Einzelpreis 15 Reichspfennig. Mittwoch, den 9. April 1930 Nr. 84. 46. Jahrgang Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 2.30 A.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen= und Zeitungsnummer gebeten. Freie Presse Anzeigenpreis: 1 mm Höhe(35 mm breit) 10 Reichspfennig. Reklamen, 1 mm Höbe(92 mm br.) 40 Reichspfennig- Anzeigenrechnungen sind sofort zahlbar. Für Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Flätzen u. f. ieleph. Aufträßs wird keine Gewähr übernommen. Bei Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berücksichtigt werden. Zeitung der Sozialdemokratischen Partei für das Bergische Land Redaktion: Elberfeld, Robertstr. 2a Fernspr.: Morian 1041.— Haup.g. wait eue. Elberfeld, Robertstr. 8. Fernspr.: Morian 1411.— Nebengeschäftsstelle: Barmen, Ref. Kirchstr. 1 Abonnements= und Anzeigen=Annahme: Langerfeld: Jesinghauserstraße 81. Nemscheid, Freiheitstraße 42. Fernspr. 8325. Ronsdorf, Kurfürstenstr. 41 Belbert, Friedrichstraße 100 Schiele will ein agrarisches Ermächtigungsgesetz Enorme Lebensmittelverteuerung Das Attentat der„Grünen Front“ Kein Gefrierileisch meur- Schweinelleisch nicht unter 75 Piennig Willkürliche Zollerhöhungen durch Ermächtigung Die am Dienstag um 6.30 Uhr abends bis spät in die Nacht hinein von den in der Regierung vertretenen Parteien geführten Verhandlungen über Agrarhitfe führten noch nicht zur restlosen Verständigung, sondern, wie halboffiziös mitgeteilt wird, zu einer„Uebereinstimmung“. Die Pläne sollen jetzt zunächst im einzelnen ausgearbeitet werden, und dann will man versuchen, eine endgültige Verständigung darüber zu erreichen. Sie sollen schließlich als„Gesetz zum Schutz der Landwirtschaft“ von den in der Regierung vertretenen Parteien im Reichstag eingebracht werden. Die Grundlage der Pläne bildet die Abmachung, daß das gesamte Agrarprogramm hinfällig ist, wenn nicht die Steuergesetze eine Mehrheit im Reichstag finden. Nur unter dieser Voraussetzung wollen die Regierungsparteien sich verpflichten, die Agrargesetze in Form eines Initiativantrages einzubringen. Damit will man eine Sicherheit dafür schaffen, daß die Deutschnationalen, um die Durchführung des Agrarprogramms zu ermoglichen, auch der Steuervorlage zustimmen. Im einzelnen sollen die Agrargesetze folgende Maßnahmen vorsehen: 1. Bewegliche Gestaltung des Einfuhrscheinsystems und Nichtausdehnung auf tierische Produkte. 2. Ermächtigung für das Reichskabinett als ganzes— also nicht für den Ernährungsminister—, sämtliche Getreidezölle, wie Zölle für Hülsenfrüchte usw. ohne Grenzen nach oben und unten zu verändern. Dabei wird einschränkend bestimmt, daß durch Zollerhöhungen der Durchschnittsweizenpreis nicht über 260 K, der Durchschnittsroggenpreis nicht über 230 n steigen darf. Als Maßstab für die Bestimmung des Durchschnittspreises wird der Sechsmonatsdurchschnitt(bisher Dreimonatsdurchschnitt) betrachtet. 3. Das Gefrierfleischkontingent wird ab 1. Juli aufgehoben, statt dessen wird eine gleiche Menge(50 000 Tonnen) frisches Fleisch zum Gefrierfleischpreise der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. 4. Der Eierzoll wird von 6 auf 30 MA pro Doppelzentner eryöht. Dabei ist zu beachten, daß in den Handelsverträgen mit Italien und Jugoslawien eine Bindung des Eierzolles vereinbart wurde. 5. Die Zölle auf Schmalz(12 statt 8 Mn). Speck(20 statt 11), Talg und andere tierische Produkte werden erhöht. 6. Der§ 12 des Fleischbeschaugesetzes, der Fleischeinfuhr nur im Zusammenhang mit Immereien gestattete und der mit Rücksicht auf die Gefrierfleischeinfuhr zeitweilig aufgehoben wurde, wird wieder hergestellt. Die Regierung wird außerdem ermächtigt, auch ein Einfuhrverbot für Immereien zu erlassen und dadurch die Fleischeinfuhr noch weiter zu beschränken. Diese Maßnahmen sollen zunächst bis zum 31. März 1931 gelten. Es ist daran beachtenswert, daß der Beimahlungszwang für Roggen gefallen ist. Anderseits werden die erhöhten Einfuhrzölle Verhandlungen mit einer gunzen Reihe ausländischer Staaten notwendig machen. Der Schweinezoll kann bei einem Preis unter 75.7 auf 36 K statt 27 festgesetzt und bei höheren Preisen entsprechend ermäßigt werden. Für Milch, deren Einfuhr bisher zollfrei war, soll künftig ein Zoll von 5 m pro Hektoliter gelten. Für konden sierte Milch wird der Zoll von 5 M auf 8.00 en erhöht. Schließlich ist daran gedacht, den Gerstenzoll je nach den verschiedenen Arten zwischen 2 und 12 mn festzusetzen. * Die nationalistische und mit Hugenberg durch dick und dünn gehende„Deutsche Zeitung“ sagt zu den Plänen der Regierung und der hinter ihr stehenden Parteien: „Wir glauben unterrichtet zu sein, daß die deutschnationale Fraktion in dem Manöver einen Widerspruch zu den Versprechun gen erblicken würde, die Herr Brüning hier hinsichtlich der vorbe haltlosen Durchführung des Agrarprogamms gemacht hat. Auch in landwirtschaftlichen Kreisen dürfte eine so weitgehende Verquickung der Agrarnot mit den sonstigen Finanznöten allmählich ernüchternd wirken.... Die Aussichten, daß das Kabinett Brüning die ihm von den Deutschnationalen gewährte Bewährungsfrist bis Östern besteht, werden jedenfalls immer geringer.“ Die eigentliche Hugenbergpresse enthält sich jeder Stellung nahme zu den Plänen der Regierung und der hinter ihr stehenden Parteien. Brünings erste Niederlage Die Finanzreform durchlöchert Im Steuerausschuß des Reichstages wurde am Dienstag die Vorlage zur Besteuerung der Mineralwasser und Limonaden mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Deutschnationalen und Kommunisten abgelehnt. Reichsfinanzminister Moldenhauer begründete die Vorlage ziemlich kleinlaut und nicht überzeugend. Sollmann(Soz.) beantragte, von der Steuer freizulassen alle die Mineralwasser und Limonaden, die in Unternehmungen, Krankenanstalten, auf Sportplätzen usw. gemeinnützig abgegeben werden. Darüber hinaus sprach er gegen die ganze Vorlage. Sie werde höchstens ein Drittel der in Ansatz gebrachten 40 Millionen Mark einbringen. Sie sei ungerecht, weil sie die billigen Limonaden höher besteuere als die teuersten Mineralwasser wie etwa Fachinger. Den Gemeinden, für die der Ertrag bestimmt sei, würden in Wirklichkeit nur Bettelpfennige zufließen. Eine Kontrolle der Besteuerung sei bei den vielen Kleinbetrieben zur Herstellung künstlicher Selters und Limonaden sehr schwer. Hart betroffen würden gerade die ärmsten Schichten. Ein Hüttenarbeiter, der täglich nur 1 Brause trinke, müsse im Jahre 15 M Steuer zahlen. Es sei eine Steuer gegen Frauen, Kranke und Kinder, eine Steuer zur Hebung des Alkoholkonsums und gegen die Volksgesundheit. Alle Redner aus den Parteien erhoben Bedenken. Dr. Hertz(Soz.) erklärte, die Sozialdemokratie wolle den Gemeinden die 40 Millionen Mark nicht entziehen. Sie schlage für den Ausfall und für andere Löcher im Etat den Zuschlag auf die Einkommensteuer vor. Auch die Biersteuererhöhung abgelehnt! Die Ereignisse überstürzen sich, man kann ihnen kaum noch folgen. Gerade war unser Leitartikel geschrieben mit der An kündigung, daß die 75prozentige Erhöhung der Biersteuer keine Mehrheit finden werde, da bringt unser Funk auch schon die fol gende Nachricht: Im Steuerausschuß des Reichstages wurde heute die Biersteuererhöhung abgelehnt. Für die Erhöhung hatten nur das Zentrum, die Deutsche Volksvartei und die Demokraten gestimmt. Alle anderen Parteien stimmten dagegen. Der gestern in Berlin eingetrudelte Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Schäffer, bat sich also weder von Brüning noch von Hindenburg von der Wahrung des allerwichtigsten aller bajuvarischen„Belange“ abbringen lassen. Er war ja auch ertra nach dem„Wasserkopp“ gefahren, um den Stammesgenossen das Kochen der Bierseele nochmals ad oculos zu demonstrieren. Belgien hat ratifiziert Der belgische Senat hat am Dienstag mit 109 Stimmen gegen eine bei einer Enthaltung das Haager Abkommen ratifiziert. Damit ist der Youngplan endgültig durch drei Ratifizierungen Kraft gesetzt. Sicherung der Strafrechtsarbeit Ter volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Kahl hat am Dienstag im Strafrechtsausschuß unter dem Hinweis auf die Moglichkeit einer Reichstagsauflösung ein Ueberleitungsgesetz beantragt, durch das die bisher an dem neven Strafgesetz geleistete Arbeit für die Zukunft sichergestellt werden soll. Ein derartiges Gesetz erscheint notwendig, da mit einer Auflösung des Reichstags sämtliche noch nicht beschlossenen Gesetze und Vorlagen als erledigt betrachtet werden müssen. Wucherprogramm Dg. Der Bürgerblock des Herrn Brüning entpuppt sich immer mehr als eine großsprecherische Niete, hinter der gar nichts steckt. Wie großspurig hatte Herr Brüning begonnen, wie wollte er ohne Fraktionen regieren, wie hat er gedroht und den starken Mann markiert. Bis jert hat eine ganze Regierungskunst daraus bestanden, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sich hinter den Herrn Reichspräsidenten zu verkriechen, mit der roten Mappe der Reichstagsauflösung zu winken oder mit dem Artikel 48 zu drohen. Einen wirklichen Erfolg hat er damit noch nicht erzielt, vielmehr bei allen Parteien das Gefühl seiner absoluten Natlosigkeit und Ohnmacht nur noch mehr bestärkt. Der gestrige Tag hat nun das heillose Durcheinander i der„ungebundenen“ Koalition zu einem kompletten Chaos gemacht. Es sollte nämlich die Probe aufs Erempel gemacht werden, ob nämlich die Regierung mit allen ihren Drobungen und maßlosen Kaufsummen für die Deutschnationalen auch eine parlamentarische Mehrheit für ihre Steuergesetze zusammenkratzen konnte. Das Erempel ist gründlich mißglückt, die Regierung „ohne fraktionelle Bindung“ hat keine Meyryeit für ihr Steuerprogramm! So lautet das Ergebmis der gestrigen Beratungen des Steuerausschusses. Die Regierung Brüning hat aber auch keine Mehrheit für ihre Vorlage zur Arbeitslosenversicheruna! So mußte ebenfalls gestern festgestellt werden. Und über das uferlose Zollprogramm samt der Liebesgabenpolitik für die Großagrarier konnte genan so wenig eine Einigung erzielt werden. Es scheint, daß das neue„Zanctim“ Brünings, die Agrargeschenke nur für gleichzeitige Zustimmung zum Finanzprogramm zu verkaufen. den gleichen Kanossagang erfordern wird wie das erste, das in der bekannten Verbindung zwischen Hounggesetzen und Finanzreform so kläglich Schiffbruch gelitten hat. Was ist gestern geschehen? Im Steuerausschuß wurde die Vorlage über die Verkürzung der Fristen bei der Tabaksteuer abgelehnt, die Mineralwassersteuer erlitt das gleiche Schicksal. Dadurch ist jetzt bereits ein Loch von 67 Millionen in den Deckungsvorlagen der Regierung entstanden. Aber auch die Bierstener wird keine Mehrheit im Steuerausschuß erlangen, weil gegen sie nicht nur die Oppositionsparteien, sondern auch drei Regierungsparteien stimmen werden. Das macht eine neue Summe von 210 erwarteten Millionen fraglich. Zu al m Ueberfluß hat sich die Bayerische Volkspartei gestern geweigert, den Kompromißantrag zur Arbeitslosenversicherung, der zur Zeit von der Sozialdemokratie abgelehnt worden ist, mitzuunterzeichnen, so daß er bisher noch nicht als Initiativantrag im Reichstag eingebracht werden konnte. Diese Haltung der Bayerischen Volkspartei ist auf die Steuervorlage der Regierung über die Biersteuererhöhung zurückzuführen. Dieser vollkommene Zerfali, diese vollendete Unfähigkeit der Minderheitskoalition zu positiver Arbeit ist auf den erbitterten Kampf zurückzuführen, den die Regierungskunst Brünings mit ihrer Praris des Erkaufens aller Gruppen durch gefährliche und kostspielige Zugeständnisse zuschen den Interessenten entfesselt hat. Das Prositbürgertum wittert seine Stunde und tobt sich mit Klauen und Zähnen aus. Besonders aber die unersättlichen Großagrarier nehmen ihre Chance wahr. Sie wissen, daß die Regierung am Rockzipfel Hugenbergs hängt, und daß sie diesen Hugenberg in der Zange haben zwischen Unterwerfung oder Spaltung. Das Schicksal der Steuervorlagen wird sich nicht im Steuerausschuß entscheiden, erst bei den Beratungen im Plenum, die frühestens am Donnerstag beginnen. Dann wird man übersehen können, ob es der Regierung gelingt, die Deutschnationalen durch Erfüllung aller Willkürforderungen der„Grünen Front“ zu kaufen. Was wir heute davon an der Freihandelskampagne in England London, 9. April.(Eigener Funkspruch. Laut„Daily Telegraph“ ist bei einem Frühstück gestern in Downingstreet eine Zusammenarbeit von Sozialisten und liberalen Narlamentariern zur Verteidigung des Freihandels beschlossen worden. Laut„Daily Herald“ soll ein Feldzug zugunsten des Freihandels beginnen, der mit einer Versammlung eingeleitet werden soll, in der Schatzkanzler Snowden und Lloyd George gemeinsam auf der Rednertribüne erscheinen werden. Der Varietékönig von Deutschland Griechenland verurteilt seinen Diktator Athen, 9. April.(Eigener Funkspruch.) Der frühere Diktator Pangalos, der sich fast drei Wochen lang wegen umstürzlerischer Umtriebe vor einem Sondergericht zu verantworten hatte, wurde am Dienstag zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Der mitangeklagte frühere Unterstaatssekretär Wogopulos erhielt 2½ Jahre Gefängnis. Beiden Angeklagten wurden gleichzeitig die bürgerlichen Ehren rechte auf fünf Jahre aberkannt. Direktor Julius Marx von dem großen Berliner Varieté „Skala“ ist von dem Aufsichtsrat des großen deutschen Varietékonzerns zum Generaldirektor ernannt worden. Der Konzern umfaßt jetzt folgende große Bühnen:„Skala" und„Plaza" in Berlin,„Flora“ in Hamburg, „3 Linden“ in Leipzig,„Apollo“ in Mannheim,„Olympia"in Dortmund und„Schouwburg“ in Rotterdam. Um ein Haar wäre auch das„Thalia“ Elberfeld in diesem Konzern gewesen, wenn nicht die geheim gehaltenen Verhandlungen durch die Schwatzhaftigkeit eines Elberfelder Blattes an die Oeffentlichkeit gekommen wären. Die städtische Kommission hat dann den vertuschten Treibereien ein Ende bereitet. Zpitze unserer Ausgabe bringen, ist eine einzige Kette von Attentaten gegen die an sich schon durm Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise so ungemein schlechte Volksernährung War nicht aber auch die Sozialdemokratie für Zollerhöhungen? Sie hat es nie geleugnet, aber zugleich hat sie dabei ausdrücklich bewiesen, daß die Zollerhöhungen in der von ihr gebilligten Form und Höhe und Begrenzung überhaupt keine Verteuerung der Lebensmittel bringen konnten, weil sie noch nicht einmal den Preis für landwirtschaftliche Produkte auf die Höhe gebracht hätten, die zu einer Sanierung der Agrarkrise durch Preise allein hätte ausreichen können. Was jetzt gefordert wird, ist aber vor allem die Beseitigung jedes Schutzes für die Sicherstellung der Ernährung der untersten sozialen Schichten. Sie, die an sich schon nur wenig Fleisch kaufen können, sollen kein Gefrierfleisch mehr erhalten. Sie sollen das übrige Fleisch durch Gleitzölle derart hoch gehalten bekommen, daß ihnen Fleischgenuß in Zukunft ein unbekannter Begriff werden wird. Dazu werden Butter und Eier, Milch und ihre Produkte, Brotgetreide und Mehl derart mit Willkürzollen beladen, daß bei der Sache nur an das Geschaft der Agrarier, nicht im geringsten aber an die Volksernährung gedacht ist. Und was sagen die anderen Interessenten zu dieser beabsichtigten künstlichen Teuerung zugunsten eines einzigen Erwerbsstandes? Was nutzt denn die Zollerhöhung, wenn die Metzgerläden leer stehen, wenn bei den Bäckern und Lebensmittelhändlern noch weniger gekauft werden kann? Muß dann bei der Vordringlichkeit der Lebensmittel im Budget des„kleinen Mannes“ nicht auch eine allgemeine Verschärfung der Absatzkrise in allen Branchen einsetzen? Unruhen und neue verschärfte Lohnkämpfe werden das sicherste Ergebnis dieser Sorte von Regierungskunst sein, gegen die dann auch das heuchlerischste Beten der Schöpfer aller Not nichts mehr nützt. Eins steht schon jetzt fest: Wie auch die Entscheidung in dieser Woche ausfallen mag, die Kosten, die das deutsche Volk für die Befriedigung der Ansprüche der Großagrarier tragen muß, werden ungleich höher sein, als die Kosten für die Sanierung der Arbeitslosenversicherung gewesen wären, um derentwillen die Große Koalition gesprengt wurde. Eine Lösung der Deckungsfragen für die enormen Kosten aller Reaktionspläne erscheint ausgeschlossen. Das ganze Kabinett und erst recht seine katzbalgende Gefolgschaft sind nur ein einziger Trümmerhaufen des Wirrwarrs. Demgegenüber wird auch Herrn Brünings Schulmeisterstock Artikel 48 nichts mehr nützen. Und damii hat die großmäulige Gruppe ehrgeiziger Parlamentarier selbst bewiesen, daß das Zustandekommen einer Sanierung der Reichsfinanzen in der vorhergehenden Koalition nicht„nur an der Sozialdemokratie gescheitert“ ist. Wie sie jetzt von Einigung schwindeln, so haben die Treviranus und Brüning auch damals diesen plumpen Schwindel verzapft, um ihre wahren Absichten zu verdecken. Die Steuerscheu der Großverdiener will die Wirtschaftskrise auf den Rücken der breiten Massen und der kleinen Verdiener abladen. Das ist die kurze Formel für die Vorgänge bei und nach der Bildung dieser Regierung, die deshalb schon nach so kurzem Bestehen ein so zerfahrenes Bild zeigt, wie es die frühere Regierung nicht einen einzigen Augenblick lang gezeigt hat. Wird es die Feigheit des Kleinbürgertums dennoch dulden, daß aus Angst vor der Arbeiterschaft die Großen es gleich mit auffressen?! Umfallbilligung bei Hugenbergs Hugenberg hatte zu Dienstag den Vorstand der Deutschnationalen Partei nach Berlin zusammenberufen. Ueber das Ergebnis der stundenlangen Beratung wurde parteiamtlich folgendes Kommuniqué herausgegeben: „Nach einem ausführlichen Bericht des Parteivorsitzenden Dr. Hugenbera und nach einer eingehenden Aussprache, in der auch der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Dr. Oberfohren, das Wort ergriff, billiate der Vorstand die Ausführungen und sprach der Führung einstimmig sein unbedingtes Vertrauen aus." Die„Deutsche Zeitung" bemerkt dazu:„Wie wir dazu noch erfahren, ist in der Sitzung besonders deutlich in Erscheinung getreten, daß der Parteivorstand jedes Eingehen der Reichslaasfraktion auf die an anderer Stelle gekennzeichneten Manöver des Kabinetts Brüning unbedingt abgelehnt. Die gleiche Ablehnung dürfte auch in der heutigen Parteivertretertagung zum Ausdruck kommen.“— Warten wir ab. Wieder eine Geheimdruckerei ausgehoben In Berlin wurde die vierte kommunistische Geheimdruckere: von der Kriminalpolizei am Dienstag gegen Abend ausgehoben. Der Leiter der Druckerei wurde verhaftet. Auf den Inseln Aus Italien kommen genauere Berichte über die letzten Heldentaten der faschistischen Stockmeister auf den Inseln, wo die italienischen politischen Deportierten leben Die Insel Ponza war gegen Ende des Jahres 1929 der Schauplatz eines wilden Angriffes, den die faschistische Miliz wegen eines geringfügigen Streites ohne jede Bedeutung, der„wischen einem Devortierten und einem Miligsoldaten vorgefallen war, auf die Deportierten unternommen hat. Jetzt erfährt man, daß es eine große Zahl von Verwundeten gegeben hat, von denen zwei, Prino und Pallottino, durch Bajonettstiche sehr schwer verletzt wurden. Man erfährt auch, daß ein nach Ponza entsandter Richter schon ungeheuerliche Urteile gefällt hat und daß 17 Deportierte noch ärgere Urteile zu gewärtigen haben. Diese gerichtlichen Verfolgungen spielen sich ab unter Mißachtung jeder Gerechtigkeit, nachdem gleichzeitig sowohl der Volizeikommissar, wie der Hauptmann der Miliz, die Ponza zur Zeit des Angriffes regiert hatten, infolge einerUntersuchung, die ihre Verantwortung für das Geschehene ergeben hatte, von ihren Posten abgezogen worden waren. Die Untersuchung hatte sogar ergeben, daß der wackere Kapitän ein früherer Sträfling war. Noch schwerwiegender sind die Einzelheiten über die Ereignisse von Ende Dezember, die aus Lipari kommen. Nach der Flucht von Rosselli, Lussu, Nitti im Juli 1929 hatten die Deportierten die schlimmsten Demütigungen und die ärgsten Mißhandlungen zu erdulden. Verhaftungen für nichts und wieder nichts. Ohrfeigen, Stockhiebe bei jeder Gelegenheit. Hausdurchsuchungen, die sich bis zu fünf- bis sechsmal in einer Nacht wiederholten, ohne Rücksicht nicht nur auf die Deportierten, sondern auch auf ihre Familien. So viele Provokationen mußten eine Revolte hervorrufen. Und sie brach aus. Ein Deportierter, Jozzelli, ein Mann von 54 Jahren, der von einem Milizsoldaten eine Ohrfeige erhalten hatte, gab ihm auch eine. Andere Milizsoldaten wollten Jozzelli niederschlagen, aber Deportierte kamen ihm zu Hilfe. Das war das Signal für Szenen, die man sich leichter vorstellen kann, als sie zu beschreiben sind; die sich am 27. Dezember auf Lipari abgespielt haben. Erneuter Kampt um die Darlehenspilicht des Reiches Gaststättengesetz beschlossen Führerlose Finanzreiorm Der Reichstag erledigte am Dienstag die 2. und 3. Beratung des Schankstättengesetzes. In der 2 Beratung gelang es der Volkspartei, durch einen Antrag die schnapsfreien Tage dadurch illusorisch zu machen, daß die Abgabe von drei Achtel Liter in verschlossenen Flaschen im Kleinhandel erlaubt sein sollte. Das führte in der 3. Beratung noch einmal zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem sozialdemokratischen Aba. Sollmann und dem volksparteilichen Abg. Bickes. Sollmann setzte sich mit großer Energie für die völlige Durchführung der schnapsfreien Tage ein. Es gelang ihm, durch seine Rede Teile des Zentrums und der Rechten umzustimmen, so daß in der 3. Lesung die volksparteiliche Verschlechterung wieder beseitigt wurde Sollmann wies weiter darauf hin. daß seit dem Jahre 1923 die Zahl der Alkoholkranken in den Irrenanstalten und in den Krankenanstalten von 7600 auf 19013 gestiegen sei. Das sei aber nur ein kleiner Bruchteil der Trunksüchtigen im Reiche. Wenn man bedenke, daß das Reich etwa 68000 Gemeinden habe, daß in jeder Gemeinde mindestens ein Trunksüchtiger festzustellen sei, in größeren Gemeinden aber zahlreiche oder viele Trunksüchtige, so bleibe es dabei, daß es im Reiche Hunderttausende Trunksüchtige geben müsse Das Gesetz wurde dann in dritter Lesung gegen die Stimmen der Wirtschaftsparteiler, der Kommunisten, der bayerischen Bauernhündler und einzelne Stimmen der Rechtsparteien angenommen. Im wesentichen wurde an den Ausschußbeschlüssen festgehalten. Insbesondere ist also die Möglichkeit von 100 schrapsfreien Tagen im Jahre gesichert. Ferner ist die Nichteinklagbarkeit von Branntweinschulden durchgesetzt worden und schließlich die wichtige Jugendschutzbestimmung. Es folgte die erste Beratung des Gesetzentwurfes zur Vorbereitung der Zinangreform. Es ist das der Gesetzentwurf, der die finanzielle Sicherung der Arbeitslosenversicherung und die Steuersenkung und die Ausgabenersparnis bringen will. Die Beratung wurde in eigenartiger Weise eingeleitet. Dieser Gesetzentwurf soll abgelöst werden durch ein Kompromiß, an dem die große Koalition gescheitert ist. Nun ergab sich der eigenartige Zustant, daß der Reichsfinanzminister sich erhob, um gegen seine eigene Vorlage zu sprechen. Dabei lag das Kompromiß, das an die Stelle der Regierungsvorlage gesetzt werden soll, noch nicht einmal dem Hause vor. Die Regierungsparleien wollen erst einen derartigen Antrag einbringen. Infolgedessen bot der Reichsfinanzminister in dieser Sache eine durchaus klagliche Fignt. Er nahm nach wenigen Satzen seinen Platz wieder ein und bat nur um schnellste Verabschiedung nicht dieser Vorlage, sondern des Kompromißantrages, der dem Hause noch nicht einmal vorgelegt war.— Der nächste Redner, der frühere Reichsarbeitsminister Wissell, nahm die Gelegenheit wahr, um in sachlicher, aber sehr scharfer Weise die Führerlosigkeit dieser Regierung zu kennzeichnen. Sie nehme immer wieder den Führerwillen für sich in Anspruch. Herr Moldenhauer habe sogar in Magdeburg mit der Diktatur gedroht. Wo aber die Regierung irgendwo im Parlament führen soll, biete sie ein jämmerliches Versagen Die Rede Wissells wurde sowohl von der Rechten wie von den Kommunisten mit dauernden larmenden Auftritten begleitet. Wissell erklärte, daß die Sozialdemokratie sich auf den Boden der Regierungsvorlage gestellt habe, weil sie die Darlehenspflicht des Reiches für die Arbeitslosenversicherung nicht angetastet bat. Es sei auc:m nächsten Jahr mit einer Durchschnittserwerbslosenzahl von 1,5 bis 1.7 Millionen zu rechnen. Bei einer so ungünstigen Wirtschaftslage lasse die Sozialdemokratie an Reichsdarlehen nicht rütteln und werde nicht zulassen, daß diese Reichsdarlehen an unerfüllbare Voraussetzungen geknüpft würden. Die ganze Taktik der Deutschen Voltspartei gehe dahin, im Herbst Massensteuern mit der Begründung einzubringen, daß das Defizit der Arbeitslosenversicherung diese Massensteuern erfordere. Auf diese Weise wolle man die Stimmung gegen die Erwerbslosen derartig verschärfen, daß schließlich doch ein Leistungsabbau komme. Das wolle die Sozialdemokratie verhindern, darum habe sie dem Kompromiß nicht zugestimmt, was schließlich zum Austritt aus der Reichsregierung geführt habe. Der Kommunist Neubauer sprang sofort der von Wissell angegriffenen Voltspartei bei, indem er seinen Stoß gegen den bisherigen Reichsarbeitsminister richtete. Dieser sei es, der den Leistungsabbau bei der Arbeitslosenversicherung begonnen habe und dies nun durch soziale Phrasen vertuschen wolle. Wie verlogen dieser kommunistische Redner arbeitet, bewies sofort der volksparteiliche Abg. Dr. Pfeffer, indem er sich bitter über die starrköpfige Hartnäckigkeit des bisherigen Reichsarbeitsministers in der Arbeitslosenfrage beschwerte. Pfeffer erklärte, daß seine Partei einen allgemeinen Leistungsabbau nicht wolle, jedoch müßten die vielen Leute beseitigt werden, die künstlich arbeitslos würden und die Versicherung in Anspruch nehmen. Gegen 19 Uhr wurde die Weiterberatung auf Mittwoch 15 Uhr vertagt. Der sozialdemokratische Abg. Dr. Hertz wird Herrn Dr. Pfeffer antworten. Thüringen ohne Man will jetzt verhandeln Die Meldung der Rechtspresse, daß die Reichszuschüsse für die thüringische Polizei von dem früheren Reichsinnenminister Severing niemals gesperrt worden seien, entspricht— wie nochmals festgestellt werden muß— nicht den Tatsachen. Die am 1. April fallige Rate in Höhe von rund 800000 MA ist bisher nicht an Thüringen abgegangen und wird, wie der jetzige Reichsinnenminister immer wieder betonen laßt, vorlaufig auch nicht abgehen. Amtlich wird mitgeteilt: Die thüringische Regierung hat in dem Wunsche, daß der Streit zwischen dem Reich und Thuringen beigelegt werde, sich mit dem Reichskanzler und dem Reichsminister des Innern in Verbindung gesetzt. Der Vorsigende des thüringischen Staatsministeriums, Staatsminister Baum, wird in den nachsten Tagen persönlich die Aussprache mit dem Reichsminister des Innern beginnen. Die Bereitschaft der thüringischen Regierung, nunmehr von sich aus über den Konflikt zwischen dem Reich und Thüringen mit dem Reichsinnenminister in Verhandlungen zu treten, beruht auf eine Anregung, die von dem Reichsminister für die besetzten Gebiete und Stahlhelmmann Treviranus ausgegangen ist und erst nach langem Hin und Her zum Erfolge führte. Die Verhandlungsbereitschaft soll von der thüringischen Regierung gegen den Willen Fricks ausgesprochen worden sein. Keine„Bemerkung" Tardieus Paris, 9. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Verstimmung, die die Ankündigung einer französischen Note in der Räumungsfrage durch Tardieu hervorgerufen hatte, scheint nach der Unterredung zwischen Briand und dem deutschen Botschafter in Paris beseitigt zu sein. Tardieu selbst hat im amtlichen Text seiner Rede im„Journal Officiel“ nicht mehr von einer„Note“, sondern nur noch von einem „freundschaftlichen Rat“ an Deutschland gesprochen. Aber auch dieser freundschaftliche Rat zur Beschleunigung der Schleifungsarbeiten in den Festungswerken in der entmilitarisierten Rheinlandzone ist bisher nicht erfolgt. Die französische Diplomatie scheint es Wie nicht anders zu erwarten war, hat dieser Ausbruch wilder Roheit andere viel schlimmere Ereignisse herbeigeführt. Zwei Tage später ging einem Wachtposten versehentlich das Gewehr los. Als man den Schuß hörte, glaubte man, die Deportierten wollten sich rächen und so entstand ein Massaker. Zwei Deportierte Filippic und Camec, beide aus Istrien, wurden schwer verletzt und sind ihren Verletzungen erlegen. Die Zahl der sonstigen Deportierten, die verletzt wurden, ist unbekannt. Bekannt ist bloß, daß der Amtsarzt Fenech es ablehnte, sie zu behandeln. Ein richtiger faschistischer Arzt: Die Zivilbevölkerung von Lipari wurde gleichfalls von der Wut der Milizsoldaten, die das Massaker besorgten, nicht verschont. Es gab denn auch 25 verletzte Zivilisten, darunter den friedlichen Direktor der Sparkasse, der sogar Inhaber einer offiziellen Dekoration ist. Die Offiziere, die für dieses Vorgehen der Banditen verantwortlich sind, stolzieren weiter in den Gäßchen der Insel umher, stolz auf die Anerkennung ihrer politischen und militärischen Vorgesetzten. Und es steht schon dafür, unter diesen Offizieren den Leutnant Della Citerna besonders hervorzuheben. Diese Nachrichten beweisen, daß früher oder später alles bekannt wird, was sich in der Hölle Italien begibt. Darüber hinaus aber gibt es mehr als spärlich gesäte Nachrichten: Es gibt ein Buch ein sehr schönes Buch. Fausto Nitti, einer der drei Geflüchteten von Lipari, hat es vor kurzem vollendet. Es ist bereits in Amerika erschienen(Verlag Putnam, Neupork) und in Frankreich(Librairie Valois). Und in kurzer Zeit wird es in Deutschland erscheinen. Sein Titel ut:„Unsere Gefangenschaft und unsere Flucht“. Von dreißig Monaten der Verbannung wird darin erzählt in einem Stil von eindringlicher und ergreifender Schlichtheit. Die verbrecherischen Roheiten der Profossen, die elenden materiellen Existenzbedingungen der Verbannten, das erniedrigende Dahinvegetieren in einem Leben ohne geistige Beschäftigung sind hier für alle Zeiten angeprangert. Man hat dieses Buch mit den Büchern von Pellico und Remarque verglichen; der Vergleich wird denen, die es gelesen haben. nicht übertrieben erscheinen. Und alle Antifaschisten sollten es lesen. im letzten Augenblick doch für überflüssig, wenn nicht gar schädlich angesehen zu haben, einen neuen offiziellen Meinungsaustausch urer diese Zerstörungsarbeiten heraufzubeschwören. Man kann jedenfalls nach wie vor sicher sein, daß die Räumung des Rheinlandes punttlich zum angesetzten Termin durchgeführt werden wird. Demnach ware Tardieus Redewendung nur eine innerpolitische Geste für seine Rechtsparteien gewesen. Merker kämpft gegen 3K. Einer zittert vorm anderen Wahrend Merkers Berliner Gefolgsleute zum Teil umgefallen und dem Zentralkomitee die gewünschte Erklärung abgegeben haben, worin sie ihre Fehler einsehen und ihre fraktionellen Handlungen bereuen, setzt der gestürzte Gewerkschaftsleiter den Kampf im Reich fort. Nach der rechtskommunistischen Oppositionspresse hat in Chemnitz eine Fraktionssitzung der Bertzgruppe stattgefunden, die den Kampf gegen den neuen brandlerischen Kurs des 8K. beschlossen habe. Zu den Trägern dieser Auffassung soll auch der Gewerkschaftsredakteur des Chemnitzer„Kämpfer“, Kurt Schneider, gehören. In der Provinzpresse der KPD. wird die Absetzung des bisherigen Chefredakteurs der„Roten Fahne, Werner Hirsch(nicht Kisch) bestritten. Demgegenüber erklärt die„Arbeiterpolitik“: „In seinem Artikel in der„Internationale“ kanzelt Remmele einen Redakteur als Doktor Eisenbart ab. Der also charakterisierte Redakteur,„bis auf Mark und Knochen hoffnungslos verfault“, ist niemand ande 3 als der alte Busenfreund Remmeles, jener charakterlose Werner Hirsch, den Remmele jetzt opfert, nachdem er den Streber zur Schande der Partei hatte zum Chefredakteur der„Roten Fahne“ avancieren lassen. Dieser Hirsch, der auch den Leipzigern in übler Erinnerung ist— wurde er doch nach Leipzig geschickt, um die Organisation von den„Renegaten“ zu säubern— ist auch gestürzt; er ist ebenfalls abgesetzt worden.“ Das Oppositionsblatt fragt dann:„Wann folgt die nächste Säule?“ Diese Frage ist um so berechtigter, als im Karl=Liebknechthaus in Berlin(dem Sitz der KPD.=Zentrale) Nervosität und Unsicherheit herrscht, ob nicht von Moskau neue Bannflüche und Kaltstellungen kommen. Gandhi wird geschont New Delhi, 8. April.(Eigener Drahtbericht.) Die britisch=indischen Gerichte haben am Dienstag eine Reihe von Anhangern Gandbis zu schweren Strafen verurteilt. Gandhis Sohn, Ram Das, wurde in Surat mit vier seiner engsten Mitarbeiter zu je sech.s Monaten Kerker verurteilt. Ein Gericht in Bombay verurteilte Jamnalal Bajaj, einen einflußreichen und wohlhabenden Führer der dortigen Freiheitsbewegung, und zwei seiner Anhänger zu je zwei Jahren Gefängnis und hohen Geldstrafen. In Jalalpur wurde ein Professor der dortigen Schule Gandhis zu einem Jahr Kerker verurteilt. Die offizielle Erklärung für die Unterschiede in der Strafbemessung bei gleichen Vergehen besteht darin, daß Gandhis Sohn angeblich lediglich die Salzgesetze übertreten habe, daß jedoch die übrigen wegen Verletzung der Salzgesetze und Aufreizung der Menge unter Anklage versetzt worden seien. Gandhi selbst ist noch immer auf freiem Fuß. Er begab sich am Dienstag nach Aat, wo am Tage zuvor Zusammenstöße zwischen seinen Anhängern und der Polizei erfolgten und fördente dort Salz. Auf Befehl der Behörde hat sich die Polizei zurückgezogen. Gandhi blieb unbelästigt. Eine Menge von 8000 Personen hatte in Erwartung der Verhaftung Gandhis am Ufer Aufstellung genommen. Gandhi beabsichtigt jetzt von Ort zu Ort zu ziehen und so lange die Salzgesetze zu übertreten, bis die Bebörden ihn verhaften. Fran Ganghofer gestorben Gestern ist die Witwe des bayerischen Volksdichters Ludwig Ganghofer im Alter von 71 Jahren gestorben. Gorki wieder in Gnade? Marim Gorki will nach Rußland zurücktehren und sich in Moskau niederlassen. Südafrika im Haag Die südafrikanische Union hat die Fakultativ=Klausel des Haager Statuts(obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit) ratifiziert. n nicht richs. n in für burg im den eitet. oden flicht hat. oseninstibare schen rünrung die ließmmt, habe. Vissell den den und ogen pararrder die und Uhr Dr. uTertedeteien zum Erihre aftsder euen gern hembisnicht temalso den der Erdie gechste Liebund und ht.) ihe x dier erten 5. gnis der Die ung lich gen ter 160 73e nte c. 1f. zu Die Werkstättenpolitik der Reichsbahn Protest der Werkmeister Die neuen Einschränkungen und Schließungen von Werkstätten bei der Reichsbahn treiben nicht nur Tausende ins Elend der Arbeitslosigteit, sie bedrohen auch die Arbeitsverhaltnisse der Werkmeister und Anwärter. Zur Werkstättenpolitik der Reichsbahn hat daher eine vom Einheitsverband der Eisenbahner einberufene Reichskonfereng der WerkstättenWerkmeister und Anwärter, die zugleich die Fachrichtung für Heisund Kraftwerke umfaßte, am Sonntag in Berlin eingehend Stellung genommen. Die Konferenz war von rund 170 Teilnehmern aus allen Bezirken besucht. Das Bild, das auf der Konferenz bei den Beratungen über die Personalverhältnisse entrollt wurde, ist recht wenig erfreulich. Die Arbe:tsleistungen sind in den Werkstatten bis zu einem bisher nie gerannten Höch maß gesteigert worden. Im Gegensatz dazu haben sich die Personalverhaltnisse von Jahr zu Jahr verschlechtert und die Anstellungsund Beförderungsaussichten der in Frage kommenden Beamtengruppe immer ungunstiger gestaltet. Das unsoziale Sparsystem der Reichsbahn, wonach Beamten=Dienstposten zu einem großen Teil mit Hilfsbeamten im Arbeiterverhaltnis besetzt werden, ist im Werkstättenwesen am stärksten ausgeprägt. So werden in den Reichsbahnwerkstätten, besonders im Werkmeisterdienst, zu 50 Prozent und mehr Anwärter im Hilfsbeamtenverhältnis verwendet, die in der Regel erst im vorgeschrittenen Lebensalter die ihrer Dienstleistung entsprechende Beamtenstellung erreichen können. Auch die Besoldungs- und Pensionsverhaltnisse der Reichsbahnwerkmeister liegen überaus ungunstig, weil ihnen die Reichsbahn trotz der späten Anstellung die im Lohnverhältnis verbrachte Dienstzeit ganz unzureichend auf die Besoldungs= und Pensionsregelung anrechnet. Die enge Verbundenheit des Arbeitsschicksals der Arbeiter und Beamten wurde bei den Beratungen der Reichskonferenz gerade am Beispiel der Werkstättenpolitik der Reichsbahn scharf beleuchtet. Es wurde darauf hingewiesen, daß sicherlich nicht zufällig zur gleichen Zeit, wo Tausende von Werkstättenarbeitern entlassen werden sollen, in der Reichsbahnverwaltung auch eine durchgreifende Verschlechterung der Laufbahnregelung der Werkstätten=Werkmeister erwogen wird. Nach den Plänen der Reichsbahnverwaltung würden die Einkommensverhältnisse dieser Beamtenkategorie, die ohnehin schon ungünstiger eingestuft ist als die entsprechenden Beamten nach dem Reichsbesoldungsgesetz, noch weiter verschlechtert. Die Beamtenanwarter im vorgeschrittenen Lebensalter würden von der Anstellung als Beamter ausgeschlossen, obwohl die Ueberalterung dieser Hilfsbeamten eine Folge der unsozialen Stellenabbaupolitik der Reichsbahn ist. Gegen die Arbeiterentlassungen bei der Reichsbahn hat die Reichskonferenz durch eine einmütig beschlossene Solidaritätskundgebung mit den Werkstättenarbeitern Protest erhoben. Sie stellt darin fest, daß seitens der zentralen Instanzen des Einheitsverbandes alles geschehen ist, um durch Verhandlungen mit der Hauptverwaltung und dem Generaldirektor die drohenden Entlassungen zu verhüten. Mit dem Vorstand des Einheitsverbandes ist die Konferenz darin einig, daß die Verdichtung der Arbeit in den Werkstätten und die damit verbundene Erhöhung der Kopfleistung unbedingt die Einführung der Achtstundenarbeirszeit in den Werkstätten, zur Folge haben muß. Mit großer Befremdung nimmt sie davon Kenntnis, daß die Reichsbahnhauptverwaltung es abgelehnt hat, dem Antrag des Feuerschutzwoche ohne Gewerkschaftsmitarbeit Die reattionären freiwilligen Feuerwehren Die Arbeits= und Interessengemeinschaft Deutscher Feuerwehrorgane veranstaltet vom 27. April bis zum 4. Mai eine Feuerschutzwoche. Von der Mitarbeit in der Gemeinschaft ist die Gewerkschaft des Personals der Berufsfeuerwehren, der Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner, merkwürdigerweise ausgeschlossen worden, obwohl er seinen Beitritt bereits im Februar 1929 angemeldet hat. Diese Ablehnung ist auf die Einstellung der Führer freiwilliger Feuerwehren und industrieller Berufsfeuerwehren zurückzuführen. Die gewerkschaftlich organisierten Mitglieder freiwilliger Feuerwehren haben hier auch ein Wort mitzusprechen. Wollen sie dulden, daß die Gewerkschaft des berufsmäßig tätigen Feuerwehrpersonals von der Mitarbeit in der Organisation deutscher FeuerHauptvorstandes und des Hauptbetriebsrates auf Fortfall der tariflich vereinbarten Ueberzeitarbeit stattzugeben. Das sei um so bedauerlicher, als durch die nunmehr durchzuführenden Werkstättenschließungen und-einschränkungen Arbeiterkollegen zur Entlassung kommen sollen, die zum Teil 20, ja sogar 30 Jahre im Dienst der Reichsbahn stehen. Die Reichskonferenz wendet sich mit Entschiedenheit gegen eine derartig rücksichtslose Personalpolitik der Reichsbahngesellschaft in einer Zeit riesiger Arbeitslosigkeit, wo anderweit Lohn und Brot nicht zu finden sind. Sie fordert von der Gesellschaft, daß nun endlich Maßnahmen getroffen werden, damit die Rationalisierung des Werkstattendienstes sich nicht weiter zum Schaden des Personals auswirkt, sondern den Beamten wie den Arbeitern endlich einmal auch einige Vorteile bringt. Ergebnisse der Betriebsratswahlen Die Wahl auf der Marinewerft Die Liste der freien Gewerkschaften erzielte bei der Betriebsratswahl auf der Marinewerft in Wilhelmshaven von den 21 Arbeitersitzen allein 18. Die restlichen 3 Sitze fielen an die sogenannten„nationalen Arbeiter“(Stahlhelm und Nationalsozialisten). Bisher verfügten die freen Gewerkschaften über alle 21 Sitze. Immerhin ist das Ergebnis noch als recht günstig zu bezeichnen, da die Rechtsradikalen mit vereinten Kräften gegen die freien Gewerkschaften Sturm liefen und insbesondere mit dem Lohnkämpfe in der Textilindustrie Der schlesische Textilkonflikt beigelegt Die Streitigkeiten in der schlesischen Textilindustrie, die im Anschluß an die Verbindlichkeitserklärung des letzten Schiedsspruches entstanden waren, sind nunmehr beigelegt worden. Der Hauptherd der Differenzen war die große Firma Dierich, A.=G. in Langenbielau. Die Streitigkeiten hatten bereits zu einer Reihe von Klagen geführt, die zum Teil noch unerledigt in den Berufungs= bezw. Revisionsinstanzen anhängig waren. Dem Schlichter ist es gelungen, in den strittigen Fragen, die sich zum Nachteil der Arbeiterschaft auswirkten, eine Einigung der Parteien herbeizuführen. Für die badische Tertilindustrie ist eine Verhindlichkeitserklärung des Schiedsspruchcs, der die Lohnabbauabsichten der Arbeitgeber zunichte gemacht hat, trotzdem aber von den Arbeitnehmern nicht angenommen wurde, da er ihren Forderungen auf Lohnerhöhung nicht entsprach, bis jetzt noch nicht erfolgt. Der Schiedsspruch sieht eine Weitergeltung des bisherigen Lohntarifs bis zum März 1931 vor. Kommuniiten als Gewerkschaftsschädlinge Die Kommunisten sind schlimmer als die Gelben. Sie sind bereits auf die Stufe der berüchtigten Hinze=Leute der Vorkriegszeit gesunken, die bei Streils sich gegen hohe Provisionen bestreikten Betrieben zur Verfügung stellten und deshalb nicht nur von der organisierten Arbeiterschaft, sondern auch von der rechtlich denkenden Bürgerschaft verachtet wurden. Den Beweis dafür liefert die Arbeiterbewegung in Metz. Dort waren bis 1919 die Brauereiarbeiter insgesamt organisiert. Die Lohn= und Arbeitsbedingungen waren tariflich geregelt, bis die Kommunisten die Brauereiarbeiter ohne jegliche Veranlassung mit in einen Generalstreik hineinzogen, der mit Maßregelungen, mit wehrorgane ausgeschlossen ist? Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hat der Arbeits= und Interessengemeinschaft mitgeteilt, daß er bei ihrer Haltung für die Veranstaltung der Feuerschutzwoche keine. Propaganda treiben kann. Auch von dem gewerkschaftlich organisierten Personal der Berufsfeuerwehren kann niemand erwarten, daß es freiwillig eine Veranstaltung unterstützt, an der die Gewerkschaft nicht beteiligt ist.— Die Leitung der freiwilligen Feuerwehren liegt in vielen Orten in den Händen reaktionär eingestellter Persönlichkeiten, die wohl für Hurrapatriotismus und nationalistische Veranstaltungen, aber nicht für die Arbeiterbewegung Verständnis haben. Die ge werkschaftlich organisierten Arbeiter sind nur gut genug, in der Feuerwehr ihren Mann zu stellen. Der Dank für ihre Arbeit besteht darin, daß man ihren Gewerkschaften die Aufnahme in die Arbeits= und Interessengemeinschaft verweigert. Sie dürfen nur mitretten, aber nicht mitreden. Panzerkreuzer B agitierten.— Bei der Angestelltenwahl erzielten die freien Angestellten 6 Sitze. Hier änderte sich nichts. Im Ruhrbergbau liegen nunmehr die Ergebnisse der Betriebsratswahlen von 165 Schachtanlagen vor. Sie geben folgendes Bild: Freie Gewerkschaften 107 439 Stimmen(768 Mandate), Christen 64 802(434), Hirsch=Duncker 2959(7), Polen 204 12), Kommunistische Partei 55 919(837). Syndikalisten 4504(27), Gelve 7016 120), Sonstige 2536(7). Das Ergebnis von 40 Schachtanlagen steht noch aus. Es durfte das Resultat für die freien Gewerkschaften gunstig beeinflussen. Streik in den Amerika=Bemberg=Betrieben Brutale Behandlung streikender Arbeiter Die Streitbewegung in den Betrieben der Bemberg=Kunst= seide= und Glanzstoff=Korporation in Elisabethtown(Tennessen) ist von der amerikanischen Unternehmerpresse als eine Art Aufruhr geschildert worden. In Wirklichkeit liegen die Dinge ganz anders, wie aus einer Erklärung des soeben zurückgetretenen DistriktsSheriffs von Elisabethtown hervorgeht. Der Sheriff stellt fest, daß sein Rücktritt durch Druck von oben veranlaßt wurde. Er sollte mit großter Brutalitat gegen die streikenden Arbeiter vorgehen, deren ganzes Verbrechen darin bestand, daß sie Lohnkürzungen und Maßregelungen nicht stillschweigend hinnehmen wollten. Nach der Erklärung des Sheriffs ist es in der kapitalistischen Presse plötzlich still geworden. Der Streik geht unter gewerkschaftlicher Führung weiter; er steht zurzeit günstig. dem Verlust der bis dahin gültigen Tarifverträge und mit Verschlechterungen der bis zum Generalstreik üblichen Lohn= und Arbeitsbedingungen in den Metzer Brauereien endete. Anfangs 1930 schlossen sie sich zu einem hohen Prozentsatz wieder ihrem zuständigen Verband an. Die Brauereien, die inzwischen an der Alleinherrschaft im Betrieb Geschmack gefunden hatten, maßregelten die Funktionäre des neugebildeten Verbandssyndikats. Die organisierten Brauereiarbeiter und das Gewerkschaftskartell in Metz nahmen den Kamof gegen die Unterdrückung des Vereinigungsrechtes auf. Was aber taten die Kommunisten? Sie hatten bei der Gründung des Brauereiarbeitersyndikats gedroht, dafür zu sorgen, daß eine Organisation der Brauereiarbeiter nicht hoch komme. Am 9. März hatte das Gewerkschaftskartell zum Ausdruck des Protestes gegen die Maßregelung organisierter Brauereiarbeiter eine öffentliche Demonstration veranstaltet. Die Kommunisten hetzten in ihrer Presse und in Flugblattern gegen diese Demonstration, sie verhöhnten die Boykottwaffe sowie alle erfolgversprechenden Maßnahmen des Gewerkschaftskartells. Hinten herum techtelmechteln diese Todfeinde der Gewerkschaften mit dem Braukapital. In Metz ist es Tagesgespräch, daß das dortige kommunistische Blatt von den Kinounternehmungen, die ein namhafter Metzer Brauereiaktionär beherrscht, neven Inseratengeldern auch noch besondere Zuwendungen erhält. Ist es möglich, daß solchen Elementen immer noch Arbeiter Gefolgschaft leisten? Rußland braucht deutsche Hilfe Russische Eisenbahner lernen in Deutschland Sowjetrußland will seine Eisenbahn reorganisieren. Zurzeit sollen fünf Eisenbahnwerkstätten umgestellt werden. Moskau hat daher den Wunsch, daß die Reichsbahn zwei höhere Beamte des verkehrstechnischen Dienstes nach Rußland beurlaubt und zu gleicher Zeit eine großere Anzahl russischer Eisenbahnbediensteter in die deutschen Eisenbahnwertstätten zur Schulung zuläßt. In der Unternehmerpresse wird vor den russischen Wünschen gewarnt. Die„Rheinisch=Westfälische Zeitung" meint, Moskau wolle anscheinend auf legalem Wege russische Agitatoren und Spione nach Deutschland schicken. Die Befürchtungen der Unternehmerpresse sind übertrieben. Schon seit langerer Zeit kommen vereinzelt russische Eisenbahner nach Deutschland, um hier zu lernen, und ebenso sind auch bereits deutsche Eisenbahnbeamte in Rußland tätig gewesen. Die deutschen Eisenbahnergewerkschaften haben keine Angst vor russischen Spionen und Agitatoren. Von den russischen Eisenbahnern, die bisher in Deutschland waren, hat sich keiner mausig gemacht. Sie haben auch gar keine Veranlassung dazu, denn schon ihr Kommen zeigt den deutschen Eisenbahnern, daß Moskau noch immer etwas von Deutschland lernen kann und deutsche Eisenbahnkräfte nötig hat, um seinen Eisenbahnbetrieb zu verbessern. Moskau braucht deutsche Hufe und hat schon aus diesem Brunde ein Interesse daran, daß die von ihm geschickten Eisenbahner nicht zu Beschwerden Anlaß geben. Die ersten Tränen Von Wolfgang Federau. Am Abend nach ihrer Ankunft, als Cilly Magog gerade einen ersten kleinen Spaziergang längs der Strandpromenade machte, grußte sie ein Herr, indem er mit einer unbeherrschten, auffallend ehrerbietigen Bewegung den Hut zog.„Manfred,“ dachte Cilly überrascht. Sie ertannte ihn sofort, obgleich drei Jahre oder noch mehr vergangen waren, seit sie ibn zuletzt gesehen hatte. Aber ihr Gesicht blieb gleichmütig und unverändert, als sie kühl und ein bißchen herablassend dankte und an ihm vorüberschritt, als wäre er nur ein gleichgültiger Bekannter, nicht viel mehr als ein beliebiger Mensch, mit dem man irgendwann ein paar belanglose Worte gewechselt hat. Schon am nächsten Morgen ließ Manfred sich bei ihr melden. Sie empfing ihn liebenswürdig, aber ohne jede sichtbare Spur innerer Erregung. Und lächelte ein wenig spöttisch, als sie beobachtete, wie mühselig er um Fassung rang. Ja, es schien ihr beinahe, als zittere er— und es tat ihr wohl, das zu sehen. „Wir haben uns lange nicht gesehen, Manfred,“ sagte sie leise, wahrend sie ihn mit einer Handbewegung einlud, Platz zu nehmen. „Sehr lange— unendlich lange," stammelte der Mann, und seine Augen hafteten sich gierig auf dieses schöne, bräunliche und stolze Gesicht, das noch heute durch alle seine Träume wehte Es war derselbe Blick, den Cilly Mageg aus früheren Zeiten kannte— o, so gut kannte. Die Spitze ihrer Zunge glitt einmal über ihre Lippen, spielerisch, liebkosend— die Bewegung einer Katze, die in der Sonne liegt und sich glücklich fühlt. Manfred erzählte, was er getrieben in diesen Jahren— er sprach schnell, überstürzt, in deutlich sichtbarer Verlegenheit. Mit keinem anderen Ziele offenbar, als dies Zusammensein möglichtt lange auszudehnen. Cilly hörte zu, höflich, aufmerksam. Endlich, da er eine kleine Pause machte, warf sie ein paar Worte ein. „Wer war denn die junge Dame an Ihrer Seite, gestern?“ fragte sie und der beste Menschenkenner hatte dem Tonfall ihrer Stimme kein über die allgemeine Anteilnahme guter Bekannter hinausgehendes Interesse anmerken konnen. „Das?“— Manfred wurde plötzlich sehr blaß und unmittelbar darauf sehr rot—„das war... meine Frau.“ „So... so...“ Cilly zuckte mit keiner Wimper, als sie fortfuhr. Sie haben also geheiratet? Ich beglückwünsche Sie— sehr verspätet, gewiß, aber wenn man nichts erfährt.. „Wundert Sie das?“ entgegnete Manfred stotternd.„Damals — als ich fortfuhr, Hals über Kopf, weil Sie... weil Sie glaubten, mir einen Korb geben zu müssen... haben Sie da nicht selbst gesagt, ich solle heicaten— und dann versuchen, Sie zu vergessen?" „Habe ich das gesagt— wirklich?“ fragte die Frau nachdenklich. „O ja— ich habe es wohl gesagt. Und...“ ein ganz flüchtiges Lächeln huschte über ihre Lippen,„und— haben Sie mich vergessen?" „Nein,“ flüsterte der Mann.,nein— ich habe Sie nicht vergessen— fürchte ich“ „Sie müssen sich Mühe geben. es zu tun,“ erwiderte Cilly und erhob sich von ihrem Sessel.„Uebrigens, werde mich freuen. Ihre Gattin gelegentlich kennenzulernen.“ Sie reichte ihm die Hand zum Abschied— mit einer fast heftigen Bewegung riß er sie an die Lippen. „Darf ich wiederkommen— ja?“ bettelte er, schon an der Tür. „Sie dürfen,“ lächelte sie sanft, aber sie sah ihn dabei nicht an. Sie stand am Fenster und blickte aufs Meer, das silbern glänzend und vollig unbewegt gleich einem metallenen Spiegel sich in die Unendlichkeit dehnte. Kaum hatte sich die Tür hinter ihrem Besucher geschlossen, als sie zornig mit dem Fuß auf den Boden stampfte. „Er hat behauptet,“ dachte sie, und ihr Gesicht war böse.„Er hat behauptet, mich zu lieben, und sechs Wochen später heiratete er diese nüchterne, langweilige, unbedeutende Person. Wie dumm die Männer sind! Und dabei— ich habe niemals so viel Liebe für einen Mann gespürt wie für Manfred. Und er hat es nicht gemerkt Ich sagte„Nein“ und er hat nicht bemerkt, daß dieses Nein ein Ja war. Ist auf und davon gegangen mit dem Ziele, mich zu vergesen... Sie sprang auf, durchmaß mit heftigen Schritten das Zimmer. „Wie dumm die Männer sind,“ flüsterte sie nochmals und dann: „Als ob man mich vergesen könnte" Um eines solchen Wesens willen vergessen konnte!“ Ihre Nasenflügel bebten vor Erregung. Sie trat vor den Spiegel, musterte ihr Bild lange und sorgfältig. „Ich bin noch immer schön,“ dachte sie und ihre Augen blitzten. Sie brauchte Manfred nicht zu ermutigen. Er kam getreulich, Tag für Tag, verplauderte einmal ein paar Stunden am Morgen, ein andermal einen der schönen langen Sommerabende mit ihr. Aber seine Frau stellte er ihr nicht vor, und Cilly Magog tat nichts, ihn daran zu erinnern. Manchmal, aber nur selten, bemerkte Cilly Magog sie auf den Tribünen der Tennisplätze, im Kurgarten, auf der Terrasse. Ein schmales, kindliches Gesichtchen, eine ebensolche Jigur. Und sehr große, sehr dunkle und traurige Augen, die seltsam mit dem schlichten Blond der Haare kontrastierten. „Ihre Frau sicht sehr blaß aus,“ sagte Cilly einmal zu Manfred.„Ist sie leidend?“ „Sie ist nicht ganz in Ordnung mit der Lunge,“ erwiderte der Mann leise.„Der Arzt sagt, sie müsse nach dem Süden, nach Italien oder Kairo. Sie verträgt das Klima hier nicht.“ „Und warum schicken Sie sie nicht hin? Sie sind doch reich „Sie will nicht allein fahren..." Cilly fragte nicht mehr. Aber sie nahm sich vor, ihren Aufenthalt hier um vier Wochen länger auszudehnen. Im späten September, als der Wind bereits rauh und böig über das Meer kam, als die letzten Sommergäste an die Abreise dachten, erklärte Cilly Magog eines Tages: „Ich fahre morgen fort— nach Helsingfors. Mit dem Tampfer. Ich freue mich sehr darauf— es wird eine frische, stürmische Fahrt werden. Und das liebe ich.“ Manfred nagte an der Unterlippe.„Das trifft sich gut,“ sagte er endlich und sein Gesicht war grau.„Wir werden uns wiedersehen, Ende der Woche. Ich habe auch in Helsingfors geschaftlich zu tun.“ „Wirklich, ein seltsamer Zufall.“ erwiderte Cilly Magog.„Im übrigen, seit wann haben Sie Geschäfte?“ „Man muß doch arbeiten,“ wehrte er verlegen ab.„Muß seinem Leben irgend einen Inhalt gehen Cillys Gesicht blieb undurchdringlich und ernst.„Ja— man muß arbeiten,“ wiederholte sie und senkte ihren Blick tief in die Augen des Mannes. Sie fuhren getrennt, natürlich. Manfred benutzte die Eisenbahn, der Arzt hatte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als er von dem Reiseziel hörte.„Bewegen Sie meine Frau, nach Italien zu fahren,“ hatte Manfred erwidert, mit starrem Gesicht. Er wußte, daß jede Bemühung dieser Art vergeblich sein würde. In Helsingfors war es jetzt. im beginnenden Herbst, bereits eisig. Regen, Sturm, Nebel— kein Wetter für Lungenkranke. An einem der wenigen sonnigeren Tage sah Cilly Magog Manfreds kleine Frau einen Augenblick im Stadtpark— in einen schweren Pelz gehüllt, fröstelnd, trotz der Sonne, mit einem blassen, fast durchsichtigen Gesicht. „Ich wollte eigentlich bis zum November bleiben, aber ich denke, es wird nicht nötig sein.“ sagte Cilly an demselben Abend zu Manfred. Der hatte noch nie gefragt, was sie eigentlich in Helsingfors tat, warum sie hier blieb, ohne jede Beschäftigung, fast ohne Bekannte fern jenem Kreis ihrer Verehrer und Bewunderer, deren Anbetung sie genoß wie ein Gott den Rauch des Opferseuers. Er nickte also bloß, so, als wäre nichts Erstaunliches an Cillys Worten und Plänen. Acht Tage später erschien er unerwartet, zu später Stunde, in ihrem Hotel. „Meine Frau ist vor wenigen Stunden sanft entschlafen.“ flüsterte er, und das Beben in seiner Stimme war nicht jenem Zittern gleich, das aus Trauer und tiefem Schmerz geboren wird. „In meinen Armen... setzte er noch hinzu. Und das klang wie eine Entschuldigung. Cilly Magog sagte nichts. Ein Gefühl des Triumphes wallte in ihr emper— aber es verschwand, bald, ehe sie sich dessen noch recht bewußt wurde. Was übrig blieb, war Scham, Trauer, Verzweiflung. Und ein wilder, grenzenloser Haß gegen den Mann vor ihr, den sie einmal— o. es war so lange her, dachte sie— geliebt hatte. „Geben Sie,“ schrie sie mit greller, fast heiserer Stimme.„Und wagen Sie es nie mehr, meine Schwelle zu betreten.“ Er sah ne mit hilflos erschrockenen Augen an— doch da war ein Klang in ihrer Stimme, der ihn vernichtete. Er schlich fort, mit wankenden Knien und gesenktem Haupt. Cilly Magog, wieder allein, dachte an die Tote. An dieses blasse, müde, zärtliche Wesen, das sie ein vaarmal gesehen, mit dem sie nie ein Wort gewechselt hatte. Und die schöne, stolze, kalte Frau weinte— zum ersten Male in ihrem Leben weinte sie. Aber jene andere, der die Tränen galten, war tot. 2 MOBEL! 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Kanarienvogel entflog. Wiederbr. h. Belohnung. Elberfelo, Berlinerstr. 51 Weinberg Barmen, Altermarkt 20 Im Wasserturm Hochstraße sind Instandsetzungsarbeiten auszuführen, mit denen am Donnerstag. den 10. April, beaonnen wird und die voraussichtlich in 14 Tagen erledigt sind Da der Wasserbehalter im Turm während dieser Zeit außer Betriebgesetzt werden muß, kann es vorkommen, daß das Wasser in den Hausern der in der Rühe des Wasserturmns liegenden Straßen nicht immer mit dem bisher gewohnten Druck ausfließt Den Bewohnern dieser Straßen geben wir hiervon Mitteilung und weisen zur Vermeidung von Schäden darauf hin. Badeöfen oder Warmapparate während der Zeit der Benutzung nicht ohne Aufsicht zu lassen. Romscheid, den 8. April 1930. Städtische Werke. Duec dens faneticer taestenatecdher deslteng en 20 Städtischen Krankenanstalten Dortmund, am Hydrotheradeutischen Universitäts-Institut Berlin(Prol. Schönenberger am Kreis- und Stadtkrankenlaus Herlord und an einer Nervenheilanstalt in Berlin-Bernau habe ich mich in Elberfeld, Brilierstr. 24a als Facharzt für innere Krankheiten niedergelassen. Dr. med. Rud. Finke Sprechstunden 9—11 und 15—17 Uhr außer Samstagnachmittas u. Sonntags. Tel. Wasten 37285 außergewöhnlich billig Leinöl- Lacke- Farben sehr preiswert E. Leimkühler Nachf. Kinderf 12 Nofkams 1b DIE WIRTSCHAFI DERGEGENWART UND IHRE GESETZE DR. ALFRED BRAUNTHAL Ein sozialistisches Lehrbuch der Nationalökonomie Das überaus starke Bedürinis nach einem Lehrbuch, das vom Standpunkt sozialistischer Betrachtung aus in die unmittelbaren Gegenwartserscheinungen und-probleme der Wirtschalt einführt, soll mit dem Erscheinen dieses Werkes betriedigt werden. Die Wirtschaft der Gegenwart und ihre Gesetze anbeitet nicht mit dem schweren Geschütz lachlicher Spezialphilologie, sondern bemüht sich, in klarer Sprache, lür jedermann verständlich, Art und Bedeutung der modernen Wirtschaftsorganisation u. ihrer Kämple aulzuzeigen. Es orientiert also nicht geschichtlich, sondern knüpit an die aktuellen Tatsachen der ökonomischen Gegenwartsordnung an, um ihre Bedingungen und Voraussetzungen zu zeigen, gibt also jedem politisch und organisatorisch Interessierten, jedem Staalsbürger überhaupt, unentbehrliche Hillen. 240 S., Großoktav. Leinen 5.-, Organisationspreis 3.75 RM., BUCHHANDLUNG FREIE PRESSE ELBERFELD, Robertstraße 8— BARMEN, Reiormierte Kirchstraße 13-15 BESTELLSCHEIN: Bei der Buchhandlung Freie Presse bestelle Braunthal, Die Wirtschaft der Gegenwart und ihre Gesetze Leinen zum Organisationspreis von 3.75 RM.(anstatt 5.— RM.) Ort und Datum Besteller Vereinigte Stadttheater Barmen Donnerstag. 10. April: Elberseld 8-10: B 29. Die erste 7½—10¾: B 29. Aida. Frau Selby. Komödie Oper von Verdi. III. von St. John Ervine. II.— Tertbücher zu den Vorstellungen der Stadttheater sind in den Buchhandl. der#reten Presse zu haben. Im Salamander Revolte bei Dickkopps Der große Erfolg. Anfang 8 Uhr.— Kasse 5 Uhr. Restaurant,„Zumi Sonnenbad“ Moritz Henkel, Remscheid Honsbergerstr. 126 Fernsprecher 3446 hält sich bestens empfohlen. Angenehmer Aufenthalt.— Gesellschaftsraum 150 Personen fassend. HAUSPUTZ Alles was Sie für den Hausputz brauchen, liefert Ihnen gut und preiswert das Spezlal-Geschäft Fritz Erbach, Velbert, Kirchstr. 12 Bürsten-, Korbwaren, Putz- und Waschmitte Morgen sprechen Tausende von Ihnen und Ihrem Unternehmen wenn Sie beute noch Ihre Anzeige für die Freie Presse aufgeben! Zögern, heißt Geld verlieren, den Umsatz schwächen, die Unkosten steigern! Sehen Sie nicht jeden Tag die Ankündigungen fortschrittlicher Kaufleute in den Anzeigenspalten der Freien Presse?! Wollen gerade Sie da fehlen? Morgen mu3 man von Ihnen sprechen, übermorgen sollen Sie sich über die steigende Umsatzkurve freuen— geben Sie also heute noch Ihre Anzeige auf! Keine Zeit verlieren, kein Geld verlieren! Vereins-Nachrichten Anfnahme nut bei Voraussahlung.) Mittwoch, den 9. April: Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung. Stadtgruppe Barmen, Parlament= straße 3II. Bürostunden: 10—12½ u. 5—7 Uhr. Die Einäscherung unserer Genolsin Klara Seeger findet am Mittwoch, dem 9. April 1930,17 Uhr in Hagen=Delstern statt. Abfahrt von Barmen Hbhf. 14.52, von Hagen 16.06 Uhr. Zahlreiche Beteitigung erwartet Der Vorstand. E. Biller, Elberfeld Bachstr. 91, gegenüber Karlstraße. Telephon Morian 3965. Vornehme Damen-Hüte. Jugendliche Hüte von Mk. 7 50 Kauft nur bei Inserenten. 35/261. Preuss:Südd. ZiehunglMasse 25.26 April 1930 B A lospreise 16 14 ½* Doopellos Mk. 3- 6- 12-24.-48.lose zur 1. Klasse empfichlt uverzendet Herm. Lieb. Staatl. Lott.-Einnehmer Sarmen. Lindenstr. 6. Tel. 725. Postsch. 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Dazu kommen noch große Scharen von Ausländern, die in bisher noch nie erlebtem Umfange den deutschen Musikern Arbeit und Brot wegnehmen. Der in letzter Zeit gewaltsam vorgenommene Abbau der deutschen Kulturtheater und Orchester, sowie die in rasendem Tempo fortschreitenden Mechanisierung der Musik tun ein übriges dazu, die wirtschaftliche Lage im Musikerberuf heravzudrücken. Diese Zustände müssen, wenn sie nicht bald grundlegend geändert werden, zu einer ichweren Gefährdung der deutschen Musikkunst führen, denn die deutsche Musikkunst steht und fällt mit dem deutschen Berufsmusiker. Auf diese Gefakr hinzuweisen, ehe wertvollstes Kulturgut rettungslos verloren geht, ist ein Gebot der Stunde. Verbandsvorstand, Beirat und Bezirksleiter des Deutschen Musikerverbandes haben in ihrer am 27. und 28. März 1930 in Berlin abgehaltenen gemeinsamen Tagung es als ihre Pflicht erachtet, die Aufmerksamkeit der breitesten Oeffentlichkeit, der Behörden und gesetzgebenden Körperschaften erneut auf die wahrhaft trostlose Lage im Musiterberuf hinzulenken. In der Tagung wurde festgestellt: Von den etwa 6000 Mitgliedern der deutschen Kulturorchester sind weit über 1000 gekündigt oder bereits entlassen. Durch Einführung des Tonfilms sind bisher schon etwa 50 Prozent aller Kinomusiker brotlos geworden. Infolge der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage sind in der letzten Zeit Privat= und Vereinsfestlichkeiten außerordentlich stark eingeschränkt worden, wodurch den auf die Ausführung von derartigen Gelegenheitsmusiken angewiesenen Berufsmusikern ein sehr großer Verdienstausfall entstanden ist. Während laut amtlicher Feststellung allein in Berlin über 1500 arbeitslose Berufsmusiker vorhanden sind, wird in zahllosen Wirtschaftsbetrieben die Musik von ausländischen Kapellen und Musikern ausgeführt und werden bei Konzerten, Vereins= und Privatfestlichkeiten musizierende Beamte, Reichswehrmusiker und Dilettanten in größtem Umfange beschäftigt. So wie in Berlin liegt es in allen anderen deutschen Städten. Trotz dieser furchtbaren Berufsverhältnisse wird in Stadtpfeifereien(Lehrlingszüchtereien) und anderen unzulänglichen Unterrichtsanstalten jahraus, jahrein ein zahlenmäßig kaum faßbarer Berufsnachwuchs herangebildet, der dem größten Elend entgegengehen muß, da schon jetzt, und erst recht in der Zukunft, nur ein beschränkter Teil der höchstqualifiziertesten Kräfte vielleicht noch eine Möglichkeit findet, sich als Musiker im Existenzkampf zu behaupten. Verbandsvorstand, Beirat und Bezirksleiter des Deutschen Musikerverbandes müssen im Hinblick auf die getroffenen Feststellungen fordern: Gesetzliche und behördliche Maßnahmen, die darauf hin zielen, die noch vorhandenen musikberuflichen Arbeitsgelegenheiten in erster Linie den deutschen Berufsmusikern zu sichern durch Untersagung, mindestens aber stärkste Einschränkung der außerdienstlichen Musiktätigkeit der Reichswehrmusiker; Verbot bezw. weitere Einschränkung des nebenamtlichen Musizierens der Beamten: kein Beamter oder bei Behörden ständig beschäftigter Angestellter oder Arbeiter darf ohne vor herige Zustimmung des zuständigen Arbeitsamtes Musikaufträge annehmen und ausführen; Einführung des gesetzlich zugelassenen Meldezwanges für den Musikerberuf; Beseitigung bezw. weitestgehende Einschränkung der musikalischen Schwarzarbeit durch entsprechende Ausgestaltung des Arbeitsschutzgesetzes bezw. Erweiterung der geltenden Arbeitszeit=Notverordnung; weitestgehende Beschräulung der Einreise= und Arbeitsgenehmigung für ausländische Kapellen und Musiker; Nutbarmachung der Gewinne aus der mechanisierten Musik für die geschädigten Berufsmusiker; Konzessionierung der Kinobetriebe; volle Anwendung der Sozialgesetzgebung auf die Berufsmusiker: Beseitigung der unzulänglichen Musikerausbildungsstätten durch Abänderung der Gewerbeordnung bezw. Unterstellung des Musikerausbildungswesens unter die Aufsicht der Schulbehörden. Wenn durch diese geforderten Maßnahmen, die im Rahmen der gelienden Gesetze durchaus moglich sind, auch die Not der deutschen Berufsmusiker wahrscheinlich nicht ganz beseitigt werden kann, so dürften sie doch geeignet sein, den Musikern eine fühlbare Erleichterung ihrer Wirtschaftslage zu gewährleisten. Und schon damit wäre der deutschen Musikkunst ein großer Dienst erwiesen. Falsche Taktik des Mieterbundes Keine Mieterpolitik ohne starke Sozialdemokratie Vertreterlagung der Mieter Am Sonntagvormittag fand im Handelshof die Vertreterversammlung des Bergischen Mieterbundes statt. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden Wenk hielt Herr Oberbaurat Lemmer, Beigeordneter der Stadt Remscheid, einen recht interessanten und aufschlußreichen Vortrag über„Flächenaufteilungspläne und Bauordnung“. Er gab einen kurzen Rückblick über die geschichtliche Entwicklung des Städtebaues, führte die Gründung der Städte zurück auf den Machtwillen einzelner Führer und auf das organische Wachsen fester Gründungen. So unterscheidet er zwischen gegründete und gewachsene Stadt. Eine mächtige Entwicklung kam dann mit der Einführung der Eisenbahn. Rund um die Knotenpunkte sammelten sich neue Siedlungen, neue Städte; sie wuchsen zu Riesenstädten und zu Industriezentren. So kam die Entwicklung vom Agrarstaat zum Industriestaat. Damit wurde aber auch zugleich aus dem Boden ein gewinnbringendes Spekulationsobjekt. Trostlose Steinwüsten entstanden als Städte. Profitgierig stürzten sich die Menschen auf die Häuser und machten sie zu einer kapitalistischen Einnahmequelle. Grünflächen verschwanden, jeder Bauplatz wurde zu spekulative Zwecke verwandt und Mietkasernen wurden aus dem Boden gestampft. Was in den Mietlasernen beranwuchs, das war reif für das Zuchthaus. Vor dem Kriege gab es in Berlin 162000 Wohnungen mit nur einem einzigen Wohnraum, in dem über sieben Menschen wohnen mußten. So legte man sein Geld in Hausbesitz an. Aus Wohnungsmangel wurde Wohnungsnot, und aus Wohnungsnot Wohnungselend. Gesteigert wurde dieses Elend durch die Folgen des Krieges. Diese Entwicklung läßt sich natürlich auch im ganzen Bergischen Lande und besonders im Wuppertal feststellen. Taß hier die gewaltigen Zusammenballungen nicht kamen, lag einmal daran, daß der bergische Mann recht konservativ an seinem bergischen Haus bängt, und zum anderen, daß die industrielle Struktur des Landes eine dekonzentrierte Bauweise ermöglichte. Trotzdem=eigen sich auch hier die Folgen der kapitalistischen Ausnutzung des gewinngierig erworbenen Bodens. Erst das Wohnungsgesetz von 1918 brachte die bescheidenen Anfänge einer Stadterweiterung nach sozialen Gesichtspunkten. Jetzt erst begannen die Städte systematisch die Erweiterungen nach städtebaulichen Grundsätzen. Vorher ein vollkommen systemloses Bauen. Jetzt bescheidene Anfänge einer neuen Bauweise. Der vollständigen Durchführung der neuen Bauweise steht aber die Frage der Entschädigung im Wege. Man kann sich nicht einigen über die Entschädigung der Grundstücke und Häuser, die beseitigt werden müßten zur Durchführung eines planmäßigen städtebaulichen Zieles. Schaffung einer gerechten und sozialen Bauordnung sei dringende Aufgabe der kommenden Zeit. Der ausgezeichnete Vortrag, der noch speziell auf die baulichen Verhältnisse der Stadt Nemscheid einging und an der Flächenaufteilung dieser Stadt on grundsätzlichen Gedanken und Ideen beispielhaft erläuterte, wurde mit starkem Beifall aufgenommen. Die Diskussion ergab keine Vertiefung des Vortrages. Der Kommunist Dattan zeigte die Zusammenhänge der ganzen Mietverhältnisse mit der Politik auf und verursachte schon bei diesen harmlosen aber richtigen Darlegungen einen Sturm der Entrüstung. Warum? Weil die Mieter der Auffassung sind, daß die Mieterinteressen parteipolitisch neutral zu vertreten sind und nicht parteipolitisch. Da aber kein Mensch, selbst. Dattan nicht, von Parteipolitik redete, sondern nur allgemein von Politik, war dieser Sturm im Glase Wasser recht überflüssig. Weiter wurde recht lebhaft debattiert über den Anschluß des Bergischen Micterbundes des Bergischen Landes an die Bodenreformer. Mit wenigen Stimmen, die gegen den Anschluß waren, wurde der Antrag angenommen. Damit fand die Vormittagssitzung ihr Ende. * Am Nachmittag wurde der von Steinkühler verfaßte und schriftlich vorgelegte Bericht über„Die Mieterpolitik im ersten Vierteljahr 1930“ vorgelesen und besprochen. Auch hier zeigten sich wieder die unklaren Auffassungen der Mieter über politische Fragen und das politische Leben. Die Mieterorganisation hat in erster Linie Mieterinteressen zu vertreten. Von diesem mieterpolitischen Standpunkt geht der Mieterbund kritisch an die bestehenden politischen Parteien beran und untersucht ihre mieterfreundliche Haltung. Selbswverständlich kommt bei einer solchen Betrachtung auch für die mieterfreundlichste Partei ein Minus heraus. Jit doch beispielsweise die Sozialdemokratische Partei nicht nur eine Partei, die allein Mieterinteressen vertritt und dementsprechend an nichts anderes denkt als nur an Mieterfragen und Mieterinteressen. Das kann nur die Spezialorganisation der Mieter. Aufgabe dieser Organisation kann es deshalb nur sein, Bundesgenossen zu suchen, die in den Parlamenten ihre Interessen vertreten und für deren Interessen eintreten. Da aber politische Parteien noch weit mehr Interessen als nur Micterinteressen vertreten, ist es klar, daß diese nicht mit der von den Mieterorganisationen gewünschten Kraft und Energie vertreten werden. Ist das aber nun die richtige Gelegenheit, um alle die Parteien, die ohne Einschränkung mieterfreundlich sind, anzugreifen, ihre Tätigkeit für die Mieter scharf und oft sogar verletend zu untersuchen? Kritik verletzender Art zu üben? Geht man so auf die Suche nach Bundesgenossen? Auf der einen Seite braucht man diese Parteien und deren Abgeordneten, um Petitionen zu vertreten und um Mieterfragen durchzusetzen, und auf der anderen Seite bekämpft man dieselben Parteien, nur deshalb, weil sie nicht alles erreichen konnten im Interesse der Mieter, was sie bestimmt erreicht hätten, wenn alie Mieterwähler sozialdemokratisch gewähl hätten! So übt man an den Parteien Kritik und stellt die Sozialdemotratie oft oyne Einschränkung neben die Deutsche Volkspartei. Jeder sozialdemokratische Mieter, der gerecht ist, weiß, daß es niemals an den sozialdemokratischen Abgeordneten liegt, wenn bestimmte Mieterforderungen nicht durchgingen, sondernan dem Widerstand der geeinigten bürgerlichen Parteien, die unter keinen Umständen eine Verstärkung der Mieterschutzbestimmungen wollen. Deshalb ist es nicht nur ungerecht, dauernd gegen die Mieterpolitik der Sozialdemokratie in den Mieterorganisationen zu polemisieren, sondern auch höchst unklug, die Partei anzugreifen, die bestimmt das Gros aller Mieter stellt. Das geschah auch wieder am Sonntag in der Vertretertagung. Nur der Genosse Hartkopf wandte sich recht scharf gegen die pessimistische Darstellung der mieterpolitischen Lage durch Steinkühler und gegen die Kritik an der Partei. Alle anderen Redner überboten sich gegenseitig an Parteienbekämpfung und vergaßen darüber, irgend welche greifbaren Forderungen aufzustellen, um aus der bestebenden mieterpolitischen Stagnation herauszukommen. Mittelpunkt der ganzen Debatte war die Bekampfung varteipolitischer Tendenzen innerhalb der Mieterorganisation, die gar nicht bestanden, und völlig außer acht wurden praktische Fragen mieterpolitischer Art. So auch nur konnte es kommen, daß diese Mietertagung auf 14 Tage verschoben werden mußte, weil man vor lauter unfruchtbarer Diskussion zu keiner schnellen Abwicklung der mieterpraktischen Arbeiten kam. Wenn sich schon die Mieterorganisation stundenlang über Politik streitet, dann wäre es schon richtiger gewesen, sich über die mieterpolitischen Notwendigkeiten zu unterhalten, als über parteipolitische Lendenzen, die gar nicht vorhanden sind. Kein Sozialdemokrat will in der Mieterorganisation nur sozialdemokratische Politik betreiben, dafür ist die Sozialdemokratische Partei da. Aber er will als Sozialdemokrat Mieterpolitik betreiben. Mieterpolitik ist aber für den Sozialdemokraten nur eine der vielen politischen Forderungen und Aufgaben, die er zu erfüllen hat. Nicht die einzige! Und das verwechseln die Mieterbündler. Daher ihr Mißtrauen und ihre falsche kämpferische Einstellung zur Sozialdemokratie. Die scharfe und kritische Einstellung gegen die politischen Parteien hebt aber auch das so oft mißbrauchte Wort der politischen Neutralität auf. In Mieterfragen gibt es erstens gar keine politische Neutralität und zweitens wäre diese der Tod jedes mieterpolitischen Fortschrittes. Da aber unter allen Parteien die Sozialdemokratie am energischsten die Mieterinteressen vertritt, ist es höchst unklug, dauernd in den Mieterorganisationen gegen die Sozialdemokratie vorzugehen und sie in einen Topf mit allen anderen bürgerlichen Parteien zu werfen. Diese Haltung schadet niemals der Sozialdemokratischen Partei. Sie kann aber der Mieterorganisation schaden. Solange wir einen Parlamentarismus haben, gibt es niemals einen Mieterfortschritt obne Sozialdemokratie. Solidarische Zusammenarbeit mit dieser Partei wäre des halb viel klüger als dieses nörgelnde und unfruchtbare Abseitsstehen und gelegentliche Bekämpfen. kdr. Das Bewerfen der Eisenbahnzüge Wieder ein Mahnwort der Reichsbahn. Wie von der Pressestelle der Reichebahndirettion Elberfeld mitgeteilt wird, häufen sich in der letzten Zeit wieder in erschreckender Weise die Meldungen, nach denen Eisenbahnzüge mit Steinen beworfen worden sind. In einem Falle wurde eine Scheibe am Führerstand der Lokomotive zertrümmert und der Lokomotivführer am Kinn verletzt, in mehreren Fällen wurden Fensterscheiben der Personenwagen beschädigt. Als Täter kommen meist Kinder in Frage, die sich der Gefährlichkeit ihres Verhaltens nicht bewußt sind. Es ergeht daher erneut an die Eltern die Mahnung, auf ihre Kinder zu achten und sie vor dem Bewerfen der Züge zu warnen. Tas Bestreben der Reichsbahn, den gemeingefährlichen Unfug des Werfens mit Steinen nach Eisenbahnzügen zu unterdrücken, kann nur dann Erfolg haben, wenn das Publikum durch sofortige Anzeige mithilft, die Täter der Bestrafung zuzuführen. Österpaketnerkehr. Die Pest bittet, zur Vermedung von Anhäufungen und Verzögerungen die Österpatete und=päckchen möglichst frühzeitig aufzuliefern, sie gut zu vervacken, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Bestimmungsort, soweit notwendig unter näberer Bezeichnung seiner Lage, besonders groß und kräftig niederzuschreiben. Auf dem Paket und Päckchen mußz die vollständige Anschrift des Absenders angegeben und in das Paket ein Doppel der Aufschrift gelegt werden In den Päckchen sind etwaige Hohlräume mit Holzwolle usw. auszufüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung in Säcken und deim Stapeln nicht eingedrückt werden. Sie müssen deutlich als„Briefpäckchen“ oder„Packchen“ bezeichnet scin. * Die Bezirksbeamten der Baupolizei stehen den Bauherren, Architekten, Unternehmern und dem Publikum zur Auskunfterteilung in baupolizeilichen Angelegenheiten in der Zeit von 7.30 bis 9.30 Uhr täglich im Rathaus Wuppertal=Barmen zur Verfügung. In dringenden Fällen wird auch Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags in der Zeit von 17.30 bis 18.45 Uhr sowie Mittwochs und Samstags von 12.30 bis 13.30 Uhr in baulichen Angelegenheiten Auskunft erteilt. * Die städtische Polizeiverwaltung warnt nochmals vor dem Abbrennen des verdorrten Grases an Feldrainen und Böschungen. Durch die Brände werden viele Vögel, die im Frühjahr zeitig an der Erde brüten und denen gerade die überhängenden Grasbüschel an Feldrainen und Böschungen die beste Nistgelegenheit bieten, in ihrem Nist= und Brutgeschäft gestört oder sie werden gänzlich vernichtet. Wenn nötig, wird die Polizei mit Strafen einschreiten. * Stadttheater. In der am Donnerstag, den 10. April, 19,30 Uhr, in Elberfeld stattfindenden„Aida“=Vorstellung singen die Tamen Clanes(Aida), Hundt(Amneris). Die Partie des Rhadames ist in dieser Vorstellung erstmalig mit Herrn Hartmann, die des Amonasro erstmalig mit Herrn Thometzek besetzt. Im Stadttheater Barmen gelangt am gleichen Tage um 20 Uhr„Die erste Frau Selby' zur letzten Wiederholung. Elberfeld, 9. April. Schulabschiedsfeier Freie Schulgesellschaft Elberfeld=Oststadt Der Jugendweihe, die alle Schulentlassenen der Elberfelder weltlichen Schule im großen Stadthallensaale vereinigte, folgte am vergangenen Sonntag im Bergischen Haus die Abschiedsfeier für die Kinder der weltlichen Schule Wörtherstraße. Wie alljährlich ein reichhaltiges Programm(eingeleitet mit einem fröhlichen Kaffectrinken an festlich geschmückten Tischen) und ein überfüllter Saal. Nach kurzen Begrüßungsworten des Elternbeiratsvorsitzenden Prange sang der Schulchor zwei der Bedeutung des Tages entsprechende Lieder und sprach Herr H. A. Schewe(vom Stadttheater Wuppertal) das„Lied des Sturmes“ (Ritter). Der Sprechchor zur Jugendweihe„Singe und brenne!“ (Ritter) wurde rhythmisch wiederholt. Eine Ueberraschung war der erst kürzlich ins Leben gerufene gemischte Chor der Abteilung, der unter Leitung des Lehrers Korn Uthmanns„Wahrheit“ und zwei Volkslieder sang und damit gleich— sehr zum Leidwesen gewisser Neider— seine Feuerprobe bestand. Der ständig wachsenden, mit teilweise vorzüglichen Stimmen bedachten Gruppe und ihrem tüchtigen Dirigenten ist ein glückhafter Aufstieg im Dienste der weltlichen Schule zu wünschen. Der Leiter der Schule, Herr E. Löwer, zeichnete den Schulentlassenen in seiner herzlichen Ansprache das Vorbild des Friedenskämpfers und freien, wahrhaft sozialistischen Menschen. Weiterhin sah man drei reizvolle, rhythmussichere Volkstänze, um deren Einstudierung die technische Lehrerin der Schule Wörtherstraße, Frl. Poenicke, bemüht war. Zum guten Gelingen des Abends trugen ferner bei: die Soz. Arbeiterjugend mit frischfrohen Kampfliedern, das Musikquartett und die Spielgruppe Kalfhaus mit einem lustigen Singspiel„Ball auf der Alm“ und das in bester Form konzertierende„Bandoniumorchester 1919“ mit gutgewahlten Potpourris und einer bravourösen Wiedergabe der„Geschichten aus dem Wiener Wald“. Mit einem Aufruf des 1. Vorsitzenden A. Kaiser zur Mitarbeit und dem gemeinsamen Liede„Wann wir schreiten“ klang die sicherlich allseitig befriedigende Feier aus.—er. Lebensgefährliches aus der Oststadt Eine dringliche Eingabe Der Bürgerverein der Oststadt hat an Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung eine Eingabe gerichtet, in der aufs dringlichste die Neuregelung des Neuenteichs und damit die Erfüllung früherer Versprechungen verlangt wird. In der Eingabe wird hervorgehoben, daß der Verkehr auf dem Straßenzuge Neuenteich=Östersbaum in den letzten Jahren ganz gewaltig zugenommen habe und noch mehr zunehmen werde, wenn die Neuanlage der Konsumgenossenschaft Vorwärts=Befreiung in Betrieb genommen werde. Der Fußgängerverkehr durch die Siedlung am Frankenplatz, an der Lantertstraße und am Steinenfeld sei ebenfalls gewaltig gestiegen und besonders in den Stunden vor Beginn der Arbeitszeit, sowie während der Mittagsstunden und nach Arbeitsschluß direkt lebensgefährlich, zumal nur ein Bürgersteig benutzt werden könne, der sich aber zum größten Teil in verwahrlostem Zustande befinde. Bei diesen Verhältnissen müsse es als ein Wunder angesehen werden, daß sich noch keine schweren Unfälle ereignet hätten. Die größten Gefahren beständen in den engsten Teilen der Straße Neuenteich, besonders zwischen Berlinerstraße und oberen Teil der Baustraße. Die vorspringenden Gebäudeteile der Firma Peter Ludwig Schmidt bildeten hier eine besondere Gefahr. Zwischen dieser Firma und der früheren Stadtverwaltung Elberfeid bestehe ein Vertraa, nach dem die Firma verpflichtet sei, nach fünf Jahren die vorspringenden Gebäudeteile zu beseitigen. Diese Frist sei avaelaufen und die Verwaltung der Stadt Wuppertal sei verpflichtet, die Erfüllung des Vertrages unverzüglich durchzusetzen, zumal das Elberfelder Tiefbauamt am 28. Februar 1928 zugesagt habe, von dem der Stadt zustehenden Recht Gebrauch zu machen. Außerdem habe das Elberfelder Tiefbauamt damals zugesagt, daß die Regelung bezw. Neupflasterung des Neuenteichs in das Pflasterprogramm 1925/1930 aufgenommen worden sei und daß Gleisarbeiten und Neuverlegung von Versorgungsleitungen durchgeführt werden müßten. Während das Telegraphenamt seine Leitungen bereits im vorigen Jahre verlegt habe, habe die Stadtverwaltung hinsichtlich Rohrverlegungen und Gleiserneuerungsarbeiten, die Voraussetzung der Neupflasterung seien, nichts getan. Eine Verkehrszahlung am 28. und 29. Marz 1930 habe ergeben, daß am 28. Marz in der Zeit von 7—19 Uhr 9523 Personen, 777 Kraftwagen und 233 Pferdegespanne, am 29. März in derselben Zeit 9464 Personen, 700 Kraftwagen und 226 Pferdegespanne die Straße benutzt hätten. Die vorwiegend von Arbeitern und Angestellten bewohnte Öststadt erwarte deshalb von der Stadtverordnetenversammlung, daß sie diese Verhältnisse prüfe und die Stadtverwaltung trotz der schwierigen Finanzlage veranlasse, eine entsprechende Vorlage vorzulegen, damit die erforderlichen Mittel noch in den Voranschlag für das Jahr 1930 eingestellt werden könnten. Eine Ausbesserung der Straße sei verfehlt; hier könne nur ganze Arbeit helfen. e. 40jähriges Dienstjubiläum. Der Reichsbahninspektor With. Crüsemann in Elberfald konnte am 8. April auf eine vierzigjahrige Eisenbahndienstzeit zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm Glückwunsch= und Anerkennungsschreiben des Reichspräsidenten, des Generaldirektors der Reichsbahn=Gesellschaft sowie des RReichsbahndirektionspräsidenten in Elberfeld überreicht. c. Mit dem Rad um die Welt. Mit einem dicken Band unter dem Arm kamen heute vormittag zwei junge Dresdener auf die Redaktion, die ihre Visitenkarte mit Bild abgaben und vergnügt erzählten, daß sie acht Jahre auf dem Rad durch Deutschland, Frankreich, Spanien, Balkanstaaten Afrika und Amerika reisen wollten. Seit Januar sind sie schon unterwegs und halten die Spuren ihrer Anwesenheit in den einzelnen Stadten in dem dicken Wälzer fest. Die internationalen Sammler von Redaktionsstempeln und Zeitungsausschnitten sind optimistisch genug, zu glauben, daß man acht Jahre durch die Welt radeln und vom Postkartenverkauf leben kann! Viel Glück und wenig Malheur. e. Grober Unfug. In der vergangenen Nacht wurde an der Alexanderstraße der transparente Fahrplan aus Spiegelglas vollständig zertrümmert. Der Täter ist noch nicht ermittelt. e. Einbruch in ein Friedhofsbüro. In einer der letzten Nächte wurde das Büro auf dem reformierten Friedhof von Dieben heimgesucht. Die Täter durchwüblten sämtliche Behältnisse, wobei sie 80% Kupfergeld erbeuteten. e. Verkehrsunfall. Am 7. April gegen 23,30 Uhr fuhr Ecke König= und Kabelstraße ein PKW. in eine 2½ Meter tiefe Aufbruchstelle. Personen wurden nicht verletzt. Das Fahrzeug wurde leicht beschädigt und durch die Feuerwehr aus der Aufbruchstelle herausgehoben. e. Die Feuerwehr wurde am 7. April, 20 Uhr, nach dem Grundstück Franzenstr. 40 mittels Fernsprechers gerufen. Durch eine undichte Stelle des Schornsteins was Ruß unter den Fußboden gelangt, hatte sich dort durch Funken aus dem Schornstein entzündet und auch den Fußboden in Brand gesetzt. Das Feuer wurde von der Feuerwehr in halbstündiger Tätigkeit mit kleinem Löschgerät gelöscht. e. Schweinevest. Unter dem Schweinebestand des Händlers Karl Rehfuß in Wuppertal=Elberfeld, Aprath 144, und des Landwirts August Lombeck in Wuppertal=Elberfeld, Am Hagen, ist die Schweinepest ausgebrochen. Ueber beide Gehöfte wurde die Sperre verhängt. Sechs Wochen Kinderidyll an der Marpe Vorbildliches Kinderheim An einer Biegung des sonnenüberstrahlten Marper Weges steht einsam ein helles Haus mit freundlichen Fenstern und verkündet mit keinem amtlichen Zug an der Fassade, daß es ein stadtisches Kinderheim mit gesicherter Etatposition ist. Wenn man gar mittags zwischen 1 und 3 Uhr an diesem einstmaligen Bauernhaus vorüber geht, dann verkündet noch nicht einmal liebliches Kinderbrüllen, daß wir vor dem Marper Kinderheim stehen. Da schlafen nämlich die Kinder und das Heim verwandelt sich wieder in ein friedliches Bauernidyll. Wenn aber auf das sanfte Klingeln die freundlich lächelnde Schwester Emilie mit dem gestärkten Häubchen und den gekringelten Grauhaaren öffnet, wenn sie uns gastfreundlich begrüßt und durch die hellen Räume des Wauses führt, dann wissen wir, daß wir im Reiche des Kindes sind. Wir sehen das an den kleinen Badewannen, in die die kleinen Burschen und Mädels zweimal in der Woche gelegt werden, an den niedlichen Zahnbürsten, den Handtüchern und den bunten Bildern an den Handtuchhaltern. In den grüngestrichenen Zimmern stehen die weißen Kinderbetten. Alles blitzsauber, leuchtend weiß! Von hier aus schweift der Blick über Wiesenhügeln und trockenes Ackerland. Fern grüßt der Schatten von Lüttringhausen! Kostlich frische Luft strömt durch die gutgelüfteten Zimmer. Daß wir im Reiche der Kinder sind, das sagt uns der kleine Gaspuppenofen im Bügelzimmer, auf dem die Kleinen ihre Geburtstagsschokolade selbst kochen, das sagen uns die Liliputtörtchen und das erzählt uns der große Spielsaal. Vor Jahren brüllten an dieser Stelle nod, Kühe und heute ist der geschmackvolle Spielraum der Kinder zum Nachfolger eines Kuhstalls geworden. An den Wänden sind die Schränke für die Spielsachen eingebaut. Wandbeleuchtung strahlt auf. Die kleinen Stühle und Tische verraten das Alter der Kinder. Zwei= bis Sechsjährige tummeln sich auf saftigem Wiesengrund. Dreißig lachende Buhen und Mädels mit strahlenden Augen und apfelroten Backen stürmen wild über die Wiese und jagen rund um den Platz. Der weiße Kittel der Hilfsschwester taucht an verschiedenen Stellen zugleich auf. Der Wind fährt lustig durch blondes, schwarzes und braunes Haar. Kinderlachen erfüllt die Luft. Im fröhlichen Spiel vergehen eilig die Nachmittagsstunden. So vergehen rasch sechs Wochen und das Kind steht wieder am Ausgang des Paradieses. Sechs Wochen leben de bleichsüchtigen, blutarmen, schwächlichen und unterernährten Arbeiterkinder in diesem idyllisch liegenden Kinderheim und sind fern der chmalen Großstadtstraße und dem Schmutz der Gosse! Sechs Wochen lebt das Proletarierkind zwischen blauem Himmel, grüner Wiese und von Obst und Butter. Schwester Emilie mit ihren gütigen Augen, die freundliche Hilfsschwester und die beiden Kinderpflegerinnen betreuen Morgens, Mittags, Abends und Nachts die kleinen und kleinsten Gäste! Mancher zweijähriger Blondkopf reißt die jungen Mädchen aus ihrem traumschönen Nachtschlaf! Man muß die Karawane der 30 Knirpse beim Anmarsch und dann beim Abmarsch sehen. Die bleichen, hohlwangigen und müden Gesichter haben Farbe, Leben und dicke Backen bekommen. Sie kommen meistens mit Untergewicht an und verlassen oft das Heim mit Normalgewicht. Andere nehmen darüber hinaus sogar noch einige Pfund zur Erinnerung mit nach Hause. Was der kleine Körper an Kraft und Gewicht in den sechs Wochen zunimmt, das verliert er nur wieder sehr bald in der hauslichen Umgebung. Da fehlt die Ordnung, denn die Mutter muß in die Fabrik geben, da fehlt wieder die kräftigende Bewegung in der windscharfen Marper Luft und da fehlt das stärkende Essen. Bald bleichen wieder die rotwangigen Gesichter! Was aber bleibt, das ist die Erinnerung an die schöne Zeit im Marper Kinderheim, wo sie Lieder singen, wo sie spielen, wo sie lernen, sich die weißen Zähnchen zu putzen und wo sie zur Freundlichkeit erzogen werden. Die Mütter sollen noch pro Tag eine Mark zahlen. Die übrigen zwei Mark trägt das Wohlfahrtsamt und die Krankenkasse. Kann aber die Arbeiterfrau selbst diese Mark aufbringen? Für sechs Wochen? Nein! Soviel wir wissen, ist aber die Stadt recht großzügig! Fürsorgeschwestern melden den Mütterberatungsstellen notdürftige Fälle und überweisen nach arztlicher Untersuchung die erholungsbedürftigen vorschulpflichtigen proletarischer Kleinkinder Kinder auf sechs Wochen dem Marper Kinderheim. Es ist das einzige Barmer Kinderheim, das die Kleinkinder Tag und Nacht betreut! Das einstige Bauernhaus gehörte dem Barmer Philantropen Neumann, der es spater der Stadt schenkte zur Errichtung eines Kinderheims. Wenn hier die Stadt pro Jahr 9600 zuschießt, um den Kinderr lachende Freude zu geven, Gesundheit zu spenden und ein notwendiges Hulfswert an den ärmsten Kindern zu leisten, dann gibt sie nie zu viel und niemals ohne Nutzen. Für knapp 10000 schenkt so die Stadt in einem Jahre über 250 Proletarierkindern ein sechswöchiges Ferienparadies. Für nur 8500.4 ißt diese Familie im ganzen Jahre Obst, Gemüse, Fleisch, Eier, Butter! Der Arzt aber verordnet wenig Eier und Fleisch. Dafür aber mehr Obst! Eltern, lernt daraus! 19200 M nimmt das Heim ein und 28 800. gibt es aus. Bleibt für die Stadt ein Zuschuß von 9600.A! Wenn nicht die Mädchen und Hausangestellten selbst alles in dem eigenen Waschhaus waschen, wenn sie nicht jedes Schürzchen und Kleidchen flicken, und wenn sie nicht selbst die 16 Räume des Hauses putzen und fegen würden, dann müßten die Stadtverordneten die Zuschußsumme verdoppeln! Wer jetzt wieder seinen Sonntagsnachmittagsspaziergang durch den Marper Weg macht und an dem anspruchslosen Hause vorübergeht, der weiß, daß sechs Wochen lang zwei= bis sechsjahrige Arbeiterkinder aus den bedürftigsten Verhältnissen ein sonniges Kinderdasein führen und von gewissenhaften Schwestern und Kinderpflegerinnen liebevoll behandelt werden. Jetzt kommt wieder die sommerschöne Zeit, wo auf dem wiesengrünen Spielplatz die Kastanienbaume blüben und das lustige Planschen im Wasserbecken beginnt! Hier können wir uns sechs Wochen von unseren Kindern trennen und sie unbesorgt in dem stillen Glückswinkel an der Marpe zurualassen! Hier bekommen ihre Augen wieder Leuchtkraft, ihre Wangen zarte Rötung und ihre Gesichter volle Rundung. Gesundbrunnen proletarischer Kinder! Karl Dörr. Barmen, 9. April. Der Fall Gerdesmann Wie wir horen, hat der wegen Totschlages an dem Schüler Klingelholler verhaftete Lehrer Gerdesmann seinen Antrag auf Abhaltung eines Haftprüfungstermines zurückgezogen. Da das gerichtsärztliche Gutachten darüber, ob ein Kausalzusammenhang zwischen dem Tod des Schülers und dem Schlag mit der Eisenstange besteht, noch nicht erstattet ist, besteht die Moglichkeit, daß die Verteidigung des Lehrers Haftprüfung erst dann beantragen will, wenn das Ergebnis der gerichtsärztlichen Untersuchung feststeht. b. Bleirohrdiebstuhl. Von einem Bauerngehoft am Steinhauserberg entwendeten Diebe 20 Meter Bleirohre von 4 Zentimeter Durchmesser. Vor Ankauf wird gewarnt. b. Diebstahl von Blindenarbeiten. An einem der letzten Tage verschafften sich Diebe gewaltsam Eingang in die Räume der Holzzerkleinerung in der Düppelstraße, wo sie alles durchwühlten. Als Beute nahmen die Täter eiwa 25 Möbelbürsten mit schwarzen Borsten und polierten Handgriffen, 10 Handfeger mit schwarzem Roßhaar, 5 Teppichbürsten und 5 Wichsbürsten mit. h. Einbrüche in Gartenhäuschen. In der Nacht zum 6. d. M. wurden in der Gartensiedlung„Karthausberg“ an der Holzstraße fünf Gartenbäuschen gewaltsam aufgebrochen. Die Täter haben Arbeitskleider und Gartengeräte entwendet. b. Ein Wohnungsdieb verschaffte sich Eingang in die verschlossene Wohnung eines Anwobners am Werloh, durchwühlte die Schubladen und entwendete 5—0 Silbergeld und 3 Kontebücher. b. Kollidiebstahl. Am 5. d. M. wurden in der Berlinerstraße von einem Bestätterwagen zwei Pakete entwendet. Ein Paket enthielt Webwaren, das andere Opeldecken und trug die Bezeichnung „Raab=Karcher=Thyssen G. m. b. H., Feuerstr. 15“. Angaben, die zur Ermittlung der Täter oder Wiederherbeischaffung des gestohlenen Gutes dienen konnen, werden von der Kriminalpolizei entgegengenommen. Sozialdemokratische Partei Uellendahl. Freitag, den 11. April, 20 Uhr, bei Rosendabl, Uellendahlerstraße: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Bezirksparteitag. 2. Agitation fur unsere Literatur. 3. Bezirksangelegenheiten. Der Bezirksvorstand. Ottenbruch. Der Bezirk veranstaltet für seine Mitglieder Samstag, den 12. April 20 Uhr, beginnend, bei Budde, Ecke Hombücheler= und Bogenstraße, einen Unterhaltungsabend. Mitwirkendet Margarete Kugeler, Artur Kugeler sr., Artur Kugeler jr., Alfred Sobienky u. a. Auch die Mitglieder der benachbarten Bezirke werden hierzu freundlichst eingeladen. Der Bezirksvorstanb. Hombüchel. Freitag, den 11 April, 20 Uhr. im Sportheim, Kleine Klotzbahn: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Bezirksparteitag und der Bezirksfrauenkonferenz. 2. Unsere Literatur. 3. Bezirksangelegenheiten. Die Unterkassierer müssen bis zu dieser Versammlung abgerechnet haben. Der Bezirksvorstand. Sonnborn. Samstag, den 12. April, 20 Uhr, bei Everbardt, Hauptstraße: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Bezirksparteitag(Gen. Kaspar Lennartz). 2. Unsere Literatur. 3. Bezirksangelegenheiten. Der Bezirksvorstand. Loh. Samstag, den 12. April, 20 Uhr, bei Werle, Loherstraße: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Die Sozialversicherung.(Vortrag des Genossen Max Münster.) 2. Bericht vom Bezirksparteitag(Gen. Schwara). 3. Bezirksangelegenheiten. Der Bezirksvorstand. Leimbach. Freitag, den 11. April, 20 Uhr, bei Thiel, Landwehrplatz: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wichelhaus uver: Sozialversicherung. 2. Bericht vom Bezirksparteitag. 3. Geschäftliches. Der Bezirksvorstand. Langerfeld. Donnerstag, den 19. April, 20 Uhr, beim Genossen Wolfertz, Kirschbaumstraße: Wichtige Mitglieder=Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Bezirksparteitag; 2. Bezirksangelegenheiten. Es ist Pflicht aller Genossen und Genossinnen, an dieser Versammlung teilzunehmen. Der Bezirksvorstand. Frauenarbeitsgemeinschaft des Unterbezirks Solingen=Remscheid. Die Genossinnen treffen sich am Donnerstag, den 10. April, 3.30 Uhr, im Heim der Arbeiterwohlfahrt Öhligs, Bahnstraße J. A.: Lili Sparre. Sozialistische Arbeiter=Jugend Wuppertal. Genossinnen und Genossen! Wir müssen in dieser Woche mit dovveltem Eifer arbeiten. Zunächst gilt es, die angefangene Werbearbeit durchzuführen. In Mittelbarmen haben mehrere Burschen bewiesen, daß bei planmäßiger und ernster Arbeit sehr wohl etwas zu erreichen ist. Nachmachen! Die Wochentage und vor allem der nachste Sonntag müssen noch zu weiteren Erfolgen führen. Wir wollen die Neuen schon auf der Werbefeier begrüßen. Aber die Werbefeier muß klappen. Die größte Schwierigkeit macht noch der Sprechchor. Es ist daher letzte und höchste Pflicht aller Jugendgenossen, hier wirksam einzusetzen, um eine gute Durchführung der Feier mit zu ermöglichen. An den nächsten Proben muß ein Teil der Musikschar teilnehmen. Wir erwarten volle Bereitschaft aller, die es ernst mit ihrer Mitarbeit meinen! Der Vorstand. Barmen. Aelterengruppe: Alle Mitglieder wollen sich doch auf die tagespolitische Debatte vorbereiten. Zeitungen sind unbedingt aus den letzten Wochen mitzubringen. Wir sprechen in Form der Arbeitsgemeinschaft. Elberfeld. Rote Falken: Tas Geld für die Österfahrt muß am Donnerstag oder Freitag im Jugendheim an den Genossen Eugen Martin abgegeben werden. Ferner müssen am Donnerstag alle um 20 Uhr zur Sprechchorprobe erscheinen. Lennep. Tonnerstag 20 Uhr im Heim: Lassalle=Abend. Reichsbanner Kreis 2 Zum Schiedsrichter=Lehrspiel am Sonntag, den 13. April, treten die Radler von Barmen und Elberfeld um 15.45 Uhr im Barmer Stadion an. Spielzeit von 16—18 Uhr. Alle interessierten Kameraden sind hierzu eingeladen. Ihm, Kreis=Jugendführer. Elberjeld Schutzsport: Donnerstag, den 10. April, 20 Uhr: Sportabend in der Turnhalle des Gymnasiums Kölnerstraße. Zu dieser Pflichtveranstaltung müssen alle Kameraden erscheinen.— Freitag, den 11. April: Heimabend im städtischen Jugendheim Marienstraße. Besprechung unseres Werbesportfestes. Anschließend Vorlesungen. Alle Schutzsportler und Handballspieler müssen erscheinen. Der Ib.=Abt.=Führer: Ibanetz. Barmen 3. und 4. Zug: Freitag, den 11. April, 20 Uhr, bei Werle, Loherstraße: Vortrag:„Polizei im Volksstaat“. E. Schmalenberg. Jungbanner: Donnerstag, den 10. April: Sportabend in der Turnhalle Bleicherstraße. Es ist der letzte Abend vor den Österferien. Erscheint alle!— Montag, den 14. April, um 20 Uhr, bei Sonnenschein: Allgemeine Jungbanner=Versammlung. Vortrag des Kameraden Nau über die parlamentarische Gliederung des Deutschen Reiches. Es ist Pflicht, daß sich jeder Kamerad diesen Abend frei bält. Kein Alkoholausschank. Der Igof. Kinderfreunde Elberfeld. Gruppe West: Liebe Kinder! Diejenigen die die Österfahrt mitmachen wollen, werden gebeten, das Fahrgeld(4.A) bis spätestens Samstag, den 12. April, bei Genossin Schnell, Nützenbergerstraße 203, abzugeben. Nachzügler werden nur noch bis Montag berücksichtigt. Diejenigen Kinder, die Mundharmonika spielen können und lernen möchten, werden gebeten, Donnerstag um 15 Uhr bei mir zu erscheinen. Freundschaft! Edmund. Verantwortlich für Politik: Dr. Alfred Dang=Elberfeld: für den Teil„Aus dem Wuppertal“: Emil Quitzau=Elberfeld; zur Gewerkschaftliches, Genossenschaftliches, Aus aller Welt: Karl örr-Barmen: Lennep=Remscheid=Mettmann, Kunst und Sport und den unterhaltenden Teil: Oskar Hoffmann-Elberfeld; für den Inseratenteil: Friedrich Heyck=Elberfeld.- Rotationsdruck und a: Verlaasanstalt Freie Presse. Molkenbuhr u. Ko., Elberfeld. ahlerdericht 1. Beind. g, den -und kende: r jr., n Beb. Klotz= bericht Unsere nüssen d. traße: n Beratur. and. straße: zialster.) ezirks1d. rplatz: des 2. Be1d. olfertz, lung. sangeen, an land. tscheid. April, ße re. nd che mit angene te Bur= r wohl in vor rfolgen grüßen. erigkeit höchste m eine nächsten rerst mit stand. auf die igt aus rm der onnersEugen tag alle sucht das Erlebnis Jungvolk Das arbeitende Jungvolk lebt in einer wenig feierlichen Zeit. Unrast. Tempo, gesellschaftliche Gegensatze, Feindseligkeiten und Neid, Mißgunst und profitgierige Ungerechtigkeit sind eine schlechte Umgebung für Stunden der Besinnung und Andacht. Arbeitsfieber und jugendliche Begeisterung zum Eigenleben trennen sich mehr und mehr. Es gibt kaum noch Berufe, die dem Wunsche des Jugendlichen entsprechen. Der Beruf erfüllt den Jungarbeiter nicht mehr! Dann wird die Masse der übrigbleibenden Wünsche aufgespart. Irgendwo nach Feierabend werden sie losgelassen. Und die bürgerlich=kapitalistische Gesellschaft hat so manche Bebälter geschaffen, in die sich der junge Mensch hineinstürzen kann: Kinobluff und Varietesensation, Sportplatzrummel und Borkampferregung.. und dann die Kirmes mit ihrem Trubel und Leichtsinn, mit ihrer einfachen und billigen Vergnügungsmache. Aber all diese Dinge sorgen nur für flache und ganz oberflächliche Unterhaltung. Der Jungarbeiter vergißt sich, seine Arbeit sein Leben und seine Ausbeutung. und er erhalt für keinen Funken eine besinnliche Form, um über seine inneren und äußeren Gesetze nachdenken zu tonnen.— Aus dieser zersetzenden und zermürbenden Lebenswelt muy der junge Mensch herausgerissen werden. Er muß sich einer Haltung nähern, in der es Freude und Lust, Heiterkeit und herzhafte Hingabe gibt. Aber er muß dazu eine besinnliche Form erhalten, sich und seiner Lebensart neue Gesetze zu schaffen.— Die sozialistische Jugendbewegung setzt an der Stelle an. wo sie den jungen Menschen in all der Zerrissenheit der heutigen Zeit trifft. Deshalb pflegt die SAJ. eine Geselligkeit, in der alle Formen von Zeitvertreib mitenthalten sind. die der Lebenswelt des jungen Menschen entsprechen. Vermieden wird dabei aber sehr stark: Kitsch und Schund! Aber all die große Kraft, die aus der Gefühlswelt des jungen Menschen zu fließen vermag, die wird erstmal geschürt und herausgeholt. Herausgeholt durch Formen der Vergemeinschaftung und Kameradschaft, in denen durch jugendnahe Lebendigkeit eine Haltung zur Feierlichkeit und inneren Beschaulichkeit gepflegt wird. Alle, die solche Stunden miterleben konnten, erfahren immer wieder, daß sich diese Dinge zumeist wie von selbst ergeben. Dieses Mitgerissenwerden gestaltet sich dann zum Erlebnis und dringt seltsam tief in das jugendliche Bewußtsein ein. An großen Seen, in tiefen Schluchten der Wälder, auf Wiesen am Rande der Großstadt sammeln sich zur Jahres- oder Sonnenwende Kinder der Arbeit. Hochgestapelte Holzstöße werden von Flammengluten verzehrt und glühende Feuermassen prasseln in die Nacht. In Dunkelheit wird Licht gezündet. Glaubhaft lebendig wird dieser Flammenschein der Feierstunde zum Symbol der Reinigung. Unrast und Schmerz, den das Ich und die Umwelt bereitet, gilt es zu beseitigen. In solchen stillen und doch bewegten Feierstunden bereitet die Jugendgemeinschaft allen Höhepunkte des kameradschaftlichen Lebens. Von dort her werden wieder Kräfte lebendig, im Kampfe des Alltags zu stehen: um neben dem Viel an täglichen Sorgen, die Last aufzunehmen, die uns im Kampfe für eine sozialistische Zukunft wird. Aber ohne die Losung vom Alltag durch Feierstunden vermögen wir auf die Dauer kaum zu leben. So kommt auch in unser Gruppenleben ein Zug dieser Feierstunden hinein. Wir prüfen uns an der Darstellung sozialistischer Vorkämpfer: und da wir von deren Hingabe und Opfer für den Sozialismus ersahren, erleben wir die Besinnung und Neuwerdung unserer Aufgabe. Diese Höhepunkte jugendlichen Lebens möchten wir allen Jungarbeitern bewußt machen. Gerade in der heutigen Zeit mit dem Mangel an Feierlichkeit, kann die Art der Gestaltung, wie sie in der SAJ. betrieben wird, neue Kräfte schaffen. asg. Jugend braucht Stunden des frohen Spiels Jugend kämpft um Freizeit. Sie will nicht nur in den Fabriken an den Maschinen arbeiten, in den Kontoren an den Schreibtischen sitzen und in den Lagern vor den Warenbeständen stehen, sondern sie will auch Freude erleben, will wandern, will reisen, will tanzen, spielen und singen. Wenn sie aber neun, zehn und vielleicht g ar noch zwölf Stunden in die Arbeit eingespannt ist, wenn sie müde geworden ist durch die zehnstündigen Arbeitsleistungen, dann kann sie nicht mehr aufnahmefähig sein für Erlebnisse und Freuden, dann kann sie nicht mehr frisch und fröhlich hinauswandern in die Wälder und auf die Berge. Wer wollte bestreiten, daß die Jugend, die in den Fabriken arbeiten muß, notwendig die freie Zeit zur Gesunderhaltung des Körpers braucht? Tag für Tag dieselbe ermüdende Bewegung an der Maschine, Tag für Tag dieselbe mechanische Arbeit, und Tag für Tag die schlechte Fabrikluft! Da sehnt sich die Jugend aus der Fron der Arbeit und hinaus in die Freiheit fröhlichen Treibens. Nach des Tages Arbeit findet ein Teil unserer proletarischen Jugend leider nur noch den Weg in die bierdunstigen Kneipen und auf die staubigen Tanzböden. Nur wenige sind es, die noch die Kraft aufbringen, in Versammlungen, in Vorträge und in belehrende Veranstaltungen zu gehen. Das ist die Jugend, die auch den Weg zur Sozialistischen Arbeiterjugend findet und die auch zu dieser Jugend kommt, wenn man ihr nur den Weg dazu zeigt. Nur in der Sozialistischen Arbeiterjugend findet auch diese proletarische Jugend die jungen Menschen, mit denen sie zusammen wandern und reisen, zusammen spielen und tanzen und zusammen geistig arbeiten kann. Nicht nur eine geistige Gemeinschaft bilden die jungen Proletarier in der Sozialistischen Arbeiterjugend, sondern auch eine Gemeinschaft, die durch gemeinsame Freude und gemeinsame Erlebnisse gebildet wird. Proletarische Jugend muß sich Wissen von der kapitalistischen Gesellschaft aneignen. Dieses Wissen ist Kampfwaffe im proletarischen Klassenkampf. Aber nicht nur Wissen und Erkenntnis soll sich diese Jugend in der Sozialistischen Arbeiterjugend holen, sondern auch Freude, Erholung, Lust, Fröhlich2g. den m 15.45 r. Alle rer. ortabend Pflichttag, den nstraße. esungen. etz. i Werle, erg. in der n OsterUhr, bei Vortrag ung des d diesen Igof. sterfahrt bis spaNützennoch bis irmonika nnerstag mund. lberfeld: lberfeld; : Karl Sport lberfeld; otationsr u. Ko., Das lilberne Herzl Bauernroman von A. von Hahn. Copyright by M. Brügmann. Munchen 5. Fortsetzung. „So mussen wir uns wiedersehen, Alois?“ begann er mit strafendem Tone.„Als du fortgingst, sah ich hinter dir drein wie hinter dem Besten, das der Herrgott mir bescherte— heute stehst du als ein gehorsamer Sohn vor mir, der an den heiligen Dingen Verrat geübt hat. Aber ich will darum nicht mit dir rechten, daß du die Priesterlaufbahn verläßt— ja ich will dir's sogar eingestehen, daß mir's gerade so recht ist, weil mir Gott andere Erben versagt hat. Ich will's schon glauben, daß Gottes Wille dabei im Spiele war— und will darum von dieser Sache nicht reden.“ „Wos du mir aber sonst noch zu sagen hast, das unterdrücke jetzt, Vater. Sage mir nichts in dieser Stunde!“ flehte Alsis, und hob die Hände beschwörend auf.„Ich ertrüg's nicht!“ „Was heißt das?“ fuhr der Müller gekränkt auf.„Du wirst's schon dulden müssen, daß dir dein Vater die Meinung sagt Aber wir konnen es kurz machen. Schlag' ein, daß es dir nimmer beikommen soll, die Huberdirn' als Bäuerin auf den Hof zu bringen — und die Sache soll vergessen sein!“ „Meinst du wirklich, Vater.“ sagte der Alois gepreßt,„daß ich mich so im Handumdrehen von ihr lossagen könnte, um die ich ein anderer, ein neuer Mensch geworden bin? Ich liebe die Annemarie, wie nur je ein Mann das Weib geliebt hat— und die Sonne würde für mich vom Himmel herunterstürzen und die Welt in ewige Nacht versinken, wenn ich ihr entsagen sollte!“ „Schnack! Red' nicht so gottloses Zeug!“ schalt der Müller wegwerfend.„Cs gibt genug hübsche Madel in der weiten Gotteswelt, und jede soll mir recht sein, die du mir bringst, nur diese nicht. Ich mein', du als der reichste Bub' weitum, brauchst nicht gerad' nach einer Betteldirn' auszuschauen. Aber— wenn die Annemarie auch jetzt mit beiden Beinen im Geld ständ' bis an die Knie, so könnt'st doch als rechtschaffener Sohn jetzt nimmer dran denken, sie zu deinem Weibe zu machen, nach dem, was der Huber mir angetan hat!“ „Vater!“ rief der Alois schmerzlich.„Richte ihn nicht— er ist tot!" „Was? Der Huber tot?“ fuhr der Müller empor und schluckt: mühsam, als wenn ihn etwas im Halse würgte. Er sah den Sohn starr an.„Was ist geschehen?“ fuhr er dann stammelnd fort, und als der Sohn berichtete, wurde er aschfahl im Gesicht, legte sich in die Kissen zurück und verharrte so, mit geschlossenen Augen, ohne ein Wort zu sagen. wohl länger als eine Viertelstunde. „Alois!“ hob der Müller endlich an— sein Atem ging schwer dabei, und man merkte, daß ihm das Sprechen eine Qual war—, „Alois, meinst nicht es wäre des Herrgotts Finger, der dir zeigt: Das richtest mit deinem Willen an!“ „Vater, sprich nicht so!“ stöhnte Alois gequält.„Er, der mir die Liebe zur Annemarie in die Brust legte, kann mich nicht daran zuschanden werden lassen!“ „Wenn aber der Herrgott es so meinte: Ich gebe dir die Freiheit als Mensch zurück, sei ein Mensch; aber zeige, daß du mir auch ein Opfer bringen kannst! Ich hab' dir meinen Willen in dem Widerstand deines Vaters gezeigt!— Wenn der liebe Gott es so meinte. Alois, was tät'st dann?“ „Nichis könnte mich davon überzeugen, daß dies Gottes Wille wäre!“ schlug der Alois den Versucher zurück.„Gott hat mich die Liebe nicht gelehrt, damit ich entsagen soll. Damit du es aber gleich wissen mögest, wie unumstößlich mein Entschluß ist und wie sehr überzeugt ich bin, daß ich recht tue und gerade Gottes Eingebung folge, wenn ich die Annemarie heirate, schwöre ich dir bei allem, was mir heilig ist!“ „Schwöre nicht! Alois, schwöre nicht!“ flehte der Vater. „Ich tue es dennoch. Vater! Ich schwöre es bei dem Andenken an meine gute Mutter, kein anderes Weib zu nehmen als die Annemarie, wenn Gott sie am Leben erhält— und gibst du mir die Einwilligung nicht über Jahr und Tag—“ „Nimmer!“ schrie der Alte.„Nimmer soll das geschehen— und darum geh' nur gleich zurück und werde Priester! Denn lieber wollt' ich den Hof meinem ärgsten Feinde hinterlassen, als in diese Heirat einwilligen!“ „Priester werde ich nicht, Vater; denn das hieße Gott beleidigen und die heiligsten Dinge zum menschlichen Spielball herabwürdigen. Ich will dir bis auf diesen einen Punkt ein folgsamer Sohn sein und dir redlich beistehen in Haus und Hof. Wenn du mich bestrebt sehen wirst, dir zu Gefallen zu leben, dann wird sich dein ungerechter Widerstand in Nachgiebigkeit verwandeln, und du wirst mir deinen Segen nicht versagen! Wegen des Hubers Tod muß ja nun doch Jahr und Tag darüber hingehen, ehe wir an die Heirat denken können. Und wenn du mich bis dahin fest bleiben siehst, Vater— nicht wahr dann wirst du erkennen, daß Gottes Wille auf meiner Seite ist? Sonst, Vater— sonst würde ich dann nicht mehr auf deinen Segen warten können, sondern mit der Annemarie zusammengehen auch ohne diesen; denn zu ihr gehöre ich als Mensch!“ „Und ich sage dir, daß das nie eintreten wird!“ schrie der Müller in loderndem Zorn und hob die geballte Faust empor.„Auf der Stell' gib mir das Versprechen, diese hergelaufene Dirn'. deren Vater zum Mörder an mir werden wollte, nimmer zu deinem Weibe zu machen. Morgen schon will ich's klarmachen, daß dir kein Stein auf meinem Tache gehört, wenn on jetzt nicht gleich vor mich hintritist und sagst:„Vater. ich gebe nach! Und dann scherst dich hinaus zu deiner Dirn' und packst sie dir auf und gehst herunter mit ihr von meinem Hofe!— Geh— und erbitte dir dein Brot an fremder Tür!“ Der Bauer sank rücklings in die Kissen zurück und preßte die Hand auf die heftig arbeitende Brust. „Ich werde gehen, Vater, weil du es so willst,“ sagte der Alois gepreßt.„Ich werde gehen— und mir das Weib, das Gott mir bestimmte, mitnehmen, sobald die Annemarie fähig ist, mir zu folgen. Ich werde auch nicht eher zurückkehren, Vater, als bis du mich rufft! Aber betteln, Vater. werde ich nicht! Ich kann arbeiten. Dein Widerstand wird mich nicht niederzwingen. So, Vater, nun ist's wohl keit und Heiterkeit. Viele Stunden der Fröhlichkeit erleben so die jungen Proletarier in der Arbeiterjugend. Sie lernen nicht nur, sie eignen sich nicht nur Wissen an, sondern sie finden sich auch draußen auf den grunen Wiesen und in den taufrischen Waldern, um sich im lustigen Spiel auszutollen, um fröhlich zu baden und zu pantschen, um zu laufen, zu rennen, zu jagen und sich körperlich auszutoben. Sie spielen Theater, tanzen und singen. So schafft die Sozialistische Arbeiterjugend Stunden der Freude, der Besinnung, der Gemeinschaft, des Erlebnisses, und so werden die jungen Proletarier, die an den geisttötenden Maschinen in den Fabriken zehn Stunden stehen oder sitzen, abgelenkt durch diese Stunden des frohen Spieles im Heim und auf den Bergen und Hügeln des Bergischen Landes. Der junge Mensch braucht Stunden der Freude und die Sozialistische Arbeiterjugend gibt sie ihm. Deshalb, junger Arbeiter und junge Arbeiterin, Lehrling und Lehrmädel, kommt alle zur Sozialistischen Arbeiteriugend und stärkt die jungproletarische Kampffront. So auch erlebt ihr mit dieser Jugend viel Freude und schöne Stunden! kdr. Gratiszugabe oder Bar-Rabatt Der vom Reichswirtschaftsrat zur Prüfung des Zugabewesens eingesetzte Arbeitsausschuß hat sich dafür ausgesprochen, daß im Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes ein neuer Paragraph geschaffen wird, der die Ankündigung von Gratiszugaben verbietet. Dieses Verbot soll so eindeutig sein, daß Ankündigungen, die den Eindruck der Unentgeltlichkeit erwecken, ebenfalls getroffen werden. Auch sollen derartige Gratisankündigungen nirgendwo, auch nicht in den Geschäftsräumen des Worenanbieters, erfolgen dürfen. Wesentliche Meinungsverschiedenheit besteht jedoch im Ausschuß darüber, ob es zweckmäßig sei, allen Geschäftsleuten, die die Zugabereklame benutzen, gesetzlich vorzuschreiben, daß der Käufer selber darüber entscheiden kann, ob er die Zugabe oder Barrabatt haben will. Die endgültige Entscheidung über diese Frage wird nach Östern fallen. klar zwischen uns? Noch muß ich unter deinem Dache bleiben, weil ich die Annemarie setzt nicht wegnehwen kann. Mein Anblick aber soll dich nicht kränken; ich werde dir fernbleiben. Denke aber noch nach, Vater, ob du recht getan mit dem, was hier geschehen, ob du nicht ungerecht und hart warst! Denke daran, daß du als alter Mann dem Zuge deines Herzens folgen zu müssen glaubtest— und schau's einmal von diesem Standpunkt an, was dir vielleicht als unkindlicher Eigenwille erscheint. Wenn's dir aber leid wird, Vater, dann rufe mich— und ich will froh und erleichtert deine Hand ergreifen!“ So hatte der Alois gesprochen, und dann war er hinausgegangen. An der Stiefmutter vorüber, die von der Tür, an der sie gehorcht hatte, schnell zurückgewichen war. Er war wieder zur Annemarie zurückgegangen, die sich in verzweifelter Seelenqual auf dem Lager wand und, von Fieberschauern geschüttelt, hin und her warf. Die zitternden Hände an den glühenden Kopf gepreßt, schrie sie unaufhörlich nach ihrem Vater. Die alte Ursula saß ratlos daneben und weinte. Tazwischen betete sie, fand aber keinen Trost für den Jammer, der das junge Herz zerfleischte. Unten im Hofe standen die Leute beisammen und erzählten dies und jenes und meinten Goti habe es wohl so geschehen lassen, damit der Alois noch rechtzeitig zur Besinnung käme, und einsehen lernte, was er für eine Sünde zu begehen im Begriff gewesen sei. Einer sagte, daß er es unter dem Fenster gehört, wie der Müller den Alois verflucht habe— und die Leute bekreuzigten sich und meinten, nun könne es dem Alois nimmer gut gehen auf Erden. Inzwischen saß die Tonerl drin bei ihrem alten Manne. Sie hielt seine Hand gefaßt und horchte mit großen, erwartungsvollen Augen auf, als der Müller sprach; ihr Herz erschauerte in heimlicher Freude. Der Müller sagte, daß er dem Alois jetzt nimmer verzeihen und seine Sache morgen schon klarmachen wollte. Daß dem Alois nichts gehören sollte auf dem Hofe, wenn er sich nicht bis zum Abend besinnen und sich reuig fügen würde. Er hätte dann keinen lieberen Menschen auf Erden mehr als sie— und er wüßte es nun, wem er sein Gut und Geld vermachen müsse. Sie solle sich jetzt nicht mehr grämen. Es sei über ihn gekommen, daß er besser für sie sorgen müsse— und das wolle er tun, ob es so oder so mit dem Alois käme. Die Tonerl küßte ihn darauf auf die faltige Stirn, so recht innig und herzlich; aber sie sprach kein Wort. Sie wußte, daß man es ihrer Stimme anhören müßte, wie unbändig die Freude war, die ihr Herz erfüllte. Der Müller mußte aber doch wohl seine eigenen Gedanken dabei haben; denn ein gar trauriges Lächeln ging über sein Gesicht hin. Später ging die Tonerl fort. Es gab ja zu tun in Haus und Hof. und da der erste Schreck vorüber war, griff alles wieder in den gewohnten Tageslauf ein. (Fortsetzung folgt.) Grubenkatastrophe vor Gericht Bergwerksdirektor auf der Anklagebank Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Waldenbura beginnt heute der aufsehenerregende Prozeß um die surchtbare Bergwerkskatastrophe auf der Glückhilfs=Friedenshoffnung=Grube, bei der am 29. Juli v. J. 33 Bergleute das Leben verloren. Die beiden einzigen Ueberlebenden des Unglücks haben erhebliche Beschädigungen davongetragen und schließen sich der Anklage des Staatsanwalts als Nebenkläger an. Der Staatsanwalt klagt auf fahrlässige Tötung in 33 Fällen, auf fahrlässige Körperverletzung in zwei Fällen und auf Vergehen gegen die bergpolizeilichen Vorschriften. Auf der Anklagebank sitzen der Bergwerksdirektor der Grube, Alfred Benninghoff, neben ihm acht Beamte und Angestellte der Grube, ein Grubenverwalter, fünf Steiger und zwei Aufseher. Die Anklage behauptet, daß die Angeschuldigten die Wetterverhältnisse der Grube nicht sorgsam genug überwacht, sowie die Wetterstrecken und die Wetterdurchhiebe, welche für die Wetterführung entbehrlich geworden waren, nicht in dauerhafter Weise wetterdicht absperrten. Da die Grube als schlagwetterhaltig bekannt war, sei nicht genügend dafür gesorgt worden, daß eine wirklich ausreichende Zufuhr von Frischwetter, d. h. also von frischer Luft erfolgte. Der Staatsanwalt kommt zu dem Schluß, daß der Tod der 33 Bergknappen und die Verletzung der beiden Ueberlebenden dadurch verursacht worden sei, daß sämtliche Angeklagte die erforderliche Aufmerksamkeit, zu der sie vermöge ihres Amtes besonders verpflichtet waren, außer acht gelassen hätten. 500 Menschen vor dem Gefängnis Frau Hanau aus der Haft entlassen Frau Hanau, die Leiterin der Gazette du Franc, ist gestern abend, nachdem die geforderte Kaution von 800 000 Frank von ihren Verwandten und Gläubigern aufgebracht worden ist, aus der Haft entlassen worden. Sie wurde von ihrer Mutter, ihrem Mitararbeiter Lazard Bloch und ihrem Anwalt vor dem Gefängnis erwartet. Außerdem hatten sich etwa 500 Personen eingefunden, von denen einige ihrem Unwillen durch feindselige Rufe Ausdruck gaben. Frau Hanau soll sich in ein in einem Pariser Vorort gelegenes Sanatorium begeben haben. Hausbesitzer unterschlagt 500 000 w. Hauszinsneuer Der 33fache Hausbesitzer auf der Flucht Der Untersuchungsrichter vom Landgericht 1 in Berlin hat gegen den Berliner Hausbesitzer Story, der flüchtig ist, einen Haftbefehl erlassen. Story, Besitzer von 33 in der Inflationszeit erworbenen Miethänsern in Berlin, wird beschuldigt, durch betrügerische Handlungen eine Ermäßigung rechtmäßig von ihm zu zahlender Hauszinssteuer um etwa 500 000 M herbeigeführt zu haben. Da Story ein durchaus einfaches Leben führte, ist nicht klar ersichtlich, was ihn zu den ihm zur Last gelegten Betrügereien verführt haben kann. Der Gesamtwert seiner Häuser beläuft sich auf etwa 5 Millionen Mark. der weinende Staatsanwal. Die Revision des verurteilen Jakoby verworfen Vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichts wurde am Montag die Revision des Staatsanwaltschaftsrates Dr. Walter Jakoby verworfen, der vom Schöffengericht Berlin=Mitte wegen Beihilfe zum Betrug zu neun Monaten Gefängnis mit teilweiser Bewährungsfrist und Aberkennung der Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt worden war. Der Staatsanwaltschaftsrat hatte in dem Prozeß gegen Bergmann und Genossen eine hervorragende Rolle gespielt. Bereits Ende 1925 war in dem im Juni 1925 gegründeten Lombardhaus Bergmann eine Unterbilanz von 24 000 M vorhanden. Durch Inserate versuchte Bergmann nun Darlehnsgelder zu finden und versprach Interessenten 36 bis 48 Prozent Zinsen, obwohl keineswegs die Sicherungen vorhanden waren, die er in seinem Werbeschreiben versprach. Bergmann versuchte Interessenten zu gewinnen, beren Namen Eindruck machte. Auch Jakoby ließ sich mit diesem zweifelhaften Unternehmen ein; obwohl er Kenntnis hatte, daß Bergmann wiederholt vorbestraft war, erteilte er die glänzendsten Auskünfte. Schließlich bestellte er eine Geschäftsangestellte in seine Wohnung und diktierte ihr Auskünfte, die dann in Bergmanns Geschäft hundertfach vervielfältigt wurden. Für diese Gefälligkeit erhielt Jakoby von dem Unternehmen Bergmann etwa 65000 monatlich. Er hatte außerdem noch Verbindung mit einem Privatdetektivbüro, gab diesem amtliche Auskünfte und erhielt dafür Die Trichinenkrankheit Die zahlreichen Trichinenvergiftungen anläßlich des Genusses von nicht beschautem und zum Teil ungenügend gekochtem Bärenschinkenfleisch, die sich in Stuttgart ereignet haben— nach den letzten Meldungen waren es bereits 60 Fälle—, rücken die Trichinenerkrankung, ihre Enstehung und ihre Bekämpfung ernent in den Vordergrund des öffentlichen Interesses, zumal da es sich um eine keineswegs harmlose Erkrankung handelt. Es sind bisher schon 10 Todesfälle aus Stuttgart gemeldet worden, und in Anbetracht der bedauerlichen Tatsache, daß dem Arzte bei vorgeschrittenen Fällen kein wirksames Hilfsmittel zur Verfügung steht, sind wohl noch weitere zu gewärtigen. Daß die Frage nach der Schuld im vorliegenden Falle nicht leicht zu klären ist, geht daraus hervor, daß die Staatsanwaltschaft, um den oder die verantwortlichen Urheber dieser Massenvergiftung Ja ermitteln, Strafantrag gegen Unbekannt gestellt hat. Den Gastwirt, der sich den Bären aus einem Wanderzirkus in Mannheim geholt und seinen Gästen dessen Fleisch vorgesetzt hat, und der inzwischen selbst ein Opfer der Vergiftung geworden ist, scheint kein Vorwurt zu treffen. Eine Umfrage, die er an das Stuttgarer Städtische Schlachthaus gerichtet hatte, ob Bärenfleisch beschaupflichtig ist, wurde von dort verneint. In der Tat besteht die gesetzliche Verpflichtung zur Trichinenschau nur für Schweinefleisch, obgleich auch eine Reihe von anderen Tieren Trichinen beherbergen können, die jedoch für die menschliche Ernährung kaum oder gar nicht in Betracht kommen. So weiß man z. B. vom Hamster, vom Fuchs, Iltis, Marder und Dachs, daß sie in seltenen Fällen Wirte von Trichinen sein können, Ratten sind sehr häufig von Trichinen befallen, und auch von Bären war die Möglichkeit der Trichinose bekannt. Es ist daher verwunderlich, daß der Gastwirt von der betreffenden Stelle nicht auf diese Gefahr aufmerksam gemacht worden ist, wenn auch eine Beschaupflicht nicht vorlag. Der Fall zeigt jedenfalls, daß in die gesetzlichen Bestimmungen, die hier in Betracht kommen, eben auch Tiere mit einbezogen werden müssen, deren Fleisch nicht zum täglichen Bedarf gehört. Die Trichine ist ein kleiner Wurm von etwa 1 Millimeter Länge, den man mit den bloßen Augen eben noch wahrnehmen kann; ein Schnitt von trichinenhaltigem Fleisch zeigt kleinste grauweiße Pünktchen, in denen man unter dem Mikroskop das kleine in eine Kapsel eingeschlossene Würmchen erkennt. In dieser Kapsel liegen die Tierchen unter Umständen jahrelang bewegungslos, ohne sich zu vermehren, ohne aber anderseits die LebensfähigGeld. Auch sonst erraffte sich Jakoby Geld in der skrupellosesten Weise. Einer armen Witwe verschaffte er eine Beihilfe von monatlich 120 M. Als Provision verlangte er von ihr 10 Prozent der Rente, die er heute noch erhält! Das Gericht hat festgestellt, daß der Angeklagte eine monatliche Einnahme von mindestens 1500 hatte und er nicht aus Not, sondern aus Gewinngier handelte. Jakoby vertrat seine Revision persönlich vor dem Reichsgericht und brach während seiner Ausführungen wiederholt in Tränen aus. Für 120000 Mark Chemikalien veruntreut Unterschlagungen in Breslau Bei der Handelsgesellschaft deutscher Apotheker(Breslau) sind große Veruntreuungen aufgedeckt worden. Drei Angestellte der Firma, ein Haushälter, ein Drogist und ein kaufmännischer Angestellter, haben im Laufe längerer Zeit Chemikalien im Werte von 80000 bis 120000 Mark beiseite geschafft. Die gestohlene Ware wurde zum großten Teile nach Oberschlesien verschoben. Die drei Haupttäter— außer ihnen werden noch andere Angestellte geringfügiger Veruntreuungen beschuldigt— haben ihre Betrügereien eingestanden, und es wird gegen sie schon in nächster Zeit Anklage erhoben werden. Faischmünzer aus Sport Falschmünzerwerkstätte in der Tschechei ausgehoben In Bilin bei Teplitz=Schönau wurde gestern in der Wohnung des 60jährigen Fabrikangestellten Mattausch eine Falschmünzerwerkstatt ausgehoben. Es wurden sechs Kisten mit photographischem Material, Chemikalien, tschechoslowakischen und reichsdeutschen Stempelmarken, Platten zur Herstellung von Zehndollarnoten, ein Dollarstempel sowie ungemein zahlreiches halbfertiges Material vorgefunden. Mattausch, der verhaftet wurde, behauptet, die Fälschungen nur aus Sport betrieben, aber keine Falschstücke in den Verkehr gebracht zu haben. Ueberangestrengter Eisenbahner verschuldet Zusammeniloß Freispruch vor Gericht Vom Erweiterten Schöffengericht Breslau wurde am Montag der Eisenbahnoberschaffner Skroch freigesprochen, der sich unter der Anklage fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Transportgefährdung zu verantworten hatte. Skroch hat am 15. August 1929 0.16 nachts in der Nähe von Breslau durch Ueberfahren eines Haltesignals den Zusammenstoß des von ihm geführten Triebwagens mit einem Personenzug verschuldet. Als Ursache seiner Unachtsamkeit gab der Beschuldigte vor Gericht an, daß er infolge nervoser Ueberanstrengung in den entscheidenden Sekunden ohnmächtig gewesen ware. Der freigesprochene Oberschaffner ist bei dem Unglück schwer verletzt worden. Launen des Schickials Gespartes Geld gestohlen und ein Glückslos gezogen Eine arme Fabrikarbeiterin in Lodz hatte sich im Laufe von einigen Jahren für eine Mitgift zirka 200 Dollar gespart. Als sie am Tage ihrer Hochzeit das Geld von der Bank abholte, wurde es ihr unterwegs gestohlen. Bevor sie diese traurige Tatsache den Ihrigen erzählen konnte, wurde ihr die Mitteilung überbracht, daß auf ihr Los ein Gewinn von 15000 Zloty(zirka 7000 MA) gefallen sei. Schulkind vom Gitter aufgespief Eisenspitze durch Kinn und Nase Am Dienstag ereignete sich in Recklinghausen ein schrecklicher Unglücksfall. Ein 10jähriger Knabe kletterte über das 2½ Meter hohe Einfriedigungsgitter des Spielhofes der FriedrichSchule, um einen Ball wiederzuholen. Der Junge wollte von oben abspringen, wurde aber dabei von einer Eisenspitze des Gitters aufgespießt, die ihm unter dem Kinn eindrang, durch Oberund Unterkiefer ging und an der Nase herauskam. Die Spielgefährten riefen den Vater des Knaben herbei, der das inzwischen bewußtlos gewordene Hind aus seiner schrecklichen Lage befreite und ins Krankenhaus schaffte. keit zu verlieren. Man hat mit Trichinen, die bis 31 Jahre lang in einem Muskel eingekapselt gelegen hatten, noch Erkrankungen hervorrufen können. Gelangen die Tiere mit dem Fleisch in den Magen und Darm, so beginnen sie sich zu bewegen und zu wachsen; sie werden mehrere Millimeter lang und fangen nun an, sich zu vermehren. Und zwar mit erschreckender Fruchtbarkeit. Während die Männchen absterben, bohren sich die Weibchen in die Darmwand ein, wo jedes einzelne von ihnen Hunberte, ja Tausende von lebendigen kleinen Würmchen zur Welt bringt. Diese jungen Trichinen gelangen in die Blutgefäße und werden mit dem Blut in kurzer Zeit im ganzen Körper verteilt. Damit beginnt der zweite, der unangenehmere und gefährlichere Teil der Erkrankung. Während die„Eltern“, die Darmtrichinen, nur Anlaß beftiger Durchfälle waren, siedeln sich die jungen Trichinen auf ihrer Wanderung durch den Körper in den verschiedensten Muskeln an, wo sie eine äußerst schmerzhafte Muskelentzündung hervorrufen. Vor allem bevorzugen sie dabei das Zwerchfell und die Rippenmuskeln, wodurch sie zur bedrohlichen Lebensgefahr werden, denn diese Muskeln führen die ständigen Atembewegungen aus; ihre Lähmung führt daher zur Erstickung, und die Mehrzahl der Todesfälle bei Trichinose kommt auf diese Weise zustande. Wird die Krankheit überstanden, was immerhin in etwa 4 Fünfteln der Fälle eintritt, so beginnen sich die Trichinen etwa nach 3 Monaten mit einer immer dicker werdenden Schale von Kalk zu umgeben; die Entzündung geht zurück, und die Tiere geyen in denselben Ruhestand über, in dem sie in dem Muskel des Schweines verharrt hatten. Die vorbeugenden Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Trichinose ergriffen werden, bestehen vor allem in einer reinlichen Haltung der Schweine, in Vermeidung von Verfütterung trichinenhaltigen Fleisches an die Schweine, und in Fernhaltung von Ratten, die als Träger von Trichinen eine bedeutende Rolle spielen. Zur Kontrolle des als Nahrung verkauften Schweinefleisches ist bei diesem die gesetzliche Beschaupflicht eingeführt. Trichinenhaltiges Fleisch muß nicht unbedingt verworfen werden; nur darf es nicht in rohem oder halbrohem Zustande genossen werden, sondern muß sehr lange unter hoher Temperatur gehalten werden, um die Trichinen zum Absterben zu bringen. Nur langes Kochen oder langes, sehr heißes Räuchern erreicht diesen Zweck, da die Temperatur im Inneren von großen Fleischstücken nur schwer auf die erforderliche Höhe von 50 bis 60 Grad gebracht werden kann. Auch durch Kälte lassen sich die Trichinen abtöten, doch muß auch dies durch lange Zeit durchgeführt werden, da nach einer Gefrierzeit von drei Tagen noch lebende Trichinen gefunden worden sind. Gefängnis für einen Polizeibeamten Fahrlässige Tötung eines 63jährigen Invaliden Tas Schwurgericht in Bochum verurteilte den Polizeiwachtmeister Gräfc aus Bochum, der am 3. November vorigen Jahres im Verlaufe einer Auseinandersetzung den 63 Jahre alten Invaliden Heinrich Hüls in angeblicher Notwehr erschossen hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Der Staatsanwalt hatte 2½ Jahre Gefängnis beantragt. Mit dem Auso gegen einen Baum Schweres Unglück bei Wenlar Am Sonntag ereignete sich bei Wetzlar ein schweres Autounglück. Eine mit sechs Personen besetzte Chevroletlimousine rannte in voller Fahrt gegen einen Baum und wurde vollständig zertrümmert. Der 50 Jahre alte Bauunternehmer Schäufler aus Wetzlar erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Die übrigen Insassen wurden schwer verletzt. Erschwerte Zeppelin-Landung Ein Arbeiter schwer verletzt „Graf Zeppelin“, der am Montag seine zweite Werkstättenfahrt in diesem Jahr ausführte, konnte infolge äußerst heftiger Bodenwinde nur unter außerordentlich schwierigen Umständen landen. Das Luftschiff wurde zweimal in die Höhe gehoben, wobei ein Mann der Haltemannschaft, der das Seil nicht rechtzeitig losließ, aus einer Höhe von 4 bis 5 Metern herabfiel und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Ein zweiter Arbeiter konnte durch die Passagiergondel hineingezogen werden. in ener Asphaltfabrik Gas strömt aus dem geplatzten Oelbehälter Gestern vormittag gegen 8.30 Uhr wurde die Feuerwehr zum Deuttzer Industriehafen gerufen. In der Asphaltfabrik von der Wettern, Rheinallee 10, war Großfeuer ausgebrochen. Ein Oelbehälter, der unter einem Druck von 70 Atmosphären stand, war geplatzt. Das ausströmende Gas hatte die Mauer des angrenzenden Maschinenhauses eingedrückt, sich an den laufenden Maschinen entzündet und einen Arbeiter erfaßt. Dem Arbeiter gelang es nicht mehr, sich in Sicherheit zu bringen; er verbrannte. Das Oel breitete sich sehr schnell auf dem Grundstück aus und setzte große Holzstapel in Flammen. Drei Wachen der Feuerwehr griffen den Brand mit drei Schlauchleitungen unter Einschaltung von zwei Motorspritzen an. Nach einer halben Stunde war die Gefahr des Uebergreifens beseitigt. Ein zweiter Arbeiter erlitt Brandwunden und wurde ins Spital gebracht. Die Feuerwehr war noch längere Zeit mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. „Fromme“ Unterschlagungen Bei der Hannoverschen Landeskirchenkasse sind große Unterschlagungen aufgedeckt worden. Der Kassierer, Oberinspektor Lücke, hat sich, nach Unterschlagung von 57 500 M, der Polizei gestellt. Es muß aber verdammt viel Geld in einer Kirchenkasse sein, daß soviel unterschlagen und vertuscht werden konnte. Kircheneinsturz während des Gottesdienstes Während des Gottesdienstes brachen aus noch nicht aufgeklärter Ursache in Lowell(Massachusetts) mehrere der Säulen zusammen, die die Empore trugen. Die 40 Frauen auf der Emporen stürzten fünf Meter tief. Drei wurden getotet, achtzehn schwer verletzt. Vier Brüder ertrunken Vor Westjütland kenterte im Sturm ein Boot, in dem vier junge Brüder saßen, die zum Fischen ausgefahren waren. Vom Ufer aus beobachtete der Vater der Brüder die Katastrophe, war aber bei dem Unwetter nicht in der Lage, Hilfe zu leisten. Zugzusammenstoß in Argentinien Bei dichtem Nebel stießen gestern in der Gegend von Haedo zwei Personenzüge zusammen. 30 Personen wurden verletzt. Explosion einer Ammoniakflasche Gestern nachmittag explodierte in Mailand in einer Eisfabrik eine Ammoniakflasche. Ein Vorarbeiter wurde getötet, zwei Arbeiter erlitten schwere Brandwunden, ein vierter kam mit leichteren Verletzungen und Brandwunden davon. Typhus in Paris Wie der„Matin“ berichtet, ist in den westlichen Vororten von Paris, namentlich in Bandy und in Noissy le Sec eine TyphusEpidemie ausgebrochen. Die Ursache der Seuche liegt in dem verdorbenen Trinkwasser. Bei der letzten Ueberschwemmung der Marne seien die Quellen für Wasserversorgung verunreinigt worden. Bisher seien fünf Todesfälle zu verzeichnen. Vom Krokodil verschlungen In Gedong Tataan(Holländisch=Indien) verschlang ein Krokodil einen badenden Kolonisten. Es gelang, das Tier zu töten. In seinem Bauch fand man den Oberkörper des Unglücklichen mit Armen und Kopf unverletzt. Rundfunk-Programm Mittwoch. 9. April. 11.20: Musikalischer Schulfunk. 15: Els Vordemberge: Mal= und Zeichenschule für junge Mädchen. o 16: Dr. H:: Byrds Südpolexpedition. O 16.30: Stadtschulrat Schu: Die Vorschulzeit. 16.50: Marie Theres van den Wyenbergh: Die Mutter und der Schulneuling. O 17.10: Max HerrmannNeiße liest eigene Gedichte. 17.30: Konzert. Delibes: Ouv. „Der König hat's gesagt".— Urbach: Aubers MarionnettenFantasie.— Rachmaninoff: Elegie.— Micheli: Zweite kleine Suite. — Moszkowski: Krakowiak.— Nieman: Italjenischer Straßensänger. — Strauß: Wiener Kinder. O 18.30: Fr. Irwahn: Vom Berufsausbildungsgesetz. 19.15: Stunde des Arbeiters. Intendant Hardt: Vorlesung. o 19.40: Prof. Dr. Kuske: Die Entstehung der Wirtschaftsräume. 20: Zar und Zimmermann. Komische Oper von Lortzina 0 Danach: Konzert Donnerstag. 10. April. 15: Kinderspielstunde. 15.50: Bücherstunde. 16.10: Jugendbücherstunde. 16.30: Dr. Bellinghausen: Der Ehrenbreitstein. 16.50: Dr. Kaufmann: Von der Parageienkrantheit. 17.10: Dr. ten Doornkaat Koolman: Paderborn. 17.30: Schallplatten: Komponisten dirigieren eigene Werke. 18.30: Prof. Dr. Janson: Die Vorbereitung der Bienenvölker für die Zeit der Volltracht. O 19.15: Spanisch. O 19.40: Dr. Stein: Die westdeutsche Wirtschaftsentwicklung, das gewerbliche und industrielle System. 20: Eau de Cologne. Schwank in 4 Aufzügen von Hans Müller=Schlösser. 21.10: Konzert des Erfurter Motettenchors. John Hilton: Madrigal„Wilikommen, holder Musikklang".— Daniel Friderici: Mit Lust will ich mein Zeit zubringen. — Haßler: Tanzlied.— Bach: Adagio aus der ersten Sonate. — Rein: Abendgesang; Die Gezeiten; Herr. schicke, was du willst. — Armin Knab: Unser Frauen Österfreud.— Bach: Andante aus der dritten Sonate.— Karl H. Graun: Te deum.— Flies: Wiegenlied— Brahms: In stiller Nacht. Danach: Konzert. empielile als besonders kräftigendes Nahrungsmittel den überall bekannten sowie die in meinem Betrieb fabrikationsmäß. aus purer Sahne hergestellten Dieselben zeichnen sich durch auberordentlich vorzüglichen, angenehmen u. kräftigen Geschmack aus. In den meisten Lebensmittelgeschäften und Bäckereien erhältlich. Hötters Zwieback-, Heks- und ererel-Fabrik, Barmen-Riftersh. Tel. 1842. Mittwoch, den 9. April 1930 Beilage der Freien Presse Nr. 84 Remscheid, 9. April.“ Der Streik bei Ortlinghaus beendet Die ständige Häufung von Herausforderungen der Firma gegenüber der Belegschaft hatte bekanntlich zu dem Konflikt geführt. Ortlinghaus war der bekannteste„Gast“ am Remscheider Arbeitsgericht. Sein Betrieb genoß in der Arbeiterschaft ganz besonderes „Ansehen“. In seiner Bude herrschte die schlimmste Duckmäuserei, zu nichts konnte die Belegschaft sich aufschwingen, ein Betriebsrat war nicht vorhanden. Im Betrieb übertönten sich die„Stimmen“ der herumkommandierenden Gebrüder O. Schlechteste Arbeitsbedingungen und die stickigste Atmosphäre herrschten in dieser Bude. Wenn irgendwo, so empfanden hier die Arbeiter täglich die Bedrückung und Herabwürdigung ihrer Existenz und Person aufs schlimmste. Die Belegschaft, größtenteils unorganisiert, fügte sich lange den ebenfalls alle Bindungen ablehnenden Firmeninhabern. Doch der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Als kurz hintereinander zwei Abzüge erfolgten, da flatterte die offene Rebellion der Belegschaft auf. So oder so, es war ihnen„egal“ geworden, ne icmissen die Brocken hin“. Da merkte auch die Firma, daß sie den Vogen überspannt hatte, daß es aussichtslos sei, unter den alten Arbeitsbedingungen die Bude wieder zum Laufen zu bringen. Sie lenkte ein, schloß mit der Belegschaft eine neue Vereinbarung, wonach die Abzüge annulliert werden und der alte Lohn zunächst bis 31. Mai(!) weitergezahlt wird. Daraufhin wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Nun beliebt man es von gewisser Seite so hinzustellen, als ob dieser Ausgang ein Sieg der„revolutionären Gewerkschaftsopposition“ sei. Inwieweit deren Parolen dabei Anwendung gefunden haben, charakterisiert die Tatsache, daß die Belegschaft sich ausschließlich auf die Abwehr der Verschlechterungen konzentriert hatte, die Parole der KPD. aber(40 Stundenwoche, 20 Proz. Lohnerhöhung) kategorisch ablehnte. Sonst wäre eine niederschmetternde Niederlage unausbleiblich gewesen. Nur weil die kommunistischen Parolen von der Belegschaft abgelehnt wurden, konnte ihre Abwehr von Erfolg sein, denn die Anwendung dieser Rezepte hat noch stets zum Mißerfolg geführt. „So oder so, wird dies auch der Kampf bei Ortlinghaus bestätigen“, schrieben wir in unserem diesbezüglichen Artikel am Montag, und— nun isi die Bestätigung da. Bis zum 31. Mai läuft die neue Vereinbarung. Das muß der Belegschaft zu denken geben. Die Firma wird nach Fertigstellung ihrer eiligen Aufträge versuchen, die alten Gepflogenheiten wieder einzuführen. Wollen die Arbeiter bei Ortlinghaus davon nicht überrascht werden, dann sorgen sie schleunigst dafür, daß ein Betriebsrat gewählt wird, der in den Gewerkschaften und in einer organisierten Belegschaft die erforderliche Rückendeckung hat. r. Der Wasserturm wird repariert, und zwar derjenige, der in Remscheid auf dem höchsten Punkt steht und mit einem gewissen Hochmut auf seine Ortsgenossen herabsieht. Besser als diese hat er in der Vergangenheit auch nicht seine Pflicht getan. Dafür aber wird er auch mehr beansprucht. Jetzt aber verlangt er kategorisch, daß man sich seines strapazierten Körpers einmal annimmt, und das geschieht gegenwärtig. Die Bewohner des Stadtkegels werden das in den nächsten Tagen an dem ungleichmäßigen Wasserdruck merken. Die Verwaltung der städtischen Werke ersucht daher in einer besonderen Bekanntmachung im Anzeigenteil unserer heutigen Ausgabe alle Besitzer von Gasbadeöfen und sonstigen Warmwasserapparaten, diese während der nächsten Tage bei ewaigem Gebrauch nicht ohne Aufsicht zu lassen. r. Diebstahl von Gartenstühlen. Aus dem Garten der Wirtschaft„Friedrichsruh“ wurden in einer der letzten Nächte 6 Gartenstühle entwendet. Die Eisenteile der Stühle sind gelb. die Holzteile rot gestrichen. Angaben, die zur Ermittlung der Täter führen können, erbittet die Kriminalpolizei. r. Das Einwohner=Meldeamt bleibt von Donnerstag, den 10., bis einschl. Samstag. den 12. April, wegen Umzuges von Zimmer 10 nach Zimmer 27 für den Publikumsverkehr geschlossen. Dringende Meldungen sind schriftlich einzureichen. Meldeformulare konnen im Rathaus(Zimmer 10a, und bei den Polizeirevieren in Empfang genommen werden. Lüttringhausen, 9. April. l. Die Badeanstalt in Lüttringhausen geht ihrer Vollendung entgegen. Damit wird ein lang gehegter Wunsch der dortigen Bevölkerung erfüllt. Vor allem freuen sich die Lüttringhauser Turn= und Sportvereine, daß sie nun Gelegenheit haben, auch in den Wintermonaten dem Schwimmsport zu huldigen. Auch für die Schulen bricht damit eine neue Zeit an. Während bisher nur Kinder der Schule Goldenberg in die Remscheider Badeanstalt zum Schwimmen kamen, wird von Östern ab für alle Lüttringhauser Schulen der obligatorische Schwimmunterricht eingeführt. Den Kindern wird das viel Freude bereiten, wenn sie erst einmal über die ersten Anfangsgründe hinaus sind.— Am kommenden Samstag wird die Badeanstalt der Oeffentlichkeit übergeben. Nach einem feierlichen Einweibungsakt werden die Volksschulen von Remscheid, Lennep. Lüttringhausen Schwimmvorführungen zeigen. Am Abend wird bei Tillmanns eine Feier sein. Wermelskirchen, 9. April. Kleinarbeit im Stadtparlament Die Stadtratssitzung am Montag, auf deren Tagesordnung neun Punkte standen, war dank kurzer Reden in 2¾ Stunden beendet, was schon seit langer Zeit nicht mehr vorgekommen war. Es waren allerdings auch keine welterschütternde Punkte zu beraten.— Beig. Keller, in Vertretung des verhinderten Bürgermeisters Drexel, eröffnete kurz nach 4 Uhr die Sitzung. Vor der Tagesordnung waren einige Anfragen eingelaufen. Eine Anfrage der SPD. beschäftigte sich mit der öffentlichen Fernsprechstelle in Ellinghausen, in der auch auf die etwas eigenartige Stellungnahme des Lehrers Görsch hingewiesen wurde, der einen Antrag der Einwohner Ellinghausens auf Errichtung einer Fernsprechstelle nicht unterschrieb, dann aber auf eigene Faust einen Antrag stellte. Nachdem noch mehrere Stadtverordnete zu dieser Sache gesprochen hatten, wurde dieselbe an den Ausschuß verwiesen. Eine Anfrage des Nazis Straßweg, der sich anscheinend auch mal kommunalpolitisch betätigen wollte, verlangte Auskunft, welche Anlagen der Stadt bis 1940 erneuert werden müßten und wie hoch die Kosten dafür seien. Da natürlich diese Auskunft nicht sofort gegeben werden konnte, bat Beig. Keller um Zeit, um diese„Denkschrift“ auszuarbeiten. Stadtv. Clever(Komm.) begann nun seine Resolution der kommunistischen Stadtratsfraktion zu verlesen, die sich mit der Verurteilung des Redakteurs Klesper von der„Bergischen Volksstimme“ vor dem Reichsgericht befaßte. Diese Resolution war, wie üblich, mit derartig bombastischen Redensarten gespickt, daß der Beig. Keller mehrere Ordnungsrufe austeilte und dann, auf Mehrheitsbeschluß, die Verlesung untersagte. Ohne Widerrede fügte Clever sich. Kurz wurde der Ausbau der Dabringhauser Straße behandelt. Genosse Reetz fragte nach dem Ausbau des Weges Finkenholl=Sonne. Die Verwaltung teilte mit, daß die finanzielle Frage gelöst sei, zur Hälfte die Stadt Wermelskirchen und zur Hälfte der Kreis. Punkt 1 und 2, betr. Aufnahme eines Kassenvorschusses und Aufhebung der Biersteuer, wurden einstimmig angenommen. Punkt 3, Wahl eines Delegierten zum Wupperverband, entfesselte eine längere Aussprache. Die Kommunisten stellten ihren Genossen Clever auf, während die Mehrheit sich für den Beig. Keller entschied. Punkt 4, Eingruppierung eines Angestellten, wurde auf die Weise gelöst, daß derselbe die Bezüge der Gruppe 6h bezieht, ohne aber in diese Gruppe eingereiht zu sein. Bei dieser Gelegenheit wurden von allen Seiten Wünsche nach der endlichen Vorlegung des Stellenvlanes laut. Bemerkenswert ist, daß die Wirtschaftsparteiler sich gegen die Höhereinstufung des Angestellten wandten, der doch für die Vertrauensstelle, die er bekleidet, ein zu geringes Gehalt bezieht. Punkt 5, betr. Vorschriften für die Gasabgabe, wurde nochmals an den Ausschuß verwiesen. Punkt 6, Zulassung der Installateure zur Herstellung von Gaseinrichtungen, war auch ein interessantes Thema. Verschiedene Redner wandten sich gegen den Passus, der nur geprüfte Meister als Gasinstallateure zuläßt. Mit 12: 10 Stimmen wurde derselbe doch angenommen. Punkt 7, Installationsvorschriften, wurde angenommen. Punkt 8, betr. Aenderung der Badepreise. Die Kommunisten trugen Wünsche auf Ausbau des Strandbades vor. Auch solle den Erwerbslosen ein freies Baden gewährt werden. Die Bürgerlichen wandten sich gegen das letztere ganz entschieden. Der Wirtschaftsparteiler Seinsche machte auch auf die Bekleidung beim Baden aufmerksam,„daß dazu ein geschlossener Badeanzug nötig sei. Schneider(Komm. Opposition) wandte sich gegen eine Erhöhung der Badepreise. Genosse Reetz machte darauf aufmerksam, daß das Strandbad noch keinen Zuschuß benötigt hätte und man vom Standpunkt der Volksgesundheit sich ganz entschieden gegeneine Erhöhung der Badepreise wenden müsse. In bezug auf die Eintrittspreise für die Erwerbslosen machte er den Vorschlag, dieselben auf die Hälfte des Regulären festzusetzen. Aber auch dieses lehnte die bürgerliche Mehrheit ab, so daß nunmehr die Erwerbslosen den vollen Eintrittspreis bezahlen müssen. Punkt 9, Verschiedenes, wurde rasch absolviert. Zum Schluß machte Beig. Keller noch einige Ausführungen über den Turnhallenausbau, der in den hiesigen Tageszeitungen schon große Polemiken ausgelost hat. Nach 2¾ Stunden war die reichhaltige Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende konnte die Sitzung schließen. Die Kommunisten verhielten sich heute auffallend ruhig. Wahrend sie sonst beim Einzug dem Publikum ein kräftiges„Rot Front!“ mit geballter Faust entgegendonnerten, begrüßten sie heute dasselbe mit einem gutbürgerlichen„Guten Tag!“ D. Jüsseldorf=Mettmann Mettmann, 9. April. Schwerer Motorrad=Unfall Auf der Landstraße zwischen Düsseldorf und Mettmann fuhr gestern nachmittag ein in voller Fahrt befindliches, mit 2 Personen besetztes Motorrad gegen ein Automobil. Durch den heftigen Zusammenstoß wurden beide Personen schwer verlent und mußten ins Krankenhaus gebracht werden, wo einer der beiden seinen Verletzungen erlag. Der Schulputsch von Berlin Schnellphotos vom kommunistischen Kriegsschauplatz Die Kommunisten haben in Berlin=Neukölln einen „Schulstreik“ inszeniert. Am Samstag„streikten“ in der Schule Lessingstraße 25 Prozent aller Schüler, in der 31. Gemeindeschule in der Rütlistraße 32 Prozent, in der 32. Schule derselben Straße 50 Prozent. Die erste Klasse der 32. Gemeindeschule, in der die„Bewegung“ begann, hat die sogenannte Kampfleitung. Vor den Schulen patrouillieren Polizeiposten. Hie und da kam es zu leichten Zusammenstößen. „Schulstreik in Neukolln! Protest gegen die mörderischen Strafmaßnahmen des Magistrats!“ So oder ähnlich tobt Berlins Kommunistenpresse in gut geheizter Extse. Aber was ist das Ganze? Ein Gaudium für die Uebelwollenden, und hinterhältige Absicht, den Vertretern des Schulfortschritts kommunstische Knüppel zwischen die Beine zu werfen. * Prompt wurde vom Karl=Liebknecht=Haus alles organisiert: Jung Spartaku= hat sogar ein Streiklokal, eine entsprechend linientreu eingerichtete kommunistische Kneipe. Dort geht es unerhört betriebsam zu; jeder Fremde, besonders jeder erwachsene Fremde, wird von mißtrauischen Blicken durchrönigt, als ob es gelte, die Geheimnisse eines großen Hauptquartiers gegen Spionageaugen zu wahren. Flugblätter werden ausgegeben, Transparente angefertigt— es ist der Ausbruch der Weltrevolutionen miniature. Karikatur jeder wahrhaft revolutionären Bewegung. Die 13= bis 14jährigen, die hier Streikleitung markieren, was ihnen wahrscheinlich ein großes Gaudium, sicher aber keinerlei Ueberzeugung in, sind die Requisiten eines höchst nichtsnutzigen Systems, das die Unternehmungslust einer harmlosen Jugend für sinnlose Parteimätzchen mißbraucht. * Ein Herr, der den Kinotyp eines Revolutionsmephisto darstellen könnte, schießt im grotesken Tanz eines übersteigerten Selbstbewußtseins und lächerlicher Eitelkeit förmlich in das Streiklokal hinein, greift sich einen Jungspartakisten aus der„Leitung“ und redet mit wilden Gesten auf ihn ein. Der Junge steht mit ganz verdutztem Gesicht da, begreift wenig oder gar nichts von dem rednerischen Sturzbach, der auf ihn niederprasselt, raffte sich dann zu einem mehrfach schüchternen„Ja, ja“ auf, drückte dem Mephisto die Hand und verschwindet mit hörbarem Aufatmen im Gewühle der Straße. * Indessen hat man im Streiklokal auch Sinn für Humor. Zwei etwa Elfjährige unterhalten sich über die Kriegslage. Freilich verläuft diese Diskussion mehr im berlinischen, als in dem von Moskau gewünschten Fahrwasser.„Du, Emil“, sagt der eine, ein frischer Bengel mit Stupsnase und rotblondem Schopf,„weißt du, wen ick vorhin jesehen hab'? Den Schippel, die olle Meckereile! Als er mich sah, is er stehen jeblieben und hat mir janz laut und deutlich zujerufen: Karl, Karl!, hat er jerufen— da bin ick doch jeloofen, wat ick konnte.“ Der andere macht ein etwas beleidigtes, etwas empörtes Gesicht.„Na wat denn, Emil, soll ick mir denn mit die pampige Eule in'ne nähere Unterhaltung inlassen, wa.....— worauf Emil den Karl eine„feige Töhle“ nennt, was Emil wiederum mit einem gleich derben Kosewort quittiert. Die kommunistischen Hetzer, hinter denen angeblich die Sympathie der gesamten Elternschaft steht, arbeiten mit einem geradezu niederträchtigen Terror.„Was soll man schon machen?", sagt eine ältere Frau und sieht sich scheu um,„ick lasse meine Jöhren zu Hause. Wat hat man davon, wenn man Menkenke macht?— nachher schmeißen sie einem die Fensterscheiben in. Wat mein Mann is, wissense, wat der jesagt hat? Laß die Kinder zu Hause, Olle, hat er jesagt. Meinste, ick will nachher die Abreibung vom RFB. beziehen?!“ Das ist die kommunistische„Revolutionsarbeit“! Mit dem Prügel gegen die eigenen Klassengenossen! * Die Kampfparolen des„spontanen“ Streiks der Elternschaft liefert prompt, billig und verlogen das kommunistische Parteisekretariat.„Nieder mit Nydahl, dem Aushungerer der Proletenkinder!“ Oder„Arbeiterkinder! wer hat euch verraten? Die Sozialdemokraten!“— in diesem blumigen Stil sind die Plakate gehalten, die man den ahnungslosen Neun= bis Zehnjährigen um den Hals hängt. Seitdem allerdings die Polizei gegen den Unfug einschreitet, probt man ein neues System aus: das Tragen zweiseitig beschrifteter Plakate, die auf der einen Seite mit einem ganz harmlosen und auf der anderen mit einem politisch hetzenden Text bemalt sind. Ist Gefahr im Anzuge, so wird mit belschewistischer Umfallfreudigkeit und=wendigkeit das Plakat=Blättchen gewendet. * Zwei Knirpse stehen am Wege und beobachten neugierig eine Schupopatrouille. „Du, ob die schießen werden?“ „Das glaub ich nicht. „Vielleicht verhauen sie uns nur.“ „Das glaub ich auch nicht.“ „Warum denn nicht?“ „Die haben ja Schiß vor uns———!“ * Nach bewährten Schmiermethoden arbeiten die Kommunisten auch im„Schulstreik“ mit Oelfarbe. Je knalliger, desto besser... Nur mit der Orthographie hapert es etwas.„Auf zun Chulstreik!“ liest sich zwar ganz originell, aber nicht gerade sehr imponierend, nicht gerade sehr revolutionär. Und unter der aufmunternden Propagandaölfarbe grinst auch schon die Fratze einer neuen Sowjetpleite. Mittelstandsdünkel Die„Allgemeine Fleischerzeitung“(Nr. 69 vom 22. Marz) regt sich darüber auf, daß das„Schutzkartell der Geistesarbetter“ dagegen protestiert hat, durch Einbeziehung der freien Bernie in die Gewerbesteuer auf die Stufe gewerblicher Unternehmer heruntergezogen zu werden Die Herren Mittelständler haben sich nie geschämt, dagegen zu protestieren, durch die Entwicklung der Konsumvereine zu den Unselbständigen heruntergezogen zu werden. Den Standesdünkel scheinen sie auch als ihr Privileg zu betrachten. 77. Rheinischer Provinziallandtag Generaldebatte des Etats— Der sozialdemokratische Redner gegen Treviranus als Minister der besetzten Gebiete— Sparsamkeit am falschen Ende— Etatsdroffelung schädigt den Mittelstand Düsseldorf. 9. April. Der gestrige Tag wurde ausgefüllt mit der Generaldebatte des Etats. Zunächst machte der Vorsitzende Oberbürgermeister Dr. Jarres Mitteilung von den weiter eingegangenen Antragen, die alle den zuständigen Kommissionen überwiesen werden. Wie bekannt wird, sind inzwischen über 120 Antrage eingegangen. Der Sprecher des Zentrums, Abg. Tenhaeff, unterstrich in der Hauptsache die Ausführungen des Landeshauptmanns Dr. Horion, dem er Dank und Anerkennung zollte. Bezüglich der Landwirtschaft meint er, daß nicht konjunkturelle Maßnahmen helfen. Zur Förderung des Wohnungsbaues wie auch für die Landwirtschaft sei eine Herabsetzung der Zinssätze der Landesbank sehr zu wünschen. Zu begrüßen sei die Förderung der ländlichen Siedlung, bedauerlich die geringe Dotierung der Position„Erhaltung von Baudenkmälern", bei der vor allem das Aachener Münster stärkere Berücksichtigung verdiene. Die Angriffe gegen die Fürsorgepolitik der Provinz müßten mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Der Redner gab dann ein Bild von der trostlosen Wirtschaftslage in den rheinischen Grenzgebieten. Die aktive Ostpolitik werde in ihrer Notwendigkeit vollauf erkannt; dem Westen tue jedoch eine gleiche Grenzhilfe not. Weiter nahm der Redner Stellung zu dem neuen Selbstverwaltungsgesetz=Entwurf, der nicht dazu angetan sei, die berechtigten Wünsche der Selbstverwaltung zu erfüllen. Für die Arbeitsgemeinschaft sprach Abg. Vielyaber, der der Drosselung des Etats zustimmte. Zu wünschen sei, daß dem Stillstand der Provinzialumlage in diesem Jahre eine Senkung im nachsten Jahre folge. Die Schulden der Provinz seien hoch, einer Vermehrung könne seine Fraktion nur schweren Herzens ihre Zustimmung geben. In Anerkennung der schwierigen Finanzlage bescheide sich der Ruhrsiedlungsverband mit dem im Haushaltsplan für ihn eingesetzten Zuschuß, der jedoch nicht einmalig sein dürfe. Bedenklich sei die Zunahme der Fürsorgelasten. Auch seine Frattion unterschreibe den Protest des Landeshauptmanns gegen den neuen Selbstverwaltungsgesetzentwurf. Der Sprecher der Sozialdemokratie, Abg. Mebus=Krefeld, führte etwa folgendes aus: Trotdem das Schicksal seinen Fuß auf den Nacken des deutschen Volkes gesetzt hat und es niederzuhalten versucht, leben wir im Ringen um eine bessere Zukunft, in einer großen Zeit. Als der furchtbare Krieg zu Ende ging und die junge deutsche Republik sich langsam, immer stärker werdend, zum Gemeingut des weitaus größten Teiles unseres Volkes zu machen verstand— schon damals, als die Inflation über uns hinwegfegte und das neue Deutschland in ihr zu vergehen drohte—, da wußten wir alle, und jeder Tag wollte es uns aufs neue sagen, daß Kriegsverlust und die damit verbundenen Kriegslasten in ihren politischen und wirtschaftlichen Folgen unsere Zukunft dunkel und freudlos machen würden. Wir, die wir hier an Rhein und Ruhr sitzen und den Druck der fremden Besatzung als sichtbares Zeichen roher Gewaltpolitik vielleicht am härtesten verspürten,— wir kennen das am besten! Und mehr denn je sollte uns diese Zeit der Not und der Unfreiheit Lehrmeisterin gewesen sein dafür, daß die Geschicke des neuen Europa nicht mehr mit Säbelgerassel und Bajonetten in der Hand, sondern mit den klugen, ruhigen, abwägenden und trotzdem messerscharfen Waffen des Geistes entschieden werden. Das neue Deutschland hat sich eine Republik als Staatsform gewählt, weil es nun einmal in seiner überwiegenden Mehrheit Widerspruch des Natsoz.) der Ansicht ist, daß diese Besonnenheit im Denken, dies ruhige, wenn auch reibungsvolle Abwägen und dieser neue demokratische Gedanke der Gleichheit aller Menschen im Staat einzig und allein Wegmeiser sein kann für eine bessere Zukunft— wenn nicht für uns, so doch für unsere Kinder. Vielleicht war keiner in dem Lager der Parteien, die unsere politischen Gegner sind, der trotz größter Gegnerschaft in den Reihen des sogenannten nationalen Deutschland und trotz des Parteidogmas, das auch ihn zeitweilig befangen hielt, soviel realen Sinn, soviel Fingerspitzengefühl zeigte für die werdenden Dinge des republitanischen Deutschland, wie der leider zu früh verstorbene Außenminister Dr. Stresemann. Um so mehr muß es gerade uns Rheinländer in Erstaunen und Bestürzung versetzen und uns weiterhin mit banger Sorge erfüllen, daß man in der neuen Regierung den fragwürdigen Mut aufbrachte, uns in Herrn Treviranus einen Minister vorzusetzen, dem man die Geschicke des besetzten rheinischen Gebiets anvertraut, der aber den Geist von Locarno in Stresemann bekämpfte und der Front macht gegen Genf und Haag. Wenn wir in dieser Sitzung des Rheinischen Provinziallandtages die letzte unter fremder Besatzung erleben, so dürfen wir als Rheinländer mit Freude erfüllt sein, daß uns Treviranus nicht früher beschert wurde, da er durch seine politische Einstellung eine Gefahr für das große Werk der Befreiung der Rheinlande gewesen wäre. Ob es unter dem Zepter der neuen Regierung möglich wird, unsere Brüder von der Saar bald wieder frei zu wissen, erfüllt uns mit banger Sorge. Der Gedanke des wahren Staatswohles, der nichts anderes ist als die Tatsache der Schicksalsverbundenheit aller Teile des deutschen Volkes, und der gerade uns hier am Rhein über alle Maßen bewegt, kann durch solche Ernennung wohl kaum gefördert werden. Auch kann es keine Frage sein, daß das ehemalige feindliche Ausland hierin eine politische“sovokation der soeben in Amt und Würden getretenen neuen Reichsregierung sieht. Sehr zum Schaden der weiteren günstigen Entwicklung des deutschen Ansehens in Europa. Man kann nun einmal nicht den Bock zum Gärtner machen. Das soeven gesturzte Kabinett Müller, das ein Kabinett der Besonnenheit und des klaren Blickes war, hat einen Nachfolger erhalten, von dessen politischem Gehalt im Hinblick auf die günstige Fortentwicklung des Gedankens der Schicksalsverbundenheit des gesamten deutschen Volkes der größte Teil desselben tiefinnerlich nicht überzeugt sein kann. Wenn wir an dieser Stelle dem Kibinett Müller den heißen Dank der rheinischen Bevölkerung aussprechen, so deshalb, weil dieses Kabinett in klarer Linie ganze Arbeit für die Freiheit der Rheinlande geleistet hat. Zwei große Fragen tragischen Inhalts drohen den Gedanken der Gemeinschaft, den Gedanken der Verbundenheit zu sprengen. Auf der einen Seite die Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigreit, eine Frage, die jeden ehrlichen Volksgenossen mit banger Sorge erfüllen muß und deren tatkräftige Lösung die Belange der schaffenden Bevölkerung erfordern. Hier alle Hebel ehrlichen Wollens anzusetzen, ist eine der vornehmsten Pflichten all derer, die sich berufen fühlen, Hand anzulegen an der Aufrichtung der schaffenden Schichten des deutschen Volkes. Es wird in der heutigen schweren Krisis nicht leicht sein, das Problem der Arbeitsbeschaffung zu lösen, aber auch im Landtag der Provinz müssen alle Dinge diesem großen Gedanken des Wollens dienstbar gemacht werden. Wir sind der Auffassung, daß bei ehrlichem Wollen der Behörden und der freien Wirtschaft Mittel und Wege zu finden und zu begehen sind, die eine Entlastung des Arbeitslosenmarktes ermöglichen. Von der Wirtschaft müssen wir forvern, daß sie sich nicht als Herr der Welt, sondern als dienendes Mitglied der Volksgemeinschaft sieht. Fort mit dem Standpunkt der vorkriegszeitlichen Herrenspielerei. Auf der anderen Seite sehen wir mit großer Besorgnis die Entwicklung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Ein harter, grausamer Krieg hat hier die automatische Entwicklung gestört. Die Landwirtschaft, infolge der Kriegsnot entblößt von allen Hilfsmitteln, ohne Betriebsmittel, ohne die erforderliche Kraft der Weiterentwicklung, sie wurde gleich den schaffenden Menschen ein Spielball des Schicksals. Unsere Not des Kriegselends versorgte die uns umgebenden Produktionsländer mit den Geldern der deutschen Not. Sie wurden stark im Ausbau ihrer Wirtschaft und heute ist diese ausländische Agrarwirtschaft, gespeist von den Notgroschen deutschen Hungers, der Feind der heimischen Bodenerzeugung geworden. Not ist aber immer der Lehrmeister der Entwicklung gewesen. Auch wir müssen von der Landwirtschaft fordern, daß sie sich den Belangen des neuen Lebens anpaßt und eine Produktionspolitik treibt, die allein geeignet ist, die Lebensnotwendigkeiten der eigenen Wirtschaft zu garantieren. Ein Fortfahren in alten, ausgefahrenen Gleisen in vom Uebel. Neue Verhältnisse, in der Umstellung der Weltwirtschaft liegend, verlangen neue Wege. Wir sehen in der heute betriebenen Subventionspolitik durch den Staat nicht die Förderung der Agrarwirtschaft, sondern wir sehen darin ein gefährliches Schlafpulver, welches geeignet ist, die Kraft des heute noch unverbrauchten Landvolkes verkümmern zu lassen. Es ist ein Fehler, begründet in alter vorkriegszeitlicher Einstellung, daß die Produktions= und Wirtschaftspolitik von Ost und West nur dem Osten, der Körnerwirtschaft dienstbar gemacht wird, wo doch jeder sehende Mensch erkannt hat, daß der Kriea die Produktions= und Absatzverhältnisse grundlegend veränderte. Wir müssen verlangen, daß die Landwirtschaft diesen veränderten Verhältnissen Rechnung tragt und eine Produktionspolitik betreibt, die analog der Produktion des Auslandes geeignet ist, die Kraft und den Willen des Bauernstandes einzupassen in das Erhaltungswerk des gesamten Volkes. Wir hier an Rhein und Ruhr, wir sehen und verspüren tagtäglich die Ueberlegenheit des Auslandes, wir wissen, daß harte Arbeit erforderlich ist, um die Umstellung der bäuerlichen Wirtschaft zu erreichen. Diese Umstellung des rheinischen Landvolkes ist möglich, weil ein bartes Muß Triebfeder des Wollens ist. Wir, die wir hier hart bedrängt durch die ausländische Konkurrenz, zur intensiveren Wirtschaft angeregt werden, wir mussen Lehrbeispiel für den Osten werden. Lehrmeister vor allen Dingen dahingehend, daß wir dem Osten zeigen, daß die Gelder, die in Form von staatlichen Krediten und Subventionen der Unterstützung der Produktion dienen sollen, angewandt werden nicht zur Erhaltung alter Produktionsmethoden und nicht zur künstlichen Lebensverlängerung absterbender Betriebe, sondern zur Anwendung und Herausarbeitung neuer Betriebszweige und ihrer rationellen Durchführung. Von diesen modernen Betriebszweigen nenne ich nur: Geflügelhaltung, Gemüsebau, Milchwirtschaft mit allen Nebenprodukten und die Zucht von hochwertigem Qualitätsvieh jeder Gattung. Das können wir aber nicht mit den überholten Ansichten des Ostens. Was will der Osten? Verteuerung sämtlicher landwirtschaft licher Produkte, vornehmlich des Brotkorns durch ungesunde preistreibende Einfuhrzölle, zum Schaden und zur wirtschaftlichen Schwächung der Verbraucher. Was will der Westen? Nicht Verteuerung der Produkte durch Zölle, sondern durch eine harte zielbewußte Intensi vierung der Betriebe; die Höchsteistung des Bodens erreichen ind durch eine schnelle und rationelle Heranführung des Erzeugers an den Verbraucher eine wesentliche Verbilligung des landwirtschaftlichen Produktes, und damit eine Steigerung der Kaufkraft der konsumierenden Bevölkerung. Wenn wir im Rahmen ehrlichen Wollens diese großen lebenswichtigen Fragen betrachten, müssen wir uns fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, diese Lebenserhaltungsfragen zur Durchführung zu bringen unter der Herrschaft eines Ministers Schiele, der als reiner Exponent ostlicher Belange anzusprechen ist. Wir sehen in diesem Minister eine Gefahr für die moderne Entwicklung. Viel lieber sähen wir in diesem Amt einen Vertreter der westlichen intensiven Wirtschaft. Wenn ich nun zu diesem Unglück den Präsidenten der rheinischen Landwirtschaftskammer hinzuzähle, der als beamtete Mittlerperson zwischen Staat und Bauernwirtschaft tätig sein soll. so sind wir der Auffassung, daß ein an sich leistungsfähiger Mensch zur Untätigkeit verdammt und wertlos wird, wenn er den heutigen Staat ablehnt. Es ist ein Unglück für die rheinische Landwirtschaft, daß der Kammerpräsident, der Förderer und Betreuer der bäuerlichen Belange sein soll, in so großem inneren Gegesnatz zur heutigen Schicksalsgemeinschaft, dem Staate, steht. Wenn ich die großen Gedanken wirtschaftlichen Geschehens und wirtschaftlicher Not vorangestellt habe, so ist dies geschehen, weil sich aus dieser Form der Betrachtung der Dinge unsere konsequente Einstellung zu den Einzelfragen des Haushalts der Provinzialverwaltung, die alle ineinandergreifen und alle das eine Ziel verfolgen: Die Kraft der rheinischen Lande und darüber hinaus des gesamten deutschen Volkes in Kultur und Wirtschaft zu heben, folgerichtig ergibt. Wir sehen in der Finanzgebarung der Provinz eine Gefahr für die ruhige Entwicklung. Wir haben auch hier der Gepflogenheit eines ordentlichen Haushaltsvorstandes zu folgen und uns von der kostspieligen Pumpwirtschaft fernzuhalten Es ist ein Unding, untragbare Schulden für die Zukunft zu machen und sich das Mäntelchen der Sparsamkeit auf Kosten der Zukunft umzuhängen. Wirtschaft ist hart: keine Ausgaben ohne Deckung soll und muß Parole sein, wenn wir die Zurunft meistern wollen. Deshalb sehen wir auch in der künstlichen Niedrighaltung der Provinzialumlage einen großen Fehler der Finanzgebarung der Provinzialverwaltung. Hier ist Anpassung an die tatsächlichen Dinge Pflicht der Stunde. Was soll es heißen, daß wir in der Provinzialumlage über 50 Prozent unter allen Provinzen stehen. Wollen Sie es Reich und Staat verdenken, daß sie die rheinische Provinz als überreich ansehen? Wer trägt die Kosten, nicht der Landeshauptmann, sondern das rheinische Volk muß die Folgen der verkehrten Wirtschaft tragen. Warum ungeheure Lasten im Zinsendienst, wenn wir so niedrig gegenüber allen anderen Provinzen in der Umlage stehen. Auch wir sind uns bewußt, daß dadurch den Gemeinden Lasten auferlegt werden, aber es geschieht doch nur, um einen größeren Kreis des Gemeinschaftslebens im Interesse von Verkehr, Wirtschaft und Kultur lebensfähig zu erhalten. Im Rahmen der Generaldebatte kann ich es mir versagen, auf die Vielseitigkeit der Einzelaufgaben einzugehen. Ich will nur kurz die wichtigsten Gebiete streifen. Zuerst die Straßenbauverwaltung. Hier stehen wir auf dem Standpunkt, daß die Vermehrung und Erhaltung guter Verkehrsstraßen dem wirtschaftlichen Leben der Provinz dienen. Hier die Mittel durch eine scharfe Erfassung und gerechte Verteilung zu erreichen, muß eine der wichtigsten Aufgaben der Provinzialverwaltung sein. Nicht die Ausdehnung des Bezirks darf hier maßgebend sein, sondern die Verkehrsdichte und die Zahl der heimischen Fahrzeuge muß den Schlüssel der Verteilung ergeben. Weiter sehen wir im Straßenbau ein wesentliches Moment der produktiven Arbeitsbeschaffung, die Verwendung heimischen Materials, die wiederum Anspannung heimischer Arbeitskrafte erfordert, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbswverständlich für uns— wenn ich damit einige Bemerkungen zur Fürsorge mache— ist die Forderung, daß die Behandlung und Erziehung dieser Fürsorgebedürftigen sich noch mehr als bisher den Erfordernissen moderner Erziehungswissenschaft und Seelenlehre anpaßt. Im besonderen begrüßen wir, daß unsere Anträge bezüglich Fortfall der körperlichen Züchtigung verwirklicht worden sind. Bedauerlicherweise ist unsere alte Forderung auf Schaffung einer Provinzialanstalt für weibliche Zöglinge noch immer nicht verwirklicht worden. Wir geben allerdings der Erwartung Ausdruck, daß dieses Manko an der modernen Forderung, gleiches Recht für alle, bald verwirklicht wird. Besondere Einzelwünsche werden wir bei der Beratung der Einzeletats vorbringen. Wenn ich zu Anfang meiner Ausführungen von der Schicksalsverbundenheit des deutschen Volkes gesprochen habe, so sind wir der Auffassung, daß innerhalb der Gemeinschaft für die schaffenden Stände eine neue gerechtere Raumverteilung nachdrücklichst gefordert werden muß. Wenn auch das Schicksal des deutschen Volkes einer rein bürgerlichen Reaieruna in die Hand gegeben ist, so wird die Macht naturgesetzlichen Geschehens nicht unterdrückt werden können. Der schaffende Hand= und Kopfarbeiter ist in Jahrhunderten stets die Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung der Völker gewesen. Dieser natürlichen Entwicklung alle Kraft zu leihen, wird stets unsere vornehmste Aufgabe sein, und gerade in der heutigen Notzeit des arbeitenden deutschen Volkes muß jeder an seinem Platze stehen und versuchen, dadurch das Gesamtschicksal zu meistern. Der Sprecher der Kommunisten, Aba. Riegel, machte Ausführungen, die mehr eine sozialdemokratische Grundlage hatten. Im übrigen waren es Tiraden über Sowjet=Rußland, das doch mehr und mehr eine privatkapitalistische Entwicklung annimmt. Ferner sprachen für die Wirtschaftspartei Abg. Dr. Stein, für den Christlichen Volksdienst Abg. Hennes und für die Nationalsozialisten Aba. Ley. der sich schon stark dem Alkohol ergeben hatte und so sich als parlamentarischer Clown gebärdete. Bei der zweiten Rednergarnitur verzichtete das Zentrum auf das Wort. Für die Arbeitsgemeinschaft sprach Abg. von Stedman, der rein agrarpolitische Ausführungen machte und besonders der Hochschutzpolitik das Wort redete. Für die sozialdemokratische Fraktion sprach Abg. Marx=Bonn, der sich gegen die agrarpolitischen Ausführungen von Stedmans wandte und besonders den Präsidenten der rheinischen Landwirtschaftskammer kennzeichnete, der kein Vertrauen verdiene. Ferner kennzeichnete er die gerichtlichen Feststellungen bei der Saatkartoffelstelle, die zu einer notwendigen Anfrage beim Preußischen Landtag geführt hat. Ferner wandte er sich gegen Ausführungen des Landeshauptmanns bezüglich der Arbeitslosenfrage und wies nach, wie bei der geplanten Sparsamkeitspolitik am falschen Ende gespart werde. Der Kampf gegen die öffentliche Wirtschaft schädige nur den Mittelstand, die Kreise des Handwerks. Fest stehe, daß für 9 Milliarden Mark Aufträge von Reich, Staat und Gemeinden dem Mittelstand zugute kommen. Durch die jetzige Sparsamkeitspolitik werde das unmoglich und nur das Handwerk wie die Arbeiterschaft leiden darunter. Gen. Marx betonte u. a. ferner die Notwendigkeit der Bereitstellung von Mitteln für den Wohnungsbau. Die weitere Debatte war belanglos, waren Plänkeleien zwischen den Rednern der kleinen Parteien. Der Mittwoch ist für die Kommissionsberatungen bestimmt. Am Donnerstag beginnt die Spezialberatung des Etats und der Anträge.—nn. * Sozialdemokratischer Antrag zur Behebung der Wohnungsnot. Die SPD.=Fraktion beantragt, dem Beschlußentwurf des Provinzialausschusses hinter Absatz 2 einen Absatz 3 einzufügen: 3. Für die Erstellung von 2=. 3= und 4=Zimmerwohnungen für Minderbemittelte auf gemeinnütziger Grundlage werden weitere 100000 MA als Zinsverbilligungsfonds in den Etat eingesetzt. An Stelle des in dem Beschlußentwurf vorgesehenen Abs. 3 wird ein Absatz 4 beantragt mit folgendem Wortlaut: 4. Der Verwaltungsrat der Landesbank wird ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß über den in Aussicht gestellten Betrag von 5 Millionen Mark binaus möglichst weitere 15 Millionen Mark zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaues zu einem angemessenen Zinsfuß zur Verfügung gestellt werden. Flachs Roman von Pierre Hamp. Aus dem Französischen. Verlag„Der Bücherkreis, G. m. b. H.“. Ganzleinen. Einbandentwurf von Lili Rethi, Wien. 327 Seiten. Preis 3.A. Ein eigenartiger und für Deutschland in einem bestimmten Sinne einzigartiger Roman! In vollkommener Einheitlichkeit wird der Zusammenhang des Denkens, Fühlens und Wollens einer Gesellschaft mit dem Produktionsprozeß aufgezeigt. In farbigen, französisch lebendigen Bildern enthüllt sich im Produktionsprozeß des Flachses das Geistesleben der Landarbeiter wie der Händler, der Kirchenleute nicht minder wie der national-flämischen Politiker; der Fabrikanten und Käufer nicht minder wie der Heimarbeiterinnen und wieder der Luxusdame bei ihren Einkäufen in den vornehmen Schneiderateliers. Ohne daß der Autor sich etwa zum marxistischen Sozialismus bekennt, handhabt er glänzend die historisch=materialistische Methode gesellschaftlicher Betrachtung. Flachs ist ein marristischer Industrieund Gesellschaftsroman. Durchaus objektiv geschrieben— objektiv in der Darstellung der Arbeiter wie ihrer Gegner—, enthüllt gerade die nüchterne Darlegung des Tatsachenkomplexes den Geist einer kapitalistisch lebendigen und leidenden Gesellschaft. Unvergeßlich prägen sich dem Leser die Einzelbilder ein: Spinnerei, Weberei, Bleicherei, Nähstube, Schneideratelier, Mannequin, weiße Woche. Köstlich die Schlußszene, wie sogar auf dem Hochzeitsfest— der Vereinigung von Soinnerei und Weberei— das kapitalistische Geschäft triumphiert. Nochmals: ein eigenartiger, ein sozialistisch proletarischer Roman. Wir werden nach dieser Vornotiz nochmals auf den Roman zu sprechen kommen. Wer cegiert die Schwerindustrie? Die neueste Entwicklung der deutschen Schwerindustrie unter dem Triumvirat Friedrich Flick=Fritz Thyssen=Otto Wolff analysiert Friedrich Olk in dem soeben erschienenen Heft 12 der Zeitschrift„Das freie Wort“. Er versucht zu ergründen, was das Proletariat im Ruhrtrust zu erwarten hat. Ernst Böse. Hamburg, untersucht die letzten Ereignisse in Sowjetrußland in ihrer wirtschaftspolitischen Auswirkung. An diese Artikel schließen sich Diskussionen über kommunalpolitische Fragen, Arbeiterreisen und Arbeiterfeste. Aussprache und Notizen enthalten eine Fülle anderweitiger Anregungen.—„Das freie Wort“ erscheint wöchentlich und kostet monatlich, durch die Post bestellt, 91 Pfg. Einzelhefte sind zum Preise von 20 Pfg. durch unsere Buchhandlungen zu beziehen. Probeexemplare versendet gratis und portofrei der Freie=WortVerlag. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. für tige die rfte1 n der rdederc voralswir iden ben udt in der zu in muß imtüber sche in, die erauf edders lans e 1 1 estnotrner zügder rde. taat die das betteln imt. und 5 6 e . 2 o2 5 = 1 t2 oo . S . 25 -ae a s e — s . k s -a: 02 . 2 -90, oe -e r3 . -=t, : 2 LE oe 8 ee *. 2 26 3 — . 2 ie — 2 S 22o 5-85 2o osea sk2 t.. o: s: a 8 2. e — 28 kas 2-5 22 2 (9 — 2 6052 2e 5 205 5a: = e 2-— e . 2o s1922 . 2 2e a 3 s = ege: 22:.. . 2e et . 2:2 82.9 e2 a8 0 5 E 93 E o. o--o. 25 25. 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