Elberseld=Barmen. Einzelpreis 15 Reichopfennig. Nr. 51. 45. Jahrgang. Frettag, den t. März 1929. Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich — Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Ungabe der Anzeigen= und Zeitungsnummer gebeten. Freie Presse Anzeigenpreis: 1 mm Höhe(85 mm breit) 10 Reichspfennig. Reklamen. 1 mm Hobe 192 mm br.) 40 Reichs= pfennig.- Anzeigenrechnungen sind sofort zahlbar. Für Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen u. f. teleph. Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Bei Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berücksichtigt werden. Zeitung der Sozialdemokratischen Partei für das Bergische Land Sonderbeilagen: Bilder vom Tage„Volk und Zeit"„Die arbeitende Frau"„Das neue Werden"„Die arbeitende Jugend" Abonnements- und Anzeigen=Annahme: Langerfeld. Kirschbaumstr. Hauptgeschäftsstelle: Elberfeld. Robertstr. 8. 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September 1927“ und trägt am Kopf die folgenden Bezeichnungen:„Ministerium der nationalen Verteidigung, Ministerium für Landesverteidigung, Generalstab 3. Sektion No. C. B. 17 442 und dahinter geheim, streng vertraulich, französisch=belgische Generalstabsbesprechungen vom 7. bis 12. September 1927 und Protokoll.“ Aus der Veröffentlichung ergibt sich, daß es sich nur um ein einziges Dokument handelt, das sich in die acht wörtlich aufgeführten und durch die erste Veröffentlichung des„Utrechtsch Dagblad“ bereits bekannten Artikel des französisch=belgischen Militärabkommens vom 7. September 1920 gliedert. Direkt im Anschluß an jeden einzelnen Artikel des Abkommens finden sich jedesmal die betreffenden Auslegungsbestimmungen vor. Das Dokument tragt am Schluß die Unterschriften des Leiters des französischen Generalstabes, Debeney, des Leiters des belgischen Generalstabes, Galet, und des belgischen Ministers für Landesverteidigung, de Brocqueville, sowie den Vermerk„Für gleichlautende Abschrift Michem.“ Der Inhalt des Protokolls Tas Protokoll beginnt mit der Feststellung, daß in Anwendung des französisch=belgischen Militärabkommens vom 7. September 1920. genannt Convention de Brurelles, am 7., 8., 9., 11. und 12. September 1927 Konferenzen in Brüssel stattgefunden haben, an denen teilnahmen: für Frankreich: der Generalstabschef General Debeney, General Bineau, Souschef des Generalstabs, General Blavier, Militärattaché an der französischen Botschaft in Brüssel; für Belgien: General Galet, Generalstabschef, der Oberst Michem, Chef der 3. Sektion des Generalstabs, Oberst van den Bergen, Chef der 1. Sektion des Generalstabs. Es folgen dann die einzelnen Artikel des Protokolls, deren Inhalt vom„Utrechtsch Dagbald“ schon wiedergegeben wurde, die aber in der neuen Veröffentlichung in ihrem dotumentarischen Wortlaut gegeben werden. Neu sind die in dem Protokoll niedergelegten Aeußerungen einzelner Konferenzteilnehmer zu den verschiedenen Artikeln. So heißt ec in einem Zusatz zu Artikel 2:„Oberst Michem wirft die Frage eines holländisch=belgischen Krieges auf, dem Deutschland fernstehen würde, und fragt, ob auch für diesen Fall die Militarkonvention zugunsten Belgiens in Kraft trete.“ Der General Blavier antwortet, daß die Entscheidung in dieser Frage von zwei Faktoren abhänge: 1. der Haltung Deutschlands auf diplomatischem Gebiet und 2. dem Ursprung des Angriffs. Weiterhin wird dann im Artikel 2 ausgeführt, daß„ja immerhin aus dem Verhalten der holländischen Scheldepolitik irgendein Angriffsgrund konstruiert werden könne, daß man also letzten Endes immer von einer Aggression reden könne.“ Dem Artikel 3 ist ein umfangreiches Exposé des Generals Galet beigefügt, in dem dieser die einzelnen Aufmarschräume der belgischen Armee genau aufzählt. Zu Artikel 4 liegt ein Exposé vor, in dem der belgische General Galet auf Anfrage des französischen Generals Bineau Aufschluß über die Zusammensetzung der belgischen Armee nach Durchführung der Heeresreform gibt. Weiter sind zu Artikel 4 im Protokoll genaue Angaben zu finden über den Anteil, der der Eisenbahn bei der Mobilisierung zufallen würde. Auf Anfrage des französischen Generals Debenen wird von belgischer Seite mitgeteilt, daß Deutschland über 25353 Lokomotiven, England über 23395, Frankreich über 17 665, die Niederlande über 1348 und Belgien über 46 45 Lokomotiven verfügte. Es folgen dann detaillierte Angaben über den Ausbau des belgischen Streckennetzes sowohl nach der Östgrenze wie nach der Nordgrenze. Das Protokoll vermertt eine Klage des belgischen Generalstabschefs über die Schwierigkeiten, die sich vom technischen wie vom finanziellen Standpunkt der Durchführung des eisenbahntechnischen Programms entgegenstellen, worauf von französischer Seite geantwortet wird, daß nur bei seiner Durchführung eine französisch=belgische militarische Zusammenarbeit möglich sei, da jede srangösische Konzeniralisa m Pelgien angefichts der derzeit vollkommen unzulänglichen Eisenbahnverhältnisse in der Provinz Luxemburg um 13 Stunden verzögert würde. In: Artikel 6 werden Einzelheiten über künftige Operationen gegen Deutschland bekanntgegeben. An einer Stelle heißt es:„Die im Jahre 1922 angenommenen Richtlinien werden aufrechterhalten, was die Operationen der französischen Truppen in Nichtung von Cannstatt und Heidelberg betrifft. Dasselbe gilt für die festgelegten Stellungen der französischen Truppen in Belgien. Das Protokoll ist unterzeichnet von dem Generalstabschef der französischen Armee, Debeney, und dem Generalstabschef der belgischen Armee, Galet, und trägt den Vermerk: Gesehen und gebilligt: der Minister der nationalen Verteidigung, Ch. de Brocqueville. Beigefügt ist ein vom 12. Mai 1927 datierter Konzentrationsplan für den Fall der Mobilisierung. Ergebnislose Verhandlungen Die am Freitag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltene Besprechung, an der die Führer der Sozialdemokraten(Breitscheid und Wels), der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Bayerischen Volkspartei teilnahmen, verlief völlig negativ. Die Vertreter der Deutschen Volkspartei erklärten, daß für sie eine fraktionelle Bindung an die Regierung nicht in Frage komme, so lange nicht sichergestellt sei, daß der Etat ohne neue Steuern verabschiedet werde. Eine Ausnahme soll nur bezüglich der Besteuerung der öffentlichen Unternehmungen gelten, deren Steuerpflicht neu eingeführt werden müsse. Nach längerer Aussprache über diesen Standpunkt der Volkspartei wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Die Vertreter der Sozialdemokratie ließen keinen Zweifel daß ihnen das Programm der Deutsechn Volkspartei— grundsätzlich keine neuen Steuern, aber neue Steuern für den Verbrauch von Gas, Wasser, Elektrizität und Massenverkehr— unannehmFar erscheine. Am Freitagnachmittag um 3 Uhr sollen die Besprechungen unter Hinzuziehung des Zentrums fortgesetzt werden. Rücktritt des Abg. Lammers Protest gegen die Zentrumstaktik Der Zentrumsabgeordnete des Reichstages Lammers hat sein Mandat niedergelegt. Nachfolger im Mandat ist Frau FuchsHamburg. Lammers begründet seinen Schritt in einem Brief an den Reichstagspräsidenten wie folgt: „Grundsätzliche Erwägungen wegen der Gesamtentwicklung des deutschen Parlamentarismus bestimmen mich, meine parlamentarische Tätigkeit aufzugeben. Demgemäß habe ich die Ehre, Ihnen, Herr Präsident, hiermit mein Ausscheiden aus dem Deutschen Reichstag mitzuteilen.“ Herr Lammers spielte eine führende Rolle im Industrieund Handelsbeirat des Zentrums. Aus seinem Schreiben spricht schroffe Mißbilligung der Taktik des Zentrums, die eine der stärksten Ursachen des gegenwärtigen Lahmliegens des parlamentarischen Betriebes ist. Nichts Neues in Paris Paris, 28. Februar.(Eigener Drahtbericht.) Tas am Donnerstag in Paris und scheinbar auch in Deutschland verbreitete Gerücht von einer Reise Dr. Schachts nach Berlin, wo er mit der Regierung Rücksprache wegen der eventuellen Höhe eines deutschen Angebots für die künftige Annuität nehmen sollte, entspricht, wie wir von zuständiger Seite erfahren, nicht den Tatsachen. Den Anlaß zu diesem Gerücht scheint die vorübergehende Abwesenheit von zwei anderen Mitgliedern der deutschen Delegation gegeben zu haben, die die durch die Kommissionsverhandlungen verursachte Unterbrechung der Plenarberatungen zu privaten Reisen benutt haben. Dr. Vögler ist zur Teilnahme an den Verhandlungen des Deutschen Industrietages nach München gefahren, Dr. Kastl scheint das Wochenende in Berlin verbringen zu wollen, wiro aber bereits Montag wieder in Paris zurückerwartet. Daß er die Gelegenheit benutzen will, den zuständigen Berliner Stellen von dem bisherigen Verlauf der Konferenz Bericht zu eritatten, ist wahrscheinlich. Dagegen kann von Verhandlungen über die Höhe der künftigen deutschen Annuität nich: die Rede sein. Einmal weil die Arbeiten der Konferenz noch keineswegs so weit fortgeschritten sind, um eine Diskussion über zahlenmäßige Vorschläge schon jetzt als fruchtbar und aussichtsreich erscheinen zu lassen und weil jede direkte oder indirekte Einmischung der Regierung der ausdrücklich vereinbarten Unabhängigkeit der Experten zuwiderlaufen würde. Die Arbeiten der Konferenz haben in den letzten Tagen keine nennenswerten Fortschritte gemacht. Die Fragen des Transfers und der Sachlieferungen werden in den zuständigen Kommissionen diskutiert. In den varallel geführten offiziösen Besprechungen der Delegierten ist entgegen den am Donnerstag von einem Teil der französischen Presse verbreiteten Behauptungen die Frage der Höhe der Jahreszahlungen noch nicht angeschnitten worden. Der Gedankenaustausch beschränkt sich auch weiterhin auf die schon schwierig genug erscheinende Aufgabe der technischen Regelung der Zahlungen. Dr. Schacht hat am Donnerstag der Meldung der„Times“, der zufolge er in einer privaten Unterredung als Höhe der deutschen Annuität die Summe von 800 Millionen Goldmark vorgeschlagen haben soll, ein kategorisches Dementi entgegengesetzt. Parlamentarischer Faschismus Von A. Gurland, Berlin „Es gibt... niemanden, der den Wahnwitz denken kann, daß ein Mann wie Hindenburg sich zur Verletzung der Verfassung hergeben würde. Aber wir müssen uns bemüben, zur Reform des Parlamentarismus zu kommen." Stresemann vor dem Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei. Joseph=Maria Wirtn, der Vielgewandte, ist ein Mann, der sich auf die Kunst der Schlagworte von Berufs wegen und aus innerer Berufung versteht. An effektvollen Worten gibt es nie Mangel in seinen Reden, Briefen, Ar tikeln. Er weiß zur rechten Zeit geflügelte Worte in die politische Diskussion zu werfen. Dié demagogische Rhetorik der nachrevolutionären Regiererei wäre unendlich arm ohne ihn.„Der Feind stebt rechts“.„In der Stunde der Entscheidung stehe ich auf seiten des Proletariats",„Krise des Parlamentarismus"... Das alles wurde mit viel Geschick und wenig Anstrengung jeweils erfunden, wenn es galt, die Sozialdemokratie von der Republiktreue und Koalitionsbegeisterung des Zentrums zu überzeugen. Die Berechnung war richtig. Denn das Wesen des Schlagwortes besteht darin, von dem Wesentlichen abzulenken, Aeußerlichkeiten hervorzukehren, die bestechen und begeistern. Als Herr werty von dem„Feinde rechts“ sprach, vergaß man den Feindim Zentrum. Als Herr Wirth sich zum Proletariat bekannte, vergaß man sein Bekenntnis gegen den Sozialismus. Als Herr Wirth das Gespenst der Krise des Parlamentarismus heraufbeschwor, übersah man die eigentliche Krise. Seit einigen Wochen gibt es nun das neue Wörtchen vom „Ende des Vertrauens“. Und flugs vergaß man wieder, wer das„Ende des Vertrauens“ herbeigeführt, wer von ihm profitiert hat, wer es so nötig hat wie der Fisch das Wasser zum Leben. Dabei hatte Herr Wirth auch diesmal aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht. Worin er das „Ende des Vertrauens“ erblickte, verheimlichte er keinen Angenblick. Gewiß war in seinem„Warnruf“ auch von dem entschwundenen Vertrauen zwischen den Parteien der Weimarer Koalition die Rede, gewiß verbreitete er sich über die Notwendigkeit der republikanischen Einheitsfront. Aber das „Ende des Vertrauens“ lag doch für ihn nicht in den Gegen sätzen zwischen den Parteien der Kulisse Schwarzrotgold und nicht in den Differenzen im Schoße der Koalition, die keine Koalition ist.„Das Vertrauen ist dahin“, erklärte Herr Wirth. Er teilte zugleich auf das offenherzigste mit, was ihn zu dieser Erklärung veranlaßte: Sein Parteichef Kaas batte seinen Wunsch, der Deutschen Volkspartei zwei Ministersitze in Preußen zu geben, als„politische Realität“ hingestellt. Aber man glaubte ihm nicht: weder die Außenstehenden glaubten an die politische Realität, noch die, auf die es ankam die Diplomaten in der preußischen Zentrumsfraktion. Welch ein Verbrechen, lamentiert Herr Wirth: Man glaubt dem Führer nicht mehr, das Vertrauen ist dahin, die Antorität des Führers ist dahin, der Eigenwert der von dem Führercharisma begnadeten großen Persönlichkeit ist dahin.„Jeder denkt nur an seinen eigenen Parteiladen“, man denkt nicht an die Kraft und Allmacht des Führers. Die Parteien sind krank, seit sie nicht an den Führer glauben.„Sind die Parteien krank, so krankt das System. Und gilt das Wort der Parteiführer nichts und feinden sie sich gegenseitig nur an, so stirbt das demokratische System av....“ Dazu das Kraftwort: „Der ganze Spuk der letzten Wochen... ist ein Vorbote des Faschismus.“ Soweit wären wir also gekommen. Keine Führerherrschaft mehr, also ist die Demokratie dahin, und der Faschismus, stolz zu Rosse, vollzieht den Marsch auf Berlin. Nur däß man nebenbei auch fragen kann, was wohl der Unterschied ist zwischen der Herrschaft einiger Führereliqnen, deren Autorität kein„Parteiladen“ zerreißt, und der Herrschaft eines kastenmäßig organisierten„Parteiladens“ mit der„starken Führerpersönlichkeit“ an der Spitze, die man gemeinhin Faschismus heißt. Herr Wirth hat für den Unterschied dieser beiden Systeme noch kein passendes Schlagwort entdeckt. Wir greifen ihm vor: Der Unterschied ist nur eine schadhafte parlamentarische Kulisse im Zeichen des heiligen Gralsritters Wirth.... Das alles ist„Das Ende des Vertrauens": daß keine Autoritätsgläubigkeit mehr im politischen System des republikanischen Deutschland herrscht, daß die Massen durch ihre Interessenvertretungen, die Parteien, entscheiden, und daß Klassen= und Parteiinteressen über das hinausreichen, was sich ein katholischer Studienrat zeitlebens unter „Führerpersönlichkeit“ vorgestellt hat. Nicht der Faschismus, nein!— das Zuwenig an Faschismus ist es, was den Zentrumsprediger schmerzt. Wir sagen: Zentrumsprediger, denn man sollte endlich mit der Legende aufräumen, als wäre Herr Wirth das fünfte Nad am Zentrumswagen, er, der im Mittelpunkt des feingeschliffenen demagogischen Mechanismus der Zentrumsphrase steht, der um das verlorene Vertrauen zu Kaas mit einer Leidenschaft kämpft, die einer temveramentvollen Löwenmutter würdig wäre! Von einem„Eingänger“ vorgetragen, hat denn auch die neueste Zentrumsparole besser gezündet, als zwanzig offizielle Parteierklärungen es getan hätten. Unverzüglich schnappten die Demokraten ein. Herr Ludwig Haas, Wirths Mitstreiter aus der ungelesenen „Republik“, brach im„Berliner Tageblatt“ eine Lanze für die „Köpfe“, die man uneingeschränkt schalten und walten lassen müßte, auf daß die Krisen aufhören und die Parteien entthront werden, und der anerkannte Demokratenführer Justiz minister Koch hielt eine sulminante Rede gegen den— „Parteiismus"(ein schöner Koch=Weserismus, was?!). Aber auch des Zentrums schärfster Gegner in dem derzeitigen Krisenkrakeel— die Deutsche Volkspartei— hat nicht allzulange mit der fälligen Sympathieerklärung warten lassen.„Unser“ Streiemann nahm die Parolen vom Eigenwert der verantwortlichen Persönlichkeit auf, und da er überdies für alle deutschen Spießer„der Staatsmann“ ist, fiel ihm auch die Ausgabe zu. aus den Schlagworten des Herrn Wirth ein Programm der kalten Abdrosselung des parlamentarischen Systems zu entwickeln. Die„Reform"(zu deutsch: Kaltstellung) des Parlamentarismus fiebt danach folgendermaßen aus: Die Fraktionen haben nicht mehr die Regierung zu bilden und dürfen ihre Minister nicht zurückziehen (Stresemann„verwahrt sich dagegen persönlich“).„.. Tas Zurückziehen von Ministern bedeutet, daß in Wirklichkeit die Persönlichkeit nicht mehr besteht, sondern nur noch als Beauftragter irgend einer Organisation erscheint. Diese Auffassung ist das Ende des Liberalismus überhaupt.“ Also rette man schleunigst die Persönlichkeit und den„Liberalismus überbaupt". Das soll man freilich nicht etwa so tun, daß man aus dem organisierten Kapitalismus zum Kapitalismus der freien Konkurrenz zurückkehrt— an diesen Grundpfeiler des„Liberalismus überbaupt“ glaubt auch Stresemann nicht mehr. Sondern man soll auf das Gebilde des in Trufts, Kartellen und politischen Machtorganisationen zusammengeschlossenen Kapitalismus noch die Heldendekoration des persönlichen Neaiments aufstecken, die freilich mehr sein soll als bloße Attrappe. Ueberzeugt ist Stresemann,„daß manche Krise in dem Augenblick zu Ende wäre wo ein Machtwort des Reichspräsidenten erfolgte und die Kabinettsbildung aus den Verhandlungen der Fraktionen herausgenommen würde“. Und damit die Diktatur der personellen Oberherrschaft über Reichstag und Republik rechtlich gesichert wird sollen weiterhin die volksparteilichen Anträge auf Einschränkung des Haushaltsrechts des Reichstags durchgesetzt werden. Da muß noch in der Tat das Malheur passieren, daß ein Setzer der„Vossischen Zeitung“ über diesen Passus der Stresemann=Rede die Ueberschrift setzt:„Volkspartei geht über Etatrecht.“ Ja, die Druckfehler! Was sollen aber die Köpfe, was soll die Persönlichkeit, der Liberalismus überhaupt die Vernichtung des parlamentarischen Etatrechts? Wozu diese Einheitsfront der bürgerlichen „Mitte"? Das alles ist in Wirklichkeit doch nicht mehr als Dekoration.„Man muß aber anderseits auch bedenken, daß die imponderablen Kräfte, die hinter einer Partei wie der Deutschen Volkspartei stehen, stärker wiegen als die Zahl ihrer Mandate.“ 10 sagt's Stresemann. Und diese „imponderablen“, unwägbaren Kräfte, was sind sie anderes als die wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht des Großkavitals?! Und welcher anderen Macht als dem Großkapital soll die Herrschaft der Köpfe, der Persönlichkeiten, wem die Personaldiktatur(„Machtwort“) des Reichspräsidenten dienen?! Das Geschrei über die Krise des Parlamentarismus über das Ende des Vertrauens ist eindeutig genug. Die Macht der Arbeiterklasse ist es, die den bürgerlichen Parteien im parlamentarischen System über den Kopf wächst. und aus dem Bestreben, die Arbeiterklasse zu treffen, indem man den Parlamentarismus„reformiert“, erwächst die vielerörterte „Krise des varlamentarischen Systems“! Nicht die HugenbergTiraden und nicht das hilflose Gestammel eines Ritters v. Epp sind die Vorboten des Faschismus, sondern der Versuch der bürgerlich-„demokratischen“ Parteien, die Macht der Arbeiterklasse durch eine Auslieferung der Gesetzgebung und Verwaltung an den bureaukratischen Regierungsapvarat zu brechen, ist der erste Schritt zur Errichtung eines faschistischen Systems.„Parlamentarischer“ Faschismus, Faschismus auf kaltem Wege: das ist die Gefahr, die die bürgerliche Einheitsfront zur Macht emporträgt und die dadurch nur noch drobender wird, daß sie sich hinter dem Rücken von vier sozialdemokratischen Ministern versteckt. in Bayern? München, 1. März.(Eigener Drahtbericht.) Die amtlichen und privaten Erklärungen in der Angelegenheit der Gefrierfleischschiebungen der Firma Bauernfreund in Fürth führten in der Donnerstagsitzung des Bayerischen Landlages zu neuen Behauptungen des nationalsozialistischen Abgeordneten Streicher, die, wenn sie der Wahrheit entsprechen sollten, zweifellos zu Konsequenzen nach der versönlichen und vielleicht auch nach der politischen Seite hin führen müssen. Auf Grund von Dokumenten, die in seinem Besitz seien, behauptete Streicher, daß Ministerialrat Niklas vom Landwirtschaftsministerium jahrelang von der Firma Bauernfreund Fleischlonserven bezogen habe, ohne sie jemals bezahlt zu haben. Die ausgestellten Rechnungen seien lediglich fingiert gewesen und im Besitz der Firma Bauernfreund geblieben. Die gleiche passive Bestechung legte der Abgeordnete dem Landwirtschaftsminister Fehr zur Last, wenn seine Angaben darüber auch vorsichtiger gehalten waren. Fehr habe als Bauernführer in zahlreichen Reden und Vortragen das grundsätzliche Verbot der Einfuhr von ausländischem Fleisch und von Gesrierfleisch gepredigt, während er gleichzeitig seinen Haushalt mit solchem Fleisch versorgt hätte. Von dem Mitglied der Bayerischen Volkspartei Dr. Schlittenbauer behauptete der nationalsozialistische Abgeordnete, daß dieser sich bei einem höheren Amt in Nürnberg um die Niederschlagung des Verfahrens gegen die Firma Bauernfreund bemüht habe. Die Mitteilungen riefen im Landtag außerordentliches Aufsehen hervor. Volkspartei will Verfassungsänderung Schutz für Mutter und Kind In der Reichstagssetzung vom Tonnerstag gob es zunächst eine Aussprache über Erweiterung desgesetzlichen Schutzes für Mutter und Kind. Den Anlaß dazu gab ein von der kommunistischen Fraktion eingebrachter Gesetzentwurf, der nahezu lückenlos alle Forderungen enthält, die auf dem Gebiete des Mutter= und Kinderschutzes gestellt werden können. Die Kommunisten gestanden offen ein, daß der Gesetzentwurf nur eingebracht worden sei, um die Parlamentsmehrheit zu„entlarven“, also ein reines Agitationsmanöver. Der Ausschuß selbst schlägt eine Entschließung vor, die aus spricht, daß der Reichstag wirksame Maßnahmen zum Schutze kinderreicher Familien für dringend erforderlich halt. Er ersucht die Reichsregierung, die in dem kommunistischen Antrag enthaltenen bevöklerungspolitischen Forderungen auf ihre gesetzgeberische, verwaltungstechnische und finanzielle Durchführbarkeit zu prüfen und entsprechende Gesetzentwürfe vorzubereiten. Im Plenum begründete Aba. Höllein die kommunistischen rungen. Er hatte diesmal einen guten Tag. Wir gestehen ihm gerne zu, dat er die hier zur Beratung stehende Materie beberrscht und im großen und ganzen diesmal sachlich zu reden mußte. Mit einigem Erstannen hörte man seit vielen Monaten eine kammunistische Rede, die nichteine einige Schimpfereigegen die Sozialdemokratie enthielt. Das soll dankbar anerkannt werden. Der Kommunist sagte den bürgerlichen Parteien, besondere auch dem Zentrum das immer so schwärmerisch für die Intereßen der kinderreichen Familien eintritt. manches mahre und bittere Wort. Seine Lobgesänge auf Somjetrußland allerdings waren unvorsichtig. Sie gaben der demokratischen Rednerin Dr. Gertrud Bäumer Anlaß nachzuweisen daß die Aindersterblichkeit in Rußland noch immer zweieinhalbmal so groß ist als in Deutschland. Die deutschnationale Rednerin Frau Lehmann wandte sich insbesondere gegen die vollige Straffreiheit bei Abtreibungen, und die volksparteiliche Abg. Frau HartwigBünger glauble die kommunistischen Anträge reichlich hochfahrend abtun zu können. Die ganze Tiefe der Frage wußte die sozialdemokratische Abgeordnete Marie Juchacz aufzurollen. Sie wies zahlenmäßig die bedeutenden sozlogischen Veränderungen nach. die zu einer Steigerung der Ehelosigkeit vieler Frauen, zu einer Vermehrung und hohen Sterblichkeit unehelicher Kinder, zu der erschütternden Wohnungsnot und zu all den daraus folgenden bevölkerungspolitischen Schädigungen geführt haben. Auch Frau Iuchacz bedauerte die gesetzestechnisch ungenügende Formulierung des kommunistischen Entwurfs. Sie sprach die Erwartung aus, daß die Reichsregierung durch die Annahme des Ausschußantrages zu gesetzgeberischen Fortschritten veranlaßt werde. Der Zentrumsabgeordnete Joos verlangte grotzere Fürsorge für de kinderreichen Familien, meinte aber, die Ausschaltung der orwaten und kirchlichen Karitas sei unmöglich. Die Ausschußentschließung wurde angenommen. Luftstöße“ Der Reichstag trat dann in die Beratung der Anträge der Dautschen Volkspartei zur Abänderung der Verfassung des Deutschen Reiches ein. Diese Anträge greifen Grundfragen des parlamentarischen Systems auf. Tarum fanden sie im Hause starke Aufmerksamkeit. Die volksparteilichen Anträge wollen eine größere Stetigkeit der Reichskabinette herbeiführen. Nack jeder Reichstagswahl soll das nach der Verfassung notwendige Vertrauen des Reichstages zur Reichsregierung durch einen einfachen Mehrbeitsbeschluß des Reichstages festgestellt werden. Wenn der Reichsregierung oder dem Reichskanzler oder einem Reichsminmer das Vertrauen entzogen werden soll, so soll dazu eine kittelmehrheit des Reichstages notwendig sein. Nur bei der Schlußabstimmung der dritten Lesung des Reichshausbalts, also jährlich einmal. foll der Reichstag die Gelegenheit haben, die Regierung mit einfacher Mehrheit zu stürzen. Ein weiterer Teil des volksparteilichen Antrages will die Berechtigung des Parlaments, Ausgaben zu beschließen wesentlich einschränken. Der gleichen Zustimmung sollen Gesetze und andere Beschlüsse des Reichstages bedürfen, die eine Erhöhung der im laufenden Haushaltsgesetz vorgesehenen Ausgaben zur Folge haben. Die Deutsche Volkspartei schickte zur Begründung ihres Antrages einen nur sehr mäßigen Redner vor. den Pfälzer Dr. Zapf. Er blieb in landläufiger Parteiagitation stecken. Dem Wirtschaftsparteiler Dr. Bredt gab seine Beherrschung verfassungspolitischer Fragen die Möglichkeit, in manchmal vernichtend satirischer Form den volksparteilichen Verfassungsreformer abzuführen. Er wies schlüssig nach, daß die parlamentarische Krisis in Deutschland nicht aus dem Wortlaut und Inbalt der Verfassung erwachse, die gerade in den Fragen der Regierungsbildung ausgezeichnet sei, sondern daraus, daß das Parlament und die Regierungen noch nicht gelernt hätten, mit dem parlamentarischen Soitem zu arbeiten. Die volksparteilichen Anträge seien Luftstöße. Von den 17 Reichskabinetten sei bieher nur ein einziges durch ein Mißtrauensvotum gestürzt worden, alle anderen durch Fraktionsbeschluß. Nächste Sitzung Freitag 13 Uhr. Auf der Tagesordnung steht neben der Fortsetzung der Donnerstag=Aussprache u. a. der Gesetzentwurf zum Schutze der älteren Angestellten. Weitere Lockerung der Wohnungswirtschaft 186 000 neue Wohnungen Am Donnerstag stand im Preußischen Landtag bei der Beratung des Abschnittes Wohnungs= und Siedlungswesen beim Etat des Wohlfahrtsministeriums die staatliche Wohnungspolitit zur Debatte. Minister Hirtsiefer stellte zunächst für 1929 eine weitere Förderung des Wohnungsbaues mit 186 000 Nenbauwohnungen fest. Ob diese günstige Entwicklung anhält, läßt sich freilich um so weniger übersehen als in diesem Jahre der durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm für den Wohnungsneubau gegebene Kredt von 50 Millionen ruckzahlbar wird und der vom Reich zur Verfügung gestellte Zwischenkredit von 200 Millionen nicht langer aufrecht erhalten werden kann. Die seinerzeit gegen die Sozialdemokraten eingeführte Lockerungsverordnung die die Freigabe der gewerblichen Räume aus der Zwangswirtschaft und die Teilung größerer Wohnungen zuläßzt, hat sich nach der Auffassung des Ministers als gerechtfertigt erwiesen da sich bisher keine nennenswerten Schwierigkeiten daraus ergeben haben. Auch die Beseitigung des Beschlagnahmerechts an Wohnungen in Gemeinden unter 400 Einwohnern die ebenfalls geger die Sozialdemokraten beschlossen wurde, bätte sich als richtig erwiesen. Da Ministerium prüft deshalb zurzeit die Frage, ob nicht die Mindestgrenze für die Aufhebung des Beschlagnahmerechtes ausgedehnt werden soll auf Gemeinden bis zu 100C Einwohnern. Dagegen bekannte sich der Minister grundsätzlich zu der Auffassung, daß an eine Aufhebung der Zwangswirtschaft im Interesse der minderbemittelten Kreise solange nicht zu denken ist. als durch einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage die Voraussetzung dafür geschaffen ist. Der Sozialdemokrat Drügemüller setzte sich energisch mit den Gegnern der Wohnungswirtschaft auseinander. Die immer wiederholte demagogische Frage nach dem VerBeginn des britischen Wahlkampfes London, 1. März.(Eigener Funkspruch.) Die Leitung der Arbeiterpartei ist zu der Auffassung gelangt, daß die Regierung beabsichtigt, die ursprünglich für Juni geplante Neuwahl des Unterhauses schon für die erste Halfte des at auszuschreiben Der Ministerpräsident dürfte unter dem Eindruck der jüngsten Wahlsiege der Arbeiterpartei von jeder Verzögerung der Wahl eine Verschlechterung der Regierungsaussichten befürchten, sowie, daß jeder Tag der Opposition neue Wihler zu treibt. Die Exekutive der Arbeiterpartei hat daher die Ortsgruppen der Partei durch Rundschreiben aufgefordert, ihre Vorbereitungen für die Neuwahl aufsäußerste zu beschleu nigen. Die Exekutive beschloß ferner, die traditionell jeder Wahlkampagne vorausgehende Bersammlung in der Albert Hall zu London am 27. April abzuhalten, wobei Ramsey Macdonald den Wahlkampf rednerisch eröffnen wird. Sämtliche Wahlvorbercitun gen der Arbeiterpartei sind weit vorgeschritten. Wie aus einem Bericht des Parteipräsidenten Morrisson an die Exekutive hervorgeht, werden 581 sozialistische Kandidaten aufge stellt werden. bleib der aufgebrachten Hauszinssteuermittel kann klar beantwortet werden: Ueber eine Million Neubauwohnungen sind daraus seit 1924 erstellt worden, eine gewaltige Leistung, die zu vollbringen der privaten Bautätigkeit niemals möglich gewesen wäre. Stärkite Bedenken muß die angekundigte Ausdehnung der Lockerungsverordnung hervorrufen, die das Beschlagnahmerecht an Wohnungen für Gemeinden bis zu 10000 Einwohnern vorsieht, denn das würde die Hemmung der Siedlungspolitik und der Auflockerung der Großstädte in deren Umgebung durch eine ungerechtfertigte Mietpreissteigerung in den kleinen Gemeinden bedeuten. Der Wohnungswucher, der sich vielfach kei unlauteren Wohnungsbangesellschaften unter dem Signum„gemeinnützig“ breit macht, muß mit allen Mitteln bekampft werden. Aus den Zusammenbrüchen einzelner Genossenschoften kann man unmöglich allgemeine Schlüsse ziehen, wie es zum Beispiel die Wirtschaftspartei macht. Denn die Vorkriegszeit beweist, daß auch damals schon eine gewissenlose Bauund Grunditücksspekulation den Zusammenbruch kleiner Geldgeber, namentlich von selbständigen Handwerksmeistern, verursachte In der Debatte liefen namentlich Deutschnationale und Wirtschaftspartei gegen die Zwangswirtschaft Sturm. Namentlich der Wirtschaftsparteiler Menz klagte mit einem gewaltigen Stimmanfwand das Ministerium und die Sozialdemotratie an, daß sie die Zwangswirtschaft verewigen wollen. Die Zwangswirtschaft zerstört das Eigentum! Die Wohnungsämter sind ein einziger Betrug an der Bevölkerung. Mit dem schmetternden Schlachtruf: Zurück zur ehrsamen privaten Pautätinkeit! trat er schweißtriefend ab. Nächste Sitzung Freitag, mittags 12 Uhr Auf der Tagesordnung steht außerdem das deutschnationale Mißtrauensvotum gegen den Innenminister wegen des Pankower Schülermords. Die Konservativen. denen riesige Geldmittel zur Verfügung stehen, haben bereits seit einigen Wochen den Wahlkampf mit großer Energie aufgenommen, die Liberalen treten am Freitag mit einer marktschreierisch angekündigten Rede Lloyd Georges vor 400 Parlamentskandidaten auf den Plan. Eine vombastische Ankündigung des liberalen Hauptquartiers kann nur so verstanden werden, daß Llond George eine grundsätzliche Erklärung zu der, durch widersprechende Aeußerungen Sir Herber: Samuels äußerst verwirrten Koalitionsfrage geben wird. Mit dieser Aktivität aller orci Parteien ist der Wahlkampf in sein erstes wirkliches Stadium getreten Beseitigung des Eides Im Strafrechtsausschuß des Reichstages wurde am Mittwoch die Erörterung der Meineidsparagraphen fortgesetzt. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) erklärte, daß die Sozialdemokratie die neuen Vorschläge des Ministers Koch als geeignete Grundlage für die Bekämpfung der Eidesseuche anerkenne. Nach wissenschaftlichen Berechnungen würden in Deutschland nicht weniger als 70000 Falscheide jährlich kerechnet. Allein im Jahre 1926 seien 2100 Verurteilungen wegen Eidesverletzung erfolgt. Bei diesen Zuständen seien grundstürzende Neuerungen erforderlich. Bei den Bemühungen um die Einschränkung der Eidesleistungen müsse man daran denken, daß man im arbeitsgerichtlichen Verfahren fast ohne Eidesleistung auskomme und daß die Rechtsprechung der Arbeitsgerichte dennoch viel weniger kritisiert werde als die der ordentlichen Gerichte. Auch überflüssige Anklagen wegen Eidesverletzung müßten vermieden werden. Leider sei der Minister nicht so weit gegangen, die Abschaffung des Eidesüberhaupt zuempfehlen. Angeblich sei das Volk heute noch nicht so wert, daß auf den Eid verzichtet werden könne Dieses„noch nicht“ werde immer ausgesprochen, wenn man nicht den Entschluß zu gründlicher Reform aufbringen könne. Es genüge vollkommen, wenn derjenige mn Strafe bedroht werde, der vor Gericht eine falsche Aussage mache. Man solle mit Mut und Energie an eine grundlegende Reform herangehen. Dann werde die Meineidsseuche verschwinden. Aba. Kahl(Vpt.) sprach sich ebenfalls für die Beseitigung des Eides aus. Diese Auffassung babe er nicht erst unter den radikalen Strömungen der letzten Jahre vertreten, sondern schon früber. Die Lüge könne man nicht beseitigen, aber die Komödre und den Mißbrauch. der heute vielfach bei den Eidesleistungen vorkäme. Auch Abg. Alexander(Komm.) äußerte sich für die Beseitigung des Eides und verlangte grundlegende Aenderungen der jetzigen Bestimmungen über den Meineid.— Abg. Strathmann(Dnat.) wandte sich als evangelischer Theologieprofessor gleichfalls gegen den Eid. Die Anrufung Gottes erfolge bei Gericht oft in einer allem religiösem Empfinden widersprechenden Weise. Gerade aus religiösen Gesichtspunkten müsse man den Eid abschaffen. Justizminister Koch erwiderte, daß die schweren Bedenken der Justizverwaltung und der einzelnen Länder die Reichsjustigverwaltung wieder davon abgebracht hätten, die Abschaffung des Eides vorzuschlagen. Man fürchte, daß die Wahrheitsermittlung ohne Eidesleistung erschwert werde. Bezüglich der Einzelvorschläge der verschiedenen Parteien musse man eine Verständigung im Unterausschuß suchen. Der Ausschuß überwies alsdann sämtliche Bestimmungen über die Eidesverletzung einem Unterausschuß, der am Mittwoch nächster Woche dem Ausschuß seine Vorschläge unterbreiten solle. Die Reparationskommission tritt am Montag zusammen wib. Paris, 1. März.(Drahtbericht.) Der„Matin“ kündigt an, daß am Montagvormittag eine Vollsitzung der Reparationskommission stattfinden werde, in deren Verlauf die drei Unterkommissionen Bericht über ihre Mission erstatten werden. Beschlagnahme der Flugschrift„Krieg mit Belgien“ wtb. Haag, 1. März.(Drahtbericht.) Hier wurde heute großes Aufsehen durch den Verkauf einer vom Schriftsteller van Zuylen unterzeichneten Flugschrift im Straßenhandel erregt, die den Titel „Ariegmit Belgien“ und den Untertitel„Wer ist der Feind?“ trägt. Obwohl der Inhalt dieser Flugschrift verbältnismäßig harmlos ist, versammelten sich doch um die Verkäufer auf den Straßen bald Gruppen von Menschen. Die Polizei beschlagnahmte darauf alle in den Straßenhandel gebrachten Exemplare der Flugschrift. Spanien für Washingtoner Abkommen Das Internationale Arbeitsamt teilt mit, daß Spanien das Washingtoner Achtstundentag-Abkommen bedingt ratifiziert habe. Spanien macht das Inkrafttreten seiner Ratifikation von derjenigen Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens abhängig. Annahme der amerikanischen Marinekreditvorlage w:b. Washington, 1. März.(Drahtbericht. Reuter.) Die Marinekreditvorlage in Hohe von 12 370000 Dollar wurde beute vom Kongretz endgültig gebilligt und ist dem Präsidenten Coolidge vorgelegt worden. Ist eine weitere Arbeitsintensivierung möglich? In Deutschland kommt der Arbeiterschaft das Verdienst zu, die während des Krieges und der Inflation rückständig gewordene Industrie zur Rationalisierung gedrängt zu haben. Der abgegriffenen Weisheit der Unternehmer: wir können die Lohnforderungen der Gewerkschaften nicht bewilligen, weil unsere Betriebe keine Ueberschüsse abwerfen, setzte die Arbeiterschaft die Forderung entgegen: technisiert, modernisiert die Betriebe, macht sie wieder rentabel! Die Arbeiterschaft hat auch die Last der deutschen Rationalisierung getragen, ohne daß sie hinreichend an den Rationalisierungserfolgen beteiligt worden ist. Noch vor Jahresfrist betonten die Industrieführer immer, man müsse erst die Auswirkungen der Rationalisierung abwarten, ehe man die Forderungen der Arbeiterschaft nach Beteiligung an den Rationalisierungserfolgen berücksichtigen könne. Heute heißt es, Lohnerhöhungen seien unmöglich, da die Rationalisierung nicht mehr weitergetrieben werden könne. Sind die Behauptungen der Unternehmer mehr als taktischer Vorwand, den Lohnforderungen der Gewerkschaften die Spiße abzubrechen? Haben sich die Bestrebungen nach Intensivierung der Arbeit in Deutschland totgelaufen? Die Unternehmer behaupten das mit derselben Leidenschaft, wie die Fachleute diese Fragen verneinen. Jede Antwort darauf hängt auch davon ab, wie man das Problem der Arbeitsintenswierung auffaßt. Die Mehrzahl der deutschen Unternehmer jedenfalls faßt es dahin auf, daß die Anschaffung einiger Spezialmaschinen genüge, um den Anforderungen der not wendig gewordenen wirtschaftstechnischen Umstellung gerecht zu werden. Es ist zweifellos ein Unglück, daß das deutsche Unternehmertum den Siemens=Direktor Koettgen zum Studium der neuen amerikanischen Arbeitsverfahren über den großen Teich schickte. Koettgen schriev für seine Auftraggeber ein Buch, das für sie so etwas wie eine Rationalifierungsfibel geworden ist. Dieses Buch bleibt verhängnisvoll an der Oberfläche haften. Koettaen fah nur neue und anders gestellte Maschinen, sah ein gesteigertes Arbeitstempo, sah Bänder, sah Massenfabrikation, kurz und gut, das Aeußerliche der modernen Güterherstellung. Daß diese Massenfabrikation auch ein Verhältnis zwischen Arbeit und Arbeiter erfordert, entging ihm. Bei einem Mann, der ein Menschenleben in einem deutschen Großkonzern zugebracht hat, ist das nur allzu natürlich. Die schlimmen Folgen für die deutsche Wirtschaftsumstellung sind aber nicht zu bestreiten. Koettgen drängte die Rationalisierung auf den Weg einer bloßen Mechanisierung. Man legte Transportbänder an, schuf Förderanlagen, übertrug auch andere Arbeitsverfahren, z. B. die Fließarbeit auf die Montage, erneuerte hier und da die Maschinenparks— und glaubt so, die Rationalisierung sei beendet. ud4 So weit sich die deutsche Rationalisierung nicht in Mechanisierung üiberhaupt erschöpft hat, so weit nicht nur die Maschinenparks erMrhaitnahreiihanm rerer aen, vonern rau vent abeubbenati ubernannen und weiter entwickelt worden sind, blieben diese Bestrebungen im Grunde genommen auf unsere Montagewerkstätten beschränkt. Bei der Teil= oder Fertigmontage ist Fließfabrikation verhältnismäßig leicht einzurichten, weil das Abgleichen der Zeiten für den Rhythmus des Arbeitswechsels— von vielleicht Dutzenden am laufenden Band beschäftigten Arbeitern soll jeder in einer bestimmten Zeit eine besemmte Arbeit vollziehen— durch Einfügung oder Fortnahme einer Arbeitskraft oder durch geringe Aenderungen in der Arbeitsaufteilung vorgenommen werden können. Ganz bedeutend schwieriger gestaltet sich die Einrichtung der fließenden Fabrikation in anderen Werkstätten, beispielsweise in der Bearbeitung auf Werkzeugmaschinen. Zweifellos haben hier viele deutsche Betriebe versagt. Es wurden wohl durch neue Maschinen Arbeitskräfte ausgeschaltet. Die Arbeiter wurden aus dem Produktionsprozeß gedrängt; es trat eine Entlastung der Lohnkonten bei den einzelnen Betrieben ein, dafür aber eine Belastung des Arbeitsmarkts. Man machte sich also die Sache sehr leicht und ging den Schwierigkeiten, neue Arbeitsverfahren allgemein einzuführen und weiler zu entwickeln, aus dem Wege. Diejenigen Unternehmer, die diese Schwierigkeiten scheuen, können auch heute nur behaupten, die Rationalisierung habe sich erschöpft, eine weitere Intensivierung der Arbeit sei nicht möglich. Die Fachleute zeigen, daß das nicht der Fall ist. Unsere beiden Schaubilder zeigen zwei AEG.=Werkstätten, in denen Vergaser und Brennstoffförder hergestellt wurden bzw. werden. Es handelt sich um Einführung der fließenden Fabrikation bei der Bearbeitung auf Werkzeugmaschinen. Die Einführung bietet hier Schwierigkeiten, die man bei der Uebertragung der Fließarbeit auf die Montage nicht kennt: Bearbeitungen, die maßlich in wichtigen Beziehungen zueinander stehen, sollen möglichst in einer Aufspannung vorgenommen werden; schwierige Operationen sollen tunliaht am Arbeitsbeginn liegen, damit bei einem Stück, das sich als fehlerhaft erweist, nur wenig Arbeit vergeblich aufgewendet worden ist; die Arbeitsfolge ist so zu wählen, daß durch die Aufnehme in jede Vorrichtung automatisch geprüft wird, ob sämtliche Voroperationen erledigt sind. Man betrachte die beiden Schaubilder und man wird die Unterschiede zwischen der alten und der neuen Fabrikation feststellen. Die alte Bearbeitung der Vergaserkörper(Bild 1) erfolgte in der Dreherei, Bohrerei, Fräserei usw. Es war dabei unvermeidlich, daß sich große Mengen von Körpern im Betriebe ansammelten. Sie erschwerten die Uebersicht über die Werkstatt und legten sehr viel Kapital nußlos fest. Bild 2 zeigt die Körperbearbeitung nach der Umstellung in drei parallel laufenden Bearbeitungsreihen, an denen gleichzeitig oder einzeln, je nach Auftragsvestand, verschiedene Typen vor. Korpern bearbeitet werden können. An drei Stellen sind Kontrollen eingefügt, so daß am Ende jeder Reihe, in denen die Teile von Maschine zu Maschine weitergereicht werden, die Körper fertig zur Verwendung am Montagewandertisch sind. Das von uns angeführte Beispiel ergibt die Anwendbarkeit der neuen Arbeitsverfahren auf Gebiete, wo heute noch immer im alten Stil gearbeitet wird. Allerdings darf man nicht, wie das die deutschen Unternehmer immer wieder tun, bei der Einführung vor allem von der Ueberlegung ausgehen, ob durch die Umstellung unter allen Umständen eine Einsparung von Löhnen stattsindet. Das dürfte nicht immer festzustellen sein, da die Einsparung von Löhnen davon abhängt, ob bei der Umstellung auf Fließarbeit gleichzeitig auch eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Fabrikationsart durchgeführt worden ist. Selbst wenn aber aus besonderen Gründen keine Lohnersparnis gegenüber früher herbeizuführen ist, ergibt die Umstellung auf Fließfabrikation unbedingt den Vorteil, daß die Uebersicht über derartige Werkstätten und damit die rasche Feststellung von Störungen und Fehlern außerordentlich erleichtert wird. So spart man auf jeden Fall an Aufsichtspersonen und Unkosten. Bei der Umstellung in den AE(.=Werkstätten ergab sich auch eine wesentliche Verkürzung in der Laufdauer des Werkstückes dirch den Betrieb. Diese beträgt setzt nur zwei Drittel der früher erforderlichen Zeit. Der Körper ist jetzt in dieser Zeit tatsächlich sertiggearbeitet, während zu der vor der Umstellung um ein Drittel langeren Bearbeitungszeit noch viel verlorene Zeit durch Sammeln und Aufstapeln in Kästen und infolge der wiederholten Transporte hinzukamen. Diese beträchtlichen Fortschritte wurden nicht nur durch Verbesserung an den Maschinen, durch Ausbildung gut durchdachter Vorrichtungen, Vereinfachung der Handgriffe und Erleichterungen in der Zuführung der Rohkörper erzielt; auch die Verwendung blendungsfreier Platzbeleuchtung durch Tiefstrahler hat nicht unerheblich zu der angestrebten Leistungssteigerung beigetragen. Angesichts solcher Erfolge kann man wirklich nicht sagen, daß Bestrebungen auf eine weitere Intensivierung der Arbeit ohne Aussicht auf Erfolg soien. Wir konnen vielmehr behaupten, daß wir erst vor der Aufgabe stehen, die Arbeit zu intensivieren: mit der bloßen Mechanisierung und mit der Erneuerung unserer Maschinenparks ist es nicht gekan. Ungelöst hat die deutsche Rationalisierung bis jetzt die Fragen gelassen, die sich aus dem Verhältnis des Arbeiters zu seiner Arbeit ergeben. Die moderne Massenfabrikation stellt größere Anforderungen nicht nur an die körperliche, sonderr auch an die geistige Leistungsfahigkeit der Arbeitnehmer. Vor kurzem ist im Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit ein Büchlein von Dr. Rudolf Schindler erschienen, das sich damit beschäftigt. Wir lesen in ihm u. a.:„Rationalisierung wird als sachliche, technische Rationalisierung des Betriebes aufgefaßt. Es ist erstaunlich, daß man im Gegensatz zu dieser schon recht ausgeprägten sachlichen Rationalisierung bisher noch wenig alle auf die zweckmäßige Verteilung und Ansetzung der Arbeitskraft gerichteten Bestrebungen unter dem Gesichtspunkt und Begriff der Rationalisierung betrachtet hat. Wohl begegnet man dem Bestreben, der Verschwendung der menschlichen Arbeitskraft im Produktionsprozeß entgegenzuarbeiten. So weit wie möglich wird die menschliche Arbeit durch Maschinen ersetzt, da diese rationeller,, wirtschaftlicher, billiger arbeiten. Oder man sucht nach einfacheren Arbeitsmethoden: Die Fließarbeit soll unrationelle Arbeitspausen vermeiden, das Taylorsystem soll jeden Arbeitsvorgang in einfachste, mechanisierte Verrichtungen zeriegen. Alle diese Bestrebungen sind aber eigentlich weiter nichts als Versachlichung der menschlichen Arbeitskraft. Das, was die menschliche Arbeit grundsätzlich von jedem Sachlichen unterscheidet: die menschliche Persönlichkeit mit ehner Verschiedenartigkeit, mit ihrer psychischen Reaktion auf außerpsychische Vorgänge, wird nicht gesehen oder vernachlässigt, da man fälschlicherweise von diesem Faktor keine Auswirkungen auf die Rationalisierung erwartet. Ebensowenig kommt man unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung auf die noch wichtigere Frage, den Arbeiter vor Eintritt in den Produktionsprozeß zu erSild 2 fassen mit dem Ziel: wie findet man eine Arbeitnehmerschaft, die den an sie gestellten sachlichen Anforderungen im Produktionsprozeß körperlich und geistig entspricht, wie lassen sich objektive Berussanforderungen und fubjektive Veranlagungen der einzelnen Arbeitnehmer vereinigen? Diese Vereinigung der objektiven Berufsanforderungen mit den subjektiven Anlagen der Arbeitnehmer ist auch deshalb so dringend geboten, weil die technische Rationalisierung dauernd die Arbeitsprozesse umformt und sich die Berufsanforderungen infolgedessen unaushörlich verändern. Aus diesen Veränderungen muß die Frage entstehen: Hält die Arbeitnehmerschaft mit diesen Umformungen Schritt, sind die geeigneten Träger der Arbeit für die neuen Anforderungen vorhanden? Das Problem der persönlichen, das heißt das Problem der Rationalisierung des Menschen, entsteht und erweist sich als ein überaus wichtiger Bestandteil der gesamten Rationalisierungsfrage. Die Frage der Berufsauslese, der Erfassung und Auswahl der Geeignetsten für die geforderte Arbeit wird wichtig. Es ist klar, daß jede Errungenschaft auf dem Gebiete der technischen Rationalisierung ohne Erfolg bleiben muß, wenn diejenigen, die die neuen Arbeitsvorgunge auszuführen haben, nicht geeignet und in der Lage sind. diese Tätigkeiten den neuen Erfordernissen entsprechend auszuführen.“ Schindler tritt für die Berufsauslese ein und bemüht sich, dem deutschen Unternehmertum die Wichtigkeit derselben klarzumachen. Wir wissen, daß das zeistige Problem der Rationalisierung auch mit der besten Berussauslese nicht gelöst werden kann. Die Lösung erfordert eine andere Einstellung der Arbeiterschaft zum modernen Arbeitsprozeß. Diese Einstellung kann aber nur durch Einbeziehung der Arbeiterschaft in die Wirtschaft erfolgen. Sie erfordert wirkliche Betriebs- und Wirtschaftsdemokratie. Vielleicht mag hier die Ursache liegen, daß die Unternehmer behaupten, die Rationalisierung sei in Deutschland vollendet. Nein, sie ist nicht vollendet. Noch steht die wirkliche Wirtschaftsdemokratie auf dem Papier. Bürgerblock für Zuckervertenerung Erhöhung des Zuckerzolls? Die Zentrumsfraktion hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, der auf eine Erhöhung des Zuckerzolls hinausläuft. Der Antrag soll den Wünschen der Zuckerindustrie voll und ganz entsprechen. Die Verbraucher hat man wieder einmal nicht gefragt Schon vor einigen Tagen haben die Deutschnationalen eine Zuckerzollerhohung verlangt und zwar zeichnete sich der deutschnationale Antrag durch die Eigentümlichkeit aus, daß die Antragsteller es für überflüssig gehalten haben, mit ausschlaggebenden Stellen der Zuckerindustrie Rücksprache zu nehmen. Diese Tatsache ist immerhin bezeichnend dafür, wie Anträge auf weitere Erhöhung des Zuckerzolls zustaude kommen. Die Dinge liegen nun so, daß der Reichstag im Dezember 1928 einer Erhöhung des Zuckerzolls von 10 auf 25 M zustimmte, um den deutschen Markt vor der ausländischen Konkurrenz, insbesondere vor dem tschechischen Dumping zu schützen. Diesem Antrag hat auch die Sozialdemokratie zugestimmt. Um die Interessen der Verbraucher zu wahren, setzte sie jedoch durch, daß die Erhöhung des Zuckerzolls auf 25 M nur dann gelten soll, wenn der Zuckerpreis pro 50 Kilo an der Magdeburger Börse unter 21 M liegt. Wird der Preis von 21# im Monatsdurchschnitt überschritten, so muß nach dem Gesetz vom Dezember 1928 der alte Zoll von 10 A in Kraft treten. Ohne Zweifel war durch diese Bestimmung ein Weg gefunden, der berechtigten Interessen unserer Zuckerindustrie entgegenkommt und die Verbraucher vor Ueberwucherung schützt Der oben erwähnte deutschnationale Antrag will den Zuckerzoll nur auf 20## heruntersetzen, wenn der Zuckerpreis in Magdeburg im Monatsdurchschnitt über 23 und nicht unter 25#4 lag. Erst wenn der Zuckerpreis im Monatsdurchschnitt über 25 A lag, sollte erne Erniedrigung auf 10.4 eintreten. In dieselbe Kerbe haut der Zentrumsantrag. Er sieht eine Heruntersetzung des Zuckerzolls nur auf 15 AA vor, wenn der Preis in Magdeburg im Monatsdurchschnitt über 23 K liegt. Um die von den Deutschnationalen und dem Zentrum verlangten Verschlechterungen zu zeigen, geben wir folgende Aufstellung: Preisgrenze: Zuckerzollherabsetzung: (pro 50 Kilo in Reichsmark nach der Magdeburger Börse) Die Vorschläge haben nichts mehr mit der ursprünglichen Absicht, den deutschen Zuckermarkt vor einer ausländischen Ueberflutung zu schützen, zu tun. Während der Dezemberverhandlungen über den Zuckerzoll haben prominente Rübenzüchter erklärt, daß sie bei einem Preis von 21. einen Rübenpreis erzielen, der 50 Prozent über Friedenspreis liegt. Daraus geht hervor, daß es sich bei diesen neuen Anträgen nicht mehr um den Schutz des Marktes und den Schutz einer wichtigen Industrie handelt, sondern um eine Auspowerung und Auswucherung der Bevolkerung. Der Zuckerantrag der Zentrumspartei ergänzt die Zollpläne Dietrichs in würdiger Weise. Und die gleichen Leute jammern über Kindersterben! Der Af A=Bundesausschuß trat dieser Tage in Berlin zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Er nahm zunächst den Bericht des stellvertretenden Vorsitzenden Stähr über die Konstituierung der 13 AfA=Bezirkskartelle entgegen. Die Bezirkskonferenzen nahmen, wie aus dem Bericht hervorging, überall einen sehr befriedigenden Verlauf, was auf eine kräftige Aufwärtsentwicklung der freigewerkschaftlichen Angestelltenbewegung schließen läßt. Das Hauptthema der Beratungen war der Ausbau der Angestelltenversicherung. Göring vom AfA=Bund berichtete über den Stand der Verhandlungen: Die Denkschrift, die das Direktorium und der Verwaltungsrat der RfA auf Grund der im Dezember vergangenen Jahres angenommenen Reichstagsentschließung ausarbeitete, ist zusammen mit dem Minderheitsgutachten der AfA=Vertreter im Verwaltungsrat der RfA vom Reichsarbeitsminister dem Reichstag unterbreitet worden. Das Gutachten der AfA=Vertreter bejaht im Gegensatz zu dem der Verwaltungsratsmitglieder vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband und der übrigen Pauptausschußverbände die Möglichkeit eines Ausbaues der Angestelltenversicherung ohne Beitragserhöhung Für Herabsetzung der Altersgrenze liegen dem Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags zurzeit mehrere Anträge vor Wie der Antrag des AfA=Bundesvorsitzenden und Reichstagsabgeordneten Aufhäuser, so fordern auch die Demokraten(GdA.), daß bis zum Ablauf des Jahres 1935 auch der Versicherte, der das Alter von 60 Jahren vollendet hat, Ruhegeld erhält, sofern und solange er arbeitslos ist und keinen Anspruch auf versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung oder Krisenunterstützung hat Als arbeitslos gilt auch, wer lediglich zur gelegentlichen Aushilfe beschäftigt ist. Der Antrag des deutschnationalen Abg. Lambach tritt zwar auch für Herabsetzung der Altersgrenze ein, macht sie aber von der Bedürftiakeitsprüfung abhängig.— Es ist zu hoffen, daß sich für die Forderungen des AfA=Bundes, die sich nicht nur auf eine Herabsetzung der Altersgrenze beschränken, sondern auch eine Erhöhung des Grundbetrages, der Steigerungssätze usw. verlangen, im Reichstag eine Mehrheit finden wird. Der Bundekausschuß billigte die Arbeit der AfA=Zentrale für den Ausbau der Angestelltenversicherung und erwartet von der gesetzgebenden Körperschaft Verständnis für die Lage der deutschen Angestellten. Im weiteren Verlauf der Tagung sprachen dann noch Ministerialrat Joachim vom Reichsarbeitsministerium über Wirtschaft und Gewerkschaft in Sowjetrußland und Professor Dr. Denicke über den Stand der Reparationsverhandlungen. Tarifbewegung in der Grobkeromik Die scharfe Kälte hat in den Industrien der Steine und Erden eine ganze Reihe von Betrieben, vor allem Ziegelbetriebe stillgelegt. Die Arbeitslosigkeit ist in der Grobkeramik dieses Jahr enorm groß. Ein großer Teil der unter die Grobkeramik fallenden Betriebe ist der Sonderregelung für berufsübliche Arbeitslosigkeit unterstellt worden. Die Arbeiter dieser Betriebe sind also zu „Saisonarbeitern“ gestempelt worden, beziehen aber keineswegs Saisonarbeitslöhne. Trotzdem wollen die Unternehmer diese niedrigen Löhne nun auch noch abbauen, oder mindestens in der bisherigen Form verewigen. Zu diesem Zweck haben sie in einer ganzen Reihe von Bezirken bereits die Lohntarife gekündigt und rasche Erledigung der Verhandlungen gefordert. Die Arbeitgeber der Industrien Steine und Erden glauben, die anormalen Witterungsverhältnisse für sich ausnützen zu können. Nicht Abbau, sondern Aufbau der Löhne— das ist die Forderung der Arbeiterschaft in der Grobkeramik. Die Unternehmer glauben, noch die Arbeiterschaft vom Jahre 1926 vor sich zu haben und mit ihr umspringen zu können, wie es ihnen gutdünkt Die Organisattonsverhälinissehabensich aber seit 1926 für die Arbeiterschaft gewaltig gebessert. Sollten die Unternehmer es hart auf hart ankommen lassen, dann werden sie diese Besserung deutlich zu spüren bekommen. In den Bezirken Thüringen und Sachsen ist das zum Teil bereits der Fall gewesen. Dort und in Mitteldeutschland sind in der Kalk= und Zementindustrie schon einige Lohnbewegungen beendet worden. In den Verhandlungen ist es, und zwar inallen drei Bezirken, gelungen, für die Arbeiter eine Spitzenlohnerhöhung von 5 4 pro Stunde zu sichern. Bei der Zement- und Kalkindustrie Mitteldeutschlands ist der im vorigen Jahr vereinbarte Ausgleich für Verkürzung der Arbeitszeit bei den Zementarbeitern um einen weiteren Pfennig eryoht worden. Man sieht, die Arbeiterschaft der Grobkeramik hat sich durch die Drohung der Unternehmer mit Lohnabbau nicht einschüchtern lassen. Sie sieht auch den kommenden Verhandlungen mit der größten Ruhe entgegen. SVLVESTER SCHAFFER der Weltberühmte und LILLI KRUGER mit neuer amerikanischer Auss attung IM SALAMANDER Im Grosprogramm: EARRERA, das lachende Leben 3 Masons, Fxcentrik-Springer PETER PIET, der berühmte Komiket alfoNs und coco. über die Sie wirklich lachen werden spricht mit dem Bauch Anfang 8 Uhr. Kasse ab 11 Uhr. Gewöhnliche Preise BESUCHEN Sie unsere Sonntagnachmittag- Vorstellungen um 3½, Uhr. genau wie abends. Kleine Preise. Kinder 50 Plg. Das Weltstadt-Programm im UFA-PALAST 20 russische Künstler vom Moskauer Künstler-Theater sind eingetroffen, um die Wuppertaler 7 Tage lang mit der weltberühmten russischen Zwetnoff-Revue IbIU zu begeistern.— Von den prachtvollen Bühnenbildern erwähnen wir: Am heiligen Ouell I Fest im Dort 1 Schwarze Husaren Ferd. Winkelhane, Elberl., Uellendahlerstr.176 hält sich bei Zusicherung guter Speisen u. Getränke bestens emptohlen.— Elektrisches Pianino HLHAMBRN BARNEM. ALTERMARKT Wolgaschiffer Zigeunerlager Zu der großen Russen-Revue zeigen wir 2 besonders ausgewählte Filme: Anastasia“ 91 AUUIN IEULIEETTIE Der Lebensroman und das Schicksal der jüngsten Zarentochter. Wer ist Anastasia? Lebt Anastasia?— Oder ist Anastasia bei der furchtparen Tragödie umgekommen? John Gilbert/ Eleanor Boardman Der Film der 1000Abenteuer in 9Akten Ein Ausstattungstilm größten Formats 5000 Menschen und 300 Pferde wirken mit. Der Film der größten technischen Schwierigkeiten: Blutsbrüderschalt Ronala Colman als Fremdenlegionär Der spannendste Abenteurerfilm und das größte Kunstwerk. Berseant und Lesionär Der Sturm der Bedulnen 11 grandiose Akte aus der Hölle der Fremdenlegion. 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Thalla-Yhester Täglich 8 Uhr, Sonntags 7½ Uhr. Heute Freitag, den 1. März. zum letzten Male: Die Herzogin von Chikago Samstag, den 2. März. 8 Uhr. Sonntag 7½ Uhr: Neueinstudiert Schwarzwaldmädel Gastspiel Victor v. Schenck. Auftreten: Lotte Zara, Milena Pawlowna, Emmerich Müller-Marten, Franz Köchel, H. Polscher u. a Sonntag, den 3. März, nachm. 3½ Uhr: Schwarzwa dmädel. Ermäß. Preise. Mit unserm heute Freitag um 2.30 Uhr beginnenden großen Prachtspielplan bringen wir 2 Lustspiel-Greßfilme wie man sie eben nur bel uns sehen kann. die noch in bester Erinnerung stehende Hauptdarstellerin aus„Die Durchsängerin“ in dem neuen Aafa-Großsilm: Die Renublik derBacklilsche Was eine Handvoll Backtische doch nicht alles zusande bringen kann... 7 Akte zum Tränenlachen. Personenverzeichnis: Billie von Santen.... Käthe von Nagy Thomas von Santen.... Ernest van Ried John Enders.... Ernst Stahl-Nachbauer Robert Steffens....... Ernest Verne räulein Helmers..... Hermine Sterler Eva, ein Dienstmädchen.... Ruth Albu Ras-Ullah. E Senesch Tulipan.... Max Schreck Der Chefredakteur... Alexander Mursky Ein junger Mann..... Arthur Duarte Aunuhrungszelten: 2.30 5.15 8.05 Uhr. Hierzu unser zweiter Lustspielschlager: Heiratsfieber Ein entzückendes Lustspiel voll Laune und Humor, von der Bekehrung eines eingeschworenen Junggesellen. Personen der Handlung: Vincenz Jaromir, Graf v. Staßwiedel, Hans Junkermann Seppl Häusinger...... Fritz Kampers Loni Miersbacher...... Marla Paudler ledda Collani....... Vivian Gibson Alois Loibner...... Franz Kammaul Dr. Hüsing........ Hans Waldemar Der Förster. Otto Wögerer 3.50 6.35 9.20 Uhr. Hierzu bringt Der sprechende Film das neue Vobis-Sprechsilm-Programm: 1. Matrosentanz 2.„Sarobe Im Frack“ der berünmte Sänger von der Staatsoper Madrid 3. Paul Graetz ais Zeitungsjunge, Sprechsilmschwark Befführvagreiter: 1.50 6 13 9.90 Uhr. Kassenötfaung 2 Uhr Sonntag, vorm. 11 Uhr, in der Frühvorstellung: Der gesamte Splelplan Gaststätte Sauerzopf Elberteld, Bachstrasse 92. la holändische Seemuscheln täglich frisch. Ltr. Wickillor Pils.... 36 Ptg ½ Ltr. MIExport 32 Pfg. Vereinslokal des Gesangvereins„Gutenberg“ Freitag. den 1. März 1929. Seiloge der Freien Presse Nr. 51. März Es wird diesmal schwer fallen, eine März=Lokalspitze zu schreiben, ehne auf den Frühling, auf das Blüben, das Grünen und Erwachen der Natur feuilletonistisch einzugeben. Wetterpropheten prophezeiten, daß auch der März so kalt werden soll, wie der Februar war, daß der an mildes Klima gewöhnte Mitteleuropäer weiter eine sibirische Kälte erdulden und seine Hoffnungen auf frühlingswarmes Wetter aufgeben soll. Bei solchen Aussichten wirkt es deplaciert, zu schreiben, daß die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen hervorbreche, daß die Märzsonne locke, daß frischer Erdgeruck, über den Feldern liege, Anemonen glühen, der Star vergnügt schmatzt und der Birkhabn balzt. Diesmal ist es nichts mit der gewohnten Kalenderbezeichnung: Lenzmonat. Aber nie war die Sehnsucht nach dem Frübling, nach der wärmenden Sonne, nach dem Grünen und Blühen stärker, nie die schwere Last des harten Winters drückender getragen worden, nie wurde so gefroren, so hart die Kälte empfunden, wie in diesem Winer, und wenn nun in allen Menschen die starke, ja, fast überstarke Sehnsucht nach den warmen Märztagen durchbricht, so ist das nach den überstandenen Erlebnissen des überwundenen Winters 1928=29 mehr als begreiflich. Der März war ja immer ein eigenwilliger Geselle gewesen. Nie wußte man, wie er sich anläßt, ob er Trockenheit bringt, wie es die Bauern wünschen, ob er Regen, Sturm oder gar Schnee bringt, oder ob er gar milde lächelnd und sonnig schön daher kommt. Er ist wohl der offizielle Monat des Frühlingsanfanges, ober inoffiziell herrscht oft trotz kalendarischer Absetzung der Winter weiter. Ob er auch diesmal bis zur letzten Minute durchhält und uns um ein schönes Stück Frühling betrügt, weiter mit der winterlichen Eiseskälte regiert und an den April die Kälte unter Null weitergibt? Heute eine bange Frage, eine berechtigte Frage denn die Menschen wollen nicht nur vom Eise befreit sein, sondern mehr noch von einer riesigen Kohlenrechnung, die von Monat zu Monat größer wird und den Haushaltsetat überspannt. Tausende kamen schon gar nicht mehr mit und mußten in der bitteren sibirischen Kälte in ungeheizten Zimmern sitzen, denn woher sollten die Arbeitslosen, die Invaliden, die kleinen Rentner das Geld hernehmen für Kohlen und Hol? Nichts kann uns im März erwünschter sein, als wärmende Märzsonne, die Rückkehr der Zugvögel, das Blühen der kleinen weißen Gänseblümchen, das Fliegen und Summen der Bienen, das Singen des Stars, das Knospen und Sprießen im Garten und das Streichen der Schnepfen, denn dann wissen wir daß der Winter abgedankt hat, der Frühling nicht nur kalendermäßig, sendern auch wirklich mit seiner begingenden blühenden Pracht begonnen hat und die Menschen, die einen fürchterlichen Winter durchgemacht haben wieder sonnenfroh sein können. Hoffen wir, daß dieser Winter überwunden wird, so hoffen wir noch mehr auf die Ueberwindung politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedrückung und auf den Sieg des Märzgeistes, der in allen Menschen lebt und lebendig ist, die sich unterdrückt fühlen und sich nach Freiheit sehnen. Nach dem furchtbaren Winter ein sonnenklarer Frühling. Nach Bedrückung die Freiheit Kdr. Lindtar=Fahrrad Das Fahrrad des Arbeiters Gestern vormittag eröffnete das Lindcar=Fahrradwerk, Berlin=Lichtenrade(ein Unternehmen der freien Gewerkschaften), im Hause Berlinerstraße 78 in Elberfeld seine erste Niederlage für das Bergische Land. Aus diesem Anlaß hatte das Werk zu einer kleinen Eröffnungsfeier im Gewerkschaftshaus eingeladen, zu der fast alle für die Arbeiterbewegung wichtigen Körperschaften eingeladen waren. Der Berliner Betriebsleiter, Genosse Laser, begrüßte die erschienenen Gäste aufs herzlichste und gab sodann durch instruktive Ausführungen ein kleines Bild von dem Wesen, den Zielen und der Leiitungsfähigkeit der Lindcar=Werke, die der ADGB. in Verbindung mit der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten im Jahre 1927 erworben hat. Es werden täglich 700 Fahrräder hergestellt, für deren Absatz natürlich auch gesorgt werden muß. Diese Aufgabe haben die Niederlagen zu erfüllen, die im Westen bereits in Köln, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Bochum. Hagen usw. bestehen. Die Bergische Niederlage ist wohl die letzte des Westens. Trotz der für Fahrräder nicht gerade günftigen Geländeverhältnisse im Bergischen wird doch auf eine günstige Entwicklung auch der Bergischen Niederlage gehofft, weil der Sport immer mehr Anhänger findet und der Fahrradsport eine der sympathischsten und dem Körper nützlichsten Sportarten ist, der sich jede gesunde Arbeiterin und jeder gesunde Arbeiter hingeben sollte. Denn gerade für die Arbeiter will das Werk arbeiten. Deshalb auch die überaus günstigen Bezugsbedingungen. Die Fahrräder werden nuran Freiorganisierte abgegeben. Fremde, also außerhalb der Gewerkschaften Stehende, können nur gegen Kassa kaufen. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften hingegen erhalten Räder zu Vorzugspreisen ohne jedwede Anzahlungbeieiner Wochenrate von 3 Kunddreijähriger Garantie. Dabei handelt es sich, wovon sich gestern die Teilnehmer überzeugen konnten, um Qualitäts-Markenräder. Eine gute Entwicklung ist natürlich nur dann gesichert, wenn die freigewerkschaftliche Arbeiterschaft sich für ihr Unternehmen interessiert und es unterstützt. Bemerkenswert ist auch, daß die Elberfelder Niederlage jede Reparatur an Fahrrädern in eigener Werkstatt ausführt und alle Ersatzteile liefert. Besonderes Interesse fand die Mitteilung des Genossen Laser, daß die Fahrradfabrik„Frisch Auf“ in Offenbach a. M. (ein Unternehmen des Arbeiter=Radfahrer=Bundes„Solidarität“) mit dem Lindcar=Werk vereinigt worden ist, so daß auch dadurch die Leistungsfähigkeit der beiden Werke erheblich gesteigert werden konnte.— In den Glückwünschen, die den Ausführungen Lasers folgten, kam immer wieder zum Ausdruck, daß die Vertreter der Organisationen die Eröffnung der Bergischen Niederlage begrußzen und alles zur Unterstützung Erforderliche tun wollen Besonders der Vertreter des ADGB., Stadtv. Genosse Daum, betonte, daß der ADGB. die Erzeugnisse der Lindcar=Werke der Arbeiterschaft mit gutem Gewissen empfehlen könne.— Leiter der Bergischen Niederlage ist Dickmann. q. Betriebsrätewahlen Wir erinnern an den Aufruf der Bezirke sämtlicher Gewerkschaftsrichtungen von Rheinland=Westfalen=Lippe in Nr. 28 der Freien Presse vom 2. Februar und an unseren Aufruf in Nr. 38 der Freien Presse vom 14. Februar. Danach müssen die Betriebsrätewahlen für dieses Jahr in Angriff genommen sein, und zwar mit dem 25. des vorigen Monats. Es ist alles daranzusetzen, daß diese Wahlen nicht nur dasselbe Resultat zeitigen wie 1928, vielmehr muß das Ergebnis noch besser werden. Die freien Gewerkschaften sind in den Betriebsräten dominierend und müssen es für alle Zukunft bleiben. Dafür zu sorgen, ist Aufgabe jeden freigewerkschaftlichen Mitgliedes. Nochmals sei darauf aufmerksam gemacht, daß sämtliches Material(Wahlausschreiben, Vorschlagslisten und auch die notwendigen Auskünfte) im Sekretariat des ADGB. zu haben ist. Auch kann dieses durch die Gewerkschaftsleitungen für die Betriebsräte dort angefordert werden. Sekretariat des ADGB. im Sauerland Wintersportsonderzüge verkehren Samstag und Sonntag. Der amtliche Wetterbericht von den westdeutschen Wintersportplätzen lautet: Winterberg: Temperatur minus 10 Grad, 35—40 Zentimeter Schnee, 8 Zentimeter Neuschnee, Nordwestwind, Skibahn stellenweise verharscht und verweht. Sportmöglichkeit ziemlich gut. Willingen: Temperatur minus 8 Grad, 40—75 Schnee, 10 Zentimeter Neuschnee, Nordostwind. Skibahn sehr gut. Usseln: Temperatur minus 7 Grad, 30—40 Zentimeter Schnee, Östwind, bedeckter Himmel bei Pulverschnee. Sportmöglichkeit sehr gut. Meinerzhagen: Temperatur plus 2 Grad, 30 Zentimeter Schnee in den Höhenlagen, 2 Zentimeter Neuschnee, windstill. In Höhenlagen Skibahn gut. Erndtebrück: Temperatur minus 18 Grad, 30 Zentimeter Schnee, 5 Zentimeter Neuschnee, Nordwind. Skibahn sehr gut. * Stadttheater. Am Samstag, den 2. März, bringt das Stadttheaier Barmen um 17 Uhr als 6. Fremdenvorstellung im Samstag=Abonnement das Schauspier„hre von Sudermann. Sonntag, den 3. März, 20 Uhr. im Stadttheater Elberfeld: Gastspiel der russischen Tänzerin Kamara Karsawina mit ihrem Partner Keith Lester. Elberfeld, 1. März. Die Beisetzung der Urne Heinrich Stehrs erfolgt morgen, Samstag, den 2. März, 17 Uhr, auf dem lutherischen Friedhof am Brettchen. Da somit die Feier bei Kaul, Wiesenstraße 156, rechtzeitig beendet werden muß, seien alle Teilnehmer nochmals auf den punktlichen Beginn der Feier(16 Uhr) aufmerksam gemacht. Der Vorstand der SPD. Elberfeld. Weshalb kein Wasser? Das Presseamt der Stadt Elberfeld teilt uns mit: Nachdem am Mittwoch die Schwierigkeiten der Wasserbelieferung in der Südstadt behoben waren, traten plotzlich in der Pumpstation unglückliche Umstände ein, die eine neue vorübergehende Störung in der Belieferung der Städte Elberfeld und Vohwinkel zur Folge haben. Während von den drei Dampfkesseln einer zwecks Revision durch den Dampfkessel=Ueberwachungsverein außer Betrieb stand, entstand Mittwochnachmittag am zweiten Kesseln ein Rohrdefekt, der gegen Mitternacht beseitigt war. Donnerstag früh um 5 Uhr erlitt der Motor des neu aufgestellten Reserve=Maschinensatzes ebenfalls einen Defekt, so daß deshalb die Förderung von Haan zum Hochbehälter in Bolthausen erheblich eingeschränkt werden mußte. Da wegen der Rohrbrüche in Barmen in der letzten Woche die Wasserbehälter nur noch wenig Vorrat hatten, Barmen aber noch mit den Schwierigkeiten des letzten großen Rohrbruches zu kämpfen hat, infolgedessen also nur eine geringe Menge an Elberfeld zu liefern vermag, mußte am Donnerstag die Wasserlieferung in Elberfeld und Vohwinkel erheblich eingeschränkt werden, so daß die höhergelegenen Zonen stundenweise ohne Wasser waren. Alle verfügbaren Wasserwagen wurden eingesetzt. Es ist zu erwarten, daß Freitagvormittag, falls nicht besondere Umstände eintreten, die normale Belieferung wieder erfolgen kann. Anträge der sozialdemokratischen Fraktion. Zum Haushaltsplan der Stadt Elberfeld, der demnächst beraten wird, hat die sozialdemokratische Fraktion folgende Anträge gestellt: 1. Die Hauszinssteuer ist in voller Höhe zu erheben, wie sie von den Hausbesitzern von den Mietern eingezogen wird. Dieser Mehreingang an Steuern ist in voller Höhe für den Wohnungsbau zu verwenden. 2. Stadtverordneten=Versammlung beschließt: Reichsregierung und Reichstag werden ersucht, ein Gesetz zu erlassen, das den Gemeinden das Recht verleiht, Grundstücke zum Zwecke des Wohnungsbaues zu enteignen gegen Ersatz ihres Steuerwertes gemäß Einheitswertbescheid z. Zt. der Enteignung. 3. Der Stipendienfonds für bedürftige Studierende ist von 36 000 A im Vorjahre auf 45000 m in diesem Jahre zu erhöhen. 4. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein örtliches Erholungsheim für kinderreiche Mütter mit anschließendem Kindergarten zu errichten. 5. Zum Etat der Volksschulen wird beantragt: 1. In einem Zeitraum von 4 Jahren sind die sämtlichen alten, unhygienischen, unhandlichen und total verbrauchten Schulbänke in den Volksschulen Elberfelds durch moderne Schulbänke zu ersetzen. Es wird sich um 35—40 Volksschulen handeln, so daß pro Jahr höchstens 10 Schulen in Betracht kämen. Manche Klassen werden mit modernen Sitzen versehen sein, so daß pro Jahr rund 50 Klassen mit je 86 Sitzen (gleich 1800 Sitzen) in Betracht kommen. Es würden also bei einem Preis von je 25 M insgesamt 45 000 M in den Etat einzusetzen sein. 2. Statt der Wasserkranen mit Ausgußbecken in den Hausfluren der Volksschulen sind im Laufe von fünf Jahren sämtliche Volksschulklassen Elberfelds mit fließendem Wasser zu versehen. Der moderne Zeichenunterricht, das Formen und Kneten in Sand, Ton, Plastiken, das Turnen auf Wiese und Fußboden, das Ausschneiden, Basteln und überhaupt die Betonung der Handbetätigung verlangen gebieterisch die Anlage von Waschmöglichkeiten für Kinder und Lehrer. 8. Die Klosettverhältnisse in den älteren Volksschulen sind derart, daß sie unvedingt modernisiert werden müssen. Die Schulverwaltung wird beauftragt, einen Plan vorzulegen, nach welchem die Arbeiten erfolgen sollen. 4. Es ist ein Betrag von 10000 M in den Etat einzusetzen für die Ausschmückung der Volksschulen mit Bildern, Plastiken, Photographien usw. Die Nüchternheit und trostlose Oede mancher Volksschulflure und Volksschulklassen muß in etwa behoben werden. Die Bilder usw. sind zentral zu beschaffen und zu verteilen. Ihre Auswahl bei der Beschaffung und ihre Verteilung auf die Schulen geschieht durch einen von der Stadtverordneten=Versammlung zu wählenden Ausschuß. 5. Jede Volksschule ist im Laufe von drei Jahren mit einer Radio=Anlage und der Möglichkeit, den Kindern gute Radio=Uebertragungen zugängig zu machen, zu versehen. 6. Die Welthilfssprache Esperanto hat sich allmählich solches Ansehen verschafft, daß es an der Zeit erscheint, den Kindern des arbeitenden Volkes die Möglichkeit der Erlernung in der Volksschule zu geben, damit sie sich wenigstens mit Hilfe dieser Kunstsprache mit Esveranto sprechenden Menschen des Auslandes verständigen können. Soll der Unterricht Erfolg haben, muß er obligatorisch gestaltet werden. Es sind also eine Anzahl Lehrer, die diesem internationalen Verständigungsmittel Interesse entgegenbringen, vom übrigen Unterricht nach Bedarf zu befreien und mit dem Unterricht in Esperanto in den verschiedenen Volksschulen, besonders der Arbeiterbezirke, in denen der Uebergang aus der Volksschule zur höheren und Mittelschule verhältnismäßig gering ist, zu betrauen. 7. Die Volksschulen Elberfelds entbehren seit langem für ihre Schulfeste, Ausflüge usw. der Schülerkapellen. Es sind in den Etat Mittel einzusetzen, um für die Volksschulen zunachst zwei solcher Schülerkapellen einzurichten, die man dann zweckmäßig den konfessionellen und weltlichen Schulen zuteilt. 6. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Errichtung eines Ledigenheims für männliche Personen vorzunehmen und in diesem Jahre die Ausführung des Projektes herbeizuführen. ÜBERGANGS-MIMNTEL FUR DAMEN MODERNEN IN WUNDERVOLLEN NEUEN STOFFEN UND APARTEN FARBEN. FORMEN MANTEL in modernen Karos mit Herrenbesätzen und K’seiden-Sattel MANTEL Engl. Art, flotte Form, ganz auf K’Duchesse, angeschnittone Belege........... 9090 55 00 MANTEL Engl. Art, gauz auf Crepe de chine, eine besondero Leistung MANTEL beste Qualität, fein gemustert. angeschnittene Belege, ganz auf K’Duchesse.... 300 65 00 Barmen, 1. März. 7. Der freie Platz in der oberen Vogelsauerstraße ist ähnlich wie der Weidenplatz mit Grünanlagen und Bänken zu versehen. 8 Zur Abteilung I Betriebsverwaltung, Abschnitt 5: Schlachtund Viehhof, wird beantragt: 1. Infolge der ständig zunehmenden Schlachtungen entspricht die Schweineschlacht=Halle nicht mehr den heutig Verhältnissen. Es sind deshalb im neuen Etatsjahr die noiwendigen Mittel bereitzustellen, damit der Erweiterungsbau der Schweineschlachthalle endlich vorgenommen werden kann. 2. Die Vorkühlräume für Großvieh und auch für Schweine entsprechen noch immer nicht den notwendigen Verhältnissen, da in diesen auch die Engros=Schlachter untergebracht sind. Es wird deshalb beantragt, eine besondere Fleischverkaufshalle für Engros=Schlächter zu errichten. Die notwendigen Mittel sind im kommenden Etatsjahr bereitzustellen 9. Kleine Anfrage: Wie hoch sind die Kosten, die der Stadt durch die Durchführung des Schundgesetzes bisher entstanden sind? Für welche Zwecke sind die Mittel verwandt worden? Geordneter Badebetrieb in der Badeanstalt am Brausenwerth. Wir erhielten folgendes Schlußwort: Es war vorauszusehen, daß von srortlich interessierter Seite die kritisierten Zustände im Herrenschwimmbad entschuldigt werden würden, wie ja Sportler leicht geneigt sind, alles zu entschuldigen, was mit Sport zusammenhängt, auch wenn es sich um Auswüchse handelt. Fußballenthusiasten würden es schließlich noch fertigbringen, das von mir im vergangenen Sommer oft beobachtete wilde Fußballspielen auf den Plätzen vor dem„Bergischen Haus“(Hardt) und dem Bismarckturm, wodurch den Spaziergängern ein gefahrluses Passieren der Plätze nicht möglich ist zu beschönigen. Herrn Franz Dahmen möchte ich auf seinen Artikel folgendes erwidern: Man kann die geschilderten Zuitände von einer Seite aus beleuchten wie man will, es ist m. E. aber mit einem geordneten Badebetrieb nicht zu vereinbaren, wenn während der allgemeinen Badezeit zwei(1) Schwimmvereine ihre Mitglieder trainieren lassen. Es mag stimmen daß zu wenig Badeanstalten da sind, aber ich muß mich auf das entschiedenste„dagegen verwahren. menn aus diesem Grunde den Badegästen zugemutet wird, die Trainingsmannschaften von zwei Schwimmpereinen unter sich zu dulden. Herr D. glaubt. bintcr meinem benutzten Ausdruck „Mißstände“ ein Fragezeichen machen zu müssen, ich halte meine Behauptung aber auch heute noc voll und ganz aufrecht. Wenn, wie Herr Dahmen schreibt, lich die Veteinsmitglieder nur auf jeder Seite des Bassins in der Zeit von 18.15 bis 19.35 Uhr aufhielten, so daß also die Mitte des Teiches für die anderen Badegäste frei wäre, dann würde hierin niemand etwas Anstößiges finden und auch ich keinen„geharnischten Artikel“ losgelassen haben. Daß dies aber nicht ganz ttimmt die erwähnten Schwimmer vielmehr in der Regel den größten Teil des Teiches für ihr Training einnehmen und wie blind dahinschießen lauch diese Behauptung halte ich aufrecht), wird mir jeder bestätigen, der bisher Montagabends das Herrenschwimmbad besuchte und den Badebetrieb objektiv heurteilt. Der vergangene Montag beweist, daß mein Artikel von der Badeleitung beachtet worden ist, denn die von mir erwähnten Mißstände waren tatsächlich beseitigt, und man konnte von einem geordneten Badebetrieb reden Herr D. fragt, wie ich mir einen geordneten Badebetrieb dächte Ich glaubte mir das schenken zu dürfen, da ich annehme, daß jeder vernünftige Mensch weiß, wie er sich in einer öffentlichen Badeanstalt zu benehmen hat. Ein rücksichtsloses Rekordschwimmen, wie ich und mehrere andere es gesehen haben, gehört natürlich nicht zum geordneten Badebetrieb. Es ist bedauerlich, daß Elberfeld zu wenig Badeanstalten hat, aber das gibtt den Elberfelder Schwimmvereinen noch immer nicht das Recht, nun in der allgemeinen Badezeit ihre Mitglieder trainieren zu lassen. Vielleicht ist es der Badeleitung möglich, den Schwimmvereinen die Babeanstalt abends etwas länger als bisher zur Verfügung zu stellen, und wäre dann den Vereinen, wie auch den übrigen Badegästen geholfen. Ich hoffe bestimmt, daß die Badeleitung weiter für einen geordneten Badebetrieb. wie er am vergangenen Montag möglich war, bemübt bleibt. H. L. c. Elberfeld und der Bergische Verkehrsverband. Vor einigen Tagen war eine Besprechung des nunmehrigen Oberbürgermeisters von Heidelberg und früheren Beigeordneten der Stadt Barmen, Dr. Neinhaus, im Elberfelder Rathaus. In Frage stand der Austritt der Stadt Elberfeld aus dem Bergischen Verkehrsverband. Die Verhandlungen sollen einen Verlauf genommen haben, der es wahrscheinlich erscheinen läßt, daß eine Einigung gefunden wird. Man denkt hierbei etwa an einen abwechselnd von Barmen und Elberfeld zu führenden ersten Vorsitz im Verband. d. c. Tödlicher Unfall im Wohlfahrtsamt. Im Keller des Wohlfahrtsamtes. Aue 45, fand gestern morgen der Heizer den 50 Jahre alten Hausmeister Wilmes mit Kopfwunden und tot am Boden liegend vor. W. ist wahrscheinlich die Treppe hinuntergestürzt und dabei mit dem Kopf auf den Boden geschlagen. Der Verunglückte ist verheiratet und hat zwei Kinder. c. Eingebrochen wurde in der vergangenen Nacht in dem Tamen= und Herren=Modeartikelgeschäft von Kreis u. Sieper. am Döppersberg. Die Diebe öffneten das Tür= und Sicherheitsschloß. drangen in das Geschäftslokal ein und entwendeten für etwa 800 Mark Waren. Die in der Kasse befindlichen 20 A ließen sie liegen. Der Schaden ist nicht durch Versicherung gedeckt. hö. é. Ueberraschter Einbrecher. Ein Anwohner der Tiergartenstraße versuchte in eine Fahrrad=Reparaturwerkstelle in der Simonsstraße einzubrechen. Ehe er sein Vorhaben ausführen konnte, wurde er überrascht und festgenommen. e. Thalia=Theater. Morgen„Das Schwarzwaldmade!“. In den Hauptrollen: die Tamen Pawlona, Narenta, Waldhoff und die Herren Viktor v. Schenck als Gast(Domkapellmeister), Müller=Marten, Kochel, Polscher, Reicher. Spielleitung Fritz Petzold, musikalische Leitung FuchsMartin. o. Der Salamander setzt seine Sensationsgastspiele fort und bringt vom 1. bis 15. März den weltberühmten Sylvester Schaeffer mit seiner Partnerin. die entzückende Lilli Krüger. Sylvester Schaeffer arbeitet mit neuer amerikanischer Ausstattung glänzenden Stils, die seiner vielseitigen Künstlerschaft den vornehmen Rabmen gibt. Im Großprogramm stellen sich vor: Carrera, das lachende Leben. Drei Masons, exzentrische Springer, Peter Piet, der berühmte Komiker, Alfons u Coco, über die man wirklich lacht. Dolfini, hervorragender Bauchredner.— Sonntagnachmittag dieselbe Vorstellung wie abends zu kleinen Preisen.(Siebe Anzeige.) Ruwo Die Reichs=Unfallverhütungs=Woche mahnt mit ihren Plakaten „Helft Unfälle verhüten". Die Mahnung ist sehr am Platze, wenn man die Treppe besieht, die sich in Verlängerung des Heubruchs befindet und über die Rheinische Bahn nach der Falkenstraße führt Diese Treppe, die sehr viel begangen wird, ist in einem miserablen Zustande, der dazu angetan ist, Unfälle zu veranlassen. Die Stufen weisen Fugen auf bis zu fünf Zentimeter. Teilweise sir ganze Stücke herausgebrochen. Auf einem weiteren Plakat der Ruwo ist zu sehen, wie eine Frau mit dem spitzen Absatz an der Treppe hängen bleibt und zu Fall kommt. Dieser Unfall kann sich sehr leicht auf dieser Treppe ereignen, wenn jemand mit dem Absatz in den Fugen hängen bleibt. Es ist die höchste Zeit, daß hier eine gründliche Instandsetzung vorgenommen wird, ehe ein derartiger Unfall vorkommt. Deshalb nochmals:„Helfet Unfälle verhüten!“ b. Das seltene Fest einer 45jährigen Ehe feiern heute die Eheleute Karl Keuth, Tannenstraße 122. Hierzu entbieten wir unserm langjährigen Leserpaare die herzlichsten Glückwünsche und geben der Hoffnung Ausdruck, daß das Jubelpaar auch die„Goldene“ in voller Gesundheit feiern möge h. Volkshochschulgemeinde. Am Montag, den 4. März, 20 Uhr, spricht in der Aula des Realgymnasiums. Sedanstraße Dr. Fritz Klatt, der Leiter des Volkshochschulheims in Prerow an der Ostsee, über„Die sexuelle Zeitfrage". Fritz Klatt ist wohl zuerst durch seine(bei Eng. Diederichs. Jena, in mehrfacher Auflage erschienene)„Schöpferische Pause“ bekannt geworden und RUWo Reichs-Unfallverhütungs-Woche 24. Februar bis 3. März. Helft Unfälle verhüten! Gü mo Sgoibfolt oonnonune fohaens Unfallverhütung im Haushalt. Ueber dieses Thema wird Herr Dr. Simsa im Rahmen der Ruwo am Freitag, den 1. März d. J., 20 Uhr, im Voltssaal Langerfeld, Kohlenstraße, einen Lichtbildervortrag halten. Eintritt ist frei. hat in einer Reihe von Schriften(„Ja. Nein und Trotzdem“, „Das Gegenspiel“) und vielen Aufsätzen(„Die Würde der Gemeinschaft“.„Sinn und Bedeutung der Jugendbewegung“ u a.) hauptsachlich Fragen der Erziehung behandelt. Er gehört der Generation an, die durch Jugendbewegung und Krieg hindurchging und ist einer der führenden Pädagogen unserer Zeit. Eintritt 30 J. b. Die Fachabteilung für Dekorationsmalerei der Barmer Kunstgewerbeschule stellt ihre Semesterarbeiten im Lichthof und in der Lehrwerkstatt der Abteilung aus. Beginn Sonntag, 8. März Gezeigt werden: Natur= und Aktstudien, Entwürfe dekorativer Malerei und Ausführungen. Die Ausstellung ist bis nach den Osterferien geöffnet, und zwar werktaglich von 9—19 und sonntäglich von 9—13 Uhr. v. Kunstgewerbe= und Handwerkerschule Barmen Am 4., 5., 7. und* März, von 18—20 Uhr, erfolgt die Aufnahme der Tagesund Abendschüler für das Sommersemester 1929. Naheres ist im Geschäftszimmer der Schule zu erfahren.(Fernsprecher St. 2549. b. Rur krevofeste Kartoffeln dürfen gepflanzt werden! Es wird nochmals daran erinnert, daß im Stadtkreis Barmen nur solche Kartoffeln angebaut werden dürfen die durch die Landwirtschaftskammern und die Pflanzenschutzstellen als krebsfest bezeichnet sind: hierzu gebören Julinieren und Preusen=Modrow Nach der polizeilichen Anordnung vom 10. 2. 28 sind die Kartoffelhändler rerpflichtet, dem Abnehmer eine Bescheinigung zu erteilen, aus der die Menge. die Krebsfestigkeit der Kartoffeln, die Sorte, sowie die Stelle bervorgehen muß, die das Pflanzgut als krebsfest anerkannt hat. Die Bescheinigung mun von dem Lieferer unterschrieben sein. Die Inhaber der Klein= und Hausgärten, die Kartoffeln pflanzen, müssen die genannte Bescheinigung aufbewahren und den Polizeibeamten auf Verlangen vorzeigen. Zuwiderhandlungen werden streng bestraft b. Zuchthaus für Sittilchkeitsverbrechen. Weil er sich an Kindern unter 14 Jahren unsittlich vergangen hatte, wurde der Elektromeister August Grote aus Burmen nach nichtöffentlicher Verhandlung unter sofortiger Verhaftung zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt Außerdem wurde auf 3 Jahre Ehrverlust erkannt. b. Brände. Am 27. Februar um 19.05 Uhr entstand Westkotterstraße 6 ein Dachstuhlbrand. Der Schaden beläuft sich auf etwa 500 A und ist durch Versicherung gedeckt. Die Feuerwehr hat den Brand nach halbstündiger Tätigkeit gelöscht Brandursache ist unbekannt.— Gegen 19.15 Uhr brach in der Dickmannstraße 15 ein (feurohr= und Schornsteinbrand aus. Das Feuer wurde von der Berufsfeuerwehr im Keime erstickt. Sachschaden ist nicht entstanden. Der Brand ist auf Selbstentzündung zurückzuführen.— Um 20.10 Uhr brach in dem Hause Klingelhollstraße Ecke Flötenstraße ein Schornsteinbrand aus Die hinzugerufene Feuerwehr brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu treten, da die Hausbewohner das Feuer bereits gelöscht hatten. Sachschaden ist nicht entstanden. Der Brand ist durch Selbstentzündung im Kamin entstanden. b. Festnahme eines Sittlichkeitsverbrecherd. In letzter Zeit wurden wiederholt kleine Kinder von einem Manne in Keller der Häuser am Steinweg gelockt. wo er unsittliche Handlungen an ihnen vornahm. Jetzt ist es gelungen, den Täter zu ermitteln und festzunebmen. Es ist ein 20jähriger Anwohner der Leimbacherstraße. Bister konnten ihm drei solcher Fälle einwandfrei nachgewiesen werden. b. Einem Gast wurde in einem hiesigen Bierlokal ein beigefarbiger Velourhut entwendet. Sachdienliche Angaben erbittet die Kriminalpolizei. b. Einbruch in einen Vertaufsladen der Konsumgenossenschaft „Vorwärts Beficiung“. In voriger Nacht wurde eine Schaufensterscheibe eines Metzgerladens der Genossenschaft in der oberen Westkotterstraße zertrümmert. Eniwendet wurden, soweit bis heute morgen bekannt war, einige Schinken. Von den Tätern fehn jede Spur. Von Anwohnern wird behauptet, daß die Einbrecher im Auto abfuhren h. Kinder=Sterbekasse„Kinderliebe“, gegründet 1878. Laut Inserat in der heutigen Ausgabe erfolgt morgen, Samstag, von 6—19 Uhr, im Kassenlokal Wilhelm Homberz, Sedanstr. 39, Auflage und Aufnahme neuer Mitglieder. Aufgenommen werden gesunde Kinder von ½ his 14 Jahren. Beitrag 20 J vierwöchentlich. Sterbegeld 150, 2000, 250, 300 A je nach Alter Jungsozialisten am Einladuna Zu der am 3. März, Punkt 10 Uhr, in der Wirtschaft Steven in Opladen, Altstadtstraße, beginnenden Gautonferenz laden wir hiermit die Jungsozialisten ein. Die Tagesordnung lautet: 1. Jahresbericht der Gauleitung. Berichterstatter: Genosse Paul Götz. 2. Wahl der Gauleitung. 3 Tiganisatorisches. 4. Vortrag.„Sozialdemokratie und Wehrfrage". Referentin: Genosse Blank, Remscheid. 5. Aussprache. Gäste werden, soweit sie sich als Parteigenossen ausweisen können, zugelassen. Die Gauleitung. Sozioldemokratische Partei Wülfrath. Samstag, den 2. März, 20 Uhr, bei Knabach, Kaiser=Wilhelmstraße: Wichtige Mitgliederversammlung. 1. Vortrag des Genossen Christmann über:„Partei und Reichsbanner“. 2. Parteiangelegenhetien. Es ist Pflicht aller Mitglieder, in dieser wichtigen Versammlung zu erscheinen. Langenberg. Samstag. den 2. März. 20 Uhr, im Bürgerhaus=Keller: Wichtige Mitgliederversammlung. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung müssen alle Mitglieder erscheinen. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Kreis 11. Musikkapellen Barmen und Elverfeld. Sonntag, den 3. März, 9 Uhr, in der„Bornssia“: Gemeinsame Probe. Die Elberfelder Kameraden fahren am besten mit der Tolbahn bis Altermarkt oder mit der Schwebebahn bis Ratdausbrücke J. A.: vom Scheidt. Elverseld Jungbanner: Die Hohscheid=Fahrer treffen sich am Samstag, den 2. März, Punkt 18 Uhr, Ecke Oststraße und Kleeblatt. Sozialistische Arbeiter=Zugend Barmen. Genosse W. Wegmann fuhrt Östern eine viertägige Fahrt durch den Teutoburger Wald. Unkosten etwa 8—9 M. Schlußtermin für Anmeldungen Sonntag, den 3. März. Belbert. Sonntag, den 2. März, 20 Uhr, beim Kameraden E. Becker, Oststraße: Versammlung. Erscheinen aller ist Pflicht Kinderfreunde Elberfeld Gruppe Süd triff: sich am Samstag nicht um 15 Uhr, sondern bereits um 14.45 Uhr am Brausenwerth. Freundschaft' Der Vorstand. Gruppe Sst. Die Roten und Jungfalken treffen sich Samstag, den 2 März, schon um 14.30 Uhr im Jugendheim, da wir noch vorher etwas zu regeln haben. Ihr müßt alle 10% mitbringen. Freundschaft! Karl. Verantwortlich für Politik: Dr. A Dang=Elberfeld; für Lokales Elberfeld=Barmen: Emil Quitzan Elberfeld. für Gewerkschaftliches. Genossenschaftliches Aus aller Welt. LennepRemscheid=Mettmann. Kunst und Sport und den unterhaltenden Leil Oskar Hoffmann Elberfeld, für den Inseratenteil Friedrich Hend Eiberfeld.— Rotationsdruck und Verlag: Verlagsinstalt Freie Presse Molkenbuhr u Ko Elberteld Sport-Beilage der Freien Presse m nan Fußball-Vorschau für Sonn'ao, den 3. März 1929 Wiederum erleben wir einen starken Kälterückschlag, der wahrlich nicht die besten Hoffnungen für den kommenden Spielsonntag aufkommen läßt. Es bleibt daher noch fraglich, ob es den einzelnen Vereinen noch möglich ist, ihren Mannschaften am letzten Sonntag vor Beginn der Serienspiele noch den nötigen Schliff zu verschaffen. Sei dem, wie es sei, man wird es halt versuchen, und zudem könnte es über Nacht vielleicht doch noch eine Aenderung geben Angesagt ind folgende Kämpfe: Barmen 1896 gegen Elberfeld 1912 Eines der größten Treffen kommt zwischen obigen Partnern im Bergischen Stadion Barmen zum Austrag. Die vorzügliche Klasse der Elberfelder Gäste ist reichlich bekannt und wäre über ihre Stärke kaum noch ein Wort zu verlieren Die Wer, die ohne Zu eifel bedeutend an Spielstärke gewonnen haben finden hier Gelegenheit, ihre augenblickliche Kraft zu prüfen Mit Sicherheit darf man ein erstklassiges Treffen erwarken, das bei dem guten Ruf beider Vereine seine Anziehungskraft nicht verfehlen dürfte. Anstoß 16 Uhr, vorber 2. Mannschaften Elberfeld=Ost gegen T u S Wattenscheid Auf dem Opphof in Elberfeld empfängt Ost einen der tüchtigsten Vertreter aus dem 12 Bezirk zum Propagandaspiel. Die Gäste waren zumeist Spitzenführer ihrer Gruppe und spielen sie einen Fußball, der sich sehen lassen kann. Beim derzeitigen Hinspiel unterlag Ost mit dem knappsten der Ergebnisse, ein Beweis mit auch für ihr gutes Können Es wird zweifellos zu einem erstklassigen Werbespiel kommen, das bis zum Ende fesselnde Kraft haben dürfte. Anspiel 15.15 Uhr, vorher 2 Mannschaften Bgg. Ronsdorf gegen Fr. T. Elberfeld Zwei altbekannte befreundete Gegner stehen sich hier auf dem Sportplatz an der Reinsbagenstraße gegenüber Stets lieferten sich diese Partner einen hervorragenden Kampf, der bald diese bald jene Partei im Vorteil sah Spielerisch wohl gleich tark zu bewerten, wird auch diesmal ein abwechslungsreiches, spannendes Spiel gewärtig sein, bei welchem das Ende nicht abzusehen ist Spielbeginn 15 Uhr, vorher 2 Mannschaften Bgg. Langerfeld gegen Milspe=Strückerberg An der Wiesenstraße in Langerfeld empfängt die Sp Vag einen der Gruppensieger aus dem Hagener Bezirk, der in den letzten Kämpfen um den Bezirksmeister eine sehr gute Rolle spielte, konnte er doch im Endspiel nur schwer von den bekannten Hagen=Delstern bezwungen werden, womit das Können der Gäste genügend beleuchtet sein dürfte. Die Langerfelder haben also einen schweren Stond, doch darf man ihrerseits nach den letzten Leistungen eine gute Partie erwarten. Spielbeginn 15 Uhr, vorher 2. Mannschaften. T. u. S. Sprockhövel gegen Düsseldorf=Eller=Freiheit An der Mühlenstraße in Sprockhövel erwartet man einen neuerdings gut aufgekommenen Vertreter des 7. Bezirks zu Besuch. Die noch junge Gästeelf hat seit der kurzen Zeit ihres Bestehens bedeutende Fortschritte gemacht und wird den Hiesigen jedenfalls kein schlechter Gegner sein, wenngleich es ihnen schwer fallen dürfte, den in guter Verfassung befindlichen Sprockhövelern auf heimischem Gelände den Sieg zu nehmen. Anfang 15 15 Uhr. Bohwinkel gegen Heiligenhaus Obige Vereine treffen sich auf dem Sportplatz an der Roonstraße in Vohwinkel. Vohwinkel, einer der Neulinge des Bezirks, weist in seinen Reihen recht gutes Spielermaterial auf und machte den tüchtigsten Gegner schwer zu schaffen. Die Heiligenhauser müssen schon, obgleich sie eine gut eingespielte Elf stellen, mit einer guten Leistung aufwarten, wenn der Sieg ihnen verbleiben soll Wir erhoffen ein gleichartiges Spiel mit unbestimmtem Ausgang Spielanfang 15 Uhr, vorher 2 Mannschaften F. C. Mettmann gegen Elberfeld=Uellenbahl Am Stadtgarten in Mettmann geben sich vorstehende Partner ein Stelldichein. Die wieder stark aufstrebenden Mettmanner werden in den Elberfeldern den rechten Gegner haben, der ihnen kaum etwas nachgeben wird, so daß ein abwechslungsreiches Kampfspiel herauskommen wird, dessen Ende noch durchaus offen liegt. Anspiel 15 Uhr Barmen=Leimbach gegen V. f. B. Sonnborn Am gelben Sprung Barmen=Hatzfeld stehen sich zwei der aussichtsreichsten Mannschaften der 2. Klasse für die kommende Serie gegenüber. Die Leimbacher bewiesen ihr Können unlängst gegen beste hiesige und auswärtige Klasse, Sonnborn bekundete ebenfalls gegen bekannt gute Gegner recht beachtliches Können. Wir dürfen also auf den Ausgang des Kampfes recht gespannt sein. Anstoß 15 Uhr, vorher 2. Mannschaften. Sportfreunde Elberfeld gegen Elberfeld=West Auf dem Schützenplatz an der Uellendahlerstraße stehen sich obige Ortsvereine im friedlichen Wettkampf gegenüber Die Sportfreunde zeigten wohl gute Besserung, doch bleibt es sehr fraglich, ob sie dem Bruder aus der 1 Klasse ein Gleiches entgegensetzen können, jedenfalls werden sie sich tapfer ihrer Haut wehren und nach gutem Kampf geschlagen bekennen. Spielbeginn 15 Uhr vorher 2. Mannschaften. Achtung. Kreistaa der Fußballer Ich benörige für die Nacht vom 2 zum 3. März für zirka zuanzig Delegierte Schlafgelegenheit. Ich bitte daher alle Elberfelder Sportgenossen und Freunde unserer Bewegung, die einem Genossen für eine Nacht Quartier geben können, dieses bis Samstag. 18 Uhr, im Sportheim, Klotzbahn 5, unter Angabe seines Namens und der Wohnung zu melden. Zuteilung erfolgt bis 23 Uhr. Bundesfußballeitung. J. A.: Fr. Dreßler, Elberfeld. Achtung, Schiedsrichter! Am Samstag, den 2. März, findet im Sportheim Elberfeld eine außerordentliche Versammlung statt, zu der alle Schiedsrichter und Kursisten erscheinen müssen. Anfang 18 Uhr. Vereine, die fehlen, werden mit den üblichen Strafen belegt. Tagesordnung: Serie 1929, Jerschiedenes Alle Schiedsrichterausweise müssen zwecks Abstempelung mitgebracht werden. Kursisten, die geprüft worden sind, müssen ein Lichtbild mitbringen zwecks Ausstellung des Schiedsrichterausweises. Schiedsrichtervereinigung. Nonnengesser, Obmann. Die Flut iteigt immer noch Bis zum 14 Februar wurden bei der Bundesfestleitung in Leipzig 60 700 Vormeldungen zur Teilnahme am 2 Bundesfest in Nürnberg abgegeben Diese Zahl hat sich bis zum 22. Februar erhöhi auf 64 820 Zurzeit herrscht Arbeitslosigkeit, und die Arbeiterfomilien leiden unter der Not des anhaltenden Winters. Wenn sich jetzt trotzdem schon an die 65000 für Nürnberg verpflichteten, ist das ein sicheres Zeichen dafür, daß mit Eintritt der warmen Jahreszeit und der mit ihr verbundenen froheren Stimmung die Meldeziffer noch beträchtlich steigen wird. Die Sozialistische Arbeiter=Sport=Internationale ruft nach Nürnberg Die SASJ. hat an ihre Landesverbände nachstehenden Aufruf erlassen: Der Deutsche Arbeiter=Turn= und Sportbund hat für den 18 bis 21. Juli 1929 sein 2. Arbeiter=Turn= und Sportfest ausgeschrieben und die Länder der Sozialistischen Arbeiter=SportInternationale hierzu eingeladen. Das Bureau der SASJ. hält es für äußerst wertvoll, wenn die einzelnen Länder von dieser Einladung Gebrauch machen und dadurch das Nürnberger Fest auch zu einer eindrucksvollen internationalen Kundgebung der proletarischen Massensportbewegung machen und erwartet, daß die einzelnen Landesleitungen für ihre aktiven Mitglieder am Nürnberger Fest die Teilnahme organisieren. Den herrlichen Manifestationen proletarischer Körperkultur von Leipzig. Frankfurt, Wien und Prag wird sich in imposanter Weise Nürnberg hinzugesellen und so eine herrliche Probe unserer Kraft geben und dadurch zu einem imposanten Auftakt für das 2. Olympia 1931 in Wien werden. Auf nach Nürnberg zur nächsten Massenkundgebung der Sozialistischen Arbeiter=Sport=Internationale! Die 2. Festschrift ein Prachtwerk Heft 2 der Festschrift für das 2. Bundesfest vom 18. bis 21. Juli in Nürnberg ist im Arbeiler=Turnverlag, Leipzig S. 3. Fichtestr 86. erschienen. Fand schon die erste Ausgabe in allen ihren Teilen vollste Anerkennung und wird jetzt noch reißend verlangt, so wird sie doch von der zweiten Ausgabe übertroffen. Sie ist vornehmlich der schönen und sehenswürdigen Stadt Nürnberg gewidmet. Der Umschlag aus Kunstdruckpapier, mit einem mehrfarbigen malerischen Burgbild, der Innendruck rotbrann gehalten, mit prächtigen Aufnahmen alter weltbekannter Bauten kurze und interessante Abbaudlungen dazu. Der Stadionbau kommt in Wort und Bild zur Geltung. Das Bundesjugendtreffen in Nürnberg behandelt der Bundesjugendleiter O. Drees=Bremen mit begeisternden Worten In sinnvollen Gedichten wird das Bundesfest und die Stadt Nürnberg gefeiert. Einen besonderen Wert erhält diese Festschrift dadurch, daß ihr eine vollständige Rangliste vom Bundeswintersportfest in Johanngeorgenstadt beiliegt. Alles in allem: Sie ist ein Prechtnerk! Was nicht unterstützt wird. Auf eigene Faust versuchen, in Nürnberg unterzukommen, ist ein das Fest schädigendes Beginnen. Nürnberger Arbeitersportler Vercine und Funktionäre erhielten auf Grund von Bekanntschaften aus dem Reiche Bitten, für die Festtage Quartiere zu besorgen. Sie sind gehalten, solche Bitten abzuschlagen. Die organisatorisch reibungslose Abwicklung eines Riesenfestes, wie es das 2 Bundesfest werden wird, verlangt Uebersicht der Ausschüsse bis in das Kleinste Sämtliche Anliegen müssen daher an die zuständigen Ausschüsse gerichtet werden. Wer auf eigene Hand etwas unternimmt, muß damit rechnen, keine Unterstützung zu erhalten. Das Festspiel von Nürnberg Einen besonderen Höhepunkt ähnlich dem des 1. ArbeiterOlympia in Franksurt a. M. 1925, soll das 2. Bundesfest vom 18 bis 21. Juli durch ein Festspiel am Festsamstagabend erhalten. Träger des Festspieles wird die Bundesjugend sein. Da von der Leipziger Arbeitersportlerjugend die Anregung zu einem solchen ausging, hat sie auch die Aufgabe der Gestaltung dieser Veranstaltung übernommen. Bundesvorstand und Bundesjugendausschuß sind einem vorgelegten Entwurf beigetreten, der einen sprech- und bewegungschorischen Kampf einer jugendlichen Sturmtruppe mit den verschiedensten Arten versklavter Menschen darstellt. Die Aufführung ist in einer Form vorgesehen, durch die“h 10000 Jugendliche am Gelingen des Festspiels beteiligen kör en. Auswahlmannschaften in Nürnberg Tie Fußballeitung des Kreises Thüringen im Arbeiter=Turnund Sportbund beschloß, zur Aufstellung einer recht spielstarken Kreismannschaft für das 2. Bundesfest vom 18. bis 21. Juli Auswahlspiele durchzuführen Die Handballspielleitung des Kreises Berlin=Brandenburg im Arbeiter=Turn= und Sportbund beschäftigt sich gegenwärtig mit dem Vorschlag, für Nürnbera je eine Kreismannschaft für Handball und Hockey zusammenzustellen. Kartell der Arbetterivortvereine e. B.. Elberteid. Die Vorstände- und Delegiertenkonferenz, die am letzten Montag im Sportheim“ stattfand, war von allen Vereinen besucht Abermals stand das Unternehmen„Sportheim“ zur Ausspräche. Allgemein war man der Meinung, daß die H.Kommission und der Vorstand zu aller Zufriedenheit die erforderlichen Arbeiten erledigt haben. Dem Gesamtvorstand und der S.=K. wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die aus der H.=K durch Los ausscheidenden Mitglieder G. Borgmann und K. Grünewaider wurden einstimmig wiedergewählt, an Stelle des Genossen E Krey jr., welcher mit technischen Arbeiten überlastet ist, wurde Genosse Karl Schmidt sr in die H.=K gewählt. Als Revisoren wählte man ebenfalls einstimmig die Sportgenossen P Blumenkamp, Gottfried Plöger- und Fritz Schmitz. Man besprach weiter die Frage, ob eine SvortheimG. m. b. H. eine Notwendigkeit sei. Vom Vorstand wird den Vorsitzenden in den nächsten Tagen ein Satzungsentwurf zugesandt werden. In der fälligen Aprilsitzung soll dann nochmals dazu Stellung genommen werden. Eine weitere Aussprache brachte die Jugendheim=Verlosuna, die am 11. und 12. Mai stattfir det. Man war sich klar, daß mit aller Kraft und Liebe an die Arbeit gegangen werden müsse um das gesteckte Ziel zu erreichen. Mögen alle Vereine und alle Mitglieder sich dafür einsetzen, daß ein reger Kartenvertrieb stattfindet Mögen weiter alle Vereine und Mitglieder praktische Gewinngegenstände stiften oder bei Freunden und Bekannten, Arbeitskollegen usw. für die Verlosung wirken dann wird bestimmt der Erfolg eintreten. Auf, an die Arbeit für unser Sportheim“ und die, Jugendheim=Verlosung"! Die Arbeitersamariter haben für Sonntag früh 10 Uhr ein: Uebung am Steinbecker Bahnhof angesetzt. Die Mitglieder mögen sich den Samaritern zur Verfügung stellen, wie auch diese Uelung zahlreich besuchen. Die Arbeiterschwimmer haben zur gleichen Zeit in der Städt Badeanstalt eine Veranstaltung im Rettungsschwimmen Beide Veranstaltungen finden statt aus Anlaß der Ruwo Um Unterstützung dieser Veranstaltungen unserer Vereine wird freundlichst ersucht. Ein Schreiben des ADGB. gibt bekannt, daß in Elberfeld eine Filiale der Lindcar=Fahrradwerke Verlin eröffnet wird. Alle Gewerkschaftler erhalten dort unter den denkbar günstigsten Bedin gungen erstklassige Fahrräder. Bei dieser Gelegenheit machten die Arbeiterradfahrer bekannt, daß zwischen Lindear und Fahrradhaus Frischauf Verhandlungen im Gange seien, um eine gegenseitige Konkurrenz aufzuheben resp. ein gemeinsames Handeln im beiderseitigen Interesse zu erreichen. Die von gutem Geiste getragene Sitzung ging auseinander mit dem Vorsatz, weiter für die Fortentwicklung des Arbeitersports am Orte in jeder Beziehung tätig zu sein, das Sportheim zu fördern, indem die Räume so viel wie möglich für Sitzungen, Versammlungen, kleinen Festen, zwanglosen Zusammenküinften usw. usw. belegt werden. Alles muß sich im Sportheim konzentrieren. Jeder tue an seinem Platz seine Pflicht, dann geht es vorwärts! Die März=Kartellsitzung fällt aus Lammich. Reichs=Unfallverhüfun „Jeder Schwimmer ein Retter"; unter diesem Motiv veranstaltet der Arbeiter=Schwimm=Verein Elberfeld im Rahrien der Ruwo am Sonntagmorgen um 10 Uhr(nicht, wie irrtümlich angegegeben wurde, um 10.30 Uhr) in der Städtischen Badeanstalt am Brausenwerth Vorführungen im Rettungsschwimmen. Die Veranstaltung soll zeigen, wie notwendig es ist, nicht allein schwimmen zu können, sondern der Schwimmer soll in Fällen der Gefahr sich selbst und andere retten können. Wie notwendig esist retten zu können, zeigt uns die Statistik der Unfälle. Er trinken doch jährlich allein in Preußen an die 5000 Menschen, gleich der Einwohnerzahl einer kleinen Stadt. Wieviel unendliches Herzeleid hätte man verhindern können, wenn noch mehr wie bisher der Gedanke des Rettungsschwimmens innerhalb unseres Volkes durch die Behörden verbreitet würde. Und hier erheben wir unsere Forderung, den Schulschwimmunterricht überall obligatorisch einzuführen und nicht beim Schwimmenlernen stehen zu bleiben, sondern auch Rettungsschwimmen zu lehren. Der Arbeiter=SchwimmVerein hat es denn übernommen, am Sonntag auf die Notwendig keit des Rettungsschwimmens durch eine besondere Veranstaltung hinzuweisen. Durch Entgegenkommen der Stadtverwaltung ist die Veranstaltung vollständig frei, mit keinerlei Unkosten verkhüpft. Die Leitung verspricht nicht zu viel, wenn sie sagt, die Veranstaltung wird in allen Teilen interessant werden, denn das Rettungsschwimmen erfreut sich bei den Arbeiter=Schwimmern einer besonderen Pflege. Das Programm wird noch durch Gruppenspringen und einem Wasserballspiel ausgefüllt. Der ArbeiterSchwimm=Verein hofft, am Sonntag zahlreiche Interessenten in der Badeanstalt vorzufinden. Achtung, Mitglieder des Arbeiter=Schwimmvereins! Am Sonntag, den 3. März, müssen sich alle aktiven Schwimmer und Schwimmerinnen Punkt 9.30 Uhr in der Badeanstalt einfinden, J. a.: Keseberg. Touristen-Verein„Die Ra'urfreunde“. Ortsgruppe Elverfeld Vereinslokal: Sportheim, Klotzbahn 5. Zusammenkunft jeden Mittwoch 20 Uhr. Sonntag, den 8. März: Wanderung zum Remscheider Naturfreundehaus. Abfahrt 7.11 Uhr vom Hauptbahnbof. Sonntagskarte Lennep. Führer: Hermann Schräge.— Für die an 9 und 10. März in Solingen stautfindende Veranstaltung des Bezirks müssen sich die Mitglieder wegen Quartiere bei dem Genossen Donnek melden. Der Vorstand. Koniirmanden-Anzüge in nur guten erprobten Qualitäten, in modernen Formen, in bester Verarbeitung, in großer Auswahl zu allerbillicsten Preisen mit 4 Prozent Rabatt 1nBergisch.-Märk Marken Herren- und Rnaben-Bekleidung emamme M. 39.- 45.- 49.- 59. N. 69.- 78.- 88.- 98. und höher. Beachten Sie bitte meine 11 Schaufenster! Spezialhaus für HerrenHeubruch, Ecke ref. Kirchstraße Barmen und Knaben-Bekleidung Heubruch Ecke ref. Kirchstraße Vereins-Nachrichten Antnahme nur dei Voraustablung. Samstag, den 2. Marz: Deutscher Metallarbeiter=Verband, Verwaltung Belbert, Ortögruppe Heiligenhaus. Abends 7 Uhr im Lokate Benninghoven: Oeffen liche Metallarbeiter=Versammlung. Sonntag. den 3. März: Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung, Ortogruppe Barmen, 1630 Uhr. Einäscherung unseres Genossen Julius Bleckmann in Bagen=Lelstern. Abfahrt von Barmen Hbf 14 52 Uhr. von Hagen 16.06. Zahlreiche teiligung erwartet Der Vorstand. Die Volksbibliothek Hemscheld belindet sich jetzt Papenbergerstraße 22. Ausgabezeit: Samstags von 5—7 Uhr. Die beste Sparkasse ist und bleibt der wirklich preiswerte Linkauf. Konkurrenzlos billig bei wirklich größter Auswahl verkausen wur Ihnen: Valenciennes- u. Kloppel-Spitzen(ca. 7 cm breit, von 7 Pfg. an), echte Handklöppel-Spitzen(ca. 4 cm. von 42 Pig an), ValenciennesZacken z. Einarbeiten, Bubi u. 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Wir zeigen den Eingang von Was ist denn dabei? wenn die sich bel binkäuten auf die Freie Tresse berusen. Jhnen macht es keine Mühe. der Freien Trelle nutzl es viel Besonders vorteilhafte an.— Bekannt günstigste Kaufgelegenheit in Teilgahlung Verer, Laner l. Feiner Riesenauswahl in Dimmer- Einrichtungen u. Einzelmöbel aen vorm. N. Adlerstein& Co. seit 24,Jahren Elberfeld, Kleine Klotzbahn 12 pa IUhrende Kaufhaus seiner Art. aller Art. wie: Polsterwaren, Wasch- und Wringmaschinen, Herde, Sprechapparate und vieles andere. Konkurrenzlos leichte Zahlungsbedingungen im Wuppertaler Ausstattungs-Kaufhaus Tanlet-silleil. 23.—. 19.50. 12.50 Selden-Mlais mit lan 2 15.00 SamI-Wlois schwarz und farbie 15.00 Manial la Stoli, la Verareiung 12.50 Seidentrikol-ROCH mit passendem Schlüpfer Handschuhe. Wäsche. Strümote. Krawanen. Taschentücher zu bekannt billisen Preisen. Angezahlte Waren werden bereitwilligst zurückgestellt. A.Rorn. BARNEN RETKrOEI Ulg. Ortskrankenkasle Barmen. Am Mittwoch, den 6. März 1929, abends 9½ Uhr. findet in der Aula des Mittelbarmer Lyzeums, Karlstraße, eine Außerordentliche Ausschußsitzung statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Finanzlage der Kasse und den Krankenstand. 2. Erhöhung der Beiträge von 6½ auf 7 Hundertstel des Grundlohns. 3. Vorlage und Genehmigung des Voranschlags für das Jahr 1929. Zu dieser Sitzung lade ich die Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten hiermit ein. Falls sich Beschlußunfähigkeit der Sitzung ergeben sollte, so wird hiermit auf 20 Uhr eine neue Sitzung einberufen, für welche diese Einladung ebenfalls gilt. Barmen, den 1. März 1929. Hax Münster. Vorsitzender. Wir haben unsere beschäfts-Räume erweitert und zeigen Ihnen in 4 Stockwerken unsere konkurrenzlos billigen Möbel Spezial-Haus für gut bürgerl. Einrichtungen Bachmann& Co. Barmen, Karlstraße 31—33 an der Ruhmes alle. Freie Presse. Freitag den 1. Mörz 1929. 2. Beslage zu Nr. 51. Ereignisse Das Limburger Schloß niedergebrannt In der Nacht zum Donnerstag brannte das Limburger oß an der Lahn, eines der ältesten und schönsten Baunerke Deutschlands, fast völlig nieder. Nur der älteste Teil des Gekändes, der Nordflügel, in dem sich das wertvolle DiögesanMuseum befindet, konnte gerettet werden. Der angerichtete Schaden ist ungeheuer; u. a. ist die aus 4000 Banden bestehende Bibliothek des Borromäus=Vereins vollständig vernichtet. Der neben dem Schloß liegende Dom konnte vor den Flammen bewahrt werden. Das Feuer wurde gegen 2.30 Uhr nachts von einer Krankenschwester aus dem nahe gelegenen St. Vincenz=Hospital bemerkt. Als die Feuerwehr eintraf, schlug bereits eine mächtige Stichflamme aus dem Dach des langgestreckten Südflügels empor. Wenige Minuten sräter stand auch der übrige Gebäudeteil in hellen Flammen. Da die Hydranten auf dem Schloßberg schon seit Wochen eingefrocen waren, versuchte die Feuerwehr mit Dampf= und Motorspritzen aus der zugefrorenen Lahn den 70 Meter bohen Domfelsen hinaufzuvumpen. Die Dampfspritze brachte das Wasser aber nur 35 Meter hoch, da es bei 15 Grad Kälte in den Schläuchen einsror. Erst nach einer halben Stunde gelang es, aus der Stadt Wasser an die Brandstellen zu pumpen Das Feuer hatte inzwischen einen großen Teil des Ostflügels und den ganzen Westflügel ergrifsen. Eine ungeheure Feuersäule flammte 100 Meter über der Stadt gegen den nächtlichen Sternenhimmel auf. In der siebenten Morgenstunde konnte der Brand eingedämmt werden. Das Schloß gleicht nur noch einem Ruinen. haufen. Mit seinem Bau war im dreizehnten Jahrhundert begonnen worden; der Grundstein zum benachbarten Dom wurde im Jahre 1213 gelegt.— Die Ursache des Feuers konnte noch nicht festgestellt werden. Der„größte" Frkus Deutschlands Zwischen den beiden Zirkusunternehmungen Sarrasani und Krone ist abermals ein„Krieg“ ausgebrochen. Schon vor einigen Jahren batte sich das Amtsgericht Hamburg mit einem Streit der beiden zirzensischen Unternehmungen zu befassen; es sollte entscheiden, welcher Zirkus der„größte“ in Deutschland sei. Die Richter waren damals in größter Verlegenheit. Woher sollten sie den Maßstab finden, um die Größe eines Zurkus zu messen? Man verglich die Zahl der Zuschauerplätze der Tiere und Maaen, der beschäftigten Personen, kurzum alles, was es in einem Zirkus zu zählen gibt. Ein durch Vermittlung Hagenbecs zustande gekommener Vergleich enthob die Richter scließlich, die so schwierige Entscheidung zu fällen. Der Vergleich hat aber nicht ewig gehalten. Sarrasani spielt augenblicklich in Münster und hat bereits den Besuch anderer weitfälischer Städte feitgelegt und in den Zeitungen angekündigt. Zu gleicher Zeit inserierte aber auch Krone, daß er aleichfalls diese Städte mit seinem Besuch beehren werde. Tataufhin erwirkte Sarrasani beim Landgericht Münster eine einitweilige Verfügung, durch die Krone untersagt wird, eine solche Ankündigung zu erlassen, da sie nur erfolgt sei, um das Publikum dem Zirkus Sarrasani sernzuhalten. Krone erwiderte mit vom Tage der öffentlichen Feststellung, daß sein Zirkus der größte sei, und daß er nur deshalb noch nicht nach Westfalen gekommen sei, weil die von seiner Konkurrenz benutzten Plätze für ihn zu klein seien Sarrasani, nicht faul, führte als Antwort ein Durend amerikanischer Gutachten dafür an. daß sein Unternehmen das bedeutendite“ sei... Jetzt hat Sarrasani seinem Konkurrenten den Zusammenschluß der beiden Unternehmen angeboten und diesen Vorschlag damit begründet, daß ein solcher Vorgang in der Industrie alltäglich sei, und daß sich auch in Amerika die beiden größten Zirlusunternehmen nach langer Feindschaft zusammengeschlossen hätten. Wenn Krone auf diesen Vorschlag eingeht, brauchte sich niemand mehr darüber den Kopft zu zerbrechen, welches der grötzte Zirkus in Deutschland ist. Reuer Berliner Bankschwindel Das Berliner Privatbanthaus Albert Schappach u. Co. in der Friedrichstraße steht im Mittelpunkt einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei. Der jetzige Inhaber, ein Kaufmann Fritz Schicke, soll große Schwindeleien durch vorgespiegelte Vermittlung von Krebiten an Beamte und Festangestellte begangen haben. Er gab bekannt, daß jeder, dessen Bezüge nicht mit Schulden belastet seien, bei der Firma Schappach billige Tarleben erhalten konnte. Schieke veranlaßte die sich meldenden Beamten bei dem in der Friedrichstraße wohnenden Rechtsonwalt und Notar Manthey Zessionen auf einen Teil ihres Gehaltes auszustellen. Er nahm dann die Zessionen an sich und ließ sich darauf bei Banken Kredit geben. Die Kreditsuchenden erhielten später die Mitteilung, daß das Bankhaus Schappach nicht in der Lage sei ihnen Kredite zu gewähren. Aehnliche Manöver soll der Betrüger in Prag verübt haben. Auch private Geldgeber sind von ihm durch vorgetäuschte Sicherheiten geschödigt worden Ein Banunternehmer aus Kopenick hat neben seinem Vermögen auch das Geld seiner Kinder sowie namhafte Beträge, die er sich von Angehörigen und Bekannten geliehen hatte, dem Pankhaus anvertraut Schieke befindet sich noch auf freiem Fuß Man rechnet jedoch mit seiner bildigen Verhaftung. Ein Juwelend'ebltah' aufgeklärt Im November vorigen Jahres wurden an zwei aufeinander folgenden Tagen in dem Juweliergeschäft von Friedländer, Unter den Linden in Verlin, zwei raffinierte Diebstähle ausgeführt. Am 27. November erschien ein Kunde, um eine Platinuhr gegen einen Brillantring umzutauschen. Bei den Kaufverhandlungen gelang es ihm, von einem Tablett einen wertvollen Brillantring herunterzunehmen und ihn unbemerkt durch eine Imitation zu ersetzen. Am folgenden Tage verstanden es zwei Ausländer, durch eine geschickte Täuschung der Verkäufer ein Tablett mit Brillant ringen im Werte von 200000 M zu stehlen. Der erste Diebstahl ist jetzt aufgeklärt worden. Als Täter wurde in einem Brüsseler Hotel der 30jährige, aus Florenz gebürtige internationale Verbrecher Antonio Mario Gionti verhaftet. Er war am 23. November von Florenz nach Berlin gereist. Hier bestellte er in einem ersten Hotel ein Zimmer. Zunächst versuchte er vergeblich bei drei anderen Juweliergeschäften seinen Umtauschtrick. Schließlich glückte ihm das Manöver bei Friedländer. Am 19. Februar tauchte der Betrüger in Amsterdam auf und ergaunerte dort einen Brillantring im Werte von 25 000.4. Ia Brüssel ere ihn dann das Schicksal. Karl Vo'kert. Wien, gestorben Der erste Präsident des Touristenvereins„Die Naturfreunde“, Nationalrat Karl Volkert, ist unerwartet im Alter von 61 Jahren in Wien verschieden. Die große Gemeinde der internationalen Arbeiterwanderer erleidet mit dem Heimgang ihres Führers einen unersetzlichen Verlust. Karl Volkert, ein geborener Württemberger, fand in seinen jungen Jahren den Weg nach der Donaustadt Wien, womit das Bruderland Oesterreich seine zweite Heimat wurde. Als überzeugter Anhänger einer freiheitlichen Weltanschauung, stellte er sich frühzeitig in den Dienst seiner Klasse, der er über dreißig Jahre lang unermüdlich treu und mit lauterer Gesinnung angehörte. Von den Wiener Arbeitern wurde er für würdig befunden, sie im Nationalrat Deutschösterreichs zu vertreten. Volkert hatte wie kein Zweiter erkannt, daß die Freizeitnutzung der Arbeiterschaft nur draußen am pochenden Pulsschlag der freien Natur gewinnbringend betätigt werden könne, und so schloß er sich dem von Dr. Renner und Alois Rohrauer gegründeten Touristenverein„Die Naturfreunde“ an und stellte in seiner Freizeit seine ganze Kraft in den Dienst einer idealen Bewegung. Im Jahre 1918 trat er in den Zentralausschuß des Vereins ein, und 1920 wurde ihm an Stelle des alten„Vater Rohrauer“ die Leitung des Gesamtvereins übertragen. Er hat durch seine Tatkraft den Verein zu einer weltumspannenden Organisation emporgeführt. Das ist sein bleibendes Verdienst. Auch den Reichsdeutschen ist er kein Unbekannter geblieben, denn fast allen größeren Veranstaltungen der Naturfreunde in Deutschland hat er durch sein hinreißendes Rednertalent den Stempel eines Erlebnisses aufgedrückt. Die internationale Arbeiterbewegung wird das Andenken ihres Vorkämpfers stets in Ehren halten. Brand eines Personenautos In Dusseldorf geriet auf dem Wege nach Kaiserswerth ein Personenauto, das mit vier Personen besetzt war, auf der Amsterdamerstraße in Brand. Innerhalb weniger Minuten stand der Wagen in hellen Flammen. Wahrond sich drei der Insassen ins Freie retten konnten verbrannte ein junger Mann, der im Auto festgeklemmt saß. Die alarmierte Feuerwehr fand den Wagen vollständig ausgebrannt und konnte nur noch die Leiche des Verunglückten bergen. Die drei anderen Insassen hatten Brandwunden erlitten. Eine Familie verbrannt In dem Dorfe St. Michele in der römischen Campagna wurde eine sechsköpfige Bauernfamilie im Schlaf von einem Feuer überrascht. Die Familienangehörigen versuchten vergeblich, ins Freie zu gelangen und verbrannten bis auf einen Sohn, an dessen Aufkommen gezweifelt wird In der Kochstraße in Berlin entstand am Donnerstag in der Küche der Wohnung einer Frau Neuendorf ein Feuer Der Rauch drang in das benachbarte Zimmer, in dem die drei Kinder der Frau schliefen. Ein Briefträger veranlaßte, daß die Für gewaltsam geöffnet wurde. Die bereits betäubten Kinder wurden ins Krankenhaus geschafft. Die Mutter hatte während des Unglücks Einkäufe besorgt. Bettellu Reinigung KISsen Inlett, echtrot und federdicht, 2 Plund Federn. Kissen 8080 cm, Inlett, echtrot und federdicht, 2½ Pfund Federn KIssen 80/80 cm. Inlett, echtrot und tederdicht, 2½ Pfund Federn. KISSen 80 80 cm. Inlett, echtrot und tederdicht. 2½ Pfund Halodaunen 3.40 4.90 8.65 12.15 Oberbeit Inlett, echtrot und federdich, 6 Pfund Federn. Oberbett 130 200 cm, Inlett, echtrot und tederdicht. 6 Pfund Federn.. Oberbelt 130/200 cm, Inlett, echtrot und lederd cht. 6 Pfd. 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Weisen dann aber bürgerliche oder sozialdemokratische Zeitungen auf Extravaganzen sowjetrussischer Botschafter und ähnlicher Potentaten yin, dann sind die Lakaien sofort mit„Erkärungen“ bei der Hand. Die deutsche Presse berichtete in diesen Tagen über ein diplomatisches Festessen bei dem russischen Botschafter Krestinski in Berlin, wo Kaviar und andere Herrlichkeiten mit silbernen Bestecken, die sinnvoll eingraviertes Sowjetwappen zeigten, in Menge verspeist wurden. Sehen wir nun zu, wie die bergische Hetzstimme diesen Vorfall beurteilt: Die Arbeiterverräter und ihre Gonner wollen den Anschein erwecken, als sei es das Gleiche, wenn die Vertreter der proletarischen Diktatur unter dem diplomatischen Zwange gewisse Formalitäten— sicherlich nicht zu ihrem Vergnügen— erfüllen, und wenn die sozialdemokratischen Minister freiwillig mit den Unternehmern und Ausbeutern der Arbeiterklasse zechen. Genosse Krestinski muß als Vertreter eines revolutionären Staates im kapitalistischen Feindesland bestimmte Aeußerlichkeiten einhalten, um seine politische Arbeit durchführen zu können. Die sozialdemokratischen Minister. Polizeipräsidenten, Gewerkschaftsführer, Parteisekretäre, Redalteure usw. aver werfen sich würdelos dem Großkapital an den Hals. Sie tun es nicht, um die Sache der Arbeiter und Bauern zu verteidigen, sondern um die Arbeiterschaft zu verkaufen, zu knebein, zu unterdrücken. Das ist der Unterschied. Wir zweifeln nicht, daß jeder Arbeiter diesen Unterschied versteyen wird.“ Es ist doch etwas happig, welches„Verständnis“ die„Stimme“ im Bedarfsfalle„jedem Arbeiter“ zumutet. Schade, daß die „Stimme“ sich in umgetehrten Fällen, die— das sei dazu gesagt— derart happig niemals sind, sich ausschließlich auf das Reich beschränkt. Ist die„Ausbeute“ denn in Remscheid so mager? Wir schneiden von uns das Thema nicht an, wären aber immerhin neugierig, welche„Erklärung“ dann das Licht der Welt erblicken würde. Liebe Stimme! Wirf doch lieber nicht soviel mit Steinen. Erstens treffen sie niemanden mehr, zweitens hagelt es auch doch grade genügend ins Kontor. Unsertwegen aber könnt ihr es auch weiter so treiben, wie es— zum Gaudium der Mitwelt— besonders in den letzten Wochen geschehen ist. Die Arbeiter lernen dabei sicher manches„verstehen“! :: Memscheid, 1. März. Vortragsabende des Ingend-Wohlfahrtsamts. Die Jugend=Wohlfahrtsämter in Remscheid und Solingen veranstalten gemeinsam Vortragsabende. Der erste ist heute abend 8 Uhr in der Aula des Gymnasiums in der Elberfelderstraße. Herr Stadtrat Dr. Gutmann aus Hagen i. W wird über„Die Beziehungen des Wohlfahrtsamtes zum neuen Arbeitsamt und seinen Aufgaben“ sprechen. Eintritt ist frei. Lennep, 1. März. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und die Arbeiter=Samariterkolonne Lennep veranstalten am Samstag, den 2. März, 19.30 Uhr, bei Neveling einen Lichtbilderabend aus Anlaß der Reichsunfallwerbewoche. Es wird ein Vortrag mit dem Titel: Bis der Arzt kommt, gegeben und ein weiterer Vortrag über: Unfallverhütung im öffentlichen Leben. Derartiges auf diesem Gebiete zu zeigen, genügt eigentlich nicht, wenn es in dieser Woche allein geschieht, dies kann nicht oft genug geschehen. Es liegt im Interesse aller, Sorge zu tragen, daß die erschreckende Zahl von Unfällen bedeutend gemindert wird. Rabevormwald, 1. März. Der Gemeinnützige Bauverein Radevormwald. e. G. m. b. H. hielt im KaffeeRestaurant Osenberg unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Schomburg seine diesjährige Generalversammlung ab. Die Versammlung war von 30 Genossen besucht. Stadtbaumeister a. D. Weber erstattete den Geschäftsbericht. Die vorgelegte Bilanz 1928 nebst Gewinn= und Verlustrechnung, die vom Aufsichtsrat Luftrüstung in Europa. Trotz aller Bemühungen der Friedensfreunde in allen Ländern iit die Abrüstung bisher nicht weiter gekommen. Bezeichnend ist auch die Verteilung der Kampfflugzeuge in unserem Erdteil: Wahrend Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien keine Militärflugzeuge besitzen, haben die anderen Staaten rund 6500 Kampfflugzeuge zur Verfügung, geprüft und für richtig befunden, wurde genehmigt. Der im Geschaftsbericht 1928 erzielte Reingewinn von 2948.83 4 soll dem Vorschlage des Aufsichtsrates entsprechend so verteilt werden daß 5 Prozent als Dividende für Geschäftsguthaben der Genossen mit 650.51 Mn Verwendung finden, 1298.32 M auf gesetzliche Rücklage angelegt und die reitlichen 1100 MA der Hilfsrücklage zugeführt werden. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Für die ausscheidenden 3 Aufsichtsratsmitglieder wurden gewählt: Alerander Rocholl. hier, Bahnhofstraße, durch Wiederwahl, Willi Stursberg, hier, Wiedenbofkamp. und Hugo Dahlhaus, Bergerhof, Kölnerstraße, durch Ergänzungswahl. Der Bebauunasplan 1929 sieht ein Doppelwohnhaus auf dem Bauvereinsgrundstück an der Friedrichstraße vor, und zwar soll ein Fünf=Familienhaus nach dem Tyv des Vorjahres, bestehend aus 4 Drei= und 1 Zweizimmerwohnung errichtet werden. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand und Aufsichtsrat, ein weiteres Haus im selben Ausmaß zu errichten, wenn sich weitere Bewerber melden. Ter über die vom Verband Rbeinischer Baugenossenschaften e. V Düsseldorf vorgenommene gesetzliche Rechnungsprüfung gegebene Bericht wurde bekanntgegeben. Aus diesem ist zusammenfassend zu sagen, daß der Bauverein durchaus entwickelungsfähig ist. doch daß, dafür gesorgt werden muß, daß eine feitere Grundlage mit einem ausreichenden Eigenkapital geschaffen werden wird. Die vom Genossenschaftsverband vorgeschlagenen neuen Satzungen wurden einitimmig angenommen. An Stelle der bisherigen Mietverträge sollen die vom Genossenschaftsverband vorgeschlagenen Nutzungsverträge treten. Kreis Mettmann Vobwinkel, 1. März. Ein— Sonntagsjäger. Es wird uns geschrieben: Es ist ja traurig für einen Weidmann und schießlustigen Gesellen, wenn man einen Jagdbezirk hat, wo keine Hasen sind. So nimmt man auch schon mal mit einem— Hund fürlieb, einem sogenannten„Straßenreh“ Und wenn die alle sind, dann jagt man Menschen, oder besser gesagt, man versucht, Menschen in Angst zu jagen. So dachte der Schornsteinfegermeiiter Schwenke auch und nahm sich am Montag, den 2d. Januar, zwei friedliche Spaziergänger aufs Korn Um sich den Schisport anzusehen, hatten sich die erwähnten Spaziergänger zum Stadtwald begeben. Als man ungefähr fünf Minuten dort stand, erschien der erwähnte Schütze auf der Bildfläche und empfing die Spaziergänger folgendermaßen:„Darf ich mal Ihre Tasche sehen, ob Sie Draht drin haben", und hing auch sogleich in der Tasche drin. Als man sic dieses energisch verbat, zog er einen Browning und sagte:„Meine Herren, sie sehen, ich vin bewaffeet.“ Sie mußten der Gewalt Folge leisten und sich die Taschen nachsehen lassen. So geschehen im Stadtwald zu Vohwintel. Was sagt die Stadtverwaltung dazu? Und was der Staatsanwalt? Harald bangs Huferltehen Erzählung von Anna Mosegaard. 5. Fortletzung Harald Langs Leiche wurde nach der Heimat überführt. Der Transport mit allem Drum und Dran verschlang zwar Summen, die nicht in Friedrich Wilbelm Langs Büchern vorgesehen waren. Aber was tat es? Den Leuten gegenüber ließ er sich nicht lumpen. Am Urteil der Leute lag ihm alles. Als Ragnhild davon hörte, weinte sie bitterlich. Dem Toten hatte der gestrenge Vater reiche Mittel zur Verfügung gestellt. Die Hälfte davon hatte schon genügt, ihm vor diesem Ende zu bewahren Nach Wochen war Ragnhild erst wieder so weit hergestellt, daß fie aus dem Krankenhause entlassen werden konnte. Abgezehrt, hohlwangig und blaß saß sie Frau Junker gegenübet.„Ich muß heute mit Ihnen sprechen, Frau Junker.“ „Ich habe lange darauf gewartet, liebes Fräulein, vielleicht, daß ich Ihnen irgendwie behilflich sein kann," sagte Frau Junker schlicht und herzlich. „Ich danke Ihnen vielmals für all die Liebe, gute Frau Junker,— aber diesmal können Sie mir wirklich nicht helfen. Ich muß es ganz allein tragen. Und darum muß ich Ihnen sagen, so leid es mir tut— daß ich die Stadt verlasse schon in den nächsten Tagen. Ich kann nicht hier sein, wo jeder Gegenstand mich an Harald erinnert. Sein Grab darf ich ja nicht pflegen, nicht einmal das ließen sie mir von ihm.“ „Aber, Fräulein Kongstedt. wenn es wegen der Zimmer ist.“ sagte die kleine Frau Junker verwirrt.„Tauschen wir, Sie nehmen neins, und ich das Ihre.“ „Nein, vielen Dank, Frau Junker, ich reise nach Hause.“ „Nach Hause? Ich glaubte, Sie hätten keine Eltern mehr?“ Habe ich auch nicht. Aber draußen in der stillen Heide steht ein einsames Höuschen— das gehört uns Kindern. Es ist unser Elternhaus. Dort will ich fortan wohnen.“ „Aber Fräulein Kongstedt— dort können Sie doch nicht ins Kontor geben?“ „Nein— aber still und zurückgezogen leben— an Harald denken— und— auf mein Kindchen warten.“ Wie ruhig sie das sagte. Frau Junker vergaß darüber fast den Mund zuzumachen. Ragnhild lächelte schmerzlich. „Liebe Frau Junker— sollten Sie es nicht schon längst ahnen, wie es um mich steht?“ Nein. daran habe ich nicht gedacht!“ Zwei Tränen kollerten der guten Frau über die Wangen. „Armes, armes Mädchen!“ war alles, was sie sagen konnte. „Ich bin gar nicht so ganz arm, Frau Junker, solange ich noch boffen und mich auf mein Kindchen freuen darf. Mein heißester Wunsch ist, daß ich einen Sohn bekommen werde, einen Sohn, der ganz Harald gleicht. Ich glaube, dann könnte ich wieder ganz glücklich sein!“ „Wie schön Sie das sagen, Fräulein Kongstedt. Aber ein großes Unglück ist es ja doch für so ein alleinitehendes Madchen. Gott. ach Gott— wenn doch nur der Herr Lang noch lebte. Wußte er denn, daß es so war?“ fragte sie nun ein wenig neugierig. Nein, er wußte es nicht. Wozu auch Harald war so schwach — er mußte fast selbit noch wie ein Kind gehegt und gepflegt werden. Es hätte ihn nur abgelenkt von seinen Studien. Erst sollte das Konzert vorüber sein— dann sollte er die Wahrheit erfahren. Es hat aber alles nichts genützt. Vielleicht hat er es aber doch geahnt— und dieses bloße Ahnen schon hat ihn kopfschen gemacht— daß er versagen mußte an seinem Ehrenabend.“ „Möglich, möglich,“ nickte Frau Junker. Rauh und kalt fährt der Sturmwind über die braune Heide. Heulend fährt er um das kleine Haus, das einsam an einem Hügel lehnt, als suche es dort festen Halt. Ein schmaler, ausgetretener Pfad führt aufwärts— bis zu dem kleinen Garten. der das Häuschen umgibt. Recht seltsam nimmt sich das moosbewachsene Strohdach aus Mit Gras bewachsen ist auch der Weg, der mit den Jahren immer schmäler geworden ist, weil jetzt nur noch selten ein menschlicher Fuß ihn betritt. Verwildert, verwahrlost liegt der Garten. Zahllose Astern blüben wild durcheinander in leuchtender Pracht. Sie verneigen sich, schnellen empor und bäumen sich trotzig auf, wenn der Sturm gar zu sehr an ihnen reißt und zerrt und sic zu entwurzeln droht. Und es nützt ja beides so nenig— weder das Sichbeugen noch das Sichaufbäumen. Gegen das Schicksal kämpft man vergebens. Das kleine Haus auf der Heide! Generationen hat es Schutz und Obdach gewährt. Kräftige, derbe Bauerngeschlechter sind darin groß geworden. Zuletzt war es Eigentum des Lehrers und Küsters Kongstedt. Seine zarte, junge Frau sollte hier in der Stille genesen. Sie wurde aber nicht gesund, die zarte, blonde Frau, die man selten hatte lächeln sehen. Still wie sie gelebt hatte, so still ging sie auch davon. Ohne viel Aufsehens zu machen, schlich sie sich durch das dunkle Tor. Es dauerte gar nicht so viele Jahre, so folgte ihr der Gatte ebense still nach in die Ewigkeit. Lange hatte man unter den Kindern beraten, ob das Häuschen verkauft werden sollte. Verkaufen? Mit all den vielen lieben Erinnerungen an eine glückliche, sonnige Jugend. Nein' So war man einig geworden, es in Pacht zu geben. Die Möbel wurden auf dem Boden verstaut, die übrigen Räume bewohnte der Pächter Nielsen, ein ehrbarer Schuhmacher mit einer großen Kinderschar. Nun, die Kinder waren das Schlimmste nicht. Sie konnten ums Haus tollen nach Herzenslust. Da war Platz genug. Frau Nielsen war aber eine gleichgültige, schlampige Alte, die alles in Grund und Boden verdrecken ließ. Davon wollten nun Kantor Kongstedts Kinder nichts wissen. Der Pächter kam nun schnell hinaus, wie er hineingekommen war. Das Haus wurde von oben bis unten gescheuert, und alles wieder an seinen Platz gestellt.— Mochte das Häuschen nun stehen und warten, bis eines der Kinder in ihm Zuflucht finden würde.——— KVD. Wohlfahrt Ehemalige KPT.=Mitglieder erhalten durch die Post nachstehende Einladung: An alle Arbeiterorganisationen des Bezirks Niederrhein. Werte Gesinnungsfreunde! Durch die tatkräftige Hilfsaktion, die unsere Organisation besonders im vergangenen Jahre durchgeführt hat(Ruhrgebiet, Wasserkante usw.) dürfte Ihnen das Werk der Internationalen Arbeiter=Hilfe nicht unbekannt sein. 10. März findet unsere 3. Landeskonferenz in Düsseldorf morgens 9 Uhr im Lokale Pesch, Dorotheenplatz, statt. Auf dieser Konferenz werden durch eingehende Referate die sozialpolitischen Aufgaben der JAH., ebenso unsere Aufgaben bei Wirtschaftskämpfen usw. zur Tagesordnung stehen. Da an diesen Fragen besonders die Arbeiter=Organisationen sehr regen Anteil nehmen werden, bitten wir Sie, zu unserer Landeskonferenz ebenfalls Delegierte zu senden. Mit Gesinnungsgruß! Landessekretariat Niederrhein der Int. Arbeiterhilfe, Düsseldorf. Ach, wie harmlos. So wird jeder denken, der über die JAH. im Bilde ist. Die tatkräftigen Hilfsaktionen stehen, soweit diese für Arbeiter in Frage kommen, auf dem Papier. Im Gegenteil sind die Gelder, wie kürzlich aus Zeitungsmitteilungen hervorging, für verkrachte kommunistische Zeitungsunternehmen in Essen verpulvert worden. Daß unsere Genossen auf dieser Konferenz nichts zu tun haben, versteht sich am Rande. Zudem werden ja unsere Genossen von der KPD. stets als„Verräter“ beschimpft. Als Gesinnungsfreund wird man nur tituliert, wenn die JAH. hofft, klingende Münze zu erben. Daß die JAH. wesensverwandt mit der KPD. ist, geht auch daraus hervor, daß der Kapedist Fr. Schulte, M. d. L., als Absender der Zirkulare in Frage kommt. — Belbert, 1. März. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern die Eheleute Johann Horn, Schloßstraße 20. Horn ist langjähriger Genosse und trotz seines Leidens besonders bei Wahlen sehr tätig für die Partei. Wir beglückwünschen die Jubilare. ( Belbert, 1. März. ADGB. Es sei nochmals auf den heute, 20 Uhr, in der Jubiläumshalle stattfindenden Vortrag: „Unfallschutz in der Metallindustrie“ hingewiesen. Eintritt ist frei. Auch die Allgemeine Ortskrankenkasse ladet die Mitglieder zum Besuch dieser wichtign Versammlung ein. :) Belbert, 1. März. Vermißt wird seit dem 22. v. M. die Ehefrau Wilhelm Hähner, gb. am 1. September 1904 in Österfeld, wohnhaft hier, Friedrichstr. Nr. 4. Die Hähner ist zuletzt am 22. Februar, vormittags gegen 10 Uhr, am Eingang zum hiesigen Rathaus gesehen worden. Es ist nicht aufgefallen, daß sich in Begleitung der Vermißten noch ein anderer befunden hat. Die Hähner ist ungefahr 1,63 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat dunkelblondes Haar(Bubikopf), blaue Augen, blasse Gesichtsfarbe und eingebogene Nase. Bei ihrem Weggange war sie bekleidet mit braunem Mantel, roter Samtmütze, schwarzen Spangenschuhen und dunkelkariertem Kleid. Zweckdienliche Angaben, die geeignet sind, Aufklärung über den Aufenthalt der Hähner zu bringen, erbittet das Kriminalkommissariat Velbert, Königstr. 26. Heiligenhaus, 1. März. Eine öffentliche Metallarbeiterversammlung findet Samstag, den 2. März, 19 Uhr, bei Benninghoven statt. Zahlreicher Besuch ist in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage dringend geboten. :: Cronenberg, 1. März. Bestrafter Rohling. Rüpelhaft benahm sich der Erdarbeiter Paul de Boni von hier am 20. Juni in Cronenfeld in dem bekannten Meesschen Lokal gegenüber einer Kaffeegesellschaft, die in der Nähe seines Tisches Platz genommen hatte, indem er sich dauernd in ihre Gespräche mischte und durch ungehörige Redensarten belästigte. Die Frauen wandten sich mit der Bitte um Abhilfe an den Wirt, aber auch den pöbelte er an. Noch schlimmer erging es dem Chauffeur E., der die Frauen gefahren hatte und sich verpflichtet fühlte, sie in seinen Schutz zu nehmen. Als er zu ihm ging und ihn aufforderte, seine Flegeleien einzustellen, griff B. nach seinem Bierseidel und versetzte ihm damit einen Schlag auf den Kopf. E. brach sogleich zusammen und blieb bewußtlos liegen. Man mußte ihn zur Vernähung und Behandlung einer klaffenden Kopfwunde ins Krankenhaus bringen. Der Rohling stand gestern wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs vor dem Schöffengericht. Zu seiner Entschuldigung brachte er vor, er habe nicht anders geUnd nun kam Kantors Jüngste heim. Viel schneller, als man es geglaubt hatte. Kongstedts Jüngste. Die Ragnhild! Das lebensprühende, herzige Mädel, das mit den Lämmern um die Wette über die Heide getollt war. Nicht wild genug konnte es zugehen. Dann flogen die langen, schweren Flechten, dann leuchteten ihre dunklen Sprübangen. Das Lachen saß ihr leicht in der Kehle. Und nun war sie so still geworden. Müde, etwas gebückt schritt sie den schmalen Pfad entlang, der zu ihrem Häuschen führte. Der Bruder hatte ihr geschrieben, daß Pastor Mortensen bereits über ihr Kommen unterrichtet sei und ihr den Schlüssel ausliefern möge. Tief aufatmend stand Ragnhild still. Den Schlüssel von Pastor Mortensen zu holen, hatte sie natürlich vergessen. Sollte sie wieder umkehren?— Nein! dazu war sie zu müde. Sie kannte ja noch den alten Weg durchs Küchenfeniter, das man bequem von außen öffnen konnte. Es tat ja gar nicht nötig. Der Schlüssel saß ja im Schlüsselloch Wie erstaunte sie, als sie ins Stübchen trat. Eine wohlige Wärme schlug ihr entgegen. Im Ofen schwelte glimmender Torf. Erstaunt sah Ragnhild sich um. Das war ja gerade, als ob sie erst gestern von hier fortgegangen sei. Auf dem Tische stand ein bunter Herhitstrauß. Rote Ebereschen neigten sich ihr entgegen. Ebereschen, mit denen sie sich als Kind so gern geschmückt hatte. Ebereschen— die sich in ihrem dunklen Lockengeringel so prächtig ausnahmen, daß jeder der ihr begegnete, erstaunt stehen blieb und ihr zulächelte. Wer konnte wohl diesen Blumengruß gebracht haven? Pastor Mortensen? Wie Schuppen fiel es von ihren Augen. Sicher hatte er die alte Karoline damit beauftragt und sie hatte gleich den Ofen angezündet. Wie lieb das von ihm war. Also gab es doch noch einen Menschen, der ihrer gedachte. Und gleich darauf schlug die Schamröte ihr ins Gesicht. Wie sollte sie gerade ihm, ihrem Seelenfreunde, gegenübertreten? Pastor Mortensen war nur ein gutes Jahrzehnt jünger als Kantor Kongstedt und unverheiratet. Als Ragnhilds Vater noch lebte, war er fast allabendlich zu ihnen gekommen. Das Pfarrhaus lag ja nur kaum zehn Minuten entfernt. Vater hatte Harmonium gespielt— und Pastor Mortensen war nie müde geworden, seinem Spiele zu lauschen. Oft hatten sie gemeinsam Friedemann Bach gelesen. Das waren schöne, friedliche Stunden. Als Vater dann gestorben war, da war Pastor Mortensen noch selten gekommen.— Und dann, als Ragnhild ihm gesagt hatte, daß sie sich um eine Stellung beworben habe, da war er mit seltsamen, verwirrten Worten gekommen, daß Ragnhild erst nach scharfem Nachdenken herausgefunden hatte, daß es ein ernster und gut gemeinter Heiratsantrag gewesen war. Das hätte nicht sein dürfen So gern sie den Freund ihres Vaters auch mochte, sie konnte sich mit dem Gedanken nicht abfinden, jemals seine Frau zu werden. So sehr es ihr auch leid tat, sie hatte es ihm sagen müssen, daß sie mie anders als einen väterlichen Freund in ihm erblicken könnte. Tage der seelischen Unruhe, der Verstimmung waren über sie gekommen, bis sie nach reiflicher Ueberlegung abgereist war. (Fortsetzung folgt.) 1. März. Post nacherrhein. misation beRuhrgebiet, ernationalen n Düsseldorf Auf dieser ialpolitischen Wirtschaftsganisationen inserer LanDüsseldorf. er die JAH. eit diese für egenteil sind hervorging, gsunterunsere Gesteht sich am KPD. stets rd man nur en. Daß die raus hervor, bsender der ien Hoche 20. Horn esonders bei ünschen die ils auf den en Vortrag: hingewiesen. sse ladet die ein. 1 22. v. M. ber 1904 in ter ist zuletzt g zum hiesi„daß sich in n hat. Die Gestalt, hat Besichtsfarbe bekleidet mit ingenschuhen die geeignet bringen, er. Metall1 2. 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Kraftlos und zertreten starben wir pflicht= und befehlsgemäß. Millionen Hoffnungen sanken mit uns hinab. Millionen Wünsche zerfielen unerfüllt mit uns. Millionen Flüche erstarben mit uns. Du, deutsche Jugend, die du nach uns ein neu Geschlecht geworden bist, du sollst und du mußt erfahren, wie wir vergingen. Du trittst an unsere Stelle. Freudig und willig räumen wir dir unseren Platz. Du nimmst unser Erbe an dich. du kannst es aber nur halten, wenn du uns Fleisch= und Blutlosen die Unsterblichkeit sicherst. Sieh uns leiden und vergehen und fühle du, daß unser Handeln nicht gesuchtes Heldentum war. Zur Pflicht erzogen, von dem Glauben an die Weltmission des Deutschtums getragen, so zogen wir einstens aus. Wir standen für diese Idee, sie gab uns Kraft im Kampfe. Wir begeisterten uns dafür und kämpften und kämpften und litten und litten. Die Kraft entquoll unseren gemarterten Leibern, das Idol schwand, wir kämpften weiter, wir litten weiter. Wofür? Weshalb? Warum? Weil unser Tun von einer neuen Idee getragen wurde, von einem Glauben, der viel stärker war, wie der, in dem wir uns entkräfteten. Ein neuer Geist kam über uns. Ein Geist der Liebe, der Treue zu und gegen unseren Brüder, ein Geist der Kameradschaft und der Gemeinschaft, so stark, daß er uns Gefahren und Leiden nicht mehr sehen und der uns vor dem Sterben nicht zurückschrecken ließ. Uns galt der Bruder mehr als das eigene Ich. Ihn zu schützen, ihm beizustehen, ihn herauszuführen aus dem furchtbaren Chaos, ihn seinen Lieben zu erhalten, das waren die Gedanken, die uns noch beseelten, das war der Geist, der uns durchhalten ließ. Wir waren ein großes Geschlecht. Groß deshalb, weil wir von einer großen, von der schönsten Idee beseelt waren, weil wir für diese Idee kämpften und starben. Sieh uns nicht als ordengeschmückte, sieh uns nicht als waffenstrotzende Helden, nein, erkenne uns als die stillen und starken Dulder, die für ihren Bruder, die für dich starben, auf daß du einhergehst als ein freies Geschlecht. Frei und groß sollst du sein. Frei bist du durch uns, groß wirst du durch dich selbst. Du wirst es aber nur, wenn du erfüllt bist von dem Geiste, der uns stark machte, wenn dein ganzes Tun getragen wird von dem Gedanken, der stärker ist denn Feuer und Eisen, Not und Tod, wenn du aufgehst in dem Geist der Versöhnung, in dem wahrster Menschenliebe, der Liebe, die nicht Halt macht an den engen Grenzen deiner Familiensippe, die auch nicht stillstehen darf an den Grenzpfählen deines Landes, die unentwegten Schrittes ihren Weg finden muß auch über die deutsche Grenzlinie, die erst recht dorthin gelangen muß, wenn all den Brüdern und Schwestern, die feindlicher Machtspruch unserer Volksgemeinschaft entrissen hat, geholfen werden soll. Du deutscher Junge, du deutsches Mädel, ihr alle, die ihr die höheren Schulen bevölkert, die ihr einstens Führer sein wollt euren Mitmenschen, seid ihr schon alle erfüllt von diesem Geiste der Versöhnung? Ist euch Krieg und Vernichtung noch immer nicht gleichbedeutend mit Verbrechen und Mord? Erscheint euch der Krieg noch immer nicht als allergrößter Verstoß gegen das fünfte Gebot? Klingt euch der Mißklang Krieg, Mord, Verbrechen noch immer harmonisch in eurer tiefsten Seele? Ist es so? Dann flucht denen, die euch in diesem Geiste wachsen ließen. Sie baben schlecht an euch gehandelt. sie verdienen zure tiefste Verachtung. Und wenn sie euch ohne Verständnis anschauen und sich von euch wenden und ihr dann ganz hilflos und verlassen dasteht und einen Haltepunkt sucht, an dem sich ener Denken anklammern, an dem euch ein neuer Geist werden soll, so greifet zum Buche und lest dort das Bekenntnis eines jener Kriegsfreiwilligen, der zum Kriege erzogen, von der Schulbank in den Krieg zog. Lest und lest es immer wieder: „Ich bin jung, ich bin zwanzig Jahre alt, aber ich kenne vom Leben nichts anderes als die Verzweiflung, den Tod, die Angst und die Verkettung sinnlosester Oberflächlichkeit mit einem Abgrund des Leidens. Ich sehe, daß Völker gegeneinandergetrieben werden und sich schweigend, unwissend, töricht, gehorsam, unschuldig töten. Ich sehe, daß die klügsten Gehirne der Welt Waffen und Worte erfinden, um das alles noch raffinierter und länger dauernd zu machen. Und mit mir sehen das alle Menschen meines Alters hier und drüben, in der ganzen Welt, mit mir erlebt das meine Generation. Was werden unsere Väter tun, wenn wir einmal aufstehen und vor sie hintreten und Rechenschaft fordern? Was erwarten sie von und, wenn eine Zeit kommt, wo kein Krieg ist“ Jahre hindurch war unsere Beschäftigung Töten— es war unser erster Beruf im Dasein.“ Blättert dann weiter. Ihr seht dann, wie in den Herbsttagen 1918 der Fürst Tod auch diesen Bekenner in sein Heer der Namenlosen einreiht. Ihr seht dann auch eine alte kranke Mutter, in der ihr vielleicht die Züge eurer Mutter erkennt, die in der Stunde, in der man ihre schönste Hoffnung auf die Bahre legt, mit zitternder Hand den Heeresbericht hält und ahnungslos liest: Im Westen nichts Neues. Deutscher Junge, deutsches Mädel! Nimm und lies! Lies das vorzügliche Buch, das von einer Generation berichtet, die vom Kriege zerstört wurde, auch wenn sie seinen Granaten entkam. Und haft du gelesen, so erhebe die Hand zum Schwur und rufe mit uns: Wir klagen an! Friedrich Stein. konni, er sei als Kind mal auf den Kopf gefallen, habe eine Gehirnerschütterung erlitten und sechs Wochen im Krankenhause zubringen müssen. Seitdem sei er sehr leicht erregbar. Selbstverständlich drang er mit dieser Entschuldigung nicht durch; wenn er schon am eigenen Leibe die Folgen einer Kopfverletzung gespürt hatte, hätte er sich vor Augen halten müssen, daß ein Schlag mit einem Bierseidel sehr gefährlich werden konnte. Dennoch billigte das Gericht ihm mildernde Umstände zu, weil er noch nicht bestraft ist. Es erkannte auf 4 Monate Gefängnis. 4500 Arbeiter ausgesperrt Der Konflikt zwischen der Salamander=Schuhfahrik Siegle u. Ko. in Kornwestheim und ihren Zuschneidern hat zu einer Aussperruung der gesamten Belegschaft geführt. Betroffen sind 4500 Arbeiter und Arbeiterinnen. Zuzug is#ernzuhalten. Amanellahs Thronbesteigung Die nachfolgende aktuelle Schilderung der Ereignisse in Afghanistan, die vor zehn Jahren zur Thronbesteigung Amanullahs führten, entnehmen wir mit freundlicher Erlaubnis des Verlages F. A. Brockhaus in Leipzig dem Buche„Im gottgegebenen Afahanistan" von Emil Rybitschka. In der Nacht vom 20. zum 21. Februar 1919 wurde der Emir Habib Ullah Chan in der Nähe seines Winterquartiers Dschelalabad ermordet. Wenn man von den wilden Gerüchten und Schilderungen über den Tod des Emirs abzog. was auf phantastische Erregung zurückzuführen, und was zur Stimmungsmache klug in Umlauf gesetzt war, so blieben nicht allzu viel einigermaßen feststehende Einzelheiten übrig. Der Emir hatte sich in Laghman bei Dschelalabad, wo er auf einem Jagdausflug weilte, nach seiner Gewohnheit ziemlich früh zu Bett begeben. Da entstand in den ersten Morgenstunden, wo bekanntlich der Mensch nicht am tiefsten schläft, sondern auch die Wachen am leichtesten der natürlichen Verlockung des Schlafs folgen, ein kurzer Auflauf. Kaum gab es einen Wortwechsel, kaum konnte der Herrscher zur Besinnung gekommen sein, da krachten auch schon die tödlichen Schüsse. Als die Posten aufgeschreckt an Ort und Stelle erschienen, war bereits der Kriegsminister, der Sipah=Salar Nadir Chan, zur Stelle, überzeugte sich kurz von dem Geschehenen und schritt sofort gegen die Wache ein. Heftige Prügel setzte es nach allen Seiten. In der Erregung und dem Getümmel dachte niemand daran, als erstes die Verfolgung der Mörder aufzunehmen. Sofort wandte sich auch Nadir Chan an den diensttuenden Kommandanten des Militärwaffendepots in Dschelalabad, einen Oberst Schah Ali Risa Chan, und verlangte ihm die Schlüssel ab, ein Umstand, der später stark dazu beitrug, Verdacht gegen ihn zu erregen. Die Ereignisse überstürzten sich nun. Schon am Morgen des nächsten Tages hatte der Bruder des Verstorbenen, Nasr Ullah Chan, in Dschelalabad das Kommando über die Truppen in die Hand genommen und sich zum Emir ausrufen lassen, und zwar unter Umgehung des eigentlichen Kronprinzen Inajett Ullah Chan. Nichts lag natürlich näher, als ihn nunmehr des Mordes an seinem Bruder zu zeihen. Die völlige Verwirrung der Lage kennzeichnete aber der Umstand, daß auch gegen einen anderen Serdar, den Bruder des Sipah=Salar, der Vorwurf erhoben wurde. den Emir aus persönlicher Rache getötet zu haben. Habib Ullah sollte den Wunsch gehabt haben, die junge Frau des Serdars seinem Harem zuzuführen. Wie die Verhältnisse auch immer gelegen haben mögen, zunächst wurde in Ketten gelegt, auf wen nur der geringste Verdacht fiel, u. a. sämtliche Serdare der Mohmedsais, so die beiden Brüder Jakob und Jussuf Chan und ihre sämtlichen, sehr zahlreichen, in hohen Stellungen befindlichen Söhne. Dies geschah auf den Beschluß des Offizierkorps zu Dschelalabad am 27. Februar 1919. Man begründete den Schritt damit, daß den Serdaren der Schutz des Herrschers anvertraut war und sie für seine persönliche Sicherheit verantwortlich gewesen waren, in erster Linie gerade der Kriegsminister Nadir Chan. Diese Mohmedsais waren Nachkommen des Emirs Schir Ali Chan, der von seinen Brüdern Afsal und Asim und Afsals Sohn, dem Emir Abdur Rahman, dem Vater des Ermordeten, vom Thron gestürzt worden war. Immerhin hätte sich damit nur eine der so häufigen Begebenheiten aus der Familiengeschichte des königlichen Hauses wiederholt. Von allen Herrschern des letzten Jahrhunderts ist wohl nur Abdur Rahman, ollerdings gerade vielleicht der tatkräftigste, eines natürlichen Todes gestorben. So weit die Ereignisse in Dschelalabad. Unterdes war in Kabul ein neuer Thronbewerber auf den Plan getreten. Es war der Prinz Aman Ullah Chan, der durch einen Motorfahrer aus Dschelalabad Bericht über das dort Vergefallene erhalten hatte. Zunächst schien er tief betroffen. Dann riß er seinen Degen aus der Scheide und schwur auf die blanke Klinge, ihn nicht einzustecken, ehe sein Vater gerächt sei. Die Ereignisse schienen ihn davon überzeugt zu haben, daß sein Oheim, mit dem er jahrelang persönlich aufs engste befreundet war, und dessen politische Ansichten er weitgehend teilte, zumindest eine gewisse Schuld an der Ermordung trage. In einer öffentlichen Erklärung gab er dem Volk von der Ermordung seines Vaters Kenntnis, schwor, sie auf jeden Fall rächen zu wollen, und weigerte dem Oheim seine Anerkennung als Emir. Das Rätselraten über den geheimnisvollen Tod Habib Ullahs hörte auf. Es trat zurück hinter der ungeheuren Spannung, mit der man den Kampf der beiden Thronbewerber verfolgte. Wie die Dinge auch immer ausgehen mochten, ein jeder fühlte sich von den Ereignissen betroffen: die Anhänger Habib Ullahs, weil sie seiner schützenden Hand entraten mußten, die Freunde Aman Ullahs, weil es nun hieß, sich zu ihm zu bekennen, auf die Gefolgsleute Nasr Ullahs, weil sie auf einen Kampf mit einem nicht zu verachtenden Gegner gefaßt sein mußten. Die Parteien standen sich zunächst gleich stark gegenüber. Nasr Ullah stützte sich auf die hohe Geistlichkeit, die Grenzstämme und einen Teil des Landvolkes. Aman Ullah Chan hingegen durfte auf das dem volkstümlichen Prinzen anhängende Stadtvolk Kabuls zählen, und zwar vornehmlich die fortschrittlich gesinnten Elemente, darunter die Gebildeten Afghanistans, und den Anhang der Familie seiner Mutter, der berühmten Ulya Hasret. Nasr Ullah hatte den Vorzug, daß er mit den Grenzstämmen und dem Landvolk über die größere Kampfkraft der militärisch tüchtigsten Elemente verfügte. Zudem standen im Winterquartier in Dschelalabad 20000 Mann, auf die er unmittelbaren Einfluß ausüben konnte. Aman Ullah besaß den Vorteil, daß sich die Stadtbevölkerung schneller sammeln und ausrüsten ließ. Er konnte damit ohne Schwierigkeiten den Rahmen der 5000 Mann starken neun Bataillone in Kabul auffüllen. Ferner sprach für ihn ein Umstand, der ja für die Kriegsführung mit der wichtigste ist: er war in Kabul im Besitz des Staatsschatzes. Dies gab ihm die Möglichkeit, bei den nun beiderseits einsetzenden Angeboten an die Truppen diese zu ersteigern. Die Soldatenlöhnungen stiegen innerhalb weniger Tage von 12 auf 20 Rupien. Der Prinz Aman Ullah mit der Staatskasse blieb, wie vorauszusehen, bei dem Wettstreit Sieger. Die in Kabul anwesenden Prinzen und Höflinge leisteten dem jungen Emir den Treueid, indem sie den Koran siegelten. In die Provinz und ebenso an die Grenzstämme erließ Aman Ullah eine feierliche Erklärung, worin er die Thronbesteigung ankündigte, sich als Rächer seines Vaters bezeichnete und vor Nasr Ullah warnte. Man hörte fast den Atemzug der Erleichterung, den Kabul tat, als am Nachmittag des 23. Februar sich die Nachricht verbreitete, daß Jussuf Chan, ein greiser, allgeehrter Höfling, als Bote Nasr Ullabs und der Ulva Hasret eingetroffen sei, um den Thronverzicht Nasr Ullahs mitzuteilen Rundfunk-Programm Freitag. 1. März. 10.15: Schallplatten. 0 11.15: Schulfunk: M. Schieren: Die Schulentlassenen und der Bergbau. 0 11.35: Französ. Unterhaltung.• 12.10: Schallplatten. o 13.05: Mittagstagskonzert. Sol.: Franz Petter(Tenor. 0 15: Kinderspielstunde. 16: Dr. Lenneberg: Warum ist Glas durchsichtig? o 16.25: Dichterstunde: H. Brandenburg: Aus dem Idyll„Pankraz, der Hirtenbub“.• 17: Rektor Simon: Jugendfunk: Der Weichensteller, Ballade(K. v. Berlepsch); Großvaters 70. Geburtstag, Erzählung Rud. Freund; Poliz.=Hauptm. Franlewitz: Jugend und Großstadtverkehr.• 17.45: Vesperkonzert.• 18.30: A. Ortlamp: Die drei ältesten Städte des Münsterlandes. o 19.15: Engl. Unterhaltung. 19.40: Dr. Stein: Bucherstunde(Literatur zur Unfallverhütungswoche. 20: Vier Straßenecken in Westdeutschland.(Uebertr. des Straenverlehrßs und Schilderung seiner Gefahren). o 20.30: Abendlonzert des Funkorch. Honegger: Pacisic 231.— Charpentier: Impressions d'Stalie. 9 21: Gewerberat Hellwig: Die Unfallverhütung im Straßenverlehr. o 21.20: Fortsetzung des Abendkonzertes. • Anschl.: Konzert. Kavelle Mario Isealio. Samstag. 2. März. 10.15: Schallplatten. o 11.10: Schulsunk. Berufsberaterin Froitzheim: Kaufmännische Berufe für das Mädchen.— Dr. Cremer: Die mittlere Beamtenlaufbahn.* 12.10: Schallplatten.• 13.05: Mittagskonzert.• 15: Kinderspielstunde. 15.40: Studienrat Brüls: Die Hochfrequenzverstärkung. 16.05: Marie Theres van den Wyenbergh: Unfallverhütung im Haushalt. 16.35: Lesestunde: H. Kafka: Der Virtuose; Ferner Ruf. o 17: Dr. Wer: Hygiene des Lebens.# 17.20: Englisch. 0 17.45: Schallplatten. o 18.30: Dr. Stulz: Wie gewinne ich Verständnis für geschichtliche Vorgänge.* 18.50: Morsekursus.• 19.15: Die Stunde des Arbeiters: Bergrefer. Dr. Rauch: Gefahren der Sprengtechnik und ihre Bekämpfung.• 19.40: Museumdir. Dr. Lips: Entwicklung und Werden der menschlichen Kultur. o 20: Dir. Lohmar: Erste Hilfe bei Unglücksfällen. o 20.20: Lustiger Abend, Anschl.: Nachtmusik und Tanz. Zar Saltan Stadttheater Barmen Zu den Lehrern und Vorgängern lebender russischer Komponisten wie Strawinski und Prokofieff gehört Nikolai RimskyKorssakow(1844—1908). Er war einer jener fünf Petersburger Komponisten, die— Zeitgenossen Wagners— in bewußtem doch nicht immer erreichtem Gegensatz zu Wagner und dem Westen überkaupt, einen neuen unakademischen, wirklichkeitsnahen, dramatisch ebenso unmittelbar wie wahr wirkenden, aus den reichen Quellen national=russischer Volksmusik und national-russischen * Musikempfindens gespeisten Opernstil anstrebten. Der bedeutendste jener„Fünf“ und vielleicht aller russischen Komponisten ist Mussorgski, dessen wundervolle Oper„Boris Godunow“ vor zwei Jahren der Clou des Wuppertaler Opernspielplans war. Als Bearbeiter dieser Oper ist U. Rimsky-Korssakow allgemein bekannt geworden. Aus seinem eigenen reichen, neben der naturalistischen Oper besonders die russische Märchenoper pflegenden Schaffen(u. a. erschien 1865 seine erste und die überhaupt erste russische Sinfonie) sind in den letzten Jahren in Deutschland die Opern„Schneeflöckchen".„Zarenbraut"(Berlin) und „Zar Saltan“(Aachen) zur Aufführung gekommen. „Zar Saltan“ ist eine Märchenoper mit all der spezifischrussischen rauschenden Farbenpracht der Orchestermusik, der großen Chöre und der Bühnenbilder, aber auch der vielen zarten, sanft traurigen, kindlich naiven, komischen und humoristischen Details, die in eine rechte Volksoper gehören. Art und Inhalt deutet schon der lange Titel an: vollständig heißt er:„Das Märchen vom Zaren Saltan, seinem Sohne, dem berühmten und mächtigen Helden Guidon, und der schönen Prinzessin Schwanhilde". Sie hat ein Vorspiel und vier Akte(in 7 Bildern) und ihr Text stammt aus einem Märchen des großen russischen Dichters Puschkin. Aus einem Schwesterntrio wählt Zar Saltan die jüngste, die ihm einen Heldensohn schenken will. zur Gemahlin, was ihr, dem Aschenputtel, den Haß der beiden älteren Schwestern und einer alten Hexe von Base zuzieht. Dies und das Ausbrüten des teuflichen Racheplans, den Zaren durch Krieg von Hause zu entfernen und ihm den erwarteten Heldensohn durch Austausch der Botschaft als Mißgeburt zu melden, begibt sich im Vorspiel. Ein unter dem Motto des Abschiednehmens des Zarenpaares stehendes Orchestervorspiel leitet Akt eins ein. Die Zarin trauert über das unerklärliche Fortbleiben und Schweigen des Zaren, während der Heldensohn Guidon, umschmeichelt von entzückenden Schlaf= und Kinderliedern, märchenhaft schnell heranwächft. Inzwischen hat die böse Botschaft gewirkt: vom Zaren kommt der Befehl, Mutter und Kind in einer Tonne auf dem Meere auszusetzen. Das geschieht. Akt zwei bringt die Rettung. Die Tonne ist auf eine öde Insel gespült worden. Um Nahrung zu schaffen, schießt Guidon auf einen Geier, der einen Schwan verfolgt. Aber der Geier war ein böser Zauberer der Schwanenvogel die verzauberte Prinzeß Schwanbilde. Außer der Prinzeß hat aber Guidon auch mit seiner Tat ihre verwunschene Stadt erlöst, die in der aufgehenden Sonne prächtig im Schmuck von Palästen und Gärten, Burgen und Kirchen plötzlich vor ihnen liegt. Unter Glockenklang zieht, von lobsingenden Kirchensängern geführt, das Volk jubelnd heran und ernennt seinen Befreier Guidon zum Fürsten In Akt drei stillt die hilfreiche Schwanenfee Guidons Heimweh. indem sie ihn in eine Huniel verwandelt und ihm dadurch möglich mocht, einem Kaufmanusschiffe nachzufliegen und zugleich mit den Schiffern an den Zarenkof zu kommen. Unerkannt ist er Zeuge der stillen Traurigkeit seines Vaters und des eigennützigen Treibens der bösen Schwestern seiner Mutter, die den Zaren von einer Reise nach der neuen Wunderinsel, von der die Schiffer erzählt haben abhalten wollen, wofür sie von der wütenden Hummel mit Stichen bestraft werden. Akt vier bringt zunächst eine in zarte Lyrik getauchte Liebesszene zwischen dem Zarewitsch und der Prinzeß. Dann folgt ein Orchesterzwischenspiel, das Puschkins Volksmärchen von den drei Wundern der Märcheninsel zum Motto hat. Nun hebt sich der Vorhang zum letzten Bild. Die drei Wunder, das Goldnüsse knackende Eichhörnchen, die täglich neu aus den Meereswellen aufsteigenden und nach getanem Heldenwerk wieder darin verschwindenden dreiunddreißig Krieger, sowie die unvergleichlich schöne Prinzessin Schwanhilde werden dem Zaren als ersehntem Gast vorgeführt. Ein viertes Wunder erlebt dann der Zar durch die Wiedervereinigung mit Frau und Sohn. Den bösen Frauen wird edelmütig verziehen, und mit der ausgelassenen Fröhlichkeit, die ein üppiger Hochzeitsschmaus hervorruft, klingt unter Gesang und Tanz die Oper aus. Am russischsten sind Vorspiel, Akt eins und das prachtvoll gesteigerte Schluß=Finale. Breit rauscht der Strom der Melodien, geschäftig tänzelt der Rhythmus, pompös entfalten sich die großen Chöre. Die beiden mittleren Akte zeigen starke Beeinflussung von Wagner und noch weiter westlich beheimateten Komponisten. Doch sprießen zwischen den fremden Blumen immer noch genug Blumen aus der heimischen russischen Erde und verbreiten süßen Duft. Im ganzen, also im Zusammenklang aller sicht= und hörbaren Künste, geht von dieser poesievollen Märchenoper eine angenehm temperierte Wirkung aus. Die Aufnahme in den Spielplan ist dankbar zu begrüßen. Musikalisch wurde sie von Operndirektor Fritz Mechlenburg und Chorleiter Michel Rühl temperamentvoll und sorgfäktig betreut und in den Hauptpartien von Gertrud Clahes(Zarin), Maria Holzapfel(Prinzessin), Paula Büchner und Hedwig Antoni(Schwestern), Elisabeth Waldenau(Base), Joachim Sattler(Guidon). Walter Haaner(Zar), Artur Heyer (alter Mann), Joh. Draht(Narr) gut vertreten. Egon Wildens Bühnenbilder betonten ein klein wenig zu primitiv das Fabelreich. waren aber, belebt von den unter der ausgezeichneten Spielleitung von Reinhold Ockel vom Stadttheater Aachen a. G. stehenden, in farbenprächtige Gewänder gekleideten zahlreichen Mitwirkenden, und im Wechsel der sinnvollen Beleuchtung, märchenhaft schön. Die zierliche Hummel freilich, wie auch Geier und Schwan würden weniger hell beleuchtet echter wirken. Es gab viel Beifall am Schluß sowohl wie nach dem großen, die drei Wunder schildernden Orchesterzwischensviel vor dem letzten Bild. Toni Klimmet. Weh dem der lügt Stadttheater Elberfeld. Der Titel dieses Grillparzerstückes müßte über Herrn Maurenbrechers Spielplan gesetzt werden, denn welche Veranlassung hat er, das schwache und wirkungslose Lustspiel dem Publikum zu servieren. Wer sich mit solchen Neuinszenierungen über die Notwendigkeit, mit zwei großen Bühnen lebendige Kunst zu bieten. hinwegjongliert, der belügt sich selbst und das Publikum. Man sah gestern abend eine Art Theater, bei der einige gute Sprechleistungen geboten wurden. Aber um dieser Leistungen willen, die wahrlich an die Darstellenden keine allzu hohen Anforderungen stellen, braucht man doch wirklich nicht den Aufwand einer Neuinszenierung. Genau wie Sudermanus längst verklungene„Ehre“ weit über das Maß einer Toten=Erinnerung hinaus durch den Spielplan weitergeschleppt wird, so zieht die Intendanz unserer städtischen Bühnen die Spielzeit hin mit allen möglichen Antiquitäten, die bei wirklichen Spielplänen ausschließlich als Füllmaterial Verwendung zu finden pflegen. Es lohnt sich nicht, mehr über die gestrige Aufführung zu sagen, die den Darstellern zuliebe von einigen Besuchern dünn beklatscht wurde.eng. ( Restaurant Carl Funke Elberfeld. Wilbelmstr. 24- Telephon 4840. Jeden Samstag und Sonnta1: Bunter Abend. Bock- u. Sehlachtlest Stimmunde-Ronserte. Gr. 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Die Wupperstadt Wortlaut und Begründung des Gesetzentwurfs Begründung der Neugliederung Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld(§§ 35 und 36). Die rogionale Verwaltungsreform, die die in Aussicht genommene Gesetzesvorlage neben und zugleich mit der kommunalen Neugliederung herbeiführen soll, die durch die bereits eingetretene oder zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung geboten ist, würde in einem sehr wesentlichen Punkt Stückwerk bleiben, wenn durch sie der alte Gedanke der Vereinigung von Elberfeld und Barmen zu einem Gemeinwesen nicht verwirklicht würde. Es kann davon abgesehen werden, im einzelnen darzulegen, daß dieser Zusammenschluß mehr als wünschenswert, daß er dringend notwendig ist. Dies wird durch nichts besser bewiesen als durch die Tatsache, daß die ernsten Bemühungen, Elberfeld und Barmen zu verschmelzen, sich auf länger als drei Jahrzehnte zurückverfolgen lassen. Wiederholt schienen die deswegen zwischen den beiden Städten eingehend gepflogenen Verhandlungen zum Ziel führen zu sollen, stets aber sind sie schließlich gescheitert, obwohl die auf beiden Seiten vorhandene Verhandlungsbereitschaft allein schon erkennen läßt daß die Städte grundsätzlich der Auffassung waren, der Zusammenschlutz sei notia und werde ihnen beiden zum Vorteil gereichen. Daß dies in weitem Umfange zum Nutzen der ganzen Bevölkerung der Fall sein würde, kann in der Tat nicht zweifelhaft sein, denn Elberfeld und Barmen sind nicht nur ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, sondern sie bilden in Wahrheit schon jetzt der Sache nach ein städtisches Gemeinwesen und ihre verfassungsmaßige Zusammenfassung würde lediglich die rechtliche Anerkennung des schon bestehenden Zustandes bedeuten. Im Wege freier Vereinbarung ist diese Zusamemnfassung indes, wie die langjährigen vergeblichen Bemühungen deutlich gezeigt haben, nicht zustandezubringen, anderseits aber wird die Frage, weil sie unter dem Gewicht der tatsächlichen Verbältnisse allzu sehr auf Lösung drängt, nicht zur Rube kommen, bis sie ihre Lösung auch gefunden hat. Die Staatsregierung ist daher der Ansicht, daß die Angelegenheit im Wege der Gesetzgebung geregelt werden muß, selbst dann, wenn eine vorbehaltlose Zustimmung beider Städte nicht vorliegt, und daß der Zeitpunkt dafür nunmehr gekommen ist. Eleichzeitig mit ihrer Vereinigung ist das Gebiet der beiden Städte zu erweitern, wie es deren Bedürfnis nach neuem Wohn= und Industriesiedlungsland entspricht. Die Niederlassung von industriellen Betrieben mit großem Flächenbedürfnis und sterkem Eisenbahngüterverkehr ist kaum noch oder doch nur unter Ueberwindung ganz erheblicher, die Rentabilität gefährdender Schwierigkeiten möglich, weil solche Flächen in der Nähe der Eisenbahn nicht mehr vorhanden sind. Außerdem ist die Erweiterung der vereinigten Stadt unter dem Gesichtspunkt der aus wirtschaftlichen Gründen gebotenen Neugruppierung des Bergischen Landes notwendig. Im Westen ist zunächst die Stadt Vohwinkel anzugliedern. Vohwinkel ist mit Elberfeld=Barmen wirtschaftlich, verkehrstechnisch und baulich verwachsen Mit Gas, Wasser und Elektrizität wird es von Elberfeld versorgt. In kultureller Hinsicht ist Vohwinkel von Elberfeld=Barmen völlig abhängig. Es hat typischen Vorortscharakter mit Wechselbeziehung in allen Wirtschaftszweigen. Schon 1911 waren alle maßgebenden Instanzen Bohwinkels für eine Vereinigung mit Elberfeld. Damals scheiterte die Vorlage im Landiag. Seitdem sind die Städte noch mehr miteinander verwachsen und die Vereinigung muß nunmehr durchgeführt werden. Eine endgültige Stellungnahme Vohwinkels zu ihr liegt nicht vor, da die Stadtverordneten=Versammlung glaubt, erst entscheiden zu können, wenn eine Einigung zwischen Elberfeld und Barmen über deren Zusammenschluß erfolgt ist. Ergänzt werden soll das hinzutretende Gebiet der Stadt Vohwinkel um den südlich des Verschiebebahnhofs gelegenen Teil der Stadt Wuan und nördlich davon um einen der Stadt Gruiten zugehörigen Landstreifen, der sich vom Verschiebebahnhof bis an den Waldrand erstreckt und ebenfalls gute Eisenbahnanschlußmöglichkeiten bietet. Auch die Gemeinde Schöller soll weiter nördlich einen als Industriegelände geeigneten Gebietsteil abtreten. Die drei genannten Gemeinden haben sich damit einverstanden erklärt. Die im Westen Elberfelds gegen Wülfrath vorgeschlagene neue Grenzlinie folgt im allgemeinen der bisherigen Grenze Vohwinkels Die Kalkbrüche bleiben abgesehen von dem schon jetzt zu Vohwinkel gehörigen kleinen Kalkgebiet am Schickenberg, im Landkreise. In diesen gehören sie ihrem Charakter nach mehr als in die Großstadt. Aus diesem Grunde war auch der Wunsch Elberfelds, die Landgemeinden Gruiten und Schöller mit ihrem umfangreichen Kalkvorkommen ganz dem Stadtkreise zuzuteilen, abzulehnen. Der wichtige Verkehrsknotenpunkt bei Wieden aber soll an die Großstadt fallen." Im Nordwesten ist dem neuen Stadtkreise ein Streifen jenseits der jetzigen Grenze aus dem Gebiet der Städte Wülfrath und Hardenberg=Neviges zugedacht. Dieses Gebiet hat er im Zusammenhang mit seinen dort noch vorhandenen geringen unaufgeschlossenen Flächen als Siedlungsgelände für Wohnungen und teilweise auch für solche Industrie, die des Bahnanschlusses nicht bedarf, notig. Auch ist auf die Trassierung einer durch dieses Gelände von Elberfeld=Barmen zu bauenden großen Umgehungsstraße Rücksicht genommen worden. Die Gemeinde Wülfrath ist mit dieser Grengführung einverstanden. Von Hardenberg=Neviges wird sie mit der Begründung abgelehnt, daß das von ihr abzutrennende Gebiet für Siedlungszwece ungeeignet sei. Im Süden der jetzigen Stadt Elberfeld ist der künftig vereinigten Großstadt trotz ihres Widerspruchs die Stadt Cronenberg anzugliedern. Cronenberg liegt auf einem langgestreckten Höhenzug, der im Osten, Süden und Westen steil abfällt und eine scharfe Trennung gegenüber Solingen und Remscheid herbeiführt. Nur im Norden liegt auf gleicher Höhe der Elberfelder Ortsteil Hahnerberg. Von da aus fällt das Gelände allmählich nach Elberfeld und Vohwinkel ab. Nur hier sind Verkehrsmöglichkeiten gegeben. Verkehrotechnisch ist daher auch Cronenberg ganz nach Elberfeld eingestellt. Auch sonst sind enge Beziehungen vorbanden Der Elberfelder Ortsteil Hahnerberg steht in unmittelbarem baulichen Zusammenhange mit dem Cronenberger Ortsteil Küllenbahn, während dieser von der eigentlichen Stadt Cronenberg durch ein tiefes, bewaldetes und unwegsames Tal getrennt und nur durch Hahnerberg mit Fahrzeug zu erreichen ist. Küllenhahn der Stadt Elberfeld einzugliedern, ist daher, wie es auch dem Wunsche der dortigen Bevölkerung entspricht, unumgänglich. Dann aber ist die Stadt Cronenberg, wie sie selbst zugibt, nicht mehrlebensfähig. Aber auch sonst müßte Cronenberg, trotzdem es, wie nicht in Abrede gestellt werden soll, zurzeit noch ein kräftiges Eigenleben führt, im Stadtkreis Elberfeld=Barmen aufgehen Nachdem es infolge der vorgesehenen kommunalen Neugliederung im Bergischen Lande von den drei Stadtkreisen Solingen, Remscheid und Elberfeld=Barmen völlig umschlossen wird und in keinem räumlichen Zusammenhang mehr mit einem Landkreise steht, könnte es dem rechtsrheinischen Südkreis, für den es eine Erklave bilden würde, nicht zugeteilt werden, da dies sowohl für Cronenberg wie für den Kreis nicht von Vorteil sein würde. Aehnlich liegt es bei der b) die Stadtgemeinde Cronenberg. c) Teile der Stadtgemeinde Haan, Wülfrath und Hardenberg-Neviges gemäß den Grenzbeschreibungen der Anlage A dieses Gesetzes unter XXXI. d) Teile der Landgemeinden Schöller und Gruiten gemäß Grenzbeschreibungen der Anlage A dieses Gesetzes unter XXXII. 2. Aus dem Landkreise Lennep: a) die Stadtgemeinde Ronsdorf unter Grenzberichtigung gegenüber der Stadtgemeinde Remscheid(§ 87) gemäß Grenzbeschreibung der Anlage dieses Gesetzes unterXXXIII, h) ein Teil der Stadtgemeinde Lüttringhausen(Ortsteil Beyenburg) unter Grenzberichtigung gegenüber der Stadt Radevormwald gemäß Grenzbeschreibung der Anlage A dieses Gesetzes unter XXXIV. 3. Aus dem Landkreise Schwelm: Teile der Landgemeinden Gennebreck und Linderhausen gemäß Grenzbeschreibungen der Anlage A dieses Gesetzes unter XXXV. Anlage A XXX. Stadt Ronsdorf. Grenzberichtigung zwischen den Stadtgemeinden BarmenElberfeld und Solingen(Gräfrath) die auch selbständig bleiben will, die aber ebenfalls der Großstadt anzugliedern ist. Ronsdorf hatte im Jahre 1919 mit Rücksicht auf seine Leistungsschwache eine freiwillige Vereinigung mit Barmen selbst erwogen und dieserhalb bereits Verhandlungen angeknüpft. Es muß auch heute noch als ausgesprochen leistungsschwach bezeichnet werden, wie die fortgesetzten Eingaben um Staatsbeibilfen und die Unmöglichkeit, seinen Haushaltsplan zu balancieren, beweisen. Ronsdorf hängt wirtschaftlich, verkehrstechnisch und kulturell eng mit Barmen zusammen. Seine Industric ist der der Wupperstädte gleichgelagert und hat starke Wechselbeziehungen zu ihr. Die kulturellen Einrichtungen der Nachbarstädte, insbesondere die höheren Schulen und Theater, werden von seinen Bewohnern stark in Anspruch genommen. Anderseits ist das Gebiet Ronsdorfs ein günstiges Wohnsiedlungsgelände für den neuen Stadtkreis. Schon jetzt besteht zwischen den Siedlungen Ronsdorfs und Barmens ein gewisser baulicher Zusammenhang. Schließlich kommt hier wie bei Cronenberg in Betracht, daß Ronsdorf in den neu zu bildenden rechtsrheinischen Südkreis als ein wegen seiner exzentrischen Lage anorganisches Gebilde nicht hineinpassen würde. Der südöstliche Grenzstreifen mit dem kleinen Ortsteil Groß=Hülsberg, der in das Gebiet der Stadt Lüttringhausen einspringt, und auch verkehrstechnisch dorthin gehört, ist von Ronsdorf avzutrennen und mit Lüttringhausen der Stadt Remscheid anzugliedern. Der anschließende Lüttringhauser Ortsteil Beyenburg und das Herbringhauser Talsperrengeviet sind als Erholungsgebiete von der in dem erweiterten Stadtkreis Remscheid aufgehenden Stadt Lüttringhausen zu trennen und mit Elberfeld=Barmen zu vereinigen. Hier liegt die Barmer Talsperre, und das diese umschließende Gelände steht im Eigentum der Stadt Barmen, die auch sonst noch ausgedehnten Grundbesitz hier hat. Das Gebiet ist das natürliche Erholungsgebit für die Wupperstädte, die an seiner Gestaltung ein besonderes Interesse haben. Der Ortsteil Beyenburg liegt im Wuppertal und hat mit Barmen verhältnismäßig günstige Verkehrsverbindungen. Von 347 auswarts beschäftigten Arbeitern sind 165 tätig in Barmen. Die im Ortsteil Beyenburg wohnhaften Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung in Lüttringhausen haben sich in ihrer Mehrheit zwar gegen den Anschluß an die Großstadt ausgesprochen, doch sind sie dabei von der Annahme ausgegangen, daß die Stadt Lüttringhausen in ihrem gegenwärtigen Umfange selbständig bleiben werde. Vom Ortsteil Beyenburg soll am Westufer der Wupper ein schmaler Streifen an die Stadt Radevormwald abgetreten werden, was bei der Erweiterung der Stadt Remscheid naher begründet wird. Ebenso wie der Elberfelder muß auch der Barmer Teil der zu vereinigenden Stadt mit einem Geländevorrat ausgesiattet werden, auf dem sich großere, einen Eisenbahnanschlutz benötigende Industrieanlagen niederlassen können. Die Stadt Barmen begehrt zu diesem Zweck die Eingliederung der ganzen Stadt Schweim die Gemeinde Gennebreck und des westlichen Teiles von Linderhausen. In diesem Ausmaße aber können ihre Wünsche nicht als berechtigt anerkannt werden. Wenn die Stadt Barmen in Erweiterung des ihr erst im Jahre 1921 eingegliederten Gebieles der früheren westfälischen Gemeinden Langerfeld und Nächstebreck mit dem Westteil Linderhausens die als künftiges Industriegelände besonders geeignete Talsohle von Linderhausen, und dazu aus der Gemeinde Gennebreck eine der hier geplanten Umgehungsstraße folgende Grenzberichtigung erhält, so ist damit, auch eine günstige Weiterentwicklung der Barmer Industrie vorausgesetzt, deren voraussichtlichen Bedarf an Industrieland für absehbare Zukunft durchaus genugt. Die Eingliederung der mit Barmen städtebaulich in keinem Zusammenhang mehr stehenden Stadt Schwelri, die überdies neues Siedlungsgelände in nennenswertem Umfa ge nicht bringen würde, kann nicht in Betracht gezogen werden. Stadtgemeinde Solingen(§ 34). An der Nordgrenze von Gräfrath ist gegenüber der jetzigen Stadt Vohwinkel eine kleine Grenzänderung notwendig, durch die bezweckt wird, daß die jetzige an und teilweise auf der Straße Roßkamp=Kluser Hohe sehr ungünstig verlaufende Grenze künftig in Baublocktiefe südlich dieser Straße geführt ist. Der Wunsch der Stadt Elberfeld, auch die weiter süolich gelegene Fabrik der Vereinigten Seidenwerke A.= Krefeld zugeteilt zu erhalten, kann nicht berücksichtigt werden, da dafür kein zwingender Grund anzuerkennen ist und Gräfrath, das dadurch in seiner Finanzkraft Einbuße erleiden würde, sich dem widersetzt. * Abschnin XIV. Am Knickpunkt eines Weges bei der Parzelle Gemarkung Gräftath Flur 8 Nr. 251/2 pp. verläßt die Grenze die alte Kreisgrenze und führt parallel der bisherigen Grenze in einem Abstande von ca 84 Metern bis 82 Meter unter Durchschneidung der Parzelle 498/17 der Provinzialstraße Gräfrath=Elberfeld, überspringt dieselbe und folgt der Grenze zwischen den Parzellen Flur 1 Nr. 659/300 und 700/807. Verläuft alsdann wieder in einem Abstande von etwa 94 Metern bis etwa 108 Meter parallel der bisherigen Grenze unter Durchschneidung der Parzelle Flur 1 Nr. 708 307, 300 und 200 und mündet wieder in die bisherige Grenze Gräfrath—Vohwinkel bei dem Wegeknick an der Parzelle Flur 1 Nr 298. XXXI. a) Grenze des Teils der Stadtgemeinde Haan, der in die Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld eingegliedert wird. Die Grenze beginnt am Schnittpunkt der bisherigen Grenze der Stadtgemeinden Gräfrath. Haan und Vohwinkel und verläuft entlang der alten Gemeindegrenzen Gräfrath und Wald gegen die Gemeinde Haan bis zum Schnittpunkt mit der Bahnlinie Vohwinkel-Solingen, folgt der Nordostseite des neuen Bahnkörpers Vohwinkel—Solingen am Östrande der Bahnparzelle Gemarkung Haan Flur 7 Nr. 508/116, überspringt die Gräfrather Straße am Ostrande der Parzelle Nr 504 0.116, verläuft weiter am Nordostrande bes Bahngleises Vohwinkel=Solingen auf dem Ostrande der Bahnparzellen 966/252 und 689·65, umspringt die Wegeparzelle 424/0.65 und verläuft dann auf dem Nordostrande der alten, jetzt verlassenen Bahnstrecke Vohwinkel-Solingen am Östrande der Perzellen Flur 4 Nr. 846/64, Flur 6 Nr. 1072=287, Flur 4 Nr. 418/60, Flur 6 Nr. 751/1. Von diesem Punkte ans überquert die neue Grenzlinie den alten Bahnkörper zwischen den letztgenannten Parzellen 751/1 und Parzelle 755,01. Verläuft dann zwischen den Parzellen 755/0.1 und 1060/30 einerseits und 1068/1 anderseits. Der weitere Verlauf geht entlang der nördlichen Seite des öffentlichen Weges, Wegeparzelle 1068/1 und 1035/0.6 und mündet in die Provinzialstraße Vohwinkel—Haan. Ueberquert diese auf die Südostecke der Parzelle Flur 4 Nr. 747/46 zu und verläuft entlang der nordöstlichen Seite des zum Eisenbahnkörper führenden öffentlichen Weges auf dem Südrande der Parzellen Nr 747/46 und 682/5. Von der Westspitze der Parzelle 632/5 durchschneidet die neue Grenze den Bahnkörper Elberfeld—Köln—Düsseldorf geradlinig auf die südwestliche Ecke der Parzelle Gemarkung Obgruiten Flur 1 Nr. 193/0.89 zu in der bisherigen Grenze Hann— Grviten. b) Grenze des Teils der Stadtgemeinde Wülfrath, der in die Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld eingegliedert wird. Die Grenze beginnt bei dem Schnittnunkt der bisherigen Grenzen Schöller, Wülfrath, Vohwinkel, folgt der Vohwinkeler Grenze weiter bis in zirka 80 Meter Entfernung von der Provinzialstraße Vohwinkel—Aprath, läuft parallel zu dieser Straße unter Durchschneidung der Parzelle Gemarkung Unterdüssel 2091/207 usw. auf die Südwestecke der Parzelle 2079/204 usw. zu. Folgt deren Grenze gegenüber der Parzelle 2091/207 usw. bis zur Straße Elberfeld—Düsseldorf, überspringt dieselbe und läuft der Straße Vohwinkel—Aprath parallel in zirka 80 Meter Bautiefe nach Norden unter Durchschneidung der Parzelle 1961/202. Läuft in der alten Richtung weiter unter Durchschneidung Gemarkung Unterdüssel Nr. 1962/202 bis in die Verlängerung der Grenze zwischen den Parzellen Nr. 2153/200 und 2154/209, biegt dann in der vorgenannten Parzelle 1962/202 nach Osten um, durchschneidet die Straße Vohwinkel—Aprath und folgt der Grenze zwischen den Parzellen 2158/209 und 2228/209 einerseits und 2154/200 anderseits bis in die Lohwinkeler Gemeindegrenze. Die Grenze folgt der bisherigen Grenze Vohwinkel—Wülfrath weiter bis zur Ostspitze der Parzelle 1451/46 Weiter wird die neue Linie bis zum nördlichen Bachrande durch die Grenze der Parzellen 1451/46 und 1588/46 gebildet, folgt dem nördlichen Bachrande entlang bis zur Eisenbahngrenze Vohwinkel—Steele. Folgt der südöstlichen Eisenbahngrenze Vohwinkel— Steele am Östrande der Bahnparzelle 1460/0 46 und 1163 0.76 bis zur Nordwestecke der Parzelle 1232/141, folgt deren Nordrand am Wegrande vorbei. Folgt weiter auf der Grenze zwischen den Parzellen 1232/141, 1289/193, 1288/1M usw, 1281 0.184, 1247/220 und 1248/219 einerseits und den Parzellen 1224/141, 1226/194, 1859/210 usw., 1256/213, dann ein Stückchen dem südwestlichen Wegrand 12“1,217 usw. und 1249/216 anderseits bis zum Wege nach Hugenbruch, überspringt diesen und folgt dem Nordrande dieses Weges am Südrande der Parzellen 1115/219, 1409/252, 1408/251, 1402 0.251, 1401 247, 1125/0.247 und 1400/250 und am Westrande der Parzelle 1126/247 bis zur Grenze gegen Hardenberg=Neviges. c) Grenze des Teils der Stadtgemeinde Hardenberg=Neviges, der in die Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld eingegliedert wird. Die Grenze beginnt am Schnittpunkt der Grenze zwischen den Parzellen Gemarkung Kleine Höhe Nr. 486/253 und 239 mit der Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld. § 85. Die Stadtgemeinden und Stadtkreise Barmen und Elberfeld werden zu einer Stadtgemeinde und einem Stadtkreis„BarmenElberfeld“ zusammengeschlossen. § 36. In die Stadtgemeinde und den Stadtkreis Bormen=Elberfeld werden eingegliedert: 1. Aus dem Landkreis Mettmann: a) die Stadtgemeinde Vohwinkel unter Grenzberichtigung gegenüber der Stadtgemeinde Solingen(§ 84) gemaß Grenzbeschreibung der Anlage A dieses Gesetzes unter XXX, -Was ist Togal? Togal=Tabletten sind ein hervorragendes Mittel bei Rheume, Gicht, Ischlas, Grippe. Nerven-u. Kontschmerz, Erkältuasskrankhelten! Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5000 Aerzte, darunter viele bedeutende Professoren, die gute Wirkung des Togel. Fragen eie Ihren Arzt. In allen Apotheten. Preis Mk. 1.40 Grenze gegen die Gemarkung Oberdüssel und verläuft auf der Grenze zwischen den Parzellen Gemarkung Kleine Höhe Nr. 486 252, 240, 248, 241, 242, 364/243, 244 XI.27 einerseits und Nr. 239, 394/217, 749/217, 748 217 und 715/216 anderseits, durchschneidet die Provinzialgrenze Elberfeld—Neviges— Parzelle 792/0.252— und läuft in gerader Richtung weiter über die Grenze zwischen den Parzellen 811/244, 810 244, Wegeparzelle 867/0.244 einerseits und den Parzellen 808/216, 800/216, sowie der nichtnumerierten Wegefläche anderseits, biegt an der Nordostecke der Wegeparzelle 867/0.244 scharf nach Süden und lauft über die Östgrenze dieser Wegeparzelle, welche mit der Gemarkungsgrenze Obensiebeneick zusammenfällt, folgt weiter der Gemarkungsgrenze Kleine Höhe Clensiebeneick bis zur Nordwestspitze der Parzelle 124 Gemarkung Olensiebeneick und verläuft dann auf der Grenze zwischen den Parzellen Gemarkung Obensiebeneick Nr. 124, 125, 462/129, 163/129 464 145, 465/145, 811 145, 810/145, 661/216, 662/216 einerseits und den Parzellen Nr. 965/94, 959°94, 958/94, 957/94, 956 94, 967/94, 919/121, 947/121, 120, 816/119, 815/119, 812/119 und 600/216 anderseits bis zur Fingscheidter Straße. Dieser folgt sie ein Stückchen in Richtung Neviges und durchschneidet sie gegenüber der Nordostecke der Parzelle Nr. 694/227, läuft dann weiter auf der Grenze zwischen den Parzellen Nr. 894/227, 667/227, 913/215, 914/212, 912/209, 911/200, 910/205, 625/235 einerseits und den Parzellen Nr. 601/216, 665/227, 919 225, 918/229, 217/231, 916/232 und 915/233 anderseits bis Straße von Rohleder nach Neviges, folgt dieser, und zwar am Westrande ein Stückchen nach Süden und durchschneidet sie und den anschließenden Bachlauf auf der Grenze zwischen den Wegeparzellen 642/0204, 977/26 und der Bachparzelle 627/237 einerseits und der Wegeparzelle 978/26 bezw. der Bachparzelle 624/225 anderseits. Die Grenze verläuft dann weiter auf der Grenze zwischen den Parzellen 626/237, 236, 238, 297, 300. 659/291, 691 280, 689/287 einerseits und den Parzellen Nr. 623/235, 303, 302, 301, 323, 324, 325, 433/289, 328 und 826/329 anderseits bis zur Grenze der Gemarkung Tönberg. Von hier verläuft sie weiter auf der Grenze der Parzellen Gemarkung Dönberg Nr 1214/411, 1213/410, 961/392, 391, 1279/389, 1280389, 1282 389, 861/289 einerseits und Parzellen Gemarkung Obensiebeneick Nr. 826/329, Gemarkung Tönberg Parzelle Nr. 1212/410, Gemarkung Obensiebeneick Parzelle Nr. 827/332, 651/332, Gemarkung Dönberg Parzelle Nr. 855/390, und 950/390 anderseits bie zur Höhenstraße Parzelle Nr. 952/389, durchschneidet diese und verläuft auf der Grenze zwischen den Parzellen Nr. 1052/379 und der Wegeparzelle 1040/321 usw. einerseits und den Parzellen 1414/319, 868/317 und 1048/321 anderseits bis zur Straße„Neuer Weg“, Parzelle Nr 1810/326, durchschneidet diese und verläuft dann auf der Nordgrenze der Straße gegen die Parzellen 978/321, 1141/314, 1140/314 und 879/321. Am südöstlichen Grenzpunkt der Parzelle 879/321 verläßt sie die Straßengrenze und läuft sodann auf der Grenze zwischen den Parzellen Nr. 880/326, 307, 308 und 309 einerseits und den Parzellen Nr. 879/321, 1140/314, 306 und 305 anderseits bis zur Grenze von Gennebreck. XXXII. Grenze der Teile der Landgemeinden Gruiten und Schöller, die in die Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld eingegliedert werden. Beginnend an der südwestlichen Ecke der Parzelle Gemarkung Obgruiten Flur 1. 19.,,0.89 verläuft die Grenze weiter auf der Grenze zwischen den Parzellen Flur 5 H Nr. 193/0.89, 191/0.89, 64, 65, 66, 74, 181/76 usw., 73, 178/2 usw., 180/5, 72, 189a/70, 151/35, 184/33, 19 und 21 einerseits und Flur 9 Nr. 203/89, 202/91, 92, 03. 94, 9, 7, 6, 8, 12, 18, 14, 15, 17, 203/18 und 20 anderseits bis zur Grenze Vohwinkels. Von hier verläuft die neue Grenze weiter entlang der alten Gemeindegrenze Vohwinkel gegen Schöller bis zur Südostspitze der Gemarkung Schöller Flur 3 Nr. 730/111. Verläuft dann auf der Grenze zwischen den Parzellen 731/84, 712/87, 714/87, 717/87, 70/89, 708/87, 615/97 usw., 90, 100, 101. 634/104, 631/142, 627/66 usw., 499/66 und 492/66 einerseits und 780/111, 738/112, 635/104, 103, 623/104. 626/66, 625 66 und 688 142 anderseiis bis zur Eisenbahnlinie Elberfeld—Mettmann. Ueberspringt diese auf der Südwestecke der Parzelle 655/161 zu und folgt der Grenze zwischen den Parzellen 655/161, 656/143, 657/66 usw., Reuhorks jüngster Wolkenkrater das 56 Stockwerke hohe Geschäftshaus der Chanin Cynstruction Company an der Ecke der 42. Straße und Lerington=Avenne in der City von Neuyork, wurde mit einem Kostenaufwand von 12 Millionen Dollar fertiggestellt. 65866 usw., und 661/63.66 einerseits und 650 161, 659/167 usw., 662/63, 476/63 und 358.63 anderseits bis zur Eisenbahnlinie von Vohwinkel nach Steele, überspringt diese auf die Südspitze der Parzelle 412/63 zu. Verläuft ein Stück zwischen den Parzellen 412/63 und 482 63, durchschneidet diese Parzelle 482/63 in östlicher Richtung auf die Südwestspitze der Parzelle 481/63 zu und verläuft weiter auf der Grenze zwischen den Parzellen 482/63. 66663 und 60 einerseits und 481/63 anderseits, durchschneidet von dem Grenzknick auf der Nordseite der Parzelle 60 aus in nordöstlicher Richtung die Parzellen 68358 und 57. Verläuft dann auf der Grenze zwischen den Parzellen 15 und 680/14 einerseits und 19 und 674/20 usw. anderseits bis zum Wege nach Vuntenbeck Folgt dessen Südrand ein Stückchen und überspringt ihn gegenüber der Südwestecke der Parzelle 672/7. Verläuft auf der Grenze zwischen den Perzellen 671/7, 672/7, 673/7 einerseits und 670/7 und 527/2 usw arderseits, bis sie an der Südweitecke der Parzelle Gemeinde Vohwinkel Flur 3 Nr. 19620 auf die Vohwinkeler Grenze stoßt. * Soweit die Grenzziehung den Elverfelder Bedürfnissen nicht gerecht wird und wegen des Namens der künftigen Stadt wird die Elberfelder Verwaltung Verhandlungen mit dem Staatsrat aufnehmen. Vor einem Röhrenkrieg In der am Mittwoch stattgefundenen Generalversammlung des Ruhrtrusts(Vereinigte Stahlwerke AG.), die die vorgeschlagene Dividende von 6 Prozent genehmigte, machte Direktor Ernst Poensgen Ausführungen, die zum Teil bestimmte Schlüsse auf gewisse Auseinandersetzungen in der Eisenindustrie zulassen. Man kann annehmen, daß die deutsche und internationale Rohstahlgemeinschaft und die verschiedenen im Laufe dieses und des nächsten Jahres ablaufenden Verkaufsverbände wieder erneuert werden. Dagegen, so betonte Poensgen, zeigen sich bereits gegenwärtig durch das Auftreten neuer Forderungen in dem einen oder anderen Verband Schwieriakeiten. Man müsse sich deshalb bei der Größe des Umsatzes kaufmännisch darauf einstellen, daß die Verbände nicht erneuert würden. Unter Umständen kann man das auf die Röhrenproduktion beziehen, wo sich starke Auseinandersetzungen zwischen dem Ruhrtruft, Krupp und Mannesmann seit langem bemerkbar machen. Aller Wahrscheinlich, keit nach steben wir vor einem Röhrenkrieg. Im übrigen gab Poensgen zu, daß sich die Produktion im Stahltrust während des Jahres 1928 auf einem hohen Stand bewegt habe. Nur leugnete er, daß der Trust davon profitierte. Das deck: sich nicht mit den Tatsachen. Die Aufwärtsbewegung der Weltmarktpreise ist auch dem Trust sehr zustatten gekommen. Er weiß, weshalb er jahrelang Strafgelder in die Kassen des internationalen Eisenpaktes zahlte. Er hat davon im Jahre 1928 zum ersten Male den gewünschten Erfolg eingeheimst. Die Folgen der Aussperrung sind überwunden. Im Januar konnte der Trust eine gute Erzeugungsziffer erreichen. In Robstahl wurde die bisherige Höchstmonatsproduktion der Gesellschaft von 630 000 Tonnen sogar um 3000 Tonnen übertroffen. Auch die Steinkohlenförderung der Zechen erreichte mit arbeitstäglich rund 910000 Tonnen ihren bisherigen Höchststand. Im Februar sei, wie Poensgen ausführte, ein Rückschlag eingetreten, der sich aber durch die barte Frosiperiode erklärt. Man glaube aber in der Eisenindustrie, mit dem baldigen Einsetzen eines starken Frühjahrsgeschäftes rechnen zu können. Die Umschuldung der Landwirtschaft Der Verband deutscher öffentlich=rechtlicher Kreditanstalten teilt über die im Febrnar 1928 vorgenommene 25=Millionen=DollarAnleihe zur Umschuldungin der deutschen Landwirtschaft für die Aktion in Preußen, Baden und Württemberg mit, daß rund 46,5 Millionen Mark an die Darlehnsnehmer zur Auszablung gelangt sind. Gewährt wurden 2096 Hypothekendarlehen im Gesamtbetrage von 40,23 Millionen Mark und 1150 Kleinbauern= und Pächterkredite in Höhe von 6,222 Millionen Mark. Bewilligt und bereuts an die Personalkreditinstiturc zur Auszahlung gelangt sind 2162 Darlehnsanträge über 22.5 Millionen Mark Hiervon entfallen 2112 Anträge mit 22,37 Millionen Mark auf Hypotbekendarleben und der Rest auf Kleinbauern= und Pächterkredite Den Kreditausschüssen, die nach den Richtlimen des Reicheernahrungsministeriums entscheiden, liegen noch eiwa 3170 Darlehnkanträge über einen Gesamtbetrag von 65,3 Millionen Mark vor. Ihre Beratung ist in Angriff genommen; man rechnet damit, daß die Verteilung der Umschuldungsdarlehen bis spatestens April oder Mai 1929 restlos durchgefuhrt sein wird. De Zahl der Anträge, die abgelehnt werden mußte, weil sich die betreffenden Betriebe wegen Ueberschuldung als nicht mehr sanierungsfahig erwiesen, wird mit 1130 angegeben. Konsumunterstützung Der Konsumverein Dortmund=Hamm kündigt eine Unterstützungsaktion zugunsten der in besonderer wirtschaftlicher Notlage befindlichen Mitglieder — Erwerbslose, Kurzarbeiter, Sozialrentner u. a.— an. Voraussetzung für die Bewilligung der Unterstützung ist pro Familie der zu unterstützenden Erwerbslosen ein Umsatz von 300 A in den letzten acht Monaten. Ein Säuglingsheim in Flammen In einem Versorgungshaus für Säuglinge und werdende Mütter in der Nahe der Stadt Hendekrug brach ein gefahrliches Großfeuer aus, das die Insassen, darunter 30 Säuglinge und 16 vor ihrer Niederkunf: stehende Mädchen, sowie das Personal, im Schlaf überraschte. Die Säuglinge mußten, in Säcken verpackt, bei der eisigen Kälte herausgetragen und in Privatquartieren untergebracht werden. Auch die Wöchnerinnen fanden dort Aufnahme. Der entstandene Materialschaden ist außerordentlich groß. Auffallend billige Preile kür moderne zimmer und Küchen finden Sie bei mit Selten grohe Auswahl. Hrößt. 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