Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Das Wochenabonnement beträgt 50 Pfeunig. Schriftleitung: A. Brücker.— Druck und Verlag: Daubenbüchel& Haake, Druckerei und Verlag in Bensberg. Geschäftsstelle: Hauptstr. 18/15. Geschäftsstunden—1,—6 Uhr Volksblatt für das Bergische Land mit den wöchentlichen Beilagen: Die Welt, Sterne und Blumen, Landmanns Sonntagsblatt, Der Familienfreund. Die Grundzahl ist für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., Reklamen 40 Pfg. Außerhalb des Verbreitungsbezirke die einspaltige Petitzeile 20 Pfg., Reklamen 60. Pfg. Beilagegebühr nach Uebereinkunft. Tel. Nr. 4. Postscheckk.: Daubenbüchel& Haabe Köln Nr. 844 82. Freitag den 6. Februar 1925. 58. Jahrgang. Erstes Blatt Nr. 30 Das Gentrum gehl in Preugen in Zuhrung. Der interfraktionelle Ausschuß aus Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten trat am Donnerstag nach Schluß der Plenarsitzung zu einer Sitzung zusammen, um die politische Lage zu besprechen. Der Name des Ministerpräsidenten, der in Frage kommen dürfte, wurde noch nicht genannt. Es ist als sicher anzunehmen, daß das Zentrum den Ministerpräsidenten stellen wird. (Als Ministerpräsident dürfte Dr. Horion, Landeshauptmann der Rheinprovinz, in Frage kommen. D..) Absage der Deutschen Volkspartei an Braun. Berlin,.Febr. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei trat heute um 12 Uhr zu einer Sitzung zusammen, um zu den beiden Fragen Stellung zu nehmen, die Herr Braun bezüglich einer Beteiligung oder einer neutralen Haltung der Fraktion gegenüber einem Kabinett Braun oder einem auf ähnlicher Grundlage errichteten Kabinett gestellt hatte. Dr. v. Campe hatte als Fraktionsvorsitzender die beiden Fragen bereits verneint. Die Fraktion trat seiner Stellungnahme bei, indem sie einmütig und ohne Debatte die beiden Fragen ablehnte. Herrn Brauu wurde sofort von dem Abstimmungsergebnis Mitteilung gemacht. Die beiden Fragen, die Herr Braun an die Deutsche Volkspartei gerichtet hatte, bezogen sich einmal darauf, ob die Deutsche Volkspartei bereit sei, in ein Kabinett Braun einzutreten, also die große Koalition wiederherzustellen, und zum andern, ob die Deutsche Volkspartei, wenn sie den Eintritt in die Regierung ablehne, sich wenigstens dazu verstehen könne, ein Kabinett Braun auf Grund der Weimarer Koalitiou zu tolerieren. Die Ablehnung, die von seiten der Deutschen Voltspartei gegeben worden ist, hat die Möglichkeiten zur Wiederherstellung eines Kabinetts Braun zerschlagen. Braun hat nunmehr seinen Auftrag in die Hände des Landtages zurückgelegt. Wie die Lage sich weiter entwickelt hat, darüber lassen sich gegenwärtig bestimmte Angaben noch nicht machen. Zunächst werden die Fraktionssitzungen abgewartet werden müssen; allgemein ist man jedoch der Auffassung, daß nunmehr an das Zentrum die Aufgabe herantreten wird, den Versuch einer Kabinettsbildung zu unternehmen. faßte Denkschrift über die Aufwertung, die bisher als vertraulich bezeichnet war, freizugeben. Die Denkschrift gibt einen außerordentlichen interessanten Ueberblick über die ganze Aufwertungsfrage und behandelt im ersten Abschnitt die Umsiellung des Goldwesens seit dem Beginn des Weltkrieges, im zweiten den Währungszerfall. Im dritten Abschnitt wird die Behandlung der Aufwertungsfrage durch die Dritte Steuernotverordnung dargelegt. Der vierte Abschnitt enthält Aenderungsvorschläge zur Dritten Steuernotverordnung. In einem Anhang wird das Aufwertungsproblem in seiner geschichtlichen Entwicklung behandelt. In einem weiteren Absatz wird die Behandlung der Aufwertungsfrage im Saargebiet, in Danzig, in Frankreich, Rußland, Polen, Oesterreich und England geschildert. die neu geschaffenen Organismen in Deutschland verbraucht. So erhält der Generalagent für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, zum Kurse von 4,4 Franken für die Goldmark 950000 Papierfranken im Jahre, der Bank=Kommissar Brujns 418000 Franken, der Kommissar für die zu Reparationszahlungen, bestimmten Ausgaben, Mac Fadyean, 352 000 Franken und der Komissar für die Eisenbahnen, Levevre, ungefähr 440000 Franken. Weitere Schutzölle in England. Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete. Berlin, 5. Febr. Dem Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete ist heute eine Zusammenstellung der Beschlüsse des früheren siebzehnten Ausschusses nebst Stellungnahme der Reichsregierung zu diesen Beschlüssen zugegangen. Der Ausschuß tritt in eine ausführliche Aussprache darüber Es wurde beschlossen, eine Besprechung London, 5. Febr. Gestern ist eine Kabinettsverordnung mit sofortiger Wirkung ergangen, durch die die Gesetze zum Schutze der Schlüssel-Industrie ausgebaut werden. Von heute ab kann jede Industrie, welche einen Einfuhrzoll erhoben zu sehen wünscht, einen dementsprechenden Antrag an das Handelsministerium stellen. Wenn der Fall eine Untersuchung zu rechtfertigen scheint, wird der Antrag einem besonderen Komitee überwiesen. Hier soll geprüft werden, ob die antragstellende Industrie von wichtiger Bedeutung ist, ob die Einfuhr, die beschränkt werden soll, abnorm hohe Mengen umfaßt, ob die Preise der ausländischen Produkten in England unter den Produktionskosten aller englischen Arein. Es wurde beschlossen, eine Besprechung titef liegen ak di, Sankurrenz amnstlich den Bedes Ausschusses mit den Vertretern der Gemein=Itel, siegen, ob die Konkurenz emstlich den im besetzten Gebiet herbeizuführen, die im schaftigungsgrund beeinflußt und ob die Einfuhr Laufe der nächsten Woche statfinden sol. bihungen von den englischen derartig verschieden houtsch svonischog Handolcohkammen sind, daß der Wettbewerb unfair werde. Als Deutsch=späniiches Hanbeibabtommen. unfair wird eine Konkurrenz bezeichnet, wenn Berlin, 5. Febr. Die Bestimmungen des durch Geldentwertung in den anderen LänAus dem Landtag. Berlin, 5. Febr. Der Hauptansschuß des preußischen Landtages beriet am Mittwoch über Anträge des Zentrums, die Kreditaktion der Landwirtschaft fortzusetzen und vom Reich eine Beteiligung an dieser Aktion zu fordern. Es handelt sich um Maßnahmen wegen der Ernteschäden in einzelnen Provinzen und die Gewährung von Notstandskrediten. Die Anträge wurden angenommen, dazu ein demokrotischer Zusatzantrag, von dem Reich zu verlangen, daß die bereiten Mittel der Reichsbahn und der Reichspost in entsprechendem Maße bei der preußischen Staatsbank angelegt werden, damit diese der Wirtschaft und auch der Landwirtschaft größere zur Verfügung stellen kann. Uranträge der Zentrumspartei im Landtag. Berlin, 5. Febr. Die Zentrumsfraktion des preußischen Landtages hat mehrere Uranträge eingebracht, nach denen der Landtag beschließen wolle, die Deutsche Reichsbahngesellschaft zu ersuchen, den Abbau von Beamten, Angestellten und Arbeitern im preußisch=besetzten Gebiet, die ihre Pflicht dem Vaterlande gegenüber treu erfüllt haben, sofort einzustellen und die seit dem 1. Oktober 1924 abgebauten oder entlassenen wieder in Dienst zu stellen. Ferner soll die Anweisung zur Schließung oder Einschränkung der Eisenbahn=Werkstätten sofort zurückgenommen werden. Ein weiterer Urantrag des Zentrums ersucht das Staatsministerium, dem Landtage nach Anhörung der Beamtenspitzenorganisationen einen Gesetzentwurf zur Besoldungsordnung vorzulegen, der die Mängel in der Einstufung beseitigt. deutsch=spanischen Handelsabkommens wurden in der heutigen ersten Sitzung des neu gegründeten Ausschusses für Handelsverträge in allgemeiner Aussprache erörtert. Neben den Vorteilen, die der Modus vivendi seit dem 1. August der deutdern eine Einfuhrprämie ersteht, wenn Unterstützung oder andere künstliche Begünstigungen gewährt werden oder wenn Arbeitsbedingungen vorliegen, die den englischen nachstehen. Ferner hat das Komitee zu untersuchen, ob die antragan Kannibalismus grenzenden wilden Orgien feiern kann, denn den Proleten fehlt doch das Geld dazu. Da ist alles erlaubt, selbst die harmlosen Pfaffen, die so viel von Moral und Sitten predigen, können bei dieser Gelegenheit ihre geilen Begierden befriedigen, denn Karneval ist ein christlicher Brauch. Es erübrigt sich ein Wort der Entgegnung zuschreiben. Welche Verantwortung aber laden die Katholiken auf sich, die ein solches Presseerzeugnis in ihrem Hause dulden, welch geradezu furchtbare Verantwortung aber die, die einen solchen Schund,— wir finden kein anderes Wort dafür— verbreiten.„Es müssen zwar Aergernisse kommen, aber wehe dem Menschen durch welchen Aergernis kommt.“ Man sollte wirklich meinen jeder Mensch hätte genug mit sich selbst zu tun, ohne sich noch durch die Verbreitung solcher Presseerzeugnisse mit„fremden Sünden“ zu beladen In derselben Nummer setzt sich die„Republik“ auch mit dem bekannten Erlaß der deutschen Bischöfe auseinander. Aehnlich wie die sozialdemokratische„Rheinische“ pöbelt sie in eineinhalb Spalten diesen Erlaß in der gemeinsten und verlogensten Weise an, um folgendermaßen zu schließen: Und so geht das fort. Tuet Buße in Sack und Asche! ruft diese Gesellschaft, um die Angst, Dummheit und Feigheit ihrer Schäflein dazu auszunutzen, sie nur enger an sich zu fesseln und ihre Macht auszubreiten. Wohin der Weg führt, ersieht man aus dem zweiten Teil des Erlasses: In Stickluft, Schmutz und körperliche und geistige Oede! Das Proletariat verfolgt ganz andere Ziele: Freiheit dem Geiste! Freiheit dem Leib! Wir können nur nochmals die Menschen bedauern, denen eine solche„geistige“ Kost gereicht wird. der Modus vivendi seit dem 1. August der deut= hat das schen Industrie und dem deutschen Handel gebracht stellende Industrie mit ausreichender Leistungshat, wurden insbesondere die Mängel betont, die fähigkeit und Sparsamkeit geleitet wird und ob dam Ihkammen für den derttschen Weinhau uund die Einführung ainas Kalles bedenkliche Nachtaile dem Abrommen für den beutschen Weinbau und insbesondere auch wegen der fehlenden Meistbegünstigung anhaften. Der Ausschuß wird die dustrie mit sich bringen kann. Wenn das Komitee die Einführung eines Zoles bedenliche Nachteie Zentrumspartei Mutheim. für den Beschäftigungsgrad einer anderen In- Venrrumspi Generalaussprache morgen vormittag fortsetzen. den Antrag auf Gewährung von Tarifschecks auf die Produktion einer ausländischen Konkurrenz Nuhrentschädigung u. Lawes=Abkommen, tarf=Raten vorzuschlagen. Wenn das englische Berlin, 5. Febr. Zu den Behauptungen Handelsministerium und das Haffamt sich der der französischen Presse, daß die Entschädigungs= Empfehlung des Komitees anschließen, dann zahlung an die Industzie einen Verstoß gegen wird der betreffende Zollsatz vor das Parlament zahlung an die Industrie einen Verstoß gegen wird der betreffende Zollsatz vor das Parlament die Bestimmungen des Dawes=Abkommens bilde, gebracht werden, das die Erhöhung gutheißen wird dem„Lokalanzeiger“ von gut unterrichteter kann. Der vorgesehene Zoll wird dann entStelle mitgeteilt: Von einem Verstoß gegen die weder in das Finanzgesetz des laufenden Jahres Bestimmungen des Dawes=Planes kann schon oder in ein Nachtragsgesetz eingefügt werden. aus dem Grunde keine Rede sein, weil das Ab= Das bedeutet, daß die vorgeschlagenen Zollbekommen die von Deutschland zu leistenden träge mit der gewöhnlichen Steuer des Jahres Zahlungen vollkommen festlegt. Die einzigen zusammengeworfen werden, um die Erörterungen beweglichen Faktoren des Zahlungsplanes liegen darauf auf ein Minimum zu beschränken. Dieser in den sogenannten Indexbestimmungen, nach Beschluß ist äußerst wichtig, da damit praktisch denen an gewissen Zeitpunkten die Höhe der die Mitwirkung des Parlaments bei der von Deutschland zu leistenden Zahlungen mit setzung der Zölle ausgeschlossen wird. Im Finanz= einer etwaigen Erhöhung der Einnahmen des gesetz wird lediglich der Betrag des Zolles anReiches in Einklang gebracht werden sollen. Im gegeben werden.— Die ganze liberale Presse übrigen sind für die Ausführung des Dawes= ist auf das Höchste überrascht und will in dieser Abkommens durchaus nicht sämtliche Einkünfte Ankündigung eine Bestätigung des schon bei den des Reiches verpfändet, sondern nur ein be= Wahlen und früher ausgesprochenen Verdachtes, stimmter, genau umgrenzter Teil von ihnen, das die konservative Regierung die Einführung Ueber den Rest kann das Reich frei verfügen. von Schutzöllen durch die Hintertür beabsichtigt habe. Die einzelnen Bestimmungen sind nach „Einladung zu einer Sitzung der kommunalpolitischen Ber einigung der Zentrumspartei und des Kreispar teiausschusses der Zentrumspartei Mülheim, am Sonntag den 8. Februar nachm..30 Uhr im Speisesaal des Gasthofs Deutz. Tagesordnung: 1. Kreiskommunalpolitik a. Landratsamt b. Verkehrsmöglichkeiten im Kreise c. Wünsche und Anträge aus der Versammlung. Tagesordnung des Kreisparteiausschusses 1. Rückblick auf die Wahlen im Kreise 2. Presseangelegenheiten 3. Besprechung über Vorgänge bei der Kandidatenaufstellung zum preußischen Landtag. Aus Heimat und Provinz. Bchorftobender Einargifen Sponfpeich der Meinung der liberalen Blätter so dehnbar, Bevorstehendes Eingreisen Frankreichs, daß letzten Endes das Handelsministerium machen Bei Abdruck von Artikeln unter dieser Ueberschrift, die mit Korrespondenzzeichen versehen sind, bitten wir um Quellerangabe. in die Ruhrentschädigungsfrage. Paris, 5. Febr. Am Quai'’Orsay wird offiziell erklärt, daß Frankreich in der Frage der Entschädigung der Ruhrindustriellen bisher noch keine Schritte unternommen habe, sich seine Stellungnahme zu der Angelegenheit aber vorbehalte. kann, was es will. Wie wird der Kirchenvorstand gewählt? Kommunistische Gemeinheiten. Die Deutschrift über die Aufwertung. Berlin, 5. Febr. Der Aufwertungsausschuß des Reichstages hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die im Reichsfinanzministerium verDie Kosten der Dawesorganisation. Paris, 5. Febr. Der Matin veröffentlicht einige Ziffern über die Ausgaben der durch Lenin den Satz aufgestellt; den Dawesplan geschaffenen Organismen. In jeder Nummer der kommunistischen„Republik“, von der auch einige Exemplare in Bensberg von gewissen Leuten verbreitet werden, finden sich Ausfälle gegen Christentum, katholische Kirche, Geistliche, Ordensleute oder ähnliches. Dabei kommt es auf Wahrheit natürlich nicht an, hat doch kein geringerer als der Kommunistenpapst „Die Lüge ist im politischen Kampfe erlaubt.“ Dieser Lehrsatz Bei der Repko habe man die Ausgaben wird denn auch in der kommunistischen Presse herabgesetzt. Gewisse Dienststellen seien völlig Tag für Tag in die Praxis umgesetzt. In der verschoben, andere verkleinert worden. Die Be= Nummer 29 vom 4. Febr. hat sich die Republik züge der Delegierten seien herabgesetzt worden. aber selbst übertroffen. Wir finden dort eine Sie betragen in Zukunft nur noch monatlich Besprechung des Karneval, in der sich folgende 3000 Franken und Anwesenheitsgelder, so daß verlogene Gemeinheit findet: im ganzen von September 1925 ab die Repko nur 3800000 Goldmark verausgabe. Vor dieser Einschränkung haben die Ausgaben 7,5 Millionen Goldmark betragen. Die erzielten Ersparnisse von 3 700 000 Goldmark werden für Um sich den Uebermut zu kühlen, hat die „von Gott gewollte Ordnung" den Karneval verordnet und im heiligen Köln stiehlt man den hungernden Erwerbslosen 25000 Mark für diesen Rummel, damit die Bourgeoisie ihre Am 1. März finden bekanntlich allgemein. die Kirchenvorstandswahlen statt. Die weltliche Behörde unter Genosken Braun hat sich bemüßigt gefühlt im Wahlrecht zum Kirchenvorstand einschneidende Veränderungen vorzunehmen. Zunächst ist das Wahlalter auf 21 Jahre(nicht, wie bei den Wahlen zu den weltlichen Körperschaften auf 20 Jahre) festgesetzt. Dann haben(nach unserer Ansicht ganz überflüssigerweise) die Frauen— natürlich auch die Jungfrauen— das aktive und passive Wahlrecht bekommen. Bekanntlich hatten die preußischen Bischöfe gestützt auf die Massenpetitionen der Frauen gegen das Frauenwahlrecht protestiert. Dieser Protest ist keiner Beachtung seitens der weltlichen Behörde gewürdigt worden. Neu ist auch das Listenwahlsystem, wobei aber gegen die weltlichen Wahlen ein erheblicher Unterschied insofern besteht, als der Wähler an keinen Wahlvorschlag gebunden ist. Er kann also nach Belieben einen Wahlvorschlag abändern oder einen ganz anderen Vorschlag zusammenstellen, kurz er hat volle Abänderungs= und K 1 C. Wahlfreiheit, ohne daß sein Stimmzettel ungültig wird. Ferner ist kein Wahlumschlag vorgeschrieben, sondern der Stimmzettel wird einfach zu sammengefaltet und in die Urne geworfen. Eine sehr wichtige Aenderung besteht noch in der bedeutenden Erweiterung des Kirchenvorstandes, der also gewissermaßen inflationiert wird.(Beispielsweise wird in Bensberg die Zahl der„Kirch meister“ auf 30 erhöht.) Dafür fällt aber die kirchliche Gemeindevertretung in Zukunft fort. Wie man sieht, recht erhebliche Aenderungen Mögen sie zum Guten für die kirchliche Ver mögensverwaltung ausschlagen und nicht das Sprichwort wahr machen:„Viele Köche verderben den Brei!“ A. B. „ Beusberg, 5. Febr. Wettbewerb Priesterseminar Bensberg. Das Preisgericht, bestehend aus den Herren: 1. Geh. Regierungs= und Oberbaurat Dombaumeister Hertel in Köln, 2. Konviktspräses Msgr. Höller in Neuß, 3. Regierungs= und Diözesanbaumeisier Mattern in Paderborn, 4. Professor Msgr. Prill in Donrath, 5. Stadtbaurat Stoos in Köln, trat am 2. d. M. zusammen und erkannte folgende Preise zu: Einen 2. Preis in Höhe von 3000 M. dem Entwurf Nr. 33 mit dem Motto Heiliges Jahr, Verfasser die Architekten B. Rotterdam in Richrath und Dipl.= Ingenieur C. Matare in Düsseldorf; einen 3. Preis in Höhe von 2250 M. dem Entwurf Nr. 8 mit dem Motto Lauda ducem et pastorem, Verfasser die Architekten Wilh. Pauen und Dipl.= Ingenieur Josef Pauen in Düsseldorf; einen 3. Preis in Höhe von 2250 M. dem Entwurf Nr. 26 mit dem Motto: Augustinus, Verfasser Architekt I. Riepenhausen in Köln; zum Ankauf wurden empfohlen fünf Entwürfe: Architekt B. Ruland in Neuß; Architekt Willkens in Köln; Hans Zingeler in Köln; Prof. Dr. h. c. Kreis in Düsseldorf; Erzdiözesanbaurat Heinrich Renard in Köln und Architekt Josef van Geisten in Köln. Die Ausstellung der Entwürse findet vom 6. Februar bis 12. Februar im Kunstgewerbemuseum am Hansaring in Köln statt. Nähere Auskunft erteilt Dombaumeister Renard, Köln Telefon Anno 8086 II Bensberg, 6. Febr. Die katholischen Vereine der Pfarrgemeinde Bensberg haben für die am 1. März stattfindende Kirchenvorstandswahl eine Liste aufgestellt. Es werden 30 Kirchenvorstandsmitglieder gewählt, davon 10 aus dem Moitzfelder Bezirk. !! Beusberg, 6. Febr. Noch einmal weisen wir die Katholiken auf die Versammlung des Bonifatiusvereins am Sonntag, 8. Febr., nachm. ½6 Uhr im Kölner Hofe hin. Zu dieser Veranstaltung sind alle Pfarreingesessenen herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Es wird ein äußerst interessanter Vortrag mit Lichtbildern gehalten. Der hiesige Kirchenchor hat seine Mitwirkung zugesagt und wird zu der Veranstaltung passende Lieder vortragen. (“) Bensberg, 6. Febr. Die Knappschaftsmitglieder, die durch die Einstellung der Grube Berzelius oder aus einem anderen Grunde. aus der Knappschaft ausgeschieden und nicht in einen anderen knappschaftlichen Betrieb übergetreten sind, werden in ihrem eigenen Intereffe daran erinnert, die erworbenen PensionskassenAnsprüche durch Zahlung einer Anerkennungsgebühr— monatlich 50 Pfg.— sich zu erhalten. Die Ansprüche an die Pensionskasse gehen erst verloren, wenn die Zahlung der Anerkennungsgebühr für 12 aufeinander folgende Monate unterlassen wird. Die Knappschaftsmitglieder erhalten sich dadurch nicht nur den Anspruch auf Erkampft. Roman von Otto Elster. 8) (Nachdruck verboten.) Pension für ihre eigene Person, sondern für den Fall des Todes, auch den Anspruch auf die knappschaftliche Witwen= und Waisen=Pension. Letztere wird bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gezahlt. Nicht nur die verheirateten, sondern auch die ledigen Knappschaftsmitglieder, die ein Dienstalter von mindestens 3 Jahren haben, dürften ihre Ansprüche an die Pensionskasse nicht fahren lassen, da sie, wenn ihnen in einem anderen Betrieb ein Unfall zustößt, der sie zur Verrichtung der Berufsarbeit als Bergmann untauglich macht, neben Unfall= und ReichsRente auch die Knappschaftsrente beziehen können. Die Zahlung der Anerkennungsgebühr kann unter Vorlage des Knappschaftsbuches bei der Knappschaftskasse in Bensberg erfolgen. I Moitzfeld b. Bensberg, 6. Febr. Die Angehörigen der hiesigen Kapellengemeinde haben das Vergnügen zum Kirchenvorstand 2 mal wählen zu dürfen. Sie beteiligen sich nämlich an der Wahl für die Gesamtpfarrgemeinde Bensberg und wählen außerdem einen Kirchenvorstand für ihre Kapellengemeinde. I Steinenbrück, 6. Febr. Wir weisen auch an dieser Stelle noch einmal auf die Oratorienaufführung„Die hl. Cäcilia“ in Steinenbrück am Sonntag, 8. Febr., nachm. 5 Uhr im Steinenbrücker Hof hin. Es steht ein wirkicher Kunstgenuß bevor, auch ist der Reinertrag für einen guten Zweck, nämlich für die Beschaffung einer Kirchenorgel bestimmt. „ Berg.=Gladbach, 5. Febr. Steuertermine im Februar 1925 in der Stadt Berg.=Gladbach.., 15. und 25. Februar Steuerabzüge vom Arbeitslohn an die Finanzkasse, ohne Schonsrist; 7. Februar Gemeindegetränkesteuer für Januar an die Stadtkasse, 1 Woche Schonfrist; 10. Februar Einkommen= und Körperschaftssteuer an die Finanzkasse, 1 Woche Schonfrist; 10. Februar Umsatzund Luxussteuer an die Finanzkasse, 1 Woche Schonfrist; 10. Februar Gewerbesteuer nach dem Stande von Januar an die Stadtkasse, Woche Schonfrist; 15. Febr. Grundvermözens= und Hauszinssteuer für Februar an die Stadtkasse, 1 Woche Schonfrist; 15. Februar 1. Vierteljahresrate der Vermögenssteuer für 1925 nach dem Bescheide von 1924 an die Finanzkasse, 1 Woche Schonfrist; 45. Februar Hundesteuer 4. Vierteljahr 1924/25 an die Stadtkasse, 1 Woche Schonfrist. Zuständige Finanzkasse ist die Finanzkasse Köln=Ost in Köln, Zeughausstraße 1, Postscheckkonto Nr. 196001. Werden die Steuern bis zum Ablauf der Schonfristen nicht gezahlt, so werden halbmonatliche Verzugszuschläge in Höhe von 1 v. H. vom Fälligkeitstage an berechnet. 1 B. Gladbach, 5. Febr. Die hiesige Polizeiverwaltung stellte im Januar ds. Is. 56 Strafverfügungen aus. 47 Obdachlose erhielten Unterkommen. 4 Personen wurden verhaftet. 37 Anzeigen wurden dem Gericht vorgelegt, hiervon 16 wegen Diebstahls. In 6 Fällen wurden Waren von ganz beträchtlichem Wert beschlagnahmt.— Auf dem hiesigen Standesamte wurden im Monat Januar ds. Is. 5 Ehen geschlossen, 30 Geburten(14 Knaben und 16 Mädchen) und 17 Sterbefälle angemeldet; bei letzteren 4 von—10 Jahren, 1 von 10—20 Jahren, 1 von 20—30 Jahren, 2 von 40—50 Jahren, 5 von 50—60 Jahren, 1 von 60—70 und 3 von 70—80 Jahren. Aus Lindlar und Umgebung. ! Lindlar, 5. Febr. III. Vortragskursus der landw. Schule Lindlar. Am Montag, den 2. Febr. veranstaltete die hiesige Schule den 3. Kursus über das Vortrag wesen. Den Vorsitz hatte diesmal der Schüler Josef Müller, Müllers=Ommer bei Linde, übernommen. Einleitend dankte er für Teilnahme an dem Kursus, was wiederum ein Beweis für die Beliebtheit der Vorträge ist. Nachdem er noch ganz besonders den Leiter der Schule, Herrn Direktor Hoffmann begrüßt hatte, verlas Mitschüler Jäger=Remshagen das Protokoll der letzten Versammlung. Als Schriftführer ernannte Vorsitzender Schüler Drebes. Hierauf erteilte der Vorsitzende dem Mitschüler Steinbach=Lindlar das Wort zu seinem Vortrag über die„Unfallversicherung und Unfallverhütung in der Landwirtschaft". In kurzen Zügen besprach er einleitend die historische Entwickelung des Versicherungswesens und die Zusammenfassung sämtlicher Versicherungsarten in der„Reichsversicherungsordnung“, ferner über die Arten der Unfallversicherungen, um hieran anschließend die landw. Unfallversicherung speziell zu behandeln. Er charakterisierte das Wesen, die Organisation und die Träger der Versicherung. Anschließend verbreitete sich Redner dann über die Statuten der Provinzialunfallversicherung und die bei Anfällen zu gewährende Entschädigung. Besonders machte er auf das Vorhandensein der Schutzvorrichtungen an den einzelnen Maschinen und Geräten aufmerksam, ferner was bei Vieh= und Fuhrwerkshaltung zu beobachten ist. Zur Bewachung der Innehaltung der Vorschriften entsende die Berufsgenossenschaft von Zeit zu Zeit besondere Ueberwachungsbeamte. Ueber die Bedeutung der Kalisalze sprach Schüler BosbachHommerich. Er behandelte zuerst die Entstehung und Lagerung der Salze in der Erde, die Entdeckung des Kalis aus den Abraumsalzen der Kochsalzgewinnung, sowie ihre Bedeutung für die Landwirtschaft. Er erklärte darauf an einigen Beispielen das prozentuale Verhältnis des reinen Kaligehaltes in den verschiedenen Abraumsalzen und deren Wirkung auf das Wachstum der Pflanzen und beendete seinen Vortrag, indem er auf die Fehler aufmerksam machte, die leider heute noch bei der Kalidüngung gemacht werden. An die Vorträge gestaltete sich eine rege Diskussion. Zum Schluß kündigte der Vorsitzende den 4. Vortragskursus an und bestellte zu Rednern die Schüler Kötter und Oedekoven. : Drebes-Köln. ein ganz gediegenes Theater geboten wird, das sich den Vorstellungen in größeren Orten würdig an die Seite stellen kann. Letzten Endes hängt ja alles von der richtigen Regie und der Tüchtigkeit der Spieler ab. Und hieran herrscht in diesem Falle kein Mangel. Da auch das Konzert nichts zu wünschen übrig lassen wird, darf der allbeliebte Kirchenchor am Sonntag wie immer auf ein vallbesetztes Haus rechnen. § Lindlar, 5. Febr. Nach dem neuen Stempelsteuergesetz sind alle schriftlichen oder durch Briefwechsel zustande gekommenen Pachtund Mietverträge innerhalb 14 Tagen beim Finanzamt oder einem Stempelverteiler zur Versteuerung vorzulegen, wenn der jährliche Pachtoder Mietzins 1000 M. übersteigt. Der Steuersatz beträgt bei Verpachtungen von Grundstücken zu land= oder forstwirtschaftlicher Benutzung 1/10 Prozent des Pachtzinses, bei sonstigen Pachtund Mietverträgen jeder Art 3/10 Prozent des Mietzinses. Mündliche Pacht= und Mietverträge sind also steuerfrei. Da die Verpächter und Vermieter durch das alte Gesetz an die jährlich immer im Monat Januar zu erfolgende Versteuerung gewöhnt waren, seien sie nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die Versteuerungsfrist heute nur mehr 2 Wochen beträgt, ebenso, daß steuerpflichtige Pacht= und Mietvertäge, die nach dem 1. November 1924 getätigt wurden, sofort vorgelegt werden müssen, wenn dieses hier und da aus Unkenntnis des neuen Gesetzes bisher versäumt wurde. !: Offermannsheide, 5. Febr. Der hiesige Kirchenchor„Cäcilia“ feiert am Sonntag den 8. Febr. sein Stiftungsfest bestehend aus Theater und Konzert. Es entspricht den Tatsachen, wenn wir sagen, daß oben auf der„Uvermannsheed“ (?) Hohkeppel, 6. Febr. Am Montag, 9. Febr. findet hier eine Gemeinderatssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilungen, 2. Uebernahme der Rückbürgschaft für Saatkredite, 3. Antrag der Sülztaler Volkszeitung auf Uebersendung der Bekanntmachungen zur unentgeldlichen Veröffentlichung, 4. Antrag des Lehrers Wüstenberg auf Vergrößerung seiner Dienstwohnug 5. Festsetzung der Entschädigung für die Schulreinigung. (:) Waldbruch, 6. Febr. Herr Kaplan Schumacher, der früher hier als Volksschullehrer tätig war, wurde zum 1. Kapjan in Jüulich ernannt. „“ Klüppelberg, 6. Febr. Die Mitglieder des Gemeinderates von Klüppelberg trafen am Sonntag im Gasthaus Bosbach in Dohrgaul zusammen, um Stellung zu dem Ergebnis des Kreisdelegierten=Tages der Zentrumspartei in Hartegasse zu nehmen. Sämtliche Mitglieder des Gemeinderats stehen in dieser Beziehung geschlossen auf den Boden des Herrn MüllerScheurenhof und sprechen den Kreisdelegierten der Zentrumspartei das Recht ab maßgeblich auf Klüppelberger Gemeindeangelegenheiten einwirken zu wollen.(Hier scheint uns doch eine Begriffsverwechselung vorzuliegen. Die Zentrumsdelegierten wollen gar nicht auf Klüppelberger Gemeindeangelegenheiten einwirken. Sie haben sich mit ihnen nur insoweit befaßt, als es ihren Kreischef betraf. Das Recht über das Verhalten ihres Kreischefs zu urteilen, dürfte aber doch wohl keiner den Zentrumsdelegierten streitig machen wollen. D..) 64 MaE10 gebre nacht hat. kirche Schal ierten zufolg Auch Hier bleib Güte Freit benu Die vorst geld1! seit budb Die Nach und Wer sude? doch wor: von :!: Wipperfürth, 5. Febr. Am hiesigen Gymnasium begann am Dienstag die schriftliche Abiturientenprüfung. Es unterziehen sich ihr 13 Oberprimaner. Steuerkalender für Februar. An die Finanzkasse sind zu zahlen: Bis 10.(17.) Febr. Vorauszahlung auf die Neichseinkommensteuer, Umsatzsteuer und Körperschaftssteuer für Januar 1925 seitens der zu monatlichen Zahlungen verpflichteten Steuerpflichtigen. Mit den Zahlungen sind zugleich die vorgeschriebenen Voranmeldungen einzureichen. Die Vordrucke hierzu sind beim Finanzamt sowie bei den Bürgermeisterämtern Engelskirchen, Lindlar, Olpe und Cürten erhältlich. Bis., 15. und 25. Febr.(keine Schonfrist) Abführung der Lohnsteuer durch die Arbeitgeber. Bis zum 5. ist auch die Erklärung über die Vollständigkeit der einbehaltenen und gezahlten Beträge für Januar einzureichen. Bis 15.(22.) Febr. Einzahlung der ersten Rate der Vermögenssteuer 1925. Diese beträgt bis zur Veranlagung der Vermögenssteuer 1925 ¼ des Jahresbetrages der Vermögenssteuer 1924. Einzahlung der vierten Rate der Kirchensteuer der katholischen Kirchengemeinde Wipperfürth für das Rechnungsjahr 1924. Bei nicht pünktlicher Zahlung werden Zuschläge erhoben. (Mitgeteilt vom Finanzamt Wipperfürth). stürz Bet Wa Näh der1s in Moi Haf 9201 abe: Büt in per! eine men Aac er zu Ro dur Wä Mo Die erft (e 911 bre sich bei es Br kon G) ler □ 0 87 „Ich muß mir diesen Burschen morgen vom Halse schaffen,“ murmelte Alfred.„Es wird mich zwar ein nettes Sümmchen kosten, aber ich ertrage den Menschen nicht mehr. Dann rüttelte er Meerwart, der mit stieren Augen zu ihm aufblickte. „Geh zu Bett, Meerwart,“ sagte Alfred. „Die Gäste sind fort, und du hast, sollte ich meinen, genug getrunken. Der Rittmeister taumelte empor und reckte sich. „Ja, verdammt— dein Champagner ist famos! Aber wenn du glaubst, daß ich betrunken bin, so irrst du dich. He— du da, rief er einem Diener zu, der im Saal beschäftigt war aufzuräumen,„bringe mir noch eine Flasche Heidsieck!“ „Nichts da, Meerwart! Es ist genug getrunken worden. Geh zu Bett!“ „Alle Wetter, du siehst doch, daß ich nicht betrunken bin! Warest doch früher nicht so zimperlich: „Wenn du wirklich nicht betrunken bist,“ entgegnete Alfred, dem das Blut zu Kopfe stieg, „so würdest du einsehen, daß du eine grobe Taktlosigkeit begangen hast, und würdest um Entschuldigung bitten.“ „Haha! Du meinst das Rencoutre mit deinem zimperlichen Cousinchen! Ich muß dir offen sagen, Freund, daß ich dein Benehmen diesem Fräulein Rührmichnichtan gegenüber nicht verstehe.“ „Und ich verbiete dir ernsthaft, in solchem Tone von meiner Cousine zu sprechen!“ „Oho! Du verbietest mir? Du— du..“ „Meerwart, reize mich nicht!“ „Du— du willst mir drohen? Das ist lustig. Weißt du, mein Junge, daß ich dich in der Tasche habe? Du meinst, ich sei betrunken? Ich war aber nie klarer als jetzt..“ In der Tat zeigte der Rittmeister keine Spur von Trunkenheit mehr. Er konnte sehr viel vertragen; seine herkulische Natur erlag wohl für den Augenblick dem Einfluß des Weins, befreite sich auch ebenso rasch wieder davon. „Gut,“ sagte Alfred leise,„wenn du klar bei Verstande bist, so kann ich dir gleich jetzt sagen, was ich dir erst morgen mitteilen wollte. Ich habe eingesehen, daß es das beste für uns beide ist, wenn wir uns trennen. Ich ersuche dich, mir die Stunde zu bestimmen, wann dich morgen der Wagen zur Bahn bringen soll. Das Reisegeld nach Berlin liegt bereit für dich.“ Mit kalter Verachtung waren diese Worte gesprochen worden. Alfred selbst fühlte, daß er zu weit gegangen war; aber er befand sich in einer so gereitzten Stimmung, daß er nicht genau abwägen konnte, was er sprach. Auf den Rittmeister wirkten die Worte Alfreds wie ein Peitschenschlag. Im ersten Augenblick schien er sich auf den Baron stürzen zu wollen — er streute ihm die geballte Faust entgegen. „Du— du jagst mich fort!“ keuchte er wutbebend. „Ich ersuche dich nur, abzureisen! „Ah, das ist stark! Du, den ich mit einem Wort zerschmettern kann, du weisest mich aus deinem Hause?— Ich werde dir beweisen, wer hier Herr im Hause ist— du Betrüger— du Schurke „Wenn du in diesem Tone fortfährst, werde ich meine Diener rufen.“ „Deine Diener! Haha, das ist grandios! Mein Herr Baron, für diesen Schimpf werden Sie mir Rechenschaft geben!“ Alfred zuckte die Achseln. Er war wieder ganz ruhig geworden. „Du weißt wohl, Meerwart,“ sagte er,„daß ich mich mit dir nicht schlagen kann.“ „Feigling du!“ „Von jedem andern wurde ich für dieses Wort blutige Rechenschaft fordern. Von dir nehme ich es hin, als habe es der Wind geflüstert.“ „Nimm dich in acht, Homberg! Hast du die Geschichte mit dem falschen Paß vergessen?“ „Nein— doch das hat nichts auf sich. Heutzutage reist so mancher mit einem falschen Paß. Aber wozu diese Erörterung? Du kennst jetzt meine Meinung und wirst dich danach richten — oder du hast die Folgen zu tragen. In drei Stunden steht der Wagen für dich bereit— für das Reisegeld werde ich sorgen. Damit wandte er dem Wütenden den Rücken und entfernte sich mit festen, ruhigen Schritten. Als er an der Tür dem alten Kammerdiener begegnete, sagte er zu diesem: „Sorgen Sie dafür, Christian, daß der Wagen in drei Stunden bereit ist. Der Herr Rittmeister wird abreisen. Christian verbeugte sich. Um seine Lippen zuckte ein zufriedenes Lächeln. Dann trat er auf Meerwart zu. „Der Herr Rittmeister wollen uns schon verlassen?“ fragte er mit scheinheiliger Teilnahme. „Ja, du Esel,“ schnauzte ihn dieser an.„Euer Rest ist mir zu langweilig! Und sorge dafür, daß mir ein schwarzer Kaffee in mein Zimmer geschickt wird.“ Damit stampfte er zur Tür hinaus. „Hoffentlich auf Rimmerwiedersehen, mein Herr Rittmeister!“ dachte der alte Christian, während er sich tief verbeugte. I. N de su □ er de n0) rei ih 1 15 fe Ur s0 be fr 5. Kapitel. Mit unruhigen Schritten ging Baron Alfred in seinem Zimmer auf und ab. Er fand keinen Schlaf, keine Ruhe. Die Szene mit Meerwart hatte ihm die Erinnerung an sein früheres Leben in lebhaften Farben erstehen lassen, und qualvolle Gedanken peinigten ihn und zeichneten tiefe Furchen in sein blasses Gesicht. Endlich setzte er sich in einen Sessel, lehnte erschöpft das Haupt gegen die Lehne und schloß die Augen. Aber wenn auch sein Körper erschöpft und ermüdet war, wenn ihm die Augen auch zufielen und eine bleierne Schwere in allen seinen Gliedern ruhte, so daß er sich kaum bewegen konnte,— sein Geist schlief nicht, seine Gedanken ruhten nicht, die Erinnerung führte in die Vergangenheit ihn zurück— und qualvoll stöhnte er zuweilen auf, wie ein Gefangener, der mit schweren, eisernen Ketten gefesselt ist. Er sah sich wieder als junger Offizier, des Lebens Freudenbecher in vollen Zügen schlürfend. Er sah sich wieder in der tollen Gesellschaft von Lebemännern, bei vollen Flaschen, bei sprühenden Champagnerkelchen, umringt von verführerischen Frauen, in deren Augen teuflisch=verführerische Flammen zuckten. Er sah sich wieder am grünen Tisch, von dem ihn die Karten glückverheißend anblickten, auf dem das Gold klirrte und die Banknoten raschelten. Er sah sich wieder auf dem grünen Rasen der Rennplätze— er sah sich selbst wieder im Sattel, dahinstürmend über die weite grüne Fläche, über die Hürden und Mauern, um Ruhm und Ehre— nein, um Gold und Goldeswert zu gewinnen! Aber in welcher Umgebung er sich auch er blickte, überall sah er das zynisch lächelnde Gesicht Meerwarts an seiner Seite, dessen spöttische Worte ihn zu immer wilderer Gier nach Genuß und Gewinn reizten. Und dann das Ende! Als ihm nichts weiter übrig blieb, als zum Revolver zu greifen, seinem verfehlten Leben ein Ende zu machen— um wenigstens nicht mit Schmach und Schande des Königs Rock ausziehen zu müssen, um seinen alten ehrenhaften Namen nicht in den Schmutz ziehen zu lassen— da hatte Meerwart spöttisch gelächelt und gesagt: er sei ja der erste nicht dem das passiere.... Und dann trat ihm das Bild des alten Kavaliers vor Augen, der mit ernstem Gesicht vor ihm gestanden, der ihm geholfen unter dem Versprechen, ein neues, ehrenhaftes Leben beginnen zu wollen. T das rdig ing keit sem chts ebte ein tag, mit gen, 1at auf 17= ers tug sul an ulüus aller Welt. Ei Wermelskirchen, 4. Febr. Am Samstag mittag wird Wermelskirchen von den hier untergebrachten englischen Truppen endgültig geräumt, nachdem es seit 1918 unter Besatzung gestanden hat. Die Eisenbahnkontrollposten in Wermelskirchen, Gräfrath, Ohligs. Engelskirchen und Schaberg werden, einer Verfügung des interalliierten Unterausschusses der Rheinlandeisenbahn zufolge, ebenfalls am Samstag zurückgezogen. Auch die Besatzung in Ohligs wird stark vermindert. Hier wird nur eine Verkehrüberwachungsstelle verbleiben, die auch in Zukunft den Personen= und Güterverkehr weiter überwachen wird. Am Freitag werden die bisher von der Besatzung benutzten Baracken der Stadtverwaltung übergeben. Die geltenden Passvorschriften werden durch die vorstehenden Aenderungen nicht berührt. Duisburg, 5. Febr. Der Polizei ist es gelungen, eine Bande von Eisenbahnräubern, die seit einiger Zeit auf dem Güterbahnhof Hohenbudberg die Züge ausplünderte, zu verhaften. Die meisten Täter sind aus Duisburg gebürtig. Duisburg, 5. Febr. In der vergangenen Nacht wurde in eine hiesige Villa eingebrochen und eine große Menge Silbersachen von hohem Werte entwendet. Die Täter versuchten, in eine zweite Villa mit einem Nachschlüssel einzudringen, doch blieb der Schlüssel im Türschloß stecken, worauf sie ihr Vorhaben aufgaben. Man hat von den Dieben noch keine Spur. Duisburg, 5. Febr. Im Hanielhafen stürzte ein 63jähriger Schiffer, vermutlich beim Betreten des Gangbords seines Bootes, ins Wasser und ertrank. Die Leiche wurde in der Nähe der Unfallstelle gelandet. Duisburg, 4. Febr. Die Strafkammer verurteilte zwei Bergleute wegen mehrerer Einbrüche in Trinkhallen zu eineinhalb Jahren bezw. sechs Monaten Gefängnis. Wegen Bleidiebstahls im Hafen erhielten zwei Arbeiter ein Jahr drei Monate bzw. zehn Monate Gefängnis. Kleinenbroich, 4. Febr. Am 1. Februar abends gegen 10 Uhr wurde auf der Strecke Büttgen=Kleinenbroich in dem Personenzug 414 in einem Abteil zweiter Klasse ein Raubüberfall verübt. Der Täter forderte unter Vorhaltung eines Revolvers von einer aus.-Gladbach stammenden Dame die Herausgabe der Handtasche. Nachdem er die Handtasche geraubt hatte, versuchte er die Dame zur Herausgabe ihrer Schmucksachen zu bewegen. Es gelang der Beraubten, die Notbremse zu ziehen, worauf der Räuber sich durch die Abteiltür entfernte und unerkannt entkam. Während des Raubes trug der Täter eine schwarze Maske. Er flüchtete nach Büttgen=Rotten zu. Die sofort angestellten Ermittelungen waren erfolglos. Die geraubte Handtasche nebst Inhalt (Geld) hat er mitgenommen. Erkelenz, 5. Februar. In der zwischen Ruckum und Venrath gelegenen Kuikumer Mühle brach am Montag Feuer aus, das schnell um sich griff und auch das Wohnhaus und die Scheune bedrohte. Der Feuerwehr von Benrath gelang es jedoch, die letzteren zu schützen und den Brand auf die Mühle zu beschränken. Das Vieh konnte aus den Ställen gerettet werden. Wesel, 5. Febr. In der Nähe von M. Gladbach wurde im September v. Is. der Händ ler Lenz getötet. Als mutmaßlicher Täter ist der Händler., der flüchtig war, von der hiesigen Kriminalpolizei gestellt und festgenommen worden. Bedburg, 5. Febr. Der Landmesser H. J. Huy von hier wurde gestern nacht in der Nähe seiner Wohnung tot aufgefunden. Es scheint ein Unfal vorzuliegen. Kempen, 5. Febr. Auf der Mülheimer Landstraße ereignete sich gestern ein schweres Autounglück Ein Krefelder Personenkraftwagen wollte eine von einem Lehrling namens Schenk gefahrene Handkarre links überholen, doch Schenk wich ebenfalls links aus und wurde von dem Wagen überfahren. Das in schneller Fahrt befindliche Auto überschlug sich, riß einen Baum um, schleuderte einen Mitfahrenden ins Feld und den Führer in einen Straßengraben. Die beiden kamen mit dem Schrecken davon, doch wurde Schenk mit einem doppelten Schädelbruch ins Krankenhaus gebracht, wo er gestorben ist. Kettwig v. d. Brücke, 5. Febr. Bei der aus der Ruhr gelandeten weiblichen Leiche handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Ehefrau Johann Klaus aus Essen, die seit dem 6. Januar vermißt wurde. Oberhausen, 5. Febr. Die Leiche des seit einiger Zeit vermißten 70 Jahre alten Joh. Hohn wurde gestern aus dem Rhein=Hernekanal gelandet. Man nimmt an, daß es sich um einen Selbstmord handelt. schweren Diebstahls, bei dem kostbare Pelze, Gold=, Silber= und andere Wertsachen erbeutet worden waren, verurteilte das hiesige Schöffengericht den schon wiederholt vorbestraften 27 Jahre alten Joseph Zachel aus Eschweiler zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht. Zachel verbüßt zur Zeit bereits eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren, die das französische Kriegsgericht über ihn verhängt hat. Buer, 5. Febr. In einem Geschäft in Buer=Beckhausen wurde am Vormittag ein dreister Diebstahl verübt. Vier Männer fuhren mit einem Auto vor das Geschäft und luden Seidenballen auf das Auto, womit sie unerkannt entkamen. Der Schaden beläuft sich auf annähernd 28000 M. Oberhausen, 4. Febr. Ein aus dem Obdachlosenasyl ins Krankenhaus eingelieferter 54jähriger Erwerbsloser stürzte sich, wahrscheinlich in einem Anfall von geistiger Umnachtung, aus einem Fenster des Dachgeschosses und war sofort tot. Nordhorn, 4. Febr. Hier wurde ein Mann wegen Tabak= und Kaffeeschmuggels festgenommen. Er übte sein Gewerbe in einer raffinierten Art aus, indem er selbst als Zollbeamter auftrat und anderen Schmugglern ihre Beute abjagte. Mülheim=Ruhr, 5. Febr. Vom Schöffengericht wurde ein Postschaffner, der durch Fälschung von Listen und Büchern 38 Mark veruntreut hatte, zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. 5. Febr. In einem Hühnerstall wurde eine männliche Kinderleiche, die in gelbem Papier eingewickelt war, aufgefunden. Die Kriminalpolizei hat eine Untersuchung eingeleitet. Huckingen, 5. Febr. An der Angerbachbrücke wurde abends ein Mann aus Duisburg in sitzender Stellung tot aufgefunden. Nach ärztlicher Feststellung ist er einem Herzschlag erlegen. Der Tote war kurz vorher in einer Wirtchaft gesehen worden. Heinsberg, 5. Febr. Auf dem Finanz= amt in Wassenberg sind Unterschlagungen aufgedeckt worden, die sich auf 7 bis 10000 Mark belaufen sollen. Gegen den Obersekretär Ehren berg, der auf ziemlich großem Fuße lebte, ist ein Verfahren eingeleitet worden. 5. Febr. Im benachbarten Boslar fiel der Turnwart I. Reuter bei einer Uebung am Reck von diesem herab und stürzte so un glücklich auf den Kopf, daß er tot liegen blieb. Aachen, 5. Febr. Gestern nachm. wurde in der Bärenstraße auf dem Bürgersteige am Bahndamm die Leiche eines kleinen Mädchens von etwa—7 Monaten aufgefunden. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Aachen, 5, Febr. In der jüngsten Zeit war in der hiesigen Gegend das Gerücht verbreitet, in der Gegend von Eschweiler, Weis weiler, Jülich und Herzogenrath sei eine große Anzahl Kindesleichen ausgegraben werden. Trotz des Dementis der Presse erhielt sich das Gerücht hartnäckig. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat jetzt festgestellt, daß alle diese tollen Gerüchte frei erfunden sind. Aachen, 5. Febr. Wegen Beteiligung an einem seinerzeit in Frankfurt a. Main verübten Koblenz, 4. Febr. Ein Ingenieur aus Andernach hatte mehrere Offerten auf Zement herausgegeben und in den Prospekten gesagt, daß es sich um Eisenbetonzement handelt, der patentamtlich geschützt sei und die größte Widerstandskraft besitze. Eine Anzahl Firmen wurden dadurch in den Glauben versetzt, daß es sich tatsächlich um ein ausgezeichnetes Fabrikat handele und es erfolgten zahlreiche größere Bestellungen. Bei der Lieferung stellte sich aber heraus, daß es sich um keinen Zement, sondern um ein ganz minderwertiges Produkt gehandelt hat, das völlig unbrauchbar war. Der Ingenieur hatte sich vor dem Gericht zu verantworten und erhielt, weil er bereits in einer ähnlichen Sache vorbestraft ist, ein Jahr Zuchthaus und 100 Mark Geldstrafe. Rassau, 4. Febr. Auf dem Gut Welschneudorf brach nachts Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit ausdehnte und Scheune und Wohnhaus in Asche legte. Das gesamte Federvieh kam in den Flammen um. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt. Dietz a. d. Lahn, 4. Febr. In ein Sprengstofflager einer hiesigen Firma ist unter dem Schutz der Dunkelheit ein Einbruch verübt worden. Ein Dynamitbehälter wurde erbrochen und daraus eine nicht unerhebliche Menge Dynamit gestohlen. Ein Polizeihund nahm eine Spur auf und verfolgte sie bis in einen Nachbarort. Dort wurde bei einem verdächtigen Bergmann Haussuchung vorgenommen, die allerdings kein Ergebnis hatte. Wer die Diebe sind und was sie mit dem gefährlichen Sprengstoff anzufangen gedenken, ist unklar. in verächtlichem Ton,„man sieht, Sie kommen aus der Provinz, wo die Ziegenböcke auf den Bäumen wachsen.—„Pah“ hielt ihm. der Bauer entgegen,„bei euch sieht man noch ganz andre Dinge. Da braucht man nur an einer Haustür zu klingeln und gleich steht ein Affe da.“ Der kranke Fritz. Fritz ist krank, der Arzt kommt und Mutter sagt, er soll schön die Zunge zeigen. Fritz ist etwas erstaunt über diesen Wunsch und fragte dann begeistert:„Du, Mutti, soll ich ihm auch eine langeNase machen?— Reisender zum Hausdiener: „Also morgen früh muß ich mit dem SechsUhr=Zuge schon fort.“— recht legen Sie das Trinkgeld nur ruhig auf den Nachttisch.“ Anerkennung.„Mein Bräutigam spricht vier fremde Sprachen!"„Da haben Sie ja einen wahren Sprachschatz!“ Kirchenkalender. Sonntag, den 8. Februar 1925: Pfarrkirche Refrath. 7 Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt, ½3 Uhr Andacht. Pfarrkirche Rösrath. Hl. Messen um 7, 8½ und 10 Uhr, 3 Uhr Andacht. Pfarrkirche Immekeppel. 8 Uhr Frühmesse, ½11 Uhr Hochamt, 3 Uhr Christenlehre und Andacht. Pfarrkirche Dürscheid. 7½ Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt, 3 Uhr Andacht. Pfarrkirche Overath. 7 Uhr heil. Messe (gem. hl. Kom. der Jünglings=Kongregation.) 10 Uhr Hochamt;(vorher Kerzenweihe) 3 Uhr Andacht und Christenlehre, danach Versammlung der Jünglings=Kongregation. Vilkerath: 8 Uhr hl. Messe. Pfarrkirche Süng. 7 Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt, 3 Uhr Andacht. Frielingsdorf: 7 Uhr hl. Messe, ½9 Uhr hl. Messe(gem. hl. Kom. der Schulknaben), 10 Uhr Hochamt. ½3 Uhr Christenlehre und Andacht. Biesfeld. 7½ Uhr Frühmesse, 10 Uhr Hochamt, 3 Uhr Nachmittagsgottesdienst. Issum, 4. Febr. Der 15jährige Gärntnerlehrling Hubert Neeven von hier wurde vor einigen Tagen von einem 18jährigen Kollegen aus Zons so unglücklich gegen den Leib gestoßen, daß er an den Folgen gestern im Krankenhause gestorben ist. Gaarbrücken, 4. Febr. Die 17 jährige Dora Dobel aus Bergweiler, die in SaarbrückenRaffersberg als Dienstmädchen in Stellung war, ist das Opfer einer Bluttat geworden. Mit durchschnittenem Halse und einem Knebel im Munde wurde sie im Vorgarten eines Hauses aufgefunden. Das Mädchen war um Mittemnacht von einem Maskenball aufgebrochen, um nach Hause zu gehen. Unterwegs ist die Tat geschehen. Humoristisches. Abgeblitzt. Ein Bauer kam zum erstenmal in eine Großstadt. Als er durch eine vornehmsten Straßen spazierte, las er an einem Hausschild:„Bitte zu klingeln!" Das machte ihm Vergnügen, und er klingelte. Sofort erschien ein Diener, der herablassend fragte, was er wünsche.„Nichts, erklärte der Bauer.„Warum haben Sie denn dann geklingelt?“—„Weil es da geschrieben steht.“—„Ah,“ sagte der Diener Vereinskalender. Katholischer Jünglings=Verein Bensberg. Sonntag, 8. Febr. morgens.30 Uhr gem. hl. Kommunion, nachm..30 Uhr Andacht mit Ansprache, abends.30 Uhr nehmen die Mitglieder an der Versammlung im Kölner Hof teil, die anläßlich des Bonifatiustages stattfindet.— Wetterbericht. Die Wetterlage vom heutigen Tage zeigt, daß im Raum der azorischen Inseln noch immer ein umfangreiches Hochdruckgebiet lagert. Andererseits bewegen sich vom fernsten Westen her über das nordamerikanische Festland und dem atlantischen Ozean hinweg eine Reihe von Tiefdruckgebieten. Daraus ergibt sich, daß die zur Zeit herrschende, mehr oder weniger anormale Situation noch eine geraume Zeit sich fortsetzen dürfte. Verändertich, mild, Neigung zu Niederschlägen werden also die Merkmale des Wetters auch im kommenden Abschnitt sein. Dabei wird der Wind zeitweilig auffrischen und nur vorübergehend etwas Aufheiterung eintreten. Drüben in dem Lande, in dem so viele niedergebrochene Existenzen Zuflucht und Rettung suchten! Der alte Herr mit dem schneeweißen Haar und den ernsten blauen Augen! Wie hätte er damals denken können, daß er, Alfred, einst der Erbe dieses seines Retters werden sollte? Und dann war Meerwart der Versucher, wieder an ihn herangetreten und hatte ihn überreden wollen, mit dem Gelde, das der alte Herr ihm gegeben, seine abenteuerliche Laufbahn fortzusetzen. Gottlob— er war fest geblieben und war nach dem„freien Amerika“ gefahren mit dem festen Vorsatze, ein besseres Leben zu gewinnen und durch Arbeit zu sühnen, was er in überschäumendem Jugendmut gesündigt. Und es war ihm gelungen! Durch seine Arbeit war er ein freier, stelbständiger Mann mit frischem freiem Mut geworden. Er sah sich wieder durch die Prärien von Texas reiten er kam von den Grenzbergen Mexikos, wo er bei der Vermessung einer neuen Bahnlinie als Geometer gearbeitet hatte. Jetzt ritt er nach Galveston, um dort in einem Vermessungsbüro eine Stellung anzutreten. Eine hübsche Geldsumme, den ersparten Verdienst aus seiner Tätigkeit, trug er bei sich. Sorglos ritt er dahin und achtete nicht auf die zerlumpten, gelbbraunen Burschen, die er in der letzten Herberge getroffen und die ihm jetzt heimlich folgten. Plötzlich vernahm er ein Sausen in der Luft. Im nächsten Augenblick legte sich die Schlinge eines Lassos um seine Brust— ein Ruck— er wurde aus dem Sattel gerissen— er wehrte sich verzweifelt, aber das Lasso umschnürte ihn immer enger— und dann knieten zwei gelbbraune Burschen auf seiner Brust und mit teuflischem Grinsen stieß ihm einer der Burschen das breite Messer in die Brust, so daß er die Besinnung verlor. Wie lange er bewußtlos gewesen, wußte er nicht. Als er erwachte, befand er sich auf einem Wagen, den ein armer Farmer lenkte. Neben ihm saß ein junges Mädchen, und sein Haupt lag auf ihrem Schoß und ihre Hände kühlten seine brennende Wunde und in ihren blauen Augen standen Tränen des Mitleids... Alfred sprang auf und reckte wie verzweifelt die Hände empor. Da öffnete sich leise die Tür und seine Mutter trat ein. „Was willst du?“ fragte Alfred verwirrt. „Ich hörte, daß du noch nicht zur Ruhe gegangen warst,“ entgegnete sie,„und fürchtete, du seiest krank.“ „Ich bin nicht krank.“ „Du hast eine Szene mit dem Rittmeister gehabt?“ „Ja.“ „Du hast ihn fortgewiesen. „Ja.— Ich mußte mich befreien von diesem Vampyr, der sich seit meiner Rückkehr aus Amerika wieder an mich geklammert hat, um mich in das Verderben zu ziehen. „In das Verderben, Alfred? Hab ich dir nicht gut geraten? Hat Meerwart dir nicht beigestanden, die bösen Jahre in Amerika vor der Welt zu verschleiern?“ „Ja— ihr beide paßt zusammen! Ihr seid zwei vortreffliche Bundesgenossen!“ „Alfred! Du wagst in einem solchen Tone zu mir zu sprechen? Was wärest du ohne mich?“ „Ein ehrlicher Mann!“ :„ A l f r e d!“ Sie trat dicht an ihren Sohn heran und sah ihm drohend in die Augen. „Kommen die alten Wahnideen wieder über dich, Alfred?“ Er lachte bitter auf. „Wahnideen nennst du die heiligsten Gefühle der Liebe und Treue, der Ehrenhaftigkeit? Wahnideen— Recht und Gerechtigkeit?" „Du bist ein Tor, Alfred!“ entgegnete die Baroin achselzuckend.„Du wirst dich mit diesen Ideen noch ins Unglück stürzen. Du bist allerdings der Erbe von Schloß Homberg geworden, aber was würde es dir nützen, wenn alle Welt spöttisch mit Fingern auf dich zeigte, wenn Welt dich verachtete, wenn die Welt von deinem dummen Streiche in Amerika erführe? Danke es mir, daß ich dich davor bewahrt habe, die Konsequenzen deines dummen Streiches tragen zu müssen. Und Meerwart solltest du dankbar sein, daß er dir geholfen hat, über die Vergangenheit einen Schleier zu ziehen. „Du hast ihm doch nicht gesagt... Die Baronin lächelte. „Sei unbesorgt, mein Sohn. So töricht bin ich nicht, dem schlauen Herrn Rittmeister eine sehr gefährliche Waffe gegen uns in die Hand zu geben. Aber nun mußt auch du verständig sein, Alfred, und Vergangenes vergangen sein lassen.“ „Als ob es so leicht wäre, sein Glück zu vergessen!“ „Torheit! Dein Glück liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft! Richte deine Gedanken auf die Zukunft. Denke daran, was wir verabredet haben. Denke an Berta— an ihren Reichtum! Sie ist dir schon günstig gesinnt— sie schenkt uns schon ihr Vertrauen. Sollen alle meine heißen Bemühungen, ihr Vertrauen, ihre Liebe zu gewinnen, vergeblich gewesen sein. „Ja— du hast geschmeichelt— du hast geschmeichelt, Mutter! Ah, das war köstlich anzuschauen!“ „Spotte nur. Warum habe ich geheuchelt, warum habe ich geschmeichelt, für wen habe ich mich erniedrigt? Um deinetwillen, Alfred! Um deines Glückes willen! Das solltest du wenigstens anerkennen.“ „Ich will Berta nicht betrügen, Mutter. Ich achte, ich verehre sie um ihrer edlen Eigenschaften willen. Um so erbärmlicher erscheine ich mir, der ich sie mit Lug und Trug zu um garnen strebe. „Nicht mit Lug und Trug, Alfred. Du sollst sie mit Liebe, mit Zartheit und Rücksichtnahme umgeben; du sollst ihr Herz gewinnen; du sollst ihr dein Herz widmen— sie ist jung, schön, edelgesinnt, sie ist reich— kann es dir da schwer fallen, sie zu lieben? „Mein Herz gehört nichr mehr mir!“ „Pah, das ist eine kindische Redensart! Du bist nicht mehr jung genug, um solche Phrasen zu gebrauchen. Du hast das Leben kennen gelernt; du weißt den Wert des Geldes zu schätzen; du hast es einst mit vollen Händen sinnlos ausgestreut und mich dadurch fast an den Bettelstab gebracht— dich aber selbst in Unehre, in Schmach und Schande! Jetzt bietet sich dir die Gelegenheit, alles wieder gut zu machen, alles zurückzugewinnen: Ehre, Reichtum, geachtete Stellung— dazu die Hand einer schönen, klugen, edlen Frau— und da willst du mir mit jener kindischen Redensart kommen? Geh mir doch, das grenzt ja an Wahnsinn!“ „Du magst in gewisser Beziehung recht haben, Mutter, aber die Tatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen... „Die Tatsache existiert nicht, wenn du es nicht willst!“ Alfred war in einen Sessel gesunken, umkrampfte mit den Händen die Lehne und starrte düster vor sich hin. Die Baronin trat zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Raffe dich auf, Alfred,“ sagte sie lächelnd. „Sei ein Mann und stelle dich mutig dem Leben entgegen! Jene Tatsache, auf welche du anspielst, existiert nur in deiner Einbildung. Sie kann und darf kein Hindernis sein auf dem Wege zu deinem Glück. Wer weiß denn von jenem Verhältnis? Nur du und ich. Niemand sonst in der Welt. Und wenn wir beide schweigen, dann ist jene Tatsache so gut wie nicht vorhanden. Der Weg zu deinem Glück liegt frei vor dir!“ „Und die Lüge ist meine stete Begleiterin auf diesem Wege. „Nicht die Lüge— sondern die Klugheit.“ Fortsetzung olgt. Statt besonderer Anzeige! Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, heute früh 5½ Uhr, meine innigstgeliebte Tochter, unsere herzensgute Schwester, Schwägerin, Tante und Nichte, die wohlachtbare Jungfrau Maria Prinz zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Sie starb nach langer, schwerer Krankheit, wohlversehen mit den Heilsmitteln unserer hl. katholischen Kirche im 50. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten die tiefbetrübte Mutter 10 Geschwister und die übrigen Anverwandten Altenrath bei Lindlar, am 5. Februar 1925. Die Beerdigung findet statt am Samstag, den 7. Pebruar, morgens 10 Uhr; danach ist das Seelenamt. Rhein. Bauernverein Ortaverbaud Overath. Versammlung am Sonntag, den 8. Febr., nachm. 6 Uhr, im Steinhof. 1. Besprechung zur Tagesfrage. 2. Mitgliederbeiträge spro 1925. 3. Verschiedenes. Alle Landwirte sind eingeladen. Möbl. Zimmer an besseren Herrn zu vermieten Evtl. m Frühstück. Zu erfragen in der Exp. dieses Blattes. Lamenfahrrad gebraucht billig zu verkaufen. Heider, Gartenstr. 11. Mittelschweres, schönes 1½ jähriges Fohlen und ud Schwein 669688S S B8999886 S tief Nahmaschtnen auer“ 6 für Familiengebrauch Näherinnen Handwerker 3 6 stehen an der Spitze sämtlicher Nähmaschinenfabriken.##### 833 Langjährige Garantie.—.— Bequeme Teilzahlung. Kostenloser Unterricht im Nähen— Sticken— Stopfen. S G. D. Meper, B. Gladbach. 6 Größtes und ältestes Nähmaschinengeschäft. 682 zu verkaufen.# Anhalt, Obergrützenbach bei Marialinden. Beinbrand Kannen=Marte pird vom Kenner gern gekauft. Verschnilt K Ben □ Stampfzucker Pfd. nur Rafsoo„frisch Pfb. Kußfer gebrannt nur 08 Pip. 200 Pig. * eine feine Verschnitte ware ist besonders empfehlenswert. 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Alle diejenigen, welche im Besitz einer Versicherungskarte für Angestellte sind, wollen diese zwecks Prüfung hier vorlegen. Lindlar, den 4. Februar 1925. Der Bürgermeister: Kelleter. Photographische Aufkanmen für alle Zwoecke fertigt in bester Vollendung Herm. Warkus, Berg.-Gladbach Gohrsmühleneoeg.— An der Post. Spez. Gefrierfleisch, vorzüglich für Sauerbraten, sowie sämtl. Frischfleisch und Wurstwaren hiesiger Schlachtung zu äußerst billigen Preisen. Auf Wunsch Lieferung frei Haus. Weber& Schönenbroicher, Moitzfeld. Billige Schuhwaren. Totalausverkauf in sämtlichen Schubwaren zu spottbill. Preisen. Schuhwarenhandlung Wilhelm Kolter, Kierdorf b. Herkenrath. en Geschlechtsleiden gesnleiheu de Haut., Nerven= und sen, Geschlechtsschwäche usw. werden nach llverfahren gewissenhoft und diskr. Quillon's Spezial=Praxis tenbergerstraße 22, direkt hinter d Köln, Altenbergerstraße 22, direkt hinter d Hauptbhf. Sprechstunden v morgens 10 bis abends 7 Uhr. Sonnu. Feiertage v. 10—12 Uhr: Urin= u. 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Beilagegebühr nach Uebereinkunft. Tel. Nr. 4. Postscheckt.: Daubendüchel& Haabe Köln Nr. 844 82. Pwstes Blal Nal. 0 Der Barmat-Ausschuß. Im weiteren Verlaufe der Verneymung Heilmanns erklärk Abg. Kaufbold(dutl.): Die Ausführungen hinterlassen den Eindruck, ale Faf sbefzwpig dem stello. Vorsitzenden Dr. Derob Oberfinanzrat Hellwig Barmat den Hals um: 99s) glinthammer erklärt mit erhobener Amtsgericht Mitte sich mit der Sache befaßte. Die Akten waren aber verschwunden. Abg. Heilmann bestreitet die Angaben des Zeugen. Es kommt zu schärferen Auseinandersetzungen zwischen dem Zeugen und dem Abg. Kuttner gedreht habe. Er beantragt deshalb, sofort den Geh. Finanzrat Brockenfeld zu hören, ob Hellwig im Verdachte stehe, Barmat in Verbindung mit I. Roth und Berlin=Burg gebracht zu haben.— Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird beschlossen, eine kurze Erklärung der Herren der Seehandlung zuzulassen, an die sich keine Erberg. Ku#nrhammer erklärt mit erhobener Stimme und unter Verufung auf seinen Diensteid, daß er mit bestem Gewissen sagen könne, niemals irgendwelches Material der Gebrüder Barmat zu privaten oder publizistischen Zwecken verwendet zu haben. Der Zeuge bittet den Abg. Heilmann, innerhalb 24 Stunden zu erklären, örterung schließen soh.„icer„Aerfnen abef Abg. Heilmann behält sich eine Erklärung bis Seehandlung, Schröder, erklärt, daß Ende Mai oder Anfang Juni von Barmat schleunige Rückzahlung der Kredite verlangt worden sei. Barmat babe erklärt, er könne erst im August mit der Abzahlung beginnen. Er hat dann auch im August damit begonnen.— Darauf teilt Finanz= rat Brockenfeld mit, daß die Kredite der Seehandlung an Berlin=Burg absolut sichergestellt seien. Die Erklärung Heilmanns sei ihm nicht ganz verständlich, daß Oberfinanzrat Hellwig im Interesse der Staatsbank Barmat gedrängt habe, Berlin=Burg zu erwerben.— Weiter erklärt Heilmann, daß ihm bekannt wurde, daß SpritWeber durch die Abg. Frau von Oheimb und Herrn Stresemann in dem Volksparteilichen Klub eingeführt worden sei und daß er durch seinen Gewährsmann Kenntnis von dem erwähnten Briefe Stresemanns erhalten habe. Eine persönliche Verbindung zwischen Barmat und Staatssekretär Hagedorn vom Reichsernährungsministerium habe nicht bestanden. Von einer engeren Verbindung zwischen Barmat und Scheidemann könne nicht die Rede sein. Ferner bemerkt Heilmann, daß das für den Rotterdammer„Vorwärts“ ausgeführte Zeitungspapier nur für dieses Blatt verwendet wurde; Barmat habe davon nichts behalten. Heilmann gibt dann Auskunft über eine Haussuchung des Polizeioberkommissars Klinkhammer bei Barmat Unter den Linden im November 1918. Abg. Schwering(Ztr.) wünscht die Ladung des Herrn v. Richter als Zeugen, der als preußischer Finanzminister Chef der Staatsbank war. Für seinen persönlichen Nutzen habe Heilman von Barmat außer etwa 200 Stück wertbeständiger Gaskoksanleihen im Werte von etwa 300 Mark nichts erhalten. Ob er sie bezahlt habe, könne er sich nicht mehr erinnern. Auch Börsengeschäste habe Heilmann nicht gemacht. Vorsitzender Dr. Leidig erklärt, daß er sich mit dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses des Reichstages geeinigt habe, die Frage der Reichspostkredite im Reichstage zu verhandeln. Der Zeuge Klinkhammer sagt aus, daß er damals das Dezernat Fälschung von Einund Ausfuhrbewilligungen verwaltete. Eines Tages sei ihm eine Anzeige der Bochumer Handelskammer zugegangen, in der die Firma Gebr. Barmat bezichtigt wurde, auf unlauterem Wege Einfuhrerlaubnisse für große Lebensmittelmengen aus Holland erhalten zu haben. Er habe sdann später bei Barmat eine Untersuchung der Geschäftsräume vorgenommen. Später habe der Zeuge auch erfahren, daß das Aog Heumunn vryunt sich eine Erklärung bis zur Vernehmung des Ministerialdirektors Falk vor. Die Frage des Dr. Deerberg, ob er beschwören könne, daß das gefundene Material nur im amtlichen Verkehr blieb, beantwortet der Zeuge mit einem unbedingten Ja! und bemerkt, daß ein höherer Verwaltungsbeamter ihn darauf aufmerksam gemacht habe, daß Herr Falk in hohem Grade unaufrichtig sei. Zu einer scharfen Auseinandersetzung kommt es, als Kuttner den Namen des höheren Verwaltungsbeamten erfahren will. Der Zeuge verweigert bie Aussage. Die Vernehmung des Ministerialdirektors Dr. Falk wird begonnen. Er erklärt, daß er die Gebrüder Barmat nie gesehen habe. Das Landespolizeiamt habe damals sehr viel mit Aus= und Einfuhrschiebungen zu tun gehabt. Die bearbeitende Dienststelle habe dem Landespolizeiamt mit einer Anzeige den Artikel einer Berliner Tageszeitung mit der Ueberschrift: „Ein bolschewistischer Schützling der Reichsregierung als Millionenverdiener" übersandt. In dem Artikel wird mitgeteilt, daß Barmat in großem Ausmaße Einfuhrbewilligungen erhielt, während sie anderen verweigert wurden. Diese Anzeige sei die Unterlage zu dem Verfahren bei dem Landespolizeiamt geworden. Sie sei dem Zeugen und auch seinem Vertreter, wie auch dem Sachbearbeiter nicht vorgelegt worden, sondern geschäftsmäßig als eine Bagatelle unmittelbar an den Kriminalkommissar Klinkhammer weitergegeben worden, der daraufhin die Hausuchung bei Barmat vorgenommen hat. Bei dem vorgefundenen Material habe sich kein Anhaltspunkt für weitere polizeiliche Ermittelungen ergeben. Andere Fälle seien dem Zeugen nicht bekannt. Als er später zur Auffrischung seines Gedächtnisses einen Einblick in die Akten nehmen wollte, waren sie eine zeitlang verschwunden, fanden sich aber bald später bei dem in Frage kommenden Amtsgericht wieder ein. Von einer amtlichen Anzeige der HandelskammerBochum ist dem Zeugen nichts bekannt. Bekannt sei, daß Barmat am 3. Januar 1920 der Beschluß der Einstellung des Verfahrens übermittelt wurde. Diesem Beschluß seien aber keine Gründe beigegeben worden. Bemerkenswerte Preisunterschiede. Beim Vergleich der Preisnotierungen für die Hauptgetr eidepreise an den Börsenplätzen Berlin und Köln fällt nicht nur der große Unterschied in der Preisnotierung, sondern vor allen Dingen auch der Umstand auf, daß die in dem Hauptkonsumgebiet des Westens liegende Kölner Börse niedrigere Preise notiert als die mehr im Produktionsgebiet liegende Berliner Börse. In früheren Zetten, sowohl in der Nachkriegszeit als auch in der Vorkriegszeit lagen die Kölner stets über den Verliner Notierungen, wie die nachstehende Uebersicht zeigt. Jahres. Roggen Weisen Hafer durchschnitt,Köln Berlin Köln Berlin Köln Berlin 1912 19.50 18.59, 22.00 21.70 20.50 19.00 1913 17.30 16.40 20.50 19.90 17.50 16.20 1914 18.75 18.20 22.20 21.60 18.90 18.00 1924 1. 10. 24. 22.10 23.00 21.70 23.40 17.70 18.70 1. 11. 24. 18.70 19.90 18.80 20.30 16.50 17.50 1. 12. 24. 20.50 20.90 19.50 21.30 16.50 17.10 In den Jahren 1912—14 notierte demnach im Jahresdurchschnitt die Kölner Börse für Roggen rund 5, 3½, und 3 Prozent höher als Berlin. Die Weizennotierungen in Köln überstiegen die Berliner um 1½ 3 und 2½ Prozent. Bei Hafer betrug der Unterschied sogar 8, 7¾ und 5 Prozent zugunsten der Kölner Notierung. Auch in der Inflationszeit lagen bis zur Ernte 1924 die Verhältnisse ähnlich. Demgegenüber ist für das letzte Vierteljahr 1924 die Tatsache zu konstatieren, daß die Notierungen in Köln ganz erheblich unter den zu gleicher Zeit in Berlin vorgenommen liegen. Beim Vergleich der Notierungen an den Monatsersten des letzten Vierteljahres an der Berliner und Kölner Börse kann man feststellen, daß die Notierungen in Köln im Durchschnitt für Weizen um 9½ Prozent für Weizen um 3½ Prozent und für Hafer um 4 ½ Prozent hinter den Notierungen von Berlin zurückblieben. Diese Tatsache ist wohl vornehmlich auf das schlechte Ernteergebnis der westlichen Provinzen insbesondere der Rheinprovinz zurückzuführen und zeigt vor allem, wie groß die Qualitätsminderung der Ernte in der Rheinprovinz selbst gegenüber der im Osten Deutschlands ist, die unter den Unbilden der Witterung ebenfalls gelitten hat. Richard Wagners Geldverlegenheiten. Der kunsterfahrene Schriftsteller J. Kreitmaier hat im Verlage Herder zu Freiburg i. Breisgau ein Buch„Cominauten“ herausgegeben(in Leinwand gebunden G=M..—) In diesen Streifzügen ins Reich der Töne und Spielkunst behandelt er Richard Wagnei, Richard Strauß, A. Bruckner und M. Reger. Eine Buchhälfte in den„Kirchenmusikalischen Fragen der Gegenwart“ und den „Mysterienspiclen“ vorbehalten Hier folgt eine unterhaltsame Leseprobe aus der Lebenezeichnung Wagners. Hatte Wagner von Anfang an den Drang, seine Werke in einem so überragend großen Maßstab anzulegen, daß sie nur für die größten Bühnen Europas ausführbar waren, so war es nur eine naheliegende Folgeruug, daß er von den kleinen Verhältnissen in Riga weg direkt in die größte Musik= und Theaterstadt Europas, nach Paris, zog. Das Wagnis war um so größer, als er einer völlig ungewissen Zukunft entgegenging, ohne entsprechende Mittel, ohne Sinn für vernünftige Sparsamkeit. Das Geld zerfloß in seinen Händen, wie es kam. Er liebte ein großes Haus und glänzende Gesellschaften; Wechsel zwischen Hungerperioden und Perioden äußeren Glanzes war ihm lieber als ein mittleres, gleichmäßiges Auskommen. Obwohl aller Hilfsmittel beraubt, verließ er nach einem halbjährigen Aufenthalt in Paris seine einfache Wohnung und siedelte nach dem der Künstlerwelt näher liegenden Teil der Stadt über. Als er 1859 wieder nach Paris kam, mietete er gleich eine Wohnung zu 4000 Franken, weil er kurz zuvor das Eigentumsrecht seines noch gar nicht fertigen Nibelungenwerkes verkauft hatte. „Ich war in die Neigung verfallen, durch besondere Annehmlichkeit der Ausstattung bis dahin, wo mir Liebe zum Luxus vorgeworfen werden sollte, die Räume mir freundlich einzurichten.“ Die Herstellung eines Salons in dieser neuen Wohnung stürzte ihn wieder„in zu viel nicht berechnete Unkosten". Für seine Frau stellte er eine Kammerjungfer an, für sich selbst einen Bedienten mit Livree, die er für teures Geld angeschafft hatte. Seinen Freund Cornelius ließ er einmal auf einen halben Tag von Wien nach Mainz kommen, nur um ihm seine Dichtung der„Meistersiuger“ vorzulesen, und gab ihm dafür 100 Franken als Reisegeld. Bei einem solchen Verfahren mußten natürlich die ohnehin nicht reichlich fließenden Geldmittel bald stocken, während die Mittwochsempfänge in seinem Salon sich immer glänzender gestalteten. So war ihm denn jede Unterstützung, die ihm im geheimen zukam, willkommen, wenn sie nur bedeutend genug schien, um seiner Beachtung würdig zu sein. Sehr unwillig aber war er, als seine Freunde in Paris einmal auf den Gedanken kamen, durch eine Sammlung unter den dortigen Deutschen ihm aus der Klemme zu helfen.„Bei der Nachricht hiervon schritt ich sofort mit der Erklärung ein, daß jene Annahme meiner Bedürftigkeit infolge von Verlusten auf einem falschen Gerüchte beruhe, und ich jede Bemühung in diesem Sinne ablehnen müßte.“ Für kleinere Summen hatte Wagner nur mehr ein vornehmes Lächeln übrig. Als er einst 20 Louisdor als Theaterhonorar erhielt, wußte er nicht, was er gerade„mit einer so kleinen Summe“ anfangen sollte: die 90 Taler, die er für eine goldene, vom Großherzog von Baden geschenkte Dose einlöste, veranlaßte ihn, „über diese Stärkung seines Daseins“ zu scherzen; eine Sendung von 75 Franken Pariser Tantiemen nahm er„in halb launiger, halb galgenhumoristischer Stimmung" entgegen. Niemand wird sich wundern, daß sein Verleger Schott, der ihm eine Zeitlang seine rare pränumerando zustellte, die Zahlungen einstellte, wie auch sein Schwager Friedrich Brockhaus ihm schon bei seinem ersten Pariser Aufenthalt „wegen Nichtübereinstimmung mit seiner Lebensrichtung" die Hilfe verweigert hatte. So blieb ihm schließlich nichts übrig,„als durch immer neue Wechsel auf kurze Frist zur Bezahlung von alten ebenfalls auf kurze Frist lautenden Wechseln zu denken.“—„Ich geriet dadurch in ein wirtschaftliches System, welches, da es auf offenbaren vom Freiwald ner ut der schon viele Jahre als Bauernerzähler bekannte und beliebte Auton Schott seinen nenesten Roman (Herder, Freiburg i. Br.; in Original=Leinwandband G. M..60). Das Los einer ganzen Bauernsippe soll sich darin nach des Familienhauptes, hart=störrischem Sinn bauen. Aber die Vorsehung schafft es anders. Die folgende Leseprobe zeugt von dem packenden Können Schotts. Von den einberufenen Verheirateten gehen die meisten mit ihren W. vern zum Tische des Herrn. Keiner weiß, was ihm bevorsteht und was hinter dem undurchdringlichen Vorhang der Zukunft seiner harrt, und selbst der leichtsinnigste Kund' hängt doch mit hübsch einem Stück seines Herzens und seines Sinnens un der Lebensgefährtin. Vor dem Altare haben sie sich Ziebe ind Zeistand in allen Lebensnöten versprochen, vor dem Altarr wollen sie zuch voneinander gehen. Nur der Buchsteiner Marget kommt es in ihrem ehelichen Zwist tatsächlich wie ein chadenfroher Trost vor, daß ihr Mann, #er Wildling, vraussichtlich für eine gute Weile aus dem Hause und imer Leute kommt, die ihm die Zeitigen schon herungerklausen werden. „Muß der Vater wer?“ frohlock das größere Dirndel schier. Alle Soldaten“, bescheider sie kurz und verärgert. „Wesl... Krieg wird“, läßt das Bübel seine Weisheit unhten. „Wenn er nur nimmer heimkäme!“ Und als sie dann Schnittlauch holt aus dem Worzgärtlein, achten die kleinen Narren sogar übers Beten. „Daß ur nimmer heimkommt, der Vater, und die Murter uns nimmer schlagen kann! Vater unser... In der Kammer drinnen liegt der Buchsteiner in halbwachem Sinnen und im Arger ob der Mobilisierung dahin und hört der Kinder Wünschen und Beten. Sudheiß wallt der Jähzorn in seinem Herzen auf, unc daneben kommt es ihm vor, als ob etwas mit eiskalter Hand nach seinem rauschheißen Kopfe tastete. Eine gute Lust hätte er und... dräsche das Gefindel heute noch windelweich. Doch... wozu noch? Wenn der Herrgott ein Bitten und Beten erhört, mag er vielleicht.. diese Narren erhören, die um.. den Tod des eigenen Vaters rufen. Wenn irgend ein Beten hilft, dann. kommt er nimmer heim, dann.. Wie wenn der Allerseelensturm ins Geäste eines Baumes fährt und die braunen und dürren Blätter zu Hausen mit sich fortreißt in die Lüfte, bis nur mehr das kahle Gezweige starret, kommt es ihm überlings vor. Der Arger rieselt in sich selber zusammen wie ein Häuslein aus ledigem Sande, das spielende Kinder aufgehäuft, und ein Gefühl der Ode und schier des Verlassenseins überkommt ihn wie lähmende Fraisen.... Sogar die eigenen Kinder..! Das ist der Strich unter die Rechnung, unter seine Rechnung, unter eine völlig verpfuschte Rechnung. Und wie hätte diese Rechnung so glatt und schon ausgehen können, wenn... Ah was! Daran läßt nichts mehr ändern. Jetzt nimmer, außer... Aber was nutzt das alles? Sie ist und bleibt der Hockerdickschädel, und daran würde jeder Versuch zum Bessern scheitern. Wenn er auch ein paar guter Worte zum Einlenken mit Not und aller Mühe zusammen und über die Lippen brächte, wer weiß, wie sie dies wieder aufnähme. Und wenn er dann ihr trutzend Geschau sähe und ihre harten, bissigen Reden hörte: der alte Tanz wäre es wieder. Es käme ihm wieder in den Sinn und ins Sinnen, wie es hätte sein können und wie es geworden ist, und er stünde wieder vor derselben Türe. Was verpfuscht ist, das ist eben verpfuscht, ein Leben so gut wie... ein Hackenstiel. In seinem Kopf krabbelt und zwackt der Katzenjammer, den er sich im Kirchörtlein drüben geholt. in sein Sinnen und Dahingrübeln jedoch schleicht sich eine Stimmung, die weitaus öder und trostloser ist. Ein verpfuschtes Leben, eine pfad= und ziellose Ode! Wie wenn einer in der nebeldüstern Winternacht vom rechten Weg abgekommen und über die schneegraue Ebene zhne Pfad und Ziel dahinstrampelt. Kein Lichtschimmer ringsum und kein Ziel zum Zurechtfinden. Sogar die eigenen Kinder So sinnt und brütet er vor sich hin, und als es zum Mittagessen wird, steht er auf und richtet übers Zusammenpacken. „Essenszeit ist“, erinnert die Marget in eisigem Trutze, doch er tut nur einen ungefügen Brummer. „Mich hungert nicht.“... ,48, MmittsUnwirsch stößt er den berüchtigten schwarzen Militärkoffer auf die Bank und beginnt einzuräumen. Dazwischen gleitet wie zufällig einmal sein Blick über den Tisch und streift die ruhig dahinessenden Kinder.... Seine Kinder, die... gebetet, daß er nicht wiederkehre! Wie ein Mühlstein wälzt sich etwas auf sein Herz und preßt ein beinahe unheimliches Auflachen aus seinem Munde. Unwillkürlich geht ihn ein Verlangen an, ein weiches, einlenkendes Wort zu reden, etwas Allgemeines von Verzeihen und Gedenken zu sagen, um damit vielleicht ein mild Echo auf der andern Seite zu lösen und zu lockern. Es wäre nun einmal so, und wenn ein jedes fürder trachten wollte, darüber hinwegzukommen und... dem andern hinwegzuhelfen... vielleicht ließe es sich noch anders machen, so, wie es halt anderwärts ist.... Aber er bringt keinen Muck davon aus dem Halse. Wie Gräten spießen sich die vorgenommenen Reden, und keine ist herauszukriegen. Er sperrt den Koffer ab, steckt den Schlüssel in die Tosche und steckt eine Handvoll Geld ein. „So! Dahin geht'“, kreißt er nachher steinhart heraus. „Behüt' euch Gott alle miteinander! Seid brav, Kinder, und.. daß halt alles richtig dahingeht!“ Seine Rechte zuckt und reißt, die Händchen der emsig löffelnden Kinder noch einmal und... vielleicht das letzte Mal zu drücken, aber er fieckt sie trutzig in die Tasche. „Was tust denn jetzt schon fort?“ stellt die Marget doch vor, aber er pfaucht nur ein kiesrauhes, heiseres Auflachen heraus. „Was tu ich denn noch da?... Ein mildes, weiches Wort von der einen oder von der andern Seite hätte vielleicht gerade in dieser Stunde die Zauberkraft gehabt, die ersten Röslein aus diesem Dorngestrüpp zu locken, das um ein etliche Menschen emporgewuchert, deren Herzen Rosenbande umschlingen sollten; aber keines bringt es über die Lippen.. und auf unaushaltsamen Ruin hinausgeht, nur durch die Annahme einer endlich noch rechtzeitig eintretenden gründlichen Hilfe geklärt werden konnte. Sein Humor war aber nicht gestorben. Am Silvesterabend 1840 kamen seine Freunde mit allerlei Eß= und Trinkvorräten zu ihm, um das Jahr in gemütlicher Weise abzuschließen.„Das Souper verwandelte sich zum dithyrambischen Gelage; als nach dem Champagner noch der Punsch zu wirken begann, hielt ich eine emphatische Rede, die... mich so hinriß, daß ich... endlich den Tisch bestieg und von da herab das Evangelium der unsinnigsten Lehren der Weltverachtung, mit Anpreisung der südamerikanischen Freistaaten, meinen entzückten Zuhörern verkündete, welche endlich in lachendes Schluchzen sich verloren....“„Ich zeigte um diese Zeit häufig mit heiterem Stolze meine Stiefel, welche endlich buchstäblich nur noch eine Scheinbekleidung für meine Füße abgaben, da die Sohlen zuletzt vollständig verschwanden.“ Seine harte Lage entbehrte nicht einer gewissen Tragik, indem seine Schwester Cäcilia mit ihrem Gatten hart neben ihm eine behagliche Sommerwohnung bezog. Wagners Stolz sträubte sich dagegen, die Schwester mit seinen„grenzenlosen Verlegenheiten“ bekannt zu machen.... „Diese steigerten sich eines Tages in der allerbittersten Weise. Da wir gänzlich ohne Geld waren, machte ich mich mit Tagesanbruch... nach Paris auf, um dort den ganzen Tag über, von Straße zu Straße mich schleppend, der Möglichkeit, fünf Franken aufzutreiben, nachzujagen, bis ich am späten Nachmittag, ohne auch nur den mindesten Erfolg erzielt zu haben, wiederum auf die qualvolle Fußreise nach Mendon zurück mich zu begeben genötigt war.“ Dieser äußersten Bedrängnis machte einstweilen der Verkauf des Textes zum„Fliegenden Holländer" um 500 Franken ein Ende. Da er jedoch die Ungeschicklichkeit begangen hatte, eine neue Wohnung zu mieten, bevor der frühere Vertrag abgelaufen war, hatte er doppelte Miete zu bezahlen, und die 500 Franken waren bald zur Reige. Vernischtes. Vorgetäuschte Verbrechen. Wie die Täter sich selbst shereinlegen. Viel häufiger als im allgemeinen angenommen wird, werden bei den zuständigen Behörden Anzeigen über Vergehen und Verbrechen erstattet, die sich entweder in Wirklichkeit überhaupt nicht abgespielt haben und dermaßen unwahrscheinlich sind, daß sie den Stempel der Ersindung auf der Stirn tragen, oder deren Begleitumstände so sonderbar sind, daß von vornherein Zweifel bestehen, ob die Angaben wirklich vollinhaltlich den Tatsachen entsprechen. Wenn nun angenommen wird, daß die für die Bearbeitung zuständige Dienststelle derartige Angaben als unglaubwürdig nicht genügend beachtet, so ist dies ein großer Irrtum, eher ist das Gegenteil der Fall. Jeder erfahrene Kriminalist weitz, daß falsche Anzeigen aus den verschiedensten Gründen erstattet werden. Wie häufig hat ein singierter Einbruchsdiebstahl mit einer Brandstiftung stattgefunden, um die hohe Versicherungssumme einzustreichen. Hierbei wird aber fast immer übersehen, daß einrichtiger Einbruch leichter auszuführen ist, als ein vorgetäuschter Schon mancher kluge Mann hat nachher hinter schwedischen Gardinen darüber nachgedacht wie es doch hätte richtiger gemacht werden müssen Erst kürzlich ist in Essen ein derartiger Fall mit dem genannten Enderfolg vorgekommen. Schon der Umstand, daß die Tinte der Versicherungspolice noch nicht ganz trocken war, als das Unglück passierte, ließ allerhand Zweifel aufkommen. Ferner war es auffallend, daß in ganz kurzer zeit jetzt bereits zum zweiten Male eingebrochen sein sollte und Waren in einer Menge fortgeschafft sein mußten, wozu die Verbrecher einen Möbelwagen hätten benutzen müssen. Und dann die rätselhafte Brandursache! Am Abend vor dem Brand waren noch der Geschäftsmann mit mehreren Bekannten in einem kleinen Raum hinter dem Laden zusammen gewesen, geraucht hatte niemand, irgendein Brandgeruch war nicht wahrgenommen worden———— und einige Stunden später stand das Geschäft in hellen flammen. Sonderbar— höchst sonderbar! noch zumal es sich herausstellte, daß die hinzugekommene Feuerwehr alles schön verschlossen und in Ordnung vorgefunden hat, so daß die„bösen Einbrecher“ es schon aus dem Grunde nicht angelegt haben konnten, weil eben keine Spur eines Einbruchs zu entdecken war, sie also mithin gar nicht im Hause gewesen sein konnten. Der raffiniert angelegte Alibibeweis scheiterte aber außerdem schließlich daran, daß der auserwählte Helfershelfer nicht mitspielte, sondern die übergebenen Duplikatschlüssel zum Lokal in die„richtigen“ Hände gab. Da blieb nun schließlich dem Uebeltäter nichts anders übrig, als der Wahrheit die Ehre zu geben und ein Geständnis abzulegen. Ein anderer Fall, der auch zeigt," wie schwer es ist, einen Einbruchsdiebstahl vorzutäuschen, trug sich vor längerer Zeit zu.— An einem Sonntagvormittag ging bei der Kriminalpolizei die telephonische Mitteilung ein, daß in dem Büro einer Baufirma nach erfolgtem Einbruch der Geldschrank geöffnet und daraus eine erhebliche Geldsumme gestohlen worden sei.— Das Schloß der Haustür war in Ordnung, der Schlüssel zum Büroraum, der sonst immer im Schloß steckte,(weil das Haus gut verschlossen war) fehlte, obgleich Einbrecher doch sonst keine Schlüssel mitzunehmen pflegen. Das Türschloß zum Büroraum war demnach vermutlich mit dem richtigen Schlüssel geöffnet worden. Im Büro befanden sich drei Pulte. Ausgerechnet das Pult in dem sich die Kassette mit dem Geldschrankschlüssel befand, war aufgebrochen, ebenso die Kassette selbst. Der Geldschrank war geöffnet worden, der Schlüssel befand sich im Schloß der wieder zugeschlagenen Tür, und war durch kräftige Schläge fast rechtwinklig umgebogen und zum Teil abgebrochen. Die Verschlußplatte des Schlüsselloches war auf den umgebogenen Teil des Schlüssels aufgetrieben. Das Tun der Einbrecher erschien immer kurioser. Es war beim besten Willen nicht zu begründen, was sie zu dem geschilderten törichten Auftreiben der Abschlußplatte hätte veranlassen können, denn den Geldschrank hatten sie doch schon geöffnet. Und nun das sonderbarste: Der Schlüssel selbst konnte nur dann in das Schloß des Geldschrankes einjeführt werden, wenn der Oeffnende das Schloß auf 4 bestimmte verschiedene Zahlen einstellte, denn es hatte immer tadellos funktioniert. Und diese Zahlen hatte der Einbrecher„erraten!“. Es gibt doch wirklich noch schlaue Einbrecher! Oder sollte es ein Gedankenleser gewesen sein? Zum Ueberfluß haben auch Spinnen in der Fensternische ihre Netze gezogen, und diese hatte der gewandte Mensch beim Durchsteigen unbeschädigt gelassen. Endlich waren die Scherben des angeblich von außen zertrümmertes Fensters(denn der Einbrecher war ja von außen eingedrungen) nach außen gefallen. Erklärt mir diesen Zwiespalt der Natur! Schließlich gab der Buchhalter zu, den Diebstahl selbst begangen und den Einbruch vorgetäuscht zu haben, damit seine Veruntreuungen nicht entdeckt werden sollten. Ein ländlicher Weiberhandel. Aus Sonnberg im oberöstereichischen Mühlviertel wird ein Geschichtchen erzählt: Zwei Bauern, dem Johann Braunschmied, Leiter in Obersonnberg, und dem Franz Wöblinger, Fuchseneder in Würth, Gemeinde Halbach, paßten ihre Weiber nicht mehr recht; jeder glaubte, mit der des Partners besser zu fahren. Sich trennen? Das geht nicht. Außerdem gibt das viele Scherereien. Die beiden Bauern machten es kürzer: sie tauschten einfach ihre Weiber aus. Und die waren mit dem Handel einverstanden, nur bestanden sie darauf, ihre Kinder, die eine fünf, die andere drei, mit in das neue Heim zu bringen Freilich der Wöblinger war nicht ganz ohne Bedenken: fast schien es ihm, als wenn doch sein altes Weib mehr äußere Reize hätte wie das ihm im Tauschwege angebotene neue. Doch der Braunschmied ließ sich nicht sponnten. Er gab ein Paar Ochsen und der Handel wurde perfekt. Nach einem Jahre aber merkten die beiden Gatten, daß sie eigentlich doch auch mit ihren frühern Weibern gut gefahren waren, fast besser als mit den neuen; und nun kamen sie überein, den Handel wieder rückgängig zu machen. Wöblinger stellte seine eingetauschte Gattin, ihrem rechtmäßig angetrauten Manne zurück und holte sich dafür von Braunschmied sein Weib samt Kindern ab. Die Ochsen durfte er behalten. Die Wiedervereinigung der beiden Paare wurde von den Nachbarn festlich gefeiert. Hoffentlich Pimmt sctet! Lindlar, den 6. Febr. 1925. * Ich stampfen hiermit un mit 6 PS eine elendige Verläumdung, di„man“ gegen mich erhoben hat, in Grund un Boden erein: Et is nich wahr— dat ich mit meiner Plauderei über unsere„schöneren Hälften" diesen an'n Wagen fahren wollte. Et is nich wahr— dat ich von den hiesigen Friseuren un anderen einschlägigen Geschäften für den Mehrverkauf von Odören, Seifen, Seidenbändern, Haarspangen, Zierknöppen un wat der schönen Sachen noch mehr sind, Provision kriege, un bloß dadrum— also aus„verdienstlichen" Gründen— mein Herz aufgeklappt hätte. Wahris— dat ich unseren Fraulücken'n schön Wahrheit sagen un’n paar herzehrlicher Komplamenter machen wollte. Wahr is— dat'n ganz Deil Fraulück viel glöcklicher in di Welt erein luhrt als vor 14 Dagen, weil sie nu durch mich wissen, wat sie wert sind. Wahr is allerdings— dat di oben genannten Geschäfte in den letzten 8 Tagen an Schönheits= und Ziermitteln mehr verkauft haben als sons in'm halben Jahr. Wahr is— dat et nit lang dauern wird, bis'r baußen in aller Welt singen wird: Kommt laßt uns wandern zu den Bergischen Höh'n, Dort sind ja di Mädchen un Frauen so schön! Also is doch alles gut! Ich kennen dat besser un laß'r di Fraulük un di Pferd nit eso leicht scheu machen. Un nu kommt als akutes Thema eine: Ziefernste Humoristika über den Film: Graf! Gedankenstrich! Diesmal kam'r Budding, nämlich die„heitere Beigab, in einem Lustspiel vorab un dann folgte erst dat schwere Essen in einer Vorspeis un 4 üppigen Fleischgängen. Di Vorstellung beginnt! Der französische Graf hatte also'n Gestellungsordre gekriegt un da er nit reklamieren konnte, mußte er als Offizier plötzlich in den Krieg. Er will aber noch schnell Abschied von seiner Frau, der Gräfin Madeleine, nehmen. Dat kann ihm keiner verübeln, denn erstens gehört sich dat un zweitens stellt Madeleine, di augenscheinlich gut durch'n Winter gekommen is,'n ganz kapabel Weib dar, wat sich wirklich nit zu verstecken brauch. Ob sich’r Graf nu mit seiner Haushällischen gezankt hatte, dat er deshalb zu bang war, mit seiner Frau in et Schloß erein zu gehen, oder ob sons wat zum Grund war, kurz un gut, di Beiden trieben sich wohl'n geschlagene Stund im Garten un auf’r Veranda erum. Bei dem argen Wind wird sich et Madeleine bestimmb'n schwer Verkühlung geholt haben in ihrem Florkleid. Di Zuschauer singen allmählich an aufzumucken, un dat mit Recht, denn’r Graf hatte in all der Zeit sein königlich Weib noch kein einziges Mal— geküßt. Neben mir sagte'n gesonger Bursch zu seinem Mädchen, wat„zufällig" bei ihm war:„Haste Weib, wat doch sing Frau eß, nit? Ha, ech söl Graf sing!“ Dat trug ihm'n wißbilligenden Blick vom Trina ein. Na, endlich mußt'r Graf auch di allgemein Mißstimmung des meist„liebevollen" Publikums gemerkt haben, denn auf einmal holte er dat Versäumte so gründlich nach, dat'n schwerer Seufzer der Erleichterung un Erlösung durch'n Saal ging un etlichen et Kinnwasser los wurde. Ru halt Dich gepackt, lieber Leser, et geht nu nämlich im Hundertzwanzig voran. Im nächsten Augenblick sehen wir'n Graf als mitten im Kampfgetümmel, wo er um sich haut wi'n richtigen Dragoner, bis et Programm ihm'n Stupps gibt dat er vom Pferd fliegt un mit'm Stück Säbel im Kopp auf’r Erd liegt. Ne, ne, et is doch fabelhaft, wat nit alles van Menschenhängen gemacht wird. Di Gräfin krigt di Nachricht,’r Graf wär schwer verwundet und dann von den Rossehufen der Pferde zerstampft worden. Sie hat nu— wi et heißt— 5 Jahre lang um ihn getrauert, Dann aber hat si et nochmal mit'm anderen probiert. Dat is zu verstehen, denn trotz all der Trauer war si noch gut bei Kräften, war offenbar gar nit abgemagert un hatte noch kein Färbchen verloren. Si is wieder glücklich. Dat kann'r ihr gut gönnen nach all ’r Trauer. Wieder rollen 5 Jahr dahin. Sie hat zwei Kinder. Dat is ja nu kein Kunststück, aber et gehört mit dabei. Mehr soll si'r aber auch wohl nit kriegen, denn dat Stück spielt ja im französischen Frankreich. Jetzt kommt di Tragik. Der Graf is nämlich gar nich tot. Er hat die schwer Verwundung körperlich überlebt, aber— sein Besinnung, sein Erinnerungsvermögen is ihm verloren gegangen. So weiß er nit, wi alles seinen Zugang hat, wi— un wo— un wat— un warum. Er weiß überhaup nit emal mehr wi er heißt un wat er is. In diesem Zustand is er nu all di Zeit, dat heißt 10 Jahr, umhergeirrt, hat sich meistens im Busch aufgehalten un is dann zwischendurch betteln gegangen. Di Filmkünstler werden et mir doch wohl nit krumm nehmen, wenn ich dazu'n recht ungläubiges Thomas=Gesicht mache. Außerdem will ich aber nichts gesagt haben. Doch weiter im Text. Der Graf, der natürlich gar nit mehr so aussieht, gerät beim Betteln eines Tages unbewußt an sein Schloß un sogar in den Garten, in dem er vor 10 Jahren dem Publikum zulieb seine mit verschiedenen Schönheitsmerkmalen belastete Frau so intensiv abgeküßt hat. Der programmäßige Zufall will et, dat in diesem Augenblik sein Frau auf di Veranda tritt. Hier muß ich wat einschalten. Wenn ich nit irre, dann hatte di Madeleine noch immer et selbige Kleid an wi vor— 10 Jahren. Un dat als Französin! Wenn ich mich also nit versehen hab, dann benennen ich hiermit in aller Oeffentlichkeit ihren zweiten Mann als'n Kniestbüggel erster Klasse. Wi der arm Graf so plötzlich seine Frau in derselben offenherzigen Schönheit un genau an derselben Stelle wiederfieht, wo er si zuletzt eso fest un inniglich in'n Armen gehabt hat, da gibt et wi durch'n Blitzschlag'n gewaltige Revolution in seinem Herzen, sodat auf einmal et Herz seinen Verstand und sein Gedächtnis wieder Ich kann et nit lassen: Insgemein is dat Aber wi gesagt, son Leut wissen et zu machen, ja umgekehrt, indem bei verliebten Leuten— be. Nach langem Hin un Her hat et Madeleine selvs sonders in der Jugendlichkeit— et Hazze den mit’m Graf gekallt un ihm di Kinder gezeigt Verstand vollständig aus dem Fassong bringt. un ihn flehentlich gebeten, doch wieder abzuNa, auf alle Fälle war’r Graf nu aber marschieren.'r konnt et merken, dat si sich als wieder„im Bilde“ un so schrie er dann auch so ganz gut an den anderen gewennt hatte, weil hatt wi er konnte:„Madeleine!“— grappte mit ihr der besser gefiel. Ich nehmen ihr dat auch beiden Hängen in di Luft un fiel längdeweg auf nit übel, denn’r Graf ließ sich doch im allgedi Erd un in Ohnmacht. meinen arg hängen un hielt kein Stücke mehr Aber in Zeit von null, nix hatten ihn di auf sich, bummelte stets un ständig in'm ahlen, Schloßlakaien un Gärtnerburschen, di sich in sonem zerrissenen Kutschermantel erum un daht sich offenSchloßpark bekanntlich immer erum lömstern, auf= bar auch nit mehr wäschen. So'n Mann muß gepackt un in'u Stub auf'n Kanapee gelegt,'r Frau doch leid werden, besondesch wenn si wo er dann auch bald wieder zu sich kam. Nu„Madeleine“ heißt. Trotzdem si sich in ganz unaber handelte er überstürzt, weil er verlangte dat vernünftiger Weis zu der Aussprach arg staats Schloßgefinde sollte ihn sofort wieder= un aner= gemacht hatte un schrecklich apptitlich aussah, sah kennen. Dat konnten un dahten die Leute aber'r Graf doch ein, dat’r ganze Hantier keinen nich, denn wi sah er auch aus gegen früher! Zweck mehr hatte un daht dann auch endlich verDer Graf kriegte et nu wieder auf di Nerven un zichten. Dann aber ohne Bongschur un Adjüs wurd schließlich rabiat un handgreiflich. Dat packte er di Schlippen zusammen brauchten sich di Samariter, di doch bona sides’r Wind nach'm Schloß. Si taten dat un jückte wi handelten, nicht gefallen zu lassen. auch nich, sondern schmissen ihn kurzerhand am Cempel eraus. Dat si ihm aber auch noch Pflastersteine nachwarfen— et war sogar ein richtiger 12 18er dabei—, dat finden ich nit schön.'r kann alles übertreiben. Ein zufällig vorbeifahrender Bauer, der grad von der Ziegenausstellung kam, nahm den Grafen als Fundobjekt auf seinem Wagen mit heim. Hier wurde er gepflegt un lebte dann so mit, indem er hier un da so wat knüsterte un klüngelte un dafür satt zu essen kriegte. Er will nun zum besten Advokaten von Paris, damit ihm dieser hilft, seine„Belange“ zu wahren. Et wird ihm aber von'm ulkig sein wollenden Schreiber— sonem alten Kaffeedrinker— gesagt, er könne den Advokaten nur Nachts gegen 1 Uhr treffen. Dat er sowat glaubt, is'n Zeichen, dat er doch noch nich ganz richtig im Kopp is. Er stellt sich aber auf die Lauer un der Zufall will et, dat der Rechtsverdreher wirklich so um 1 Uhr erum angesockt kommt. Ich kann'r nich anders denken, als dat er auf'r Fahnen beih auf'm Winterfest gewesen is. Di Zwei unterhalten sich nu lang un breit un'r Advokat glaubt endlich, dat der heruntergekommene Mann im Landstreicherkostüm'r richtige Graf is. Er verEr hatte nämlich mit'm nixnötzigen Diener 'n Komplott ausgeheckt un ihm et halo Rittergut versprochen, wenn er’n Mann von seiner Frau „verschwinden“ ließ. Dat war ja nu überflüssig. Er wollt selos verschwinden. Um den Schein zurückzukriegen gub et nu noch'n eklige Klopperei. Eigentlich war et doch'n Niederträchtigkeit vom Graf,'n Lakaienseele zum Mord anzustiften. Zum Schluß wollte'r Graf sein Frau aber doch noch mal sehen un so stellte er sich dann in ’r Kastanienallee hinger'n Eichenbaum. Als’r herrschaftliche Wagen nu vorbeifuhr, kriegte er widder'n Zidder. Er grappte in di Luft, schlug sich auf et Hazze, packte sich an'n Kopp un'n Dannenbaum um'n Hals. Un dabei hatte er dat all nit emal nötig, denn’r Wagen war in dem Augenblick eso leer wie'n UnterbeamtenPortmannee am letzten Dag im Monat. Die Filmdiva alias Madeleine saß derweil mit ihren Freunden un Liebhabern ganz kreuzsidel im nächsten Erfrischungsraum un trank Schampanger. Ich kennen dat besser, wollte aber den armen Graf un dem Publikum di Freud nit verderben. Et Madeleine un ihr Mann linker Hand haben aber doch'n komplette Dummheit dadurch begangen, dat si’m Grafen, der nu in die „weite Welt“ ging, von seinem ganzen Vermögen, spricht ihm, seine Sache zu vertreten, rät ihm wat si doch nu eigentlich von ihm als selbstveraber, sich'n ander Kluft zu kaufen, denn darauf ständlich eingesackt hatten, auch nit einen Pfennig käm viel an.“ Anstatt di Worte zu beherzigen, Zehrgeld mit auf'n Weg gaben. Dat war geht der noch immer unkluge Graf hin zu seinen Quartiersleuten un schenkt denen all sein Geld, wobei er glücklich— natürlich auf französisch— schreit:„Viktowar, Viktowar! Ich haben bald Geld zebascht!“. Anderntags is der Advokat zur Madeleine un hat ihr gesagt, dat„er“ wieder lebendig sei un so. Wi’r Schreck, mit dem Madeleine beinah'n Disch umfiel, auf et Publikum wirkte, kann'r daraus ermessen, dat'n jung Mädchen neben mir anfing hattob zu krieschen un met zitteriger Stömm zu mir sagte: „O Goddegott, dat ärm, ärm Frauminsch! Hindrich, könnt ühr'n dann em Goddeswellen nit hellepen?“ „Nee Kengk!“ sagen ich,„laß'r da di Fingeren hübsch von lassen. Di haben sich dat selvs eso eingebrockt un müssen dat nu auch selos eso ausfressen. Uebrigens, son Zoort Leut wissen sich immer zu helfen.“ Et is ja gewiß als arg, wenn'n Mann zwei Frauen hat, aber'n Frau mit zwei Männern gitzig und wird sich vieliz noch schwer rächen. Ich hab nämlich so mein Gedanken darüber gehabt, wi’r Graf in seinem fladderigen Mantel 'n„Langen Hahn“ erauf dauhte, um zu Fuß auf’m stracksten Weg programmäßig nach Rußland zu wandern. Un als dat Jungfräulein neben mir fragte: „Sägt Hindrich, wat well'r Graf dann nu eigentlich en Rußland, wat och noch esu wiet avlieht von Frankreich?“, da haben ich gesagt: „Jja Kengk, dat will ich Dir ganz genau sagen. Ich hab'n dicken Buren-Knolz verspillt, wenn der Graf nit in'm knappen Jahr als fixfertiger Bolschewik wieder retour kommt un da ungen in Frankreich seiner Madeleine un dem Mann seiner Frau et Herkenbohren liehrt un'n schönsten Brassel an'n Gang macht.“— „Et wor ävver furchbar schön“ sagte'n weichhazzige jong Frau, wobei si sich di Tränen anwöschte. Et war sogar„schrecklich“ schön sagt auch: Frage und Antwort. Ein Ratgeber für jedermann. Bedingungen für die Beantwortung von Arfragen aus dem Leserkreis. Es werden Fragen nur deantwortet, wenn Postbezugsschein oder Ausweis, daß Fragesteller Bezieher unseres Blattes ist. und 80 Pfennig Porto=Anteil mit eingesandt ersetzt VerFlocken durchaus zufrieden* Dr. Bn. ersolgen, auch eine nachträgliche Erhebung der Kosten durch Nachnahme, wie sie vielfach gewünscht wird, müssen wir aus diesem Grunde ablehnen. Die Schriftleitung. Jrage Nr. 1. Wie werden Kartoffelslocken an Pferde verfüttert? E. M. in K Antwoct: Kartoffelflocken können an Pferde ohne jegliches Bedenken verabreicht werden und werden von diesen auch gern genommen. Man verfüttert sie am besten schwach angefeuchtet im Gemisch mit Häcksel. Was die Menge betrifft, so können etwa 35 bis 40% der Körnersutterration durch Flocken ers werden. Die Arbeitsleistung ist bei fütterung von stellend. Jrage Nr. 2. Mein Johlen hatte Durchfall und fraß sehr wenig, nur Wasser soff es wie wild. Heute hat es wieder Appetit, aber auf das Wasser stürzt es sich immer noch so wild. Es uriniert wenig, der Kot ist naß. Was läßt sich dagegen tun? Ph. G. in St. Antwort: Geben Sie dem Pferde nur ungequetschten Haser, gutes Wiesenheu und Dächsel. Das Trinkwasser muß rein und etwas abgestanden sein. Zweckmäßig ist es, das Tier ab und zu eine Handvoll leicht gerösteten Hafer fressen zu lassen. Dr. S. Irage Nr. 3. Meine Kuh ist sehr mager, trotzdem sie gut frißt. Sie soll an Leberegeln leiden. Wie ist die Krankheit zu bekämpfen? K. H. in G. Antwort: Die Leberegelkrankheit entsteht dadurch, daß die Brut des Leberegels mit dem Jutter aufgenommen wird, die sich sodann entwickelt und die Gänge der Leber verstopft. Die Bekämpfung ist sehr schwer. Man muß sich darauf beschränken, die Folgeerscheinungen durch eine der Krankheit entsprechende Fütterung zu bekämpfen. Als Jutter kommt in Betracht: Lupinen, Getreideschrot und geröstetes Gerstenmalz. Als Arzneimittel können Eisenpräparate, wie Eisenvitriol, zuckerhaltiges kohlensaures Eisen usw. empfohlen werden. Auch ein Zusatz von Wermutkraut=Abkochungen, in welchen Bitterstoff günstig wirkt, ist zu empfehlen. Dr. Bn. Jrage Nr. 4. Meine Kuh hustet und leidet an starker Heiserkeit. Was ist dagegen zu tun? S. M. in St. Antwort: Ihre Kuh leidet wahrscheinlich an Kehlkopf= und Luftröhrenkatarrh. Es kann ahaee der auch um Kehlkopforkans und drentschen Husten handeln. Letztero führen sehr „Aufig zu einer Verschwellung der Stimmritzen, wodurch wahrscheinlich die Heiserkeit bei Ihrer Kuh hervorgerufen wird. Zwecks Behandlung empfiehlt sich eine warme Einhüllung der Kehlkopfgegend. Auch Einreibungen mit Lorbeeröl oder einer scharfen Salbe am Kehlkopf und längs der Luftröhre sind zu empfehlen. Ferner ist das Einatmen von Wasserdämpfen mittels gekochter Gerste oder Einbrühen von Heusaat geeignet, die zähen Schleimmassen zu lösen. Tritt Erstickungsgefahr ein, muß der Orftröhrenschnitt gemacht werden. Dr. Bn. Jrage Nr. 8. Meine Kuh, die zum zweiten Male gekalbt hat, war anfänglich in der Milch sehr gut. Nach zwei Wochen hielt sie die Milch beim Melken zurück; sie neigt zur Bösartigkeit. Wie läßt siet dies abstellen. H.., Qu. Antwort: Das Zurückhalten der Milch beruht in einer Untugend der Tiere, die aus Jurcht, Schreck, nach öfterem groben Melken bei Schmerzen im Euter und an den Zitzen usw. entstanden ist. Die Abgewöhnung kann nur durch vorsichtiges Melken und gute Behandlung erfolgen. Bleibt der Erfolg aus, ist beim Melten eine Rasenbremse anzulegen. Dr. Bu. 3. Wentel Et stenschrot brauchen meine#ir se 100 kg ich eren Mastschweine 15#.0 M: aud, un arloffeln fett zu werden? J. K in H. Antwost. Gerstevschroe stell. sich als ausschließliches Mastfutter zu teuer, es ist deshalb wirtschaftlich unrichtig, e: ullein zu geben. Füttern Sie einmal suchsweise täglich je Zentner Lebende„icht 4 bis Jutterrüben (Runkelrüben), 1“.g Gee stenschro. und 2 Liter Magermilch und ersetzen Sie bei Fortfall der Magermilch diese durch eine etwas höhere Gerstenschrotzulage. Lassen Sie sich von dem Verlage I. Neumann in Neudamm schicken: 0,60 Me.; in letzterer finden Sie eine große Anzahl von Jutterec“inen, die Ihnen guten Anhalt geben Iw. Jrage Nr. 7. Meine Ziege hat seit längerer Zeit an den Schulte.blättern Schorfe. Dieselben breiten sich über den ganzen Körper aus. Die Haare sind fettig und kleberig, Freßlust ist mangelhaft. Wie läßt sich die Krankheit beseitigen? W. A. in A. Antwort: Ihre Ziege leidet wahrscheinlich an Räudemilben. Im Anfangsstadium läßt sich die Erkrankung mit verdünntem Essig oder 2½= bis 5 prozentiger Lysollösung bekämpfen. Im fortgeschrittenen Stadium muß ein Einreiben mit Schmierseife, Lysol, Kreosol, Alkohol oder Räudesalbe vorgenommen werden. Der Mist muß aus dem Stall entfernt werden. Sodann ist eine gründliche Desinfektion vorzunehmen. Die Krankheit ist übertragbar; es ist deshalb die Berührung mit gesunden Tieren zu vermeiden. Dr. Bn. Jrage Nr. 8. Was muß ich tun, um bei meinem Hunde die Holzböcke gänzlich zu vertilgen? W. M. in K. Antwort: Die Holzböcke besser Zecken genannt, sind achtfüßige Spinnentiere mit beutelförmigem Hinterleib. Sie graben sich mit ihrem kleinen Kopf in die Haut ein und saugen sich voll Blut. Will man sie entfernen, muß man darauf achten, daß der Kopf nicht in der Haut steckenbleibt. Deshalb ist ein Abreißen oder Abkämmen nicht zu empfehlen. Jur gründlichen Entfernung ist es nötig, sie einzeln mit Kreolin, Karbolöl, Petroleum oder Terpentinöl zu betupfen. Hernach kann ein Abkämmen erfolgen, ohne daß der Kopf in der Haut steckenbleibt. Bei massenhaftem Vorkommen sind Badekuren mit Teerseifenlösung zu empfehlen. Dr. Bu. Jrage Nr. 9. Ich mußte ein junges Huhn schlachten, das zwar noch fraß, aber nur ganz langsam laufen konnte. Beim Rupfen war dasselbe völlig mit Beulen und Knoten bedeckt. Was ist das? v. B. in B. Antwort: Ob es sich um Tuberkulose handelt oder um Kammgrind, der auf den Körper übergriff, können wir so nicht sagen. Auf alle Fälle rechnen Sie aber mit der AnLechungsgefahr. Sollten mehrere Hühner das Lewven haben, dann schaffen Sie alle ab und desinftzieren alles gründlich, um später wieder neue Tiere zu beschaffen. Kl. Jrage Nr. 10. Eins meiner Hühner steht herum und frißt schlecht. Auf dem Rücken sitzen die Federn locker. Auch befindet sich gelber Schorf an den Federn und am Kamm. Welcher Art ist die Krankheit? M. B. in B. Antwort: Entweder handelt es sich bei Ihren Hühnern um Kammgrind, der auf den Körper übergegriffen hat, oder um eine Begleiterscheinung von Tuberkulose. Auf alle Fälle ist daran wenig zu ändern. Auch der Kammgrind ist nicht mehr heilbar, wenn er auf den Körper übergegriffen hat.(Steckt sehr an!) Ist nur der Kamm allein befallen, dann kann mit Lenicet=Räudesalbe geholfen werden oder auch mit Karbolineum. Wir raten, die Hühner abzuschaffen, alles gründlich zu desinfizieren und dann neue Tiere zu beschaffen. Die erkrankten Tiere leisten doch nichts mehr. Kl. Jrage Nr. 11. Meine Hühner gingen an Lebertuberkulose ein. Was ist hier zu tun? A. B. in V. Antwork: Gegen Lebertubernutose gi! es kein Mittel: sie ist sehr ansteckend, auch für junge Hühner. Schlachten Sie alle Tiere ab; dann mehrfach gründlich alles desinfizieren, besonders die Ställe. Im nächsten März oder April schaffen Sie dann wieder Hühner an. Kl. Irage Nr. 12. Muß bei sehr durchlässigem Boden der Dünger untergegraben oder obenauf gebreitet werden? J. E. in G. Antwort: Im allgemeinen ist auf solchen Böden bei ebener Lage ein Obenaufliegenlassen des Stallmistes über Winter und späteres flaches Unterbringen besser als ein zu tiefes Untergraben. Allerdings gehi dabei durch die Frühjahrsfurche die wertvolle Winterjeuchtigkeit verloren, weshalt man auch zur Vermeldung dessen den Stalldung im Herbst flach unterbringt und die Frühjahrsfurche unterläßt. Dasselbe gilt auch vom Kunstdünger. M. W. Jrage Nr. 13. Meine Pflaumenbäume sind seit einigen Wochen voller roter, kleiner Läuse. Was ist zu tun? J. K. in P. Antwort: Ihre Pflaume ume sind von der roten Schildlaus, der gez#hrlichsten aller Schildläuse, befallen. Hiergegen hat sich 40bis 50 prozentiges Obstbaumkarbolineum, im Winter mit einem Pinsel auf Stämme und Zweige aufgetragen, vorzüglich bewährt. Es sind möglichst die Knospen zu schonen, da die starke Karbolineum=Mischung dieselben unbedingt tötet. Damit die Flüssigkeit auch überall hindringt, ist es vorteilhafter, vorher die lose Rinde abzukratzen. Jrage Nr. 14. Meine Kirschbäume stehen auf einem Weinberggelände, das seit etwa 15 Jahren keinerlei Dung erhalten hat. Zur Reifezeit sind die Kirschen schnell weich, gehen leicht vom Stiel ab und fallen so leicht vom Baum ab. Was ist zu tun? I. G. in 3. Antwort: Das Herunterfallen Ihrer reifen Kirschen hängt nicht allein von dem ungedüngten Boden ab. Es ist anzunehmen, daß die Lage sehr warm und sonnig und infolgedessen sehr trocken ist. Hier könnte durch Bewässerung Abhilfe geschaffen werden. Ebenso wäre eine Düngung mit Lierkes Kleingartendünger, von der Firma Güldenpfennig in Staßfurt, sehr zu empfehlen, je Quadratmeter 80 bis 100 g. Falls Sie die Baumscheiben bis weit über die Krone hinaus nicht umgraben wollen, machen Sie mit einem Locheisen oder spitzen Pfahl 10 bis 15 cm tiefe Löcher, ungefähr, in 20 cm Abstand. Hierin verteilen Sie bünger, der zuvor mit so viel trockener Erde vermischt ist, daß die Löcher voll werden. Rz. Jrage Nr. 15. Ist Lindenbkütenhonig dem Akazienhonig gleichwertig? D. V. in I. Antwort: Es ist falsch, duß Lindenblütenhonig dem Akazienhonig gegenüber als minderwertig bezeichnet werden kann. Da über den Geschmack nicht zu streiten ist, greift der eine nach dem wasserhell aussehenden, sehr süß schmeckenden Akazienhonig, der freilich schwerer dick wird und kristallistert als der Lindenhonig, der schärfer, aromatischer schmeckt, schneller seine dunkelgelbe Jarbe mit dem in der Aufsicht charakteristischen grünen Schein in hellgelbe Kristallmasse verwandelt, aber gerade deshalb von anderen gesucht wird. Der jestgewordene Honig kann ja mit Leichtigkeit'rch Einstellen in Wasserbad(nicht über 45##rad Celsius) dünngemacht werden. Die vom Großhändler bezogenen Honige, die dünnflüssig bleiben, sind häufig Auslandshonige, die darch die verschiedenen Reinigungsmethoden so oft erwärmt und verändert sind, daß sie die Fähigkeit zu kristallisieren verloren haben. Dem deutschen Honig sind diese Honige nicht zu vergleichen. Schdt. Jrage Nr. 16. Wie stellt man aus Ziegenund Schweinefleisch Dauerwurst her? H. R. in B. Antwort: Man nehme 7½ Pfund Ziegenfleisch, 2½ Pfund Schweine=Rückenfett, ½ Pfund Salz, Pfeffer nach Gutdünken, 1 Teelöffel Zucker, 1 Eßlöffel Rum, ½ Teelöffel Salpeter und je nach Belieben etwas Kümmel oder Knoblauch. Nach dem Stopfen wird die Wurst wie jede andere Dauerwurst behandelt. Ein Geschmack nach Ziegenfleisch ist nicht bemerkbar. K. Sch. Alle Zusendungen an die Schriftleitung sind zu vichten an den Verlag J. Neumann in Rendamm. und zwar i der Art, daß der G: beiter sich.— Gra ben von Spatenbreit aushebt und dam den Stich 1 der näch sten Spatenbreite, als Grasnarbe oder Acker krume, auf die—. des Grabens gibt un Korbweiden, ihre Kultur, Bearbeitung und Feinde. Von Dr. A. Oeser.(Mit 5 Abbildungen.) Die Kultur der Korbweide ist keine Errungenschaft der Neuzeit; 200 Jahre vor Christi Geburt hat schon Cato in seinen Schriften derartige Anlagen empfohlen. Plinius gibt gegen 93 nach Christi Geburt genaue Vorschriften über die Kultur von Bruch=. Mandel=, Hanf= und Purpurweiden. In Deutschland, wo die Weidenzucht im 15. ois 17. Jahrhundert blühte, war sie nach dieser Zeit vollkommen eingeschlafen und ist dann erst wieder Anfang des vorigen Jahrhunderts über Holland bei uns eingeführt worden. Viele Provinzen und Kreise Deutschlands haben die große Wichtigkeit der Weidenzucht längst eingesehen, wie die an vielen Stellen entstandenen von den Behörden unterstützten Muster=Kulturen beweisen. Unsere Ausfuhr an Korbwaren und Korbweiden betrug vor dem Kriege mehr als vier Millionen Mark; alle Länder brauchen Korbwaren, oft ohne genügend Weiden zu besitzen, und viele bezogen von uns, wie Amerika und England. Die Korbweide gedeiht auf fast jedem Boden außer auf sterilem Sand und Kies sowie dichtem Lehm, wenn sie nur vor stagnierendem Grundwasser geschützt ist; alte Kulturen, Weidenwerder, finden sich im Überschwemmungsgebiet vieler Flüsse, zum Beispiel Oder und Elbe, durch Anlage einer Korbweidenkaltun bessere Erträge geben; was auf derartigen Boden die Quantität zu wünschen übrig lassen würde, würde durch die gute Qualität in vollem Maße anfgenagen werden. Die auf Rieselfeldem gezogenen Weiden sind in ihrem Wuchse meist so massig, haben so starkes Mark, daß sie zum Schälen nicht geeignet find; sie sollten nur zu grüner Arbeit verwendet werden. Mit Recht wird von den Engländern den in Holland— auf stark humosen Gmsssmn Böden gesggenen Weiden die geringe Brauchbarkeit nachgesagt. Anlageeiner Kultur. Der zur Weidenpflanzung bestimmte Boden muß zunächst möglichst planiert und wenn nötig, vom stauenden Grundwasser befreit werden. Die Bearbeitung des Bodens wird so zeitig vorgenomder geBoden em —0 eer ull einen Gradann niemals von entfernten Lieferanten Pflanzholz in Form von Stecklingen beziehen, da diese durch den längeren Transport schon immer etwas gelitten haben. Es ist ratsam, gute zweijährige Weiden, von etwa 20 mm Stammstärke, zu beziehen und diese im Schatten, in seuchtem Sand stehend aufzubewahren, bis gepflanzt werden soll.— Geschnitten sollten am besten nur immer so viel Stecklinge werden, als inn den nächsten Stunden in die Erde gebracht werden können. weiß ja, daß große Flächen mit Stecklingen bepflanzt werden, die nach dem Schneiden noch tagelang im Eisenbahnwagen usw. liegen müssen; ich slieferte ja selbst große Mengen Stecklinge, die manchmal; bei weiter Entfernung des Pflanzortes, einige Tage auf der Bahn sein mußten, trotzdem rate ich, es angeht, nach dem Obigen zu verfahren! Das Schneiden der Stecklinge wird an vielen Orten auf dem Hackklotz mit der Axt ausgeführt, hierbei fallen die einzelnen nicht gleich lang aus, und die Schnittfläche ist in den seltensten Fällen glatt.— Zu empfehlen ist eine auf schwerer Bank befestigte Schere mit papageischnabelartiger Schnittfläche(Abbild.), die es erlaubt, fünf bis acht Ruten auf einmal in richtige Länge zu schneiden. Wird am Pflanzort geschnitten, so erübrigt sich das zeitraubende Zählen und Einbinden. Mit dieser Schere Abbildung 2. Bsanzelten. #schneidet eine Arbeiterin, wenn sie zwei Kinder #nrd Megwohmer Abbildung 1. die, durch jährliche Überschwemmung gedüngt, seit langen Jahren gute Ernten eines vorzüglichen Flechtmaterials liefern. Am besten gedeiht die Weide auf rigoltem Wiesenboden und altem Weideland, wenn sie, wie gesagt, vor stagnierender Nässe geschützt ist. Landwirte, denen die Bearbeitung abgelegener erstklassiger Gutsteile zu unbequem und teuer war, haben diese manchmal auch zu Weidenkulturen angelegt und selbstverständlich darauf hohe Renten erzielt; weil die Landwirtschaft aber die für Deutschland nötige Menge von Lebensmitteln nicht liefern sollte der bessere Boden naturgemäß für Ackerbau reserviert bleiben und darf nicht zu anderen, wenn auch lohnenderen, Zwecken verwendet werden.— Die jährlichen Erträgnisse sind selbstverständlich außer von der Bodenwahl auch von den gewählten Weidensorten, dann aber auch von der Reinhaltung und eventuellen Düngung abhängig.— Viele tausend Hektar zu Ackerbau wenig geeigneten Bodens würden 1zum Zureichen und Wegneymen hat, in zehn Tucker= Stunden bequem 25 Tausend. Ein Fußbund ie Sohle Pflanzholz gibt etwa 450 bis 500 Stecklinge. Was die Auswahl der Weidensorte betrifft, Rasenstücke möglichst so ist zu bemerken, daß unter den 165 bekannten mit dem Spaten zer= Weidensorten die gelbe Hanfweide und die Mandelweide auf allen Bodenarten die besten und höchsten Erträge geben. Die kaspische Weide macht an den Boden die geringsten Ansprüche, liefert auch gute Erträge, verträgt aber am schlechtesten den alljährlichen Schnitt, und diese ist von allen Weidenarten am meisten dem Wild= 19 Bektbrenßische Stecklings=Schneidemaschine. kleinert, damit aufliegen. Stich 2 kommt auf dieselbe Höhe, auf der er gelegen hat, und Stich 3, meist schon unfruchtbarer Sand oder Kies, kommt obenauf. Die rigolte Fläche wird mit der Egge eingeebnet. Pflanzt man in frisch rigoltem Boden, bevor er sich also setzen konnte, so kommen die Stecklinge bald mehr oder weniger zum Vorschein verbiß ausgesetzt. und müssen nochmals mit Fuß oder Hand in Bei einer Pflanz den Boden gedrückt werden; solange noch kein weit van 70 Wachstum eingetreten ist, hat dieses nochmalige Hinunterstoßen keinen Schaden im Gefolge; geschieht es aber, wenn die Augen schon ausgeschlagen haben, so ist dieses Hinunterdrücken direkt schädlich. Die Auswahl des zu Stecklingen bestimmten. Pflanzholzes, der Weidensorte, sollte man stets nach Lage der Kultur und der Bodenart einem ortskündigen Fachmann überlassen, um nicht Enttäuschungen zu erleben, da nicht jede Weidenart für jede G. gend und für jeden Boden geeignet Abbilduns 3. Beiler zum BeiderOblchneiden. welte von D em und 35 cm Reihenabstand benötigt man für den Morgen 82000 Stecklinge oder 164 bis 170 Bunde zweijähriges Pflanzholz von 1 Fuß Durchmesser.— Zum Bezeichnen der Pflanzweite benutzt man eine Schnur, in die von 10 zu 10 cm rote Läppchen eingeknüpft sind. Bei jeder roten Marke ist ein Steckling mit dem Stammende nach unten in den Boden einzustecken, so daß das obere: Ende verschwindet: wirh aus Unvorsichtigkeit albe 4. Jahrgang Landmanns Sonntagsblatt Zeitung für Laudwirtscdakt. Gartenbau und Hauswirtscbalt Beilage zur Vensberger Vollszeitung Schriftleitung: Oelouomieret Ornzbmenn, Sansamm Sihen Setrnd un in gealt bis Sens und geiten mnen Sein un 1 benr 15. 1035 in Ruskande hat sich es Zuchterobert. So schätzt man in Ungarn und in den Balkanländern die Schafmilch sehr als ein vortreffliches Mittel gegen die Pellagrakrankheit, die recht häufig bei einseitiger Maisnahrung sich einstellt. Und neuerdings beabsichtigt man auch in Japan das Milchschaf einzuführen, zu welchem Zwecke eine japanische Ankaufskommission in Ostfriesland weilte, um Tiere zu erwerben und deren Lebens= und Zuchtbedingungen kennen zu kernen. Hühnerdiphtherie und ihre Bekämpfung. Von K. Sch.— Diphtherie ist der Schrecken der Züchter. Jetzt ist die gefährliche Zeit, in der sie häufig auftritt, die naßkalte Witterung begünstigt sie so sehr und welchen Schaden kann sie anrichten. Es kann nicht genug gemahnt werden: Beobachte deine Tiere! Wenn es schummerig wird und die Tiere aufgeflogen sind, soll man in den Stall gehen, und wie oft hört man da ein leises Schnarchen oder auch ein verstärktes Röcheln. Solche Tiere müssen sofort herausgenommen und in einen abgeschlossenen Raum gebracht werden. Der Stall wird am nächsten Tage ausgeräuchert und man streut tüchtig trockenen Kalk, ein ganz hervorragendes Vorbeugemittel gegen Schnupfen und Diphtherie. Die erkrankten Tiere erfahren eine Sonderbehandlung, diese besteht darin, daß man den Diphtheriebelag. sofern er am Kehlkopf sitzt, zweimal am Tage mit Jod pinselt. Nach einigen Tagen verändert sich dieser Belag in der Farbe, schrumpft zusammen und dann kann man ihn mit der Pinzette abheben. Schlimmer ist es, wenn der Belag oben am Gaumen sitzt, von wo aus der Bazillus durch die inneren Gänge in den Kopf dringt, wo er eine schlimme Bereiterung der Augen usw. verursacht. Man nehme daher eine Untersuchung seiner Tiere öfters vor, damit man die Leiden rechtzeitig erkennt und sich vor Verlusten schützen kann. Ader auch in dem Falle der Gaumenerkrankung kommt man mit der Jodbehandlung immer noch am schnellsten zum Ziel. Man begnüge sich aber nicht allein mit dem Bepinseln des erkrankten Kehlkopfes und des Gaumens, sondern untersuche die Tiere auch unter der Zunge, wo nicht selten ebenfalls ganze Pilzlager sitzen, die man auch mit Jod bestreicht. Der Geruch, welcher dem Rachen der Tiere entweicht, ist ein widerlich süßer und erzeugt ein Ekelgefühl. Als Vorbeuge gebe man in das Trinkwasser etwas Alaun; gut wirkt auch die bekannte Schrödertinktur. Paßt man bei der Diphtherie sorosam auf, kann man sie ohne Verlust benampfen, ist man aber sorglos, kann dieser außerordentlich groß sein und oft ganze Stämme vernichten. den täglichen Pflichten, die uns an den Hühnerhof und Stall fesseln, beobachte man die Tiere genau, um bei der ersten verdächtigen Erscheinung sofort helfend einzugreifen. Mit der Leit schärft sich durch die wachende Fürsorge der Blick dermaßen für die Tiere, daß man sofort die geringste Veränderung an ihnen wahrnimmt. Als erstes Kennzeichen der Diphtherie macht sich in den allermeisten Fällen eine Art Schnupfen bemerkbar, auf den man besonders aufpassen muß. Die Nasenlöcher scheinen schmutzig und sondern einen zähen Schleim ab: Staub und Schmutz setzen sich in diesem fest, wodurch sie schwarz und schmutzig erscheinen Bei weiterem Fortschreiten der Krankheit schwellen die Augen an, in denen sich ebenfalls gelbe Käsemassen festsetzen, welche durch das Eindringen des Bazillus durch die Gaumenspalte sich hier entwickeln und oft zur Blindheit führen Ferner macht sich ein stark röchelndes Atmen bemerkbar, wobei die Tiere den Schnabel weit offen halten und gierig nach Luft schnappen In diesem Zustande ist das Leiden schon weit vorgeschritten und man wird Mühe haben. es zum Stillstand zu bringen. Da auch hier vorveugen leichter als heilen man sehr auf der Hut, beobachte seine grachenen.— sorge vor allem für einen be: Stall und schühe die Tiere vor Von M. T. Man unterscheidet drei verschiedene Arten Winterfrostschäden. Die schlimmste Art ist, wenn der ganze Baum erfriert. Er treibt im kommenden Frühjahre nicht mehr, ist tot und kann kurzerhand abgehauen werden. Hier ist jede Kunst vergeblich, den toten Baum wieder zum Leben zu erwecken. Die zweite Art der Frostbeschädigung ist ein Austreiben im nächsten Jahre, aber schon nach kurzer Zeit stirbt der Baum ganz plötzlich ab. Nach jedem strengen Winter kann man ein solches plötzliches Absterben dieses oder jenes Baumes in einem Obstgarten bemerken, denn auch die Bäume sind verschieden in ihrem Kältewiderstand. Die dritte, leichteste Art der Frostschäden ist ein stellenweises Absterben. Einzelne Zweige werden krank und vertrocknen. Der Baum hat aber immer noch die Kraft, sich zu erholen und den Frostschaden zu überwinden. Der Gartenbesitzer muß in diesem Falle kräftig eingreifen und den Heilungsvorgang mit allen Mitteln unterstützen. Alle Obstbäume werden durch richtiges Düngen widerstandsfähiger gemacht, besonders Phosphorsäure, Kali und Kalk sind hier als Düngemittel dringend zu empfehlen. Auch der Kalkanstrich, der im Spätherbst den Stämmen gegeben werden soll, ist eine gute Abwehr gegen Frostschäden. Hat die Rinde oder das Holz durch Frost gelitten, so ist Schröpfen zu empfehlen. Nach strengem Winter muß im Frühling die Rinde durch einen Einschnitt untersucht werden. Zeigt sich beim Durchschneiden durch die Rinde helles Fleisch, so ist der Baum gesund, zeigen sich aber schwarzbraune Schichten, dann liegt bestimmt Frostschaden vor. Die kranken Stellen werden hier in den meisten Fällen durch Einfluß der gesunden Stellen ausgeheilt. Sind Frostschäden an starken Stämmen orer Zweigen aufgetreten, so lege man ein Pflaster von Lehm und Kuhdung an. Hat man empfindliche Obstarten, besonders Spalierobst, in seinem Garten, so bedeckt man diese mit Zweigen von Tannengrün. Man nehme diese Arbeit aber niemals vor Ende November vor, da sonst die Spaliere unnötig verweichlicht werden. Niemals verhülle man die Spaliere so sehr, daß die Luft nicht überall herankommen kann. Ein stärkeres Zudecken der Spaliere mit Säcken und Strohmatten darf erst dann erfolgen, wenn im Frühling, zur Zeit der Blüte, starke Nachtfröste auftreten. Ntürlich muß ein Lüften während der Tagesstunden vorgenommen werden, denn Licht und Luft sind die Hauptbedingungen für das Gedeihen der Bäume. Die gefährlichste Zeit für Frostschäden sind die Frühlingstage mit ihren Nachtfrösten. Prallt die Sonne auf einen noch fest gefrorenen Stamm, so findet eine zu plötzliche Erwärmung statt. Ebenso plötzlich gefriert abends die Rinde und das Holz wieder, wodurch häufig eine Zerreißung der Gewebe stattfindet. Jür alle Spaliere, die an südlichen Hauswänden aufgezogen sind, ist diese Zeit die gefährlichste, dann kann der Gartenbesitzer nicht genug Schutzmittel anwenden, um nachts seine Sorgenkinder vor dem Erfrieren zu schützen. Neues aus Stall und Hof. Die Stallpflege ist beim Maultier anders als beim Pferde durchzuführen. Man darf sie nicht mit Halfter und Kette im Stalle anbinden, das vertragen sie schlecht. Maultiere haben starke Reigung, sich öfters, besonders nach der Arbeit, zu wälzen. Ein sandiger Platz ist ihnen hierzu am angenehmsten. Mit einer wahren Wonne wälzen sie sich dort umher. Rimmt man ihne.: diese harmlose Jreude, dann fehlt ihnen viel zum Wohlbefinden, und nervöse Störungen, wie: Bockbeinigkeit, Störrischsein, Kollrigkeit, stellen sich ein. Auch während der Nacht sollten sich die Maultiere unangebunden, frei in einer Boxe bewegen können. Trotz des vielen Wälzens brauchen'. Manktiere richt öfter als die Pferde gepieet zu werdes. Es soht hier ein Jettles:, gang 1# aln drn##0 die Mankttere, blese Ratürwbüchsigen Bürschen, gedeihen gut dabei und leisten oft mehr Arbeit als unsere von der Kultur angekränkelten Gäule. Ew.— Ueber künstliche Atmung bei neugeborenen Tieren. Die Sektion eingesandter toter Ferkel ergibt nach.=R. Dr. Engel, Berlin, in Heft 2 der„Zeitschrift für Schweinezucht" als Todesursache nur zu oft eine fehlende oder mangelhafte Entfaltung der Lungen. Die Tiere sind demnach an Sauerstoffmangel zugrunde gegangen. Manche von ihnen sind überhaupt nicht zum Einatmen gekommen, sind also tot geboren, andere hatten nur die Kraft, einen mehr oder weniger kleinen Teil der Lungen zu entfalten. Auch diese gehen meistens nach Wochen eines kümmerlichen Daseins ein und werden meistens als Kümmerer angesprochen. Von irgend welcher seuchenhaften Lungenkrankheit ist bei ihnen nach dem Absterben jedoch nichts zu finden. Bei einer derartigen Luftlosigkeit der Lungen handelt es sich wohl um eine angeborene Schwäche der Atemmuskeln, eine Art Lebensschwäche, oder um ungünstige Momente bei der Geburt. Eine derartige Einatmungsschwäche ist auch bei der Geburt des Menschen nicht selten. Der Neugeborene muß schreien, damit er viel Luft in die dadurch ausgedehnten Lungen einzieht. Infolge einer kräftigen Entfaltung der Lungen wird dann auch der ganze Körper reichlich mit Sauerstoff versehen. Meist genügt ein Klaps der Hebamme, wenn das Kind nicht laut genug schreit. Wenn aber ein solcher Reiz nicht ausreichend ist, taucht man das Kind abwechselnd in einen Eimer sehr warmen und kalten Wassers. Genügt auch das nicht, werden die sogenannten Schultzeschen Schwingungen ausgeführt. Man hält dabei das Kind, das in derselben Richtung sieht wie der Geburtshelfer, mit den Fingern nach hinten in den beiden Achselhöhlen fest und schwingt es so in die Höhe, daß die Beine desselben über seinem Kopf kommen. Dadurch wird der Brustkasten stark zusammengepreßt. Dann läßt man die Beine wieder nach unten fallen, dadurch wird der Brustkasten stark erweitert und Luft dringt in die Lungen.— Diese künstliche Aus= und Einatmung läßt sich leicht auch bei neugeborenen Ferkeln und bei anderen neugeborenen Tieren durchführen. Eine künstliche Atmung wird auch schon dadurch erreicht, daß man das Tier mit beiden Händen oben und unten am Rücken faßt und starke Beugungen und Streckungen vornimmt. Angesichts der verhältnismäßig häufigen Fälle von Tod neugeborener Ferkel infolge fehlender oder mangelhafter Lungenentsaltung erscheint es angebracht, auf diese einfache Methode der künstlichen Atmung besonders hinzuweisen. Soweit die Ausführungen von.=R. Engel=Berlin, angesichts deren cs weiterhin wohl auch an dieser Stelle angebracht erscheint, auf den äußerst gediegenen Inhalt der„Zeitschrift für Schweinezucht“ erneut hinzuweisen, die für den Betrag von 2 Gmk. vierteljährlich vom Verlage J. Neumann, Neudamm, bezogen werden kann, eine Ausgabe, die sich jeder Schweinehalter leisten muß, weil sie sich hundertfältig wieder einbringt.—e. Ganz frühe Taubenbruten sind nur da angebracht, wo es sich um besonders warme Taubenschläge handelt. Auf kalten Schlägen gehen die Jungtauben, wenn sie herangewachsen sind, also etwa Stoppeln haben und von den Alten in der Nacht nicht mehr bedeckt werden, an Kälte zugrunde. Man kann die erstarrten Tierchen oft dadurch retten, daß man sie des Morgens ins geheizte Zimmer holt und mit einem ungewärmten Tuche bedeckt, bis sie wieder munter sind. Es empfiehlt sich auch, zeitig im Frühjahre oder im Winter, noch ehe die Tauser anfangen zu nisten, die Schläge gründlich zu reinigen. Braucht man den Taubendünger nicht gleich, so kann man ihn in alten Fässern mit einer Schicht Erde bedeckt gut aufbewahren. Sollten die Tauben ihre Schläge usto. nur ungern aufsuchen und dabei Scheu zeigen, dann wird der Schlag sicher von Ratten oder von Raubzeug besucht. Dann ist es nötig, ein al gründlich nachzusehen und die Zugänge zu perren, demtt das Raubzeug fernbleibt. Oft kommt das Raubzeug auch nachts durch den Ausflug. In diesem Falle muß am Abend der A:=flug geschlossen und morgens geöffnet werden. Eide Einrichtung dafür läßt sich leicht *„. 981.— Neues aus Feld und Treibhaus und Blum=nznmer. Eine neue Drillmaschine, die Einzelkornlegemaschine, ist jetzt von deutschen Werken gebaut worden, mit der wir viel dünner säen können, weil sie Korn für Korn eins hinter dem andern in bestimmten Abständen ablegt. Diese Drillmaschine steht im Herbst in größerem Umsange zur Verfügung. Sie legt tatsächlich Korn für Korn in einem ganz bestimmten Abstande. Diese Arbeit ist für den Getreide= wie für den Rübenbau ganz besonders wichtig. Wir brauchen nicht mehr zu dibbeln, sondern legen das Korn in die Entfernung, wie wir die Rüben haben wollen. Wenn das der Fall ist, können keine Fehlstellen entstehen und jeder Rübenkern kann bei normaler Keimfähigkcit zwei, auch vier Pflanzen bilden. Deshalb ist es ratsam, jetzt keine neue Drillmaschine nach altem System zu kaufen. Die neue Maschine ist auch für Hafer=, Roggen=, Erbsensaat geeignet und legt jedes Korn für sich. Noch eine Bedingung wird an die neue Maschine geknüpft, nämlich daß das Saatkorn in eine bestimmte Tiefe gelegt wird. Das können wir bekanntlich mit der alten Drillmaschine nicht. Iw. Die Ansichten über die Bekämpfung des Kartoffelkrebses haben sich dahin geklärt, daß der Anbau wirklich krebsfester Sorten am meisten geeignet ist, dieser verderblichen Erkrankung Einhalt zu tun und ihrer Weiterverbreitung entgegenzutreten. Auch der deutsche Pflanzenschutzdienst betrachtet jetzt noch den allgemeinen Anbau krebsfester Sorten als das sicherste und zweckmäßigste Mittel, die Verbreitung des Kartoffelkrebses zu hindern, der allem Anschein nach immer weitere Ausdehnung gewinnt und dort, wo er einmal auf irgendeinem Acker aufgetreten ist, nur zu oft weitere Verbreitung gewinnt und die Umgebung verseucht. Meistens geschieht das Verschleppen des Krebses durch die Ackergeräte, an denen Bodenteilchen von dem infizierten Acker haften. Der allgemeine Anbau krebsfester Sorten kann um so mehr empfohlen werden, als wir darunter Sorten haben, die einmal ergiebig sind und dann den verschiedensten Ansprüchen genügen. Als wirklich krebsfeste Sorten gelten jetzt von den frühen Sorten: Thieles Früheste, Kaiserniere, Kuckuck, Magdeburger Blaue, Juli, von den mittelspäten: Flora, Parnassia, Arnika, Jubel, Hindenburg, Pepo, Preußen, von den späten Sorten: Beseler, Danusia, Rephrit, Geheimrat Werner. Von diesen Sorten sind Geheimrat Werner und Ilora rotschalig, die übrigen weißschalig. Sicherlich findet unter dieser reichen Auswahl wohl jeder Landwirt eine für seine Boden= und klimatischen Verhältnisse passende Sorte. Es kann jedem Kartoffelbauer nur geraten werden, sich beizeiten mit einer geeigneten krebsfesten Socte zu versorgen, denn das Unglück schreitet schnell; wenn erst einmal in seiner Gemeinde der Kartoffelkrebs Eingang gefunden hat, dann ist es schlimm um seine Kartoffelernte bestellt. M. W. Die Farbe der Spalierwand. Das Obstspalier ist eine in zahlreichen Fällen bewährte Einrichtung, die auch noch in höheren Lagen besseres Obst zu ziehen gestattet. So manche Wand, die kahl und nüchtern dasteht, kann durch ein Obstspalier eine Bereicherung erfahren, die annehmbare Erträge bringt und zugleich verschönernd wirkt. Hierbei spielt auch die Farbe der Spalierwand eine Rolle. Daß ihre verschiedene Färbung von Einfluß ist, erschien ohne weiteres als feststehend, einwandfreie Versuche haben jedoch bisher darüber gefehlt. Nun liegen darüber die Versuchsergebnisse zweier französischer Forscher vor. Sie machten eine Mauer, vor der ein Pfirsichspalier stand, auf der einen Hälfte schwarz, auf der anderen weiß. Die mittlere Temperatur betrug: vor der weiß. Mauer vor der schwarzen Mauer März April.. Mai.. 10013 10039 19060 Juni.. Juli... August Seyteniber + 22082 + 24·45 + 22000 + 20%1 + 10°16 + 10·78 +17°55 + 24°85 + 37°85 + 34°45 + 83·20 Das Mittel der gesamten Versuchszeit war vor der weißen Mauer 18°81 und vor der schwarzen) 24°08. Bei der Betrachtung der Ziffern fällt auf, daß im Mai vor der weißen Mauer eine höhere Wärme erzielt furde als vor der schwarzen, was einigermaßen der gewohnten Annahme widerspricht. Doch ist der Fall nicht so seltsam, wie es scheint. Die Ursache liegt in dem Einfluß der reflektierenden Lichtstrahlen bei der noch geringen Wärme, die die Mauern ausstrahlen können. Vor der schwarzen Mauer stammt die Wärme allein von den direkten Wärmestrahlen, die von der Mauer ausgehen, da nichts zurückgeworfen wird, im Gegenteil, alle Wärme wird reserviert und kommt erst später zugute. Die direkten Wärmestrahlen sind nicht imstande, das Thermometer bis zu dem Punkte steigen zu lassen, den es vor der weißen Mauer erreicht, die von den zurückgeworfenen Lichtstrahlen profitiert. Jedenfalls ist jedoch das mittlere Ergebnis vor der schwarzen Mauer höher. Diese Tatsache bleibt selbstverständlich nicht ohne Wirkung für das Pfirsichspalier. Die Reise setzte an der schwarzen Mauerhälfte weit früher ein, und die Ernte vollzog sich dementsprechend bedeutend schneller und eher als vor der weißen Mauerhälfte. Die schwarze Färbung der Spalierwand sollte also für den Pfirsich überall da durchgeführt werden, wo es möglich erscheint. Rrs.— Neues aus haus, Rüche und Keller. Ueber die Vorzüge neuerer, elektrisch betriebener Waschmaschinen. Das Waschen mit der Hand erfordert bekanntlich große körperliche Anstrengung, der nicht alle Hausfrauen gewachsen sind. Es ist daher erklärlich, wenn die Hausfrau sich die Last der Waschtage zu mildern sucht. Die Wäsche außerhalb des Hauses waschen zu lassen, ist nicht immer vorteilhaft, weil dadurch nur zu oft die Sachen stark mitgenommen werden. Dagegen bietet die Verwendung von Maschinen auch im häuslichen Waschbetriebe die Möglichkeit, nicht nur die Arbeit zu erleichtern und abzukürzen, sondern auch die Güte der Wascharbeit zu verbessern. Besonders sind, wie Ingenieur Vorbach(Halle a..) in einem auf der letzten Hamburger landwirtschaftlichen Ausstellung gehaltenen Vortrag sich äußert, die in den letzten Jahren geschaffenen, elektrisch angetriebenen WäschereiMaschinen recht empfehlenswert. Von ihnen sind besonders die Doppeltrommel=Waschmaschinen und die Wäschezentrifugen zu erwähnen. Sie sind durchaus erprobt und derartig leistungsfähig, daß ein Mädchen die mehrwöchige Wäsche eines zehnköpfigen Haushaltes ohne übermäßige Anstrengung in einem Tage sertig waschen kann. Dabei ist der Verbrauch an Strom, Kohle und Seife mäßig und die Wäsche wird dabei mindestens ebenso sauber wie bei guter Handwäsche. Besonders hat sich die Wäschezentrifuge der Wringmaschine hinsichtlich Schonung der Wäsche weit überlegen gezeigt. Die Bedienung der Maschinen erfordert allerdings Aufmerksamkeit und Geschick, bietet aber Abwechslung und ist daher anregend. Der heute noch hohe Anschaffungspreis für eine elektrisch betriebene Hauswäscherei dürfte sie nur für größere Haushaltungen als wirtschaftlich gerechtsertigt erscheinen lassen. Es wäre sehr erwünscht, wenn durch Massenherstellung der Preis ohne Minderung der Güte sich so weit senken ließe, daß auch kleinere Haushaltungen sich eine elektrisch betriebene Hauswäscherei beschaffen könnten..— Windbeutel. ½ Liter Wasser und 120 g Butter werden zusammen aufgekocht, dann 240 g Mehl dazugerührt, bis sich die Masse vom Topf löst Nun gibt man sie in eine Schüssel, rührt nach und nach 12 Eier und ½ Paket Backpulver darunter, setzt auf ein gesettetes Backblech runde Häufchen, bestreicht sie mit Eigelb und bäckt sie im heißen Ofen.— Nachdem sie gebacken, kann man sie mit Staubzuchker und Wasser glasieren oder auch durchmneiden und mit Sahne oder Ereme füllen.— Dieses Rezept ist dem Land=Abreißkalender 1925(Verlag I. Neumann, Neudamm, Preis 2 Mk.) entnommen, einem unentbehrlichen Ratgeber, dessen Anschaffung jedermann zu empfehlen ist. I. Helländische Apfelsinen=Eimenade. Man reibt 10 Apfeliinen auf 3 kg hartem Sucker ab. Auf 2 Liter Wasser kommen 70 bis 75 g kristallisierte Zitronensäure, die in etwas warmem Wasser aufgelöst wird. Das Wasser wird über den Zucker gegossen, dieser dann fest zugedeckt und an einen kühlen Ort gestellt. Täglich wird mehrere Male umgerührt, bis der Zucker ganz aufgelöst ist. Dann gießt man die Masse durch ein Mulituch und füllt sie in Flaschen, die wohlverkorkt aufbewahrt werden. Man trinkt die Limonade in Wasser oder in Selterwasser zur Erfrischung. A. R. in L. Bienenzucht. Welche Bienenrasse ist die beste? Ehe der Mensch durch sein Eingreifen die Natur verböserte, hatte jede Gegend seine beste Bienenrasse. Durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende, hatte die Natur durch unbarmherziges Ausmerzen im Wintex eine Zuchtwahl getrieben, die nur das wirklich gute, lebensfähige Bienenvolk, das sich genügend Vorrat eingetragen, am Leben ließ. Da verpflanzte der Mensch in seiner Weisheit Bienen aus einem warmen Klima in ein kälteres, brachte Völker aus den Bergen in die Ebene und umgekehrt, ließ Bienen aus Spättrachtgegenden in Orten mit Frühtracht fliegen und wunderte sich, daß die Ertrage seiner Bienenzucht ständig zurückgingen. Jede Bienenrasse ist gut und die beste, wenn sie für die Gegend paßt. Für Deutschland ist also die deutsche Rasse noch immer die beste, schwarmlustige Bienen passen für Spättrachtgegenden, wie die Heidebiene für die Lüneburger Heide, schwarmfaule Bienen für Frühtrachtverhältnisse. Für seine Gegend wählt sich der Bienenzüchter das Passende aus und verbessert durch seine Wahlzucht die Völker seines Standes. Natürlich ist eine derartige Verbesserung nicht im Laufe eines oder einiger Jahre zu erzielen, aber nach einer Reihe von Jahren kann der planvolle Bienenzüchter behaupten:„Meine Bienenrasse ist die beste.".. S. Neue Bücher. Zeitschrift für Fischerei. Die im Auftrage des Preuzischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vum Geh Regierungsrat Pgrofessor, Dr. Schiemenz herausgegebene „Jeitschrift für Fischerei= wird von Ansang Jannar 1925 ab im Verlage von J. NeumannNeudamm erscheinen, und zwar in vierteljährlichen Hesten von etwa je 130 Seiten. 4 Heite bilden einen Band. Der Bezugspreis beträgt bis auf weiteres für ein Einzelheft 8 Gmk., für das Heit im Abonnement 6 Gmk. Der Preis ist so billig bemessen, daß die Anschaffung weiteren Kreisen möglich ist. Bestellungen sind an den Verlag zu richten Der Hornissen=Bock und andere Jaoderinnerungen. Von Steinhardt Buchschmuck A. Aschenborn. Verlag von I. Neumann, Neudamm Preis gebunden 4 Gink. Urwüchsiger Humor und lebendige Raturtreue zeichnen Steinhardts Schriften aus vor allen anderen Büchern über Deutsch=Südnestafrika. Auch diese neue Sammlung ernster und heiterer Jagderinnerungen reiht sich ebenbürtig den schon früher erschienenen„Ehombo“, „Steppenvolk“ und„Jahrendes Volk“ an. Der prächtige Einband und die vielen trefflichen Zeichnungen von dem bekannten Afrikamater Aschenborn machen das Buch zu einem Geschenkwerk, an dem jeder Naturfreund seine Freude haben wird. M. Zimmer= und Balkonpflanzen. Von Gartendirektor Paul Dannenkerg(Sammlung Wissenschaft und Bildung Nr. 58.) 169 Seiten mit 39 Abbildungen. Verlag von Quelle& Meyer, Leipzig Preis.60 Mu. Ein kleines, ausgezeichnetes Werk für den Pflanzenliebhaber. Er findet hier in aller Kürze und doch ausführlich alle für seine Zwecke brauchbaren Pflanzen und deren Kulturen beschrieben. Ah.