Abonttements=Preis: Mittaa= und Abend=Ansaabe tm Stadt bez. M. 3.50, bei der Post N. 4. Sonntags=Ausg. im Stadtbez 85 Pf bel der Post M. 1. Jllustrirte Veilage .....n. u. Blumen“ 35 Pf. Die jeden Monat erscheinende, literarische Beilage „Büchermarkt“ gratis. Celearamm.Adresse: Follsjeitung Creseld. Niederrhein Verantwortlicher Redactenr: Paul Lerch für den redaktionellen Theil. 49. Jahrgang. Nr. 448. Crefeld, Donnerstag, den 2. September(Raphael) NUtInGratis Zufnahme in den„Crefelde Stadt inzeiger"; auswärts 20 Pfg.; de Wiederholungen Rabatt. Beilage=Gebührer pro 101) Mk. 5. Reclame=Zeil. 50 Ps4 Cofferten=Prorision 25 Pfg. Bei Franco Anfragen 10 Pfg. für Antwort. Geschäftsstelle: Friedrichskraße 41. Telephon=Anschluß 354 Druck und Verlag der J. B. Klein'schen Buchdruckerei, M. Buscher. 1897. Mittag=Ausgabe. 44. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Stimmungsbericht. Landshut. 1. Sept. Die Räder griffen gestern vorzüglich incinander. Die interessantesten Fragen kamen zur Behandlung, und zwar mehrere in verschiedenen Versammlungen, wobei jede nach ihrer Eigenart die andern in Bezug auf Form und Jnhalt eraänzte. Das bauernbündlerische Treiben, welches für Baiern nicht bloß eine politische, sondern auch eine soziale und kirchliche Gefahr bildet, kam zunächst in der Versammlung des Volksvereins zur Sprache; später kennzeichnete auch der Abg. Pfarrer Gerstenberger diese Vollsverführung in der trefflichen Rede über die Bauern= frage, welche er vor der öffentlichen General versammlung bielt. Am Nachmittag war über die Agrarfrage und besonders über die berufsständische Oraani sation der Landwirthe in dem socialen Ausschuß verhandelt worden; das Ergebniß dieser Vorberathung wird heute der geschlossenen Versammlung vorgeleat werden Jm„Volksverein" konnte die Bauernbund=Angelegenheit am freiesten und kräftigsten besprochen werden: die General versammlung selbstein ihrem Wesen und ihrer Ueberlieferung nach zu einer gewissen Zurückhaltung gegenüber den „brennenden Tagesfragen" genöthigt. Deshalb ist es gerade von Werth. daß an den Katholikentag sich auch besondere Versammtungen anschließen, wo auch ein rückhaltloser Gedanken=Austausch über das„Aktuelle“ stattfinden kann. Der agastinus=Verein" hatte schon am Sonntaa in einem kleineren Kreise eine belehrende und erfrischende Aussprache zwischen den Süd= und Norddeutschen ver= anlaßt, die gestern bei einem Abendessen in„gemüthlicher" Form fortgesetzt wurde. Der„Vollsverein", besorgte dasselbe im grotzen Stile durch die wahrhaft alänzende Massenversammlung, die er gestern abhielt. Der Zudrang war derartig, daß sogar geistliche und weltliche Würden= trager den Weg durch das Fenster nehmen mutzten. Die Wirkung der Reden ging nach allen Stimmungsanzeichen ganz außerordentlich tief, sodaß der Volksverein stolz sein darf auf diesen Tag, und auf eine erweiterte segensreiche Thätigkeit in Baiern hoffen darf. Der Volksverein ist in der That unter seiner ebenso geschickten wie rührigen Leitung zu einem herrlichen Mittel des Guten geworden. die Freimaurerfrage kam gestern mehrsach zur Sprache. Jn der geschlossenen Versammlung erstattete Pfarrer Schwarz aus Württemberg den Ausschußbericht, welcher die Fortsetzung des Kampfes unter Vermeidung der mehrsach begangenen Fehler empfahl. Unter einmüthiger Zustimmung stellte er den Leitsatz auf, daß wir die romanische Freimaurerei zunächst den Romanen überlassen und unsererseits die deutsche Freimaurerei an den eigenen Quellen gründlich studiren und bekämpfen unter sorafältiger Ausscheidung alles nicht einwandsfrei erwiesenen Materials und unter Berücksichtigung der ver schiedenen Richtungen innerhalb der deutschen Maurerei. Rektor Huppert erwarb sich ein Verdienst, als er in seiner schönen Rede über Presse und Litteratur dieselbe Sache in der großten Oeffentlichkeit und Offenheit besprach der Presse den Dank aussprach für die Enthüllung des Taril=Schwindels, die Leichtgläubigkeit der, Hereingefallenen" geißelte und vor Aberglauben und Aftermystik dringend warnte. Eine solche rückhaltlose Aussprache in die richtige Erledigung des„Zwischenfalles Taril=Vaughan". Die Gegner werden bald einsehen, soweit sie es nicht schon erkannt haben sollten, daß der„Teufel Bitru“ auch zu jener Sorte gehört, von denen Göthe saat, daß sie stets das Böse wollen und das Gute schaffen. Die Leicht gläubigkeit einzelner Herren, bei denen Herz und Phantasie besser entwickelt sind, als die Urtheilskraft, fällt nicht der Gesammtheit zur Last; der Gesammtheit und ihrem Kampfe gegen die Loge in es aber von Vortheil, wenn das aber= gläubische und aftermystische Element, welches das ganze große Werk zu gefährden drohte, endgültig bei Seite ge= schoben ist, und dazu hat Taril unwillkürlich mitgewirkt. Schließlich gedente ich noch des ungeheuren rednerischen Erfolges, den der Kapuriner=Pater Auracher zum Schlusse der zweiten öffentlichen Generalversammlung errang. Das war das rechte, erwärmende, hinreißende Pathos. Ein wahrhaft ergreifender Aufruf an den Klerus, sich durch keine Rücksichten auf die eigene Person oder angen= liche Strömungen in den„oberen Regionen“ abhalten zu lassen von der sozialen Arbeit, die auch ein seelsorgerisches Werk im vollsten Sinne des Wortes sei. Wie packend war der Vergleich der leidenden Menschheit, des„großen Büßers“ mit dem Manne, der unter die Räuber gefallen, und der Hinweis auf den Priester und den Leviten, deren erbarmungslosen Vorübergang der Herr geißelt. Landshut, 31. Aug. VII. (Ausführlicher Bericht.) Der zweite Tag wurde eronnet durch ein feierliches Hochamt, das um 8 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Jodok nach Meinung des hl. Vaters stattfand. Dasselbe wurde zelebrirt durch den hochw. Abt Zenerri zu St. Bonifar München. Es assistirten geistl. Rath Lainer, Kaplan Schuster und Erpositus Hecker. Nach dem Hochamt war Orgelvortrag mit Gesangseinlage. Um 11 Uhr wurde die zweite geschlossene Generalversammlung durch den Präsidenten Dr. Bachem mit dem katholischen Gruße eröffnet. Zur Berathung stehen zunächst die Anträge des Ausschusses für Aeußeres und Formalien. Referent in Abgeordneter Dr. Porsch. Ein Antrag Thiesina=Berlin wünscht, daß für Reisende in den Adreßbüchern die Zeit des Gottesdienstes angegeben werde und an den Thüren der Kirchen die Gottesdienstordnung angeschlagen werde, wird mit der Motivirung angenommen, daß auch überall die Fastenordnung an den Thoren der Kirchen an= geschlagen werde. Ein Antrag des 20. Kongresses der kathol. kaufmännischen Vereinigungen Deutschlands, die Generalver= sammlung nicht mit der Michaeli=Messe in Leipzig kollidiren zu lassen und ein fernerer Antrag, die Generalversammlung inner balb der Philologen= und Juristenferien fallen zu lassen, wird dem Kommissar zur besonderen Berücksichtigung überwiesen Ein Antrag, die nächste Generalversammlung in Crefeld abzuhalten, wird einstimmig angenommen, nachdem ein Antrag Aachen, dort die Versammlung abzuhalten, zurückge= zogen war Abg. Dr. Lingens wünscht, daß Aachen, da es jetzt Ver= zicht leiste, demnächst für die Versammlung berücksichtigt werde Ein Antrag Pieschel=Reisse wünscht, daß die nächste Ver sammlung in Neisse abgehalten werde. Dieser Antrag lief telegrapbisch während der Sitzung ein. Referent Dr. Porsch stellt für Neisse eine Versammlung für das übernachste Jahr in Aussicht Präsident Dr. Bachem bemerkt, daß dieser Antrag nicht geschäftsordnungsmäßig sei, da er zu spät eingegangen und nur durch eine Person unterzeichnet sei. Daher müsse der Antrag im nächsten Jahre in Crefeld wiederholt werden. derr Rektor Dr. Thywissen motivirt den Antrag Crefeld Verleger Otto dankt klachen für seine Veruichtleistung Es folgen die Anträge des Ausschusses für Schule und Unterricht. Referent ist Lycealrektor Dr. Daller. Ein Antrag Pralat Dr. Pruner=Eichstätt, welcher sich gegen die Entchristlichung der Schule richtet, wird in folgender Fassung angenommen: „Die Generalversammlung bedauert es außerordentlich, daß zahlreiche katholische Lehrer Vereinen angehören, deren Bestrebungen katholische Grundsätze bekampfen." Ferner beantragt Pralat Dr. Pruner, die katholischen Lehrervereine durch außerordentliche Mitgliedschaft zu unter= stützen und durch private und öffentliche Aufklärung über ihre Berechtigung, Zweckmaßigreit u. s. w. ihnen Mitalieder zu gewinnen. Der Antrag wird mit geringer redaktioneller Ab= änderung angenommen Ein Antrag Rektor Brück=Bochum, betr. geeignete Auswahl der Unterrichtsmittel, besonders konfessioneller Lesebücher, für die katholische Volksjugend, wird unverandert angenommen. Es folgen die Anträge des Ausschusses für Schule, Wissenschaft, Kunst und Presse. Referent ist Prälat Dr. Hülskamp=Münster. Ein Antrag Erbgraf zu Königsegg=Aulendorf lautet: „Das Studium der Freimaurerei auf Grundlage freimaurerischer Schriften. Reden und historisch unwiderleg= barer Thatsachen, unter besonderer Benützung deutscher Quellen, wird allen hierzu befähigten Katholiken auf s Ange= legentlichste empfohlen; die katholische Presse aber möge zur Förderung von Licht und Wahrheit den Ergebnissen solcher Studien thunlichste Oeffentlichkeit und Verbreitung ver= schaffen" Der Ausschuß schlägt vor, hinter„Grundlage" einzufügen: „der päpstlichen Encykliken“. Pfarrer Schwarz=Otterbach begründet den Antrag. Für die Nothwendigkeit des Kampfes gegen die Loge führt er an den dringenden Wunsch des hl Vaters.(Encyllika vom 20. April 1884); die fortdauernde Gelährlichkeit der Loge, die selbst in ihrer mildesten Form dem ausgesprochensten Jndifferentismus huldigt, in ihrer radikalen aber eine ausgesprochene Gegnerin jeden positiven Christenthums ist: den Tariiihen Miß Vaughan= Schwindel und seine Folgen, welche erst recht eine solche Be= kampfung der Loge fordern, solle letztere nicht triumphiren. Bei diesem Kampfe mußten aber bisder gemachte Fehler ent= schieden vermieden werden. Diese Fehler waren: Vermengung der deutschen mit der romanischen Freimaurerei. Das führt zu Härten und Ungerechtigkeiten, da die romanischen Logen sowohl politisch als religios sich entschieden radikaler geben, als die deutschen. Die mit obiger Vermengung sich zeigende allzu häufige Zutirung romanischer Quellen, deren Jnhalt mit dem Gebahren der deutschen Frei= maurerei sich keineswegs deckt und so den deutschen Freimaurern Anlaß zu mehr oder weniger berechtigten Beschwerden und Ausfällen bietet. Das Nichtauseinanderhalten der thatsäch= lich eben vorhandenen zweifachen Strömung innerhalb der Freimaurerei(radikale und gemäßigtere Strömung). Die in Folge dessen nicht ganz ohne Grund von Seite der deutschen Loge erhobene Anklage der Ungerechtigkeit. Wie hat dieser Kampf gegen die Loge künftig zu geschehen? Wenn an Stelle der bisher gemachten Fehler möglichste und absolut ge= botene Objektivität und Solidität treten und den gegnerischen Einwänden zum Voraus und mit Erfolg die Spitze gebrochen werden soll! Lassen wir zunächst die romanische Freimaurerei ganz außer Spiel(andernalls besteht Mißtrauen im eigenen Lager in Folge des Taxulschwindels). Legen wir unserer Be= kämpfung nur deutsche Quellen zu Grunde und zwar nur Schriften, welche von Freimaurern selbst verfaßt sind. Diese, deutschen Quellen enthalten mehr als genug. Stellen wir nie auch nur einen Satz auf, ohne denselben aus soliden Quellen zu belegen. Alles stets beweisen, niemals nur behaupten sei oberster Grundsatz. Deßhalb seien bloße Vermuthungen, zweifelhafte Aufstellungen, alles nur mehr oder weniger Wahrschein= liche unbedingt aus geschlossen. Führen wir diesen Kampf nicht bloß in bezeichneter solider Weise, sondern auch geschlossen und syst= matisch durch Jndienstnahme der gesammten Zentrumspresse Deutschlands, Oesterreichs und der Schweit, die allen Veröffent= lichungen gegen die Loge jedwöchentlich oder monatlich ihre Spalten bereitwillig öffnen soll. Wie wie sicher wissen, ist zu diesem Zweck eine ca.—W) Bände umfassende Bibliothek nur aus Freimaurerschriften gesammelt. Wenn wir so in diesem Kampfe die Gerechtigkeit und Wahrheit obenanstellen, dann kann uns die Freimaurerei das Zeugniß, daß wir sie gerecht und wahr behandeln, nicht vorenthalten. Die Wahrheit und Gerechtigkeit wird aber siegen.(Lebhafter, lang andauernder Beifall.) Der Antrag wird in der Fassung des Ausschusses ange= nommen. Ein Antrag Busch=Weiß=München auf Unterstützung alaubenstreuer Künstler durch die Ertheilung von Aufträgen wird mit einigen Aenderungen angenommen. Ein Antrag des= selben Antragstellers wunscht regen Beitritt zur„Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst“. Fehr. v. Lochner=Eichstätt begründet den Antrag. Der= selbe betont die Nothwendigkeit der christlichen Kunst im Sinne des katholischen Glaubens. Daher müßten nicht nur technisch Befähigte, sondern auch glaubenstreue Künstler sich in den Dienst derselben stellen. Jm Weiteren gibt Redner einen Ueber= blick über die Entwickelung der„Deutschen Gesellschaft für cristliche Kunst", zu deren Mitgliedern auch der Prinz=Regent Luitpold gehöre(Bravo!) und legt eingehend das Programm und die Absicht der Gesellschaft dar, sowie die Mittel, durch welche sie jene zu erreichen suche.(Lebhafter Beifall.) Hierauf wird die Sitzung um 12, Uhr geschlossen. Der Andrang zur zweiten öffentlichen Generalversammlung, die nach 5 Uhr in der Festhalle vom Präsidenten mit dem katholischen Gruße eronnet wurde, war ebenso stark wie gestern, trotzdem kurz vor Beginn der Versammlung ein kräftiger Regen einsetzte. Von Sr. königl. Hoheit dem Prinzregenten von Baiern ist auf das Huldigungstelegramm der General versammlung folgendes Antwortschreiben eingelaufen: „Se. königl. Hoheit der Prinzregent entbietet den Theil= nehmern der 41. Generalversammlung der Katholiken Deutic= lands in Landshut für die telegraphisch übermittelte Hul= digung, welche Allerhöchstdemselben zur aufrichtigen Genug thuung gereicht, freundlichsten Dank und Gruß. Jm Aller höchsten Auftrag Frhr. v. Zoller, Generallieutenant und Adjutant.“ Die Versammlung begleitet die Vorlesung des Telegramms mit stürmischem Beisall und bringt auf Vorschlag des Präsidenten auf den Prinzregenten ein dreimaliges donnerndes Hoch aus. Erster Redner ist Reichs= und Landtagsabgeordneter Dr. Porsch(Breslau), der sich über die römische Frage verbreitet. „Es ist natürlich", beginnt Redner,„daß wir hier in der General=Versammlung der Katholiken Deutschlands unser Auge richten auf den Vater der katholischen Welt, den hl. Vater. 20 Jahre lang führt er bereits sein Pontifikat und 20 Jahre Gefangenschaft! Diese Gefangenschaft ist für uns immer wieder ein neuer Anlaß, Klagen darüber zu führen, daß unser Papst gefangen ist. Freilich er liegt nicht auf Stroh, er wohnt in einem Palast, am Grabe der Apostelfürsten, aber selbst das glänzendste Gefängniß ist immer ein Gefängniß. Man sagt, der Papst konne ja den Vatikan verlassen; gewiß! Aber dadurch würden die Schwierigkeiten nur gesteigert werden. Nur einmal hat ein Papst den Vatikan verlassen, aber das war ein todter Papst. Aber wenn nicht einmal einem Todten seine Ruhe gegönnt war, was soll dann dem Lebenden geschehen. Der Papst will und muß in der Hauptstadt der Christenheit mit freien Armen leben, um die Völker zur Ewigkeit führen zu konnen.(Bravo.) Gott shat ihm die Leitung der Kirche anvertraut; nur ihm ist er verantwortlich und keiner noch so großen weltlichen Nacht ist er unterthan. Wer regiert von Gettes Gnaden, wenn nicht der Papst!(Sehr wahr!) Daber darf er nicht von veränderlichen Verhältnissen abhängig sein. Gott hat ihn zum Vater aller Nationen gemacht, und daher kann er nicht von dem Willen einer Nation, von dem Willen der italienischen Regierung abhängig sein.(Lebhafter Beifall.) Der Papst ist Oberhaupt der Katholiken der ganzen Welt. Will man auf die Entwicklung der Weltgeschichte ver= weisen, so erinnere ich an das Wort, das Pius IX. gesprochen als Napeleon ihm erklärte, wenn er die Romaana abtrete, könne er den übrigen Kirchenstaat behalten. Pius erwiderte: Jch kann nicht; das Eigenthum des h. Stuhles ist Eigenthum aller Katholiken; es handel: sich um das Eigenthum der ganzen katholischen Welt. Nationen und Tonastien können mit ihrer Souveränetät ihre Selbstständigkeit und Rechte verlieren; sie kommen und gehen, aber die Kirche kommt und geht nicht! (Berfall). Gott hat ihr die Verheißung bis an das Ende aller Tage gegeben. So wird die römische Frage immer und immet wieder nach ihrer Lösung schreien. Darüber mogen die Nächte sich nicht täuschen, die römische Frage wird nicht von der Tages Ordnung verschwinden. An Vorschlägen zur Lölung fehlt es nicht, aber wer ist zuständig? Außerhalb der Kirche stehende Leute sind nicht zuständig; auch wir nicht, kompetent sind allein der Papst und die mit ihm vereinten Bischöfe. Der Papst braucht den Glanz einer Fürsten= krone nicht, aber er bedarf der vollen Unabhängigkeit und Freiheit zur Leitung der Kirche und demgemäß territoriale Unabhangigkeit. Wir stellen unsere Hofnung auf Gott, der der Vertheidiger seiner Kieche ist. Wenn unsere Gegner draußen sagen: Jhr verlangt die gewaltsame Wiederherstellung des Kirchenstaates, so ist das Thorheit. Es ist seiner Zeit im Reichstag von gegnerischer Seite das Prinzip der Nichtinter= vention proklamirt worden. Aber dieses Prinup ist wiederholt durchbrochen wo den, ich erinnere nur an Kreta(Beifall) und die unendlichen Verhandlungen der Diplomaten in Konstantinopel. (Heiterkeit) Ein Mürchen ist es, wenn man sagt, wir störten, mit unserer Anregung der römischen Frage den Dreibund. Dieser könnte durch eine Konsolidirung der italienischen Verbältnisse nur gewinnen. Ein alter Staats= mann im alten Rom verließ nie eine Sitzung ohne sein ceterum cen-eo zu sagen: Karthago muß ternort werden. Uns steht zur Seite die Verheißung Gottes: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Das alte Rom ist in Trümmer gesunken, die Kirche besteht und für uns geht die Sonne noch immer über dem Batikan auf. Die Lösung der römischen Frage wird kommen, abgesehen von Protesten. Fahren wirdarun fort, Gott zu bitten, die Tage der Heimsuchung für den päpstlichen Stuhl abzukürzen.(Lebh. Beifall.) Folgender Redner ist Rektor Dr. Huppert=Bensheim der uder Litteratur und Presse spricht. Redner bezeichnet es als eine Modethorheit, wenn auc katholische Damen,moderne" Schriftsteller leien zu müssen glauben, obwohl dieselben in moralischer Beziehung höchst bedenklich seien Wenn der Papst gewisse Schriften verbiete, so thue er nichts anderes, als was der preußische Kriegsminister noch jüngst gethan habe, als er sonialdemokratische und revolutionäre Schriften für die Armee als schädlich verboten habe.(Lebh Beifall) Die Katholiken seien eine Glaubensarmee, von welcher der Stellvertreter Gottes auch alles Schädliche fern halten wolle.(Beifall.) Eine Folge der schlechten Litteratur sei es nicht zuletzt, daß in den höheren Kreisen der Glaube immer mehr verschwinde, und man müsse dem hl. Vater Dank wissen, daß er solche Lektüre unseren Handen entwinde. Vom kathol. Standpunkte aus müsse der Strahlenkranz des Christenthums alle Romane und Novellen durchdringen, und man müsse jedes belletristische Werk von sich weisen, das diese erste Grund= forderung nicht erfülle.(Beifall.) Redner gibt einen Wunsch= rettel des Publikums für Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Jetzt spielten die Novellen und Romane meist in Adels= und reichen Bürgersamlien: das Auftreten, so vieler Prinzen, Grafen urd Barone reiie aber manche junge Dame.(Heiterkeit.) Aber biete nicht auch das kleinbürgerliche Leben viel edele und schöne Motive? Die brennenden Fragen müssen belletristisch mehr behandelt werden, insbesondere die soniale Frage. Der bestorische und soziale Roman müsse mehr gepflegt werden, freilich, diese Romane könnten nicht nach dem Schema geschrieben werden: Er liebt sie, sie liebt ihn— Ende Ver= lobungskarte.(Heiterkeit.) Liebesromane gebe es vorläufig genug.(Heiterkeit.) Ohne Liebelei gehe es zwar beim Roman richt gut ab, aber das erotische Moment dürfe weniger in den Vordergrund treten. Nothwendig sei es, daß unsere Gelehrten die Schätze ihres Wissens nicht hauptsächlich in gelehrten Ab= handlungen niederlegten, sondern auch die Belletristik unter= stützten und auch die Presse. Es soll ein großes Land geben, in dem es nur zwei katholische Zeitungen gibt, von denen die eine noch dazu wenig verbreitet, die andere wenig zuverlässig ist.(Heiterkeit) Es gibt auch Blätter, die unter katholischer Flagge segeln, aber unsittliche Romane und böse Jnserate ver= öffentlichen. Vor wenigen Tagen schrieb mir der Domkapitular Dr. Pichler: Jn Bezug auf die Zeitungen liegen die Verhältnisse für uns Katholiken kaum in einem Lande so schlimm und traurig als in Baiern.(Hört, hört!) Meine Herren Baiern! Das Wort durfen Sie nicht auf sich sitzen lassen, sonst geht nach und nach Alles verloren. Wenn die Zeitungsverhältnisse in Baiern nicht geändert werden, dann werden wir aus dem Regen in die Traufe kommen. Jch hoffe, daß, wenn wir uns nächstes Jahr in Crefeld wieder= sehen, aus Baiern Besseres berichtet wird.(Lebhafte Zu= stimmung.) Unserer Presse gebührt der wärmste Dank für die Enthüllung des Taril=Schwindels. Alle katholischen Kreise müßten wiederhallen von dem Echo: wir unterstützen untere katholische gute Presse, weil sie die katholische Kirche Deutsch= lands vor großem Ungemach bewahrt hat, wir unterstützen sie auch künftig, als die Vertheidigerin unserer heiligen Jnteressen. (Lebhafter Beifall.) Unsere Presse hat bewiesen, daß sie eine Feindin des Aberglaubens und durch und durch deutsch is (Beifall). Und hinter der katholischen Presse steht das katholische Volk, das nicht zu haben ist für Leo Taxilsche Schnurren. Mit Recht haben in Dortmund und Essen die katholischen Vereine beschlossen, gemeinsam gegen die schädliche Litteratur vorzugehen. Thun wir dasselbe für Gott, unseren Glauben und für unser geliebtes deutsches Vaterland.(Lebhafter anhaltender Beifall) Der Präsident überträgt den Vorsitz an den zweiten Vorsitzenden Fabrikbesitzer Brandts.(Beifall.) Es werden verschiedene Begrüßungstelegramme verlesen, darunter eines aus Crefeld, unterzeichnet Dechant Lefranc und Dr. med. Urfen. in welchem die nächste Generalversammlung in Crefeld willkommen geheißen wird,(das wr seinem Wortlaut nach bereits mitgetheilt haben. D. Red.). Folgender Redner ist der Reichstagsabgeordnete Pfarrer Gerstenberger, der über die Agrarfrage spricht. Es ist stets der Nuhm der Katholikentage gewesen, daß sie immer zur rechten Zeit auf die jeweiligen breunendsten Fragen des öffentlichen Lebens hingewiesen und für die bedrängtesten Stände theilnahmsvollste Fürsorge erweckt haben. Jetzt steh: die Nothlage der Landwirthschaft und des Bauernstandes im Vordergrund und es hat sich bereits unsere Kommiision mit der Frage befaßt. Landshut, die Hauptstadt des Landestheiles, welcher die Kornkammern Baierns enthalt, ist auch der Ort zur Frörterung dieser Frage. Der Bauernstand ist das Herz in Gesellschaftskörper, und alle haben ein Jnteresse an seiner Erhaltung. Es mag das Vorgehen gewisser bäuerlicher Kreise in Nord und Süd die Wohlgesinnten zurückstoßen, da sie übertriebene Forderungen stellen, unter gleichzeitiger Verhetzung anderer Stände, aber die Noth vieler Landwirthe ist nicht zu bestreiten. Gewisse Leute sollten allerbings das Dichterwort beherzigen: Der Bauer ist kein Spielzeug, da wahr uns Gott davor! Redner verbreitet sich über die Ursachen des Kiederganges der Landwirthschaft: Entwerthung von Grunz und Boden, Bodenverschuldung, Landflucht, Rückgang der Preise rc. Nach der letzten Berufszärlung umfasse die Land= wirthschaft nur noch 45 Prosent der Bevölkerung. Selbst das Zentrum mache man für den Rückgang der Landwirthichof: verantwortlich(Heiterkeit), und suche die Lederbose zu verdecken, die auch das Zentrum anhabe(Heiterkeit) Jm Uebrigen brauche er kein Wort zur Vertheidigung des Zentrums zu verlieren. Der preußische Landwirthschaftsminister habe unlängst gesagt: ein Landwirth, der nicht versteht, sich selbst zu helfen, her= nicht, ein Landwirth zu sein, nicht einmal ein Degtscher. Die Selbsthülte habe nun gewitz ihr Gatel, aber der Einzeln= könne sich nicht immer 2 heiren, vielmehr müsse die Organi= sation eintreten. Daher dinein in die Organisation der Berufsstände, auf christlicher Grundlage, die schon vom Bauernkönig Freihern v. Schorlemer=Alst, vom Abg. Meoder auf der Generalversammlung zu Würzburg und vonunserer Presse und unseren Soztalpolitikern empfohlen worden sei. Diese berufsständischen Oegamsationen, die sich über Kreise, Staaten und das Reich erstreckten müßten, könnten dem Landwirth auf die verschiedenste Weise nutzen, besonders auch durch Antheil= nahme an der Preisbildung der Produkte, die heute von der Börse diktirt werde. Diese Berufsorgamsationen müßten aber nicht wie die preutzischen Landwirthschaftskammern dekretirt werden, sondern müßten von Jnnen heraus wachsen und besonders die kleinen und mittlern Bauern unfassen. Durch Gesetze sei wenig zu machen. Der Bauer mißtraue der Bürean= kratie und der Staat, der als solcher nicht christlich sei, könne auch keine cheistlichen Organisationen schaffen. Bis aber die berufsständische Organisation durchgeführt sei, müßten die cheistlichen Bauernvereine gepflegt werden, ebenso Darlehns= kassen, dabei sei die Mithilfe des Klerus unentbehrlich, der die Verhältusse der Bauern genau kinne. Leider werde in gewessen begenden geflissentlich gegen den Klerus Mißtrauen genährt. Der Gemeinsinn müsse gepflegt werden. Habe doch schon der bl. Thomas von Aauin gesagt: Niemand kann wahrhaft aut sein, der nicht das Seinige beiträgt zum Gemeinwohl.(Lebh. Beifall) Kapuriner Guardian Auracher(äusterst stürmisch begrüßt) spricht über Klerus und soriale Frage. Zu Eingang seiner Rede betont er, daß er hier nicht wie vor der Generalversammlung rede, sondern vor dem gesammten katholischen Deutschland, und vor demselben will ich hier aus= sprechen: der Klerus hat das Recht und die Pflicht, sich um die soniale Frage zu kümmern. Das Richt wird von velen bestritten, zunächst von den radckalen Gegnern. Wem Religion menschliche Sache ist, der kann sie in die stille Kammer ver= weisen und die Priester in die Saktistei. Wem aber die Re= ligion göttliche Sache ist fur den ist Christus der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens(Stürmischer Berfall.) und seine Diener sind also auch im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens stehend. Jn sceiter Linie bestreiten das Recht des Klerus Leute, die ich als salsche Brüder bezeichnen möchte. Leute, die Zviespalt zwischen Klerus und Laten 1u stiften suchen. Und endlich drittens befürchten autmeinende Seelen, wir möchten durch die Beichöitigung mit der sorialen Frage unsere eigentliche priester= liche Pflicht vernachläisigen und den Wethrauchgeruch durch den Bestank der Jndustriestätten verlieren.(Lebhafter Befal) Wir Priester haben mit so vielem zu thun, daß uns das ruisige Gesicht des Arbeiters nicht befleckt.(Donnernder Beifall) Ein Priester kann ein guter Hirt sein und sich doch um soziale Fragen kümmern. Aber nicht das einielne Mitglied des Klerus, sondern der Klerus in seiner Gesammtheit bat das Recht und die Pflicht, sich mit der sonalen Frage zu beschäftigen. Wenn ich den bl. Vater fragen wurde, warum hast Du die herrliche Encpklika über die Arbeiter geschrieben? Er würde sagen, nicht als Privatmann habe ich's gethan, sondern als Stellvertreter Cbristi. Wenn ich den erbabenen Bischof Kettler fragen würde, warum dast Du die grotzen sorialen Gedanken gedachte er würde sagen: nicht aus Privatliebhaberei, sondern als Bischof, als Apostel, als Leuchte meines Klerus. Aber umer Recht ist auch begründet in dem Wesen der sotialen Frage. Man bat die soziale Frage als Magenfrage bezeichnet, um die die Priester sich nicht zu kümmern bätten. Jst es aber nicht unsere Pflicht, das Volk nicht verbungern zu lassen?(Lebbafter Beifall.) Cbristus hat, als er die Einsetzung des hl. Altarssakramentes vorber verkündigte, zuerst das hungernde Volk gesättigt und o die Magenfrage durch ein Wunder gelöst. Wunder können wir nicht wirken, aber wohl können wir dafür sorgen, daß die Meuschen zu ihrem ehrlichen täglichen Brod kommen.(Stürmischer Beifall) Aber die sonale Frage ist mehr als Magenfrage, ne ist Frage der christlichen Gerechtigkeit. Die Frage, ob der ein= zelne und ein ganzer Stand dem Kapitalismns rathlos gegen= überstehe oder nicht, ist eine rechtliche Frage, die aus dem göttlichen Recht hervorgeht. Wer soll das aber besser verkünden als der Klerus= Und wenn heute die Kirchen leer stehen, wenn wir nicht Pflastersteinen predigen wollen, dann münen wir dorthin gehen, wo die Leute sind, in die Vereine, und das göttliche Recht durch die Presse verkünden.(Stürmischer Beifall) Die soziale Frage ist eine Frage der christlichen Kultur. Auch hier hat der Klerus mitzuwirken. Für, die hristliche Kultur in es nicht gleichgültig, ob nur wenige Güter haben und Freibeit, und ganze Klassen ausgeschlossen sind. und ob der Stand der Arbeiter und der Bauern gehoben werden oder in nichts zurückfallen soll= Wir wollen nicht zurückkehren in die Barbarei des Heidenthums. Die sotiale Frage ist eine Frage der Seelsorge. Ein evangelischer Professor— es ist also keine Kapusinade— hat gesagt, daß die heutigen sozialen Zustände die erste Gelegenheit zur Sünde seien. Redner schildert in lebendigen Farben diese Zustände. Aufbesserung der sozialen Lage, materielle Unterstützung des Arbeiters führt ihn zurück zur Kirche. Wenn so mancher Arbeiter, der sein Jnneres mir eröffnet hatte und gerettet war, mir warm die Hand drückte und heiße Thränen von seinen Wangen rollten, da hätte mir einer sagen sollen, du hast kein Recht, dich um die soziale Frage zu kümmern.(Donnernder Bcifall) Redner führt sodann, aus, warum, gerade der Klerus besonders befugt und befähigt sei, sich mit der sozialen Frage zu befassen. Man sagt: wir verständen nichts davon, nun gut, dann wollen wir es lernen.(Heiterkeit und Beifall.) Daß sich so viele mit dieser Frage beschäftigen und noch so viel zu thun ist, ist ein Beweis, daß die Frage eben sehr schwierig ist. Der Priester besitzt zu ihrer Losung auch übernatürliche Mittel, diese müssen eintreten, wenn die natürlichen versagen. Auch ist der Klerus besonders befähigt, weil er noch einen festzusammenhaltenden Stand darstellt und einen wunderbaren Organismus hat, der in die Welt paßt. Ein Organismus vom Oberhaupt bis zum letzten Dorskaplan, ja bis zum Kapuziner. Aber da kommen die Gegner und sagen: ihr seid, Hetzkapläne, oben sieht, man, es nicht gern!(Heiterkeit.) Aber die Bischöfe und der Papst, alle sind auf das Wohl bedacht. Noch jüngst hat der h. Vater dem Priester, der die französilchen Arbeiterpilger begleitete, ge= sagt. es freue ihn besonders, ihn an der Seite von Arbeitern zu sehen(Hört!) nicht nur wegen der geistigen, sondern auch der materiellen Jnteressen der Arbeiter. Aber er bemerkte, es sei noch nicht alles gethan! Darum stehen wir für unser Volk ein und für den Aermsten desselben, den Arbeiter. Hoffen und beten wir, daß die todtwunde Gesellschaft die Zeit erkenne, und die rettende Hand ergreife. Donnernder, minutenlang anhaltender Beifall, welcher nicht eher endet, als bis der Redner, welcher sich sofort zurückgezogen hatte, wieder auf der Tribüne erscheint Der zweite Vizepräsident Brandts bittet um Ver zeihung, wenn er eine Ausnahme mache und dem Redner hier vor der Versammlung seinen herrlichen Dank für die berrlichen Worte ausspreche.(Die Versammlung bricht in stürmische Hoch= und Beifallsrufe aus.) Der Vizepräsident theilt weiter mit. daß aus Coblenz ein Antwort schreiben des Kaisers auf das Huldigungstelegramm der Versammlung eingelaufen sei. Dasselbe lautet „Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, Lands hut. Se. Maj. der Kaiser und König haben allerhöchst sich gefreut, gelegentlich allerhöchst ihres Aufenthalts in der Rheinprovinz den Ergebenheitsgruß der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu erhalten und lassen der Ver= sammlung für diese Anfmersamkeit berzlich danken. Auf aller= höchsten Befehl: Lucanus.“ Vorsitzender Brandts:„Unser Kaiser in getragen vom Eifer für alles Erhabene und Jdeale. Jm Anschluß an die Worte des hochw. Herrn Paters möchte ich sagen Unser Kaiser ist ein sorialer Kaiser, ein Kaiser, der die Februar=Erlasse von 1800 aav. Jch fordere Sie auf, mit mir in ein dreimaliges Hoch auf Se. Maj. den Kaiser einzustimmen!"(Die Versammlung stimmt dreimal begeistert in das Hoch ein.) Hiermit wird die Versammlung geschlossen. (Privattelegramm der„Niederrhein. Volksrta.") VIII. □ Landshut, 1. Sept. Heute war das Wetter wieder sehr schön. Der Tag begann mit einem Requiem für die verstorbenen Mitglieder der früheren Versammlungen in Seligenthal. Um 10 Uhr hielten die Mitalieder des katholischen Lehrervereins eine aut besuchte Versammlung im Rath haussaale ab. Um 11 Uhr begann die dritte geschlossene Versammlung. Auf Antrag des Fürsten Löwenstein wurde dieser ermächtigt, den bestens bekannten Schriftsteller Theodor Palatinus aufzufordern, eine historisch=kritische Ge schichte der Generalversammlungen in der Weise seines früheren Werkes zu schreiben. Es wurde eine Anzahl Resolutionen angenommen, worin die Gründung pädagogischer Konferenzen seitens des Klerus dankbar begrüßt und Fortsetzung und Ausbau dieses Werkes empfohlen wird. Ferner wird empfohlen die Unterstützung und Förderung des Albrecht Dürer= Vereins in München zur Weckung und Pflege des Jnteresses an der selbstständig schaffenden christlichen Kunst weiter Aufklärung des Volkes über Schriften und Zeitungen, die von der religios sittlichen Seite zu beleuchten sind, Ein richtung guter Bibliotheken, Schenkung guter Unterhaltungs lektüre an Dienstboten u. s. w. Ferner wird aufmerksam gemacht auf die Pflicht der Familienväter, Eltern u. s. w., die Unterhaltungsleküre ihrer Angehörigen zu überwachen, sowie auf die Pflicht aller Katholiken, schlechte Unter= haltungslektüre zu verbannen und in den Lesesälen der Gastböfe, Badeorte u. s. w. für Auflegung katholischer illustrirter Zeitschriften zu sorgen und die Presse vor zu zahlreichen Mittheilungen über Verbrechen und Skandal geschichten gewarnt. Weitere Resolutionen betreffen die Sonntagsfeier und Sonntagsruhe für Beamte bei der Post und Eifenbahn, im Heer und der Marine. ferner den Zwei kampf, die Förderung der Mäßigkeitsbestrebungen, besonders in katholischen Vereinen; sodann wurde die Kölner Resolution von 1894, betreffend die Agrarfrage, mit einem Zusatz, welcher die Bildung und Gründung von Bauernvereinen auf christlicher Grundlag“ und Bildung von landwirthschaftlichen Genossenschafteninbesondere kündbaren Darlehnskassen empfiehlt, einstimmig angenommen, nachdem Frhr. v. Ketteler=Harkotten und Pichler darüber gesprochen hatten. Ersterer hätte die Aufnahme einer Forderung gesetzlicher mittlerer Getreide= preise gewünscht, verzichtete aber im Interesse der Einigkeit letzterer bezeichnete eine solche Forderung als unausführbar Angenommen wurde ferner ein Antrag, der dem Zentrum Dank und Anerkennung für seine Haltung in der Agrarfrage ausspricht und sich zu den rundsätzen der päpstlichen Enzyklika rerum novarum und den kaiserlichen Februarerlassen bekennt, sowie ein Antrag auf Gründung und Förderung katholischer Arbeitervereine. Es wurde eine Resolution angenommen, welche dem hl. Vater den Wunsch ausspricht, zu sorgen, daß in den Vereinigten Staaten von Nordamerika für deutsche Auswanderer die bereits bestehenden deutschen Pfarreien als solche erhalten bleiben. Endlich wird die Befreiung der Orden von den gesetzlichen Fesseln gefordert, damit sie sich ganz der sozialen Frage widmen können. □ Landshut, 1. Sept. Die dritte öffentliche Versammlung wurde um 5 Uhr eröffnet. Derselben wohnten der Erzbischof von Bamberg und der Regierungspräsident v. Fuchs=Biembach bei. Der Erzbischof, stürmisch empfangen, dankt für die Einladung und spricht seine Freude aus über diese ein gehende Kundgebung katholischen Lebens und Glaubens. Die Katholikenversammlung sei gleichsam der Grund und das Feld, auf dem den Prinzipien eines starken katholischen Glaubens auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Ausdruck gegeben werbe. Er kanke der Stadt Landshut, von der er1 sehe, daß sie eine gut katkolische Stadt sei und er freue sich, daß der Geist des seligen Canisius hier noch fortlebe. Die Versammlung wolle arbeiten; das sei nur möglich in und mit Gott. Er komme aus den Bergen, Dort wachse auf Felsen in Stürmen feststehend das Edelweiß. Edelweiß solle auch blühen unter uns, das festhält an dem Felsen, ob auch die Stürme brausen oder im Thal die linden Lüfte schmeicheln, das festhält an dem Felsen, auf den der Herr seine Kirche gebaut. Mit dem Statthalter Christi wollen wir arbeiten, der in seinen Encykliken für alle Gebiete einen Wegweiser gesetzt. Möge das Werk der Katholikenversammlung gelingen und Wahrheit und Liebe herrschen und der Segen Gottes über ihr walten! Er habe für sie gebetet und werde für sie in den nächsten Tagen das heilige Opfer darbringen.(Beisall) Alle müßten arbeiten und jeder an seiner Stelle den hier vertretenen Prinz pien wärmste Geltung verschaffen; dann werde es wahr werden, was auch von Christus gesagt sei: transiit benefaciendo. (Stürmischer Beifall.) Vizepräsident Frhr. v. Aufseß dankt dem Herrn Erz= bischof und verspricht Namens der Versammlung Befolgung seiner Worte. Geistlicher Rath Starklauf=Nürnberg spricht hierauf über Missionen und Bonisatiusvereine. Redner schilderte die Aufgaben und Ziele des Bonisatiusvereins und die Lage der Katholiken in der Diaspora, besonders in Nürnberg, und mahnte, den Verein zu unterstützen, da die Ansprüche immer größer würden.(Beifall.) Abg. Groeber, stürmisch begrüßt, spricht über das Bürgerliche Gesetzbuch. Er fürchte, die Versammlung zu enttäuschen, er ziehe in den Versammlungen gerne vom Leder(Heiterkeit), aber er rede nicht gerne über ein ledernes Thema(Heiterkeit), und in ganz Deutschland gebe es nichts Ledernes, als das Bürgerliche Ge= setzbuch(Heiterkeit). Er wolle sprechen über die soziale Bedeu= tung des Gesetzbuches für den Mittelstand in der Landwirth schaft. Die noch geltenden großen Gesetzbücher aus dem vorigen und diesem Jahrhundert seien Erzeugnisse eines absolutistischen Standes. Am dem Bürgerlichen Gesetzbuche haben der Reichs= tag und katholische Abgeordnete mitgearbeitet.(Beifall.) Ein forderten die Verhältnisse, die bisherige Zer= splitterung sei unerträglich gewesen. Man habe das Beste ge= leistet, was unsere Zeit leisten könne. Redner schildert die Vor= geschichte des Gesetzbuches, an dem 23 Jahre gearbeitet worden set. Entspreche der Jnhalt dem Aufwande an Zeit und Arbeit? Jnsbesondere frage er, ob die Jnteressen des Mittelstandes be= rücksichtigt seien. Aus den verschiedenen Gesetzbüchern sei das Gute genommen worden, man habe nicht den preußischen Helm auf gan= Deutschland gesetzt. Das Geletzbuch enthalte ein wichtiges Stück Agrarrecht und eine gute Grundlage, worauf weiter gebaut werden könne. Hervorzuheben sei die Einführung der Renten= schuld. Die von der Landwirthschaft längst geforderte Schuld soll ablösbar und unkündbar sein. Die Forderung des rbei= nischen Bauernvereins, daß die Rentenschuld obligatorisch sein und die Hypothekenschuld aufhören solle, gehe zu weit und untergrabe den Kredit. Ein weiterer Vorzug des Gesetzbuches sei, daß die Abfindung bei Erbgang nach dem Ertragswerthe berechnet werden könne. Dies sei für den Uebernehmer des Gutes von großem Wertbe. Die Regelung der Sache sei einsach, man konne im Testamente, darüber, Bestimmung treffen und jedes eigenhändige Testament sei giltig. Die vielen Kosten, Formeln und Umstände fielen weg. Man moge also von dem erwahnten Rechte fleißig Gebrauch machen. Jm Uebrigen sei das Agrarrecht der Landesgesetzgebung überlassen. Diese Materie könne man bei den verschiedenen Verhältnissen ein= beitlich regeln. Jn Baiern und Schwaben würde man sich für das Agrarrecht Ostelbiens bedanken. Ein unbe schränktes Vrivat= und Eigenthumkrecht erkenne das Gesetzbuch nicht an. Es biete die Möglichkeit, einem Mißbrauch entgegen= zutreten: das sei ein recht christlicher Gedanke. Das Christen= thum gehe von dem Gedanken aus, daß ein Recht ein Amt sei, wovon man Rechenschaft ablegen müsse.(Beifall.) Jm Gesetz= buch sei bestimmt, daß keiner seine Rechte gebrauchen dürfe, um anderen zu schaden, z. B. die Fenster zu verbauen, das Wasser abzugraben, dies sei auf Antraz des Zentrums bestimmt, ebenso, daß keine Handlung, die gegen die guten Sitten ver= stoße, erlaubt sei, auch wenn der Handelnde ein formales Recht habe.(Betfall) Ferner sei der gesetzliche Zinstutz von 5 bis 1 Proj. herabgesetzt; das bedeute eine große Erleichterung für den Schwachen, und habe nach verschiedenen Richtungen Kon= sequenzen, die ebenfalls Erleichterungen enthielten. Bezüglich der Konventionalstrafe trete das Gesetzbuch der unbeschränkten Betrags= fretheit entgegen und gestatte eine gerichtliche Milderung allzu= boher Konventionalstrafen. Gegen den Wucher sei das Zentrum stets aufgetreten. Von den Liberalen, unter Führung des Jsraeliten Lasar, sei die Wucherfreiheit eingeführt; wer diese wolle, sei, ob mit oder ohne Absicht ein Freund der Wucherer. (Lebhafter Beifall) Besonders Peter Reichensperger sei stets für Gesetze gegen den Wucher eingetreten. Das Gesetzbuch bestimme auf Antrag des Zentrums, daß alle Wucherverträge null und nichtig sein sollen.(Lebhafter Beifall) Jetzt werde der Richter in der Lage sein, gegen jeden Wucher. er heiße wie er wolle, einzuschreiten.(Lebhafter Beifall.) Ferner sei das Differenzgeschaft als bloßes Spiel nicht klagbar, Verträge über Eigenthumsübertragung bedürfen einer besonderen Form, damit keine Uebereilung stattfindet. Der Wildschaden, der theils gar nicht, theils ungenügend bisher geregelt war, sei im Gesetzbuch besser geordnet, doch sei es dem Zentrun, Dank den Konser vativen, nicht gelungen, alle seine Wünsche durchzusetzen. Es sei übrigens möglich, den Ersatz des Hasenschadens, den die Konservativen verhinderten, noch durch ein Landesgesetz einzu= führen. Das Gesetzbuch enthalte also eine Reihe Fortschritte, auch für den Mittelstand in der Landwirthschaft. Wegen ihrer habe das Zentrum das Gesetzbuch nicht ablehnen dürfen, weil es nicht alles erreicht habe; es könne ja weiter gearbeitet werden auf der gegebenen Grundlage. Vor allem komme es nun auf die praktische Handhabung an, damit es in dem Geiste, in dem es gegeben sei, zur Geltung komme. Der christliche Geist müsse in der Anwendung walten zum Heile des Volkes. (Beifall.) Bei einer noch mehr kastenmäßigen Absperrung des Richterstandes, wie es der Assessorenparagraph wollte, würde das Gesetzbuch statt zum Segen zum Fluch werden.(Lebhafter Beifall) Die Katholiken hätten mitzuwirken, daß die christlichen Grundsätze gesichert werden und zur Geltung kommen in Praxis und Wissenschaft.(Stürmischer Beifall) Der Präsident empfiehlt, die diede, die wegen der beschränkten Zeit gekürzt werden mußte, separat drucken zu lassen.(Beifall.) Schlecht spricht über die christliche Kunst. Die größten Feinde der wahren Kunst seien der Naturalis= mus und der Jndinerentismus. Das Studium der Natur sei nothwendig, auch wenn Uebernaturliches und Geistiges zu schildern sei, aber jetzt werde der menschliche Leib fast aus= schließlich der Darstellung würdig erachtet und die höchste Schönheit in der Nacktheit gesucht. Aber die sittliche Schön= heit sei doch die höhere(Beifall), denn der Naturalismus könne kein wahres christliches Kunstwerk schaffen. Wir müßten uns dagegen verwahren, daß man uns irgend eine beliebige Modell= steherin als Gottesmutter, irgend einen beliebigen Vagabunden als Apostel, einen Verbrecher als Christus darstelle.(Großer Beisall Reichsrathsmitglied Kern Linz sprach über die Schul= frage, speziell in Oesterreich. Redner betonte zunächst die Wichtigkeit der Erziehung und das Recht der Kirche auf die Schule. Das österreichische Schulgesetz spreche dem Staate das gesammte Schulaufsichts= recht zu. Auch den Religionsunterricht zu beaufsichtigen und alles Nähere zu bestimmen, maße sich der Staat an. Lange verlangte man drei Religionsstunden wöchentlich, ohne es bisher zu erreichen. Die Kruzifire seien aus zahlreichen Schulen entfernt, das heilige Kreuzzeichen und das Ave Maria seien untersagt wegen der Juden und Protestanten. Auch Juden könnten katholische Kinder erziehen. Gegen, ein solches Gesetz kämpften die Katholiken an. Traurige Folgen habe es gehabt, wenn es auch, Dank den Lehrern, die katholisch geblieben, nicht so schlimm sei, wie man nach dem Buchstaben des Gesetzes annehmen sollte.(Beifall.) Das Gesetz sei auch aus Rücksicht auf die Bevölkerung nicht überall streng durchgeführt. Viele Lehrer seien kirchenfeindlich, ja, sie hätten sich offen zur Sozialdemokratie bekannt, besonders, jüngere Lehrer. Jn manchen Kombinationen seien fast alle Lehrer Sozialdemokraten. Zur Kennzeichnung des im Lehrer= stande herrschenden Geistes führt Redner Verschiedenes aus Fachzeitschriften an. Solche Lehrer mußten wir bekampfen, das sei ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kampf um das Christen= thum.(Lebhafter Beifall.) Schwer begreiflich sei, wie die Regierung schweigend diesem Treiben zuschaue und nichts thue, daß ein anderer Geist in die Lehrerschaft komme. Es zeige sich, daß der Stand sich nicht eigne zum Erzieher; er sei der schlimmste Erzieher(Zustimmung), die Erfolge der Erziehung durch solche Lehrer zeigten sich überall. Die jungen Leute liefen der Sozialdemokratie zu; den Kindern werde Eigendünkel, Hochmuth, Verachtung der Autoritat rc. eingeflößt. Die Lehrer= zeitungen selbst gäben die Verrohung der Jugend zu und ver= langten Zwangsanstalten. Diese brauche man nicht, sondern christliche Schulen.(Lebhafter Beifall) Die Verbrechen nähmen zu. Leider werde man zu konfessionellen Schulen so bald noch nicht kommen, aber man werde und müsse für sie kämpfen. Die Katholiken Deutschlands möchten die Kämpfer mit ihren Sym= pathien beglücken und ihre konfessionellen Schulen erhalten, damit man diese in Oesterreich als Beispiel hinstellen könne. Der gemeinsame Schlachtruf muß sein: Katholische Schulen für katholische Kinder!(Stürmischer Beifall) Der Präsident sagt die erbetene Unterstützung zu und bittet um diejenige der österreichischen Katholiken.(Beifall.) Morgen sprechen Dr. Lieber über die soziale Thätigkeit der deutschen Katholiken in den letzten Jahren, Pfarrer Ley über das hl. Land, Baron Morsen aus Steyermark uver katholische Einheit. Amtliches. Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Kreis=Bauinspektor a. D., Baurath Radhoff zu Geldern den Königlichen Kronen=Orden dritter Klasse, dem katholischen Hauptlehrer Bünina zu Gindorf im Kreise Grevenbroich den Adler der Jnhaber desselben Ordens, dem Sandformer Wilhelm Keitler zu Sterkrade im Kreise Ruhrort das Allgemeine Ehrenzeichen, sowie den Lehrern Wilhelm Bredack und Wilhelm Berger zu Oettershagen im Kreise Waldbröl die Rettungs=Medaille am Bande zu verleihen. Deutschland. : Berlin 1. Sept. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ reproduzirt nachstehende Berliner Meldung aus der „Münchener Allg. Zig.“, wobei die„Nordd. Allg. Ztg.“ dieselbe als zuverlässig bezeichnet:„Frhr. v. Marschall begab sich am 28. August nach dem Gute Neuershausen in Baden zurück und hatte mehrfach in Berlin mit dem Botschafter v. Bülow Verkehr. Er bat und erhielt zu seiner völligen Wiederherstellung einen 2monatlichen achurlaub. Es ist zweisellos, daß v. Bulow noch im Laufe des Oktober definitivzum Staatssekretar errannt wird und v. Marschall einen Auslandsposten erhält.“ — Wie der„Voss. Ztg.“ drahtlich aus London gemeldet wird, ist der„Times" folgende Drahtmeldung aus Petersdurg zugangen:„Ein deutscher Matrose der einen Russen im öffentlichen Garten zu Petersburg während der Anwesenheit des Kaisers erstochen hatte, wurde vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilt und erschossen, sobald das deutsche Geschwader die russischen Gewässer verlassen hatte." Von einem derartigen Vorfall ist bisher nichts bekannt geworden; man wird also erst die Be stätigung und genaueren Bericht über den thatsächlichen Hergang des Vorfalles abwarten müssen. Niederlande. Amsterdam, 1. Sept. Gestern hat die nieder ländische Königin Wilhelmina ihr 17. Lebensjahr vollendet, und wie stets wurde dieser Tag in der herkömrt lichen Weise durch Beflaggung von öffentlichen, und Privatgebäuden, sowie durch Abhaltung von Paraden, dann aber auch durch den Wegfall der Polizeistunde für die Wirthschaften gefeiert. Der diesjährige Geburtstag ging aber in verhältnißmäßiger Stille vorbei, da jetzt schon die Vorbereitungen, die für die Feier des 31. August 1898, den Tag der Volljährigkeit, getroffen werden, das allge= meine Jnteresse vollauf in Anspruch nehmen. Frantreich. Paris, 1. Sept. Bei seiner gestrigen Ankunft in Dünkirchen richtete Präsident„aure folgendes Tele gramm an den Kaiser von Rußland nach dem Hoflager bei Warschau:„on dem Augenblicke, wo ich den Boden Frankreichs betrete, gilt mein erster Gedanke Ew. Majestät, Jhrer Majestät der Kaiserin und dem gesammten russischen Volke. Der glanzende und herzliche Empfang, welcher dem Jrasidenten der Republik bereitet wurde, ruft in ganz Frankreich ein Gefühl der Bewegung und Freude hervor und wird in unsern Herzen eine unauslöschliche Erinnerung zurücklassen. Ich bitte Ew. Majestät, auf's Neue den Ausdruck meines Dankes und die Wünsche entgegen zu nehmen, welche ich für Jhr Wohlergehen und dasjenige der Kaiserin und der kaiserlichen Familie, sowie für die Große und Wohlfahrt Rußlands hege. Felix Faure."— Kaiser Nikolaus II. sandte noch gestern Abend aus dem Lazenky Palast bei Warschau folgende telegraphische Antwort an den Prasiventen Faure nach Paris:„Die Kaiserin und Ich sind Jhnen sehr dankbar für die freundlichen Worte, welche Sie Uns soeben zugehen ließen. Mit Vergnügen werde Jch die Erinnerung an den Besuch bewahren, welche der Prasident der Republik Rußland abgestattet hat, dessen Herzen wieder ein Mal im Einklang mit denjenigen Frank reichs geschlagen haben. Nikolaus."— Jm heutigen Ministerrath wurde beschlossen, zahlreiche von den Zivilund Militärgerichten Verurtheilte anläßlich der Reise des Präsidenten Faure nach Rußland zu begnadigen. Nach dem Ministerrath reiste der Präsident nach Havte ab. Paris, 1. Sept. Der heutige Ministerrath be schloß zahlreiche von den bürgerlichen und den militärischen Gerichten Verurtheilte anläßlich, der Reise des Präsidenten Faure nach Rußland zu beanadiaen— Nach der Sitzung des Ministerraths reiste der Präsident nach Havre ab. Havre, 1. Sept. Präsident Faure traf kurz nach 5 Uhr hier ein. Der Empfang war sehr herzlich. Italien. *Mailand, 30. Aug. Die erste Generalversammlung des 15. ttalienischen Katholikentages kand heute Morgen in der St. Angelo=Kirche statt. Die weite, einschiffige Kirche ist dicht mit Zuhörern besetzt. Die Kirche ist reich, aber ernst geschmückt. An den Wänden hängen die Fahnen der fünfzehn Städte, in denen bisher, von 1874 an, die italienischen Katho= likentage stattgefunden haben. Jm Presbyterium ist die Tribüne für den Vorsitz und den Episkopat, sowie die Redner= Tribüne errichtet. Jm Hintergrunde, an der Stelle des nun verdeckten Altars, befindet sich das Bild des hl. Vaters. Um 9 Uhr 40 Minuten betritt der Kardinal Ferrari mit dem Episkopat das Presbyterium. Dort haben schon die Vertreter der Bischöfe und andere hervorragende Persönlichkeiten Platz genommen. Rechts, am Präsidententische, sitzt der Präsident des permanenten Komitees der Katholikentage, der rührige Venediger Advokat Conte Pagunuzzi und der wirkliche Präsident des Katholikentages, Marquis Lorenzo Bottini aus Lucca. Links, am Schriftführertische, sitzt mit anderen der ge= schätzte katholische Publizist Prof. Nicola Reuara aus Bergamo, Sekretär des Katholikentages. Kardinal Ferrari, Ehren präsident des Katholikentages, ergreift das Wort. Die Katho= likentage bezwecken, Männer heranzubilden, Christus in die Familie, in die Gesellschaft hineinzutragen. Christus ist kein Usurpator, non eripit mortalia, qui regna dat coelestia Unser Beispiel ist der hl. Ambrosius, in ihm ist die Anhäng= Geheimnisse— die Kinder der Finsterniß mögen sich in Schatten hüllen. Wir suchen, was zu seinen Zeiten der hl. Ambrosius gesucht hat: die Freiheit, nach der er in allen Unternehmungen strebte. Man wird auch uns, wie ihn, Eindringlinge nennen. Wo Christus nicht hindringt, dringt Satan, der Jrrthum, die Zügellosigkeit. Wir wollen, daß Christus wieder an den Platz gestellt werde, von welchem ihn die geheimen Gesellschaften vertrieben haben. Wir wollen Freiheit im Unterrichte, Freiheit der Kirche, Freiheit und Unabhängigkeit des heil. Stuhles Politik! wird man uns entgegenrufen. Jch könnte antworten: wir verlieren, obwohl Priester, die politischen Rechte nicht. ebenso wie man uns die Pflichten nicht abgenommen hat. Wenn die Religion in die Politik sich einmischt, so in es doch auch wahr, daß die Politik das religiöse Feld betritt. Anderseits werfen uns gerade Diejenigen Politik vor, die, wenn es ihnen paßt, aus uns lauter politische Wahl=Agitatoren machen möchten das, was wi thun, Politik ist, will ich nicht untersuchen: jedenfalls ist es die Sache Gottes. Unsere Waffen sind die Waffen des Geistes, Gebet. Arbeit, Opfer, und Einheit ist das Geheimniß unseres Sieges.(Beifall.)— Conte Paganuszi und Marquis Bottini begrüßten den Katholiken=Tag.— Nach Verlesung der eingelaufenen Schreiben von Kardinälen und Bischöfen sprach Conte di Mojana Präsident des vorjährigen Kongresses, über das Thema: Das Papstthum und Italien. Sie seien untrennbar. Quod conjunxit homo non separet. Christus sandte seine Apostel nach Jtalien, und die Kaiser zogen sich nach Konstan= tinopel zurück. Der Tempel stürzte, das Kaiserthum stürzte das Kreuz leuchtet vom Vatikan. Das Rom der Päpste thront auf der Asche des kaiserlichen Rom's, und der ägyptische Obelisk, älter vielleicht als Moses, war schon seit Jahrtausenden be= reitet, das Kreuz zu tragen und die Jnschrift: Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat. Graf de Maistre be= handelt in seinem Buche„Le Pape" den Punkt: Der Papst und die Unabhängigkeit Jtaliens. Die Frage der Unabhängigkeit Jtaliens, sagt er, von der Herrschaft der Deutschen ist die be= deutendste; sie war es schon in alten Zeiten, als sich, sagt Voltaire, die Jtaliener dem Kaiserreich widersetzten, das trotz seiner Titel weder heilig, noch Kaiserthum, noch römisch war. Als Julius II. als Sieger in Rom einzieht, ruft er aus: Hinaus mit den Fremden! Der letzte Zug im Sozialismus sei die Unabhängigkeit, im Nihilismus die Verzweiflung angesichts des auferlegten Massen=Selbstmordes. Das Papstthum trete für die Unabhängigkeit unter Gott ein: tibi soli peccavi, tibi soli eerviam Das Papstthum müsse aber selbst unabhängig sein. Das Papstthum und Jtalien seien im Wunsch nach Un= abhangigkeit einig, die Freimaurerei wolle sie beide ketten. Das Papstthum von Jtalien und der Welt unabhängig, Jtalien frei von Fremden, das sei die Lösung der sozialen Frage. Vom Grabe des h. Ambrosius, der gesagt habe: Imperator intra Ecclesiam, non aupra Ecclesiam est; ubi Petrus. ibi Ecclesia, ubi Ecclesia. nulla mors, set vita aeterna, wünschen wir es. Die Rede wurde mu stürmischen Beifall aufgenommen. Trotz der zündenden Phrasen ist sie aber etwas unklar.— Erzbischof Pampirio von Vercelli brachte den Gruß Viemonts Bischof Corna=Pellegrini theilte mit, daß die RitenKongregation die Verhandlungen für die Seligsprechung des ehrw. Luzzazo, des Musters der katholischen Arbeit im Laien= stande, beginnen werde.— Nach Verlesung eines einschlägigen Telegramms an Kardinal Parocchi las Kardinal Ferrari das eingetroffene Breve des h. Vaters, das stehend angehört und mit Beifall aufgenommen wurde. Nach Annahme eines Huldigungs=Telegramms an Se. Heiligkeit wurde die Ver= sammlung um 12½ Uhr geschlossen. An der Versammlung nahmen laut„Köln. Volkszto“ 22 Bischöfe und 3000 Zuhörer theil. Rußland. Petersburg, 1. Sept. Dem Zarenbesuche in Warschau wird hier, wie man der„Polit. Korr.“ von dort berichtet, allgemein besondere Bedeutung beigelegt. Man betont, daß dieser Besuch geradezu den Zweck verfolge, die Politik der Aussöhnung zwischen Russen und Volen zu fördern. Die immer zahlreicher werdenden An= hänger dieser Bestrebungen, welche vom Zaren entschieden begünstigt werden, versprechen sich von dem mehrtägigen Verweilen des Herrschers in Warschau sehr nachhaltige Wirkungen in dieser Richtung. Türlei. Konstantinopel, 1. Sept. Die gestrige Illumination ist durchaus ruhig und ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Auf einen Glückwunsch, welchen Edhem Pascha Namens der thessalischen Armee dem Sultan„um Thron= besteigungsfest gesandt, antwortete dieser, daß er während seiner zwanzigjährigen Regierungszeit noch niemals so glücklich gewesen, als jetzt. Gleichzeitig dankte der Groß= herr der Armee für die durch ihre Tapferkeit errungenen Erfolge.— Diese Depesche des Sultans rief große Begeisterung hervor. Asien. Simla, 1. Sept. Der Posten Gazarbund in Beludschistan, welcher durch eingeborene Truppen besetzt war, wurde in der Nacht des 29. v. M. angegriffen. Die Mannschaften der Besatzung, sowie andere Personen wurden getodtet. Der politische Agent verfolgt die Streitmacht, welche den Posten überfallen hat, mit Kavallerie. * Breblau, 1. Sept. Die hiesige Strofkammer verurtbeilte die beiden Rechtskandidaten v. Amrogowicz und Philippsthal wegen Zweikampfes mit tödtlichen Waffen zu je sechs Monaten Festung. Die Veranlassung des unblutig verlanfenen Pistolenduells bildete ein in Thätlichkeiten ausgearteter Streit n einem hiesigen Café. Rheinland und Westfalen. X(X( Pischeln. 1. Sept. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ist der Neupriester Herr Hh. Pauen von hier, über dessen Primizfeier wir kürzlich berichteten, vom Herrn Erzbischof zum Kaplan an St. Johann Baptist in Barmen ernannt worden.— Von einem betrübenden Unglücksfalle wurde beute Nachmittag eine hiesige Familie heimgesucht: der elfjährige Sohn hantirte in der oberen Etage der Scheune des Nachbar= hofes(Sch.... an der Clemensstraße) und stürzte von da kopfüber in die Tiefe. Der Arit konstatirte einen schlimmen Schädelbruch und so gefährliche Verletzungen, daß wohl keine Hoffnung auf Erhaltung des Lebens mehr gehegt werden kann. (*) St. Tönis, 1. Sept. Am verflossenen Sonntag ver= anstaltete der hiesige Brieftauben=Verein ein Preis=Wettfliegen, an welchem sich 59 Tauben betheiligten, die in zwei Gruppen prämiirt wurden. Die Tauben wurden in Neuen= kirchen in Hefsen=Nassau aufgelassen. 1. Gruppe: Jean Heyer, Vereins=Ehrenpreis, 1. Preis: Wilh. Schuten, 2. Preis: Jak. Ortmanns, 3. Preis: Depeß, 4. Preis: Fander, 5. Preis: Busch C., 6. Preis: Schüten, 7. Preis: Fander R. 8. Preis: Schmitz, 9. Preis: Fander R, 10. Preis: Fander R., 11. Preis: Jakob Boves, 2. Gruppe: 1. Preis: Jakob Boves, 2. Preis: Jakob Boves, 3. Preis: Horst, 4. Preis: Konnes, 5. Preis: Fander R. d. Preis: Konnes, 7. Preis: Jakob Boves. ( Kaldenkirchen, 1. Sept. Gestern Abend entstand in einem in der Juisstraße liegenden Hause Feuer, das sich großer Schnelligkeit über das ganze Dach verbreitete. Die schon zur Rube gegangenen Kinder konnten noch mit genauer Koth gerettet werden. Eine Ziege verbrannte. Haus und Nobiliar sind versichert.— Herr W. Büsges von hier hat heute seine Vaterstadt verlassen und sich nach dem Kloster Blyenbeek begeben, um daselbst in den Orden der Gesellschaft Jesu einzutreten. * M.=Gladbach, 1. Sept. Die Zuckerindustrie am Niederrhein liegt im Allgemeinen gegenwärtig sehr da= nieder. Ueber dieselbe äußert sich der Jahresbericht der hiesigen Handelskammer dahin, daß die im vorigen Jahre durch den Aufstand in Kuba erhoffte Preissteigerung nicht eingetroffen in. Jm Gegentheil sind die Zuckerpreise auf einen Tiefstand gesunken wie nie zuvor. Dazu sind auch wenig Aussichten auf Besserung vorhanden, um so weniger, als das neue Zucker= z so unglücklich als möglich ausgefallen ist. Dasselbe erklärt in der Zuckerindustrie den Kampf aller gegen alle. Der Landwirthschaft sind für Zuckerrüben höhere Preise gezahlt worden, so daß diese bei einer guten Ernte noch zufriedenstellend abschließt Wesel. 1. Sept. Die Liste der stimmfähigen Bürger weist gegen die vorjährige Bürgerl ste eine nur un= erhebliche Verschiebung auf. Zur ersten Abtheilung gehören 51 Personen, zur iweiten 208. zur dritten 1341. Der letzte Wähler der ersten Abtheilung zahlt an direkten Steuern 897,25 M., der letzte Wahler der zweiten Abtheilung 236 M. Jm ver= flossenen Jahre bestand die erste Abtheilung aus 51, die zweite aus 200 und die dritte aus 1310 Wahlberechtigten; die untere Steuergrenze war bei 877.80 M.(erste Abtheilung) bezw 211.66 M.(zweite Abtheilung) Pulsdurg. 1. Sept. Wie wir vernehmen, ist Herr Kaplan Gunsthövel aus Meiderich zum Nektor der in Hochfeld neu errichteten St. Petri=Kirche ernannt worden. Herr Kaplan Eickelmann von der St. Bonifatiuskirche in Hoch= feld ist zum Kaplan an der Pfarrkirche in Buer versetzt. Dessen innegehabte 3. Kaplanstelle ist dem Seminarpriester Johann Janssen von Geldern übertragen. X Meiderich. 2 Sept. Hier wurde ein achtjähriger Knabe, anscheinend das Kind einer umherziehenden Korb= machersamiie, aufgegriffen. Derselbe ist 83em groß, hat blondes Haar und niedrige Stirn. Er weiß seinen Vornamen nur mit Veter anzugeben, will öfters mit seinen Eltern in Crefeld gewesen sein und auch eine Tante hier wohnen haben Osterfeld, 1. Sept. Die bekannten Vorfälle auf der Zeche Osterfeld hatten heute ein Nachspiel vor dem Berg=Gewerbe= gericht in Recklinghausen. Dem Ausschußmitglied des christ= lichen Gewerkvereins Schäfer aus Fuhlenbruch bei Bottrop war die Seilfahrt, widerrechtlich verweigert worden. Die Spruch= kammer des Berg=Gewerbegerichts verurtheilte die Zeche, dem Bergmann Schäfer die Schicht mit N. 4.39 zu bezahlen und die Kosten des Verfahrens zu tragen. Damit ist für die Berg= arbeiter eine wichtige Endscheidung getroffen. Jnfolge der er= hobenen Klage war, wie die„Kln. Blksta" schreibt. Schäfer seitens der Zeche gekündigt worden; die Verwaltung hat aber diese, wie auch die anderen Kündigungen zurückgenommen, als die Maßregelung der Ausschußmitglieder des Gewerk=Vereins einen Aussland herbeinuführen drohte, der bekanntlich glücklicher Weise vermieden wurde. * Elberfeld, 1. Sept. Minister Thielen, dessen Trauung am Donnerstag stattfindet, 18 gestern hier eingetronen und besuchte in den Krankenhäusern die bei dem Vohwinkeler Eisenbahnunglück Verletzten. *Coblenz. 1. Sept. Während des gestrigen Feuerwerks gerieth durch herabfallende Feuerwerkskorper der prachtvolle Kaiser=Pavillon in Brand und wurde zum größten Theile verstört doch gelang es der Coblenier Feuerwehr bald das Feuer zu Tortmund. 1. Sept. Das Wiederaufnahme Verfahren in Sachen Schr.der u. Gen, die, wie bereits gemeldet, vom Essener Schwurgericht wegen Meineids ver urtheilt wurden, soll, wie es heißt, nun nochmals beantragt werden. Die kal. Staatsanwaltschaft in Ensen machte gegen den Wiederaufnahme=Antrag des Rechtsanwalts Dr. Niemeher nämlich geltend. das das Wesentlichste in den beschwotenen Aussagen der Verurtheilten der zweite Stoß sei, den Münter nach Schröder geführt haben sollte; offenbar wegen ihrer Bekundung des zweiten Stoßes sei ihre Verurtheilung erfolgt; deshalb seien die Aussagen der neuen Zeugen, o2 dieselben über diesen iwetten Stoß nichts bätten bekunden können, ohne Bedeutung Auch die Beschlußkammer, welche über den Wieder= aufnahme=Antrag zu entscheiden hatte, machte sich die Ansicht des Staatsanwalts zu eigen und bearündete damit auch die Lblehnung des Antrages. Merkwürdiger Weise stimmen die Gerichtsprotokolle mit den Ausführungen des Staatsanwaltes nicht überein. Die Gerichtsprotokolle über die Aussagen der Verurtheilten Beckmann, Bilking und Thiel besagen über einen zweiten Stoß Münter's nichts, alle drei haben vielmehr in der damaligen Verhandlung über einen zweiten Stoß Munters nichts Positives anzugeben, vermocht. Auf Grund dieser Widersprüche will man das Wiederaufnahme Verfahren noch= mals beantragen Tortmund, 1. Sept. Die Stadt Dortmund beabsichtig: ein Darlehen aufzunehmen in Höhe von drei Millionen Mark und zwar bei einem oder mehreren Geldinstituten. Das Geld soll laut„Rh Westf. Zig“ verwandt werden zur Deckung außergewöhnlicher Ausgaben für den Hafen, die Nieselfelder, das Elektrintatswerk, für Beerdigungsplätze u. s. w Lokales. ** Crefeld. 2. Sept. Die Betriebs=Einnahmen der Crefeld=Uerdinger..a.vaon im Monat August 1297 betrugen 33,143.91 M., im gleichen Zeitraum des Vorjahres 31,395.76 M., mithin im Jahre 1897 1751,15 M. mehr. reTIS. 2. St. auf dem Bahnhofsperron ein 42jähriger Herr, der zur Geholung verreisen wollte, vom Schlage getroffen. Die Feuerwache brachte den Herrn nach seiner * Leipzig, 1. Sept. Heute wurde innerhalb der sächsisch= thüringischen Jndustrie= und Gewerbeausstellung eine Gartenbauausstellung unter entsprechenden Feierlichkeiten eröffnet. Dieselbe ist reich beschickt und dauert bis zum 15= September. Dresden, 1. Sept. Im Walde bei Chemnitz wurde an dem in Chemnitz ansässigen Baumeister Winkler aus Limbach ein Naubmord verübt. *Butzbach, 1. Sept. An der Eisenbahnstrecke der Main= Weser=Bahn zwischen Ostheim und der Station nutzbach wurde gestern Morgen die Leiche eines neugeborenen Kindes aufge= funden. Das Kind war lebend aus einem Eisenbahnzuge her= ausgeworfen worden. Von der Mutter fehlt bis jetzt jede Spur. * Ein gescheidter Kerl. Der kleine Eugen:„Telt Mama, ich bin ein tescheidter Terl; schon drei Stück Tuchen hab' ich stibitzt und du siast nichts temerkt!" Telegraphische Depeschen der„Niederrheinischen Volkszeitung.“ W Berlin. 2. Sept. Der Wagenaufseher Letzel er= mordete gestern Abend seine Geliebte, eine Mantelnäherin, und beging dann Selbstmord.— Die Morgenblätter berichten aus Lauban: Sämmtliche Brunnen wurden wegen der durch das jüngste Hochwasser hervorgerufenen Typhusgefahr polueilich geschlossen. W Toulon, 1. Sept. Der Maire Pastoureau wurde gestern Abend beim Verlassen des Munizipalraths von einem Corsan durch einen Messerstich tödtlich verwundet Handel und Verkehr. Berlin, 31. Aug. 1897. Wechsel=Kurse Neitere Wechsel=Kurse siehe Börsen=Telegramn in der gestrigen Abend=Unsoado. Peters& Co. Grundkap tal Mk. 9, Crefeld, 1. Sept. 1897. Wechsel. Brief/ Geld Geld=Kurse 168. 168.1 81.05 80.75 2040 1.1 35 77.15 76.55 81. Sovereigns engl. Noten 20.Fr=Stücke b=Fr=Stücke franz. Noten belaische holland.„ amerik. Gold " Noten österreich. schweiter. Wodnung Lor trane Kostenlose Einlösung sämmtl. Kupons u. Dividendenscheine. Kontrole der Ausloosung Verwaltung von Werthpapieren. Dokumesten aller Art und Auf bewahrung von Werthgegenstanden. An- und Verkauf von werthpapieren zu vortheilhaften Bedingungen. Unentgeitliche Engegennahme von Zeichnunges auf alle zur Ausgabe gelangenden Aktien. Staate- u andere Papiere. Annahme von Depots unter eigenem Verschluss des Be sitzers:„Safes. Ankauf guter Geschäftswechsel, Eröffaung laufender Rechsungen u. Check-Konti. An- u Verkauf von Devisen, sowie Besorgung aller sonstigen in das Bankfach schlagenden Ge-chäfte Asnahme von Spareinlagen mit verschiedenen Zinssätren je nach den Kündigungsfristen. Uninteressirte Auskueft über alle Werthpaplere. Fast alle 3',%, und 4°, Pfandbriefe erstklassiger deutscher Hypothenbasken erlassen wir zum Berliner Tageskurse frei von allen Spesen.— Geldwechsel. Lyon, 30 Aug. Zur Kondition kamen: Organzin 33 2 17 B. Tramen, 124 B. Gregen und hat 168 B. gewogen Gesammtgewicht von 23.908 Kilogr. ailand, 31. Aug. Zur Kondition kamen 179 2. europäische und 267 B. astatische Seiden im Gesammtgewict von 33,200 Kilogr Wolle und Baumwolle. * Bremen, 1. Sept. Baumwolle. Upland midd.. greifbar M. 0,40. Ruhig. Biehmärkte. Cleve, 1. Sept. Viehmarkt. Zugetrieben waren 49 Pferde, davon 21 Fohlen, und 65 Kühe und Rinder. Preise für Kühe von 210-380 M. Handel flott; Ueberstand gering. Nächster Markt: 15. Sept. *Tortmund, 1. Sept. Zucht= und Fasel=Vie markt. Aufgetrieben: 658 tragende und frischmilchende Kühe und Rinder, etwa 735 Schweine bzw. Ferkel und 20 Pferde Jn Hornvieh war der Handel langsam und trotz geringer Nach= frage waren die Preise fest. Markt nicht geräumt.— Am Schweinemarkt war das Geschäft langsam, der Absatz gering. Achtwochen=Ferkel 3.00-3,50 M. pro Woche. ¼jährige 30-36 M., ½jährige 50-56 M. das Stück. Pferdehandel still. Nächster Markt am 15. Sept. Wittlich, 31. Aua. Viehmarkt. Auftrieb gut. Kindvieh 49-63, Schweine M. 46-49 die 50 Kilo Schlachtgew. Gespaaocien das Paar M. 600-000, leichte M. 150-600, Gespanr=Kühe das Stück 105-270, trächtige Kühe und Rinder 200-300, frische Milchkühe ohne Kalb 210-270, Zielrinder 24-42, Ochsenrinder 20-175 M, 6-8 Wochenberkel:150-21, 10Jchen 27-33, Zielschweine 36-48, Sauen 18.100, Schlachtwanre 18.0 M. Verkehr belebt bei Schweinen. Nächster Markt: Dienstag, 5. Okt. Getreidepreise, veröffentlicht von der Zentralstelle der Preußischen Landwirthschaftskammern. 31. August 1897. Für inländ. Getreide ist in Mark per Tonne gezahlt worden: Hafer 130-131 130 125-135 130-150 120-110 122 130-116 125-131 140 122 120-124 130 127-130 132 123-127½ 108 15? 136 135-142 per 100 Kilo saßweile 62.—, gereinigtes Oel per 100 94= N. höher als Rübdl. Preßkuchen per 1000 Kilo M. 105 Kleie per 50 Kilo M. 450.— Butter per Kilo M. 2,40. 0 25 St. 1,75 M. Köln, 1. Sep.. Jn Weizen, Roggen, Haser kein Handel. Küböl loko 63,50. Breblan, 1. Sept. Spiritus per 100 Liter 100% exl. 50 M. Verbrauchsahg. Sept. 64,—, do. 70 M. Sept. 44 Bremen, 1 Sept. Raftin. Petroleum 5,05 Be * Stettin. 1. Sept. Zuverlässige Getreidepreise nicht an ermitteln. Spiritus 1e% 47u pom. Hamburg, 1. Sept. Weizen holst. 174-182. Roggen mecklenb. 136-145, rufs. 102. Rübdl 60. Spiritus Sept.=Okt. 19% Br., Okt.Nov. 19% Br., Nov.=Des. 20 Be., Des=Jan. 20 Br. Petroleum Standard white 485 Br 4OL Hamburg, 1. Sept. Futtermittelmarkt. Der Futtermittelmarkt war während der ganzen Berichtswoche außerordentlich fest gestimmt bei anziehenden Preisen. Vom Jnlande mehrte sich die Bedarfsfrage, welche jedoch nur zu höheren Preisen befriedigt werden konnte, namentlich für spätere Lieferungs= termine. Tendenz: steigend. Reisfuttermehl, 24-28% Fett und Protein, M. 3.60-3.80 ab Hamburg, 3,80-4,00 ab Magdebure, ohne Gehaltsgarantie 3,00-3,55 ab Hamburg. Reiskleie 1,80 bis 2,25 ab Hamburg, 2,00-2,30 ab Bremen, getrock. Getreideschlempe, 40-45%, 4 90-5,10 ab H., getrock. Biertreber, 24-30% Fett und Protein, 4,20-4,50 ab H., Erdnußkuchen und Erdnußmehl, 52-54%, 7,00-7,25 ab H., 53-55% 7,29-7,90 ab Baumwollsaatkuchen und Baumwollsaatmehl, 54-55%, 5,35-5,60 ab H., 56-60%, 5,70-6,10 ab H., Cocusnußkuchen und Cocusnußmehl 7,00-7,35 ab H., Palmkernkuchen, 25-30% Fett und Protein, 5,50-5,75 ab H., Rapskuchen 5,50-6,00 ab H., Mais amerik. mixed verzollt 4,80-5,00 ab H., Weitenkleie 4,20-4,40 ab H., Roggenkleie 4.20-4,50 ab H., Erdnußschalenkleie 2-2.40 ab H. Alles pro 50 Kilo. Hamburg, 1. Sept. Zucker.(Schluß.) Rübenrohzucker, Leide. * Crefeld, 1. Sert. Betrieb der Seidentrocnungs. Anstalt. Es sind heute zur Kondition gekommen: 45 Nre 3651 Kilogr. Züric, 31. Aug. Zur Kondition kamen: Orgonii= 17 Nr. 1530 Kilogr., Trame 23 Nr. 1890 Klogr. Grege 2 Nr 100 Kiogr. Total: 42 Nr. 3510 Kilogr. Netto verwogen 5 Nr. 260 Kiloar. * Basel, 31. Aug. Zur Kondition kamen: Organzi= 6 Nr. 598 Kulogr., Trame 10 Nr. 682 Kilogr. Brece 9 N: 147 Kiloar. Total: 25 Nr. 1727 Kllogr. 137°-150“ 1501 122-130 135-115 130 Preisnotirungen aus dem Landkreise Crefeld, ermittelt durch landwirthschaftliche Verbände. Osterath. 1. Sept. Hier wurden verkauft: Weiten, 1. Qual. 20 M., Roggen, 1. Qual. 13,60 M, Hafer, alter 13,—, neuer 12.—. Kartoffeln, weißfleischige(Welkendorfer) 1,40, gelb fleischige(Magnum bonum) 2.— M. per Ztr. Stroh 1,80 M der Ztr. Kase, 1. Qual. 46.—, 2. Qual. 40-42 M. per Ztr. Kühe, 1. Qual. 60,—, 2. Qual. 55-56 M., Schweine 59 M pro Ztr. Schlachtgew. Frucht= und Viktualienmärkte. Neuß, 1. Sept. Getreibepreise. Neuer Weizen kleiner, 20,— M., do. engl. 1. Qual. 19,50, 2. 19.—. Neuer Roggen 1. Qual. 13,60, 2. 13,10. Hafer 1. Qual. 13,— 2 Qual. 12.—, neuer Hafer 12,20, Rars 1. Qual. 27,25 2. Qual. 25,75 die 100 Kilo, Aveel(Rübsen) 1. Qua N. 26,25, 2. Qual. M.24,75 die 100 Kilo. Kartosfeln— Heu per 500 Kllo 35.— M., Roggenstroh 18 M. pro 500 Kilo Kübel per 100 Kilo in Parthien von 100 Ctr. 60,50, Rabel Mn..1. 68%, frei an Bord Hamburg, per Sept. 8,77½ Okt. 8,82½, Kov. 8,85, Dez. 8,87, Marz 9,12½. Mai 9,24 * Hamburg, 1. Sept. Kaffee, Santos Sept. 34, Dez. 34¼, Márz 35½, Mai 36 Pig. Umsatz 1500 Sack. *Amßerdam, 1. Sept. Kafsee, Java vorr. Fl. 47, Sept. 46. Dez. 41, März 44, Mai 44, Juli 44 Amsterdam, 1. Sept. Weisen Nov. 215, Roggen Okt. 120, März 121. Mai 124 fl. Kübölloco 32, Sept=Dez. 31 fl. Leinöl vorr. 16%, Sep:=Dez. 10, Jan=Nzi 1 Juni=Aug. 18 *Autwerpen, 1 Sept. Petroleum.(Schlußb.) Raf. Tyve weiß loko 19 bi.. 15% Br., Sept.— bi.. 15% Br., Okt. 15% 8r * London, 1 Sept.. 96% Javazucker loko 11½. RübenKohmcker locc 8’ Reteorol. Station Trefeld(Kgl. Färbereischule), 2. Sept .. Das Temperatur=Nimmun in vergangener Nacht 13° Cels.(11° Reaum.) Die Beobachtungen beziehen sich auf die Zeiten: Rorgens, 2 Uhr Nachmittags, 9 Uhr Abends des gehenden und 7 Uhr Morgens desselben Tages. 7 uh= vorher Vitterungb=Uebersicht der Deutschen Seewarte vom 1. Sept, mitgetheilt dem„Deutschen„Reichsanzeiger“. Ein barometrisches Minimum, vom Westen kommend, ist über dem Skagerack erschienen und veranlaßt an der westdeutschen Küste starke südwestliche Winde, deren Ausbreitung nach Düen hin zu erwarten ist. Ein baromettisches Marimum liegt über der Alpengegend. Vorm Kanal ist das Barometer wieder stark acfallen. Jn Deutschland ist das Wetter kühler, im Norder volkig, im Süden heiter; fast allenthalben ist Regen gefallen; m nördlichen Deutschland, insbesondere an der Küste, Jingen tahlreiche Gewitter nieder. Für den Jnseraten= u. Reklamentheil verantwortl.: Jos. Keller Mecklendura=Strelitsche Hypothekenbank. Wie aus dem Jnseratentbeile unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 1. Oktober cr. fälligen Pfandbrief=Couvons bereits vom 15. September cr. ab kostenlos eingelöst. Vommersche Hypotheken=Aktien=Bank. Die aus dem Jnseratentheile unterer beutigen Zeitung ersichtlich, werden die am 1. Oktober er fälligen Pfandbrief=Couvons breits vom 15. September cr. ab kostenlos eingelöst. Jn einer auten Familie in Neuenburg würde man Junge Leute in Pension aufnehmen, welche die Handel/chulebsuchen möchten Referenien: Herr und Frau Hugo Pollems, ts Ostwall, Crefeld; Herr Ernst Bruning. 227 Ostwall, Crefeld; die Herren Pfarrer in Neuenburg. Um weitere Auskünfte wende man sich an Herrn Henri Lavame, Jngenieur in Neuen= burg(Schweiz). 4385 Gesucht wird ein angehender mit schöner Handschrift, kath welcher in der einfachen Buch führung u. in Comptoirarbeiten gut bewandert ist. Solche Re= flektanten, die in der Kurz=, Woll= und Manufakturwaaren= branche thätig gewesen sind, er halten den Vorzug. Gehalts= ansprüche und bisherige Thätig keit erbeten. Eintritt möglichst sofort. Pension ist zu 45 bis 50 M. genügend zu haben. 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Walter Dallmeier, Barmen, ein Nadchen Vermählte: Gerichtsassessor Jul. Stern mit Adele Beller stein. Hagen und M Gladbach — August Brackertz mit Maria Bock, M. Gladbach und Rheydt mener Tochter Mathilde Lilty mit IIrn. Bürgermeister Mathien Schroembgens be ehre ich mich ergebenst an zuzeigen. Breyell, 2. Septbr. 1897 Frau Franz Beckmann Henriette geb. Finger. Vathilde Lilly Beckmann Vathien Schrömbgens Verlobte. Breyell Bitburg i E besorgen wir spesenfrei. A. Molenaar& Co. Zwanao-Verkauf. im Camstag, den 4. Sept. d. J., Nachmittags 5 Uhr verde ich in dem Garten des Hauses Hulferstraße 764 hier selbst. öffentlich meistbieted gegen baare Zahlung versteigern vie folgt: 250 Stück verschiedenartige Ziersträucher, 300 wilde Rosen. 200 Epheupfliren. 500 Conifdren. 20 Treibhauspflanzen 150 wurzelechte Rosen, 000 junge Tannen, 800 Topfblumen 100 niedere Rosen, 150 Georginen, Beeren= u. Himbeersträucher, veredelte Rosen, Winterastern u tirka 1000 Blumentöpfe, Dünger Mistdeetfenster, 1 eis. 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