Elberfeld=Barmen. Einzelpreis 15 Reichspfennig. Montag. den 11. März 1929. Nr. 59. 45. Jahrgang. Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 2.30 A.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen= und Zeitungsnummer gebeten. Zeitung der Freie Presse Sozialdemokratischen Partei für das Anzeigenpreis: 1 mm Höhe(85 mm breit) 10 Reichspfennig. Reklamen, 1 mm Höbe(92 mm br.) 40 Reichspfennig.- Anzeigenrechnungen sind sofort zahlbar. Für Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen u. f. teleph. Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Bei Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berücksichtigt werden. rgische Land Sonderbeilagen: Bilder vom Tage„Volk und Zeit"„Die arbeitende Frau"„Das neue Werden".„Die arbeitende Jugend" Redaktion: Elberfeld, Robertstr. 8a. Fernspr.: Morian 1041.— Hauptgeschäftsstelle: Elberfeld, Rovertstr. 8. 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Die amtliche Mitteilung betont ausdrücklich, daß das seit Mittwoch diskutierte Projekt einer internationalen Reparationsbank vorläufig rein provisorischen Charakter habe und unter diesen Umständen sehr wohl damit gerechnet werden muß, daß seine weitere Prüfung zu einer ganzen oder teilweisen Ablehnung führen kann. Bei der Aufstellung des Entwurfes habe das Komitee sich von dem Gedanken leiten lassen, die Kriegsorganisationen zur Empfangnahme der Reparationszahlungen durch Friedensorganisationen zu ersetzen und die Abwicklung von deutschen äußeren Verpflichtungen aus dem Gebiete der politischen Diskussion auf das Gebiet der geschäftlichen Auseinandersetzung überzuleiten. Die Hauptaufgabe der peplanten Einrichtung liege in ihrer Stellung als Treuhänder, die die Annuitäten von Deutschland in Empfang zu nehmen und an die Gläubigernationen zu verteilen haben würde. Sie würde als Bindeglied zwischen Gläubiger und Schuldnern den Transfer erleichtern, die Sachlieferungen auf eine neue Basis stellen und unter Mitwirkung der Emissionsbanken die Durchführung der Mobilisation fördern. Eine Konkurrenz mit den bestehenden Handels= und Emissionsbanken soll vermieden werden und die neue Bank sich jeden Einflusses auf bereits bestehende Organisationen enthalten. Die Bank soll unpolitisch, international und unabhängig sein. In dem Direktorium sollen lediglich Männer von Erfahrung und internationalem Ruf sitzen. In Ergänzung des Direktoriums sind beratende Komitees vorgesehen, die so zusammengesetzt sein werden, daß sie vernünftige Ratschläge über die zu behandelnden Probleme gewährleisten. Der Sitz der Bank wird voraussichtlich in einem der kleineren Länder liegen, wo eine geeignete Rechtsgrundlage und Steuerbefreiung gewährt werden wird. Mit der Errichtung einer solchen finanziellen Organisation würde Deutschland finanziell auf eigene Füße gestellt, die Verantwortlichkeit für die Aufrechterhaltung seines eigenen Kredits haben und auf einer geschäftlichen Grundlage mit einer internationalen Finanzorganisation zu verhandeln haben. Neben diesen Vorteilen würde die Bank in der Lage sein, die Reichsbank und andere Spezialbanken bei der Aufrechterhaltung der Währung zu unterstützen und dadurch ganz allgemein das Geschäftsleben auf eine sichere Grundlage stellen. Den Gläubigernationen würde sie dadurch wertvolle Dienste leisten, da sie einen ununterbrochenen Strom von Zahlungen erleichtern und größere Möglichkeitn für die endgültige Kommerzialisierung für Deutschlands Schuld bieten würde. Wo bleibt die„Unabhängigkeit"? „Mit ihrer Flucht in die Oeffentlichkeit haben die Sachverständigen ihre vor Einberufung der Konferenz so heiß umkämpfte Unabhängigkeit von den Regierungen selbst aufgegebn. Sie wollen politische Meinungen hören, ehe sie ihr Riesenprojekt weiter ausdenken. Erst die öffentliche Diskussion soll ihnen die nötigen Richtlinien geben zur Fortsetzung ihrer Beratungen, die in dieser Woche erst die Möglichkeit zur Entscheidung über Weiterverfolgung oder Vertagung der Reparationsbank=Vorlage bringen soll. Es mußte ja schon auffallen, daß die Generaldebatte über die künftige Reparationsbank, die auf so breiter Basis begonnen hatte, plötzlich wieder abgebrochen worden war. Dazu kommt aber noch, daß sich nun in der Presse zahlreiche Bedenken gegen das Riesenbankprojekt geltend gemacht haben und daß schließlich ein Teil der Sachverständigen selbst vor den eigenen Plänen Angst bekommen hat. In seinem Prinzip begegnet der Gedanke der Schaffung einer Reparationsbank bei keiner Delegation auf der Konferenz einem Widerstand. Der Gedanke ist auch zu bestechend. Durch das Einschieben eines privaten Institutes zwischen Deutschland und seinen Reparationsgläubigern würde die Reparationsfrage ein für allemal„entpolitisiert“ werden. Außerdem würden alle praktischen Zahlungsoperationen durch eine Spezialbank natürlich viel reibungsloser und viel angenehmer für Gläubiger und Schuldner durchgeführt werden können. Der Haupteinwand aber, der immer wieder erhoben werden muß und der auch auf die Sachverständigen den meisten Eindruck zu machen scheint, ist der, daß die Bank zu machtig und daher zu gefährlich werden müßte. Erwägungen dieser Art scheinen gerade in der englischen Delegation in starkem Maße vorzuherrschen. Die englischen Delegierten befürchten, daß die Reparationsbank, die notgedrungen unter dem vorherrschenden Einfluß des Weltgläubigers, der Vereinigten Staaten von Amerika, stehen müßte, die Bedeutung des Londöner Kapitalmarktes zerstören und die Geltung der Bank von England vermindern könnte. Die französische Delegation wiederum greift das Projekt von anderer Seite an. Da Frankreich an den Reparationen einen Anspruch zu 52 Proz. besitzt, will es möglichst auch an der Reparationsbank einen gleichen Anteil haben. Dieser Anspruch aber ist nicht nur naiv, sondern er wird letzten Endes auch darauf hinauslaufen, die Reparationsbank, die doch gerade die„Entpolitisierung“ bringen soll, wieder unter den Einfluß der Politik zu stellen. Neuer kommunistischer Zeitungsskandal Die„Bergische Arbeiterstimme" macht Schule Die Chemnitzer Gauleitung des Verbandes der deutschen Buchdrucker hat über den Betrieb des kommunistischen „Kämpfer“ die Sperre verhängt. Ein großer Teil der Buchdrucker legte daraufhin die Arbeit nieder. Diese außerordentliche Maßnahme wurde durch die auf politische Gründe zurückzuführende Maßregelung eines Setzers hervorgerufen. Der betreffende Setzer hatte gewagt, sich offen zur Brandler=Richtung zu bekennen. Daraufhin war er fristlos entlassen worden. Die sozialistische„Chemnitzer Volksstimme“ nennt die Angelegenheit„einen in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung einzig dastehenden Skandal" und schreibt:„Was bisher der größte Scharfmacher nicht zu verlangen gewagt hat— höchstens die ostelbischen Junker—, das fordert die„Kämpfer"=Druckerei von den bei ihr Beschäftigten. Sie sollen auf ihr Menschentum verzichten; sie sollen nicht nur Hörige sein mit dem Leib, sondern auch mit der Seele; sie sollen auf ihre Ueberzeugung verzichten, weil das ihr „Brotherr“ will. Hier war es Pflicht des Buchdrucker=Verbandes, einzugreifen und den Bestrebungen, den Menschen zum willenlosen Tier zu degradieren, Einhalt zu gebieten. Es war die höchste Zeit, daß den vom Größenwahn befallenen Stalinisten und Thälmännern einmal gezeigt wurde, daß alles seine Grenzen hat und daß die Gewerkschaften eine Macht sind, die ihnen injeder Beziehung gewachsen und in der Lage ist, mit solchen Menschenschindern fertig zu werden.“ Die aufreizende Unternehmerwillkür im Solinger Kommunistenblattt steht also nicht mehr als Einzelfall da. Es handelt sich ganz offensichtlich um das neueste System, in allen kommunistischen Zeitungen sämtliche Arbeiter durch parteifromme Kommunisten zu ersetzen. 16 neue Lehrerakademien Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages erklärte Kultusminister Dr. Becker am Samstag anläßlich der Beratung des Kultusetats, sein Hauptöcstreben sei eine möglichst innige Verbindung zwischen Schule und Bevölkerung. Daher sei er gegen die reine Staatsschule und für eine Beteiligung der Gemeinden an den Personalschullasten. Dringend notwendig seien die pädagogischen Akademien, da im Jahre 1931 voraussichtlich ein Lehrermangel bemerkbar sein werde. Die vorhandenen evangelischen Schulamtsbewerber reichten zur Deckung des Bedarfs bis Juni 1931, die katholischen bis August 1935. Es müßten demnach zwanzig Akademien vorhanden sein. Für 1929 sind vier neue Akademien vorgesehen, für 1930 sechs neue und weitere sechs für 1931. Die Kosten für die neue Lehrerbildung seien geringer als diejenigen für die alte. Der Minister sprach dann grundsätzlich gegen die Vergrößerung der Akademien über dreihundert Stude iten hinaus. Für die Sozialdemokratie forderte Abg. Doht Verstärkung der Selbständigkeit bei den Hörern der Akademien. Der Redner wies ferner auf die Wichtigkeit der Dozentenauslese hin. Die einklassigen Schulen müßten verschwinden. Die Vorzüge des Wochenendes müßten auch den Volksschülern durch Unterrichtsbefreiung am Samstag zuteil werden. Die Volksschule müsse mehr Rücksicht auf den Lebenskreis der Proletarierkinder nehmen. Notetat im Reichsrat angenommen Der Reichsrat nahm am Samstag den Notetat des Reichs nach den Beschlüssen der Ausschüsse an. Der Notetat gilt für drei Monate. Als Hochstgrenze der Ausgaben sollen ein Viertel der für das Etatsjahr 1928 bewilligten Beträge gelten. Eine Ueberschreitung ist nur für einmalige Maßnahmen unter Zustimmung des Haushaltsausschusses des Reichstags zulässig. Keine Hinrichtungen mehr Tas bayerische Staatsministerium hat in zwei Fällen von einer Vollstreckung der Todesstrafe abgesehen. Der Arbeiter Johann Hein und der Dienstknecht Joseph Strasser, die beide zum Tode verurteilt waren, sind zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Wir verzeichnen die Tatsache, daß nach dieser Entscheidung die Todesstrafe in Deutschland praktisch abgeschafft ist. Von dem Mut zur Verantwortung ist in den letzten Monaten viel geredet und geschrieben worden. Je weniger man von den staatsbürgerlichen Tugenden verspürte, um so mehr war davon die die Rede. Und warum?„Stellen wir den Tatbestand so knapp wie möglich dar. Auf Jahrzehnte hinaus scheinen, normalen Ablauf der Geschehnisse vorausgesetzt, für das Reich nur Koalitionsregierungen moglich zu sein. Keine Partei ist so stark, wird aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit auch nicht so stark werden, daß sie allein eine Regierung würde bilden können. Daraus ergibt sich zwangsläufig— wie vieles andere infolge des verlorenen Krieges — die Koalitionsregierung. Wir haben deren schon sehr verschiedenartige gehabt, selbst solche mit den Herren Luther und Kuno an der Spitze. In der Regierung, die 1928 bei den Maiwahlen von der Wählerschaft sehr gründlich abgelehnt wurde, waren auch die Deutschnationalen vertreten gewesen. Die Politik dieser Regierung hatte das Volk ganz besonders erbittert, nicht zuletzt deshalb, weil frühere Regierungen gerade von den Deutschnationalen in der heftigsten Weise angegriffen, des Nichtkönnens oder Nichtwollens angeklagt worden waren. Nun hatte gerade diese deutschnational beherrschte Regierung vollkommen versagt, das Volk in Stadt und Land auf das Grauenhafteste enttäuscht. Wie das Volk im Mai 1928 abrechnete? So: 1924 erhielten die Deutschnationalen 6 205 800 Stimmen 1928 nur noch 4 380 000 Stimmen 1924 erhielten die Sozialdemokraten 7 881 000 Stimmen 1928 jedoch. 0115 100 Stimmen Die Deutschnationalen waren damit aus der Regierung vertrieben, die Sozialdemokraten zur Führung der Regierung berufen worden. Durch das unverständliche Verhalten des Zentrums, besonders aber durch das absolut unverantwortliche Treiben der Deutschen Volkspartei ist es bisher nicht möglich gewesen, eine Regierung, hinter der eine Mehrheit des Reichstages steht, zustande zu bringen. Hermann Müller hat das Menschenmögliche getan, trotzdem ist es ihm und allen anderen, die in gleicher Richtung bemüht gewesen sind, nicht gelungen, die Parlei des Herrn Stresemann zu überzeugen, daß sie drauf und dran ist, das Land in unabsehbare Wirren zu stürzen und damit auch die wertvolle Arbeit, die Dr. Stresemann seit 1923 geleistet hat, zu gefährden. Bose Zungen behaupten freilich, daß großer als alle Wirrnisse, die durch das volksparteiliche Gebaren heraufbeschworen werden könnten, die Sehnsucht des Herrn Dr. Scholz nach seiner Berufung zur Regierungsbildung sei. Das klingt aber deshalb nicht ganz glaubhaft, weil man dasselbe von Herrn Dr. Abam Stegerwald sagt. Mit den Deutschnationalen, das scheint uns sicher zu sein, nürden die volksparteilichen Herren um Dr. Scholz sich in kürzester Frist verständigen können. Es wäre also zu verstehen, wenn sie dem Zuge ihres Herzens und ihrer Interessen folgen und die Verbrüderung mit dem Grafen Westarp vollziehen wollten. Aber die Sache hat einige Haken und deshalb ist sie nicht zu praktizieren. Was würde die Volkspartei Arm in Arm mit dem Grafen Westarp gewinnen können? Sie würde sich zunächst wahrscheinlich selbst enthaupten, denn eine abermalige Zusammenarbeit Stresemanns mit den Herren Schiele und Keudell dürfte für den besten, vielleicht sogar den einzigen politischen Kopf der Volkspartei, schwerlich in Frage kommen. Herr Stresemann würde wahrscheinlich sein Amt aufgeben, vielleicht sogar seiner Partei den Rücken kehren. Zweitens könnten die Deutschnationalen den Volksparteilern auch nicht die zwei heißersehnten Ministerportefeuilles in Preußen verschaffen, denn dort sind sie erfreulicherweise seit Jahren kaltgestellt. Drittens könnten die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen im Reich eine Regierung nicht bilden, solange das Zentrum nicht mitmacht. Das Zentrum ist wegen der anmaßenden Haltung der Volkspartei, ganz abgesehen von der Konkordatsfrage, aus trifligen Gründen verschnupft. Seine Wahler aber sind es noch mehr, denn nachdem die Fraktion sich in der Koalition mit den Deutschnationalen erheblich kompromittiert hatte, reagierten die Wähler sauer. Bitte: Zentrumsstimmen im Reich 1924" 4 118 900 Stimmen im Mai 1928 3711 100 Stimmen Ein Stimmenverlust von nahezu 10 Prozent ist für eine Partei, deren Anhänger in der Hauptsache Arbeiter sind, sehr empfindlich, seitdem man weiß, daß innerhalb der katholischen Arbeiterschaft sich eine Wandlung vollzieht, mit der wir Sozialdemokraten durchaus einverstanden sein können. Der Marxismus fängt an, seine Schrecken für die Zentrumsarbeiter zu verlieren. Seitdem sie die Volksparteiler nicht mehr ausschließlich als„Kulturkampfer“ beurteilen, sondern— genau so wie die bereits zum Klassenbewußtsein erwachten Arbeiter— in ihrer Eigenschaft als Vertreter des Industrie= und Handelskapitals erkannt haben, Die stille Liebe der Volkspartei zu den Deutschnationalen ist also vorläufig hoffnungslos. Auf längere Zeit hinaus müßte demnach Herr Scholz zwischen den beiden preußischen Ministerstühlen, ohne die seine Partei für die Reichsregierung eine fraktionelle Bindung nicht eingehen will, sitzen bleiben. Das volksparteiliche Gerede von der Sparfamkeit, die sie betätigen wollen, ist und bleibt Demagogie, solange die Herrschaften nicht da zu sparen bereit sind, wo gespart werden kann. Für militärisch wertlose Panzerkreuzer Millionen zu vergeuden, die man an den Kriegsopfern, Erwerbslosen und Rentnern einsparen müßte— dafür würden außer den Volksparteilern gewiß die Deutschnationalen Verständnis haben, die Anhänger der Demokraten, des Zentrums und der Sozialdemokratischen Partei müssen ein solches Sparprogramm mit aller Entschiedenheit ablehnen Die Regierung Müller wird in ihrer jetzigen Zusammensetzung versuchen müssen, weiter zu regieren. Findet sie im Reichstag bei entscheidender Abstimmung eine Mehrheit nicht so muß sie zurück treten. Dann endlich werden die Quertreiber erkennen, was sie angerichtet haben. Kommt dann eine Regierung unter anderer Führung nicht zustande, so wird der Reichstag aufgelöst werden müssen, um das Volk entscheiden zu lassen. Oder---Alles, was faschistisch fühlt, wittert Morgenluft. Die Knaben, Jünglinge und Männer, die das Abzeichen des Stahlhelms tragen, drücken die Heldenbrüfte bereits noch stärker hervor als bisher. In tausend Zeitungen wurden in teils unverantwort licher Weise ihre Hoffnungen gestarkt, daß jetzt eine Diktatur be stimmt bald kommen werde. Sie tun so, als ob alles bereit sei — bis auf den deutschen Mussolini. Der ist einstweilen noch nicht gefunden, denn Herr Franz Seldte, der sich vielleicht berufer fühlt, konnte offenbar nicht einmal vor dem Reichspräsidenten„gerada stehen". Hätte er das nämlich gekonnt, dann wäre die Mitteilung des Reichspräsidenten, daß ihn die Erklärungen Seldtes und Düsterbergs über das Wollen des Stahlhelms befriedigt hätten, ganz bestimmt nicht möglich gewesen. Herr Seldte hat einmal erklärt, als er seine Mannen nach Berlin be rief:„Wir werden in Ruhe nach Berlin gehen und in Ruhe von Berlin gehen, aber eines Tages gehen wir nach Berlin und bleiben dort.“ Zweimal hat er das gesagt. Und sein Freund Düsterberg, in der Annahme, daß vielleicht nicht alle seiner Anhänger intelligent genug seien, Herrn Seldte richtig verstehen zu können, sagte wenige Monate später in Kiel: „Eine Besserung unseres Systems wird auf parlamentarischem Wege niemals erreicht werden. Wir machen uns schlagfertig und marschbereit. Wir kämpfen bewußt nu“ Kreuz und Schwert.“ Die Pfarrer, so versichert Hermann Martin, ein angesehener Leipziger Anwalt, in seinem instruktiven Schriftchen„Zehn Jahre Stahlhelm“, spielen im Stahlhelm jetzt eine große Rolle.„Jede Ortsgruppe muß ihren Pfarrer haben.“ Deshalb also der Hinweis auf das Kreuz neben dem Schwert. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß alle, die auf den deutschen Mussolini harren, im Stahlhelm die Kerntruppe des Faschismus sehen. Deshalb ist es nicht gleichgültig, endlich zu erfahren, was für befriedigende Erklärungen die Herren Seldte und Düsterberg, die die Republik hassen,„endlich aktiv werden und aufräumen wollen“, dem Reichspräsidenten gegeben haben. Die Mitglieder des Stahlhelms stecken in Uniformen, die von denen der Reichswehr kaum zu unterscheiden sind. Dieser Umstand und ihre militärischen Uebungen haben der Deutschen Republik schon großen Schaden verursacht. Immer und immer wieder hat die Auslandpresse die Bilder über die kriegerischen Stahlhelm=Veranstaltungen(mit den Hohenzollernprinzen) abgedruckt und über das„entwaffnete Deutschland“ gehöhnt. Natürlich weiß das Ausland, daß derartige Organisationen für Frankreich, Belgien oder irgend ein anderes Land militärisch ohne Bedeutung sind. Doch werden sie von den Nationalisten jenseits der Grenzen immer wieder im Kampfe gegen die geforderte Aufhebung der Besatzungen benützl. Für Deutschland selbst können Organisationen wie die des Stahlhelms natürlich von großem Unheil werden. Man stelle sich nur vor, daß irgendein Narr, nach den Beispielen von 1920 und 1923, den Versuch machen wollte, die Republik zu stürzen oder eine Diktatur zu errichten. In demselben Augenblick, in dem der Stahlhelm auf der Bildfläche erschiene, ständen Millionen von Arbeitern aus allen Lagern auf: ein Bürgerkrieg fürchterlichster Art wäre die Folge. Was in zehnjähriger Wiederaufbauarbeit geleistet worden ist, ware in Frage gestellt, wenn nicht vollkommen zerstört. Das Wirtschaftsleben wird stocken, das Vertrauen des Auslandes wäre sofort dahin. Eine neue Inflation gäbe uns den Rest. In der schon erwähnten Schrift Martins wird auch die Frage erörtert, was unsere Nachbarn bei einem solchen Kampfe tun würden: kann Rußland, das auf die Weltrevolution wartet, aber bestimmt nicht auf die Wiederkehr längst überwundener Zustände in der Deutschen Republik,— könnte Frankreich ruhig zusehen, wenn die alten Gewalten in Deutschland sich wieder betätigen: „Wer wollte daran zweifeln, daß die Franzosen das Ruhrgebiet wieder besetzen werden, wenn sich in Deutschland die Partei der Herrschaft bemächtigt, die nicht nur die innere, sondern auch die äußere Befreiung auf ihre Fahne geschrieben hat." Wie es gefährlich ist, mit dem Feuer zu spielen, so ist es ge wissenlos, leichtfertig von Faschismus und Diktatur in Deutschland zu reden. Deutschland ist weder zu vergleichen mit Rußland, noch mit Italien. An politisch wenig begabten Mendchen fehlt es in Deutschland nicht, aber mit den Analphabetenmassen in Rußland und Italien können wir glücklicherweise nicht konkurrieren. Als infame Gewissenlosigkeit müssen die Auslassungen in Wort und Schrift gebrandmarkt werden, die in unreifen Köpfen Unheil anrichten mit Kundgebungen über„die näher rückende Stunde, die das deutsche Volk aus der inneren und äußeren Unfreiheit erlösen soll!“ Die Novembertage des Jahres 1918 werden sich nicht wiederholen. Damals konnte nahezu jedes Blutvergießen verhütet und mit mühsamer Wiederaufbauarbeit sofort begonnen werden. Das deutsche Volk, das nach einem Kaiserwort herrlichen Zeiten entgegengeführt werden sollte, dann aber mehr als vier Jahre lang durch Not und Tod gehetzt wurde, zimmerte sich den demokratischen Staat auf der Grundlage vollkommener Rechtsgleichheit. Glaubt man in den Stahlhelmkreisen, daß das deutsche Volk irgendwelche Sehnsucht habe, durch faschistische Experimente in tolle Abenteuer gestürzt oder wieder in die alte Dreiklassenschande, gleichviel unter welchen Formen und Namen, zurückgeführt zu werden? Toren oder gewissenlose Abenteurer sind alle, die jetzt von Diktatur und Faschismus reden. Jedenfalls werden alle ehrlichen Demokraten, die eine organische Entwicklung wünschen und deshalb die Republik schützen und schirmen wollen, jeyt doppelt aufmerksam und dreifach entschlossen sein müssen, jeden Versuch, die Republik oder die Demokratie anzutasten, mit rücksichtsloser Energie abzuschlagen!! Oberschlesien vor dem Völkerbundsrat Fall Ulitz soll öffentlich verhandelt werden Genf, 10. März.(Eigener Drahtbericht.) Der Völkerbundrat nahm am Samstag in seiner Schlußsitzung den Bericht des japanischen Vertreters über die Beschwerde des deutschen Volksbundes in Oberschlesien gegen die Verhaftung seines Geschäftsführes Ulitz entgegen. Der Japaner sprach u. a. die Erwartung aus, daß die polnischen Justizbehörden das Verfahren gegen Ulitz beschleunigt durchführen werden. Dem fügte der polnische Außenminister hinzu, daß die volnische Regierung für ein beschleunigtes und möglichst öffentliches Verfahren eintreten werde. Im übrigen wurde von der Mehrheit des Rates die Auffassung vertreten, daß der Volksbund nicht das Recht hat, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen. Der Reichsaußenminister enthielt sich bei der Abstimmung über den Bericht des Japaners der Stimme und erklärte, eventuell nach Erledigung des Gerichtsverfahrens auf die Angelegenheit im Völkerbundrat zurückzukommen. Weiter führte er aus: Streiemanns Anklagerede „Ich habe mit Befriediaung von den Erklärungen des Berichterstatters und des Vertreters Polens Kenntnis genommen, daß der Prozeß gegen den Verwaltungsdirektor des Deutschen Volksbundes, Ulitz, in Kattowitz mit Sorgfalt und Schnelligkeit durchgeführt werden soll und daß der Vertreter Polens die in der Oeffentlichkeit des Verfahrens liegende Garantie ebenso in Aussicht stellt, wie die Garantie dafür, daß das Verfahren gegen Ulitz nicht wegen seiner Eigenschaft als Führer der deutschen Minoritäten eingeleitet worden ist. Wenn ich Wert auf diese Feststellungen lege, so tue ich es deshalb, weil die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit durch den Herrn Vertreter Polens selbst schon in der Dezembersitzung des Völkerbundrates auf die Angelegenheit gelenkt worden ist, indem er damals darauf hinwies, daß Herr Ulitz unter Anklage stehe, und nur dank der Abgeordnetenimmunität auf freiem Fuß geblieben sei. Wenn ein Einzelfall, als der sich der Fall Ulitz an und für sich darstellt, in dieser Weise vor dem Volkerbundrat als besonders charakteristisch hingestellt worden ist, so stempelt schon diese Tatsache ihn zu einer Angelegenheit von besonderem politischem Interesse deren Bedeutung über den Charakter eines Einzelfalles weit hinausgeht. würdige durchaus das Prinzip der Unabhängigkeit der Rechtspflege und habe Verständnis dafür, daß die Mitglieder des Rates jetzt nicht ohne weiteres zu der gegen Herrn Ulitz erhobenen Beschuldigung sachlich Stellung nehmen können. Aber daneben besteht für mich die Tatsache, daß die deutsche Minderheit die Verhaftung ihres Führers als einen bewußt gegen:sie gefuhrten Schlag auffaßt und dadurch in außerordentliche Erregung versetzt worden ist. Angesichts dieser Tatsache kann ich die Angelegenheit durch die im Bericht enthaltenen und die durch den Herrn Vertreter Polens abgegebenen Erklärungen nicht als endgültig erledigt ansehen. Da der Herr Vertreter Polens selbst gesagt hat, daß die Behandlung der Angelegenheit ausschließlich von den polnischen Gerichtsbehörden abhängt, ist ein endgültiges Urteil darüber erst möglich, wenn sich nach Beendigung des Verfahrens erwiesen hat, ob sich die in jenen Erklärungen ausgesprochenen Erwartungen tatsächlich ersullt haben. Die anderen Beschwerden der Minderheiten Oberschlesiens wurden zu einem Teil ohne Debatte erledigt. Soweit das nicht geschab, erklärten sich die deutschen und die polnischen Vertreter mit einer Klärung der Differenzen unter dem Vorsitz des japanischen Berichterstatters des Rats und unter Mitwirkung des Präsidenten Calonder einverstanden. Die Entscheidung über die Saaranleihe wurde endgültig vertagt. Stresemann stellte zu dieser Frage fest, daß Deutschland das Anleiheproblem genau prüfen müsse, da beabsichtigt sei, die Anleihe erst nach 1935, also nach der Räumung des Saargebiets, zurückzuzahlen. Die Anleihe soll übrigens nach den hier vorliegenden Meldungen in erster Linie zur Automatisierung des Telephonverkehrs, und zwar nach dem französischen System, Verwendung finden. Deutschland wäre also bei der Rückgabe des Saargebiets gezwungen, das ganze Telephonsystem umzubauen. In einer vertraulichen Sitzung beschloß der Rat schließlich noch, für das verstorbene Schweizer Mitglied des Finanzkomitees einen Polen zu ernennen. Die nächste Ratssitzung findet auf Einladung der spanischen Regierung im Juni in Madrid statt. Umorganisation des Wehrministeriums Im Reichswehrministerium ist eine Umorganisation vorgenommen worden, und zwar ist eine Reihe von Abteilungen, darunter die Wehrmachtsabteilung, die Rechtsabteilung, die Adjutantur, die Justitiare und die Abwehrabteilung zusammengefaßt worden und unterstehen dem neugeschaffenen„Chef des Ministeramts“. Dieses Amt ist dm Generalmajor Schleicher übertragen worden. Die Neuordnung soll u. a. auch den Zweck verfolgen, die Chefs der Heeres= und Marineleitung von den politisch-parlamentarischen Verhandlungen nach Möglichkeit zu befreien, damit sie sich rein den militärischen Aufgaben widmen können. Reichstag erst am Donnerstag Die auf Mittwoch, den 13. März, anberaumte Sitzung bes Reichstags ist auf Donnerstag, den 14. Mära. 12 Uhr mittags, verlegt worden, weil der gedruckte Entwurk des Haushaltsplanes für 1929 erst Anfang nächster Woche verteilt werden kann. Der Reichsbankausweis Der Ausweis der Reichsbank vom 7. März zeigt einen starken Rückgang der gesamten Kapitalanlage um 261 9 Millionen Mark auf 2017,4 Millionen Mark. Die Bestände an Wechseln und Schecks gingen um 127 Millionen auf 1748,4 Millionen zurück. Der Ausweis zeigt, zum erstenmal, eine stärkere Ab nahme der Coldbestände, und zwar um 46,1 Millionen Mark auf 2,68 Milliarden Mark. Es handelt sich um die bekannten Goldverkäufe der Reichsbank nach Neuyork. Die Devisenbestände weisen eine Erhöhung um 37,5 Millionen Mark auf 127,9 Millionen Mark auf, die im Zusammenhang mit den Goldverkäufen steht. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 58,9 Prozent in der Vorwoche auf 61,8 Prozent, die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen von 61,9 auf 64,8 Prozent. Kredite für Kleinwohnungen Dem Reichstage ist ein Gesetzentwurf über die Bereitstel lung von Kredit zur Förderung des Kleinwoh nungsvaues zugegangen. Der Reichsarbeitsminister wird darin ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Finanzminister in der Zeit vom 1. April 1920 bis 81. März 1922 für Darleben an die Teutsche Bau= und Bodenbank A.=G. in Berlin bis zum Gegenwert von 250 Millionen RM. die Bürgschaft zu übernehmen. Die Bau= und Bodenbank ist zu verpflichten, diese Darlehen als Zwischenkredite für den Kleinwohnungsoau zu verwenden. Die Zwischenkredite dürfen nur gegeben werden, wenn die volle Finanzierung des Bauvorhabens als gesichert anzusehen ist. Versammlungsverbot in Schleswig Heide(Holstein), 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Auf Grund der blutigen Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten hat der Oberpräsident von Schleswig=Holstein alle Versammlungen und Demonstrationszüge bis auf weiteres verboten. Die Nationalsozialisten wollten eine Werbeaktion mit über 100 Versammlungen durchführen. Nach Heide und Itzehoe wurden starke Polizeiabteilungen entsandt Zur Untersuchung der Vorgänge erschien u. a. der Flensburger Oberstaatsanwalt in Wöhrden. Es hat sich herausgestellt, daß die beiden gegnerischen Parteien teilweise von zugereisten Personen geführt worden sind. eigene Betriebsratsversammlung einberufen, zu der ganze fünfig Mannerschienen. Es wurde beschlossen, eine Liste der Unorganisierten aufzustellen. Die Fliegerschlacht geht weiter Ein Gothaer Kommunist hat kürzlich ein Kochbuch herausgegeben und zwar, wie die KPD. ihm zum Vorwurf macht, ohne ihr Einvernehmen. Sofort flog der Feinschmecker aus der Partei heraus. Warum hat er auch keine Moskauer Rezepte veröffentlicht? Aus der Ortsgruppe der KPD. in Jena sind neuerdings wieder sechs Mitglieder ausgeschlossen worden, darunter ein Stadtverordneter. Außerdem schweben noch zwanzig Ausschlußverfahren. Die ausgeschlossenen oder noch auszuschließenden Kommunisten gehören zur Richtung der„Versöhnler“. Der Hinauswurf der Kommunisten aus Gewerkschaftsfunktionen macht in Hamburg weitere Fortschritte. In einer stark besuchten Versammlung der Bunkerleute und in einer Versammlung der Lagerhausarbeiter wurde trotz kommunistischer Anstrengungen mit überwiegender Mehrheit beschlossen, sämtliche Positionen in den betreffenden Gewerkschaften mit Kandidaten der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung zu besetzen. Bei der Neuwahl des Betriebsrates der Hochund Straßenbahner wurden ausschließlich Mitglieder der freien Gewerkschaften gewählt. Unorganisierte als Kommunistenretter In den Jenaer Großbetrieben Zeiß und Schott bat die KPD bei der Aufstellung der Betriebsratskandidaten äußerst empfindliche Niederlagen erlitten. Während im Glaswerk Schott bisher drei Kommunisten im Betriebsrat saßen, ist diesmal nur ein einziger als Kandidat aufgestellt worden. Bei den Zeißwerken, die 6000 Mann Belegschaft haben, fanden sich in einer überfüllten gewerkschaftlichen Betriebsversammlung, von der Hunderte unverrichteter Dinge zurückkehren mußten, ganze 20 Stimmen für die kommunistischen Kandidaten, so daß gegenüber den bisherigen 7 Kandidaten nunmehr kein einziger auf die freigewerkschaftliche Liste kommt. Die Stalinisten haben daraufhin eine ruckt weiter vor Mexiko=City, 9. März.(Eigener Drahtbericht.) Am Samstag hat Kriegsminister Calles persönlich das Feldkommando in Irapuato, Guanajuato-Staat, übernommen. Hier sind sechs Brigaden mit 22 Regimentern aller Waffengattungen konzentriert. Die Truppen sind bereits gegen die rebellischen Truppen des Generals Urbalejo in Marsch gesetzt worden. Von Monterry kommende regierungstreue Truppen des Generals Almazah wurden in der Nähe von Torreon eingesetzt, wo sich der Rebellengeneral Escobar mit seinem Anhang vorläufig noch verschanzt hält. Der Hauptsitz der Aufständischen im Sonorastaat Nogales wird nach einer Ankündigung des Majors von Niederkalifornien am Montag durch neun Bombenflugzeuge angegriffen werden, wenn die aufständischen Truppen sich bis dahin nicht ergeben haben sollten. Inzwischen hat man im Bundesstaat Mexiko mit der Organisation eines freiwilligen Bauernkorvs in Stärke von 5000 Mann begonnen. * Seit Sonntag ist die Regierung wiederum im Besitz des Canzas=Staates. Als die regierungstreuen Truppen zum Angriff gegen den rebellierenden General Urbalejo schritten, ergriff dieser mit 20 treugebliebenen Anhängern die Flucht. Die Regierung geht jetzt daran, den Aufstand im Sonora=Staat niederzuschlagen. Die beiden hierbei maßgebenden Generale haben der Regierung ihre Unterwerfung unter der Bedingung zusagen lassen, daß sie begnadigt werden und ohne irgend ein Hindernis Meriko verlassen dürfen. Die Regierung hat die Annahme jeder Bedingung abgelehnt und gleichzeitig die schärfste Verfolgung der flüchtenden Rebellen=Generale angeordnet. Frankoitalienischer Luftvertrag Havas berichtet aus Trier, daß gestern abend der französische Luftfahrtminister und der italienische Staatssekretär für Luftschiffahrt ein französisch-italienisches Abkommen über die französisch-italienischen Luftverbindungen im Mittelmeer unterzeichnet haben. Hotelbrand in China Das King=Edward=Hotel in Honglong wurde heute früh durch Feuer zerstört. Die Zahl der Verluste an Menschenleben stehr noch nicht fest. Doch scheint es, daß mindestens sieben Personen den Tod gefunden haben, nämlich fünf weiße Männer, eine Frau und ein Chinese. Wieder ein Pfarrer in der Partei Stadtpfarrer Schenkel in Zuffenhausen bei Stuttgart, der seit vielen Jahren eine der führenden Persönlichkeiten in der Deutschen Demokratischen Partei Württembergs war, im Dezember vorigen Jahres jedoch wegen der damals vielbesprochenen Vorgänge bei den Gemeindewahlen aus seiner Partei ausgetreten ist, ist jetz: zur Sozialdemokratischen Partei übergetreten. Darmstadts Oberbürgermeister gestorben Gestern abend verstarb plötzlich im Darmstädter städtischen Krankenhause Oberbürgermeister Dr. Glaessing an den Folgen einer Lungenentzündung. Er war ein bekannter Kommunalpolitiker, dessen Rechtseinstellung ihn nicht an guter Zusammenarbeit mit den Linksparteien hinderte. Die oberschlesische Polonisierung Der deutsche Senator Spickermann stellte in der Samstagsitzung des Senats fest, daß in Kongreßpolen im Jahre 1919rund 550 deutsche Schulen bestanden. Davon gibt es heute nur noch 83. Verhaftung in Kattowitz Am Samstag wurde in Kattowitz eindeutscher Gendarm namens Kuwalski verhaftet, der ohne Paß polnisches Gebiet betreten hatte. Die Vorstellungen des deutschen Generalkonsuls auf Freilassung des Gendarmen waren ergebnislos, da die polnischen Behörden glauben, es mit einem Spion zu tun zu haben. Eissprengen und Eisbrechen. Maßnahmen gegen Ueberschwemmunsgefahren. Da sich die Quellen der meisten deutschen Flüsse im Süden befinden, während die Mündungen im Norden liegen, schmelzen die Eismassen des Quellgebietes eher als die Massen an der Mündung. Die aus den Quellgegenden beim Eintritt wärmerer Temperatur in die Flüsse getragenen Eismassen treffen hier oft noch die geschlossene Vereisung an. Dann bilden sich leicht Stellen, an denen die mit der Hochflut gebrachten Eismassen auf die vorhandenen Eisdecken der Flüsse geschoben werden. Dadurch kann an derartigen Stellen das Bett des Stromes mit Eis vollständig angefüllt werden. Durch diese Eisstauungen wird nun dem nachdrängenden Wasser die Möglichkeit des Durchflusses genommen. Sind die das Flußbett einschließenden Deiche hoch und stark, so können derartige Eis= und Wasseranstauungen ohne Gefahr vorübergehen. Genügen aber die Deiche nicht oder brechen sie an besonders beanspruchten Stellen, dann kommt es zu Katastrophen. Bei Eisverstopfungen werden nur zu oft durch das Ueberfluten der Eis= und Wassermengen die Niederungen überschwemmt. Alles, was sich den herein brechenden Fluten entgegenstellt, wird vernichtet. Der Schaden derartiger Katastrophen ist gewöhnlich so groß, daß es der Arbeit von Jahren bedarf, um die Folgen zu beseitigen. Mit der zunehmenden Bedeutung der Schiffahrt ist natürlich auch der Wunsch rege geworden, möglichst wenig durch die Vereisung der Häfen, Seen, Flüsse und Kanäle gehindert zu werden. Das Zufrieren findet ja auch nicht immer zu der gleichen Zeit und in demselben Umfang statt. Die Schiffer können daher bei ihren Plänen für die Wintertransporte nicht mit bestimmten Störungszeiten rechnen. Die Dampferschraube zertrümmert das Eis. Solange die Schiffahrt hauptsächlich Holzfahrzeuge benutzte, hätte ein größeres Aufbrechen des Eises im Interesse des Wasserverkehrs wenig Zweck gehabt, da die hölzernen Schiffe durch das Eis beschädigt werden. Auch die Raddampfer können im Winter nur beschränkt verwendet werden, da die Schaufeln ihrer Räder bei etwas starkem Eis bereits verbogen und zerschlagen werden. Am besten haben sich beim Durchbrechen von Eisdecken die Schraubendampfer bewährt. Natürlich versagen die normalen Dampfer dieser Art auch bei einer bestimmten Dicke des Eises. Grundsätzlich ist aber durch die Erfolge schon der gewöhnlichen Schraubendampfer für den modernen Eisaufbruch ein wertvoller Fingerzeig gegeben worden. Man ging bald dazu über, durch besondere Bauarten der eisernen Schraubendampfer Fahrzeuge zu schaffen, die auch starke Eisdecken durchbrechen können. Die Bauart der Eisbrecherdampfer ist darauf gerichtet, ein besonders solides Fahrzeug zu schaffen, welches durch eine kräftige Maschinen= und Schraubenanlage hohe Leistungen verbürgt. Derartige Eisbrecher fahren auf die Eisdecke hinauf und zerbrechen sie so. Hierdurch werden Rinnen durch die Eisdecke gebrochen, so daß der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden kann. Im Laufe der Zeit sind Eisbrecher von immer höheren Leistungen gebaut worden. Die Tätigkeit der Eisbrecher ist dabei nicht nur auf die Zertrümmerung der Vereisungen und die Schaffung von Fahrstraßen in Binnengewässern beschränkt, sondern der moderne Eisbrecher ist auch ein wichtiges Mittel der Freihaltung der Ein= und Ausfahrten von Seehäfen. Ein Eisaufbruch im Jahre 1720. Die Bestrebungen des künstlichen Eisaufbruchs datieren aber nicht erst seit dem Aufkommen des Schraubendampfers. Man hat vielmehr schon früher bei besonderen Veranlassungen energisch Aufeisungen versucht. So wird in einem 1782 erschienenen Werk über West= und Ostpreußen über einen künstlichen Eisaufbruch aus dem Jahr 1728 berichtet. Die viermal vollzogene Aufbrechung wurde jedesmal von 250 Mann mit Eisarten bewirkt. Diese Arbeiter erforderten im ganzen den für damalige Zeiten bedeutenden Betraa von 20000 Gulden. Die aufgeeiste Weichsel fror allerdings jedesmal am nächsten Tage wieder zu. Man greift zum Pulver. Der geringe Erfolg derartiger Versuche wirkte in Anbetracht der damit verbundenen Kosten ziemlich entmutigend. Man machte mit dem künstlichen Eisaufbruch erst wieder größere Versuche, als hierzu Schießpulver empfohlen wurde. In der ersten Zeit wurden Sprengungen mit Pulver bei Eisverstopfungen hauptsächlich auf der Oder und in Rußland auf der Narowa vorgenommen Die Berichte über günstige Erfolge dieser Sprengmethode veranlaßten 1850 zu ähnlichen Versuchen auf der Weichsel. Hierbei wurden sogenannte Kanonenschläge von drei bis fünf Pfund Pulverladungen in Form gut verleimter und gegen das Eindringen von Feuchtigkeit durch Pechüberzug geschützter Würfel aus Pappe benutzt. Diese Sprengladungen wurden in Tiefen bis zu zwei Meter unter dem Wasserspiegel entzündet. Bei der Sprengung flogen dann die zertrümmerten Eismassen bis zu 15 Meter hoch in die Luft. Es entstanden Löcher von drei bis fünf Metern Durchmesser. Außerdem wurde die Eisdecke im Umkreis bis zu 12 Meter wellenförmig gehoben und gespalten. Die Kosten jeder dieser prengungen betrugen 75 Mark. Wenn diese Arbeiten auc nicht sonders erfolgreich waren, so zeigten sie doch, welche Ergebnisse auf diesem Wege zu erzielen waren. Weichseleis wird gesprengt. Im Jahre 1855 wurden durch Eissprengungen auf der Weichsel die Arbeiten an der im Bau begriffenen Eisenbahnbrücke bei Dirschau wesentlich begünstigt. Fünf Jahre später wurde eine efahrvolle Eisverstopfung auf der geteilten Weichsel in der Weise durch Sprengarbeiten beseitigt, daß man auf dem untersten Stromteil von der Ostsee bis zu Rothebude den Fluß in einer Breite von 150 Meter und bis zur Verfetzung bei Pölschau in 38 Meter Breite frei machte. Durch die Eisversetzung, die teilweise über sechs Meter stark war, wurde durch Pulversprengungen ein etwa 30 Meter breiter Durchbruch zum Ablauf des oberhalb der Stopfung angesammelten Wassers freigelegt. Diese Arbeiten wurden so durchgeführt, daß man durch das Kerneis zwei und durch die Eisverstopfungen drei Rinnen von 30 bis 50 Zentimetern Breite mit Hilfe von Eisäxten schlug. In die abgeteilte Eisdecke in der Mitte des Flusses stellte man dann Sprenglöcher von einem Meter Durchmesser her. Soweit es nicht möglich war, diese Löcher durch die gesamte Eisdecke zu treiben, machte man sie drei Meter tief. Zur Sprengung verwendete man neben Kanonenschlägen in Holzkästen bis zu 5 Pfund Pulverladung auch Sprengsäcke. In dem dicksten Eise mußten die Sprenglöcher alle sechs Meter vorgesehen werden. Dagegen konnte man bei einfachem Kerneis die Sprenglöcher bis auf 45 Meter entfernen. Diese Eissprengungen hatten guten Erfolg. Man machte die Erfahrung, daß die Kanonenschläge in Säcken in der Wirkung denen in Holzkästen nachstanden. Das erklärt sich daraus, daß die nachgiebigen Säcke den Pulergasen nicht den Widerstand der Holzkästen tgegensetzten. In ähnlicher Weise wurden dann unter gleichartigen Verhältnissen auf vielen deutschen Flüssen mit mehr oder minder zufriedenstellenden Ergebnissen Sprengungen durchgeführt. Die Technik des Eisaufbruches ist im Laufe der Zeit unter Heranziehung weiterer Sprengmittel und verbesserter Methoden so vervollkommnet worden, daß man recht bemerkenswerte Erfolge erreichte. Bei den sonst infolge von Dammbrüchen und Eisüberflutungen oft arg mitgespielten Bewohnern der Niederungen ist damit die Ueberzeugung befestigt worden, daß durch die planmäßige Anwendung der den Kulturmenschen zu Gebote stehenden Sprengmittel und durch die rationelle Ausnutzung moderner Eisbrechdampfer sehr wohl die Gefahren und Störungen des Zufrierens von Flußläufen, Häfen usw. vermindert und beseitigt werden können. Der volkswirtschaftliche Wert dieser Arbeiten ist recht beträchtlich. Neue Bohrmethoden. In den schwedischen Erzbergwerken versucht man jetzt eine neue Bohrmethode, durch die man den Druck der komprimierten Luft in den Bohrapparaten bis jetzt von sieben Kilogramm pro Quodratzentimeter auf 12 Kilogramm gesteigert hat. Es hat si“ dabei überraschenderweise gezeigt, daß Bohrstahl und Maschine den höheren Druck aushalten, während das Leistungsergebnis verdoppelt wurde. Bei den Versuchen wurden Bohrgeschwindigkeiten von einem Zentimeter in der Sekunde erreicht, obwohl man es mit hartem Stein zu tun hatte. Man trägt sich mit dem Gedanken, den Druck bis auf 20 Kilogramm zu steigern. Normung im Bergbau. Von 41 auf 3 Spurweiten. Schon einige Jahre vor dem Kriege hat der Verein für bergbauliche Interessen in Essen die Normung im Bergbau angeregt. Die damalige glänzende Wirtschaftslage Deutschlands ließ diese Forderungen aber bald verstummen. In der Nachkriegszei wurde die Normung im Bergbau aber eine dringende Aufgabe. Es galt, mit wenigen Mitteln den größten Effekt zu erzielen. Dabei stellte sich heraus, daß die übertriebene Mannigfaltigkeit, der Ausführungsarten unwirtschaftlich ist. Im Ruhrbergbau allein gab es z. B 41 verschiedene Spurweiten im Untertagbau. Diese erforderten selbstverständlich außer einer großen Anzahl verschiedener Schienenprofile eine Menge voneinander abweichender Typen von Förderwagen und Zugvorrichtungen. Selbstverständlich war angesichts solcher Zustände' eine rationelle Herstellung und preiswerte Beschaffung dieses Materials unmöglich. Obendrein mußte man noch umfangreiche Ersatzteillager aushalten, in denen naturgemäß viel Kapital unnütz festgelegt wurde. Zur Beseitigung dieser Nachteile gründete der Verein für bergbauliche Interessen zusammen mit einigen anderen Bergbauvereinen Ende 1922 den Fachnormenausschuß für Bergbau(Faberg), der dem Deutschen Normenausschuß angeschlossen ist. Die Normungsarbeiten gerieten infolge der Ruhrbesetzung vorübergehend ins Stocken, konnten aber 1924 wieder voll aufgenommen werden. Von dem Arbeitsprogramm, das sich auf Grubenschienen, Spurweiten, Förderwagen, Preßluft= und Berieselungsanlagen, Schüttelrutschen, Grubengezähe, elektrische Grubenbahnen, Baggerteile usw. erstreckt, sind heute bereits mehrere Gebiete zum Abschluß gebracht worden. Die früheren 41 Spurweiten wurden auf drei Spurweiten von 50, 600 und 900 Millimetern verringert. Für schwere Förderwagen wurden drei Größen genormt, und zwar für 750, 875 und 1000 Liter Inhalt. 103 verschiedene Rutschenprofile wurden auf sieben verringert. Eine ähnliche Besserung wurde auch für die Ausführung aller erforderlichen Einzelteile erzielt. Die erreichte Gleichartigkeit ermöglicht vor allem eine schnelle Auswechselbarkeit gebrochener Teile und rasche Wiederverwendung der Maschinen. Ferner wirkt sich die Normung auch dadurch aus, daß die Ersatzteillager wesentlich kleiner gehalten werden können. Das bedeutet Kapitalersparnis. Durch Verwendung genormter Baggerteile ist es z B. einem größeren Braunkohlenberawerk möglich, das betreffende Ersatzteillager bei einer gleichen Anzahl von Baggern auf weniger als ein Drittel seines früheren Umfanges und Wertes zu verringern. Ein neuer Kunstfextilstoff. Eine französische Firma hat einen neuen Textilstoff herausgebracht, der etwa 20 Proz. Wolle und erhebliche Partien Pflanzenfasern enthält. Man hat ihm den Namen„Soie Synthesia"(synthetische Seide) gegeben. Aufgaben der Lufffahrfforschung. Der Ozean ist sowohl vom Osten nach Westen als auch vom Westen nach Osten mit dem Flugzeug überquert worden Und doch sind wir noch weit davon entfernt, Atlantikpassagen einzurichten. Das beweist doch nur, welche Aufgaben die Luftfahrtforschung noch zu überwinden hat. Diese Erkenntnis wird auch von den Zeppelinflügen bestätigt. So wurde z. B. der Strömungslehre noch gegen Kriegsende wenig Wert beigelegt. Heute wissen wir, daß für das Glücken eines Weitfluges von der Vervollkommnung der Formen, der Vermeidung aller schädlichen Widerstände, der sorgfältigen Wahl günstiger Flügelschnitte für jeden Zwea, der planmäßigen Erforschung des Zusammenwirkens von Tragflügel und Treibschraube, der Sicherung gegen Ueberziehen durch selbsttätig vorkippende Hilfsflügel usw. alles abhängt. In der Flugzeugdynamir war allerdings die künstliche Stabilisierung der Flugzeuge, die sich nicht nur auf die Sicherung des Fluges, sondern darüber hinaus auch auf die Kurshaltung und Höhenregelung erstreckt, in den Grundzügen längst theoretisch geklärt. Aber erst durch das Eindringen in die Materie konnten die Erkenntnisse praktisch verwendet werden. Die Flugzeuastatik, die einerseits äußerste Gewichtsersparnis zulassen, andererseits Sicherheit vor bleibenden Formänderungen auch gegen örtliche Kraftangriffe und gegen Schwingungsbeanspruchungen gewährleisten soll, muß verwickelte Raumfachwerke, einseitig oder allseitig mittragende Flügelbekleidungen und hochbelastete Knotenpunkte betrachten. Sie hat die Rechenverfahren vor allem für mehrfach unbestimmte Fach verke vervollkommnet und die Belastung einzelner Teile so ausgebaut, daß die Rechnungen nachgeprüft und weitere Erkenntnisse gewonnen werden konnten. Unsere Abbildung zeigt einen Prüfstand für Durchbiegung und Festigkeit von Flugzeugrippen. Resultate, die mit dem Rechenstift errechnet wurden, können so einer Nachprüfung unterzogen werden. Ein besonderes Objekt der Luftfahrtforschung sind die Baustoffe. Sie sind auf Schwingungsfestigkeit, Bearbeitbarkeit, Feuersicherheit und Wetterbeständigkeit zu untersuchen. Neue Wege hat hier die Erforschung des Feingefüges erwiesen und dem Fortschritt Wege gebahnt. Ein besonderes Problem ist der Bedarf an Bauteilen, die auch bei höheren Temperaturen genügend fest bleiben. Im Mittelpunkt der Erörterungen steht seit einiger Zeit die Frage eines Schwerölmotors. Hingewiesen sei auch auf die Best bungen, das Funkgerat an Bord des Flugzeugs zu verbessern, und den Auspuffschall der Motoren und das Geräusch der Luftschrauben zu dämpfen. Kommt die Kartoffelerntemaschine? Neben der Getreidewirtschaft ist der Anbau der Kartoffeln wesentlichstes Merkmal der Großbetriebe. Wirft er doch namentlig bei Vorherrschen der leichteren Böden die lohnendsten Erträge ab. die sich noch wesentlich steigern ließen, wenn nicht zur Ernte der Kartoffeln sehr viel Arbeit aufgewendet werden müßte, die sich un so mehr zusammendrängt, je früher mit stärkeren Frösten gerechn werden muß. Das Reichskuratorium für Technikn der Landwirtschaft hat deshalb als eine seiner dringendsten Aufgaben die Schaffung einer Kartoffelerntemaschine durch größere Mittel zu fördern versucht. Die Versuche im letzten Herbst zeigten, daß die Aufgabe schon zum größten Teil gelöst ist Die Schwierigkeiten, die sich der Konstruktion einer solchen Maschine entgegenstellten, lagen bisher einmal bei dem Kartoffelkkaut, das nur schwer von den Knollen der Erde zu trennen ist, besonders wenn es noch nicht vertrocknet ist. Aber selbst bei entferntem Kraut ist die Trennung der Kartoffeln von der Erdmasse auch nicht leicht, sobal feuchter und klebriger Boden vorliegt. Unter dem Einfluß ein vom Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft eingesetzte Ausschusses haben einige Fabrikanten schon recht brauchbare Krat abschneider konstruiert. Bis jetzt hat sich am besten ein Schlagkre bewährt, das an der Spitze der Maschinen so rasch rotiert, daßd Krautstiele in kurze Stücke zerschlagen und zerstreut werden. In diesem feingehackten Zustand läßt sich das Kraut nach der Ernte der Kartoffeln sehr leicht unterpflügen. Wenn man nun hinter dem Schlagkreuz den Erddamm mit den Wurzelnestern der Kartoffeln über eine Schar auf einen Förderrost führt, so ist es nicht mehr schwer, die Erde abzusieben. Man kann nämlich entweder durch eine Teilung der Fördersiebe in mehrere Stufen, oder durch ein einfaches Rührwerk, das über dem Siebwerk umläuft, die ganze Masse so auflockern, daß auch feuchter Boden durchgesiebt wird Zwei solcher Maschinen, die sich nur noch in Einzelheiten unterscheiden, haben bereits gut gearbeitet. Sie brauchen allerdings mehr Kraft, als durch Pferde hergegeben werden kann, und sind deshalb mit einem Antriebsmotor für die bewegten Teile veriehen. Berechnungen haben ergeben, daß eine solche Maschine für den Großbetrieb durchaus wirtschaftlich werden wird. Das dürfte ganz besonders bei mehrreihigen Maschinen der Fall sein, die sich einschlief lich des Motors für etwa 1500 Mark werden herstellen lassen. C ist damit zu rechnen, daß in der diesjährigen Kartoffelernte schon mehrere Versuchsmaschinen zu größeren Arbeitsversuchen in die landwirtschaftliche Praxis hinausgeschickt werden können. Bei einer Bewährung dieser Maschinen liegt die Annahme nahe, daß es zu einer grundlegenden Umwälzung der Wirtschaftsmethoden der Ke toffelbau treibenden Großbetriebe kommen wird. Die großen wirtschaftlichen Konsequenzen einer solchen Entwicklung liegen auf der Hand. * Ausschneiden. Familien=Fürsorge, Velbert Oststraße 31. Stillprobe: Jeden Dienstagnachmittag von 3 bis 4 Uhr für alle Bezirke Mutterberatung: Jeden Donnerstagnachmittag von 3—5 Uhr für alle Bezirke, Am 1. und 3 Donnerstag im Monat ist der Kreiskommunalarzt anwesend. Mutterberatung: Am Baum Jeden 2. und 4 Montaa im Monat von 2—3½ Uhr. Sprechstunden: Bezirk II: Dienstagnachmittag von 3—6 Uhr Schwester Amalie Kröning: Bezirk I: Mittwochnachmittag von 3—6 Uhr Schwester Hanna Faulenbach; Bezirk III Freitagmorgen von 9½—1%½ Uhr Schweiter Marait Schlüter Die Volksbibliothek Remscheld belindet sich jetzt Papenbergerstraße 22. Ausgabezeit: Samstags von 5—7 Uhr. Bettstellen in Holz und Metall Sofas, Chalsciongues, Auflege-Matratzen Philipn Bachmann. B., Pannewiese 2. kaufen Sie gut und preiswert bei M. Kuschel, Uhrmacher Barmm-Hupperl. Bredéerrtr. 19 neben der Post. Bis Ostern 10% Rabate bei Barzahlung. Schmuck Die beste Sparkasse ist und bleibt der wirklich preiswerte Einkauf. Konkurrenzlos billig bei wirklich größter Auswahl verkaufen wir Ihnen: Valenciennes- u. Klöppel-Spitzen(ea. 7 em breit, von 7 Pig. an). echte Handklöppel-Spitzen(ca. 4 cm. von 42 Pig. an), ValenciennesZacken z. Einarbeiten, Bubi- u. 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Kirchstraße 13/15 REMSCHEID, Freiheitstraße 42 VELBERT, Friedrichstraße 136 Wir lietern insbesondere der Volksauiklärung dienende Bücher u. Zeitschriften, sowie solche zur Unterhaltung, ernsten u. heiteren Inhalts, sämtliche Partei- und Gewerkschaftsliteratur, moderne Romane, Jugendschriften und Spiele Nicht vorrätige Bücher oder Zeitschriften werden in kürzestem Zeltraum besorgt am Gropfntlümforlg, dotf guniöwunlar, dor duine GeoßslodlAnkollan! Vabangnügan Tis sicf won dur Wof Tolgas dürt Jrun Aamr. 1892. Rüf 5809. Stenographie Maschinenschreiben Buchführung Schönschrift Deutsch Rechnen Englisch, Französisch Flochenhaus . WirtichaftWn. Welter PaulFichthorn Elberfeld, Brunnenstr. 12 ält sich bestens empfohl. Tafelherde repariert Schmabl Elberfeld Karlstraße 14 Vertreter gelucht! Grüssner& Co., Heurods Eule Helarollos-Jalousieniabrik. Verdunkelungsanlagen Markisen/ Wirtschaftsartikel. 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Jeder Freigewerkschaftler sieht natürlich sofort, daß das hanebüchener Unfug ist und nur zum Schaden der Organisierten ausschlagen muß. Deshalb müssen wir nochmals an die Kongreßbeschlüsse erinnern, wonach die freigewerkschaftlichen Arbeiter und Angestellten selbständig bei Einreichung der Vorschlagslisten vorgehen. Außer solchen von Freiorganisierten dürfen diese Listen keine Namen enthalten. Uebrigens sei hier noch darauf verwiesen, daß die anderen Gewerkschaftsrichtungen, genau wie die freien Gewerkschaften, auch nur selbitändig vorgeben. Deshalb tretet überall dem kommunistischen Bestreben, den Erfolg der freigewerkschaftlichen Vorschlagslisten zu den Betriebsrätewahlen zu Ungunsten der freien Gewerkschaftsbewegung zu beeinflussen, mit dem entschiedeniten Nachdruck entgegen. Wählt nur Betriebsratslisten der freien Gewerkschaften! Sekretariat des ADGB. Religion und Sozialismus Genosse Georg Beyer=Köln sprach am 7. Marz auf Veranlassung des Volksbildungsausschusses im Barmer Gewerkschaftshaus über obiges Thema und führte folgendes aus: Johrzehntelang hat im Programm der größten deutschen Partei der kleine Satz gestanden:„Religion ist Privatsache“ Diese Verkaufen ist eine Kunst Auf Veranlassung des Zentralverbandes der Angestellten sprach in zwei Versammlungen(je eine in Barmen und Elberfeld) Dr. Geratewohl aus München und gab den anwesenden Verkäuferinnen und Verkäufern manche interessante Anregung. Vortragender betonte vor allem, daß Theorie und Praris stets Hand in Hand gehen müßten. Was nun den Verkauf der Ware angehe, so müsse der Verkäufer die Geschmacksrichtung des Kunden ergründen und erst dann verkaufen. Der Redner kam ferner auf das wichtige Problem„Kundschaft“ zu sprechen. In dem Worte Kundschaft liege alles, es komme nur darauf an, den Käufern die Ware in der rechten Form anzubieten. Der Verkäufer müsse gewissermaßen erfuhlen, welche Waren man dem Kunden anzubieten habe bezw. welche Ansprüche der Kunde an die Ware stelle. Der Käufer müsse sich auf den Verkäufer verlassen können, und es sei unbedingt erforderlich, daß der Kunde Vertrauen zu dem Verkäufer habe. Vor allen Dingen bediene der Verkäufer mit der notwendigen Zuvorkommenheit den Kunden und bewirke eventuell eine kleine Unterhaltung, im leichten Plauderton gehalten. Auch müsse ein guter Verkäufer beispielsweise die Wünsche des Kunden diesem vom Gesicht ablesen können. Höflichkeit sei ferner Grundbedingung dem Käufer gegenüber, ohne jedoch kriecherisch zu sein. Vor allem müsse der Verkäufer stets in bester Stimmung sein, nicht nur in Worten, sondern auch dem Gefühle nach. * Stadttheater. Dienstag, den 12. März, bringt das Stadt theater Barmen um 19.30 Uhr„Zar Saltan“ mit den Damen Clahes(Militrissa), Holzapfel(Schwanhild), Waldenau (Barbaricha), Anatoni(Weberin), Buchner(Bäckerin) und den Herren Haaner(Saltan), Sattler(Guidons. Weyer(Alter Mann), Draht(Narr). In Elberfeld ist für diesen Abend um 19.30 Uhr eine Wiederholung der beiden Lessingschen Lustspiele „Minna von Barnhelm“ und„Die alte Jungfer“ vorgesehen.— Die Intendanz macht schon jetzt darauf aufmerksam, daß am Donnerstag, den 14. März, im Stadttheater Barmen die Spieloper„Fatme“ zur Aufführung gelangt. Es handelt sich bei diesem Werke, das zum ersten Male auf dem Spielplan der Wup pertaler Bühnen erscheint, um eine vergessene Oper Flotows, die von Benno Bardi neubearbeitet und den Erfordernissen der modernen Bühne angepaßt ist. Elberfeld, 11. März. Gefänanis wegen Nichtabführung von Beitragsteilen zur Kranken= und Arbeitslosenversicherung. Zu zwei Wochen Gefängnis verurteilte am 26. Februar da hiesige Amtsgericht den früheren Wirt W. B., weil er die Beitragsteile, die er den Beschäftigten vom Lohn einbehalten, der berechtigten Kasse vorsatzlich vorenthalten hatte. Als strafverschärfend zog das Gericht in Betracht, daß W. wegen eines gleichen Vergehens vor kurzer Zeit bereits zu einer Woche Gefängnis rechtskräftig verurteilt worden war.— Nach den neuen Anweisungen besteht für das Gericht in Zukunft weder die Möglichkeit, Verfahren auszusetzen— selbst wenn der Schuldner sich bereit erklärt, die Schuld in absehbarer Zeit zu tilgen—, noch ein Verfahren gemaß§ 155 der Strafprozeßordnung einzustellen, d. h. wenn der Schuldner bis zur Verhandlung die Schuld bezahlt. Die Ortskrankenkasse empfiehlt deshalb den Unternehmern, die mit der Zahlung der Beiträge im Rückstand sind, sich rechtzeitig mit der Krankenkasse zwecks Regelung in Verbindung zu setzen, um eine Anzeige zu vermeiden. Wohnungswucher Unter dieser Ueberschrift wird uns geschrieben: Im GeneralAnzeiger war dieser Tage folgendes Inserat zu finden: Beschlagnahmefreie 2 Zimmer u. 3 Mansz. s. bezb. zu vm. Anfr. Tel. Elberf., Westen 81772. Auf meinen Anruf mußte ich folgendes erfahren: Die Woh nungen liegen an der Grenze. Die 2=Zimmerwohnung kostet 65 A monatlich, die 3=Zimmerwohnung 75 A# monatlich. Die Dreizimmerwohnung ist eine Wohnung mit schrägen Mansardenzimmern. Man berechne jetzt noch Straßenbahnfahrt und ziehe dann einen Vergleich mit den heutigen Löhnen und Gehältern derjenigen, für die solche Wohnungen in Frage kommen. Kommentar überflüssig. Formulierung sollte zum Ausdruck bringen, daß Religion Sache des Einzelnen sei. Im Heidelberger Programm ist eine ähnliche Festlegung nicht erfolgt. Heute sieht man in der Partei ein starkes Ringen nach Erkenntnis geistiger Vorgänge. Nie zuvor wurde über Religion und Sozialismus so lebhaft diskutiert, wie gegenwärtig. Religiöse Sozlalisten haben sich Bürgerrecht in unserer Partei erworben, sie geben auch bereits eine eigene Zeitschrift heraus. In Köln haben katholische Sozialisten ebenfalls eine eigene Zeitschrift,„Das rote Blatt“, berausgebracht. Wir befinden uns anscheinend in einer neuen Aero, die im Zeichen der Klärung des Verhältnisses zwischen Religion und Sozialismus steht. Woher diese Wandlung? er Sozialismus des 19. Jahrhunderts war, als er aus der Taufe gehoben wurde, vielfach mit religiösen Ideen verbunden. Die Utopisten wollten durch die angestrebte Neuregelung der Wirtschaft ine Verbindung der religiösen mit den wirtschaftlichen Ideen erzielen. Diese Einstellung änderte sich nach dem Auftauchen des Kommunistischen Manifestes. Die materialistische Geschichtsauffassung lehrte, daß der Drang nach Religion nichts Ursprüngliches sei, und Marx bezeichnete Religion als Opium für das Volk. Da die Kirche in heftigem Kampf gegen das klassenbewusite Proletariat stand, galt es, die Arbeitermassen aus dem Bann der Kirche zu befreien. Der jahrelange Kampf galt jedoch weniger der Religion als der Kirche und wurde noch unentwegt bis zum Jahre 1914 geführt. Man konnte sich zeitweise der Sozialdemokratie nur nähern,„wenn man alle Brücken zur Kirche abgebrochen hatte. Heute befindet sich das Verhältnis zwischen Religion und Sozialismus in einer tastenden, suchenden Bewegung. War früher der Sozialist ein Märtyrer, der oft mit Familie und Tradition brach, so ist heute der Sozialist gleichberechtigter Staatsbürger. Der Sozialismus ist nicht mehr eine ferne Prophetie, sondern ein Kampf um handgreifliche Ziele. Früher konnte gesagt werden, der Sozialismus ist unsere Religion, heute ist der Sozialismus vor nüchterne, praktische Ziele gestellt. ie besten Kräfte drängen nach Einspannung großer Ideen und fordern Loslösung vom blosen Interessenkampf. Der Sozialismus soll eine ethische Gemeinschaftsidee sein, und das Gesinnungsmotiv muß stärker betont werden. Die erstrebte kulturelle Neuordnung der Gesellschaft ist die sittliche Berechtigung des ozialismus. Der Sozialismus soll nicht nur eine bessere materielle Lage schaffen, sondern höhere Zielsetzung sein. Die Wandlung im sozialistischen Lager löste auch eine Wandlung im religiösen Lager aus und veränderte seine Haltung zum Sozialismus. Der größte Teil der religiösen Sozialisten kommt aus der protestantischen Kirche, weil der Dogmatismus des Protestantismus weniger stark ist. Wenn starke Konflilte zwischen Protestantismus und Sozialismus bestehen, so liegen die Ursachen weniger auf religiösem als auf politischem Gebiet. Grundlegend verschieden davon ist das Verhältnis zwischen dem Sozialismus und dem Katholizismus, der seine Anhänger zu strengstem Dogmenglauben verpflichtet. Auch heute sehen wir im Westen Deutschlands den Katholizismus noch in starker Kampfstellung gegen den Sozialismus. Päpstliche Enzykliken und bischöfliche Hirtenbriefe haben immer dringend vor dem Sozialismus gewarnt. Trotz allem Kampf haben wir heute in Deutschland eine Gruppe prachtvoller Menschen katholischer Religion, die zum Sozialismus gekommen sind aus religiösen Motiven. Auch sie erstreben gemeinsam mit ihren nicht katholischen Klassengenossen eine andere Wirtschaftsordnung. Ein tobendes Durcheinander durchrüttelt den Katholizismus, seine alte Harmonie ist verloren. Die katholischen Arbeiter fangen an, mit den alten katholischen Wirtschaftstheorien zu hadern und erkennen immer stärker ihre Klassenlage. Die Unzufriedenen wollen keine Loslösung von der Kirche, aber erheben nachdrücklichst soziale Forderungen. Interessant ist die Einstellung katholischer Wirtschaftstheoretiker, die allmählich sogar zu einer schüchternen Anerkennung des Klassenkampfes kommen. Sozialistische Eigentumsgedanken finden sich auch bereits bei den katholischen Sozialethikern. Die Wandlungsfähigkeit des Katholizismus ist erstaunlich, sie ergibt sich auch aus der jüngsten katholischen Literatur, insbesondere der katholischen Jugendliteratur. Sind Katholizismus und Sozialismus miteinander vereinbar? Der Katholizismus ist eine Weltanschauung. Der Sozialismus ist eine Lebensidee und ein Erneuerer des Wirtschafts= und Gesellschaftslebens auf dieser Welt. So betrachtet, brauchen Sozialismus und Katholizismus keine Gegensätze zu sein. Schwache neue Strömungen sind zu erkennen, die auf eine Beseitigung der Hindernisse abzielen. Die Kirche steht diesen Neubildungen noch sehr reserviert gegenüber. Schon arbeitet man aber nicht mehr wie früher mit Vervoten. Nicht einmal„Das rote Blatt“ ist den Katholiken bisher verboten worden. Es ist den Bischöfen bekannt, daß viele junge katholische Geistliche Mitarbeiter des roten Blattes sind, und trotzdem ist bisher ein Verbot nicht erlassen worden. Der weltanschauliche Gegensatz innerhalb der Arbeiterklasse muß fallen, um die Vereinheitlichung der Arbeiterbewegung zu erzielen. Der sozialistische Mensch muß auch im katholischen Lager Bürgerrechte erhalten. Welche Lehren können wir aus den neuen Strömungen ziehen? Vielleicht gibt es noch einmal Rückschläge. Die Dinge sind noch im ersten Werden. Der Boden des Sozialismus muß frei werden für alle Weltanschauungen. Duldsamkeit ist notwendig! Alle müssen im Hause des Sozialismus Platz finden. Der Freidenker darf ebensowenig wie der Christ glauben, daß er der bessere Sozialist sei. Deshalb kein Spott, keine Nichtachtung der Glaubenswelt. Neue ethische Kräfte brechen sich Bahn. Wir brauchen das ganze Arbeitsvolk zum Aufbau des Sozialismus.=t3. Was bedeutet ein Konkordat? Die freie Schulgesellschaft hatte am 6. März zu einem öffentlichen Elternabend im Gymnasium eingeladen. Die Versammlung war sehr gut besucht. Der Vorsitzende des Bezirksverbandes Dr. Maase führte nach dem uns vorliegenden Bericht aus: Konkordat bedeutet eine ungeyeure Gefahr für das arbeitende Volk. Leider ahnen die meisten nicht, was ihnen droht. Konkordat ist ein Staatsvertrag, der für ewige Zeiten gilt. Kein kommender Reichstag oder Landtag kann daran etwas ändern, selbst nicht, wenn eine starke Linksmehrheit vorhanden ist. Konkordat ist ein Raub am Gesetzgebungsrecht. Dr. Maase wies auf das bayerische Konkordat hin. Klöster und Orden entstehen überall mit Hilfe staatlicher Gelder. Der„Toten Hand“ darf nicht entgegengetreten werden. Während alle Schentungen über 5000 A vom taate genehmigt werden müßten, sei hier eine Ausnahme. Auf dem Sterbebette fließen ungeheure Schenkungen unkontrollierbar der Kirche zu. An den Universitäten besetzt der Bischof nicht bloß die theologischen Stellen, sondern auch bestimmte Lehrstühle in Geschichte, Philosophic und Pädagogik. Die Schule steht in allen Dingen völlig unter Aufsicht der Kirche. Die Geschichte des Bauernkrieges 1525 darf von Lehrern nicht objektiv geschrieben werden, da die Kirche belastet wird. SPD. und KPD. ist in der Schule so gut wie unmöglich. Die Lehrer werden in ihrem Gewissen bedrückt.— Ueber das Preußenkonkordat weiß man wenia. Als sicher gilt, daß neue Bischofssitze errichtet werden sollen, besonders in den Industriegegenden, wo Elberfeld Mittwoch, den 13. März, 20 Uhr, bei Kramer, Karlstr. 30: Mitglieder=Versammlung Tagesordnung: 1.„Das Kultur=Ideal des Sozialismus". Vortrag des Schriftstellers Dr. Gustav Hoffmann=Hannover. 2. Neuwahl des 1. Kassierers. 3. Mitteilungen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Türkontrolle hat der 20. Bezirk. Der Vorstand. die Macht der Kirche zurückgeht, z. B. in Essen. Die Aufgabe der Bischöfe ist in der Hauptsache eine politische: Bekämpfung des Sozialismus und der freien Gewerkschaften. Das Geld dazu soll der Staat geben. Dabei schwimmt die Kirche im Gelde. Kirchengemeinden und Diözesen haben ungeheures Grundvermögen. Bein Wehrbeitrag 1913 wurde der Schleier etwas gelüftet. Man kam allein in Bayern auf 900 Millionen als Wert des Grundvermögens der Gemeinden. Die Kirche erhebt eigene Steuern als Zuschlag zur Reichssteuer. Diese ist ein Vielfaches gegen früher, somit auch die Kirchensteuern. Die Kirche selbst ist von allen Steuern frei als einzige im Reiche, selbst Hauszinssteuer fällt fort. Die Dotationen des Staates an die Kirche wachsen von Jahr zu Jahr. 1928 wurden 72 Millionen bewilligt, der Voranschlag 1929 weist 83 Millionen auf. Die Einnahmen aus der Verteilung der Gnadenmittel(Taufe, Hochzeit usw.) sind ungeheuer, auch die Kollekten ergeben in mancher Stadt Hunderttausende. 3 Karitasverbände, also ein Teil der katholischen Wohlfahrtsorganisation, ließen im Jahre 1925 im Auslande eine Anleihe auflegen. Diese bedürfen der Genehmigung des Staates, bei der Kirche nicht. Es handelte sich um 3 Millionen ollar. Als Sicherheit wurden allein von den 3 Karitasverbänden Liegenschaften im Werte von 1200 Millionen Mark geboten. Wie reich die Kirche ist, beweisen ihre Bauten. Die ärmsten Eifeldörfer haben prächtige, neue Kirchen und Jugendhäuser. Alles sind letzten Endes Staatsgelder. Arbeiterwohlfahrt usw. erwarten vergebens solche Hilfe. Die Lehrlingsheime der christlichen Gewerkschaften sind prächtige Baulichkeiten durch die Zahlungen an die Kirche, die freien Gewerkschaften müssen mit Arbeitergroschen bauen, die Gebäude sind dementsprechend. Der Ruf nach Öffenlegung des Kirchenvermögens darf jetzt nicht verstummen. Der Kirchenaustritt muß gefördert werden. Bis jetzt sind fast drei Millionen ausgetreten, wenn es 6—8 Millionen sind, ist die Macht der Kirche gebrochen. Die Kirche ist innerlich hohl, da sie auf wissenschaftlich längst überwundenem Boden steht, trotz aller politischen Erfolge. Der Redner legte eine entsprechende Entschließung vor Die Aussprache ergab allseitige Zustimmung. Ein Redner forderte zum— „Steuerstreik“(!) auf.— Der Vortragende forderte die Anwesenden im Schlußwort auf, jeder solle in seiner Partei wirken.— Die Entschließung wurde einstimmig angenommen. Zur Orientierung unserer Leser sei die von der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtags einmütig gebilligte Erklärung hinzugefügt, die Genosse Dr. Hamburger am 14. Dezember 1928 im Preußischen Landtag abgab: „Die sozialdemokratische Fraktion wird einem Uebereinkommen, das Schulangelegenheiten regelt, nicht zustimmen, *) da auf dem Gebiete des Schulwesens dem Staat allein die Entscheidung zusteht Ebensowenig wird die Fraktion einem Uebereinkommen zustimmen, in dem Bestimmungen enthalten sind, die der im Artikel 138 der Reichsverfassung vorgesehenen Gesetzgebung betreffend Ablösung der Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften vorgreifen. Sollte der Entwurf eines Uebereinkommens vorgelegt werden, in dem diese vorstehenden grundsätzlichen Forderungen berücksichtigt sind, so wird die Fraktion prüfen, ob die Regelung der Beziehungen zwischen Staat und Kirche in kirchlichen Angelegenheiten in Form eines Uebereinkommens zwischen Preußen und der Kurie im staatlichen Interesse notwendig ist und ihre endgültige Stellungnahme zu dem Entwurf von seinem Inhalt im einzelnen abhängig machen. „Kultur und Kirche“ lautet das Thema, über das morgen, Dienstaa, 20 Uhr, der ehemalige Kaplan Papert aus Böhmen im großen Saale der Stadthalle spricht.(Siehe Inserat.) c. Nachfolger des verstorbenen Genossen Stehr wird in der Stadtverordnetenversammlung unser Genosse Otto Ibanetz. 2. Vorsitzender der SPD. Elberfeld, der bereits von 1919 bis zu den Wahlen von 1924 der Stadtverordnetenversammlung angehörte. c Der 2. Nachtrag des Einwohnerbuches der Stadt Elberfeld 1928 mit 60 von Oktober 1928 bis März 1929 bezogenen neuen Häusern, sämtlicher Hauseigentümern und Mietern ist soeben im rührigen Verlage J. H. Born erschienen und wird allen im Vertragsverhältnis stehenden Adreßbuchabnehmern Aue 40/44 kostenlos abgegeben. e. Vorgeläuschter Ueberfall. Heute früh erhielt die Kriminalpolizei die Meldung, daß im Hause am Kirbergs=Weg die 21jährige Tochter einer dort wohnenden Familie das Opfer eines räuberischen Ueberfalls geworden sei. Die zum Tatort entsandte Kommission stellte aber fest, daß es sich um ein vorgetäuschtes Verbrechen handelt. e. Im Städtischen Museum wurden neu ausgestellt Kollektionen junger Maler, deren Namen in den letzten Jahren viel genannt worden sind. Es sind die Künstler: Richard SchroetterPrag, Xaver Fuhr=Mannheim, Lucian Maillol=Paris. Weitere Vertreter der jungen Malerei werden im nächsten Monat zur Ausstellung gelangen. Im Kupferstichsaale des 1. Obergeschosses wurden neu ausgestellt Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen von Professor L. von Hofmann=Dresden. c. Thalia=Theater. Dienstag, den 12. März:„Schwarzwaldmadel“ als Ehrenabend für Milena Pawlowna und Franz Kochel. Für Dienstag= und Mittwochnachmittag wurde das Max und Moritz=Ensemble Berliner Künstler, das mit zwei Opelwagen durch die Weit fährt, für ein zweimaliges Gastspiel zu ganz kleinen Preisen verpflichtet. Barmen, 11. März. Wettbewerb zur Erlangung eines Werbeplakates für das Bergische Land. Der Bergische Verkehrsverband, Geschäftsstelle Barmen, veranstaltet einen öffentlichen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen eines Werbeplakates für das Bergische Land. Zur Beteiligung sind zugelassen alle Künstler, die im Bergischen Land ihren dauernden Wohnsitz haben. Das Plakat soll Verwendung finden für die Werbung im Bergischen Land und in anderen Gebietsteilen Deutschlands. Neben der beabsichtigten Wirkung als Werbeplakat ist erwünscht, daß der Entwurf der Eigenart des Bergischen Landes entspricht vor allem daß der Charakter der Landschaft gewahrt bleibt. Die Schlagzeile „Besucht das Bergische Land“ ist als zugehöriger Tert festgelegt. Die Entwürfe sind bis spätestens 2. April. 18 Uhr, bei der Geschäftsstelle des Bergischen Verkehrsverbandes, Barmen, Rathaus, 1. Stock, Zimmer 85, einzureichen bezw. an dem genannten Tage bis zu der bezeichneten Zeit nach Ausweis des Poststempels einem Postamt zur Beförderung zu übergeben Verspätet eingegangene Entwürfe sind von dem Wettbewerb ausgeschlossen. Die einzureichenden Entwürfe sind mit einem Kennwort zu versehen: Name und Wohnort des Verfassers sind in einem geschlossenen Briefumschlag mit gleichem Kennwort beizufügen. Die Beurteilung der eingegangenen Entwürfe und die Entscheidung über die Zuerkennung der Preise J. S. Bach: Messe in H-Mol (Konzertgesellschaften Barmen=Elberfeld.) Das letzte Abonnementskonzert in Barmen erstieg in der Programmwahl einen höchsten Gipfel. Bachs H=Moll=Messe kann man, wenn man sie überhaupt vergleichen will, nur mit Beethovens „Missa Solemnis" insofern vergleichen, als beide Werke bis zum Letzten und Tiefsten vordringende Auseinandersetzungen zweier großer Menschen und Musiker über das Ewige und des Vergängliche, über die bis hoch zu den Sternen aufwärtsstrebende Sehnsucht der im Tal der Leiden geknechteten, duldenden Menschheit und den unzerstörbaren Glauben an das freude- und friedenspendende Walten einer„höheren Macht" sind. Die Loslösung von aller konfessionellen Gebundenheit erschließt sich bei Beethoven leichter als bei Bach. Dennoch ist sie auch bei ihm vorhanden. Der gewaltige Atem seiner großen menschlichen Persönlichkeit haucht der zu Kultzwecken bestimmten Musik über diesen Zweck hinaus allgemeine Bedeutung ein. Im Feuerstrom seines genialen Schaffens zersprengen die kirchlichen Fesseln, befreit sich die Seele aus der dumpfen Gebundenheit des Dogmas und kündet von dem, was allen Menschenseelen gemeinsam eigen ist, was sie bedrückt und erhebt, quält und beglückt. Kündet es in einem Reichtum des musikalischen Ausdrucks und in einer Größe der musikalischen Form, die in der H=Moll=Messe ebensosehr tiefste Ergriffenheit wie staunende Bewunderung auslösen. Sind in die einzelnen Sätze der H=Moll=Messe auch Solostücke, Arien und Duette mit konzertanter Instrumentalbegleitung eingestreut(so hat der Solo=Sopran im„Gloria“ eine Arie mit ViolinSolo, der Solo=Alt im„Gloria“ eine Arie mit Oboe d'amore=Solo und im„Agnus dei“ eine Arie; der Solo=Tenor im„Sanctus“ eine Arie mit Violin=Solo; der Solo-Baß im„Gloria“ eine Arie mit Horn=Solo und im„Credo“ eine Arie mit 2 Oboe d'amore; ferner haben Sopran= und Altsolo im„Kyrie“ ein Duett mit Violin=Solo und im„Credo“ ein Duett mit Oboe=Solo sowie Sopran= und Tenor=Solo im„Gloria“ ein Duett mit Flöten=Solo), so nehmen doch die Chöre den größten Raum ein. Diese gewaltigen Chöre, die im„Kyrie“ fünf= und vierstimmig das Duett umrahmen, die in dem himmelstürmenden„Gloria“ vier= und fünfstimmig viermal, in dem musikdramatischen Gemälde des„Credo“ gar sechsmal auftreten, die auch den unermeßlichen Jubel, die unübersehbare Weite des„Sanctus" sechs= und achtstimmig besingen und im„Agnus dei" mit der Bitte um Frieden dem erhabenen Werk einen weihevollen Ausklang geben,— diese Chöre mit ihrer kunstvollen polyphonen Stimmführung, ihrer rhythmisch und in der elementaren Ausdruckskraft ans den Urquellen der Volksmusik schöpfenden sinnfälligen Melodik, ihrer innerhalb der strengsten Gesetzlichkeit mit kühnster Freiheit durchgeführten Harmonik geben auch in der Wucht und Größe ihrer musikalischen Anlage dem Werk seinen Charakter. Auch in der Wiedergabe sind die Chöre das Entscheidende. Leider blieb sie, besonders in den ersten Teilen, weit hinter dem zurück, was man billigerweise von dem Chor der musikalisch führenden Konzertgesellschaft des Wuppertales erwarten und verlangen darf. Die Einsätze zaghaft und unsicher, der Rhythmus SPD. Barmen Dienstag, den 12. Marz, 20 Uhr, in der„Borussia", Gemarker Ufer: Mitglieder=Bersammlung Tagesorbnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Hoffmann=Hannover über: „Der Sozialismus als Kulturideal“. 2. Die Bereinigung der Ortsvereine Barmen und Elberfeld. 3. Mitteilungen. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Der Vorstand. erfolgt durch ein Preisgericht dem als Preisrichter Prof. H. Schreiber, Barmen. Prof. Peter Klotzbach, Barmen, Dr. Böttger. Barmen, sowie Herren des engeren Vorstandes des Bergischen Verkehrsverbandes angehören. Für die besten Entwürfe werden folgende Preise ausgesetzt: ein 1 Preis von 400 A. ein 2. Preis von 250 M. ein 3. Preis von 150 M. Die weiteren Bedingungen sind auf der Geschäftsstelle des Bergischen Verkehrsbundes, Barmen Rathaus. zu erfahren. Ausstellung in der Textilfachschule Nach vierjähriger Pause veranstaltet die Preußische höhere Fachschule für Textilindustrie in Barmen wieder eine Ausstellung von Schülerarbeiten. Wenn auch in der Organisation der Anstalt in den letzten Jahren wesentliche Aenderungen nicht eingetreten sind, so soll doch der heranwachsenden Generation und deren Angehörigen Gelegenheit geboten werden, einen Einblick in die Arbeit der Schule zu tun. Bei der Berufswahl wird es für viele von Wichtigkeit sein, sich über den Ausbildungsgang für einen Beruf in der Textilindustrie eingehender zu unterrichten. In den praktischen Betrieben werden einige neue Hilfs= und Arbeitsmaschinen den Fachmann interessieren; in der Färberei sind es die ausgelegten Farbstoffuntersuchungen, Farbstoffsynthesen und mehrfarbigen Musterungen in einem Bande gefärbt, die Beachtung beanspruchen dürften. Die Ausstellung ist, wie aus der im Anzeigenteil enthaltenen Ankündigung hervorgeht, am Mittwoch, den 13. März, von 15—18 Uhr, am 14., 15., 16. und 17. März von 9—13 Uhr und von 15—18 Uhr geöffnet. b. Sonderzüge nach Ost= und Westpreußen. Auch in diesem Jahre laßt der Rhein.=Westf. Hauptverband heimattreuer Öst= und Westpreußen 64 Sonderzüge dritter Klasse mit 83½ Prozent Fahrpreisermäßigung nach und von der Heimat verkehren. Die Züge fahren von Düsseldorf nach Lyck und von Duisburg nach Insterburg ohne Umsteigen über Dortmund=Hbf.=Hamm=Hannover=Berlin-Schneidemühl=Marienburg=Osterode=Allenstein nach Lyck bezw. Insterburg. Die ersten Züge fahren am 15., 22. und 27. März. Die Fahrzeit beträgt bis Marienburg etwa 20, Alleinstein 24 und Insterburg oder Lyck 27 Stunden. Alle hier und in der Umgegend wohnenden Ost= und Westpreußen haben durch diese schnelle und billige Fahrt Gelegenheit, ihre in der Heimat wohnenden Angehörigen zu besuchen. Anmeldungen sind mindestens 12 Tage vor Abfahrt jedes Zuges an den 1. Vorsitzenden des Ost= und Westpreußenvereins, Fritz Quasnewski, Carnaperstr. 57 a, zu richten. Sprechstunden jeden Dienstag und Donnerstag von 19 bis 21 Uhr b. Rüpelhaftes Benehmen legten gestern abend junge Leute, anscheinend Sportler, die von einer Düsseldorfer Veranstaltung kamen, an den Tag. In einem der schon längst verpönten Massentransportwagen ehemaliger 4. Klasse, die heute die Eisenbahnverwaltung immer noch dem Publikum trotz Fahrkarte 3. Klasse zumutet, beahmen sich die Leute derartig flegelhaft, daß ein mit seinen Angehörigen reisender Familienvater die Hilfe des Zugpersonals in Anspruch nehmen mußte. Selbst die Schaffner erklärten, daß sie gegenüber den Burschen machtlos wären, so daß erst am Döppersberg, wo die Bahnpolizei bereits telephonisch informiert war, die Personalien einiger Radaubrüder festgestellt werden konnten. In letzter Zeit ist schon wiederholt über ähnliche Vorfälle geklagt worden. sp. h. Kunstverein— Ruhmeshalle. Die März=Ausstellung des Kunstvereins wurde Sonntag mit einer Gemäldekollektion von Professor Heinrich Nauen=Düsseldorf und einer Sammlung farbiger Studien und Muster der Krefelder Webeschule eröffnet. unscharf und schwankend, der musikalische Ausdruck unausgeschöpft, — das war der Gesamteindruck, der von gut gelungenen Einzelheiten, wie etwa dem innig schön gesungenen Chor„Et incarnatus est“, nicht aufgehellt werden kann. Franz von Hoeßlin suchte durch Anfeuerung und flotte Tempi zu retten, was zu retten war; das war nicht viel, da er es an der bei diesem technisch ungeheuer schwierigen Werk doppelt notwendigen Vorbereitung des Chores der in früheren Jahren seine gesangstechnische und musikalische Leistungsfähigkeit oft bewiesen hat) offenbar hat fehlen lassen. Ueberhaupt hat man von den bisherigen Veranstaltungen der unter von Hoeßlins Gesamtleitung stehenden Barmen=Elberfelder Konzertgesellschaften den Eindruck, daß unter der Quantität die Qualität leidet. Wie bei den einheitlichen Programmen der Volkstümlichen Symphonie=Konzerte sollte es auch möglich sein, die Abonnementskonzerte aufzubauen und die Chöre für je eine Aufführung in Barmen und in Elberfeld zu verpflichten. Dann bliebe für die Probearbeit genügend Zeit. Auch das Orchester scheint überbelastet zu sein, obschon dies, da es sich hier um Berufskünstler handelt, die mit technischen Schwierigkeiten leichter fertig werden, nicht so auffallend zutage trat. Im Gegenteil entledigten sich die Herren Konrad(Violine), Hesse(Flöte), Fritsch und Zilverberg(Oboe und Oboe d'amore), Triegel(Horn), Eckhardt und Drewes(Trompete) neben den übrigen Mitgliedern der Vereinigten Städt. Orchester ihrer besonderen Aufgabe als Instrumental=Solisten in anerkennenswerter Weise. Das Solisten=Quartett war ausgezeichnet besetzt. Lotte Leonard=Berlin, als stilkundige Bachsängerin und stimmgesegnete Sopranistin ebenso bekannt wie ihr Kollege vom Baß. Alfred Paulus=Dessau. Mit einer gehaltvollen, noch etwas ungleichen Altstimme vermittelte Frieda Dierolf=Berlin ausdrucksvoll die Altpartie und in dem Vertreter der Tenorpartie lernte man in Mar Meili=Köln einen neuen Konzerttenor mit weicher, klangvoller und gepflegter Stimme und künstlerischem Vortrag kennen. An der Orgel gab Gottfried Grote den Chören machtvolle Stütze und Fundament. Toni Klimmet. Der Dickkopf Berliner Prominente im Thalia=Theater Ein„Familienlustspiel" in 3 Akten von Fritz FriedmannFrederich. Nicht von Ewigkeitswert, aber auch keine Eintagsfliege. Zwei Brüder als Kompagnons in Firma HosemannZigarren en gros. Sie werden lachen: Max und Moritz. Max, der selbstherrliche, schwadronierende, an allem herumnörgelnde, allesbesserwissende Dickkopf. Und Moritz der brave Kuschdich, personifizierte lammfromme Bürgerseele, hilfloses Gestotter im Kielwasser der brüderlichen großen Schnauze. Diese beiden Typen allein sind schon eine Komödie. Dramatisch aber wird die Sache dadurch, daß 1. Onkel Max Verwalter des Vermögens seiner Nichte Erna ist und von solcher Vertrauensstellung eine etwas merkwürdige, seinem Geldbeutel jedenfalls sehr zuträgliche Auffassung hat——, daß 2. besagte Nichte nebst verwandschaftlichem AnSozialdemokratische Partei Rott—Törnen. Mittwoch, den 18. März. 20 Uhr, bei Paschhoff, Bruderstraße: Mitaliederversammlung. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag der Genossin Meis über die Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt, sowie ein Vortrag des Genossen Dal Ri über die Aufgaben der Kinderfreundebewegung. Es wird erwartet, daß alle Mitglieder in dieser wichtigen Versammlung erscheinen. Jungsozialisten Barmen. Dienstag, den 12. März: Mitgliederversammlung, 20 Uhr, in der„Borussia".— Mittwoch, den 13. März, 19 Uhr, bei Thiel, Steinweg 55(Landwehrplatz): Wichtige Arbeitsausschußsitzung 20 Uhr: Vortrag des Genossen Götz=Düsseldorf über:„Die jungsozialistische Bewegung, ihre Geschichte und ihre Aufgaben“.— Sonntag, den 17. März: Märzgefallenenfeier. Treffen 14½ Uhr am Rathausvorplatz. Bohwinkel. Allen Genossinnen und Genossen wird der Besuch des Lichtbildervortrages:„Unser Schrei nach Menschlichkeit“ empfohlen. Der Vortrag ist am Mittwoch, den 13. März, 20 Uhr, im städtischen Jugendheim(Berufsschule), Kaiserstraße, und wird von den Naturfreunden und der freien Sstulgesellschaft veranstaltet. Der Vorstand. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Vorstand, Z= und G=Führer. Mittwoch, den 13. März, 20 Uhr. bei Jean Fischer, Grifflenberg 15, wichtige Sitzung. In Anbetracht der bedeutungsvollen Tagesordnung muß jeder Verhinderte unbedingt einen Vertreter stellen. Barmen 6. Zug: Dienstag, den 12. März, 20.15 Uhr, bei Kesting, Taubenstraße: Versammlung. Sozialistische Arbeiter-Jugend Barmen. Gruppe U.=Barmen: Dienstag im Gewerkschaftshaus: Wichtige Gruppenbesprechung. Anschließend heitere Vorlesungen. Gruppe Mittelbarmen: Dienstag, den 12. März, spricht Gen. Lehrerin Krafft über:„Das proletarische Mädchen in der Jugendbewegung“. Gruppe Heckinghausen: Dienstag, den 12. März: Wichtige Mitgliederversammlung. Die dringend notwendige Werbung neuer Mitglieder erheischt, daß jeder erscheint, um an der gemeinsamen Aufgabe zu helfen. Kinderfreunde Elberfeld. An alle Gruppenleiter ergeht der Ruf, sich heute, Montag, 19 Uhr, im Jugendheim zu einer kurzen Besprechung betr. unserer Werbefeier einzufinden. Freundschaft! Bruno. Gruppe Nord: An die Eltern nochmals der Hinweis, daß heute, Montag, 20 Uhr, im Jugendheim(Marienstraße) unsere Elternversammlung stattfindet. Wir bitten recht zahlreich zu erscheinen. Freundschaft! Die Gruppenleitung. Barmen. Gruppe 3, Schützenstraße: Die Roten Falken kommen nicht am Dienstag, sondern am Mittwoch um 16½ Uhr. Freundschaft! Verantwortlich für Politik: Dr. A. Dang=Elberfeld; für Lokales Elberfeld=Barmen: Emil Quitzau=Elberfeld; für Gewerkschaftliches, Genossenschaftliches, Aus aller Welt, LennepRemscheid=Mettmann, Kunst und Sport und den unterhaltenden Teil: Oskar Hoffmann=Elberfeld; für den Inseratenteil Friedrich Heyck-Elberfeld.— Rotationsdruck und Verlag: Verlagsanstalt Freie Presse. Molkenbuhr u. Ko. Elberfeld. hang völlig entgegengesetzten Geschäftsprinzipien huldigt, und daß 8.— aber das läßt sich, wie bei jedem netten Schwank(so möchten wir das Stück katalogisieren) nicht alles so nüchtern hersagen. In der vom Autor geleiteten Aufführung fesselte zweierlei: Die äußerst geschickte Rollenbesetzung und die Herausarbeitung der gegebenen Kontraste, der beiden Brüder einerseits und der beiden Verwandschaftsgruppen(hie Ratibor— hie Amerikal) anderseits. Das Spiel hat Berliner Tempo und mag auf mancher Provinzbühne eine Attraktion sein— im Elberfelder Theaterleben ist es mindestens ein amüsantes Apercu. Mar Adalbert, dem anderen prominenten Mar in Schnoddrigkeit und Wortspiegelfechierei verwandt, hat im übrigen seinen eminent eigenen Stil: einen Stil, der Creszendos von Volltreffern ins Parkett und auf die Ränge wirft, der sich an der eigenen trockenen Selbstverständlichleit entzündet und jede Skepsis in ungeheures Gelächter verwandelt. Der Moritz alias Ferrn Sikla braucht seinen Mund überhaupt nicht aufzutun, er braucht nur auf seinem Drehschemel zu sitzen oder sein Bemmchen in die Milch zu tauchen, oder die fesche Custl(Colette Corder) abzuknutschen, oder die brüderliche Philippika über sich ergehen zu lassen— das genügt. Mit diesem Eummitall zu spielen, das muß für alle Beteiligten ein Sport sein! Hedwig Wangel, die schöne, großartige berühmte Frau, mußte sich leider auf eine sehr knappe seriose Tantenrolle beschränken, zu der Hedda Neuhoffs Tante Blanche köstlich kontrastierte. Gara Guyl macht= den modernen Typ. In die Herrenrollen teilen sich Ernst Pittschau, Richard Starnberg, Mar Land, Manfred Voß u. a. Für Filmfreunde war es ein spezielles Vergnügen, eine Serie beliebter Leinwandgrößen nun auch einmal„leibbaftig“ zu sehen. Schade, daß es mit dem einmaligen Gastspiel sein Bewenden haben muß! Das Theater war gut besucht, sein herzhafter Veifall entsprach dem Niveau der Darstellung. Willibert Ritter. Unter Geschäftsaussicht Remscheider Schauspielhaus. Viele Remscheider lieben den Schwank. Er kann ihnen nicht possenhaft genug sein. So ist zu erwarten, daß die Aufführungen dieses tollen Schwankes von Arnold und Bach einen Kassenerfolg bringen werden. Unter der vorzüglichen Regie von Paul R. Henker wurde prächtig gespielt. Vor allem, es wurde nicht übertrieben. Die komischen Verwicklungen dieses Stückes wirken an sich schon zwerchfellerschütternd. In der Hauptrolle zeigte Joseph Astor wiederum sein fabelhaftes Schwanktalent. Sein passiver Humor war zu drollig, wie er als Provinzler in Berlin in die heikelsten Situationen gerät! Aus der großen Reibe der Mitwirkenden sind lobend zu erwähnen: Minuschka Kuch als Provinzmädchen Marliese, die in Berlin schnell„geschliffen“ wird; Uta Rücker als raffinierte Sängerin Pussy; Erna Schäffer als Frau Buchhalter Haselhuhn; Fritz Wilhelmi als verschwenderischer Chef der Firma Schillings Nachfolger; Kurt Finze als Librettist Teddy; vor allem aber noch Dr. Karl Bischoff als origineller Bureaudiener. Gg. wenn jeder Arbeiter eine Arbeiterzeitung lesen würde, dann wäre der Einfuß der Arbeiterschaft auf die öffentliche Meinung so groß, als es die Zahl der Arbeiter im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist. An unsere Leser! Wir bitten, diese Seite aus der Freien Presse herauszunehmen und an einen Nichtleser weiterzugeben. Jeder Leser der Freien Presse muß neue Leser für die Freie Presse werben. Verlagsanstalt Freie Presse. Remscheid=Lenner Nemscheid, 11. März. Rudolph-Kursus Am nächsten Samstag beginnt im Volkshaus der Kursus: „Der Marxismus in der Gegenwart“, den der Genosse Rudolph=Weimar an fünf Abenden durchführen wird. Funktionäre der Partei aus allen Orten des Unterbezirks können an dem Kursus teilnehmen. Die Beteiligung ist kostenlos. Genosse Rudolph ist den hiesigen Parteimitgliedern aus der Versammlung im April vorigen Jahres bekannt; es ist deshalb mit starker Beteiligung zu rechnen. Wir machen jetzt schon auf den Kursus aufmerksam, damit jeder Genosse sich darauf einrichten kann. Das Schicksal der Metzerstraße Wer die Neuenkamperstraße bis zur neuen Wagenhalle passiert, findet es unbegreiflich, daß, eine Straße, die einen Siadtteil mit mindestens 1500 Menschen an den Verkehr anzuschließen hat, vollständig in unbrauchbarem Zustande bleibt. Hierüber ist jahrelang geredet und geschrieben worden. Mit Recht wird dieser Zustand mit der Zeit als ein öffentlicher Skandal bezeichnet. Diese Metzerstraße ist eine sogenannte Privatstraße, das heißt: nicht die Stadt, sondern Private haben die Pflicht, die Straße in einen ordnungsmäßigen Zustand zu bringen. Der Beamtenwohnungsverein, der hier mit als Privater in Betracht kommt, will sich keineswegs dieser Pflicht entziehen. Wie wir erfahren, haben Verhandlungen über Verhandlungen stattgefunden, um diesen Straßenbau endlich zum Abschluß zu bringen. Neuerdings sollen diese Verhandlungen wiederum gescheitert sein, weil der Besitzer der Grundstücke, über die die Straße führt, von der Bedingung nicht abgehen will, daß nach Uebernahme der Straße durch die Stadt der Beamtenwohnungsverein dauernd verpflichtet sein soll, die Straßenbaukosten zu tragen. Das heißt: wenn die Straße später erneuert wird, sollen nicht die Anlieger und Eigentümer die Kosten tragen, wie das nach Ortsstatut üblich ist, sondern der Beamtenwohnungsverein. Diese Bedingung des Besitzers ist für die Leitung der Genossenschaft nicht tragbar, weil sie glaubt, diese Verpflichtung für die spätere Generation nicht verantworten zu können. Damit scheint das Schicksal der Meterstraße besiegelt zu sein Demgegenüber vertreten wir die Ansicht, daß es der Stadt als offentliche Behörde durchaus nicht gleichgültig sein kann, ob die Straße nun endlich ausgebaut wird oder dauernd im Dreck liegen bleiben soll. Nicht nur der vielen Menschen wegen und regen des Ansebens der Stadt, sondern auch aus Gründen des Tierschutzes. Schließlich hat das Interesse der Allgemeinheit auch etwas zu bedeuten. Nach unserer Meinung ist es die Pflicht der Stadtverwaltung, diesen gordischen Knoten, der den Ausbau der Metzerstraße verhindert, endgültig zu lösen. L. Handlungsgehilfin oder Gewerbegehilfin Abgewiesene Revision. Die Lichtspielgesellschaft G. m. b. H. in Remscheid hatte durch Zeitungsanzeigen eine Kassiererin mit guter Handschrift und mit Fertigkeit auf der Schreibmaschine gesucht und am 27. Oktober 1927 eine Bewerberin angestellt, aber schon am 8. Dezember zum 22. Dezember 1027 ihr wieder gekündigt. Die Gekündigte war der Meinung, daß sie kaufmännische Angestellte gewesen sei und daß ihr wirksam erst zum 31. März 1928 hätte gekündigt werden können. Sie bezog nach ihrer Behauptung ein Gehalt von wöchentlich 30 und 5 v. H. der Einnahmen aus dem ihr mitübertragenen Verkauf von Schokolade. Dieser Anteil soll sich wöchentlich auf 3 A belaufen haben. Demgemäß beanspruchte sie mit einer Klage beim Arbeitsgericht eine Nachzahlung von 420 in Gehalt für die Zeit vom 22. Dezember 1927 bis 31. März 1928 und 42.7 Vergütung vom Schokoladenverkauf. Das Arbeitsgericht wies sie mit ihrer Klage ab. Ihre Berufung gegen das Urteil wurde vom Landesarbeitsgericht in Elberfeld verworfen. Die Klägerin beruhigte sich auch bei dem Urteil der zweiten Instanz nicht. Iyrer Revision war jedoch der Erfolg gleichfalls versagt. Das Reichsarbeitsgericht führte in seinem Urteil aus: Die Obliegenheiten der Klägerin bestanden nach den Feststellungen des Landesarbeitsgerichts darin, daß sie die Eintrittskarten an der Kasse verkaufte, nebenher noch Schokolade an die Theaterbesucher gegen Bezahlung abgab, die täglichen Einnahmen in die Billettbücher eintrug, bisweilen Karten nach einem Formular ausfüllte, Botengänge ausführte und für die Reinigung des Kassenrauwes von Staub sorgte. Der hauptsachliche Teil ihrer Tätigkeit entfiel auf die Erledigung der Geschäfte an der Kasse, die von 15½ Uhr bis 21 Uhr geöffnet war. Während der übrigen Arbeitszeit von 10 bis 12½ Uhr erledigte sie ihre übrigen Aufgaben. Bei der Beurteilung der Stellung der Klägerin ist sonach von den Verrichtungen auszugehen, denen sie sich als Kassicrerin zu unterziehen hatte. Ein allgemein gültiger Grundsatz, daß die Billettverkäuferin eines Lichtspieltheaters als Handlungsgehilfin zu gelten habe, läßt sich nicht aufstellen. Das Reichsarbeitsgericht hat bereits in einem früheren Urteil ausaesprochen, daß die Beantwortung dieser Frage immer unter Berücksichtigung der Umstände des einzelnen Falles erfolgen könne, daß jedoch die Dienstleistungen einer Angestellten, wenn sie als Handlungsgehilfin solle betrachtet werden können, kaufmannischer Natur sein müßten. Dies treffe jedoch auf Tätigkeiten nicht zu, die kaufmännische Fähigkeiten und Kenntnisse oder mindestens kaufmännische Hebung nicht voraussetzten, auch im Verkehr herkömmlicherweise nicht als kaufmännische angesehen würden. Nun war aber der Kreis der Geschäfte, welche die Klägerin als Kassiererin zu erledigen hatte, ein so einfacher und erforderte auch unter Hinzunahme der ihr obliegenden Abrechnung und Eintragung in die Billettbücher so wenig Schulung und vertigkeiten, daß er sich über die Dienstleistungen von Straßenbahn= und Omnibusschaffnern, als die Tätigkeit einer Berufsgruppe, der die Verkehrsanschauung die Eigenschaft von Handlungsgehilfen versagt, nicht wesentlich abhob. In dem früheren Urteil des Reichsarbeitsgerichts ist auch bereits darauf hingewiesen, daß auch die Angehörigen anderer Berufe, deren Aufgaben denen der Kassiererin eines Lichtspieltheaters nahe verwandt sind, wie die Kellner, Oberkellner und dergl. von der Rechtsprechung und im Verkehr als Handlungsgehilfen nicht anerkannt werden. Die Revision war demnach zurückzuweisen. Arbeiter=Sport. Alarmruf! An olle Arbeiter=Fußballipieler von Rheinland=Westfalen! Der außerordentliche Kreisfußballtag des 6. Kreises im Arbeiter=Turn= und Sportbund am 3. März in Barmen brachte, wie bereits mitgeteilt, eine Entscheidung von allergrößter Bedeutung. Die Mehrheit stimmte einer kommunistischen Entschließung zu, die den Spaltungswillen unverhohlen offenbart. Von Einheitsvhrafen umrahmt, heißt es in den Kernpunkten derselben: „Der außerordentliche Kreisspartentag der Zußballer des 6. Kreises stellt sich vollinhaltlich hinter den Beschluß der Bezirksspartenleiter, der die Amtsenthebung des Kreisspielleiters Tillmanns nicht anerkennt... Der Kreisspartentag hebt die Spielsperre gegen die gesamten ausgeschlossenen Vereine des 6. Kreises auf“ Mit der Annahme dieser Entschließung, die an Deutlichkeit und Klarheit gewiß nichts zu wünschen übrig läßt, sind die Würfel im Westen gefallen. Die Kommunistische Partei hat somit dank der Knechtseligkeit ihrer Sportbeauftragten das von langer Hand vorbereitete Spaltungsverbrechen am westdeutschen Arbeitersport vollbracht Die KPD. ist am Ziel, das das Berliner Oppositionsblatt, der „Arbeiter=Fußball“ bereits in seiner letzten Nummer des Vorjahres im Kern wie folgt ankündigte:„... Eins muß geschehen: Zusammenfassung, Bereinheitlichung der Opposition zu einem „Deutschen Arbeiter=Sportverband“ Nunmehr muß sich jeder Verein einzeln entscheiden, ob er der kommunistischen Splitterorganisation angehören oder aber bei selbstverständlicher Anerkennung der Bundesbeschlüsse weiterhin Mitglied des Arbeiter=Turn= und Sportbundes bleiben will. Die Entscheidung wird anders ausfallen, als es sich die kommunistischen Spaltungspolitiker ausgemalt haben. Mancher von all der Heye ungesteckte Genosse wird noch rechtzeitig zur Einsicht kommen und denen die Gefolgschaft versagen, deren praktische„Einheits“=Arbeit in der Zerschlagung aller Arbeiter=Kulturorganisationen besteht. Wir sind gewiß, daß alle die, denen wahre brüderliche Einheit und die Bundesmitglicoschaft selbst mehr als ein bloßes Lippenbetenntnis ist, und das ist zweifellos der weitaus überwiegende Teil der Mitgliedschaft des 6 Kreises, den Spaltern die Gefolgschaft versagen und auch in dieser ernsten Stunde dem Bunde die Treue halten wird. Bundesgenossen, bekundet in diesem Zeitabschnitt höchste Aktivität, um die Schädigung unseres Bundes und damit der Gesamtarbeiterbewegung möglichst gering zu halten. Bekennt ruch mit einem freudigen Ja zu unserem im Geiste des Sozialismus fest verwurzelten Einheitsbund! * Der Ruf des Bundes! Der vom Bundesvorstand einberufene außerordentliche Kreisfußballtag des G. Kreises am 3. März in Barmen nahm in namentlicher Abstimmung die von dem Gen. Schlechter, Öhligs, eingebrachte Entschließung an die vom Bundesvorstand als gegen die Bundesbeschlüsse und Bundesstatuten verstoßend angesehen werden mußte Um darüber Klarheit zu haben, welche Vereine sich hinter die Abstimmung ihrer Delegierten stellen, wird der Bundesvorstand in den nächsten Tagen an alle Leitungen der Fußballvereine und det gemischten Vereine mit Fußballabteilungen Fragebogen versenden, eeren Beantwortung bis zum 20. März an den Bundesvorstand verlangt wird. In einem besonderen Rundschreiben wird den Vereinen auseinandergesetzt werden, daß von der Beantwortung dieses Rundschreibens ihr ferneres Vervleiben im Bund abhängig ist. Wir weisen schon jetzt auf das Versenden dieses Fragebogens und Nundschreibens hin und bitten alle Vereinsmitglieder, an der vom Vereinsvorstand einzuberufenden Versammlung teilzunehmen, um über ihr ferneres Verbleiben im Bunde selbst zu entscheiden. Arbeiter=Turn= und Sportbund: M. Riedel C. Gellert. Um die Westdeutsche Meisterschaft Ohligs schlägt M. B. C. Köln=Mülheim 3:1. Beiderseits glänzendes Spiel vor einer großen Zuschauermenge. Bei sehr guten Platz= und Witterungsverhältnissen hatte sich die heimische Sportgemeinde äußerst zahlreich zum letzten Vorrundenspiel um die„Westdeutsche“ auf dem Sporiplatz in Merscheid eingefunden. Es dürfte auch wohl keinen gereut haben, diesem Treffen beigewohnt zu haben, wurde doch von beiden Parteien ein Spiel vorgeführt, welches man als erstklassig bezeichnen muß, und dürfte dasselbe so leicht nicht überboten werden. Daß trotz der großen Bedeutung, die dieses Treffen für beide Vereine hatte, der Schiedsrichter überhaupt keinen Strafstoß wegen Unfairnis zu verhängen brauchte, verdient besonders lobend hervorgehoben zu werden, erbrachten doch beide Mannschaften hiermit den Beweis, daß nicht die Meisterschaft um jeden Preis das Endziel unserer Bewegung ist. Allgemein hatte man die Spielstärke beider Mannschaften für gleichwertig angesehen, um so mehr überrascht der sichere Sieg von Ohligs. Jedoch ohne die Leistungen unseres Vertreters herabschmälern zu wollen, muß unumwunden zugegeben werden, daß das Resultat nicht die Spielstärke von M. B. C. wiedergibt. Ein Untenschieden oder 3:2=Sieg unseres Meisters würde dem Spielverlauf wohl eher gerecht werden. Das wechselvoll begonnene Spiel sah bald Öhligs etwas mehr im Angriff. jedoch gelingt es keiner Partei, zunächst Erfolge zu erzielen. Bei einem flotten Angriff der Kölner passiert dem Öhligser Verteidiger ein Fehlschlag, und die Situation blitzschnell ausnützend, sendet der Sturmführer von Köln ein— Abseits entscheidet der Unparteiische, denn im Uebereifer hatte sich der Halbrechte zu weit vorgewagt. Einige Minuten später erhält Öhligs einen Strafstoß wegen Hand zugesprochen, und der aus etwa 25 Meter scharfgeschossene Ball findet über den zu früh vorstürzenden Hüter hinweg seinen Weg ins Netz. Öhligs drückt nun merklich aufs Tempo, ohne aber das Schlußdreieck von Köln überwinden zu können. Als jedoch die Kölner Verteidigung einen Moment mit dem Eingreifen zögert, ist es geschehen, und durch scharfen Flachschuß des Halbrechten führt Öhligs 2:0. Auf der anderen Seite ist aber Köln auch nicht müßig und haben die Öhligser Verteidiger, die reichlich unsicher scheinen, alle Hände voll zu tun, um sich der zahlreichen Angriffe zu erwehren. Bei einem solchen Angriff bringt die Verteidigung abermals einen unreinen Schlag an, und ist es diesmal der Halbrechte von Köln, der zur Stelle ist, um durch Schrägschuß die Partie auf 2:1 zu stellen. Mit diesem Ergebnis werden die Seiten gewechseit. Die zweite Halbzeit übertraf die erste um ein Bedeutendes. Jedoch sehen wir jetzt Köln dauernd im Angriff, da Öhligs seine balb traditionelle Schwächeperiode durchmacht. Daß es den Kölnern nicht gelang diese Drangperiode zahlenmäßig auszudrücken, verdankt Öhligs lediglich seiner Läuferreibe, die zu einer Hochform auflaufend die bestgemeinten Angriffe der Kölner zunichte macht. Fast scheint es, als sollte an dem Resultat nichts mehr geändert werden. Es sind noch 15 Minuten zu spielen, als sich Öhligs wieder besinnt und nun seinerseits wieder zum Angriff übergeht. Der dritte Erfolg ließ dann auch nicht auf sich warten, und ist es abermals der Halbrechte, dem es gelingt, kurz vor Schluß die Verteidigung zu überlaufen und das Endergebnis herzustellen. Dann noch ein kurzes Geplänkel und— Pfiff— Schluß. Am kommenden Sonntag steigt nun das Schlußspiel, welches in Öhligs Preußen=Altenessen gegen Ohligs um den Meistertitel wird ringen sehen. A. W. Arbeiler=Sportkartell Barmen Das Kartell tagte zum letzten Male im Heim der„Naturfreunde". Die nächite Sitzung findet im Raume der ArbeiterSamariter, Barmen, Westkotterstraße 62, am ersten Samstag im April statt. Eingangs der Sitzung gab der Vorstand Bericht. Die Polemik über den Artikel der Sportpolitischen Rundschau wurde nicht veröffentlicht. Die Redaktion lehnte es ab, das Schreiben einzurücken. Die Darstellung wird nun lant Beschluß den Weg in die Tagespresse finden. Die Stadtverordneten=Fraktion der KPD. hatte die Sportvereine zur Etatsberatung eingeladen, um die Wünsche der Vereine zur Tagesordnung zu stellen. Einige Vereine hatten dem Rufe Folge geleistet. Den Mitgliedern der SPD. wurde empfohlen, ebenfalls an ihre Fraktion heranzutreten, damit bei den Behörden für Iugend und Sport mehr als bisher getan werden könne. Im Anschluß hieran entspann sich eine rege Diskussion über die seitens der Stadt ausgeworfenen Gelder für Sportzwecke und deren Verteilung. Die Anmeldung zum Landeskartell ist vom Vorstand vollzogen worden. Folgende Vereine waren nicht anwesend und werden laut Beschluß bestraft: Blau=Weiß Nächstebreck, Freie Schützen, Freie Schnimmer und die Dramaten. Der folgende Punkt nahm fast den ganzen Abend ein, war doch wichtiges über den RAST zu besprechen. Den Anfang hatten die Techniker in einer Sitzung des Vormonats gemacht, dort wurden die Leiter der einzelnen Sparten gewählt, die heute verlesen wurden. Gen. Gottschalk hatte ein Programm aufgestellt, das zur Beratung stand. Die Delegierten waren im großen und ganzen mit der Vorlage einverstanden. Von den Aenderungen sind hervorzuheben: Entgegen den Vorjahren finden in der Woche (Samstag ausgenommen) keine Veranstaltungen statt, ebenso bleibt der Sonntagvormittag frei, um so das Hauptaugenmerk auf die Hauptveranstaltung des Nachmittags zu richten. Das Programm wird nun zur näheren Durchführung den Technikern überlassen, die schon in dieser Woche Stellung dazu nehmen. Der nächste Vortrag des Gen. Meis findet am Sonntag, den 17. März, wiederum im Kinoraum der Schule an der Gewerbeschulstraße statt.— Die Arbeiter=Samariter bitten die Sportvereine, die Anforderungen von Wachen möglichst 14 Tage vor der Veranstaltung schriftlich an die Geschäftsstelle, Westkotterstraße 6. gelangen zu lassen. Zur bevorstehenden Schulentlassung muß es Pflicht der Vereine sein, bei der Ingend und den Eltern für unsere Sache eifrig zu werben. Zum 1. Mai soll derselbe Weg wie im Vorjahre eingeschlagen werden, näheres hierüber in der nächsten Sitzung. P. Das Rundfunk=Programm Montaa. 11. März. 10.15: Schallplatten. 0 11.15: Schulfunk. Plagegeister im Hause. 12.10: Schallplatten.* Konzert. Leitung: Eysoldt.• 15: Kinderspielstunde. 16: Frauenstunde. DiplomVolkswirt Annemarie Wißdorf: Der Schutz der Kinder bei der gewerblichen Arbeit. o 16.30: Dichterstunde. Herbert Schlüter: Morlüs und Marianne. O 16.55: Radiotechnische Mitteilungen. 17: E. Bockemühl: Der Bauer und seine Scholle. 17.25: Dr. Koch: Das sportliche Training. O 17.45: Konzert. 0 18.30: Erziehungsfragen. Dr. Würzburger: Was wir reden. o 19.15: Spanische Unterhaltung. 19.40: Hilfsschullehrer Biesenbach: Was wird aus unseren schwachbegabten Kindern nach der Schulentlassung? o 20: Abendkonzert. Funkorch. Mozart: Ouv.„Die Zauberflöte“. — Händel: Largo.— Grieg: Erste Suite aus„Peer Gynt“.— Komzak: Erinnerung an Baden, Walzer.— Strauß: Ouv. zu „Eine Nacht in Venedig".— Intermezzo: Irische Kunst. Virtuose Orchestermusik. Anschl.: Fortsetzung des Abendkonzertes: RimskyKorsakoff:„Die Hummel“ aus„Zar Saltan“.— Hellmesberger: Ballszene.— Macinelli: Die Flucht der Liebenden nach Chioggia, aus den„Venezianischen Szenen“. 0 Anschl.: Nachtmusik und Tanz. o 22.30: Aus der Westfalenhalle: Abendwertungen des Sechstagerennens. Dienstag. 12. März. 10.15: Schallplatten. o 11.15: Schulfunk. Allerlet Lustiges aus der Tierwelt. Solisten: Kläre Hansen (Sopran), M. Otto(Bariton), E. Grape(Klavier). o 12.10: Schallplatten. 13.05: Konz#rt. 0 15: Kinderspielstunde. O 15.45: Kinderspielstunde: Achtung, Achtung, hier Schlaraffenland! o 16.10: Lesestunde. Oscar A. H. Schmitz: Der Hundemensch.— Vergeltung. 16.40: Allen A. Guelliland: Europas Rundfunk. o 17: Oberschulrat Dr. Kurfeß: Schule und Rundfunk. o 17.45: Konzert. Ausf.: Cl. Spindler(Violine), W. Fiedler(Cello), M. Alter (Klavier). 18.30: Lesestunde. Paul Apel: Unordnung und frühes Leid, von Th. Mann.# 19.15: Französische Unterhaltung. 0 19.40: Gespräche über Menschentum.• 20.10: Das deutsche Volkslied. Mitw.: Leni Gülland(Sopran), Lieselotte Mann(Alt), Fr. Legrand(Tenor), Fr. Baur(Baß): Instrumentalsolisten: Ad. Kehl (Flöte), K. Hartung(Englisch Horn), A. Arenz(Cello), Rich. (Flöte), K. Hartung(Englisch Horn), A. Arenz(Cello), Rich. Kunze (Fagott). Das Glogauer(Berliner) Liederbuch. O 21: Uraufführung: Die Dame im D=Zug. Hörspiel von O. Wessel. Musik von H. Ebert. Stimmen des Spiels: Die Frau Welt(Vorklang); Karl, der Schrankenwärter; Anne, seine Frau; Andreas, der Auswanderer: die Dame im D=Zug; ein Betrunkener. Zeit: Gegenwart. Ort: Ein Schrankenwärterhaus. o 22.30: Aus der Westfalenhalle Dortmund: Abendwertungen des Sechstagerennens. MAGG Würze für Suppen-Soßen- Gemügg. Freie Presse Montag den 11. Morz 1928. Freie Presse. 2. Bellage zu Nr. 59. Ereignisse vom Tage Schweres Brandunglück In der Nacht zum Sonntag gegen 2 Uhr morgens brach in Lobau ein gefährlicher Brand in einem alten vierstöckigen Hause aus Durch Rauch und Flammen wurde sechs Familien der Weg ins Freie abgeschnitten. Obwohl die Feuerwehr sofort mit Steigleitern anrückte und sämtlichen eingeschlossenen Personen Hilfe zu bringen suchte, ließ sich eine 88jährige Frau Liebscher auf Zurufe von Straßenpassanten aus dem dritten Stockwerk in die Tiefe fallen. Dabei stürzte sie einem Feuerwehrmann auf den Rücken und schlug auf das Pflaster auf. Sie erlitt schwere Verletzungen, denen sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus erlag. Auch der Feuerwehrmann erlitt schwere Verletzungen. Es gelang, den Brand zu löschen, ehe die Flammen das stark bedrohte Nebengebäude erreichten, in dem sich eine Drogerie mit einem großen Lager an feuergefährlichen Stoffen befand. Es ist dies das schwerste Brandunglück, das Löbau seit Jahrzehnten betroffen hat. Erstickungstod eines Kindes Schwere Folgen hatte ein Wohnungsbrand, der in der Nacht zum Sonntag in einem Hause zu Weißensee durch Fahrlässigkeit eines Bewohners entstand und einem Kinde das Leben kostete. Der im ersten Stock bei seinen Eltern wohnende Gustav Immer kam des Nachts nach Hause, legte sich miteiner brennenden Zigarette im Munde zu Bett und muß rasch eingeschlafen sein. Eine halbe Stunde später bemerkte ein Passant von der Straße einen hellen Flammenschein in der Wohnung und alarmierte die Feuerwehr. Inzwischen war Immer in dem brennden Bett aufgewacht; kurz entschlossen brachte er sich durch einen Sprung aus dem Fenster in Sicherheit. Er hat erhebliche Brandwunden davongetragen. Der sich entwickelnde dicke Qualm war in die darüber liegende Dachkammer gedrungen, wo das Ehepaar Seppelt mit seinen zwei Kindern wohnt. Die beiden schlafenden Kinder wurden schwer betäubt; während es den Bemühungen der Feuerwehr gelang, das ältere Mädchen zu retten, war die 1¼jährige Agnes Seppelt nicht mehr ins Leben zurückzurufen. Auch der Zustand der Eltern machte eine Ueberführung ins Krankenhaus notwendig. Der Anstifter des Brandes, der ebenfalls ins Lazarett geschafft werden mußte, konnte von der Polizei noch nicht vernommen werden. „Lump"-Scheidungsgrund Ein für deutsche Verhältnisse wohl einzig dastehendes Scheidungsurteil ist von der Hamburger Scheidungskammer gefällt worden. Die äußerst eifersüchtige Frau eines Hamburger Fabrikanten verdächtigte zu Unrecht ihren Mann, zu der Witwe eines höheren Berliner Beamten in engeren Beziehungen zu stehen. Als sie eines Tages ihren Gatten im Auto aus der Straße herausfahren sah, in der auch ihre vermeintliche Nebenbuhlerin wohnt, schrieb sie ihrem Mann in sein Hamburger Geschäft einen Brief, der nur aus dem Wort„Lump“ bestand. Die Sekretärin des Jaufmanns öffnete aus Versehen den Brief, auf dessen Umschlag die eifersüchtige Frau ihren Namen geschrieben hatte. Die Affäre wurde schnell im ganzen Geschäft bekannt. Der Kaufmann begründete sein Scheidungsverlangen vor allem damit, daß ihm der Brief mit dem ominösen Wort„Lump“ deswegen besondere Schwierigkeiten bereitet hätte, weil er ins Geschäft geschickt wurde. Das Gericht hielt diesen Vorfall für einen so schwerwiegenden Verstoß gegen die ehelichen Pflichten, daß es die Scheidung aussprach. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig, da die Parteien auf Rechtsmittel verzichteten. Ein Schwindelkonzern aufgehoben Die Berliner Kriminalpolizei hat eine gerissene Betrügerbande entlarvt, die durch schwindelhafte Firmengründungen in verschiedenen größeren Städten Deutschlands etwa hundert Großkaufieute um rund eine Viertelmillion Mark betrogen hat. Fünf der Betrüger konnten in Berlin festgenommen werden. Der Anführer der Bande, der 44 Jahre alte Kaufmann Stohmann, und seine 28jährige Geliebte Antonie Dohmes sind geflüchtet. Stohmann werden an 200 Straftaten zur Last gelegt. Das Betrügerkonsortium war in Berlin unter dem Namen „Schwarze Bande“ bekannt. Das Geschäftsprinzip der Gauner war, in einzelnen Städten unter wechselndem Firmennamen Waren aller Art, in der Hauptsache Textilsachen, gegen Jahreswechsel in die Hände zu bekommen, um sie dann an eine Zentralstelle in Berlin zu schicken, wo sie an Hehler verschleudert wurden. Die Wechsel wurden nicht eingelöst. In Essen wurde ein solches Schwindelmanöver von dem Kaufmann A. Griesebach in die Wege geleitet; seine Helfer waren ein ehemaliger Reisender Franz Müller und der Kaufmann Richard Doktor. Alle drei befinden sich unter den Verhafteten. Als die ausgestellten Wechsel fällig waren und präsentiert werden sollten, fand man das Bureau geschlossen. An der Türe klebte ein Zettel, wonach die Firma nach Dortmund verzogen sei. Das stellte sich als Schwindel heraus. Den Gaunern wurde das Handwerk dadurch erleichtert, daß der Berliner Kaufmann Franz Müller glänzende Auskünfte über die einzelnen Unternehmungen erteilte. Müller ist gleichfalls verhaftet worden. Entlarvte Schieber In Selztal(Oesterreich) wurde dieser Tage ein Mann verhaftet, dessen Leben ein Stück Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts darstellt. Arthur Lischke— so heißt der würdige Zeitgenosse, war der Sohn eines einfachen Gemüsehändlers in Tetschen In der großen Zeit des Krieges fühlte sich der Gemüsehändlerssohn zu großen Taten berufen. Er verstand es, Armeelieserant zu werden und durch reichliche Schmiergelder einen Teil der Armee mit faulen Aepfeln und verdorbenem Gemüse zu versorgen. Nach dem Kriege galt er als reicher Mann Er heiratete eine reiche Frau. übersiedelte nach Graz und kaufte ein großes Schloß in der Oststeiermark. Dort trat er wie ein Grandseigneur auf. Als die Inflation kam, begann das Geschäft für ihn aufs neue. Nebenbei ließ er sich von einer armen Klavierlehrerin, der letzten Gräfin aus dem Geschlecht Leiningen=Westerburg, aboptieren unter dem Versprechen, ihr eine sichere Monatsrente zu gewähren. Der Schwindler arbeitete jetzt als Graf Leiningen=Westerburg. Es passierte ihm jedoch ein bedenkliches Malheur: er schwängerte die Erzieherin seiner Kinder, und die Geliebte rückte ihm auf den Pelz. Dem Schloßbesitzer drohte ein Riesenskandal. Er brachte die Frau jedoch zum Schweigen, indem er sie mit einem verlotterten Grafen Roderich Auersperg verheiratete, der als Säufer, Spieler und Schuldenmacher in Graz sein Unwesen trieb. Auersperg mußte sich verpflichten, das Kind der Erzieherin als seinen Sprößling anzuerkennen. Die Ehefreuden durfte er nicht genießen. Für die ganze Geschichte wurde er mit einer einmaligen Summe abgefunden. Lischke alias Graf Leiningen=Westerburg lebte unterdessen mit seiner Geliebten weiter zusammen. Der Auersperger verpulverte jedoch den erhaltenen Kaufpreis in kurzer Zeit und versuchte, Lischke zu erpressen. Der Gemüsegraf warf den echten Grafen kurzerhand hinaus. Dieser schwur Rache, ließ sich der Schloßberrin melden und deckte den ganzen Zauber auf. Frau Lischke ließ sich darauf von ihrem Mann scheiden. Während des Scheidungsprozesses kamen die schwindelhaften Transaktionen ans Licht. Die Gläubiger erstatteten Anzeige, Lischke wurde wegen Betruges angeklagt, vom Schöffengericht verurteilt, in der Berusungsinstanz aber freigesprochen. Dieser Tage wurde er abermals verhaftet. 75. Rheinischer Provinziallandtag Proviazielle Notstandsmaßnahmen für die Arbeitslose n- Bereitstellung von Mitteln für den Kieinwohnungsbauk Die große Autostraße beschlossen- Eine 22-Millionen-Anleihe Die bürgerliche Mehrheit hätte es nicht nötig gehabt, am Freitag eine so große Fraktion, wie es die SPD. ist, durch Ablehnung ihres Vertagungsantrages zu brüskieren. Die sozialdemokratische Fraktion erreichte es bekanntlich durch eine geschickte Geschäftsordnungs=Debatte doch, daß die Verhandlungen auf Samstag vertagt wurden. Wahrscheinlich wollten die Oberbürgermeister und Landräte des Zentrums und der Arbeitsgemeinschaft nur deshalb am Freitag weiter tagen, um am Samstag bei einigen wichtigen Abstimmungen nicht zu fehlen. Denn da der Eingemeindungs=Ausschuß des Staatsrates zurzeit die Rheinprovinz bereist, hat sich heute ein großer Teil dieser Oberbürgermeister und Landräte entschuldigen lassen. Zu Beginn der heutigen Sitzung gab auch der Vorsitzende Oberbürgermeister Jarres bekannt, daß er noch am Vormittag abreisen muß, um an Verhandlungen mit dem Eingemeindungs=Ausschuß des Staatsrates teilzunehmen. Der Gleichtakt der vielen Reden wurde heute durch ein kommunistisches Rüpelspiel unterbrochen, als der kommunistische Abg. Fränken bei der Begründung des kommunistischen Antrages, der Provinziallandtag möge Reichs= und Staatsregierung auffordern, das Arbeitslosenversicherungsgesetz wieder in die alte Arbeitslosenfürsorge umzuwandeln, ausführte, die Ernennung des Reichsarbeitsministers Wissell zum Ehrendoktor sei der Dank der Bourgeoisie an die Sozialdemokratie für den Verrat an der Arbeiterklasse, stieg die Erregung der Sozialdemokraten, die bis dahin alle Beschimpfungen und Verleumdungen der Kommunisten eingesteckt hatten, so, daß der Abgeordnete Pikard dem kommunistischen Redner zurief:„Unverschämter Bengel“. Die Kommunisten, in Wut über die Niederlage, die sie auch in diesem Provinziallandtag erlitten haben, versuchten daraufhin, mit geballten Fäusten und wüstem Gebrüll sich auf den Genossen Pikard zu stüren. Als aber einige kräftige Genossen schützend vor den Genossen Pikard traten und den lautesten kommunistischen Schreiern in den Arm fielen, begnügten sich die Kommunisten mit einer Schimpfkanonade. Und der Genosse Pikard erhielt einen Ordnungsruf. Scharfe Gegensätze machen sich zwischen der Rechten und den übrigen Fraktionen des Hauses bemerkbar, als Genosse Hauck für den Fachausschuß den notwendigen Erweiterungsbau des Landeshauses begründete. Der Bau erfordert rund 1 Million Mark Kosten und ist notwendig, weil die Provinzialverwaltung zur Bearbeitung der Aufgaben, die ihr nach dem Kriege in immer erheblicherem Umfange zugewiesen wurden, keine Räume hat. Die Arbeitsgemeinschaft und die Wirtschaftspartei wandten sich gegen die Vorlage, weil man durch die dazu erforderliche Anleihe der Privatwirtschaft das so nötige Kapital entziehe. Schließlich wurde der Bau mit den Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokratie bei Stimmenthaltung der Kommunisten beschlossen. Kurz nach 1 Uhr konnten Verwaltung. Abgeordnete und Presse ihre Mappen packen und nach Hause gehen, der 75. Rheinische Provinziallandtag war zu Ende. Er war der letzte in der laufenden Wahlperiode. Bis zu der nächsten Elatsberatung werden die Wähler bestimmt haben, ob wieder dieselben Abgeordneten in das Ständehaus einziehen werden. Hoffentlich vergessen sie nicht bei der Abgabe des Stimmzettels, daß dieses Parlament, so unmaßgebend es auch auf den ersten Blick erscheinen mag, für die Geschicke unserer Heimatprovinz von Bedeutung ist. Schluß der Freitag=Sitzung. Bei der Beratung über den Haushaltsplan für die Verwaltungskosten des Genossenschaftsvorstandes der Rheinischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft und über die Annahme einer Bürgschaft für die Aufnahme eines Darlebens der Rheinischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft bei der Landesversicherungsanstalt der Rheinprovinz in Höhe von 200 000 M fordert Harald bangs Huferftehen Erzählung von Anna Mosegaard. 13. Fortsetzung Ellen Marie war sehr stolz auf ihren einstigen Spielgefährten. Das machte Harald absolut nicht eitel. Er war freundlich und zuvorkommend gegen sie. nach wie vor. für kindliche Spiele aber hatte er keine Zeit mehr. Sie galt nun ernster Beschäftigung. Hatte er seine Schularbeiten gemacht, hatte er gewöhnlich noch dieses oder jenes zu lesen. Nachher wanderte er stundenlang durch die Heide. „Junge, was treibst du eigentlich da draußen, so allein?" schalt Ragnhild oft in mütterlicher Sorge. Ja, was trieb er eigentlich? Nichts und doch so viel!— Meist saß er auf einem Heidehügel und pfiff. Es waren aber keine bekannten Melodien. Es waren alles solche, die noch niemand kannte. An einem wunderschönen Sommerabend, als es Ragnhild doch zu lange dauerte, ebe er nach Hause kam, schlug sie einen Schal um die Schultern und ging ihm entgegen. Langsam wanderte sie über die blühende Heide. Harald war aber nirgends zu sehen. Schon begann es dunkel zu werden. Blutigrot versank die Sonne hinter einem Heidehügel. Einen feurigen Schein warf sie noch über die stille Landschaft. In Licht gebadet stand der wilde Rosenbusch. Geblendet von der Fülle des Lichts schloß Ragnhild die Augen. Erst nach einer Weile konnte sie sie wieder öffnen. Was war doch das? Dort hinten auf dem Heidehügel stand eine schlanke Knabengestalt. den Kovf zurückgebeugt, das feine Profil umleuchtet vom Sonnengold— die Arme verlangend emporgereckt zum Abendhimmel, glich der Knabe einer antiken Bronzefigur. Ragnhild wagte kaum zu atmen. Jetzt hatte Harald sie entdeckt„Mutter sieh doch!— Himmel und Erde sind von lauter Cold!“ rief er jauchzend. Zärtlich aneinander geschmiegt, gingen sie nach Hause. „Mutter, ja du sollst alles wissen. Weißt du, was Lehrer Holm gesagt hat?“ sprach Harald, sich innig an seine Mutter schmiegend Was denn. mein Junge?“ „Daß du es einmal sehr gut haben wirst, wenn ich erst groß geworden bin!“ „So. hat er das gesagt?“ „Ja, das hat er, ich glaube es auch bald!“ „Ja, lieber Harald, laß uns hoffen, daß einst ein tüchtiger Lebrer aus dir werden wird, wie einst dein Großrater einer war. Er war geliebt und geachtet von allen Leuten“ Harald sah seine Mutter an:„Lehrer Holm meint es doch etwas anders!“ „So, wie meint er es denn?“ „Er meint auch daß ich am besten ein Seminar besuche, weit es auf alle Fälle gut sei, wenn man nebenbei einen Beruf habe. Aber zur Hauptsache soll ich Musik studieren. Er hat zu allen meinen Liedern Noten geschrieben, nun will er es mich lehren, dann kann ich sie selber niederschreiben", sprudelte der Knabe hervor. „Was für Lieder?“ fragte Ragnhild erstaunt. „Ganz neue, Mutter. Lieder, die noch keiner kennt und die noch kein Mensch gespielt hat. Bloß Herr Holm und ich kennen sie." „Du sprichst so sonderbar, Harald!“ „Nein, gar nicht, Mutter! Siehst du, so wie heute abend, wenn ich da ganz allein über die Heide gehe, da singt und klingt alles in mir. Und wenn ich dann noch so etwas ganz Schönes sehe, wie zum Beispiel die untergehende Sonne, dann singt es noch viel mehr. Sooft ich noch später daran denke, wenn ich im Bett liege oder in der Schule sitze— immerzu singt es. Lehrer Holm kennt das. Er sagt, er sieht es mir gleich an, wenn ich so voll von Musik bin. Dann nimmt er mich mit hinaus in den Garten, da ist es so still, so wild und schön, alles ist verwachsen, daß kein Mensch hineinsehen kann. Dort pfeife ich ihm dann meine Lieder vor und er schreibt die Noten dazu. Fein, Mutter, nicht? Wir haben ein ganz neues, das heißt„Heidetraum“, o, du, das ist schön! Und ein anderes, das heißt„Blaue Libelle“, das will Lehrer Holm mit uns einüben“. Lange sah Ragnhild ihren Knaben an, ein heiliges Feuer brannte in seinen Augen. Innig küßte sie ihn auf die Stirn und sagte liefbewegt:„Gott segne dich, mein Kind!“ „Mutter, glaubst du daran, daß ich es cinmal zu etwas bringen werde?“ „Ja. Harald, ich glaube an dich!“ Innig schmiegte er sich an sie:„Mutter, erzähle mir etwas von meinem Vater!“ bat er innig.„War er ein großer Künstler?“ „Das Geigenspiel deines Valers war wunderschön!“ sagte Ragnhild schlicht. Ihre Stimme zitterte vor verhaltenen Tränen. Als es wieder Sommer wurde, kam ein Gast in das weltabgelegene Heidedorf. Das war eine Seltenheit, daß sich einer hierher verirrte. Der Sonnenwirt machte ihm sein schönstes Zimmer zurecht, trotzdem wollte es ihm nicht behagen. Es war ihm zu laut im Wirtshaus Zur Sonne. Der Fremde war ein Mann in den fünfziger Johren, er sah aber bedeutend älter aus. Schneeweiß das Hacr. Da es aber voll und weich war, stand es ihm vorzüglich. Ein edel geschnittenes kluges Gesicht, feine wohlgepflegte Hände. Nur ein wenig gebückt ging er. Man sah ihm an, daß er geistig überanstrengt war, nervös und darum die Einsamkeit aussuchte. Allabendlich schlenderte er an der Kirche vorbei. Da stand er dann gewöhnlich eine Weile und plauderte mit, dem Pastor. Oft kam noch der Küster hinzu, dann gab es einen Plausch zu Dreien. Lehrer Holm hatte bald herausgefunden, daß der Fremde ein hervorragender Musikkenner war. Als er ihm eines Abends seine Not klagte, wegen der Unrube u Wirtshaus, bot er ihm sein stilles Gartenzimmer an. Der Herr nahm es mit freundlichen Dankesworten an und stellte sich ihm als Musikprofessor Eberhard Velden vor. Schon am anderen Morgen zog er ein. Nun kam für Lehrer Holm eine schöne Zeit. Jeden Morgen freute er sich auf den Abend, wo er mit dem Künstler plaudern konnte. War der Künstler besonders gut aufgelegt holte er seine kostbare Geige bervor. Er hatte es sich sonst vorgenommen, sich und seine Kunst für diesen Sommer hinter sich zu begraben. Dieser stille verwunschene Garten reizte ja geradezu zum Spiel. Solche Musik hatte Lehrer Holm noch nie gehört. Draußen, versteckt hinterm Holunderbusch, stand Harald und lauschte. Andächtig faltete er seine Hände— wie eine Öffenbarung kam es über den Anaben.„Wer so spielen kann— das kann kein Mensch sein— das ist ein Teil von Gott!“ dachte er. Allabendlich schlich er ums Haus des Küsters und wartete geduldig, oft stundenlang— bis die Geige erklingen würde.— Welch ein Glück für ihn, wenn er durch eine Lücke im Zaun etwas von der Gestalt des Künstlers erblickte. Doch, was war das doch.— Was spielie der Professor da? Hörte er richtig?— Das war ja sein„Seidetraum“! Es klang viel, viel schöner, als wenn Lehrer Holm spielte. Hingerissen sank Harald auf die Knie und lauschte seiner ersten Komposition. So fand ihn Lehrer Holm. Und bald stand er mit klopfendem Herzen vor dem großen Künstler. Der sah ihn durchdringend mit seinen klugen, grauen Augen an.„So. also du bist Harald Kongstedt? Gefällt es dir wie ich dein Werk spiele?“ fragte er mit seinem Lächeln Harald vermochte kein Wort hervorzubringen. In heiliger Schen ergriff er des Künstlers Hand und küßte sie. Mit glühenden Wangen eilte er heim zur Mutter und erzählte von seinem Erlebnis Der Knabe gefällt mir!“ sagte der Künstler zu Lehrer Holm. „Er bat das Zeug zum Künstler— das Genie steckt in ihm!“ Lehrer Holm schleppte in seiner Freude alles herbei was er von Harald aufgeschrieben hatte. Viel Schönes war dazwischen, nur fehlte die führende Künstlerhand, es in die rechte Bahn zu lenken. „Ich will mit seinen Eltern sprechen, würden Sie mich vielleicht begleiten?" „Ja, das will ich gerne. Ragnhild Kongstedt wohnt dort oben beim Heidebügel. Ihr Vater war mein Vorgänger hier im Amt.“ „Hm. so, und der Vater des Knaben?“ „Herr Prosessor, darüber will ich mich nicht äußern, darüber kann Ihnen Herr Pastor viel bessere Auskunft geben. Vielleicht sprechen Sie zuerst bei ihm vor!“ (Fortsetzung folgt.) Aba. Hauck Tüsseldorf(Soz.) mehr vorsorgende Fürsorge der Unfallverhütung in der Landwirtschaft. Gleichzeitig protestierte er gegen die nebenamtliche Gutachter=Tätigkeit von Professor Molineus. Der Haushaltzplan über die Förderung von Kunst und Wissenschaft wird gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Dabei beschließt die bürgerliche Mehrheit die Einrichtung einer Archiv=Beratungsstelle bei der Provinzialverwaltung und bewilligt dafür 25000 A. Die neue Stelle soll die Städte und Gemeinden beraten, Archivpflege ausbilden und alle Archivalien für die Zwecke der Heimatforschung sammeln. Abg. Eberle=Barmen(Soz.) lehnt namens der SPD. die Schaffung dieser Stelle ab. Es sei nicht notwendig, sie aufzuziehen, zumal man dauernd vom Sparen rede und noch eine Schuldenlaft von 2,7 Millionen Mark bestehe. Er hob ferner dagegen Einspruch, daß diese Stelle von Pensionären verwaltet werden soll. Ebenso lehnte die sozialdemokratische Fraktion eine Beihilfe an die Hundwerkskammer zur Förderung des handwerklichen Nachwuchses in Höhe von 50000 M ab. Abg. Kuhnen=Aachen(Soz.) Legründete die Ablehnung damit, daß endlich einmal, wenn man von Sparen rede, auch mit der Haschußwirtschaft Schluß gemacht werden müsse.— Die Beihilfe wurde von der bürgerlichen Mehrheit ebenso bewilligt wie ein Zuschuß an die Stadt Essen für das„aus der Technik“ in Höhe von 30000 MK. In den Debatten einer von Zentrumsseite eingebrachten Entschließung, die Einspruch gegen jede Verwendung von Mitteln der Landesversicherungsanstalten zu Finanzzwecken erhebt, verlangte Aba. Oskar Hoffmann=Elberfeld(Soz.) über die Verwendung von 3 Millionen Mark, die die Landesversicherungsanstalt der Rheinprovinz aus den Zöllen auf Brotgetreide und Schlachtvieh von der Reichsversicherungsanstalt erhält, Auskunft. Landeshauptmann Dr. Horion erwiderte auf die Anfrage, daß diese Gelder nicht zur Entlastung der Kommunen, sondern zugunsten der Versicherten verwendet werden sollen. Die Zentrumsentschließung wurde von der bürgerlichen Mehrheit angenommen. Die Erziehungsmethoden in den privaten Fürsorgeanstalten sind veraltet und weltfremd. Wie alljährlich, kommt es bei der Veratung des Fürsorge=Etats zu größeren Debatten, die zum Teil sehr erregt von den Kommunisten geführt werden. Abg. Renner(KPD.) brachte Mißstände in rheinischen konfessionellen Anstalten vor und verlangte vor allem Abschaffung der Prügelstrafe. Abg. Kurth=Weiden(Soz.) knüpfte an die pädagogischen Ausführungen in der Etatsrede des Zentrumsabgeordneten Rüderscheidt=Bonn an und führte aus, daß sie nicht nur Theorie bleiben, sondern Praxis werden müssen. Der Rückgang der Zahl der Fürsorgezöglinge sei durchaus normal, wenn man den Geburtenrückgang in den betreffenden Jahrgängen berücksichtige. Die Zahl der Neu=Ueberweisungen sei immer noch außerordentlich hoch. Von 600 neu überwiesenen Kindern, die das 14. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, seien 9 Proz. objektiv verwahrlost. Den höchsten Prozentsatz davon stelle Köln mit 3,5 auf 10 000 Einwohner. Man müsse schon von einer Jugendnot sprechen. Von den 13 000 Fürsorgezöglingen, die zumeist aus der Schicht der Arbeiter kommen, seien die meisten schuldlose Opfer der herrschenden sozialen und wirtschaftlichen Not. Sie müßten möglichst in Familienpflege und Lehrstellen untergebracht werden, statt in privaten Erziehungsheimen. Denn bei allem guten Willen der Erziehenden können die privaten Anstalten ihnen nicht das geben, was die moderne Erziehung verlangt. Die moderne pädagogische Strömung darf nicht Halt machen vor den Gittern und Eisenstäben der privaten Erziehungsanstalten. Abg. Frl. Otto(KPD.) nahm diese sachlichen Ausführungen zum Anlaß für eine Schimpf=Kanonade gegen die SPD., wobei sie ihre Fraktionsgenossen mit lauten Zwischenrufen begleiteten. Abg. Kanonikus Jansen=Aachen(Ztr.) polemisierte gegen die Rede des Genossen Kurth mit der Behauptung, Kurth wolle damit„katholische Menschen einfangen", und daß die Ordensschwestern die modernsten Pädagoginnen waren.(Lachen und Widerspruchelinks. Abg. Frau Elli Becker=Düsseldorf(Soz.): Der Rückgang der Zahl der Fürsorgezöglinge ist mit zurückzuführen auf die vorbeugende Fürsorge und die Schutmaßnahmen für die Jugend, die von uns Sozialdemokraten immer betrieben und gefordert worden ist. Vorschulpflichtige Kinder(161 im Berichtsjahr) dürfen nicht Fürsorgeanstalten, sondern müssen Waisenhäusern und Heimen überwiesen werden. Das Odeon der Fürsorge darf sie nicht durchs Leben begleiten. Sie sind ja an ihrem Schicksal unschuldig. Die in Frage kommenden Stellen(städtische Jugendämter, Jugendfür sorgeausschüsse, Bezirksfürsorgeverbände) müssen angewiesen werden, daß sie sich nicht um die Kosten drücken dürfen, in dem von uns vorgeschlagenen Sinne handeln müssen. Jugendliche über Jahre(40 Knaben und 151 Mädchen im laufenden Berichtsjahre), dürften eigentlich nicht den Fürsorgeanstalten, sondern müßten der Landespolizei überwiesen werden. Sie gefährden heute die Jugendlichen; Erziehungsversuche an ihnen sind meist erfolglos. Schließlich forderte noch Genossin Becker die Berufsausbildung für Mädchen sowie die Möglichkeit, daß weibliche Fürsorgezöglinge ebenso wie die Jungen die Gesellinnen= und MeisterinnenPrüfung ablegen können. Die Haushaltspläne für die Fürsorgeerziehung Minderjähriger und Provinzialerziehungsheime werden gegen die Stimmen der APT. angenommen. Eine Reihe kommunistischer Anträge wurde abgelehnt. Im Anschluß daran hatte Genosse Oskar HoffmannElberfeld Gelegenheit, in einer kurzen Debatte über Bürgschaft für private Anstalten einige Agitationsmätzchen der Kommunisten über ein Kompromiß zwischen Zentrum und Sozialdemokratie in Fürsorgefragen mit dem Hinweis auf den anßerordentlich scharfen Kampf gerade zwischen diesen Parteien gründlich abzutun. Er verlangte Gleichberechtigung der Arbeiter=Wohlfahrt in der Fürsorgetätigkeit und kennzeichnete in dem Zusammenhang scharf den Widerspruch, der sich darin zeigt, daß der Haupt=Etatsredner des Zentrums, Prof. Rüderscheidt, in Erziehungsfragen die Weltanschauung ausgeschaltet wissen will, während der Zentrumsredner zum Fürsorgeetat, Kanonikus Jansen, gerade die Weltanschauungsfrage als entscheidenden Faktor in den Vordergrund rückte. Die sittliche Kraft des Sozialismus werde bewirken, daß sich die sozialistische Weltanschauung Anerkennung verschafft. Es folgen die Etats der Provinzial=Heil= und Pflegeanstalten und der Arbeitsanstalten. Genosse Hauck kritisierte den Platzmangel in den Heilanstalten und wünschte besonders, daß die Arbeits=Theravie in diesen Anstalten noch positiver gestaltet werde. Er dankte den Pflegern und Pflegerinnen für ihre aufopfernde Arbeit und wünschte, daß sich die Anerkennung ihrer Arbeit auch gelegentlich bei Tarifverbandlungen erkennbar mache. Fur die Arbeitsanstalt Brauweiler batte der sozialdemokratische Redner den Wunsch, das der jetzt noch zuchthausmäßige Eindruck dieser Anstalt bald beseitigt werde. Im Rahmen der Tebatte gab es auch ein interessantes Zwischenspiel„Innere Mission“= Dr. Horion. Der Landeshauptmann bestätigte dem Vertreter der Inneren Mission, daß ihre und die der Anstalten der Provinz in der Frage der Pflegekosten absolut nicht vergleichbar sind. Wie alljährlich, benutzten die Kommunisten die Beratung des Haushaltsplanes über die Kriegsbeschädigtenfürsorge im wesentlichen zu Angriffen gegen den Leiter des Kriegsbeschädigten=Dezernats, Landesrat Gerlach. Landesrat Gerlach widerlegte mit ausführlichem Material die Behauptungen der Kommunisten und wies darauf hin, daß nach wie vor die Kriegsbeschädigtenfürsorge im Rheinland bemüht sei, den Kriegsbeschädigten Arbeit zu verschaffen, wie der Rückgang der unversorgten Schwerbeschädigten um etwa 1000 im letzten Jahre beweise. Abg. Kuhnen(SPT.) gab die Erklärung ab, daß sich die sozialdemolratische Fraktion nicht zu schämen brauche, daß Landesrat Gerlach Sozialdemokrat sei. Die Kommunisten schämten sich aber anscheinend nicht, daß ihr Internationaler Bund mit dem reaktionären Kyffhäuser=Bund eine Koalition eingegangen sei. Abg. Renner 1KPD.) gab die persönliche Erklärung ab, die dahin ausklang, daß er die Rechtsparteien vor seinen Karren gespannt habe,„um gegen den sozialdemotratischen Landesrat eine Attacke zu reiten“. Die sozialde mokratische Fraktion beantragte darauf Schluß der Sitzung und Vertagung auf Samstag. Die bürgerliche Mehrheit lehnte das ab. Darauf beantragte Genosse Haas, eine Reihe von Vorlagen abzusetzen, und als auch das von der Mehrabgelehnt wurde, erzwang Haas durch einen weiteren Geschäftsordnungsantrag eine Aeltesten=Ausschußsitzung. Nach kurzer Beratung wurde beschlossen, der Sozialdemokratie entgegenzukommen und nur noch drei kleine Vorlagen zu beraten. Der sozialdemokratische Antrag zur Kinderspeisung: „Der Rheinische Provinziallandtag, der auch in diesem Jahre wiederum 15000 für die Zwecke der Kinderspeisungen in den Haushaltsplan der Provinzialverwaltung eingestellt hat, richtet an die Reichsregierung und den Reichstag das dringende Ersuchen, im Interesse der Gesundheitsfürsorge für die werdende Generation ebenfalls für Kinderspeisungen wieder Reichsmittel zur Verfügung zu stellen.“ Der Antrag wurde angenommen.— Schluß 18 Uhr. * Schlußtagung. Die Autostraße Bonn—Köln—Düsseldorf—Ruhrgebiet einstimmig beschlossen. Bei der Beralung des Haushaltspianes für Strahenbau wurde der Bau der großen Nord=Süd=Autostraße der Rhemnprovinz einstimmig, beschlossen. oStedman erklärte im Namen der Arbeitsgemeinschaft, daß seine Fraktion nach den Beratungen im Fachausschuß ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Grundstückderwerb für die Strecke Köln—Düsseldorf aufgibt und dem Vorschlag der Verwaltung zustimmt, daß sie allerdings nicht damit einverstanden ist, daß mit dem Vau dieser Strecke schon in diesem Jahre begonnen wird. Der Landeshauptmann gab seiner Freude über diese einstimmige Annahme Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß die neue Straße der Rbeinprovinz zum Segen gereichen möge. Erwerbslosen Debatten. Wie alljährlich, kam es auch dieses Jahr bei der Beratung des Haushaltsplanes für Straßenbau zu größeren Debatten über die Beschaftigung von Notstandsarbeitern beim Straßenbau. Die Nommuniiten hatten dese Gelegenheit benutzt, um einen Antrag einzubringen, wonach der Provinzial=Ausschuß sofort an die Reichs= und Staatsregierung mit der Forderung auf Abänderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes und der Einführung einer allgemeinen Arbeitslosen fürsorge herantreten soll Abg. Hölken=Köln(SPD.) brandmarkte mit sehr scharfen Worten diese arbeiterfeindliche, kommunistische Agitationsmache. Er führte aus, auch wir bedauern, daß die Gemeinden durch die hohe Zahl der Ausgesteuerten immer mehr belastet werden. Auch wir bedauern diesen Zustand. Der Provinziallandtag ist aber nicht in der Lage. den Gemeinden zu helfen. Jahrzehntelang baben die deutschen Gewerkschaften um die Eingliederung der Arbeitslosenversicherung in das Sozialversicherungs=System gekämpft. Und nun, nachdem das Ziel erreicht und die AV. auf der Selbstver waltung aufgebaut ist, und dem Arbeitslosen einen Rechtsan. spruch auf Unterstützung gibt, wollen die Kommunisten das Gesetz wieder aufheben. An Stelle des Arbeitslosenversicherungsgesetzes soll wieder eine allgemeine Arbeitslosenfursorge treten, soll wieder die Fürsorge mit allen ihren Demütigungen, Schnüffeleien usw. treten, das ist der Weisheit letzter Schluß, die die Kommunisten verzapfen. Die deutsche Arbeiterschaft wird für so eine stümperhafte Gesetzesmacherei kein Verständnis haben. Sie wird im Gegenteil dafür sorgen, daß dieses Gesetz ebenso wie die übrige Sozialgesetzgebung ausgebaut wird. Wir begrüßen die Notstandsmaßnahme, die von den offentlichen Körperschaften bereitgestellt wird. Die Wirtschaft vermag ja dem Heer der Arbeitslosen keine Verdienstmöglichkeit zu geben. Leider finden die Stadte und Gemeinden bei vielen Vertretern der Wirtschaft wenig Verständnis für ihre Bestrebungen. Man sieht es offenbar lieber, wenn tausende Arbeitslose untätig Unterstützung beziehen als daß sie bei Notstandsmaßnahmen der öffentlichen Körperschaften beschäftigt werden. Der Redner forderte sodann noch eine Verlängerung der Beschäftigungsdauer der bei den Notstandsarbeiten an der Autostraße beschäftigten Notstandsarbeiter, die heute bestimmungsgemäß nach dreimonatiger Beschäftigung ausgewechselt werden müssen. Er bat den Landeshauptmann in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vorstandes der Reichsversicherungsanstalt, dahin zu wirken, daß die Beschäftigungsdauer der Notstandsarbeiter allgemein verlangert wird. Abg. Fränken(KLD.) beantwortete diese Ausführungen Hölkens mit einer Flut von Beschimpfungen gegen die Sozialdemokratie, der er u. a vorwarf, sie setze sich deswegen für das Arbeitslosenversicherungsgesetz ein, um Pfründen für ihre Parteimitglieder zu schaffen. Als Fränken einzelne Mitglieder der Sozialdemokratie persönlich angriff. kam es wegen eines Zwischenrufes des Abg. Pikard(SPD.) zu einem tumultuarischen Auftritt. Abg. Floßdorf(Zentr.) lehnte namens der christlichen Arbeiterschaft die kommunistischen Agitationsanträge ab. Bei der folgenden Abstimmung bewilligte das Haus einstimmig den Haushaltsplan der Provinzialstraßenverwaltung und den Hausbaltsplan über die Unterstützung des Gemeinde= und KreisWegebaues. Die kommunistischen Antrage, bei der Reichs= und Slaaisregierung auf Abänderung des Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung hinzuwirken, wurden abgelehnt. Ein Zusatzantrag der Zentrumsfraktion auf Ermächtigung des Provinzialausschusses, mit dem Bau der Kraftwagenstraße Köln— Tüsseldorf zwecks Schaffung von Arbeitsgelegenheit bereits im Winter 1929 zu beginnen, wurde gegen die Stimmen der Arbeitsgemeinschaft angenommen. Sodann bewilligte das Haus einstimmig einen Betrag von 500000 M für die Anlegung von Fußganger- und Radfahrwegen an den Provinzialstraßen. Förderung des Wohnungsbaues Das Haus wird dann durch eine längere Debatte über die vorliegenden Anträge zur Förderung des Wohnungswesens durch die Provinz gefesselt. Die Genossin Becker=Düsseldorf und Genosse Hauck stellen dabei die sozialdemokratischen Forderungen zum Wohnungsbau in den Vordergrund. Genossin Becker betont besonders die Notwendigkeit der Hilfe für kinderreiche Familien. Hier dürfte keine Summe zu hoch sein, um die Jugend vor ObdachlosenAsylen und den elendesten Wohnböllen zu schützen. Die meisten Jugendlichen. die vor dem Jugendrichter stehen, seien Insassen des Obdachlosen=Asyls. Es sei eines Kulturstaates unwürdig, wenn Mütter ihr viertes Kind in einer Kellerwohnung gebären müssen. Zahlreiche Unternehmer hätten sich die Praxis angewöhnt, Väter von vielen Kindern aus den Betrieben hinauszudrängen, um die Familienzuschläge zu sparen. Die Rednerin wünscht, daß für die Wohnungen der kinderreichen Fumilien die besten Erfahrungen der Wohnungsreform angewandt werden. Zu diesem Etat wird ein Zentrumsantrag angenommen zur Gewährung von Zinsverbilligungs=Zuschüssen für Wohnungen kinderreicher Familien über den vorgesehenen Betrag von 200 000 N bis zu 300 000 M hinauszugehen. gerner wird der folgende sozialdemokratische Anrag angenommen: „es wird von der Landesbank erwartet, daß zur Förderung des Kleinwohnungswesens wie im Vorjahr mindestens 1 0 Mil lionen Mark baldigst zur Verfügung gestellt werden und die Verwaltung bestrebt ist, darüber hinaus weitere Mittel für den Kleinwohnungsbau im Laufe des Jahres zu beschaffen." Aufnahme einer Provinzialanleihe. Der außerordentliche Haushaltsplan für das Geschäftsjahr siebt eine Ausgabe von insgesamt 19 316 000#A vor. der nur ein Einnahmeposten von 43 000 M gegenübersteht. Sämtliche anderen Ausgaben müssen durch Aufnahme einer Anleihe mangels anderer bereiter Mittel gedeckt werden. Ohne Debatte stimmte das Haus einem Antrag des Fachausschusses zu, eine Anleihe in Höbe von 21 800 000 A aufzunehmen. Wie bisher sollen die für Zwecke des Straßenbaues und Ausbau des Jugendherbergnetzes vorgesehenen Mittel mit jährlich 5 Prozent, die übrigen mit 2 Prozent einschl. der durch die Rückzahlung ersparten Zinsen getilgt werden Noch ein kurzes Geplänkel: Die Kommunisten haben das absolute Bedürfnis, sich noch ein paar Anträge ablehnen zu lassen. Und das Parlament tut ihnen den Gefallen. Dann folgen die Entlastungsbeschlüsse für die Verwaltung, und die Etatsberatung ist beendet Mit einem kurzen Rückblick auf die Tätigkeit des Provinziallandtages in seiner Legislaturperiode, mit einem Hinweis auf besonders einschneidende Beschlüsse erklärt der Vorsitzende Genosse Eberle die Arbeit des Landtages für erledigt. Du sollst der Kaiser meiner Seele sein Modernes Theater Barmen) Ein Milien, in das sich das republikanische Kinopublikum mit immer gleichbleibendem Bebagen versenkt: der aus Barock und Rokoko gemirte, ettikettensteife, intrigenreiche Hofstaat des seligen Serenissimus. Die junge„Herrscherin“ liebt(nach bewährtem „Walzertraum"=Rezepi) natürlich nicht den„standesgemäßen“ Sprößling irgendeiner benachbarten„Dynastie“, sondern einen simplen Leutnant, dessen einziger Vorzug es ist, hübsch, elegant und leidenschaftlich zu sein. Man schikaniert die beiden auseinander, aber sie„kriegen“ sich am Ende doch. Gritta Berg und Oskar Marion machen die Hauptrollen. In der Begleitmusik dominiert das hübsche Chanson„Du, du, du sollst der Kaiser meiner Seele sein“(aus der Operette„Der Favorit“). Der im Wuppertal schon einmal gespielte Zilm findet wieder viel Anklang. Das Beiprogramm bringt den populären Eddy Polo in einem neuen sensationellen Siebenakter„Hände hoch! Hier Eddn Polo!“ Dazu andere unterbaltende Kleinigkeiten. W. R. Der gefesselte Polo Barmenia Barmen. Wie bringt man einen Menschen vom Leben zum Tode? Da gibt es verschieden: Arten: Erschießen, erhängen, ersäufen, köpfen usw. Sehr praktisch und einfach ist aber die neue Methode, die der Eddy Polo-Film zeigt, und die deshalb zu allgemeinem Nutz und Frommen hier geschildert werden soll. Also man entführt das Opfer, das man beseitigen will. Hier ist es ein junges Mädchen und schleppt es zu einem Neubau, möglichst einem Wolkenkratzer außerhalb des Weichbildes der Stadt, weil dort nicht viel Verkehr herrscht. Da findet man wohl auch einen Strick zum Hochziehen von Baumaterial. Besagten Strick bindet man dem jungen Mädchen nicht etwa um den Hals— das wäre gewöhnlich—, sondern mitten um den Leib, zieht es dann so 10 oder 20 Stockwerke hoch und läßt es zwischen Himmel und Erde in der frischen Luft baumeln. Das andere Ende des Strickes befestige man sorgfältig an einen dicken Balken und zünde darunter ein Feuer an. Ist dann der Strick durchgebrannt, dann stürzt die Last herunter und der beabsichtigte Zweck ist erreicht.— Aber siehe da, in dem Augenblick größter Gefahr erscheint er, Eddy Polo, klettert mit affenartiger Geschwindigkeit eine bereitstehende hohe Leiter hinauf, stößt sich mit gewaltigem Ruck ab, erfaßt das Seil, bringt es zum pendeln und landet, da die Katastrophe eintritt, mit der füßen Last sanft und sicher auf dem Gerüst des Neubaues. Darauf klettern sie hinunter und kommen noch zurecht, um den schurkischen Verbrecher, der sich gerade beim Notar die reiche Erbschaft auszahlen lassen will, zu entlatven und den Händen der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern. Aber so leicht geht es noch nicht mit dem Siege der Tugend. Vorher hat unser wackerer Eddy noch eine atemraubendJagd über die Dächer der Großstadt auszuführen und so ein Dutzend Komplicen des Verbrechers knock out zu boren oder kurzerhand übers Treppengeländer zu schmeißen. Mar Schmeling ist ein Waisenknabe dagegen. Wie sagt doch der alte Fritz Reuter:„Wer 't mag, dei mag’t, un wer’t nich mag, dei mat’t ja woll nich mögen." Der zweite Großfilm„Blitz, der vierbeinige Retter“ behandelt in spannender Weise die Abenteuer eines jungen, amerikanischen Soldaten in der Nachkriegszeit und die Heldentaten eines der klugen und starken deutschen Schäferhunde. Das Lustspiel„Die Kinderklinik“ sorgt für den Humor, und ein Lehrfilm zeigt „Die Herstellung der Batikstoffe auf Java“. M. L. Don Juan Ufa=Palast Barmen. Es ist das Geheimnis der großen symbolischen Gestalten von typischer Bedeutung, daß sie„unsterblich" sind und in jeder künstlerischen Darstellung ihres Schicksals aufs neue ihre bezwingende Wirkung üben. Sie sind erhaben über ihre geschichtliche Wirklichkeit, und es sammeln sich in ihrer Legende Erlebnisse und Geschicke, welche sie als geschichtliche Personen niemals gehabt haben. So zeigt Alan Crosland in dem Barmer Film„Don Juan“ unhistorisch, aber lebenswahr den großen, unsterblichen Liebhaber am Hofe der Bregia, wo er— nach einer Jugend, in der sein Vater ihn die Frauen verachten gelehrt hat— gerade inmitten der größten Sittenwillkur in Adriana della Varnese die Frau findet, die ihm den Glauben an die Reinheit der Frauen widergibt. Durch seine Liebe zu ihr und sein Eintreten für sie gerät er in Konflikt mit Cesare und Lukrezia Borgia, die ihn liebt. Durch Glück und verwegenen Mut entrinnt er dem Gefängnis und der Verfolgung und rettet Adriana. Dem Prunk des Renaissance=Lebens und der Feste gibt der Film Bilder von bisweilen überwältigender Fülle, ohne doch in das Ueberladene des übertrieben Monumentalen zu verfallen. Estelle Taylor und Mary Astor verkörpern die denkbar gegensätzlichen Gestalten der Lukrezia und Adriana mit überlegener Sicherheit der Maske und des Spiels. Die Zurückweisung Don Juans durch Adriana ist eine Meisterleistung der Darstellungskunft Mary Astors, eine Leistung, welcher die Estelle Toylors in deGegenszene der Abweisung Lukrezias durch Don Juan in nichts nachsteht. John Barrymore gestaltet den Renaissance=Menschen unter Vermeidung geschichtlicher Pose oder gefälschter Dämonie zu einer hinreißenden Gestalt von lebendiger Frische. Das Unüberwindliche spricht aus jeder seiner Gesten. Man glaubt der Gestalt gerne das Unwiderstehliche ihres persönlichen Zaubers. Das Lustspiel„Ossi hat die Hosen an“ ist einer von den lustigen deutschen Filmen, über die man wirklich lachen kann. Die Regie von Karl Boese hat ein entzückendes Versteckspiel geschaffen. dessen Lösung man amüsiert und gespannt entgegensieht. Die kapriziöse junge Dame(Ossi Oswalda) erobert im Sturm als Chauffeur Sir Ralphs das Herz dessen verwitweter Cousine und sämtlicher Stubenmädchen. Nach verschiedenen Verwirrungen und Entwirrungen fliegt ihr selbst das Herz des Weiberfeindes Ralph zu. Der Kulturfilm„Ein König der Wälder“ und Ufa=Wochenschau sorgen mit dem Tanz=Scherz„Das Wunderzebra“ für die belehrende und zeitvertreibende Ausfüllung des Programms. Dr. K.