Buppertal Einzelpreis 15 Reichspfennig. Montag, den 2. Zuni 1930 Nr. 126. 46. Fahrgang Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 230 A.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen= und Zeitungsnummer gebeten. Anzeigenpreis: 1 mm Höhe(80 mm breit) 10 Reichspfennig. Reklamen. 1 mm Höbe(92 mmn be.) 40 Reichspiennig. Angeigenrechnungen sind fort zahlbar. Für Aufnahme von nzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen u. f. teleph. Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Bet Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berücksichtigt werden. Zeitung der Sozialdemokratischen Partei für das Bergische Land Redaktion: Elberfeld, Robertstraße 8a. Fernsprecher 26431.— Hauptgeschäftsstelle: Elberfeld, Robertstraße 8a. Fernspr. 26411.-- Nebengeschäftsstelle: Barmen, Ref. Kirchstr. 18=15. Fernspr. 59804. 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Nun stellt sich heraus, daß Moldenhauers zweifelhafte Formulierungen in Köln, die sich auf diktatorische Finanzmaßnahmen bezogen, doch ihre ganz bestimmte Bedeutung hatten. Es wird nämlich der Inhalt seines Sparprogramms bekannt, das jetzt vom Kabinett durchberaten wird. Wir haben mehrfach Einzelteile schon mitgeteilt, die meisten Bestimmungen sind verfassungsändernd. Das Kabinett kann sich nicht darüber im Zweifel sein, daß es für die meisten seiner Vorschläge keine verfassungsändernde Mehrheit im Reichstag erhalten wird. Auch hier dürfte nach Moldenhauers jetzt sehr verständlicher Aeußerung in Köln geplant sein, wie bei dem Milliardengeschenk an die Agrarier, das Parlament unter den Druck der Auflösungsdrohung zu stellen und gegebenenfalls mit Hilfe des Artikels 48 das ganze Programm durchzuführen. Der Plan besteht aus sechs einzelnen Gesetzentwürfen und sieht vor allem einschneidende Veränderungen im Verwaltungsapparat vor. Mehrere Aemter, darunter das des Reichskunstwarts, die Reichszentrale für Heimatdienst und eine Reihe von Finanzämtern, sollen gänzlich beseitigt werden. Darüber hinaus soll ein 10 prozentiger Beamtenavban erfolgen. Die Pensionen für Beamte sollen auf höchstens 12 000 A begrenzt, die Altersgrenze von 65 auf 68 Jahre erhöht werden. Dazu kommt noch die bereits bekanntgewordene Absicht von parlamentarischen Einsparungen, nämlich Verminderung der Reichstagsabgeordneten dadurch, daß nicht mehr auf je 60 000, sondern nur auf je 80 000 Wähler ein Abgeordneter entfällt, ferner ein Gesetz, das die Lünder zwingt, auch die Abgeordnetenzahl der Länderparlamente auf dieselbe Weise zu verringern. Die Wirtschaitspartei will das Wahlalter erhöhen Neuregelung der Reichstagsdiäten Ein politischer Vorstoß Im Haushaltsausschuß des Reichstags legte die Wirtschaftspartei am Samstag anläßlich der Beratuna des Etats des Reichstags einen Antrag vor, der neben einer Anzahl hochpolitischer Forderungen wie Herabsetzung der Zahl der Mitglieder des Reichstags auf 350, Heraufsetzung des Wahlalters auf 24 Jahre, die Kürzung der Aufwandsentschädigung um 50 Prozent für solche Mitglieder des Reichstages verlangte, die durch die Ausübung ihres Mandates keine wirtschaftlichen Nachteile haben. Der Antrag wurde vom Vorsitzenden als unzulassig bei der Beratung des Reichsetats bezeichnet. Die Antragsteller wurden auf den Weg eines Initiativantrages beim Plenum des Reichstages verwiesen. Tie Volkskonservativen legten mit Unterstützung der Wirtschaftspartei und des Zentrums eine Entschließung vor, in der die Regierung ersucht wird, gelegentlich des Ausgabensenkungsgesetzes auch eine Senkung der Aufwandsentschädigung an die Reichstagsabgeordneten um 10 Prozent vorzunehmen. Die Sozialdemokratie ließ durch den Abg. Dr. Breitscheid erklären, daß der Antrag Lambach in der vorgelegten Form nicht möglich sei. Bisher habe der Reichstag den großten Wert darauf gelegt, die Frage der Regelung der Diäten seiner Mitglieder ohne Mitwirkung der Regierung vorzunehmen und diesen Grundsatz bisher auch streng durchgeführt. Es liege kein Grund vor, diese Linie jetzt zu verlassen. Es müsse auch seltsam berühren, daß die Volkskonservative Partei des Herrn Lambach und die Wirtschaftspartei zwar beim Wehretat alle Streichungen avgelehnt hätten, jetzt aber mit ihrem Antrag kommen. Der Antrag würde sich ferner plutokratisch auswirken und fähigen Köpfen aus Kreisen der unbemittelten Bevölkerung den Zugang zum Reichstag erschweren. Breitscheid legte schließlich folgenden Antrag vor, um dessen Annahme er bat: „Da eine Herabsetzung der Diäten der Abgeordneten des Reichstages im Ausgabensenkungsgesetz nicht möglich ist, wird der Aeltestenrat ersucht, eine Neuregelung der Diäten mit der Maßgabe vorzunehmen, daß sie nach der Höhe des Privateinkommens avgestuft werden.“ Gegen die Stimmen der Sozialdemokratie und der Kommunisten wurden die beiden Diätenanträge dem Unterausschuß überwiesen. Die SPD. marschiert Die Aufwärtsentwicklung der Sozialdemokratischen Partei hielt trotz der großen Arbeitslosigkeit auch im ersten Quartal dieses Jahres in erfreulicher Weise an. In der Werbewoche des vergangenen Jahres war die Mitgliederzahl auf über eine Million gestiegen. Im 1. Quartal 1930 gewann die Sozialdemokratie weitere 10 342 Mitglieder; sie zählte am 31. März 1 032 119 organisierte Männer und Frauen. Berlin hat an dieser Aufwärtsentwicklung mit 2433 Zunahmen den stärksten Anteil. Der Sozialdemokratie gehören zur Zeit an 811 108 männliche und 221 011 weibliche Mitglieder. Die räumliche Ausbreitung der Partei zeigt sich auch in der steten Zunahme der Ortsvereine, deren Zahl um 192 stieg und damit insgesamt 9736 am Quartalsschluß betrug. Die rege Agitation in den zur Zeit stattfindenden Frauenwerbewochen läßt für die Zukunft insbesondere einen erheblichen Zuwachs an weiblichen Mitgliedern erwarten. Stadtrat Busch gestorben Der ehemalige Stadtrat Paul Busch, der im Mittelpunkt der Berliner Grundstücks=Skandale stand, ist am Sonntagnachmittag im Alter von 65 Jahren gestorben. Busch litt seit Monaten an einem schweren Harnleiden, das die ihn behandelnden Aerzte im vergangenen Jahre zu einer Operation veranlaßte. Der Patient verbrachte nach erfolgter Heilung einige Wochen in Lugano. Während seines dortigen Aufenthalts liefen die ersien Nachrichten über seine Verfehlungen ein. Er kehrte nach Deutschland zurück, wo die Wogen der Erregung den Gipfel erreichten. Sein Zustand schien sich äußerlich gebessert zu haben, trotzdem trug er den Keim des Todes in sich. An den Folgen einer allgemeinen Nierenvereiterung ist Busch schließlich gestorben. Er war nach Ansicht der Aerzte schon seit etwa vier Wochen nicht mehr voll zurechnungsfähig und in den letzten Tagen fast völlig ohne Bewußtsein. Der Tod Buschs trat in einem Augenblick ein, in dem das Verfahren der Staatsanwaltschaft gegen ihn eine entscheidende Wendung zum Schlimmen anzunehmen drohte. Inwieweit die Vernehmungen der Behörden das Ende Buschs beschleunigt haben, läßt sich natürlich kaum feststellen. Jedenfalls steht fest, daß Busch selbst entscheidenden Wert auf seine Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft gelegt hat und sein Tod über kurz oder lang bestimmt zu erwarten war. Die Nierenvereiterung, an deren Folgen Busch schließlich gestorben ist, war nach den Mitteilungen der behandelnden Aerzte operativ nicht mehr zu beheben und mußte infolgedessen unweigerlich zum Tode führen. Wer böse Feind soll zahlen“ Hugenbergs verrückte„Befreiungsidee“ Hugenberg hat endlich einmal eine„Idee“ gehabt, wenigstens nennen seine Trabanten„Idee“, was jeden vernünftigen Menschen auf den ersten Blick als Hirngespinst anmutet. Hugenbergs„Idee“ besteht in der Lüftung seines bisher sorgsam gehüteten Geheimnisses über die„Befreiungstheorie" des deutschnationalen Parteivorstandes. Danach soll das Ausland „50 Prozent oder mehr“ unserer Reparationslasten bezahlen. Das soll so geschehen, daß auf alle ausländischen Waren, die nach Deutschland eingeführt werden, auch auf die Rohstoffe, eine besondere Reparationsabgabe erhoben werden soll, die Hugenberg zur Bezahlung der Young=Raten verwendet wissen will. Man faßt sich ob dieses Wahnsinns an den Kopf. Der große Deutschnationale hat immer noch nicht begriffen, daß es auf Erlasse und Verordnungen allein nicht ankommt und die schönsten Maßnahmen nichts bedeuten, wenn sie praktisch undurchführbar sind. Man stelle sich die Auswirkung der von Hugenberg propagierten Idee vor. Die erste Folge seiner hirnverbrannten Patentlösung wäre eine gewaltige Verteuerung der Lebenshaltung des deutschen Volkes durch Zollerhöhungen. Statt der in Aussicht gestellten„Freiheit“ würden Not und Elend in erhöhtem Maßstab in Deutschland Einzug halten. Das Ende wäre schließlich ein großes Durcheinander. Eine derartige Regierungskunst sieht Herrn Hugenberg und seinen Trabanten durchaus ähnlich. Emile Vandervelde Am 17. Mai, zur gleichen Stunde, da die französische Regierung endlich den Befehl zur Räumung der dritten Rheinlandzone erteilte, überreichte sie allen Regierungen ihr Memorandum über die Organisation einer europäischen Föderation. So findet der Kampf Briands, aus der bürgerlich-pazifistischen Ideolas e ein Maximum an politischen Resultaten zu erzielen, mit lobenswerter Hartnäckigkeit seine Fortführung. Um es vorweg zu nehmen: kein Grund spricht dagegen, wohl aber viel dafür, daß die Sozialdemokratie diesem Kampf Gerechtigkeit zuteil werden lasse. Aber unter der ausdrücklichen Bedingung, daß sie sich selbst keine Illusionen mache und verhindere, daß in der Masse Illusionen darüber entstehen, was wirklich zu erwarten ist. Wir sind überdies sehr weit von dem entfernt, was voriges Jahr in Genf vorgeschlagen wurde. 1929, mitteilsam gemacht durch die freundliche Stimmung eines Mittagessens, auf dem Tische den besten Wein der Bourgogne, sprach Briand hingerissen von den künftigen Vereinigten Staaten von Europa. Aber er wäre nicht dergewitzigte Staatsmann gewesen, der er ist, wenn er sich nicht seither bewußt geworden wäre, daß in einem politisch gegensätzlichen Europa, wo mehr oder weniger wirkliche Demokratien mit mehr oder weniger offenen Diktaturen zusammenstoßen, wo neben einem Macdonald die Tardien, Brüning und Mussolini hausen, um Stalin und Kemal Pascha ganz außer acht zu lassen, daß in einem solchen Europa von den Vereinigten Staaten zu sprechen, nur reinste Utopie sein könnte. So beschränkt man sich heute darauf, in klug undurchsichtigen Worten von einer Art bundsstaatlicher Verbindung zu sprechen, einem Bund, das die nationale Souveränität vollkommen unversehrt lassen soll, einer europäischen Konferenz, wo, übrigens unter Ausschluß der Union der Sowjet=Republiken und der Türkei die Regierungen sich darüber unterhalten sollen, was sie trotz allem verbindet. Diese Union soll, wohlverstanden, keine Spitze gegen irgend jemand haben. Sie soll nicht den Sowjets, noch den Vereinigten Staaten von Amerika Eintrag tun. Sie soll sich in Genf im Rahmen des Völkerbundes bilden. Sie soll schließlich nichts anderes sein, als eine europäische Sektion des Völkerbundes: alles in allem also, ein Gegenstück zur Panamerikanischen Union, wo die Vereinigten Staaten Nordamerikas periodisch zu Konferenzen mit den anderen Staaten beider Teile Amerikas zusammentreten. Gewiß, in dem Plan gibt es nichts, wogegen wir etwas einzuwenden hätten. Ob es sich um den Völkerbund selbst, um den Kelloggpakt, um Abrüstungskonferenzen, Schiedsgerichtsverträge oder wie im vorliegenden Fall um Projekte handle, denen man den pompösen Namen der Europäischen Föderation gibt, unsere Haltung ist und bleibt die gleiche. Wir sehen darin eine Verbeugung vor dem Friedenswillen der Massen. Wir finden darin Zukunftsversprechungen. Wir sind unserem Wesen nach für alles, was über unseren Rahmen hinaus oder mit uns, versucht werden kann, Konflikte friedlich zu lösen, die Kriegsgefahr zu verringern, organische Verbindungen zwischen den Völkern zu schaffen. Aber auf der anderen Seite sind wir, rund herausgesagt, ernstlich entschlossen, nicht eine Mücke zu Elefanten machen zü lassen. Wir bleiben bei unserer festen Ansicht, zu entlarven und anzuprangern, was sich hinter den trügerischen Schönreden gewisser Friedensworte verbirgt. Kurz, wenn man uns erzählen will, daß man aus schwarz weiß, aus dem kapitalistischen Europa ein einiges Europa machen, daß man schon in der Gegenwart eine europäische Union schaffen könne, die mehr bedeute als eine Dekoration oder bestenfalls einen Vorschuß auf die Zukunft und das unter einem wechselnden Präsidium, wo vor oder nach Macdonald Tardien, Brüning, Mussolini, Pilsudski oder General Berenguer den Vorsitz führen— dann nehmen wir uns die Freiheit, mindestens skeptisch zu sein. Der Pariser„Temps“ bemüht sich in einem Leitartikel vom 17. Mai, dem Memorandum die Tragweite eines historischen Ereignisses zu geben. Er hält es für„unwahrscheinlich", daß man nicht in allen Hauptstädten die Vorschläge der Gründung einer europäischen Födération freundlich aufnehme. In der Tat, das ist unwahrscheinlich. Die schlimmsten Nationalisten können sich in der Gegenwart nicht der festgelegten Pflicht entziehen, in den internationalen Friedenschor einzufallen. Auf der anderen Seite haben sie auch nicht die geringste Veranlassung, Vorschläge nicht anzunehmen, die sie nicht im mindesten beeinträchtigen, sondern sogar ganz ihren innersten Wünschen entsprechen, die man vielleicht mit dem Sprichwort kennzeichnen könnte: Wasch mir den Pelz und mach mich nicht naß! Es wird vorgeschlagen, wie wir gesagt haben, in Europa etwas ähnliches wie die Panamerikanische Union zu schaffen. Das ist sehr gut. Niemand wird bestreiten, daß es nützlich sein könnte, dauernde Beziehungen, regelmäßige Konferenzen der Regierungen zu schaffen, die ihre geographische Situation, hier oder auf der anderen Hemisphäre, dazu zwingt, in den Tatsachen folidarisch zu sein. Wobei die Randbemerkung gestattet sei, daß es bedauerlich wäre, wenn Zur Krise in Bolivien Der Präsident von Bolivien, Dr. Hermando Siles, ist zurückgetreten. Bolivien ist die südamerikanische Republik mit dem größten Erzreichtum. Vermutlich haben wirtschaftliche Gründe zur Regierungskrise geführt. Großbritannien sich in dieser Hinsicht von den kontinentalen Ländern trennen sollte. Aber die Panamerakanische Union hindert die Vereinigten Staaten nicht, ihren Imperialismus zu entwickeln, gegenüber den Kleinstaaten die Politik des„großen Stocks" auszuüben, ihre 10000 Tonnen=Kreuzer auf Kiel zu legen und die Mauer ihrer Hochschutzzölle immer höher aufzutürmen. Sie hindert aber auch die anderen amerikanischen Staaten nicht, Großkampfschiffe zu haben, kräftig gegen die Invasionsversuche Onkel Sams Widerstand zu leisten und sogar sich gelegentlich untereinander zu bekriegen. Sie hat auch nicht verhindert, daß Präsident Hoover in Buenos Aires mit Pfiffen begrüßt wurde, als er dem Präsidenten Irigoyen einen-offiziellen Besuch abstattete. Und so wäre auch, wenn morgen die französischen Projekte Wirklichkeit geworden sein sollten, wenn jedes Jahr eine europäische Konferenz zusammentreten, wenn es ein dauerndes Komitee geben sollte, wo Grandi den Duce vertreten, wohin Brüning, wenn er nicht vorher gestürgt sein sollle, vielleicht den Herrn Frick oder den Herrn Treviranus entsenden würde, nichts geändert an den Verträgen, die Eurova zerschneiden, an den militärischen Lasten, unter denen es zu erliegen droht, an den wirtschaftlichen Gegensätzen, die Europa zerstören oder wenigstens seine Entwicklung aufhalten. Ich weiß wohl, daß es überall einen Anfang geben muß, daß Zeit notwendig ist, wenn aus einem Samen ein Baum werden soll, daß Briand seinen Traum zurückstellte und nur einen Wegweiser auf der Straße errichten wollte, die zu dem führt, was für ihn wie für uns das Ziel bleibt: die Errichtung wirklicher Vereinigter Staaten von Europa. Aber trotzdem, es wäre unklug, die Zustimmung der Regierungen, mit der man rechnet, zu sehr ernst zu nehmen, gerade jetzt, nach der Seeabrüstungskonferenz, nach dem kläglichen Scheitern der Zollfriedensversuche, gerade jetzt, da die Staaten des europäischen Kontinents, statt abzurüsten, * wie vor 1914 sich anschicken, ihre Rüstungen zu steigern. Von diesem Standpunkt aus muß man vielleicht Mussolini dankbar sein, daß er es für nötig hielt, gerade im Augenblick, da ihm das Memorandum zugestellt wurde, auszusprechen, wie er die europäische Föderativunion versteht. Wahrlich, wertvollere Beiträge zur sozialistischen Propaganda könnte man sich kaum denken, als diese Reden, die er im Stile Wilhelms II. hält, als Wanderredner von Stadt zu Stadt ziehend, um vor einem ausgesiebten Zuhörerkreis, der alles verträgt und alles beklatscht, die Verdoppelung der militärischen Lasten zu rechtfertigen, die das bedauernswerte Volk Italiens zu erdrücken drohen. Er hat es offen ausgesprochen:„Worte sind eine schöne Sache, aver Gewehre, Maschinengewehre, Schiffe, Flugzeuge und Kanonen sind noch schöner!“ Wie viele andere denken so wie er! Und nur ihre Scheinheiligkeit verhindert sie, es zu gestehen! Unter diesen Umständen darf man wohl im voraus seststellen, daß keine sozialistische Partei Europas, des europäischen Kontinents wenigstens, es ablehnen wird, das Projekt Briands zu unterstützen. Aber keine sozialistische Partei wird den Fehler begehen, seine Bedeutung zu überschätzen. Mehr als je sind sich die Arbeiter bewußt, daß die Vereinigten Staaten Europas ein leerer Traum bleiben, solange die Hälfte Europas den Diktaturen ausgeliefert bleibt und die andere Hälfte das Kampffeld gegensätzlicher Interessen ist. In erbittertem Kampf für die wahre Demokratie, in unbeugsamem Widerstand gegen die Reaktion auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet, durch die Organisation von Massenaktionen gegen Militarismus und Imperialismus wird die Internationale, vor allem auf sich selbst zählend, am wirksamsten dafür arbeiten, daß der Weg zur Einheit Europas eröffnet werde. Wells schrieb einmal, daß sechs Staatsmänner, rund um einen Tisch versammelt, den Völkern den Frieden bringen könnten. Das trifft zu, aber nur unter einer Vorussetzung: daß diese Männer die siegreiche Sozialdemokratie vertreten! Goebbels 800 Mk. Geldstrafe Unverständlich mildes Urteil Der Berliner Radauantisemit Dr. Goebbels wurde am Samstagnachmittag zu 800 Mark Geldstrafe wegen Beleibigung des Reichsvräsidenten verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 9 Monate Gefängnis beantragt. Dem Strafverfahren lag ein Artikel im nationalsozialistischen Hetzblatt„Der Angriff“ zu Grunde mit der Ueberschrift„Lebt Hindenburg noch?“ Darin war der Reichspräsident in der zügellosen Art der Nazis angegriffen worden, weil er den Youngplan unterzeichnete. Das Gericht sah in dem Text eine„Erlaubte Kritik an dem höchsten Reichsbeamten", aber in einem Teil der dazugehörigen Zeichnung eine Beleidigung. Herr Rientimp baut ab Bochum, 2. Juni.(Eigener Funkspruch.) Der in einen Korruptionsskandal verwickelte Zentrumsreichstagsabg. Nientimp=Bochum, hat nach einer Mitteilung der Zentrumspartei den Vorsitz der Bochumer Ortsgruppe des Zentrums und sein Stadtverordnetenmandat niedergelegt. Dieser Verzicht auf das Stadtverordnetenmandat erfordert die Neuwahl des Stadtverordnetenvorstehers, der Nientimp bisher war. Auf das Reichstagsmandat hat Nientimp bisher noch nicht verzichtet. Ein Beauftragter der Zentrumsfraktion des Reichstages befindet sich jedoch gegenwärtig in Wörrishofen, wo sich Nientimp zur Zeit aufhält, um mit ihm die Angelegenheit zu klären. Die englische Regierung hat ihr Agrement zur Ernennung des bisherigen Botschafters in Rom, Freiherrn von Neurath, zum Botschafter in London erteilt. Gandhi bleibt bei seinem„Ungehorsams-Beiehl“ Bauernrebellion in Indien und Indochina Gandhi hat aus dem Gefängnis an den Vizekönig von Indien einen Brief gerichtet, in dem er sein Bedauern über die Unruhen ausspricht, die seiner Kampagne gefolgt feien. Er lehne die Verantwortung für die blutigen Ereignisse ab, könne jedoch seinen Aufruf zur Gesetzesübertretung nicht zurücknehmen. Der Vizekonig wird, wie er erklärt, diesen Brief nicht beantworten. Er sei entschlossen, jede Unterredung mit den indischen Führern abzulehnen, solange die indischen Freiwilligen nicht von der Uebertretung der Gesetze abließen. Die Salz=Kampagne der Anhänger Gandhis kann nach einem Bericht des Sonderkorrespondenten des Daily Herald als gescheitert betrachtet werden. Es sei jedoch inzwischen eine zweite große Gefahr heraufgezogen: die Weigerung der Bauern. ihre Landabgaben zu zahlen. Am Sonntag sei es vereinzelt zu kleineren Reibereien gekommen, in deren Verlauf auch mehrere Kinder getötet worden seien. Französische Kolonialsorgen Unter der Bauernschaft der französischen Kolonie Cochinchina ist eine Beweauna ausgebrochen, die eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem Ungehorsamsfeldzug Gandhis aufweist. Der französische Gouverneur der Kolonie wurde auf einer Inspektionsreise auf offener Straße von einigen tausend unbewaffneten Bauern angehalten und umlagert. Die Demonstranten verlangten Abschaffung der drückenden Bodensteuern und eine beträchtliche Herabsetzung der Reispreise. Alles gütliche Zureden des Gouverneurs half nichts. Schließlich eröffneten die Polizisten nach wiederholten Warnungen das Feuer. Zwei Bauern wurden getötet, drei schwer verletzt; die übrigen ergriffen die Flucht. Am Tage darauf wurde der französische Verwalter von Cantho unter ähnlichen Umständen auf der Straße von Bauern angehalten. Alle Berichte der Pariser Presse stimmen darin überein, daß es sich um Ausbrüche einer tiefgreifenden, ganz Indochina umfassenden Bewegung handle. In dem 200 Kilometer nordwestlich von Saigon gelegenen Ort Schonoi versuchten 20 französische Polizisten einen Demonstrationszug von über 1000 Annamiten aufzulösen. Die Eingeborenen griffen die Polizei an, worauf diese schoß. Drei Annamiten wurden getötet, zwei schwer verletzt und 15 verhaftet. Handeln, Herr Dr. Wirth! Thüringen will seine Nazis Weimar, 1. Juni(Eigener Drahtbericht) In einer amtlichen Verlautbarung stellt der thüringische Staatsminister Baum fest. daß die zwischen dem Reich und den Ländern vereinbarten Grundsätze über die Gewährleistung des unpolitischen Charakters der Schutzpolizei durch die Ernennung nationalsozialistischer Polizeidirektoren nicht verletzt sei. Es bestehe kein Anlaß, daran zu zweifeln, daß die neu ernannten Polizeidirektoren, die vom Reich beanstandet werden, ihr Amt unparteiisch verwalten würden. Die Beamten hätten den Eid auf die Reichsverfassung abgelegt. Ein Recht der Reichsregierung zur Sperrung der Polizeizuschüsse an Thüringen bestehe nicht. Falls die Zuschüsse trotzdem gesperrt würden, werde Thüringen den Staatsgerichtshof anrufen. Insofern läuft die amtliche Erklärung der thüringischen Regierung auf eine neue Absage an den Reichsinnenminister hinaus. Wirth batte von der thüringischen Regierung einen Verzicht auf die in Aussicht genommene Ernennung von Nationalsozialisten zu Polizeidirektoren gefordert. Die Verlautbarung der thüringischen Regierung läßt keinen Zweifel darüber, daß sie nicht beabsichtigt, der Forderung des Reichsinnenministers zu entsprechen. Bruder und Schwester im Reichstag. Durch den Eintritt unseres Parteimitgliedes Dr. August Siemsen in den Reichstag ist der äußerst seltene Fall eingetreten, daß sowohl Schwester als auch Bruder dem jetzigen Reichstag als Mitglieder angehören. Sitzend: Dr. Anna Siemsen, Universitätsprofessorin in Jena, vorher Oberschulrätin und Dezernentin für Fach= und Berufsschulen in Berlin, seit 1928 Mitglied des Reichstages. Stehend: Dr. August Siemsen, Studienrat in Jena. Ungestörte Rheinräumung Mainz, 1. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Mit dem 31. Mai sind entsprechend einer Anordnung des französischen Oberkommissars die Garnisonen in Zweibrücken, Germersheim, Speyer, Ludwigshafen, Worms und Bingen geraumt worden. Die Besatzung der Garnisonen von Neustadt, Mainz, Trier und Landau wurde vermindert. In der Zeit vom 1. Juni bis zum 17. Juni wird das Gros der Garnisonen von Mainz, Trier, Landau, Kehl und Kaiserslautern zuruckgezogen. Nach dem 17. Juni werden sich nur noch Nachhuten und Abwicklungsabteilungen im besetzten Gebiet befinden. Die endgültige Räumung von Trier, Landau und Neustadt wird nach Mitteilungen des französischen Oberkommissars am 27. Juni erfolgen. Aus Kehl werden die letzten französischen Truppen und Gendarmen am 28. Juni zurückgezogen werden. Mit dem Abzug der Ehrenwachen aus Mainz und Wiesbaden, der am 30. Juni erfolgen wird, wird der Räumungsplan restlos durchgeführt und das ehemals besetzte Gebiet völlig frei sein. Berbot aller Sturmabteilungen? Die preußische Staatsregierung wird sich in den nächsten Tagen mit Vorschlägen des preußischen Innenministers zur Vermeidung der fast tagtäglich zu verzeichnenden blutigen Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten beschäftigen. Im preußischen Innenministerium wird die Auffassung vertreten, daß die von dem Reichsinnenminister in Aussicht genommene Einschränkung des Verkaufs von Hieb= und Stichwaffen, so anerkennenswert sie auch ist, den blutigen Auseinandersetzungen zwischen rechts= und linksradikalen Elementen keineswegs endgultig Einhalt zu gebieten vermag und die Länder von sich aus weitergehende Maßnahmen ergreifen müssen. Man steht deshalb im Begriff, das nicht länger zu ertragende Uebel der täglichen Schlägereien an der Wurzel zu fassen. Das kann u. E. nur geschehen, indem man den organisierten Mordbanden endlich den Garaus macht Sensationeller Uebertritt zur 689. Zwickau, 2. Juni(Eigener Drahtbericht) Der Zwickauer Parteisekretär der KPD. und Stadtrat Paul Nischwitz hat seinen Austritt aus der KPD. und seinen Uebertritt zur Sozialdemokratischen Partei erklärt Dieser Schritt bedeutet für die erzgebirgisch-vogtländische Arbeiterschaft eine Sensation, da Nischwitz der parteiamtliche Führer des Zwickau=Plauener KPD.=Bezirkes war. Nischwitz stammt aus Chemnitz. Er gehörte dort vor dem Kriege der Sozialdemgkratie an, beteiligte sich später an der Gründung von Spartakusbund und KPD. und war bis 1927 als führender Funktionär der KPD. in Chemnitz tätig. Dann wurde er nach Zwickau versetzt an Stelle des damals ebenfalls ous der KPD. ausgetretenen Parteisekretärs Bauer. Die dreijährige Tätigkeit hat Nischwitz, dessen Frau sächsische Landtagsabgeordnete der KPD. war, zu der Ueberzeugung gebracht, daß die Arbeit innerhalb der KPD. aussichtslos ist. Er ist unter den ständigen innerparteilichen Auseinandersetzungen, dem ununterbrochenen Parolenwechsel und der aufreibenden und dennoch nutzlosen Arbeit völlig zusammengebrochen und erklärt in einem Brief an die Zwickauer und Chemnitzer Bezirksleitung der SPD., daß er die Konsequenzen ziehe und um Wiederaufnahme in die Sozialdemokratie bitte. Für die KPD. dürfte der Austritr Nischwitz' völlig überraschend kommen, da er dieser Tage noch als Redner für die bevorstehenden Veranstaltungen angekündigt war. Partei in USA. Macdonalds Gegenstoß Umgestaltung des britischen Kabinetts Thomas wird Kolonialminister London, 2. Juni(Eigener Funkspruch) In Chequers, wo Macdonald mit einigen seiner Freunde das Wochenende verbrachte, haben über Samstag und Sonntag wichtige Besprechungen stattgefunden. Man einigte sich zwecks Stärkung der Stellung des Kabinetts gegen das Oberhaus auf die Ernennung verschiedener Mitglieder der Labour=Party zu Lords, d. h. zu Mitgliedern des Oberhauses. Außerdem wurde das Arbeitslosenproblem einer eingehenden Erorterung unterzogen. Die Regierung wurde dieser Tage von 108 Mitgliedern der Labour=Fraktion schriftlich darauf hingewiesen, daß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit schleunigst neue Maßnahmen notwendig seien. Schon vor diesem Hinweis hatte Macdonald die Bekämpfung des Arbeitslosen=Problems als wichtigste wirtschaftliche und politische Frage erklärt und sich mit seiner gesamten Autorität für die Lösung dieses Problems eingesetzt. Dadurch ist der Minister für Arbeitsbeschaffung, Thomas, entlastet worden und das wiederum dürfte darauf zurückzuführen sein, daß Thomas in parlamentarischen Kreisen als künftiger Staatssekretär für die Kolonien genannt wird. Thomas bringt für das ihm zugedachte neue Amt die besten Kenninisse mit. Er würde im Falle seiner Ernennung Präsident der im Herbst stattfindenden britischen Reichskonfereng werden, der insbesondere in diesem Jahre eine besonders große Bedeutung zukommt. Es ist zugleich die Rede von einem neuen Ministerkomitee für Arbeitsbeschaffung, dem u. a. Snowden angehören soll. Außerdem wird von zahlreichen Umbesetzungen innerhalb der Regierung gesprochen. Der Londoner„Daily Chronicle", eines der beiden großen offiziellen liberalen Blätter, bat am Sonntag sein Erscheinen eingestellt. Das Blatt wird in die„Daily News“ aufgehen. Es mußte verschwinden als Opfer des„Daily Heralds“, des Organs der Arbeiterpartei, dessen Auflageziffer seit seiner organischen und redaktionellen Umgestaltung von Tag zu Tag steigt. Rechtsschwenkung der Tories Der Vorsitzende der konservativen Partei. der Unterhausabgebronete Davidson, ist von seinem Amte zurückgetreten. Davidson, der diesen Posten seit 1924 bekleidet, wurde in den letzten Monaten von seinen Parteigenossen scharf bekämpft, und wenn er jetzt durch einen„stärkeren Mann“ ersetzt wird, so geht er nachträglich als Sündenbock für die vorjährige Wahlniederlage der Konservativen in die Wüste. Der Rücktritt Davidsons ist gleichzeitig ein Zeichen dafür, daß die Mehrheit der konservativen Partei das Steuer stärker nach rechts gedreht wissen will. Washington, 1. Juni(Eigener Bericht) Die Jahrestagung der League for Independent Political Action(Liga für unabhängige politische Aktion), die von zahlreichen Delegierten aus allen Landesteilen beschickt war, beschloß einstimmig die Gründung einer neuen Partei. Aufgabe der neuen Partei soll in erster Linie die wirtschaftliche und soziale Interessenvertretung der Massen gegenüber den immer brutaler hervortretenden Machtgelüsten des amerikanischen Kapitalismus sein. Außerdem fordert die Partei, die sich ohne irgend welche Bindung an ein Weltanschauungsprogramm, eine möglichst große politische Ellbogenfreiheit vorbehalten will, eine starke Kontrolle der Industrien durch den Staat und soziale Schutzmaßnahmen für die arbeitende Bevölkerung. Den Vorsitz der Tagung führte der bekannte amerikanische Liberale, Professor John Dewey. heute die größte amerikanische Autorität auf dem Gebiet des Erziehungswesens. Der sozialistische Gewerkschaftsführer James Maurer war als führender Vertreter der amerikanischen fortschrittlichen Arbeiterschaft einer der Hauptredner. Seine Ausführungen fanden außerordentliches Interesse und lebhaften Beifall. Maurer warnte vor der Auffassung der American Federation of Labor, die glaubt, daß eine aktive politische Betätigung der amerikanischen Arbeiterschaft im Schoße der republikanischen und demokratischen Parteien die beste Gewähr für eine Förderung der Interessen des Proletariats gebe. Der Reichsrat nahm am Mittwoch das deutsch-polnische Wirtschaftsabkommen mit 40 gegen 25 Stimmen an. Gegen das Abkommen stimmten Bayern, Württemberg, Thüringen, Oldenburg und die preußischen Provinzen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schleswig=Holstein uno die Grenzmark Posen=Westpreußen. Mecklenburg=Schwerin enthielt sich der Stimme. Das Ermächtigungsgesetz zur Krediterleichterung(Aufhebung der Kapitalertragssteuer für festverzinsliche Wertpapiere usw.) wurden den Ausschüssen überwiesen, (... Jugendpflegearbeit im Bezirk Düsseldorf Auf Einladung des Landkreises Solingen=Lennep, der auf dem Gebiete der Jugendpflege Anerkennenswertes geleistet hat, trafen sich 70 Kreisjugendpfleger und Kreisjugendpflegerinnen, Jugendpflegedezernenten bei den Land= und Stadtkreisen zu einer zweitägigen Frübjahrstagung in Opladen, um besonders wichtige Gegenwartsfragen der Jugendpflege zu besprechen. An der Tagung, die von Herrn Regierungsdirektor von Rantzan geleitet wurde, nahmen u. k. teil der Dezernent für Wohlfahrts= und Jugendpflege Regierungsrat Dr. Becker, Oberregierungs= und Schulrat Nickol als Vertreter der Schulabteilung, Landesrat Dr. Saarbourg vom Landesjugendamt der Rheinprovinz und Vertreter des Landkreistages, Städtebundes und Gemeindetages West. Seitens der Kreisverwaltung dankte Landrat Trimborn für die zahlreiche Teilnahme. Der Kreis Solingen=Lennep sehe in der Heranbildung einer körperlich, geistigen und sittlich starken Jugend eine wertvolle Aufgabe des Kreises gerade in unserer Zeit, für die er durch Förderung von Jugendheimen, Turnhallen und Spielplatzen die Voraussetzungen mitschaffen helfe. Reg.=Rat Dr. Becker führte aus, daß die Neuregelung der kommunalen Grenzen im Bezirk auch eine Neubildung der Kreis- und Stadtausschüsse für Jugendpflege und Neuvorschläge für Kreisjugendpfleger und Kreisjugendpflegerinnen zur Folge gehabt habe. Er begrüßte die neuen Teilnehmer und sprach den Ausscheidenden den Dank der Staatsregierung für die uneigennützige und opfervolle Förderung der Jugendarbeit in den Kreisen und Städten aus. Außerordentlich beachtlich ist die Geldförderung, die der Jugendarbeit im Bezirk zuteil wird. Es zeigt sich folgendes erfreuliche Bild: Vom Regierungspräsidenten sind 144000.K verteilt worden, davon 75000.A für die geistig=sittliche Jugendpflege und 69 500.4 für die körperliche Jugendpflege in insgesamt 347 Fällen. Für 76 Lehrgänge in Stadt= und Landkreisen und solche von Verbänden wurden 10000 M, für Lehrgänge auf dem Gebiet der geistigen Jugendpflege und 7500 AA für körperliche Jugendpflege gegeben. Durchgeführt wurden insgesamt 120 Lehrgänge. Aus dem Zentralfonds des Ministers für Volkswohlfahrt wurden außerdem 155 000 A Beihilfen bewilligt und 83000 A verbilligte Darlehn, so daß die staatliche Förderung der Jugendpflege im Berichtsjahr rund 450 000 A ausmacht. Rechnet man hinzu, daß Provinz, Kreise und Städte noch rund 5 Millionen im Bezirk für diese Zwecke ausgeben, so zeigt sich darin die zunehmende Bedeutung, die heute alle Stellen dieser Aufgabe beimessen. In der Verteilung der staatlichen Mittel im Bezirk soll vom kommenden Jahre ab eine grundsätzliche Aenderung eitnreten und die Mittelverteilung in erster Linie unter dem Gesichtspunkte des Notstandes nach einem festzulegenden Programm, in das Jugendheime, Turnhallen, Schwimmanlagen, Spielplätze aufzunehmen sind, erfolgen. An diesen Punkt knüpfte sich eine längere Aussprache an, in der bei grundsätzlicher Anerkennung der programmatischen Förderung doch der Wunsch zum Ausdruck kam, die kleinen Beihilfen nicht ganz fortfallen zu lassen, da auch mit kleinern Hilfen wertvolle Arbeit geleistet werden könne. Insbesondere soll bei den Jugendheimen hinsichtlich Zweck und Lage die nichtorganisierte Jugend berücksichtigt werden, die bei den weiblichen Jugendlichen noch rund 60 Prozent, bei den männlichen rund 40 Prozent im Bezirk ausmacht. Ihre Erfassung müsse ein Hauptziel der Förderung sein, da sich hier die Jugendpflege als vorbeugende Fürsorge ganz besonders auswirke. Als Möglichkeit wurde hervorgehoben, die Sammlung dieser Jugendlichen durch die Berufsschulen, die Errichtung von offenen Tagesund Abendheimen, Lese=, Bastel= und Werkstuben in dem Wohnviertel der werktätigen Bevölkerung, die von Persönlichkeiten mit tiefem Verständnis und sozialem Empfinden geleitet würden, in denen sich die erwerbslose Jugend während ihrer Freizeit und die nicht organisierte Jugend in ihrer Mußezeit zu Arbeit und Spiel treffen könne. Auch die Arbeit der Verbände könnte durch Hergabe von Mitteln gestärkt werden, damit sie ihre Einrichtungen und ihre Lehrgänge für diese Jugendlichen besonders Düsseldorf, die Fräulein aus ihrer Arbeit bekannt, die sie mit der Erfassung dieser erwerbslosen Jugendlichen gemacht haben. Die Lehrgangsmittel sollten mehr als bisher für die Ausbildung und Fortbildung der erwerbslosen Jugend Verwendung finden. Die Erwerbslosigkeit der Jugendlichen hat trotz der Geburtenausfälle einen erschreckenden Umfang angenommen. Landesarbeitsamt, Bezirksausschuß für Jugendpflege und Landesjugendamt, Kreis= und Stadtausschüsse für Jugendpflege, Jugendämter und Arbeits- und Berufsämter müßten hierin aufs engste zusammenarbeiten, um, soweit es möglich sei, dieser Not zu steuern. Durch Beratung mit dem Landesarbeitsund Berufsamt ist jetzt erreicht worden, daß die erwerbslosen Jugendlichen zur Teilnahme an Lehrgangen beurlaubt werden können; während der Beurlaubung beziehen sie ihre Erwerbslosenunterstützung weiter, was bisher nicht der Fall war. Auch die Arbeits= und Berufsämter werden bezüglich Einrichtung von Jugendpflegelehrgängen für die erwerbslose Jugend mit den Jugendpflegebehörden zur Einrichtung gemeinsamer Lehrgänge zusammengehen. Besprochen wurden weiterhin Fragen der Zusammenarbeit mit den Heim= und Abendvolkshochschulen, mit den Jugendpflegeverbänden in den Stadt= und Landkreisen, mit den Organisationen der Landwirtschaft und ländlichen Ver einen und die Schaffung von Jugendbüchereien. Ein wesentlicher Punkt war die Behandlung der staatsfeindlichen Jugendverbände. Die Aussprache ergab, daß es der Wille der Jugendverbände sei, den Staat und seine Symbole zu achten. Jugendverbände, deren Ziel ist, den Staat zu zerschlagen, dürften nicht in den Genuß besonderer Vergünstigungen, wie Fahrpreisermäßigung und Staatsbeihilfen kommen. Allgemein wurde dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß in dieser Angelegenheit klare Richtlinien seitens der Zentralbehörde er lassen würden. Zur Förderung der Jugendpflege sollen in den einzelnen Stadt= und Landkreisen oder durch Zusammenfassung einzelner Stadt= und Landkreise besondere Arbeitsgemeinschaften nicht nur unter den Kreisjugendpflegern und Kreisjugendpflegerinnen eingerichtet werden, sondern auch gleichzeitig mit den Vereinsvorsitzenden bezw. Jugendführern, um eine bessere Zusammenarbeit zu gewährleisten. Am zweiten Tagungstage wurden die Vorträge über„Staat und Verbande gehalten. David Gathen sprach über das Verhältnis von Staat. und Verbände und betonte dabei, daß zwischen beiden Gruppen keineswegs ein Gegensatz bestehen dürfte sondern daß beide in ihrer Zusammenarbeit stärkstens aufeinander angewiesen seien. Die gesamte Kulturarbeit in unserem Volke geschieht, wie der Kultusminister kürzlich ausführte, auf dem Hintergrund einer erschütterten Gesamtkultur. Infolgedessen ist die Gefahr der Fassadenkultur und Fassadenpolitik außerordentlich groß. Die Kraft einer einzelnen Organisation reicht bei weitem nicht mehr aus, um in unserem Volke einen einheitlichen starken Kulturwillen zu schaffen. Mit bloßer Verwaltungsarbeit ist dies überhaupt nicht möglich. Wirkliche Kulturarbeit im Sinne geistiger Zielsetzung und Auseinandersetzung vermag der Staat als Rechts= und Machtorganisation kaum. Er erhält zutiefft seinen Wert von der Kulturidee, der er dient. Der Staat macht nicht Kultur, aber er macht sie möglich. Die Spannung zwischen Kulturorganisation und Staat kann förderlich für beide sein, solange die Polarität zwischen beiden gewahrt wird. Wir müssen selbst aber die Aufgaben durchführen muß, je stärker er aber die Organisationen anregt, weitgehende Aufgaben der Volksbildung zu übernehmen, um so sicherer erfüllt er seine Funktionen. Bezirksjugendpfleger Grabow sprach über das Verhältnis zwischen freier und staatlich geförderter Jugendpflegearbeit. Die gesamte Jugendpflegearbeit von heute steht stark unter dem Druck der bestehenden Spannung zwischen der Spitzenorganisation der Jugendpflege treibenden Verbände einerseits und der staatlichen Jugendpflegeförderung anberseits. Die Spannung wird hervorgerufen durch den naturgemäß vorhandenen Unterschied zwischen dem staatlichen Erziehungswillen und dem verbandspädagogischen Willen. Wenn sich alle Jugendführer der Verbände, Bünde oder Vereine bewußt wären, daß sie neben ihrem unmittelbaren Verbands erziehungsauftrag noch einen mittelbaren Staats= und Volkserziehungsauftrag erhalten und auszuüben haben, dann wäre wahrscheinlich diese Spannung stark gemildert, wenn nicht ganz geschwunden. Der Streit geht vor allen Dingen darum, daß der Reichsausschuß für Jugendverbände erklärt, baß der Staat über reine Wohlfahrtsarbeit hinaus sich nicht in die Erziehungsarbeit der Verbände hineinzumischen habe. Er wendet sich vor allen Dingen gegen die Abhaltung von Lehrgängen seitens der staatlichen Jugenöpflegeförderung und wehrt sich auch gegen die Einrichtung der staatlichen Orts- und Kreisausschüsse, in denen die Verbände der verschiedensten Richtungen gezwungen werden, immer wieder miteinander raten und taten zu müssen. Die staatliche Förderung der Jugendpflege hingegen muß aus ihrer Zielsetzung heraus, Erreichung der neuen deutschen Volksgemeinschaft des neuen deutschen Volkslebens, gerade auf die Lehrgänge bestehen, weil sie eine der wertvollsten Gelegenheiten bildet, um eben Menschen verschiedenster Richtung zusammenzuführen und zu zwanglosen Aussprachen von Mensch zu Mensch zu bringen. Nur müssen naturgemäß dann alle zentralen Lehrgänge, d. h. alle Lehrgänge, die unter staatlicher Aufsicht durchgeführt werden, auch wenn sie als Fachlehrgänge bezeichnet werden, ganz stark und bewußt auf dieses Ziel eingestellt werden. Die vorbereitende Arbeit dazu wird in den Keimzellen, in den Ortsausschüssen für Jugendpflege, gelegt.— Die Aussprache zu diesen Vorträgen war ebenfalls, wie überhaupt die Aussprachen der Tagung, sehr lebhaft. Am Nachmittag vereinte die Rundfahrt durch das Bergische Land noch eine größere Anzahl der Teilnehmer. Die Kunstseiden-Krise Der gesunkene Aktieninder bei Elberielder Glanzstoif und Bemberg Ziel: Internationale Kunstseide-Verständigung Die fetten Jahre der Kunstseidenindustrie scheinen fürs erste vorüber zu sein. Der jetzt veröffentlichte Abschluß der Allgemeinen Kunstseide=Unie, des großen deutschholländischen Konzerns, in dem die Vereinigten Glanzstoffabriken Elberfeld und die holländische Enka-Gruppe verschmolzen sind, beweist jedenfalls, daß dieser große kontinental=europäische Kunstseidekonzern noch mitten in der schwersten Krise steckt. Die Gewinn= und Verlustrechnung bei der Allgemeinen Kunstseide=Unie(Aku) schließt mit einem Betriebsgewinn von 11,95 Millionen Gulden ab. Nach Abzug der Unkosten und der sehr beträchtlichen Abschreibungen, darunter auf Vorräte und Beteiligungn allein 2,2 Millionen Gulden, verbleibt ein Reingewinn von 7,1 Millionen Gulden. Die Verwaltung hat beschlossen, mit Rücksicht auf die schwierige und unsichere Lage auf dem Kunstseidemarkt die aus diesem Reingewinn mögliche Dividende von 6 Prozent nicht zu verteilen, sondern zur Verstärkung der flüssigen Mittel der Gesellschaft im Betrieb zu belassen. Noch viel ernster hat sich die Lage im letzten Jahre bei den Vereinigten Glanzstoffabriken Elberfeld gestaltet. Dieses große deutsche Kunstseideunternehmen, das in den letzten beiden Jahren Rekorddividenden in Höhe von 18 Prozent verteilen konnte, sieht sich zu einer ganz besonders scharfen Reinigungsaktion gezwungen. Diese Maßnahmen sind hauptsächlich durch die katastrophalen Verluste der Kunstseideaktien an den deutschen und internationalen Börsen erzwungen worden. So ist der Aktieninder der Vereinigten Glanzstoffabriken von 100 Prozent Ende 1928 bis auf 27,8 Prozent Ende 1929 gesunken, der Index der Bembergaktien in der gleichen Zeit von 100 auf 80 Prozent, der Akuaktien von 100 auf 26,7, der amerikanischen Glanzstoff von 100 auf 44, der amerikanischen Bemberg von 100 auf 20 und der Kursstand der anderen amerikanischen Beteiligun gen gleichfalls von 100 auf 20 Prozent. Der Glanzstoffkonzern sieht sich daher veranlaßt, allein für seine Beteiligungen, die mit 126,2 Millionen zu Buche stehen, 53,2 Millionen Mark, also die Hälfte avauschreiben. Weitere Abschreibungen von 13 Millionen Mark werden für Vorräte und auf die Anlagen abgesetzt. Es ergibt sich also für die Abschreibungen eine Gesamt hohe von 66,4 Millionen Mark. Da von dem Rohgewinn von 15,6 Millionen nach Abzahlung der Steuern und Unkosten nur acht Millionen Mark übrig bleiben, ergibt sich bei Glanzstoff für 1929 ein durch Abschreibungen entstandener Verlust von insgesamt 58,3 Millionen Mark. Wie die Verwaltung mitteilt, stehen nach Vornahme dieser Reinigungsaktion die Beteiligungen unter dem Kurs vom 81. Dezember vorigen Jahres in der Bilanz zu Buche und die Vorräte nach Vornahme der Abschreibungen etwa mit der Hälfte des gegenwärtigen Verkaufspreises. Auf diese Weise glaubt die Verwaltung allen kommenden Ereignissen auf dem Kunstseidemarkt mit Ruhe entgegenseyen zu können. Zur Deckung der hohen Sonderabschreibungen ist die gesetzliche Reserve, die 77 Millionen Mark beträgt, bis auf 20 Millionen verringert worden. Die Auswirkungen der Kunstseidekrise, die sich jetzt auch bei dem Glanzstoffkonzern auswirken, kommen nicht überraschend. Die Schwierigkeiten bei englischen und italienischen Großunternehmungen konnten bereits vor zwei Jahren als Warnungszeichen dienen, de jedoch in dem allgemeinen Konjunkturtaumel, von dem die Kunstseideindustrie erfaßt war, übersehen wurden. Von der Produktion und Absatzseite her konnte Glanzstoff im Berichtsjahr sogar noch Fortschritte erzielen. Seine Produktion wurde um etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahre gesteigert und die abgesetzten Mengen lagen sogar um 22 Prozent über den Stand von 1928. Sie dürften damit einem Umsatz von etwa 82—85 Millionen Mark entsprechen. Dagegen hat sich infolge des ständig zunehmenden Ueberangebots die Preislage nach unten entwickelt. Je nach der Garnstärke sind die Preise besonders nach dem Auffliegen des deutschen Kunstseidekartells auf dem heimischen Markt bis zu 80 Prozent gesunken. Die Aussichten für die Zukunft sind noch ungewiß. Wie auf der Pressebesprechung der Leiter des Glanzstoffkonzerns, Dr. Blürhgen, erklärte, fühlt sich die Aku stark genug, um das erstrebte Ziel einer internationalen Kunstseideverständigung zu erreichen. Die Schwierigkeiten lägen nicht bei den englischen Produgenten, die sich durchaus verständigungsbereit erwiesen hätten, sondern bei der italienischen Industrie, die infolge ihrer Ueberkapazität zu rund 70 Prozent auf Zwangsexport angewiesen sei. Revolutionsspielerei Thyssen und die österreichischen Heimwehren In Oesterreich hat der Generaldirektor der Alpinen Montan, ein gewisser Apold, die Generalversammlung seines Unternehmens dazu benutzt, um recht gründlich in Schwarzmalerei zu machen. Er hat an der österreichischen Wirtschaft sozusagen kein gutes Haar gelassen. Man könnte über den Generaldirektor der Alpinen Montan zur Tagesordnung übergehen; denn man weiß in einsichtigen Kreisen, daß der Weisheit letzter Schluß in prominenten Industriereden selten zu finden ist und daß auch die österreichischen Industrieprominenten besser täten, wenn sie zur rechten Zeit zu schweigen verstünden. Ihrem Ansehen würde das nur dienlich sein. Die österreichische Regierung hat aber geglaubt, den Ausführungen Apolds in einer Verlautbarung entgegentreten zu müssen, die durch ihre Schärfe auffallt. In dieser Verlautbarung wird daran erinnert, daß sich die verschiedenen österreichischen Regierungen schon seit 1925 um eine internationale Anleihe bemühen, um der österreichischen Wirtschaft neues Blut zuzuführen. Wenn nun Apold in seinen Ausführungen betont habe, daß man eine solche Investigationsanleihe für Oesterreich nicht verantworten könne, so habe er sich schwer an der österreichischen Wirtschaft versündigt und die Verantwortung für die Folgen seines Tuns müsse festgenagelt werden. Das sind ernste und beachtliche Worte, die der Regierung Schober auf der Aktivseite zu buchen sind. Unklar blieben aber die letzten Mötive für die Schärfe in der österreichischen Regierungsverlautbarung. Es liegt allerdings auf der Hand, datz es der österreichischen Regierung nicht gleichgültig sein kann, wenn der Leiter eines repräsentvativen Industrieunternehmens Oesterreichs in aller Oeffentlichkeit gegen die von der österreichischen Regierung beabsichtigte Investigationsanleihe agitiert. Nun hat aber in einem demokratischen Staat — und das ist der Vorzug der Demokratie— jeder das Recht zu sagen, was er denkt. Dieses Recht gilt auch für Herrn Apold und wer Herrn Apold kennt, wird geneigt sein, seinen Worten nicht allzugroße Bedeutung beizulegen. Aber das Heer der Kapitalisten im Auslande, das die österreichische Investigationsanleihe zeichnen soll, kennt Herrn Apold nicht. Für den Auslandkapitalisten und Zeichner der österreichischen Anleihe ist Herr Apold der Generaldirektor der Alpinen Montan, des größten privaten Industrieunternehmens in Oesterreich. Vielleicht hat auch die österreichische Regierung die scharfe Entgegnung für notwendig gehalten, weil Herr Apold mit dem deutschen Großindustriellen Fritz Thyssen zuidentifizieren ist. Die Alpine Montangesellschaft gehört seit den Tagen des verstorbenen Hugo Stinnes zum Auslandbesitz der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie und steht heute e mussen unter Kontrolle der Vereinigten Stahlwerke, des sogenannten stärkstens über der Bildungsarbeit des absolutischen Staates heraus Ruhrtrusts, der Alpinen Montangesellschaft angenommen und .:.:.......... a. Etaat kat Iu.man bebauntet daß Frit Thyssen den Spleen hat. von der Alvinen hin zur Aktivierung des Volkes. Der Staat hat insbesondere in und bei der Arbeit der Verbände wichtige Dienstfunktionen zu leisten: Einmal, daß er anregt, zu zweit, daß er fördert und zu dritt, daß er insbesondere Organisationen, die kulturelle Werte auf Sondergebieten schaffen, zur gemeinsamen Zusammenarbeit bringt. Die Aufgaben sind verschiedenartig. Bei Jungen und Jungmännern anders, als bei Jung=Frauen und Frauen. Je wéniger der Staat und damit der Kreisjugendpfleger man behauptet, daß Fritz Thyssen den Spleen hat, von der Alpinen Montan aus in Oestrreich Revolution zu spielen. Tatsächllich ist die Alpine Montan eine Brutanstalt für österreichische Heimweh ren. Herr Apold gilt als Finanzier der österreichischen Heim wehrbewegung und es ist weiter kein Geheimnis, daß die von Herrn Apold für die österreichische Heimwehrbewegung aufgewen deten Summen aus dem Säckel Fritz Thyssen stammen. Der deutsche Großindustrielle aus Duisburg soll sich die österreichische Heimwehrbewegung eine gute Stange Goldes haben kosten lassen; vielleicht, so will man wissen, mehr als selbst ein Fritz Thyssen vertragen kann. Daß Fritz Thyssen nun endlich sein Revolutiönchen in Österreich haben will, kann man ihm angesichts der von ihm gebrachten Opfer nicht übel nehmen und wenn Herr Apold zu der Auffassung gekommen ist, den Vorstoß der österreichischen Heimwehrleute in der Entwaffnungsfrage gewissermaßen von der wirtschaftlichen Seite her fördern zu müssen, so erscheint das nur natürlich. In Deutschland ist Fritz Thyssen die Inflationskrise, auf die er hoffte, als die Pariser Reparationsverhandlungen im vorigen Jahre in die Brüche zu gehen drohten, vorbeigelungen. Herr Apold wollte ihm als Ersatz dafür die Anleihekrise in Oesterreich verschaffen. Das erklärt schon mehr den scharfen Ton der österreichischen Regierungsanwort. Aber nicht restlos. Man könnte das Kapitel über Fritz Thyssen, den kleinen und etwas zurückgebliebenen Sohn eines erfolgreichen Vaters, schließen, wenn nicht noch andere ungeklärte Dinge vorhanden wären. Dabei muß auf den Verwendungszweck der von der österreichischen Regierung beabsichtigten Anleihe zurückgegriffen werden. Die aus der Anleihe zu erwartenden Gelder sollen zum Teil zum Ausbau der österreichischen Wasserkräfte für die Energieerzeugung dienen. Der österreichische Staat will sich von diesen wirtschaftlichen Kräftereservoires nicht abdrängen lassen. Er hat die für den Privatkapitalismus allerdings ketzerische Vorstellung, daß diese Kräftequellen dem Staat gehören und daß man sie nicht dem Privatkapitalismus ohne jegliche Kontrolle überantworten darf. Der österreichische Staat sucht mit Recht Beteiligung an dem Ausbau der österreichischen Wasserkräfte und damit die Möglichkeit einer nicht nur formalen, sondern auch materiellen Kontrolle. Nun haben sich um den Ausbau der österreichischen Wasserkräfte allerhand Gruppen bemüht. Eine dieser Gruppen ist in den klerikalen Kreisen Tirols sehr gut angeschrieben und hat in den letzten Monaten besonders in Tirol Konzessionen erhalten, die absolut nicht im Interesse des österreichischen Staates liegen. Daß diesen Leuten eine Einmischung der österreichischen Regierung nicht gelegen kommt, versteht sich von selbst. Man weiß auch, daß die oben näher bezeichnete Gruppe engste Verbindung mit der rheinisch=westfälischen Schwerindustrie, u. a. mit dem Ruhrtrust hat. So ergibt sich eine Verbindung zu der Revolutionsspielerei Fritz Thyssens herüber, die nicht ganz uninteressant ist. Sicherlich sind die Drahtzieher in der rheinischwestfälischen Schwerindustrie und in der hinter ihr stehenden Gruppe kaum geneigt, Fritz Thyssens österreichische Revolution ernst zu nehmen; aber es kommt ihnen gelegen, wenn Fritz Thyssen durch seine Krisenmacherei die Aufnahme der österreichischen Anleihe stört. Kriegt der österreichische Staat kein Geld, dann kann er seine Energiepläne nicht durchführen. Dann gibt es keine Beteiligung der österreichischen Regierung an der Ausbeutung der österreichischen Wasserkräfte. Dann fällt die Ausbeutung derselben ganz dem Privatkapitalismus zu. Die Ausführungen des Herrn Apold in der Generalversammlung der Alpinen Montan haben schon ihren tieferen Grund und Sinn gehabt und damit ergibt sich wohl das letzte Motiv für die scharfe Erklärung der österreichischen Regierung. Vereins-Nachrichten Aufnahme nur dei Vorauszadlung.) Mittwoch, den 4. Juni: Freie Schulgemeinde Ronsdorf. 20 Uhr in der Freien Schule: Mitgliederversammlung. Vortrag. Familien=Fürsorge, Velbert Oststrabe 31. Stillprobe: Jeden Dienstagnachmittag von 3 bis 4 Uhr für alle Bezirke. Muttorberatung: Jeden Donnerstagnachmittag von 3—5 Uhr für alle Bezirke, Am 1. und 3. Donnerstag im Monat ist der Kreiskommunalarst anwesend. Mutterberatung: Am Baum: Jøden 2. und 4 Montaa im Monat von 2—8½ Ubr. Sprechstunden; Bezirk II: Dienstagnachmittag von 3—6 Uhr Schwester Amalie Kröning: Bezirk I: Mittwochnachmittag von 3—6 Ubr Schweiter Hanna Faulenbach; Bezirk III —12½ Uhr Sch IMA n Freitagmorgen von Marait Schlüter Schweite Volkshaus Velbert Wilhelmstraße 15. hält sich der Arbeiterschaft bestens empfohlen. Hupfeld-Instrument spielt täglich. Vereinslokal des Volkschores und des Arbeiter=Schachklubs. Nusik: Walter Kolle Stadthalle Johannisberg. Wuppertal-Elberfels Sommerkonzerte 1930 Jeden Dienstag und Donnerstag in den schattige. Gartenanlagen künstierische Unterhaltungs-Musik des städtischen Orchesters Wuppertal. Dirigent: Städtischer Kapellm. Karl Gmünd. Beginn: 20 Uhr. Einlaß: 18.30 Uhr. Bei ungünstigem Wetter finden die Konzerte im Saale statt. Eintrittspreise: Zeitkarten 4.— RM.(gültig für alle Konzerte), Dutzendkarten 2.50 RM., Einzelkarten 0.30 RM. Kartenvorverk.: Verkehrsverein Schwebebahnpassage u. Reisebureau Leonh. Tietz A-G. 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Barmen, Commerz- und Privat-Bank, A.-G., Filiale Wuppertal, Abt. Elberfeld, S.& R. Culp, Wuppertal-Barmen, Darmstädter und Nationalbank, K.-G. a. A., Filiale Barmen, Darmstädter und Nationalbank KG. a. A., Filiale Elberfeld, Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Filiale Barmen, Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Cronenberg, Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Ronsdorl, von der Heydt-Kersten& Söhne, Wuppertal-Elberfeld, Kern, Hof& Sachsse, Wuppertal-Elberfeld, J. Wichelhaus P. Sohn A.-G., Wuppertal-Elberfeld. Volkowohl-los 1 Ms., Doppellos 2 ma., blüicksbrief 5 Lose 5 Mk. 48 098 Gewinne, 2 Prämien im Gesamtbetrage von 430 000 mk. Auf Wunsch 90% bar Nöchstgew. auf Doppellos 150 090. auf Einzellos 75 000. Höchstgewl. 50 000. Prämie 25 000 mk. Liehung 7.-14. Für 1 mk.: Landhaus im Werte 50000 mk. zu gewinnen A. 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Diese Gebühren spielen in dem 80=MillionenEtat der Stadt keine unbedeutende Rolle, denn der Etat der Schlacht= und Viehhöfe schließt unter Berücksichtigung der neuen vereinheitlichten Gebühren mit einer Einnahme und Ausgabe von 2 195 400 MA ab.(Der Gesamtvoranschlag für 1929 belief sich auf 2 203 000 M.) Von den 2 195 400 A Einnahmen entfallen 1 524 500 A, also rund 70 Prozent auf den Stadtteil Elberfeld und nur 670 900 A, also nur rund 30 Prozent, auf den Stadtteil Barmen, während von den Ausgaben 1399200 AA(gleich rund 64 Proz.) auf Elberfeld und 796 200 AA(gleich rund 36 Proz.) auf Barmen entfallen. In Elberfeld sind die Einnahmen um 125300 A höher als die Ausgaben, in Barmen die Ausgaben um 125300 AA höher als die Einnahmen. Die Schlachthöfe sind an dem Voranschlag mit 469000 M, die Viehhöfe mit 706 500 MA. die Auslandfleischbeschaustellen mit 19 900 Mark beteiligt. Bei den Schlachthöfen bilden die Schlachtgebühren mit 780 000 A und die Kühlhausbenutzungsgevuhren mit 108000 A, bei den Viehhöfen die Markt-, Auftrieb= und Untersuchungsgebühren mit 227 750 Mark, die Stallgebühren mit 114 000 AA und der Erlös aus dem Verkauf von Futter und Stroh mit 210000 A die Hauptpositionen. Interessant ist die Prognose, die die Verwaltung bezüglich des voraussichtlichen Auftriebs und der voraussichtlichen Schlachtungen für 1930 stellt. Die Verwaltung nennt folgende Auftriebszahlen: Barmen: Elberfeld: Großvieh 7000 30000 Kälber 12000 23 000 Schweine 46000 145 000 Schafe und Ziegen 4 500 500 Die Zahl der Schlachtungen soll betragen: Barmen: Elberfeld: Großvieh 11000 16000 Kälber 14000 17000 Schweine 49000 84000 Schafe und Ziegen 4.500 6000 Pferde und Esel 600 600 Welchen Anteil die Konsumgenossenschaft„Vorwarts-Befreiung an diesen Ziffern hat, geht schon daraus hervor, daß sie 1929 am Elberfelder Schlachthof 19 265 Schweine, 1625 Stück Großvieh, 1580 Kälber und 750 Hammel, also insgesamt 23 220 Tiere schlachten ließ. Demnach beträgt der genossenschaftliche Anteil an den Elberfelder Schlachtungen rund 19 Prozent, an den gesamten Wuppertaler Schlachtungen rund 12 Prozent. Hat die Stadtverwaltung noch einen besseren Kunden an ihren Schlachthöfen? q. Verwaltung und Presse Die Aufgaben der Presseämter die nicht darauf ausgingen, die Publizität zu fördern, sondern sie geradezu zu hemmen. Langsam beginnt man einzusehen, daß nicht Geheimnistuerei, sondern volle Publizität allein zum Ziele führen kann. In den fortschrittlichen Verwaltungen ist erkannt, daß ein Presseamt nur funktionieren kann, wenn es wirklich über alles unterrichtet ist, wenn sein Leiter Zutritt zu allen Sitzungen hat, dem Chef der Verwaltung unmittelbar unterstellt ist und mit ihm in fortgesetzter Verbindung steht. Nicht die Vermittlung von Einzelnachrichten, die natürlich auch nicht entbehrt werden kann, ist die wichtigste Aufgabe der Presseämter, sondern die ständige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Zeitungen und Korrespondenabüros, verbunden mit dem Bestreben, alle Ding im Zusammenbang des Ganzen zu sehen und der Presse auch ein Bild über dieses Ganze zu geben. Die Presse braucht nicht allein publikationsreife Informationen; wichtig ist vielmehr, daß sie über die bedeutenderen Vorgänge in der Verwaltung ständig f dem Laufenden ist, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Neben der Einzelunterredung sollen dieser Information vor allem auch die Pressekonferenzen dienen, die am besten der Chef der Verwaltung selbst abhält, um der Presse einen Einblick in die Gesamtpolitik einer Stadt oder eines sonstigen Gemeinwesens zu geben. (Schluß folgt.) Radfahrer haben die beste Verkehrsdisziplin Dem„Arbeiter=Rad= und Kraftfahrer"(Zeitung des Arbeiter=Rad= und Kraftfahrerbundes) entnehmen wir: Von den zwölf Millionen Radfahrern Deutschlands haben erklärlicherweise manche Pech beim Fahren im Verkehr. Unter ihnen sind aber nicht die meisten und nicht die schlimmsten Verkehrssünder. Aber trotzdem hacken alle Behörden, die mit dem Verkehr zu tun haben, auf die Radler los. Gegen dieses Unrecht wendet sich die Bundeszeitung des Bundes Deutscher Radfahrer mit folgenden Ausführungen: „Ab und zu fühlen sich die Behörden bemüßigt, die Anzahl der Strafverfügungen wegen Vergehens gegen die Verkehrsgesetze zu veröffentlichen. Kürzlich hat der preußische Innenminister dem Landtag eine Zusammenstellung der polizeilichen Strafverfügungen vorgelegt. Nach dieser Aufstellung ist in Preußen 1 Aus einem Vortrage des Oberbürgermeisters Dr. Heimerich auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der städtischen Nachrichtenund Pressämter in Magdeburg am 28. Mai 1930. Der alte Obrigkeitsstaat umgab sein Wirken in Gesetzgebung, Verwaltung und Justiz mit dem Schleier des Geheimnisses. In der Justiz war seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland der Inquisitionsprozeß eingedrungen, dessen hervorragendste Kennzeichen Heimlichkeit und Schriftlichkeit des Verfahrens waren. Es gab kein Verhandeln mehr vor den Volksgenossen unter freiem Himmel wie im alten deutschen Recht. Recht und Gericht zogen sich in die Stuben der Rathäuser zurück. Hinter verschlossenen Türen wurde geheim und geheimnisvoll beraten und gerichtet. Das ging so weit, daß das System der Aktenversendung mehr und mehr um sich griff und daß das urteilende Gericht den Angeklagten oft nicht einmal mehr zu sehen bekam. Erst im 19. Jahrhundert gelangte über Frankreich das Prinzip der Oeffentlichkeit, Unmirtelbarkeit und Mündlichkeit des Verfahrens wieder zu uns. Aber heute noch trägt die Voruntersuchung in unserem Strafprozeß stark inquisitorische Züge. Auch der Gesetzgebungsalt vollzog sich im alten Obrigkeitsstaat lange hinter verschlossenen Türen. Nicht einmal die Existenz eines Parlaments garantierte im alten Staate ohne weiteres die Oeffentlichkeit der Verhandlungen. Die englischen Parlamentsverhandlungen waren lange geheim, und noch im 18. Jahrhundert wurden Mitteilungen über sie durch die Presse strafrechtlich verfolgt. Die Einführung von Zuhörern auf der Galerie des Unterhauses war mit den größten Schwierigkeiten verbunden; erst von 1853 an war sie offiziell zugelassen. Das Institut der„Geheimen Sitzung“ stammt aus jener Zeit. Die üppigsten Blüten trieb das geheime Wesen auf dem Gebiete der Verwaltung. Es entstand hier gerade in Deutschland eine unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit arbeitende Bürokratie. Die Kabinetts= und Geheimpolitik der Fürsten beherrschte das 18., zum Teil auch das 19. Jahrhundert und wurde ergänzt durch ein fein ausgesponnenes System von Geheimdiplomatie, Spionage und geheimer politischer Polizei. Der Geheimsekretär und der Geheimrat sind geradezu die Repräsentanten der deutschen Verwaltung jener Zeit geworden. Diesem System entsprach die Unnahbarkeit der obrigkeitlichen Personen, die Verpflichtung zur strengsten Amtsverschwiegenheit und die Führung eines geheimen Personalaktes über jeden Beamten. Zu seiner Durchsetzung bedurfte dieses System der Zensur gegenüber der Presse. Die Landes= und Stadtregierungen spielten gegenüber der Presse nur als Obrigkeiten eine Rolle, die darüber zu wachen hatten, daß nichts, was den Machthabern in Staat und Stadt abträglich sein oder den fremden Regierungen Anlaß zu Beschwerden geben konnte, in den Zeitungen veröffentlicht wurde. Eine andere als obrigkeitliche Berührung mit der Presse schien undenkbar. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen bedeutenden Oberbürgermeister der Vorkriegszeit, der zwar schon seinem politischen Leibblatt geheime Informationen zukommen ließ, aber es weit von sich gewiesen hätte, irgendeinen Redakteur zu empfangen. Der Schleichweg und die Indiskretion waren die einzigen Mittel, mit deren Hilfe die Presse aus diesen Verwaltungen irgendetwus zu erfahren vermochte. Diese Verhältnisse mußten eine grundlegende Umgestaltung erfahren, als an Stelle des mehr oder weniger autokratisch regierten Obrigkeitsstaates die parlamentarische Demokratie trat. Dieser Systemwechsel war ja in Deutschland nicht das Resultat eines plötzlichen Umsturzes, sondern vielmehr einer schrittweisen historischen Entwicklung. Und Schritt für Schritt änderte sich somit auch das Verhältnis zwischen Verwaltung und Oeffentlichkeit. In der Demokratie genügt s nicht mehr, daß die kleine Schicht der Herrschenden sich untereinander verständigt. Der stark geminderten Autorität der obrigkeitlichen Verwaltung steht die Macht des Parlaments und vor allem die Macht der öffentlichen Meinung gegenüber, die sich mit der wachsenden Ausbreitung der Presse ganz anders zur Geltung bringen kann, als es jemals früher der Fall war. Die Verwaltung kann nicht mehr einfach befehlen. Es nützt ihr auch nichts, eigensinnig auf einem Standpunkte zu beharren; sie muß vielmehr von ihrem Piedestal herunter und mitten ins Volk steigen, muß aufklären, gewinnen und überreden. Die Herrschergeste muß durch Führertum ersetzt werden. Die Arbeit des modernen Verwaltungsbeamten ist schwieriger und aufreibender, aber auch schöner und reizvoller geworden. Vertrauen werben und Bürgersinn wecken ist die vornehmste Aufgabe des Verwaltungsleiters, der Staat und Stadt ein neues Gesicht geben will. Es gibt dafür kein bessres Mittel als vollste Publizität. Die Bürger müssen an die Einrichtungen und Aufgaben der öffentlichen Verwaltung herangebracht und über sie in ganz anderem Maße unterrichtet werden, als es bisher der Fall gewesen ist. Nur so können sich Lokalstolz und Staatsgesinnung entwickeln, die bei uns weit stärker fehlen als in anderen Ländern. Der freie Bürger muß zur tätigen Anteilnahme an dem, was in der Verwaltung vorgeyt, erzogen werden, zur lebendigen und verständnisvollen Mitwirkung an den Aufgaben von Staat und Gemeinde. Man staunt immer wieder, wie schlecht selbst sonst hochgebildete Menschen über die Grundlagen der öffentlichen Verwaltung unterrichtet sind, wie wenige zum Beispiel auch nur eine Ahnung von den einzelnen Aufgaben einer Stadtverwaltung und den Prinzipien ihrer Etatsgestaltung und Finanzgebarung haben. Solche Bürger sind dann nur zu leicht geneigt, allerlei Gerüchten ihr Ohr zu leihen und Schlagworten anheimzufallen. Nur eine rückhaltlose Aufklärung der Verhältnisse wird hier allmählich Wandel schaffen können. Eine solche Offenlegung der Verhältnisse, die gleichzeitig eine Werbung für die Aufgaben eines Gemeinwesens darstellen soll, kann sich der verschiedenartigsten Mittel bedienen. Minister und Bürgermeister scheuen sich schon längst nicht mehr, auch außerhalb ibrer Parlamente in großen öffentlichen Versammlungen zu sprechen. Die Aufklärungsarbeit durch die Parlamentarier und Gemeindevertreter hat in starkem Maße zugenommen. Offizielle Publikationen wie Stadtwerke, die an die Stelle der alten bürokratischen Verwaltungsberichte getreten sind, und Stadtzeitschriften suchen weitere Kreise der Bürgerschaft zu interessieren. Eine kluge Verwaltung wir daber nicht nur ihre guten Leistungen herausstellen, sondern auch Unregelmäßigkeiten und Fehler, die nie ganz zu vermeiden sind, nicht verheimlichen, um einem aufkommenden Mißtrauen von vornherein zu begegnen. Manche Affären der letzten Zeit hätten vielleicht keinen so großen Umfang angenommen, wenn die Verwaltung der Oeffentlichkeit über die tatsächlich vorgekommenen Verfehlungen rückhaltlos aufgeklärt und damit Uebertreibungen und Entstellungen von vornherein die Spitze abgebrochen hätte. Neben dem Parlament liegt die Rolle des Mittlers zwischen Verwaltung und Bürgerschaft in erster Linie in den Händen der Presse. Sie soll nicht etwa ein Sprachrohr der Verwaltung darstellen. Im Gegenteil: sie soll das ihr von der Verwaltung gebotene Material selbständig verarbeiten, der Verwältung Anregungen geben und sie über die Stimmung in der breiten Masse der Bürgerschaft orientieren. Die Presse wird dadurch zu einem Machtfaktor, der ebensowenig umgangen ober ausgeschaltet werden kann wie das Parlament. innerhalb eines Jahres eine Million polizeilicher Strafverfügungen erlassen worden, davon etwa 100000 in Berlin. Wir wollen nicht untersuchen, welchen Schaden die Polizeikassen durch diese Strafverfügungen erlitten haben, sondern nur einer Bemerkung entgegentreten, die durch die Presse mit der Ueberschrift gegangen ist: „Die Radfahrer sind an allem schuld.“ Wie man diese Schuld der Radfahrer beweist, ist ebenso klassisch wie alles andere, was von automobileingestellter Seite gegen die Radfahrer gesagt wird. Es heißt dabei, daß man annehmen sollte, die Kraftwagenführer und Motorradfahrer seien die Hauptleidtragenden, jedoch beruhe diese Annahme auf einem Irrtum. Wir überlassen es den Kraftfahrern, sich gegen die Unterstellung zu wenden, daß nur sie Verkehrsverbrecher sind. Wir als Radfahrer wenden uns gegen die sonderbare Beweisführung, in der es lautet:„Von den Strafverfügungen sind nur 217000 gegen Kraftfahrer ergangen, dagegen 226000 gegen Radfahrer.“ Wir stellen fest, daß es in Deutschland nur eine Million Kraftfahrzeue und zwölf Millionen Radfahrer gibt und überlassen das Urteil über die Beweisführung für die Schuld der Radfahrer unseren Bundeskameraden. Von den Kraftfahrern ist also jeder vierte ein Verbrecher, von den Radfahrern aber nur eiwa jeder fünfsigste. So viel Logik vermogen die„Statistiker“ bei ihren Berechnungen nicht aufzubringen. Die Hauptsache ist, den Radfahrer als Verkehrsverbrecher erscheinen zu lassen." Rechtsentscheide in Mieterschutzsachen Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt folgende Rechtsentscheide des Kammergerichts in Mieterschutzsachen vom 12. April d. J. mit: 1. Hat der Mieter sich dem Vermieter gegenüber zur Räumung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verpflichtet und mit ihm vereinbart, daß er die Wohnung bis dahin tauschen darf, so kann das Mieteinigungsamt die Zustimmung des Vermieters zum Wohnungstausch (§ 8 des Wohnungsmangelgesetzes) nicht mehr ersetzen, wenn seine Entscheidung erst nach dem Zeitpunkt ergeht. 2. Der Hauptmieter hat die Wohnung aufgegeben(§ 4 Abs. 2 des Berliner Wohnungsnotrechts) und ist aus ihr fortgezogen(§ 14 ebenda), wenn er sie nicht mehr zur Befriedigung des Wohnbedürfnisses für sich oder seine zum Hausstande gehörigen Angehörigen verwendet und auch künftig nicht wieder dazu verwenden will. 3. Wird die Rechtsbeschwerde zurückgenommen, bevor das Mieteinigungsamt darüber entschieden hat, ov es ihr abhelfen will(§ 42 Abs. 1 des Mieterschutzgesetzes), so ist für die Entscheidung über die „Kosten der Rechtsbeschwerde und über die Kostenerstattungspflicht die Beschwerdestelle zuständig. * Selbstmorde. Gestern vormittag haben in Wuppertal zwei Personen ihrem Leben freiwillig ein Ende gemacht. In Elberfeld, Felsenstr. 9, verübte ein 28jähriger junger Mann Selbstmord durch Gasvergiftung. Er hatte sein Zimmer vorher sorgfältig mit Watte abgedichtet. Als man ihn auffand, war er bereits tot.— Ein in Barmen, Auerstraße, wohnender Wirt verübte Selbstmord, indem er sich erhängte. Auch hier kamen Wiederbelebungsversuche zu spät. In beiden Fällen kann über die Motive zur Tat noch nichts gesagt werden. d. Elberfeld, 2. Juni. zur an der weltlichen Schule Wörtherstraße. Das wichtigste Mittel aktiver Publizität der öffentlichen Verwaltung ist darum heute der Verkehr mit der Presse geworden. Seit 1906 sind Presse= oder Nachrichtenämter in zahlreichen Städten gegründet worden. Aber erst in neuester Zeit beginnen sie einigermaßen richtig zu funktionieren, nachdem sie lange auf Nebensächliches beschränkt waren und in vielen Fällen sich sogar zu Presseaoweorstellen entwickelt hatten, gesetzlicher Vorschrift vom Schulleiter(Löwer) einzuberufende 2. vorbereitende Elternversammlung findet statt am Donnerstag, den 5. Juni, 20 Uhr, bei Becker, Östersbaum. Die Elternschaft wird dringend gebeten, jeder von anderer Stelle einberufenen Versammlung fernzubleiben und am Wahltage *V nur der Liste der Freien Schulgesellschaft Oststadt ihre Stimme zu geben. Nur diese Liste steht auf dem Boden der weltlichen Schule und hat Aussicht, den Einfluß der klassenbewußten Elternschaft in der Schule geltend zu machen. e. Elberfelder als Lebensretter. Ein des Schwimmens unkundiger junger Mann badete gestern nachmittag bei Zons im Rhein. Der junge Mann wurde von der starken Strömung fortgetrieben und ware zweifellos ertrunken, wenn nicht einige Elberfelder rechtzeitig die Gefahr erkannt und den Gefährdeten ans Land geholt hätten. Erfreulicherweise hatten die Wiederbelebungsversuche Erfolg. o. Endlich wurde der Betrüger ergriffen, der in letzter Zeit hiesige Anwohner um Geldbeträge schädigte, indem er ein Paket abgab, das angeblich für den zufällig nicht anwesenden Nachbar bestimmt sei. Das Paket sollte ein Geschenk enthalten, auf das noch eine Restsumme von 5 oder 6 A zu zahlen sei. Es enthielt meist ein altes Kleidungsstück. Bisher konnten dem Schwindler 16 derartige Fälle nachgewiesen werden. Es handelt sich um einen 22jährigen wohnungslosen Bürogehilfen aus Wuppertal. Seiner Festnahme wußte er sich eine Zeitlang dadurch zu entziehen, daß er polizeilich nicht gemeldet war und in unbewohnten Gebäuden nächtigte. 6. Schaufenstereinbruch. In der Nacht zum 81. Mai wurde an einem Pelzgeschäft im Turmhof die Schaufensterscheibe gewaltsam zertrümmert. Die bisher unbekannten Täter entwendeten aus der Auslage einen Bisam=Wammenmantel, mit Crepe de Chine=Seide gefüttert, einen Rio=Breitschwanzmantel mit Kragen und dunkelbraunem Crepe de Chine=Seidenfutter, sowie einen echten Silberfuchspelz im Gesamtwerte von 1450 M. e. Gewarnt wird vor einem Vertreter Rudolf Karl Friedrich Jung, geboren am 8. 9. 1901 in Wald, der in Chemnitz durch Zeitungsinserate Kassierer suchte und sich höhere Geldbeträge als Sicherheit zahlen ließ. Es wird vermutet, daß Jung auch hier auftreten wird. Beschreibung: etwa 30 Jahre alt, 1,72 Meter groß. lange, nach hinten gekämmte Haare, Hornbrille; trug graues Jackett, gestreifte Hose, grauen weichen Hut, schwarze Halbschuhe, braune Aktentasche. e. Verkehrsunfall. Am 30. Mai, gegen 8 Uhr, geriet in der Uellendahlerstraße ein Lastkraftwagen ins Schleudern und fuhr gegen ein Pferdegespann. Der Lastkraftwagen wurde stark beschädigt. Der Führer und der Begleiter sind leicht verletzt worden. e. Sommerkongerte in der Stadthalle. Am Dienstag, 8. Juni, 20 Uhr, findet unter der Leitung von Kapellmeister Gemünd das erste Wochentagskonzen des städtischen Orchesters Wuppertal statt, für das ein reichhaltiges Programm aufgestellt ist. Diese beliebten Sommerkonzerte sind regelmäßig an allen Dienstagund Donnerstagabenden in den schönen, schattigen Gartenanlagen der Stadthalle, bei ungünstigem Wetter im großen Stadthallensaale. Für das Donnerstag=Konzert hat der„Deutsche Sängerkreis“ seine Mitwirkung zugesagt. Barmen, 2. Juni. b. Ein schwerer Unfall ereignete sich am gestrigen Sonntag in der Schützenstraße. Zwei Radfahrer, aus der Siedlungstraße kommend, fuhren gegen das Auto des Herrn Dr. Heckmann, das die Schützenstraße durchfuhr. Alle drei erlitten Verletzungen. einer der Radfahrer besonders schwere. Die Fahrzeuge wurden stark beschädigt. b. Vermißt wird seit dem 21. Mai der Hilfsarbeiter Paul Klug, Freiheitstr. 29. Als Motiv wird Schwermut angenommen. Er ist am 24. 2. 1891 in Barmen geboren, etwa 1,76 Meter groß und bartlos, hat dunkelblondes, kurzes Haar, frisches Gesicht, hohe Stirn, graublaue Augen, ausgebogene Nase und mehrere kleine Narben im Genick. Bei seinem Fortgang trug er dunklen Schnitthut, graublauen Anzug, Makowäsche, Gummikragen, bunte Krawatte, grauwollene Strümpfe und schwarze Schnürschuhe. Angaben über den gegenwärtigen Aufenthalt des Vermißten werden von sämtlichen polizeilichen Dienststellen jederzeit entgegengenommen. b. Verkehrsunfälle. Am 80. Mai, gegen 16.20 Uhr, fuhr in der Schloßstraße ein Autobus mit einem Personenkraftwagen zusammen, wodurch dieser umgeworfen wurde. Zwei Personen wurden leicht verletzt.— Am 81. Mai, gegen 2.10 Uhr, fuhr in der Bockmühlstraße ein Personenkraftwagen gegen einen Laternenpfahl. Der Pfahl brach ab, der Wagen wurde beschädigt.— Sonntag vormittag fuhr in der Kellerstraße ein Personenkraftwagen gegen den Bordstein. Das Auto wurde so schwer beschädigt, daß es abgeschleppt werden mußte. Personen wurden nicht verletzt. b. Zur Festnahme gelangte ein 28jähriger Zechenarbeiter aus der Unterdörnerstraße, der in Sprockhövel eine Handtasche mit 850 M entwendet hat. Ronsdorf, 2. Juni. r. Durch Starkstrom getötet wurde Samstagnachmittag ein Arbeiter. Beim Aufstellen der Raupenbahn auf der Kirmes kam er dem Starkstrom zu nahe. Er war sofort tot. Das Unglück soll auf ein Versehen zurückzuführen sein, indem der Arbeiter glaubte, der Strom sei an der betreffenden Stelle ausgeschaltet gewesen. r. Blumentöpfe heraus! Es war in Ronsdorf ein lobenswerter Brauch, die öffentlichen Gebäude im Sommer mit Blumensch nuck zu versehen. Vor allem war es das Rathaus, das durch die geschickt angeordnete Blumenfülle zu einem wirklichen Schmuckstück der Innenstadt wurde Nun hören wir von gut unterrichteter Seite, daß dieser Blumenschmuck eingespart werden soll. Dagegen müssen wir uns mit aller Schärfe wenden; denn diese Sparmaßnahme beginnt an dem verkehrten Ende. Die paar Blumentöpfe werden sicherlich nicht das große Defizit der Stadt Wuppertal wettmachen. Also: Blumentöpfe beraus! r. Straßenbahntaris. Der hiesige Verkehrsverein hat nunmehr ein umfangreiches Protestschreiben an den Oberbürgermeister Dr. Hartmann-Wuppertal gesandt, in dem die Einbeziehung Ronsdorfs in den Nahverkehr gefordert wird. Ferner wird gefordert, für die Strecke Fachschule- Reichsbahnhof den bisherigen 15 Pfennig=Tarif beizubehalten. — Wir haben bereits unsere Stellung zu dieser Frage in dem Artikel vom 22. vorigen Monats:„Wuppertaler zweiter Klasse?“ genügend erörtert und eine ernheitliche Tarifbehandlung verlangt. r. Mehr Bänke in den städtischen Anlagen an der Talsperre! Während in den Anlagen des Verschönerungsvereins durch den Forstaufseher Schauer planmäßig neue Sitzbänke aufgestellt werden, vermißt man in den umfangreichen Anlagen der Stadt unmittelbar an der Talsperre die notwendige Sitzgelegenheit. Die wenigen Bänke sind an„Stammgäste“ vermietet, so daß der zufällige Wanderer keine Gelegenheit zur Rast findet. Warum beschäftigt man nicht die Wohlfahrtsarbeiter mit der Herstellung von Bänken? Hoffentlich genügt dieser Tipp, damit bald Abhilfe geschaffen wird. r. Standesamtliche Statistik. In der Vorwoche wurden beurkundet: 2 Geburten, 3 Eheschließungen und 2 Todesfalle. Bohwinkel, 2. Juni. v. Diebstähle. In der Nacht zum 30. Mai wurde bei einem Waffenhändler die Schaufensterscheibe zertrümmert. Aus der Auslage wurden eine Betäubungs- und vier Schreckschußpistolen entwendet. Bei den Pistolen handelt es sich um die Marken „Perplex" und„E. M.— G. E.“— Vom Hofe des Postamtes wurde einem Kaufmann eine Handziehkarre entwendet. Einen Anstrich hatte die Karre nicht. Briefkasten R. Sch., Barmen. Theodor Staudt, Elberfeld, Lischkestr. 1. Weitere Adressen finden Sie in den Wuppertaler Adreßbüchern. W. B. Es hangt hier ganz vom Vermieter ab, ob er dem Mieter die Mansarde kündigen will. Wir sehen hier keine rechtliche Möglichkeit, wie man den Vermieter zu einer Kündigung zwingen könnte. M. J. 14. Ein Schadenersatzanspruch verjährt erst in drei Jahren. Die betreffende Frau kann also auch jetzt noch nach fünf Monaten Schadenersatzansprüche aeltend machen, wenn Ihr Hund den Mantel zerrissen hat(§ 833 BGB.). Sozialdemokratische Partei Sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion. Heute 20 Uhr: Sitzung. Der Vorstand. Arbeitsgemeinschaft der sozialistischen Lehrer. Dienstag, den 3. Juni, 17.30 Uhr, im Gewerkschaftshaus (Zimmer 17): Wichtige Sitzung. Tagesordnung: 1. Bericht über Düsseldorf. L. Der republikanische Lehrerbund. Alles muß erscheinen. Der Vorstand. Distelbec. Dienstag, den 3. Juni, 20 Uhr. bei Vogeler, Eichenstraße: Wichtige Mitglieder=Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wilhelm Ena über die politische Lage. 2. Bezirksangelegenheiten. Es ist Pflicht aller Mitglieder, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Bezirksvorstand. Rott=Dörnen. Mittwoch, den 4. Juni, 20 Uhr, bei Paschhoff, Brüderstraße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Dang: Die politische Situation. 2. Unsere Literatur; Referent: Gen. Christmann. 3. Bericht von der Vertreter=Versammlung. Es ist Pflicht aller Mitglieder, an dieser Versammlung mit ihren erwachsenen Familienangehörigen teilzunehmen. Belbert. Mittwoch, den 4. Juni, 20 Uhr, im Lokale des Gen. Kuwertz, Kirchstraße: Vorstandssitzung. Sozialistische Arbeiter-Jugend Elberfelb. Gruppe Lassalle: Dienstag: Fahrtenbesprechung. Gruppe Marx: Dienstag: Vorlesungen eines Genossen. Auch müssen die Anmeldungen für die Pfingstfahrt zum Rhein erfolgen. Unkosten und Abfahrt der einzelnen Gruppen wirb an dieser Stelle und im Jugendheim bekanntgegeben. Gruppe West: Dienstag, 20 Uhr: Vortrag des Genossen Karlshaus über„Gewerkschaften", 2. Teil. Diejenigen, die Bfingsten mirfahren, müssen unbedingt erscheinen, d Gruppe Süd: Dienstag: Lustiger Abend. Mitgliedsbücher mitbringen! Freundschaft! Helma. Gruppe Süd: Wir treffen uns morgen um 20 Uhr an der freien Schule Kölnerstraße zum Abendspaziergang, bei Regenwetter lustiger Abend in der Schule. Alle, die die Pfingstfahrt mitmachen, müssen unbedingt erscheinen und 2,50 A mitbringen. Alle, die ihre Mitgliedsbücher noch nicht mitgebracht haben, müssen diese morgen abend abgeben. Freundschaft! Karl. Barmen. Gruppe Unterbarmen: Dienstag bei schönem Wetter: Abendspaziergang. Wenn es regnet: Vorlesungen im Heim. Alle Bausteine bis Dienstag beim Gruppenleiter abrechnen. Ronsdorf. Dienstag, den 8. Juni, Punkt 19.80 Uhr: Pfingstfahrtbesprechung Alle, die Pfingsten mit auf Fahrt wollen, müssen unbedingt erscheinen, da es der letzte Heimabend ist, der uns vorher noch zur Verfügung steht. Erscheint bitte früh, damit auch besonders früh Schluß gemacht werden kann. Reichsbanner SchwarzRotGold Elberfeld 2. Kameradschaft: Mittwoch, den 4. Juni, 20 Uhr: Antreten in der Brandenburgerstraße im Banneranzug. Hohmann, K-Führer. 4. Zug: Der für Freitag angesetzte Spaziergang fallt aus, dafür beteiligen wir uns an dem Mittwoch, den 4. Juni, angesetzten Kameradschaftsausmarsch. Erscheinen sämtlicher Kameraden unbedingt erforderlich. 11. Zug: Dienstag, den 3. Juni, 20 Uhr, beim Kameraden Schade, am Schützenhof 8: Wichtige Sitzung der Zug= und Gr.Kassierer und Gruppenführer. Alles muß pünktlich zur Stelle sein. Spielmannszug: Dienstag: Uebungsstunde für Trommler. Der Spielleiter. Zugkassierer: Ein Beauftragter wird Donnerstag oder Freitag dieser Woche zu euch kommen und die Karten, die zum Vorverkauf ausgegeben wurden, abrechnen. Macht also alles fertig! Der Obmann des Musikzugs. Jungbanner und Schutzsport: Heute, Montag, 18 Uhr: Training auf dem oberen Platz in der Eschenbeek. Sämtliche Handballspieler müssen zur Stelle sein. Ebenfalls werden alle übrigen Kameraden ersucht, zu erscheinen. Freunde unserer Sportbewegung sind willkommen.— Die Propagandafahrt nach Bochum erfolgt bestimmt am 29. Juni. Ich ersuche daher alle Kameraden, die sich noch nicht gemeldet haben, dies umgehend nachzuholen, damit ich in der Lage bin, den Lastwagen festzumachen. Meldungen können erfolgen am Donnerstag in der Turnhalle und Freitagabend im städtischen Jugendheim oder bei den Jungbannerkameraden sowie Abt.=Führern.— Alle Jungbanner=Kameraden, die Karten vom Musikzug verkaufen, müssen diese spätestens am Donnerstag in der Turnhalle, oder am Freitag im Jugendheim abrechnen. Die nicht verkauften Karten müssen dann abgeliefert werden. Der Ib.=Abt.=Führer. Elberfeld. Zeltlagerfalken: Das Geld für das Probezeltlager in der Öhligser Heide Pfingsten(8 MA) muß bis spätestens Mittwoch bei Genossin Opfer, Erlenstr. 46, abgeliefert sein, da wir über die Zahl der Mitgehenden noch berichten müssen. Freundschaft! Der Vorstand. Helfer der Gruppe Nord: Dienstag, den 8. Juni, 19 Uhr, im Jugendheim: Wichtige Besprechung. Freundschaft! Der Vorstand. Barmen. Gruppe Bartholomäusstraße: Dienstag fällt unser Gruppenabend aus. Die nächste Veranstaltung wird bekanntgegeben. Ronsdorf. Rote Falken: Alle, die Pfingsten mit auf Fahrt gehen, müssen am Dienstag 3 A mitbringen. Bringt Bleistift und Papier mit! Freundschaft! Friedchen. Verantwortlich für Politik: Dr. Alfred Dang=Elberfeld; für den Teil„Aus dem Wuppertal"; Emil Quitzan=Elberfeld; für Gewerkschaftliches, Genossenschaftliches, Aus aller Welt: Karl Dörr=Barmen; Lennep=Remscheid=Mettmann, Kunst und Sport und den unterhaltenden Teil: Oskar Hoffmann=Elberfeld; für den Inseratenteil: Friedrich Heyck=Elberfeld. Rotationsdruck und Verlag: Verlagsanstalt Freie Presse, Molkenbuhr u. Ko. Malende Werbeveranstaltung der Jugendgruppe im Verband der Maler usw. Am vergangenen Samstag fanden sich die im ADGB. organisierten Jungmaler mit ihren Angehörigen im großen Saale des Gewerkschaftshauses zu einem Jugend- und ElternAbend zusammen. Diese Veraustaltung war verbunden mit einer Ausstellung von Arbeiten, die im Laufe des Winterhalbjahres in einem Dekorationsmalkursus entstanden sind. Die Lehrlinge und Junggesellen wollten den Eltern und den Berufskollegen Proben ihres Wollens und ihres Könnens vorlegen, sie wollten aber auch der Oeffentlichkeit zeigen, daß im Rahmen des Verbandes, und insbesondere in der Jugendbewegung der hiesigen Ortsgruppe ernst gearbeitet und zielbewußt vorwärts geschritten wird. Der Verbandskollege Lüth wußte in der sechsmonatigen Winterarbeit seine Jugendlichen zu einem beachtenswerten Erfolg zu führen. Die nach ihrer zeitlichen Entstehung nebeneinander ausgestellten Arbeiten zeigten durchweg, daß der Lehrer methodisch auf dem richtigen Wege ist Das Können des Schülers wächst von Werk zu Werk. Da hingen Erstlingsarbeiten, noch form= und maßlos. triebhaft aus natürlichem Empfinden entstanden. Dann sahen wir bei der 2. Arbeit des Ausstellers schon die strengere Kunstform in ihrem ersten Stadium. Und diese Kunstform wuchs durch die dritte und reifte in der vierten und fünften Arbeit. So konnte man allerwärts feststellen, daß hier eine aufsteigende Entwicklungslinie die Zusammenarbeit von Lehrer und Schüler durchzieht, die bei dieser Handhabung bald zu beachtlicher Höhe führen muß. Eine besondere Hervorhebung verdienen die Arbeiten des Jungkollegen Beul, der mit 4 Darstellungen ernstes Wollen und gediegenes Können verriet. Sein Schilfmotv Nr. 4 ist eine technisch und kompositorisch außerordentlich gut gelungene Flächenbelebung. Sie ist nicht gequält, nicht gewollt gemacht, sondern sie ist geworden. Diese Arbek muß nicht nur als die besie aus der Hand dieses Schülers, sondern sie muß als die beste der gesamten ausgestellten Sachen angesehen werden. Desgleichen verdient Beuls Arbeit Nr. 2, das chinesische Wassermotiv, daß frei und frisch hingeworfen ist. Beachtung. Seine beiden übrigen Arbeiten sind in der Komposition besser gelöst als in der Auch Kleucker zeigt in seinen Bildern 2 und 8 gutes Zielstreben. Das japanische Reihermotiv behandelt er mit Verständnis und Liebe. Farbtechnisch und kompositorisch recht gut getroffen ist das Pfeilerstück Nr. 3. Ich möchte diese Arbeit als die zweitbeste aus der Reihe sämtlicher Ausstellungsstücke hervorheben. Auch in seinem Blüten=Beerenmotiv bringt Kleucker eine Flächenbelebung, die kompositorisch einheitlich, farbtechnisch aber noch ungelöst ist. Die Naturfarbe der Beere paßt nicht zur Anilinfarbe der Blüte. Was in der Komposition gut zusammengezogen ist, fällt in der Farbe auseinander. Becker zeigt in seinem ersten Bild wenig Flüssigkeit, zuviel Linie, große Strenge und keine Belebung. In seiner 2. und 4. Arbeit zeigt er eine wesentliche Steigerung. So weiß er bei Nr. 2 Farbe und Linie gut zu verbinden. Dadurch bringt er Einheitlichkeit und Ruhe in sein Werk, das bei bescheidenstem Aufwand doch recht lebendig wirkt. In seiner 5. Arbeit sucht und findet er einen gewissen Formenreichtum, den er durch eine teilweise zu plumpe Farbbehandlung wieder abschwächt. Eine Flächenbelebung in dieser Mattfarbigkeit kann nur für einen hellen Hausflur bestimmt sein. Dazu ist aber die Ausführung zu grob. Beckers 3. Arbeit, das japanische Blütenmotiv, ist gut komponiert, bleibt aber dennoch nur Schablone, weil die Anilinfarbe zu streng in der Fläche steht. Bewundernswert ist der Fleiß dieses Malers. Wenn er seine Lücken erst kennt, wird er sie zu füllen wissen. Kleinborst liebt in seiner Arbeit Nr. 3 die Kälte, die in Japan nicht herrscht. Er verachtet die Perspektive zu sehr. Dadurch entsteht unter seiner Hand keine Plastik und auch kein Ornament. Sein Werk wird in dieser Form nur einen Augenblick fesseln. Es bleibt Postkartenschablone. Noch zu erwähnen waren einige Stoffmalereien in Linienund Flächenmanier mit D. K. Deckfarben und Lasurfarben, die auf den Beschauer ihre Wirkung ausüben. Die hier nicht erwähnten Arbeiten sind teilweise auch noch recht brauchbar. Auch hier sind Spuren von Fleiß und gutem Willen zu erkennen. Bei weiterem Durchhalten wird der Erfolg auch bei denen, die heute nicht besonders genannt werden, nicht ausbleiben. Die ganze Veranstaltung wurde umrahmt von musikalischen und rezitatgrischen Darbietungen. Verbandssekretär Hille legte in seiner Ansprache Wege und Ziele der Jugendbewegung innerhalb des Verbandes dar und forderte die Jugendlichen zu weiterer Arbeit an sich selbst auf. Er wies weiterhin auf die Not im Malergewerbe hin und betonte, daß mit allem Nachdruck daran gearbeitet werden müsse, mehr als bisher Einfluß zu gewinnen auf die Lehrlingkauswahl und die Lehrlingsausbildung. Der Verlauf des Abends zeigte, daß der Verband der Maler seine Pflichten gegen seine Jugendlichen kennt und mit allen Mitteln für das Weiterkommen dieser Jugendlichen zu sorgen bereit ist. Stein. Wie einst im Mai (Salamander=Theater Elberfeld) Für den Beginn der Sommersaison hat sich die Leitung des Salamander=Theaters ein Operetten-Ensemble verschrieben. Sie tat recht daran, da augenblicklich im Wuppertal anderswo keine Operette gespielt wird und in diesen warmen Sommertagen für die leichte Muse einiges Interesse zu erwarten ist. Der Besuch am ersten Abend ließ allerdings viel zu wünschen übrig. Das wird sich hoffentlich ändern, wenn erst einmal bekannt wird, welch gute Operettenkunst dort geboten wird, und wie angenehm der Aufenthalt im Salamander gerade an den warmen Sommerabenden ist. Besteht doch die Möglichkeit, das Dach des Theaters auseinanderzuschieben, so daß man wie unter freiem Himmel sitzt. Das Operetten=Ensemble Bachenheimer-Maurer hat eine ältere Operette als erste Darbietung gewahlt,„Wie einst im Mai", eine der ersten Operetten Walter Kollos. Der Inhalt ist durch die Vornotizen bereits bekannt geworden. Es braucht deshalb nicht näher darauf eingegangen zu werden. Nur soviel sei gesagt, daß es sich hier um eine der guten Operetten handelt, deren Handlung einigermaßen befriedigt. Die Musik ist schmissig und mitreißend. Alte Schlager, die heute fast vergessen sind, werden wieder aufgefrischt und man freut sich dessen. Der Aufführung ist volles Lob zu spenden. Die Direktion pflegt die Ensemblekunst und erreicht dadurch die besten Wirkungen. Das Zusammenspiel, das wesentlichste Element bei einer Operettenvorstellung, klappt tadellos und auch die einzelnen Kräfte stehen auf beachtlicher Höhe. Von den vielen Mitwirkenden, die der Theaterzettel aufweist, können nur einzelne genannt werden. So besitzt das Ensemble in Annn Spera eine darstellerisch und gesanglich gleich befähigte Soubrette, die hohen Anforderungen genügt. Dasselbe gilt von Otto Kraatz, dem Darsteller des Jüterbog. Auch er befriedigt vollauf. Daneben seien noch erwähnt Albert Maurer als Methusalem, Willy Schmidt als Justizrat Pergamenter, Hans Lampmann als Cicero, Else Brix als temperamentvolle Südamerikanerin und Käthe May als Vera. Die übrigen ungenannten Darsteller seien mit einem Gesamtlob bedacht. Wer einmal eine gute Operettenvorstellung sehen will, dem sei der Besuch des Salamander=Theaters empfohlen. Il. Dunkle Wege Amerikas im Weltkrieg Im Lande der Spione Das Geheimnis des grünen Jagdhutes (Schluß., Die Hauptzensoren bekamen 30 846 630 Briefe, von denen sie 6 335 645 prüften. Ihre Geschäftsstelle in Paris war ständig zu schwach, selbst als sie mit 88 Offizieren, 188 Mann und 27 Zivilangestellten besetzt war. Das chemische Laboratorium wurde erst im Juli 1918 eingerichtet und untersuchte 58 658 Briefe auf die Verwendung von Geheimtinte. Dieses Amt zensurierte natürlich keineswegs den größten Teil der AEF.=Post, die Hauptarbeit leisteten die vorgesetzten Offiziere der Leute in den Truppenteilen selbst. Leuten, denen das unangenehm war, konnten blaue Umschläge benützen, die ihnen eine Erledigung der Zensur durch die Hauptzensurstelle sicherten. Der größte Teil der dort behandelten Post ging als Fremdsprachenpost, Post für alliierte und neutrale Länder, Post von und nach Dienststellen der AEF. und Post von und nach Einheiten, die aus besonderen Gründen zeitweilig doppelter Zensur unterlagen. Der gewöhnliche Brief des Frontsoldaten nach Hause in Englisch wurde bei seinem eigenen Truppenteil zensuriert und ging geradewegs an die Transporte, ohne bei der Hauptzensur aufgehalten zu werden. Die Hauptzensurstelle behauptet aber, daß auch die bei ihr eingelieferten Briefe höchstens um 48 Stunden verzögert wurden. Pakete wurden genau so scharf gensuriert wie Briefe. Sie konnten womöglich jene geistreich erdachten deutschen Bleistifte für Brandzwecke") enthalten, die einmal sogar ein Feuer im GHO. erregt haben sollen, und sie konnten auch Spionagemeldungen bergen. Die Deutschen sandten beispielsweise solche nach der Schweiz, die mit Milch auf das Seidenpapier geschrieben wurden, mit dem aus Italien und Südfrankreich stammende Früchte eingewickelt waren. Wenn man solches Papier gegen das Licht hielt, konnte man die Nachricht lesen. Ein ungarischer Baron in Genf verbrannte in seinem Hinterhof so viele leere Obstkisten, daß die Polizei schließlich die Einwickelpapiere vor der Ablieferung an ihn beseitigte, worauf die Spione des Barons prompt ihre Nachrichten auf die Kistenseiten schrieben. Der Baron verdarb sich seinen ganzen Schreibtisch mit den Chemikalien zum Entwickeln der Schrift. Dieses Fruchtgeschäft bezahlte sich so gut, daß der Baron einen umfangreichen Kundenkreis besaß, zu dem auch ein berühmter Automobilfabrikant, Jellinek,“) gehörte, der vor dem Kriege die deutsche Spionage in Nizza von seiner eigenen Privatjacht aus geleitet hatte. Einige von den Kunden des Barons waren Revolutionäre, die später in dem schon erwähnten„versiegelten Zug" nach Rußland zurückkehrten. Laßt Blumen sprechen Manche Agentenmeldungen gelangten auch von der Riviera in Blumensendungen nach Deutschland. Graf Ockerling, ein österreichischer Agent in der Schweiz, ließ seine Spioninnen, Konzertsängerinnen und selbst Damen der Gesellschaft, die Blätter mit der Geheimschrift um die Stiele der Blumen wickeln, die sie im Gürtel trugen. Manche Mitglieder der Spionageabwehr waren der Ansicht, daß die Deutschen am leichtesten durch ihre eigenen Kriegsgefangenen in den alliierten Ländern ihre Nachrichten nach Deutschland schicken konnten. Die AEF. gestattete wöchentlich zwei Briefe über rein persönliche Angelegenheiten nach Deutschland. Derartige Briefe wurden sorgfältig zensuriert, aber man argwöhnte, daß versucht würde, mit Hilfe eines Geheimcodes, vielleicht nur durch besondere Anordnung der Schrift auf der Seite, Nachrichten zu übermitteln. Möglicherweise ließen sich deutsche Agenten vorsätzlich gefangen nehmen, nur um derartige Botschaften an Deckadressen in Deutschland zu senden. Pakete für die Kriegsgefangenen aus Deutschland wurden durchsucht und man fand darin Nachrichten in doppelten Böden von Kisten, in Tabak, Seifen, Büchsenkonserven, ja sogar zwischen den zusammengeklebten Blättern einer Photographie der Geliebten. Nach dem Waffenstillstand bekam die Hauptzenfurstelle durch die Briefe der Kriegsgefangenen sehr genaue Nachrichten über die Zustände in Deutschland. *) Es gab einen kleinen Zeitzünder mit chemischer Auslösung, ber äußerlich die Form eines Bleistifts besaß. Der Uebers. **) Der bekannte Automobilkonstrukteur, nach dessen Tochter der „Mercedes"=Wagen benannt ist. Der Uebers. Der Zensor fand in seinem Kampfe gegen die Deckadressen gute Hilfe in einer schwarzen Liste von gewöhnlich in Holland oder der Schweiz gelegenen Orten, die als Deckmäntel für den deutschen Geheimdienst bekannt waren. Amerikanische Chemiker entdeckten eine solche in Geheimtinte geschriebene Liste auf einem Papier, das ein Spionagekurier bei sich hatte. Die Schweiz war mit einem Netzwerk von inoffiziellen„Briefkästen" übersät, zu dem viele wohlbekannte Hotels gehörten. In Holland gab es Firmen mit richtigen holländischen oder fingierten Namen, die lediglich den Interessen der deutschen Nachrichtenverbindung dienten. Eine erbeutete Liste mit derartigen Anschriften in Deutschland erwies sich als eine Aufstellung von Deckadressen für den Geheimdienst, an die die deutschen Zensoren Briefe versandten. Eine andere Umgehung bestand darin, in neutralen Ländern Agenturen einzurichten, die offensichtlich dem Briefschmuggel von und nach dem besetzten Belgien, von und nach Frankreich dienten. Diese Neuigkeit wurde dann bei den betrübten Freunden und Verwandten hinter der Front der Alliierten verbreitet und bald entwickelte sich ein wertvoller Briefwechsel, der natürlich durch die Hände der deutschen Agenten ging. Zeitungsinserate waren ein so gewöhnliches Mittel, Nachrichten zu senden oder einzuholen, daß viele Stellen der Spionageabwehr jede einzelne Anzeige genau prüften, ehe sie veröffentlicht wurde. Ein Agent in Feindesland konnte vorzugsweise in einer, nahe der neutralen Grenze erschienenen Zeitung eine nach außen hin vollkommen harmlose Anzeige erscheinen lassen, die eine in Code verabredete Nachricht enthielt. Wenige Tage später las dann sein Gruppenchef im neutralen Lande drüben diese Anzeige. Die altmodische„Seufzerecke" in der„London Times“ erlaubte da manche Freiheit und was als Auseinandersetzung zwischen Liebesleuten erschien, hatte eine doppelte Bedeutung. Hier ist ein solcher der Wirklichkeit entnommener Fall: „Z. Dein Herz wacht. Sei recht lieb. Weiter nichts. Mein Gott, welch ein Kummer. Ich kann morgen nicht kommen." Die Anzeige bedeutet:„Die Regierung wird eine neue Anleihe ausschreiben. Das Blockministerium kann sich nicht länger halten." Ein anderes Beispiel:„Gesucht gut möbliertes Zimmer, separater Eingang, moderner Komfort, zentrale Lage, mäßiger Preis. Angebote an Corti.“ Die Bedeutung war:„Allgemeine italienische Offensive bevorstehend. Italienische Truppen werden nicht nach Frankreich geschickt." Wenn das Inserat ein„sehr gut" möbliertes Zimmer zu einem„erträglichen“ Preise suchte, war der Sinn gerade umgekehrt. Die Zensoren verboten den Zeitungen, Lotterienummern, Schachspiele und Briefmarkenangaben abzudrucken, aber sie waren recht verblüfft, als sie sich darüber klar wurden, wie gut es sich mit den Marken auf einem Briefumschlag signalisieren ließ. Kreuzworträtsel waren damals noch nicht aufgekommen. Die Briten unterdrückten unter anderem die Anzeigen eines deutschen Agenten in London, Hugh MeKean, der den Soldaten im Felde für billiges Geld Horoskope stellte, wozu aber eine adressierte Rücknachricht nötig war. Die Franzosen machten auch den Paten=Annoncen in der Zeitschrift„La Vie Parisienne" ein Ende, deren sich jeder Frontkämpfer erinnern wird. Patriotische Damen verkündeten schwarz auf weiß gedruckt ihre Bereitwilligkeit, als„Patinnen““) mit Soldaten zu korrespondieren, die sich zu einsam fühlten. Ganz einfach war auch ein anderer deutscher Kniff, in Blei ein paar Ziffern, vielleicht eine kleine Addition auf die Innenseite einer Zeitung zu schreiben und diese dann mit der Post abzusenden. Es sind merkwürdige Hilfsmittel, diese Codes! Klugen Leuten bieten sie eine große Hilfe zum Vermeiden des Netzes, aber sie sind doch gefährlich, denn wenn einmal die Spionageabwehr eine Codenachricht erspäht hat, gibt sie keine Ruhe, bis sie den Schlüssel entziffert und den Absender gefunden hat. Wird dieser dann, wie es amerikanischen Agenten passiert ist, im Besitz des Codes betroffen, dann ist er verloren. *) Eine Zeitlang war es bei den Französinnen besonders Mode „Marraine", Patin für einen oder mehrere Frontkämpfer zu spielen und diese mit Zigaretten, Liebespaketen u. a. zu versorgen und ihnen, teilweise wenigstens, nach Kräften den Urlaub zu versüßen. Der Uebers. Gibt es überhaupt einen Code, der sich nicht lösen läßt? Die britische Erfahrung behauptet, daß dies vielleicht der Fall sei, obgleich der bei ihnen tätige Professor des Griechischen jeden Code entgifferte, falls er genug Zeit und Nachrichtenmaterial darin hatte. Ein Amerikaner sagt, daß man im Weltkrieg keinen erfand, der nicht gelöst wurde, und daß selbst schon teilweise Lösung Fingerzeige bringt. Oberst Nicolai sagt:„Der deutsche Geheimdienst kannte keinen unlösbaren Code.“ Gleichwohl erwies sich der deutsche diplomatische Code als so zähe, daß bei einer kritischen Gelegenheit der amerikanische Code=Sachverständige, dem er vorgelegt wurde, verzweifelt die Hände rang, worauf ein amerikanischer Nachrichtenoffizier sich erbot, lieber ein paar kleine Gesetze zu verletzen und am Aufbewahrungsort des Codesbuchs einzubrechen. Codes sind kitzliche Dinger Die Entzifferung eines typischen Regierungstelegramms mit seinen Tausenden von Worten und Phrasen, die nach Zahlenwerten und alphabetisch geordnet sind, ist eine fürchterliche Arbeit. Manche Texte ändern den Schlüssel mitten in der Botschaft. Aber sobald auch nur ein einziges Codebuch verloren gegangen ist, muß der ganze Code aufgegeben werden. Wenn erst eine einzige Botschaft darin entziffert ist, sind es alle, mag die Entzifferung auch noch so langsam und qualvoll gehen. Gelegentlich braucht man dazu so lange, daß irgend eine besondere Nachricht zu der Zeit, in der man sie entziffert hat, keinen Wert mehr besitzt. So brachte es keinen Nutzen, den Befehl zu einem deutschen Luftangriff auf London in dem Augenblick lesen zu können, in dem die Bomben bereits einschlugen. Beim Lösen von Geheimschriften muß man wissen, welche Buchstaben, Worte und Zeichen am häufigsten in Nachrichten vorkommen. Einer Autorität zufolge ist der Stellwert der Buchstaben etwa folgender:") ETOAIRNSHLDCMUYPFGWBV TH, HE und ER sind häufige Verbindungen, U kommt selten verdoppelt usw. Oberst George Fabyan, ein amerikanischer Code=Experte, gibt die Reihenfolge etwas anders, und zwar wie nachstehend, an: ETAONISHRULUFMPWGYBKXQIZ Seiner Ansicht nach sind 15 Prozent aller Buchstaben E und K. X. Q. J und Z machen zusammen nur 20 Prozent aus. Hier haben wir zum Beispiel eine Codevorschrift, die im Kriege benützt wurde: „Schreibe die Nachricht im Klartext, Buchstabe um Buchstabe von links nach rechts auf die Zeile, wobei jede Linie eine vorher bestimmte Anzahl Buchstaben umfaßt. Jeder Buchstabe muß genau unter dem entsprechenden Buchstaben der darüberstehenden Zeile sitzen. Du hast nunmehr eine Anzahl Buchstabenkolumnen, die genau der Anzahl Buchstaben je Zeise entspricht. Kopiere darauf von oben nach unten, wobei die Kolumnen in vorgeschriebener Reihenfolge durcheinander gewählt werden. Teile die in dieser Reihenfolge erhaltenen Buchstaben in Gruppen von je zehn. Zur Entzifferung zähle die Gesamtzahl der Buchstaben und ihre Nummer in der Kolumne, schreibe die Kolumnen in der Originalschrift nebeneinander an und du kannst die Nachrichten als Klartext von links nach rechts lesen.“**) Manche Dinge, die dem Laien geheimnisvoll erscheinen, sind es gar nicht, zum Beispiel der Lexikon=Code, mit dem man Nachrichten zusammenstellt, indem man Zahlen und Kolumnen eines Lexikons anführt, wo die Worte zu finden sind. Hindus im deutschen Sold, die in Amerika daran arbeiteten, eine Revolution in Indien anzustiften, verkehrten miteinander auf diese Weise und Major William F. Friedmann, der jetzige Chef des Armeesignalkorps (Codeabteilung), las ihre Nachrichten vollkommen richtig— ohne ein Lexikon dazu zu gebrauchen. Wie gesagt, es sind kitzlige Dinge, diese Codesysteme. Ein britischer Zensor grübelte lange über einem Kabeltelegramm an eine verdächtige holländische Adresse, das lautete:„Vater ist tot.“ Zur Vorsicht änderte er es ab in:„Vater ist verschieden" und ließ es weitergehen. Prompt kam die Rückfrage:„Ist Vater tot oder verschieden?" *) Dies ist natürlich nicht die für deutsche Texte gültige Rangordnung. Diese lautet etwa: e, n, i, s, t, h, a, r, d, u, usw. Der Uebers. **) Diese Chiffrierung ist als recht mäßig zu beurteilen. Ein Fachmann löst sie mit Hilfe einer Gruppe sehr bald. Sie würde erst dann schwierig, wenn die erste Chiffrierung noch zum zweiten Male chiffriert wird, und eine aperiodische Buchstabenvertauschung stattfindet, womöglich unter Anwendung mehrerer Sprachen. Der Uebers. Roman von Paul Reboux Der Leuchtturm Deutsche Rechte: Rembrandt=Verlag, Berlin=Zehlendorf. 10. Fortsetzung. Als Brenellec bei Ebbe den Platz aussuchte, dachte er: Armer Douellou! Wie so viele andere müßte er sich also auf den Weg nach geheimnisvollen Tiefen aufmachen; sein immer langsamer werdender Sturz würde ihn in jene Gebiete führen, darin die Sonne einem beweglichen graugrünen Schimmer gleich und von grünlicher Nacht verlöscht, trübe wird. Aber Haie würden ihn in Fetzen reißen und Krabben von seinem Fleische zehren. Und er, Brenellec, würde schuld daran sein?... Nein! Als er wieder den Turm betrat, benahm ihm jeboch ein entsetzlicher Geruch den Atem. Schon!... Es war eine qualvolle und traurige Arbeit, den Toten in das Futteral zu tun. Der Sack war etwas eng. Die Glieder mußten mit Gewalt hineingesteckt werden, und diese gegen eine Leiche ausgeübte Gewalt glich einer Schändung. Aber als der Augenblick des Hinunterbringens nahte, sah Brenellee sich ernsthaften Schwierigkeiten gegenuber. Seine alten, ungeschickten Arme konnten eine solche Last nicht heben. Hinter sich herziehen? Das ware gar zu respektlos gewesen: der Kopf könnke gegen die Stufen schlagen. Ihn mit Hilfe einer Winde an Stricken aus dem Fenster lassen? Zu umständlich... Er beschloß ihn mit aller Vorsicht über die Treppe hinuntergibojen. Diese Arbeit dauerte fast eine Stunde. Er hielt den Toten mit beiden Armen umfaßt; er fühlte seine Glieder gegen seinen Körper und roch den Geruch, der durch den dicken Stoff drang. Alle zehn Stufen mußte er absetzen und Atem holen. Die letzte Etappe war am schlimmsten. Er verlor sogar die Empfindung für das, was er tat, konnte nicht mehr an sich halten und fluchte und schimpfte, wahrend er seine Last über die schlüpfrigen Felsen mit der gleichen Mühe schaffte, mit der eine Ameise eine um vieles größere Larve trägt. Endlich erreichte er den Rand. Er wischte sich die Stirn ab und dachte daran, daß keine Andächtigen da seien und er nicht das Totengebet lesen könne. Er würde eben seinen Rosenkranz sagen. Gott wäre vielleicht auch damit zufrieden, und Douellous Seele ginge wenigstens nicht ganz ohne Gebet von hinnen. Es war fünf Uhr. Der Tag nahm schön eine zartgoldene Färbung an. Eine bläuliche, flockige Wolke verbarg die Sonne, die ihre Lichtfransen ansetzte. Hervördringende Strahlen streiften das Meer am Horizont mit zitternden golbenen Linien. Breneller stand entblößten Hauptes neben dem Sack aus Leinen und betete. Leh wohl... Der Herr schenke dir Frieden... Im Namen des Sohnes, des Vaters und des Heiligen Geistes... Aber als er den Leichnam hinabgestoßen hatte und dieser mit lautem Aufschlag versank, fand er sich noch einsamer. Er hatte Angst, wenn er den Leuchtturm ansah, den Teufelsfelsen, den er unter den Füßen hatte, und die Wellen... Und er gitterte bei dem Gedanken, was die unsichtbaren Kräfte alles gegen ein armes Wesen wie ihn vermögen Trotzdem mutzte er die Lampe anzünden und etwas essen. Während der Wache ging er auf die Terrasse hinaus. Die frische Nacht reinigte sein Gehirn. Schweigsam erfüllte sie ihn mit ihrer Ruhe. Er ging wieder hinein. Im Dienstzimmer sah er sich die Register an, sah, daß die Eintragungen seit zwei Tagen vernachlässigt worden waren, und ließ sich von seinen Berufspflichten ganz in Anspruch nehmen. Dreißig nach strengen Regeln verbrachte Jahre hatten seinem Leben ein dauerhaftes Gepräge gegeben, das sich allmählich wieder durchsetzte. Was noch alles zu putzen war. Und was für Eintragungen zu machen waren! Und die Abrechnungen über das verbauchte Petroleum, die er aus dem Kopfe rekonstruieren mußte! Als es Morgen wurde, nahm er das Register zur Hand, in dem alle bemerkenswerten Ereignisse auf dem Leuchtturm eingetragen werden müssen. Und das Drama mit seiner dem Tode entlehnten Furcht und tragischen Größe wurde folgendermaßen zusammengefatzt: 18. Oktober.— Der Wächter Douellou ist um halb fünf Uhr gestorben. Die Winde haben die Flagge zerrissen, die gehißt worden war, damit man ihn hole. 22. Oktober.— Ich habe mich genötigt gesehen, den Verstorbenen in Segeltuch zu nähen und um fünf Uhr vom Felsen NO. ins Meer zu stoßen, da er zu verwesen begann. 5. Douellou mußte schleunigst ersetzt werden. Glücklicherweise bewarb sich ein ehemaliger Bootsmann mit ausgezeichneten Zeugnissen, Dominique Houarz, um den Posten. Man erteilte ihm rascher eine Antwort, als es sonst üblich war. So war die Lücke schnell wieder ausgefüllt. Sein Charakter als Matrose, der sich überall„durchbeißt", und Brenellecs Erfahrung verbürgten also eine genaue Dienstabwicklung. Aber die Ingenieure waren der Fähigkeiten Le Herns, der Guirecs Nachfolger war, nicht so sicher. Le Hern war ein kleiner Mann, der verkrümmt war wie ein Baum an der Küste. Seine seidenfeinen Haare bedeckten kaum den Schädel. Sein Gesicht war knochig und gelb wie eine asiatische Maske; über dem sehr schmalen Munde standen vereinzelte Barthaare. Zwei große schwarze Augen wanderten beständig voller Unruhe in ihren Höhlen hin und her; die fieberhafte Flamme, die in ihnen brannte, schien nach und nach den ganzen Menschen verbrannt und kleiner gemacht zu haben. Le Hern war erst nach langem Zögern auf den Teufelsfelsen gekommen. Als starrköpfiger und mystischer Bretone war er stets bereit, nach seinem Rosenkranz zu fassen, um sich vor Unheil zu schützen; er machse zwischen dem chriflichen Bunder und den undern der Feenmärchen, mit deren Glanz man seine Kindheit erfüllt hatte, keinen Unterschied. In seinem Gedächtnis wirbelten heilige und profane Traditionen durcheinander, und die Legenden hatten von dieser Nachbarschaft so viel an Autorität gewonnen, daß sie seinem Glauben ohne weiteres eingingen. Nur dienstliche Veränderungen— denen er blindlings folgte wie allem, was von oben kam— hatten ihn von der Jungfraueninsel auf den Teufelsfelsen gebracht, dessen Name allein ihm schon Entsetzen einflößte. Als die„Marie-Zeanne" mit Le Hern an Bord Le Conquet verlassen hatte, senkte sich plätzlich Nebel aufs Meer. Den ganzen Vormittag, hatte er am Rande des Himmels einen durchsichtigen Streifen gebildet. Dieser Streifen war gestiegen und hatte sich beim Näherkommen in Dampffetzen zerrissen. Endlich hatte sich der Nebel überallhin verbreitet und die Luft erfüllt, die der angsterfüllte Blick kaum zu durchdringen vermochte. Man mußte mit äußerster Vorsicht steuern. Man konnte die Klippen nur am Geräusch der gegen sie brandenden Wogen erkennen. Quémeneur machte sich nichts weiter daraus: für ihn war diese Methode genau so sicher, als richte er sich nach den Sternen. In der Ferne war der Nebel noch dichter. In der verdickten Luft, in der jeded Geräusch erstarb, glitt das Schiff lautlos dahin, eine Gefangene des weißlichen Schattens und der geheimnisvollen Undurchsichtigkeit, darin der Blick ins Leere stieß... „Bei dem Wetter," grollte Quémeneur,„kann es uns passieren, daß wir an dem Felsen vorbeifahren, ohne ihn auch nur zu streifen „Achtung!“ rief plötzlich Le Hern,„ich glaube, da ist er..." Quémeneur beugte sich nach vorn, um unter dem Segel durchzusehen.„Ach was!“ sagte er dann,„das ist Schaum. Wir müssen sogar wenden.“ In der Tat tauchte eine große Silhouette aus dem Nebel auf. Es war die einer spanischen Brigg, die im vergangenen Monat auf einem Riff gestrandet war. Man hatte nicht einmal versucht, sie wieder flottzumachen. Man hatte die Ladung überholt, alle Segel und das gesamte Tauwerk abgetakelt, und so war das Schiff, das bereits große Rostflecken aufwies, dort liegen egblieben. Während der Flut schien es zu schwimmen, und seine Unbeweglichkeit inmitten der heranrollenden Wellen hatte etwas Sonderbares. Die Wassermassen polierten die Algen, die aus den Längsspalten von Deck und Kommandobrücke wucherten. Ohne diese Algen, die bezeugten, daß das Schiff dem Untergange geweiht sei, hätte man meinen können, eine unsichtbare und schweigsame Mannschaft sei an Bord unter der Leitung eines gespenstischen Steuermanns, unter dessen Händen sich knirschend das Steuerrad drehte. Dieses plötzlich aufgetauchte, im undeutlichen Nebel tragisch auferstandene Wrack hatte in der Tat etwas Erschütterndes. „Wie dumm," meinte Quémeneur, während das Ruder von rechts nach links ging,„wir sind höchstens fünf Kabellängen vom Ankerplatz entfernt...“ Er sah nach der Uhr. „In einer Stunde kann man nichts mehr sehen. Wir müßten schon längst da sein. Wo steckt denn dieser Teufelsstein?" Die Fahrt durch die wattige Luft ging weiter. Plötzlich begann sich der Nebel von der untergehenden Sonne rot zu färben. Er wurde heller, verzog sich und enthüllte einen stahlblauen, klaren Horizont unter flammendem Himmel. Aber keinen Leuchtturm... „Du lieber Cott,“ fluchte Quémeneur,„wo sind wir denn?" „Ach!" schrie Le Hern,„da!"... Und alle sahen achtern den Turm, an dem man schon längst vorbeigesegelt war. Vor dem violetten Hintergrunde des Nebels, der sich zerteilte, richtete sich seine vom satten Rot der letzten Abendröte übergossene Gestalt auf. Der Turm, den man vor sich glaubte, stand nun unheilvoll hinter ihnen wie eine blutige Lanze. Dieser Zwischenfall machte auf Le Hern großen Eindruck. Seine ängstliche Phantasie glaubte ein ungünstiges Vorzeichen zu sehen.(Fortsetzung folgt.) Sport-Beilage der Freien Presse niiaitn Mmn Der 1.. Bundestag des Arbeiter=Turn= und Sportbundes eröffnet Der Eröffnungsfeier voraus ging eine Sitzung des Bundesvorstandes, der Kreisvertreter und des Bundesausschusses. Die Sitzung befaßte sich mit den letzten Vorarbeiten für die Durchführung des Bundestages. Die Eröffnung. Der mit Beifall vollzogene Einmarsch der Fahnendeputationen der rheinisch=westfalischen Bundesvereine in den riesigen großen Kongreßsaal auf dem Messegelände der Stadt Köln war ein klares Bekenntnis, daß Rot die Farbe des Arbeiter=Turn= und Sportbundes ist. Kräftig brausten dann die Musiktöne des von Prof. Bachem=Köln gespielten Präludiums D=Moll von Joh. Seb. Bach durch den ungeheuren Raum. Die Freie Chorvereinigung Köln ließ mit hoher gesanglicher Leistung ein äußerst sinnvolles Lied folgen, dem sich die Begrüßungsreden anschlossen. Einen Teil der Gesamtveranstaltung übertrug der Westdeutsche Rundfunk. Es sprachen für den rheinisch=westfälischen Kreis der Vorsitzende Hirschfeld=Köln, dann der Bundesvorsitzende GellertLeipzig, für den Deutschen und Preußischen Städtetag und für die Stadt Köln Oberbürgermeister Dr. Adenauer und Dr. Billstein, für den SPD.=Paxteivorstand Westphal, für die SPD.Fraktionen Naul Franken=Zeitz. Der ADGB. ließ gleichfalls Wünsche auf einen vollen Erfolg der Tagung persönlich entbieten. Die Sozialistische Arbeiter=Sport=Internationale hatte ihren Sekretär Silaba=Prag entsandt, der zugleich den Verband der tschechoslowalischen Arbeiter=Turnvereine vertrat. Der deutschtschechische Arbeiter=Turn= und Sportverband ließ durch LoewTeplitz Grüße und Solidaritätsverbundenheit bekunden, das gleiche der Arbeiter=Bund für Sport und Körperkultur Oesterreich(Askö) durch Püchler=Wiener=Neustadt. Für die anwesenden Vertreter aller Z. K.=Verbände sprach der Geschäftsführer der Z. K. Wildung-Berlin. Die Masse der Veranstaltungsteilnehmer folgte den Rednern aufmerksam und mit Beifall dankend. Telegramme und Schreiben mit Erfolgswünschen und Solidaritätsbekundungen lagen aus dem In= und Auslande vor. Freie Turnerschaft Elberfeld— Vorwärts Gevelsberg 6:3(2:4) Bei dem warmen Sommerwetter zeigte die Handballgemeinde diesem Spiel eine kalte Schulter. Nur etwa 100 Zuschauer sind reichlich wenig für das Spiel um den Gruppenmeistertitel. Sei dem, wie es wolle, die Freie Turnerschaft hat bewiesen, daß sie zu spielen versteht. Der Kontrahent aus dem 4. Bezirk war eine ganze Klasse schlechter als der Bezirksmeister des 3. Bezirks, und haben wir alle Ursache, der Freien Turnerschaft Elberfeld den Titel zu gönnen. Oststadt Elberfeld 1.— TuS. Nellendahl Elberfeld 1. 5:7(1:4) Zum fälligen Serienspiel standen sich obige Mannschaften vor zahlreichen Zuschauern auf dem Opphof gegenüber. Von beiden Seiten wurde bis zum Schluß ein äußerst faires Spiel vorgeführt. Nach Seitenwechsel scheint es, als sollte Uellendahl einen haushohen Sieg davontragen. Nachdem sich Ost aus der Umklammerung freigemacht hat, erzielen sie innerhalb 4 Minuten durch den Mittelstürmer 2 Tore. Uellendahl scheint verblüfft, auf der anderen Seite kämpft der Platzverein gewaltig um den Ausgleich. Nachdem sich die Bestürzung der Uellendahler gelegt hatte, erzielten sie durch den wunderbar kombinierenden Innensturm zwei weitere Tore. Durch ein weiteres Tor stellte Uellendahl einen knappen Sieg sicher, welcher nach den gezeigten Leistungen leicht hätte umgekehrt sein können. Die Leitung lag in guten Händen. 2. Mannschaften 1:11 für die sieggewohnten Uellendahler. Turnerinnen der Vereine 1:4. Endlich lassen auch die Mädel wieder etwas von sich hören. Uellendahls Mädel siegten verdient, die Östmädel haben scheinbar zu wenig Training.— Ost Jugend gegen West=Uellendahl 1: 6. Die Spiel auf dem Neuenhof in Remscheid Die fleißigen Remscheider hatten für gestern eine Reihe von Spielen vereinbart. Da die Gegner restlos antraten, waren sehr schöne Erfolge zu sehen. Den Anfang machten die Jugendmannschaften Sportgemeinde— Schwimmer Elberfeld. Die Platzhalter Ein hochwertiger Genuß war auch neben einem weiteren Musikvortrag das von der„Freien Chorvereinigung“ Köln vorgetragene Lied„Chor der Titanen“ von Uthmann. Dann nahm der Bundesvorsitzende Gellert die offizielle Eröffnung des Bundestages vor. Im Anschluß an diesen Akt zeigte die Bezirksschule Köln Ausschnitte aus ihrem turnerischen und gymnastischen Lehrbetrieb. Der stimmungsvolle Gesang des Liedes„Brüder zur Sonne, zur Freiheit“ beschloß die Feier. Tagung der Zentralkommission In der herrlich gelegenen Obstfarm des Arbeiter=SamariterBundes in Herchen a. d. Sieg traten die Vertreter der Zentralkommission zu einer Tagung zusammen. Zur Kenntnis genommen wurde der Geschäftsbericht des Genossen Wildung. bei dem die Besprechung des Fonds zur Förderung der Leibesübungen im Etat des Reichsinnenministeriums eine erhebliche Rolle spielte. Eine Erhöhung des Fonds wurde in Anbetracht der Notlage, in der sich die Sportbewegung befindet, als dringend notwendig unterstrichen. In der Besprechung über die kommunistische Spaltungsarbeit wurde erneut durch Beschluß festgelegt, daß alle der Z. K. angeschlossenen Verbände ihre Vereine und Mitglieder zur Mitgliedschaft in den der Zentralkommission angehörenden Arbeiter=Sportkartelle verpflichten müssen. Als gelungen kann der von der Zentralkommission anläßlich der HygieneAusstellung in Dresden ausgebaute Raum bezeichnet werden. Die Neuberufung und Erweiterung des technischen Ausschusses für die Z. K. wurde einstimmig beschlossen. Der bisher von der Wassersportsparte des Arbeiter=Turn= und Sportbundes geführte Wimpel, welcher für die Befreiung von dem Nummernzwang gilt, wurde durch einstimmigen Beschluß als Wimpel der Zentralkommission übernommen. Der Stand der Vorarbeiten für das 2. Arbeiter=Olympia 1931 in Wien wurde eingehend besprochen. Die Beteiligung an dem Arbeiter=Olympia wird wahrscheinlich sehr stark ausfallen. konnten das Spiel überlegen mit 510 gegen die jungen Gäste gewinnen. Dann betraten die 1. Mannschaften der Vereine den Platz. Auch hier siegte die Sportgemeinde sicher mit 6: 1 über die Freien Schwimmer Elberfeld, welche heute ihr 2. Spiel austrugen. Immerhin war das Spiel offen, und ist von den Elberfeldern noch allerhand zu erwarten.— ASW. Remscheid 1. gegen Barmen=Loh 1. 0:6(0:2). Die Schwimmer probierten eine neue Aufstellung aus, die sich jedoch nicht den Erwartungen gemäß zeigte. Auch VfL. Solingen mußte sich eine Niederlage von der Loher Reserve gefallen lassen. Loh siegte nach Gefallen 1:6. Froher Mut 1.— Langerfeld 1., 3: 4(0: 1). Mit diesem knappen Resultat mußte sich Langerfeld im Nachmittagsspiel begnügen. Langerfelds Anspiel wird abgefangen und erst nach 25 Minuten Feldspiel gelingt den Langerfeldern das einzige Tor der Halbzeit. Nach der Pause ist Froher Mut tonangebend. 3 Tore sind die Ausbeute dieser Spielphase für Froher Mut, doch dann ist ihre Kunst vorbei. Langerfeld holt das 2., 3., Führungs= und Siegestor. Die Frohen Mutler verzettelten sich durch Ueberkombination; zudem hatten sie reichlich Pech. Froher Mut Jugend gegen Vorwärts Gevelsberg Jugend 3:2 nach sehr schönem und immer offenam Spiel. Elberfeld West 1. Jugend— Freie Elberfeld Igd. 12: 2(4:2). Ein Spiel im Sinne unserer Bewegung, Freie gibt einen guten Gegner ab. Holte West die ersten zwei Tore, so war Freie nicht faul und glich aus. Dann war es mit der Kunst der Gäste vorbei. Bis zur Pause hieß es 4:2. Nach Seitenwechsel spielte die Westelf wie aus einem Guß, Freie kam aus seiner Hälfte nicht mehr heraus. Fußballergebnisse Tus Sprockhövel— Fortuna Barmen 2: 2(1: 0). In Sprockhövel trennten sich obige Mannschaften mit einem Unentschieden. Fortuna verstand es, den Platzverein niederzuhalten und erreichten beide Mannschaften nach schönem Spiel ein Unentschieden, wobei jede Partei zwei Tore erzielte. Die erste Halbzeit führte Barmen mit 1:0. 2. M. 6:1. Jugend gegen Barmen 1911 6: 2. Obersprockhövel— B. S. Schwelm. Aus unbekannten Gründen trat der Gast zu diesem Spiel nicht an und überließ O. die Punkte. Die 3. Mannschaft von Obersprockhövel siegte über Fortuna Barmen mit 6:2. Barmen 96— Ronsdorf 5:2(2: 1). Pünktlich um 2.30 Uhr stellten sich die Mannschaften dem Schiedsrichter. Die Barmer hatten in der ersten Hälfte ein Plus zu verzeichnen, was sie durch 2 Tore zum Ausdruck brachten. 5 Minuten nach der Halbzeit konnte Ronsdorf den verdienten Ausgleich erzielen. Ronsdorf drängte nun stärker, um weitere Erfolge zu erzielen, doch die Hintermannschaft der Barmer ist auf dem Posien. Trotz erneuter Anstrengungen der Gäste blieb obiges Resultat nach schönem Spiele beider Parteien bestehen. Jugend gegen Velbert 1., 1:1. Deutsche Eiche Elberfeld— Elberfeld=West 2:5(2:3). An der Cronenbergerstraße kam obiges Treffen zum Austrag und endete mit einem glücklichen Siege der Weststädter. Recht forsch wurde beiderseits in der ersten Hälfte gespielt. Man sah. daß beide Mannschaften mit Ernst an den Ausgang des Spieles und dessen Bedeutung für den Tabellenstand dachten. Der Schiedsrichter leitete gerecht.— 2. Mannschaft 3: 6, 3. Mannschaft 3:3. Der Freie Turn= und Sportverein Sprockhövel(Fußball) sucht für seine Jugendmannschaft laufend Spiele. Anschrift: F. Hilgenstock, Sprockhövel, Südfeldmark 45. P. Barmen 1911, 1.— Freie Elberfeld 1., 1:3(0:0). Ueberraschend ist der Sieg der Turner. Die erste Hälfte sah zwar von beiden Mannschaften schöne Einzelleistungen, doch langte es nicht zu Torerfolgen. Die zweite Halbzeit sah vorerst die Platzelf im Vorteil und nutzten sie das geschickt zu einem Tor aus, jedoch ein Elfmeter brachte Freie den Ausgleich. Dann ein Gedränge vor dem Tor der 11er und das 2. Tor für die Gäste war fällig. Anspiel, Abfangen der Turner und Tor, 2 Minuten werden dazu gebraucht. Das können einige Spieler nicht vertragen und sie verlassen den Platz. Trotzdem wurde das Spiel bis Schluß ausgetragen. 2. Mannschaften 0:2 abgebrochen. Belbert=Lindenkamp 1.— 1928 Elberfeld. Elberfeld trat nicht an und konnte Lindenkampf zwei billige Punkte für sich buchen. Barmen=Leimbach 1.— Froher Mut Barmen 1., 1:2(1:1). Das Serienspiel obiger Mannschaften zeigte in allen Phasen eine schöne Ausgeglichenheit, wurde vor allen Dingen vorbildlich fair durchgeführt. Das Halbzeitergebnis kennzeichnete vollauf den Spielverlauf. Nach der Pause war es den Gästen vergönnt, nach langen Müben das zweite Tor zu treten. Der wohlverdiente Ausgleich blieb aus und wäre ein Unentschieden unbedingt am Platze gewesen. 2. Mannschaften 4:0, hier entschied die größere Durchschlagskraft den Sieg. Bergrennen in Iserlohn Bei diesem Bergrennen, welches am gestrigen Sonntag ausgetragen wurde, stellten sich 40 Fahrer dem Starter. Der Start, welcher mitten in der Stadt vorgenommen wurde, erfolgte um 9 Uhr. Sofort bildete sich die Spitze aus den Fahrern Goll, Hucke, Baierl und Schmidt, Elberfeld, welche mit einiger Anstrengung von zwei Essener Fahrern eingeholt wurden. Die Spitze blieb bis zum Schluß stabil und brachte der Endspurt auf den letzten 200 Metern die Entscheidung. Im Endspurt gelang es dem Essener Fahrer Schneider, Hucke=Elberfeld in der Kurve zur Seite zu drängen und zu überholen. Als Erster langte Schmidt=Elberfeld mit einer Zeit von 90,27 Minuten an(im Rennen rund um Elberseld langte derselbe als Zweiter an), gefolgt von Goll(3.), Schneider=Essen, Hucke(4.) und Baierl=Elberfeld. Letztgenannter schied bekanntlich im Rennen rund um Elberfeld wegen Reifenschaden aus.— Ein für die Elberfelder ganz beachtlicher Erfolg, zumal es sich bei diesem Rennen, welches über 50 Kilometer ging, bei dem auch große Steigungen zu überwinden waren, um unbekanntes Revier handelte.(Die eingeklammerten Ziffern bedeuten die Plätze des Rennens vom vorigen Sonntag.) Resultate: 1. Schmidt 90,27, 2. Goll 90,28, 8. Schneider=Essen 90.29, 4. Hucke und 5. Baierl dichtauf. Arbeiter=Rad= und Kraftfahrer=Bund„Solidarität“ Abteilung Elberfeld. Freitagabend: Sportausschußsitzung. Freie Turnerschaft Elberfeld der Gruppe Berg des 6. Kreises! 3 D-Sport R10- 3 Fahrten- 3 Siege 144 Stundenfahrt NürburgrII,... 7.-12. April: Goldener Teampreis Deutsche 6-Tagefahrt In Sachsen 12.- 17. Mai: Goldener Teampreis 3-Tagefahrt im Harz.......... 26.- 28.Mai: 3 goldene Medaillen Diese 3 großen deutschen Zuverlässigkeitsfahrten wurden mit denselben, von einer A. D.A. C.- Kommission für die Nürburgfahrt dem Fabriklager entnommenen Serienmaschinen bestritten.— Auch am letzten Prüfungstage fanden die gleichmäßige Arbeit der Motoren und die unverwüstliche Bergfreudigkeit der Räder überall ungeteilten Beifall. D-Sport R10 hat seine Feuerprobe bestanden DEUTSCHE INDUSTRIE-WERKE AKTIENGESELLSCHAFTOBERLIN-SPANDAU Vertretung für Elberfeld: Fritz Hülsmann. Hofkamp 19. Barment Hermann Lauterbach. Allee 194/216. Außerdem Vertretungen und Ersatzteillager an allen größeren Plätzen. Montag. den 2. Zumi 1930. Freie Presse. 2. Bellage zu Nr. 126. Das kommende neue Kreisrecht Von Landrat Trimborn, Opladen. (Schluß.) Zur Vertretung des Landrats im Behinderungsfalle bestimmt der§ 205 die Wahl von zwei Kreisdeputierten. Neu ist, daß diese Deputierten aus der Zahl der vorhandenen Kreisausschußmitglieder genommen werden müssen, und daß nicht mehr das Lebensalter, sondern die Hochstzaylen, mit denen die Deputierten gewählt wurden, die Reihenfolge der Vertretung bestimmt. Diese Forderungen sind an sich gerechtfertigt. Das Schwergewicht der kreiskommunalen Verwaltung liegt beim Kreisausschuß; Kreisdeputierte, die dem Kreisausschuß nicht angehören, sind meist sehr mangelhaft und ungenügend über die Kreisangelegenheiten unterrichtet und können daher auch kaum mit Erfolg den Landrat für längere Zeit vertreten. Aufzuwerfen ist allerdings eine andere Frage: Sind Kreisdeputierte heute überhaupt noch notwendig? Heute sind in jedem Landratsamt— von vereinzelten Fällen abgesehen Regierungsassessoren dem Landrat als Hilfsarbeiter beigegeben. Sie sind viel besser in der Lage, den Landrat zu vertreten, als es ehrenamtliche Kreisdeputierte können. Es wäre deshalb zu erwägen, ob sich nicht die Institution der Kreisdeputierten beseitigen ließe und vielleicht nach dem Vorbild der sächsischen Kreishauptmannschaft die Stellung der bisherigen Reigerungsassessoren ausbauen ließe, indem ihnen in größeren Landratsämtern die Möglichkeit gegeben würde, zum Regierungsrat und zum ständigen Vertreter des Landrats aufzurücken. In§ 207 werden erstmalig neben dem Kreisausschuß auch besondere Verwaltungsausschüsse in der Kreisordnung gesetzlich verankert. Es heißt dort: 1. Zur Verwaltung einzelner Verwaltungszweige sowie zur Erledigung einzelner Aufträge können besondere Verwaltungsausschüsse(Kommissionen) eingesetzt werden. Sie bestehen aus einem Kreisausschußmitgliede oder einem leitenden Beamten des Kreises als Vorsitzender und aus einer Anzahl von Kreisbürgern als Mitgliedern. 2. Den Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses bestimmt der Vorsitzende des Kreisausschusses. Er ist berechtigt, jederzeit selbst den Vorsitz mit vollem Stimmrecht zu übernehmen. Die Mitglieder wählt der Kreistag erstmalig bei der Einsetzung des Verwaltungsausschusses und später bei der ersten Tagung nach einer Neuwahl. Die Wahl der Mitglieder kann von dem Kreistag auf den Kreisausschuß übertragen werden. 3. Die Verwaltungsausschüsse sind Organe des Kreisausschusses und verpflichtet, seinen Anweisungen Folge zu leisten. Im übrigen werden ihre Befugnisse durch Beschluß des Kreisausschusses geregelt. Mit Ermächtigung des Kreistages kann der Kreisausschuß den Verwaltungsausschüssen auch das Recht beilegen, den Kreis nach außen zu vertreten. Im zweiten Teile des Entwurfs zur Kreisordnung werden die Zuständigkeiten der Kreisorgane behandelt. Neu ist hier der Zuständigkeitskatalog für Kreistag und Kreisausschuß (§ 210 und§ 212). Erfreulich ist, daß in dem neuen Entwurf die Bestimmung der alten Kreisordnung verschwunden ist, die dem Kreistage bei Beschlüssen, die nicht auf einer gesetzlichen Notwendig keit beruhen, eine qualifizierte Mehrheit vorschreibt. In Zukunft können alle Beschlüsse mit einfacher Mehrheit gefaßt werden. Bedenklich ist dagegen eine Bestimmung, die der§ 199 vorsieht: „Die von dem Kreistage gefaßten Beschlüsse sind zu veröffentlichen.“ In dieser generellen Form ist diese Bestimmung abzulehnen. Würde sie im Gesetz stehen bleiben, dann wären geheime Sitzungen der Kreistage ja faktisch überhaupt nicht mehr möglich, weil za die gefaßten Beschlüsse doch veröffentlicht werden müßten. Mir scheint die alte Fassung richtiger zu sein, die folgenden Wortlaut hat:„Der Inhalt der Kreistagsbeschlüsse ist, sofern der Kreistag nicht in einem einzelnen Falle etwas anderes beschließt, in einer von dem Kreistag zu bestimmenden Weise zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Der dritte Teil der Kreisordnung behandelt die Selbstverwaltungsangelegenheiten. Hier sind neu die Be stimmungen über die Kompetenz=Kompetenz(§ 222). Demnach konnen Selbstverwaltungsangelegenheiten für den ganzen Kreis oder einen Kreisteil durch Beschluß des Kreistages übernommen werden. Der Kreis kann die ausschließliche Zuständigkeit gegenüber den in Frage kommenden Gemeinwesen nur unter zwei Voraussetzungen in Anspruch nehmen: 1. daß die Uebernahme auf den Kreis für eine einheitliche rsorgung des Gebiets erforderlich ist, um in einer demöffentlichen Wohle entsprechenden Weise einem Bedürfnisse der Einwohner zu genügen; 2. daß die Durchführung der Angelegenheit durch den Kreis in einer wirtschaftlich zweckmäßigen Weise die ausschließliche Zuständigkeit bedingt. Mit diesen Fußangeln im Gesetz sind die Bedenken, die die kreisangehörigen Städte und Landgemeinden wegen der Einführung der Kompetenz=Kompetenz hatten, hoffentlich beseitigt, um so mehr als der§ 223 des Gesetzes den kreisangehörigen Gemeinden außerdem noch ein Einspruchsrecht gibt. Ueber einen solchen Einspruch beschließt eine Schiedsstelle. Sie besteht aus dem Oberpräsidenten und vier Beisitzern. Der vierte und letzte Teil der Kreisordnung endlich regelt in einem einzigen Paragraphen die Auftragsangelegenheiten. Neue Bestimmungen sind hier nicht geschaffen worden. Einige Bemerkungen seien mir hier noch zu Bestimmungen gestattet, die nicht in dem Entwurf der Kreisordnung, sondern im Abschnitt des Entwurfs, der sich mit„Gemeinden und Gemeindeverbänden“ beschäftigt, enthalten ist. Für die Kreise ist hier wichtig, daß die Vertretungskörperschaften— hier also der Kreistag— vom Vorsitzenden einberufen werden. Die bisherige Verpflichtung, die Einladung zum Kreistage den Abge ordneten mindestens 14 Tage vorher zuzustellen, besteht demnach nicht mehr. Die Ladungsfrist, die Form der Einberufung und die Geschäftsführung der Vertretungskörperschaft werden in Zukunft nur durch die Geschäftsordnung geregelt, sofern nicht im Gesetz etwas besonderes bestimmt ist. Für die zu erlassende Geschäftsordnung gibt der Entwurf auch Richtlinien. So bestimmt§ 57, daß bei grober Ungebühr usw. Mitglieder bis zu sieben Sitzungstagen aus der Versammlung ausgeschlossen werden können. Diese Bestimmung erscheint allerdings für Kreistage zu rigoros. Sieben Sitzungstage können hier bei den verhältnismäßig wenigen Plenarsitzungen unter Umständen ein bis zwei Jahre Ausschluß bedeuten. Hier muß der Entwurf revidiert werden. Der§ 96 bestimmt, welche Behörde als Aufsichtsbehörde für Gemeinden und Gemeindeverbände in Frage kommt. Kreisangehörige Städte mit mehr als 10000 Einwohnern unterstehen danach dem Regierungspräsidenten. Diese Regelung halte ich nicht für richtig. Alle kreisangehörigen Gemeinden— auch Städte über 10000 Einwohner— gehören unter die Aufsicht des Landrats. In Konsequenz dieser Auffassung halte ich es auch für richtig, wenn als zuständiges Verwaltungsgericht für kreisangehörige Städte mit über 10000 Einwohnern nicht der Bezirksausschuß, sondern der Kreisausschuß bestimmt wird. Diese Forderung ist um so berechtigter, als ja der Entwurf ausdrücklich an verschiedenen Stellen den Begriff„Kreisbürger“ festlegt— doch offenbar nur in konsequenter Anertennung der wachsenden kreiskommunalen Arbeit, die auch vor den kreisangehörigen Städten mit mehr als 10000 Einwohnern nicht Halt macht! Darum fort mit einer Zweiteilung, die richtig gewesen sein mag, als die jetzigen gesetzlichen Bestimmungen geschaffen wurden, die aber zu den heutigen Verhältnissen in keiner Weise mehr passen. Mit dieser kurzen informatorischen Uebersicht über den Inhalt des Entwurfs sei für heute Schluß gemacht. Der Entwurf ist zunächst noch ein reiner Referentenentwurf, der sicherlich noch in manchen Teilen revidiert und verbessert werden kann. Immerhin darf man den Entwurf auch schon in seiner jetzigen Form als einen wertvollen Fortschritt buchen, der fruchtbringender positiv schöpferischer kommunalpolitischer Arbeit Weg und Ziel weist. Düsseldorf=Mettmann Belbert, 2. Juni. Aus dem Jahresbericht der Belberter Ortskrankenkasse Fast 12 Prozent der Arbeitsunfähigen Unfallverletzte. In dem Verwaltungsbericht für das Jahr 1929 der Allgemeinen Ortskrankenkasse Velbert, woraus wir schon das Wesentliche veröffentlicht haben, wird weiter gesagt: Die Krankenkontrolle wurde gleich den Vorjahren durch einen hauptamtlich angestellten Krankenbesucher ausgeübt. Der stets hohe Krankenbestand erheischte von dem Krankenbesucher eine immerwährende emsige Tätigkeit. Durch die Benutzung eines ihm von der Kasse bereitgestellten Motorrades vermochte er auch die weiter entfernt wohnenden Kranken des öfteren zu besuchen, sowie überhaupt die Zahl der Krankenbesuche zu erhohen. Die in auswärtigen Gemeinden und Städten wohnenden Kranken wurden außerdem den zuständigen Ortskrankenkassen zwecks Einschließung in die Kontrolle überwiesen. Wenn auch sehr viel kleinere Vergehen gegen die Krankenordnung nur mit Verwarnungen geahndet wurden, so waren immerhin 134 Verstöße solcher Natur, daß Geldstrafen verhängt werden mußten. Hierfür vereinnahmte die Kasse an Strafgeldern 541,70 Mark. Die Nachuntersuchungskommission hat auch im Berichtsjahre ihre Tätigkeit in üblicher Weise ausgeübt. In der Regel erstreckte sich die Tätigkeit dieser Kommission wiederkehrend auf einen Nachmittag in der Woche. Die stets hohe Krankheitsziffer erheischte auch eine stärkere Inanspruchnahme dieser Einrichtung. Es wurden im Berichtsjahre 1771 arbeitsunfähige Mitglieder zur Nachuntersuchung vorgeladen. Von den Vorgeladenen sind nicht erschienen 369 Versicherte; es haben sich sofort arbeitsfahig erklären lassen 72 Versicherte und durch die Kommission wurden für sofort oder nach Tagen arbeitsfähig erklärt 798 Versicherte. Bei dem ständig hohen Krankenbestand, der durch die ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse zweifelsohne ungünstig beeinflußt worden ist, dürfte von jedem Einsichtigen die Notwendigkeit dieser Einrichtung anerkannt werden. Dennoch dürften auch die Ergebnisse der Nachuntersuchungen Zeugnis davon ablegen, daß die Untersuchungen in streng objektiver Weise vor sich gehen und darum Anfeindungen dieser Einrichtung hinsichtlich ungerechtfertigter Gesundschreibung jeder Beweiskraft entbehren. Bei der ungünstigen Entwicklung der Kassenverhältnisse im Berichtsjahre dürfte schon die restlose Weitergewährung sämtlicher Leistungen einer ausgedehnten Familienhilfe als ein Erfolg gebucht werden. Das Anschwellen der Ausgaben für Familienhilfe gegenüber dem Vorjahre beweist treffend die gestei gerte Inanspruchnahme der Kassenleistungen seitens der Familien mitglieder. Im Vergleich zu anderen Kassen und hierbei den für die Erhebung der Beiträge unterschiedlichen und für unsere Kasse jedenfalls günstigen Beitragsfuß berücksichtigend, dürfen wir für uns das Recht einer ausgebauten Familienhilfe in Anspruch nehmen. Gegenüber dem Vorjahre hat das prozentuale Verhältnis zwischen Betriebsunfällen und der Gesamtzahl an ar beitsunfähigen Kranken der Pflichtmitglieder kaum eine nennens werte Abweichung aufzuweisen. Von den 12580 Erkran lungsfällen waren 1484 gleich 11,8 Prozent au Betriebsunfälle zuruazufuhren. Hiervon entfallen auf die männlichen 1210 gleich 81,5 Prozent und auf die weib lichen Versicherten 18,5 Prozent. Zur polizeilichen Anmeldung ge langten 466 Unfälle. Von den Verletzten waren es 114 gegen 66 im Vorjahre, die über die 3. Woche hinaus, vom Tage der Ver letzung ab gerechnet, unterstützt werden mußten. In 61 Fällen haben die zuständigen Berufsgenossenschaften die Heilfürsorge selbst durchgeführt. In zwei Fällen handelte es sich um Unfälle mit tödlichem Ausgang. Die Belastung unserer Kasse durch die große Zahl von Unfällen, die sich innerhalb acht Wochen erledigen und für die keine Entschädigung der Aufwendungen von den Berufsgenossenschaften beansprucht werden kann, ist immerhin noch beachtenswert. Das Ergebnis der Elternbeiratswahlen In den sieben evangelischen Schulen und einer katholischen Schule(am Baum) fanden gestern die Elternbeiratswahlen stant. Zur Wahl standen in sechs evangelischen Schulen 3 Listen, und zwar Liste 1: Evangelische Schulgemeinde, Liste 2(Schulfortschritt), Liste 3: Proletarische Elternschaft. KPD.). In der evangelischen Schule am Baum standen sich Evangelische Schulgemeinde und Proletarische Elternschaft gegenüber, während dort von Schulfortschritt keine Liste aufgestellt wurde. Dasselbe Verhältnis war an der katholischen Schule am Baum. In den neueingemeindeten Bezirken Rottberg und Richrath waren zwei Listen, und zwar Schulverein und Proletarische Elternschaft. Hier wurden in Rottberg zwei von der Liste Schulfortschritt und in Richrath ebenfalls zwei Anhänger der Liste Schulfortschritt gewahlt. In Rottberg erhielt die KPD. 2 Sitze. in Richrath keinen. Die Taktik der Spalter hat es zuwege gebracht, daß in Alt=Velbert anstatt 13 Mandate nur Mandate durch die Zersplitterung der beiden Listen Schulfortschritt und KPD. zufallen. Die Resultate von Neu=Velbert sind dabei nicht in Betracht gezogen. Wie die KPD. ihre Leute an der Stange hat, geht aus einem Beispiel von Schule 6(Moltkestraße) hervor. Dort hatte sie eine Liste mit 11 Kandidaten eingereicht, während nur 10 Stimmen für die Liste abgegeben wurden Ein klägliches Resultat. In Richrath erhielt die KPD.=Liste nur 9 Stimmen, während doch mindestens 10 Unterschriften vorhanden sein mußten, damit eine Liste aufgestellt werden konnte. Die Resultate an den einzelnen Schulen sind wie folgt: Liste 1 Vertreter Liste 2 Vertreter Liste 3 Vertreter Schule 1(Denkmal) Schule 2(Schulstraße) Schule 8(Sountumetstr.) Schule 4(Werdenerstr.) Schule 5(Dellerstraße Schule 6(Moltkestraße) Ev. Schule Dahlbecksbaum 149 Kath. Schule Dalbecksbaum 91 An den evangelischen Schulen in Alt-Velbert erhielten: die Evangelische Schulgemeinde am 14. Juni 1928 1207 Stimmen, jetzt 1180 Stimmen. Schulfortschritt 894 Stimmen, jetzt 224 Stimmen, Proletarische Elternschaft 209 Stimmen, also die Evangelische Schulgemeinde 27 weniger, die beiden Listen der Linken 39 Stimmen mehr. Wenn der Erfolg der Liste Schulfortschritt nicht so ausgefallen ist, wie es sein sollte, so trägt die Schuld daran nur die KBD. mit ihrer Spaltungsarbeit. Jedoch wird auch hier die Zukunft lehren, daß immer mehr Leute zur Einsicht kommen und von einer Partei abrücken, deren Politik nur für die Arbeiter wie die gesamte moderne Kulturbewegung schädigend wirkt. v. Stadtbücherei Belbert. Die starke Inanspruchnahme der Stadtbücherei während der Wintermonate und die dadurch bedingte Anhäufung noch nicht zur Durchsicht gelangter Bücher macht die Schließung der Bücherei während einiger Tage notwendig. Die Aufarbeitung dieser Buchbestände liegt im Interesse der Leser selbst, da dadurch der Ausleihe viele der stark begehrten Bücher wieder zugeführt werden. Die Stadtbücherei bleibt aus diesem Grunde von kommenden Montag bis einschl. Donnerstag für den Bücherumtausch geschlossen. Die Leihfristen werden um diese Tage stillschweigend verlängert. v. Hühnerdiebe an der Arbeit. In der Nacht zum 1. Juni wurden einem Anwohner im Rottberg hierselbst acht weiße Hühner (Kreuzung zwischen Wyandotte und Italienern) mittels Einbruchs gestohlen. Die Tiere tragen teils grüne, schwarze und braune Zelluloidringe. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen über die Täter und über den Verbleib der Tiere werden an die Kriminalpolizei Velbert, Königstr. 26, Tel. 911, erbeten. v. Der Vortrag des Genossen Dr. Marcuse=München, welcher am Freitag auf Einladung der SPD. im Lokale des Gen. Otting stattfand, war sehr gut besucht und hinterließen die Ausführungen einen nachhaltigen Eindruck. Durch einen Autounfall, der glücklicherweise noch gut verlief, traf der Referent erst mit 1½. stündiger Verspätung ein. Remscheid, 2. Juni. r. Schweineseuche. Unter dem Schweinebestande des Landwirts Emil Oelbermann, Remscheid=Lennep, Schreverheide, des Milchhändlers Wilhelm Stede, Remscheid. Ahornstraße 18, ist der Ausbruch der Schweineseuche(Schweinepest) amtstierärztlich festgestellt worden. Ueber das Gehöft der Vorgenannten wird hiermit die Sperre verhängt. Bersicherungsschutz nach der amtlichen Statistik für 1928. 2140 Ortskrankenkassen mit 13724 000 Bersicherten und schätzungsweise 11 Millionen Familienangehörigen W W 423 Landkrankenkassen mit 2006000 Versicherten Nichtversicherte Bevölkerung etwa 25 Millionen 871 Innungskrankenkassen mit 598 000 Versicherten 3958 Betriebskrankenkassen außerdem 33 Knappschaftskrankenkassen 1 Seekrankenkasse mit 3 498 000 Versicherten „ 782 000„ „ 54 000 kenkassen entsprechend der kleinsten dargestellten sahprechend bezw. Familienangehörige.) empfehle als besonders kräftigendes Nahrungsmittel den überall bekannten sowie die in meinem Betrieb fabrikationsmäß. aus purer Sahne hergestellten Dieselben zeichnen sich durch außerordentlich vorzüglichen, angenehmen u. krättigen Geschmack aus. In den meisten Lebensmittelgeschäften und Bäckerelen ernaltlich. Höters Zuieback, Hels- pad Eisenbahnunglück in Frankreich Sieben Tote- Attentat auf den Nachtschnellzug In der Nacht zum Sonntag entgleiste auf der Strecke ParisMarseille bei der Einfahrt zum Bahnhof Montereau der Nachtschnellzug. Die Lokomotive stürzte um, der Packwagen und die brei ersten Personenwagen fuhren ineinander. Ein Wagen erster Klasse wurde vollkommen zertrummert. Sieben Reisende wurden getötet, acht schwer verletzt. Die Untersuchung der Katastropbe, die unter Führung des Ministers für öffentliche Arbeiten steht, hat bisher ergeben, daß das Unglück wahrscheinlich auf ein Attentat zurückzuführen ist. Unter der Maschine fand man die Trümmer einer Lohre, eines kleinen Arbeitswagens, der zum Transport von Schienen dient. Der Wagen muß aus einem benachbarten Eisenbahndepot auf die Schienen geschleppt worden sein und zwar kurz vor der Durchfahrt des Schnellzuges, denn eine halbe Stunde vorher hatte ein Personenzug die spätere Unglücksstelle ohne irgend einen Zwischenfall passiert. Da Ministerpräsident Tardien zu seiner Reise nach Dijon die gleiche Strecke benutzte, wird in der Rechtspresse die Vermutung geäußert, daß das Attentat dem französischen Ministerpräsidenten galt. Trierer Zeppelinhalle wird nicht gesprengt Unter Leitung eines Deutschen abgebrochen Von einer Sprengung der Zeppelinhalle ist nun doch Abstand genommen worden, weil es dem Ansteigerer Marx aus Mülhausen im Elsaß im letzten Augenblick gelungen ist, einen deutschen Ingenieur und mehrere Schweißer zu finden, die sich zum Abbruch der Halle bereit erklärt haben. Die in Trier eingetroffenen französischen Pioniere werden nur das zum Abbruch notwendige Gerüst in der Halle errichten. Marx hatte dem französischen Generalkommando mitgeteilt, daß die angefragten deutschen Firmen sich geweigert hätten, den Abbruch auszuführen und er frage daher, ob er französische Soldaten erhalten könne. Daraufhin wurde das französische Pionierkommando nach Trier entsandt. Voraussichtlich wird am Montag mit dem Abbruch angefangen. Sturm reißt Zeppelin hoch 23 000 Kilometer in 211 Stunden zurückgelegt „Graf Zeppelin“ ist am Samstag um 12.25 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Lakehurst gelandet. Das Schiff wurde von der„Los Angeles", dem früheren Z. R. 8 und fünf Militärflugzeugen eingeholt. Als das Schiff den Boden bereits erreicht hatte, wurde sein Hinterteil plötzlich von einer Böe hochgerissen, so daß 16 amerikanische Marinesoldaten an den Tauen festgeklammert, minutenlang in der Luft schwebten. Ein Teil sprang schließlich ab. Mehrere Soldaten wurden leicht verletzt. Das Schiff hat seit seinem Start in Friedrichshafen in 211 Stunden und 52 Minuten etwa 23000 Kilometer zurückgelegt. Flugzeugunglück in Frankreich Von der Lufttaufe in den Tod In der Nähe von Amiens stürzte Sonntagmittag ein Flugzeug des Aerodroms von St. Quentin ab. Der Pilot und zwei Fluggäste, die die Lufttaufe erhalten sollten, fanden den Tod. Zeugen gegen Kürten gesucht Opfer, die dem Tode entgingen Am 30. April 1930 hat der Düsseldorfer Massenmörder Kürten im Grafenberger Wald ein Mädchen, das aus Uerdingen stammt, dessen Personalien bisher aber noch nicht bekannt sind, durch Hammerschläge zu Boden gestreckt und offenbar in dem Glauben liegen gelassen, sein Opfer ermordet zu haben. Das Mädchen wurde später mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Ferner ist die Düsseldorfer Kriminalpolizei bemüht, das junge Mädchen ausfindig zu machen, das Kürten im Juni 1929 nach Besuch einer Feuerwerksveranstaltung in Oberkassel mit dem Stilett zu töten versuchte. Das Mädchen konnte seinerzeit entfliehen. Endlich wird jene Frau aus werne gesucht, die Kürten Anfung April d. J. ebenfalls mit einem Stilett ums Leben zu bringen versuchte. Inzwischen ist festgestellt worden, daß Kürten schon im Juni 1913 ein junges Mädchen aus Gerresheim zu ermorden versuchte. Ein seinerzeit gegen Kürten eingeleitetes Verfahren mußte damals wegen Mangels an Beweisen eingestellt werden. Mordaufklärung nach 45 Jahren Gendarm als Mörder Der im Jahre 1884 in Neukalen(Mecklenburg=Schwerin) erfolgte Tod des Schuhmachers Krüger, von dem man annahm, daß er sich das Leben genommen habe, beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft und die Fahndungsbehörden, da ein seinerzeit in Neukalen tätiger Gendarmeriewachtmeister der Erdrosselung und Erhängung des Schuhmachers beschuldigt wird. Auch aus anderen Teilen des Landes sind Anzeigen eingelaufen, die denselben Genbarmeriewachtmeister der Täterschaft noch weiterer Morde bezichtigen. Räuber im Korn Zwei Banditen überfallen ein Ehepaar. Auf dem von Antweiler nach Lessenich bei Euskirchen führenden Wege wurde ein junges Ehepaar von zwei maskierten Männern, die im Korn versteckt lagen, überfallen. Dem Manne wurde seine Barschaft in Höhe von 25 A abgenommen. Auf die Hilferufe der Frau, die die Räuber zu erdrosseln versuchten, wurden Passanten, die vom Zuge von Satzvey kamen, aufmerksam. Sie verscheuchten die Räuber. Die sofort alarmierte Polizei konnte die Räuber bisher noch nicht fassen. Schiffszusammenstoß im englischen Kanal 15 Mann untergegangen Der schwedische Dampfer Inger(1457 Tonnen), der sich von Swansea auf der Heimfahrt befand, stieß gestern nacht im englischen Kanal auf der Höhe von Beachy=Heab mit dem italienischen Tankschiff Literno(6468 Tonnen) zusammen. Drei Mitglieber der schwedischen Mannschaft wurden gerettet. Man befürchtet jedoch, daß 15 Mann ihr Leben verloren haben. 1 Million für einen Faustschlag Boxerrummel in Amerika Am 12. Juni wird Max Schmeling mit Jack Sharkey im Hankee-Stadion in Neuyork um die Boxweltmeisterschaft kämpfen. Bis jetzt sind für 800 000 A Karten vorverkauft. Man nimmt an, daß das Geschäft etwa eine Million Dollar(4,2 Millionen Mark) einbringen wird. Schmelings Bruttoverbienst betrüge in diesem Falle 250000 Dollar. Außerdem wird der große Boxkampf, von dem in allen amerikanischen Zeitungen in Riesenartikeln onentwegt die Rede ist, vertonfilmt werden. Sieben Wirtschaftsgebäude verbrannt Großfeuer durch Kurzschluß Auf dem Gute Hagen bei Schwerin wurden am Sonntag durch ein Großfeuer sieben Wirtschaftsgebäude, in der Hauptsache Scheunen und Biehställe, eingeäschert. Das Bieh konnte gerettet werden. Viele landwirtschaftliche Maschinen und fast sämtliche Ackerwagen des Gutes sind verbrannt. Das Feuer ist infolge Unvorsichtigkeit durch Kurzschluß entstanden. Berhafteter Defrandant Der nach Aufdeckung unzulässiger geschäftlicher Manipulationen geflüchtete Direktor der Bank für Handel und Gewerbe in Heidenheim, Wilhelm Kicherer, konnte jetzt in München festgenommen werden. Kicherer hatte in letzter Zeit einer Zigarettenfabrik große Kredite eingeräumt, ohne daß er dazu von der Verwaltung ermächtigt worden war. Außerdem sollen die der Firma gewährten Kredite nicht ordnungsmäßig verbucht worden sein. Die Bank ist durch die Manipulationen Kicherers vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Unterschlagungen in Leipzig In Leipzig sind bei dem städtischen Rentamt Unregelmäßigkeiten im Umfange von etwa 80000 A entdeckt worden. Der schuldige Beamte wurde der Staatsanwaltschaft angezeigt, außerdem wurde gegen einen Lieferanten, der an den Unregelmäßigkeiten beteiligt ist, Anzeige erstattet. Blitz tötet zwei Pferde Bei einem schweren Gewitter, das in Oberdrees niederging, traf der Blitz zwei auf dem Felde arbeitende Pferde eines Gutsbesitzers und tötete sie. Der Knecht kam mit dem Schrecken davon, da er sein Gespann verlassen hatte, um vor dem Regen Schutz zu suchen. Paket mit 26 Menschenohren Einen unheimlichen Fund machte ein Bahnbeamter in der Nähe von Lodz. Er bemerkte, wie jemand aus einem vorüberfahrenden Zug ein Paket fallen ließ. Der Beamte öffnete den Fund und— ließ ihn voller Schreck fallen: in dem Paket lagen 26 Menschenohren, die an den Schnitträndern noch frische Blutspuren aufwiesen. Die polnische Polizei, die die Untersuchung aufgenommen hat, steht vor einem Rätsel, da sich bisher noch kein ohrenloser Staatsbürger gemeldet hat. Niagara„durchtonnelt“ Zum ersten Male ist der Stromwirbel des Niagarafalles durchfahren worden! Ein tollkühner Amerikaner ließ sich in eine Stahlionne von 7 Fuß Länge und 4 Fuß Weite einschließen und in den Strudel stürzen. Die Tonne kam am Fuße des Wasserfalles heil an, desgleichen ihr Insasse. 30 000jährige Amerikaner Eine Expedition des amerikanischen Südwest=Museums in Los Angeles hat in einer Höhle von Süd=Nevada Reste von Lagerfeuern vorgefunden, die auf ein Auftreten des Menschen in Amerika vor 20- bis 80 000 Jahren schließen lassen. Bisher war das Erscheinen des Menschen auf dem Kontinent erstmalig auf die Zeit von vor etwa 3500 Jahren geschätzt worden. Die neuen Lagerfeuer wurden zusammen mit Knochenresten von Urtieren in einer Erdschicht gefunden, die nach wissenschaftlichen Schätzungen einem Alter von mindestens 20000 Jahren entspricht. Den neuen Funden wird außerordentliche Bebeutung beigelegt. 280 Hühner verbrannt In einer Hühnerfarm in Weinheim entstand ein Brand, der den Wohnwagen und den anliegenden Schuppen vollkommen in Asche legte. Die Bewohner konnten nur das nackte Leben retten. Der Schaden ist beträchtlich, da der Geschädigte nicht versichert ist. Einbrecher erbeuter eine Million Die Great National Bank in St. Louis(USA.) ist von Einbrechern heimgesucht worden. Die Täter erbeuteten über eine Million Dollar. Literatur Mosel=Wanderkarte. Die große Wanderkarte des Moseltales hat der Westdeutsche Führer= und Kartenverlag Wilh. Stollfuß in Bonn in neuer Auflage herausgebracht. Das ganze Gebiet zwischen Koblenz und Trier, in vier Abschnitte eingeteilt, ist in vierfarbigem Druck im Maßstab 1: 100000 hergestellt. Die übersichtliche und saubere vierfarbige Ausführung wird der Karte viele Freunde gewinnen. Wer sich für das Moseltalgebiet interessiert, muß diese zu empfehlende und sehr preiswerte(1 A) Karte besitzen. Rundfunk-Programm Montag. 2. Juni. 15: Kinderstunde. 18.05: Frauenstunde. Rektorin Else Schmücker: Das Lichtspielgesetz. 16.25: Dr Hilderscheidt Rektor Schumacher: Die Junglehrerfrage. O 16.45: Jugendunk. 17.30: Kammermusik. Dvorak: Terzett Op. 74.— Schudert: Forellenquintett. 18.30: Wilh. Lamszus: Aus dem Aufsatzheft eines Schülers. 19.15: Spanisch. 19.40: Freiherr von Loe: Ferngas. o 20: Konzert. Lalo: Ouv. zu König von Os“. — Rubinstein: Walzer-Capriccio.— Scassola: Helvetia, sinfon. Gedicht.— Nevin: Verliebtes Intermezzo.— Pesse: Der lustige Postillon.— Tschaikowsky; Suite aus dem Ballett„Schwanense". — Kreisler: Alter Refrain.— Strauß: Onn. zu„Der Zigeunerbaron“.— Komzak: Mein Baden.— Niklah=Kempner: Ziaeunersehnlucht. Danach: Konzert. Dienstag. J. Juni. 15: Kinderspielstunde. 15.50: G. Das Neueste von Gestern. 16.10: Bücherstunde. 0 16.35: Behle: Mitteilungen aus dem Schulfunk. 16.50: Dr. Rößler: Moderne technische Hilfsmittel im Dienste des Religionsunterrichtes. 17.30: Konzert. Brahms: Balladen Nr. 1 und 4: Intermezzi aus Op. 118: Vier Volkslieder; Intermezzi aus Op. 117; Capricio D-moll Op. 116. 0 18.30: P. M. Pribilla: Die Einigkeits. bestrebungen der christlichen Welt. 19.15: Framösisch. 19.40: Dr. Wolff: Die Endlösung im Kohlensyndikat. o 20: Abendmusik. Mendelssohn: Ouv.„Meexesstille und glückliche Fahrt".— Pata: Mein Herz.— Clemus: Bergweisen.— Waldteufel: Bei dir, Walzer.— de Taye:„Venedig", Gondellied; Humoreske.— Rubinstein: Ballettmusik aus„Der Dämon“. O 21: Götterdämmerung(2) von Rich. Wagner. 1: Polizeisport=Beranstaltung der Schutzpolizei Wuppertal=Remscheib=Solingen Im Elberfelder Stadion konnte man gestern feststellen, daß bei der Schutzpolizei neben dem anstregenden Dienst auch der Sport zu seinem Rechte kommt. In bunter Folge bekam man recht ansprechende Leistungen zu sehen, die vom Publikum mit reichem Beifall belohnt wurden. Lobend erwähnt sei besonders die Pünktlichkeit, mit der das umfangreiche Programm abgewickelt wurde. Auch der Wettergott war der Veranstaltung hold, was man sonst besonders bei radsportlichen Veranstaltungen hier im Wuppertal selten berichten kann. Besonders gute Leistungen bekam man von den Polizeiwachtmeistern Steinforth und Overfeld zu sehen, die in mehreren Sportarten die ersten Plätze belegten. Die Eintrittspreise, die sehr niedrig gehalten waren, ermöglichten es auch Minderbemittelten, einmal einer Veranstaltung im einheimischen Stadion teilzunehmen. Die Ergebnisse der einzelnen Wettkämpfe sind wie folgt: E= Elberfeld. S= Solingen. B= Barmen. R= Remscheid. 100-Meter=Lauf. 1. Start Nr. 22, Becker(B.), 11 Sekunden. 2. Start Nr. 25, Overfeld(B.), 11,7 Sek. 8. Start Nr. 11 Müller(B.), 12 Sek. Kommandeurstaffel. 1. Start Nr. 4, Dienststelle 4 Ber., 1 Min. 54,5 Sek. 2. Start Nr. 2, Dienststelle 2 Ber., 1 Min. 58,1 Sek. 3. Start Nr. 8, Dienststelle 3 Ber., 1 Min. 59,9 Sek. Diskuswerfen. 1. Start Nr. 14, Steinforth(B.), 8. Ber. 30,75 Meter. 2. Start Nr. 3. Schmidt 2(E.), 2. Ber., 80,74 Mtr. 3, Start Nr. 24, Weller(R.), 4. Ber., 26,60 Meter. Kugelstoßen. 1. Start Nr. 26, Voges 4. Be.(B.), 12,30 Meter. 2. Start Nr. 14, Steinforth 3. Ber.(B.), 12,15 Meter. 8. Start Nr. 11, Müller 8. Ber.(B.), 11,95 Meter. Hochsprung. 1. Start Nr. 25, Overfeld 4. Ber.(B.), 1,64 Meter. 2. Start Nr. 65, Hellerfort 5. Ber., 1.,57 Meter. 3. Start Nr. 1, Kuppers 2. Ber.(E.), 1,47 Meter. Dreikampf für Polizeibeamte über 35 Jahre. 1. Start Nr. 32, Wassermann(B.), 8 Punkte. 2. Start Nr. 10, Junker(E.), d. Los, 5 Punkte. 3. Start Nr. 44, Blotbel(R.), d. Los entschieden, 5 Punkte. 1500-Meter=Lauf. 1. Start Nr. 7, Borgsen(E.), 4 Min. 82,2 Sek. 2. Start Nr. 38, Tintrup(R.), 4 Min. 37,4 Sek. 3. Start Nr. 9, Esser(E.), 4 Min. 41,3 Sek. Tauziehen. 1. Start Nr. 7, Dienststelle Remscheid, Einzeldienst. 2. Start Nr. 6, Dienststelle Barmen, Einzeldienst. Speerwerfen. 1. Start Nr. 27, Bork 4. Ber.(B.), 45,80 Meter. 2. Start Nr. 3, Bundt 2. Ber.(E.), 43,30 Meter. 3. Start Nr. 14, Steinforth 3. Ber.(B.), 42,95 Meter. Weitsprung. 1. Start Nr. 25, Overfeld 4. Ber.(B.), 6,26 Meter. 2. Start Nr. 27, Bork 4. Ber.(B.), 5,90 Meter. 3. Start Nr. 1, Küpper 2. Ber.(E.), 5,86 Meter. Chargenstaffel. 1. Start Nr. 5, Dienststelle Remscheid. 1 Min. 8,8 Sek. 2. Start Nr. 3, Dienststelle Barmen, 1 Min. 4,6 Sek. 3. Start Nr. 1, Dienststelle Solingen. 200.Meter=Lauf. 1. Start Nr. 22, Becker(B.) 4. Ber., 23,2 Sek. 2. Start Nr. 12, Schweins(B.) 3. Ber., 24,1 Sek. 3, Start Nr. 28, Hochgräbe(B.) 4. Ber., 24,4 Sek. Handgranatenweitwerfen. 1. Start Nr. 37, Ommer(R.) 6. Ber., 64,35 Meter. 2. Start Nr. 14, Steinforth(B.) 3. Ber., 61,95 Mtr. 3. Start Nr. 27, Beck(B.) 4. Ber., 60,70 Mtr. Olympische Staffel. 1. Start Nr. 2, Dienststelle: 2. Ber.(E.) 8 Min. 53,1 Sek. 2. Start Nr. 5, Dienststelle: 6. Ber. R.), 3 Min. 56,1 Sek. 3. Start Nr. 4, Dienststelle: 4. Ber.(B.), 3 Min. 58,1 Sek. Voltigieren. 1. Abteilung Wuppertal=Barmen, 2. Abteilung Remscheid, 3. Abteilung Wuppertal=Elberfeld. Jagdspringen. 1. Start Nr. 63, Schmidt, Fehler 0, 1,10,1. 2. Start Nr. 53, Radermacher(sehr gut), 1,11,6. 8. Start Nr. 61, Pönsgen, Fehler 0, 1,15,5. Meldestarfel. 1. Start Nr. 3, Inspektion Barmen, 9 Min. 44,2 Sek. 2. Start Nr. 5, Inspektion Remscheid, 9 Min. 53 Sek. 3. Start Nr. 1, Inspektion Solingen, 10 Min. 03,2 Sek. Wuppertaler Arbeiter-Schach Bearbeitet vom Deutschen Arbeiter=Schachbund. Ortsgruppe Elberfeld. Elberfeld. 2. Juni. 9. Aufgabe unseres Problemlösungsturniers Von Fr. Schrüfer, Bamberg(J3L.) Kontrollstelluna: Weiß: Kf8, Tgl, Lc8, Se3, f5, Bd3, e2, h4. Schwarz: Kf6, Lb8, Sbl, c3, Ba7, b5, c6, d5, d6, h5. Lösung zu Problem Nr 235(H. v. Gottschall). 4. Aufgabe unseres Problemlösungsturniers. Kontrollstellung: Weiß: Kf6, De2, Td2, Sd3, f4, Bg2. Schwarz: Kd4, L66, Sal, d8, Ba4, b7, c6, g3. Matt in 3 Zügen. 1. Sdöl, KXdö; 2. St2+, Kc5(Ld4); 3. Dc4(e5)+ 1...„ cXdö; 2. Dg4+, Kc3(e3); Db4(f4)+ 1...„ La5; 2. De4+ KXD; 3. Sc5+ 1...„ Sc2; 2. Sf2+, Kc5; 8. Se4+ 1...„ Sb3; 2. De5+, Kc4; 8. EXL+. Löserliste Die Löserliste zeigt bisher nur eine Aenderung, und zwar sind die drei zuletztgenannten Schachfreunde vom Turnier zurückgetreten. Alle anderen stehen mit 8 Punkten noch gleich. Die Beranstaltungen im Juni An den beiden Pfingsttagen feiert die Ortsgruppe Düsseldorf ihr 10jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Freundschaftswettkämpfen. Hieran wird sich Elberfeld ebenfalls mit einer Mannschaft beteiligen. Am Freitag, dem 13. Juni, findet die fällige Mitgliederversammlung statt, wo Gen. Windfuhr, Elberfeld, in einem einleitenden Vortrag über„Das angenommene Damengambit“ sprechen wird. Sodann trägt die Ortsgruppe Elberfeld am 22. Juni ihr erstes Freundschaftsspiel gegen Neviges aus. Der Wettkampf findet in Neviges statt. Spiellokale im Verbreitungsbezirk der Freien Presse. Elberfeld: Spielabend Dienstag= und Freitagabend im Sportheim. Barmen: Restaurant Thiel, Steinweg, Ecke Landwehrplatz, jeden Donnerstag ab 7.30 Uhr. Daselbst jeden Sonntagvormittag freier Schachverkehr. Velbert: Volkshaus, Wilhelmstraße, Dienstag und Freitag. Wülfrath: Restaurant Grüntal, Sonntagvormittags 10 Uhr. Tönisheide: Rest. Volkshof, Wülfratherstraße. Donnerstogs. Nediges: Restaur. Becker, Blücherstraße, Dienstagabends 8 Uhr. Remscheid: Fabian, Freiheitstraße 140. Freitagabend 8 Uhr. Anfragen, Lösungen, Beiträge usw. an Artur Frangen. Elberfeld, Neue Friedrichstraße 20, Parterre.