e Elberfeld-Barmen. Einzelpreis 15 Goldpfennig. Donnerstag, den 25. Februar 1926. Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 3 AA.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen- und Zeitungsnummer gebeten. Zeitung der Freie Presse Sozialdemokratischen Partei für das be Nr. 47. 42. Jahrgang. breit), 10. Reichevfenn g. Relamen. 1 mm Oöbe(94 mm br.) 40 Reichspfennig.- Anzeigenrechnungen sind keine Gewähr übernommen. Bet Störungen durch höhere Gewalt können Ersatzansprüche nicht berücksichtiat werden. rgische Land Sonderbeilagen: Bilder vom Tage„Volk und Zeit",„Feierstunden",„Die arbeitende Frau",„Das neue Werden",„Die arbeitende Jugend". Redaktion: Elberfeld, Robertstr. 8a. Fernsprecher 1041.— Hauptgeschäftsstelle: Elberfeld, Robertstr. 8. Fernsprecher 1411.— Neben geschäftsstelle: Barmen, Ref. Kirchstr. 13-15. Fernsprecher 1194. 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Nicht weit auseinander ein kommunistischer Rechtsanwalt im Sportanzug mit Jäger=Hallali in den blauen Augen und ein völkischer Abgeordneter mit merkwürdiger Schädelbildung. Der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht— der Stenographentisch. Es kann los gehen.—„Rufen Sie den Zeugen berein—!“ Auf dem Pressetisch raschelt Papier; im Zuhörerraum steigt das Thermometer; der Vorsitzende murmelt von der Bedeutung des Eides. Am Zeugentisch placiert sich ein Lächeln;„Mir kann keena!“ Behrens und Meyer. Ein blindes Huhn würde auf deutschnationale Abgeordnete schätzen. Behrens ist solide, massive Germanenerscheinung, mit Anflug von Doppelkinn und Genickfalte; in seinen Augenwinkeln kichert der Schalk. Fememord—? Kein Engel ist so rein, und mein Name ist Haase— ick weeß von nischt! Es handelt sich irgendwie um Kartoffelschulden! Außerdem schwindet das Erinnerungsvermögen! Daß Schulz mit Kartoffelgläubigern verwechselt wurde— wer kann dafür! Er nennt sich, Stolz in der Brust, „Arbeiterführer“ und Schulz„Führer von unerschrockenen Männern"! Sein deutsches Herz mußte so was der Arbeiterbewegung zuführen. Er lächelt links, er lächelt rechts und wirft zur Mitte mit versteckten Anpflaumungen— und geht! Meyer— markant an ihm der Schmurrbart, der sichtlich nach Hindenburglinie strebt, sich aber nicht legt. Er hält Schulz für einen reinen Toren, nein, für einen armen Unschuldigen, dem das mitfühlende Herz die Gelder zupulsieren mußte! Sein grünblasses Gesicht überfliegt manchmal verschlagenes Lächeln, wie ein arischer Buddha! Er spricht von reinen Westen, Kartoffeln, Eignung von Offizieren für die Arbeiterbewegung und läßt sich im gegebenen Momente von der Erinnerung verlassen. Man lächelt liebevoll rechts und reibt sich Hände und Doppelkinnfalten; man bohrt links mit verzwickten Fragen— auf Granit. Unentwegt schießt der kommunistische Rechtsanwalt hoch und erhält freundliche Antwort in Minuszeichen; unentwegt schweigt der Völkische und lächelt mit seiner merkwürdigen Schädelbildung. Von Zengen. Er macht's mit Raffinement. Ec„beanstandet Fragen“, er beruft sich auf„Geschäftsgeheimnisse", er nimmt dem Vorsitzenden, der sich irritiert fühlt, die Kritik über„Zulässigkeit der Fragen" ab. Er spielt mit Frage und Antwort! In offener Feindschaft blitzen seine Augen auf den Hufeisentisch; er kommt dem Tribunal mit der Strategie des alten Offiziers; nervöse Zuckungen flackern wie Irrlichter sekündlich um seinen messerscharfen Mund, um seine stechenden Angen. Er ist— von Zengen! Hat er die 5000 Mark für Schulz gegeben, hat er die Feme unterstützt, hat er mit Arbeitgebergeldern„Gelbe“ geschmiert—? Alles Geschäftsgeheimnis!„Ich beanstande die Frage!“ Er jongliert gewandt mit Wortverdrehungen; die Rechte sekundiert, Offiziersduell! Eins bleibt:„Man muß die Gewerkschaften in die Hände bekommen—“—„mit Geld“—„Arbeitgebergelder verpflichten". Es ist— militärische Organisation! Von Oppen. Es erscheint von Oppen. Alte Garde, Gesichtstyp halb Landsknecht, halb Komödiant, echter, alter Offizierstyp!„Ich hab' mich ergeben mit Herz und mit Hand—!“ Er kennt keine Schliche; er poltert frei heraus; es macht ihm Spaß, ehrlich zu sein. Mit blitzendem Fridericusauge schießt er in den Ausschuß:„Schulz war mein Freund— gemeinsame Tätigkeit in der Schwarzen Reichswehr—, habe Fonds, soviel ich will— bekomme überall Gelder— darf darüber verfügen, wie's mir paßt— zu Schulz zu halten, ihm Geld zu schicken Ehrenpflicht— verrate keine Namen— trage für alles selbst(schlägt sich auf die Männerbrust) die Verantwortung“— usw.! Jedenfalls— kein Heimlicher, sondern, wie gesagt: uralte Garde! An sich ein Kerl, der imponieren würde, wenn er nicht verbohrt wäre. Er sichert sich einen guten Abgang durch streng militärisches Zusammenllappen mit den Hacken vor dem Ausschuß. Es war allerschönster Kasernenhof. Man dachte an veraltete Possen. Heß. Auf Heß reimt sich keß! Und hier stimmte es. Ueber dem Ausschuß lag Würde. Mit Heß verflog sie, und die Atmosphäre eines„Kölsch=Hänneschen"=Thcaters zog ein. Heß in der Rolle des Intriganten=Kasperle. Mit Mongolenäugelchen, teegrüner Gesichtsmaske, zusammengekniffenem Mundspalt, den glatten Schädel wie ein Boxer in Defensive vorgeschoben. Er wollte den Ausschuß knock=outen. Erst macht er's mit Dummheit:„Was soll ich hier? Was sind das denn hier überhaupt für Leute, die mich vernehmen!? Wo sind denn meine Verteidiger? Das ist ja ein Parteiausschuß! Ich bin Arbeitervertreter!“ Der Vorsitzende ist platt— er belehrt, beschwört, bittet, droht! Heß tut, als wisse er nicht, was der Ausschuß überhaupt sei, spricht ihm Befragungsrecht, überhaupt alles ab, verlangt Verteidiger usw.! Inzwischen hört man, daß derselbe Heß über den Barmatausschuß— Artikel geschrieben hat! Da versucht er es mit Beschränktheit, er vergißt Fragen, versteht sie nicht, lächelt und macht Menkenkes! Als auch das nicht mehr zieht, deckt er seine Karten auf und verweigert die Beantwortungen: er ist„Geschäftsführer des Reichsverbandes vaterländischer Arbeiterverbände" und pfeift auf den Ausschuß! Vor einem Gericht will er eventuell— aber hier nicht; denn— was ist das hier denn überhaupt und— wo soll das denn hin, wenn jeder fragen dürfte!" Er hält den Schlüssel fest im Tresor seiner Verschwiegenheit und hatte außerdem noch die Genugtuung, die gewünschten Verteidiger gefunden zu haben: die Herren der Rechten übernahmen salbungsvoll lächelnd das Amt. Nur eins vergaß Heß— und darin verriet er sich: Verteidiger braucht ein Angeklagter— und er war als Zeuge gebeten! Verschmitzt grinsend, mit flüchtiger Triumphatorverbeugung, zog er ab.... Zuhörer. Es sind viele da, die hier nichts zu suchen haben; und viele vermißt man, die hier am Platz wären. Doch— einige sind da: so eine deutsche Männergestalt, sicherlich Gutsbesitzer, mit Monotel über dem hochgezogenen linken Mundwinkel, mit struppigem Schnäuzer zwischen Lipp' und Kelchesrand. Eine Art OldenburgJanuschau! Um ihn wie Küken gedrängt fünf minderjährige Burschen in Windjacken, Kommißstiefeln, Wollwesten und zurückgekämmtem Schwarzen Reichswehr=Haar. Weiter: vorn am Tisch ein paar distinguierte Herren, die sich eifrig Notizen machen, auf Briefbogen mit Aufschrift:„Verband der Metallindustriellen". Vorn erzählt von Oppen von seinen Fonds, die er hat, die er kriegt, über die er verfügt. Meine teure Gattin stößt mich in die Seite:„Warum hast du keine Fonds?? Alle haben sie Fonds! Jeder kriegt Fonds! Jeder verfügt über Fonds! Nur du nicht!! Schäm' dich! Du bist ein unpraktischer Mensch!"——— Sie hat recht: es lebe der Fonds! Jeder sein eigener von Oppen! Mit dem Hakenkreuz am Band und dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land. Ich haue ab— merkwürdig, wie die frische Luft auf der Straße wohl tut, selbst vor dem Landtagsgebäude der Preußischen Republik...! Joseph Maria Frank. Der ungarische Fälscherskandal Die pontischen Hintergründe- Aus den Ausschußberichten— Die politische Berantwort lichkeit der Regierung Heute beginnt im ungarischen Parlament die dringliche Aussprache über die Berichte des parlamentarischen Untersuchungsausschusses über die Prüfung der politischen Hintergründe der Frankenfälschung, in die so viele tonangebende ungarische Monarchisten verwickelt sind. Aus den beiden Ausschußberichten, dem der Mehrheit, die hinter Bethlen steht, und dem der Minderheit, die die Mitschuld Bethlens als erwiesen hält, sei hier das Bedeutsamste wiedergegeben: Der Bericht der Mehrheit stellt fest, daß die Regierung alles aufgeboten habe, damit das Verbrechen aufgedeckt und geahndet werde, und keinerlei Anhaltspunkte dafür aufgetaucht seien, die auf eine politische Verantwortlichkeit der Regierung schließen ließen. Der Plan der Fälschung stamme aus dem Ausland. Ueber den politischen Hintergrund der Frankenfälschungen sagte Prinz Windischgrätz vor dem Ausschuß aus: Es hätten zur Erreichung der vaterländischen und irredentistischen Ziele leine genügenden Geldmittel zur Verfügung gestanden; deshalb sei man dazu gezwungen worden, sich diese Geldmittel durch Fälschung der Noten jenes Staates zu verschaffen, der im Weltkrieg der ärgste Feind Ungarns gewesen sei. Frankreich habe Ungarn den Frieden von Trianon aufgezwungen, und diesem Staat gegenüber halte er jedes politische Mittel für zulässig. Der Ministerpräsident Graf Bethlen gab vor dem Ausschuß zu, daß Windischgrätz ihm bereits 1922 den Plan entwickelt habe, sämtliche irredentistischen Vereinigungen unter eine einheitliche Leitung zu stellen. Anfangs sei er gegenüber den poliFreiherr von Stein über die Fürsten Einer der besten politischen Köpfe in Preußen zur Zeit der napoleonischen Kriege war Freiherr von Stein. Bonaparte hatte ihn als seinen gefährlichsten Gegner in Acht und Bann getan. Beim russischen Zaren fand v. Stein ein Asyl. Dieser preußische Staatsmann, der gewiß nicht im Geruche eines Republikaners stand, urteilte über die deutschen Fürsten, die nach der Schlacht von Leipzig von Napoleon abfielen und sich den Verbündeten anschlossen, so: „Was sagen Sie zu dem Betragen dieser Elenden? — Sie sind besser behandelt worden, als sie es verdienten!— Alle diese Prinzlein sind schwache Leute, denen man ein viel ehrenvolleres Dasein zugesteht, als sie es verdienen.— Ihre Souveränität zu erhalten, die aus Aufgeblasenheit, Genußliebe und Herrschsucht besteht, hat sie ja nichts gekostet, als das Blut ihrer Untertanen.“ So schildert Freiherr von Stein, ein unverdächtiger Beurteiler und Zeuge, die Rheinbundfürsten, diese„Könige" von Napoleons Gnaden. Glaube keiner, daß die Nachkommen dieser„Elenden“ etwa aus anderem Holze geschnitzt wären, wie ihre Vorfahren. Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Deshalb: Keinen Pfennig für die aufgeblasene genuß- und herrschsüchtige Gesellschaft. tischen Zielen des Prinzen Windischgrätz mißtrauisch gewesen und habe diesen Plan mit dem Hinweis abgelehnt, daß jede irredentistische Bewegung nur zur Verfolgung des Madjarentums in den abgetrennten Gebieten führen müsse. Sollte aber zwischen Ungarn und seinen Nachbarn ein Konflikt entstehen, so müßten diejenigen, die als Freischärler kämpfen wollten, ohnedies ihrer Wehrpflicht genügen; daher sei deren besondere Organisierung unnötig. Als ihm bald nachher Graf Teleki mitgeteilt habe, daß Windischgrätz zu irredentistischen Zwecken Geld fälschen wolle, habe er erklärt, daß dies ein Grund mehr sei, den Plan mit den irredentistischen Zielen abzulehnen. Er habe auch dem Landespolizeichef Nadosy den strengen Befehl erteilt; jeden Versuch einer Geldfälschung zu verhindern. Die Verhaftung Nadosys und des Prinzen Windischgrätz sei nur aus dem Grunde so spät erfolgt, weil man einen Skandal habe verhüten wollen. Der Mehrheitsbericht stellt weiter fest, daß für eine Mitwisserschaft der Berliner ungarischen Gesandtschaft keinerlei positive Anhaltspunkte aufgetaucht seien. Die Aktion stand auch mit dem Erzherzog Albrecht in keinem wie immer gearteten Zusammenhang. Der Bericht erwähnt die Aussage des Sekretärs Raba, der beweisen wollte, daß der Ministerpräsident von der Sache Kenntnis hatte. Danach hätten nach dem bekannten Brief des Grafen Bethlen an den Baron Perenny in der Wohnung von Windischgrätz Zusammenkünfte zwischen den Hauptteilnehmern stattgefunden. Sie zerbrachen sich den Kopf, was das wohl zu bedeuten hätte, denn Bethlen wisse ja alles. Daher müsse der Brief eine bloße Formsache sein. Nadosy teilte mit, daß, solange Graf Bethlen in Genf weile, nichts unternommen werden dürfe, um nicht die Kreise des Ministerpräsidenten zu stören. So kam es, daß die Verbreitung der falschen Noten erst nach der Rückkehr des Ministers aus Genf unternommen wurde. Der Bericht bezeichnet jedoch auf Grund weiterer Aussagen Rabas dessen Mitteilungen für schwankend und unglaubwürdig. Auch zwei weitere Zeugen, die von der Mitwisserschaft Bethlens zu erzählen wußten, wollten dies nur vom Hörensagen wissen, und seien daher gleichfalls unglaubwürdig. Der Bericht der Minderheit gruppiert das im Verlauf der Aktion festgestellte Tatsachenmaterial derart, daß eine Verantwortlichkeit der Regierung festgestellt werden muß. Es wird darin hervorgehoben, daß nicht Windischgrätz der Urheber des Fälschungsplanes gewesen sei, sondern es seien Anzeichen dafür vorhanden, daß es sich um eine geheime Gesellschaft handle. Der Landespolizeichef Nadosy sei bereits seit 1922 an allen Fälschungsaktionen beteiligt gewesen. Nadosy sei anfänglich bemüht gewesen, die ganze Verantwortlichkeit auf Windischgrätz abzuwälzen. Der Bericht verweist darauf, daß die Gesamtheit des kartographischen Instituts an der Fälschung beteiligt gewesen sei. Außerdem seien fünf hochstehende Amtspersonen mitbeteiligt gewesen. Daraus ergebe sich die politische Berantwortlichkeit der Regierung. Graf Teleki sei es gewsen, der das kartographische Instimut für die Fälschungen empfohlen habe. Graf Teleki habe allerdings behauptet, daß er den Prinzen Windisch=Grätz von der Undurchführbarkeit des Planes habe überzeugen wollen, diese Lehauptung wurde aber durch die übrigen Aussagen entkräftet. Im Zusammenhang mit der Rolle des Grafen Teleki stellt der Minderheitsbericht fest, daß der Ministerpräsident bereits 1923 von den Fälschungsabsichten Windisch=Grätz' erfahren haben mußte und die Pflicht gehabt hätte, das Strafverfahren einzuleiten. Der Ministerpräsident habe demgegenüber Windisch=Grätz, von dem er gewußt habe, daß er sich mit Fälschungsabsichten trage, wiederholt empfangen. Das Zögern des Ministerpräsidenten sei um so sträflicher, als Landespolizeichef Nadosy, den er mit der Einleitung der Erhebungen betraut hatte, ihm balb nachher gesteyen mußte, daß er zur Verhinderung der Fälschungen nichts unternommen habe. Der Ministerpräsidnet hätte daher sehen müssen, daß Nadosy mit in die Sache verwickelt sei. Er habe ihn trotzdem noch einige Zeit im Amt gehalten. Als Nadosy sich bereits schuldig bekannt hätte, habe der Ministerpräsident ihm eine Aussprache mit Windisch=Grätz gestattet, so daß sie ihre Verteidigung vorher hätten festlegen können. Die Angeklagten des kartographischen Instituts sagten aus, daß sie unter Berufung auf die von höherer Stelle erfolgte Weisung zur Teilnahme gezwungen worden seien; die untergeordneten Beamten seien unter lebensgefährlichen Drohungen zur Mitarbeit gezwungen worden. Man habe ihnen erklärt, es handle sich um eine ähnliche Aktion wie um den westungarischen Aufstand. Der Bericht stellt fest, daß die Fälschung der tschechischen Kronen mit der Frankenfälschung in engem Zusammenhang stehe. Nach Aufzählung der Unterlassungen und Fehler der Regierung stellt der Bericht der Minderheit die Verantwortung der Regierung fest und fordert deren Rücktritt. Bei der heutigen Beratung der Berichte in der Nationalversammlung wird es zweifellos überaus stürmisch zugehen, doch ist das Endergebnis im Parlament bereits feststehend. Es wird dem Ministerpräsidenten kein Haar gekrümmt werden, und er wird im Amte bleiben, denn die Hortymehrheit unterdrückt bereits die Stimme der Wahrheit; sie steht zu der hochgestellten Fälscherbande und ihren politischen Hintermännern, die in Ungarn ein so skandalöses Schreckensregiment führen. Eine Höllenmaschine in der Windisch=Grätzer Panzerkasse wtb. Berlin, 24. Febr. Im Schloß Sarospatak gelang es Kriminalbeamten, in einer Panzerkasse außerordentlich wichtige Dokumente zu finden, die, wie die B. Z. am Mittag berichtet, für den weiteren Verlauf der Verhandlungen in der Frankenfälschungsangelegenheit von entscheidender Wirkung sein sollen. Die Panzerkasse, die schon vor längerer Zeit entdeckt worden war, war bisher nicht geöffnet worden, da die gewaltsame Oeffnung mit Rücksicht auf die angebrachten Explosivschlösser gefährlich erschien. Dieser Tage wurden nun im Budapester Palais die Schlüssel der Kasse gefunden. Sachverständige stellten dem Blatt zufolge fest, daß die gewaltsame Oeffnung eine Explosion verursacht hätte, durch die der ganze Schloßpark, in dem die Kasse untergebracht war, vernichtet worden wäre. Die Augen auf! Zum Bolksbegehren— Eine Verfügung des preußischen Innenministers über das Eintragungsverfahren vom 4. bis 17. März Es war von vornherein zu erwarten, daß dem Volksbegehren von den reaktionären Parteien und insbesondere von den noch in ihrem Besitz befindlichen Amtsstellen jeder mögliche Widerstand entgegengesetzt werden würde. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir an unsere Parteigenossen im Lande, sobald dem Antrag auf Volksbegehren von der Reichsregierung stattgegeben wurde, die Aufforderung gerichtet, die Augen offenzuhalten und aufzupassen, daß auch in der kleinsten Gemeinde und auf jedem Gutshof die Einzeichnungslisten ausgelegt werden. Diese Aufforderung brachte ein gewisses Mißtrauen gegen bestimmte Amtsvorsteher zum Ausdruck, das sich jetzt als voll berechtigt erwiesen hat. Aus den verschiedensten Landesteilen kommen Meldungen, daß reaktionäre Gemeindevorsteher das Volksbegehren zu sabotieren versuchen, indem sie die ihnen übermittelten Einzeichnungslisten nicht auslegen oder an die Absender zurückschicken. Der Landbund spielt hierbei eine gewisse Rolle und es ist bereits erwiesen, daß das Verhalten gewisser Gemeindevorsteher auf die Anweisung dieser deutschnationalen Instanz zurückzuführen ist. Sie fühlt sich als der berufene Verfechter der fürstlichen Interessen, und wo in den einzelnen Gemeinden die Möglichkeit besteht, diesem Ziel zu entsprechen, werden keine Mittel zur Propaganda gegen das Volksbegehren und zur Beeinflussung der Amtsvorsteher gescheut. Teilweise haben die Amtsvorsteher ihr Verhalten damit begründet, daß sie bisher noch keine Anweisung von der vorgesetzten Behörde über die Auslegung der übermittelten Einzeichnungslisten erhalten haben. Diese Ausrede ist, soweit Preußen in Frage kommt, für die Zukunft hinfällig, nachdem am Donnerstag die näheren Bestimmungen auf Anweisung des preußischen Ministers des Innern im Ministerialblatt erscheinen werden und ihre Bekanntgabe schon jetzt durch die Presse ermöglicht worden ist. Wo das in den anderen Ländern noch nicht geschehen ist, muß mit Nachdruck dafür Sorge getragen werden. Die Parteigenossen haben jetzt nach den traurigen Erfahrungen mehr noch als bisher die Pflicht, dem korrekten Verhalten der jeweiligen Amtsvorsteher ihre Aufmerksamkeit zu widmen und an die zuständigen Parteiinstanzen sofort Meldung zu erstatten, wenn in einzelnen Bezirken und Gemeinden oder auf Gutshöfen die Einzeichnung durch irgend welche Mittel der Sabotage verhindert oder gar die Auslegung der Listen nicht ermöglicht wird. Es heißt Augen auf, damit die erste Voraussetzung für den positiven Ausgang des Volksentscheids nicht durch reaktionäre Elemente in den Amtsstellen hintertrieben wird! Der Erlaß des Preußischen Ministers des Innern über das von der Reichsregierung zugelassene Volksbegehren zur entschädigungslosen Enteignung der Fürstenhäuser bestimmt folgendes: Zweck des Eintragungsverfahrens. Nach Zulassung des Volksbegehrens schließt sich das Eintragungsverfahren an. Es geht in der Weise vor sich, daß die Stimmberechtigten, die den von den Antragstellern vorgelegten Gesetzentwurf unterstützen wollen, sich in Listen eintragen, die während der Eintragungsfrist— 4. März bis einschließlich 17. März— bei den Gemeindebehörden ausliegen. Die Eintragung verfolgt den Zwec, festzustellen, ob die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzahl von Stimmberechtigten gültige Unterchriften dafür abgibt, daß der vorliegende Gesetzentwurf dem Reichstag unterbreitet wird. Wenn dies festgestellt wird, ist die Reichsregierung verpflichtet, den begehrten Gesetzentwurf mit ihrer Stellungnahme beim Reichstag einzubringen.(Art. 78 der Reichsverfassung.) Form der Durchführung. Der Preußische Minister des Innern ersucht in dem Erlaß alle beteiligten Behörden, die Vorbereitungen für die Durchführung des Eintragungsverfahrens sofort in die Wege zu keiten und weist dabei auf folgendes hin: Stimmkreise, Abstimmungsleiter. Die Reichstagswahlkreise gelten als Stimmkreise. Für jeden Stimmkreis ist ein Abstimmungsleiter und ein Stellvertreter zu ernennen und ein Abstimmungsausschuß zu bilden. Für die Ernennung der Abstimmungsleiter und die Bildung der Abstimmungsausschüsse gelten die allgemeinen Vorschriften der Reichsstimmordnung.(§§ 97, 24, 26, 29.) Die Abstimmungsleiter und ihre Stellvertreter werden durch die in der RSTO. bezeichneten Behörden ernannt, und zwar, sofern zu dem Stimmkreis außer preußischen auch Gebietsteile eines anderen Landes gehören, nach Anhörung der beteiligten Landesregierungen. In Stimmkreisen, die einen preußischen Regierungsbezirk allein oder in Vrbindung mit außerpreußischen Gebietsteilen umfassen, erfolgt die Ernennung durch die Regierungspräsidenten. In Stimmkreisen, die mehrere Regierungsbezirke derselben Provinz allein oder in Verbindung mit außerpreußischen Gebietsteilen umfassen, ohne sich auf Gebietsteile einer anderen preußischen Provinz zu erstrecken, geschieht sie durch die Oberpräsidenten. Die in Betracht kommenden Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten werden ersucht, sofort die Ernennung in die Wege zu leiten und öffentlich bekannt zu machen. Vemerkt wird, daß eine Bestellung von Verbandswahlleitern und Verbandswahlausschüssen nicht in Frage kommt, da für solche Organe im Rahmen des Eintragungsverfahrens kein Raum ist. Eintragungslisten, Eintragungszeit. Die Ausrüstung der Gemeinden mit den für die Eintragung gültigen Eintragungslisten, unter Umständen auch mit Anhängeoder Einlegebogen, ist Sache der Antragsteller. Sie haben erklärt, daß sie Eintragungslisten an sämtliche Gemeinden des Reiches versenden werden; auf Verlangen ist der Empfang durch die Gemeindebehörde zu bestätigen. Den Abstimmungsleitern werden unmittelbar Vordrucke der Eintragungslisten, die dem vom Reichsminister des Innern zugelassenen Muster entsprechen, zur Kenntnisnahme vom Preußischen Minister des Innern zugesandt werden. Die Gemeindebehörden haben unverzuglich nach Eingang der Vordrucke in ortsüblicher Weise bekanntzugeben, wo, an welchen Tagen und zu welchen Tagesstunden die Unterschriften in die Listen eingetragen werden können. Weitere amtliche Bekanntmachungen kommen nicht in Betracht. Die Eintragungstage und Eintragungsstunden sind so zu legen, daß alle Eintragungsberechtigten der Gemeinde die Möglichkeit haben, innerhalb der Eintragungsfrist sich in die Listen einzutragen. Dabei sind die beruflichen Verhältnisse der Einwohnerschaft tunlichst zu berücksichtigen. Auch an den Sonn= und öffentlichen Ruhetagen, die in die Eintragungsfrist fallen, soll Gelegenheit zur Eintragung gegeben werden. In größeren Gemeinden können zur raschen Abwicklung des Geschäftes mehrere Räume bestimmt und mehrere Eintragungslisten gleichzeitig ausgelegt werden. Bei bestehendem Bedürfnis kann eine entsprechende Einrichtung auch für die im§ 39 RSTO. bezeichneten Kranken= und Pflegeanstalten getroffen werden. Zulassung zur Eintragung. Zur Eintragung ist zuzulassen, wer in die zuletzt(zweiter g der Reichspräsidentenwahl 1925) abgeschlossene oder laufend geführte Stimmliste oder Stimmkartei eingetragen ist, es sei denn, daß das Stimmrecht inzwischen verlorengegangen ist oder während der Eintragungsfrist ruht. Andere Personen dürfen zur Eintragung nur zugelassen werden, wenn sie einen Eintragungsschein besitzen. Bevor die Unterschrift in die Eintragungsliste eingetragen wird, hat der die Unterschrift entgegennehmende Beamte in der vorerwähnten Liste oder Stimmkartei in der für den Vermerk der erfolgten Stimmabgabe bestimmten Spalte eine entsprechende Eintragung zu machen(am besten durch Vermerk der laufenden Nummer, unter der sich der Berechtigte in die Eintragungsliste einzeichnet). Zu verwenden ist hierbei in jeder Stimmliste oder Stimmkartei dieselbe, und zwar die nächst offene Spalte. Einen Eintragungsschein erhält auf Antrag: I. ein Eintragungsberechtigter, der in eine Stimmliste oder Stimmkartei eingetragen ist: 1. wenn er während der ganzen Eintragungsfrist aus gwingenden Gründen außerhalb des Ortes sich aufhält, in dessen Stimmliste oder Stimmkartei er eingetragen ist, 2. wenn er infolge eines körperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch den Eintragungsschein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günstiger gelegenen Eintragungsraum aufzusuchen; II. ein Eintragungsberechtigter, der in eine Stimmliste oder Stimmkartei nicht eingetragen oder darin gestrichen ist, 1. wenn er während Ruhens des Stimmrechtes nicht eingetragen oder gestrichen war, der Grund aber nachträglich weggefallen ist; 2. wenn er Auslandsdeutscher war und seinen Wohnort nach Ablauf der Frist zur letzten Auslegung der Stimmliste oder Stimmkartei in das Inland verlegt hat; 3. wenn er nachweist, daß er bei der letzten Auslegung der Stimmlisten oder Stimmkarteien ohne sein Verschulden die Frist zur Einlegung eines Einspruchs gegen die Stimmliste oder Stimmkartei versäumt hat; 4. wenn er nachweist, daß er erst nach der zuletzt vorgenommenen Abstimmung stimmberechtigt geworden ist. Inhaber von Eintragungsscheinen übergeben diesen Schein; die Gemeindebehörde sammelt diese Eintragungsscheine und verwahrt sie, bis der Erfolg des Eintragungsverfahrens feststeht. Allgemeines. Wegen der von den Gemeindebehörden noch weiter zu beachtenden Vorschriften besonderer technischer Art verweist der preußische Minister des Innern auf einen am 7. März 1923 ergangenen und veröffentlichten Runderlaß über die Durchführung des vom Reichsbund für Siedlung und Pachtung seinerzeit betriebenen Eintragungsverfahrens für ein Volksbegehren auf Ergänzung des Reichssiedlungsgesetzes. Dieser Erlaß ist damals sämtlichen Landgemeinden und Gutsbezirken zur sorgsamen Aufbewahrung zugegangen. Gegen die Erteilung mündlicher Auskunft aus den bei den Landräten usw. vorhandenen amtlichen Materialien über Abgrenzung der Stimmbezirke, Zahl der Stimmberechtigten, Einmohnerzahl des Kreises u“. bestehen keine Bedenken. Die Gestattung der Einsicht in die letzten Wählerverzeichnisse und die Erteilung von Abschriften hieraus ist nicht zulässig. Aufrufe(Plakate) von Parteien usw., die sich für oder gegen den von den Antragstellern vorgeschlagenen Gesetzentwurf aussprechen, dürfen keinesfalls zum Gegenstand einer amtlichen Veröffentlichung gemacht werden, da eine behördliche Beeinflussung des Verfahrens zu vermeiden ist. Alle bei der Durchführung des Eintragungsverfahrens beteiligten Dienststellen haben auf größte Sparsamkeit bedacht zu sein. Der Ruf nach Persönlichkeiten Was der Wahlreformentwurf bringen wird. Die Voriage zur Aenderung des Wahlsystems ist vom Reichsinnenministerium soweit fertiggestellt, daß nur noch verschiedene untergeordnete Arbeiten an der Vorlage erledigt werden müssen. Auch diese Arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß, wie der Scz. Pressedienst erfährt, wenn irgend möglich die Vorlage noch vor den Österferien dem Kabinett zugeleitet werden kann. In den Grundzügen sieht die Vorlage folgende Systemänderung vor: Es werden Wahlgebiete in der Größe der jetzigen großen Wahlkreise geschaffen. Diese Wahlgebiete zerfallen dann in Stimmkreise; auf jeden Stimmkreis entfallen etwa 250 000 Seelen. In jedem der Stimmkreise wird nur ein Kandidat von jeder Partei aufgestellt. Im Wahlgebiet werden dann die Stimmen aller Kandidaten ein und derselben Partei des Gebietes zusammengezählt und etwa durch 60000 oder eine höhere Ziffer geteilt. Die Mandate fallen auf diejeniger Bewerber der Partei, die am besten abgeschnitten haben. Die Reststimmen des Wahlgebietes werden für das ganze Reich zusammengerechnet. Es wäre also nur mit einer kleinen Reichsliste für die Parteiführer zu rechnen; ferner können Wahlgebiete mit hohen Reststimmen unter Umständen noch mit einem Mandat bedacht werden. Das neue System wäre also ein Verhältnissystem, aber doch so geartet, daß die politischen Persönlichkeiten mehr hervortreten und von den Wählern wirklich gewählt werden; es will soweit als möglich dem zweifellos starken Bedürfnis der gesamten Wählerschaft, nicht nur Parteien, sondern auch Persönlichkeiten zu wählen, Rechnung tragen. völkischen Ehrenmänner Zur Affäre Ahlemann.— Der Herr Oberstleutnant markiert den wilden Mann.— Wie lange noch? Das gegen den Oberstleutnant a. D. Ahlemann eingeleitete Strafverfahren hat der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums Berlin Anlaß zu zahlreichen Vernehmungen der in die Affäre Ahlemann verwickelten Persönlichkeiten, vor allem GrütteLehders, seiner Angehörigen und seines Anwalts Herold gegeben. Bei den Vernehmungen bildete der Brief des völkischen Reichstagsabgeordneten von Graefe an Rechtsanwalt Herold, der ein Schuldbekenntnis des Herrn von Graefe enthalten soll, das Kernstück der Beweiskette. Rechtsanwalt Herold und Abgeordneter Graefe bestreiten zwar, daß ein derartiges Schuldbekenntnis in dem Brief enthalten sei. Oberstleutnant Ahlemann hat bis jetzt der Abteilung IA des Berliner Polizeipräsidiums jede Aussage verweigert; er spielt noch einige Zeit den wilden Mann, um dann erst der Staatsanwaltschaft Rede und Antwort zu stehen. Es ist anzunehmen, daß die Ermittelungen der Berliner Politischen Polizei demnächst zur Ansetzung der Hauptverhandlung führen werden. Der letzte Ausklang des Dem verurteilten Genossen Gruber ist die Zahlung der 3000 A Geldstrafe erlassen worden. Das Amtsgericht München hat die im Urteil vom 9. Dezember gegen den Schriftleiter Martin Gruber von der sozialdemokratischen Münchener Post ausgesprochene Geldstrafe von 3000 Aerlassen. In der Begründung des Beschlusses wird ausgeführt, das Vergehen Grubers habe eine politische Betätigung des Verletzten zum Gegenstand. Die Absicht der Ehrabschneidung ergebe sich aus der gehässigen und höhnenden Ausdrucksweise, aus der starken Häufung rein beschimpfender Worte. Die Frage, ob sich die Absicht der Ehrabschneidung auch aus den Begleitumständen ergebe, sei jetzt zweifelsfrei nicht mehr festgustellen. Artikel 1 des Gesetzes vom 21. Dezember 1925 über Straffreiheit schließe den Erlaß der Strafe aus, sofern sich aus der Form und den Begleitumständen die Absicht der Ehrabschneidung ergebe. Da die Voraussetzung für den Nichterlaß der Strafe in vollem Umfange nicht zweifelsfrei festgestellt werden könne, sei die Voraussetzung als nicht gegeben zu erachten und damit die Strafe zu erlassen. Richtlinten für das Der Rechtsausschuß des Reichstages hat nach Ablehnung eines sozialdemokratischen Antrages am Mittwoch in erster Lesung die§§ 4, 4a, 5, 50 und 6 des bürgerlichen Kompromißgesetzentwurfes zur Fürstenabfindung angenommen.§ 5 enthält die Vorschriften, auf Grund deren das Reichssondergericht zu urteilen hat. Im wesentlichen ist dabei der Grundsatz geltend, daß den Fürsten nur die Gegenstände und Einrichtungen verbleiben, die sie durch rein privatrechtliche Titel erworben haben. Reinfall der Stahlhelmer in Köln Köln, 25. Febr.(Durch drahtlosen Fernspruch.) Am Mittwochabend gab der Stahlhelm in Köln seine erste Castrolle. Trotz stärkster Propaganda war die Versammlung aber kaum von 200 Personen besucht, die sich dazu noch in der Hauptsache aus neugierigen Mitgliedern des Reichsbanners und des Roten Frontkämpferbundes zusammensetzten. Redner war der Magdeburger Stahlhelmführer Selten, der mit Rücksicht auf seine Zuhörer sich in seinem Vortrag sehr vorsichtig ausdrückte. Der Stahlhelm wolle die Arbeiter und Bauern, ohne die es keine deutsche Zukunft gebe, gewinnen, gleichviel, ob sie links oder rechts stünden. Der Stahlhelm, der die Frontsoldaten auf der Basis der nationalen Idee zusammenbringen wolle, sei auch nicht gegen die Form der heutigen Verfassung. Zu einer Aussprache über den Vortrag ließ es der Stahlhelmführer nicht kommen. Zum Schluß der Versammlung kam es vor dem Lokal zu leichten Plänkeleien zwischen republikanischen Versammlungsteilnehmern und Anhängern der Rechtsparteien. Es gelang der Polizei jedoch mit Leichtigkeit, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Arbahn beim Ueberschreiten der Oitgrenze geschnappt Hamburg, 25. Febr.(Durch drahtlosen Fernspruch.) Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Urbahn, der wegen der Rädelsführerschaft beim Oktoberputsch 1923 zu 10 Jahren Festung verurteilt, dann aber auf Gerichtsbeschluß aus der Haft entlassen wurde, weil die Genehmigung zur Strafvollstreckung durch den Reichstag und die Hamburger Bürgerschaft, der er auch angehörte, nicht vorlag, von der aber in der letzten Sitzung der Strafvollzug freigegeben wurde, ist jetzt an der ostpreußischen Grenze bei Eydtkuhnen in dem Augenblick auf frischer Tat festgenommen worden, als er auf einen falschen Paß Deutschland verlassen wollte. Urbahn befindet sich in Stallupönen in Haft. Rund um den heißen Brei Chamberlain und Deutschlands Ratsanspruch. Der englische Außenminister hat sich am Mittwoch in einer Rede zu Birmingham über die Vermehrung der Sitze im Völkerbundsrat nicht gerade eindeutig geäußert, sondern im Stile des delphischen Orakels. Diese Unklarheit hat ohne Zweifel ihren Grund darin, daß seine Haltung gegenüber dem Zulassungsantrag der Polnischen Republik nicht ganz konsequent gewesen ist. Er war offenbar bei seiner Unterredung mit Briand, seinem französischen Kollegen, der dem Wunsche Polens entsprechen will, recht weit entgegengekommen, und er hat sich dann nachträglich davon überzeugen müssen, daß seine Stellungnahme sowohl bei der englischen öffentlichen Meinung wie in dem britischen Kabinett auf Widerstand stieß. Jetzt sieht er sich genötigt, bei seinen Reden ein wenig wie die Katze um den heißen Brei herumzugehen. Wenn nun Chamberlain in Birmingham die Frage angeschnitten hat, ob es nicht ganz allgemeine gute Gründe für eine Vermehrung der Zahl der Ratssitze gebe, so läßt sich darüber wohl diskutieren, d. h. zu gegebener Zeit. Nur ist die Märztagung nicht der richtige Moment. Die in Locarno und bei anderen Gelegenheiten erteilte Zusage kann nur so aufgefaßt werden, daß Deutschland einen ständigen Sitz in dem Rat, so wie er jetzt ist, erhält. Das Zugeständnis würde in seinem Wert beträchtlich vermindert werden, wenn man zu der gleichen Zeit dasselbe Privileg auch anderen Staaten einräumte, zumal wenn beispielsweise die Aufnahme Polens mit der Notwendigkeit begründet würde, ein Gegengewicht gegen Deutschland zu schaffen. Die Mächte sollten jetzt auf alle Rabulistereien verzichten und keinen Beschluß fassen, durch den die ruhige und geradlinige Entwicklung der in Locarno begonnenen Politik gefährdet würde. Von ausgezeichnet unterrichteter Seite wird der Korrespondent des Soz. Pressedienstes darauf aufmerksam gemacht, daß eine Zustimmung des englischen Kabinetts zur Aufnahme Polens, was immer auch Chamberlains Privatauffassung sei, um so unwahrscheinlicher sei, als die neue Geschichte Englands kein Beispiel kenne, wo ein Kabinett gegen eine so eindeutige Kundgebung der öffentlichen Meinung, wie sie gegenüber der Ratserweiterung herrscht, jemals einen Entschluß gefaßt habe. Es verlaute, daß inzwischen die Kabinettssitzung sich am Mittwoch gegen eine Ratserweiterung im März ausgesprochen hat, jedoch sei eine offizielle britische Erklärung hierüber nicht vor Beginn der Genfer Verhandlungen zu erwarten, da die britische Regierung daran festhält, daß der britische Völkerbundsvertreter nicht mit gebundener Marschroute an der Ratsversammlung teilnehme. Vor dem Ende der französischen Finanzdebatte Paris, 25. Febr.(Durch drahtlosen Fernspruch.) Der Senat hat noch am Mittwochabend, nachdem sechs der eingeschriebenen Redner zu Worte gelangt sind und die anderen auf das Wort verzichtet katten, die Generaldebatte über die Finanzvorlage geschlossen. Ein Antrag auf Rückverweisung des Artikels 1 der Vorlage an die Kommission, der dadurch begründet wurde, daß der Senat verfassungsgemäß nicht berechtigt sei, über die von der Kammer angenommenen 1600 Millionen hinaus Mehreinnahmen zu bewilligen, wurde mit 280 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Die Beratung der einzelnen Artikel beginnt heute vormittag und soll noch im Laufe des heutigen Tages, wahrscheinlich in einer Nachtsitzung zu Ende geführt werden. Kleine pontische Nachrichten Die Reichsregierung erörterte in der Kabinettssitzung am Mittwoch die mit der bevorstehenden Genfer Tagung des Völkerbundes zusammenhängenden Fragen, wobei sich volle Einmütigkeit der Auffassung ergab. Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann werden sich als Vertreter des Reiches nach Genf begeben. Regierungsrat Graf Bothmer versetzt. Laut Berliner Lokalonzeiger ist Regierungsrat Graf Bothmer, bekannt durch den Diebstahlsprozeß seiner Gattin, von der Regierung Potsdam an das Oberversicherungsamt Berlin versetzt worden. Russische Kronjuwelen nach Frankreich verkauft. Das Berliner Tageblait meldet, daß eine Gruppe französischer Juweliere einen Teil der russischen Kronjuwelen, darunter das Diamantendiadem der ehemaligen Zarin, zu einem Preis von annähernd 3 Millionen Dollar gekauft hat. Riesenfeuer im Hafen von Reuyork Neuyork, 25. Febr.(Durch brahtlosen Fernspruch.) Im Neuyorker Hafen ist ein gewaltiges Feuer ausgebrochen, dessen Schaden bis jetzt auf etwa 5½ Millionen Dollat geschätzt wird. In der Stadthalle Elberfeld am Montag, den 1. März 1920, abends 8 Uhr. In der Aula des Gymnasiums, Barmen, Bleicherstraße, am Dienstag, den 2. März 1920, abends 8 Uhr. Die Vorstände der SPD. Elberfeld und Barmen. Lokales Elberfeld-Barmen. * Karten für die Ebert=Gedenkfeiern am Sonntag, den 28. Februar, sind nicht nur bei sämtlichen Mitarbeitern des Reichsbanners Schwarz=Rot=Gold, sondern auch in den Buchhandlungen der Freien Presse. Elberfeld, Robertstraße 8, Barmen, Ref. Kirchstraße 13/15, zu haben. Preis 20 Pfg. Diese Karten berechtigen zur Teilnahme an den Stadthallen=Versammlungen sowie an der Feier am Gedenkstein auf der Hardt. * Die gesetzliche Miete für März. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, tritt in der Berechnung der gesetzlichen Miete für den Monat März 1926 gegenüber dem Vormonat keine Aenderung ein. Es bleibt bei dem Februarsatz in Höhe von 84 bezw. 80 Prozent. * Wegen Betrugs und Wechselfälschung verurteilte das erweiterte Schöffengericht Elberfeld den Kaufmann Eugen Klingsporn aus Langenverg unter Einbeziehung einer von ihm noch zu verbüßenden Strafe zu insgesamt zwei Jahren Gefängnis und 3000.A Geldstrafe oder einer weiteren Gefängnisstrafe von einem Tage für je 50 M, gleich 150 Tage. Kl. hatte den Kaufmann D. in Barmen um rund 64000 AA geschädigt und den Zigarrenfabrikant Sch. in Bünde durch Zahlung mit einem gefälschten Wechsel um 2037,50 A betrogen. Elberfeld, 25. Februar. Eine interessante Besichtigung der Bergischen Kleinbahn und des Elektrizitätswerks in Kupferdreh. Gemäß einem Wunsche der neugewählten Stadtverordnetenversammlung werden alle städtischen Betriebe nach und nach besichtigt. So war für Dienstag eine Besichtigung der neuen Anlagen der Bergischen Kleinbahn und des Elektrizitätswerks in Kupferdreh vorgesehen, an der fast sämtliche Mitglieder der Stadtverordneten=Versammlung teilnahmen. So wie die neuen Anlagen der Bergischen Kleinbahn Anerkennung fanden, so wurde mit besonderem Interesse das Elektrizitätswerk in Kupferdreh besichtigt, wo sich die Riesenfortschritte der Elektrotechnik wiederspiegeln. Es handelt sich hier um eine einzigartige Neuanlage, über die wir kürzlich gelegentlich der Besichtigung durch Pressevertreter eingehend berichtet haben. In der anschließenden Besprechung sprach der Oberbürgermeister Dr. Kirschbaum von einer„Kolonie“, die sich die Stadt Elberfeld geschaffen habe, die für das Bergische Land von besonderer Bedeutung sei. Der Spruch, der das Werk ziert:„Hier wohnt die Kraft, die draußen schafft," habe für die bergische Industriegegend besondere Bedeutung. Auch das Elektrizitätswerk in Elberfeld werde für die weitere Entwicklung noch ausgenutzt, und als Fernheizwerk dienen. Die geschaffene Neuerung werde in Zukunft eine Verbilligung der Herstellung bringen, die sich dann auch später in den Strompreisen äußern werde, die schon jetzt niedriger seien als die der Konkurrenz. Bemerkenswert war auch, was der Oberbürgermeister über die Sünden der Vergangenheit auf dem Gebiete des Verkehrswesens ausführte. Seine Darlegungen bestätigten voll und ganz die so oft vor dem Kriege von der Sozialdemokratie geführte Kritik. Durch die falsche Politik des reaktionären Stadtratskartells in der Vorkriegszeit wurde Elberfeld verkehrspolitisch immer mehr isoliert. Die verschiedenen Bahngesellschaften mit ihren verschiedenen Spurweiten batten ein Verkehrsnetz geschaffen, das das Prädikat „Krähwinkelei" verdient. Wäre damals das Verkehrswesen auf kommunaler Grundlage einheitlich durchgeführt worden, dann wären heute nicht so viele Schwierigkeiten zu überwinden. Es war daher erklärlich, daß nach dem Kriege die StadtverordnetenVersammlung durch sozialdemokratische Initiative beschloß, das gesamte Verkehrswesen auf kommunale Grundlage zu bringen, was auch dadurch notwendig wurde, weil die Bergischen Kleinbahnen stillgelegt und für deren Wiederinbetriebnahme fünf Millionen Mark a fond perdu verlangt wurden. Die Verhandlungen haben denn schließlich zu einer Vereinheitlichung geführt, aber auf gemischtwirtschaftlicher Grundlage, die der Oberbürgermeister entsprechend skizzierte und die dann auch zu der„Kolonie“ in Kupferdreh führte. Bemerkenswert war auch, was der Oberbürgermeister bezgl. des sogenannten Heimfallrechts der Straßenbahnen an die Gemeinde aus den alten Verträgen darlegte. Wenn dieses Heimfallrecht für die Gemeinde mal praktisch werden soll, müßte noch manche Grenze mit der Nachbarschaft fallen, was man aber ruhig der weiteren Entwicklung überlassen müsse. Mit Interesse wurden auch die Darlegungen des Direktors Petri verfolgt über die Vorgeschichte der Bergischen Elektrizitätsgesellschaft, die automatische Bekohlungsanlage, der Kohlenstaubfeuerung, wodurch minderwertige Kohle verwandt wird, die zermahlen, auf die Kohle geblasen, mit verbrannt wird und die gleiche Wärmeenergie erzeugt. Ein wesentlicher Verbilligungsfaktor. Man habe keinen Pessimismus und setze den Ausbau fort, der bei der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung sich sehr nutzbar zeigen werde. Die Kosten der Erweiterung werden auf 2 bis 2½ Millionen Mark geschätzt. Direktor Uhlia erläuterte dann die Neuanlagen der Bergischen Kleinbahn, zeigte die Vorteile auf, die die Durchstiche zwischen Elberfeld und Neriges herbeigeführt haben, wodurch die Fahrzeit verkürzt und mit dem neuen Wagentyp die Fahrmöglichkeit bequemer gestaltet wird. Gegenüber dem früheren zweiachsigen Betrieb sind jetzt vierachsige Wagen eingestellt mit entsprechenden Neuerungen. Jeder Wagen faßt 68 Personen, so daß mit Anhängewagen 150 Personen gleich mühelos befördert werden können. Die neuen Wagen besitzen auch alle neuzeitlichen Sicherheitsmaßnahmen. Man sei noch dabei, Verbesserungen zu treffen, die darauf abzielen, möglichst wenig Stromverbrauch zu haben. So wie man im innerstädtischen Verkehr Erneuerungen treffe, so müsse mehr als früher der Nachbar=Ortsverkehr gepflegt werden. Die sachgemäßen Darlegungen des Direktors Uhlig zeigten aber auch, welche Schwierigkeiten die Direktion bei ihren Maßnahmen zu überwinden hat, besonders bei der Reichsbahn, die in der Straßenbahn eine sehr unliebsame Konkurrenz sieht. Wenn die Reichsbahn, wie aus den gemachten Andeutungen zu schließen ist, grundsätzlich nicht gestattet, daß die Kleinbahnen, die neben der Reichsbahn fahren, nicht als cnellbahn fahren dürfen, so ist das schon mehr Schildbürgerei. Auch Monopolgewaltige können sich gegen Fortschritte im Verkehrswesen nicht stemmen, dürfen keinen Monovolmißbrauch treiben. Direktor König gab dann noch ein Bild von der Entwicklung der Schwebebahn, die jetzt 25 Jahre besteht, zeigte deren Vorzüge und die Möglichkeit weiteren Ausbaues. Notwendig sei, den Vorortsverkehr noch weiter zu fördern. Die Stadtverordneten sollten sich nicht scheuen. Mittel für diese Zwecke zu bewilligen. In der anschließenden Besprechung wurden verschiedene Fragen gestellt. Es wurde auch gewünscht, die Schwebebahnlinie weiter auszubauen. Für die Stadtverordneten war im übrigen die Besichtigung der ganzen Anlagen eine gute Information, die für eventuelle Entscheidungen in der Stadtverordneten=Versammlung von Nutzen sein dürfte. nn. Vom kaiserlichen Seeoffizier zum Pazifisien und Republikaner lautete das Thema einer öffentlichen Versammlung der Deutschen Friedensgesellschaft. In der gut besetzten Aula der Handelsschule sprach Kapitänleutnant a. D. Persius aus Berlin. Seine Ausführungen waren lehrreich und interessant und beleuchteten das Leben am ehemaligen„Hofe“. Persius, der Sohn eines hohen preußischen Beamten, wurde in Potsdam geboren und hatte schon als Kind und junger Mann Gelegenheit, Hofluft zu atmen, gilt auch allgemein als ein guter Kenner der damaligen Verhältnisse. Was Herr Kapitänleutnant Persius aus seinem Leben an Episoden usw. berichtete, war zum Teil haarsträubend und trug gewißz nicht dazu bei, die Stimmung für die angestammten Fürsten zu erhöben. Prinz Heinrich, der Oberbefehlshaber der Flotte, äußerte ihm gegenüber einmal anläßlich eines Gespräches:„Lesen verdummt, ich lese nie.“ Von seinen Reisen und den damit verbundenen Besuchen ausländischer Herrscher schilderte er einiges, öfters mit derbem Seemannshumor gewürzt. Wie er zum Pazifisten und Friedensfreund wurde, wurde ebenfalls durch ein Erlebnis auf den Philippinen geschildert. Er schloß seine Ausführungen mit dem Rufe:„Keinen Pfennig den Fürsten!“„Keinen halben Ziegelstein!“„Keine Handvoll deutscher Erde!“ Der Raummangel verbietet es uns, ausführlicher zu werden. Langanhaltender Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen Ausführungen.— Löwenstein, der Leiter der Versammlung, ersuchte die Anwesenden; alles einzusetzen, damit Volksbegehren und Volksentscheid zum Ziele führten. In der Aussprache setzte sich eine Kriegerwitwe ebenfalls für die entschädigungslose Enteignung ein. Nach Beantwortung einiger Fragen aus der Versammlung wurde folgende Resolution gegen eine Stimme angenommen: „Die von der Deutschen Friedensgesellschaft Barmen=Elberfeld einberufene öffentliche Versammlung spricht sich nach einem Vortrage des Kapitänleutnants a. D. Persius für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten im Sinne des Volksbegehrens: „Keinen Pfennig den Fürsten“ aus und gelobt, alles zu tun und daranzusetzen, damit der Kampf zugunsten des Volkes entschieden wrcd. a o. Der Haushaltsplan der Stadt Elberfeld für 1926, der nunmeh fertigge ellt und den Stadtverordneten zugegangen ist, offenbart eine schwierige Finanzlage. Der ordentliche Etat schließt mit einer Nertoausgabe von 28 283 800 AA und einer Einnahme von 16 829 000 A ab, so daß 11 454 800 AA zu decken bleiben. Gegen das Vorjahr sind die Ausgaben, die 25 127 800 A betrugen, um 3 156 000 A gestiegen. Bei der Einnahme ist dagegen nur eine Steigerung von 2818 300 A zu erwarten, so daß sich der Fehlbetrag um 937 700 A erhöht. e. Totengedächtnisfeier. Am Sonntag, den 28. Februar(Volkstrauertag), abends 7 Uhr, veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge(Ortsgruppe Elberfeld) eine Totengeoachinisfeier im großen Saal der Stadthalle.(Siehe Inserat.) e. Thaliatheater. Heute, Donnerstag, letzte Aufführung der Operette„Zigeunerbaron".— Freitag geschlossen.— Ab Samstag: „Teresina", Musik von Oskar Straus. Barmen, 25. Februar b. Die Gewinnlisten der Warenlotterie der Arbeiterwohlfahrt des Bezirks Niederrhein sind bereits ausverkauft. Dazu schreibt unsere Barmer Geschäftsstelle: Ganze 200 Listen wurden der Filiale Barmen der Freien Presse zur Verfügung gestellt. Diese sollten für die Stadt Barmen ausreichen. In keinem anderen Lokale werden Listen verkauft, so daß in sehr kurzer Zeit die Listen vergriffen waren. Der Menschenzustrom hält aber an. Nicht nur aus Barmen, sondern auch aus Vohwinkel kamen Leute, um eine Liste zu ergattern. Aber leider vergeblich. Hunderte erschienen bereits im Laden der Freien Presse, die eine Liste forderten und fragten, wo man denn noch eine Liste bekommen könne. Eine Nachfrage an„verantwortlicher“ Stelle verlief ergebnislos. Wir teilen diese Tatsache unseren Lesern mit, damit sie keine vergblichen Gänge machen. Die letzten zwei Listen hängen in unserem Schaufenster aus. Es muß festgestellt werden, daß die berufenen Stellen sehr wenig Ahnung davon haben, wie eine Lotterie erfolgreich gestaltet werden kann, denn die Einziehung der Lose am 11. Februar war mehr als ein Fehler, da, wo die Ziehung erst am 15. stattfand, und man ohne Bedenken den Freitag und Samstag zum Verkauf offen lassen mußte, und zwar wegen des Lohntages. So mußten Hunderte wieder nach Hause geschickt werden, die gerne Lose gekauft hätten. Das Tiefdruckgebiet bei Island hat sich weiter vertieft und über die Nordsee und Großbritannien ausgebreitet, während sich das von Frankreich über Mitteleuropa nach Schweden reichende Hochdruckgebiet verstärkt hat. In Deutschland herrschte heute früh bei schwachen, veränderlichen Winden ziemlich trübes und nebliges Wetter mit vereinzelten leichten Regenfällen. Die heutigen Morgentemperaturen lagen östlich der Oder und in Süddeutschland zwischen 0 und 3 Grad, sonst zwischen 6 und 8 Grad. Wetteraussichten bis Samstag: Wolkig und zeitweise neblig, sonst zunächst ohne erhebliche Regenfälle und fortgesetzt mild bei mäßigen, südwestlichen Winden. Brieskasten P. H., Höhenstraße. Die Altersrente kann zur Hälfte auf die Erwerbslosenrente angerechnet werden. Karl G. Am Dienstag, den 23. Februar, war er in Köln. Sozialdemokratische Partei Unterbezirk Elberfeld=Barmen. Kreis Mettmann. Ortsverein Eiberfeld Zur Flugblattverbreitung am Samstagnachmittag: 2. und 3. Bezirk. Flugblätter können in der Wohnung des Genossen Schöpe, Ziegelstr. 7, Samstagnachmittag ab 3 Uhr geholt werden. 6. Bezirk Elberfeld. Die Flugblätter müssen Samstagnachmittag 5 Uhr bei Trimpop, Gesundheitstr. 46, abgeholt und noch am selben Abend verbreitet werden. 9. Bezirk. Die Flugblätter müssen nachmittags ab 3 Uhr bei Adam Johnen, Vogelsauerstr. 26, abgeholt werden. 18. Bezirk. Die Flugblätter müssen nachmittags 4 Uhr im Lokale des Herrn Ernst Spieker, Paradestraße, abgeholt werden. 19. Bezirk. Die Flugblätter sind am Samstagnachmittag ab 3 Uhr bei Phil. Leins, Kampstr. 4 pt., abzuholen. In allen übrigen Bezirken sind die Flugblätter nachmittags ab 4 Uhr von der Wohnung des Bezirksführers abzuholen. Der Vorstand. * Barmen=Loh. Samstag, den 27. Februar, nachmittags 8 Uhr: Sammeln aller Funktionäre und Wahlhelfer beim Genossen Sieper, Rudolf= und Königstr.=Ecke. Rott=Dörnen. Samstag, den 27. Februar, nachmittags 4 Uhr, sammeln sich sämtliche Funktionäre und Wahlhelfer bei Robert Buchner, Ecke Dörnerbrücken= und Hochstraße zur Flugblattverbreitung. Keiner darf fehlen. Die für den 3. März angesetzte Mitgliederversammlung fällt aus, da am Dienstag, den 2. März, im Gymnasium der Aula Bleicherstraße eine öffentliche Versammlung stattfindet, in der Landesrat Genosse Gerlach=Düsseldorf über dasselbe Thema sprechen wird. Der Bezirksführer. Barmen=Springen. Heute, Donnerstag, abends 8 Uhr, beim Genossen Rentrop, Ludwigstr. 19: Wichtige Funktionär= und Wahlhelfersitzung. Barmen=Wichlinghausen. Samstag, den 27. Februar, nachmittags 2½ Uhr, sammeln sich die Funktionäre und Wahlhelfer bei Thiel, Wichlinghauserstr. 115, zur Flugblattverbreitung. Keiner darf fehlen. Barmen=Kothen. Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, in der Wohnung des Genossen Knüfer, Emmastr. 6: Wichtige Sitzung sämtlicher Funktionäre und Wahlhelfer. Keiner darf fehlen. Belbert. Die Flugblätter zur Aufklärung über das Volksbegehren müssen am Freitagnachmittag 5 Uhr in der Expedition der Freien Presse, Friedrichstr. 136, abgeholt werden. Es wird erwartet, daß sich alle Funktionäre, insbesondere auch die Arbeiterjugend, zur Verfügung stellen. Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold Abteilung Elberfeld Die Zugführer müssen bis Freitag, den 26 Februar, abends 7 Uhr, wichtiges Material in der Buchhandlung der Freien Presse, Robertstr. Sa, abholen. Der Abteilungskassierer. 3. Kameradschaft(7., 8. und 9. Zug): Sonntag, den 28. Febr. vormittags 9 Uhr: Sammeln zur Teilnahme an der Ebert=Gedenkfeier Ecke Briller= und Ottenbrucherstraße. 4. Zug. Sonntag, den 28. Februar, vormittags 9.15 Uhr: Sammeln Ecke Distelbecker= und Aderstraße.— Montag, den 1. März, abends 7.15 Uhr: Sammeln Ecke Distelbecker= und Aderstraße. Der 6. Zug schließt sich 9.15 Uhr König= und BreitestraßenEcke der 3. Kameradschaft an. Sömtliche Zuge Fahnen mit Flor. Der K=Führer. 14. Zug(Vohwinkel). Sonntag, den 28. Februar, vormittags 8.45 Uhr: Sammeln an der Haltestelle Bruch der Schwebebahn. Die Spielleute schließen sich Sonntagvormittag dem 8. Zuge an. Der Spielleiter. Abteilung Barmen Sammeltermine der Züge für Sonntag, den 28. Februar: 2. Zug: 9 Uhr am Engelsplatz. 4. Zug: 9 Uhr an der Montania. 5. Zug: 9 Uhr am Landwehrplatz. 6. Zug: 9 Uhr bei Kesting. 7. Zug: 9 Uhr am Mühlenweg. 8., 9. und 10. Zug: 9 Uhr bei Sonnenschein. 11. Zug: 9 Uhr in der Meyerstraße. 12. Zug: 9 Uhr am Wasserwerk. 13. Zug: 8.30 Uhr bei Wolferts. 14. und 15. Zug: 9.15 Uhr an der Barmer Stadthalle. Tambourlorps: 8.45 Uhr bei Sonnenschein. Alle Züge mit Fahnen. Sammeln aller Züge 9.30 Uhr vor der Stadthalle. 1. Zug: 10.30 Uhr bei Klein. 3. Zug: 10.30 Uhr bei Sieper. Der A=Führer. 1. Zug. Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, bei Hegelich: Wichtige Versammlung aller A= und P=Mitglieder. 2. Zug. Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, bei Kiepenheuer, Meckelstr. 21: Versammlung aller A= und P=Mitglieder. 4. Zug. Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, bei Steinborn, Tannenstraße: Wichtige Versammlung aller A= und P=Mitglieder. 7. Zug. Freitg, den 26. Februar, avends 8 Uhr, bei Witwe v. d. Weiden: Zusammenkunft und Spielabend. Elberfeld. Gruppe Nord: Heute, Donnerstag, Vorlesungen aus der ittmann-Broschüre. Gruppe Südwest: Zeitungsbesprechung. Barmen. Sonntag, den 28. Februar: Teilnahme an der Enthüllung 2s Ebert=Gedenksteins. Sammeln 9½ Uhr am Haupthnhof.— Sonntag, abends 7 Uhr: Lichtbildervortrag des Gemen Ruppert:„In 150 Tagen um die Erde". Eintritt 10 J. Verantwortlich für Politik: R. Hauschtldt-Elberfeld; für ales Elberfeld=Barmen: Emil Quttzau=Elberfeld; für Gerkschaftliches, Genossenschaftliches, Aus aller Welt, Lennepmscheid-Mettmann, Kunst und Sport und den unterhaltenden I: Oskar Hoffmann=Elberfeld; für den Inseratenteil: edrich Heyck-Elberfeld.— Rotationsdruck und Verlag: Versanstalt Freie Presse, Molkenbuhr u. Ko., Elberfeld.= Berer Redaktion: Berlin SW. 68, Lindenstr. A. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sagen wir allen Verwandten, Nachbarn und Bekannten, besonders dem Herrn Pastor Stuhl für die trostreichen Worte am Sarge unsern tiefgefühlten Dank. Friedrich Pelzner nebst Hindern. Elberfeld, den 25. Februar 1026. Nachdem der Geschäftsführer Hugo Höppner von leinem Amt als unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Velbert zurückgetreten, ist nach dem Wahlvorschlag der Kommunistischen Partei vom 22. Mai 1924 der Pförtner August Lange, hier Wilhelmstratze 20 wohnhaft, als gewählter unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Velbert dem reuß. Staatsministerium zur Bestätigung vorzuschlagen. Gegen die Gültigkeit der Wahl sind Einsprüche innerhalb 2 Wochen nach der Bekanntmachung bei dem Unterzeichneten anzubringen. Belbert, den 24. Februar 1926. Der Bürgermeister. Freibank. Ab Freitagmittag 1 Uhr Verkauf von frisch. Fleisch. Elberfeld, den 25. Fehruar 1926. Schlachthof=Direktion. Vereins-Nachrichten Aufnahme nur bei Vorauszahlung.) Samstag, den 27. Februar: Touristen=Berein„Die Naturfreunde“. Ortsgruppe Barmen. Abends 8½ Uhr. im kath. Gesellenhaus(Gewerbeschulstr.): Lichtbildervortrag des Gen. Siepmann aus Münster. Thema: Das Donautal.— Das rote Wien.— Die österreichische Bergwelt. Bilder von den Veranstalstungen anläßl. des 30 jähr. Bestehens des Vereins kommen mit zur Vorführung, worauf die Mitglieder besonders hingewiesen werden. Karten sind an der Abendkasse zu haben. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Ihre Buchhandlung befindet sich Elberfeld, Robertstr. 8 Barmen, Ref. Kirchstr. 13/15. Jædilhof in Barmen Neu-Eröffnung: Freitagnachmittag um 4 Uhr. Hier das gleiche Prinzip wie in Elberfeld: Keine Schaufenster, aber sehr billige Preise. Die gleiche Güte der Waren. Die gute aufmerksame Bedienung. Freie Ansicht, aber kein Kaufzwang. Sie finden hier Stoffe aller Art für jedermann. Etwas ganz Besonderes zur Eröffnung: INNNAIMI. AN INNNN 130 cm breit, in vielen Farben, reine Wolle, in der bekannt guten Qualität. per Meter-e90 Seiden-Eolienne labe....... per Meer 3.50 Mantelstoffe ganz hervorragende Qualität, moderne wollene Gewebe, E MantelsIOIIE 130 bis 140 cm breit............. per Meter 8.00 Der Jødilhof berfeld, Hofkamp 28, in der Nähe des Neumarktes. armen. Berlinerstrasse 65, Ecke Wichlinghauserstraße. Volkstrauertag. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Ortsgruppe Elberfeld Protektor: Oberbürgermeister Dr. Kirschbaum. Am Sonntag, den 28. Februar d. Js., abends 7 Uhr, findet im großen Saal der Stadthalle eine zum Gedenken an unsere im Weltkriege gefallenen Helden und zur Ehrung aller Opfer des Weltkrieges statt. Mitwirkende: Männergesangveren„dentia- u. Männergesangverein „eederkranz“(Ortsgruppe Elberfeld im Rheinischen Sängerbund) unter Leitung des Herrn Musikdirektor Edmund Siefener. Köln. Herr Stadthallen-Organist Ewald Flockenhaus, Elberfeld. Programm zum Preise von 50 Pfg. in den Buchhandluugen: Baedeker’sche Buchhandlung, Herzogstr., Hartmann, WaiterRathenaustr., Steinmetz, Königstr. 12, Hofbauersche Buchhandlung, Schwanenstrasse, sowie am Saaleingang. Werbt neue Abonnenten für die„Freie Presse". FRISCH GEKIRNT Fordern Sie die„Blauband-Woche“ zu jedem Pfund. Stolle leder Art für Damen- und Herrenbekleldung enorm billig. Ultzensche Wollweberei ELBERFELD. Poststraße 19. Eingang Schöne Gasse(eine Trenne hochl. W. Diederichs Barmen Telephon 5882. Unterdörnerstraße 105. 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Weitere Referenten: Geschäftsführer Ewald; Tuberkulose fürsorgearzt Dr. Gonnermann; Stadtoberinspektor Hartnack: Stödtischer Kinderarzt Dr. Soffa: Medizinalrat Dr. Kriege: Stadtassistenzarz: Dr. Beiper; Stadtassistenzarzt Dr. Pfabel! Stadtamtmann Reinhardt; Stadtfürsorgerin Schwaffert: Stadtsyndikus Dr. Staas; Geschäftsführer Ludwig Ballen: Superintendent Weirich: Pfarrer Weuster. Alle in der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege ehrenamtlich oder hauptamtlich tätigen Männer und Frauen und alle der Fürsorgearbeit nahestehenden Kreise sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist frei: Vortragsfolgen werden im Rathause. Zimmer 120(Fernsprecher R 21) abgegeben. Großschlachterei• Achtung! Barmen. 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In einer Festversammlung des Arbeiter=Abstinentenbundes in Wien hat Otto Bauer eine höchst beachtenswerte Rede gehalten, die wir hier im Auszug wiedergeben: Ich glaube, die Gefahr des Alkoholismus im Proletariat steht heute ganz anders als in den achtziger Jahren ja vielleicht sogar no anders, als sie zur Zeit der Gründung des Arbeiterabstinentenbundes gestanden hat; sie besteht heute schon viel weniger als in früheren Zeiten darin, daß man durch den Alkohol zum Mörder oder zum Lumpen wird, obwohl auch das vorkommt, sondern in der großen Gefahr der Verspießerung des Proletariats. Das ist die große Gefahr, wenn der Arbeiter aus dem Allerschlimmsten herauskommt, daß er dann in seiner Lebensweise, in seinen Wertungen und schließlich in seinem Denken zu einem Kleinbürger, zum Spießer wird. Solange die Sozialdemokratie, die klassenbewußte Arbeiterschaft, doch nur ein kleines Häuflein. an den heutigen Verhältnissen gemessen gewesen ist, solange sie einen verzweifelten Kampf zu führen hatte gegen die herrschenden Gewalten, solange jeder, der Sozialdemokrat geworden ist, gewußt hat. Sozialdemokrat sein, das heißt gebetzt werden von der Polizei, von einem Gefängnis in das andere, und gehetzt werden von den Unternehmern von einer Fabrik in die andere, solange mit einem Wort das klassenbewußte Proletariat in einem täglichen revolutionären und revolutionierenden Ringen gegen die herrschenden Gestalten gestanden ist, solange war die Gefahr der Verspießerung sehr gering. Damals war es nicht so leicht und bequem, Sozialdemokrat zu werden. Sozialdemokrat zu werden war ein Erlebnis und ein Erlebnis, das den Betreffenden losriß von seiner ganzen Umgebung: das war der Krieg gegen die Frau, gegen den Bruder, gegen die Arbeitskollegen, die noch von Vorurteilen gegen die Sozialdemokratie erfüllt waren, und der diesen Kampf durchgekämpft hat, der war voll des Gedankens: Sozialdemokrat sein, das heißt nicht nur einen Stimmzettel abgeben und den Mitgliedsbeitrag zahlen, sondern es heißt, ein anderer Mensch sein auch in seinem Privatleben, in seinem Verhältnis zu seiner Frau und zu seinen Kindern, im Verhältnis zu seinen Mitmenschen. Solange es so war, war die Gefahr der Verspießerung nicht so groß, und man konnte damals auch ein Glas Bier trinken, ohne Spießer zu werden. Heute ist das viel schwerer; das ist nicht unsere Schande, sondern die Frucht unserer Kämpfe. Wir sind heute viel zu groß und viel zu mächtig schon, als daß man uns noch so behandeln könnte, wie noch vor zwanzig Jahren. Sozialdemokrat sein, das bedeutet heute gar kein Opfer mehr. Das bedeutet nicht mehr irgendeinen Riß mit der bürgerlichen Welt, und es besteht die ernste Gefahr, daß zu uns Massen kommen, die zwar bereit sind, sozialdemokratisch zu wählen, bereit sind, einen Organisationsbeitrag zu zahlen, aber die in Wirklichkeit nicht gebrochen haben mit der bürgerlichen Welt. Bei diesen Massen vor allem ist die Gefahr, daß ste nicht wirkliche Sozialisten werden, sondern Spießbürger bleiben oder werden, unvergleichlich größer als bei früheren Generationen unserer Partei, und wir alle wissen, welchen Anteil an diesen Gefahren der Alkohol hat. Das Glas Schnaps bei den Ziegelarbeitern der achtziger Jahre, das war ein Stück der Unkultur, in der der Kapitalismus sie erhielt. Das Glas Bier oder das Viertel Wein beim Arbeiter, der nur so äußerlich vom Sozialismus erfaßt wurde, das ist das Mittel, ihn im kleinbürgerlichen Denken zu erhalten, auch wenn er schon Sozialdemokrat zu sein glaubt, das ist das große Werkzeug der Spießergesinnung, das das Parteimitglied so schwer zum wirklichen Sozialdemokraten werden läßt. Das ist das Instrument jener Selbstgenügsamkeit, die da sagt: Nun ja. Sozialismus, das heißt, wir sind gegen den Abbau des Mieterschutzes und für die Erhöhung der Löhne. Aber der Aufgabe, das sozialistische Ideal in seiner Größe zu erfassen, zu begreifen, daß der Sozialismus nicht nur den Sturz der feindlichen Gewalten, sondern das Anderswerden des Proletariats selbst voraussetzt, dem steht kein schlimmeres Hindernis entgegen als das scheinbar so harmlose Glas Bier. Wenn wir der Gefahr der Verspießerung gegenüber, die ein Ergebnis unseres Wachstums ist, mehr Idealismus brauDer Entdecker des Krebserregers Der Berliner Arzt Dr. Joseph Schumacher, dessen Bild wir zeigen, hat in einer wissenschaftlichen Gesellschaft Mitteilungen über seine Forschungen zur Entdeckung des Krebserregers gemacht, die inzwischen nachgeprüft wurden. Dr. Schumacher, der außerhalb des großen Betriebes der offiziellen Wissenschaft mit seinem Bruder im eigenen Laboratorium im Norden Berlins seit vielen Jahren Fragen der mikroskopischen und der Färbetechnik bearbeitet, ist nach langem Forschen zu seinen Ergebnissen der mutmaßlichen Entdeckung des Krebserregers gekommen. Schumachers Standpunkt, daß der Krebs eine durch Mikroorganismen verursachte Infektionskrankheit ist, gewinnt heute innerhalb der Wissenschaft immer mehr Anhänger. Seine zielbewußte Arbeit ging darauf hin, diesen Erreger unter dem Mikroskop sichtbar zu machen, um dann diese lebendigen Organismen durch geeignete Mittel bekämpfen zu können. Wenn man auch bis zum vollen Erfolg der Schumacherschen Forschungen sich noch wird gedulden müssen, ist doch kein Zweifel, daß dieser fleißige Mediziner schon heute der Menschheit einen großen Dienst geleistet hat. chen, so brauchen wir doch angesichts der strategischen Aufgabe der Machteroberung nicht nur den Enthusiasmus der Leidenschaft, der aus dem Klassenhaß und Klassenmachtwillen stammt, wir brauchen vor allem die so schwierige Paarung von Idealismus und Nüchternbeit, von Enthusiasmus und Besonnenheit, wir brauchen den nüchternen Idealismus, nicht den berauschten, nicht den betrunkenen. Die österreichische Sozialdemokratie ist in den letzten Jahren ein bißchen patriotisch geworden. Wir rühmen uns gern, daß wir in Oesterreich etwas mehr erreicht haben. Ich habe dieses Rühmen selbst nicht gern, denn die Erfolge, die wir unzweifelhaft aufzuweisen haben, sind zum sehr großen Teil das Produkt der besonderen Not, in der Oesterreich und das österreichische Proletariat gewesen ist; dessen dürfen wir uns nicht rühmen. Aber es steckt doch neben den besonderen Umständen, unter welchen wir unsere Revolution durchzuführen hatten, noch etwas anderes darinnen; was uns unterscheidet von den anderen Genossen und was unsere Erfolge erklärt, das ist das Glück einer Erziehung, die man erst zu schätzen beginnt, wenn man sieht, wie cs dort steht, wo diese Erziehung fehlt. Und der Erzieher, dem wir verdanken, daß uns manches besser gelungen ist, das ist Viktor Adler. Diese Erziehung, die wir genommen haben, drückt sich neben vielem anderen auch in unserer Stellung und in unserem Kampfe gegen den Alkoholismus aus. Viktor Adler hat den Kampf gegen den Alkoholismus schon zu einer Zeit geführt, wo jeder, der den Arbeitern vom Trinken abriet, als ein Narr erschien. Es ist uns gelungen, in verhältnismäßig kurzer Zeit jenen Zustand zu überwinden und überall in den Gewerkschaften, in den Lokalorganisationen und in den Betrieben festen Fuß zu fassen. Und wenn vor allem unsere Jugend die Kerntruppe dieser Bewegung ist so dürfen wir nicht übersehen, daß dies in so kurzer Zeit nie möglich gewesen wäre, wenn der Mann, der der getreue Ekkehard, der beste Berater der österreichischen Arbeiter gewesen ist, wenn Viktor Adler nicht seine ganze Popularität für diesen Gedanken eingesetzt hätte. Und wenn er uns erzogen hat zu dem Gedanken, daß der Kampf gegen den Alkoholismus ein notwendiger und wesentlicher Bestandteil des Kampfes der Arbeiterklasse ist, so war das für ihn vielleicht doch auch selbst ein Teil jener Erziehung zum nüchternen Idealismus, zum Idealismus der Nüchternbeit, den er dem österreichischen Proletariat gegeben hat; zu dem Idealismus, der uns nicht versinken läßt im Spießertum; zu jenem Idealismus, der das Ziel aber nicht durch Ueberrumpelung oder wilde Explosionen des Hasses und der Leidenschaft zu erreichen glaubt, sondern der uns lehrt, daß nur auf dem Wege der nüchternen Erkenntnis der Tatsachen dieses Ziel zu erreichen ist. Preußischer Landtag spd. Berlin, den 23. Februar 1926. Im Preußischen Landtag, der am Dienstag nach 14tägiger Pause seine Vollsitzungen wieder aufnahm, gab vor Eintritt in die Tagesordnung der völkische Abg. Wulle, der durch das Schreiben des Fememörders Grütte=Lehder an den Untersuchungsausschuß neuerdings schwer belastet worden ist, eine Erklärung ab, in der er die Behauptung Grütte=Lehders gegen ihn und den Reichstagsabgeordneten Kube als erlogen bezeichnet. Wulle betont, er habe bereits am 5. Februar das Justizministerium, die Staatsanwaltschaft und die politische Polizei ersucht, entweder gegen ihn ein Verfahren einzuleiten, wenn dafür begründete Unterlagen vorhanden seien, oder aber ihn gegen die Gemeinheiten Grütte=Lehders zu schützen; er sei jedoch bis zum heutigen Tag ohne Antwort geblieben.— Der völkische Abg. Körner beantragt hierauf, den Fall Grütte=Lehder dem Untersuchungsausschuß zur Prüfung zu überweisen. Das Haus stimmt diesem Antrag zu. Die verschiedenen kleinen Etats der Münzverwaltung, des Gesetzsammlungsamtes, des Reichs= und Staatsanzeigers und der Oberrechnungskammer werden ohne nennenswerte Aenderungen angenommen. Bei der Münzverwaltung und der Oberrechnungskammer kommt noch ein Hauptausschußantrag zur Annahme, der verlangt, daß über die letzten zehn Prozent eines Teils der dauernden Ausgaben nur im Einverständnis mit dem Finanzminister verfügt werden darf. Am Schluß der Sitzung erledigte das Haus die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Trennung der Provinz Schlesien in Ober= und Niederschlesien. Das Gesetz regelt den Uebergang der Rechte und Pflichten der früheren Provinz Schlesien auf die neuen Provinzen. Genosse Franz(Oberschlesien) kritisiert den Entwurf, der weder im Interesse Ober= und Niederschlesiens, noch im Staatsinteresse liege. Die Vorlage müsse im Ausschuß gründlich geprüft werden.— Genosse Dr. Hamburger betont, daß es vor allem darauf ankomme, bei der geplanten Neuregelung der VersicherungsWasser kommt! Roman von Artur Winckler=Tannenberg. (17. Fortsetzung.) 8. „Mich läßt du malen?“ Sie fragte es und sah dabei so glücklich aus. „Ja, so wie das Mädel jetzt ist, wollen wirs haben, nicht wahr, Mutter?“ Frau Therese nickte. „Schön wär's, Johann. Wird ers denn auch gut machen, kann er was?“ Der Alte lachte. „Ob er was kann, müßtest mal mit hinaufkommen. Was da an Bildern ist! Und schöne Bilder, es ist, als ob sie lebten! O, ja, er kann was. Hätt' selbst nicht geglaubt, daß der Guntersbacher Bauernsohn das könnte. Und wie'n Fürst wohnt er. Ist doch'n kurioses Volk, das der Künstler, niemand weiß, wovon es lebt und dann machts noch große Pracht her. Aber können kann der Werner was, Augen wirst du machen, Mutter!“ „Und wo, Vater?“ begann Toni wieder,„muß ich mit Mutter dort hinaufkommen, oder——“ Hardt kraute sich im grauen Haare. „Sollt meinen, wir hätten hier im Hause Platz genug. Das mit dem Hinaufklettern gefällt mir nicht, wird auch Muttern zu viel werden! Hm, dann und wann könnt Ihr ja mitkommen, aber zehnmal!'S ist viel. Zehnmal sollst du sitzen, hat er gesagt.— Daß ich dran nicht dachte, ihn zu fragen! Freilich, er muß wohl viel mitschleppen, wenn er hierher kommt, aber fragen hätt' ich ihn müssen." Wie der Alte noch mißmutig vor sich hinredete, stieß Toni einen Jubelruf aus:„Vater, da ist er schon, sieh nur, sieh!“ Damit stand sie om Fenster. Die anderen traten mit in die breite Nische. Draußen über den Wiesenhang, im hellen Glanze der Vormittagssonne, schritten zwei Männer, Werner Leuthold, ein braunes Holzkästchen am Lederhenkel in der Linken, einen langen Stock in der Rechten, kam daher und hinter ihm Philipp Lemke, mit beladener Gebirgshucke. Die Dreie im Hardthause lachten und winkten. Jetzt sah der Maler sie, nahm den Stock mit in die linke Hand und schwenkte mit der rechten den Hut. „Kurzer Prozeß,„ sagte der Schultheiß.„Das hab' ich gern. Man weiß gleich, woran man ist. Hat sich den ganzen Krempel, den er braucht, aufgepackt und ist losgezogen." „Hier bin ich," sagte Werner,„dort ist Fräulein Toni, wo soll die Sache vor sich gehen?— Guten Morgen.“ Er reichte die Hand allen dreien. Das war alles so fröhlich, selbstverständlich, daß niemand zu kritischem Besinnen kam. Nur Toni, scheu an sich herunterblickend, sagte:„Aber so wie ich bin?“ Hardt sah die Tochter an. Wie sie glühte in Freude und Lust, in beiden schöner, als durch Putz und Schmuck. „So wie du bist, denk ich. Was sagt der Maler?“ Der Maler stand in Schauen versunken. So in der Schönheit des Glücks, in der frischen Bewegtheit ihres Wesens wollte er „So, wie sie ist,“ bestätigte er. Der Mutter dringendem Wunsche wurde das Zugeständnis gemacht, daß sie eine Schürze aus dem Schrank holen durfte, aber nicht mehr. Werner lächelte. Als ob er von der Schürze viel Notiz nehmen würde, wo ihn das Leben blühend anwebte aus rosigen Wangen und leuchtenden Augen. Er wandte sich an Philipp und gebot ihm, seine Last niederzusetzen, lohnte ihn ab und hieß ihn heimkehren. Eine wenig benutzte geräumige Stube, in der mächtige Schränke standen, wurde zum Atelier bestimmt und Werner richtete sich ein. Eine halbe Stunde später erschien er wieder im Wohnzimmer und erklärte, die Sitzung könne beginnen. Eine Art beklommene Erwartung lag über den drei Hardts. Es war doch etwas Gewaltiges, ver dem nie geahnten Ereignis zu stehen, daß ein Mitglied der Familie von einem wirklichen Maler porträtiert werde. Ordentlich feierlich setzte man sich in Bewegung. Der Vater, kraft seines größten Mutes, schritt voran, hinter ihm, leise, als scheue sie sich, fest aufzutreten, kam Toni und zuletzt, fast ängstlich, die Mutter.„Ja, Vater,“ flüsterte sie,„dürfen wir denn dabei sein. Stören wir nicht?“— Hardt lachte. „Na, Mutter, das wird sich schon finden. Wer was kann, läßt sich nicht stören. Was, Werner?" Der Gefragte überhörte mit Absicht. Er setzte Toni in die gewünschte Beleuchtung, ließ sie eine Hand, deren Haltung gezwungen schien, anders legen, gab ihren Augen ein Ziel, bat sie aber, nicht fest darauf zu blicken und antwortete nur zwischendurch, nebenbei dem Vater. „Von Störung ist keine Rede, aber langweilig wirds Ihnen bald werden. Denn zu sehen ist noch lange nichts,— bitte, Fräulein Toni, den Kopf vor, nicht so gerade, nicht so steif, leicht geneigt, als ob Sie in Gedanken säßen, in fröhlichen Gedanken—“ Vater und Mutter sahen sich etwas enttäuscht an: Noch lange nicht? Sie hatten gedacht, es ginge gleich bunt los— und man sah noch keine Farbe, nur Kohlenstifte und graue Blechtuben auf einem Tische neben der Staffelei verstreut, eine braune Holzplatte, auf der ein paar Pinsel lagen und einige Flaschen mit weißgelber Flössigkeit. Resigniert setzten sich die Alten auf zwei Stühle an der Tür und warteten. Niemand sprach. Toni lächelte erwartungsvoll. Sie kam sich sehr wichtig vor und der Eltern Spannung machte ihr Spaß. „So is“s recht,“ sagte Werner, und der Kohlenstift machte die ersten leichten Striche auf der grauen Leinwand. Die Alten reckten unwillkürlich die Hälse. Dabei vermeinten vor Andacht sie fast, in der Kirche zu sitzen. Und nun stiegen ganz allmählich in immer fester werdenden Umrissen Stirn und Wange, Kinn und Hals aus dem gleichförmigen Grunde, der Mund in fröhlicher Schweifung wurde sichtbar und eine Haarwelle überm linken Ohre. „Jesus!“ sagte die Mutter leise wie ein Hauch, legte sich aber erschrocken gleich die Hand auf die Lippen. Hardt nickte ihr ernsthaft zu und das sollte ausdrücken:„Ich habe dirs ja gesagt, er --Aber das war die Anfangsstimmung. Nach und nach ging Hardts die Sache doch zu langsam. Namentlich empfanden sie's wie einen Raub an ihren Zuschauerrechten, wenn der Maler nach dem Brotstücke griff und ein Stück seines Kunstwerkes rücksichtslos wegwischte. Frau Therese erschrak jedesmal und ihr Mann machte eine mißbilligende Trauermiene. Als wieder einmal ein ansehnlich Teil der einen Wange verschwand, stand der Schultheiß auf und sagte:„Na, Mutter, ich komme wieder, wenn mehr zu sehen ist. Bleibst du noch?" „Wenn ich wirklich nicht störe—“ „Gar nicht,“ sagte der Maler. „Dann bleib ich noch ein Weilchen. Aber nachher muß ich in die Wirtschaft, die Toni fehlt dort schon—“ Hardt nickte dem Künstler und der Tochter zu und ging, Frau Therese faltete die Hände im Schoß und wartete weiter. Werner schmunzelte für sich hin. Er hatte gewußt, daß es so kommen würde. Hätte er der Eltern Anwesenheit von vornherein abgelehnt, so wäre deren Beharrungswille sicherlich stärker gewesen. Und nach einer weiteren halben Stunde war der zweite Stuhl an der Tür leer. Still war die Mutter davongeschlichen, das Gestrichel und Gewische hatte für sie stark an Interesse verloren und draußen gabs viel zu tun. Dann ein paar Minuten noch, als sie allein waren, arbeitete Werner, aber jetzt legte er den Metallhalter des Kohlenstiftes hin, wischte die Finger in einem weichen Tuche ab und sagte:„Pause. Sie dürfen nicht müde und abgespannt sein.“ Toni rührte sich. „Ich bin nicht müde—“ „Aber Sie sind nicht mehr so froh, wie vorhin—“ Toni errötete. „Ich weiß nicht—“ stotterte sie. „Aber ich weiß es. Jeder Zug, jede Muskel, jeder Hauch der Stimmung liegt vor des Malers Auge, wenn er ein Gesicht belauscht. Es waren keine frohen Gedanken mehr, die Sie jetzt dachten, es waren ernste, bittere, traurige—“ Da wurde das junge Mädchen ganz verwirrt. „So scharf beobachten Sie mich?—“ „Muß ich es nicht? Soll ich nicht die Seele mitmalen, wenn ich den Leib male?— Und leid tut mirs, nicht bloß um das Bild, in dem der Sonnenschein fehlt, sondern um Sie selbst, Fräulein Toni— „Ich bin nicht mehr abgespannt, möchten Sie weiter arbeiten? Ein ganz fröhliches Gesicht will ich machen." Dabei hatte sie auch schon wieder die vorgeschriebene Stellung eingenommen und er hatte nur wenig daran zu ändern. Nur wieder die Hand freier zu legen, und wie er die anfaßte, zuckte sie leicht zusammen. Er tat ihr den Willen und arbeitete weiter, aber tiefer prüfend lag sein Blick auf ihrem Gesicht und sie spürte es. Da wich trotz allen festen Vorsatzes das unbefangene Frohe aus den Zügen und er erklärte ihr: Für heute sei's genug, sie finde die rechte Stimmung nicht mehr. (Fortsetzung folgt.) anstalten die Interessen der Versicherten zu schützen. Ferner gelte es, die Selbstverwaltungsfragen zur Zufriedenheit der beteiligten Provinzen zu lösen. Die Teilung brauche nicht unbedingt zu einer Verteuerung der Verwaltung zu führen. Deutschland müsse sein Oberschlesien gegebenes Versprechen erfüllen, nachdem Polen dem polnisch gewordenen Teil Oberschlesiens Autonomie gegeben habe. Nur durch eine verständnisvolle Minderheitenpolitik könne man verhindern, daß die Polen wieder wie früher infolge des altpreußischen Regimes in Oberschlesien mit 38 Prozent die stärkste Partei werden. Gegenüber dem deutschnationalen Grafen Garnier, der die Leistungen Friedrichs des Großen für Oberschlesien hervorgehoben hatte, erinnerte Genosse Hamburger daran, daß gerade durch die Konservativen in Oberschlesien alle Reformbemühungen Friedrichs II. zur Hebung der Bauernschaft vereitelt wurden, so daß es wiederholt zu Bauernrevolten kam. Die Vorlage wurde schließlich dem Hauptausschuß überwiesen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 12 Uhr: Zweite Beratung des Handelshaushalts. genossenschaftliche Großhandel eff. Die genossenschaftliche Wirtschaftsentwicklung zeigt keine Linienführung im luftleeren Raum; d. h., sie besteht nicht aus theoretischen Lehrsätzen und richtet sich nicht nach solchen. Wenn gleichwohl ihre ökonomische Struktur den Gedankengängen sozialistischer Wirtschaftstheoretiker entspricht, so beweist dies nur, und zwar erfreulicherweise, daß auch das genossenschaftliche Wirtschaftssystem in seiner organisatorischen und praktischen Gestaltung sich ebenso nach den Bedürfnissen des täglichen Lebens richtet, wie es in den primitiven Wirtschaftsperioden der Menschheit bis zum Eintritt des kapitalistischen Zeitalters der Fall gewesen ist. Daß das genossenschaftliche Wirtschaftssystem wächst, d. h. sich organisch entwickelt, zeigt die Geschichte der konsumgenossenschaftlichen Bewegung in allen Kulturländern der Welt. Rund 25—30 Millionen Familieneinheiten bilden den Zellenunterbau für die rund 20000 konsumgenossenschaftlichen Einzelorganisationen, die für die direkte Warenversorgung ihrer Mitglieder aufgebaut und eingerichtet sind. Und auf dieser breiten Grundlage der genossenschaftlichen Warenversorgung, deren direkte Auftraggeber die organisierten Verbrauchermassen selbst sind, ist allmählich auch der genossenschaftliche Großhandel gewachsen, d. h. er hat sich ebenso organisch entwickelt, wie der genossenschaftliche Einzelhandel. Mit Naturnotwendigkeit mußte er entstehen, da bei dem Gegensatz zwischen privater Handelswirtschaft und genossenschaftlicher Warenversorgung diese in dauernder Abhängigkeit vom Großhandel und der hinter ihm stehenden Industrie geblieben wäre, wenn sich nicht der genossenschaftliche Großhandel nach Wesen und Grundsatz in gleichen Richtlinien entwickelt hätte, wie sein Zellenunterbau. Und die Konsumgenossenschaften von heute würden inmitten der starken Kartellierung von Industrie und Groß= und Kleinhandel keinen Deut zur Preisbildung und Preisregulierung im Interesse der Verbraucher beitragen können, wenn sie sich nicht auf die von ihnen selbst gegründeten genossenschaftlichen GroßeinkaufsGesellschaften stützen könnten, deren einzige Träger sie sind. Aus diesen natürlichen Entwicklungsgängen kommt erst die Bedeutung so recht zum Vorschein, die den Großeinkaufs=Gesellschaften der Konsumvereine für diese selbst und die allmähliche Wandlung der Wirtschaftsordnung zukommt. In den dem Internationalen Genossenschaftsbund angeschlossenen 25 Ländern der Welt bestehen heute 35 genossenschaftliche Großginkaufs=Gesellschaften, die lediglich dem Warenverkehr der Konsumvereine dienen. Ihr Umsatz mit diesen betrug im Jahre 1923 rund 3100 Millionen(3,1 Milliarden Reichsmark, 1924: 3500 Millionen(8,5 Milliarden) und er ist für 1925 auf mindestens 4000 Millionen Reichsmark zu berechnen. Die Geoßeinkaufs=Gesellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg ist hieran im Inflationsjahr 1923 traurigen Angedenkens mit nur 72,5 Millionen Reichsmark, 1924 aber schon mit 171 Millionen beteiligt und im Jahre 1925 stellt sie mit 228 Millionen über eine Viertelmilliarde Warenumsatz zur direkten Versorgung der Konsumvereine. Den Löwenanteil an dem Umsatz der 35 Großeinkaufs=Gesellschaften beanspruchen aber die zwei großbritannischen, die im Jahre 1923 rund 1750 Millionen, 1924 rund 1900 Millionen Reichsmark Umsatz hatten und im Jahre 1925 die zweite Milliarde vollends erreichen werden. Man beachte: Während der private Großhandel in Deutschland allein Tausende selbständige Firmen zählt, bestehen für 20 000 bis 25000 Konsumgenossenschaften der Welt mit 25 Millionen Familien nur 35 Großeinkaufs=Gesellschaften— also eine Konzentration des genossenschaftlichen Großhandels, wie sie das privatwirtschaftliche Handelssystem nie zustande bringen kann. Denn dies würde seinem innersten Wesen widersprechen, außerdem aber wäre bei der ungeheuren Anzahl der Großhandelsfirmen und den in der Privatwirtschaft mehr oder weniger vorhandenen und sich auswirkenden nationalen Gegensätzen, Stimmungen und Strömungen eine solche Konzentration ganz unmöglich. Bei dem gleichartigen Wesen der genossenschaftlichen Großeinkaufs=Gesellschaften, die sämtlich im Internationalen Genossenschaftsbund vereinigt sind, ist es nur verständlich, daß nach anfänglichen Tastversuchen der Plan einer internationalen genossenschaftlichen Bankverbindung deutliche Umrisse einer praktischen Verwirklichung anzunehmen beginnt, um die Warenvermittlung der nationalen Genossenschaftsbewegungen auf internationaler Grundlage zu finanzieren. Was nebenbei auch ein praktisches Element des Völkerfriedens bedeuten wird. Wenn man bedenkt, daß die englische Genossenschaftsbank in Manchester allein bei einer Einlage von 600 Millionen Reichsmark, die aus Einzelgenossenschaften, Gewerkschaften, Arbeitervereinen usw. stammt, einen Jahresumsatz von 11 Milliarden Reichsmark (11 000 Millionen!) flüssiger Werte notiert, dann ergibt sich eine ungefähre Vorstellung vom Umfang und von der Bedeutung einer internationalen genossenschaftlichen Großbank. Sie wird ganz einfach den internationalen und nationalen Wirtschaftsverkehr der Genossenschaften unabhängig vom Privatkapital machen. Dazu kommt noch als Wesensverschiedenheit gegenüber dem privaten Großhandel, daß der genossenschaftliche die zentrale Eigenproduktion für die ihm angeschlossenen Einzelgenossenschaften schon in beträchtlichem Umfange aufgenommen hat und auch dadurch einen starken Einfluß auf die Preisbildung ausübt. Die Millionen genossenschaftlich organisierten Verbraucherfamilien brauchen nur mit ökonomischem Bewußtsein grundsätzlich die Eigenfabrikate der zuständigen Großeinkaufs=Gesellschaft zu verlangen, um diesen Einfluß in ihrem eigenen Interesse zu verstärken. Wohin man auch in der genossenschaftlichen Wirtschaftsbewegung sieht, sie wächst fortwährend, weil ihre organische Entwicklung in den Bedürfnissen und Interessen der Verbrauchermassen wurzelt, deren genossenschaftliche Einzelorganisationen die Grundlage für den genossenschaftlichen Großhandel, d. h die Großeinkaufs=Gesellschaften bilden. Wesen, Umfang und Größe dieser Bewegung zeigen ihre Bedeutung für die kommende genossenschaftliche Volkswirtschaft— aller Länder der Welt. Aus der Partei Sitzung der Exekutive der S. A. J. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter=Internationale wi ihre nächste Tagung in Zürich am 11. und 12. April abhalte Auf der Tagesordnung stehen u. a. die Vorberatung der Emigr tionskonferenz, die von der S. A. J. gemeinsam mit dem Inte nationalen Gewerkschaftsbund für den 18. Mai nach London ei berufen wurde, sodann eine Reihe politischer Fragen, unter ihn die Stellungnahme zur Abrüstungskonferenz und den politisch Verfolgungen in den Ländern der Reaktion, vor allem in Itali und Bulgarien; die weiteren Aktionen für die Ratifikationd Konvention von Washington über den Achtstundentag. Unterd organisatorischen Fragen wird auch die des Pressedienstes und vom Marseiller Kongreß in Aussicht genommene Organisatieines besonderen sozialistischen Frauenkomitees behandelt werde Der Sitzung der Exekutive wird am 10. April eine Sitzun des Bureaus der S. A. J. vorausgehen. und Schulgesetzgebung Von Omar Bockemühl, Wermelskirchen. Im„Neuen Werden vom 15. Februar veröffentlicht der Schriftleiter der Rheinischen Lehrerzeitung(Organ des Provinzialverbandes Rheinland des Deutschen Lehrervereins) Genosse Fritz Länge, Köln, einen Aufsatz mit obiger Ueberschrift, in dem er eine Lanze für die Gemeinschaftsschule(nicht weltliche Schule) bricht und fordert, daß„es jedem gestattet sein muß, rückhaltlos die Weimarer Linie zu vertreten", soll hier heißen, für die Gemeinschaftsschule und nicht für die weltliche Schule zu agitieren. Dieser Aufsatz geht in seiner Begründung m. E. von ganz falschen Voraussetzungen aus, so daß er zu falschen Folgerungen kommen muß. Zunächst nur eine äußerlich erscheinende falsche Voraussetzung, eine Wortverwechslung, die zwar sehr geschickt verwandt wird, aber darum doch eine Wort= und Begriffsverwechslung bleibt. Ganz zu Anfang heißt es:„Das sozialdemokratische Schulprogramm fordert vor allem die Weltlichkeit der Schule.“ Nach Heidelberg fordert die SPD. ganz deutlich und bestimmt die „Weltliche Schule“, und das ist ein ganz anderes Gebilde als die „Gemeinschaftsschule“, die von den Demokraten und dem DLV. gefordert wird. Das Wesentliche der„Weltlichen Schule“ ist aber etwas ganz Positives, das Prof. Dr. Max Adler und K. Löwenstein bezeichnen als„proletarische Klassenkampfschule", als das, was die Schule zur„Schule der werdenden Gesellschaft, der sozialistischen klassenlosen Gesellschaft" macht. Der Sozialismus ist etwas so eminent Positives, Neuschaffendes, Gesellschaftgestaltendes, daß seine Partei keine Schule gebrauchen könnte, die als Wesenskennzeichen etwas Negatives trägt,„die Unabhängigkeit von der Kirche". Diese Unabhängigkeit ist selbstverständlich aber nicht das Charakteristische. Eine Verwechslung von„Weltlicher Schule“ und„Weltlichkeit der Schule“ kann dem nicht vorkommen, der die Entwicklung der Schulbewegung im Bund der freien Schulgesellschaften und in der Arbeitsgemeinschaft der soz. Lehrer denkend mitgemacht hat; auch dann nicht, wenn der DLV. und seine Zeitungen diese Bewegung und ihre Ergebnisse bekämpfen.— Aber nun zu dem Grundsätzlichen des Längeschen Artikels. Und da handelt es sich m. E. um zwei Fragen. Zunächst um die Frage nach der Aufgabe und dem„Können“ der Gesetzgebung, und dann um die Frage nach dem Verhältnis von Schule und Gesellschaft, von Schule und Volk. Und bei der Untersuchung dieser Fragen macht man leicht einen Fehler durch Ueberschätzung einerseits der Schule und ihrer Bedeutung und andererseits der Gesetzgebung und ihrer Wirkung. Hat das Gesetz die Aufgabe, neue Erscheinungen im Volksleben hervorzubringen, zu schaffen, kann die Gesetzgebung in diesem Sinne produktiv sein? Oder kann die Gesetzgebung nur neue Erscheinungen schützen und so ihre Entwicklung fördern? Ist also die Gesetzgebung stets eine Folge oder ein Ursprung? Ehe hier eine Antwort erfolgt, muß die 2. Grundfrage genauer gestellt werden, die Frage nach dem Verhältnis von Schule und Gesellschaft. Was ist hier Organismus und was ist Organ? Was ist hier das Primäre, das Hervorbringende, und was ist das Sekundäre, das Hervorgebrachte? Die Schule ist Organ der Gesellschaft und nicht Ursprung derselben. Eine auch nur flüchtige Betrachtung der Geschichte zeigt das sehr deutlich: Jede Gesellschaft hat stets ihre ihr adäquate Schule gebildet: Hofschulen, Klosterschulen und Ritterschulen, Bürgerschulen usw. Als die Reformation sich 1524 durchgesetzt hatte, als die„lutherische Gemeinschaft" sich konstituiert hatte, da erst schrieb Luther„An die Burgemester und Ratsherren deutscher Städte", daß sie christliche, d. h. evangelische Schulen errichten und erhalten sollten. Die Versuche zur Einheitsschule für„alle Deutschen schlechthin" von Stein und Fichte mußten ergebnislos bleiben, obgleich das Gesetz schon geschaffen war und durch die Unterschrift des Königs Gültigkeit hatte,— weil eben keine Volksgemeinschaft, keine„Gesellschaft“ Hervorbringer und Träger der Schule war. Und welche Gesellschaften sind heute die Träger der Schule? Die bürgerliche Gesellschaft in ihren mannigfachen Erscheinungsformen; und alle ihre Schulen tragen den Charakter dieser bürgerlichen Gesellschaft. Die Klassenspaltung und ihre Verewigung: Volksschule getrennt katholisch und evangelisch als Schule für das„Volk",— die Ausgebeuschulen für die Klasse des Mittelstandes. Nach der Struktur der Gesellschaft und nach ihren Bedürfnissen formten sich die Schulen, die nun vom bürgerlichen Staat geschürt und gestützt wurden. Der Schulzwang ist Beweis genug dafür, daß die Volksschule nicht dem Bedürfnis derer entsprach, die hindurch mußten. Erst durch die Revolution erhielt das Proletariat, die bisher auch in ihren primitivsten Rechten unterdrückte Klasse die Freiheit, eine seinem Wesen entsprechende Schule zu gestalten. Zu gleicher Zeit erhielt auch die Lehrerschaft die Freiheit, mitbestimmend auf die Gestaltung der Schule zu wirken; und die Masse des Proletariats hielt die Lehrerorganisation, besonders den DLV. für die Sachkenner und gab sich deren Führung anfangs hin, bis sich die Folgen der übersehenen Wesenheit, daß der TLV. eine Berufsorganisation und keine„Gesellschaft“ im gestaltenden Sinne ist, zeigten. Das Proletariat kann nur eine proletarische Schule gestalten, eine Schule, die den Bedürfnissen dieser Klasse entspricht. Und das Bedürfnis ist Kampf um die Befreiung der Menschheit. Die Schule der Berufsorganisation aber berücksichtigt die Belange des Berufs und rückt damit aus dem Volksleben heraus, sie wird Beamtenschule, die kein anderes Bedürfnis hinter sich hat als das Bedürfnis und den Wunsch der Schulbeamten. Es ist eine Verkennung des Verkältnisses der Schule zur Gesellschaft, eine Ueberschätzung der Wirkung der Schule, wenn man glaubt, durch Gemeinschaftsschule die gemeinschafthemmenden Faktoren aus dem Volke zu entfernen und eine Volksgemeinschaft zu erziehen. Genau umgekehrt geht der Weg! Ein Gemeinschaftsvolk hat die Gemeinschaftsschule und ein klassengespaltenes Volk kann keine anderen Schulen als Klassenschulen haben. Aber nur dem Proletariat wird die Klassenschule gewehrt, allerdings auf die Dauer ohne Erfolg; denn ihr Dasein ist soziologische natürliche Entwicklungsgesetzlichkeit. Aber wer steht hinter der Gemeinschaftsschule?(In Baden, Hessen usw. gibts christliche Simultanschulen, aber keine Gemeinschaftsschulen, und die sächsische Schule,— wir lernten sie in Dresden 1921 kennen ist die evangelische Schule der bürgerlichen Gesellschaft ohne Religionsunterricht, aber nicht die Schule der sozialistischen proletarischen Gemeinschaft. Die Lehrer des DLV. sind allerdings zum größten Teil zufrieden mit dieser Schule.) Hinter der Gemeinschaftsschule steht keine Gemeinschaft keine Volksgemeinschaft,-höchstens eine Interessengemeinschaft der Schulbeamten, die im DLV. organisiert sind und sich über die Gründe ihrer Forderung täuschen. Die evangelische Kirche mit ihrem noch großen Anhang, die noch stärkere katholische Kirche,— sie stehen geschlossen hinter der konfessionellen Schule; Sozialisten, SPD. und KPD. wollen die proletarische Klassenschule: wer bleibt übrig? Nichtmal, der DLV.; denn würde die Gemeinschaftsschule nur praktisch möglich, so würde über die Hälfte des DLV. für die konfessionelle Schule sich praktisch entscheiden. Die Gemeinschaftsschule schweht„über“ dem Volk, ihre Forderung ist rein akademisch, aber nicht wirklich. Sie würde auch dann nicht wirklich, wenn sie durch Gesetz befohlen würde. Sie würde ein totgeborenes Gesetzeskind sein, so wie s. Z. die Jugendpflege, die von Landräten und Schulbeamten„gemacht“ werden sollte. Sie würde nur von Schulkindern beschickt, die mit „Schulzwang“ hineingetrieben würden, und das nur dann, wenn die Errichtung der Klassenkampfschulen der bürgerlichen Gesellschaft(katholische und evangelische Volksschule) und der sozialistischen Gesellschaft(proletarische weltliche Schule) zwangsweise verhindert würde. Das Gesetz kann keine Schule schaffen. Das Gesetz kann die aus dem Bedürfnis der Volks= und— solange es das noch nicht gibt,— der Klassengemeinschaft erwachsene Schule schützen und ihr dadurch die Entwicklungsmöglichkeiten geben. Und das ist das Einzige, was wir als Sozialisten, die den Kampf um den sozialistischen Staat und die Hoffnung auf die Verwirklichung der klassenlosen sozialistischen Gesellschaft noch nicht aufgegeben haben, von der Gesetzgebung erwarten und verlangen können. Man sollte meinen, die Kompromiß'erei über die Schule hätte genug üble Folgen gezeitigt gerade für uns Sozialisten, als daß wir den Weg des Kompromisses jetzt noch empfehlen könnten. Nur dann, wenn wir nicht mehr an den inneren Wert des Sozialisnus, mtostet Eiie dom Sojlalismns berantwooritiaj, darum dürfen wir nicht ruhen, bis die Republik zur sozialistischen Republik geworden ist. Und das geht nicht durch Gesetzeskraft, sondern durch die werbende Kraft der Idee, die die Massen durchdringen wird. Darum brauchen wir die sozialistische Kiassenkampfschule. Sie soll uns ermöglichen, die Jugend für die Idee des Sozialismus zu erwärmen; sie zu erglühen zu einem Eifer, daß sie sich nicht wohl fühlen kann in dieser klassengeteilten Gesellschaft. Auf die weltliche Schule verzichten zugunsten der Gemeinschaftsschule würde heißen, auf den Sozialismus verzichten zugunsten einer bureaukratischen unwirklichen bürgerlichen Republik. Nicht mit Kirche und bürgerlicher Gesellschaft, sondern nur gegen diese beiden reaktionären Mächte wird der Sozialismus siegen. Und ein wirksames Mittel zum Siege in die Weltliche Schule, die durchaus nicht neutrale Schule der proletarischen Gesellschaft. Und diese Schule ist die Schule des Parteiprogramms der SPD. Dreiländerkonfereng über wirtschaftliche Fragen. Am 26. und 27. Februar wird in Brüssel eine Konferenz der sozialistischen Parteien Belgiens, Deutschlands und Frankreichs tagen, deren Aufgabe die Besprechung der in Ausarbeitung befindlichen Handelsverträge zwischen den genannten Ländern ist. Als Vertreter der deutschen Sozialdemokratischen Partei werden die Abgeordneten Dr. Breitcheid, Dr. Hilferding und der frühere Wirtschaftsminister Robert Schmidt, als Vertreter der französischen sozialistischen Partei die Abgeordneten Barthe, Cayrel, Couteaux, Spinasse, die Mitglieder des Parteivorstandes Bracke und Grumbach und ein Repräsentant der Genossenschaften Gaston Lévy und Ernest Poisson nach Brüssel kommen. Remscheid=Lennep Remscheid, 25. Februar. Keiner will zur ckstehen Je näher der erste Tag der Einzeichnung für das Volksbegehren heranrückt, desto größere Kreise zieht die Bewegung. Schon heute werden die Umrisse des gigantischen Kampfes in etwa erkennbar. Das„Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold“ und die „Deutschc= Friedensgesellschaft“ greifen geschlossen mit in den Kampf für die Fürstenenteignung ein und werden in den nächsten Tagen mit einer großen Versammlung an die Oeffentlichkeit treten. Wir begrüßen freudig den Entschluß dieser Organisationen und die Mitglieder derselben als Kampfgenossen. Sozialdemokraten! Mann für Mann in die vorderste Front! Alle Genossen heute zur Funktionärsitzung bei Rösberg! Erwerbslosenversammlung Vom ATGB. wird uns mitgeteilt, daß am Dienstag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, in der Stadtparkhalle eine öffentliche Erwerbslosenversammlung stattfindet. * Remscheid, 25. Febr. Aus dem Polizeibericht. Obgleich erst kürzlich eine Person wegen Erregung öffentlichen Aergernisses festgenommen werden konnte, hat sich inzwischen wieder eine Person in der Nähe der Schule Nordstraße in schamverletzender Weise gezeigt. Auch in der Hindenburgstraße ist ein sechsjähriges Mädchen von einem Manne in einen Hausflur gelockt und in ähnlicher Weise mißhandelt worden. In beiden Fällen hat der Täter bisher nicht ermittelt werden können.— Wegen widernatürlicher Unzucht kam eine Person zur Anzeige, gegen eine andere wurde ein Verfahren wegen Kuppelei eingeleitet. :: Ronsdorf, 24. Febr. Der Tätigkeitsbericht der Arbeiter=Samariterkolonne Ronsdorf läßt erkennen, daß die Arbeiter=Samariter im Jahre 1925 ihre segensreiche Tätigkeit nicht vermissen ließen. Es gelangten laut Meldekarten der Kolonnenführer 234 Unfälle zur Anmeldung, bei denen die erste Hilfe geleistet wurde. Von diesen waren 12 Transporte zum Krankenhause und 2 zur Wohnung erforderlich. In 18 Fällen mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Auf Anforderung wurden laut Wachbuch 154 Wachen in der Badeanstalt, 18 auf den Sportplätzen und 48 sonstige Wachen, insgesamt 220 Wachen gestellt. Unterricht wurde an 36 Unterrichtsstunden durch die Kolonnenführer erteilt. Am 24. Mai 1925 wurden 5 Kursusteilnehmer durch Herrn Dr. med. Stammreich=Remscheid geprüft. Sämtliche bestanden die Prüfung mit dem Prädikat gut und wurden ihnen die Befähigungsausweise ausgehändigt. Weiter fanden im Laufe des Jahres am Ort 3 Alarmübungen und 2 Bezirksgelandeübungen in Radevormwald und Vohwinkel statt. Die Kolonne verfügt zurzeit über 8 Unfallstationen, welche durch Schilder erkenntlich sind. An diesen Stellen befindet sich auch das nötige Verbandsmaterial nebst Transportgeräten. Kreis Mettmann )( Belbert, 24. Febr. Militärrentenzahlung für März. Die Zahlung der Militärrenten durch das hiesige Postamt erfolgt im Gasthof„Central“ von 8 bis 12.30 Uhr vorm. und 3.80 bis 6 Uhr nachm. am Freitag, den 26. Februar. Nichtabholung hat Rücksendung der Rente zur Folge. Es werden Formulare für die Jahresbescheinigung ausgegeben, die am Zahltage für April beglaubigt zurückzugeben sind. Rheinland=Westfalen Die bauliche Sicherung des Kölner Doms Die preußische Staatsregierung hat sich, wie amtlich mitgeteilt wird, damit einverstanden erklärt, daß für Arbeiten zur baulichen Sicherung des Kölner Doms auf eine Reihe von Jahren hinaus ein Betrag von je 100 000 Mark in den Staatshaushalt eingesetzt wird. Der preußische Staat tut das allerdings in der Erwartung, daß sich auch die sonst in Betracht kommenden Stellen finanziell an den Erneuerungsarbeiten beteiligen. Fühjakr trage ich nur noch Well er Schuhe Strümpfe KELEEDFELO, NEUSTBASIE. HOFKATID. T Samstagnachmittag soll die erste Massen=Aufklärung über das Volksbegehren erfolgen. Deshalb Parole aller Sozialdemokraten und der Arbeiterjugend: Auf zur Flugblatt Verbreitung estalhielt nner der und Prohule, rfnis Beund hule, und VerWirdie und der ein ssenhule asein steht gibts und en-Relioletameinim tung ang. nter ollen der lich, chule Jer lich. hlen 3. acht“ mit denn eselllistiverGedas chule Und um hung eben nen. hätte daß Nur s:nus, issen Sotlich, chen caft, irchmpfSosie saft. ftsen mit beiden wirkrchaus diese zum mußte fordeauf chen die teilrüft. puriden rksKoder tige üt amt 3.80 hat die beAlle Mitarbeiter sammeln sich bei ihrem Bezirksführer oder an der vom Bezirksführer angegebenen Stelle. teilt chen aus setzt ung. ziell Selbstmord. wp. Benrath, 24. Febr. Am Sonntagmorgen verübte in Reisholz die mit dem geschiedenen Maurer Stanislaus W. in wilder Ehe lebende Franziska Sz. dadurch Selbstmord, indem sie Chloroformöl einnahm. Die Beweggründe sind in Ehehindernissen zu suchen. Bercits am 18. Februar ds. Is. versuchte sich die Sz. durch Einnahme von Essigessenz das Leben zu nehmen, sie wurde aber damals noch rechtzeitig daran gehindert - Verkehrsunfall. rwp. Duisburg, 24. Febr. Gestern wurde ein 3= bis 4jähriges Kind auf dem Steinbuschweg von einem Personenauto angefahren. Das Kind wurde in schwer verletztem Zustande in die elterliche Wohnung gebracht. Nachdem die Polizei den Tatbestand aufgenommen hatte, konnte das Personenauto weiterfahren. Versuchter Mord? wp. Duisburg, 24. Febr. Als am Samstagabend ein 12jähriger Schüler in Beeck in der Haustüre stand, wurde er von einem unbekannten Manne, der in Begleitung eines anderen war, durch einen Revolverschuß am Kopfe verletzt. Der Schütze und sein Begleiter entkamen unerkannt. Fleischvergiftung? wp. Duisburg, 24. Febr. Nach dem Genuß von gehacktem Gefrierfleisch erkrankten Ende der vergangenen Woche der Stukkateur Wilhelm Egenolf und mehrere seiner Kinder. E. selbst wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er inzwischen verstarb. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Die Kinder befinden sich außer Gefahr. Ein Auto in den Rhein gefahren. wp. Emmerich, 24. Febr. An der Fähcstelle am Rhein, rutschte ein Auto aus Goch den Abhang hinunter in den Rhein. Die Insassen retteten sich in letzter Minute durch Abspringen. Bereits ganz unter Wasser blieb das Auto im Geröll stecken, so daß es durch ein Pferdegespann aus dem Rhein herausgezogen werden konnte. Schrecklicher Tod. rwp. Berghafen, 24. Febr. Der Bergarbeiter E. Österland, der mit dem Abtragen der Zechenhalde auf der Grube„Frei Vogel“ beschäftigt war, wurde unter den sich plötzlich in Bewegung setzenden Erdblöcken verschüttet. Obwohl seine Kameraden sofort mit Anwendung aller Kraft daran arbeiteten, ihren Kollegen zu retten, konnten sie ihn nur noch als Leiche bergen. Raubüberfall. rwp. Gladbeck, 24. Febr. Am Sonntagabend gegen 8 Uhr wurde eine Geschäftsinhaberin, die eine kleine Buchhandlung in der Horsterstraße betreibt, auf dem Nachhausewege von zwei unbekannten Männer überfallen. Die Räuber entrissen ihr die Handtasche, in der sich ihre Tageseinnahme befand und ergriffen die Flucht. Die Täter konnten nicht ergriffen werden. Grubenbrand. wp. Dørtmund, 24. Febr. Das preußische Oberbergamt Dortmund teilt mit: Auf der Seche Radbod(Konzern Köln=Neuessen) bei Hamm ist am Dienstag, 23. Februar, morgens gegen 7 Uhr, der First des Füllortes auf der vierten Sohle von Schacht 1 ein Brand ausgebrochen. Schacht 1 ist einziehender Schacht. Dicht über dem Füllort setzt ein Flöz durch. Die Belegschaft ist, bevor sie durch die Brandgase gefährdet werden konnte, aus der Grube herausgezogen worden. Sie muß vorläufig feiern. Eine Gefahr für Menschenleben besteht nicht. Die Urbeiten zur Löschung des Brandes sind im Gange. Zugzusammenstoß. rwp. Dortmund, 24. Febr. Wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, stießen gestern nachmittag 4.40 Uhr im Gelände des Bahnhofes Kamen eine Lokomotive der Rangierabteilung mit einem einfahrenden Güterzug zusammen. Mehrere Wagen wurden ineinander geschoben und 12 Wagen entgleisten. Der Zugführer erlitt eine Schädeldeckenverletzung und wurde dem Krankenhaus in Kamen zugeführt. Das Geleise ist gesperrt. Man ist zurzeit mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Von Dortmund sind zwei Betriebskolonnen und von Hagen eine zur Hilfeleistung entsandt worden. Der Verkehr auf der Strecke DortmundKamen wird eingleisig aufrechterhalten. Der Materialschaden ist noch nicht übersehbar. Leichenfund. rwp. Ahlen, 24. Febr. Hier wurde die Leiche des seit November vorigen Jahres vermißten Tierarztes Dr. Burchloh im Steinbruch der Zementfabrik Anneliese in Ennigerloh gefunden. Es ist anzunehmen, daß Dr. B. in der Dunkelheit vom Wege abgeirrt ist. Die Brieftasche und Wertgegenstände wurden noch bei der Leiche gefunden. Aus aller Welt Das große Los. Berlin, 25. Febr. Wie die Vossische Zeitung erfährt, fiel der Hauptgewinn in der gestrigen Nachmittagsziehung der PreußischSüddeutschen Klassenlotterie von je 500000 Mark auf das Los 62099 nach Berlin. In beiden Fällen sind die Lose in Achteln verkauft worden. Für jeden der 16 Gewinner bleibt nach Abzug der Steuern ein Betrag von 50000 Mark. Acht Arbeiterfamilien, darunter ein greises Ehepaar(der Mann seit Monaten arbeitslos und der Verzweiflung nahe), sind über Nacht reich gewerden. Von den glücklichen Gewinnern erhielt auch ein Kaufmann die frohe Kunde und dieser Kaufmann hat— gestern den Konkurs angemeldet. Zwei deutsche Schiffe vernichtet. Berlin, 24. Febr. Der deutsche Dreimasterschoner Friederike geriet, wie die B. Z. am Mittag berichtet, an der schwedischen Küste in Brand. Das Schiff mußte auf Sand gesetzt werden. Die sieben Mann starke Besatzung konnte sich retten.— An der dänischen Küste ereignete sich ein ähnliches Schiffsunglück. Auf der Hamburger Motor=Galeasse Käthe, die mit Eisenpfosten beladen war, löste sich ein Pfosten, zertrümmerte eine Lucke, durch die Wasser eindrang, so daß das Schiff in wenigen Minuten sank. Die aus drei Mann bestehende Besatzung erreichte im gänzlich erschöpftem Zustande die dänische Küste. Todesopfer des Methylalkohols. Berlin, 24. Febr. Vor einiger Zeit war der Kaufmann Bruchsaler in Offenburg verhaftet worden, weil er Methylalkohol als Brandweinzusatz vertrieben hatte. Wie die Staatsanwaltschaft Offenburg mitteilt, ist ermittelt worden, daß mehrere Personen nach dem Genuß dieses Branntweins gestorben sind. In Werdohl in Westfalen starb ein 54jähriger Fuhrmann. Ein Lokomotivheizer, der ebenfalls von dem Schnaps getrunken hatte, stürzte auf dem Wege zum Dienst von einer Böschung herunter und blieb tot liegen. Ein Drahtzieher brach während der Arbeit auf dem Fabrikhof zusammen und erblindete auf beiden Augen. Der Hungerkünstler Jolly, der am Dienstag 25 Jahre alt wurde, hat die erste Woche seiner Hungertätigkeit“ in einem Berliner Restaurant beendet. Während dieser Zeit, die für ihn mit einer Gewichtsabnahme von 8 Pfund und mit heftigen Magenkrämpfen und Schlaflosigkeit verbunden war, genossen nicht weniger als B0000 Berliner seinen Anblick. Bis jetzt hat Jolly über 500 Heiratsanträge erhalten. —- Dammbruch. wtb. Hirschberg, 24. Febr. Der Damm des Umleitungskanals der Bober beim Boberkraftwerk, das unterhalb der Talsperre gelegen ist, ist in einer Länge von 10 Meter gebrochen. Eine größere Fläche von Wiesen und Feldern ist überschwemmt. Der Schaden ist unbedeutend. Schweres Antomobilunglück. wtb. Plauen i. V., 24. Febr. Heute nachmittag fuhr nahe dem Waldrestaurant Echo ein aus Greiz kommendes Automobil beim Ausweichen gegen einen Straßenbaum und wurde vollständig zertrümmert. Die drei Insassen wurden hinausgeschleudert und schwer verletzt. Eine Alkoholtragödie. Ein Familiendrama mit tödlichem Ausgang hat sich, der Saale=Zeitung zufolge, in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in der Schortauer Straße in Teuchern abgespielt. Der dem Trunke ergebene, arbeitsscheue Heller war so im Rausche, daß er nachts mit der Polizei in Konflikt kam. Erst nach Mitternacht suchte er seine Wohnung auf, wo es gleich zu einer schlimmen Szene kam. Er bedrohte die im Bette liegende Frau mit dem Messer und warf die brennende Lampe über sie. Auf ihre Hilferufe kamen die nebenan schlafenden Kinder, die 22jährige Tochter und ein 12jähriger Junge hinzu und standen der Mutter bei. Nach heftigen Tätlichkeiten schien sich Heller zu beruhigen und schlief ein. Als er aber gegen Morgen erwachte, war der Rausch nicht verflogen, und der Streit begann von neuem und artete in einen neuen Kampf aus. Hierbei fiel Heller zu Boden und blieb tot liegen. Wie hart der Kampf war, zeigten die Druckstellen am Halse des Toten. Der Arzt stellte fest, daß der Kehlkopf eingedrückt war. Die Tochter hatte Bißwunden an der Hand. Bei Tagesanbruch stellte sich die Tochter selbst der Polizei. Erschütternd sind die Verhältnisse der Familie. Ueber 30 Jahre waren die Hellerschen Eheleute verheiratet; davon lebten sie nur die beiden ersten Jahre in Zufriedenheit. Danach verfiel der Mann dem Trunke, und Streit und Hader hielten Einzug. Wiederholt mußten Mitbewohner des Hauses der bedrohten Frau zu Hilfe kommen. Auf der Frau lastete die ganze Sorge; sie mußte außer ihren Kindern auch den arbeitsscheuen Mann ernähren. Der Dampfer„Westfalia“ ist am Dienstagnachmittag 8 Uhr im Hamburger Hafen eingelaufen. Der Empfang hielt seit einigen Tagen ganz Hamburg in Spannung. Noch vor kurzem berichteten die Blätter von dem herzlichen Empfang der Westfalia, die 1000 Meilen vom Kap Race bei schwerstem Seegang die gesamte„7köpfige Mannschaft des schiffbrüchigen holländischen Frachtdampfers Alkaid gerettet hat, in Neuyork. Der Kapitän der Westfalia namens Graalfels, der in Neuyork außerordentlich gefeiert wurde, ist damit eine bekannte Persönlichkeit geworden. Graalfels ist 56 Jahre alt, trat 1891 in den Dienst der Hapag, wurde 1902 Kapitän und übernahm, nachdem er vorher die bekannten Dampfer Hansa und Oldenburg im Ostasiendienst geführt hatte, 1925 die Westfalia Ein Heiratsverbot für Bubiköpfe hat der Stadtrat von Mooneyard in Tennessey erlassen. Durch diese Verfügung sind 30 Paare unmittelbar betroffen worden, da sie kurz vor der Trauung standen. 25 davon haben sich entschlossen, die Zeremonien in der Nachbarstadt durchzuführen, während fünf Bräutigame erklärt haben, sie wollten den Gesetzen ihrer Heimatstadt treu bleiben und solange warten, bis die Haare ihrer Bräute wieder gewachsen sind. Programm des Elberfelder Donnerstag, den 25. Februar. 1.15—2.30 Uhr nachm.: Bolkstümliches Konzert des Rundfunkorchesters. 4.15—5.15 Uhr nachm.: Konzert des Funkorchesters. Leitung: Kapellmeister Mar Alter. 1. Ouvertüre„Die Weihe des Hauses“ — Beethoven. 2. Cavatine— Raff. 8. Spielmanns Lust und Leid, Vorspiel 3. Akt aus„Pfeiffertag“— Schillings. 4.BelsazarSuite— Sibelius. 5. Einleitung 8. Akt aus„Die Meistersinger"— Wagner. 6. Phantasie aus der Pantomime„Das Wunder“— Humperdinck. 5.15—5.45 Uhr nachm.: Rezitationen aus Werken von DehmelLiliencron.(Karl Weinlein und Marta Walter.) 5.45—6.15 Uhr nachm.: Dehmel=Liliencron=Lieder, gesungen von Aenne Niemann. 7—8 Uhr abends: Lieder zur Laute. Mitwirkende:(Laute) Paul Markus, Paul Finger, Heinz Bornach,(Violine) Willi Ley. 8—8.30 Uhr avends: Spanische Lesestunde. 8.30 Uhr avends: Joseph Plaut=Abend. Freitag, den 26. Februar 1926. 1.15—2.30 Uhr nachm.: Charakteristische Gestalten in der Oper. Konzert des Rundfunkorchesters. 4.15—5.45 Uhr nachm..„Martha", Oper von Flotow(nur musikalische Szenen). Mitwirkende: Frau Alice Ritter=Schmidt, Frau Lange=Bake, Herr Staudt, Herr Schier. Musikalische Leitung: Kapellmeister Max Alter. 6.15—6.45 Uhr abends: Vortrag Schulleiter Dr. Joseph Greff, Beyenburg. 1. Abend: Heilung nervöser Krankheiten durch Psycho=Analyse. 7—8 Uhr avends: Die Entwicklung der Klaviersonate von ihren Anfängen bis zur Gegenwart: Franz Ludwig, Münster. 8—8.45 Uhr avends: Einführung in die englische Sprache und Kultur von Prof. Hase, Münster. 8.50 Uhr avends: Kammermusikabend des Dortmunder Trivs. Anschließend: Frei für Fernempfang. Arbeiter=Sport. Wiener Arbeitersportfest Aus Wien wird uns geschrieben: Der Pariser Internationale Arbeitersportkongreß hat zu dem Plan, in Wien in der Zeit vom 4. bis 11. Juli 1926 ein großes internationales Sport= und Kulturfest abzuhalten, seine Zustimmung gegeben. Die verantwortlichen Vertrauensleute des Wiener Proletariats sind sich bewußt, welche gewaltige Aufgabe da zu lösen sein wird. Aber die Größe des zu Bewältigenden steigert nur den Eifer des proletarischen Wien. Den Gästen, die da aus allen Ländern und Staaten zusammenströmen werden, soll nicht nur Wiens Gastfreundschaft und Wiens landschaftliche und künstlerische Schönheit geboten werden, sondern zugleich ein farbenprächtiges und eindrucksvolles Bild der Durchdringung des alten Wien von der neuen, der proletarischen Kultur. Schon jetzt arbeitet eine Reihe von Unterausschüssen sehr eifrig an der Vorbereitung des gewaltigen Werkes. Der Presseausschuß hat die Herausgabe einer periodisch erscheinenden Festzeitschrift beschlossen, die sich zum Ziele setzt, sowohl das Programm des ganzen Festes als auch seine hohe internationale Bedeutung und Fernwirkung ins rechte Licht zu setzen. Gleich der Auftakt des Festes wird ein geradezu glänzender sein. Am Abend des 3. Juli, also am Vorabend des offiziellen Festbeginns, wird auf dem Kranz der Berge, die sich um Wien schlingen, ein malerisches Höhenfeuer entflammt werden. Auf den Bergen werden nächtliche Versammlungen bei Fackelbeleuchtung und ganz im Wiener Stil gehaltene Volksfeste abgehalten werden. Wiens Lichteffekte werden überhaupt dem ganzen Feste dauernd freundliche Begleiter und Bundesgenossen sein. Die festliche Beleuchtung des Rathauses und des Hochstahlbrunnens versteht sich von selbst. Gleichzeitig damit aber werden auf den schönsten Plätzen Wiens, auf dem Karlsplatz und auf dem Heldenplatz vor der einstigen Hofburg der Habsburger, bei Dackel=, Lampion= und Scheinwerferbeleuchtung proletarische Massenkundgebungen erfolgen. Ein großes Feuerwerk wird nicht fehlen, und auch die Donau=Illumination ist von den Behörden bereits bewilligt worden. Ein Abend ist auch für ein großes Strandfest im Arbeiter=Strandbad und den angrenzenden Bädern reserviert, wobei daran gedacht wird, bei Wasserlichtkünsten, Wasserspielen und Lampionreigen 20000 Menschen zu vereinigen. Die Massenentfaltung wird überhaupt eine entscheidende Rolle spielen. In der Riesenarena der Hohen Warte wird ein Weihespiel inszeniert werden, bei dem mit einem Besuch von hunderttausend Menschen gerechnet werden kann. An einem Nachmittag wird ein eigener Kinderfestzug arrangiert werden. Den Höhepunkt des ganzen Festes wird jedoch zweifellos der gigantische Festzug vom Stadtinnern bis zum Trabrennplatz bilden. Bei alledem haben wir noch nicht ein Wort von dem gewaltigen sportlichen Programm gesprochen, das ja die andere und größere Hälfte des Festes einnehmen soll. Davon wird später noch mehr zu sagen sein. Heute sei nur die eine besonders erfreuliche Mitteilung gemacht, daß mit unserem proletarischen Sportfest zugleich das von der Gemeinde Wien erbaute Amalienbad, das größte geschlossene Schwimmbad Europas, feierlich eröffnet und vom internationalen Proletariat eingeweiht wird. An den Proletariermassen der Internationale selbst liegt es nun, dem großen Fest auch den seiner würdigen Rahmen zu geben: durch massenhafte Beteiligung. Für bedeutende Fahrpreisermäßigungen, ganz billige Unterkünfte und Verpflegung ist vorgesorgt und den Arbeitern und Angestellten ganz Curopas bietet sich eine nicht so bald wiederkehrende Gelegenheit, mit durchaus erschwinglichen Mitteln eine acht= bis zehntägige Reise in das herrliche Wien, das Wien des Proletariats, in die größte sozialistische Gemeinde der Welt unternehmen zu können. Wenn die Arbeiter und Angestellten jetzt mit Sparaktionen, kleinen wöchentlichen Rücklagen und bescheidener Selbstbesteuerung beginnen, werden sie im Sommer 1926 Zeugen sein eines gewaltigen, nicht nur sportgeschichtlich bedeutsamen und nicht nur ästhetisch herzerfreuenden, sondern auch eines proletarische Macht, proletarischen Aufstieg und proletarische Kultur in einprägsamster Weise verkörpernden Zeuereignisses von allgemein geschichtlicher Kraft. Vom Verband Volksgesundheit wird uns geschrieben: Die Arbeiterbewegung und insbesondere die Arbeitersportbewegung leiden unter einem der Erbübel der Dent hen, der Vereinsmeierei und der Ueberorganisation. Das ist für die Arbeiterbewegung um so bedenklicher, weil die Arbeiterschaft nicht über allzu viele Kräfte verfügt, um sich den Luxus leisten zu können, Organisationen ins Leben zu rufen, die nicht unbedingt notwendig sind. Die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege hat sich zum Ziel gesetzt, gegen dieses Uebel anzugehen.(e hat beschlossen, in Zuunft keine Organisationen mehr aufzunehmen, für deren Bestrebungen bereits Verbände vorhanden sind. So ist die Aufnahme des„Bundes freier Menschen", der hauptsächlich die Förderung des Nacktsports erstrebt, von der ZK. verweigert und ihm anheimgestellt worden, sich dem Verband der Volksgesundheit anzuschließen, der ebenfalls den Nacktsport pflegt. Die Verhandlungen, die zwischen den beiden Verbänden im Gange sind, lassen erhoffen, daß eine Vereinigung zustande kommt. Der Verband Volksgesundheit hat auch mit dem„Bund für Sexualhygiene und Lebensreform“ Verhandlungen über einen Zusammenschluß eingeleitet. Der Bund für Sexualhygiene ist vor allem aus dem Bedürfnis entstanden, den Kampf gegen die veralteten§§ 218/219 des Strafgesetzbuches(Abtreibung, Verhütung der Schwangerschaft) zu führen. Der Bund zählt über hundert Ortsgruppen mit etwa 15 000 Mitgliedern, besonders im Freistaat Sachsen, in Thüringen, Bayern und Schlesien. Da der Verband Volksgesundheit, der bereits seit 35 Jahren besteht, die Ziele des Bundes für Sexualhygiene auch von jeher zu dem seinigen gemacht hat, ist auch hier eine Verschmelzung der beiden Organisationen zu erhoffen. Denn auch auf dem Gebiete des Sports und der Volksgesundheit gilt das Wort: Einigkeit macht stark! Uebertritt in den Arbeiter=Turn= und Sportbund. Der seit über 30 Jahren bestehende Schwimmverein Gera hat in seiner diesjährigen Generalversammlung einstimmig beschlossen, in den Arbeiter=Turn= und Sportbund überzutreten. Der Verein zählt über 250 Mitglieder. Der Uebertritt ist nicht nur eine zahlenmäßige Stärkung des Arbeiter=Schwimmsports, er zeigt auch, daß bei den Arbeitern, die noch bürgerlichen Sportvereinen angehören, immer mehr die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß sie an die Seite der Arbeitersportler gehören. Die Bundesmeisterschaften im Wintersport des Arbeiter=Turnund Sportbundes, die am 20. und 21. Februar in Oberwiesental im Erzgebirge stattfinden sollten, mußten wegen ungünstiger Schneeverhältnisse um eine Woche verschoben werden, finden also am 27. und 28. Februar statt. Alle Meldungen behalten ihre Gültigkeit. ( Spezialitäten: Nuss-Likör Cherry-Brandy Danziger Goldwasser Verkaufsstellen: B.-R., Jägerstr. 46 und in meinen sämtl. Niederlagen. Geschälts-Eröfinung und-Empfehlung! Am Freltag. Eiberfeld, Kölnel 26. 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Dauernde Steigerung der Abonnenten-Zahl muß das Ziel sein, nach dem jeder Leier der Freien Presse strebt, denn nur bei steigender Abonnentenzahl wächst der Einfluß der Freien Presse. Je größer ibr Einfluß ist, desto mehr kann sie für ihre Leser tun. Es ist von nicht abzuschätzender Bedeutung, in welchem Sinne die öffentliche Meinung durch die Zeitungen beeinflußt wird. Ob von Zeitungen der Feinde der Arbeiterbewegung oder von ihren Trägern. Ein einsichtsvoller Arbeiter wird nicht nur die Freie Presse lesen. Er wirdt für sie, wo und wie er nur kann. Wer einen neuen Abonnenten wirbt, gewinnt nicht nur einen neuen Leier, sondern durch dessen Angehörige wächst die Leserschar gleich um meyrere Glieder. Deshalb bedeutet die Gewinnung eines neuen Lesers der Freien Presse für die Aufwärtsbewegung der Arbeiter, Angestellten und Beamten. kurz. für das werktätige Volk sehr viel. Jünderzahing, Dar Rloine. 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