig milde war, so trieb sich die liebe Jugend bis zum Abend auf der Straße umher, warf sich mit Schneebällen, baute Schneemänner oder stand mit verlangenden Augen vor den Kaufläden und betrachtete die vielen für den Weihnachtstisch ausgestellten Spielsachen. Auch der kleine Paul befand sich unter einer Schaar fröhlicher Kinder, und als er endlich mit blaurothen Wangen und frierenden Händen nach Hause trabte, brannten bereits die Straßenlaternen, und seine besorgte Schwester schalt über sein langes Ausbleiben. Aber der Kleine besiegte bald durch sein munteres Geplander der Schwester Unmuth. „Ach, Käthchen, es war so hübsch draußen! Sei nicht böse, der Weihnachtsmann hat's Schuld, daß ich so lange ausblieb. Sieh, das hat mir Onkel Berger geschenkt! Paß auf, was da herauskommt,“ schwatzte der Kleine eifrig. Dabei zog er aus seiner Tasche einen kleinen bunten Kasten, drückte an einer Feder, worauf ein kleines grinsendes, schwarzes Ungeheuer aus dem Innern herausschnellte.„Das ist der Teufel!" erklärte der Kleine.„Aber so lache doch, Käthchen, über den dummen Teufel, der sich einsperren läßt.“ „Sei still, Paul, iß schnell dein Abendbrod, und dann bringe ich dich zu Bett," verwies die heute überaus traurig ausschauende Schwester den kleinen Uebermüthigen, der sogleich schweigend gehorchte. „Lieb Käthchen, bist du krank?“ fragte der Kleine nach einer Weile, vom Tische aufblickend. Aber er erhielt keine Antwort. Als Käthchen ihn bald darauf in sein Bett legte und er in ihren schönen Augen Thränen glänzen sah, da sprang er behend auf, schlang seine Arme um ihren Hals und sagte mit trauriger Stimme: „Lieb Käthchen, darfst nicht weinen über meine Ungezogenheit; o, ich hab' dich so lieb, ich will auch nicht wieder so lange ausbleiben. Aber wenn du krank bist, sag's doch Onkel Berger, der hat mich ja auch wieder gesund gemacht. O sieh, da ist er!" rief plötzlich der Kleine und zeigte auf die Thüre, in welcher der Genannte in der That stand und mit einem bewundernden Blick die reizende Gruppe der beiden hübschen Geschwister betrachtete. Mit einem leisen Schrei ließ Käthchen den Kleinen auf sein Bettchen gleiten und wandte sich erschrocken nach der Thüre um.„Heinz, du hier? Wie unvorsichtig! Wenn Papa dich...“ „Sei ohne Sorge, mein Liebling. Dein Papa ist so eben vom Pfarrer zu einer Partie Whist abgeholt und kommt sicher vor einer Stunde nicht zurück. Wenn Paul mich nicht verräth, erfährt's dein Papa nicht,“ sagte Berger leise; trotzdem hatte der Knabe alles verstanden. „Nein, Onkel Berger, das sage ich Papa nicht; denn er hat dich nicht lieb. Aber Käthchen, die hat dich lieb, und du mußt sie auch lieb haben und wieder gesund machen, wenn sie krank wird.“ „Das will ich auch, mein Junge,“ sagte Berger, ihm die Backe streichelnd.„Nun leg' dich hübsch schlafen, Christkindchen soll dir auch'was schönes bringen.“ „Verzeih', Käthchen, daß ich dich durch mein Kommen erschreckt habe," nahm Berger das Wort, als er mit ihr in das Zimmer, durch welches er leise eingetreten, zurückkehrte.„Ich konnte dem heißen Sehnen meines Herzens, dich zu sehen und zu sprechen, nicht länger widerstehen. Hat dein Vater von einer gestern mit mir geführten Unterredung gesprochen und dir Andeutungen darüber gemacht, was er betreffs deiner Zurunft beschlossen habe?“ „Ich weiß alles!“ antwortete Käthchen mit tonloser Stimme. „Ich soll die Frau eines Balduin Ahn werden.“ „Die Frau dieses verlebten Mannes?“ wiederholte Berger, starr vor Erstaunen.„Unmöglich! Wo hat dein Vater nur seine Augen gehabt! Und was hast du auf diese ungeheuerliche Zumuthung geantwortet?“ fragte Berger erregt. „Kannst du noch fragen, Heinz? Gibt es für mich noch eine andere Wahl als dich oder den Tod?“ „Verzeih', geliebtes Herz, die unüberlegte, zweifelnde Frage. Habe Dank für den Muth, den du meinetwegen gezeigt hast. Nun blicke ich wieder hoffnungsfreudig in die Zukunft. Hier, Schatz, lies diesen Brief, dein Vater wollte ihn nicht annehmen. Er enthält das freimüthige Bekenntniß meines einst im jugendlichen Leichtsinn schwer sündigenden Onkels. O, wenn dein Vater sich nur die Mühe geben wollte, dieses Schreiben zu lesen, so würden ihm gewiß die frühern häßlichen Ereignisse in einem andern Lichte erscheinen.“ „Ich weiß jetzt von meinem Vater die Ursache seines Hasses," sagte Käthchen, den Brief betrachtend.„Dein Onkel hat an ihm nicht wie ein Freund gehandelt; sein Mißtrauen gegen ein Mitglied der Familie Berger ist verzeihlich. O, könntest du ihm durch die That beweisen, wessen du für ihn fähig bist! Daß du meinem Bruder das Leben rettetest, das will er nicht einsehen; für ihn ist Doctor Barth eben eine Autorität, ihm glaubt er alles.“ „Nur Muth, süßes Herz.=Kein Baum fällt auf den ersten Hieb, sagt ein altes Sprüchwort. Bin ich nur deiner Liebe sicher, dann trotze ich allen Hindernissen. Verzeih', wenn ich mich jetzt von deiner Gesellschaft losreißen muß. Der Dienst ist unerbittlich, namentlich jetzt zur Weihnachtszeit, wo wir geplagten Postbeamten statt zwei wohl doppelt so viel Hände haben könnten. Möchten doch alle Wünsche, die dein liebes Herz einschließt, morgen vom Christkind erfüllt werden.“ „Vorläufig begnüge ich mich nur mit einem Wunsche,“ gab Käthchen seufzend zur Antwort. „Und der lautet, mein süßes Lieb?“ „Daß mein Heinz morgen Abend mit mir unter den Christbaum treten und die Strahlen desselben das häßliche Gespenst des Hasses und Mißtrauens zwischen deiner und meiner Familie für immer verscheuchen möchten,“ sagte Käthchen, sich an den geliebten Mann anschmiegend. „Das ist auch mein sehnlichster Wunsch. Aber es trennt uns nur noch ein Tag von jener schönen, weihevollen Stunde, in der die Herzen der Menschen nur der Freude und beglückenden Liebe geöffnet sein sollten, und so zuversichtlich ich auch in die Zukunft blicke, an dieses schnelle Glück wage ich nicht zu glauben.“ Sanft preßte Berger sein traurig dreinschauendes Mädchen an seine Brust; dann riß er sich los und eilte nach unten. An der Thüre zum Dienstzimmer begegnete ihm der alte Wolf, der sich den Schweiß von der heißen Stirne wischte und eben noch Zeit sand, die unvermeidliche Flasche hinten in seiner Rocktasche verschwinden zu lassen. „Uff! Uff! Herr Berger, ist das ine Arbeit! Siebzig Packeters hat eben die Post wieder mitgebracht! Wenn das noch'n paar Tage so weiter ginge, wäre ich'ne Leiche. Sie sind schon gesucht, Herr Ludwig kann mit'ner Depesch enicht fertig werden," rief der Alte. Berger lächelte leicht über den erhitzten Alten und eilte in's Dienstzimmer. Hier fand er den genannten Collegen, einen jungen Gehülfen, in heller Verzweiflung am Telegraphen=Apparat. „Gott sei Dank, daß Sie kommen,“ sagte der junge Beamte aufblickend.„Ein Telegramm aus Berlin, zweiundvierzig Worte, lauter confuses Zeug; kann gar keinen Sinn darin finden.“ „Ja, mein Bester, alles will gelernt sein,“ meinte Berger lachend, „das ist eine chiffrirte Depesche.“ Berger, welcher eine große Gewandtheit im Telegraphiren besaß und früher im Dechiffrir=Bureau des Ministeriums in X. längere Zeit den Telegraphendienst verrichtet hatte, war es ein Leichtes, das Telegramm aufzunehmen. Da er mehrere sogenannte Chiffre=Systeme kannte, deren hervorragende Staatsmänner, Banken und größere Handelshäuser zur Geheimhaltung ihrer Correspondenz sich bedienen, so ließ er seine Blicke einige Minuten lang über das„confuse Zeug“ hingleiten und übergab das Telegramm sodann an Wolf zur Bestellung. Der Inhalt der Depesche mußte von besonderer Wichtigkeit sein; denn Berger, der flüchtig einige Worte entziffert hatte, ließ später, ehe er nach Hause ging, den Papierstreifen des Apparates noch ein Mal durch seine Hände gleiten und notirte sich alle Zeichen und Worte aus ein Batt Papier. Nachdem er in seiner Wohnung gespeist, zog er das Blatt Papier hervor, um die Arbeit des Dechiffrirens fortzusetzen. Aber das letztere war schwieriger, als er anfangs geglaubt hatte; der Absender des Telegramms hatte offenbar zwei„Systeme“ angewandt, deren jedes durch ein Komma von dem andern getrennt war. Doch die Schwierigkeit des Entzifferns reizte seine Neugierde, und nach einer Stunde konnte er, wenn er die nicht zu entziffernden Worte durch sinngemäße andere ersetzte, die einzelnen Sätze in Zusammenhang mit einander bringen. Der auf diese Weise hergestellte Text des Telegramms entlockte dem Beamten einen Ausruf der Ueberraschung. Die entzifferten Worte lauteten:„— verhaftet bald— Sore— schwerer— beobachtet— unzufrieden. Schw. Falke sei— T. Pech—— sollst schnell handeln——— blaue Jette—.— 5000 gemacht—— vorsichtig— gefaßt, Molkenmarkt.“„Hm, hm, das ist ja ein höchst verdächtiges Telegramm,“ murmelte Berger;„könnte ich die Lücken mit den Worten des Urtextes ausfüllen, dann würde die Depesche ohne Zweifel als eine von einem Dieb oder Einbrecher herrührende geheime Mittheilung an einen Genossen sich entpuppen. Aber dem widerspricht das Aeußere des Fremden, an den die Depesche gerichtet ist. Auf alle Fälle werde ich noch eine Stunde an die Entzifferung dransetzen,“ schloß Berger und griff nach einem kleinen Buche in seinem Schreibtische, welches eine Anzahl Chiffre=Systeme enthielt. „Herein!... Sieh' da, Wolf! Nun, was bringen Sie denn noch so spät, die Uhr ist ja gleich elf?“ rief er dem Eintretenden entgegen. „'nen Brief von Fräulein Arndt. Habe ihn schon vor einer Stunde erhalten, konnte aber nicht fort, da die Post um zehn Uhr kam. Der Herr Postmeister befindet sich nicht wohl," sagte Wolf. „Gute Nacht, Herr Berger, muß noch nach dem Schwarzen Bären einen Eilbrief bestellen.“ Nachdem Wolf sich entfernt, erbrach Berger schnell den Brief. „Mein lieber Heinz! Papa, der euch in diesen arbeitsreichen Tagen den Frühund Spätdienst abgenommen hat, klagte heute Abend beim Thee über heftige Kopfschmerzen. Obgleich er sich auf meine Vorstellung, jenen Dienst Andern zu überlassen, nicht einlassen will, weiß ich doch, daß er es gern sähe, wenn Jemand den Frühdienst um 4 Uhr für ihn thun würde. Ich schreibe dir dieses natürlich ohne sein Wissen und bitte dich herzlichst, zur bezeichneten Stunde auf dem Postamte zu sein. Deine Aufmerksamkeit wird auf ihn gewiß einen guten Eindruck machen. In Liebe dein Käthchen.“ Hocherfreut über diese Zeilen— die ersten, welche er von seiner Braut erhielt— küßte Berger das Schreiben und verschloß es sorgfältig in seinem Arbeitstisch. Dann legte er das mysteriöse Telegramm, das für ihn augenblicklich wenig Interesse hatte, in ein Fach, stellte seinen Wecker auf 3 Uhr und legte sich eilig zu Bett. 6. Das Wirthshaus Zum schwarzen Bären, von dem Wolf gesprochen, lag an einem Kreuzungspunkte zweier Landstraßen, unmittelbar vor dem Thore. Es war ein Gasthof zweiten Ranges, in dem Makler, spesenarme Geschäftsreisende und sogenannte „Künstler“ zu verkehren pflegten. Von einem Tische der großen Wirthsstube hörte man noch spät an diesem Abend lustiges Lachen, während aus dem hintern Theil des großen Gebäudes Musik erschallte. Der Urheber des erstern war„Postwolf“, dessen witzige Schnäke und Aufschneidereien allgemeine Heiterkeit erregten. Obschon er immer versicherte, daß er es eilig habe und sort müsse, ließ er doch kein Glas, das der vergnügt schmunzelnde dicke„Bärenwirth“ ihm vorsetzte, ungeleert. „Das will ich Ihnen sagen, Herr... Herr— ja, Ihren Namen mag der Henker behalten!“ sagte„Postwolf“ in diesem Augenblicke zu einem ihm gegenübersitzenden, schon vor einigen Tagen zugereisten Fremden. „Spireus!“ ergänzte der Angeredete, ein großer, breitschulteriger Mann mit düster blickenden Augen und einer hakenförmigen Nase, aber in feiner, großstädtischer Kleidung. „Also, Herr Spiritus,“ redete Wolf weiter,„lassen Sie's sich gesagt sein, Ihr Telegramm vorhin hat=unse höllische Arbeit gemacht, kein Mensch konnte ein Wort davon lesen.“ „Das glaube ich Ihnen, Alterchen,“ entgegnete lachend der Fremde.„Das soll auch Niemand lesen können.“ „Ja, können Sie's denn lesen?“ „Na freilich, ich bekomme häufiger solche Telegramme von meinem Geschäftshause in Berlin. Wenn ich vorhin recht gehört habe, gehen Sie von hier zum Postamte, Alterchen?“ „Jawohl! Habe Nachtwache. Nein, Bärenwirth, ich trinke jetzt nichts mehr,“ bemerkte„Postwolf“ dem Wirth, der eben wieder ein frisches Glas vor ihm niedersetzte.„Muß wach bleiben, habe große Verantwortung. Außerdem thut unser Herr Postmeister morgen früh um vier Uhr den Dienst, da muß ich klaren Kopf behalten— der ist sehr eigen.“ „Weshalb müssen Sie denn Nachtwachdienst thun? Werden denn so große Summen auf Ihrem kleinen Postamte aufbewahrt?“ fragte der Fremde gähnend. „Na, ob; vorhin lief noch'n Brief an die Sparkasse mit 18,000 Mark ein,“ antwortete„Postwolf“ wichtig. „Ja, dann kann ich mir die Vorsicht erklären,“ meinte der Fremde.„Aber so trinken Sie doch, Alterchen! Warten Sie, ich habe da ein probates Mittel gegen den Schlaf und einen gewissen Jammer. Zehn Tropfen davon machen Sie im stärksten Rausch so munter, daß Sie sich wie neugeboren fühlen. Habe mich schon häufig damit curirt, wenn ich'mal die Nacht durchgezecht hatte.“ Nach diesen Worten zog der Fremde ein kleines Gläschen aus der Tasche und träufelte erst in sein und dann in„Postwolf's“ Getränk eine Anzahl Tropfen.„So, jetzt können Sie noch ein halbes Dutzend Gläser leeren, es schadet Ihnen nichts.“ „Postwolf" leerte jetzt schnell sein Glas und dankte dem Fremden für die Liebenswürdigkeit.„O weh! da schlägt's schon halb Zwölf,“ rief er plötzlich.„Da muß ich fort.“ Schnell ergriff er seine Mütze und entfernte sich. Auch der Fremde, der sein Glas mit den wunderwirkenden Tropfen übrigens nicht berührt hatte, erhob sich gleich darauf und ertheilte dem Wirth noch einige Befehle, deren einer das Bereithalten eines Schlittens um 3 Uhr früh zu einer Fahrt nach der etwa zwölf Kilometer entfernten nächsten Eisenbahn=Station betraf. Der Wirth versicherte, daß alles pünktlich ausgeführt werde, und drückte sein Bedauern darüber aus, daß sein Gast sich nicht vorher durch einige Stunden Schlaf stärken könne.„Sie haben es schlecht getroffen, Herr Spireus; eine Hochzeit mit Musik und Tanz im Gasthofe ist für die darin übernachtenden Fremden eine wahre Qual— aber was soll man als Wirth machen!"(Forts. folgt.) Zur Kurzweil. Die Grippe..:„Wissen Sie schon, in Köln tritt jetzt auch die Grippe auf?“—.:„Kein Wunder; die war schon zur Zeit der Römer hier.“—.:„Wie so denn?"—.:„Na, Köln hat daher ja sogar den Namen Colonia=Agrippina erhalten hat?“ Leuchtkraft des Gases am 22. December 1889. Gasfabrik 20.g. Lan.—. Stadt— * Ryeinhöge 22. Dec., Abends 7 Uhr 1,90 m— 6 cm. Seite 7. Vergnügte Feiertage! wünsche ich allen lieben Mitbürgern und empfehle zu den Festtagen: Ia. Weizenvorschuß „ Kaisermehl „ B l ü t h e n m e h l.. „ franz. Griesmehl " Stampfmelis „=Zucker. 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Da die Erörterungen über die Wahl Schultz' in der Presse wie im Publicum nicht zur Ruhe kommen wollen, so gestatten Sie mir, auf einige Momente zurückzukommen, welche bisher nicht, oder meines Erachtens zu wenig berücksichtigt worden sind.„ 1. Was zunächst Hru. Schultz selbst betrifft, so ist er mit seine Wissen und Willen als Candidat aufgestellt worden. Er hat die Wahl, wenn auch nur außeramtlich, vorher angenommen, und wenn er nun sah, wie die Stimmen aller Parteien auf seine Person sich vereinigten, so mußte ihn dies in seinem Entschluß bestärken. Wenn er trotzdem nachträglich gebeten hat, ihn frei zu geben, im letzten Grunde wohl, weil er nicht zugleich mit seinem Associé van der Zypen für abkömmlich erachtet wurde, so war dies ein Rückzug, der auf Verücksichtigung keigen An spruch hatte. Eine Wahl von Stadtverordneten mit ihren Vorberei tungen, Umständen und Kosten ist etwas mehr, als eine Partie Scat, und es erscheint wenig angemessen, auf nachträgliche Entschuldigungen 2 Ganz unverständlich ist das Verfahren der städtischen VerDie städtische Verwaltung hat zuerst diejenige Wählerliste amtlich herausgegeben, in der auch Hr. Schultz fiaurirt; sie hat sodang, trotzyg, doch nunmehr die Naturalisation des Hrn. Schultz offen betrieben wuro,, die Wahl ruhig geleitet, ohne einen Wähler auf ihre Bedenken aufmerk sam zu machen und sie hat schließlich in ihrem eigenen Fleische ge wühlt, indem sie ihre Wählerliste und ihr Wahlverfahren anfoch gegen einen Stadtverordneten sich zur Wehr setzte, der sich rühmen durfte, die Sympathieen aller Parteien zu besitzen. Weshalb? Man sagte, er sei gänzlich unwählbar; einer der Bei geordneten sprach von einer absoluten Nullität und stellte Hrn., Schultz mit dem König von Samoa auf eine Linie. Wer das behauptet, kenn die Städte=Ordnung nicht; denn jeder Ehrenbürger ist wählbar, und die Stadtverordneten mit dem Bürgermeister ertheilen selbständig das Ehrenbürgerrecht, und auch ein Nicht=Preuße, ja ein Nicht=Deutscher kann zum Ehrenbürger erhoben werden. Wir bewegen uns also hier auf einem Gebiete, wo wir wirkliche Selbstverwaltung haben, und wo wir sonverain handeln in erster und letzter Instanz. Weshalb also von Amts wegen eine Wahl anfechten, die keine andere Behörde anging, die man selbst geleitet, die sich glatt vollzogen hatte, und die von keiner 8 Di Majorität der Stadtverordneten erkaunte die Alblehnung der Wahl als berechtigt an, erklärte einen nachträglichen Einspruch für hierdurch erledigt und verordnete eine Neuwahl. Zur Begrün dung des Beschlusses wurde namentlich auf den gesunden MenschenZunacht st nichts unsogscher, als de Ablehrure,eaue, Sachl und die Cassirung einer Wahl auf dieselbe Linie zu stellen und gar zu behaupten, in erster Linie sei die Frage der Ablehnung zu entscheiden. Es muß doch Jedem einleuchten, daß zuerst zu prüfen ist, ob Jemand gewähl ist, d. h. gültig gewählt ist; eine cassirte Wahl ist keine Wahl, und wer als Gewählter ablehnen will, muß zunächst abwarten, ob er als gewählt anerkannt wird. Gerade weil die Ablehnung einer gültigen Wahl andere Folgen haben kann als die Cassirung einer ungültigen Wahl, ist festzuhalten, in welcher Rangordnung beide Fragen zu erledigen sind, und da steht die Frage der Gültigkeit obenan. Der„gesunde Menschenverstand“ gehört zu. denjenigen Noth helfern, die in's Treffen geführt werden, wenn die übrigen Hülfsmittel nicht ausreichen. Er thut treffliche Dienste Demjenigen, der ihn wirrlich besitzt und in den richtigen Grenzen anzurufen weiß; über diese Grenzen hinaus erfreut er sich aber keines guten Leumunds. Die Allein herrschaft des„gesunden Menschenverstandes“ scheint sich nicht bewährt zu haben, denn alle cultivirten Völker haben es längst vorgezogen, auf dem Gebiete des Rechtes und der Verwaltung Gesetze einzuführen, und wo eine Materie gesetzlich geregelt ist, da entscheidet in erster Linie die positive Vorschrift des Gesetzes. Wer also keine Lust hat, die Städte Ordnung zu studiren, thut weise, die Discussion in Fragen derselben Die Frage, ob Stichwant oder Neuwahl, mus ihre Entscheidung in der Städte=Ordnung finden; denn das Zustämdigkeitsgeset regelt nur die Competenz der einzelnen Behörden; speciell ist es der §. 25, der sich mit dieser Materie befaßt. Der§. 25 führt zwei Fälle auf, wo es einer zweiten Wahl bedarf, nämlich 1. wenn die absolute Majorität fehlt, 2. wenn Jemand, zugleich in mehrern Bezirken gewählt, die eine Wahl ablehnt, und da§. 25 als eine zweite Wahl nur die Stichwahl aufführt, so darf man wohl sagen, daß er für beide Fälle nur das Mittel der Stichwahl kennt. Dies vorausgeschickt, ist schließlich zu fragen: auf welchen Stand punkt wird der Bezirks=Ausschuß sich stellen? 1. Der Antrag Herbertz, die ganze Wahl zu cassiren, entbehrt meines Erachtens jeder gesetzlichen Begründung; denn alle Unregelmäßigkeiten beschränken sich auf den einen Gewählten, und das eigentliche Wahlverfahren entbehrt jeder Unregelmäßigkeit. Wenn in der Liste der 17,000 Wähler einer sich befunden hat, der nicht in dieselbe gehörte, so ist das ganz gleichgültig. Nicht jeder Wähler ist auch wählbar, z. B. der so thätige Wähler Hamm ist nicht wählbar, und eine amtliche Liste der Wählbaren existirt in sofern nicht. Wer die Liste kritisiren will, hat dies nach§. 19 im Monat Jun zu thun; unterläßt er dies, so unterwirft er sich auch den Folgen. 2. Der Einspruch Roeckerath ist jedenfalls anzunehmen. 3. Der Beschluß der Stadtverordneten fällt hierdurch in seinen Vordersätzen in sich zusammen. 4. Es ist Stichwahl anzuordnen; denn lex non distinguit. Sollte das Argument aus§. 25 nicht als entscheidend anerkannt werden, so gelangt man weitergehend, zu folgendem Resultat. Wer wählt, hat sich seinen Candidaten wohl anzusehen, und leidet derselbe an einem redhibitorischen Mangel, so nimmt er die Gefahr auf sich. Bei der vorliegenden Wahl sind die Wähler zu unterscheiden in diejenigen, die Herrn Schultz gewählt haben, und diejenigen, die statt seiner einen Anderen wählten. Zu den Erstern wird namentlich Herr Dr. Roeckerath gehören, uno zwar wird er zur Zeit der Wahl gewußt haben, daß Herr Schultz nicht Preuße war. Ließ sein eigener Candidat ihn nunmehr im Stich, indem er seine eigene Wahl unterwühlt, so hat der Wähler die Folgen zu tragen. Richtiger und vorsichtiger haben offenbar diejenigen operirt, die Herrn Schultz nicht gewählt haben, und sie haben ein Recht auf die Erfolge ihrer Vorsicht. Auch dieser Grund führt also zur Stichwahl. Vereins-Nachrichten. 1 Köln=Niehl, 21. Dec. Wie in den frühern Jahren, so wird auch in diesem Jahre der Katholische Arbeiter=Verein hierselbst im van Pée'schen Saale am zweiten Weihnachtstage eine Festlichkeit veranstalten, welche den Besuchern einige recht fröhliche Stunden bereiten wird. Namentlich werden der im Saale aufgestellte prachtvolle Weihnachtsbaum sowie die in Aussicht gestellte Gratis=Verloosung von vielen hübschen und nützlichen Sachen eine nicht geringe Anziehungskraft ausüben. Die Haupt=Niederlage der Cigarren- und Tabak-Fabriken von I. 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