Buppertal Einzelpreis 15 Reichspfennig. Mittwoch, den 29. Januar 1930 Nr. 24. 46. Jahrgang Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 2.30 K.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen= und Zeitungsnummer gebeten. Anzeigenpreis: 1 mm Höhe(60 mm breit) 10 Reichspfennig Reklamen. 1 mm Höhe(92 mm br., 40 Reichspfennig.- Anzeigenrechnungen sind sofort gahlbar. Für Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Platzen u. f. teleph. Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Bei Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berückZeitung der Sozialdemokratischen Partei für das Bergische Land Redaktion: Elberfeld, Robertstr. 8a. Fernspr.: Morian 1041.— Hauptgeschäftsstelle: Elberfeld, Robertstr. 8. Fernspr.: Morian 1411.- Nebengeschäftsstelle: Barmen, Ref. Kirchstr. 13=15. Fernspr. 1194 Abonnements= und Anzeigen=Annahme: Langerfeld: Jesinghauserstraße 81. Remscheid, Freiheitstraße 42. Fernspr. 8825. Ronsdorf, Wiesenstraße 7. Belbert, Friedrichstraße 186, Fernsprecher 447. Die Militärdiktatur in Spanien nach 7 Jahren beendet Primo de Rivera zurückgetreten Riveras Todieind Minilterprälident Die Armee wollte nicht menr- Kurz vor dem allgemeinen Auiitana- Beireiungsjubel in Spanien Die Diktatur in Spa= nien ist zusammengebrochen. Ohne das Endresultat der unter den Offizieren des spanischen Heeres veranstalteten Abstimmung abzuwarten, hat der Diktator Primo de Rivera(im Bilde) bereits dem König seine Demission überreicht, die von diesem unverzuglich angenommen worden ist. Der Diktator war aller Wahrscheinlichkeit nach auf offiziösem Wege über die ersten Ergebnisse der Abstimmung unterrichtet worden, die so ungünstig für ihn ausfielen, daß über den endgültigen Ausgang kein Zweifel mehr bestehen konnte. Der König hat den Chef seines Militärstabes, den General Berenguer, den versönlichen Todfeind Primos, mit der Bildung eines parlamentarischen Kabinetts beauftragt. Mit allgemeinen Parlamentswahlen ist baldigst zu rechnen. Ehe Rivera dem König sein Rücktrittsgesuch einreichte, hatte er eine längere Unterredung mit dem obersten Kommandeur der spanischen Armee, General Julio Crespo und dem General Barrera. Kommandeur von Barcelona. Es verlautet, daß Barrera dem Diktator einen Bericht über die krit sche militärische Lage in Katalonien gegeben hat. Dieser Bericht soll es gewesen sein, der bei Primo de Rivera den Ausschlag gegeben hat, um den Rücktritt nachzusuchen. Nach dieser Sitzung begab sich Prinzo in Begleitung des Finanzministers und des Ministers des Innern in den Palait, wo er dem König sein Rücktrittsgesuch unterbreitete. Rivera soll bei dieser Gelegenheit erklärt haben, er sehe ein, daß es ein Irrtum gewesen sei, die militärischen und Marinechefs von Spanien einzuladen, über seinen Rücktritt oder sein Verbleiben zu entscheiden. In einer Note an die spanische Presse versucht der gestürzte Diktator seinen Abgang wie folgt zu beschönigen: Die Mitglieder Alles in der Schwebe Die Verhandlungen über die Umbildung der preußischen Reaierung sind auch am Dienstag keinen Schritt weiter gediehen. Die Bolrspartei, die sich bis Dienstagabend darüber entscheiden sollte, ob sie das Angebot des Ministerpräsidenten annimmt oder nicht, vertagte ihre Beratungen nach mehrstündiger Debatte auf Mittwoch. Ein Beschluß wurde nimt gefaßt. Die sozialdemokratische Landtagsfraktion, die sich ebenfalls mit der politisch=parlamentarischen Lage befaßte, beauftragte den Ministerpräsidenten, die Verhandlungen in dem bisherigen Sinne weiterzuführen. Eine Entscheidung über die Stellungnahme der Fraktion für den Fall, daß die Verhandlungen an den Demokraten scheitern sollten, wurde noch nicht getroffen. Die Möglichkeit einer Regierungskrise in Preußen ist jedoch nach wie vor nicht ausgeschlossen. Die Aussprache stand im Zeichen einer außerordentlich starken Entrüstung über das Verhalten der Demokratischen Partei, das allgemein dahin gedeutet wurde, daß die Demokraten ein Zustandekommen der Großen Koalition zu sabotieren suchten, um ihre augenblickliche, in keinem Verhältnis zu ihrer Fraktionsstärke von 21 Mann stehende Vertretung im Ministerium auch für die Zukunft aufrechtzuerhalten. Ministerpräsident Otto Brann dürfte die nächste Aussprache mit den Fraktionsführern wahrscheinlich am heutigen Mittwoch haben. Der Vorstand der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages hat der Fraktion am Dienstag sein Mandat zur Verfügung gestellt. Der Unterhändler des Zentrums, Abgeordneter Heß, hatte sich für den Fall der Großen Koalition mit dem sozialdemokratischen Abgeordneten König als Kultusminister persönlich einverstanden erklärt. Heß wurde in seiner Fraktion, insbesondere der Regierung haben, nachdem sie davon Kenntnis erhalten hatten, daß persönliche und Gesundheitsgründe mich veranlaßten, dem König unwiderruflich mein Demissionsgesuch zu unterbreiten, mir erklärt, daß diese Demission auch die ihrige im Gefolge hat. und haben mich gebeten, dem Könige die Demission der gesamten Regierung zu unterbreiten. Der König hat meine Demission sowie die aller Minister angenommen. Heute abend oder morgen werde ich meine letzte offiziöse Note veröffentlichen, in der ich die Gründe der Krise auseinandersetze und mich vom Lande und vom Heere verabschiede. Ich werde, um mit gutem Beispiel voranzugehen, auf meinem Posten bleiben, bis der neue Ministerpräsident sein Amt übernommen hat. * Die Diktatur des Generals Primo de Rivera hat rund sieben Jahre gedauert. Sie wurde bekanntlich möglich, weil die Offiziere der Armee aus Angst vor dem Verlust ihrer Posten die Fortführung des verlustreichen Marckkokrieges erzwingen wollten. Die spanische Diktatur trug vielfach andere Züge als die Diktatur Mussolinis. Primo rühmte sich stets, daß im Gegensatz zu Italien weder politische Mordtaten an den Gegnern des Regimes, noch sonstig: Gewalttaten in Spanien vorgekommen seien. Tatsächlich hatten abgesehen von der Militärrevolte in Barcelona vor zwei Jahren, bei der einige Meuterer standrechtlich erschossen wurden, die meisten Auflehungen gegen Primo einen verhältnismäßig friedlichen Charakter. In einem wirtschaftlich und geistig sehr zurückgebliebenen Land wie Spanien konnte sich die Diktatur trotz aller Fehler und Rückschläge so lange halten. Die sozialistischen Gewerkschaften lehnten es ab, für die liberale Bourgeoisie in ihrem Kampf gegen Primos Stellung die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Sie hielten es für zweckmäßiger, etwas für die Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterschaft zu tun was ihnen auch bis„a einem gewissen Grade gelang. Das„revolutionäre Komitee“ in Maorid ist eine bürgerliche Angelegenheit. Es scheint die große Schwäche, die Primos Rückfrage bei den Generalen bewies zu einem Vorgehen ausgenutzt zu haben. Zuverlässige Nachrichten besagten, daß die Provinzen am Vorabend eines Aufstandes waren. Die Garnison in Cadiz soll schon den Befehl zum Losschlagen erhalten haben. Der neue Ministerpräsident Bereuguer ist ein Vertrauter des Königs und gilt als einziger Mann, der die Krone durch die zu erwartenden Erschütterungen hindurch retten kann von dem katholischen Pfarrer Lauscher, außerordentlich scharf angegriffen. Er stellte daraufhin sein Mandat zur Verfügung. Der Vorstand der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages erklärte sich mit Heß solidarisch. Am Donnerstag wird der bisherige Vorstand der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages zweifellos in seiner alten Zusammensetzung wiedergewählt werden. („Demokratische Logik" siehe 2. Seite.) Dollarfälscher Fischer verhaftet? Ins Preßburger Gefängnis eingeliefert. Es ist am Montag der Gendarmerie in Tyrnan(Ungarn) gelungen, einen Mann beim Vertreiben von falschen 50. Dollarnoten festzunehmen. Der Verhaftete, der sich zunächst Georg Jcan Holdmann nannte und angab, aus KarpathoRußland zu stammen, gab bei seinem Verhör zu, Fischer zu heißen. Nach Ansicht der Tyrnauer Polizei handelt es sich um den von den deutschen Behörden im Zusammenhang mit der DollarFälscher=Angelegenheit steckbrieflich verfolgten Kaufmann Johann Fischer. Die Preßburger und Berliner Behörden sind von der Festnahme sofort verständigt worden. In den Taschen des Verhafteten fand man noch zwanzig gefälschte 50=Dollar=Noten. Fischer, der nach seinen eigenen Angaben am vergangenen Sonntag nach Tyrnau gekommen ist, verweigert über die Herkunft des falschen Geldes jede Aussage. Er wurde unmittelbar nach seiner Vernehmung ins Preßburger Gefängnis eingeliefert. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion tritt heute vormittag um 10 Uhr zu einer Aussprache über die politisch=parlamentarische Lage zusammen. Die Beratungen dürften den ganzen Tag in Anspruch nehmen. umgepflügte Von Hermann Wendel Mag die Zertrümmerung des Habsburgerreichs und die Entstehung oder Abrundung der Nationalstaaten der Polen und Tschechen, Südslawen und Rumänen geschichtlich noch so bedeutsam sein, wer auf der Landkarte nur neue Grenzen und Hoheitszeichen entdeckt, sieht verzweifelt wenig. Weit wichtiger ist eine soziale Umwälzung, die große Bauernbereiung, die sich seit 1918 im Östen und Südosten Europas vollzogen hat; sie sich vor Augen zu halten, gehört zu den Vorbedingungen für das Verstandnis auch der meisten politischen Erscheinungen jener Länder. Vor allem waren es die Ausstrahlungen der russischen Revolution, die in einem sehr wesentlichen Teil unseres Kontinents eine Wandlung, ja, einen vollkommenen Umsturz in der Besitzverfassung der Landwirtschaft bewirkten. Den agrarischen Unter= und Hintergrund der bolschewistischen Revolution hat schon vor zehn Jahren Otto Bauer=Wien einleuchtend gezeigt und klar dargetan, daß ihr Bleibendes der endgültige Uebergang des russischen Herrenlandes in Bauernhand sein wird. Da muß es zum Nachdenken anregen, daß der Sowjetismus gerade in Agrarländern nachhaltige Veränderungen erzeugte, während er keinen der Industriestaaten nach seinem Bilde umzuschaffen vermochte. Einer gewaltigen historischen Erscheinung zu nahe kommen heißt die Flecken auf der Sonne wahrnehmen; auch die große französische Revolution, durch die Lupe betrachtet, steckt voller menschlicher Unzulänglichkeiten, Bedenken, Fehler, Verfager und Rückzieher und leitet, als Ganzes genommen, nichtsdestoweniger einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte ein. Aehnlich mit der Agrarreform, die nach dem Weltkrieg vierzehn Staaten Mittel-, Öst= und Südeuropas ergriff und, vom Ausgangsland Rußland zu schweigen, namentlich in der Tschechoslowakei, in Südslawien und in Rumanien das soziale Antlitz der Erde umgestaltete. Die Einzelforschung legt bloß, wie rasch sich die anfängliche Agrarrevolution zu einer Agrarreform abschwächte, wie bald die neue herrschende Schicht Wasser in ihren eigenen Wein schüttete, wie oft der klare und kühne Sinn der Bauernbefreiung durch Parteiränke und politische und nationale Interessen verfälscht wurde; sie zeigt, daß vielfach der Landmann aus der Hölle nicht ins Paradies, sondern höchstens ins Fegfeuer gelangte, da er mit dem nackten Boden ohne Baulichkeiten und Betriebsmittel nichts anfangen konnte und in die Schuldknechtschaft der Banken geriet. Aber ein Blick auf den Vorkriegszustand des Gebiets, das heute der tschechoslowakische, der südslawische und der rumänische Staat einnehmen, genügt, um zu erkennen, daß trotz allem sozial der Boden unseres Erdteils auf Hunderttausenden von Quadratkilometern umuno umaepfluat worden ist. Die Tschechoslowakei ist ganz aus dem einstigen Oesterreich=Ungarn herausgeschnitten, das ein klassisches Land des Großgrundbesitzes war. Namentlich in den drei Provinzen Böhmen, Mähren und Schlesien, aus denen sich die Republik Masaryks zusammensetzt, feierte das LatiBelledowiky belaltet die Sowjetregierung Auch Paris hatte seinen großen TscherwonzenFälscherprozeß, bei dem sehr viele bekannte Persönlichkeiten als Zeugen vernommen wurden. Unser Bild zeigt den früheren Sowjet=Attaché Bessedowsky, der die Sowjetregierung des Gebrauchs gefälschter Geldmittel beschuldigte. Rücktritt des Voritandes der preußilchen Zentrumsiraktion Weiter gelpannte Lage in Preußen fundium seine Triumphe; neben der erdrückenden Masse der Bauern, die nicht Land genug zum Leben hatten, nannten 1730 Große zusammen vier Millionen Hektar ihr eigen; anders ausgedrückt: 0.,02 Prozent der Grundbesitzer verfügten über 28.2 Prozent der gesamten Bodenfläche. Nicht schöner sah es in den Ländern aus, die 1918 aus der Hand der Habsburger an den neugegründeten südslawischen Staat übergingen. In Dalmatien hielt das Kolonat, in Bosnien=Herzegowina das Kmetentum, das eine wie das andere ein aus dem feudalen Mittelalter überkommenes Naturalpachtsystem, die Entwicklung der Landwirtschaft hoffnungslos nieder; in Kroatien=Slawonien gehörte über ein Fünftel des Landes 209 Magnaten, 1139 Großgrundbesitzer bearbeiteten 310 000 Joch, während sich 406 264 Bauern in knapp zwei Millionen Joch teilen mußten; ähnlich schreiend war das Mißverhältnis zwischen Großen und Kleinen in der Vojvodina. Aber war wenigstens das Königreich Serbien, mit dem sich 1918 die österreichisch=ungarischen Striche des Südslawentums zum neuen Staat verbanden, ein vorbildliches Frei= und Kleinbauernland, so erschien das Koniareich Rumänien, der Kern des Großrumänien von heute, als Trutzburg des Latifundiums: hier 5385 Bojaren, die die Hälfte des Bodens besaßen, dort eine Million Bauern, auf die die andere Hälfte entfiel! Nicht ganz so schlimm, aber schlimm genug war es in Siebenbürgen, wo an dem einen Pol auf 0,48 Prozent der Besitzer 37 Prozent Bodenfläche, an dem andern Pol auf 87 Prozent der Besitzer 34 Prozent der Bodenfläche kamen. Und heute?“ In der Tschechoslowakei der Großgrundbesitz zerschlagen, 1,1 Millionen Hektar verteilt, rund 600 000 landlose oder landbedürftige Kleine zu einem bäuerlichen Eigen gelangt, in Sudslawien das Kolonnen- und Kmetenverhältnis mit einem Federstrich abgeschafft, das Latifundium zerstückelt, 413 000 Hektar an 233 000 Familien vergeben, in Rumänien der Anteil des Großgrundbesitzes an der bebauten Fläche von 48 auf 8 Prozent herabgedrückt, der des Kleinbauernguts von 39 auf 79 Prozent hinaufgetrieben! Das heißt wirklich den Boden umpflügen und ist, Millionen freier Kleinbauern auf die Beine stellend, eine einschneidende Tatsache, deren volle ökonomische, politische und kulturelle Tragweite wahrscheinlich erst kommende Geschlechter ganz abzuschätzen vermögen werden. Solches Beispiel riß nicht nur Länder wie Bulgarien und Griechenland, in denen der Großgrundbesitz eine weit geringere Rolle spielte, auf die gleiche Bahn, sondern neuerdings ist das Wort Agrarreform auch in den Sprachschatz Albaniens und der Türkei übergegangen. Im Lande Kemals wurden vor kurzem 90 000 Dönum Staatsbesitz und 20 000 Dönum enteigneter Großgrundbesitz an landlose Bauern verteilt, und der„Ghazi“ selbst gab die Losung aus, solche Bodenzuteilung eifrig fortzusetzen, und im Lande Achmed„ogus bastelt ein italienischer Fachmann am Entwurf eines Agrarreformgesetzes. Nur ist hier wie da zu starken Zweifeln allerhand Anlaß. Weder hat in der diktatorisch regierten Türkei die Bauernmasse auch nur den geringsten Einfluß auf die Staatsgeschäfte, noch gibt in Albanien eine andere Schicht den Ausschlag als die Kaste der Beas, der durch und durch mittelalterlich fühlenden und denkenden Grundherren. Daß eine Bodenreform aber zum Zerrbild ihrer selbst wird, wo eine feudale Herrensippe das Heft fest in der Hand hat und des Drucks von unten entbehrt, beweist Ungarn. In dieser verhinderten Monarchie ward die Agrarreform, in revolutionären Zeiten verheißen und be gonnen, Anno 1929„beendet“. Ergebnis: etwa 10 000 große Besitzer haben immer noch ebensoviel Land wie 840 000 Kleinbauern und Dorfproletarier! Demokratische Logik Um ihre bisherige Position in Preußen zu halten, die ihnen bei 21 Mann Fraktionsstärke drei Ministersitze gibt, haben die Demokraten ein ganzes Feuerwerk von Scheinargumenten losgelassen. Ueberprüft man diese, so tritt die Lächerlichkeit der demokratischen Behauptungen glatt zutage. Wir haben gleich gestern ironisch festgestellt, daß die Demokraten sich neuerdings als die konfessionellen Beschützer des evangelischen Volksteiles aufspielen. Wie weit ihr Protest gegen den Dissidenten Christoph König mit demokratischer Weltanschauung harmoniert, das mogen sich ihre Anhänger im Lande selber beantworten. Weiter ist die demokratische Presse vom Sparsamkeitsfimmel ergriffen, und stellt es als ungeheuerliche und untragbare Belastung bin, wenn in Preußen ein Minister ohne Portefeuille geschaffen wird, der übrigens kein Gehalt, sondern nur eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten würde Dabei haben dieselben Demokraten, um in das württembergische deutschnationale Kabinett Bazille zu kommen, für Württemberg der Schaffung eines Ministers ohne Portefeuille zugestimmt! Ebensowenig hat die demokratische Presse sich darüber aufgeregt, daß die Thüringer Volksparteiler, um ins nationalsozialistische Kabinett Frick zu gelangen, sich des gleichen Mittels bedient haben. Nur in Preußen ist ein Minister ohne Portefeuille unmöglich— nämlich, wenn über diese Einrichtung ein Sozialdemokrat Kultusminister werden könnte! Die friedlichen Schlänglein Realtionäre wollen ins Geschäft Die„Volkskonservative Vereinigung“ stellte sich am Dienstagabend der Oeffentlichkeit mit programmatischen Reden der früheren deutschnationalen Abgeordneten Treviranus, SchlangeSchöningen, Klönne und Lambach vor. Kein Zweifel, daß hier die besten Köpfe aus dem Lager der Deutschnationalen Partei ihre Meinung über politische Vergangenheit und Zukunft zum Ausdruck brachten. Vieles, was heute von der Deutschnationalen Partei angebetet wird, wurde insbesondere von den Abgeordneten Treviranus, Schlange=Schöningen und Lambach über Bord geworfen. Sie wollen die Monarchie im alten Sinne nicht mehr anerkennen. Sie treten auf den Boden der gegebenen Tatsachen, ohne die Weimarer Verfassung als endgültig anzuerkennen. Sie wollen die„Verständigung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern". Sie erkennen die Gewerkschaften an und betrachten den„wirtschaftlichen Ausgleich“ nicht nur als notwendig, sondern als selbstverständlich. Ihr Ziel läuft darauf hinaus, praktische Politik(lies: Ministersessel) für die Zukunft zu treiben, die Vergangenheit zu vergessen und in Gemeinschaft mit allen Elementen, die staatserhaltend sind, an dem Aufbau des Staates, wie er ist, mitzuarbeiten. Etwa tausend einstige Vertreter der Deutschnationalen Partei wohnten der Versammlung der Volkskonservativen Vereinigung aus allen Teilen des Landes im Herrenhaus bei. Die Erwartung der unter Führung von Treviranus stehenden Volkskonservativen Vereinigung geht dahin, daß sch ihr auch noch Persönlichkeiten aus anderen Lagern anschließen. Der Strafrechtsausschuß des Reichstags beschloß am Dienstag, mit der zweiten Beratung des Republikschutzgesenes am 4. Februar zu beginnen. Größeres Zündholzkontingent der Konsumgenossenschaften Die Kreugeranleihe endgültig beschlossen Der Reichstag hat am Dienstag das Zündwarenmonovelgeset und die damit verbundene Anleihe über 500 Millionen Mark mit dem Kreugertruft mit 240 gegen 113 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen angenommen. Die Sozialdemokratie hat ihre Zustimmung gegeben. Trotz erhehlichen Widerstandes stimmte auch die Deutsche Bolkspartei zu, deren Fraktion für diesen Fall ausdrucklich Fraktionszwang beschlossen hatte. Die 3. Beratung des Zündholzwarenmonopolgesetzes am Dienstag war nur kurz. Lediglich der deutschnationole finanzpolitische Führer Hergt und ein Kommunist nahmen das Wort. Ein Beweis dafür, wie schwach die Stellung der Opposition in dieser Frage ist. Auch wenn man eben noch so große Bedenken gegen dieses Monopel mit starkem Einfluß ausländischen Kapitals hat, läßt sich ein anderer Ausweg bei der Finanzlage des Reiches nicht finden. Diese Bedenken waren und sind bekanntlich auch in der Sozialdemokratie vorhanden. Man hat sie zurückgestellt und die Reden der Opposition haben deutlich genug gezeigt, daß weder rechts noch links von uns ein besserer Vorschlag im Rahmen des dringend notwendigen Sanierungsprogramms für die Reichsfinanzen zu finden ist. Für die Zustimmung der Sozialdemokratie warentscheidend daß die Anleihe zur Sanierung der Kasse des Reiches unbedingt erforderlich ist, daß auf anderem Wege gegenwärtig ein so hober Betrag von einer halben Milliarde Mark nicht aufgebracht werden kann, und daß das Scheitern dieser Anleihe mit unfehlbarer Sicherheit zu einer erneuten Zahlungskrise des Reiches führen würde. Außerdem gelang es der Sozialdemokratie. den Vorstoß sämtlicher bürgerlichen Parteien gegen die genossenschaftliche Zündholzproduktion im wesentlichen zurückzuweisen und den Versuch, auf diesem Wege dem Genossenschaftsgedanken einen schweren Schlag zu versetzen, zum Scheitern zu bringen Die Vorlage der Reichsregierung die unter dem sozialdemokratischen Reichsfinanzminister Dr. Hilferding entstanden ist, sah vor. daß der Großeinkaufs=Gesellschaft deutscher Konsumvereine eine Jahresproduktion von 23000 Kisten garantiet werde und außerdem ein jährlicher Zuwachs von 1½ Prozent gleich 345 Kisten. Da die Produktion der GEG. im Jahre 1929 nur etwa 20 000 Kisten betrug und der Zündholzverbrauch ziemlich stabil ist, so war damit eine erhebliche Ausdehnung der genossenschaftlichen Produktion gesichert. Gegen diese Bestimmung richtete sich daher der ganze Ansturm des Handels, de von den Zündhölzern, die die Genossenschaften herstellen, eine schwere Konkurreng zu erwarten hat. Nicht nur. weil die Genossenschaften nach dem ursprünglichen Vorschlag der Reichsregierung unter dem Kleinverkaufspreis von 30% verkaufen können, sondern vor allen Dingen, weil ihre Zündhölzer aus weit besserem Material hergestellt werden. Sie entsprechen in der Qualität den Zündhölzern, die vom freien Haudel zu einem wesentlich höheren Preise als 30 9 pro Paket verkauft werden. Unter der Führung Sachsens hat der Reichsrat Beschlüsse gefaßt, die der genossenschaftlichen Produktion überaus starke Fesseln anlegen. Die Aufgabe im Reichstage war deshalb für die Sozialdemokratie besonders schwierig, denn sie mußte nicht nur den Widerstand der bürgerlichen Parteien brechen, sondern der Vorlage auch eine Gestalt geben, durch die ein Einspruch des Reichsrats verhindert wurde. Diese Aufgabe ist erfolgreich gelöst. Statt der 19000 Kisten, die der Reichsrat für die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine vorgesehen hatte, sind die 23 000 Kisten mit dem Recht für einen jährlichen Zuwachs von 1 Prozent, gleich 230 Kisten, durchgesetzt worden, die Sicherung für weitere Ausdehnung der genossenschaftlichen Produktion ist also gegeben. Der Versuch, die Genossenschaften zu zwingen, schlechtere Zündhölzer herzustellen, wurde ebenfalls abgeschlagen. Tagegen wurde der Kleinhandelshöchstpreis von 30 5, der den Konsumgenossenschaften gestattet hätte, ihre Ware auch unter diesem Preise zu verkaufen, zu einem Kleinverkaufspreis von 30§ umgestaltet, der weder unter- noch überschritten werden darf. Es ist bedauerlich, daß diese Konzession gemacht werden mußte, aber da dies schließlich der einzige wichtige Streitpunkt zwischen Sozialdemokratie und den bürgerlichen Regierungsparteien war, konnte daran der Gesetzentwurf nicht zum Scheitern gebracht werden. Höher als dieser kleine Nachteil, dessen Auswirkungen für die Genossenschaftsmitglieder nicht erheblich sind, da sie durch eine höhere Rückvergütung schadlos gehalten werden können, steht die Erwägung, daß der Angriff auf die genossenschaftliche Eigenproduktion überhaupt abgewehrt wurde und mit der Anleihe ein wichtiger Schritt zur Sanierung der Reichsfinanzen getan wird. Kommunisten gegen Bergarbeiterschutz Pädagogische Akademie in Altona Der Preußise Landtagerledee am Die Ja zunächst in zweiter Lesung den Haushalt der Staatsdomänen für 1930. Die Abstimmung über die angefochtenen Titel und die zum Etat gestellten Anträge findet heute, Mittwoch, den 29. Januar, nachmittags 2 Uhr, statt. Es folgte die Abstimmung über den Haushalt der Staatsforsten. U. a. wird der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, eine Altersversorgung für die Forstarbeiter zu schaffen. Dagegen wird der sozialdemokratische Antrag, auch den Forstarbeitern die Möglichkeit zu geben, in Beamtenstellen aufzurücken, angenommen.— Die darauf folgende Abstimmung über den Bergetat ergibt die Annahme des Antrages, die Staatsregierung um Einwirkung auf die Reichsregierung zu ersuchen, bei der Reichsbahn unter keinen Umständen neue, erhöhte Frachttarife für Brennstoffe zuzulassen, und die Annahme eines Antrages, denjenigen Grubenarbeitern, die durch Stillegung von Zechen gezwungen sind, Arbeit in einem entfernten Bergbaubetrieb anzunehmen, dadurch zu helfen, daß das Staatsministerium auf die Kommunalverwaltungen einwirkt, schnellfahrende Verkehrsmittel zu schaffen. Angenommen wurde ferner ein kommunistischer Antrag, der das Staatsministerium ersucht, darauf zu achten, daß die bergpolizeilichen und gesetzlichen Bergarbeiterschutzmaßnahmen innegehalten werden. Gegen diesen, ihren eigenen Antrag, stimmten auch die Kommunisten zusammen mit der Volkspartei und den Deutschnationalen, weil ihr Zusatz, daß unter keinen Umständen Ausnahmen gemacht werden dürfen, abgelehnt wurde. Angenommen wurde ferner ein Antrag, bei Rückgliederung des Saargebiets nach Deutschland dahin zu wirken, daß die Saargruben sowie alle aufgeschlossenen und nicht aufgeschlossenen Kohlenfelder ungeschmälert in den alleinigen Besitz des preußischen bezw. bayerischen Staates zurückgelangen und daß dabei die berechtigten Interessen der Bergarbeiter ausreichend gewahrt bleiben. Der Antrag des Unterrichtsausschusses, die für die Provinz Schleswig=Holstein vorgesehene pädagogische Akademie in Altona zu errichten, wird mit 169 gegen 140 Stimmen angenommen. Damit ist der Antrag der Volkspartei auf Errichtung der pädagogischen Akademie in Flensburg abgelehnt. Schließlich verabschiedet das Haus noch die kleineren Haushalte der Oberrechnungskammer, der Staatsschuld, der Münzverwaltung und des Deutschen Reichs= und Preußischen Staatsanzeigers. Der Parteikampf geht weiter Koalitionsfreunde stoßen vor Paris, 29. Januar.(Eigener Funkspruch.) Die Kampfansage der auf dem Pariser Parteitag der sozialistischen Partei Frankreichs geschlagenen Minderheit war keine leere Drohung. Am Dienstag traten die Anhänger der Regierungsbeteiliauna in der Kammerfraktion, die nicht weniger als 71 von 100 sozialistischen Abgeordneten zöhlen, zu einer Protestsitzung zusammen. Sie beschlossen die sofortige Einleitung einer energischen Propaganda-Kampagne in den Provinzverbänden und forderten proportionale Vertretung der Minderheit in allen Parteunstanzen. Endlich verlangten sie, daß in Zukunft die Führung der parlamentarischen Fraktion nicht von dem Parteichef Leon Blum allein ausgeführt werden soll, sondern von einem mehrköpfigen Direktorium. Der Zwist zwischen den beiden Strömungen der französischen Sozialisten droht also weiter die Stoßkraft der Partei aufs bedenklichste zu lähmen. Fortschritt der Flottenkonferenz London, 28. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Die Delegierten der fünf auf der Flottenkonferenz vertretenen Seemächte haben nunmehr die langwierigen Erörterungen über die Tagesordnung der Konferenz abgeschlossen und mit der Reihenfolge der zu erörternden Fragen die erste große Schwierigkeit, der sich die Konferenz gegenüber befand, erfolgreich überwunden. Der einzige wichtige neue Gesichtspunkt, der im Laufe des Dienslags auftauchte, war die Frage der Einschließung der Handelsschiffe in die Tagesordnung. Der japanische Delegierte Wakatsuki wies darauf hin, daß der Washingtoner Flottenvertrag ein Verbot der Ausrüstung von Handelsschiffen für kriegerische Zwecke enthalte; der Artikel des Washingtoner Vertrages sei jedoch infolge der Entwicklung der Militär=Luftschiffahrt und aus sonstigen Gründen in seiner gegenwärtigen Form nicht mehr brauchbar. Nach Auffassung der japanischen Delegation muß die Konferenz das ganze Problem der Bewaffnung der Handelsschiffe und ihrer Verwendungsmöglichkeiten als Flugzeugmutterschiffe neu behandeln. Diese Anregung wurde angenommen und die Erörterung der Frage auf der Konferenz beschlossen. Die Beschlüsse des Dienstags werden der Vollkonferenz am Donnerstag zur Billigung vorgelegt werden. Am Dienstagnachmittag fand eine Reihe Sonderverhandlungen zwischen England und Japan und später zwischen Engländern und Franzosen statt. Die Einzeldiskussionen werden am Mittwoch fortgesetzt werden. Die Festsetzung der Tagesordnung und damit der Abschluß der ersten Etappe der Konferenz hat den französischen Ministerpräsidenten Tardieu zu dem Entschluß veranlaßt, im Laufe der nächsten Tage nach Paris zurückzukehren und Briand als Delegationsführer in London zurückzulassen. Tardieu hat jedoch zu verstehen gegeben, daß er, falls nötig, bereit sei, jederzeit wieder nach London zurückzukehren. Flucht aus der Demokratenpartei Die frühere Landtagsabgeorhnete Frau Ehnig ausgetreten Die frühere Landtagsabgeordnete und Geheimrätin Frau Ella Ehnig, Mitglied des Landesausschusses der Deutschen Demokratischen Partei Württembergs und Vorsitzende der Schwäbischen Hausfrauen=Verbände, ist aus der Deutschen Demokratischen Partei ausgetreten. Frau Ehnig, die in der demokratischen Frauenbewegung eine führende Stellung einnimmt und die Partei auch finanziell immer stark unterstützt hat, begründet ihren Schritt mit dem Eintritt der Demokraten in die württembergische Rechtsregierung. Der beschimpfte Bolkskommissar Warschau, 29. Januar.(Draytbericht.) In einem hiesigen Lokal jüdischer Literaten und Journalisten drangen gestern abend während eines Vortrags des früheren Volkskommissars in der ersten russischen Räteregierung, Dr. Steinberg, unter Geschrei eine Anzahl Kommunisten in den Saal, die den Vortragenden mit Eiern bewarfen. Zwischen den Zuhörern und den kommunistischen Eindringlingen entspann sich ein Handgemenge, wobei die ganze Einrichtung des Lokals zerstört wurde. Rache der Paris, 29. Januar.(Drahtbericht.) Das geheimnisvolle Verschwinden des russischen Generals Alexander Kutepiow war bereits gestern in russischen Emigrantenkreisen auf einen bolschewistischen Anschlag zurückgeführt worden. Heute verdichtet der„Matin“ diese Vermutung zu der Behauptung, daß Kutepiow am Sonntag, als er sich zu Fuß zur russischen Kathedrale begab, in einem Auto entführt wurde. Alles weise darauf hin, daß Kutepiow das Opfer einer politischen Rache der GPU. geworden sei. Mordkomplott in Mexiko Neuyork, 28. Januar.(Eigener Drahtbericht.) In Mexiko City wurde ein neues Mordkomplott gegen den Präsidenten Portes Gil und Ortiz Rubio aufgedeckt. 17 seit mehreren Tagen verhaftete Personen sind, nach polizeilichen Mitteilungen, geständig. Die Verschwörer, die der Partei Vasconzelos angehören, planten Sprengung von Regierungsgebäuden, Ermordung führender Staatsmänner und Ausrufung einer Regierung Vasconzelos. Die Polizeibehörden treffen zum Regierungswechsel am 6. Februar umfangreiche Vorsichtsmaßregeln. Der Gründer der norwegischen Sozialdemokratie. Paul Jeppesen, ist am Dienstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Er war ein geborener Däne und ist mit 21 Jahren als Bürstenbindergeselle in Norwegen eingewandert. Viele Jahre war er Redakteur des„Sozialdemokraten“ und Führer der norwegischen Sozialdemokratie. n Anossenarten lichen von ZundSie Haurkauft hlüsse starke die sie chen seben, urde. 1 die asumfür urch= gedie tellen, idelsstattet zu der ißie. n1i ppar. eitern Aussind. erden geupt ichzen bergahlacht ein nach auftälert aates Bergoving e in amen auf der und Sanierung durch Steuererhoͤhung Vorschläge zur Deckung der Fehlbeträge Der von der Regierung vor einigen Tagen vorgelegte Nachtragsetar sieht Mehrausgaben in Höhe von 544 Millionen und Mindereinnahmen in Höhe von 349 Millionen Mark vor. Die Deckung des Gesamtbedarfs von 893 Millionen Mark soll wie folgt durchgeführt werden: 1. Durch die Annahme des Houngplans vermindert sich die Belastung des Haushalts mit Reparationszahlungen um rund 464 Millionen. 2. Mit Wegfall des Dawesplanes braucht die Industriebelastung von jährlich 800 Millionen nicht mehr abgeführt zu werden. Die Regierung kann daher die erste Halbjahrsrate von 150 Millionen, die bereits im Februar gezahlt werden soll, zur Hausbaltsdeckung mit heranziehen. 3. Trotzdem bleibt noch ein restlicher Fehlbetrag von 278 Millionen, für den keine Deckung vorhanden ist und der infolgedessen nach dem Vorschlag der Regierung auf Anleihe übernommen werden soll. Diese neue Anleiheermächtigung von 278 Millionen wird in der Hauptsache benötigt, um die zusätzlichen Darlehen an die Arbeitslosenversicherung von 222,5 Millionen aozudecken und die Beteiligung des Reiches an der Preußenkasse mit 50 Millionen zu etatisieren. Die Gestaltung der Deckungsvorschläge zeigt am klarsten, daß es der Reichsregierung nicht moalich erscheint, bereits durch den Nachtragshaushalt 1929 die vollständige Sanierung des Reichsbaushalts durchzuführen. Ursprünglich war beabsichtigt, mit Hilfe der Reparationserleichterung im Rechnungsjahr 1929 nicht nur das ganze Defizit von 1929, sondern auch den Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1928 von 154 Millionen abzudecken. In der vorliegenden Fassung verzichtet aber der Nachtragshaushalt nicht nur auf die Ausgleichung des Fehlbetrages 1928, sondern weiß selbst für die Deckung des Fehlbetrages 1929 in Höhe von 278 Millionen keinen anderen Rat als die Erhöhung der Anleiheermächtigung. Praktisch bedeutet das, daß Fehlbeträge von insgesamt 482 Millionen auf den Haushalt 1930 verschoben werden. Da dieses Rechnungsjahr außerdem durch die Bildung des Tilgungsfonds mit 450 Millionen vorbelastet ist, müßten streng genommen im Rechnungsjahr 1930 allein aus diesen beiden Ursachen für 882 Millionen neue Einnahmen beschafft werden. Es besteht aber die Möglichkeit, die Abdeckung der Fehlbeträge von 1928 und 1929 auf den Tilgungsfonds zu verrechnen, weil diese Summen kassenmäßig bereits größtenteils verausgabt sind und gerade die Schwierigkeiten in der Reichskasse hervorgerufen haben, die zur Bildung des Tilgungsfonds geführt haben. Auf jeden Fall kann nach dieser Gestaltung des Nachtragshaushalts. 1929 kein. Zweifel mehr darüber bestehen, daß im Rechnungsjahr 1930 nicht nur an keine Steuersenkungen gedacht werden kann, sondern sogar erhebliche Steuererhöhungen vorgenommen werden müssen, wenn im Rechnungsjahr 1930 die Sanierung des Reichshaushalts einigermaßen zum Abschluß gebracht werden soll. Notlage des rheinischen Baugewerbes Sanierung auf Kosten des Baugewerbes Am 13. Januan fand in Kölneine Sitzung des Fachausschusses für das Baugewerbe beim Landesarbeitsamt Rheinland statt. Bei der Erörterung der das Baugewerbe interessierenden arbeitsmarktpolitischen Fragen stand natürlich die außerordentliche Notlage des rheinischen Baugewerbes im Vorderarund. Während des ganzen Jahres 1929 war die Beschäftigungslosigkeit außerordentlich groß, selbst in der besten Bauzeit, in den Sommermonaten, meldeten die Arbeitsämter im Landesarbeitsamtsbezirk Rheinland mehr als 20 000 arbeitsuchende Bauarbeiter. In den letzten Monaten stiegen die Zahlen in erschreckender Weise, so daß bereits vei Jahresschluß 63 000 Banarbeiter in der Rheinprovinz arbeitslos waren. Bei der Schlüsselstellung des Baugewerbes geben diese Zahlen nur ein unvollkommenes Bild über die tatsächlichen Auswirkungen der Beschäftigungslage des Baugewerbes, da mittelbar auch hiervon der Arbeitsmarkt im Baunebengewerbe und der für das Baugewerbe produzierenden Industrien beeinflußt wird. Die im Baufachausschuß vertretenen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände des rheinischen Baugewerbes wiesen mit allem Nachdruck auf den Ernst der Situation hin. Es wurde nicht verkannt, daß bei der allgemein schwierigen wirtschaftlichen Lage, bei den Verhältnissen auf dem Kapitalmarkt und bei der angespannten Finanzlage von Reich, Ländern und Kommunen die Finanzierung und Förderung der Bautätigkeit mit Schwierigkeiten verbunden ist. Mit aller Entschiedenheit wurde jedoch dagegen Stellung genommen, daß versucht wird, einen wichtigen Zweig der Volkswirtschaft, nämlich das Baugewerve, in Zeiten der Depression einfach abzudrosseln in der Annahme, dadurch eine Gesundung der Verhältnisse herbeizuführen. Wenn auch gegen die vom Vorstand des Deutschen Städtetages angekündigten Sparmaßnahmen grundsätzliche Bedenken nicht bestehen, so muß aber doch der Versuch, diese Sparmaßnahmen am falschen Ende durch einseitige Abwälzung auf das Baugewerbe durchzuführen, abgelehnt werden, da er dazu führt, eine der wichtigsten Teile der deutschen Wirtschaft stillzulegen. Es darf nicht verkannt werden, daß die Bauwirtschaftein wichtiges, produktive Werte schaffendes Glied innerhalb der Volkswirtschaft ist. Die für das Baugewerbe zur Verfügung gestellten Mittel sind produktiv angelegt und weiterhin dazu geeignet, befruchtend auf andere Gewerbe und Industrien zu wirken. Es erscheint daher ein dringendes Gebot der Stunde, nach Kräften dafür zu sorgen, daß das Baugewerbe im Interesse der Gesamtwirtschaft und der Arbeitsmarktlage im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten wieder angekurbelt wird. Zu diesem Zwecke ist die Weiterführung von bereits begonnenen Bauarbeiten, die sofortige Inangriffnahme von Notstandsmaßnahmen und die gleichzeitige Vorbereitung und Durchführung eines Gesamtbauprogramms für das Jahr 1930 ein dringendes Erfordernis. Zuckerpreis beispiellos niedrig Preisbewegung auf dem Weltmarkt Keine Entspannung auf den Warenmärkten Während sich auf den Geldmärkten der Welt zusehends Erleichterungen durchsetzen, zeigen die Warenmärkte kaum eine Entspannung. Der Druck hat sich vielmehr verstärkt, und in einer Reihe von Fällen ist es zu neuen schweren Kurseinbrüchen gekommen. Am besten wird ja die Lage durch die Getreidemärkte charakterisiert, wo die verschiedenen staatlichen Eingriffe den Rückgang der Preise nicht abstoppen konnten. Die Weizenpreise sinken weiter. Der Roggenpreis liegt unter Friedensstand, und auch von der vorläufigen Einigung zwischen Deutschland und Polen über den Roggenerport erwartet man in Fachkreisen keine Entlastung des Marktes. Für diese Auffassung spricht auch der zunehmende russische Export, der den Markt vollständig in Unordnung bringt, nachdem er schon wochenlang unter dem hochgetriebenen Angebot aus den Donauländern gelitten hat. Selbstverständlich gewinnt die Idee, durch Eingriff in die Produktion zu günstigeren Preisen zu kommen, immer mehr Anhang, und zwar mehren sich die Freunde für solche Experimente in dem Maße, wie die Preise sinken. So purzelten z. B. die Gummipreise in den letzten Wochen auf einen neuen Tiefstand, was zur Folge hatte, daß man sich in der Hochburg des Individualkapitalismus, in Holland, intensiver mit„Valorisierungsplanen" beschäftigt. Die Holländer scheinen sich auch grundsätzlich mit den Engländern, mit denen sie die Kautschukproduktion fast restlos beherrschen, über eine Produktionsdrosselung geeinigt zu haben; ob aber die erörterten Valorisierungspläne durchgeführt werden, steht vorläufig auf einem anderen Blatt. Auf dem Papier lassen sich derartige Experimente nämlich weit schneller verwirklichen als in der Praxis. Das sehen wir am besten beim Zucker. Wie man es beim Zucker zu machen hätte, um gesteigerte Preise zu erzielen, darüber ist man sich seit Jahr und Tag einig. Aber die Versuche eines internationalen Zusammenschlusses sind bis jetzt mißglückt. Dabei geht, nach den letzten vorliegenden Berechnungen, die diesjährige Zuckererzeugung, wenn sie auch gegenüber dem Vorjahr leicht verringert ist, weit über den Verbrauch hinaus. Alle Welt stürzt sich deshalb wieder auf den Zuckerexport. Dadurch erklärt sich, daß die Zuckerpreise auf dem Weltmarkt beispiellos niedrig liegen, d. h. auf dem Weltmarkt, nicht in Deutschland, wo man höhere Preise, rund die doppelten, bezahlt, weil man aus dem überteuerten deutschen Zuckerpreis ja noch den deutschen Zuckerexport finanzieren muß. Aber der beispiellos billige Weltmarktpreis für Zucker hat den Verbrauch fürs erste nicht angeregt. Das gilt u. a. für das wichtigste Zuckerverbrauchsland, die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Auch die Verhältnisse in England sind dem Absatz nicht günstig. Dort wartet man nämlich, ob Mister Snowden in seinem nächsten Haushaltsentwurf den Zuckerzoll wirklich aufheben wird oder nicht. Ter Kaffeemarkt lag in den letzten Wochen weiter ruhig. Ueber die Baumwollernte ist man sich seit längerer Zeit im klaren, auch darüber, daß sie. wenigstens in Amerika, diesmal einen unverhältnismäßig hohen Prozentsatz Ware enthalten wird, die nicht angedient werden konn. Man muß aber berücksichtigen, daß nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der tatsächlich geernteten Frucht unmittelbar über die großen Zeitmärkte läuft; die Spinner, insbesondere die Spinner Amerikas und Deutschlands, haben gelernt, auch die abfallenden Qualitäten zu verarbeiten. Da anderseits die amerikanische Wirtschaftskrise den Verkauf von Geweben in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und die chinesischen Wirren und die politischen Bewegungen in Indien den Verkauf von englischen Baumwollartikeln nach Ostasien unter Druck halten, ist die Stimmung am Baumwollmarkt zum mindesten nicht fest, obgleich sich die Notierungen in der letzten Zeit unter Schwankungen etwas erholen konnten. Am Wollmarkt sieht es ähnlich aus, wenn hier auch andere Gründe sprechen. Es scheint sich nämlich bei der Wolle die Tatsache schärfer auszuprägen, daß ihr von der Kunstseide das Feld immer mehr abgegraben wird, insbesondere bei Damenunterkleidung und Damenstrümpfen. Auf den Metallmärkten haben sich die Hoffnungen auf eine Belebung im neuen Jahr nur teilweise und nur vorübergehend erfüllt. So hat sich die amerikanische Metallverarbeitung stärker mit Kupfer eingedeckt; trotzdem ist der Kupfermarkt unsicher und gedrückt geblieben und nach Bekanntwerden der recht schlechten Dezemberstatistik geradezu verflaut. Verhältnismäßig gut hat sich der Bleimarkt gehalten. Hier hat man einen Pool gegründet und eine ähnliche Beeinflussung der Marktlage versucht, wie sie auf dem Zinnmarkt geglückt war. Allerdings hat der Pool auf dem Zinnmarkt bereits seine Wirkungen verloren. In der letzten Zeit versuchte man dann auch den Zinnmarkt durch Nachrichten über Betriebseinschränkungen in in den Malavenstaaten anzuregen. Die Wirkungen hielten aber nur einige Tage an. Zink ist vernachlässigt. Auch Silber liegt sehr schwach. Gewinnsteigerung der Mitteldeutschen Stahlwerke Auch die mit dem Ruhrtrust verbundenen Mitteldeutschen Stahlwerke haben im abgelaufenen Geschäftsjahr äußerst gut abgeschnitten. Der Umsatz steigerte sich von rund 92,8 Millionen auf 107,5 Millionen Mark(Umsätze innerhalb des Konzerns sind darin nicht enthalten). Die Kohlenförderung wuchs von 1,57 Millionen Tonnen im Vorjahr auf 1,84 Millionen Tonnen an, die Rohstahlerzeugung von 478 000 Tonnen auf 538 000 Tonnen. Dem entspricht das finanzielle Ergebnis. Der Betriebsüberschuß, von dem Zinsen, Handlungsunkosten usw. bereits abgezogen sind, erhöhte sich von 12,3 Millionen auf 13,06 Millionen Mark; die Abschreibungen sind erhöht(von 8,66 auf 8,78 Millionen Mark). Auch den stillen Reserven ist gehörig Fett zugeführt worden. Der Reingewinn wird mit 4,36 Millionen gegenüber 8,79 Millionen Mark ausgewiesen. Der Generalversammlung wird eine Dividende von 8 Prozent vorgeschlagen(im Vorjahr 7 Prozent). im. Kor= der ten. eine itt te. richt.) listen olksberg. den und ge. urde. cht.) ung zu einer cht.) ott eckt. chen conErtung chsel nohren hren ahre cweWer zahlt die Zeche? Novelle von Felix Rohmer. „Ja, in Cao also lernte ich ihn kennen", sagte Scotney und blickte uns alle der Reihe nach an, während er gemächlich seine Pfeife stopfte. Um seine Augen zuckte jenes Lächeln, das wir so gut kannten, und wir wußten schon: Jetzt kommt wieder eine Geschichte, wie nur Scotney sie erlebte— oder doch eine, die nur er so schon erzählen kann. Scotney merkte wohl unsere kribbelnde Ungeduld. Aber es lag durchaus in seiner Art, uns auf die Folter zu spannen. Sehr langsam setzte er die Pfeife in Brand, stieß nachdenklich ein paar zarte, blaue Rauchwölkchen von sich, nippte an seinem Glase, ehe er endlich, wie ein dozierender Oberlehrer, fortfuhr: „Cao liegt in Portugiesisch=Indien, wie Sie wissen werden, meine Herren, oder doch eigentlich wissen sollten! Dort also war's, daß ich Multon begegnete. Er stand sehnsüchtig, beinahe traurig, vor dem Eingang einer Bar zweifelhaften Formats, sah ganz so aus, als ob er keinen blanken Penny in der Tasche habe und bemühte sich angestrengt, gleichgültig und verächtlich dreinzublicken. Ich war guter Laune, hatte gerade ein paar Pfund im Spiel gewonnen und forderte ihn auf, mit mir hereinzukommen und einer oder auch zwei Flaschen den Hals zu brechen. Multon war gar nicht überrascht, sagte„Danke“ und kam mit. Drinnen erregte er kein geringes Aufsehen und Hallo, denn mit seinem langen, breiten Bart hatte er eine frappante Aehnlichkeit mit einem Tolstoischen Bauern. Aber wir kümmerten uns nicht um das Gelächter ringsum, setzten uns in eine Ecke und bestellten Whisky. Ohne Soda natürlich— Mineralwasser hielten wir beide für scheußlich ungesund. Er war übrigens kein russischer Bauer, nein. Nach dem dritten Wasserglas voll Whisky, das er in sich hineingegossen hatte, war ihm warm geworden. Da nahm er seinen grauen Pariarchenbart ab, faltete ihn sorgsam zusammen und steckte ihn in die Tasche. Jetzt sah er natürlich ganz anders aus— schlecht rasiert und ein bißchen verkommen, aber immerhin fast so wie ein etwas verluderter englischer Steuermann. Doch das stimmt auch wieder nicht— beim nächsten Glas verriet er mir, er sei Spanier, irgendwo bei Cadiz geboren. Er fluchte alsbald mordsmäßig in einem so reinen und fließenden Spanisch, daß ich keinen Grund hatte, seine Abstammung zu bezweifeln, trotz seines so stark englisch klingenden Namens. Ich fragte ihn, warum er einen derartigen Bart trüge, der doch in diesem Klima sicher sehr unbequem sei.„Ach“, erwiderte er,„das gehört zu meinem jetzigen Beruf. Ich habe mich als Wandersrediger für irgendeine fromme Sekte verpflichtet, und da wirkt es immer würdiger, und besser, wenn man sich ein bißchen seinen Bart streichen kann. Ich finde, ich seye dann aus wie ein richtiger alter Prophet.“ Ich konnte nicht umhin, ihm recht zu geben. Aber er merkte wohl, daß ich über seinen Beruf etwas erstaunt war. „Was sollen Sie machen?“ sagte er.„Ich bin erst seit vierzehn Tagen aus dem Gefängnis raus und mußte sehen, mich zunächst auf irgendeine Art über Wasser zu halten. Reicht ja gerade für Essen und Nachtquartier, aber da es nicht für ewig ist...“ „Aus dem Gefängnis?“ wiederholte ich, und meine Neugier wurde immer größer. „Gewiß, ja", meinte Multon.„Wundert Sie das? Man kann da durch Zufall reingeraten, sozusagen ohne Schuld. Wenn man überhaupt von Schuld reden will— die hatte lediglich mein Freund Garcia „Ihr Freund?“ warf ich ein, um ihn ja nicht über mein wachsendes Interesse im unklaren zu lassen. „Gewesener Freund sozusagen", fuhr Multon fort.„Jetzt lebt er nicht mehr... Prost! Trinken wir noch ein Glas auf sein Andenken. Ich mußte ihn über den Haufen schießen, leider, es gab keine andere Möglichkeit.“ Er stürzte sein fünftes Glas herunter, und ich bestellte eine neue Flasche.„Also wahrscheinlich in Notwehr?“ tippte ich. „Notwehr, ja. Das ist das richtige Wort“, wiederholte er. „Sehen Sie: Wir sitzen da zufällig zusammen in irgendeiner Kneipe, nicht besser als diese hier und auch nicht schlechter. Und ich erzählte von Elvira. Von der roten Elvira. Sie kennen sie? Nein? Schade! War ein nettes Mädchen: nicht hübsch eigentlich, aber ungewöhnlich. Flammend rotes Haar— wie eine Fackel. Und eine Haut— eine Haut, kann ich Ihnen sagen, so weiß, daß man darüber ganz vergaß, wie wenig schon ihr Gesicht eigentlich war, mit den kleinen, rötlich schimmernden Augen und dem etwas wulstigen und viel zu großen Mund. Ja, also ich erzählte von Elvira und fluche fürchterlich und sage, sie sei die Tochter einer Hündin. Und ich hatte allen Grund, so zu fluchen, denn sie hatte mir den Laufpaß gegeben, hatte mich um irgendeines schnieken, faden Engländers willen glattweg versetzt, das Luder. Und ich schwor Garcia, ich würde den Burschen auftreiben und ihm so viel blaue Bohnen ins Fell jagen, daß Elvira ihn getrost als Kaffeesieb benutzen könnte. Ja, das sagte ich zu Garcia. Aber dann hätten Sie mal hören sollen, was für ein Gesicht er von sich gab mit„Du wirst doch nicht“ und„Das kann dich ins Gefängnis bringen“ und lauter solche Bemerkungen. Nun— eine Weile hörte ich das ganz ruhig an. Aber als Garcia schließlich behauptete, die Elvira sei eben ein Luder und solle mich doch nicht ihretwegen ins Unglück bringen, kam mir denn doch der Rogen hoch.„Was“, schreie ich,„Luder sagst du zu dem Mädchen, mit dem ich schon seit drei Monaten befreundet bin? So wagst du, mich zu beleidigen?“ Und dann tippte ich ihn— ganz sanft natürlich—, mit der Faust unten ans Kinn, und er rollte sachte unter den Tisch. Die Berührung war ganz sacht, das sagte ich ja schon, und deshalb wunderte ich mich gar nicht, als er nach zehn Sekunden wieder auftauchte. Er setzte sich nun an meine Seite, wir tranken wieder, und die Sache hätte erledigt sein können. Aber der Teufel muß in Garcia rumort haben— er konnte nicht Ruhe geben. Plötzlich fing er wieder von Elvira an. „Recht hast du, Multon“, sagte er,„daß du so die Kante von der Roten hälst. Eigentlich ist sie doch ein fabelhaftes Frauenzimmer, ein patenter Kerl. Und diesem Englishman, dem mußt du es ordentlich zeigen, daß ihm fortan der Appetit auf solche Extrabissen vergeht.“ Na, Sie können sich ja denken, Herr, wie mir bei diesen Worten zu Mute wurde. Ich war ganz hin vor gerechter Empörung. „Wie“, schreie ich und springe auf und greife nach der halb geleerten Flasche.„Du nennst dich mein Freund und gibst mir solche Ratschläge? Um dieses treulosen, schmierigen Weibstückes willen, das nur darauf aus ist, die Männer auszuplündern, soll ich mich ins Unglück stürzen?“ Wie soll ich's Ihnen sagen— in meiner Aufregung rutschte mir die Flasche aus der Hand und fiel auf Garcias Kopf. Die Flasche ging natürlich kaputt, der Garcia hatte eben einen harten Schädel. Er trudelte wieder unter den Tisch, und diesmal dauerte es ein bißchen länger, bis er erneut auftauchte. Zumal der erste Versuch mißlang— der Boden war etwas glitschig vom Blut, und er fiel hin, ehe er sich noch richtig erhoben hatte. Aber dann war er doch so weit, und weil ich wirklich nicht nachtragend bin, saßen wir noch eine kleine Stunde beisammen, tranken und schwiegen. So unterhielten wir uns sehr gut— es wird überhaupt immer zu viel geredet beim Trinken. Endlich wollte ich aufbrechen. Ich zog eine Banknote aus der Tasche und rief: Kellner, zahlen! Aber Garcia zückte auch seine Brieftasche und rief ebenfalls: „Kellner, zahlen— ich zahle alles!“ „Nein, ich zahle alles“, brüllte ich noch lauter. „Nein, ich!" schrie Garcia wieder.„Ich habe dich eingeladen „Ich zahle", schreie ich,„ich habe bestellt.“ Sehen Sie, und wie wir noch so schreien, blicken wir uns an, und im selben Augenblick fahren wir mit der Rechten in die Tasche. Ich war eine halbe Sekunde früher fertig als mein Kamerad, und so hatte er die Kugel zwischen den Rippen, ehe er noch„muck" sagen konnte. Man schleppte mich zum Kadi, und ich bekam sechs Monate aufgebrummt. Die Zeugen bestätigten, daß ich halbwegs in Notwehr gehandelt hätte. Und das ist wahr! Man muß sehr auf dem Posten sein bei solchen Gelegenheiten, und wenn mir Garcia zuvorgekommen wäre, läge ich jetzt draußen vor der Stadt mit drei Fuß Erde über mir. Was mich nur wundert, ist, daß man mich überhaupt bestraft hat. Das verstehe ich nicht ganz.“ Multon sah mich sinnend und nachdenklich an. Ich schüttelte ihm die Hand, sagte, seine Erzählung hätte mich maßlos interessiert, aber ich müsse nun leider aufbrechen. Ja, ich stand auf und machte Miene zu gehen. „Aber zahlen, Herr. Sie müssen doch noch zahlen", sagte Multon ganz aufgeregt. Ich beugte mich tief zu ihm herunter. „Das würde Sie vielleicht wieder beleidigen", flüsterte ich, „und wer weiß, was Sie dann tun— aus Notwehr!“ In der nächsten Sekunde war ich mit einem einzigen Sprung draußen, erwischte ein Auto und raste davon. Freilich— ganz sicher fühlte ich mich erst, als ich mich in meinem Hotel ins Bett legte. Es war eben doch eine peinliche Situation!.. Scotney schwieg und füllte erneut seine Pfeife. Dann sah er uns wieder mit seinem spitzbübischen Lächeln an. „Neugierig bin ich", meinte er mit einer abschließenden Handbewegung,„wie sich Multon aus der Affäre gezogen hat. Einer muß doch schließlich die Zeche bezahlen." 99 e. G. m. b. H., Remscheld. Am 3.. 4.. 5. und 6. Februar in allen Verteilungsstellen-Bezirken von Remscheid: MitgliederVersammlungen. Die näheren Bekanntmachungen erfolgen durch die Verteilungsstellen. Der Vorstand. 99 Kindersterbekasse CENTRALE“ Remscheid Zahistelle Cronenbers. Am Samstag, den 1. Februar. nachm. von 3—6 Uhr. im Lokale Fritz vom Bauer, Bahnhof Empfang der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder Personen bis 15 Jahren werden ohne Einschreibegeld aufgenommen, von 15—20 Jahren zahlen 1 Mk. Der Beitrag beträgt bis 15 Jahre 60 Pfgund über 15 Jahre 1.25 Mk. vierteljährlich Sterbegeld wird gezahlt: Bis 15 Jahre 350 Mk. über 15 Jahre 450 Mk. Der Vorstand. Polstermöbel Sofas, matratzen Chaiselongues Erleicht. Rahlungsbedingungen Neuanfertigung sowie sämtliche Reparaturen Fachmänn. Ausführung. Billigste Berechnung Karl Beschnitt Rauenwerth Velbert Friedrichstraße 149 Suppenussen Roller, Bubiräder Spielwaren W. Hennenberg Velbert. Kirchstr. 14 Heckinghauser Dampf-Waschanstalt Kaiser& Lucas Barmen Ritth. 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Aber für die neue Wupperstadt war dieser Akt doch etwas mehr als die bloße Erfüllung einer gesetzlichen Vorschrift. Denn weil es sich um eine aus fünf bisher selbständigen Städten zusammengeschweißte neue Stadt mit überaus komplizierter Organisation und ebenso komplizierten Aufgaben handelt, mußte bei dieser Gelegenheit meyr gesagt werden, als sonst bei solchen Akten zu sagen gepflegt wird. Zu diesem Zwecke war der Regierungspräsident Genosse Bergemann persönlich nach Elberfeld gekommen. Wir wissen, daß Genosse Bergemann viel besser und„schwungvoller“ spricht, wenn er frei spricht. Er tat es gestern nicht, sondern verlas seine Einführungsrede, in der mithin jedes Wort und jeder Satz wohlüberleat waren. Dadurch wird der Wert seiner Ausführungen nicht geschwächt, sondern erhöht. Und besonders das, was Bergemann über die „Dekonzentration“ sagte, wird demnächst hier eine große Rolle spielen. Auch die Erwiderung des Herrn Dr. Hartmann stand weit über dem Rahmen einer gewöhnlichen Dank= und Antrittsrede. Seine Mahnung, daß praktische Arbeit geleistet werden müsse, daß schöne und lange Reden nicht helfen könnten, wird ernsthaften Kommunalpolitikern ebenso sympathisch sein, wie die Betonung des festen Willens, eine einheitliche Linie der Verwaltung zu wahren und diese Verwaltung möglichst gut und zweckmäßig aufzuziehen. Daß Herr Dr. Hartmann trotz seiner 60 Jahre mit Mut, Um 6.05 Uhr eröffnete Herr Dr. Beitzen als stellvertretender Bürgermeister die Stadtverordnetensitzung, entschuldigte drei feklende Stadtverordnete, und begrüßte dann den errn Regierungspräsidenten Bergemann, der nach Elberfeld gekommen ist, um Herrn Dr. Hartmann in sein Amt als Oberbürgermeister der neuen Wupperstadt einzuführen. Nach Bekanntgabe eines Dankschreibens der Regierung an den ausgeschiedenen Herrn Oberbürgermeister Dr. Kirschbaum wendet sich dann Herr Regierungspräsident Bergemann an den Oberbürgermeister Dr. Hartmann und führt ihn in sein neues Amt ein.„Nach erfolgter Bestätigung Ihrer Wahl zum Oberbürgermeister der neuen Stadt im Wuppertal hat mich der Herr Minister des Innern beauftragt, Sie heute in Ihr neues Amt einzuführen“,— so wendet sich der Regierungspräsident an den Oberbürugermeister.„Damit endet nach dem Inkrafttreten des Umgemeindungsgesetzes für das rheinisch=westfälische Industriegebiet die von mir eingesetzte kommissarische Verwaltung der Wupperstadt. In dieser schwierigen Zwischenzeit haben Sie, Herr Oberbürgermeister Dr. Hartmann und in Ihrer Vertretung Herr Oberbürgermeister Dr. Kirschbaum, in kluger Weise die Geschicke der neuen Wupperstadt kommissarisch verwaltet. Der Dank der Staatsregierung ist Ihnen sowie dem Herrn Oberbürgermeister Dr. Kirschbaum und auch den Herren, die unter Ihnen tätig gewesen sind, dafür gewiß. Nun treten Sie, gewählt von einer großen Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung, als Oberbürgermeister an die Spitze der neuen Stadt im Wuppertal. Gegenstand Ihrer besonderen Fürsorge werden die städtischen Finanzen sein müssen. Ich hoffe, daß Sie auch in Ihrer neuen Stellung, unterstützt von einer verantwortungsbewußten Stadtverordnetenversammlung, alles daran setzen werden, um der Ihnen nunmehr anvertrauten Stadt eine gesunde Finanzbasis zu schaffen, denn darüber müssen sich alle verantwortlichen Organe einer Stadt im klaren sein, daß von einer Selbstverwaltung da nicht mehr viel die Rede sein kann, wo es einer Stadt nicht gelingt, ihre Ausgaben mit ihren Einnahmen in Einklang zu bringen. Gefahren, die der Selbstverwaltung drohen, liegen allein auf diesem Gebiete. Dann kann sich die Staatsaufsicht darauf beschränken, den ordnungsmäßigen Gang der Verwaltung zu überwachen, ohne von ihren Befugnissen Gebrauch zu machen. Ihre Aufgabe, Herr Oberbürgermeister, wird in der gegenwärtigen und zukünftigen Zeit keine leichte sein. Ich darf Ihnen auch heute zusichern, daß ich stets für die besondere Lage der Stadt Wuppertal Verständnis haben und bemüht bleiben werde, im Rahmen des Möglichen zu helfen. Zwei neue Aufaaben, die das Umgemeindungsgesetz den Selbstverwaltungen gebracht hat, möchte ich heute Ihrer ganz besonderen Aufmerksamkeit empfehlen. Ich meine die Schaffung von dekonzentrierten Verwaltungen und zwischengemeindlichen Arbeitsgemeinschaften. Wenn auch nicht zu bestreiten ist, daß die Eingemeindung die örtliche Verwaltung zentralisiert und damit eine ganze Reihe von wertvollen Kräften des ehrenamtlichen Elements ausgeschaltet hat, so ist doch der Gesetzgeber im Umgemeindungsgesetz bemüht gewesen, auch wieder neue Kräfte der Selbstverwaltung zuzuführen. Das kann zunächst geschehen nach dem neuen Gesetz durch die dekonzentrierten Verwaltungen für einzelne Ortsteile, die die Bedeutung einer engeren örtlichen Gemeinschaft besitzen. Es ist allerdings nicht möglich, daß diesen bekonzentrierten Verwaltungen ein Teil der Reichssteuerüberweisungen zufließt oder daß sie Steuern, Gebühren und Beiträge beschließen. überaus komplizierten Aufgaben herangehen will, ist erfreulich. Daß er als nächste Losung innere Festigung und Sammlung ausgibt, zeugt von Sicherheit und Systematik. Die sozialdemokratische Fraktion wird die Verwaltung stels unterstützen, wenn sie sieht, daß alles im Rahmen kommunaler Kompetenzen nur denkbar Mögliche getan wird, die Lage der Arbeiterschaft zu bessern. Die Kommunisten nahmen an der gestrigen Sitzung nicht teil, obgleich sich lediglich Herr Dattan entschuldigt hatte. Das war im Grunde genommen eine„Abweichung“ von ihren„Richtlinien“, wonach sie verpflichtet sind, jede Gelegenheit auszunutzen, um die„Sozialfaschisten" zu„entlarven“. Zudem hatte doch die„Freiheit“ nach dem 20. Dezember versichert, daß der Parlamentarismus weiter so geschändet werden solle, wie es am 20. Dezember geschehen war. Nun mit einem Male diese Unterbrechung„revolutionärer“ Aktionen! Sollte da nicht ein bissel Erkenntnis mitgespielt haben, daß mit solchen Methoden selbst der Bolschewismus nicht zu fördern ist? Immerhin hatte die KPD. dafür gesorgt, daß die„Stimme des Volkes“ wenigstens auf der Tribüne zur Geltung kam. Dort vertrat der aus seiner Gewerkschaft kürzlich ausgeschlossene Wilhelm Tüsselmann aus Elberfeld, Inseratensammler und Berichterstatter der „Freiheit“, das„Volk“, indem er hin und wieder blöde Zurufe von der Tribüne herunterschmetterte. Aber auch hierbei war bemerkenswert, daß Herr Tüsselmann seine Hauptaktivität lediglich gegenüber Sozialdemorraten entfaltete, während er bei den Reden bürgerlicher Verwaltungsvertreter ziemlich artig und längst nicht so gehässig war. Man hat Tüsselmann, der eine ziemlich dunkle Vergangenheit hinter sich haben soll, gestern ruhig schreien lassen und nicht zur ersehnten„Märtyrerkrone“ verholfen. Das war insofern gut, als so die blöde und avstoßende Art solcher Flegeleien voll zur Geltung kommen konnte. q. Zulässig und der Tendenz des Gesetzes durchaus entsprechend ist es aber. im Rahmen des Zentraletats den Ortsteilen bestimmte Mittel zu überweisen, über deren Verwendung nach bestimmten zentralen Richtlinien die örtlichen Organe der dekonzentrierten Verwaltung zu beschließen haben. Ferner sind durch das Umgemeindungsgesetz die Städte Wuppertol, Remscheid, Solingen und der Landkreis Solingen=Lennep zu einer zwischengemeindlichen Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Hier macht der Gesetzgeber erstmalig den Versuch, das überaus schwierige Problem der zwischengemeindlichen Pusammenarbeit bei der Erfüllung überörtlicher Aufgaben einer Lösung entgegenzuführen. Das Organ dieser zwischengemeindlichen Arbeitsgemeinschaften ist der Arheitsausschuß. Bezüglich seiner Zusammensetzung sieht das Gesetz ausdrücklich vor, daß der Ausschuß aus Vertretern sowohl des Gemeindevorstandes wie der Stubtverordnetenversammlung der angeschlossenen Gemeinwesen zu bilden ist und die Zahl der Vertreter des Vorstandes und der Vertretungskörperschaft die gleiche sein muß. Diese gesetzliche Regelung bedeutet eine starke Heranziehung des ehrenamtlichen Elements. Bewußt hat der Gesetzgeber davon avaesehen. der Arbeitsgemeinschaft die Durchführung der Vorschläge, die sie für zweckmäßig hält, zu übertragen; diese bleibt vielmehr eine Selbstverwaltungsangelegenheit der einzelnen an die Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Gemeinwesen. Die Erzielung des von dem Gesetzgeber angestrebten Erfolges ist also ausschließlich in die Hand der Selbstverwaltung gelegt. Möge es der schöpferischen Kraft der Selbstverwaltung gelingen, die dekonzentrierten Verwaltungen und die zwischengemeindlichen Arbeitsgemeinschaften so auszubauen, daß sie wirklich praktische Arbeit leisten können. Möge Ihre große Erfahrung in allen kommunalen Fragen, Herr Oberbürgermeister Dr. Hartmann, auch hier richtunggebend sein und neue Wege weisen. Unter Hinweis auf den bereits geleisteten Eid verpflichte ich Sie durch Handschlag zu treuer und gewissenhafter Erfüllung Ihrer Amtspflichten. Nach der Einführungsrede des Regierungsprasidenten begrüßt Herr Beigeordneter Dr. Beitzen im Namen der Beigeordneten und der Beamten den neuen Oberbürgermeister und führt noch aus, daß es erfreulich sei, an der Spitze der Wupperstadt einen Mann zu wissen, der seine volle Pflicht erfüllt habe und noch weiter erfülle. Die Beigeordneten und die Beamten seien bereit, vertrauensvoll unter der Leitung des neuen Oberbürgermeisters zu arbeiten.— Genosse Landé spricht für die Stadtverordneten und begrüßt den Oberbürgermeister Dr. Hartmann, mit dem die Stadtverordneten in bestem Einvernehmen im Interesse der Wupperstadt regieren wollen und von dem man volle Unparteilichkeit erwarte.— Es spricht dann der Oberbürgermeister Dr. Hartmann. Erwiderung des Oberbürgermeisters Oberbürgermeister Dr. Hartmann erwiderte u. a.: Den Dank, den wir Herrn Dr. Kirschbaum schulden, möchte ich ausdehnen auf diejenigen, die infolge der Neuwahl aus dem Kollegium ausscheiden. Es sind Männer, die seit langen Jahren in der Verwaltung der einzelnen Städte tätig waren und sich bewährt haben; Männer, deren Ausscheiden nur auf den die Zahl der Beigeordneten zu verringern, zurückzuführen ist. Zu ihnen tritt der kommissarische Bürgermeister von Ronsdorf, der mehrere Jahre hindurch die verwaiste Bürgermeisterstelle in mustergültiger Weise betreut hat.— Wenn einer wie ich zehnte in der Verwaltung einer Großstadt tätig gewesen ist, darunter 17 Jahre an leitender Stelle, so hat er Verständnis für die großen Schwierigkeiten, die eine Umgemeindung von dem Umfang wie der unserigen mit sich bringt. Zwei Großstädte von gleicher Größe und Bedeutung, dazu drei kleinere Gemeinwesen, die bisher selbständig waren und ein eigenes kommunales Leben führten, sind nunmehr durch Gesetz unauflöslich miteinander verbunden und sollen auch innerlich zu einer Verwaltungseinheit zusammengeschweißt werden. Das ist die Aufgabe, die sich vor uns erhebt, eine Aufgabe, deren Lösung nicht nur von der Regierung erwartet wird, sondern auch im Interesse der gesamten Bevölkerung liegt. Wenn ich mit Mut und Zuversicht an die Bewältigung dieser Aufgabe herangehe, so ist für mich dabei ein Umstand bestimmend, nämlich der, daß ich das mir anvertraute Amt übernehme, ohne irgendwie, weder in sachlicher noch in persönlicher Beziehung, gevunden zu sein, vielmehr in der Lage bin, das Amt zu führen in voller Freiheit, so wie ich es vor meinem Gewissen verantworten kann. Diese Unabhängigkeit, die auch niemand anzutasten versucht hat, gibt mir die Freudigkeit, in meinen Jahren, in denen bei manchem sich bereits das Bedürfnis nach Ruhe geltend macht, die Bürde des Amtes auf mich zu nehmen und den Verschmelzungsprozeß wenigstens einzuleiten, vielleicht auch durchzuführen, der im Interesse der beteiligten Gemeinden unumgänglich notwendig ist. Daß ich hierbei nicht auf mich allein angewiesen bin, sondern auf die Mitarbeit von Männern rechnen darf, die, wie ich, mit den örtlichen Verhältnissen vertraut und in der kommunalen Praxis erfahren sind, ist ein Faktor, der nicht hoch genug bewertet werden kann. Herr Kollege Beitzen hat mir die freudige Mitarbeit der Beigeordneten zugesichert. Ich bin überzeugt, daß sie gern geleistet wird. Ich betone, daß ich den festen Willen habe, die einheitliche Linie der Verwaltung, auf die ich stets mein Augenmerk gerichtet, festzuhalten und zu wahren; aber ich verspreche auf der anderen Seite, daß ich jedem Beigeordneten das Maß von Selbständigkeit und Ellbogenfreiheit lassen werde, das zur Erhaltung der Arbeitsfrende und des Gefühls der Verantwortung unerläßlich ist. Es freut mich, daß auch die Beamtenschaft mich begrüßt und erklärt, daß sie ebenfalls dazu beitragen will, die große Aufgabe, die unser harrt, zu lösen. Ich weiß, daß wir bei dem komplizierten Räderwerk, als das sich die Verwaltung einer so ausgedehnten Stadt darstellt, auf die willige Mitwirkung der gesamten Beamtenschaft in all ihren Gliedern und Zweigen angewiesen sind. Wenn ich auf der einen Seite verlange, daß ein Beamter seine Pflicht nicht ängstlich abmißt nach der Abhaltung der Dienststunden, sondern für das Amt seine ganze und uneingeschränkte Arbeitskraft hergibt, so habe ich auf der anderen Seite Verständnis dafür, was die Beamtenschaft billigerweise beanspruchen kann: ihren guten Geist und ihre Pflichttreue zu heben und zu pflegen, soll alle Zeit mein ernstes Bestreben sein.— Und nun wende ich mich zu Ihnen, die Sie durch das Vertrauen der Bürgerschaft zu Stadtverordneten bestimmt sind. Nicht kann ich, wie das früher der Fall war, mich darauf berufen, daß eine einmütige Wahl mir den starken Rückhalt gibt, der die Führung des Amtes erleichtert. Ich weiß jedoch die Umstände zu würdigen, unter denen die Wahl erfolgt ist; und wenn ich einem jeden unter Ihnen offen und ohne Vorbehalt gegenübertrete, so darf ich wohl bitten, daß man mir in derselben Weise entgegenkommt. Ich bin mir auch darüber im klaren, daß aller gute Wille, der in der Verwaltung vorhanden, nicht hinreicht, um die gestellte Aufgabe zu meistern, daß hierzu vielmehr vor allem die verständnisvolle Mitwirkung der Stadtverordneten=Versammlung gehört. Gilt es doch, unsere Stadt durch die einheitliche Verwaltung in die Lage zu versetzen, daß fie ihre Obliegenheiten besser erfüllen kann, als das bisher bei den einzelnen Teilen der Fall war. In einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Depression treten wir an diese Arbeit heran. Projekte zu entwickeln, das ist nicht das Gebot der Stunde, sondern eine gute und zweckmäßige Verwaltung aufzuziehen, die dem ganzen Gebiet und der ganzen Bevölkerung dient, das ist das Nächstliegende, auf das wir uns zu beschränken haben. Ich hoffe und wünsche allerdings, daß die Zeit nicht fern sein möge, in der das geeinte Wuppertal seine ganze Kraft entwickelt, die Kraft, die es bisher gegenüber den anderen Großstädten des Industriegebiets hat vermissen lassen. Aber vorerst ist innere Festigung und innere Sammlung die Losung, der wir zu folgen haben. Schöne und lange Reden helfen nicht; praktische Arbeit muß geleistet werden. Dazu rufe ich Sie auf! Ich schließe mit den Worten, die ich einst vor 30 Jahren bei meiner Einführung als junger Beigeordneter gebraucht und die mir als Richtschnur gedient haben und in Zukunft dienen werden: Ich gelobe, daß ich mein Amt führen will niemand zu Lieb', niemand zu Leid'. SND. Wuppertal Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Beamten des Wuppertals hielt am 18. d. M. im Gewerkschaftshaus ihre Jahreshauptversammlung ab, die gut besucht war. Das Referat des Abends— Aktuelle Beamtenfragen— hatte Genosse Oskar Hoffmann übernommen, der sich namentlich über die Neuorganisation der städtischen Verwaltung verbreitete. Die dem Vortrag folgende Aussprache war sehr lebhaft und so ausgedehnt, daß wegen der vorgerückten Stunde die Tagesordnung nicht vollständig erledigt werden konnte. Die Versammlung vertagte sich auf Montag, den 27. d. M. In dieser Versammlung, die wiederum starken Besuch aufwies, erfolgte die Neuwahl des Gesamtvorstandes. Aus der Wahl gingen hervor die Genossen Betzholdt(Stadtverw.) 1. Vorsitzender, Siebert(Polizei) 2. Vorsitzender, Lehmann(Stadtverw.) 1. Schriftführer, Kröning (Polizei) 2. Schriftführer, Boschulte(Post), Simon(Reichsbahn) und Reinhardt(Stadtverw.) als Beisitzer. Die Vertrauensmänner bei den verschiedenen Behörden werden später noch bestimmt. In der der Wahl folgenden Aussprache wurden Zweck und Ziel sowie Arbeitsprogramm der Arbeitsgemeinschaft in großen Zugen umrissen.— Der Vorsitzende stattete sodann dem bisherigen Vorstand den Dank der Versammlung für seine mühevolle Arbeit in dem verflossenen Jahre ab und gab in seinem Schlußwort der Hoffnung Ausdruck, daß der Arbeitsgemeinschaft eine gesunde Weiterentwicklung beschieden sein möge.— An die Beamten und Angestellten der Behörden des Wuppertals, die Mitglieder der Partei sind, ergeht die Bitte, sich der Arbeitsgemeinschaft anzuschließen. Aufwendungen finanzieller Art sind mit der Zugehörigkeit nicht verbunden, da keine Beiträge erhoben werden. * Stadttheater. Donnerstag, 80. Januar, bringt das Stadttheater Barmen um 19.80 Uhr nochmals„Dreimal Hochzett", während für Elberfeld um 19.80 Uhr„Friederike“ vorgesehen ist. Elberfeld, 29. Januar. SND. Wuppertal Bezirk Nordstadt. Am 27. Januar tagte bei Borgmann eine gut besuchte Mikgliederversammlung des Bezirks. Um 20.15 Uhr eröffnete der Bezirksvorsitzende mit einem Nachruf für den verstorbenen Genossen Alex Boramann die Versammlung. Genosse Wilhelm Wichelhaus sprach dann über den augenblicklichen Stand der Sozialversicherung. Er kennzeichnete den Ernst der Lage dahin, daß die Unternehmerkreise alles versuchen, die Sozialversicherung abzubauen. Nur das geschlossene Zusammenstehen der Arbeiter und Angestellten könne diesen Plan vereiteln.— Nach einer regen Aussprache kam man zur Neuwahl des Bezirksvorstandes. Einstimmig wurde der Vorschlag der Funktionäre angenommen. Der Bezirksvorstand für das Jahr 1930 besteht aus den Genossen W. Lünemann(Bezirksführer). Sattler(Stellvertreter), Fries(Kassierer), Weinrich(Schriftführer) und die Genossin Grimpe als Bezirksführerin. Als Delegierte für die Vertreterversammlung wurden die Genossinnen Weinrich, Hübel und Blochberger sowie die Genossinen Sattler, Röll, Schürmann. Weinreich, Lettau, Dottermuschke, Ratkmann und Lange bestimmt. Nachdem noch einige Genossen über die Pressefrage gesprochen hatten, fand die gut verlaufene Versammlung um 22.30 Uhr ihr Ende. l. Auch ein„Vertreter“ Meister im Lügen und Betrügen. Schon oft genug ist dem 47 Jahre alten Reisevertreter Paul Sch. aus Elberfeld mit dem Zuchthaus gedroht worden. Das Elberfelder Schöffengericht machte jetzt endlich Ernst. Er ist bereits 16mal vorbestraft, wiederholt wegen Betrugs und einmal in Stettin wegen Betrugs im Rückfalle. Meister im Lügen und in Verdrehungskünsten, behauptete er unverfroren, seine Bestrafung durch das Stettiner Gericht wegen Rückfallbetrugs beruhe auf einem „Irrtum“, er habe daher das Urteil angefochten und wahrscheinlich würde es schon in Kürze abgeändert werden. Sozusagen im letzten Augenblick wurde das von Stettin angeforderte Aktenstück hereingebracht, und der Vorsitzende konnte daraus feststellen, daß Sch. das angeblich von ihm angefochtene Urteil anerrannt hat und daß es rechtskräftig geworden ist. Auch gestern stand er wieder wegen einer ganzen Reihe von Betrügereien im Rückfalle in Tateinheit mit Fälschungen von Urkunden vor Gericht, und zwar waren drei Verfahren zugleich gegen ihn anhängig. In der Hauptsache handelte es sich um Provisionsschwindeleien. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 1 Jahr Zuchthaus und 100 M Geldstrafe oder weiteren 10 Tagen Zuchthaus, erkannte ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre ab. In der zweiten Sache wurde er zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er beim Vertrieb von„Heilapparaten“ in zwei Fällen Anzahlungen entgegengenommen und sie für sich bebalten hatte. Darin erblickte das Gericht Untreue, serner einen Betrug darin, daß er eine Bestellung eines Heilapparates der Firma P. u. B. in Barmen überreichte, sich bei der Gelegenheit als„Vertreter“ empfahl und einen Apparat, den man ihm auf Verlangen als Vorführungsapparat mitgab, für sich verkaufte.— In der letzten Sache kamen wieder einige Provisionsschwindeleien und ein Betrug zum Nachteil der Firma Rud. S. in Hamburg in Frage, der darin bestand, daß er Spesenrechnungen seiner Untervertreter nach erfolgter Abrechnung noch mit Zusätzen versah und die Mehrbeträge in seine eigene Tasche steckte Das Schöffengricht erkannte auf eine weitere Gefängnisstrafe von 9 Monaten gegen ihn. Die drei Einzelstrafen müssen später zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen werden. Vorläufig mußte davon noch abgesehen werden, weil Sch. noch von verschiedenen anderen Gerüchten gesucht wird, die mit ihm auch noch ein Hühnchen zu rupfen haben. Erst wenn in allen gegen ihn noch schwebenden Sachen Urteile ergangen sind, kann zur Bildung einer Gesamtstrafe geschritten werden. o. Arbeiter, lernt stenographieren! Uns wird geschrieben: Die Kurzschrift ist heute ein derart wichtiges Gebrauchs= und Bildungshilfsmittel, daß auch der Arbeiter nicht an ihr vorübergehen kann. Besonders sollte sich jeder in der Arbeiterbewegung Tätige, der als Partei= oder Gewerkschaftsfunktionär, als Betriebsratsmitglied oder sonstwo auf vorgeschobenem Posten steht, mit der Kurzschrift vertraut machen, die ihm, wenn er sie beherrscht, die geringe Mühe des Oper von Ludwig van Beethoven Gastspiel Nanny Larsen=Todsen Unversiegbarc Lebenskraft strömt aus Beethovens„Fidelio“Musik. Der Meister der sinfonischen Instrumentalkunst, des farbig belebten Orchesters, auf dessen tragfähigem Erund der Vokalkörper sich zu prachtvoller Blütenpracht entwickelt, tritt hier in reinster Schönheit in Erscheinung. Zür ungetrübten Freude des Zuhörers dann, wenn sich beide Teile ideal erganzen, wenn der Gesang als beseelte Kraft leuchtend über dem Orchester schwebt; aus dem klanglich gestuften Instrumentalkörper die Stimmen weich aufquellen und in weitgespannten melodischen Bögen den Zuhörer in ihren Bann schlagen. Mit der Leonore in Beethovens„Fidelio“ beendete Nanny Larsen=Tedsen ihr Wuppertaler Gastspiel. Wie Samstag in Barmen bei der„Walküre“, so hatte die Bayreuther Isolde auch hier einen großen Zuhörerkreis angezogen. Und, das sei vorweg gesagt: in der Partie der Leonore hinterließ die Künstlerin einen weit tieferen Eindruck wie als Brünhilde, obwohl man ihr nachrühmt, gerade als Wagnersängerin überragend zu sein. Der Vorzug dieser Stimme ist nicht die elementare, alles überstrahlende Kraft. die doch das eigentliche Tharakteristikum der Hochdramatischen ist. Der schöne, tragfähige Mezzosopran bleibt hier hinter den Stimmen weniger bekannter Größen zurück. Die Qualität dieser Stimme liegt in der gleichmäßig schönen Klangfarbe, die in der Tiefe ebenso leicht anspricht wie— bis zum„Gis“ hinauf— in der hohen Mittellage. Und in dieser Skala vom zarten Piano bis zum kraftvollen Forte von bestrickendem Wohllaut ist. Einen vollen tiefen Brustton weiß die Sängerin glücklich in die Mittellage hinaufzuziehen und diese Mischung der Register bis zur Grenze voll auszunützen. Nicht so zuverlässig funktioniert der Kopfton. Wohl weiß sie auch im Forte den Ton auf die Höhe zu schwingen, in ihrer großen Arie gelang es ihr auch, das„h“ mit sicherem Griff zu fassen und zu stützen, wogegen sie sich in der Kerkerszene(„tot erst sein Weib“) mit einem„Brünhildenjodler“ Geltung verschaffte. Die übliche und üble Art der meisten Hochdramatischen. Was aber der„Leonore“ die künstlerisch vollendete Prägung gab, war die durchgeistigte Vortragskunst, die tiefe BeAn die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei im Beziek Rieterrhein Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Bezirk Niederrhein, beruft hiermit auf Grund des § 24 des Bezirksstatuts den diesjährigen Bezirks=Partettag zum 23. März 1930 ein.(Ort und Lokal werden noch mitgeteilt.) Tagesordnung: 1. Die politische Lage. 2. Berichte: a) Allgemeines und Kommunalpolitik, b) Organisation, Kasse und Bildungsfragen, c) Arbeiterwohlfahrt. 3. Neuwahl des Bezirksvorstandes. Die Wahl der Delegierten erfolgt auf Grund des§ 28 des Bezirksstatuts. Danach entfällt auf je 150 vollzahlende Mitglieder im Unterbezirk ein Delegierter; auf den verbleibenden Rest von mehr als 100 einweiterer Delegierter. Die Berechnung der Delegierten auf die einzelnen Ortsvereine erfolgt nach den im letzten Geschäftsjahr mit der Bezirksleitung verrechneten und bezahlten Pflichtbeitragsmarken, geteilt durch 44. Zur Teilnahme am Bezirksparteitag sind verpflichtet: 1. die gewählten Delegierten, 2. die Mitglieder des Bezirksvorstandes, sowie die Unterbezirksvorsitzenden und die Unterbezirkssekretäre, 3. die Reichs= und Landtagsabgeordneten. Zur Teilnahme berechtigt mit nur beratender Stimme sind die im§ 18 des Bezirksstatuts unter 2—7 bezeichneten Personen. Antrage an den Bezirksparteitag sind beim Bezirksvorstand so frühzeitig einzureichen, daß sie mindestens zwei Wochen vor dem Parteitag durch die Parteipresse bekanntgegeben werden können. Berechtigt zur Stellung von Anträgen zum Bezirksparteitag sind: der Bezirksvorstand, die Unterbezirke, die Ortsvereine. Wir ersuchen die Ortsvereine, Stellung zu der Tagesordnung zu nehmen, die Delegierten zu wählen und event. zu stellende Anträge rechtzeitig einzureichen. Name und Adresse der gewählten Delegierten sind durch die Unterbezirksvorstände dem Bezirksvorstand mitzuteilen. Die Mandate stellt der Bezirksvorstand den Delegierten sowie den Teilnahmeberechtigten zu. Mit Parteigruß Der Bezirksvorstand. Erlernens tausendfach vergilt. Gelegenheit zur Erlernung der Kurzschrift ist in Elberfeld gegeben am Freitag, 81. Januar, 20.30 Uhr, im Jugendheim, Marienstr. 7, Zimmer 2. Der Unterricht ist kostenlos, nur die Lehrmittel sind mit 3 A zu bezahlen. (Siehe Anzeige.) c. Fahraddiebstahl. In einer der letzten Nächte wurde aus einer Wäscherei im Uellendahl durch Einbruch ein Herrenfahrrad Halbrenner, Marke„Wanderer“, Nr. 194461) gestohlen. Das Rad ist silbergrau lackiert und mit blauen Streifen abgesetzt. Vor Ankauf wird gewarnt. Wer Angaben über den Täter sowie den Verbleib des Rades machen kann, wird gebeten, der Kriminalpolizei Kenntnis zu geben. Barmen, 29. Januar. V. Die umgebaute Schalterhalle des Postamts Barmen 1, Zugang von der Fritz=Ebertstraße, wird am 81. Januar(Freitag) früb in Benutzung genommen. Fahrräder und Hunde können wegen der am Eingang vorhandenen Drehtür nicht mit in die Schalterhalle gebracht werden. b. Vermißt wird seit dem 19. d. M. die Verkäuferin Auguste Beraholz. Am Werloh 23. Sie ist am 10. Dezember 1910 zu Barmen geboren, etwa 1,68 Meter groß, hat hellblondes Haar. frisches Gesicht, blaue Augen, kleine Ohren und vollständige Zähne. Bekleidet war sie mit schwarzem Hut. braunem Tuchmantel mit Pelzbesatz. rotem Seidentleid, weißer Wäsche, hellen Seidenflorstrümpfen und hellen Schuhen. Sie trägt Öhrringe und einen silbernen Ring. Angaben über den gegenwärtigen Aufenthalt der Vermißten werden von sämtlichen pelizeilichen Dienststellen jederzeit entgegengenommen b. Einem Anwohner der Wichlinghauserstraße wurden aus seinem verschlossenen Schlafzimmer Herrenhemden und Kragen sowie 4 Kisten Zigarren je 50 Stück(Marke„Jagdklub“) gestohlen. b. Einem auf dem Hasenkamp wohnenden Landwirt stahl man in der Nacht zum 26. d. M. drei Hühner im Werte von 30 mn. Die seelung, die gleichermaßen Spiel und Gesang einte. Dies lebendige Minenspiel, das schon bei der Einleitung des kanonischen Quartetts den Zuschauer in den Gefühlskreis zog, hob die Künstlerin weit über ihre— hier nur singenden— Partner hinaus und gab erwartungsvollen Ausblick auf den weiteren Verlauf ihrer Darstellung. Und wie der erste Eindruck fesselte, so gestaltete Leonore weiter, wußte in der Kerkerszene zu erschüttern und weiterhin bis zum jubelnden Abschluß das Ziel zu beseelen. In Karl Hartmann(Florestan) hatte sie einen stimmlich ausgezeichneten Mitstreiter. Hartmann, der in dieser Partie zum ersten Male auf der Bühne stand, zeigte sich auch dieser schwierigen Aufgabe gewachsen. Mühelos bewältigte er die große Arie, brachte sie rhythmisch und klanglich zu glanzvoller Wiedergabe. Sein strahlender Tenor gab auch der großen Schlußszene die leuchtende Kraft. Nächst diesem Paar war es Duns Thometzeck, der in der Maske Napoleons die Rolle des Bösewichts Pizarro veranschaulichte. Dämonische Gewalt zeichnete seine Arie aus, gab seinem Spiel die bestimmende Linie. Sympathisch fügte sich Johannes Draht(Minister) dem Spiel ein, wie immer, bedachtlich die schöne gesangliche Wiedergabe pflegend. Walter Hagner wußte als Kerkermeister sich würdig dem Spiel einzugliedern. Hermine Kittel und Peter Markwort spielten gewinnend das Liebespärchen Marzelline und Jaquino. Sehr schön klangen die Chöre(Heinz Anraths), aus deren Mitte sich der Tenor Karl Krämer abhob. Weiter war Hermann Abelmann in der Rolle des zweiten Gefangenen trefflich am Ort. Ueber dem Ganzen waltete die musikalisch feinnervige Hand Franz von Hoeßlins. Weit über dem durchschnittlich Technischen stehend, das Spiel mimisch belebend, den Geist der Partitur bis in die Einzelheiten den Sängern vermittelnd, ja selbst den Dialog zur Bühne übertragend. Das Orchester anfeuernd und wieder bändigend. Dramatische Kraft entfaltend, dämonische Unruhe jagend, in weiche Melodie zerfließend. Bald hier, bald dort Lichter aufsetzend, die Vorgänge auf der Bühne eindrucksvoll untermalend. Gestern von besonders starken Impulsen getrieben, das Publikum mit fortreißend und nach der großen Leonoren=Ouvertüre zu stürmischem Beifall entfesselnd, der an das Orchester weitergeleitet wurde. Eine glanzvolle Aufführung, an der Wolfram Humperdinck(Spielleitung) und Egon Wilden(Bühnenbild) verdienten Anteil hatten. Friedrich Bauer Tiere sind schwarz=, weiß und rebhuhnfarbig gefiedert. b. Wegen Diebstahls wurde ein 26jähriger Anwohner der Schwarzbachstraße in Haft genommen Cronenberg, 29. Januar. cr. Die Kindersterbekasse„Zentrale“, Remscheid, veranstaltet Samstag, den 1. Februar, von 15—18 Uhr, bei vom Baur, einen Zahl= und Aufnahmetag.(Siehe Inserat.) Bohwinkel, 29. Januar. v. Bildungsverein. Ueber Vererbungslehre spricht Studienrat Koep Donnerstag, den 6. Februar, um 20 Uhr, im großen Stadtsaal, Kirchstraße.(Lichtbildervortrag.) Ronsdorf, 29. Januar. ro. Geflügelschau in Neu=Hülsberg. Der Geflügelzuchwverein, der vor 20 Jahren mit 14 Mitgliedern gegründet wurde, ist heute zu einem stattlichen Verein von 56 Mitgliedern angewachsen. In der Vorwoche veranstaltete der Verein eine mit 120 Tieren beschickte Geflügelschau, die einen guien Besuch aufwies. Bei der Preisverteilung erhielt W. Mesenholl den 1. Ehrenpreis, die übrigen Preise verteilen sich auf: W. Lana. Otto Könia. Otto Lünenschloß, Max Winter, Ewald Oberhoff, Otto Luckhaus, Fritz Bausch, Mar Schröder, Karl Keller, Otto Krakowsky, Hugo Busch, Karl König, Hermann Keller, August Reitze, Fritz Fischer, Heinrich Hildebrand, E. Schwarz, Otto Hülsenbeck, Karl Diederich, Julius Keller und Emil Mertinat. r. Verkehrsunfall. Am 26. Januar gegen 14 Uhr stürzte auf dem Heidt ein 16jähriger Junge mit dem Fahrrade. Er ist im Laufe des Nachmittags an einer Gehirnverletzung gestorben. r. In Haft genommen wurde eine in den mittleren Jahren stehende Anwohnerin der Kirchstraße, die einen Pelz im Werte von 50 A gestoblen hat. Sozialdemokratische Partei Heibt=Springen Donnerstag, den 30. Januar, 20 Uhr, bei Hollerbach, Gewerbeschulstraße: Wichtige Funktionar= von Vorstandssitzung. Rott=Dörnen Donnerstag, den 30. Januar, 20 Uhr, bei Paschhoff, Bruderstraße: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts= und Kassenbericht; 2. Neuwahlen des Vorstandes und der Vertreter; 3. Verschiedenes. Der Bezirksvorstand. Schwarzbach=Rittershausen Donnerstag, den 30. Januar, 20 Uhr, bei Schulz, Schwarzbachstraße: Sehr wichtige Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Lichtbildervortrag des Genossen Emde. 2. Jahresbericht, 3. Neuwahl. Es ist Pflicht aller Genossen, an dieser Versammlung teilzunehmen. Der Bezirksvorstand. Loh. Samstag, den 1. Februar, 20 Uhr, im Lokale Werle, Loherstraße: Sehr wichtige Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht; 2. Neuwahl des Bezirksvorstandes; 3. Wahl der Delegierten zur Vertreterversammlung; 4. Wahl eines Delegierten zum Bezirksparteitag. Es ist Pflicht aller Mitglieder, an dieser wichtigen Versammlung teilzunehmen. Der Bezirksvorstand. Hatzfeld. Donnerstag, den 30. Januar, pünktlich 20.15 Uhr, beim Gen. Stremmel, Windhornstr. 18, part.: Bezirksversammlung. Tagesordnung: 1. Das Wahljahr 1929; 2. Wahlen und Bezirksangelegenheiten. Die Leser der„Freien Presse“ sind freundlichst eingeladen. Der Bezirksführer. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Elberfeld 2. Kameradschaft(4., 5. und 12. Zug): Freitag, 81. Januar, 20 Uhr. beim Kameraden Vogeler: Versammlung aller A= und PMitglieder. U. a. Stellungnahme zur Jahres=Generalversammlung. Jungbanner: Donnerstag, den 30. Januar, 20 Uhr: Sportabend in der Turnhalle des Gymnasiums, Kölnerstraße.(Pflichtveranstaltung.)— Freitag, den 81. Januar, 20 Uhr: Heimabend im städtischen Jugendheim, Marienstraße. Vortrag des Kameraden Mosheim. Anschließend Unterhaltungsspiele. Spiele mitbringen. Es ist Pflicht aller Kameraden, an dem Heimabend teilzunehmen. Der Ib.=Abt.=Führer. Barmen Führersitzung. Eine Sitzung des Vorstandes, der Kund Z=Führer sowie der Zugkassierer tagt am Dienstag, den 4. Februar, ab 20 Uhr, bei Sonnenschein. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist pünktliches und vollzähliges Erscheinen erforderlich. Alle Zugführer oder Kassierer bringen ein genaues Adressenverzeichnis ihrer Züge, getrennt nach Aktiven und Passiven, mit. Der Vorstand. Die Jahresversammlung findet am 22. Februar bei Isenberg, Bredderstraße 97, statt. Ohne gültige Mitgliedskarte kein Eintritt. Der Vorstand. 11. Zug. Freitag. den 81. Januar, bei Simon: Versammlung Ausgabe der Sparkarten für Magdeburg. Unser Fastnachtsball findet am Samstag, den 1. März(Fastnachtssamstag!, in allen Räumen des Gewerkschaftshauses statt. Karten zum Preise von 75§(einschl. Steuer) werden in der am 1. Februar stattfindenden Führersitzung ausgegeben. Der Vorstand. Schützenverein Schwarz=Rot=Gold. Sonntag. den 2. Februar, im Lokal Schwarzbachstraße 74, von 19—12 Uhr: Schießen. Aufnahme neuer Mitglieder. Alle Führer sind besonders eingeladen. Der Vorstand. Jungbanner. Donnerstag. den 80. Januar: Alles antreten in der Turnhalle Bleicherstraße. Alle Magdeburgfahrer müssen erscheinen zwecks Einüben der Freiübungen. Der Jabf. Handball: Sonntag, den 2. Februar, spielt die 1. Mannschaft von Elberfeld gegen eine kombinierte 1. und 2. Mannschaft vom Reichsbanner Barmen. Das Spiel beginnt um 10 Uhr auf dem Freudenberg in Barmen. Treffen um 9½ Uhr im Umkleidelokal auf dem Platze. Der Kreisspielausschuz. Kinderfreunde Elberfelb. West: Wir treffen uns Donnerstag um 17½ Uhr an unserer Schule. Alles muß erscheinen, da wir über unser Zeltlager sprechen riüssen. Wer mit will, muß sich Donnerstag bei mir melden. Kosten für 4 Wochen mit Bahnfahrt 45.4. Ihr könnt jetzt schon dafür sparen. Sparmarken sind bei mir zu haben. Freundschaft! Genossin Schnell. Verantwortlich für Politik: Dr. Alfred Dang=Elberfeld: für den Teil„Aus dem Wuppertal“: Emil Quitzan=Elberfeld: für Gewerkschaftliches, Genossenschaftliches, Aus aller Welt: Kar! Dörr-Barmen: Lennep=Remscheid=Mettmann, Kunst und Sport und den unterhaltenden Teil: Oskar Hoffmann=Elberfeld; für den Inseratenteil: Friedrich Heyck=Elberfeld.- Rotationsdruck und Verlag: Verlagsanstalt Freie Presse, Molkenbuhr u. Ko., Elberfeld. 79 von 100 Irren sind in Amerika Ganja-Vergistele Ausdruck emner Rulturparalyse Ganja, der Stimmungsbonbon Was bei uns noch immer Bockbier, Schnaps und Wein ist, das ist im Reiche der Prohibition augenblicklich ein süßer Bondon, der auf den Namen Ganja hört. Ein neues Rauschgift? Nein. ein uraltes Mittelchen, nur konzentrierter, nur raffinierter in den Handel gebracht. Ein in gewissen Gebieten seit vielen Jahrhunderten gebräuchliches Narkotikum: der in der Literatur als„Haschisch“ bekannte„indische Hanf“. Schon die Kreuzfahrer machten mit diesem Rauschgift unliebsame Bekanntschaft, indem nämlich ihre orientalischen Feinde vor jedem Angriff„schira“ oder„knif“ zu trinken pflegten und dabei recht draufgängerisch in Stimmung kamen. Große Teile von Asien und Afrika frönen dem Hanflaster. Ganja heißt auf indisch der weibliche Blütenstand dieser Pflanze, der in seiner verschiedensten Zubereitung dem Genießer in Jorm lebhafter Halluzinationen Sonnen, Glück, Harmenien und unbeugsame Willenskraft vorgankelt. In Amerika geht die auf Jamaika gezogene Pflanze in großen Bündeln unbeanstandet durch den Joll, weil sie die Beamten als „Tee“ betrachten oder auch nur deshalb so bezeichnen, weil sie selber „Ganjanesen" sind. Der Saft der Pflanze wird in den verschiedensten Drogenformen verarbeitet und genossen: als Tee, Kuchenbeigabe, Tabak und Schokoladenpraline. Zwei Stoffe führen die Wirkung herbei: das Kannabin, das narkotisch beeinflußt, und das Kannabinon, dem die psychischen Lähmungen und Rasereien zur Last fallen. Diese Komponente ist so stark, daß bei guten Praparaten schon fünf Zehntel Gramm giftig wirken. Die furchtbarste Folge ist der Zustand der Kranken, in welchem Lebhaftigkeit, Bewegungs= und Schaffensdrang, Sehnenhüpfen und Flammensehen in Berserkerwut ausarten. Die Puritaner und Guttempler, auf deren Betreiben das Alkoholverbot in den Vereinigten Staaten von Amerika zurückzuführen ist, versuchten jetzt, angesichts einer schauerlichen Statistik, mit Moralpredigten abzuhelfen. Umsonst natürlich. Die Polizei erklärk ganz krocken, daß von den im abgelaufenen Jahre vorgekommenen 9000(!) Morden ein sehr hoher Prozentsatz auf den Ganjagenuß zurückgeführt werden müsse. Die Jerenanstalten weisen einen Prozentsatz von 79 Ganjavergiftelen auf. Das ist kein Modelaster mehr; das ist eine Seuche, eine Epidemie, die den gesunden Nachwuchs gefährdel. Aus schaffensfreudigen Menschen werden Ruinen. Morphium, Kokain, Heroin, Opium fordern seit langem ihre Opfer. Alle diese Rauschgifte lassen sich jedoch nicht mit dem„Ganja=Bonbon" vergleichen, der als das beliebteste Alkoholsurrogat von Apotheken und Drogerien in ungeheuren Mengen auf den Markt geworfen wird. Kampfe Ganjazigaretten, der Gelehrte schnupft vielleicht das Pulver, und der arme Teufel trinkt, raucht, kaut es in jeder Form, um sich in seinem Elend zu betäuben, und weil er annimmt, daß es ihn leistungsfähiger macht. Natürlich wird es auch als Erotikum stark begehrt. Wer die Willenskraft von Frauen lähmen und ihren Widerstand brechen will, der praktiziert den Opfern Ganja in Speise und Trank. Jahllose Seibstmorde unglücklich gewordener junger Mädchen zeugen von der keuflischen Dämonie der„Ganja-Praliner“. Die Diplomatin Rümmerliches Ergebnis eines Rundblicks Für die in weiten Kreisen des Bürgertums angestrebte Behauptung der männlichen Vorherrschaft ist es außerordentlich bezeichnend, daß der Frau auch heute noch Berufe vorenthalten werden. für die sie gerade nach der traditionellen Auffassung von weiblicher Art besonders befähigt sein müßte. Es nützt z. B. der Frau gar nichts, daß man in Zeiten, wo dies keine sachlichen und politischen Konsequenzen hatte,„Eva“ als die„geborene Diplomatin“ pries und in menschlichen, familiären, inoffiziell auch in hochpolitischen Angelegenheiten sich nur zu gern ihrer diplomatischen Fähigkeiten bediente. Gerade was den letzten Punkt anbetrifft, so beweisen die souveränen Höse des galanten Zeitalters und die Regierungszeiten der wenigen, aber meist hervorragenden Herrscherinnen, die Europa erlebt hat, indirekt und direkt die diplomatische Befähigung der Frau. In der Deutschen Republik gibt es noch keine Frau in der diplomatischen und Konsularlaufbahn. Als sich vor einiger Zeit eine Bewerberin mit vorzüglichen Zeugnissen und Beglaubigungen zur Aufnahme in den auswärtigen Dienst meldete, wurde ihr eröffnet, daß man im Auswärtigen Amt keine Stellung für Frauen hätte,„die offenbar mehr eine selbständige Stelle anstreben und weniger als Stenotypistinnen geeignet erscheinen". Noch schlimmer sieht es in England aus, wo seit 1919 ein Gesetz besteht, das die Anstellung von Frauen als Rat des Königs, als Geistliche der Staatskirche, als Militärperson und als Diplomaten und Konsuln ausschließt. Hier wäre es Aufgabe der so viel Verständnis für die Frauenfrage beweisenden Arbeiterregierung, auch diesen unzeitgemäßen Zopf abzuschneiden. Norwegen hat sich 1912 ein ähnliches Gesetz gegen den Vormarsch der Frau geschaffen, und auch in Italien, wo unter dem Diktator ja nicht die mindesten Aussichten für weibliches Beamtentum bestehen, ist außerdem die Daplomatin noch gesetzlich verboten. Rühmliche Ausnahmen sind allein die Vereinigten Staaten, Rußland, die Tschechoslowakei, Finnland und Bulgarien. Die USA. haben zwei Vizekonsulinnen, und zwar eine in Amsterdam und Wenn man bedenkt, daß Amerika seit jeher das Land der Extrovaganzen gewesen ist, dann braucht eine solche„Kulturerscheinung“ jenseits des großen Wassers noch keine unmittelbare Gefahr für unseren Kontinent zu bedeuten. Um die paar Nichtstuer und Lebemenschen, die sich auch bei uns ohnehin mit allen möglichen Rauschgiften zu versorgen wissen, wäre es ja nicht schade. Wohl aber um den Werktätigen, der, erdrückt von den auf ihm ruhenden Lasten, ohne Zweifel auch nach diesem Zaubertränklein greifen würde, wie nach einem widerlichen Fuselschnaps, der nichts als„Vergessen“ lehren soll. Obendrein besitzt dieses Hanfgist, entsprechend seiner aufreizenden Eigenschaft, auch noch eine verheerende Nachwirkung. Oft erst nach 48 Stunden treten schwere seelische Depressionen im Verein mit physischen Störungen auf, die sich innerhalb kurzer Zeit— da die Dosis immer vergrößert werden muß— zu völliger Agonie und Körperlähmung steigern. M. B. eine in Valparaiso. Außerdem war noch eine Dame als Legationssekretärin in Bern und Panama tätig, die jedoch infolge ihrer Verheiratung aus dem Dienst ausschied. Als einzige weibliche Gesandte kennt die Welt Frou Alexandra Kollontay, die zuerst in Oslo war und jetzt in Mexiko die Interssen der Sowjetunion vertritt. Finnland hat zwei weibliche Beamte im auswärtigen Dienst, und zwar eine in Rom und eine in Bern. Die Tschechoslowakei hat kürzlich eine Beamtin in das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten berufen. Bulgarien hatte es bereits 1921/22 auf eine Gesandtschaftssekretärin in Washington gebracht, während eine weitere Beamtin seit Jahren Mitglied des italienisch-bulgarischen Schiedsgerichtshofes in Rom ist. Das Ergebnis dieses Rundblicks ist kümmerlich genug. Um so berechtigter ist die Forderung, in diesem Punkte Wandel zu schaffen. Die Aufgabe und Stellung der Diplomatin hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verändert. Die großen politischen Aktionen werden von den Ministern und Ministerpräsidenten selbst im Rahmen des Völkerbundes durchgeführt, während in den Zwischenzeiten das technisch hochentwickelte Nachrichtenwesen einen dauernden Kontakt zwischen dem Diplomaten und seinem Auswärtigen Amt, d. h. also eine nie vorher dagewesene Unselbständigkeit und Bindung an die Instruktionen seines Außenministers ermöglicht. Dafür hat sich der Tätigkeitskreis des Diplomaten und auch des Konsuls nach anderer Seite hin ungeheuer erweitert. In dem Maße, wie nicht nur die Regierenden oder Könige, sondern das Volk selbst der politisch ausschlaggebende Faktor werden, wachsen die Anforderungen an das soziale Verständnis, die sozialpolitischen Kenntnisse und das Einfühlungsvermögen in fremde Volksart beim Auslandsvertreter. Auch die großen sozialpolitischen Aufgaben gegenüber den notleidenden Angehörigen des eigenen Volkes im Ausland, unter denen ein großer Teil Frauen und Kinder sind, ferner die Fragen des Auswandererwesens und der Auslandsschulen fallen in dieses Gebiet. Wer wollte leugnen, daß fachlich geschulte Frauen hierfür ganz besonders geeignet sind! Als bedeutsamen Faktor für den Neuaufbau der internationalen Beziehungen aber sollte man noch einsetzen den starken Impuls zum Frieden und zur Verständigung, der in den meisten Angehörigen der neuen Frauengeneration lebendig ist, und der sie befähigt, die Prestigepolitik alten Stils als unwürdig und ungeeignet über Bord zu werfen. H.S. Jugendliche Verfehlungen— verhängnisvolle Folgen Von Schwester Lydia Ruehland Mit dem heutigen Strafvollzug an jugendlichen Rechtsbrechern können sich weite Kreise nicht befreunden, trotz des unverkennbaren Wohlwollens, das der Gesetzgeber dem abwegig gewordenen Jugendlichen entgegenbringt. Menschenwerk ist Stückwerk und wird es bleiben. Wenn aber der junge Mensch, der durch irgendein Vergehen in die Rader der Rechtspruchmaschinerie gerät, neben seiner Strafe noch weit über das notwendige Maß hinaus staatsbürgerliche Schädigungen erfährt, die ihm manchmal seine Zukunft total verbauen, so ist das niederdrückend. Dies um so mehr, als die Strafbemessung von der Einstellung eines oder einiger weniger Menschen abhängt. Im Volksmund heißt es bekanntlich: Der hat einen milden oder einen harten Richter gefunden. Richter A. wendet z. B. in Fällen jugendlicher Verfehlungen mit Vorliebe Erziehungsmaßregeln an. Richter B. verhängt gern Geldstrafen. Richter C. hält kurzfristige Gefängnisstrafen mit Bewährungsfrist für wirksamer. Wie sich das letztere, zweifelsohne wohlerwogene Verfahren manchmal auswirken kann, dafür ein Beispiel: Ein 18jähriger Jugendlicher ist zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt worden. Er stammt aus einfachen, aber sehr geordneten Verhältnissen, war ein guter Schüler und ist nun ein leidenschaftlicher Anhänger des Fußballspieles. Diese Leidenschaft kostet ihm aber mehr, als sein Verdienst zuläßt. Ein guter Freund heckt eine Gelegenheit aus, auf einfache Weise zu Geld zu kommen, Entdeckung scheint ihnen unmöglich. Der Diebstahl wird aber doch entdeckt, Richter C.— es hätte ebenso gut Richter A. oder B. sein können— fällt obenerwähnten Spruch. Bewährungsfrist— Gott sei Dank! denkt der Jugendliche, denken die Eltern. Er will fort, bedrückt von dem Gefühl, jeder müsse ihm seine Tat ansehen. Sein Minderwertigkeitsempfinden treibt ihn dazu, sich so schnell als moglich wieder bürgerliches Ansehen zu verschaffen, er will zur Reichswehr. Groß, kräftig, gut gewachsen, ist er der Meinung, es könne ihm nicht fehlschlagen. Die Behörde fordert neben anderen Papieren auch ein Leumundszeugnis. Das erhält er, die Polizei hat natürlich darin vermerkt, daß zurzeit eine Strafe mit Bewährungsfrist über den Antragsteller verhängt ist. Wohl hat das Gesetz eine Wohltat gegenüber dem jugendlichen Rechtsbrecher in Bereitschaft: die Tilgung seines Strafvermerks in den Polizeilisten erfolgt bei gutem Verlauf der Bewährungsfrist schon nach vier Jahren, im Gegensatz zum Erwachsenen, der acht Jahre warten muß. Damit entfällt die Verpflichtung, daß die Polizei bei Anfragen interessierter Stellen keine Auskunft zu geben braucht über verhängt gewesene Strafen. Bestehen bleibt aber in allen Fällen der Eintrag im Strafregister und damit die Möglichkeit, daß jede Behörde, die Auskunft einholt, Kenntnis von vorhandenen Strafen erhalten muß. Gerade der einmalig betroffene Jugendliche müßte geschützt werden dadurch, daß seine Strafe, für die ihm Strafaussetzung zugebilligt wurde, niemand bekannt wurde. Bewährt er sich, so hat er ja gefühnt. Jetzt aber schwebt das Damoklesschwert dauernd über dem jungen Menschen. Gerade dann, wenn er sich zu besonderer Entsühnung aufschwingen möchte, sieht er sich vor Hemmungen. So wird eine einzige unbedachte Tat einem an sich gut gearteten Jugendlichen zur Quelle dauernder Beunruhigung, vielleicht sogar zum Bruch seiner Bewährungsfrist, weil er sich sagt: gebrandmarkt bin ich ja doch. Theorie und Praxis sind im praktischen Leben noch zu oft Gegenspieler. Es fehlt dem Gesetzgeber die Unmittelbarkeit der Lebensnähe und=wärme, notwendige Aufgaben zu erkennen und anzupacken. Wir kranken an einem Zuviel theoretischen Ballastes. Die Praxis, das Leben sieht anders aus. Der Snob Ein etwas aufdringlicher Verehrer sagte einst zu dem englischen Maler Whistler:„Ich bin heute morgen mehrere Male an Ihrem Hause vorbeigegangen, M. Whistler.“ Der Maler drückte ihm warm die Hand:„Herzlichen Dank!“ do6 Roman von Fritz Müller-Partenkirchen. 25. Fortsetzung. Dernickende Block. Es war ein strahlender Bergsonntag. Vor der Obermühle saß ich auf der grünen Bank. Juli ging vorbei, die junge Müllerstochter. Von der anderen Seite kam Lehrer Busch und hatte einen Sonntagsplan. Ob wir mit ihm gehen wollten. Wohin? Mit der Eisenspitze seines Stockes wies er nach der Hochwand. Ob wir den gelben Fleck dort sehen könnten? Dort habe sich vor vielen hundert Jahren etwas abgeschilfert, das, von hier gesehen. eines Tisches Größe habe. Aber wenn wir droben stünden, sei es größer als das Achauer Tal. „Herrgott,“ sagte ich,„wer das erlebt hat!“ „Sie können's noch erleben. In der alten Chronik schildert's einer der's gesehen hat. Ich habe sie dabei. Mögt Ihr's hören?" Wir saßen links und rechts von ibm auf der alten Heimgartenbank vor dem Hause, mit gesenktem Kopf, und hörten zu: „Ist aber selbigsmal die Pest nicht das größte Unglück g'west. Vüll gransamer ist g'west, wie die Hochwand in die Achau ist heruntergekonmen. Der Wochen dreie oder mehr hat es geregnet und war ein Vetter um das andere einbrochen mit Blitz und Hagelschlag und schröcklichem Wolkenbruch Und ist auf einmal ein gut Wetter nachkommen mit vüll Sonn' und einer hellen Luft, daß man hat gemeint. man kann die grünen Nadeln von den Feichten auf der Hochwand einzeln zällen. Ist um die Mittagszeit g'west. wo alle in der Stube sitzen bein Essen, daß der alte Rassenwirth ist vors Haus tretten. sein Notdurft verrichen, und wie er schaut zu der Hochwand, kommt ihm für daß broben ein Stuck ausbricht, sieht aus wie ein Tischolatten so groß und ist in der Lufft geschwebet und hat sich ganz merkwirdig langsam runtergesenket wie daß eine Flaumfeder auf den Boden fallt. Ist aber die Luft ganz still gewest, ohne alles Getos und Zittern, daß er vermeint, daß ihm der Ganggerl ein höllisch Trugbild in die Augen zauberet, daß er die Leut' sollt aufschröcken mit einem falsch Geschrey, auf daß er das Torf durcheinander röbellisch machet Darumb hat er beschlossen, er saget nüchts und ist wieder in die Stuben gangen als ist nichts gescheh'n und schapfft einen zweyten Teller Suppe vull— da hert man auf einmal ein grausam Krach und hat nümmer auffgehehrt zu mündest eine Viertelstunden lang und war ein greßlich Geschrey im Dorf und wie der erschröcklich Staubdampf sich geleget hat, es war aber schon ums Betläuten, da ist gut ein Viertheil von alle Dorfleit umkommen gewest und mehr als die Helft' vom Dorf verschütt, da wo die zwo Fluß zusammenflüssen— Der Lehrer sah von der Chronik auf und schaute mich sonderbar an:„Wo die zwo Fluß zusammenflüssen,“ wiederholte er,„wißt Ihr. wo das ist?“ „Ich werde das nicht wissen,“ lachte ich,„wo wir ebendort das Baugestänk für unser Kurhaus gestern aufgerichtet haben!“ Die Juli überlief, man konnte es sehen, ein leichter Schauer, als sie die hellen Augen wie ein scheues Reh auf mich richtete:„Da hätte ich nicht den Mut—“ „I wo,“ lachte ich,„lang genug ist jener Bergschutt dort gelegen Höchste Zeit, daß aus Ruinen—“ „Ruinen?“ unterbrach der Lehrer,„die besten zweimähdigen Wiesen sind dort in jahrhundertlanger Bauernarbeit aus dem Bergschutt aufgeblüht— gewesen.“ „Gewesen? Sie sind noch dort.“ „Ihr seid dabei, sie wieder zu verschütten.“ „Wir? Womit?“ Mit euren Kurhaussteinen. Die sind schlimmer als der Bergschutt. Aus ihnen kann kein Bauernschweiß mehr eine Wiese wachsen lassen.“ Er sah mir hart ins Auge. Ich stand verärgert auf:„Wenn Ihr wieder mit der alten Unkerei beginnt—“ „Nichts für ungut. Es ist meine Meinung. Ihr habt eine andere. Ehrlich werden beide sein. Darf ich in der Chronik noch das Ende lesen?“ Widerwillig blieb ich sitzen. „— und hat damaliger zeyt das Stürzen ein großmächtig überhangend Bergtrumm nücht mit runterreißen können, sundern gnediglich auffgesbart, daß nücht noch mehr Unheyl ist herunterkommen und ist so mechtig gewest, daß man ihn nicht hat versprengen können, sundern hat ein merkwirdig Gleichgewicht, derohalben man ihn hat den nickenden Block geheyßen und man hat ihn nücht brauchen fürchten, weyl es umgeht, nücht ehnder kamet er herunter als das Dorf zuerst herunterkamet, und weyl aber das nücht seyn kann, wo das Dorf im Thal drunt licget—“ Wieder sah der Lehrer auf und schaute mich an:„Weyl aber das nücht seyn kann.“ wiederholte er,„Ihr glaubt doch auch, das könne niemals sein?" „Was ich glaube, wollt Ihr wissen?“ fragte ich ärgerlich, ich giaube, daß ich mich hüten werde, mir meinen Sonntag durch Euch vergällen zu lassen und daß Ihr allein oder meinetwegen mit der Juli da hinauf gehen könnt—“ Da nahm die Juli unsere beiden rechten Hände, legte sie zusammen und sah uns so kindlich bittend an, daß auch ich den Rucksack und den Bergstock bolte. „Wenn ich recht verstanden habe,“ sagte ich im Schreiten,„so ist unser Ziel—“ — der nickende Block,“ sagte der Lehrer freundlich,„habt Ihr schon von ihm gehört?“ „Ja, aber nicken soll er nicht.“ „Was weiß ein Mensch vom Tun und Lassen eines Felsens? Unser Leben ist zu kurz. Vielleicht, daß er nur alle hundert Jahre einmal nickt.“ „So is's,“ in unserem Rücken eine Stimme,„akkurat hundert Jahr is's her, bat mei' Urahndl g'sagt, daß er's letztmal g'nickt hat.“ Der Bandrerl war es, der den Vorsitz hatte im Gemeinderat von Achau. Er ging den gleichen Weg. „Akkurat vor hundert Jahren?“ sagte ich im Aufwärtsschreiten scherzend,„also wär' jetzt ein neues Nicken fällig?“ „Werd scho so sei.“ „Da wird man ihm das Nicken unterbinden müssen, Baudrexl?“ „Warum?“ „Denkt doch, wenn er stürzte!“ „Was aufg setzt is, is aufg'setzt— sperrst d'herüben zu, bricht's drüben ein.“ „Dann wird eben ein vernünftiger Mensch auf zwei Seiten vorzusorgen haben.“ Einen mitleidigen Blick warf er mir schief zu:„O mei, junger Herr, moanst d'. der Herrgott, der was aufsetzt, hat net mehr als zwei Seiten bei der Hand— von tausedunddrei Seiten kann er füristoßen.“ „Dann müssen wir eben auf tausendunddrei Seiten Dämme bauen,“ beharrte meine Weisheit. „Bau nur zua— bis d' ferti baut hast, is scho über di'nüberg'saust." „Was ist über mich gesaust?" Was dir aufg'setzt is— red net so viel— steig,'s geht gach!“ Wir stiegen stumm. Nach einer Stunde gab's die erste Rast. „Baudrexl.“ fragte der Lehrer,„was hast du beim Block zu tun?" „Nachschaun muaß i. D' Regierung hat a Schreib'n g'schickt. Weil die Herrischen da drunt a Kurhaus bau'n. Angst ham s““, lachte er verächtlich und kurz auf. „Aber, Baudrexl, da ist nichts zum Lachen,“ sagte die Juli. „denk'. über deim Haus hänget so a Block, dann hättest du doch auch Angst?“ „I? Net so vüll. Was hängt, hängt. Was fallt, fallt. Unser Herrgott werd scho wissen, warum er uns dazwischen eingeschoben hat." Ich sagte nichts mehr. Kämpfe einer gegen Bauernglauben! In der dritten Stunde waren wir droben. Vor uns hing der ungeheure Felsen über. Wir kletterten unter ihm hinein in eine Höhle Dort lag er auf. Alte Stützmauern wurden sichtbar. Die Jahre hatten sie gelockert, der Regen unterwaschen. Ueberblitzt von jähen Rissen, die der Frost gesorengt, waren diese Steine. Auch der Lehrer sah bedenklich drein:„Baudrexl, wenn der nickt—“ „Lass'n nicken.“ „Und wenn er fallt—“ „Er fallt net. Moanst, uns're Ahndl san so dumm g'west, daß sie nur auf unterlegte Stöana si verlassen hätten? Siehst d' Baam ne und die Buschen drumherum? Fester wia die Stoana halten d' Wurzeln— schlupft's mir nach.“ Wir umkletterten den Riesen. Tannen standen schief. Das Flechtwerk der Gebüsche war gelockert Die letzten Wetterwochen hatten schwer gewütet. Der Bart des Niesen war zerzauft. „Seht Ihr jetzt ein, Baudrerl, daß—“ „Nix siech i ein“ sagte er störrisch„viele tausend Jahr lang hat er g'nickt und is nir g'scheh'n— 1 hab mir gnua g'sehn Bleibts ös no herob'n? I geh— pfüat Good beisamm'.“ Mit langen Schritten stieg er abwärts, ohne sich nur einmal umzusehen. (Fortsetzung folgt.) Rüstungsfieber in Europa Abrüstungskonierenzen im walienstarrenden Europa Gründliche Herabsetzung notwendig Die internationale Seeabrüstungskonferenz in London, die ein wichtiges Teilgebiet der Abrütung zu löser sucht, hat das Interesse für den noch immer„in Waffen starrenden“ europäischen Kontinent geweckt, dessen Land= und Seerüstung sich seit dem Jahre 1914 eher vermehrt wie vermindert hat. Macdonald hat in der Eröffnungsrede der Konferenz mit Recht darauf hingewiesen, daß sie in erster Linie der„Vorbereitenden Abrüstnngskommission des Völkerbunde:“ den Weg fur die große, die Land= und Seestreitkräfte umfassende Abrustungskonferenz frei zu machen bat. Während man in London über die Beschränkung der Zahl der Panzerschiffe und Kreuzer debattiert, schwirren die Geruchte über Neuerfindungen auf dem Gebiet der Kriegstechnik von Kontinent zu Kontinent: In England sei kürzlich ein 10,5. Zentimeter=Geschütz konstruiert worden, das alle Leistungen des bisherigen Kalibers in den Schatten stelle. Das Geschoß habe eine Anfangsgeschwindigkeit von dreitausend Fuß und eine Schußweite von 18 Kilometern. In den Vereinigten Staaten habe man neue Wundertants gebaut, die eine Geschwindigkeit von 47 Kilometerstunden erreichen, große Flüsse und Scen überwinden könnten. Bei den amerikanischen Flottenmanövern habe man neue Fliegerbomben von etwa 20 Zentner Gewicht ausproviert, die eine geradezu phantastische Wirkung ausgelöst hätten. In England sei ein neues Riesen=Unterseeboot von 3000 Tonnen Größe gebaut worden, das ein zusammenlegbares Flugzeug in seiner Nanzerhülle mit sich trage. Alle diese Gerüchte weisen zweifellos darauf hin, daß man in Kreisen der Mililärtechnik noch keineswegs an eine durchgreifende Abrüstung denkt. Hier ist nur durch eine gründliche Herabsetzung der Rüstung zu Wasser und zu Lande weiter zu kommen. Vor allem muß die Landrüstung des europäischen Kontinents, die drückendste und umfassendste der ganzen Welt, durch energische Maßnahmen abgebaut werden. Ein kurzer Ueberblick zeigt folgendes betrübliches Resultat, das auf Grund oes neuesten amtlichen Rüstungsjahrbuches des Völkerbundes zusammengestellt ist. Die dort enthaltenen Zahlen sind zwar sehr relativ, je nachdem sie vom eigenen Kriegsministerium oder von einem fremden Beobachter geliefert worden sind. So schwankt z. V. die Ziffer der aktiven französischen Armee zwischen 626 000 und 730 000 Mann, die des russischen Landheeres von 562000 bis zu 1 200 000 Mann Aktivbestand. Der objektive Beobachter muß sich dann eben die„geometrische Mitte“ herauskonstruieren. Frankreich. Die Rüstung Frankreichs läßt sich am schwersten präzisieren, da die militärische Kraft des Landes durch eine ganze Anzahl von Sondergesetzen geregelt ist. Es gibt eine aktive Armee, Ausbildungskaders, Reserveverbände, Territorialarmee, farbige Truppen. Diese Verteidigungskräfte sind derart ineinander geschachtelt, daß sich die Stärke der einzelnen Kontingente schwer präzisieren läßt. Trotz der Herabminderung der Dienstzeit zählt die aktive Armee momentan immer noch 660 000 Mann, darunter 23 200 Offiziere. Im Kriegsfall wird Frankreich etwa 4—5 Millionen Mann, und etwa eine halbe Million Farbige mobilisieren können. Die technische Ausrüstung des französischen Heeres ist enorm: 35000 Maschinengewehre, 1300 leichte und 1500 schwere Geschütze(ohne Festungsartillerie), 2550 Tanks, 1500 Landflugzeuge und 410 Flugzeuge. Rußland. Das militärische Rußland bildet den anderen Gegenpol, aus dessen Rüstung sich die Oststaaten den Vorwand für ihre eigenen Militärausgaben zu holen pflegen. Die Friedensstärke der Sowjetarmee wird zurzeit auf 562 000 Mann angegeben. Von anderer Seite wird sie auf 1 200000 Mann geschätzt. Sie umfaßt 21 Infanteriekorvs, 3 Kavalleriekorps uno eine Anzahl sewartilerieowisionen. Dazu kommen noch 52 000 Mann„Grenzschutz“ und die Truppen der GPU.(der politischen Polizei). Der Aktivdienst dauert für die Infanterie 1—1½ Jahre, der Resernedienst mimmt den Waffenfähigen bis zum 40. Lebensjahre in Anspruch. Bei einer Gesamtmobilmachung wird die Sowjetarmee wohl imstande sein, 5—6 Millionen Mann aufzubringen. Ob man dieses gewaltige Heer bewaffnen vermag, ist eine zweite Frage. enie benst amietrunland 15000 Maschinengewehre, 850 leichte und 225 schwere Geschütze, 200 Tanks und 1400 Kriegsflugzeuge. Polen. Der Aktivbestand des polnischen Heeres beträgt 320 000 Mann(einschl. 1000 Offiziere). Dabei sind die militärisch organisierten und ausgebildeten Milizverbände, die eine Art Grenzschutz darstellen, in Höhe von 500000 Mann noch nicht mitgerechnet. Mit den ausgebildeten Reserven sind im Kriegsfall etwa 21 Millionen ins Feld zu stellen. Polen besitzt 1600 leichte und 420 schwere Geschütze, 60 Tanks und 400 Landflugzeuge. Die 30 Infanterie= nno 4 Kavalleriedivisionen umfassen 270 Bataillone und 200 Esladrons. 40 Munitions= und Waffenfabriken sind vom polnischen Militärstaat für seine besonderen Zwecke errichtet worden. Italien. Italien hat ein stehendes Heer, das je nach der Einbeziehung der Carabinieri, des Ausbildungs= und Stammpersonals der faschistischen Miliz aut 220= bezw. 350 000 Mann geschätzt wird. Die eigentliche faschistische Miliz von eiwe“000 Mann ist damit noch nicht gerechnet. Die ausgebildeten Reserven der italienischen Armee werden auf 3—4 Millionen Mann geschätzt. Die technische Ausrüstung des italienischen Heeres beträgt: 9000 Maschinengewehre. 1200 leichte. 650 schwere Geschütze, 180 Tanks und 1400 Landflugzeuge. Tschechoslowakei. Die Tschechoslowakei verfügt über ein Friedensheer von 120. bis 100 000 Man. Die Ziffern schwanken, da der„Winteretat“ das Heer wesentlich verstärkt. Die ausgebildeten Reserven der Tschechoslowakei werden auf 1½ Millionen geschätzt. Die technische Ausrüstung beträgt: 850 leichte und 410 schwere Geschütze, 60 Tanks und 500 Landflugzeuge. Belgien. Belgien verfügt über eine aktive Armee von 66 000 Mann. Die ausgebildeten Reserven belaufen sich etwa auf eine halbe Million. Die technische Ausrüstung beträgt: 600 leichte und 270 schwere Geschütze, 50 Tanks und 250 Landflugzeuge. England. Das englische Friedensheer wird— je nach der Einschätzung der Kolonialarmee— ganz verschieden geschätzt. Im eigentlichen Mutterland steht ein aktives Heer von 160 000 Mann, dem 180 000 Freiwillige(Territoriale Miliz) im Mobilmachungsfall zuzurechnen sind. In Indien befindet sich ein Kolonialheer von 230000 Mann. Einzelne Schätzungen beziffern das englische Friedensheer allerdings auf 6= bis 700 000 Mann, je nach der ganz verschiedentlichen Einschätzung der militärischen Stärke der Dominions. Ueber Reserven verfügt England, dessen Heer ein Berufsheer ist, mit Ausnahme seiner 180 000 Weltkriegsfreiwilligen nicht mehr. Im Kriegsfall ist erst die Einstellung neuer Freiwilliger geplant. Die technische Ausrüstung des englischen Heeres beträgt: 1700 leichte und 400 schwere Geschütze, 160 Tanks, 800 Land= und 150 Seeflugzeuge. Rumänien. Friedensstärke 200 000 Mann. Kriegsstärke der ausgebildeten Reserven 600 000 Mann. 188 leichte und 63 schwere Batterien. 90 Tanks, 143 Kriegsflugzeuge. Deutschland. Friedensstärke 100 000 Mann. 288 leichte Geschütze. Oesterreich. Friedensstärke 20000 Mann, 1500 Offiziere. 19 leichte Geschütze. Ungarn. Friedensstärke 35 000 Mann, 1700 Offiziere. 105 leichte Geschütze. Der europäische Kontinent starrt also in derselben Waffenrüstung wie 1914, nur daß sich der Schwerpunkt von den chemaligen Mittelmächten auf Frankreich, Polen und Rußland verschoben dat. Die Flottenabrüstungskonferenz in London darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß eine Befriedung Europas erst nach der grundlichen Abrüstung der europäischen Landheere möglich ist. Die„Vorbereitende Abrüstungskommission“ des Völkerbundes hat jetzt das Wort. H. Sch. Zwei Herren unterhalten sich in der Eisenbahn über Prozesse, Gerichte, Rechtsanwälte und erzählen einander kleine mehr und weniger wahre Begebenheiten. Einer der Herren sagt:„Ich fahre jetzt gerade zu einem Prozeß nach W. Mein Prozeßgegner ist im Recht— Sie wissen doch, wie das manchmal so ist— aber man kann sich doch nicht alles gefallen lassen! Und trotzdem gewinne ich den Prozeß, und wissen Sie, warum? Durch einen ganz kleinen, harmlosen Schwindel.“ Der andere gähnt hinter der Hand:„Gibt es denn das?“ „Freilich gibt es das— ich bin froh darüber! Das muß ich Ihnen mal erzählen; das wird Sie als Geschäftsmann sicher interessieren! Bei einer Firma in H. bestellte ich für 35 000 Mark Waren. Ich habe mich aber auf meinem Bestellschein verschrieben; statt 35000 Stück schrieb ich versehentlich 45000 Stück, aber zu dem gleichen Preise wie die 35000 Stück, also für 35 000 Mark. Die Bestellung geht bei der Firma ein. Zufällig treffe ich den Chef dieser Firma auf der Straße, und er fragt mich:„Sie, das soll wohl ein Irrtum sein?“ Natürlich, erwidere ich ihm, das ist ein Irrtum, ich will nur 35000 Stück haben. Und dabei bleibt's. Er liefert mir die 35000 Stück, verlangt aber ganz kurzfristige Zahlung. Ich lehne das ab und verlange 6 Monate Ziel. Er schreibt: macht er nicht, lieber nimmt er die Ware zurück. Richtig, er wollte die Ware zurückholen. Da haben wir uns verkracht. Nun, da kennt er mich schlecht. Ich schrieb ihm: Sie haben mir die Ware zugeschickt; es sind aber bloß 35000 Stück, fehlen also noch 10000. Ich verlange sosortige Nachlieferung und erkläre mich zur baldigen Zahlung bereit, wenn der Restposten eintrifft. So hatte ich natürlich ein glänzendes Geschäft gemacht! Die Firma ist nalürlich entrüstet, behauptete, ich hätte mit dem Chef die Fehlbestellung mündlich geregelt. Da habe ich den Leuten aber einen Brief geschrieben. Was, habe ich geschrieben, was erdreisten Sie sich zu behaupten? Undsoweiter! Nun liegt die Sache sonnenklar. Ich habe bestellt, schriftlich bestellt. Die Firma hat nicht so viel geliefert, wie ich bestellte, hat aber durch Teillieferung meine Bestellung und meine Preisbedingungen anerkannt. Also muß ich gewinnen. Wir klagen nämlich schon seit einem Jahre; heute ist die letzte Verhandlung.“ Der andere Herr nickt lächelnd:„Die letzte Verhandlung wohl, aber Sie werden nicht gewinnen!“ Der Angesprochene lacht auf:„Hoho! Was wetten wir, daß ich gewinne?“ „Sie haben nicht nötig, zu wetten. Wenn nun der Chef Ihrer gegnerischen Firma einen Zeugen für seine Unterredung mit Ihnen hat, bei der Sie zugaben, daß Ihre Bestellung nur auf einem Schreibfehler beruhe?" „Ja, den Zeugen hat er aber nicht!“ „Doch; ich bin der Zeuge!“ „Wieso Sie?" „Nun— Sie baben mir doch alles erzählt! Jetzt eben!“ „über Sie wissen doch gar nicht, wer die Prozeßgegner sind!“ „Doch, ich weiß es. Sie sind Herr Steinbrecher, nicht wahr?“ Der Herr erblaßt:„Ja, woher wissen Sie denn meinen Namen—?“ „War leicht zu erraten— ich bin der neue Vertreter Ihres Prozeßgegners!" Gerhard Frank. „Milliarden“ erst seit 1830 Zahlenwunder Die Lehrmeister in der Kunst des Zählens und Rechnens sind die alten Inder gewesen, die auch besonders an großen Zahlen Gefallen fanden und gelegentlich bei ihren vielen Zahlenspielereien immer neue Zahlwörter schufen. Wir zählen z. B. bis 10 und fangen dann wieder von vorn an, indem wir Einer und Zehner kombinieren, bis wir zu 99 gelangen. Statt Zehnzig sagen wir dann Hundert. Bei zehn Hundert erst haben wir ein neues Zahlwort; wir sagen Tausend. Erst in weiter Ferne kommt wieder ein neues Wort: die Million, und je höher wir steigen, desto unbegreiflicher wird uns die Bedeutung der Zahl. Aber eine Million ist uns schließlich noch geläufig. Dennoch staunen wir, wenn wir hören, daß ein Jahr als 30 Millionen Sekunden zählt. Manche finden das zu viel, manche zu wenig. Das Wort Million bedeutet tausend mal tausend und entstammt dem Italienischen. Zuerst wurde es 1494 erwähnt und war damals so viel wie„zehn Tonnen Goldes“; Die Bezeichnungen und Namen Billion, Trillion usw. waren vor wenigen Jahrhunderten noch gänzlich unbekannt. Erst im 18. Jahrhundert wurden sie von Astronomen und Mathematikern erfunden und angewandt, da man mit den bisher bekannten Größen nicht mehr auskam. Eine Billion ist Million mal Million. Diese Zahl ist uns ja gerade durch die Inflation sehr geläufig geworden die durch ihre Zahlengrößen schon fast eine Art astronomischer Unterricht gewesen ist. Aber mit der Billion ist noch lange kein Zahienende erreicht. Million mal Billion nennen wir Trillion. Achtzehn Trillionen Weizenkörner schuldet noch heute der König Skehram in der bekannten Sage dem Erfinder des Schachspiels, Sessa. Aber weiter und weiter geht es. Million mal Trillion ist eine Quadrillion. Ein Pfennig, zur Zeit von Christi Geburt mit 4 Proz. Zinsen angelegt, wäre heute ein Betrag von mehr als 900 000 Quadrillionen, also annähernd eine Quintillion Mark. Als Kuriosum sei auch noch erwähnt, daß das Wort Milliarde für 1000 Millionen erst im Jahre 1830 in der französischen Finanzsprache aufkam. 3500 Dollar pro Abend...! New Vorker Rünstlerbörse Dem europäischen Besucher der Opern= und Konzeriabende dürfte es nicht allgemein bekannt sein, daß die Sänger und Musiker, die, meist bei erhöhten Eintrittspreisen, ihren Mitmenschen durch ihre Kunst so große Genüsse vermitteln, auf einer einzigartigen Börse der Welt ebenso„notiert“ werden wie bei uns die Effekten, festverzinslichen und sonstigen Wertpapiere. Daß sich die Künstlerbörse mit dem Kurszettel aller Prominenten in New York befindet, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, ist doch Amerika das Land, wo auch die Kunst nur dann einigermaßen ernst genommen wird, wenn ihr„Wert“ in Dollar umgerechnet werden kann. Zu festem Kurse kann dort jeder nur gewünschte Künstler, ab Station gegen bar Kasse„geliefert", seine kostbaren Fähigkeiten dem p. t. Publikum zur Verfügung stellen. Aus den letzten Notierungen geht hervor, daß von allen ausübenden Künstlern die Sänger am höchsten bewertet werden. Schaljapin eröffnet den Kurszettel mit 3500 Dollar für den Abend. Nach ihm kommen Gigli, Fléta und die Jeritza „gleichgewertet“ mit drei Tausendern. Nach diesen vier Best bezahlten folgte in größerem Abstande der vor einiger Zeit verstorbene Battistini mit 1500. Hinter ihm wiederum rangiert der ebenso elegante wie stimmgewaltige Wiener Tenorist Alfred Piccaver mit„nur“ einer einzigen Tausenddollarnote. Der einst stark umworbene Russe Baklanoff wird neuerdings von der Baisse verfolgt(augenblicklicher Kurs 500 Dollar), und der Günstling Kaiser Wilhelm II., Hermann Jadlowker, einstmals schier unbezaylbar, sank auf 150 bis 200 Dollar. Nach den Sängern werden die Pianisten am besten bezahlt. Das ehemalige polnische Staatsoberhaupt Ignaz Paderemski und der Russe Rachmaninoff führen mit 2000 Dollar. Lhévinne bekommt 1200 und Emil Sauer 1000 Dollar für ein Konzert. Unter den Geigern erzielt der jugendliche Jascha Heifetz das Höchsthonorar von 1500. Bronislaw Huberman und Kreisler müssen sich mit der Taxe ihres Kollegen am Klavier Emil Sauer begnügen. Von allen Dirigenten der Welt wird auf der Künstlerbörse allein der Deutsche Wilhelm Furtwängler notiert; auch er nur mit knappen 500 Dollar. Die Liste der Tänzerinnen eröffnet die Pawlowa mit 1500 Dollar. Ihr folgt die Karsawina mit 1000 und die Impekoven mit 550. Als Vortragskünstlerin schlagen zwei Französinnen immer noch alle anderen Rekorde: die unverwüstliche Mistinauette mit 1900 und Raquel Meller mit 800. Die sogenannten„ernsten" Bühnenkünstler sind unvergleichlich billiger. Amerika muß es ja wissen, warum es ausgerechnet eine Dame vom Kabarett den dramatischen Künstlern und Künstlerinnen vorzieht. Und warum es dem so tragisch verunglückten verdienstvollen Nordpoljahrer Amundsen im Gegensatze zu diesen immensen Stargagen für seinen letzten Vortragsabend nur die Lappalie von 150 Dollar zahlte... Die Rauplsache Jrage eines Geschworenen Schwurgerichtsverhandlung in einer deutschen Kleinstadt. Der Angeklagte wird vernommen. Der Staatsanwalt hat etwas zu fragen. Der Verteidiger protestiert. Der Vorsitzende vermittelt. Die Geschworenen sitzen teils lebhaft interessiert, teils teilnahmslos; sie haben auch ihre Sorgen. Onyx=Aktien sind wieder gefallen, die Kohlenpreise ziehen an, der Junge hat schlechte Zeugnisse, Tante Amalie hat Geburtstag Ein Zeuge wird gerufen, befragt und macht seine Aussage: „Es war halb zehn Uhr abends. Ich kam aus dem Kino und wollte noch eine Flasche Wein trinken. Ich ging in Krügers Weinstuben, setzte mich an meinen gewohnten Platz, rechts hinten in die kleine Nische neben dem Ofen, nahm die Zeitung vom Haken, um ein wenig zu lesen, und bestellte eine Flasche Wein. Der Ober, der mich gut kennt, brachte mir Glas und Flasche und schenkte mir ein. Wir sprachen ein paar Worte miteinander, dann wurde er abgerufen. Ich las meine Zeitung und kümmerte mich um nichts weiter. Einmal hörte ich ein lebhaftes Stimmengewirr, aber ich blickte nicht auf, denn so spät am Abend geht es in einem Weinlokal manchmal ziemlich laut her. Gerade hatte ich mein Glas ausgetrunken und wollte mir nachgießen, da hörte ich einen Aufschrei und sah einen Herrn zusammenbrechen, dessen Gesicht von Blut gerötet war. Ich kann kein Blut sehen und da ich außerdem mit der Sache nichts zu tun haben wollte, nahm ich Hut und Mantel und verließ eilends die Weinstube. Ich habe nicht gesehen, wer auf den Hinfallenden geschlagen hat. Ich kenne diesen Mann nicht und weiß nichts weiter zu sagen.“ Der Vorsitzende wendet sich an die Gerichtsherren:„Noch eine Frage?" Da erhebt sich ein Geschworener:„Ich habe noch eine Frage. Der Zeuge sagt, er habe nur ein Glas Wein getrunken. Was ist denn mit dem Rest des Weines, der sich noch in der Flasche befand, geworden?" Gerhard Frank. Zu Godesberg am Rheine! Lindenwirlin, alt und grau In diesen Tagen hat Fräulein Aennchen Schuhmacher, wohnhaft zu Godesbera am vielbesungenen Rhein, in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit(wie sich das für Jubilarinnen so gehört) das Fest ihres 70. Namenstages gefeiert. Wer Fräulein Aennchen Schuhmacher ist? Die Lindenwirtin! Das ist ja eigentlich noch kein Rang, und es gibt sehr viele„Lindenwirtinnen", von deren Geburtstagen, gar wenn sie so hochziffrig sind, die Oeffentlichkeit nicht die geringste Notiz nimmt. Aber Aennchen Schuhmacher ist eben eine besondere Lindenwirtin: die offiziell anerkannte, die notorische, beglaubigte, die Lindenwirtin, der ihr Lindenwirtinnentum in der Schlußstrophe eines Studentenliedes „sangesamtlich“ testiert wird: „Wißt Ihr, wer die Wirtin war, Schwarz das Auge, schwarz das Haar? Aennchen war's, die Feine. Wißt Ihr, wo die Linde stand, Jedem Burschen wohlbekannt? Zu Godesberg am Rheine.“ Es ist lange her, daß dieser Wirtinvers, dieser Lindenwirtinvers natürlich, gedichtet wurde; an die fünfzig Jahre. Als er gedichtet wurde, war Aennchen in den zwanziger Jahren und betreute den von ihren Eltern ererbten Gasthof Schuhmacher in Godesberg. Die Linden dufteten, die Grillen zirpten, der Mond glänzte silberweiß, die Rheinwasser rauschten, die Vögel sangen, und in den Zimmern des Gasthofs Schuhmacher saßen die Herren der Welt: junge Studenten, die künftigen Führer in einem Kaiserreich, das nicht lange vorher einen Krieg gewonnen hatte, lebten frohgemut in den Tag und in die Nächte hinein, hatten keine anderen Sorgen als solche, von denen der gemeine Mann zu sagen pflegt, daß er sie auch gern haben möchte, zechten, sangen und tranken, tranken, tranken. Die Zeiten sind anders geworden. In Godesberg werden ja die Linden noch immer duften und die Rheinwasser noch immer rauschen, aber das Gerausche und Gedufte vollzieht sich heutigentags dezenter. Es sind Reporter bei dem siebzigjährigen Aennchen gewesen und haben die alte Dame interviewt. Dem Aennchen geht es heute nicht sonderlich gut. Den Gasthof hat sie lange verkauft. Ihr Spargeld ist in der Inflation zerschmolzen. Aennchen hat von den bunten Mützen, Bändern und Gesängen erzählt, die den Inhalt ihrer Jugend ausmachen; das stand zu erwarten und ist für jemanden nicht verwunderlich, der jenen Requisiten seinen Namen verdankt. Aber geschwiegen hat sie über ihre Liebesgeschichte. Liebesgeschichten sind meistens langweilig nud gehören durchaus nicht zur Sache. Indessen hier, wo es sich um die angeschwärmte Frau ganzer Generationen von liebesseligen jungen Leuten handelt, um ein lebendiges Symbol erotischer Phantasie, wäre die Liebesgeschichte ja eigentlich die Sache selbst gewesen. Es steht nur fest, daß die „Lindenwirtin jung und schlank, liebliche Augenweide“ ein Fräulein geblieben ist. Muß man die Tragik des Studentenliebchens der Vorkriegszeit ahnen: angehimmelt, aber nicht geheiratet zu werden und, das Schlimmste, den Geschmack am schlichten Manne verdorben zu bekommen? Aennchen Schuhmacher ist„Ehren=Alter=Herr“ von sieben Studentenverbindungen Ihr Zimmer ist angefüllt mit Bändern studentischer Vereine, und Blumengrüße aus ganz Deutschland sind an ihrem 70. Geburtstage in ihr Heim geflogen. Was Aennchen Schuhmacher wohl in ihrem tiefsten Innern gedacht haben mag, alsie an ihrem Ehrentage den Rhein rauschen hörte und die Godesburg leuchten sah? Hans Bauer. Mittwoch. den 29. Januar 1930 Beilage der Freien Presse Nr. 24 Stadtverordnetensitzung in Remscheid Drei Stnnden„Arbeit" an zwei Tagesordnungspunkten, alles übrige in 15 Minuten erledigt— Ein bescheidener Erfolg- Die„Schuld der SPD.“— Kalte Duichen— Das„Lied vom braven Mann“ Der gestrigen Stadtverordnetenversammlung lag eine Tagesordnung vor, die in den wichtigsten Puukten vorwiegend formelle Dinge enthielt, sie wurde eigentlich erst gegen 7 Uhr praktisch in Angriff genommen. Um 6.15 Uhr stak man noch in der Debatte über den ersten Punkt: Bericht über die Finanzlage von Remscheid, Lennep und Lüttringhausen. Der zweite Punkt hielt die Versammlung fast bis 7 Uhr auf, so daß der größte Teil der Tagesordnung in Abwesenheit der Pressevertreter durchgepeitscht wurde. Die Veranlasser dieser Art„Beratung“ waren die Kommunisten, die unendlich lange und oft neben den Dingen her redeten und die bürgerlichen Stadtverordneten freuten sich über diese Praris außerordentlich, denn dort ist die rechte Methode, um deren Willen zur Geltung kommen zu lassen. Sie lassen die Kommunisten reden, lachen darüber und freuen sich darauf, nachher ihre Absichten um so leichter verwirklichen zu können. So wie die Presse heraus ist, ist auch die Redelust der Kommunisten zu Ende. Man ist sich auf allen Seiten darüber einig, daß sich die KPD.=Fraktion gegenüber früher wesentlich verschlechtert hat, aber man ist fast geneigt, den Leuten dafür dankbar zu sein, denn sie sorgen in ausgiebiger Weise für die Betätigung der Lachmuskeln. Weber und Schulz. die beiden Matadoren, entwickeln einen unheimlichen Eifer in dem Bemühen, sich immer wieder und andauernd von der gesamten Versammlung auslachen zu lassen. Ihre Anträge stellen und begründen sie absichtlich so. daß dieselben abgelehnt und die Urheber ausgelacht werden, um so billiger ist dann die Entrüstungspose Mit stets lachendem Gesicht„vertrat“ Schulz einen Antrag für die Erwerbslosen, den seine Fraktion absichtlich zu spät eingereicht hatte, um den Bürgerlichen zu ermöglichen, seine Behandlung abzulehnen. Abwechselnd polemisierte er und Herr Bellingrath von der Volkspartei gegen die SPD. Sprach der eine, rief der andere„Sehr richtig"; umgekehrt ebenfalls! Ein Gefühl für das Beschämende ciner solchen Rolle darf man bei den jetzigen kommunistischen Stadtverordneten nicht voraussetzen. Oder sollte das Fehlen von drei Kommunisten in der gestrigen Sitzung(darunter auch Wolf) hier eine Einschräntung notwendig machen? Die Tribünenbesucher, welche hinten stehen und den Redner nicht sehen können, merken immer nur an den dröhnenden Lachsalven, daß ein Kommunist spricht. Solange die Arbeiterschaft der KPD.=Fraktion eine solche „Politik“ gestattet, ist die unbeschränkte Herrschaft der an sich kleinen bürgerlichen Mehrheit sichergestellt und mit unverhohlenem Zynismus erklärten diese, daß sie davon auch ausgiebig Gebrauch machen würden. Nur einen bescheidenen Erfolg zeitigte die gestrige Sitzung Auf die Initiative unseres Genossen Lips werden die Mietpreiserhöhungen für die städtischen Häuser in Lennep solange nicht durchgeführt, bis die Baukommission darüber beraten hat. Genosse Lips hatte beantragt, die Erhöhungen solange nicht durchzuführen, vis die Stadtverordnetensitzung endgültig darüber beschlossen habe. Die Bürgerlichen aber bestanden auf Verweisung an die Kommission und dort haben sie sich mit Hilfe der KPD. bekanntlich eine solche Mehrheit gesichert, daß für die Mieter in den städtischen Häusern im Endeffekt nichts zu hoffen bleibt. Was also erreicht wurde, war lediglich eine Verschiebung. Vor der Tagesordnung gab Genosse Bühler die Erklärung ob, daß aus Protest gegen die ungerechte Zusammensetzung der Kommission unsere Vertreter die erste Sitzung der Finanz= und Wohlfahrtskommission nicht besucht hatten. Er protestierte weiter dagegen, daß der Fachausschuß der Wohlfahrtskommission aus acht statt aus neun Mitgliedern gebildet worden ist, nur um die Sozialdemokratie auszuschalten. Das rief Otto Weber auf den Plan, der eine lange, von Haß, Blut und Schmutz triefende Erklärung abgab, um seinen Wählern zu beweisen, daß es nur so und nicht anders sein könnte. Dasselbe sagte mit anderen Worten nachher Herr Wüste, der eine rief„Sehr richtig!“, wenn der andere sprach. Bürgerliche und Kommunisten verteidigten gemeinsam das bei der Kommissionsbesetzung den proletarischen Wählern widerfahrene Unrecht! Genose Blank zerfetzte kurz und schlagend die lächerlichen Tiraden des Herrn Weber. Es bandelt sich bekanntlich nicht darum, daß Kommunisten und Sozialdemoktaten bei der Kommissionsbesetzung zusammengingen, sie brauchten bekanntlich nur ihre eigenen Vorschläge gemeinsam einzureichen, und in jeder Kommission hätten die Bürgerlichen ein Mitglied an die KPD. abtreten müssen. Nicht die Sozialdemokraten forderten für sich die Unterstützung der KPD., die lehnen wir dankend ab, es handelt sich nur darum, daß die Kommunisten ihren eigenen Einfluß in den Kommissionen zugunsten der Bürgerlichen vermindert haben; aus Angst vor der Verantwortung verricten sie ihre Wähler! Gen. Blank wies Herrn Weber nach, daß seine Parteigenossen im Lande durchaus nicht so handeln wie er es meint. In Hückeswagen, in Rastenburg usw. machten sic es umgekehrt, während sie allerdings in anderen Orten, wiederum mit den Bürgerlichen zusammen, den Sozialdemokraten die Sitze streitig machten. Wie ein begossener Pudel stand der Held Weber da, als ihm Blank einige vor drei Jahren von ihm selbst geschriebene Briefe verlas, worin Weber genan das Gegenteil von dem geschrieben hat, was er heute selbst verkündet und wofür er seine Parteigenossen an den Renegatengalgen bringt. Als Schulz die Entfernung der Kriminalbeamten aus dem Rathaus verlangte. erklärte der Oberbürgermeister:„Das ist mein Recht und davon mache ich Gebrauch" und die Revoluzzer nahmen wie geprügelte Hunde schweigend den Hieb entgegen. Schüchtern nur fragten sie noch zurück:„wofür sind denn die Polizeibeamten da“? Antwort:„Das Ihnen nichts geschieht".(Brausendes Gelächter.) Als die Finanzlage der drei Städte besprochen wurde, orgelte Schulz eine halbstündige Rede, die darin ausklang:„an dem Defizit ist die SPD. schuld". Nachdem er viel vom Misthaufen gesprochen und allerhand Tiernamen erwähnt hatte, wollte er das „Lied vom braven Mann“ zitieren, wandte aber Worte an aus Schillers„Taucher". Den„braven Mann“ ließ er sprechen: „Wer wagt es. Rittersmann oder Knapp?“ Mit hilflos suchendem Blick versuchte er dann durch die dröhnende Lachsalve zu dringen. Er wußte wirklich nicht, warum die anderen lachten! Viel wurde wieder seitens der Kommunisten und der Wirtschaftspartei auf die hohen Gehälter der Beamten geschimpft. Die Kommunisten stellten den lächerlichen Antrag, die hoben städtischen Beamten sollten freiwillig auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Genosse Blank fragte sie, ob einer unter ihnen so naiv wäre, zu glauben, daß das ein Beamter täte. Keiner wagte zu bejahen, trotzdem aber hoben sie wie dressierte Pudel bei der Abstimmung das„Pfötchen“. Blank rief den Bürgerlichen in Erinnerung, daß sie es doch gewesen seien, die unter der Herrschaft des Bürgerblocks von 1921—1928 die unsoziale Besoldungsreform vorgenommen hätten, da ihnen in der Besoldungsordnung vom Jahre 1920 die Gehaltsunterschiede nicht groß genug gewesen seien. Die bürgerlichen Parteien wären also verantwortlich für die bohen Gehälter, die auch die Kommune gezwungen sei, zu bezaylen. Da niemand freiwillig verzichten werde, werde unsere Fraktion für den lächerlichen kommunistischen Antrag nicht stimmen, zumal gerade von den Kommunisten leider zu befürchten sei, daß sie am Jahresschluß wieder eine Weihnachtsbeihilfe für die Stadtobersekretäre beantragen würden. Mit den Hampelmännern in der kommunistischen Fraktion fertig zu werden, macht den Bürgerlichen gar keine Mühe. Die KPD.=Fraktion ist für die bürgerlichen Stadtverordneten nichts mehr als ein amüsantes Spielzeug. Belbert. 29. Januar. v. Den Freitod gesucht? Ueber den Verbleib der vermißten Bernhardine Schäfer, geboren am 30. November 1808, bisher wohnhaft Velbert, Bahnhofstr. 65, ist bisher noch nichts bekannt geworden. Obgleich die Kleider der Vermißten an der Ruhr gefunden und als deren Eigentum anerkannt worden sind und infolgedessen die Annahme begründet ist, daß sie den Freitod in der Ruhr gesucht hat, ist die Leiche bisher noch nicht gefunden worden. Etwaige zweckdienliche Mitteilungen, welche zur Aufklärung der Angelegenheit dienen konnten, erbittet das Kriminalkommissariat Velbert, Königstr. 26. v. Eigentümer gesucht. Sichergestellt wurde eine fast neue silberne Herrenuhr, die vermutlich aus einem Diebstahl herrührt. Die Uhr trägt auf dem Deckel von innen das Zeichen, vermutlich Reparaturzeichen H. i5 12. 29. A.). Zweckdienliche Angaben über die Herkunft der Uhr erbittet die Kriminalpolizei in Velbert, Königstr. 26. v. Für Kriegsbeschädigte. Der nachste orthopädische Sprechtag findet am Donnerstag, den 30. Januar, vormittags von 9 bis 12 Uhr, in Velbert, Oststr. 31(Gesundheitshaus), statt. Auch werden dort Anträge entgegengenommen. v. Freie Gewerkschaftsjugend. Donnerstag, den 30. Januar: Fach= und Spielabend. Alle werden gebeten, zu erscheinen. v. Rentenzahlung für Februar. Die Zahlung der Aliers, Invaliden=, Unfall=, Witwen=, Witwenkranken=, Kranken= und Waisenrenten durch das hiesige Postamt erfolgt im Gasthof„Zentral“ von 8—12.30 und 15.30—18 Uhr, und zwar am Samstag, den 1. Februar nur für die Rentenempfänger mit den Anfangsbuchstaben A—K und am Montag, den 3. Februar, nur für die Rentenempfänger mit den Anfangsbuchstaben L—Z. Nichtabholung hat Rücksendung der Rente zur Folge. Ein neuer Telephonautomat (Zum Geldwechseln nebst Selbstanschluß.) Die Verbesserung des deutschen Telephon= und Telegraphenwesens hat in der Aera der Rationalisierung in allen Betrieben sehr bald auch dahin geführt, statt der umständlichen und mühevollen Fernsprechvermittlung in den Postämtern Selbstanschlußapparate zu schaffen, die dem Benutzer eine rasche,„richtige“ Verbindung herstellen. In den großeren Städten Deutschlands sind darum schon seit langem Selbstanschluß=Telephonautomaten in BeDer automatische Selbstanschluß= und Geldwechsel=Telephonapparat trieb, die mit Hilfe eines sinnreichen Buchstaben= und Zahlensystems die gewünschten Verbindungen mit den verschiedenen Aemtern und zu deren Einzelteilnehmern hin vermitteln. In der Mitte des Apparates befindet sich eine Drehscheibe, die sich über zwei Kreisen, einem aus Buchstaben und einem aus Zahlen, dreht, in dem man zunächst den Buchstaben des geDie Kommunisten garantieren der B. A. eine unumschränkte Herrschaft. Es ist bitter, zu sehen, wie grausam die kommunistischen Wähler vom 17. November enttäuscht und verraten werden. Die kommunistischen Wähler glaubten besonders deutlich „links“ zu stimmen, aber ihre Gewählten sitzen im Stadtrat auf der äußersten Rechten und benehmen sich auch entsprechend. Daß sie selbst nicht wissen, wo sie richtungsmäßig hingehören, beweist ja hinreichend die Tatsache, daß sie um ihre Plätze mit den Bürgerlichen„Pennschen trecken“ getan haben. Unsere Aufgabe ist und bleibt es daher, die Arbeiterschaft aufzuklären über die Schelmen, die zur Stadtverordnetensitzung gehen, wie zum Maskenball, die keine Empfindung dafür haben, wie sie sich selbst und die Proleten in den Augen der höhnisch lachenden Klassengegner erniedrigen. Betrieben wir intensiv und ausdauernd diese Aufklärungsarbeit, dann werden bald die Herren erkennen, daß es so nicht weiter geht, dann erst wird es auch mit dem Uebermut der Vertreter des Besitzbürgertums im Remscheider Stadtrat ein Ende haben. Lange werden sich die Kommunisten diesen„Spaß“ nicht mehr erlauben können. An ihre eigene Einsicht zu appellieren, ist zwecklos, erst wenn ihnen der Boden unter den Füßen entschwindet, werden sie nüchtern werden, was an kalten Duschen dazu beitragen kann, soll ihnen bis dahin nicht erspart bleiben. Remscheid Achtung. Parteisunktionäre von Am Mittwoch, den 29 Januar, abends 8 Uhr, im Saale des Bürgerhaus, Remscheid, Markt: Funktionärsitzung Alles muß erscheinen. Der Borstand. wünschten Amtes mit der entsprechenden Zahl bis zu einem Widerstandhebel mit dem Finger nach rechts dreht. Wenn beispielsweise das Amt auf einer neben dem Telephonapparat befindlichen Tabelle die Bezeichnung F 7 aufweist, so steckt der Teilnehmer zunächst den Finger in den Kreisausschnitt der Drehscheibe über dem Buchstaben F hinein und dreht die Scheibe nach rechts bis zum Widerstandshaken; dort läßt er sie los, so daß sich die Scheibe von selbst wieder zurückdreht. Danach wiederholt man das Spiel in gleicher Weise von der Zahl 7 aus. Damit ist das gewünschte Amt eingestellt und nun braucht nur noch die entsprechende Anschlußnummer des gewünschten Teilnehmers von der höchsten Jahl bis zur niedrigiten eingestellt zu werden: also wenn die Anschlußnummer 1721 ist— erst die 4, dann die 7, dann die 2 und schließlich die 1, indem man die Drehscheibe jeweils von dem entsprechenden Kreisausschnitt in der angegebenen Weise nach rechts dreht. Darauf meldet sich unmittelbar der gewünschte Teilnehmer. Nun kommt aber der Benutzer solcher Automaten oftmals in die Verlegenheit, daß er nicht gerade ein 10#=Stück zur Hand hat, und doch dringend telephonieren muß. Ein Wechseln ist mitunter sehr schwierig und würde Zeitverlust bedeuten. Deshalb hat sich die Reichspostverwaltung entschlossen, probeweise einen sehr sinnreichen Telephonapparat aufzustellen, der gleich als Geldwechselantomat funktioniert. Oberhalb des Telephonapparates befinden sich an Stelle des sonst üblichen Einwurfschlitzes für 10 9-Stücke Einwurfschlitze, wo man entweder 1 N oder 50# oder Zehn= oder Fünfpfennigstücke einwerfen kann. Beim Einwurf von 1.0 und 50„ fällt der überschüssige Wechselbetrag in einen unten befindlichen Auswurf, der ähnlich ist wie bei den Briefmarkenautomaten. Zur Vereinfachung des Telephonierens und zur Bequemlichkeit der Benutzung dürfte dieser Apparat einen beträchtlichen Schritt in der technischen Rationalisierung der Reichspost bedeuten. Es ist zu wünschen, daß solche Apparate nicht nur in Berlin, sondern auch schleunigst in anderen Orten Aufstellung finden. Märchenhafte Schätze im Golfstrom Der Golfstrom ist jene lauwarme Wasserströmung, die, vom Kanal von Florida kommend, den Atlantik schräg von Südwesten noch Nordosten überquert und auf die westlichen Küsten Europas auftrifft. Die ungeheuren Wassermassen schaffen das für diese Küstengebiete charakteristische milde Klima. Die Entstehung des Golfstroms wird dadurch erklärt, daß die Passatwinde das Wasser den Aequator zwischen Afrika und Amerika entlang treiben und es in den Golf von Mexiko drücken, wo es sich durch längere Berührung mit den heißen Küsten erwärmt. Dann fließt es durch den Kanal von Florida, zwischen Florida und Kuba, ab. Man hat lange Zeit die Entstehung der großen Meeresströmung nicht gekannt. Bis 1850 glaubten die Geographen, daß die Strömung durch den Ausfluß des Mississippi im Golf von Mexiko verursacht werde. Als jedoch Ingenieure die Wassermassen beider Strömungen nachmaßen, erkannte man, daß die des Golfstromes 2000mal größer waren als die des Mississippi. So war es unmöglich, die alte Erklärung aufrecht zu erhalten; eine neue gab dann auch der berühmte amerikanische Meeresforscher Maury. Der Golfstrom führt nach Maurys Erklärung stündlich 100 Milliarden Tonnen Wasser mit sich. Seine Temperatur ist immer hoher als die des Meeres, in dem er fließt. Täglich enthält er die unvorstellbare Menge von 39 500 Trillionen Kalonien Wärme. Man versteht daraus die Wirkung der Strömung auf die westlichen Küsten Europas. Naturgemäß haben die Temperaturschwankungen des Wassers eine Rückwirkung auf die klimatischen Verhältnisse der berührten Gebiete. Diese Unbeständigkeit rührt zweifellos von der wechselnden Intensität der Sonnenstrahlung auf die äquatorialen Geviete her, durch die dann wieder die Entstehungsursache des Golfstromes, die Passatwinde, beeinflußt werden. Ein französischer Physiker, Idrac, und seine Begleiter, die kürzlich eine Reise nach Kuba gemacht haben, um Studien zu dem großen Projekt der Nutzbarmachung der Meereswärme anzustellen, haben sich auch mit dem Golfstrom befaßt. Der Physiker berichtet darüber u. a.: Bekanntlich enthält das Meerwasser Gold, und zwar fünf Zehntel Gramm in einem Kubikmeter. Nun gibt es aber auf unserer Erde etwa 1300 Millionen Kubikmeter Meerwasser. Könnte man das Gold gewinnen, so käme auf jeden Erdbewohner ein Block Gold im Werte von 110 Millionen Mark. Der Golfstrom führt, wie gesagt, durchschnittlich 100 Milliarden Tonnen Wasser in der Stunde. 50 000 Tonnen Gold transportiert also der Golfstrom stündlich gegen die Küsten Europas. Wo bleibt das Genie, das diese Schätze hebt? Zehn Jahre ohne Der Aikohoikriea in den USA. In diesen Tagen sind zehn Jahre verflossen, seitdem die Vereinigten Staaten von Nordamerika„trocken gelegt“ wurden. Für uns, die wir fern vom Schuß der Prohibitionspolizei in den gesegneten Bier= und Weinschwemmen der„nassen" Deutschen Republik ungeschoren dem„Teufel Alkohol“ frönen können, ist der Geburtstag der sogenannten Prohibition eine interessante FeuilletonUnterhaltung Für die freien Bürger des angeblich freiesten Staates der Welt jenseits des großen Teiches aber ist er die Bilanz eines blutigen und kostspieligen Krieges. Mit dem Inkrafttreten des Alkoholverbotes bekam das öffentliche Leben der nordamerikanischen Staaten mit einem Schlage ein anderes Gesicht. Die legale Brauindustrie verschwand vom Boden und wich unterirdischen Brennereien. Das Gewerbe der „bottleggers“(Alkoholschmuggler) wurde gevoren. Ueber eine balbe Milliarde Dollar wurde in der neuen Industrie investiert. Eine große moderne Tankflotte wurde geschaffen. Auf flinken Motorboten, mit Maschinengewehren gespickt— es soil sogar Unterscebocte für den Alkoholschmuggel geben— jagen verwegene Männer bei Sturm uno Wetter, vei Nacht und Nebel in die geheimen Häfen, um sich ihres kostbaren Nasses zu entledigen. Schwere, schnelle Autos bringen die verbotene Fracht durch die kanadischen Urwälder an die amerikanische Grenze, wo— wie zu Zeiten der Goldsucherperiode— die Zöllner überfallen werden. wenn sie sich Transporten in den Weg stellen. Während an der atlantischen Küste die gepanzerten Wachboote der Regierung die Schmuggelschiffe mit Artilleriefeuer zum Beidrehen zwingen, jagen tankähnliche Antomobile der Prohibitionspolizei auf dem Lande hinter den an der Grenze übernommenen Alkoholtransporten her. 1980 Personen sind von 1919 bis 1928 von der Prohibitionspolizei in Kämpfen getötet worden. 20450 Todesfaile werden im gleichen Zeitraum auf Alkoholvergiftung zurückgeführt. Das ist die blutige Bilanz der letzten zehn Jahre. Die Einpeitscher der Trockenlegebewegung, die am 16. Januar 1919 siegestrunken verkündeten, daß nach Jahresfrist das Alkobolproblem gelöst sei, stehen heute an der Bahre vieler Bataillone friedlicher Burger, die von den Maschinengemehren der Polizei zusammengeschossen wurden. Es kam anders, als sie dachten. Kein Frieden, sondern ein Krieg, dessen Ende auch heute noch nicht abzusehen ist. Zu diesen unerhörten Menschenopfern gesellen sich die moralischen Schäden, die als Begleiterscheinung des Altoholverbots auftraten. Das öffentliche Leben Amerikas ist heute eins der korrumpieriesten. Kenner der Verhältnisse stellen bereits Vergleiche mit den Zuständen auf dem Balkan an. Die großen und die kleinen Sünder, jene neue Kategorie oon Kriminellen, die aus ihren eigenen Schwächen und denen der anderen ein gutes Geschäft machen, zählen nach Millionen amerikanischer Staatsbürger. Was sich geändert hat, ist ausschließlich das äußere Bild— der Eingang zu den Aneipen. Früher konnte man ungehindert zu ebener Erde seine„Halbe“ trinken. Heute steigt man in den 2. Stock, um in geheimer Schankstätte den Reiz des Verbotenen aus der Hüftflasche deppelt zu genießen. Die Zahl der„#eak easys“(Flüsterkneipen) wird allein in Neuyork von der Polizei auf dreißigtausend geschätzt. Cb in Baltimore oder Chikago, der Whisky ist überall gleich leicht zu erstehen, natürlich für die entsprechende Anzahl Dollar. Das lauft im Kern darauf hinaus, daß das Proletariatoyne Altoho! auskommen muy. Ein Ausnahmegesetzalso! Da aber auch das Proletariat zu seinem Rechtkommen will, verkaufen tüchtige Geschäftemacher in den Arbeitervierteln für 10 Cent gesundheitsschädlichen denatuSchnays und Bier rierten Alkohol. Die Leute fallen tot auf den Straßen um, aber die bottleggers verdienen, und die armen Teufel haben wieder einmal einen Schluck Sprit im Bauch, wenn es auch der letzte war.— Das alte Jahr hat in dem Kampf um die Trockenlegung eine entscheidende Wendung gebracht. Das Schmuggelschiff „Black Duck“ wurde in der Silvesternacht von einem patrouillierenden Polizeiboote durch Maschinengewehrfeuer manövrierunfähig gemacht und drei Mann der Besatzung erschossen. Als die siegreiche Polizei mit den Toten an Bord landete, stellte sich heraus, daß die Beamten sich in sinnlos betrunkenem Zustande befanden. Dieser und ähnliche Fälle haben die„Nassen“ auf den Plan gerufen. Die„Association against the Prohibition“, an deren Spitze General Clare E. Edwards getreten ist, will mit allen Mitteln die Aufhebung des Verbots erreichen. Gegen„die heilige Sache der personlichen Freiheit“ aber wenden sich in bisher nicht gekannter Schärfe die Alkoholgegner. Der Nationalausschuß für die Einhaltung der Gesetze empfiehlt, unverzüglich die Vorschriften Eine Familie unichuldig verurteilt Die Affäre Adam, die ebenso wie der Dreyfuß=Prozeß zu einem der skandalosesten Kapitel im französischen Strafvollzug gehört, hat nunmehr nach fast vierzig Jahren eine Aufklärung getunden, die in den nächsten Wochen schon zur völligen Rehabilitierung der unschuldig Verurteilten führen wird. Am 13. Mära 1891 verurteilte das Schwurgericht zu Epinal den alten Schmiedemeister Lorenz Adam, dessen Frau und dessen Sohn Justin, in Habeaurupt in den Vogesen ansässig, wegen Raubmordes an einer alten Gutsbesitzersfrau zu je 20 Jahren Zwangsarbeit. Bei Verkündung des Urteils wurde Frau Adam wahnsinnig und starb später im Irrenhaus. Der alte Schmiedemeister und sein Sohn wurden in die Strafkolonie Guvana gebracht, wo sie sich musterhaft führten und in mehreren Bittschriften immer wieder ihre Schuldlosigkeit beteuerten. Die französische Revisionsinstanz lehnte jedoch mangels beweiskräftiger Argumente ein Eingreifen ab. Der alte Lorenz Adam starb schon nach wenigen Jahren in der Strafkolonie, während sein Sohn 1906 begnadigt wurde und die Erlaubnis erhielt, in seine Heimat zurückzukehren. Die Bewohner des kleinen Vogesendörfchens nahmen ihn freundlich auf. Niemand von ihnen glaubte an die Schuld der Familie Adam. Justin fand eine Anstellung als Eisenbahnschaffner, die er zu voller Zufriedenheit seiner Vorgesetzten ausfüllte. Seine Freizeit verwendete er darauf, eine Revision seines Prozesses zu erreichen. Endlich, im August 1923, 17 Jahre nach seiner Freilassung, setzte das Gericht einen Termin zur Prüfung der Angelegenheit an. Das Gesuch wurde auch jetzt wieder abgelehnt. Justin Adam nahm sich den Urteilsspruch so zu Herzen, daß er ebenso wie seine Mutter den Verstand verlor. Er starb am 21. Aug. 1923 im Irrenhaus von Mareville. Mit dem Tode dieses letzten direkt Beteiligten hatte aber die Angelegenheit, so sehr es auch die französischen Gerichte wünschten, noch nicht ihr Ende gefunden. Ein Bruder des Verstorbenen, Louis Adam, übernahm jetzt die Aufgabe, seine Familic zu rehabilitieren. Er sicherte sich den Beistand des geschickten Rechtsder Prohibition zu verscharfen. Vorgesehen ist bereits die Vermehrung des Justizpersonals, da die Gerichte mit den abzuurteilenden Fallen nicht mehr fertig werden, ferner der Baueiner Flottille von dreißig schnellen Motorbooten für den Küstenschutz und die Aufstellung einer 10000 Mann starken Wachtruppe längs der kanadischen Grenze. Schließlich soll der für industrielle Zwecke bestimmte Alkohol mit tödlichen Giften durchsetzt werden, so daß der Alkobol nicht wieder trinkbar gemacht werden kann. Die Methode ist alt, mußte jedoch von der Regierung unter dem Drucke der öffentlichen Meinung schon vor Jahren aufgegeben werden, da trotz der Warnungen sich die Todesfälle häusten. Dennoch hat der Prohibitionskommissar Doran neuerdings ein scharfes Gift zur Anwendung gebracht, dem bereits vier Neuyorker zum Opfer gefallen sind. Die Nassen und die Trockenen kämpfen, erbitterter denn je.„Die„bootlegger“ denken nicht daran, ihr einträgliches Geschäft aufzugeben. Und die Regierung war noch nie entschlossener als seit der Präsidentenschaft Hoovers, mit allen Mitteln den bestehenden Gesetzen Geltung zu verschaffen. Der Krieg geht weiter. Wann wird der Frieden sein? Norbert Bachrach. anwalts Pierre Xardel und arbeitete an der Herbeischaffung des erforderlichen Entlastungsmaterials weiter. Zufällig erhielt eine Frau, die Witwe Claude, die seinerzeit belastende Angaben gemacht hatte, Kenntnis davon, daß der Rechtsanwalt zum Studium der Akten in Epinal weilte. Sie suchte ihn auf und teilte ihm mit, daß sie damals im Jahre 1891 eine nicht ganz richtige Aussage gemacht habe. Das fragliche Haus, vor dem sic das seinerzeit als wichtiges Indizium betrachtete Gespräch über den Mord gehört habe, sei gar nicht die Wöhnung der Familie"dam, sondern eine ganz andere gewesen. Da im Jahre 1891 Lokaitermine noch nicht im Prozeßverfahren üblich gewesen seien, ware der Irrtum, der zur Verurteilung der Angeklagten führte, möglich gewesen. Nur aus Furcht vor ihrem Manne, der aber vor einigen Tagen gestorben sei, habe sie, die Witwe Claude, bisher geschwiegen. Diese wichtige Aussage wurde sofort an Ort und Steile nachgeprüft und als richtig befunden. Als Mörder der alten Gutsbesitzersfrau kommen die nächsten Angehörigen von ihr in Betracht, die sie später beerbten und den Einwohnern durch ihr scheues Wesen auffielen. Sie können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, da sie inzwischen verstorben sind. Die Sicherheit, mit der die Witwe Claude ihre Aussage machte, veranlaßte die Richter der Revisionsinstanz endlich, die Wiederaufnahme des Prozesses zu verfügen. Gleichzeitig wurde ein Disziplinarverfahren gegen die Beamten eröffnet, die mit der Affäre zu tun hatten. Wie Rechtsanwalt Xardel erst jetzt der Pariser Presse erklärte, ist es sicher, daß die Revision zur völligen Rehabilitierung der Familie Adam führt. An die Hinterbliebenen dürfte eine hohe Entschädigungssumme gezahlt werden. Guter Rat. Der Arzt riet Herrn Mack, nicht bis spät in die Nacht hinein auszugehen. „Glauben Sie, die Nachtluft ist nicht gut für mich, Doktor?“ „Nein,“ sprach der Arzt,„das ist es nicht, aber was Sie dann zu Hause erwartet, schadet Mordauiklärung nach vierzig Jahrer Ein franzölilcher Jultizikandal Vor der Ausrollung des Meeresriesen/ Auf der Walsischjagd 30000 Waljische im Jahre Tin Bericht ron G. Nesse. New York Der Walsisch schwebt in höchster Gefahr der Ausrottung. Nicht weniger als 30 000 dieser Meeresriesen werden jährlich abgeschlachtet, und wenn diesem Massenmord nicht durch internationale Vereinbarung Einhalt getan wird, gehört der Walfisch bald der Vergangenheit an. Dabei käme eine Einschränkung nicht nur dem Walfisch zugute, sondern ebensosehr auch der verarbeitenden Industrie, die heute mit modernen Mordwaffen buchstäblich die Henne abschlachtet, die ihr goldene Cier legt. Ein einziger moderner Walfischjänger bringt in einer Fangzeit bis zu vier Millionen Dollar ein. Es ist leicht verständlich, daß angesichts solcher Gewinne die internationalen Gesellschaften, die den Walfischfang betreiben, nur schwer zu einer Einschränkung zu bewegen sind. größle Beforgnis“. sagt Dr. Cushman Murphn vom Naturgeschichtlichen Museum zu New York,„erregt der Umstand, daß durch diesen Massenmord die Zahl der lebenden Walfische gegenwärtig ihren tiefsten Stand erreicht hat, mit einziger Ausnahme des Spermwals. Einst waren sämtliche Weltmeere von Walfischen belebt. Heute ist das Polarmeer der einzige Ort, wo sich noch Walfische in ansehnlicher Zahl befinden, obwohl auch hier einige Arten beträchtlich zusammengeschmolzen sind. So waren im Jahre 1906 98 Proz. der bei der Insel Süd=Georgia gefangenen Walsische Buckelwale. Im letzten Jahre machten diese Buckelwole nur 3 Proz. des Fanges aus woraus hervorgeht, wie sehr diese Art in 22 Jahren ausgerottet wurde. Man hat allen Grund zu der Annahme, daß diese Art in wenigen Jahren gänzlic verschwinden wird, falls keine internationalen Schutzmaßnahmen getroffen werden. Bei so großen Tierrassen geht die Erholung nur sehr langsam vor sich, da nur alle zwei Jahre ein Junges geboren wird. Ist ihre Zahl erst einmal zu sehr zusammengeschmolzen, so ist eine Erholung der Rasse überhaupt unmöglich. Die Abschlachlung der Walfische geschieht aus rein geschäftlichen Gründen. Falls überhaupt, werden nur wenige aus Sport getötet. Der Walfisch kann nicht als Plage hingestellt werden. Nicht eine der Walfischarten wurde ausgerottet, damit der Mensch ihren Wohnbereich einnehme, wie es bei Landtieren häufig der Fall ist, wenn die wachsende Bevölkerung Wälder abholzt und wildes Land urbar macht. In diesem ungleichen Kampfe mit dem Menschen ist der Walfisch verloren. In früheren Zeiten, als er in offenen Booten mit Handharpunen gejagt wurde, bot sich ihm die Möglichkeit des Entkommens. Doch gegen heutige Methoden, die Explosionsharpune, aus einer Kanone geschossen, die flinken Dampfschiffe, mit allen möglichen Kunstgriffen zur Vernichtung ausgerüstet, ist auch der schnellste Walfisch hilflos. Jn den Anfängen des Walsischfanges, ais nur der Speck und das Fischbein benutzt wurden, ließ man den Rest im Meere treiben. Im Gegensatze zur allgemein herrschenden Ansicht wird heute der Walfisch nicht nur wegen des Tranes gejagt, sondern auch um mehrerer wertvoller Erzeugnisse willen. Die Entdeckung des Erdöls gab der Welt ein billiges Leuchtmittel, das noch dazu leichter zu gewinnen war, und verhalf dem Spermwal zur Schonung. Heute jeooch geyt seine bedrohte Lage aus seiner zusammengeschmolzenen Jahl hervor. Durch den Umstand, daß Pferdepeitsche und Beonkorseit außer Gebrauch kamen, wurde eine andere Walfischart geschont, die wegen ihres Fischbeins berühmt war. Ein einziger solcher Walfisch war einst zehntausend Dollar wert. Den heutigen Dampfjägern sind am wichtigsten der Blauwal, Finnwal und Buckelwal. Diese liefern wertvolles Oel für Schmierzwecke und Seifen, Fleisch, Fleischmehl für Rindvieh. Guano und Knochenmehl. Ein einziger Buckelwal von vierzig Tonnen Gewicht ergibt 40 000 Fleischportionen, außer Oel, Knochen usw. Heute wird die Abfallverwertung bis aufs äußerste durchgeführt, und der ganze Kadaver wird restlos verarbeitet Die Weißen haben dies von den Japanern gelernt. In Japan werden große Mengen Walfischfleischkonserven verkauft, da es ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel ist." Im Abendlande begann der Walfischfang als ein Nationalgewerbe der Basken und kam nacheinander in die Hände der Holländer, Briten, Amerikaner und Skandinavier. Reule sind es norregische Gesellschaften, die den Walfischmarkt zum größten Teil beherrschen, denn der Fang geht hauptsächlich in den Polarmeeren vor sich, da die Walfische auf dem übrigen Teil der nördlichen Halbkugel so gut wie ausgerottet sind, mit Ausnahme von Teilen des Stillen Ozeans. Die alte, gemäßigte Art des Walfischfanges war ein romantisches Gewerbe. Kleine Flotten von Segelschiffen zogen über die endlosen Meere bis Walfische gesichtet wurden. Man benutzte Ruderboote, und in einem solchen gebrechlichen Fahrzeug verließen ein Dutzend Abenteurer das sichere Schiff und machten sich an den Walfisch heran. Am Bug eines jeden der kleinen Boote stand der HarDie Uhr Auch dieser alte Sarg ist ein Totengräber, der die Minuten beerdigt. Sein unerbiltlicher Zähler zerschneidet, schneidet auch den Staub der Sphäre. Die irrende Seele der Zeit hört dem ewigen Ticktack seines Tokenkopfes zu und träumt... Jo Pieper. Ein garler Wink „Bekommen Sie manchmal gescheite Anregungen für die Ausgestaltung Ihres Blattes?“ fragte ein beliebter Humorist den Verleger einer Zeitschrift.„O ja, sehr viele sogar,“ lautet die Antwort. „Dann möchte ich nur mal wissen," fährt der Humorist fort,„warum Sie diese Anregungen nie benutzen.“ Schrierige Jrage Frau Pollack besucht eine Photoausstellung. Der Führer erklärt:„Dies sind die Vorläufer der heutigen Photographien, Daguerreotypien genannt nach dem Erfinder Daguerre: der lebte bis ungefähr 1850.“ „Und wann lebte Herr Photo?“ punierer und schleuderte die an einer Leine befestigte Harpune. Später wurde die Harpune von einer Kanone abgeschossen, und noch später benutzte man Granaten, die mit der Harpune verbunden waren. Im Bug eines modernen Walsischfängers befindet sich eine tunnelartige Oeffnung, die hinabführt ins Wasser. Diese Oeffnung ist weit genug, daß man einen Walfisch von 150 Tonnen Gewicht in die Mitte des Schiffes ziehen kann, wo er mit größter Gründlichkeit und Schnelligkeit zerlegt wird. So mögen an einem Tage zehn bis fünfzehn Aalfische getötet und verarbeitet werden. Der Walfischfänger„Larsen" zum Beispiel ist ein mächtiger Dampfer, der sechs„Jagdboote“ von 200 Tonnen zur Verfügung hat, die beim Fang helfen. Diese ziehen im Sommer und Herbst von der Stewart=Insel südlich von Neuseeland aus und treffen sich mit dem Hauptschiff, wenn es im Dezember eintrifft. Die Kapitäne der Jagdboote haben einen Anteil am Fang, und verdienen bis zu 18 000 Dollar in drei Monaten. Man kann sich leicht ausmalen, mit welchem Eifer man da ans Werk geht und so viele Wale wie möglich zu erlegen sucht. Da es während der Jagdzeit nicht wirklich dunkel wird, arbeiten die Mlannschaften Tag und Nacht. Das Schlimmste ist, daß die Jagd an so abgelegener Stelle ausgeübt wird und die Oeffentlichkeit wenig von der Ausrottung der ganzen Gattung erfährt. Dr. Murphy verbrachte einige Monate mit einer Walfischexpedition im Polarmeere, um Beobachtungen an Ort und Stelle zu machen.„Unsere Nachkommen haben wirklich ein Recht auf diese interessanten und wertvollen Säugetiere,“ sagte er.„Es gibt kein anderes Oel auf der ganzen Welt, das Walfischöl für gewisse Zwecke ersetzen könnte. Es liegt gar kein Grund vor, warum unsere Generation den Weltvorrat gierig aufbrauchen und die nächste Generation ohne einen Walfisch lassen sollte, wie es bestimmt eintreten wird, wenn der Vernichtung des Walfisches nicht Einhalt getan wird, und zwar recht bald.“ Tine ellernschule In Paris wurde eine Elternschule nach dem Vorbilde der schon vielfach in Kalifornien bestehenden Elternschulen von einigen Frauen gegründet. Sie will die Eltern zum Verständnis aller Erziehungs= und Gesundheitsfragen erziehen. Besonders bemerkenswert ist, daß im Gegensatz zu den in Deutschland schon hier und da auftauchenden„Mütterschulen“ auch die Väter für ihre verantwortungsvolle Erziehungsaufgabe geschult werden sollen. Rbei Tengs urwüchsiges System Der volkstümlichste Porträtmaler und Graphiker von New Dork ist zur Zeit ein chinesischer Künstler namens Abei Teng. Er hat sein individuelles System— das muß man schon sagen—, indem er jeglichen Pinsel verschmäht und mit seinen— Fingern malt. Dies ist„Zurück zur Natur“ in höchster Vollendung. Der Mann soll eine Fingerfertigkeit aufweisen, die jeder Beschreibung spottet; er„schmiert“ die wundervollsten Farbensymphonien mit seinen zehn Fingern auf die Leinwand oder auf das Papier. Sein einziges graphisches Hilfsmittel stellen stilgemäßerweise die Fingernägel dar, die er in die Tusche taucht, um dann die Komposition in aller Form in das Papier zu kratzen. Kbei Teng, der Fujita von New York, behauptet, seine mannigfache Impressionen nur auf diese Weise vollkommen„ausdrücken" zu können. Die New-Yorker Gesellschaft glaubt ihm diesen geschickten Trick; warinn sollten wir's da nicht auch tun?!... Wonenn im sante son Millionn onniclal Ein Großfeuer brach am Dienstagmorgen im westlichen Industrieviertel von Braunschweig aus und äscherte eine große Anzahl Werkstätten und Lagerschuppen ein. Dem Brand, der von der gesamten Braunschweiger Feuerwehr bekämpft werden mußte, fielen ungeheure Vorräte an Zucker, Kleie und anderen Futtermitteln, an Wollwaren, Textilien und an Konserven zum Opfer. Die Konserven explodierten unter lautem Knall. Zwei Feuerwehrleute wurden verletzt. Erst am späten Nachmittag gelang es den Anstrengungen der Berufsfeuerwehr, den Brand zu löschen. Der Schaden geht in die Millionen. seine Heimat zurückkehrte, flüsterten ihm Bekannte zu, daß seine Frau Lübiva während seiner Abwesenheit die Geliebte eines Knechts geworden sei. Außer sich vor Wut und Eifersucht erklärte der Betrogene seiner Fran, daß er sie„wie einen Ziegenbock abschlachten“ würde, wenn sie ihm nicht behilflich wäre, ihren Liebhaber umzubringen. Die eingeschüchterte Frau sagte zu und ihr Mann drängte sie jetzt, dem Knechte ein Schäferstündchen zu geben und ihn dabei mit einem Rasiermesser zu entmannen, damit ihm die Lust zu seinen Streichen verginge. Lübitza handelte tatsächlich nach dem Berlangen ihres Mannes. Nur schnelle ärztliche Hilfe konnte das Leben des Knechtes retten, der schwer verletzt im Krankenhause liegt. Zeitrechnung in Sowjetrußland mit dem Jahre 1917, dem Jahre der proletarischen Revolution. Der 7. November soll als erster Tag der Repolution Jahresansang werden, das Wirtschaftsjahr dagegen am 1. Januar anfangen. Die 12 Monate im Jahr bleiben, aber jede Woche hat nur fünf Tage. Die fünf Feiertage des Jahres enthalten u. a. den Lenintag am 22. Januar. Die alten Namen für die Monate und Tage bleiben, aber es gibt keinen Samstag und Sonntag mehr. Jeder Monat soll mit demselben Wochentag anfangen. Ein Riesenbillett Der bekannte amerikanische Statistiker Robert Mr. Davis ist im Besitze eines sieben Fuß langen Eisenbahnbilletts, das ihm von der Pennsylvania=Eisenbahngesellschaft in Neuvork verkauft worden ist. Das Billett, das nach den Mitteilungen der Bahngesellschaft alle bisherigen Billettlängenrekorde schlägt, ermächtigt seinen Inhaber zum Besuche von 85 amerikanischen Städten. Mr. Davis ist der Vorsitzende einer Regierungskommission für Industrie= und Handelsfragen und wird zum Studium der Produktion in den einzelnen Landesteilen die ganze Union bereisen. Das Märchen vom Glück Wie ein Nachtwächter reich wurde Der nicht gerade übermäßig bemittelte Nachtwächter der englischen Stadt Leicester, ein gewisser Saddington, ist ein schwerreicher Mann geworden. Er setzte sich eines Morgens von seiner anstrengenden Tätigkeit müde auf eine Bank im Stadtpark und begann eine dort liegen gevliebene Londoner Zeitung zu lesen. Da fiel ihm eine Anzeige auf, in der die Erben eines in Australien verstorbenen Engländers namens Saddington gesucht wurden. Der Nachtwächter erinnerte sich dunkel an einen Oheim, welcher dereinst, allerdings als armer Arbeiter, nach Australien auswanderte, und meldete sich, ziemlich ungläubig, auf das Inserat hin, als Erbe. Und tatsächlich stellte sich heraus, daß der nächtliche Hüter der Ruhe und Ordnung der einzige rechtmäßige Erbe des Verstorbenen sei. Er erhielt bare 50 000 Pfund und ist so im wörtlichsten Sinne über Nacht der reichste Bürger von Leicester geworden. Der Mann kann wirklich von glückbringendem Zufall sprechen, denn der längst vergessene Erbonkel segnete bereits vor annähernd 20 Jahren das Zeitliche und die zuständigen Behörden haben nach langen ergebnislosen Recherchen in der auf der Bank versehentlich liegen gelassenen Zeitung die gesetzlich vorgeschriebene letzte Annonce veröffentlicht. Autounglück in Düsseldorf Zwei Insassen schwer verletzt In der Nacht zum Dienstag ereignete sich in Düsseldorf an einer Straßenkreuzung ein schweres Autounglück. Zwei Autos fuhren mit solcher Gewalt zusammen, daß die beiden Insassen des einen Waaens herausflogen und mit schweren Verletzungen bewußtlos liegen blieben. Ein Auto wurde vollständig zerstört. An dem Aufkommen des einen der Verletzten wird gezweifelt. Schwere Folgen eines Streites Mit einer Basaltgabel tödlich verletzt Am Sonntag wurde in Orken(Kreis Grevenbroich) der 24 Jahre alte landwirtschaftliche Arbeiter W. mit einer schweren Schläfenwumde tot im Bett aufgefunden. Der Tod war durch Blutvergiftung eingetreten. W. hatte am Samstagnachmittag mit dem Gehilfen eines Fuhrmannes aus Gustorf eine Streitigkeit gehabt, in deren Verlauf ihm sein Gegner eine schwere Basaligabel entriß und ihn selbst damit verletzte. W. beachtete die unscheinbare Wunde nicht und machte noch am selben Abend in einem Nachbardorfe eine Festlichkeit mit. Morgens fand man ihn tot in seinem Bett. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. Der Fuhrmannsgehilfe wurde nach einer eingehenden Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt, Berliner Ehepaar auf einer Insel Füntzig Fischer ertrunken An der Westküste Spaniens ertranken durch das Kentern von drei Bonten 50 Fischer. Auch an der nordafrikanischen Küste sind zahlreiche Fischerboote abgetrieben worden. Man bangt um das Leben der Insassen. Der holländische Dampfer „Para“(6000 Tonnen) sank, mit Erz beladen, bei Oran. Unschuldig im Zuchthaus Das Delmenhorst=Urteil aufgehoben. In der bekannten Strafsache gegen Adolf Lehing, Engelbert Schmidt und Louis Schmidt ist jetzt im Wiederaufnahmeverfahren das Urteil des Schwurgerichts Oldenburg vom 28. Juli 1914 ohne neue Hauptverhandlung aufgehoben worden. Die Angeklagten wurden von der Anklage des Raubmordes freigesprochen. Die Oldenburger Strafkammer ist der Ueberzeugung, daß die Tat nich: nur nicht von den Angeklagten begangen worden ist, sondern daß sie auch in keiner Weise Beteiligte waren. Die Staatskasse wurde zur Zahlung einer Entschädigung verpflichtet. Der Lehrer und drei Knder ertrunken Nahe einem Dorfteich bei Wobrow(Pommern) ist beim Betreten der Eisdecke ein Dorfschullehrer mit seinen Schülern eingebrochen. Drei Schüler im Alter von acht bis zehn Jahren sind mit dem Lehrer ertrunken. 20 Jahre Gesängnis für Unterschlagung 14 Millionen Mark unterschlagen Der frühere Bizepräsident der Union Industrial Bank wurde in Flint(Michigan) wegen Beruntreuung von Bankgeldern zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er mindestens zehn Jahre verbüßen muß. Außerdem erhielten neun andere ehemalige Angestellte der Bank langjährige Freiheitsstrafen. Die Gesamtsumme der Unterschlagungen beträgt 14 Millionen Reichsmark, was einen Rekord in der Geschichte des amerikanischen Bankwesens darstellt. Rußland ohne Sonntag Nach dem von der Regierungskommission zur Durchführung der ununterbrochenen Arbeitswoche bestätigten und nunmehr dem Rat der Volkskommissare vorzulegenden Entwurf beginnt die neue Kind von Wölfen überfallen In der Nähe des südslawischen Dorfes Urotschevar wurde dieser Tage ein zehnjähriger Junge auf der Landstraße von einem Wolfsrudel angefallen. In seiner Angst sprang der Knabe in den mit Schnee gefüllten Straßengraben, wo er von den Bestien umringt wurde. Einer der Wölfe faßte ihn mit den Zähnen und schleppte ihn einige Meter aus dem bohen Schnee fort, ohne ihn aber zu verletzen. Als sich aus dem Dorfe ein Schlitten mit laut bellenden Hunden näherte, wurden die Wölfe verscheucht. Zur großen Ueberraschung fand man das Kind lebend und unverletzt. Noch bebend von dem überstandenen Schrecken erzählte der Kleine, daß ihm die wilden Tiere nur das Gesicht und die Hände geleckt hätten. Rundfunk-Programm Mi och. 29. Jan. 11.20: Musikal. Schulfunk. 13.05: Konzert. Haydn: Trio D-dur.— Danci: Quartett G=moll.— Mo= zart: Trio Es=dur. 15: Kinderspielstunde. O 16: Auguste Dieden: Was erwartet die Fabrikarbeiterin vom Arbeiterinnenschutzgesetz?• 16.30: Reg.=Rat Edhardt: Sinn und Ziel der Landschule der Gegenwart. 16.50: Unterrichtsbeispiel: Himmelskunde sur Landschulen# 17.30: Konsert. Mitw.: K. Haeser(Klavier). Edith Delbrück=Gsell(Sopran). Schumann: Fantasie C=dur.— Grieg: 3 Lieder.— Chopin: Larghetto aus dem F=moll=Konzert: Mazurka H-moll: Nocturno F.moll: Walzer As=dur: Ballade As=dur.— Reger: Auf mondbeschienenen Wegen.— Pfitzner: Gretlein o 18.30: Dr Loose: Die internationale Zuckerwirtschaft. • 19.15: Oberverwaltungsgerichtspräsident v. Nostiz: Das neunte Schuljahr, eine Frage der Sozialreform. o 19.40: Dr h. c. Röchling: D!: Eisenwirtschaft des Saargebietes o 20: Robert KoppelAbend. Mitw.: R. Koppel(Gesang und Rezitat.) Kl. Orch. des Vestd. Funks.# Danach: Konzert. Donnerstag. 30. Jan. 11.30: Schulfunk. 12.10: Konzert auf der Wurlitzer Orgel.• 13.05: Konzert. Strauß: Marsch.— Leuschner: Transaktionen=Walzer.— Verdi: Faschings=Ouv.— Sullivan: Maskerade.— Czibulka: An dich!— Grieg: Norwegischer Brautzug.— Thiele: Aus der Woche. Potp. o 15: Kinderspielstunde. 15.50: W. Bölsche: Der Lokomotivführer. 16.30: Das heimatkundliche Prinzip im Fachunterricht der gewerbl Berufsschule mit Unterrichtsbeispiel.• 17.30: Konzertmusik und Gesang. Gurewich: Konzert für Sarophon.— Dawes: Marilyn=Walzer. — Wiedoeff: Melodie: Rubenola=For.— Geehl: Für dich allein. — Tosti Abschied.— Gurewich: Ballett=Fantasie.— YradierWiedoeff: La Paloma.— Wiedoeff: Mazanetta=Walzer— Bowann: 12th Street Rag.— Verdi:„Freundlich blick ich"— Tu.cini:„Wie eiskalt ist dies Händchen“.• 18.30: Gutes Deutsch. 19.15: Spanisch. 0 19.40: Dr. von Vopelius: Die Saarlän= dische Glas= und Keramindustrie. o 20: Das Nachtlager in Granada. Romantische Oper von Konradin Kreutzer.* Danach: Nachtmusit und Tanz. Arbeiter=Sport Vor sünf Monaten gestrandet. Associatéd Preß meldet aus Chikago: Von der EugeneMacdonald=Expedition, die einige Inseln in der Nähe des Aequators erforschte, liegt ein Funkbericht oor, wonach sie auf der zur Gruppe der Galapages gehörenden Charles=Inseln, zwei Berliner, Dr. Ritte und Frau, auffanden Das Ehepaar strandete vor fünf Monaten bei der genannten Insel. Die Macdonald=Expedition verproviantierte das Ehepaar für die Dauer eines Jahres. Rettungsarbeiten vor Biarritz Bis jetzt acht Schiffbrüchige gerettet. Die Bemühungen zur Rettung der Schiffbrüchigen auf dem Wrack des vor Biarritz gestrandeten englischen Dampfers Knepworth sind zunächst unterbrochen worden dadurch, daß das Kabel. auf dem die Rettungsboje liegt, mit der die Schiffbrüchigen einzeln an Land geholt wurden, sich an den Küstenfelsen scheuerte und zerriß. Bis dahin hatte man acht Mann von den 23 noch an Bord Befindlichen an Land geholt. 20000 Personen befanden sich am Strand und verfolgten die Rettungsarbeiten. Um 19 Uhr setzte man die Bemühungen fort und hofft, im Laufe der Nacht noch die an Bord befindlichen 15 Mann zu retten. Das Schiff selbst muß als verloren angesehen werden, ebenso die Ladung. Erpressung durch Kindesentführung Die Zerbster Kindesentführung aufgeklärt Die Kindesentführung, die am 24. d. M. in Zerbst (Anhalt) begangen wurde, ist jetzt aufgeklärt worden. Das am genannten Tage durch eine Frau in einem geschlossenen Automobil aus der Schule entführte Kind Heinz=Jürgen Raschke ist in Hagenow=Heide bei Bekannten des Auftraggebers der Frau aufgefunden worden. Dieser Mann, der sich der noch unbekannten Frau bediente, ist der Dachdecker Felsche aus Strohkirchen, der jetzt in Hagenow verhaftet und dem Amtsgerichtsgefängnis zugeführt wurde. Felsche hat die Kindesentführung vornehmen lassen, um nach vorangegangenen Auseinandersetzungen mit den Eltern des Kindes finanziellen Forderungen gegen diese Nachdruck zu verleihen. Ob Erpressung vorliegt, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben. Racheakt eines gekündigten Dienstmädchens Das zweijährige Kind der Herrschaft vergiftet. Eine schreckliche Mordtat verübte ein 19jähriges Dienstmädchen, indem sie das zwei Jahre alte Söhnchen ihrer Herrschaft nachts mit Lysol vergiftete. Obwohl die Täterin zunächst einen Ueberfall vorzutäuschen versuchte, konnte sie bald der surchtbaren Tat überführt werden, die sie aus Verärgerung darüber begangen haben will, daß man ihr nach 14tägiger Beschäftigung wieder gekündigt hatte. Das Kind ist den furchtbaren Aetzwunden erlegen. Grausames Ende einer Liebesstunde Mit dem Rasiermesser entmannt. In dem nordbulgarischen Orte Balai ließ der zum Arbeitsdienst einberufene junge Bauer Danaik Petrow seinen Nivalen entmannen. Als Petrow nach seinem Dienst wieder in Boxen Barmer Kraft=Sport 25 geschlagen 8: 10 Am Samstagabend fand vor einem vollen Hause der Kampf der Barmer Mannschaft zegen Düsseldorf und Gevelsberg statt. Es wurden klassige und harte Kämpfe gezeigt, die das Publikum bis zum Schluß fesselten. Als Einleitungskampf traten zwei Schüler von 10 Jahren in den Ring, welches mit Freuden begrüßt wurden. Sie zeigten, wie schon der Boxsport in der Jugend Fuß faßt und Schulung zeigt. Es waren die Schüler Wöste, Gevelsberg, und Röser, Barmen. Nachdem folgte der Kampf im Papiergewicht Beck II=Düsseldorf gegen Böhner 1I=Barmen. Der Barmer machte seinen ersten Kampf und zeigte eine sehr gute Technik, so daß von ihm noch viel zu erwarten ist. Er schlug sich mit Beck II unentschieden. Im Fliegengewicht traf Beck 1=Düsseldorf mit Krugmann=Barmen zusammen. In der ersten Runde setzte Beck gleich los und erhielt auch in dieser Runde etwas Vorsprung, jedoch in der zweiten Runde war der Barmer der bessere, ebenso in der letzten, da er technischer kämpfte. Jedoch verkündete der Ringrichter den Düsseldorfer, der einen ¼ Punkt mehr hatte, als Sieger. Ein Unentschieden wäre gerechter gewesen. Im Bantamgewicht kämpfte Tonetti=Gevelsberg mit Röntgen=Barmen. Hier zeigte sich stets Röntgen im Angriff und konnte auch so den Sieg an sich bringen. Er gewann die drei Runden nach Punkten. Im Federgewicht waren Teichmann=Gevelsberg und Grundlach=Barmen. Dieser Kampf war sehr unsauber, und der Ringrichter mußte mehrere Male abbrechen, da die Gegner viel miteinander rangen, also keinen Borkampf darstellten. Auch der Barmer muß noch vieles lernen, um ein Boxer zu werden. Sie trennten sich mit einem Unentschieden. Im Leichtgewicht trat Bracht=Düsseldorf mit Neuhof II in den Ring. Der Barmer legte in der ersten Runde gleich los und konnte diese Runde an sich bringen; jedoch in der zweiten und letzten Runde schlug Bracht=Düsseldorf Neuhoff mehrere Male schwer an, so daß er zu Boden mußte und in der letzten Runde ausgezählt wurde. Sieger Bracht=Düsseldorf durch ko. Weltergewicht: Sinsing=Düsseldorf gegen Klein=Barmen. Es war ein sehr schöner technischer Kampf. Die Gegner trennten sich nach drei Runden mit einem Unentschieden. Mittelgewicht: Langenfeld=Düsseldorf gegen Klöpper=Gevelsberg. Es war ein hartes Treffen, jedoch zeigte Klöpper sich stets seinem Gegner technisch überlegen und konnte so den Sieg an sich bringen. Mittelgewicht: Dautzenberg=Düsseldorf, eine alte Kanone im Boxen, stieß auf Welter=Barmen. Es war ein harter Kampf, jedoch erhielt Welter in der ersten Runde einen Haken, der ihn zu Boden brachte. Er fiel auf den Hinterkopf. Jedoch zählte ihn der Ringrichter aus; nur durch den Protest des Publikums wurde eine Einigung erzielt und die beiden Runden noch ausgetragen. Hier zeigte sich der Barmer in Höchstform und schlug sehr genau. Es war der hüirteste Kampf des Abends, und der Düsseldorfer trat den Sieg freiwillig an Welter ab, der ihm nach den zwei Runden auch so zugesprochen werden mußte. Im Halbschwergewicht: Rinker=Gevelsberg gegen Schäfer=Barmen. Diese zwei, welche sich sehr gut kennen, lieferten auch den besten Kampf. Da beide nicht auf ein Ko. ausgingen. Sie trennten sich mit einem Unentschieden. Es fang noch ein Einlagekampf statt: KlöpperGevelsberg(Fliegengewicht) und Rinker=Gevelsberg(Leichtgewicht) zeigten ein technisches Können, das bei den Besuchern große Anerkennung fand. Sämtliche Besucher waren mit den Leistungen sehr zufrieden. Sie werden nie eine Veranstaltung des Barmer KraftSport 25 versäumen. Der Verein wird bemüht sein, stets bessere Kämpfe zu zeigen. Die nächste Veranstaltung wird wieder im Saale stattfinden und eine erstklassige Mannschaft verpflichten. Näheres wird noch bekanntgegeben. Radfahrer— Wuppertal Sämtliche Mitglieder des AR.= und KB.„Solidarität“ im Gebiet der Stadt Wuppertal(bisherige Ortsgruppen: Elberfeld, Barmen, Ronsdorf, Cronenberg und Vohwinkel) werden schon heute zu der am Sonntag. den 2. Februar, m Gewerkschaftshaus Barmen, Wittensteinstr. 2, 14 Uhr statfir denden Einigungsversammlung eingeladen. Tagesordnung: 1. Zusammenschluß. 2. Vorstandswahl. 3. Statut. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen dringend geboten. Kein Mitglied darf fehlen. H. Z. Tillmanns über Bord „Führer“=Wechsel im Westen, der Aufsehen erregt. Wie man der letzten Nummer des Spalterorgans„Westdeutscher Arbeitersport“ entnehmen kann, hat man Fritz Tillmanns als Verantwortlichen ausgeschifft. An Stelle von Tillmanns zeichnet jetzt ein in der Arbeitersportbewegung bisher völlig unbekannter Karl Schabrod, Düsseldorf=Eller, Vennhauserallee 18, verantwortlich. Bezeichnend bei diesem Wechsel ist, daß er ohne jeden sonstigen redaktionellen Hinweis erfolgt. Vielleicht fragen die Arbeitersportler der J.=G., soweit sie sich noch etwas selbstbewußte Regungen bewahrt haben, einmal bei ihren„maßgeblichen“ Führern Hernes und Westphal an, was die Ursache dieser Abhalfterung des ehemals so gewaltigen Fritz Tillmanns ist — und welche Stelle den„Arbeitersportler“ Schabrod eingesetzt hat. Zur Therapie akuter Schwäche= und Ermüdungserscheinungen, allgemeine Erschöpfungszustände. Kopfichmerzen. Herzbeschwerden. Appetitlosigkeit, Blutandrang zum Kopf. Druck in den Schläien, empfehlen namhafte Fachärzte für Nervenkrankheiten das neue kombinierte Vitamin=Hormon=Präparat Kolaferrin. Angehörige aller Berufsschichten äußern sich außerordentlich anerkennend. „Die Verjüngung der Zellen des Oraanismus bedeutet die Verlängerung der Lebensdauer!“ Kolaferrin enthält neben Kola=Coca=Pflanzenbestandteilen phosphorsaure Salze. Eisen=Eiweiße, Lecithin, lebenswichtige Vitamine und Hypophysenertrakt als Drüsenpräparat, auf Grund der neuesten Forschungen der Wissenschaft zusammengesetzt. Es regt gestörte Funktionen an, ersetzt verbrauchte Nerven= und Blutzellen und führt dem Organismus wichtige Fermente zu, wodurch eine Regeneration erfolgt. Erprodtes Kräftigungsmittel bei vorzeitiger Mannesschwäche. Wirksam bei Nheuma. Gicht. Ischias. Fettlucht ulw Angenehmer Geschmack, schnelle Wirkung, völlige Unschädlichkeit. Beachten Sie den Sonderdruck der Deutschen AerzteZeitung. 4. August 1929, über Kolaferrin, seine Wirkung und die Erfolge. Kolaferrin bildet den Abschluß einer 20jährigen wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiete der Nerventheravie. Preise: 1 Originalschachtel RM. 3.—, 1 kleine Kurpackung (3 Originallchachteln) RM. 7.50. Gratisproben und Broschüren völlig unverbindlich und vortofrei durch die Kolaserrin=Gesellschaft, Berlin W 50/D 510 Morburger Strche B. Nus dem Reich der Lechnik Konservierte Elektrizität RWE baut ein neues Wunderwerk Vor wenigen Wochen wurde im Ruhrgebiet ein technisches Werk vollendet und in Betrieb genommen, das seiner Eigenart wegen besondere Beachtung verdient. Es handelt sich um ein bei Herdecke in Westfalen erbautes Wasserkraftwerk, dem eine merkwürdige Aufgabe zukommt: es soll ein gewaltiges Lager bilden für den Abfallstrom der RheinischWestfälischen Elektrizitätswerke, es soll ein Speicher sein, in dem alle die Energiemengen aufgestapelt werden, für die Auf dem Berg das Speicherbecken, von dem pier Rohre in zwei Rohrbahnen zum Krafthaus herabführen. Das Krafthaus liegt an einem Stausce, 160 m tiefer als das Becen. gegenwärtig kein Absatz vorhanden ist. Nun ist aber die elektrische Energie als solche keine Stapelware. Wir können sie nicht wie etwa die im Gas, im Oel, in der Kohle gebundene Energie in Gasometern, Tanks oder Bunkern lagern. Wir kennen zwar einen Elektrizitätsspeicher, den man hierzu benutzen könnte. Er ist der Akkumulator, der unsere Radiogeräte, soweit sie nicht aus dem Netz gespeist werden, mit Heizstrom versorgt. In großen Städten verwendet man ihn vielfach in Form großer Batterien, um eine Stromreserve in Störungsfällen zu haben. Für die Speicherung des Abfallstroms in ganz großen Versorgungsgebieten aber kommt der Akkumulator kaum ernstlich in Frage, weil er hohe Anlagekosten erfordert und auch im Unterhalt teuer ist. Wollen wir die gewaltigen Mengen an Abfall= und Ueberschußstrom aufspeichern, die bei unseren großen Dampf= und Wasserkraftwerken anfallen, dann wenden wir uns einer anderen Speicherart zu. Wir speichern dann die elektrische Energie nicht mehr als solche, sondern in Form hochgepumpten Wassers. Wir lassen sie also eine Arbeit leisten, nämlich Wasser aus einem Talbecken in ein hochgelegenes Becken emporbefördern. Dieses Wasser bleibt als„konservierte Elektrizitat“ im Speicherbecken bis Strombedarf eintritt. Dann lassen wir es durch Druckrohre und Turbinen herabfließen und gewinnen wieder die elektrische Energie daraus, die wir zuvor für die Pumparbeit aufwenden mußten. Allerdings nicht ganz die gleiche Menge, denn bei der doppelten Umwandlung(elektrische Energie— potentielle Energie des hochgepumpten Wassers— elektrische Energie) geht ein gewisser Anteil(etwa 40 Proz.) verloren. Aus dem Gesagten wird uns der grundsätzliche Aufbau eines solchen Werkes ohne weiteres verständlich. Wir haben ein tiefliegendes Becken(Staubecken), aus dem die Pumpen das Wasser entnehmen, wir haben Rohrleitungen, durch die sie es empordrücken und wir haben ein hochgelegenes Speicherbecken, in dem es gespeichert wird. Bei Strombedarf fließt es durch die gleichen Rohrleitungen wieder hinab und durchströmt Wasserturbinen, aus denen es zum tiefliegenden Becken zurückgelangt. Beim Pumpen wird Strom verbraucht, die Pumpen werden von Elektromotoren angetrieben. Beim Herabfließen wird Strom erzeugt, die Turbinen sind mit Generatoren(Stromerzeugern) verbunden. Man kann nun— das ist sehr bemerkenswert— als Elektromotor und als Generator ein und dieselbe elektrische Maschine verwenden, die nach Bedarf einmal als Pumpenantrieb, einmal als Stromerzeuger arbeitet. Dadurch vereinfacht sich der maschinelle Aufbau außerordentlich. Jeder Maschinensatz besteht aus Pumpe, Wasserturbine und Motorgenerator. Beim Pumpbetrieb arbeitet der Motorgenerator auf die Pumpe, bei der Stromerzeugung ist er mit der Turbine verbunden. Einen solchen Speicherbetrieb hat man neuerdings mehr und mehr bei Wasserkraftwerken eingerichtet, denn hier ist normalerweise schon alles da, was dazu gehört: Staubecken, Speicherbecken, Rohrleitungen. Man braucht nur die Maschinensätze um eine Pumpe zu erweitern und kann ohne Schwierigkeiten einen Speicherbetrieb einrichten. Aber der Speicherbetrieb bleibt natürlich eine nebenberufliche Aufgabe dieser Werke. Das grundsätzlich Neue an dem eingangs erwähnten Werk in Herdecke besteht nun darin, daß hier der Speicherbetrieb erstmalig„im Hauptberuf“ ausgeführt wird. Das Werk ist das erste reine Speicherkraftwerk, ein Werk also, das nur des Speicherbetriebs wegen geschaffen wurde und dessen einzige Aufgabe der Speicherbetrieb ist. Die Speicherwerke sind also keine wirklichen Kraftwerke, sondern„Pseudo=Kraftwerke“. Sie verwandeln nicht Rohenergie in veredelte Energie, sondern beziehen die fertige veredelte Energie von anderen Werken und haben nur die Aufgabe, sie zu speichern. Dabei wird an Energie nichts gewonnen, im Gegenteil, es geht noch ein gewisser Anteil verloren. Die Speicherung der Elektrizität kostet Geld. Es fragt sich nun: Warum das alles? Warum brauchen wir einen Elektrizitätsspeicher? Warum müssen wir umständlicherweise Wasser hochpumpen, nur um es später wieder herablaufen zu lassen? Nun, es ist in der Elektrizitätswirtschaft nicht anders als überall im Wirtschaftsleben: wir müssen zwischen Gütererzeugung und Verbrauch das Lager einschalten, um von den Schwankungen des Konsums unabhängig zu werden. Diese Schwankungen sind gerade im Elektrizitätsverbrauch außerordentlich groß. Sie ändern sich mit der Jahreszeit, ja von Stunde zu Stunde. Solange wir tags arbeiten und nachts schlafen, solange wir nicht mit der Sonne zur Ruhe gehen und aufstehen, solange wird es Schwankungen im Elektrizitätsverbrauch geben; in der Nacht wird wenig Strom verbraucht, am Tage viel, besonders in den Morgenstunden, weniger in der Mittagspause, aber der stärkste Verbrauch setzt am Nachmittag ein, wenn z. B. an Winternachmittagen gegen 4 Uhr die Dämmerung beginnt, in den Fabriken noch alle Motoren laufen und in den Straßen und Häusern schon die Lampen eingeschaltet werden. Dann müssen ganze Reihen von Kesseln und neue Maschinensätze in den Dampfkraftwerken in Betrieb genommen werden, um die rasch einsetzende„Konsumspitze“ zu decken. Nach zwei bis drei Stunden, wenn die Fabriken, Bureaus und Geschäfte ihre Pforten geschlossen haben, sinkt der Strombedarf rapide wieder herab, in den Kraftwerken werden die kaum erst in Betrieb genommenen Maschinensätze und Kessel wieder stillgelegt. Stundenlange Anheizarbeit ist verloren, nutzlos kühlen die Kessel ab. Es kommt hinzu, daß der Wirkungsgrad der Kessel bei wechselnder Belastung ein viel geringerer ist als bei ständig gleichbleibender Arbeit. Das alles verteuert den Strom für die Deckung der Konsumspitzen, den sogenannten„Spitzenstrom“ sehr stark. Das Ideal ist die ständig gleichbleibende Stromlieferung des Kraftwerks. Aber da ergeben sich Schwierigkeiten: in der Nacht ist niemand da, der den Strom abnimmt, bei Tag wird mehr Strom verbraucht, als das Werk liefern kann. Hier setzt das Speicherwerk ein: es ist der Abnehmer für den Abfallstrom, den die Kraftwerke bei Nacht billig erzeugen und abgeben können, es ist der Lieferant jener Strommengen, die am Tag über die Leistung der Werke hinaus verbraucht werden. Es verwandelt den„Abfallstrom“ in „Spitzenstrom“, indem es ihn ein paar Stunden lang in Form hochgepumpten Wassers lagert. Damit wird uns auch die Arbeitsweise eines Speicherkraftwerks verständlich: in der Nacht Pumpbetrieb, am Tage, besonders in den Nachmittagsstunden, Kraftwerksbetrieb. Das Werk Herdecke ist das bisher größte europäische Speicherwerk. 160 Meter über dem Spiegel der zu einem See gestauten Ruhr, auf einem Berggipfel wurde das Speicherbecken, ein 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser fassendes Betonbecken erbaut. Vier gewaltige Rohre von 3 Meter Durchmesser und 300 Meter Länge führen den steilen Berghang hinab zum Krafthaus, in dem die Maschinen aufgestellt sind. 3 Pumpen, 4 Motorgeneratoren und 4 Turbinen sind hier aufgestellt. Jede Pumpe befördert mit einem Antrieb von 36 000 PS. rund 14 Kubikmeter Wasser in das Becken empor. In knapp 10 Stunden ist das gewaltige Becken gefüllt. Stürzen sich dann am Tage bei zunehmendem Strombedarf diese riesigen Wassermengen wieder durch die Rohre zu Tal, so vermögen sie in den Generatoren 140 000 Kilowatt zu erzeugen, und zwar etwa 3½ Stunden lang, so daß rund Die größten Kreiselpumpen der Welt gelangen in Herdecke zur Aufstellung. Unser Bild zeigt das Gehäuse einer dieser Pumpen. Versuch einer technischen Bilanz (Unter dieser Ueberschrift werden in der Folge bekannte Fachleute kurz über den technischen Stand in wichtigen Wirtschaftsgebieten berichten.) Kurt Borsdorff, Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft: Technik in der Landwirtschaft Bemerkenswerte technische Neuschöpfungen 1929. a) Schlepperbinder(Bindemäher mit Zapfwellenantrieb), Maschinenfabrik Lanz=Wery, Zweibrücken(Pfalz). Im Gegensatz zum Pferdebinder bedeutend stärker gebaut. Besondere Ausrüstung: Garbenzähler. Arbeitsbreite: 240 Zentimeter. Kraftbedarf: Kleinschlepper. Nur verwendbar für Schlepperbetrieb. h) Bindemäher. Deutsche Werke AG., Spandau. Erstmalig mit Stabzuführung im Gegensatz zur Haspelzuführung. Neuer Bindetuchverschluß. Leistet im Lagergetreide bessere Arbeit, gestattet Anmähen von allen vier Seiten. c) Grasmotormäher. Maschinenfabrik Emil Krämer, Gotmadingen in Baden. Mit achtpferdigem Motor ausgerüstet, der das Schneidewerk der Maschine antreibt und Fortbewegung bewirkt. Leistung 0,3 bis 0,5 Hettar pro Stunde. Bedienung sitzt. IrusWerke, Dußlingen(Württemberg). Zweirädriges Fahrgestell mit 4-PS.=Motor. Bedienungsmann steuert die Maschine im Gehen an zwei Sterzen. d) Stahldrescher. Heinrich Lanz AG., Mannheim. Amerikanisches Prinzip. Die Amerikaner sind schon seit vierzig Jahren von der Holzdreschmaschine abgekommen. Für die Tropen ist eine andere Maschine heute nicht mehr verkäuflich. Die Leistung des Stahldreschers, der als Stiftendrescher gebaut ist, bedeutend hoher wie die der Breitdreschmaschinen! e) Dresch= und Strohzerreißmaschine. StandardWerke, Hannover. Modell Schlayer=Heliaks. Organische Verbindung von Dresch= und Strohzerreißarbeit. Baustoff: Stahl, Eisen und verzinnte Bleche. Sofortige Herstellung von Streu= oder Feinstroh für Futterzwecke. Hauptsächlich für die Tropen! f) Gebläseförderung. Insonderheit auf Veranlassung des RKTL. sind verschiedene Firmen zum Bau von Gebläsen übergegangen und haben grotze Fortschritte erzielt. Nachtarbeit. Zum ersten Male in Deutschland infolge der durch den kalten Winter verspäteten Frühjahrsbestellung Nachtschichten beleuchteter Traktoren auf dem Acker. Vorbild: amerikanische Großbetriebe. 16 Million Kilowattstunden erzeugt werden. Das ist eine elektrische Arbeit, die ausreichen würde, um 1 Million Glühlampen fast einen ganzen Tag hindurch zu speisen. Unser Bild 1 zeigt das Speicherwerk kurz vor der Vollendung: Bild 2 gibt das Gehäuse einer der riesigen Pumpen wieder, die in der Art und Größe die gewaltigsten in der Welt sind. n. Die dritte Getriebeschau auf der Leipziger Frühjahrsmesse Wie alljährlich veranstaltet der Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung zusammen mit dem Verein Deutscher Maschinenbauanstalten auf der Leipziger Frühjahrsmesse wieder eine Getriebeschau, um den Fachleuten neue Anregungen zu geben. Die Getriebeschau findet diesmal im Mittelpunkt der großen Halle 7 auf dem Messegelände statt. Auf Uebersichtlichkeit und Zweckmäßigkeit haben die Veranstalter wie immer besonderen Wert gelegt. Dies ist dadurch erreicht worden, daß die Getriebe nach ihrem praktischen Zweck in Gruppen geordnet sind, während im Vorjahr die Gruppeneinteilung mehr lehrtechnisch an Hand der Reuleauxschen Systematik erfolgte. Da außer den Lehrmodellen sehr viele praktische Beispiele ausgestellt sind— über 80 Getriebe aus der Industrie—, so wird besonders der Praktiker sehr viel neue Anregungen aus dieser Getriebeschau schöpfen können. Außerdem stehen ihm eine ganze Reihe neuer Getriebeblätter zur Verfügung, so daß er die erforderlichen Zeichnungen und Erlauterungen ebenfalls an Ort und Stelle erhalt. Mähdrescher. 1929 hat der Mahdrescher in zwolf Stücken in Deutichland gearbeitet. Wesentlich nicht nur, daß diese Maschine eingeführt wurde, sondern daß sie die Augen öffnet für die Verbesserung der alten Ernteverfahren. Schlepperprüfbahn. In Bornim bei Potsdam wurde die erste deutsche Schlepperprüfbahn eingerichtet, ähnlich wie die in Nebraska, wo sämtliche Schlepper, die in Amerika hergestellt und verwendet werden, geprüft werden müssen, bevor sie verkauft werden können. Normung. Weitere Fortschritte. Genormt wurden Ackerwagenräder, Schlagleisten für Breitdreschmaschinen, Stiften für Schmaldreschmaschinen, Messerbalken der Mähmaschinen mit sämtlichen Zubehörteilen, Fingern, Fingerblatt, Messerklingen, Messerkopf. Für das Pflugscharmaterial wurde ein einheitlicher Werkstoff genormt. Spatennormung, Normung der Obstversandkisten und der Typen für Gewächshäuser geht dem Abschluß entgegen. Umpflanzverfahren. Die Untersuchung des RKTL. ist zu einem Teilabschluß gebracht, nach welchem die Bedeutung der Getreideumpflanzung für die landwirtschaftliche Praxis verneint wird. Vier neue Umpflanzmaschinen wurden auf den Markt gebracht, die teilweise für die Gemüsepflanzung in Betracht kommen dürften.