Elberfeld=Barmen. Einzelpreis 15 Goldpfennig. Dienstag, den 6. April 1926. Nr. 79. 42. Jahrgang. Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 3 A.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen- und Zeitungsnummer gebeten. Freie Presse Inzeigenpreis: I mm Höhe(85 mm brekt) 10 Reichspfennig. Reklamen, 1 mm Höhe(94 mm br.) 40 Reichspfennig.- Anzeigenrechnungen sind ofort zahlbar. Fur Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen u. für teleph. Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Bei Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berücksichtiat werden. Zeitung der Sozialdemokratischen Partei für das bergische Land • Sonderbeilagen: Bilder vom Tage„Volk und Zeit",„Feierstunden",„Die arbeitende Frau",„Das neue Werden",„Die arbeitende Jugend". Redaktion; Elberfeld, Robertstr. 8a. Fernsprecher 1041.— Haupt geschäftsstelle: Elberfeld, Robertstr. 8. 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Dazu ist die Lage auf dem Arbeitsmarkte immer noch viel zu kritisch. Der Abstrom der auf dem Markt stehenden Arbeitskräfte in verschiedene Berufe, besonders in die Landwirtschaft und in das Baugewerbe geht im Augenblick noch langsam, aber doch von Tag zu Tag fühlbarer vor sich. In Berlin ist z. V. die Zahl der Arbeitsuchenden neuerdings um 1322 Personen, auf 244 152 Personen zurückgegangen. Es verbleibt also immer noch allein in der Reichshauptstadt eine volle Viertelmillion Arbeitsloser. Zwei Drittel davon sind männliche und ein Drittel weibliche Arbeitskräfte. Die Aushilfsarbeiten während der Österfeiertage haben auf den Rückgang der Arbeitslosenziffer einen gewissen Einfluß ausgeübt. Auch der Wiederbeginn des Betriebes in den Bädern, Kurorten, Sommergaststätten usw. wird in kurzer Zeit Tausenden von Arbeitslosen Beschäftigung bringen. Entscheidend ist die Steigerung der Arbeitsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und im Baugewerbe. Es wird angenommen, daß im Laufe des Monats April und der ersten Hälfte des Monats Mai 300- bis 350 000 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Beschäftigung finden werden. Die Belebung des Baugewerbes, in das in Preußen durch zwecklose politische Manöver der Rechtsparteien und Kommunisten, die zum Fall des Hauszinssteuergesetzes führten, eine gewisse Unsicherheit hineingetragen worden war, hat jetzt durch die Bereitstellung des 200-Millionenkredits der Reichsregierung einen neuen Anstoß erhalten und das Reichsarbeitsministerium will alles tun, um durch eine schnelle Verteilung des Kredits den Wohnungsbau so rasch wie möglich in Gang zu bringen und damit zugleich die Finanzlast der Erwerbslosenfürsorge zu senken. In der Industrie kann nur mit einer ganz allmählichen Besserung des Arbeitsmarktes gerechnet werden. Hier ist die Krise in erster Linie eine Vertrauenskrise. Die Gesundung hat eingesetzt; das Vertrauen kehrt langsam zurück, der Zahlungseingang bessert sich, die Konkurse nehmen ab. Symptome für die Besserung sind also zweifellos vorhanden. Aber die Besserung kann naturgemäß nicht im Galopp vor sich gehen, zumal gleichzeitig mit der finanziellen Gesundung die technische Umstellung, d. h. die Rationalisierung der Betriebe, vor sich gehen muß, die ihrerseits, wenn auch nur vorübergehend, neue Arbeitslosigkeit schafft. Unter diesen Umständen bleibt die Aussicht auch in den kommenden Wochen für viele, gar zu viele, eine recht trübe, obwohl sicher Hunderttausende Arbeit erhalten werden. Zu groß ist das Arbei'slosenheer, als daß es restlos abgebaut werden könnte. Selbst der Sommer 1926 dürfte voraussichtlich eine industrielle Reservearmee sehen, die ständig rund eine Million Köpfe betragen wird. Und doch halten die Kapitalisten, deren„Ordnung“ durch die Arbeitslosenzahlen so sinnfällig gekennzeichnet wird, ihren Widerstand gegen den Achtstundentag und die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens unvermindert aufrecht. Der Widersinn der Todesstrafe Zum Fall Flessa Vor wenigen Monaten stauten sich um das Landgerichtsgebäude in London die Massen, um die Sensation des Tages, die Hinrichtung der ersten englischen Frau, durch wenige Mauern und Gänge vom Galgen getrennt, mitzuerleben. Kinooperateure kurbelten die Menge, Photographen belauerten die Treppen, und Extrablätter warfen die Tatsache von der vollzogenen„Hinrichtung durch den Strang“ ins Volk. Die Debatte über den Schuldspruch gegen die Frau, die von der Beiseiteschaffung ihres Mannes durch den Dritten im„Dreieck“, den Freund, wußte und sich dadurch der Mittäterschaft beim Mord schuldig machte, hatte durch den großbritannischen Henker einen jähen Schlußstrich erhalten. Eine Zeitlang flackerte noch die Diskussion über den Widersinn der Todesstrafe durch die englischen Blätter; dann erlosch sie ganz. Nun hat die Goethe=Stadt Frankfurt a. M. ihre Sensation durch das Todesurteil über eine andere Frau, die für einen Mord im Sinnentaumel der verschmähten Liebe verantwortlich erscheint. Schwester Flessa, ein junges Weib, ein halbes Leben voller Arbeit und Not hinter sich, entdeckt im eintönigen Rhythmus des Krankenhauses, das sie bis zum 36. Lebensjahre als Arbeitsmaschine gefangen hält, die Liebe. Ein Arzt, Dr. Seitz, hat es hr angetan. Er ist neit zu ihr; etwas mehr wie zu den anderen; er fühlt sich geschmeichelt durch die tropische Hitze, die seine Berührung in dem liebeleeren Körper der verblühenden Schwester entzündet; er wird ihr mit der Zeit wohl etwas mehr bedeutet haben wie ein anderer Mann. Eines schönen Tages fordert sie von ibm ein Kind. Da fühlt sich der liebenswürdige Doktor, der so gut zu trösten und zu streicheln und Gemütsausbrüche zu glätten vermag, über Nacht wie von einem wilden Tier angepack: und flieht das Weib. Die aber verlangt von ihm die Besänftigung der Stürme, die er in ihr entfesselt hat— und ihr Kind. Sie tastet sich mit einem Schießeisen im Schurz durch die Gänge, halbtot vor Angst vor den Explosionen, die sich um sie und in ihr ballen, und eines schönen Tages kracht der erste Schuß auf den Freund“. Der„Sachverständige“ hält es für möglich, daß sich der erste Schuß, wie Schwester Flessa behauptet, automatisch gelöst hat. Auch der zweite Schuß kann sich nach dem Sachverständigen=Gutachten durch eine Drehung des Armes von selbst gelöst haben. Der dritte Schuß kann jedoch nur mit dem Willen der Schwester dem überraschten Arzt in die Brust gesaust sein. „Schießsachverständige“ sind wir im Kriege schließlich alle geworden. Jeder Infanterie= und Maschinengewehrschütze weiß sehr gut, daß der erste Schuß immer der schwerste ist; die nächsten Schüsse folgen, so bald die Luft von der Detonation zerrissen ist, so bald der Rückstoß sich an der Brust oder in der Faust von selbst eingespielt hat. Jeder Rekrut muß zum ersten Schuß förmlich gezwungen werden; die anderen stoßen sich dann von selbst heraus. Eine Krankenschwester aber, die nie einen Pistolenschuß gehört, nie eine feuernde Waffe in der Hand gehalten hat, die soll so eine zuckende Selbstladepistole meistern können zwischen dem zweiten und dem dritten Schuß? Darauf baut sich aber dieses Todesurteil auf. Welcher„Sachverständige“ will hier entscheiden, was bier zwischen diesen drei Stößen„Ueberlegung“ und was Raserei, Affekt und Besessenheit ist? Eine Frau, die nach einem halben Lebensalter voll Entsagung und Not plötzlich in alle Seligkeiten des reifenden Weibes taumelt und dann in die Abgründe der Entsagung stürzt, soll„Ueberlegung“ haben, wenn sie zum Revolver greift? Eine„mannstolle alte Jungfer", werden die„Kavaliere“ sagen, die sich gelegentlich ein Mädel aus dem Bureau oder aus dem Kaufhaus holen. Fritz von Unruh hat zur Beschwörung der Bestätigungsinstanz den„79jährigen Olympier“ Wolfgang Goethe beschworen und die Domglocke zu Frankfurt a. M., die auch ihm im Ohr gebrummt hat, als er seinen Österspaziergang schrieb. So weit brauchen wir gar nicht zurückzugehen, um im Fall Flessa zu einem konkreten Urteil zu gelangen. Ein schlagenderes Beispiel gegen den Widersinn der Todesstrafe können wir so schnell gar nicht wieder bekommen als den Leidensweg der Schwester Flessa. Ein armes, proletarisiertes Mädel schluckt einen Brocken Liebe, der vom reichgedeckten Tisch der besitzenden Klasse herunterfällt, verliert die ruhige Ueberlegung und knallt auf den ungetreuen Liebhaber die Pistole ab. Wo bleibt hier das todeswürdige Verbrechen, die ehrlose Gesinnung, der Wille zur Tat? Ueberlassen wir es den Rechtsgelehrten, über„Daueraffekt",„Willensentschluß“ und„Affektbesessenbeit" zu diskutieren, die Arbeiterklasse hat als erste Bevölkerungsschicht der Todesstrafe die Existenzberechtigung abgestritten und sieht in der Schwester Flessa— mag sie gefehlt haben, wie mancher seelisch entgleiste Pistolenschütze vor ihr— eine willkommene Bundesgenossin im Kampf gegen eine uralte Forderung des Proletariats. Der Sieg der Reaktion in Rumänien Zur Bildung des Kabinetts Averescu in Rumänien wird uns aus Bukarest geschrieben: In dem Kampf zwischen der rumänischen Reaktion und dem demokratischen Fortschritt hat vorläufig das reaktionäre Element gesiegt. Die demokratische Opposition hat zwar bei den vor wenigen Wochen stattgefundenen Gemeindewahlen einen großen Erfolg davongetragen, und es ist auch unzweifelhaft, daß die überwältigende Mehrheit des Landes hinter ihr steht, aber der König hat sich trotzdem auf die Seite der Liberalen gestellt. Es war bisher schon kein Geheimnis, daß ihn die Liberalen durch die Hofkamarilla vollständig beherrschen und seit der Verjagung des Thronfolgers die Beziehungen zwischen der Scheindynastie Hohenzollern und der wirklichen Dynastie Bratianu noch enger geworden sind. Aber selbst in Rumänien hatten es nur die größten Skeptiker für möglich gehalten, daß der Thron es wagen würde, die Ergebnisse der Gemeindewahlen zu mißachten und die ohne jeden Anhang befindliche Volkspartei Averescusan das Ruder zu rufen. Die oppositionellen Zaranisten und die Nationalpartei haben infolge ihrer Haltung diesen vorläufigen Sieg der Reaktion sichern helfen. Sie waren es, die anläßlich der Gemeindewahlen gegen den Einspruch der Sozialisten in allerletzter Stunde die Aufnahme der Averescaner in die Einheitsfront durchsetzten und so deren Klüngel, der politisch längst in der Agonie lag, wieder zum Leben erweckten. Sie waren es ferner, die sofort nach den Gemeindewahlen auf jeden weiteren Kampf gegen das bestehende korrumpierte System verzichteten, die Koalitionsverhandlungen innerhalb der Oppositionsparteien plötzlich abbrachen und ihre eigenen Wege bei Hofe gingen, um sich erst an dem Tage der entscheidenden Unterredungen mit dem König über eine gemeinsame Regierungsbildung klar zu werden. Die Nationalpartei hat inzwischen versucht, ihre sträfliche Taktik wieder gut zu machen, indem sie drei Mitglieder des Kabinetts, die bisher einem ihrer Flügel angehörten, ausschloß. Auch der Eintritt dieser Minister ist schließlich auf den gesellschaftlichen Einfluß der Liberalen zurückzuführen, der heute noch bei Hof und in der Wirtschaft ungebrochen ist. Das Kabinett Averescu ist in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr als der Statthalter der Liberalen Partei. Es hat zweifellos ein schweres Erbe übernommen. Der Wert der Währung ist seit der Herrschaft der Liberalen im Jahre 1922 um fast 100 Prozent gesunken, während der Teuerungsinder von 16 auf 48,07 stieg und die Inderziffer der Löhne zwischen 25 und 35 schwankt. Diese katastrophale Finanz= und Wirtschaftslage hat die Regierung aber nicht hindern können, die Staatsverwaltung um dreiweitere Ministerien zu vergrößern. Das bedeutet praktisch eine Vergrößerung der Korruption und so eine Steigerung der liefen Unzufriedenheit, die heute bereits im ganzen Volke herrscht. Auch in Zukunft werden die Massen den Staatsapparat aufrechterhalten müssen, und es wird ihnen schließlich nichts anderes übrig bleiben, als sich mit dem Belagerungszustand, der über weite Teile Rumäniens verhängt ist, abzufinden. Der Terror der Besitzenden und der Staatsmacht wird vorläufig das Volk weiter beherrschen, und insofern hat Averescu recht, wenn er der Welt verkündet, daß sich an dem bisherigen System zunächst nichts ändern wird. Eine Stütze findet die Regierung Averescu u. a. noch in den antisemitischen und faszistischen Kreisen Rumäniens. Es handelt sich hier weniger um zahlenmäßig große Verbände als um Organisationen, die mit Terror nach italienischem Muster die Bevölkerung zu beeinflussen suchen. Die Sympathien des italienischen Diktators für Averescu sind also angebracht; sie finden ihre Berechtigung auch in der Zusammensetzung des Kabinetts. Ihm gehören der siebenbürgische Faszistenführer Goaga als Innenminister und der faszistische General Mircescu als Kriegsminister an. Ihre besondere Aufgabe für die nächste Zeit ist, mit Unterstützung der faszistischen Verbände die Wahlen zum Parlament durchzuführen, und ihre Hoffnung bleibt, daß sie insbesondere von italienischer Seite starke politische Unterstützung erhalten. Tatsächlich verlautet bereits, daß Italien als dritte Großmacht. jetzt das Abkommen zu unterschreiben gedenkt, nach dem Bessarabien endgültig dem rumänischen Staat zuerkannt wird. Ausgeschlossen ist bei Mussolini nichts, und da es schon lange sein Ehrgeiz ist, ganz Eurcpa mit dem Faszismus zu„beglücken", wird er sicherlich versuchen, sein Ebenbild in Rumänien auf jede mögliche Art stützen zu helfen. Es ist eine andere Frage, ob das viel nützen wird. Eine viel größere Rolle wird während der Wahlen zweifellos das von ihm erfundene faszistische System mit seinen Rizinuskuren, Brandstiftungen und Totschlägerelen bilden. Ein Terror, wie ihn selbst Rumänien unter Bratianu nicht erlebt hat, dürfte das Feld beherrschen, um für Averescu, der während der Gemeindewahlen in einer größeren Stadt nicht einmal 200 Stimmen auf sich vereinigen konnte, einen Sieg zu erzwingen. Die europäischen Demokratien haben unter diesen Umständen allen Anlaß, der Entwicklung in Rumänien ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Sie leisten damit nicht nur dem jungen demokratischen Fortschritt, sondern in erster Linie sich selbst und ihrer Idee einen großen Dienst. „Seine Majestät macht Propaganda gegen die Fürstenenteignung. Einem Bittsteller, der sich an den ehemaligen Kaiser nach Doorn gewandt hatte, ging das folgende Antwortschreiben zu, das faksimiliert ist, und in dieser Form also wohl regelmäßig versandt wird: Hofmarschall=Amt Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II. Haus Doorn, 11. März 1926. Auf Ihr an Seine Majestät den Kaiser und König gerichtetes Gesuch vom 4. d. M. muß Ihnen leider erwidert werden, daß es nicht möglich ist, Ihnen das erbetene Darlehn zu gewähren. Wie Sie wissen werden, ist das Privatvermögen Seiner Majestät von der republikanischen Regierung noch immer beschlagnahmt. Mittel stehen deshalb nicht zur Verfügung. Sie wollen überzeugt sein, daß es für Seine Majestät das schwerste ist, nicht mehr— wie früher stets— helfen zu tonnen. Das trifft besonders auf den Fall wie den Ihrigen zu. Ergebenst (gez.) v. Kleist. „Seine Majestät“ trägt also am schwersten an dem furchtbaren Pech, sein mildes Herz nicht mehr so offenbaren zu können wie ehedem. Und was hindert ihn daran? Nur die verdammte„republikanische Regierung", die sein Privatvermögen immer noch beschlagnahmt hält. Das tut sie allerdings, denn es steht ja noch gar nicht fest, wieviel davon wirklich Wilhelms nachweisbares Privateigentum ist. Ueberdies hat der Mann aber auch noch im Auslande ein vielmillionenfaches Vermögen angelegt und schließlich erhält er doch auch vom preußischen Staate Jahr um Jahr 600000 A in bar, so daß es nur eine echt wilhelminische Flause ist, wenn er einen Bettelbrief mit einem Fluch über die republikanische Regierung in Preußen beantworten läßt. Aber was schadet's! Die Hauptsache ist, daß sich durch solche Stilübungen des„Hofmarschallamts" Dumme einfangen und gegen den Volksentscheid, für die restlose Bewilligung aller, Fürstenansprüche, mobilisieren lassen. Der Zweck heiligt die Mittell Die Sozialisten Italiens regen sich Ein Aufruf— Konferenz in Mailand Rom, 6. April.(Durch drahtlosen Fernspruch.) Der Vorstand ter nach der Auflösung der alten Unitarierpartei neu gegründeten Sogialistischen Arbeiterpartei in Italien und die ihr angehörenden Abgeordneten haben in Rom am 30. und 31. März eine Tagung abgehalten und eine Kundgebung beschlossen, die in der italienischen Presse nicht veroffentlicht werden durfte. Diese Kundgebung befaßt sich vor allem mit der Ermordung Matteottis und der gegenwärtigen Lage des Faszismus. Die Sozialistische Arbeiterpartei und ihre Algeordneten sprechen in ihr u. a. in bezug auf den Prozeß in Chiety als von einem„ammerlichen Justizschauspiel". Wortlich heißt es dann:„Die leuchtende und fleckenlose Gestalt Matteottis bleibt fortan der feierlichen Dankbarkeit des Weltproletariats geweiht. Diese Gestalt wurde zwar nach dem Tode und trotz des Todes sogar im Gerichtssaal durch die verbrecherische, wenn auch ohnmächtige Verleumdungswut seiner Gegner verfolgt, aber sie hat sich gerade durch die Tatsache des ungesühnten Märtyrismus zu einem unvergänglichen Symbol des sittlichen und menschlichen Protestes erhoben, des Protestes gegen alle Schuldigen und Förderer des Mordes. der zu einem politischen Regierungsmittel geworden ist. Die Kundgebung sagt dann weiter:„Die Bedingungen, die der der italienischen Regierungskontrolle unterworfenen Presse auferlegt sind, die Aufhebung der Versammlungs= und Koalitionsfreiheit, nichts von alledem vermag unsere Partei oder sonst eine Partei ven der Bürgerpflicht zu entheben, keine Anstrengungen zu scheuen. Zu diesem Ziele muß vor allem an die Mitarbeit der Jugend appelliert werden, an die neue Generation von Hand= und Kopfarbeitern, damit sie sich selbst und sodenn das Land über die italienische Verfassung und über die täglichen Probleme der Außen=, Innen=, Wirtschafts= und Finanzpolitik unterrichte. Alle Schwierigkeiten, die sich dieser Aktion entgegenstellen, vermögen nicht einen Verzicht auf die Ausübung eines Einflusses im öffentlichen Leben zu rechtfertigen. Es muß vielmehr eingegriffen werden, um an der Kritik des absolutistischen Regimes mitzuwirken, um die Herstellung der sozialistischen Zukunft auf dem Wege der Freiheit und der Demokratie zu verkünden.“ Man kann das Proletariat unterdrücken, indem man ihm alle legalen Mittel raubt, sein Klassenbewußtsein zu manifestieren. Damit aber wird der Klassenkampf als solcher noch keineswegs abgeschafft. Der Klassenkampf bleibt auch dann als eine natürliche wirtschaftliche und politische Tatsache, die mit dem kapitalistischen Produktionssystem untrennbar vertnüpft ist. Daher beschließt die Leitung der Sozialistischen Arbeiterpartei Italiens und ihrer Parlamentsfraktion im Bewußtsein der Rolle. die sie in diesem Kampfe zu spielen haben, eine neue Plenartagung nach Mailand einzuberufen, die durch alle in Frage kommenden Vertretungen verstärkt sein wird. Sie werden dort die besonderen und äußerst schwierigen Bedingungen einer grundsätzlichen Prüfung unterziehen, die durch die neuen gesetzgeberischen Maßnahmen der Partei auferlegt wurden, um ihr alle Mittel für einen wirksameren Widerstand gegen die maßlose Ausbeutung zu rauben, die das italienische Proletariat auf dem flachen Lande, in den Fabriken und auf dem Wasser erduldet, und sie werden endlich auch dem Proletariat die schnellsten und praktischsten Wege zu seiner eigenen Verteidigung aufzeigen." In der ersten Fraktionssitzung des neugewählten Reichstags erfuhren wir, daß Erdmann die von Braun ihm übergebene Quittung benutzt habe, um von dem Genossen Krätzig— freilich vergeblich— die Zurücknahme einer Klage zu erreichen. Dies nahm Genosse Wels zum Anlaß um von Erdmann die Quittung zurückzufordern. Erdmann versprach dies, aber erst nach etwa 14 Tagen gab er die Quittung zurück. In der Zwischenzeit hatte er sie auch photographieren lassen, später mehrere Exemplare in Umlauf gesetzt. Herr Rabold und wie es scheint auch die Redaktion der Roten Fahne erhielten derartige Photographien. Die weiteren versprochenen 750 000 Mark bat pp. Erdmann nie abgeliefert. Die 250 000 Mark sind dem Wahlfonds bedingungslos und ausdrücklich als cine persönliche Zuwendung des Herrn Erdmann unter Berufung auf seine und seines Vaters alte Parteigenossenschaft übergeben worden. Es lag auch weder ein Anlaß noch ein Recht vor, diesen Betrag zurückzuweisen. Eine gewisse Vorsicht in der Veröffentlichung des Herrn Erdmann und in der Wiedergabe der Täglichen Rundschau ist zu erkennen, da die ganze Angelegenheit demnächst an Gerichtsstelle verhandelt werden wird, wo vermutlich die Herren Erdmann und Arno Franke Gelegenheit finden werden, unter Eid auszusagen. Sie werden sich hüten, auch nur einen i=Punkt von der hier gegebenen Tarstellung zu bestreiten. Im Kampf mit maskierten Banditen Ein italienisch=jugoslawischer Zwischenfall.— Mehrere Tote. Berlin, 6. April.(Durch drahtlosen Fernspr.) Am Östersamstag ereignete sich an der italienisch-jugoslawischen Grenze ein Zwischenfall, der zu einem regulären Feuergefecht zwischen Faszisten und jugoslawischen Nationalisten führte. Gegen 6 Uhr drangen in einer kleinen Eisenbahnstation bei Prestraneck drei bis an die Zähne bewaffnete Banditen in den Kassenraum ein. Die vier anwesenden Beamten leisteten ihrer Aufforderung,„Hände hoch“, Folge. Während zwei Banditen die Anwesenden in Schach hielten, durchstöberte der dritte die Kasse und raubte die Summe von 250000 Lire. Auf der Flucht wurden die Banditen von Mitgliedern der faszistischen Miliz und Finanzwachtlenten verfolgt. An der Grenze, die in dem Ort des Zwischenfalls durch den Pinkafluß gebildet wird, entwickelte sich ein kurzes, aber heftiges Feuergefecht, dem der faszistische Sekretär von Prestraneck, zwei Finanzwachtleute und ein Eisenbahner zum Opfer fielen. Auch zwei Banditen wurden niedergeschossen, während sich der dritte der Verfolgung entziehen konnte.— Inzwischen ist der Sohn eines reichen Bauern von Bisterza an der Grenze zwischen Alsberg und Rakek verhaftet worden. Er hatte einen Betrag von 22000 Lire in seinem Besitz und ist geständig, an dem Ueberfall teilgenommen zu haben. Der Fall hat allgemein großes Aufsehen erregt und es wird angenommen, daß es sich bei den Banditen um maskierte jugoslawische Nationalisten gehandelt hat, denen es nicht nur auf einen Zwischenfall, sondern auch auf die Erlangung von Gelbfür ihre Propagandazwecke ankam. Die Angelegenheit dürfte noch komplizierte diplomatische Folgen haben. Wahlen für die griechische Präsidentschaft Die Wahl des Diktators Pangalos gesichert. Athen, 5. April.(Eig. Bericht.) Am Sonntag fanden in zehn griechischen Wahlkreisen die Wahlen für die Präsidentschaft statt. In den übrigen 23 Kreisen, darunter Saloniki und Athen, soll erst am kommenden Sonntag gewählt werden. Der Diktator Pangalos schreibt diese Teilung der Wahlen technischen Gründen zu, obwohl klar ist, daß sie aus politischen Absichten erfolgte. Wären die technischen Gründe allein maßgebend, dann hätten diese Wahlen um so mehr erst am kommenden Sonntag stattfinden können, als das Teilergebnis vom Sonntag keine praktische Bedeutung besitzt. Da die Führer der Oppositionsparteien auf Grund der Wahlbestimmungen und der Wahlbeteiligung Stimmenthaltung proklamiert haben, ist die Wahl desDiktators Pangalos, der sich selbst nach dem Vorbild Mussolinis zum Führer erkoren hat, als gesichert zu betrachten. Die Wahlbeteiligung war verhältnismäßig gering, obwohl Pangalos am Tage vor der Wahl noch durch Manifestationen versuchte, die wahlberechtigte Bevölkerung an die Urne zu bringen. Das Ergebnis aus den 11 Kreisen ist voraussichtlich erst am Dienstag zu erwarten. * Pangalos kehrt zunächit nicht zum parlamentarischen System zurück Berlin, 6. Apcil.(Durch drahtlosen Fernspruch.) Dem Korrespondenten der Voss. Ztg. in Athen hat Pangalos erklärt, daß er im Falle seiner Wahl gleichzeitig mit seiner Präsidentenwürde auch das Amt des Ministerpräsidenten und wahrscheinlich auch des Kriegsministers beibehalten werde. Erst wenn die Wahl zum Senat und zur Kammer vollzogen sei, wolle er sich mit der Würde des Präsidenten der Republik begnügen. Die Wahl für die beiden parlamentarischen Körperschaften und damit„die Rückkehr zum parlamentarischen System“ kündigt Pangalos bereits für die„nächste Zeit" an. Im übrigen hat er angeblich die Absicht, sich mit den„gemäßigten Elementen“ aller politischen Parteien, wenn irgend möglich, zu„verständigen", nicht aber mit den Führern, von denen er behauptet, daß diese „eigentlich nichts hinter sich hätten". Die Vereinigte Opposition stürmt nach wie vor heftig gegen Pangalos an und verlangt von der Regierung die Nichtigkeitserklärung der am Sonntag durchgeführten Teilwahl und die Ausschreibung eines neuen Wahltermins für den kommenden Sonntag. Konflikt zwischen Regierung und Parlament in Argentinien Berlin, 6. April.(Durch drahtlosen Fernspr.) Erst jetzt kommt aus Buenos Aires die Meldung, daß der Kongreß infolge eines Konflikts zwischen Regierung und Parlament ganz unerwartet geschlossen wurde. Argentinien, das am 18. Juli 1919 dem Völkervund beigetreten war und bereits in der ersten Vollversammlung sehr mutig für die Aufnahme Deutschlands eingetreten ist, hat dem Völkerbund den Rücken gekehrt. als am 4. Dezember 1920 seine Anträge auf Zulassung aller Staaten ohne Ausnahme und auf demokratische Zusammensetzung des Völkerbundrates mit großer Mehrheit abgelehnt wurden. Formell ist Argentinien heute noch Mitglied des Völkerbundes, aber eit dem Jahre 1920 hat seine Regierung sich ostentativ von Genf erngehalten. Inzwischen ist ein Wechsel in derargentinichen Präsidentschaft eingetreten und damit vollzog sich gleichzeitig eine Aenderung der argentinischen Politik gegenüber dem Völkerbund. Bereits im Mai 1923 erklärte sich der neue Präsident in einer Botschaft für den aktiven Wiedereintritt in den Völkerbund und erbat von dem Kongreß entsprechende Beschlüsse. Das Parlament verzichtete aber auf jede Initiative, obwohl die argentinische Regierung nicht nur ihre rückständigen Beiträge an den Völkerbund zahlte, sondern auch zu mehreren technischen Kommissionen Delegierte entsandte. Die Beteiligung Argentiniens an der vom Völkerbund einberufenen vorbereitenden Abrüstungskonferenz hat nunmehr den seit langem bestehenden latenten Konflikt zum offenen Ausbruch gebracht. Der Präsident zog die vor nahezu einem Jahre eingebrachte Botschaft zur Teilnahme an den Arbeiten des Bölkerbundes ohne jede Ankündigung zurück und schloß das Parlament mit der Begründung, daß es nicht eine einzige der ihm seit November des vergangenen Jahres vorgelegten gesetzgeberischen Maßnahmen verabschiedet habe. Die deutsch-türkischen Handelsvertragsverhandlungen. Die Anatolische Telegraphen=Agentur erklärt: Wir sind ermächtigt, die Meldung der Zeitung Djoumhouriit, daß die deutschen Vertreter bei den deutsch-türkischen Handelsvertragsverhandlungen mit dem Lausanner Vertrage unvereinbare Vorschläge gemacht hätten, als nicht den Tatsachen entsprechend zu bezeichnen. Krise im Bölkerbund Österbetrachtungen Banderveldes. Der belgische Außenminister Genosse Vandervelde widmet in der Sonntagsausgabe des Vorwärts der Völkerbundsreform einen Artikel, dem wir folgendes entnehmen: „Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß all die Schwierigkeiten, die im März den Mißerfolg verursacht haben, sehr wohl im Mai oder im September wieder in Erscheinung treten können. Sowohl in der Studienkommission, wie auch in der ordentlichen Vollversammlung werden wir den gleichen prinzipiellen Gegensatz wieder vorfinden: Den Gegensatz zwischen denen, die den permanenten, unabsetzbaren Bestandteil des Völkerbundrats vergrößern möchten, und denen, die das Wahlrecht der Vollversammlung des Völkerbundes verteidigen wollen. Was dann? Dann wäre das die Sackgasse. Deutschland bliebe weiter draußen, die Politik von Locarno wäre chwer belastet, und der Völkerbund verfiele einer tödlichen Paralyse. Aber gerade, weil das ganz besonders gefährliche Aussichten sind, hält man an dem Glauben fest, daß man schließlich um jeden Preis eine Lösung suchen und finden wird. Wenn die Studienkommission oder der Rat zu keinem Ergebnis gelangen würden, so hätte schließlich die Vollversammlung das letzte Wort. Nun: Die Gefühle der erdrückenden Mehrheit der Versammlung stehen unzweifelhaft fest. Sie hat durch einstimmigen Beschluß ihren Willen bekundet, Deutschland unter den Umständen aufzunehmen, die vorgesehen worden waren. Sie hat ferner durch die Lektion eines eisigen Schweigens— nur die Chinesen und die Italiener spendeten dem brasilianischen Delegierten Beifall— und durch ihre ergreifende Ovation für Undén schon jetzt deutlich gezeigt, auf welcher Seite sie steht. Es ist ja schließlich das Vorrecht der Vollversammlung, den wählbaren Teil des Völkerbundsrats zu bestimmen. Infolgedessen könnten die Hindernisse, die gegenwärtig einem einmütigen Beschluß des Völkerbundsrais noch entgegenstehen, automatisch beseitigt werden. Aber gerade weil die Vollversammlung das Recht hat, ihre Macht in diesem Sinne auszuüben, will man hoffen, daß die Dinge nicht auf die Spitze getrieben zu werden brauchen. Die Studienkommission wird demnächst zusammentreten. Deutschland wird darin vertreten sein, ebenso wird die Vollversammlung darin ihre Vertreter haben. Mau wird zweifellos die Wünsche der einzelnen Länder oder Ländergruppen, z. B. Südamerika, auf eine entsprechende Vertretung im Rat in ernsthaftester Weise prüfen. Man wird auch die berechtigten Interessen von Ländern berücksichtigen, die, wie Polen und Belgien, an empfindlichen Stellen Europas liegen. Vielleicht wird man nützliche Winke für eine Lösung finden, wenn man genau prüft, was=für den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes beschlossen wurde, bei dessen Zusammensetzung einstmals ähnliche Schwierigkeiten aufgetaucht waren. Jedenfalls wird man an diese Probleme herangehen, indem man sich stets die eine entscheidende Tatsache vor Augen hält, daß nämlich die Erreichung von freundschaftlichen Lösungen, die geeignet sind, die Einstimmigkeit des Rats herbeizuführen, nunmehr für den gesamten Völkerbund zu einer Frage für Leben und Tod geworden ist.... Es handelt sich jetzt darum, zwischen zwei Richtungen zu wählen: zwischen denen, die aus dem Völkerbundsrat eine dauernde Vertretung einzelner Regierungen machen möchten und denen, die aus dem Völkerbundsrat eine gewählte Vertretung der Völkerbundsversamm. luna machen wollen. Ist vertraue darauf, daß die letztere Richtung schließlich siegen wird." Die Gefahren der Situation Paris, 4. April.(Eig. Ber.) Die Unterhaltung Briands mit dem deutschen und englischen Botschafter hat in den diplomatischen Kreisen von Paris Aufsehen erregt. Man gibt der Vermutung Ausdruck, daß nicht zuletzt das Problem der Reorganisation des Völkerbundes Gegenstand der Aussprache war, und erblickt in dieser Besprechung den Beginn einer diplomatischen Aktion, die den Arbeiten der Vorbereitenden Kommission den Weg ebnen soll. Der Temps hält die Lösung des Problems der Neugestaltung des Völkerbundes für ziemlich schwierig, weil man bisher noch nicht wisse, auf welcher Grundlage sie beruhen soll. Ein einziger Punkt, nämlich die Zuweisung eines nichtständigen Ratssitzes an Polen, könne durch die normalen Neuwahlen im September erledigt werden. Dagegen laufe die grundsätzlihe Frage der Erweiterung des Rats durch Zuweisung ständiger Sitze an Spanien und Brasilien Gefahr, auf die gleichen Schwierigkeiten zu stoßen, wie bei der letzten Tagung in Genf. Das Blatt erinnert daran, daß Spanien ein ständiger Sitz sowohl von Frankreich als von England zugesagt worden sei und hält es für wenig wahrscheinlich, daß Deutschland nach seiner Aufnahme in den Rat Einwände gegen die spanische Kandidatur erheben werde. Der Temps wendet lich shließlich gegen die Darstellung der Täglichen Rundschau, daß es Deutschland freistehe, sein Aufnahmegesuch zurückzuziehen, falls die Verhandlungen eine für Deutschland unerwünschte Wendung nehmen sollten. Durch die Aufnahme Deutschlands in die Studienkommission zur Reorganisation des Völkerbundes vor seiner endgültigen Aufnahme in den Völkerbund sei eine gefährliche Situation geschaffen worden, und es sei zu befürchten, daß Deutschland durch die Drohung, sein Aufnahmegesuch zurückzuziehen, die Studienkommission zur Annahme seiner Forderungen zwingen werde. Immerhin bleibe zu hoffen, daß die vorhergehenden diplomatischen Verhandlungen eine klare, zu keinen Mißverständnissen Anlaß gebende Situation schaffen würden. Ein Industriemonarch gestorben August Thyssen. Im hohen Greisenalter von fast 84 Jahren ist am Sonntag früh auf seinem Schloß Landsberg bei Kettwig, errichtet auf den Ruinen einer alten Raubfeste, der bekannte Großindustrielle August Thyssen gestorben. Aus kleinen Anfängen ist unter seiner Leitung das Thyssensche Unternehmen zu einer der größten industriellen Anlagen Europas emporgewachsen. Vor dem Kriege rund 47000 Arbeiter beschäftigend, sind es zurzeit nur noch rund 35000. Ein beredtes Zeugnis für die wirtschaftsvernichtenden Folgen des Weltkrieges. Von dem Kapitalwert der Thyssenwerke bekommt man die beste Vorstellung, wenn man erwägt, daß aus Anlaß einer 12=Millionen=Dollaranleihe in dem in amerikanischen Zeitungen von Thyssen veröffentlichten Prospekt das Vermögen der August=Thyssen=Hütte auf 117 Millionen Dollar geschätzt wurde. Ein amerikanischer Sachverständiger schätzte damals unter Zugrundelegung der amerikanischen Verhältnisse den Herstellungswert der hypothekarisch belasteten Werke auf 250 Millionen Dollar, unter Zugrundelegung der deutschen Verhältnisse auf 166 Millionen Dollar. Dazu kommt der Kohlenbesitz, der in der ganzen Welt der größte seiner Art in Privathänden ist. Die Thyssenschen Zechen fördern heute jährlich 5 Millionen Tonnen. In bürgerlichen Zeitungen wird aus Anlaß des Hinscheidens von August Thyssen ein rührend hohes Lied auf Arbeitsam kei: und Sparsamkeit, als den höchsten Tugenden Thyssens, angestimmt. Gewiß war August Thyssen kein Faulenzer, ebensowenig wie Hugo Stinnes, aber man bleibe uns mit Stilübungen fern, deren Inhalt in dem albernen Märchen besteht, der eine Thyssen hobe mit seines Kopfes Arbeit die Hunderte von Millionen erarbeitet, die sein Werk heute wert ist. Ein Blick auf das Heer der Angestellten und Arbeiter der Thyssenwerke, das mit dem Kapitalisten Thyssen so manchen harten Kampf ausfechten mußte— um jeden Pfennig Lohnerhöhung, um jede Viertelstunde Arbeitsverkürzung— straft diese alberne Legende Lügen. Der enthüllte Enthüller Da kommunistische und monarchistische Blätter nicht müde werden, die„Enthüllungen" des Ex-„Sozialdemokraten" Karl Erdmann auszuschlachten, auf den die elende Denunziation zurückgeht die SPD. sei so„korrumpiert, daß sie sich im Jahre 1920 von den Arbeitgeberverbänden eine Viertelmillion Wahlgeleder habe„schenken“ lassen, teilen wir in Erganzung unserer Darstellung noch folgendes mit, was aus dem Bureau unseres Zentralvorstandes zu den angeblichen„Enthüllungen" festgestellt wird: Die Tägliche Rundschau bringt Enthüllungen des Herrn Karl Erdmann(Zehlendorf), die Sensationelles über die Sozialdemokratie bringen sollen. Es ist merkwürdig, daß ein Organ der Großbourgeoisie sich auf Herrn Erdmann, den eben von der höchsten Organisation der Unternehmer abgehalfterten Mann, zu berufen den schlechten Geschmack hat. Das Blatt weiß, daß Herr Erdmann gleichzeitig den Arbeitgeberverbänden gedient und sich als Mitglied der Sozialdemoltatischen Partei aufgespielt hat. Dem Ausschluß aus der Sozialdemokratischen Partei kam er zuvor durch seinen Austritt. Ein Berliner Antisemitenblättchen, in dessen Verlag die Broschüre des Herrn Edmann demnächst erscheinen soll, bringt die Enthüllungen der Täglichen Rundschau, vermehrt um einige weitere Briefe. Diese Briefe erinnern sehr an die Enthüllungsbroschüre des Korbmachers Fischer seligen Angedenkens, der einmal einen gleichgültigen Brief Bebels veröffentlichte, der mit „Werter Genosse“, der in unsrer Partei üblichen Anrede, eingeleitet wurde, aus welcher Nebensächlichkeit die sozialistenfresserische Presse weitgehende Schlüsse über die„Beziehungen" Bebels zu Fischer zog. In beiden Zeitungen wird davon gesprochen, daß Herr Erdmann dem sozialdemokratischen Parteivorstande, zu Händen des Genossen Adolf Braun, 250 000.A(Papiermark) für den Wahlfonds der Partei übergeben hat. Erdmann deutet selbst an, daß Genosse Braun ein aufgeregtes Wesen bei dem Anerbieten dieser Summe gezeigt hat. Das ist richtig, wenn auch nicht in der Form, wie Erdmann dies erzählt. Deswegen wollen wir feststellen, daß Erdmann dem Genossen Adolf Braun den Betrag von einer Million Mark angevoten hat. Genosse Braun, dem Erdmann völlig unbekannt war, erkundigte sich nach der Herkunft des Geldes. Erdmann teilte ihm mit, daß er mit einem amerikanischen Patent für gegossene Häuser ein außerordentlich ertragreiches Geschäft gemacht habe. Er sei nicht so wie der Genosse Parvus Wenn er große Gewinne mache, müsse auch die Partei davon ihren Anteil haben. In dem Gespräch ließ pp. Erdmann die Bemerkung fallen, daß die Haltung der Sozialdemokratie gegen den russischen Bolschewismus und gegen die Deutsche Volkspartei sich doch ändern solle. Genosse Braun wies ihm deshalb die Tür mit der Bemerkung, daß der Partewvorstand niemals und von niemandem Geld geommen habe und nehme, wenn an diese Zuwendung an die Partei irgend welche Bedingungen gernupft würden. Dieses Gespräch wurde so laut und lebhaft geführt, daß Genosse Bartels in Brauns Zimmer kam, woraufhin Erdmann mit großer Lebhaftigkeit darlegte, daß Braun ihn mißverstanden habe es sei ihm durchaus nicht eingefallen, an die Geldzuwendung für die Partei irgendwie eine Bedingung knüpfen zu wollen. Einige Wochen nachher kam Erdmann in Begleitung des damals im Dienst der Partei stehenden und heute jenes Antisemitenblättchen redigierenden Arno Franke und übergab Braun 250 000 A in von der Reichsbank gebündelten Paketen. Lokales Elberfeld-Barmen. Ein presseschädigendes Urteil des Oberlandesgerichts Ein Elberfelder Kaffe=hausbesitzer, der in einer Zeitung des Wuppertals dauernd inserierte, verweigerte Zahlung der Anzeigen, nachdem das Blatt in seinem Textteil einen Artikel gebracht hatte, der nach Auffassung des Gerichts in Form und Inhalt für den Inserenten nicht nur geschäftsschädigend, sondern auch beleidigend war. Der Elberfelder Geschäftsmann wurde vom Elberfelder Landgericht zur Zahlung der bestellten Inserate verurteilt, indessen hob das Oberlandesgericht in Düsseldorf diese Entscheidung auf. In dem nun rechtskräftig gewordenen Urteilsgründen heißt es u. a.: Die betr. Zeitung hat dadurch, daß sie den Artikel mit der Ueberschrift„Staatserhaltendes" veröffentlichte, den Zweck, welchen der Vertrag verfolgte, verletzt. Die vom Beklagten bestellten Anzeigen sollten für sein Geschäft Reklame machen Der erwähnte Artikel dagegen forderte die Gäste des Beklagten auf, dessen Lokal in Zukunft zu meiden, beabsichtigte also, dessen Geschäft zu schädigen Auch hält sich der Artikel nicht in den Grenzen einer sachlichen Kritik, sondern ist in beleidigender Form abgefaßt. Sei die Zeitung Vertragsgegnerin, so habe sie durch Aufnahme des Artikels ihre eigenen Verpflichtungen verletzt. Sie könne sich auch nicht damit entschuldigen, daß in ihrer wie in jeder anderen Zeitung redaktioneller und Anzeigenteil von einander unabhängig seien. Dem Beklagten gegenüber sei nicht die Anzeigenabteilung, die überhaupt keine Rechtspersönlichkeit besitze, sondern der Verlag schlechthin als Vertragspartei aufgetreten. Die Scheidung in einen redaktionellen und einen Anzeigenteil sei eine innere Angelegenheit der betr. Zeitung und die Selbständigkeit beider sei deren innere Angelegenheit, die dem Besteller nicht entgegengehalten werden könne. Diese Scheidung mag vom Standpunkte der Zeitung aus berechtigt sein, das hindere indessen nicht, daß die Zeitung dem Besteller für die Fehler, die sich aus ihr ergeben, aufkommen muß. Man könne auch nicht unterstellen, daß der Beklagte in Kenntnis der Gepflogenheit der betr. Zeitung die aus der Trennung von Redaktion und Anzeigenwesen entspringenden Nachteile stillschweigend auf sich genommen hätte. Er konnte nicht voraussehen, daß die betr. Zeitung einen persönlichen, sein Geschäft schädigenden Angriff und noch dazu in so verletzender rm, gegen ihn richten werde.— Das Urteil geht dann noch näher auf die Frage ein, ob das Blatt oder die betr. Inseratenvermittlungsstelle, die einige Seiten in dem Blatte gepachtet hatte, Vertragsgegner wäre, und kommt zu dem Schluß, daß das Blatt zumindest Erfüllungsgehilfin der Anzeigen-Zentrale und ein Teil für das Verschulden des anderen haftbar sei. * Durch dieses Urteil wird der Unabhänaigkeit des re daktionellen Teils der Presse ein schwerer Schlag versetzt. Denn wenn Inserate deshalb nicht mehr bezahlt zu werden brauchen, weil im redattionellen Teil der Zeitung eine Notiz veröffentlicht wurde, von der der Inserent geschäftliche Schädigung behauptet, so könnte das dazu führen, daß der Verlag in Zukunft entweder bei jedem Inseratenauftrag ausdrücklich ablehnt. mit der Aufnahme des Inserats irgend welche Verpflichtungen hinsichtlich des redattionellen Teils zu übernehmen, oder daß er die Redaktion über alle Inseratenaufträge informiert und sie anhält, gegen Inserenten nichts Kritisches oder Geschäftsschädigendes zu schreiben, auch wenn das im öffentlichen Interesse liegen sollte. Man komme nicht mit dem Einwand, daß es dazu nicht kommen werde und in solchen Fällen der Verlag stillschweigend den Verlust tragen werde, ohne einen Druck auf die Redaktion auszuüben. Darauf kommt es wirklich nicht an, in wieviel Fällen diese Folgen eintreten werden. Das Wichtigst un Bedauerliche ist, daß das Oberländesgericht zu solchem Vorgeben anreizt und durch die Ignorierung dessen, was sozusagen Heiligtum einer sauberen Presse ist: die völlige Unabhängigkeit der Redaktion vom Inseratengeschäft, wenig Gefühl und Verständnis für die Rolle der Presse im öffentlichen Leben bekundet hat. Es ist und bleibt eine Ungeheuerlichkeit, eine„Vertragsverletzung" zu konstruieren, weil die Redaktion auf das Inseratengeschäft keine Rücksicht nahm. Inhalt des Vertrages war selbstverständlich lediglich die Uebernahme der Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Inserats im Inseratenteil. Jede weitergehende Verpflichtung würde der Verlag sicher glatt abgelehnt haben, wenn sie verlangt worden wäre. Sie wurde weder verlangt noch versprochen und somit wurde die Verpflichtung, die allein übernommen wurde, erfullt. Das Oberlandesgericht aber verneint diese Erfüllung und leistet sich somit die ungeheuerliche Unterstellung, mit dem Kauf eines Plätzchens im Inseratenteil sei auch gleichzeitig die Redaktion gekauft worden! Ein solches Urteil darf nicht hingenommen werden, ohne dagegen zu protestieren. Wir dürfen wohl hoffen, daß sich vor allem die Verbände der Presse mit diesem Urteil beschäftigen werden. q. Zur Auszahlung aufgewerteter Sparkassenguthaben teilt der Sparerbund uns mit: Ueber die Fälligkeit und Verzinsung aufgewerteter Sparguthaben ist bisher noch nichts bestimmt. Nach§ 8 der VO. vom 27. 2. 1926 soll dies erst später geregelt werden. Dies wird zwar verständlich, wenn man berücksichtigt, daß zurzeit die Höhe des von der Aufwertung betroffenen Sparkassenvermögens noch nicht sicher geschätzt werden kann; gegenüber zahlreichen hochbetagten und bedürftigen Sparern bedeutet aber jede Verzögerung in der Auszahlung eine unbillige Härte. Manche von ihnen werden die Zahlung, wenn sie nicht bald erfolgt, überhaupt nicht mehr erleben. Die Ortsgruppen Elberfeld und Barmen des Sparerbundes sind deshalb bei den Sparkassenverwaltungen vorstellig geworden, nicht erst eine behördliche Anweisung zur Ausschüttung abzuwarten, sondern moglichst umgehend Beträge bis zu vorläufig 50 Mark an bedürftige und betagte Sparer auszuzahlen. Der Sparerbund hat sich weiter bereit erklärt, durch seine in den einzelnen Bezirken der Stadt wohnenden Vertrauensleute— sie sind durchweg seit Jahren in den Bezirken ansässig— die Frage der Bedürftigkeit zu prüfen, um die Sparkasse von dieser Arbeit zu entlasten. Dieser Vorschlag hat Entgegenkommen gefunden. Es ist Aussicht vorhanden, daß in etwa 1 bis längstens 2 Monaten die ältesten der Sparer im Alter von 80 bis 70 Jahren berücksichtigt werden. Ist ihre Zahl nicht zu groß, so werden weitere Gruppen in Zeitabständen folgen können. Die Bezirke der Stadt und die Namen mit Wohnungen der Vertrauensleute des Sparerbundes werden bekannt gegeben. * Zur Östertagung des Deutschen Lehrervereins(Provinzialverband Rheinland) in Barmen wird mitgeteilt: Um Irrtümern zu begegnen, sei hier mitgeteilt, daß zu der Vertreterversammlung am Donnerstag, den 8. April, nur die von den Ortsvereinen gewählten Vertreter, die im Besitze einer Vertreterkarte sind, und als Zuhörer sämtliche anderen Mitglieder des Deutschen Lehrervereins Zutritt haben, die sich durch eine Teilnehmerkarte ausweisen. Zu der Hauptversammlung am Freitag, den 9. April, vormittags 10 Uhr, sind zugelassen außer den oben genannten Personen die Presse und Freunde der Schule und des Erziehungswesens. Sämtliche Teilnehmer müssen sich aber am Eingange des Verhandlungsraumes auch an diesem Tage durch Vorzeigen der Teilnehmerkarte ausweisen. Die Versammlungen finden beide im großen Saale der Konkordia statt. Die Teilnehmerkarten sind ebenso wie das zur Tagung herausgegebene Festbuch in der Geschäftsstelle der Vertreterversammlung im Löwenbräu(Frühstückszimmer), neben dem Hauptbahnhof. am Mittwoch, den 7. April, von morgens 11 Uhr bis abends 10 Uhr, und am Donnerstag, den 8. April, von morgens 7 Uhr bis 8.30 Uhr zu haben. * Falsche Reichsbanknoten. Das Reichsbankdirektorium bringt zur öffentlichen Kenntnis, daß von den im Umlauf befindlichen Reichsbanknoten über 10 RM. mit dem Datum des 11. Oktobers 1924 eine neue Fälschung festgestellt worden ist. Die Falschnoten sind an folgenden Merkmalen unschwer erkennbar. Im Griff etwas weicheres Papier, durch braune Druckstriche vorgetäuschte Pflanzenfasern, durch farblosen Aufdruck stellenweise sehr kräftig und scharfkantig nachgebildetes Wasserzeichen, der Kontrollstempel ist nicht kreisrund, sondern als hochstehendes Oval geprägt. Das Bildnis auf der Vorderseite trägt auffällige Veränderungen(ecki ges Gesicht und eingedrückte Nase), auf der Rückseite sind die beiden unteren Wertzahlen nicht in die Mitte der kreisrunden Rosetten, sondern höberstehend eingefügt. * Sonntagskarten. Für die Folge verkehrt wieder der Sonntagszua 1038/1039 zwischen Hagen—Deutz—Honnef. * Keine Erleichterungen für den Berufsreiseverkehr. Die Köl ner Industrie= und Handelskammer ist wiederholt bei der Reichs bahn für die Einführung von Tariferleichterungen für den Berufs reiseverkehr, vor allem für die Wiedereinführung des soa. Kilometerheftes eingetreten. Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft hat neuerdings dem Deutschen Industrieund Handelstag, mit dem die Kammer in der Angelegenheit in enaer Fühlung steht, mitgeteilt, daß die Eisenbahnverwaltung dem Gedanken von Tarifvergünstigungen, die dem Berufsreiseverkehr zugute kommen, zwar nicht ablehnend gegenübersteht, zurzeit aber nicht in der Lage sei, die Kilometerhefte und Markenhefte mit Preisnachlässen zur Einführung zu bringen. * Warnung an Auswanderungslustige Zurzeit gehen Anzeigen durch die Presse, in denen Baufacharbeitern Arbeit in der Türkei angeboten wird. Nach amtlichen Mitteilungen ist es sehr wahrscheinlich., daß es diesen Arbeitsvermittlern und Stellenvermittlungsbureaus nur um den verlangten Gebührenvorschuß von z. B. 2 RM. zu tun ist. Auswanderungslustige seien ge warnt. Es empfiehlt sich stets, den örtlichen öffentlichen Arbeits nachweis um Auskunft über die Eigenschaft der Vermittlungsangebote anzugehen. Es befinden sich zurzeit schon eine große An zahl Erwerbsloser in der Türkei, die dort der Fürsorge des deutschen Konsulats zur Last fallen. Sie sind sehr leicht dem Verderb ausgesetzt. Auch in dem abgebrannten Smyrna und in Anatolien überhaupt kann von Wiederaufbauarbeiten im eigentlichen Sinne nicht gesprochen werden. Die wenigen von öffentlicher Hand getragenen Arbeiten reichen nicht zur Beschäftigung der vorhandenen Arbeitskräfte aus. Straßenarbeiten werden meist von Gefangenen verrichtet. * Aenderungen im Spielplan der Vereinigten Stadttheater. Heute, Dienstag, im Elberfelder Hause statt„Der Widerspenstigen Zähmung"„Pension Schöller". Mittwoch, 7. April, statt„Der Widerspenstigen Zähmung"„alt=Heidelberg“. Im Barmer Hause am Donnerstag, den 8. April, statt„Zwei gefährliche Alter“ und„Pension Schöller" nur„Pension Schöller“. Elberfeld, 6. April. c. Der Bezirksverein gegen den Alkoholismus teilt uns mit Pielfach ist in der Bevölkerung die Ansicht verbreitet, daß eine Unterschriftensammlung für das Gemeinde. bestimmungsrecht von Haus zu Haus stattfinden würde. Dies ist jedoch nicht möglich, da es an freiwilligen Helfern fehlt, die soviel Zeit aufzubringen in der Lage wären. Jeder, der nicht bereits durch einen freiwilligen Sammler erreicht worden ist und die Absicht bat, seine Stimme für die Einführung des Gemeindebestimmungsrechts zu geben, möge seine Adresse an kirchliche oder Wohlfahrtsorganisationen, an alkoholgegnerische Vereine oder auch an unser Bureau, Elberfeld, Gesundheitstraße 23, senden, damit ihm ein Unterschriftsbogen vorgelegt wird. Wer darüber hinaus die Absicht hat, in seinem Bekanntenkreise Unterschriften zu sammeln, kann selbstverständlich einen Unterschriftsbogen kostenlos erhalten. e. Für 166 A Gerichtskostenmarken verloren. Am Donnerstag morgen verlor an der Ecke Berliner= und Bembergstraße ein junges Mädchen bei Einem Aeinen Unfall Gerichtskostenmarken im Werte von 166 M. Dié Eltern, die die Marken ersetzen müssen, sind dadurch in große Verlegenheit geraten. Wie uns mitgeteilt wird, haben zwei Herren beobachtet, daß ein Herr die Marken aufhob. Da die Marken für den Finder wertlos sind, wird dieser gebeten, die Marken im Fundbureau, von der Heydtsgasse(Zimmer 86) gegen 10 Prozent Belohnung abzugeben. e. Kriegsgräberfürsorge. Das Aprilheft der Zeitschrift„Kriegsgräberfürsorge" bringt eine kurze Schilderung von dem Verlauf des Volkstrauertages am 5. Sonntag vor Östern. Weiter enthält es eine Anzahl anschaulicher Berichte über Besuche auf Kriegerfriedhöfen in Frankreich und Belgien. Dann berichtet der Volksbund auch in diesem Heft wieder über den Zustand einer größeren An zahl Kriegerfriedhöfe in beiden Ländern, woraus zu ersehen ist, was bereits getan, aber auch, was noch an Arbeit zu leisten ist. Zu beziehen ist die„Kriegsgräberfürsorge" durch die Ortsgruppe Elberfeld, Distelbeckerstraße 20. e. Diebstahl. Vor einigen Nächten sind Diebe gewaltsam in den Arbeitsraum eines Strickereibesitzers in der Marienstraße eingedrungen, um dort Strickwesten, Strickkleider und Hemden im Werte von 500 Mark zu entwenden. Wer über die Täter oder den Verbleib der Sachen irgendwelche Angaben machen kann, wird gebeten, der Kriminalpolizei Mitteilung zu machen. e. Das Hauptzollamt veröffentlicht im Inseratenteil der heutigen Nummer eine Bekanntmachung betr. Aufhebung des Salz= und Weinsteuergesetzes. o. Thalia=Theater. Die große Künneckesche Operette wird nur noch drei Tage gegeben, heute, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Mittwochnachmittag 4 Uhr:„Max und Moritz". Preise von 30 Pfg. an.— Entsprechend der allgemeinen wirtschaftlichen Lage hat die Direktion des Thalia=Theaters die Preise für sämtliche Plätze herabgesetzt. Der billigste Platz kostet jetzt 40 Pfg., der teuerste 8 Mark.— Dex Komiker Max Pallenberg gastiert am Freitag und Samstag mit dem Wiener Deutschen Volkstheater (Direktion Rudolf Beer) im Thalia=Theater. Pallenberg spielt zwe: seiner Glanzrollen: in„Familie Schimeck" den Zawadil, und am Samstag in„Der Herr Minister“ die Titelrolle. e. Das Salamander=Theater ist für den Monat April wieder zu seiner alten Tradition zurückgekehrt, es bringt Varieté, und zwar wiederum traditionsgemäß ein vorzüglich zusammengestelltes Programm das in schneller Aufeinanderfolge ein farbenprächtiges, abwechslungsreiches Bild zeigt. Als sehr gute Drahtseilkünstlerin erweist sich eine junge Dame mit dem eigenartigen Namen„Charmion", famos sind die komischen Radfahrer Fersen und Gaard, die einige neue Kombinationen zeigen. Mit Frühlingsliedern und Opernarien erfreut die Opernsängerin Gerda Cyklermo. Zu den großen„Kanonen“ gehört Rudolf Klär. Er muß fabelhafte Kräfte besitzen, da man auch bei den schwierigsten Tricks kaum etwas von besonderer Anstrengung bemerkt. Es sieht wie ein Kinderspiel aus, wenn er zwölf Personen, die auf einem langen Brett sitzen, mit den Beinen hochhebt und hin- und herschaukelt. Kräftige Leute sind auch die vier LeersArvellos, dabei außerordentlich gewandt und vielseitig. Sie kommen als Plastiker, Equilibristen und als Gladiatoren an römischen Ringen, und alle Darbietungen sind gleich gut. Der Humorist Willy Ziegler erobert sich im Nu die Gunst des Publikums. Seine Vorträge sind aktuell und witzig. Auch die angenehme Vortragsweise sagt ungemein zu, und anhaltender Beifall zwingt ihn, immer noch etwas zum Vortrag zu bringen. Den gesamten zweiten Teil des Programms bestreitet der Universalkünstler Karl Scherber. Was soll man mehr bewundern, die Fingerfertigkeit, mit der er aus dem Nichts allerlei schöne Dinge hervorzaubert, die Schnelligkeit, mit der ein Oelgemälde hingeworfen wird oder die ungeheure Gedächtnisleistung, die notwendig ist um mit verbundenen Augen 12= bis 15stellige Zahlen, die auf einer Wandtafel aufgezeichnet sind, nach den Wünschen der Zuschauer vor= und rückwärts herzusagen. Das ist aber noch nicht alles. Äuch als türkischer Jongleur, als chinesischer Gaukler und in einer Padischah=Szene zeigt Scherber seine Fertigkeiten. Zum Schluß wirkt er mit komischen Handschatten auf die Lachmuskeln ein. Also alles in allem, eine glänzende Programmfolge, die jeden befriedigen wird. Barmen, 6. April. b. Die Barmer Nothilfe teilt uns mit, daß nur noch ein Bestand von 500 Kartons Glückseier zur Verfügung steht. Der Verlauf des Restbestandes wird nur noch von den Firmen S. u. R. Wahl, Larmen, Mittelstraße, und Schröder, U.=Barmen, Haspelerstraße 4, getätigt. Mit Rücksicht auf den schnellen Verkauf hat sich die Barmer Nothilfe entschlossen, sobald nach Ausverkauf mit den Vorbereitungen für die Auszahlung der Gewinne zu beginnen. b. Das Befahren der Fußwege in den Anlagen ist verboten. Wegen Uebertretung dieses Verbots wurde kürzlich ein Fuhrunternehmer bestraft und außerdem durch das Gericht zum Ersatze des von ihm verursachten Schadens verurteilt b. Wegen Instandsetzung wird die Treppe in der Sandstraße von Dienstag, den 6. April, ab auf die Dauer von voraussichtlich zwei Wochen für den Fußgängerverkehr gesperrt. Während der Dauer der Sperrung kann der Verkehr durch die Felsenstraße geleitet werden. b. Wegen Neupflasterung wird das Straßenkreuz Unterdörnerstraße— Korzertstraße von Mittwoch, den 7. April, ab auf die Dauer von voraussichtlich drei Wochen für den durchgehenden Fußverkehr gesperrt. Während der Dauer der Sperrung kann der Verkehr über die Adlerstraße geleitet werden. b. Wegen Neupflasterung wird die Gasstraße von Loherstraße bis Wasserstraße und die Wasserstraße von Gasstraße bis Allee von Dienstag, den 6. April, ab auf die Dauer von voraussichtlich zwei Wochen für den durchgehenden Fuhrverkehr gesperrt. Während der Dauer der Sperrung kann der Verkehr über folgende Straßen geleitet werden: Allee und Loherstraße. b. In der Nacht zum 31. 3. wurde in die Selterswasserbude an der Werlestraße eingebrochen. Es wurden Rauchwaren(Zigarren und Zigaretten) gestohlen. Mitteilungen erbittet die Kriminal-Inspektion 1. Zimmer 32.93. b. Beschlagnahmt wurde eine blaue Brieftaube, deren Eigentümer nicht zu ermitteln war. In der Nacht zum 81. 3. wurde von einem Hause in der Feldstraße ein Emailleschild gestohlen. Die Kriminal=Inspektion 1(Zimmer 32=33) bittet um Mitteilung. b. Wohnungseinbrecher haben vor einigen Nächten mehrere Familien am Höhenweg schwer geschädigt. In einem Falle erbeuteten sie für etwa 400.4 Wäsche, im andern Falle Kleidungsstücke und Bestecks im Werte von 300.fl. Die Kriminalpolizei nimmt geeignete Angaben über die Täter und den Verbleib der Beute jederzeit auch telephonisch entgegen. b. Die Gewerbesteuererklärungen sind bis spätestens 10. April dem Vorsitzenden des Gewerbesteuerausschusses, Rathaus, einzureichen. Verspätete Abgabe zieht eine Erhöhung der Steuer nach sich, auch kann außerdem Bestrafung erfolgen. b. Handwerker= und Kunstgewerbeschule. Das Sommerhalbjahr beginnt am 6. April. b. Großstadt=Vergnügungspark. Auf dem Sportplatz an der Schützenstraße finden täglich bis einschließlich den 12. April Vergnügungen aller Art statt. Aufgestellt sind u. a.: Schweizer Gebirgsrodelbahn, Cake=Walk, Der humoristische Wasserfall, Hippodrom, Auto-Korso, Die Kunstradfahrer usw. Kreis Mettmann * Vohwinkel, 6. April. Vermißt wird seit dem 12. v. M. der Invalide Karl Richter, geboren am 18. 11. 1853. Er ist an diesem Tage gegen 2 Uhr mittags aus dem Pflegeheim„Haus Linde“ in Vohwinkel, wo er untergebracht war, fortgegangen, um einen Spaziergang zu machen, wurde dann einige Stunden später von anderen Heiminsassen in betruntenem Zustande in Hammerstein gesehen und ist seitdem verschwunden. Da Richter Trinker ist, wird vermutet, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist. Er ist 1.62 Meter groß, hat weißes Haa und weißen Vollbart. Bei seinem Fortgang trug er einen schwarzen Mantel und schwarzen, steifen Hut. Sachdienliche Angaben nehmen die Kriminaldienststellen entgegen. Langenberg, K bril. Selbstmord. Am 1. d. M. wurde in Heiligenhaus von der Ruhr einse unbekannte mannliche Leicheangeschwemmt, die erst kurze Zeit im Wasser gelegen hatte. Außer einem Fahrschein der Straßenbahn Neviges—Velbert hatte der Tote keinerlei Papiere bei sich. Die Ermittlungen der zuständigen Poligeiverwallung ergoben, doß el sich um einen Landwrtt aus angenberg handelte, der wegen zerrütteter Familienverhältnisse freiwillig in den Tod gegangen war. Sozialdemokratische Partei Ortsverein Elberfeld Montag, den 12. April, in der Anla der Handels chule am Döppersberg: Mitglieder=Versammlung. Tagesordnung: Der konfessionelle Vorstoß gegen die Arbeiterwohlfahrt und Berufsschulen. Referent: Provinziallandtagsabgeordneter Genosse Oskar HoffmannElberfeld.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt, jedoch können Freunde der Partei eingeführt werden. Türkontrolle hat der 7. Bezirk. Die Versammlung beginnt Punkt 8 Uhr, da die Aula um 10 Uhr geräumt werden muß. Der Vorstand. Bezirksfunktionärversammlungen in Barmen Am Mittwoch, den 7. April, abends 8 Uhr, finden in allen Barmer Parteibezirken sehr wichtige Funktionärsitzungen statt Kein Parteifunktionär und Wahlhelfer dürfen fehlen. Die Sitzungen finden in folgenden Lokalen statt: 1. Hesselnberg, Aue und Kothen: bei Klein, Ronsdorfersträße; 2. Heidt und Springen: im Parteiburean, Kampstraße 42 a. 3. Leimbach und Wichelhausberg: bei Kesting, Taubenstraße. 4 Heckinghausen: bei Büdicker. Kleestraße. 6. Westkotten: in der Wohnung des Genossen Sippel, Klingelhollstraße 112. 7. Bredde: bei Rittinghaus, Bartholomäusstraße. 8. Wupperfeld: bei Sonnenschein, Färber= und Bredderstr.=Ecke. 9. Schwarzbach=Rittershausen: bei Aring, Langerfelderstraße. 10. Wichlinghausen: bei Thiel, Wichlinghauserstraße 115. 11. Lichtenplatz: bei Thewes, Sportrestaurant. 12. Langerfeld: bei Wolfertz, Kirschbaumstraße. Am Donnerstag, den 8. April, abends 8 Uhr, für die Bezirke Loh und Rott=Dörnen bei Werle, Loherstraße. Verein Arbeiterwohlfahrt Barmen. An unsere Bezirkspfleger und Helfer! Mittwoch, den 7. April, abends 7 Uhr, im Saale des Parteibureaus, Kampstr. 42a: Konferenz unserer Bezirkspfleger und Helfer. Tagesordnung: 1. Zusammenschluß zu einer Arbeitsgemeinschaft und Austausch der bisherigen Erfahrungen. 2. Festsetzung der zukünftigen regelmüßigen Zusammenkünfte. Hierzu laden wir sämtliche Bezirkspfleger und Helfer der Arbeiterwohlfahrt von Barmen und Langerfeld ein und erwarten Erscheinen. Die Geschäftsleitung. Reichsbanner Schwarz=Rot-Gold Bezirk Barmen-Elberfeld. Eine Sitzung des Bezirksvorstandes findet am Donnerstag, den 8. April, abends 8 Uhr, im Barmer Burcau, Kampstraßze 42a, statt. Verantwortlich für Politik: R. Hauschtldt-Elberfeld; für Vokales Elberfeld=Barmen: Emil Quitzan-Elberfeld; für Gewerkschaftliches. Genossenschaftliches. Aus aller Welt, LennepRemscheid=Mettmann. Kunst und Sport und den unterhaltenden Teil: Oskar Hoffmann-Elberfeld; für den Inseratenteil: Friedrich Heyck=Elberfeld— Rotationsdruck und Verlag: Verlagsanstalt Freie Presse, Molkenbuhr u. Ko., Elberfeld.— Berliner Redaktion: Berlin SW. 68, Lindenstr. 8. — Verein der Freidenker für Feuerbestattung Elberfeld. Todes-Anzelge. Samstagmorgen verschied plötzlich und unerwartet unsere liebe Genossin Hulda Neumann geb. Rick im Alter von beinahe 64 Jahren. Friede ihrer Asche. Der Vorstand. Dienstagnachm. 5 Uhr im Städt. Krankenhaus Trauerfeier.- Mittwochnachm. 4 Uhr in HagenDelstern Einäscherung. Abfahrt Elberfeld tibf. 2.26. Beteiligung der Mitglieder ist Fhrenpflicht. Bekanntmachung. 9. 7 1 Das Salzsteuergesetz vom und das Weinsteuergesetz vom 10. 8. 1920 tre en mit dem 1. 4. 1926 außer Kraft. Alle bis zum 31. 3. 1926 an Verbraucher abgegebene Weine sind aber noch wie bisher zur Versteuerung anzumelden. Elberfeld, den 3. Avril 1926. Hauptzollamt. Verpachtung von Kleingartenland. Die städtischen Kleingärten sollen an unten näher bezeichneten Tagen neu vermietet werden: Dienstag, den 6. April, nachmittags 3 Uhr. das städtische Grundstück in der Sau, sowie die Wiesen im Eulenbachtal. Um 4 Uhr nachmittags das Grundstück am Böttingerplatz. Mittwoch, den 7. April 1926, nachmittags 3 Uhr. die Gärten an der Ackerstraße. Um 5 Uhr das Grundstück an der Langenbergerstraße, früher im Besitz von Trebing. Donnerstag, den 8 April, nachmittags 3 Uhr. das städtische Grundstück an der Hardenbergerstr. Der Pachtpreis muß sofort bezahlt werden und kann nur in dringenden Ausnahmefällen gestundet werden. Nichterscheinen zu dem Termin gilt als Ausdruck der Verzichtleistung auf das Land. Belbert, den 1. April 1926. Der Bürgermeister. Offenlage der Haushaltspläne. Der Entwurf der Haushaltspläne für das Rechnungsjahr 1926 liegt vom 6. April dieses Jahres ab 8 Tage lang zur Einsicht im Zimmer? des Rathauses auf. Belbert, den 31. März 1926. Der Bürgermeister. Ausschneid.n! Familien=Fürsorge, Velbert Oststraße 31. Stillprobe: Jeden Dienstagnachmittag von 3 bis 4 Uhr für alle Bezirke. Rutterberatung: Jeden Donnerstagnachmittag von 3—5 Uhr für alle Bezirke. nd 3. Donnerstag im Monat ist der esend. n: Jeden 2. und 4. 2-9½ Uhr. Am 1. und 3. Donnerstag im? Kreiskommunalarst anwesend, Mutterberatung; Am Baum: Je Montag im Monat von 2—9½ Uhr. Sprechstunden: Bezirk II: Dienstagnachmittag von 3—6 Uhr Schwester Amalie Kröning; Bezirk I: Mittwochnachmittag von 3—6 Uhr Schwester Handla Faulenbach: Bezirk U1. reitagmorgen von 8½—17 Ubr Schweiter Narait Schlüte: Handwerker= und Kunstgewerbeschule Barmen Tages= u. Abendkurse. Beginn des Winterhalbjahres: 6. April. Anmeldungen vom 6. April ab täglich von 11—12 und abends von 6—8 Uhr. Prospekt kostenfrei. Vereins-Nachrichten (Aufnahme nur bei Vorauszahlung.) Montag, den 12. April: Kartell für Sport u. Körverpflege Remscheid. Abends 7½ Uhr in der Geschäftsstelle Markstr. 1 Kartelldelegierten=Versammlung. Phönix Ver. Dampfwaschanstalten u. Putztuchindustrie RarlVolke Fernsprecher 3953 Elberfeld Ullandahlerstr. 514 a/516 Leib-u. Hauswäsche Spexialität: Stärkewäsche Maschinenputztücher mitu. ohne Einwebung sowie Reinigung Zurückgekehrt!! Möbel! 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In meiner Praxis habe ich es viel verordnet und habe von ihm als appetitanregendes tonisches Mittel, zumal bei Rekonvaleszens und Blutarmut, in mittleren und höheren Lebensaltern manchen Nutzen gesehen, und es wurde fast immer gern genommen. Dr. R. in L.(2145) Im Salamander VARIETÉI Eine Revue erster artistischer Kunstkräfte. Unwversalkünstler Karl Scherber. Dazu 6 hervorragende Varieté-Kräfte. 4 Leers=Arvellos. Charmion. Gerda Cyklermo. Willy Ziegler. Rudolf Klär. Fersen und Gaard. Der Kinematograph, Anfang 8 Uhr. Kasse ab 5 Uhr. Tel. 212. Krankenkassen-Brillen empfiehlt Optiker Fuhrbach. Velbert. Friedrichstr. 140 das Bier fûr Sie! Erhältlich bei Emil Thönes. Biergroßhandlung, Barmen=Rittersh., Ewaldstr. 2 und Bockmühlstr. 52. Telephon 1881: Rathaus=Drogerie Emil Jansen, Barmen, Wertherstr. 8. Telephon 430 und 4107: Richard Neu. Biergroßhandl., Elberfeld. Taubenstraße 9—13. Tel. 4483 und in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften. Verkehrslokal der organisierten Arbeiterschaft. 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Quater, Dienstag. den 6. April 1926. Freie Presse. Bellage zu Nr. 79. Religion und Berufsschule Von Stadtv. Oskar Hoffmann. Nach dem Artikel 137 der Reichsverfassung muß in der deutschen Republik die völlige Trennung der Kirche vom Staat durchgeführt werden. An der Spitze dieses Artikels steht klar und eindeutig der Satz:„Es besteht keine Staatskirche.“ Die Trennung von Staat und Kirche hat nach Grundsätzen zu erfolgen, die das Reich durch ein Gesetz aufzustellen hat, aber dazu hat die deutsche Republik noch keine Zeit gefunden. Das Verhältnis von Kirche und Staat zur Erziehung, d. h. zur Schule, ist abhängig vom Verhältnis des Staates zur Kirche. Während der Staat verweltlichte, nahm im 19. Jahrhundert bis auf den heutigen Tag die Macht der Kirche und ihr Einfluß auf die Schule zu, obschon doch die Bildungs= und Erziehungsfragen nur von einer Schule, die völlig von der Kirche befreit ist, erfüllt werden können. Das alte Ziel: Trennung von Kirche und Schule wird darum von allen fortschrittlichen Pädagogen vertreten. Die völlige Verweltlichung und Verstaatlichung des Schulwesens ist eine Notwendigkeit, muß darum mit Energie erstrebt werden, wie die Ermöglichung des Besuchs der höheren Schulen für alle befähigten Kinder. Von besonderem Einfluß für das spätere Leben ist die richtige Beratung bei der Berufswahl, wie auch ein guter Fortbildungsschulunterricht, der um so mehr notwendig ist, wie das Wirtschaftsleben sich durch Qualitätsarbeit behaupten will. Durch Gesetz wurden s. Zt. Berufsschulen geschaffen mit obligatorischem Unterricht, die sich erst langsam durchsetzten und vielfach Widerstände in den Kreisen des privaten Unternehmertums fanden und noch finden. Daß der Unterricht in den Berufsschulen an Wochentagen während der Arbeitszeit erteilt werden muß, ärgert ausbeutungslüsterne Unternehmer, die für den Unterricht nur die Zeit außerhalb der Arbeitszeit und den Sonntag wünschen. In den Motiven zu dem Gesetz heißt es zutreffend:„Nach dem Grundgedanken des Gesetzes ist die Fortbildungsschulpflicht eine unmittelbare Folge des Eintritts in ein Dienstverhältnis und der Fortbildungsschulunterricht eine notwendige Ergänzung der praktischen Lehre. Die Gewerbegesetzgebung des Reiches geht darauf aus, die jugendlichen Arbeiter vor übermäßiger Ausnutzung ihrer Arbeitskraft zu schützen. Legt das Gesetz dem jugendlichen Arbeiter in Anknüpfung an das Arbeitsverhältnis eine Schulpflicht auf, so muß die Unterrichtszeit so gelegt werden, daß sie nicht zu einer Mehrbelastung des jugendlichen Arbeiters führt, denn jeder Unterricht verspricht nur dann Nutzen, wenn die Schüler frisch und aufnahmefähig sind.“ Der Lehrplan der Berufsschule erfordert, daß die Jugend in Ergänzung der Volksschule mit den Erfordernissen ihres speziellen Berufes vertraut gemacht wird, also mit den technischen Fortschritten ist eine Erweiterung des Fachunterrichts bedingt. Statt dessen ist die Kulturreaktion an der Arbeit, wie in den Schulen überhaupt auch die Berufsschulen zu kirchlichen Zwecken zu mißbrauchen. Ein Vorgehen, das den schärfsten Widerstand aller Kreise, die auf eine vorbildliche Berufsausbildung Wert legen, hervorrufen muß. Wie die Kulturreaktion arbeitet, zeigt das Vorgehen der Deutschnationalen, der Völkischen, des Zentrums und der monarchistisch verseuchten Wirtschaftspartei in der Elberfelder Stadtverordnetenversammlung. Nicht nur, daß die konfessionellen Kreise auf eine Vermehrung des Religionsunterrichts in den Schulen allgemein hinarbeiten, sind sie jetzt dazu übergegangen und verlangen entgegen den gesetzlichen Bestimmungen den Religionsunterricht in den Unterrichtsplan der Berufsschulen. Als zu dem diesbezüglichen Zentrumsantrag die sozialdemokratische Fraktion den Zusatzantrag stellte„und freier Weltanschauungsunterricht“ einzufügen, einigten sich die Rechtsparteien mit dem Zentrum auf folgenden Antrag: „Mit Beginn des neuen Schuljahres wird der Religionsunterricht an den Berufsschulen innerhalb des Unterrichtsplanes erteilt. Den Schülern und Schülerinnen, die entsprechend dem Wunsche der Eltern am Religionsunterricht nicht teilnehmen, ist gleichzeitig Gelegenheit zur Teilnahme an einem lebenskundlichen Unterricht zu geben.“ Mit Recht wies der Redner der sozialdemokratischen Fraktion darauf hin, daß Religion doch Privatsache sei, daß der Religionsunterricht nicht in die Schule gehöre, noch viel weniger in die Berufsschule. Mit Recht wies der Schuldezernent darauf hin, daß die Rechtsgrundlage nach dem Ministerialerlaß vom 26. 3. 1897 die sei, daß der Religionsunterricht in den Berufsschulen nicht pflichtmäßig stattfinden dürfe. Das stört die Rechtsparteien und das Zentrum nicht, sie verteidigten ihre Konsession für die Berufsschule, obschon einer der größten deutschen Dichter, Friedrich Schiller, erklärte:„Welche Religion ich bekenne? Keine von allen! Aus Religion!“ Die sittlichen Maximen des kirchlich-religiösen Bewußtseins sind doch die:„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben." Welcher Art die deutschnationale Frau Rektor Brünecke ist, hat sich gezeigt, als sie in der Stadtverordnetensitzung nichts gegen die schweren Anklagen gegen die Kirche, die die christlichen Gebote mit Füßen tritt, zu sagen wußte, es mit ihrer Moral sogar zu vereinbaren weiß, geschichtliche Unwahrheiten den Schülern zu vermitteln. Frau Rektor Brünecke sprach auch viel vom Elternrecht, woraus hervorging, daß sie das Gesetz über die religiöse Kindererziehung vom 15. 7. 1921 gar nicht kennt. Nach§ 5 dieses Gesetzes steht dem Kinde nach Bollendung des 14. Lebensjahres die Entscheidung darüber zu, zu welchem religiösen Bekenntnisse es sich halten will. Vom 12. bis 14. Lebensjahre muß das Kind sein Einverständnis geben, wenn ein Wechsel des religiösen Bekenntnisses eintreten soll. Der§ 6 des Gesetzes besagt weiter, daß die vorstehenden Bestimmungen auf die Erziehung der Kinder in einer nicht bekenntnismäßigen Weltanschauung Anwendung finden. Danach ist klar, daß der 14 Jahre alte Berufsschüler wie Berufsschülerin selbst entscheiden können, welcher Weltanschauung sie angehören wollen. Sie können also auch gegen den Willen der Eltern aus der Kirche austreten.— Das sollte schließlich auch Frau Rektor Brünecke wissen. Die Schulpolitik des Zentrums und der evang. MonarchistenKirche ist derart, daß sie mit ihrem Vorgehen nur die Kirchenaustritts=Bewegung riesig fördern, wie es überhaupt mit der Werbekraft der Konfessionen von Rom und Wittenberg nicht weit her sein muß, wenn sie so auf ihre Religion als Schulzwangsfach bestehen.—— Zunächst hat nun die Schulreaktion im Elberfelder Stadtparlament gesiegt. Der erwähnte Antrag wurde angenommen. Da die Berufsschule jetzt zu kirchlichen Zwecken mißbraucht werden soll, nicht einmal gesetzliche Bestimmungen beachtet werden, hat die Schulverwaltung erklärt, jetzt die Entscheidung der Regierung anzurufen. Man weiß also noch nicht, was werden wird. Sicher dürfte aber sein, daß die meisten Berufsschüler und-schülerinnen nur lebenskundlichen Unterricht nehmen werden. Das dürfte dem Zentrum wie den evangelisch Orthodoxen nicht angenehm sein, ist aber für das spätere Fortkommen der Berufsschüler und=schülerinnen mehr wert, als eine kirchliche Vorstellung. In einem Vortrag sagte kürzlich Schulrat Dr. Kurt Löwenstein=Berlin u. a. sehr richtig:„Wenn unsere Eltern nur genügend aufgeklärt wären, so würden sie schon aus diesem Grunde verlangen müssen, daß die Kinder nicht mit der Ideologie der Vergangenheit belastet werden, sondern in dem weltlichen Bewußtsein unserer Zeit erzogen würden. Wer eine sittliche Bindung für die Gesellschaft bejaht, kann diese Bindung nicht von der Ideologie der Vergangenheit, sondern er muß sie von den lebendigen inneren Bindungen der gegenwärtigen Gesellschaft abhängig machen. Wir brauchen nur sittliche Bindungen innerhalb unserer Gesellschaft als Gegenmittel gegen die rapid sich vollziehende Zersetzung der bürgerlichen Ordnung durch den Kapitalismus. Es ist die Aufgabe der Erziehung, daß wir aus der Gemeinschaft mit unseren Kindern und unserem Kampf um die Wirklichkeit unseres Lebens die Bindungen gewinnen und für uns und für sie schaffen, die wir für das Leben gebrauchen. Wir können das nur so machen, daß wir den Kindern und uns selbst das Verständnis für unsere Zeit und ihre Notwendigkeiten erschließen, daß wir uns in dem Ringen um diese Dinge stark und schöpferisch machen und empfänglich werden für jenes Bewußtsein sozialer Verantwortung, das in all' diesem Leben lebendig ist...." Mögen durch den Vorstoß der Kultur=Reaktionäre die Kräfte lebendig werden, die alle Widerstände überwinden, neue Kräfte erzeugen, die dem Fortschritt die Bahn ebnen! Die Sozialpolitik in Theorie und Praxis Die Sozialpolitik des Deutschen Reiches ist schon bei ihrer Entstehung, wie auch bei ihrer Durchführung Gegenstand lebhafter Erörterungen gewesen. Sie ist von der einen Seite als ein Kulturwerk gepriesen worden, das berhaupt nicht überboten werden kann, während die andere Seite das, was die Sozialgesetzgebung denen bietet, die durch die Verhältnisse genötigt, die ihnen gebotenen Rechtswohltäten in Anspruch zu nehmen, in den allermeisten Fällen diese als durchaus ungenügend bezeichnen. Es dürfte sich deshalb empfehlen, einmal eine Betrachtung darüber anzustellen, auf welcher Seite das Recht oder Unrecht liegt, oder ob nicht auf beiden Seiten Faktoren mitsprechen, die eine objektive Beurteilung nahezu ausschließen oder doch ganz erheblich beeinträchtigen. Des weiteren aber muß man doch in Rechnung ziehen, ob sich die sozialpolitischen Theorien reibungslos in die Praxis umsetzen lassen. Denn die schönste Theorie kann zugrunde gehen an ihrer praktischen Undurchführbarkeit. Hören wir deshalb einmal die Ansichten beider Richtungen. Die Lobredner unserer Sozialpolitik rekrutieren sich aus gutmütigen bürgerlichen Philantropen, die schon vor Freude einen Purzelbaum schlagen, wenn durch irgend eine Maßnahme ein Rechtsanspruch für die ärmere Bevölkerung geschaffen wird, der bisher nicht bestanden hat Zum großen Teil ist aber die Lobhudelei unserer Sozialgesetzgebung auf die Täuschung der Arbeiterklasse berechnet. Dahin gehört auch der Ausspruch Wilhelms des Letzten, daß in Deutschland für den Arbeiter die Kompottschüssel gefüllt sei bis ins hohe Alter. Vielfach stehen diese Leute dem praktischen Leben der Opfer der Arbeit ganz fern und betrachten das ganze Problem nur vom Standpunkt der Wohlfahrtspflege aus. Ihnen kann man vielfach die Worte Goethes entgegenhalten:„Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte, auf seinem Bette weinend saß, der kennt euch nicht, ihr bösen Mächte." Zum weitaus größten Teil sehen aber diese Leute in jedem Menschen, der die sozialen Einrichtungen des Staates und der Kommune in Anspruch zu nehmen genötigt ist, einen geistig und moralisch niedrig stehenden Menschen. Und dieser Geist beherrscht unsere ganze Sozialgesetzgebung. Dann die direkten Gegner der Sozialgesetzgebung: Diese bestehen aus zwei Hauptgruppen. Die ersteren sind prinzipielle Gegner jeder staatlichen Fürsorge, weil sie behaupten, daß unser Wirtschaftsleben dem Ausland gegenüber nicht konkurrenzfähig sei. Bei diesen Leuten handelt es sich um ausgesprochene Egoisten, die fast ausnahmslos dem Unternehmertum angehören, und welche sich um jede, auch die geringste soziale Verpflichtung, zu drücken bestrebt sind. Die andere Gruppe bilden die Arbeiter, die aus Unkenntnis oder Gleichgültigkeit ihre Rechte haben verfallen lassen oder die vorschriftsmäßige Geltendmachung verabsäumt haben. Beide Gruppen haben trotz der entgegengesetzten Motive das eine gemeinsam: den Haß und die Verunglimpfung der sozialen Einrichtungen. Beide wissen nicht genug darüber zu klagen, daß die soziale Fürsorge zu hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Arbeitgeber und=nehmer stellen, während deren Leistungen hierzu in keinem Verhältnis stehen. Wir haben aus den Gründen der Befürworter und der Gegner der Sozialgesetzgebung ersehen, was wirklich ist und wollen nun an der Hand von Tatsachen den richtigen Sachverhalt feststellen. Das Lob der sozialen Fürsorge stützt sich, wie schon gesagt, auf die Theorie der Humanisten, die dahin geht, daß jeder Hilfsbedürftige das Recht hat, die öffentlichen Mittel zur Behebung seiner Not in Anspruch zu nehmen, und daß die Gesellschaft verpflichtet sei, zu dem besagten Zweck auch diese Mittel zur Verfügung zu stellen. Soweit, so gut! Diese Theorie ist auch gesetzlich anerkannt, jedoch sind für die Durchführung derselben in die Praxis eine ganze Reihe von Kautelen geschaffen, die geeignet sind, die Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen, wenn nicht unmöglich zu machen, so doch außerordentlich zu erschweren. Dazu kommt noch ein Umstand, der gar nicht hoch genug in Rechnung zu stellen ist. Da es sich bei der sozialen Rechtsprechung durchweg um körperlich und geistig schwer geschädigte Personen handelt, so darf es nicht wunder nehmen, daß bei der Beurteilung des Defekts an Arbeitsfähigkeit das menzinische Fachpersonal vorwiegt. Hieraus geht hervor, daß die Leistungen der sozialen Gesetzgebung nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erfolgen, deren Erfüllung jedoch, soweit nicht Beitragsfragen, Wartezeit oder Alter in Frage kommen, durch medizinische Sachverständige entschieden werden. Man ersieht daraus, daß in den weitSeeluft Humoristischer Roman von Jan Ehlers. (17 Fortsetzung. „Erinnern Sie sich vielleicht dieses Gegenstandes Herr Geheimrat?“ v. Radegast zog eine Brieftasche und legte sie in die Hand des ganz verstörten Wolffenroders. „Allerdings. Es ist die Tasche, die mir abhanden gekommen ist.“ „Leider ist sie leer.“ „Ihr ursprünglicher Zustand wäre mir lieber gewesen." „Bitt schön, Herr Seppel—— „wollen Sie die Güte haben,“ ergänzte Doktor Radegast Onkel Emil. „O, regen Sie sich nicht auf. Wir wollen weiter nichts, als die siebzehn Braune, die für vierzehn Tage Monao reichen sollten.“ „O no! Ich bin nicht habend von der Geld!“ „Hans Abfahrt.“ „Schön. Darf ich Sie einladen, mein Herr?“ „Ich bitte Sie, Herr Doktor, haben Sie Mitleid—“ mit'm siebenköpfigen Familjenvater, wat?— Det jeht doch über’t Bohnenlied.“ „Sooo— Herr Geheimrat—“ „Herr Seppel hat die Güte.“ Onkel Emil übergab mit dem ganzen Selbstbewußtsein eines unfehlbaren Detektivs seinem Schwager die gefüllte Tasche. „Sag mir um alles in der Welt, Emil wie kommst du auf den Namen Seppel?" „'n Berliner weeß eben alles, lieber Otto. Und was er nich weeß, det ahnt er.“ „Wirklich seltsam. Auch ich, meine Herren, muß Ihnen etwas Originelles mitteilen. Bitte, sehen Sie: Die Nota eines hiesigen Juweliers über Pretiosen. Darunter ein Paar— Strumpfbänder mit Briklanten—“ „Für Ilo— lo— lo— lo—" „Emil—— Meine Herren gibt es für Sie denn gar keine Geheimnisse?“ Der alte Herr war ganz entsetzt und tastete rückwärts nach einem Stuhle. „Schorsch eine Hennessy.“ „Die Sache ist sehr einfach, Herr Geheimrat,“ fuhr von Radegast in beruhigendem Tone fort,„höchst einfach. Der Herr Professor hat sich eine harmlose Verwechselung mit Ihnen erlaubt. Weiter nichts. Die Frage ist die, ob er den Scherz anerkennen und bezahlen will— Nun?“ „Anerkennen— ja— aber zahlen— leider!“ „Und weshalb nicht?“ „Weil ich nur noch zwölf Mark fünfzig bei mir habe.“ „Ehrlicher kann man nicht sein, meine Herren. Ich schlage eine Kollekte für den Abgebrannten vor.“ „Hundert Mark für den Ulk“, Onkel Emil warf eine Note auf den Tisch.„Wer jibt mehr?" „So. Herr Professor." Radegast schon dem Delinquenten den gesammelten Mammon zu,„ein kleines Honorar für die ausgezeichnete Gastfreundschaft. Unter der Bedingung, daß Sie dem Juwelier die Strumpfbänder wieder zurückbringen. Mit den Brillanten, versteht sich. Dann reisen Sie mit dem ersten Dampfer ab und kommen uns nicht wieder ins Gehege.“ „Nie im Leben.“ „Hans. willst du den Herrn hinausbegleiten?" „Sehr gern.“ „Und drück ihm draußen für uns alle noch mal die Hand. Aber mit Musik.“ „Mit Vergnügen.“ In diesem Augenblick, just, als Eva mit Tante Auguste von der Strandpromenade zurückkehrte, kündete ein Trompetensignal im Kursaal Damenwahl an, eine Gelegenheit, die Tante Auguste wahrnahm, ihren alten Partner heimzusuchen. „Der Herr hat leider ausgetanzt, gnädiges Fräulein", entschuldigte Doktor Riese seinen Arrestanten, der äußerlich ramponiert und innerlich schuldbewußt, schämig die Augen senkte. „Ah—" „Wenn du'n aber schreiben willst, Aujuste—“ Onkel Emil stellte den Entlarvten in seiner Position vor— Herr Seppel aus Manweis nichtwo, Charakterdarsteller und Jüteraustauschprofessor, demnächst Plotzensee.“ „Sie sollten sich in der Tat schämen, mein Herr.“ „Wat? So weit seid ihr schon gewesen?“ „Pfui, Emil.“ Tante Auguste rauschte empört abseits, während Onkel Emil die beiden Abgehenden noch einmal durch einen Zuruf aufhielt:„Heda— Seppel. Hör'n Se mal, junger Mann.“ Er nahm den Angerufenen beim Rockkragen und flüsterte ihm sehr freundschaftlich zu:„Und dann jrüßen Se Ilona von dem dummen Berliner, verstehn Se?— Er trägt de Brietasche immer noch rechts. Sehn Se?“ Doktor Riese lacht verständnisvoll und verließ mit seinem Schützling den Schauplatz, um sich draußen von ihm mit einem unvergeßlichen Händedruck zu verabschieden.... Aber Pachen, was war denn eigentlich los?“ fragte Eva nun, die sich bisher mit feinem Takt zurückgehalten hatte. „Männersachen, liebes Kind. Ich erzähle dir gelegentlich mal— Ihnen aber, Herr v. Radegast, bin ich unendlich verbunden. Nehmen Sie meinen Dank. Und sollten Sie meiner einstmals bedürfen, in welcher Lage es auch sei—“ „Otto, ick bin Zeuje—“ „Trotzdem können Sie auf mich zählen. Herr v. Radegast.“ „Das Leben spielt oft sonderbar, Herr Geheimrat. Vielleicht bedarf ich Ihrer schon in der allernächsten Zeit.“ „Nun— eh— wie dem auch sei, mein Dank soll Ihnen gewiß sein." Otto, wir halten dich beim Wort.“ Onkel Emil rief es mit seherischem Pathos. Dann aber drehte er sich um, wiegte sich schon nach der Tanzmusik im Kursaal, klatschte in die Hände und rief: „Aujusteken— komm." „Emil— du?“ Auguste hängte sich, die schönen braunen Augen voller Glanz und Entzücken in den Arm des immer noch heimlich geliebten Bonvivants und schwebte mit ihm davon, indessen Eva den Afrikaner entführte.... „Ja— wo steht mir denn eigentlich der Kopf? murmelte der einsam zurückgebliebene Wolffenroder und in seinen guten Augen stand die Trostlosigkeit eines verirrten Kindes.„Ist dieses Helgoland denn ganz und gar verhext? Als aber Schorsch in seine Nahe kam, fand er einen Teil seiner Energie wieder:„Ober——“ „Der Herr Geheimrat wünschen?“ „Zahlen.“ „Bitt schön, Herr Geheimrat— alles?“ „Vielleicht, daß der Herr Geheimrat reisen wollen—“ „Ja. was geht das Sie denn an? „Bitt schön, Herr Geheimrat— i sollt moanen, a bissel doch schon.“ Schorsch zog den Notizblock und spielte vielsagend mit dem Bleistift. „Was wollen Sie denn von mir?“ „Nu— i dächt, dös werden der Herr Geheimrat schon selber wissen." „Werden Sie nicht vertraulich. Sagen Sie mir endlich, was Sie von mir wollen.“ „Ja— wenn der Herr Geheimrat so daherreden— daß i, wenn der Herr Geheimrat reisen wollen, Zahlt möcht i haben.“ „Was fällt Ihnen denn ein? Die zwei Glas Pilsener?“ „Bier hab i dem Herrn Geheimrat keins gebracht.“ „Was sagen Sie da?“ „Uebrigens is dös Bier längst bezahlt.“ „Mein Bier schon bezahlt? Von wem denn?“ „Von dem Herrn, der's getrunken hat.“ „Das bin ich doch gewesen.“ „Da irren sich der Herr Geheimrat. Der Herr Professor, ders trunken hat und zahlt hat is fortgangen. Für Herr Geheimrat hab i drüben serviert g'habt: Austern, bitt schön, a Floaschen 83 er und a Kästl Havanna." „Unglücksrabe, können Sie denn nicht sehen?“ „I dächt, so guat wie der Herr Geheimrat schon.“ „Dann hätten Sie doch bemerken müssen, daß hier eine Täuschung, eine Verwechselung vorliegt.“ „Dös kann i nit mehr kontrollieren. Der andere Herr is fortgangen und wer nachbleibt, zahlt immer.“ „Nun frag ich bloß einen Menschen,— dieses Helgoland— und Sie wollen Kellner sein und kennen nicht mal die Gäste auseinander.“ „Da san der Herr Geheimrat der erste, der mir dös sagt. Aber i versteh schon— der Herr Geheimrat wollen mi halt a bissel frozzln, nit woahr? Kann ja auch gar nit oanders sein. O na, Herrschaften, die bei uns komme, bestelln nit, wanns nit zahln könne und gehn nit fort, wanns nit zahlt ham.“ (Fortsetzung folgt.) ) 5 aus meisten Fällen das Wohl und Wehe der Sozialversicherten in der Hand der Mediziner liegt. Und diesen Umstand haben sich die Letzteren zunutze gemacht und durch ihre Organisation eine Stellung geschaffen, die ihnen die Beherrschung der praktischen Durchführung der sozialen Gesetzgebung fast restlos ermöglicht. Sämtliche Versicherungsträger, von der Krankenkasse bis zur Angestelltenversicherung, wissen das und haben sich diesen Umstand zunutze gemacht, um die Erlangung der gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen soweit als möglich zu erschweren. Durch rigorose Bestimmungen in den Aerzteverträgen wird dafür gesorgt, daß etwa renitente Aerzte zur Raison gebracht werden. Die Versicherten aber leiden unter diesen Umständen ganz unbeschreiblich und werden vielfach um ihre wohlerworbenen Rechte gebracht, da die Rechtsprechung sich fast vollständig auf die Gutachten der dem Bewerber nicht vohlwollenden Mediziner stützt. Ein Beispiel möge genügen: Die Witwe eines gegen Invalidität versicherten Arbeiters hat Anspruch auf Witwenrente, falls die Witwe selbst Invalide ist. Ist die Witwe selbst versichert, so steht ihr außer ihrer eigenen Rente die halbe Witwenrente zu. Man sollte nun annehmen, daß auch die Witwenrente, wie die Invalidenrente mit Vollendung des 65. Lebensjahres gewährt würde. Aber weit gefehlt. Die Landesversicherungsanstalt stützt sich auf den Wortlaut des Gesetzes, daß die Rente nur im Falle der Invalidität gezahlt wird. Die Invalidität muß aber ärztlich festgestellt werden, und wenn die vertrauensärztlichen Autoritäten bei einer 75—80 jährigen Witwe das Vorliegen von Invalidität verneinen, weil die Frau vielleicht noch einen Becher Kartoffeln schälen kann, so lehnt die LVA die Witwenrente ab, obgleich dieselbe eine Invalidenrente für ihre eigene Person schon seit Jahren bezieht Ist das nicht ein Widersinn sondergleichen? Wir sehen also, daß die Gewährung der Witwenrente in der Theorie besteht, in der Praxis aber auf die größten Schwierigkeiten stößt. Hierbei möchten wir aber noch auf einen Umstand hinweisen, der u E. viel zu wenig beachtet wird. Jede andere rentenberechtigte Witwe erhält ihre Witwenrente beim Ableben ihres Mannes. Die Kriegerwitwe, die Beamten= und die Angestelltenwitwe, ohne Rücksicht auf Alter oder Erwerbsfähigkeit. Nur die Arbeiterwitwe muß sich erst der ärtzlichen Untersuchung mit all ihren Unannehmlichkeiten und beprimierenden Begleiterscheinungen unterziehen, ohne Rücksicht auf ihr Alter Eine größere Mißachtung der Arbeiterklasse ist u. E kaum denkbar. Noch einen Umstand möchten wir nicht unerwähnt lassen. Die Kinderzulage beträgt nach der letzten Regelung ab 1. 8 25 7.50 AA monatlich Das ist ebenfalls Theorie. Denn nur diejenigen erhalten diese Kinderzulage, welche nach dem 1. 8. 25 Invalide wurden. Alle übrigen erhalten nur eine Zulage von 3.50 A monatlich Die Invalidenrente selbst beträgt im Durchschnitt etwa 24—25 M. Die größte Zahl der Rentenempfänger hat ein arbeits- und entbehrungsreiches Leben hinter sich und wird mit einer Rente ab gespeist, die den allerbescheidensten Ansprüchen nicht im entferntesten genügt und in dieser Unzulänglichkeit keiner anderen Bevölkerungsschicht auch nut andeutungsweise angeboten wird. Dazu kommt noch die fortgesetzte Verunglimpfung und Verdüchtigung der erwerbsunfähigen kranken Angehörigen der Arbeiterklasse durch die Versicherungsträger und deren Vertrauensärzte, so daß sehr viele, wenn es ihnen irgend möglich ist auf die Wohltaten der Sozialgesetzgebung verzichten. Das ist die deutsche Sozialpolitik in Theorie und Praxis. Wilhelm Balser, Elberfeld. (Volkswirtschaft/ Industrie/ Handel) Der Volksopfer=Prozeß In der weiteren Vernehmung im Volksopferprozeß ergab sich. daß der monarchistische Nationale Klub von Sachsen, der eine Gründung des Angeklagten Dr. Meißner ist, aus Mitteln des Volksopfers nach und nach 27000 Markeryalten hat. Nach der Aussage des Zeugen Freiherrn v. Finckh hat man im Klub keine Ahnung gehabt, woher diese Gelder stammten.„Sonst hätte man natürlich keinen Pfennig angenommen", behauptet der Zeuge. Aber wie es sich herausstellt, hat sich der Klub anderseits auch nicht das Geringste darum gekümmert, woher Dr. Meißner diese großen Summen zur Ausgleichung des Budgetdefizits hernahm. Der Klub hat sich bei seiner Mitteilung, sie stammen von einem„Gönner“, vollkommen beruhigt. Der Klub hat die 27 000 MA bis heute noch nicht zurückgezahlt. Vielleicht kann der Klub keine Gelber entbehren, da er, wie die weitere Zeugenvernehmung ergibt, mit großem Eifer inner- und außenpolitische Arbeit verrichtet. So hat Dr. Meißner mit dem tschechischen Führer der Deutschnationalen, Lodgeman, über alle möglichen Pläne verhandelt. Lodgeman hat ihn aber fallen lassen. In St. Moritz will Dr. Meißner über die Rückgewinnung Tirols verhandelt haben(!); er hat vorgeschlagen. den Italienern irgendwelche anderen Landstriche zu geben gegen Rückgabe von Deutsch=Tirol. Nicht so phantastisch aber sind Dr. Meißners innerpolitische Machenschaften gewesen. Daß der„Nationale Klub von Sachsen“ sich hieran sehr aktiv beteiligt hat, geht daraus hervor, daß der Zeuge v. Avendroth, durch die Erwähnung dieses Kapitels sichtlich unangenehm berührt, erregt die Aussage verweigert. Dafür sagt Dr. Meißner jetzt rücksichtslos aus, ohne daß der Zeuge irgendwelche Widersprüche erhebt So hat man im Jahre 1924 mit dem Reichstagsabgeordneten v. Keudell verhandelt, ob Dr. Meißner vielleicht nicht außenpolitischer Vertrauensmann des Admirals v. Tirpitz werden soll. Auch das leugnet der Zeuge nicht ab, daß Dr. Meißner in sehr vertraulichem Verhältnis zu Oberst Nikolai gestanden hat. * Beweisaufnahme geschlossen Dresden, 3. April. Im Volksopferprozeß wurde am Sonnabend die Beweisaufnahme geschlossen. Aus den Aussagen der letzten Zeugen ging deutlich hervor, daß die„nationalen Kreise“ Dresdens alles versucht hatten, um die unerhörten Vorgänge zu vertuschen. Hauptmann Siemens erklärte offen, man wollte wegen des„Wonnegeheuls der roten Presse“ unter allen Umständen nichts bekannt werden lassen. Meißner habe sich anfangs auch bereit gefunden, Schadenersatz zu leisten, um keinen neuen„Barmat=Skandal“ aufkommen zu lassen. Als die Vernehmung der Zeugen beendet war, sollte Meißner in einer von ihm beantragten Geheimsitzung Gelegenheit gegeben werden, die„hochstehende politische Persönlichkeit" zu nennen, die ihm das veruntreute Volksopfergeld zur Verfügung gestellt habe. Der Angeklagte verzichtete aber auf die Geheimsitzung und die Nennung dieses Geldgebers, der einer der bekanntesten historischen Familien Deutschlands angehöre. Den Namen wolle er nicht nennen, um nicht wirksames Agitationsmaterial gegen die Abfindung der früheren Fürstenhäuser zu liefern.— Am Mittwoch geht der Prozeß weiter mit den Plädoyers der Anklagevertreter. Gewerkschaftliches Die Betriebsrätewahlen im Ruhrbergbau. Zweidrittel aller Stimmen und Mandate für den Bergarbeiterverband. Die Ergebnisse der Betriebsrätewahlen des Ruhrbergbaues liegen jetzt bis auf zehn Zechen vor. Es haben erhalten: Freie Gewerkschaften 177 165 Stimmen und 1469 Mandate(im Jahre 1925 auf denselben Schachtanlagen 119425 Stimmen und 1068 Mandate), Christliche Gewerkschaften 68888 Stimmen und 496 Mandate(73 791 Stimmen bezw. 570 Mandate) Hirsch=Dunckersche Gewerkschaften 4335 Stimmen und 23 Mandate(4198 Stimmen bezw. 19 Mandate), Polnische Berufsvereinigung 1079 Stimmen und 7 Mandate(2305 Stimmen bezw. 5 Mandate) Spadikalisten 6116 Stimmen und 45 Mandate(8259 Stimmen bezw. 56 Mandate), Gelbe 4946 Stimmen und 21 Mandate(1685 Stimmen und 8 Mandate), sonstige 1619 Stimmen und 26 Mandate(4516 Wirtschaftswissenschaft nach dem Kriege Von uns Marxisten trennt Lujo Brentano, den jetzt 80jährigen, ideologisch viel, man möchte sagen fast alles. Wenn dieser Mann aber trotzdem einen ungeheuren Einfluß auf die moderne Arbeiterbewegung, insbesondere auf ihre Führer, ausgeübt hat und ausübt, wenn er der Aposte! des Achtstundentages im bürgerlichen Lager wurde, der Vorkämpfer gegen die Verkümmerung der Lebenshaltung der Massen durch Hochschutzzoll, wenn er seinerzeit mit aller Kraft gegen die drohende Zuchthausvorlage Front machte, so erklärt sich das zu guterle'zt daraus, daß der Liberalismus Lujo Brentanos ein bestimmtes Ziel hatte. Er ahnte die Konstruktion einer anderen Welt, die nur das geistige Auge erschaute. ehe sie den Sinnen greifbar werden konnte. Ist Politik im schöpferischen Sinne des Wortes höchste Kunst, die ein Formen von Mitteln verlangt, deren Eignung man ahnen muß, ehe sie erprobt sind. so erfordert Sozialpolitik, also Politik, die sich die Ordnung der menschlichen Gesellschaft als Aufgabe stellt, um mit Brentanos bestem Schüler, Professor Dr. Bonn. zu reden, die Fähigkeit, sich cin Gemeinwesen vorzustellen, das heute noch nicht ist, das sich aber aus dem Bestreben der schaffenden Menschen, aus der brodelnden Masse herausgelöst, in der nur scheinbar nicht Regel und Gesetz ist. Diese noch verhüllten Gesetze muß der theoretische Wirtschaftspolitiker erfassen. Hat er sie gefunden, dann muß der Staatsmann, der wirklich Wirtschaftspolitik treibt und nicht bloßen Kuhbandel zwischen den Interessentengruppen vermittelt, die Willen der Menschen umbilden und umschmelzen, daß sie, in mächtigem Strome vereint zu einem Ziele hinsteuern. In diesem Sinne ist Wirtschaftspolitik beste Politik, die Kunst, aus Menschenwillen ein Gemeinwesen zu formen. So steht Brentano der sich emanzipierenden Arbeiterklasse, selbst Kämpfer, nahe. Ueberblickt man das Wirken Lujo Brentanos so kann man sagen, daß er zu den wenigen Theoretikern der Wirtschaftswissenschaft gebört, denen es vorbehalten war. Politik in diesem Sinne zu treiben. In seinem Kampf für die Koalitionsfreiheit, durchdrungen von der Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung gegen ein engstirniges Unternehmertum, gegen die Hemmungen praktischer Sozialreformen in den letzten Jahrzehnten, in seinem Kampf für die Verkürzung der Arbeitszeit, für den Freihandel. für Konsumentenpolitik, für niedrige Preise und hohe Reallöhne, für die Bereinigung des Kartellwesens usw. stand er jahrelang fast einsam auf bedrohtem Posten. Seine Saat hat aber hundertfältige Frucht gebracht. Die moderne Wirtschaftspolitik wird heute zweifellos weitgehend von den Ideen Brentanos beherrscht. In welchem Maße das der Fall ist, zeigt die Festgabe seiner Schüler und Bewunderer gelegentlich des 80jährigen Geburtstages des Meisters.„Festgabe für Lujo Brentano“ nennen sich die beiden umfangreichen Bände(erschienen bei Duncker u. Humblot, München und Leipzig), die nicht weniger als 29 Beiträge über den Stand der deutschen und ausländischen sozialökonomischen Forschungen nach dem Kriege enthalten; u. a. sind vertreten: Karl Landauer, Götz Briefs, C. v. Tyska, Heinrich Herneder, Leopold von Wiese, Brinkmann, Kaulla, Walter Lotz, Hilferding und nicht zuletzt Franz Oppenheimer, Theodor Cassau und Fritz Baade, der bekannte sozialistische Agrartheoretiker. Wer Lujo Brentanos Arbeit abschätzen will, muß daran denken, daß die deutsche ökonomische Wissenschaft noch zu der Zeit, als Brentano auf der Höhe seines Wirkens stand, vielfach zu einer bloßen Apotheose des Verwaltungswesens herabgesunken war. Ein paar Generationen lang hatte, wie es in der Einleitung zu der Festgabe heißt, ein müder Historismus die deutsche Oeffentlichkeit beherrscht, der vor allem von den zukünftigen Beamten nicht einmal die Kenntnis und Erkenntnis wirtschaftlicher Dinge forderte. Kenntnis des Rechts und der Verwaltung genügten. Da nach dieser Auffassung wirtschaftliche Zusammenhänge den Gesetzen ursächlicher Notwendigkeit nicht unterlagen, stand es der deutschen Bureaukratie frei, die Weltordnung nach Vorstellungen neu zu schaffen, die sie den Regungen Ihres Gemüts entnahmen. Es mag vielleicht daher gekommen sein, daß in den kritischen Jahren unseres nationalen Lebens uns ein Beamtentum regierte und heute noch regiert, dessen wirtschaftstheoretische Unbildung eine nationale Gefahr ist Die geistige Hilflosigkeit, mit der die Blüte der deutschen Bureaukratie den Verwüstungen der Inflation zusah, die Gleichgültigkeit, mit der sie jeden wissenschaftlichen Rat ablehnte, die Naivität, mit der sie sich durch jede Interessentenlist umgarnen ließ und läßt sind das Ergebuis jenes biegsamen Relatwismus, der Weltordnung nach Vorstellungen und Regungen eines erklusiven Beamtengemüts gewesen Brentanos Lehrtätigkeit und der Lebrtätigkeit seiner Schüler ist es zu danken, daß hier und da mit diesem System aufgeräumt ist. Leider nicht in erforderlichem Maße, und man kann heute sagen, daß der Zankapfel in den Parlamenten, die Personalpolitik, die Beseitigung antirepublikanischer Beamten in 99 von 100 Fällen eine Maßnahme ist, die nicht nur politisch, sondern vor allen Dingen aus Gründen der Wirtschaftspolitik und der Wirtschaftsauffassung geboten ist. Stimmen und 33 Mandate). Außerdem hatte im Jahre 1925 die Union die inzwischen ihren Uebertritt zum Bergarbeiterverband vollzogen hat, 92963 Stimmen und 670 Mandate erhalten, so daß Bergarbeiterverband und Union damals zusammen 212388 Stimmen und 1736 Mandate aufgebracht hatten. Dem Bergarbeiterverband gelang es also in diesem Jahre zwei Drittel aller Stimmen und Mandate auf sich zu vereinigen. Berücksichtigt man, daß im Ruhrbergbau rund 75 000 Bergarbeiter weniger beschäftigt werden und auf vielen Zechen gerade die Mitglieder der freien Gewerkschaften zur Entlassung kamen, so ist das Ergebnis für die freien Gewerkschaften als recht gut zu bezeichnen. Aus der Metallarbeiter=Iuternationale. Am Mittwoch und Donnerstag tagte in Lugano das Zentralkomitee des Inteinationalen Metallarbeiterverbandes. Es waren folgende Länder vertreten: England, Deu schland, Frankreich, Oesterreich, Schweden. Belgien, Dänemark, Tschechoslowakei, Holland, Ungarn, Luxemburg, Italien und Schweiz. Die Mittwochsitzung wurde ausschließlich der Behandlung des vom Verbandssekretär, Nationalrat Ilg, vorgelegten Berichtes gewidmet. Gegenstand einer besonderen eingehenden Prüfung war die Frage der Arbeitslosigkeit. In der Donnerstagsitzung wurde der Bericht des deutschen Vertreters Dißmann über tiefgreifende Aenderungen in det Metallindustrie behandelt. Die Lohnverhandlungen im Baugewerbe. Die Ende der vergangenen Woche für das Baugewerbe bei dem Zentralschiedsgericht in Berlin geführten Lohnverhandlungen ergaben eine Einigung lediglich für die Lohnbezirke Frankfurt a. M., Bayern, Westfalen=Ost und Lippe. Die Löhne bleiben bier in dem bisberigen Rahmen bestehen. Für die anderen Bezirke sind die Verhandlungen an die Bezirksinstanzen zurückverwiesen. Sie haben bis zum 30. April unter Leitung eines unparteiischen Vorsitzenden nochmals zu verhandeln. Falls eine Einigung nicht erzielt wird, beschäftigt der Streitfall nochmals das Zentralschiedsgericht, das dann eine endgültige Entscheidung fällt. Vorläufig werden die bisherigen Löhne weiter gezahlt. Der Schiedsspruch für die Rheinschiffahrt verbindlich. Der für die zwei Arbeitgeberverbände der Rheinschiffahrt in Mannheim und Duisburg gefällte Schiedsspruch vom 17. März ist vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärt worden Für die Partikularschiffahrt steht die Regelung noch offen. Der gefällte Schiedsspruch ist von den Arbeitgebern abgelehnt worden. Bei den Arbeitnehmern besteht ebenfalls keine große Neigung zur Annahme des Spruches. Lokales Elberfeld-Barmen. Elberfeld, 6. April. Hat Jesus gelebt? Ueber diese Frage sprach, eingeladen vom„Verein der Freidenker für Feuerbestattung", der ehemalige Franziskanerpater Amon am Karfreitag in der Elberfelder Stadthalle. Der große Saal mit seiner Bühne und seinen Tribünen war überfüllt. Hunderte mußten stehend zuhören. Ein Meeting der freidenkenden Massen war's, alle Erwartungen übertreffend, erhebend und begeisternd für die Freunde, aufrüttelnd für die Lauen, erschreckend für die Gegner. Daß es am höchsten Feiertage beider Konfessionen„irgendein hergelaufener",„landfremder", ehemaliger Franziskanerpater fertig bringen würde, den größten Versammlungsraum der Stadt einer in diesem Jahre einzig dastehenden Belastungsprobe auszusetzen, das hat man nicht zu hoffen, nicht zu befürchten gewagt. Wie der Leiter der Versammlung mitteilte, hat die Geistlichkeit, insbesondere die evangelische, die Hergabe des Saales bis zum letzten Augenblick verhindern wollen. Es ist ihr nicht gelungen In hellen Scharen verläßt das werktätige Volk die Kirchen. Den übermäßigen Drang nach Wissen und Wahrheit hält kein Priester auf. Amon, der heute Vierundvierzigjährige, hat vor 12 Jahren mit seiner Kirche und deren Glauben gebrochen. Dieser zeitliche Abstand befreit ihn wohl von dem Verdacht, einem Augenblicksimpuls, einer vorübergehenden Leidenschaft zu folgen. Er redet sachlich und sicher, sein Wissen hat Grundlage, sein Bekenntnis ist klar und eindeutig. Eine Kundgebung sieht er in dieser Versammlung. Rücksichtslos ist die Zeit über unsere religiöse Schulweisheit vom lieben Gott und n Himmelreich hinweggeschritten Die Geister müssen sich scheiden! Hier: Jesus hat gelebt! Dort: Hat Jesus gelebt? Eine Frage, nicht mit einfachem Ja oder Nein zu beantworten. Das Problem Jesus rollt Fülle anderer Probleme auf. Zunächst: Hat ein solcher Jesus gelebt, wie ihn die Bibel schildert? Nein! Die Evangelien sind unhistorisch, lange nach Jesu Tode aus dem Gedächtnis und im frommen Glauben niedergeschriebene Legenden. Legenden und Anekdoten bilden sich, wie die Erfahrung lehrt, um jede interessante Persönlichkeit(der„alte Fritz". Napoleon I., Wilhelm JI. usw.). Aus Wasser Wein zu machen, mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen zu speisen, Tote lebendig zu machen, widerspricht den einfachsten Naturgesetzen. Der Kleinkindermord zu Bethlehem ist(wie der Krieg) so grauenvoll, daß er sich mit der Existeng eines Gottes nicht vereinbaren läßt. Die Lehren der Bergpredigt sind schon 100 Jahre vor Jesu Geburt ausgesprochen worden. Herodes hat überhaupt nicht zur Zeit Jesu gelebt. Und Jesus selbst? Kein Geschichtswerk der damaligen Zeit berichtet von dem großen Propheten und Gottmenschen aus Nazareth. Der jüdische Historiker Josephus Flavius(um 70 n. Chr.) kommt zwar auf gewisse, die Person Jesu betreffende Ereignisse zu sprechen, diese Stelle aber ist— wie von führenden Theologen übereinstimmend festgestellt wurde— unecht und„durch Schiebung“ in das Buch hineingeraten.(Vgl. die Geschichte der katholischen Kirche. Pseudoisidorische Dekretalen u. v. a.). Tacitus, Plinius und alle die Geschichtsschreiber der ersten Jahrhunderte wissen nichts. Die einzigen„Quellen" sind also die Evangelien, und diese können(s. o.) nicht als Quellen anerkannt werden. Gelebt haben mag einer, der damals das Volk zum Kampf gegen geistige und wirtschaftliche Unterdrückung aufrief. Denn daß gerade damals ein revolutionärer Strom durch die Völker des Mittelmeeres ging und das römische Weltreich bis in seine Grundmauern hinein wanken machte, daß gerade damals eine Zeitwende anhob(die in der Völkerwanderung ihren Höhepunkt und vorläufigen Abschluß fand): das ist einhistorische Tatsache. So erscheinen die ersten„Christen“ als Sozialisten, Revolutionäre, Kämpfer gegen Standesvorherrschaft(Pharisäer), veraltete Glaubensformen(jüdische Gesetze) und politische Unterdrückung(römische Weltherrschaft. Bgl. Christenverfolgungen.) Solche revolutionäre Wellen hat es immer gegeben und wird es immer geben, sowohl politische(1848), wie wirtschaftliche(Bauernkriege), wie religiöse(Islam). Das Christentum ist eine Religion neben Reliaionen, wer gibtt ihr das Recht, sich als die„alleinseligmachende" und„alleinrichtige" zu preisen? Der Buddhismus ist viel älter, seine Anhänger fast ebenso zahlreich. Die gleiche Befriedigung, die der gläubige Christ in seinem Glauben findet, finden gläubige Buddhisten und Mohammedaner in dem ihren. Und wie die Religionen des Altertums, so wird auch das Christentum einmal von der Bildfläche verschwinden, um einer neuen, größeren, wirklich erlösenden Menschheitsreligion Platz zu machen. Aus diesem allen gilt es die Konsequenzen zu ziehen. Es gibt nur zwei Stände: die Unterdrücker und die Unterdrückten. Und es gibt nur zwei Bekenntnisse: gottesgläubig und freigeistig. Die alte Zeit steht gegen die neue. Gehörst du zur neuen, so tue ganze Arbeit: heraus aus der in ihren Dogmen erstarrten, welt= und lebensfremden Kirche und hinein in die proletarische Massenbewegung! Heraus mit deinen Kindern aus der konfessionellen Schule und inein in die weltliche Schule! Die Diskussion eröffnete Leiverkus, früherer Ortsführer des Häusserbundes. Er lehnt den Gott und den Jesus, wie ihn die Kirche predigt, ab und schwarmt von einem idealen praktischen Christentum. Christus sei nicht der„Oeldruckchristus“ der Kirche, sondern der Mensch der Kraft, Freiheit und Erlösung, der das„Himmelreich auf Erden“ bringt. Den im übrigen sehr kenfusen Gedankengängen machte die Versammlung durch Schlußrufe ein Ende.— Dr. phil. Wolff wirft dem Referenten vor, daß er die Probleme zwar aufgeworfen, aber nicht gelöst habe. Glaube steht gegen Wissen. Schuld an der Entartung unserer Zeit sei der Abfall von Gott.— Studienrat Herter erkennt die Sachlichkeit des Referenten an und gibt ihm in vielem recht. Die evangelischen Pastoren erblicken in der Wahl des Karfreitags eine Herausforderung. Der rechte Christ sei ein Diesseitschrist.(? D. V.). Keine Persönlichkeit habe eine derartige weltumwälzende Bewegung verursacht. Toleranz sei vonnöten.— Fleischhacker zitiert Friedrich II., fordert Austritt aus der Kirche und zeigt Sylvio Gesell(Freiland=Freigeld) als den Welterlöser. Amon betont dann in einem zusammenfassenden Schlußwort, daß man sich durch Einzelfragen nicht von der Grundfrage ablenken lassen soll. Den über die Wahl des Karfreitags entrüsteten Pastoren ruft er zu: „Uns paßt auch mancher Tag nicht!“ Leiverkus erhält die Mahnung, keine Phrasen zu dreschen, sondern Taten zu tun. Herter und seine Freunde mögen sich zu Herzen nehmen: Wer Toleranz predigt, muß selber Toleranz üben. Westdeutsche Rundschau, Ev.=luth. Gemeindeblatt ufw. V. V.).— Leider ließ die vorgerückte Zeit eine Verlängerung der Debatte nicht zu. Es ist jedoch zu hoffen, daß der„Verein der Freidenker für Feuerbestattung" recht bald Gelegenheit nimmt, den streitbaren Franziskanerketzer aufs neue ins Wuppertal zu rufen, und zwar auf einen Tag, wo die Geistlichkeit nicht am Erscheinen verhintert ist. Denn mit der beliebten pastörlichen Redensart:„Wo das Wissen aufhört, fängt der Glaube an“ ist dem Fortschritt der Menschheit nicht gedient. Mit Amon sind wir der Meinung, daß eine reinliche Scheidung zwischen altgeistiger Entsagungs- und Jenseitsideologie und neugeistiger, sozialer Menschheitsreligion erfolgen muß. Pastor Buddeberg=Elberfeld stellte in seinem Ev.=luth. Gemeindeblatt kürzlich fest:„Es trennen uns Welten.“ Auch der letzte Mann, die letzte Frau aus dem werktätigen Volke sollen und werden erfahren, warum uns Welten trennen. er. e. Als Täter für die Katernberger Bluttat kommt der z. Zt. flüchtige Ein= und Ausbrecher Franz Kohn, geb. am 1. März 1895 zu Essen in Frage. Kohn ist ein verwegener und gemeingefährlicher Ein= und Ausbrecher, der noch 9 Jahre Zuchthausstrafe zu verbüßen hat; er hat es aber bisher immer wieder verstanden, aus den Strafanstalten zu entweichen. Zuletzt ist er am 28. November 1625 aus dem Gerichtsgefangnis in Essen aus gebrochen. Alle diejenigen, die irgendwelche Angaben über Kohn machen können, werden dringend gebeten, der Kriminalpolizei Mitteilung zu machen. Remscheid, 6. April. Internationales Fußballspiel der Arbeitersportler Am 2. Östertag weilte eine Lütticher Mannschaft in Remscheid, um mit der Abteilung Stadt der Freien Turner=Vereinigung ein Wettspiel auszutragen. Ergebnis des Spieles war 2: 1 zugunsten Remscheids. Eine große Zuschauermenge wohnte dem interessanten Spiel bei. Schon bei der Ankunft der Belgier am gestrigen Vormittag hatte sich eine große Menschenmenge am Bahnhof angesammelt. Der Sängerchor empfing die fremden Gäste mit dem Gesang der Internationale. Turngenosse:einrich Schäfer begrüßte die Ankömmlinge und würdigte in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des Tages und das Streben der Arbeiter=Sportbewegung. Der Empfang der ausländischen Gäste gestaltete sich auf diese Weise zu einer eindrucksvollen Kundgebung. :: Remscheid, 6. April. Einen großen Menschenauflauf verursachten am Samstagnachmittag in der Bismarckstraße zwei Kutscher, die beide zu viel getrunken hatten und die Weisungen des Verkehrspostens beharrlich mißachteten. Wiederholt fuhren die beiden mit ihrem zweispännigen Wagen in vollem Galopp an dem Schupobeamten vorbei, der an dieser Stelle den oft recht starken Verkehr zu regeln hat. Mehrfache Versuche des Beamten, die galoppierenden Pferde, die eine ernste Gefahr für die Straßenpassanten bedeuteten, einzuhalten, beantworteten die Rosselenker damit, daß sie wie wild mit der Peitsche auf die Tiere losschlugen. Die Kutscher mußten schließlich, da sie offenbar selbst nicht mehr wußten, was sie taten und wohin sie mit ihrem Wagen wollten, festgenommen und mitsamt ihrem Gefährt von der Straße entfernt werden. Kreis Mettmann )( Cronenberg, 2. April. Aus dem Stadtrat. In der letzten Sitzung am 30. März wurde zunächst die Mandatsniederlegung des Herrn Rektor Schäfer(B. A.) angenommen. An dessen Stelle wurde Herr Baurat Siedentopf direkt neu eingeführt. Somit sitzen bei der B. A. heute drei Kommunalbeamte als Stadtverordnete. Ein Antrag der Erwerbslosen auf eine Osterbeihilfe wurde mit 11 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Der christliche Arbeiter, Herr Scherer, verließ kurz vor der Abstimmung den Sitzungssaal, zu welchem Zweck, ist unbekannt. Dieses veranlaßte den Kommunisten Kothe zu sagen:„Der christliche Hampelmann läuft hinaus," was Kothe einen Ordnungsruf ein= brachte. Es ist Zeit, daß die christlichen Arbeiter, welche erwerbslos sind, sich ihren Vertreter einmal ansehen. Ein Antrag des Cronenberger Wirtevereins auf Aufhebung der Getränkesteuer wurde auf Vorschlag der B. A. vertagt bis zu den Elatsberatungen. Es soll erst geprüft werden, ob die 8000 AA anderweitig aufgebracht werden können Unsere Genossen haben diese Steuer jedesmal abgelehnt. Zum Bauprogramm wurde beschlossen, zunächst auf Sudberg zwei Häuser mit 24 bezw. 18 Zimmern und auf Kuchhausen ein Haus mit 18 Zimmern durch die Stadt zu bauen. Das ganze Aufkommen der Hauszinssteuer soll an Private und Baugenossenschaften gegeben werden. Alsdann wurden noch die neuen Bedingungen zur Hauszinssteuer verlesen und für gut funden. Rheinland=Westfalen Methylalkoholvergiftung. rwp. Lüdenscheid, 5. April. Unter eigenartigen Umständen verstarb im Februar der Fuhrmann Köper und der Heizer Konradl ausWerdohl. Das hiesige Nahrungsmittelamt hat nun festgestellt, daß in den Leichenteilen Methylalkohol vorhanden war. Der verhängnisvolle Sturz, an dem Köper sich das Genick brach, ist also auf Methylalkoholvergiftung zurückzuführen. Aus aller Welt Tödlicher Autounfall. wtb. Maulbronn(Württemberg), 5. April. Ein von Frankfurt kommendes, mit vier Personen besetztes Auto fuhr auf dem Wege von Maulbronn nach Lienzingen an einer scharfen Kurve in einen Graben. Der Wagen überschlug sich. Die 23 Jahre alte Tochter des Besitzers war sofort tot, Vater und Mutter wurden lebensgefährlich verletzt. Vom Spiel in den Tod. rwp. Bösperde, 5. April. Die beiden gleichaltrigen etwa fünfjährigen Knaben der Familien Sewerin und Kleine spielten an dem Zuflußgraven des neuen Walzwerks. Der eine fiel ins Wasser. Als ihm der andere heraushelfen wollte, wurde er mit hineingezogen. Der Kleine konnte durch schnell herbeigeholte Hilfe gerettet werden. Das Kind der Eheleute Sewerin konnte aber erst geborgen werden, als das Wasser des Grabens abgelassen worden war. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Drei Menschen verbrannt. wtb. Berlin, 5. April. Auf einem Gutshof in Östpreußen ereignete sich ein furchtbares Brandunglück. Nach einem Bericht der Voss. Ztg. kam die Frau eines Gutsbesitzers bei dem Versuch, vom Boden des brennenden Hauses ihre Habe zu retten, um. Zwei Kinder erlitten bei dem Versuch, ihre Mutter zu retten, das gleiche Schicksal. Vier Personen unter Mordverdacht verhaftet. pm. Berlin, 5. April. In Gutengermendorf bei Löwenberg in der Mark war das Dienstmädchen des Ehepaares Schröder erschlagen aufgefunden worden Unter dem Verdacht, das Mädchen ermordet zu haben, wurde der Adoptivsohn des Ehepaares verhaftet. Er legte ein Geständnis ab und bezichtigte seine Adoptiveltern und seinen Bruder der Mitwisserschaft. Die drei Verdächtigten wurden ebenfalls in Haft genommen. Selbstmord eines Reichsbahnrates. pm. Berlin, 5. April. Im Zusammenhang mit den im Jahre 1923 aufgedeckten Unregelmäßigkeiten bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. d. O. war die Berliner Kriminalpolizei ersucht worden, bei der Aufklärung der Angelegenheit mitzuwirken. Jetzt sind der Vossischen Zeitung zufolge mehrere Beamte der Reichsbahndirektion, darunter auch der Reichsbahnrat Friedrich Hölsing, verhaftet worden. Als letzterer heute vormittag ins Gefängnis eingeliefert werden sollte, stürzte er sich während des Transportes in die Oder. Die reißende Strömung des Flusses führte ihn sofort stromabwärts, so daß er bisher noch nicht geborgen werden konnte. Fünf Arbeiter verschüttet. pm. Berlin, 5. April. Bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Wolkenkratzer in Neuyork wurden durch Erdmassen fünf Arbeiter verschüttet und konnten nur als Leichen geborgen werden. Zu dem Selbstmord eines Reichsbahnrats. Berlin, 5. April. Der Selbstmord eines Reichseisenbahnrats Fölsing aus Frankfurt a. O. ist, wie die Vossische Zeitung aus Frankfurt a. O. meldet, nur ein Glied in der Kette eines Korruptionsskandals, wie er sich in diesem Umfange bisher in Deutschland noch nicht ereignet hat. Fölsing hatte vor seinem Verzweiflungsschritt bereits ein Teilgeständnis abgelegt. Es kann, dem genannten Blatt zufolge, kaum ein Zweifel bestehen, daß Beamte der Reichsbahndirektion Osten sich gemeinsam mit dem Bauunternehmer Schmidt=Rosengarten, der den Auftrag zur Herstellung des Baues des Grenzbahnhofes Neu=Benschen zur Errichtung einer umfangreichen Beamtensiedlung in der Nähe des Grenzbahnhofs und zum Umbau des Hauptbahnhofes Frankfurt a. d. O. erhalten hatte, zusammengetan und die Reichsbahn um außerordentliche Summen geschädigt haben. Eine Reihe weiterer Verbaftungen dürfte im Laufe der nächsten Tage erfolgen. Der Schaden der Reichsbahn läßt sich noch nicht abschätzen. Um 13 000 Tulpen ist die Blumengärtnerei von Müller u. Söhne in Lichtenberg bei Berlin bestohlen worden. Schon seit Weihnachten bemerkten die Inhaber der Firma, daß andauernd Abgänge bei den Tulpenvorräten ihrer Gewächshäuser zu verzeichnen waren. Man legte sich mehrmals nachts auf die Lauer, und so gelang es vor einigen Tagen, mehrere Eindringlinge zu erwischen, die sich jedoch immer wieder losreißen und die Flucht ergreifen konnten. Nun ist es der Kriminalpolizei gelungen, mit Polizeihunden die Spur der Verbrecher ausfindig zu machen und sie festzunehmen. Der Dom von Mainz droht einzustürzen und mußte in den letzten Tagen durch Gerüste gestützt und abgesperrt werden. Das Bauwerk ist schon seit Jahrzehnten ein Sorgenkind der Stadt. Bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts machten sich erhebliche Zersetzungserscheinungen an dem Baudenkmal bemerkbar. Gewisse Ersheinungen deuteten darauf hin, daß der Untergrund des Domes nicht mehr tragfähig war. Gewaltige Risse und Senkungen zeigten sich vor allem bei dem Ostbau. Um die Schäden zu heilen wurden bis heute etwa 6500 Kubikmeter Beton unter den Bau gebracht. Die Länge der Arbeitsstollen, die bisher unter den alten Fundamenten ausgeführt wurden, beträgt 400 Meter. Diese Arbeiten kamen gerade noch im letzten Augenblick. Schon hatten die beiden Seitenschiffe starke „Außenneigung“, so daß das nördliche Seitenschiff heute noch über 30 Zentimeter überhängt. Auf der Weltausstellung in Philadelphia soll Deutschland mit einem ganzen Stadtteil vertreten sein. Für die gesamten deutschen Aussteller dürfte eine Fläche von 30 000 Quadratfuß zur Verfügung gestellt werden. Der deutsche„Stadtteil“ soll in altdeutschem Stil gehalten und um eine Reproduktion des Nürnberger Marktplatzes gruppiert werden. Das ganze Ausstellungsgelände umfaßt etwa 2000 Morgen. Da allein im Umkreis von Philadelphia 22 Millionen Menschen wohnen, ist mit mindestens 40 bis 50 Millionen Besuchern zu rechnen. Eine Vorbesprechung des Ausstellungspräsidenten Baker in Berlin hat soeben der Beteiligung deutscher Firmen an der Weltausstellung den Boden geebnet. Kunst, Wissen, Bildung Bereinigte Stadttheater Elberfeld=Parmen. Um den lieben Kleinen auch eine Österfreude zu bereiten, brachte unser Stadttheater„Prinz Krokus auf der Österfahrt“, ein Märchenspiel in 5 Bildern von Gisela Holz, Musik von Dr. Ostmann, zur Aufführung. An den strahlenden Augen der Kinder zogen die wunderbaren Erlebnisse des verzauberten Prinzen, die geheimnisvolle Pracht des Märchenwaldes mit seinen Blumen, Tieren und Elfen vorüber. Besondere Begeisterung riefen die schönen und heiteren Tänze unter Alice Ziklers Leitung hervor. Die vielen Mitwirkenden, die unter Hans Föhses Regie ihr Bestes taten, einzeln aufzuführen, würde zu weit führen, aber der herzliche Dank und Beifall des kleinen Publikums galt ihnen allen vom Prinzen bis zum Österhäschen. M. L. Vereinigte Stadttheater.— Elberfeld. Meistersinger.(Gastspiel auf Anstellung.) Der gestrige Hans Sachs(Willi Sonnen vom Landestheater in Braunschweig) brachte in gesanglicher Hinsicht eine erfreuliche Wiedergabe seiner Partie. Ein kraftvoller, vortrefflich geschulter Bariton, der zwar in der Tiefe etwas mehr Fülle haben könnte, sonst aber den physischen Anforderungen„wohl gewachsen“ war. Dazu ein ausgesprochenes Bühnen=Temperament das den Situationen Leben einflößte, für den Charakter des Sachs eigentlich zu jugendlich-lebendig war, in dieser Hinsicht also den letzten Rest der geistig überlegenen Darstellung, die den gereiften, alles verstehenden Schuster=Poeten und weisen Menschenkenner so hoch aus der Menge hebt, vermissen ließ. Immerhin der erste Sachs, der als Bewerber um das Fach des Helden=Baritons nicht enttäuschte und der mit dem prachtvollen Pogner(Leo Kaplan) den eine weitsichtige Intendanz dem Theater weiter verpflichten wird, der Aufführung ein klangvolles Fundament gab. Gewandt und zuverlässig paßte sich auch Kurt Weber, der als David gastierte, dem Ensemble ein. B. Schauspielhaus Remscheid. Gastspiel: Adolf Löltgen als Erik. Das gut besuchte Haus hatte viele herbeigelockt, die den Sohn unserer Heimatstadt nochmal hören wollten, nachdem er seine Gesangstudien in Italien beendet hatte. In Wirklichkeit hat seine metallene Tenorstimme mit dem gefärbten baritonalen Unterton an Klangschönheit zugenommen und wirkt dadurch eindrucksvoller. Und wie wußte er seine Nebenrolle zu gestalten! Jugendliche Frische, vornehmes und leidenschaftliches Spiel kennzeichneten in heldischer Größe den Jägersmann, der Gesang und Spiel zu einer wirkungsvollen Einheit verband. In der Senta, für die Maria Himmler aus Barmen(auch ehemaliges Bühnenmitglied) erschienen war, hatte er keine unbekannte Partnerin. So konnte ihr gereiftes Spiel, unterstützt von einer langjährigen, erfahrenen Gesangskultur, nicht ohne Wirkung bleiben. Diesmal sang Peter Rausch den Steuermann, dessen sympathische Stimme stets angenehm berührt. Im übrigen vollzog sich das Geschick des Musikdramas im Rahmen der bereits geschilderten Erstaufführung. So kam am Dienstag unter der verdienstvollen Leitung Steinbardts eine Aufführung von erhöhtem Wert zustande, die das Können der übrigen Darsteller in keiner Weise beeinträchtigte. E. Filmschau Elberfeld. U. T., Herzogstraße. Ein Walzer von Strauß. Ein hochdramatischer Film in 6 Alten. Ein Stück Kriegsnachwirkung zieht den Beschauer in Bann. Zeigt, wie auch hier der Allesvernichter Krieg das Lebenslück zweier Menschen erbarmungslos niedertrampelt. Baron engsfelden hat als Rittmeister im Felde gestanden, in sibirische Gefangenschaft geraten und kommt nach sieben Jahren in die Heimat zurück. Findet sein väterliches Schloß und seine Braut in den Händen eines skrupellosen verbrecherischen Bankiers namens Velloni. Der seinen Vater in den Tod getrieben und seine Braut dadurch an sich brachte, daß er einen ehemaligen Korporal Baranski besticht, vor Gericht unter Eid auszusagen, daß er gesehen habe, wie der Rittmeister auf dem Felde gefallen sei. Lengsfelden nimmt bei Velloni Stellung als Sekretär, vermeidet es jedoch, mit der Gattin, seiner ebemaligen Braut, zusammenzukommen. Doch auch für Velloni kommen bald schwarze Tage. Die Bank verkracht. Der Sekretär macht ihm davon Mitteilung, als im Hause Velloni ein großer Ball stattfindet. Lengsfelden gibt sich zu erkennen und erklärt, daß er nun auch sein letztes verlieren sollte, nämlich Elisabeth, seine Frau. Das ist für den Verbrecher zu viel. Er greift zum Revolver und schießt L. nieder und flüchtet heimlich aus dem Hause, an seinen Fersen Baranski, seinen Mitschuldigen. Bei den Klängen des Donauwellenwalzers erwacht L. aus seiner Ohnmacht und wankt in den Ballsaal. Hier wird er von Elisabeth erkannt. Sie sinken sich in die Arme, aber schon nach einigen Takten des Walzers bricht er wieder bewußtlos zusammen. Am andern Tage weiß Wien, was geschehen ist. Velloni ist von Baranski aus dem Orient Expreß gestürzt worden. Nun ist Lengsfelden wieder im Besitz seines väterlichen Schlosses und seiner Braut. Der Sieg des Guten über das Böse. Das alles zieht in einer Fülle packender, lebendiger Bilder an uns vorbei. Ein Film, der sicher viel Interesse erwecken wird. Finale der Liebe. Ein Lucy Douraine=Film, bei dem die Liebe als Zerstörer des Lebensglückes eines angehenden Untersuchungsrichters führt. Schwere Herzenskonflikte und die Tränen einer Mutter müssen dem jungen hoffnungsvollen Menschen, den die Liebe zu der Gräfin Keronal Amt und Pflicht vergessen läßt, zur Umkehr bringen, doch leider zu spät. Daß die Gemüter sich wieder erholen und in all dem traurigen Grau der Gegenwart die Lebensfreude wachgehalten wird, dafür sorgen„Die Verwandten meiner Frau". Ein origineller Lustspielschlager mit Buster Keaton, dem Mann mit dem ernsten Gesicht. Ein Film originellster Komik, der die Lachmuskeln andauernd in Tätigkeit hält. L. Rundfunkprogramm Dienstag den 6. April 1926. 1.15—2.30 Uhr nachm.: Konzert. 4.15—5 Uhr nachm.; Smetana. Konzert des Funkorchesters. Leit.? Kapellmeister Max Alter. 1. Die Moldau, sinfonische Dichtung: 2. Hochzeitsszenen, 8. Sätze aus der Fantasie aus„Die verkaufte Bmaut“. 5—6 Uhr nachm.: Komponistenkonzert: Vortrag lyrischer Konzertlieder von Bruno Lüling, Düsseldorf. Solistin: Frau Else Däwel=Overberg 6—6.30 Uhr nachm.: Dem Andenken Emanuel Geibels. 7—7.30 Uhr abends; Vortrag des Kriminalkommissars Große, Elberfeld:„Die Gefahren der Großstadt für unsere Jungen“. 7.30—7.40 Uhr abends: Schauspielerporträts der Nenzeit. 1.: Mar Pallenberg. 8—8.30 Uhr abends: Plattdeutscher Autorenabend. Prof. Dr. Leit haeuser, Barmen(J. L. Gemarker) liest aus eigenen Werken 8.30—10 Uhr abends: Konzert der Gewandhaus=Bläservereinigung, Leipzig. 10 Uhr abends: Uebertragungsversuche ausländischer Stationen. Mittwoch, den 7. April. 1.15—2.30 Uhr nachm: Unterhaltungsstunde des Rundfunkorchesters unter Leitung des Kapellmeisters Nebe. Mitw.: Willy Wittig. 4—4.15 Uhr nachm.: Dr. Steffen, Münster:„Unterhaltungsstunde für die reifere Jugend“. 5—6 Uhr nachm.:„Für unsere ABC=Schützen“. Konzert des Rundfunkorchesters unter Leitung des Kapellmeisters Nebe. 6.10—6.30 Uhr abends: Volksbildungskurse, Abteilung Nahrungsmittelkunde:„Das Brot“ von Dr. Bartschat, Münster, gesprochen von Wilhelm Wahl. 6.30—6.50 Uhr abends: Lic. Pfarrer Sachse, Kattenvenne:„Reiseerlebnisse im heiligen Lande". 1. Teil. 7—7.30 Uhr abends: Ludwig Bäte, Melle: Joh. Schlaf, der Dichter und Denker. 8 Uhr abends:„3. Bunter Abend auf Welle 410“. Mitwirkende: Resi Langer, Berlin. Heittere Rezitationen.— Herm. Munk, Celle, Gitarre=Solist.— Joseph Gräf, Essen, Kunstpfeifer.— Rundfunkorchester unter Leitung des Kapellmeisters Nebe. Arbeiter=Sport Reichs=Arbeiter=Sporttag am 6. Juni im Barmer Stadion. Die in einer vorhergehenden Sitzung gewählten Spartenleiter des Barmer Sportkartells legten in einer am 24. März stattge fundenen Sitzung den Plan für die Reichsarbeiter=Sportwoche fest. Die Spartenleiter sind: Turner: H. Helsberg, Turnerinnen: F. Hillenbach, Sportler: W. Diedrichs, Schwerathleten: I. Tomas, Schwimmer: Frese, Schachspieler: W. Laumer, Turnspiele: K. Piepenbrink, Spielleute: A. Kehrkamp, Samariter: Trachte, Radfahrer: O. Nagel, Fußballer: W. Reinbach, Naturfreunde: Schneider, Bund freier Menschen: Oellers. Der ReichsarbeiterSporttag wird für Barmen mit einer Sportwoche eingeleitet. Dieselbe beginnt am 29. Mai und zwar ist als erstes ein Vortrag über Körverkultur vorgesehen; Sonntag, der 30. Mai, treffen sich alle Vereine um 9 Uhr auf dem Sportplatz Nächstebreck zu einem Morgenausflug; nachmittags 3 Uhr: Stafettenlauf, daran anschließend Hand= und Fußballspiele. Montag: Spiele aus allen Plätzen. Dienstag: Werbeabend der Turnerinnen, bei dem auch die Dramatische Vereinigung mitzuwirken gedenkt und gleichzeitig ein Schachturnier stattfindet. Mittwoch: Konzert der Spielleute, Werbeabend der Schwimmer in Unterbarmen, Hand= und Fußballspiele. Donnerstag: Werbeabend der Schwimmer in Mittelbarmen und Turnen der Turnerinnen in ihren Hallen. Freitag hat alles mobil zu sein, was dem Sportkartell angehört, zum Turnen auf offenen Plätzen; zugleich Werbeabend der Schwimmer für Oberbarmen. Samstag: Sternlauf zum Rathaus. Sonntag, den 6. Juni, werden im Stadion von 8—11 Uhr die leichtathletischen Vorkämpfe stattfinden. Um 1 Uhr Festzug vom Rathaus zum Stadion. Hier wird jede Sportart nach Möglichkeit zur Geltung kommen. Das Programm hierzu wird in einem späteren Bericht folgen. Die nächste Sitzung, in der nicht nur die Spartenleiter, sondern auch die technischen Leiter der Vereine anwesend sein müssen, findet am 21. April bei Rasche, Westkotterstraße, statt. Karl Meisen, Schriftführer. Schach Die Bundesmeisterschaft in Jena. Der Stand nach der 3. Runde im Kampf um die Bundesmeisterschaft ist folgender: Sengenberger 2 gew., 1 Hängepartie 0 verloren, Schwarz 1 gew., 2 Hängepart. 0 verl., Windfuhr 1 gew.,, 1 Hängepart. 1 verl., Koser 1 gew., 1 Hängepart., 1 verl., Meier 1 gew., 0 Hängepart., 1 verl., Bachmann 0 gew., 2 Hängepart., 1 verl., Ogiermann 0 gew., 2 Hängepart., 1 verl., Bomsdorf 0 gew., 2 Hängepart., 1 verl., Bredow 0 gew., 1 Hängepart., 1 verl. Spielfrei waren in der 1. Runde Bredow, in der 2. Runde Meier, und in der 3. Runde Windfuhr. Rauchet Du Mont's eehten Roten Kopf ein gesunder, vorzüglicher Rauchtabak. Nur echt mit dem Namen Du Mont auf jeder Tute. 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